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Oh no! Attention, Academy applicants…

SCP-Centre - vor 51 Minuten 22 Sekunden

For those who have applied to the Academy of Change, please give us a minute of your attention.

Unfortunately, we had a technical issue with our server and all incoming applications submitted between December 10, 2019 and January 15, 2020 were not received.

We are truly sorry and have fixed the issue.

Please resend your application until 31 January if you had sent yours in that time period. We extended the original application deadline to make sure you have enough time to get back to us. Click here to send your application.

If you are unsure about when you submitted your application, we sent out another confirmation email on 21 January 2020 to all applications we have received.

In case of any questions, please do not hesitate to contact Mariana Nicolau, project manager of the Academy of Change, at: contact@aochange.org

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20 Jahre UN Global Compact

Global Compact - vor 13 Stunden 26 Minuten
Der UN Global Compact (UNGC) und das Deutsche Global Compact Netzwerk (DGCN) feiern in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen. Begleiten Sie uns in ein Jahrzehnt nachhaltigen Wirtschaftens und transformativen Handels, der "Decade of Delivery".
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Der Vertrag von Aachen 2019: Ansätze zur Stärkung der deutsch-französischen Zusammenarbeit für eine nachhaltige Entwicklung

DIE - 21. Januar 2020 - 16:38

Am 22. Januar 2019 unterzeichneten Frankreich und Deutschland den Vertrag von Aachen. 56 Jahre nach dem Elysée-Vertrag bekräftigten die beiden Länder darin ihre Unterstützung für Multilateralismus, nachhaltige Entwicklung und Entwicklungszusammenarbeit.
Trotz der zum Ausdruck gebrachten Ambitionen bietet die Unterzeichnung des Vertrags auch einen Denkanstoß: inwieweit führen derartige Abkommen tatsächlich zu gemeinsamen operativen Ansätzen und wie wirken sie sich auf die deutsch-französische Zusammenarbeit aus?
Um diese Frage zu beantworten, analysiert dieses Papier die Hindernisse für eine engere deutsch-französische Zusammenarbeit für eine nachhaltige internationale Entwicklung. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie auf höchster Ebene Vereinbartes in der politischen Koordination und Projektdurchführung umgesetzt wird. Die Analyse basiert auf rund 20 Interviews mit Vertretern deutscher und französischer Ministerien, Durchführungsorganisationen und Think Tanks. Sie kommt zu dem Schluss, dass die politische Koordinierung die größte Herausforderung darstellt.
Das Papier benennt drei wesentliche Hindernisse: leicht abweichende strategische Visionen; eine mangelnde Kompatibilität der institutionellen Strukturen hinsichtlich des Spezialisierungsgrades und der Mandate der für Entwicklungszusammenarbeit zuständigen Ministerien sowie der Beteiligung der Durchführungsorganisationen an der strategischen Entscheidungsfindung; und kulturelle Besonderheiten wie Kommunikationsformen und Zeitmanagement.
Das Papier formuliert fünf Empfehlungen:

  1. Das Erreichte bewahren: Die Intensität der Abstimmung zwischen Frankreich und Deutschland auf der politischen und Projektebene ist einzigartig in einem internationalen Kontext, in dem sich Akteure mehr und mehr auf nationa-le Interessen konzentrieren. Eine solche Zusammenarbeit sollte daher weiter unterstützt und verstärkt werden.
  2. Die politische Dynamik auf die Arbeitsebene übertra-gen: um die bilaterale Koordinierung zu intensivieren, könnten die beiden Länder einen regelmäßigen Follow-up-Mechanismus zu jeder Vereinbarung einrichten, der gemeinsame Aktionen, Ziele und Meilensteine enthält.
  3. Gegenseitiges Wissen und Vertrauen fördern: Ein Per-sonalaustausch zwischen den Ministerien sowie intensive Austauschformate (deep dive) zu den Aktivitäten und Strategien beider Länder würden es ermöglichen, das gegenseitige Verständnis zu verbessern.
  4. Austausch über bewährte Praktiken: Eine ausgewogene und respektvolle deutsch-französische Zusammenarbeit würde von einem Austausch von Best Practices in Berei-chen profitieren, in denen ein Land weiter fortgeschritten oder besser positioniert ist als das andere (wie die franzö-sische interministerielle Koordination oder deutsche Pro-jektmonitoring- und -evaluierungsverfahren).
  5. Gemeinsam handeln oder die Arbeit aufteilen: Im Vorfeld jedes gemeinsamen deutsch-französischen Engage-ments sollte abgewogen werden, ob die beiden Länder ein Interesse haben, gemeinsam zu handeln oder arbeitsteilig vorzugehen. Mittels Spezialisierung oder Zusammenarbeit würde somit die Wirkung maximiert.
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Le traité d’Aix-la-Chapelle de 2019: des opportunités pour renforcer la coopération franco-allemande en matière de développement durable

DIE - 21. Januar 2020 - 16:28

Le 22 janvier 2019, la France et l'Allemagne ont signé le traité d'Aix-la-Chapelle. Cinquante-six ans après le traité de l’Elysée, les deux pays y rappellent leur soutien au multilatéralisme, au développement durable et aux politiques de coopération et de développement.
Malgré les ambitions exprimées dans ce document, la signature du traité appelle à la réflexion : dans quelle mesure ce type d’accord se traduit-il par des approches opérationnelles communes et des impacts réels sur la coopération franco-allemande ? Pour répondre à cette question, ce Briefing Paper analyse les obstacles au renforcement de la coopération franco-allemande dans le domaine du développement durable international. L’étude se concentre sur la manière dont ces engagements sont déclinés au niveau de la coordination politique et de la mise en œuvre des projets. L’analyse se fonde sur une vingtaine d’entretiens avec des représentants de ministères, d’agences de développement et de think tanks allemands et français. L’étude conclut que c’est au niveau de la coordination politique que les choses se compliquent le plus.
Trois principaux facteurs de blocage y sont identifiés : des visions stratégiques légèrement divergentes ; une incongruence entre structures institutionnelles liée aux degrés de spécialisation et mandats des ministères en charge du pilotage de l’aide, ainsi qu’au niveau d’implication des agences dans la prise de décisions stratégiques ; et des particularités culturelles, liées aux habitudes de communication et à la gestion du temps.
Cinq recommandations sont proposées :

  1. Préserver les acquis : l’alignement entre la France et l’Allemagne au niveau politique et au niveau de la mise en œuvre des projets sont des atouts dans un contexte international d’intérêts nationaux croissants. Ce type de collaboration devrait continuer à être défendu et renforcé.
  2. Traduire la dynamique politique à un niveau opérationnel : pour renforcer leur coordination, les deux pays pourraient établir un mécanisme de suivi solide et régulier de chaque engagement pris, détaillant les actions conjointes, les objectifs partagés et les étapes qui en découlent.
  3. Promouvoir la connaissance et la confiance mutuelle : des échanges de personnel entre administrations ainsi que des séances « approfondies » (deep dive) portant sur les activités et les stratégies des deux pays permettraient d’augmenter la connaissance de l’Autre.
  4. Partager les bonnes pratiques : une collaboration franco-allemande équilibrée passerait par l’échange de pratiques pour lesquelles un pays est plus avancé ou mieux positionné que l’autre (comme la coordination interministérielle française ou le suivi des résultats des projets allemand).
  5. Agir conjointement ou se répartir le travail : décider consciemment et de manière délibérée en amont de chaque engagement franco-allemand si les deux pays ont intérêt à unir leurs efforts ou à se répartir le travail. Ce choix permettrait d’optimiser l’impact, soit en se spécialisant, soit en travaillant ensemble.
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Leiter*in Strategisches Marketing

DSW - 21. Januar 2020 - 16:20

Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) ist eine international tätige Entwicklungsorganisation. Ihr Ziel ist es, zu einer zukunftsfähigen Bevölkerungsentwicklung beizutragen. Daher unterstützt sie junge Menschen dabei, selbstbestimmte Entscheidungen über ihre Sexualität und Verhütung zu treffen. Gleichzeitig bringt sie sich auf nationaler und internationaler Ebene in politische Entscheidungsprozesse in den Bereichen Gesundheit, Familienplanung und Gleichstellung der Geschlechter ein. Neben ihrem Hauptsitz in Hannover ist die DSW in Äthiopien, Kenia, Tansania und Uganda sowie mit Verbindungsbüros in Berlin und Brüssel vertreten. Mehr Informationen unter www.dsw.org.

