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CHECK DEINEWELT - Das Quiz mit Zukunft

Weblinks - 13. Oktober 2019 - 23:59

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Tags: 2030-Agenda, lernen, BNE, check, das, quiz, mit, zukunft

by: Karsten Weitzenegger

Window on the World

DEVELOPMENT - 11. Oktober 2019 - 0:00

Recht auf Nahrung: Geschichten und Kämpfe der Menschen hinter den Zahlen erzählen #RtFNWatch

SID Hamburg - 10. Oktober 2019 - 23:09
State of the Right to Food and Nutrition Watch 2019

Mainstream-Narrative über Hunger konzentrieren sich auf Statistiken und Zahlen. Zum Beispiel sind nach Schätzungen des SOFI ( State of Food Security and Nutrition) von 2019 weltweit 820 Millionen Menschen von Hunger und Unterernährung betroffen, während 2 Milliarden von unsicherer Ernährung betroffen sind. Diese Zahlen sind wichtig, können aber nicht die ganze Geschichte erzählen. Eine ausschließliche Fokussierung auf Daten trägt dazu bei, die Ursachen der Ernährungsunsicherheit zu verschleiern und die Rolle der staatlichen Rechenschaftspflicht zu vernachlässigen.

Um diese Lücke zu schließen, veröffentlicht das Globale Netzwerk für das Recht auf Nahrung und Ernährung (GNRtFN) mit Unterstützung seines Sekretariats FIAN International den ersten Bericht über das Recht auf Nahrung und Ernährung. Dieser Pilotbericht soll über die Zahlen hinausgehen und einen Einblick geben, wie sich das Recht auf Nahrung und Ernährung im vergangenen Jahr weiterentwickelt hat.

Dieser Ansatz ist nicht ganz neu. Jedes Jahr bewerten zivilgesellschaftliche Organisationen (CSOs) den SOFI-Bericht kritisch auf fehlende Menschenrechte oder Strukturanalysen (siehe Kritiken 2018 und 2019 ). Ihre Einschätzung wird jedoch jedes Jahr größtenteils ignoriert. Laut Emily Mattheisen von FIAN International ist diese mangelnde Beachtung der Menschenrechte kein Zufall. „Die Verantwortung für Menschenrechte passt nicht zu der vorherrschenden Darstellung der Ursachen für Ernährungsunsicherheit und den damit verbundenen gewinnorientierten Unternehmenslösungen.“, sagt Emily.

Die Verlagerung der Erzählung auf die Stimme der Menschen ist komplex. In dem Bericht wird jedoch versucht, verschiedene Erfahrungen aus dem Norden und Süden auszutauschen, in denen sich Gemeinschaften und zivilgesellschaftliche Organisationen erfolgreich gegen die Aktionen des regressiven Staates organisiert und verschiedene Maßnahmen zur Wahrung ihres Rechts auf Nahrung und Ernährung ergriffen haben.

In Anlehnung an das Thema seiner Schwesterpublikation, der „ Right to Food and Nutrition Watch“ von 2019, wird anhand der in diesem Bericht gesammelten Erfahrungen der Einfluss regressiver Maßnahmen auf das Recht von Frauen auf Nahrung und Ernährung hervorgehoben.

Der Bericht zum Recht auf Nahrung und Ernährung ist nur eine Momentaufnahme davon, wie die Menschen im vergangenen Jahr für das Recht auf Nahrung und Ernährung eingetreten sind. Indem die GNRtFN mehr Geschichten und Kämpfe der Menschen hinter den Zahlen erzählt, bemüht sie sich, die Lücke zu schließen, die die Statistik hinterlässt.

- Den vollständigen Bericht (nur auf Englisch) können Sie hier lesen
- Die Zusammenfassung finden Sie hier

SID ist Mitglied in Watch Consortium. Weitere Informationen über das globale Netzwerk zum Recht auf Nahrung und Ernährung erhalten Sie auf www. righttofoodandnutrition.org

 

 

Hungerzahlen steigen stark an - Ein Viertel der Weltbevölkerung betroffen

SID Hamburg - 10. Oktober 2019 - 22:00

317 Millionen Personen mehr als vor vier Jahren hungern

Die Menschenrechtsorganisation FIAN Deutschland weist anlässlich des Welternährungstags am 16. Oktober darauf hin, dass die Zahl der an „mittlerer oder schwerer Ernährungsunsicherheit“ leidenden Menschen – weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit – in nur vier Jahren um 317 Millionen auf nun über zwei Milliarden Personen gestiegen ist. Dies zeigen jüngste Zahlen der Welternährungsorganisation FAO. Zugleich ist die Datenlage zur Zahl der Todesfälle durch Hunger und Mangelernährung lückenhaft: Schätzungen liegen zwischen 9 und 36 Millionen Menschen pro Jahr.

„Das Recht auf Nahrung von einem Viertel der Weltbevölkerung wird verletzt. Dies ist ein politischer Bankrott angesichts von Rekordernten und vollen Nahrungsmittelspeichern“, so Philipp Mimkes, Geschäftsführer von FIAN Deutschland. „Hungernde sind meist marginalisiert, weswegen dieses stille Drama in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wird.“

Exemplarisch ist die Entwicklung in Südamerika, einem von der industriellen Agrarwirtschaft dominierten Kontinent: Trotz gewaltiger Expansion der Agrarflächen ist regelmäßiger Hunger dort stark angestiegen. 131 Millionen Menschen sind betroffen, ein Anstieg um 67 % seit dem Jahr 2014. Südamerika ist bekannt für die aggressive Expansion der Produktion weniger Agrargüter wie Soja, Rindfleisch oder Zuckerrohr. „Dieses industrielle Agrarmodell wird immer wieder als „modern“ betitelt – auch von den davon profitierenden Agrarkonzernen wie Bayer, BASF oder Syngenta. Es ist jedoch viele Jahrzehnte alt und geht an den Bedürfnissen der Hungernden vollkommen vorbei. Dies zeigen die Zahlen aus Südamerika auf erschreckend deutliche Weise“, so Roman Herre, Agrarreferent von FIAN Deutschland.

 

Zu den wichtigsten Hungerursachen gehören soziale Ungerechtigkeit, Diskriminierung und ungerechte Handelsstrukturen. FIAN fordert daher eine menschenrechtlich ausgerichtete Hungerbekämpfung, die – neben der akuten Katastrophenhilfe, der Bekämpfung der Erderhitzung und der Beendigung kriegerischer Konflikte – zuerst die Rechte marginalisierter Bevölkerungsgruppen stärkt.

Quelle: FIAN Pressemitteilung vom 10. Oktober 2019

Hintergrund 

Definitionen
Die FAO hat 2019 zur Hungerbemessung erstmals umfassende Daten des neuen Indikators FIES (Food Insecurity Experience Scale) berücksichtigt. Er beruht im Gegensatz zum klassischen Indikator Prevalence of Undernourishment (PoU) auf konkreten Haushaltsbefragungen. Die weltweite Erhebung des FIES-Indikators ermöglicht eine genauere Analyse der Hunger-Ursachen, obgleich eine Aufschlüsselung nach Ländern weiterhin fehlt.

Hintergrund zum FIES
Der FIES wurde als zusätzlicher Indikator zur Erreichung von SDG 2 („Den Hunger weltweit bis zum Jahr 2030 beenden“) etabliert. Er kann unterschiedliche Schweregrade von Hunger und Ernährungsunsicherheit messen. Mit dem diesjährigen Bericht der FAO zu Hungerzahlen (SOFI, Juli 2019) wurden erstmals Zahlen zu „moderater Ernährungsunsicherheit“ (moderate food insecurity) veröffentlicht. Zudem bietet der neue Indikator die Möglichkeit, die Daten zu disaggregieren – also nach Geschlecht, Alter, Wohnort etc. aufzuschlüsseln. Dadurch können zugrundeliegenden Ursachen von Hunger deutlich besser analysiert und die Wirkung politischer Maßnahmen auf marginalisierte Gruppen hergestellt werden.

Rekordernten und Lagerbestände
Die Weltgetreideernte beinhaltet die Ernte der global bedeutendsten Grundnahrungsmittel Weizen, Mais und Reis. Laut FAO (Food Outlook 5/2019) ist die Weltgetreideernte in den letzten 10 Jahren stark angestiegen, von 2,2 auf 2,8 Milliarden Tonnen (+27%). Die Weltbevölkerung ist im gleichen Zeitraum um 11% gewachsen. Auch die Weltgetreidespeicher sind deutlich besser gefüllt als noch vor 10 Jahren (852 Millionen Tonnen gegenüber 520 Millionen Tonnen). 