Zur Ergänzung unseres dynamischen Teams sucht die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) am Stiftungssitz in Hannover zum nächstmöglichen Zeitpunkt in Vollzeit eine*n

 

Leiter*in Strategisches Marketing

Gesucht wird für diese neu geschaffene Position eine in der mündlichen wie schriftlichen Kommunikation starke Persönlichkeit, die eigenverantwortlich arbeitet, kreative neue Impulse einbringt und die Bedeutung der DSW-Arbeit für die Erreichung der Nachhaltigkeitsziele zur Generierung von Einnahmen aus dem Privatbereich zu nutzen weiß.
Die Position ist unmittelbar an die Geschäftsführung angebunden.

 

Ihre zentralen Aufgaben:
  • Strategische Weiterentwicklung und Ausbau des bestehenden Fundraising-Bereichs (Schwerpunkte: Upgrading und Neugewinnung von Privatspendern und privaten Stiftungen sowie Akquisition von Erbschaften/Vermächtnissen)
  • Betreuung der bestehenden Spender*innendatenbank sowie des derzeitigen Spender*innen-Stamms
  • Verantwortung für die Erstellung von Mailings, spendenrelevanten Publikationen und Berichten in Zusammenarbeit mit Dienstleister*innen und/oder anderen Bereiche der Stiftung
  • Planung und Durchführung von spendenrelevanten Veranstaltungen

 

Wir erwarten:
  • einen Hochschulabschluss
  • mehrjährige Berufserfahrung im Fundraising bzw. Marketing
  • Fachwissen im Bereich Stiftungs- und Spendenwesen sowie Erfahrung im Umgang mit Datenbanken
  • hohe Team- und Kooperationsfähigkeit sowie flexibles, selbstständiges Arbeiten
  • Deutsch auf muttersprachlichem Niveau, verhandlungssicheres Englisch
  • hohe Identifikation mit den Zielen der Stiftung
  • Bereitschaft zu Dienstreisen (national und international)

 

Wir bieten:
  • eine angemessene Vergütung und attraktive Entwicklungsmöglichkeiten
  • einen spannenden Themenbereich in einem internationalen Arbeitsumfeld
  • eine angenehme Arbeitsatmosphäre in einem motivierten Team

 

Bewerbungsverfahren:

Interessiert? Dann senden Sie uns bitte Ihre Bewerbungsunterlagen (Lebenslauf und Anschreiben) mit dem Hinweis “DSW2020/02 Leiter*in Strategisches Marketing” per E-Mail an: jobs.deutschland@dsw.org
Bitte beachten Sie, dass nur Bewerbungen mit der Referenznummer “DSW2020/02 Leiter*in Strategisches Marketing” in der Betreffzeile der E-Mail berücksichtigt werden.
Bewerbungsschluss ist der 1. März 2020.
Bitte sehen Sie von Nachfragen zu Ihrer Bewerbung ab.
Wir freuen uns auf Ihre Zusendungen!

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The Treaty of Aachen of 2019: opportunities to strengthen Franco-German cooperation on sustainable development

DIE - 21. Januar 2020 - 16:16

On 22 January 2019, France and Germany signed the Aachen Treaty. Therein, 56 years after the Elysée Treaty, re-emphasising their support for multilateralism, sustainable development and development cooperation.
Despite the ambitions expressed in this document, the signing of the Treaty calls for reflection: to what extent does this type of agreement indeed lead to joint operational approaches and have a real impact on French–German cooperation?
To answer this question, this Briefing Paper analyses the obstacles to a closer French–German cooperation in the field of sustainable international development. It focuses on how these commitments are put into practice at the level of political coordination and project implementation. The analysis is based on about 20 interviews with representatives of French and German ministries, development agencies and think tanks. It finds that things get most complicated at the level of political coordination.
Three main obstacles are identified: slightly diverging strategic visions; an incompatibility between institutional structures concerning the degree of specialisation and the mandates of the ministries responsible for steering aid, as well as the degree to which development agencies are involved in strategic decision-making; and cultural particularities regarding communication and time management. Five recommendations are proposed:

  1. Protect what has been achieved: the alignment between France and Germany at the political and project implementation levels is an asset in an international context where the focus on national interests is increasing. Such cooperation should thus continue to be supported and reinforced.
  2. Channel the political momentum to the working level: in order to reinforce their coordination, the two countries could establish a solid and regular follow-up mechanism for each commitment, detailing joint actions, shared objectives and milestones.
  3. Promote mutual knowledge and trust: personnel exchange between the departments, as well as deep dive sessions on the two countries’ activities and strategies would allow increased understanding of each other.
  4. Share best practices: a balanced and respectful French–German collaboration could be encouraged by the sharing of practices for which one country is more advanced or better positioned than the other (such as the French interministerial coordination or the German project evaluation and monitoring procedures).
  5. Act jointly or divide the work: in the run-up to each joint Franco-German action, make a deliberate and conscious decision whether the two countries have an interest to act jointly or to divide the work. This decision would allow maximisation of the impact, either by specialising or by working together.
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21. Januar 2020

ONE - 21. Januar 2020 - 14:05

1. Angola: „Luanda Leaks“ decken Korruption auf
Ein internationales Recherchenetzwerk mit Beteiligung der Süddeutschen Zeitung und der ARD hat unlautere Bereicherung bei Isabel dos Santos aufgedeckt, der Tochter des ehemaligen Präsidenten Angolas José Eduardo dos Santos. Darüber berichten viele Medien, darunter tagesschau.de, die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die Deutsche Welle, das Redaktionsnetzwerk Deutschland, der Tagesspiegel, der Bayrische Rundfunk, der Focus, die Mittelbayrische Zeitung, der Kölner Stadt Anzeiger, Euronews und der Weser Kurier. Die mutmaßlich „reichste Frau Afrikas“ solle sich mit Hilfe ihres Vaters und mit finanzieller Unterstützung aus dem Ausland stark bereichert haben, wie die sogenannten „Luanda Leaks“ nahelegen. Weltweit haben über 120 Journalist*innen Datensätze aus hunderttausenden Verträgen, E-Mails und Memos ausgewertet, die der afrikanischen Whistleblower-Plattform PPLAAF zugespielt worden seien. Dos Santos habe durch den Einfluss ihres Vaters mehr als eine Milliarde US-Dollar akquirieren und ein Firmenimperium von 400 Unternehmen aufbauen können. Weitere fragwürdige Geschäfte seien auch mit deutscher Beteiligung geschehen. So sei die deutsche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) mit einem Kredit am Kauf deutscher Brauerei- und Abfüllanlagen beteiligt. Nach Ende der Amtszeit von Präsident dos Santos 2017 habe sein Nachfolger João Lourenço teilweise begonnen, die Korruption unter seinem Vorgänger aufzuarbeiten und dessen Tochter strafrechtlich zu verfolgen.

2. Unicef: Mädchen oft von Bildung ausgeschlossen
Das UN-Kinderhilfswerk Unicef kritisiert in einer aktuellen Studie, dass Millionen von Kindern der Zugang zu Bildung versperrt wird, insbesondere Mädchen, wie der Spiegel meldet. Jedes dritte Mädchen aus einem extrem armen Haushalt habe nie eine Schule besucht, so der Bericht. Neben der Armut kommen Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, Behinderung, ethnischer Herkunft oder Unterrichtssprache hinzu. Weitere Hürden seien die geographische Distanz zur Schule sowie mangelnde Infrastruktur. Die Studie habe zudem die Bildungsausgaben von 42 Ländern untersucht, mit ernüchterndem Ergebnis: Überall auf der Welt kommen öffentlichen Ausgaben insbesondere Kindern aus wohlhabenden Haushalten zu Gute. Diese erhalten beispielsweise in Guinea oder der Zentralafrikanischen Republik neunmal so viel finanzielle Unterstützung wie Kinder, die am stärksten von Armut betroffen sind. Im Gegensatz dazu werden auf Barbados oder in skandinavischen Ländern die öffentlichen Bildungsausgaben weitestgehend gerecht zwischen Kindern aus armen und wohlhabenderen Verhältnissen verteilt. Eine gleichmäßige Verteilung sei wichtig für die sozialen Aufstiegschancen aller Kinder, wie auch Zeit Online und zdf.de berichten.