Wie viele Menschen sterben an Hunger?
Es gibt keine systematischen Untersuchungen zu der Zahl der Menschen, die an den Folgen von Hunger und Mangelernährung sterben. Verschiedene UN-Organisationen haben dazu unterschiedliche Schätzungen veröffentlicht. Laut FAO-Bericht aus dem Jahr 2002 sterben täglich 25.000  Menschen an den Folgen von Hunger und Mangelernährung, somit 9,1 Millionen pro Jahr. Laut dem damaligen UN-Sonderberichterstatter zum Recht auf Nahrung starben 2006 etwa 36 Millionen Menschen an den Folgen von Hunger und Mangelernährung.

Fokus: Fridays for Future | Portal Globales Lernen

Weblinks - 10. Oktober 2019 - 19:49

Comments:

  • Seit März 2019 gibt es auf dem Portal Globales Lernen die Fokus-Rubrik Fridays for Future und rund 150 Beiträge wurden seither dort veröffentlicht. Ob Bildungsmaterial, Aktionshinweis, Veranstaltung, App, Poster, Film, Portal, … - ein riesiges Angebot steht zur Verfügung, um sich selbst zu Ursachen und Auswirkungen des Klimawandels zu informieren und vor allem: um die Behandlung des Themas in der schulischen und außerschulischen Bildungsarbeit zu erleichtern. - Karsten Weitzenegger

Tags: lernen, portal, klima, klimaanpassung, klimafolgen, klimaschutz, klimawandel

by: Karsten Weitzenegger

Book Shelf

DEVELOPMENT - 10. Oktober 2019 - 0:00

An Intra- and Inter-generational Lens into Rapid Technological Change

DEVELOPMENT - 10. Oktober 2019 - 0:00
Abstract

Technology change is not a new phenomenon and has often been accompanied with uncertainty. Today, we continue to see rapid technological change with unprecedented impact on the social, economic, and environmental dimensions of our societies. These effects are often only realized in hindsight, when their some impact (both positive and negative) can be irreversible. This article outlines various trends aimed at better characterizing technology change today, how this change can be oriented to better serve people and planet, and foresight on its impact on inequalities both within and across generations.

From Networks and Platforms to Forums –Knowledge Cooperation in Implementing the Sustainable Development Goals (SDGs)

DIE Blog - 9. Oktober 2019 - 14:00

The International Conference on Sustainable Development (ICSD), one of the side-events to the UN General Assembly Meeting that aimed not only to generate but disseminate knowledge that is needed, as an example for the importance of national and transnational knowledge cooperation in implementing the Sustainable Development Goals (SDGs). Under the topic “Good Practices: Models, Partnerships, and Capacity Building for the SDGs” the conference brought together more than 3,000 participants from the public and private sector as well as from civil society and academia.

The implementation of the SDGs is an incremental process. Implementing this encompassing agenda – a current epitomisation of what the global community understands as “the global common good” it aspires to work towards – is a complex process of finding the different parts of the puzzle that builds on past and current achievements. The implementation is a deliberative process that depends on various stakeholders with diverging interests and perspectives and relies heavily on additional efforts to ensure that no one is (really) left behind. Through this mantra of ensuring that the weakest and vulnerable actors are given voices, national and transnational knowledge cooperation become imperatives in implementing the SDGs.

The recently concluded 2019 SDG – and Climate Summits during the UN General Assembly Meeting in New York were supported by various events that aimed not only to generate but disseminate knowledge that is needed. During the last two weeks of September, New York provided space for transnational and transdisciplinary knowledge cooperation. Climate protection and sustainable development are cornerstones of a positive vision of the future for all humans. To make realistic expectations, there is a need to understand, though, that sustainability is an incremental process through which small solutions can later emerge as giant leaps. Therefore, small contributions should also be acknowledged and even celebrated, especially when they inspire others to do more.
This year, the number of side-events to the UN General Assembly Meeting was drastically reduced to allow delegation members to focus more on concrete actions. In effect, this reduction in number has increased the importance of the few remaining events surrounding the two summits. One of these events was the International Conference on Sustainable Development (ICSD) where the theme “Good Practices: Models, Partnerships, and Capacity Building for the SDGs” was focus of the debate. The conference brought together more than 3,000 participants from the public and private sector as well as from civil society and academia.