3. Äthiopien: Megastaudamm kommt
Kerstin Kullmann kommentiert im Spiegel den Bau des Megastaudammes Grand Ethiopian Renaissance Dam (GERD) in Äthiopien. Das Riesenbauwerk solle dieses Jahr in Betrieb genommen werden und mit circa 6.000 Megawatt Leistung mehr als die Hälfte der äthiopischen Bevölkerung mit Strom versorgen. Zu diesem Zweck soll ein Stausee am Oberlauf des Blauen Nils entstehen. Ein solcher Eingriff in den Verlauf des Nils habe Auswirkungen für das flussabwärts gelegene Ägypten und den Sudan. Kullmann kritisiert das Bauvorhaben, da auf Seiten der Wissenschaft bereits mehrfach auf die verehrenden Auswirkungen von Riesenstaudämmen auf Menschen und Natur hingewiesen worden sei. Nachdem Ägypten des Megabauwerk jahrelang als existenzielle Bedrohung betrachtet habe, deuten Verhandlungen in Washington auf eine Einigung zwischen den Konfliktparteien hin, wie der ORF und die Neue Züricher Zeitung berichten. Ein neues Abkommen zwischen Ägypten, Äthiopien und dem Sudan lege einen neuen Zeitraum zur Befüllung des Stausees fest, die bereits in der kommenden Regensaison begonnen werde. Auf mögliche Dürreauswirkungen in Ägypten und im Sudan soll besondere Rücksicht genommen werden.

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Putins Verfassungsstreich: Die Nachfolgefrage in Russland ist weiterhin offen

SWP - 21. Januar 2020 - 14:00

Wladimir Putin hat es eilig. Weniger als eine Woche nach seiner Rede zur Lage der Nation, in der der russische Präsident den massivsten Eingriff in die russische Verfassung seit 1993 ankündigte, ist der Gesetzentwurf schon in die Staatsduma eingebracht. Der Zeitplan ist straff: In den nächsten Monaten müssen beide Parlamentskammern und Regionalparlamente darüber abstimmen, im April soll eine Volksbefragung abgehalten werden, und anschließend wird Putin das Gesetz unterzeichnen. Insgesamt bestehen wenig Zweifel, dass das Reformpaket zügig in der aktuellen Form in Kraft tritt.

Viele Beobachter gehen davon aus, dass Putin mit diesem Verfassungsstreich das Startsignal für die »Operation Machterhalt« gegeben hat. Kompetenzen des »Superpräsidenten« sollen nach dieser Interpretation an andere staatliche Institutionen umverteilt werden, so dass Putins Nachfolger im Präsidentenamt deutlich geschwächt anträte. Putin könnte dann nach dem Ende seiner verfassungsgemäß letzten Amtszeit eine andere Position im Staat bekleiden, die es ihm erlauben würde, weiterhin de facto an der Macht zu bleiben und den handverlesenen Nachfolger in Schach zu halten.

Eine genauere Analyse von Putins Vorstoß legt jedoch eine andere Schlussfolgerung nahe: Der sehr starke Präsident verliert durch die Verfassungsänderungen stellenweise Macht, was jedoch wenig ins Gewicht fällt. An anderen Stellen gewinnt er sogar Macht hinzu; Elemente der Gewaltenteilung, des Föderalismus und der kommunalen Selbstverwaltung werden ausgehebelt. In der Summe dürfte das Amt des Präsidenten gestärkt aus der Reform hervorgehen. In seiner Rede an die Nation betonte Putin: »Russland soll eine starke Präsidialrepublik bleiben«. Von einer Parlamentarisierung kann keine Rede sein. Über mögliche Szenarien, welches Amt Putin nach seinem Abtritt vom Präsidentenamt übernehmen könnte, sagt das Reformpaket wenig aus. Putin pokert weiter und hält sich alle Optionen offen. Um welche Änderungsvorhaben geht es konkret?

Die Macht des Präsidenten wird ausgebaut

Die Staatsduma soll in Zukunft nicht mehr nur der Ernennung des Premierministers zustimmen, sondern zusätzlich auch der der Vizepremiers und der Minister. Dies ändert aber nichts an der Vormachtstellung des Präsidenten: Dieser kann auch in Zukunft die Duma auflösen, wenn diese drei Mal die Zustimmung zum vom Präsidenten vorgeschlagenen Premier verweigert. Zwar ist es nicht der Präsident, sondern der Premier, der der Duma laut Gesetzentwurf Vizepremiers und Minister zur Bestätigung vorschlägt. Der Präsident aber, der an das Votum der Duma gebunden ist, bekommt ein neues Druckmittel gegenüber dem Premier: Er kann diesen zukünftig entlassen, ohne dass das ganze Kabinett zurücktreten muss. In seiner Rede zur Lage der Nation hob Putin zur Rolle des Präsidenten zudem hervor, dass dieser Oberbefehlshaber der Streitkräfte und Chef der Strafvollzugsbehörden bleibt. Zieht man noch in Betracht, dass der Präsident die Richtlinien in der Innen- und Außenpolitik bestimmt und als Schiedsrichter über den Gewalten steht, so bleibt die minimale Umverteilung nahezu folgenlos für die Übermacht des Präsidenten.

Eine weitere scheinbare Umverteilung von Kompetenzen stellt sich ebenfalls als Nebelkerze heraus: Die Leiter der »Machtbehörden«, zu denen für gewöhnlich die Bereiche Militär, Sicherheit und Strafverfolgung gezählt werden, sollen vom Präsidenten neuerdings nach Konsultationen mit dem Oberhaus des Parlaments, dem Föderationsrat, ernannt werden. Da dieser aufgrund der derzeitigen Nominierungsprozedur präsidentenhörig ist, wird der Präsident auch in Zukunft die Kandidaten seiner Wahl ernennen können.

Putins Gesetz sieht ferner vor, den ohnehin auf Moskau zugeschnittenen Föderalismus zu zentralisieren, was die Machtvertikale des Präsidenten stärken wird: Zum einen sollen die regionalen Staatsanwälte künftig nach Konsultationen mit dem Föderationsrat vom Präsidenten ernannt werden. Bisher müssen die Regionalparlamente zustimmen. Außerdem sieht Putin vor, dass ein einheitliches System der öffentlichen Verwaltung geschaffen wird: Die bis dato unabhängigen Kommunen werden der Föderal- und Regionalverwaltung untergeordnet. Auch die Judikative lässt Putin nicht unangetastet: Nach der Reform soll der Präsident veranlassen können, dass Richter des Verfassungsgerichts und des Obersten Gerichtshofs vom Föderationsrat entlassen werden. Bisher waren Disziplinarverfahren der Richterschaft überlassen.

Es stehen innenpolitische Turbulenzen bevor

Eine Änderung, um die sich zurzeit viele Spekulationen ranken, betrifft den Staatsrat, der künftig in der Verfassung verankert wird. Vielfach wird angenommen, dass Putin dem Organ so neue Macht zuweisen will und damit das Amt des Staatsratsvorsitzenden für sich in Betracht zieht. Doch der Verfassungsstatus sagt nichts darüber aus, wie viel Macht der Staatsrat tatsächlich hat; es kommt darauf an, welche Kompetenzen ihm per Gesetz zugeschrieben werden. Derzeit ist er ein vierteljährlich tagendes Gremium für Regionalpolitik, in dem die Gouverneure dem Präsidenten ihre Anliegen in überwiegend »weichen« Politikfeldern vortragen. Zudem ist er vollständig unter präsidialer Kontrolle: Der Präsident hat den Vorsitz, der Sekretär ist ein Präsidentenberater, und organisatorisch wird das Gremium von einer Abteilung des Kremls betreut. Auch nach der Reform soll das Organ weiter vom Präsidenten berufen werden. Kurzum: Bisher ist der Staatsrat kein Ort, in dem Putin dem zukünftigen Präsidenten ein Gegengewicht bieten könnte. Viel wichtiger ist, dass auch der Sicherheitsrat, der über strategische Fragen in den »harten« Bereichen Militär, Geheimdienste und Wirtschaft entscheidet, weiterhin vollständig vom Präsidenten dominiert werden wird; das Reformpaket sieht hier keine Änderungen vor.

Unterm Strich bleibt, dass der Präsident gestärkt aus der Verfassungsreform hervorgehen wird. Über den Putin-Transit kann weiterhin nur spekuliert werden. Sicher wird Putin mit weiteren Überraschungsmomenten aufwarten, davon zeugt der unerwartete Rücktritt der Medwedjew-Regierung. Denkbar sind etwa vorgezogene Duma- oder Präsidentschaftswahlen. Auch Putin selbst ist nicht vor Überraschungen gewappnet, die die raffiniertesten Nachfolgepläne durchkreuzen können. Denn mit dem Verfassungsstreich wird auch eine Zeit innenpolitischer Turbulenzen eingeläutet.