National and transnational solutions

The million-dollar question of the ICSD was: which good practices are useful to implement the global sustainability goals? The key to a sustainable transformation is national and transnational knowledge cooperation for both the Managing Global Governance (MGG) and the German Sustainable Development Solutions Network (SDSN Germany). Networks, through which knowledge is produced, distributed, verified and improved, generate solutions through synergies. Through the participation of various agents of change global solutions are made useful in local terms. An unprecedented achievement in this constellation are the interactions between different stakeholders (private sector, civil society, policy-makers) and the coming together of what the American academic Peter M. Haas described as “epistemic communities” of different themes, be that governance, international relations, climate science, developmental science, sociology, management science, law, anthropology, and others.
The discussion on issues related to the implementation of the SDGs in New York brought together solutions from different countries (of various national incomes) that all strengthen and at the same time demand for more transnational and transdisciplinary knowledge cooperation in the field of sustainable development. Knowledge cooperation is itself not an automatic process and that it requires additional efforts, participants in New York agreed. For example, the South Africa SDG Hub shared its experience on how it was able to overcome the initial lack of external funding by using synergies resulting from already existing projects. The Embrapa Network, a Brazilian research network addressing agricultural issues, highlighted how the need for interdisciplinary solutions on SDGs affected its recruitment of junior scholars. This need changed how member institutions design their curricula. Another major issue addressed is how to address the North-South divide. As a final point of agreement during discussions, due to the universality of the SDGs, South-North cooperation is as important as South-South cooperation. Circular, that is, South-North cooperation, and multi-actor interactions between different actors with diverse backgrounds and from all regions allowed the exchange in New York to become a forum for transnational knowledge cooperation.

Prospect: 2030

Sustainable development and climate protection can be achieved, in particular, through the strategic linkage between local and global solutions developed and implemented by diverse actors. The intense talks and festive atmosphere in New York showed strong national and transnational solutions which impact policy- and decision-making. Yet, with all progress and good practice shared in New York: the world is not yet on track in achieving neither the SDGs nor the climate goals. The conference in New York was one small step, and the variety of actors gathered – from the South, the North, academia, policy, civil society, and business – not only presented opportunities for transnational and transdisciplinary exchanges, but also proved that more exchanges are desired. The momentum needs to be built. Exchanges across and beyond tightly knit groups should embolden the community to continue working for a sustainable future for all.

Der Beitrag From Networks and Platforms to Forums –Knowledge Cooperation in Implementing the Sustainable Development Goals (SDGs) erschien zuerst auf International Development Blog.

Governance and Assessment of Future Spaces: A Discussion of Some Issues Raised by the Possibilities of Human–Machine Mergers

DEVELOPMENT - 9. Oktober 2019 - 0:00
Abstract

This article explores potential privacy, security, and ethical issues raised by technologies that allow for human–machine mergers. The focus is on research, development and products at the intersection of robotics, artificial intelligence, Big Data, and smart computing. We suggest that there is a need for a more holistic approach to the assessment of such technology and its governance. We argue that in order to determine how the law will need to respond to this particular future space, it is necessary to understand the full impacts of human–machine mergers on societies and our planet—to go beyond these three aforementioned issues. We aim to encourage further discussion and research on this as well as the broader organism-machine merger question, including on our FLE5SH (F = financial, L = legal, E5 = economic, ethical, equity, environmental, and ecosystem, S = socio-political, H = historical) framework for the governance and assessment of these and other future spaces.

#StandTogetherNow at the UN General Assembly

#Action4SD - 4. Oktober 2019 - 17:11

This September, we had the opportunity to promote the #StandTogetherNow campaign at the United Nations General Assembly in New York. A few blocks away from UN headquarters, where world leaders where gathering, we organised a public mobilisation with key partners where we called for urgent action on equality, civic space and climate and environmental justice. We also had the opportunity to showcase some of the actions that members organised all over the world.

The #StandTogetherNow public mobilisation was part of the People’s Assembly, a two-day workshop where civil society representatives discussed pressing matters that world leaders should adress and created a comprehensive call to action.

Photos by Clara Sanchiz/CIVICUS

We also had the opportunity to showcase some of the #StandTogetherNow actions that many A4SD members have led accross the world from 20 top 27 September. Take a look at our presentation at the UN SDG Action zone in this video.