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Internationaler Welttag der Migrant*innen und Flüchtlinge

EINEWELTblabla - 21. Januar 2020 - 11:39
Migration ist fest in der Natur des Menschen verankert

Migration gab es schon immer und ist fest in der Menschheit veranlagt. Seit Anbeginn waren wir in Bewegung, zogen dorthin wo wir Nahrung und Wasser finden konnten. Einem besseren Leben hinterher. Von Afrika aus verbreiteten wir uns auf der Erde, immer auf der Suche nach Ackerland. Von Afrika nach Asien bis zu den Britischen Inseln, von dort aus nach Mitteleuropa und schließlich nach Übersee: Amerika, Australien. Schon damals gab es Einheimische, mit denen um das gewünschte Gebiet gekämpft werden musste und trotzdem scheinen die heutigen Grenzen härter, höher, schwerer zu überwinden. 

Reisepässe als Indizien der Macht

Das Erstarken des Nationalstaats errichtet höheren Barrieren für Migrant*innen und Flüchtlinge. Manche dürfen kommen, andere sind unerwünscht. Herkunft ist dabei das zentrale Merkmal, an dem der Nutzen eines Menschen für die Gesellschaft gemessen wird. Wir mit unserem deutschen Reisepass dürfen fast überall einreisen, meistens sogar ohne Visum. Die Absurdität der Einreisebestimmungen ist in diesem Beitrag sehr ausführlich dargestellt. Die Website „Passport Index“  zeigt anschaulich das Ranking aller Reisepässe gemessen an ihrer „Macht“, d.h. daran, wie leicht es den Reisepass-Besitzer*innen gemacht wird in die verschiedenen Länder einzureisen. Deutschland ist auf Platz zwei gelistet. Und dann sind da noch Menschen aus Ländern des Globalen Südens, die fast nirgendwo erwünscht sind. Schon gar nicht, wenn sie auf der Flucht sind. In dem oben genannten Ranking finden sich genau die Staaten auf den untersten Plätzen, deren Bürger*innen es am schlechtesten geht: Afghanistan, Irak, Syrien, Somalia, Pakistan, Jemen. Die Nachricht ist deutlich: Wer nichts hat, ist unerwünscht. Dabei schien es mal so, als hätten wir dazu gelernt.

Globaler Rechtsruck

Und heute? Nachrichten von rechter Gewalt machen weltweit Schlagzeilen. Anschläge auf Synagogen, Hetzjagden und Hassreden begegnen uns immer wieder und, wie es scheint, immer öfter. Das Netz ist voll von rechter Meinungsmache. Populistische Regierungen kommen an die Macht, Trump baut eine Mauer zwischen Mexiko und den USA, der Brexit ist entschieden. Die Australische Regierung hält Geflüchtete Menschen auf Inseln gefangen, damit diese bloß nicht auf das Festland kommen. Alles Maßnahmen, um Menschen auf der Flucht fernzuhalten. Und die Liste ist noch lange nicht vollständig.

Europäischer Grenzschutz

Auch Europa zeigt sich in keinster Weise solidarischer: Auf dem Mittelmeer bezahlt die EU die Libysche Küstenwache, um fliehende Menschen wieder einzufangen. Parallel dazu wird Seenotrettung kriminalisiert und die Kapitän*innen angezeigt. Auf der anderen Seite Europas erhält die Türkei EU-Gelder, um Menschen auf dem Weg nach Europa zurückzuhalten. Wer es doch auf eine der griechischen Inseln geschafft hat, sitzt dort in überfüllten Lagern auf unabsehbare Zeit fest. Wie kann es sein, dass alle Lehren der Geschichte vergessen scheinen und Phänomene wie Rassismus, Antisemitismus und koloniale Denkstrukturen immer noch in den Köpfen der Menschen verankert sind?

Fluchtursachen

Heute ist die Arbeit des UNHCR so nötig wie noch nie. Klimawandel, Landraub, Glaube, Krieg, Geschlecht – alles Gründe, warum 70 Millionen Menschen aktuell auf der Flucht sind. Und die Hauptaufnahmeländer sind nicht wie oft vermittelt europäische Staaten, sondern die Türkei, Pakistan, Uganda und Sudan. Staaten, die Geflüchteten keine gute Lebensperspektive bieten können. „Klima“ ist übrigens bisher keine anerkannte Fluchtursache für die Genfer Flüchtlingskonvention. Menschen, die vor den Auswirkungen des Klimawandels fliehen, haben keinen Anspruch auf Hilfeleistungen. Ähnlich geht es Menschen, die der Armut entkommen wollen, sie gelten als Migrant*innen und genießen ebenfalls keinen besonderen Schutz. „Fluchtursachen bekämpfen“ bedeutet auch unseren Beitrag zu diesen anzuerkennen und zu stoppen. Beiträge wie Waffenlieferungen, unfaire Handelsbedingungen, unser Leben in der Wohlstandsblase. Wir alle sind Menschen einer Welt und es ist höchste Zeit zu erkennen, dass unser Handeln direkte Folgen auf Menschen in anderen Teilen der Welt hat.

Beitragsbild von Matteo Paganelli auf Unsplash

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Rohstoffe für den Klimaschutz

Engagement Global - 21. Januar 2020 - 10:39
Die öffentliche Abendveranstaltung findet am Donnerstag, 23. Januar 2020, in der Dresdner Frauenkirche statt. Foto: Stiftung Entwicklung und Frieden

Die Menschheit verbraucht mehr Ressourcen für Nahrung und Energie als die Erde in einem Jahr regenerieren kann. Diese Übernutzung geht nicht nur auf die Kosten zukünftiger Generationen, sondern ist auch ungleich verteilt und birgt Konfliktpotenzial. Der Klimawandel wirkt sich in diesem Zusammenhang zum einen auf natürliche Lebensgrundlagen aus. Zum anderen sorgt die Entwicklung neuer (vermeintlich) klimafreundlicher Technologien für eine erhöhte Nachfrage nach Metallen, seltenen Erden und anderen Rohstoffen.

Das Dresdner Forum für Internationale Politik (DFIP) 2020 widmet sich diesen Herausforderungen und geht am Donnerstag, 23., und Freitag, 24. Januar 2020, weiteren Fragen zum Thema „Rohstoffe für den Klimaschutz: Strategien zur Konfliktprävention“ nach.

Am Mittwochabend, 23. März 2019, lädt das DFIP um 19 Uhr zu einer öffentlichen Abendveranstaltung in die Dresdner Frauenkirche ein. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und Dr. Maria Flachsbarth, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, eröffnen den Abend zum Thema „Wenn das Eis schmilzt… Umwelt und Frieden zusammen denken“.

Im Fokus stehen hierbei die Folgen der fortschreitenden Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen durch den Menschen. Den Einführungsvortrag dazu hält der Abenteurer und Polarforscher Arved Fuchs. Im Anschluss diskutieren mit ihm Dr. Adriana E. Abdenur, Koordinatorin des Bereichs Frieden & Sicherheit am Instituto Igarapé in Rio de Janeiro, und Dr. Elias T. Ayuk, Mitglied des International Resource Panel und ehemaliger Direktor des UN University Institute for Natural Resources in Africa in Accra, Ghana, und beleuchten das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven.

Seit 2018 bietet das DFIP eine hochrangige Plattform zur Auseinandersetzung mit aktuellen Herausforderungen der internationalen Politik. Die diesjährige Fachkonferenz thematisiert unter anderem, welche Folgen die Digitalisierung für einen nachhaltigen Umgang mit Ressourcen hat. Darüber diskutieren Johanna Pohl von der Nachwuchs-Forschungsgruppe „Digitalisierung und sozial-ökologische Transformation“ an der Technischen Universität Berlin und Maija Tenhunen, Managerin Nachhaltigkeit und Klimawandel bei PricewaterhouseCooper (PwC) in Helsinki, Finnland.

Das Forum ist ein Gemeinschaftsprojekt der Stiftung Entwicklung und Frieden (sef:) in Bonn, dem Freistaat Sachsen, Engagement Global und der Stiftung Frauenkirche Dresden.

Weitere Informationen
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Kommentierung | Ungezähmte Internetgiganten

Forum Umwelt & Entwicklung - 21. Januar 2020 - 10:00
GWB-Digitalisierungsgesetz: Tippelschritte mit geringer Wirkung
Für eine digitale Grundversorgung im 21. Jahrhundert!