The post #StandTogetherNow at the UN General Assembly appeared first on Action 4 Sustainable Development.

Methanol könnte der Schlüssel für eine klimafreundliche Entwicklung Afrikas sein – Global Marshall Plan

Weblinks - 4. Oktober 2019 - 14:33

Comments:

  • Der globale Energiebedarf wird in Zukunft weiter steigen. So lange wir Energie primär aus fossilen Brennstoffen gewinnen, wird sich die Menge an freigesetzten CO2-Emissionen weiter erhöhen und die Erreichung der SDG unmöglich machen. - Karsten Weitzenegger

Tags: SDG, entwicklung, energie, energy, afrika, klimaanpassung, methanol

by: Karsten Weitzenegger

UN-Nachhaltigkeitsgipfel: Wege entstehen, wenn wir sie gehen

VENRO - 4. Oktober 2019 - 11:23

Michael Herbst, Sprecher der VENRO-AG Behinderung und Entwicklung und Leiter der politischen Arbeit bei der VENRO-Mitgliedsorganisation Christoffel-Blindenmission (CBM), ist mit seinem CBM-Kollegen Jan-Thilo Klimisch zur Generalversammlung 2019 der Vereinten Nationen (UN) nach New York gereist. Hier schildert er seine Eindrücke zwischen Klima- und SDG-Gipfel, zwischen UN-Bürokratie und Side-Events.

Die Anfangseuphorie der 2030 Agenda ist verpufft

New York, 25.9.2015: Der Papst hauchte eine 20-minütige Rede ins Mikrofon. Shakira und Angélique Kidjo sangen. Friedensnobelpreisträgerin Malala verpasste den versammelten Staatenlenker_innen einen bildungspolitischen Einlauf. 193 kleine Taschenlampen leuchteten blau. Und dann: Minutenlanger Applaus. Die 2030 Agenda für nachhaltige Entwicklung war verabschiedet. „Jetzt sind wir alle Entwicklungsländer…“ Es klang nach Zuversicht. Es roch nach Aufbruch.

Vier Jahre später: Vor der UN-Generalversammlung spricht der „America first“-Präsident Trump und ermuntert dazu, sich gegen Migration und Einwanderung zur Wehr zu setzen. Die Zukunft gehöre nicht den Globalisten sondern den Patrioten. Greta Thunberg wendet sich an die Staatschefs im Stile einer wütenden Pubertierenden, die ihre Eltern zusammenfaltet. 15 internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zeichnen ein düsteres Bild zum Stand der der Nachhaltigen Entwicklungsziele (SDG) und mahnen zu mehr Tempo.

Das Zusammenführen gesellschaftlicher Akteure scheint aus dem Fokus geraten zu sein: Die Regierungsdelegationen bleiben im UN-Komplex weitgehend unter sich. Im Kirchenzentrum gegenüber treffen sich derweil bei der parallel tagenden People‘s Assembly all jene, denen der Zugang zum Gipfeltreffen verwehrt bleibt. Beide „Lager“ sind auf der Suche nach dem richtigen Rezept. Nur sporadisch trifft man am Rande von Plenarsitzungen und bei Side-Events aufeinander oder kommt gar direkt ins Gespräch.

Sicherheit oder doch Schikane?

Wer als zivilgesellschaftliche_r Akteur_in während der New Yorker UN-Woche zumindest bei einzelnen Programmpunkten der offiziellen Treffen dabei sein möchte, muss sich nach der bereits Wochen im Voraus erfolgten schriftlichen Akkreditierung nun vor Ort auf eine verwirrende Schnitzeljagd einlassen. Für manchen mag dieses Verfahren touristisch reizvoll sein, ganz sicher aber nicht für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen. Weder werden die stets nur für einige Stunden gültigen UN-Ausweise im Vorfeld zugesandt, noch ist dafür eine zentrale Ausgabestelle eingerichtet. Stattdessen hat man sich mal zur New Yorker WHO-Repräsentanz zu begeben, mal ins Büro von World Vision und mitunter werden die Ausweise auch in kleinen Parks oder an Straßenecken ausgegeben. Es drängt sich die Frage auf, ob all dies der Sicherheit oder doch mehr der Schikane dient.