 

Internetgiganten wie Google, Amazon und Facebook dominieren die digitale Ökonomie. Wichtige Märkte sind bereits in der Hand von einem Konzern (Monopole) oder werden von einigen wenigen Konzernen beherrscht (Oligopole). Sie üben eine enorme Kontrolle über Daten, App-Stores, Online-Infrastrukturen und Online-Marktplätze aus. Es liegt in ihrer Hand den Zugang zu milliardenschweren Märkten zu gewähren oder zu verwehren, weil sie aufgrund ihrer Marktmacht bzw. Intermediationsmacht eine „Torwächter“-Position innehaben. Auch digitale Plattformen wie Flixbus und Booking.com verfügen über hohe Marktanteile. Ganze Dienstleistungs- bzw- Wirtschaftssparten werden zunehmend monopolisiert zulasten des stationären Handels und der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Während staatliche Datensammlungen und Manipulationen durch „Social Scoring“ wie etwa in China zu Recht erheblich in der Kritik stehen, werden die gleichsam bedrohliche gesellschaftliche Dimension der Macht über Daten, der Besitz von detaillierten Informationen über einzelne Menschen/-gruppen und das unvorstellbar große Manipulationspotential durch Konzerne zu wenig beachtet.

 

Die Koalition hatte sich vorgenommen, das Kartellrecht fit für das digitale Zeitalter zu machen. Das Ergebnis ist gemessen an den Herausforderungen ernüchternd. Mit den neuen Regeln könnte das Bundeskartellamt zwar – wenn es will – missbräuchliche Praktiken der Internetgiganten untersagen und bei hoher Gefährdungslage schneller einschreiten. Aber dieses punktuelle Eingreifen greift bei „Winner-takes-it-all“-Märkten und bei vorherrschenden digitalen Monopolen bzw. Oligopolen zu kurz. Der Regierungsentwurf ist nicht geeignet, um funktionierende digitale Märkte zu gewährleisten, Marktabschottung zu verhindern und die Marktmacht der Internetgiganten zu beschränken. Damit dies gelingt, muss die Gesetzgebung bzw. das Kartellrecht stärker auf marktordnende Maßnahmen, Entflechtungsregeln und Bündelungs-verbote ausgerichtet sein. Gleichzeitig sind ein „Plattformstrukturgesetz“ und öffentliche Angebote zusätzlich erforderlich. Interessenskonflikte könnten systematisch adressiert werden, indem marktbeherrschenden Online-Plattformen eine Selbstbegünstigung verboten bzw. eine Doppelrolle als Anbieter und Marktplatz unterbunden wird.

 

Erforderlich sind u.a. folgende Ergänzungen:

 

  1. Datenschutz- und Verbraucherschutzorganisationen sollten ein Antragsrecht auf die Einleitung eines Verfahrens des
    Bundeskartellamts erhalten.
  2. Es sollte eine umfängliche Liste von per se verbotenen Missbrauchstatbeständen für Digitalkonzerne unter § 19
    aufgeführt werden, einschließlich eines Selbstbegünstigungsverbots (siehe § 19a GWB-RefE).
  3. Das Bundeskartellamt sollte bei Unternehmen mit überragender marktübergreifender Bedeutung für den Wettbewerb
    (§ 19a GWB-RefE) eine Akquisition untersagen können, auch wenn diese unterhalb der Schwelle der
    Marktbeherrschung erfolgt. Auch hier sollte die Beweislastumkehr gelten.
  4. Das Bundeskartellamt sollte standardmäßig eine Genehmigung von Fusionen mit Big-Data-Bezug durch eine
    geeignete und entsprechend ausgestattete Datenschutzbehörde einholen.
  5. Um den Nachweis der Marktbeherrschung von Digitalkonzernen für die Anwendung von § 19 zu erleichtern, sollte
    der Schwellenwert für die Vermutung einer Marktbeherrschung von derzeit 40 Prozent auf 20 Prozent abgesenkt
    werden (§ 18). Die Vermutungsschwelle von 20 Prozent sollte auch positiv für § 19a GWB-RefE gelten.
  6. Es sollte eine rechtliche Grundlage für eine missbrauchsunabhängige Entflechtung als „ultima ratio“ geschaffen
    werden.

 

 

Weitere Informationen finden Sie hier:   Download der Kommentierung

 

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NGOs fordern von Merkel Einsatz für Impfungen weltweit

DSW - 21. Januar 2020 - 9:38

Anlässlich des heute in Davos startenden Weltwirtschaftsforums fordern acht Entwicklungsorganisationen (NGOs) Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, den deutschen Beitrag für die Impfallianz Gavi auf 700 Millionen Euro zu erhöhen. Die Impfallianz wurde vor 20 Jahren in Davos gegründet und benötigt mindestens 7,4 Milliarden US-Dollar zur Fortsetzung ihrer erfolgreichen Arbeit in den kommenden fünf Jahren.

 

Gemeinsamer Appell zum Weltwirtschaftsforum in Davos

300 Millionen weitere Kinder impfen und damit acht Millionen Todesfälle vermeiden – das ist das ehrgeizige Ziel der Impfallianz Gavi für den Zeitraum 2021 bis 2025. Um dieses zu erreichen, richten die Entwicklungsorganisationen Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW), Aktionsbündnis gegen Aids, Global Citizen, Kindernothilfe, ONE, Plan International Deutschland, Save the Children und World Vision einen gemeinsamen Appell an die Bundesregierung: „Impfen wirkt. Durch gemeinsame Anstrengungen hat die Weltgemeinschaft es bereits geschafft, Polio beinahe vollständig auszurotten. Doch noch immer sterben Kinder weltweit an vermeidbaren Krankheiten wie Masern, Lungenentzündung oder Typhus. Das nehmen wir nicht mehr hin. Die Kanzlerin sollte sich dafür einsetzen, dass auch die Kinder in den Ländern, die am stärksten von Armut betroffen sind, Impfschutz erhalten. Dazu muss sie die Impfallianz Gavi mit 700 Millionen Euro für die kommenden fünf Jahre ausstatten. Verkündet die Kanzlerin in Davos einen starken Beitrag für Gavi, bestärkt das sowohl andere Geber als auch Entwicklungsländer darin, ihre Bemühungen zu intensivieren und mehr in globale Gesundheit zu investieren. Es gibt keinen einzigen Grund, Kindern ihr Recht auf ein gesundes Leben zu verwehren.”

2015 richtete die Bundesregierung die letzte Finanzierungskonferenz der Impfallianz Gavi aus. Das ursprüngliche Finanzierungsziel wurde dabei sogar übertroffen. Deutschland sagte seinerzeit 600 Millionen Euro für die Jahre 2016 bis 2020 zu. Die nächste Finanzierungskonferenz von Gavi findet am 3. und 4. Juni 2020 im Vereinigten Königreich statt. 7,4 Milliarden US-Dollar will die Impfallianz dort mindestens mobilisieren. Deutschland darf daher jetzt nicht nachlassen.

 

20 Jahre Gavi – Jubiläum in Davos

Gavi wurde im Jahr 2000 auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos gegründet, feiert dieses Jahr also ihren 20. Geburtstag. Gemeinsam mit ihren Partnern kann die Impfallianz inzwischen eine beachtliche Bilanz vorweisen: Mit ihrer Unterstützung wurden seither weltweit mehr als 760 Millionen Menschen geimpft – das ist rund jeder zehnte Mensch weltweit. Die Impfraten in den am stärksten von Armut betroffenen Ländern der Welt befinden sich auf einem historischen Höchststand. Insgesamt konnten durch Gavis Arbeit über 13 Millionen Todesfälle verhindert werden. Deutschland hatte hieran maßgeblich Anteil.

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Die nachstehenden Organisationen stehen gemeinsam hinter der Kampagne #GoodNews2025 zur Unterstützung einer erfolgreichen Gavi-Finanzierungskonferenz in London. Weitere Informationen dazu unter goodnews2025.dsw.org.

Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) ist eine international tätige Entwicklungsorganisation. Ihr Ziel ist es, zu einer zukunftsfähigen Bevölkerungsentwicklung beizutragen. Daher unterstützt sie junge Menschen dabei, selbstbestimmte Entscheidungen über ihre Sexualität und Verhütung zu treffen. Gleichzeitig bringt sie sich auf nationaler und internationaler Ebene in politische Entscheidungsprozesse in den Bereichen Gesundheit, Familienplanung und Gleichstellung der Geschlechter ein. Mehr Informationen auf  www.dsw.org.

Das Aktionsbündnis gegen AIDS setzt sich seit 2002 für eine Welt ohne Aids und ein Leben in Würde für alle Menschen ein. Unsere Mission ist, dass Deutschland seiner Verantwortung als wirtschaftlich privilegierter Industriestaat gerecht wird und einen angemessenen Beitrag für die globale Bewältigung von HIV und Aids leistet. Dabei geht es insbesondere darum, dass alle Menschen den benötigten Zugang zu HIV-Prävention, Behandlung, Betreuung und Pflege erhalten – auch und vor allem in benachteiligten Ländern. Mehr Informationen auf www.aids-kampagne.de

Global Citizen ist eine Kampagnenorganisation mit dem Ziel, extreme Armut bis zum Jahr 2030 weltweit zu beenden. Unterstützt werden wir dabei von Millionen Global Citizens rund um den Globus, die sich auf unseren Plattformen über entwicklungspolitische Themen informieren und dadurch inspiriert werden, an unseren Aktionen teilzunehmen. Seit Global Citizen im Jahr 2011 mit der Kampagnenarbeit begann, sind Global Citizens mehr als 25 Millionen Mal aktiv geworden. Diese Aktionen haben zu Zusagen von Regierungen, Institutionen und Unternehmen in Höhe von über 48 Milliarden US-Dollar geführt, die bis heute das Leben von 880 Millionen Menschen verbessert haben. Um die Umsetzung der Global Goals der Vereinten Nationen voranzutreiben, haben wir unsere bisher größte Kampagne namens “Global Goal Live: The Possible Dream” ins Leben gerufen, die am 26. September 2020 mit einem 10-stündigen Medienevent und Festivals auf fünf Kontinenten ihren Höhepunkt finden wird. www.globalcitizen.org/de

Die Kindernothilfe ist eine der größten christlichen Kinderrechtsorganisationen in Europa und  unterstützt seit 1959 benachteiligte Mädchen und Jungen auf ihrem Weg in ein eigenständiges Leben. Sie fördert rund 600 Projekte und leistet humanitäre Hilfe. Zurzeit schützt, stärkt und fördert die Kindernothilfe mehr als 2,1 Millionen Kinder und ihre Familien und Gemeinschaften in insgesamt 32 Ländern der Erde, um ihre Lebensbedingungen nachhaltig zu verbessern. Weitere Informationen auf www.kindernothilfe.de

ONE ist eine internationale Bewegung, die sich für das Ende extremer Armut und vermeidbarer Krankheiten bis 2030 einsetzt. Damit jeder Mensch ein Leben in Würde und voller Chancen führen kann. Wir sind überparteilich und machen Druck auf Regierungen, damit sie mehr tun im Kampf gegen extreme Armut und vermeidbare Krankheiten, insbesondere in Afrika. Zudem unterstützt ONE Bürger*innen dabei, von ihren Regierungen Rechenschaft einzufordern. Mehr Informationen auf www.one.org

Plan International ist eine religiös und weltanschaulich unabhängige Hilfsorganisation, die sich weltweit für die Chancen und Rechte der Kinder engagiert: effizient, transparent, intelligent. Seit mehr als 80 Jahren arbeiten wir daran, dass Mädchen und Jungen ein Leben frei von Armut, Gewalt und Unrecht führen können. Dabei binden wir Kinder in über 70 Ländern aktiv in die Gestaltung der Zukunft ein. Die nachhaltige Gemeindeentwicklung und Verbesserung der Lebensumstände in unseren Partnerländern ist unser oberstes Ziel. Wir reagieren schnell auf Notlagen und Naturkatastrophen, die das Leben von Kindern bedrohen. Die nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen bestärken uns in unserem Engagement für die Gleichberechtigung von Mädchen und Frauen. Unser globales Ziel: 100 Millionen Mädchen sollen lernen, leiten, entscheiden und ihr volles Potenzial entfalten.

Save the Children ist als größte unabhängige Kinderrechtsorganisation der Welt in mehr als 120 Ländern tätig. Die Schwerpunkte liegen in den Bereichen Schule und Bildung, Schutz vor Ausbeutung und Gewalt sowie Überleben und Gesundheit – auch in Katastrophensituationen. Save the Children setzt sich ein für eine Welt, die die Rechte der Kinder achtet. Eine Welt, in der alle Kinder gesund und sicher leben und frei und selbstbestimmt aufwachsen können. Mehr Informationen auf www.savethechildren.de

World Vision setzt sich mit Projekten in Asien, Lateinamerika und Afrika seit 70 Jahren für Kinder ein. Als Kinderhilfsorganisation verfolgen wir das Ziel, für Kinder in großer Armut eine bessere Welt zu schaffen. Um dieses Ziel zu erreichen, arbeitet World Vision in drei Bereichen: Nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit, Humanitäre Hilfe und Politische Arbeit. Als Kinderhilfswerk steht für World Vision dabei immer das Wohlergehen und die gesunde Entwicklung von Kindern im Fokus. In fast 100 Ländern weltweit setzt sich World Vision für Bildung, gesunde Ernährung, sauberes Trinkwasser und gute medizinische Versorgung ein. www.worldvision.de

 

Pressekontakte:

DSW: Malene Hummel: 0511-94 373 20, malene.hummel@dsw.org
Aktionsbündnis gegen AIDS: Theresa Kresse: +49 30 536 799 843 kresse@aids-kampagne.de
Global Citizen: Friederike Meister: +49 171 73 644 70; friederike.meister@globalcitizen.org
Kindernothilfe: Martin Bondzio
: +49 203.77 89 242, martin.bondzio@kindernothilfe.de
ONE: Scherwin Saedi:
0152/037 71 429, scherwin.saedi@one.org
Plan International Deutschland: Anabela Brandao: 040-61140146, Anabela.Brandao@plan.de
Save the Children: Susanne Sawadogo:
+49 (30) 27 59 59 79 120, susanne.sawadogo@savethechildren.de
World Vision
: Silva Holten,  06172-763-151, presse@wveu.org

 

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Fast Fashion vs. Second Hand: Kann das Internet zu einer nachhaltigeren Modeindustrie beitragen?

reset - 21. Januar 2020 - 6:18
Der Mode-Massenmarkt ist in den letzten Jahrzehnten exponentiell gewachsen – und ebenso sein riesiger ökologischer Fußabdruck. Können digitale Tools den Verkauf von Second-Hand-Kleidung so ankurbeln, dass die toxische Flut von Fast Fashion eingedämmt wird?
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20. Januar 2020

ONE - 20. Januar 2020 - 16:45

1. Durchbruch: Friedensplan für Libyen steht
Viele Medien, darunter tagesschau.de, zdf.de, die Welt, Zeit Online, Spiegel, die Süddeutsche Zeitung, der Deutschlandfunk, t-online.de und die Berliner Zeitung, berichten über den internationalen Libyen-Gipfel, der gestern auf Einladung von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin stattgefunden hat. Ausschlaggebend für das Zusammentreffen von zwölfs Staats- und Regierungschef*innen sowie Vertreter*innen der Afrikanischen und Arabischen Union sei die Eskalation des militärischen Konflikts in Libyen zwischen dem Premier der Einheitsregierung, Fajis al-Sarradsch, und dem General Chalifa Haftar. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan und der russische Präsident Wladimir Putin hatten zuvor vergeblich versucht, die Konfliktparteien zu einem Waffenstillstand zu bewegen. Auch wenn al-Sarradsch und Haftar ebenfalls vor Ort gewesen, haben sie ein Aufeinandertreffen vermieden. Dennoch haben die Konferenzteilnehmer*innen einen 55 Punkte-Plan erarbeitet. Darin sollen die zerstrittenen Parteien in einen Dialog treten und Schritt für Schritt die Konflikte abarbeiten. Anderen Groß- und Regionalmächte verpflichteten sich darüber hinaus zu einem Waffenembargo. Dessen Einhaltung werde allerdings von Expert*innen als unrealistisch bezeichnet.