Gleich am ersten Tag ziehen wir bei der lustigen Akkreditierungsjagd die falsche Ereigniskarte. Für das hochrangige Treffen zu universeller Gesundheitsversorgung liegt trotz vorheriger gemeinsamer Anmeldung keine Zugangsberechtigung für mich vor, wohl aber für Jan-Thilo, der formal als persönlicher Assistent seines blinden Kollegen angemeldet ist. Nach einigem Nachhaken, Tweets und mehreren Stunden kommt schließlich eine Entschuldigung aus dem Büro des Präsidenten der Generalversammlung. Per Foto wird uns die Zulassung für die Nachmittagssitzung des Gipfels übermittelt. Danke, aber derweil haben wir bereits umgeplant.

Zur Eröffnungssitzung des SDG-Gipfels klappt es dafür dann mit dem Zugang ins UN-Gebäude. Wir hören zahlreiche wenig inspirierte, wenig inspirierende Wortbeiträge, die wir meinen, allesamt schon einmal gehört zu haben, bereichert vielleicht um einige neuere Daten. Immerhin klare Bekenntnisse zu Leave no one behind und Reach those furthest behind first. Und immer wieder das Postulat, die Umsetzungs-Bemühungen zu konkretisieren und zu beschleunigen. Nein, das alles klingt auch für uns nicht nach dynamischem Voranschreiten. Mehr nach einem etwas trägen Nebeneinander und Voranschleichen auf der Grundlage gemeinsamer Agenda-Grundsätze.

Trotz allem gibt es Fortschritte

Aber Vorsicht: Abschreiben sollte man die Agenda 2030 darum keinesfalls. Denn die große Errungenschaft der SDGs, wie zuvor bereits der Millenniums-Entwicklungsziele (MDGs), liegt in der erhöhten, ausdifferenzierten Messbarkeit und Nachprüfbarkeit von entwicklungspolitischen Maßnahmen. Der Zwischenbefund der zu langsamen Agenda-Umsetzung birgt doch zugleich eine Chance. Immerhin über 100 neu geäußerte Versprechen zu beschleunigtem Handeln zählt der VENRO-Vorsitzende, Dr. Bernd Bornhorst, in einer Pressemitteilung zu den Tagen in New York.

Wenn das so ist, dann ist das nicht nichts. Selbst dann, wenn sich hinter den Versprechen nicht wirklich ein zusammenhängendes transformatorisches Gesamtkonzept erkennen lässt. Es ist wohl mehr Stückwerk, das sich – so zumindest die Hoffnung – früher oder später zu einem Ganzen zusammenfügen wird. Drei Beispiele:

  • Wenn sich Deutschland mit einem Dutzend Ländern und beinahe ebenso vielen UN-Organisationen zusammentut, um einen SDG-3-Implementierungsplan anzuschieben, der eine bessere Zusammenarbeit zur Erreichung von ‚Gesundheit für Alle‘ zum Ziel hat, ist das nicht nichts. Selbst wenn dieser Plan einige Defizite aufweist und ein Wirtschaftsvertreter bei dieser „Eheschließung“ zwar bereitwillig den „Trauzeugen“ mimt, dabei aber versäumt, „Hochzeitsgeschenke“ einzubringen, etwa in Form verbindlicher Selbstverpflichtungen. Als vielversprechender Ansatz für eine erfolgreiche Multiakteurs-Partnerschaft kann der von der Bundeskanzlerin initiierte Aktionsplan dennoch gelten.
  • Wenn der multilaterale, auf die Finanzierung von Bildungszugängen in Krisen und Konflikten ausgerichtete Fonds Education Cannot Wait in New York von der Gebergemeinschaft über 200 Millionen Euro zugesagt bekommt, darunter auch deutsche Mittel, dann ist das nicht nichts. Selbst wenn viele Fachleute ein parallel neu eingerichtetes Finanzierungsinstrument, das auf Bildungskrediten basiert, als kontraproduktiv bewerten.
  • Wenn die Vereinten Nationen schließlich eine neue Strategie veröffentlichen, die darlegt, wie man im Innern der UN-Bürokratie behindertenfreundlicher werden möchte, ist das ebenfalls nicht nichts. Auch dann nicht, wenn die in New York vorgestellte Website zum Thema in Sachen Barrierefreiheit noch Optimierungspotential hat.

Der 2030 Agenda-Umsetzungsprozess ist bei weitem nicht tot. Nicht alle machen mit und natürlich macht keiner alles richtig. Doch klar ist auch: Dieser Prozess ist alternativlos.

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