2. Oxfam-Studie: Frauen am stärksten von Ungleichheit betroffen
Die ungleiche Verteilung von Vermögen nimmt weltweit zu und schadet vor allem Frauen, wie eine Studie der Entwicklungsorganisation Oxfam nahelegt. Diese thematisieren unter anderem tagesschau.de, der Deutschlandfunk, die Welt, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Zeit Online, der Tagesspiegel, die Tageszeitung (taz), n-tv.de, t-online.de, die Rheinische Post, die Wirtschaftswoche und der Standard. Der Oxfam-Bericht „Time to Care“, der pünktlich zu Beginn der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos erschienen ist, stelle fest, dass einem Prozent der Weltbevölkerung 45 Prozent des globalen Vermögens gehöre. Somit verfügen die 162 reichsten Milliardäre über mehr Reichtum als 4,6 Milliarden Menschen. Frauen und Mädchen seien besonders durch die von Oxfam identifizierte „Ungleichheitskrise“ betroffen. Durch geringeren Verdienst und weniger Vermögen seien sie häufiger von Armut betroffen als Männer. Eine Ursache für die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen sei insbesondere die unbezahlte Pflegearbeit, die zumeist von Frauen verrichtet werde. Frauen verrichten durchschnittlich 1,5 Stunden mehr unbezahlte Pflege- und Fürsorge-Arbeit als Männer. Oxfam fordere Investitionen in öffentliche Infrastruktur zur Entlastung von unbezahlter Care-Arbeit sowie eine gerechte Verteilung des weltweiten Vermögens. Bisher werden „Reiche und Super-Eliten“ begünstigt, beispielsweise durch zu geringe Steuersätze, so Amitabh Behar von Oxfam International.

3. Afrika: Krankheit Korruption
Philip Plickert thematisiert in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung die fehlende „Good Governance“ vieler afrikanischen Länder insbesondere hinsichtlich staatsnaher Unternehmen. Während hunderte Millionen Menschen in Afrika in extremer Armut leben müssen, teilen korrupte Eliten die Gewinne aus der Rohstoffförderung unter sich auf. Dieses sogenannte „Rent seeking“ sei beispielsweise in Ländern wie Angola, Südafrika und Nigeria sichtbar. Der Kampf um die Verteilung der Rohstoffe und der daraus resultierenden Gewinne führe auch zu Bürgerkiegen, wie in der Demokratischen Republik Kongo. Allein Botswana steche als positives Beispiel hervor, da die Erträge aus der Diamantindustrie zurück in öffentliche Infrastruktur und humanitäre Versorgung investiert werden. Die EU müsse bei den diesjährigen Verhandlungen um einen neuen EU-Afrika-Vertrag „Good Goovernance“ von den Regierungen einfordern und „im Gegenzug großzügigen Handelszugang gewähren“.

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Den Kampf gegen Aids unterstützen – und die globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung bis 2030 einhalten

ONE - 20. Januar 2020 - 16:03

Agnes Nyamayarwo ist eine Krankenschwester aus Uganda und die Hauptkoordinatorin des Mulago Positive Women’s Network. Als sie feststellte, dass ihr Ehemann sie mit dem HI-Virus infiziert hatte, hatte sie das Virus bereits unwissentlich an ihren Sohn übertragen. Christopher starb mit 6 Jahren an Aids. ONE-Mitgründer Bono war von Agnes’ stillem Kampf gegen die Krankheit und ihrer Tapferkeit beeindruckt. So wurde Agnes zu einer der internationalen starken Stimmen von ONE und kämpft seitdem Seite an Seite mit Bono und anderen gegen HIV/Aids.   

ONE-Mitgründer Jamie Drummond ist seit mehr als 20 Jahren einer der engagiertesten Aktivist*innen im Kampf gegen HIV/Aids. Sein herausragender „Faktivismus“, wie Bono es beschrieb, wurde 2019 mit dem ‚World Without Aids Award‘ der Deutschen Aids-Stiftung ausgezeichnet. Bei der feierlichen Operngala in Berlin fand die Preisverleihung durch Bundesminister für Gesundheit Jens Spahn und den Regierenden Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, statt. Mit einer bewegenden Rede nahm Drummond diese Auszeichnung entgegen. Er hob sowohl große Erfolge als auch die Herausforderungen hervor, die im Kampf gegen die Krankheit noch bevorstehen. Ihr findet Auszüge dieser Rede hier.

Möglichkeiten in Aktivismus verwandeln

Vor beinahe zwanzig Jahren trafen Agnes und ich uns das erste Mal in Kampala, Uganda. Das war der Anfang unseres gemeinsamen Engagements gegen HIV/Aids. Damals starben täglich ungefähr 4500 Menschen… Es war furchtbar, viele hatten die Hoffnung verloren. Seitdem konnte diese Zahl dank einer historischen Partnerschaft zwischen Aktivist*innen, dem privaten Sektor und Regierungen halbiert werden – Preise für Medikamente sanken und Gesundheitspersonal wurde unterstützt, um wirklich jede*n Bedürftige*n zu erreichen. 2023 werden durch Aids verursachten Tode abermals um die Hälfte gesunken sein, laut des Globalen Fonds gegen Aids, Tuberkulose und Malaria auf 1.100 Menschen am Tag. Gelingt es uns, die globalen Geber für diese notwendige Reduktionsrate zur Verantwortung zu ziehen und dabei nicht nachzugeben, ist eine Welt, in der kein Mensch an Aids sterben muss, bis 2030 möglich. 

Eine großartige Aussicht, oder? Jetzt geht es darum, wie wir sie realisieren können. Wir müssen eine  Partnerschaft auf die Beine stellen, die noch mehr für die Menschen und den Planeten erreichen kann.

Weshalb Aids ein Thema globaler Wichtigkeit bleibt

Die erste Gefahr ist eine ‚Aids-Apathie‘. Neulich, auf der ‘World Without Aids’-Gala in Berlin, kamen wir mit einem deutschen Prominenten ins Gespräch. Er gab offen zu, dass viele seiner Freunde der Ansicht waren, Aids wäre nicht länger ein „cooles“ Thema, für das man sich stark macht. Sein Argument war, dass andere Herausforderungen – wie der Klimawandel und Menschenrechte – heutzutage wichtiger erscheinen. Diese Ansicht ist weit verbreitet. Und natürlich sind all diese Themen unglaublich wichtig und müssen von uns allen auf der Welt gemeinschaftlich angegangen werden.

Deshalb sind auch die globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung so wichtig – sie vereinen all diese Themen in sich und geben darüber hinaus konkrete Finanzierungsrichtlinien. Jetzt ist es wichtig, dass die Menschen, die sich engagiert für den Klimaschutz einsetzen, ebenso engagiert an vorderster Front gegen vermeidbare Krankheiten wie Aids, Tuberkulose und Malaria kämpfen. Denn solcher Einsatz kann unzählige Tode durch beide Ursachen vermeiden. Auf keinen Fall dürfen wir zulassen, dass Menschen an todbringenden Krankheiten wie Aids das Interesse verlieren. Denn dadurch würden wir zulassen, dass sie zu Modeerscheinungen werden, die man verwirft, wenn sie nicht mehr spannend sind. Den Kampf gegen die Krankheit würden wir dann nicht nur verlieren, sondern auch ihr großes Comeback erleben, das genauso viele Menschen das Leben kosten würde wie früher. Würde der Einsatz gegen Aids dann auf einmal wieder an Beliebtheit gewinnen? Eine solche Entwicklung können wir nicht zulassen. Wir müssen Menschlichkeit, moralische Vorstellungskraft und Kreativität in uns finden – und damit sicherstellen, dass alle Herausforderungen für Gerechtigkeit, Gleichheit und Nachhaltigkeit gleichzeitig und miteinander den notwendigen Einsatz erhalten.

Ein Anliegen für die Sicherung weltweiter Gesundheit

Leider überzeugen Argumente von „Gerechtigkeit und Gleichheit“ nicht alle Menschen gleichermaßen. Aber wie wäre es mit dem Argument der Gesundheitssicherung unserer eigenen Familien und Gemeinschaften? Übertragbare Krankheiten sind die ältesten Todfeinde der Menschheit. Sie haben sich mit uns entwickelt und bedrohen das System globaler Gesundheit nun an dessen schwächsten Stellen. Diese sind die Länder, die am stärksten von Armut betroffen sind und in denen tropische Krankheiten einen andauernden Kampf gegen die Immunsysteme der Einzelnen und gegen globale Gesundheitssysteme führen. Wie wir an Aids gesehen haben: Mit seinem Ursprung im Zentrum von Afrika verbreitete sich die Krankheit dennoch auf globaler Ebene. Es gibt also ein starkes Argument für kontinuierliche und starke Unterstützung des Gesundheitspersonals, das an vorderster Front gegen diese Krankheiten kämpft – die Sicherung globaler Gesundheit.

Unglaublich, dass man diese Argumente überhaupt anführen muss, oder? Allein heute werden mehr als 14 000 Kinder unter fünf Jahren sterben, die meisten an vermeidbaren oder behandelbaren Krankheiten und hauptsächlich in den von Armut am stärksten betroffenen Regionen unserer Welt. Stell dir einmal vor, eine Armee böser Aliens würde heute aus dem All angreifen und 14.000 Kinder umbringen. Und diese Armee würde damit drohen, es am nächsten Tag und an jedem darauffolgenden zu wiederholen. Wir würden uns natürlich zur Wehr setzen. Und dennoch lassen wir zu, dass genau das jeden Tag geschieht, trotz der finanziellen und technischen Mittel, mit denen wir es verhindern könnten. Ist unsere Untätigkeit angesichts dieses Sterbens nicht die größte moralische Faulheit, Abwesenheit von moralischer Vorstellungskraft und sogar pure Feigheit?

2020 – werden wir etwas ändern?

 2020 hat die Weltgesundheitsorganisation das Jahr der Krankenschwester und Hebamme ausgerufen. Wir finden, dass ist ein großartiger Anlass, um finanzielle Unterstützung für diese Gesundheitsheldinnen  zu erhöhen und die Sicherung unserer Gesundheit zu gewährleisten. Wir brauchen 9 Millionen zusätzliche Krankenschwester auf der ganzen Welt bis 2030, um vermeidbaren Krankheiten endgültig den Kampf anzusagen, neue Todfeinde wie nicht ansteckende Krankheiten, zum Beispiel Krebs und Diabetes, einzudämmen und den Menschen zu helfen, die an mentalen Krankheiten leiden. Viele derjenigen, die  mehr als 20 Jahre mit HIV/Aids gelebt haben, leiden nun an diesen chronischen Krankheiten und benötigen Hilfe durch ein Gesundheitssystem, das sich umfassend um sie sorgt.

Aber: Gute Nachrichten. 2020 wird es einige Möglichkeiten geben, um Finanzierung und Unterstützung für dieses Ziel zu mobilisieren. Wir haben die Gavi-Finanzierungskonferenz im Juni in London, bei der viele Geberländer sich mit einem ambitionierteren Beitrag beteiligen sollten, von Deutschland bis zu Frankreich und den USA. Auch Klimaaktivist*innen möchten wir dazu aufrufen, diese Unterstützung für Immunisierung zu fordern. Dann folgt der Gipfel für Gleichberechtigung im Juli in Paris, bei dem der Zugang für Frauen zu Gesundheitsversorgung ein zentrales Thema sein wird. Schließlich wird auf der COP26, dem Klimagipfel im November im Glasgow diskutiert, wie den von Armut am stärksten betroffenen Ländern am besten zur Seite gestanden werden kann und im Zuge dessen muss Klimaschutz endlich handfest adressiert werden.

Ein Kampf, der nur gemeinsam gewonnen werden kann

All das werden Momente sein, zu denen Herausforderungen für Gesundheit, Gleichberechtigung und Nachhaltigkeit nicht als entweder/oder-Fragen präsentiert werden können – sondern als Teil desselben Ziels. Alle Menschen müssen dabei an einem Strang ziehen, denn wir alle teilen denselben Planeten. Eine junge Frau, die durch HIV bedroht ist, ist auch bedroht von geschlechtsspezifischer Gewalt, ungleichem Zugang zu Schulbildung, lokaler und globaler Korruption, Verletzungen der Menschenrechte oder Regierungschef*innen und Firmen, die ihren Lebensraum verunreinigen. Sie lebt an vorderster Front im Kampf gegen extreme Armut, Auswirkungen des Klimawandels und Sexismus. Ihre gelebte Realität sollte daher nicht aufgebrochen und je nach Belieben von Menschen aus der Ferne in ihren einzelnen Aspekten angegangen werden. Denn wir wissen, dass es in den einkommensschwächsten Ländern gerade einmal 300 US-$ je junger Frau kosten würde, um sie nachhaltig zu stärken. Lasst uns gemeinsam versuchen, diese Investitionen zu ermöglichen und das Geld bis hin zu jeder einzelnen Frau verfolgen, um sicherzugehen, dass es sie tatsächlich erreicht und unterstützt. Diese Investition in ihre Zukunft wird über unser aller Schicksal entscheiden.

Wir haben die Wahl. Ein desaströses Jahrzehnt steht uns bevor, wenn wir zwischen 2020 und 2030 isolieren, ausgrenzen und nicht Seite an Seite kämpfen. Lasst uns stattdessen ein Jahrzehnt daraus machen, in dem wir liefern, bedeutsamen Aktivismus vorantreiben und gemeinsam arbeiten – als ein Team.

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Crowdwork: Eine Chance für den Globalen Süden?

BfdW - 20. Januar 2020 - 15:46
Crowdworking hat sich zu einem lukrativen Geschäftsmodell entwickelt, insbesondere in Asien. Nachdem Online-Arbeitsplattformen zunächst große Hoffnungen auf ein alternatives Einkommen weckten, warnt die ILO inzwischen vor geringen Löhnen und einer Dequalifizierung der Arbeiter/innen.

Weltweit schießen Online-Arbeitsplattformen aus dem Boden, wie beispielsweise „Clickworker“ in Deutschland. Die meisten Clickworker leben aber nicht in Europa oder den USA, sondern in Asien. Allein in Indien und auf den Philippinen sind annährend 40 Prozent jener Menschen tätig, die Microjobs wie etwa das Erstellen oder Bewerten von Bildern ausüben.

Win-Win für Unternehmer und Clickworker?

Über lange Zeit weckten Online-Plattformen große Hoffnungen, da sie weltweit kleinere Jobs und Aufträge vermitteln und Freelancern auch in Ländern des Globalen Südens Einkommensmöglichkeiten verschaffen können. Mittlerweile konkurrieren Menschen aus aller Welt auf diesen Plattformen um Aufträge. Unternehmen nutzen die Crowdworking-Plattformen um Online-Arbeiten weltweit auszuschreiben und dadurch Kosten zu senken. Die Plattformbetreiber verlangen von den Auftraggebern in der Regel Gebühren – meistens einen bestimmten Prozentsatz der Honorare, die die Auftraggeber den Crowdworkern zahlen.

Das Geschäftsmodell des Crowdworking – in Deutschland mitunter als digitale Schwarmarbeit übersetzt – ist derart lukrativ, dass weltweit zahlreiche Plattformen aus dem Boden geschossen sind, die teils spezialisierte Vermittlungsdienste anbieten. Bekannte Plattformen mit globalem Angebot sind etwa Amazon Mechanical Turk (USA), Guru (USA), Upwork (USA), Freelancer (Australien), Clickworker (Deutschland) oder Fiverr (Israel).

Auswertungen der fünf größten englischsprachigen Plattformen (gemessen nach Besuchszahlen) durch den Online Labour Index zeigen, dass über die Hälfte der angebotenen Aufträge von US-Unternehmen stammen. Rund 16 Prozent der Aufträge kommen von europäischen Unternehmen. Daneben ermittelt der Online Labour Index auf Basis von vier Plattformen (Fiverr, Freelancer, Guru und PeoplePerHour) auch die Länder, in denen die meisten Crowdworker anzutreffen sind.

Asiens Dominanz

Indien, das bereits seit Längerem ein bevorzugtes Zielland für das Outsourcing webbasierter Dienstleistungen ist, beherbergt nach dem Online Labour Index auch die größte Zahl von Crowdworkern. Neben der technischen Infrastruktur macht sich dabei auch der Vorteil bezahlt, dass viele Inderinnen und Inder die englische Sprache beherrschen. Auch in einigen anderen Ländern des Globalen Südens ist Englisch stark verbreitet – daher gibt es auch auf den Philippinen, in Bangladesch und Pakistan viele Crowdworker.

Die regionale Verteilung verdeutlicht die starke Dominanz asiatischer Crowdworker: 55 Prozent der Crowdworker leben in Asien. Aber auch in Afrika und Südamerika sind Online-Arbeiterinnen und Arbeiter anzutreffen, die über eine Plattform vermittelt wurden, wenngleich auch noch in geringerer Zahl.

Die Schattenseiten werden deutlicher

Manche Länder wie die Philippinen oder Nigeria haben Regierungsinitiativen lanciert, um die digitale Schwarmarbeit zu fördern. Die Meinungen über den entwicklungspolitischen Nutzen des Crowdworking gehen jedoch weit auseinander. Während Organisationen wie die Weltbank die digitale Plattformarbeit als vielversprechende Alternative zu traditioneller Beschäftigung betrachten, wecken empirische Analysen Zweifel, ob die Gig Economy, also der Teil des Arbeitsmarktes, bei dem kleine Aufträge kurzfristig an unabhängige Selbständige, Freiberufler oder geringfügig Beschäftigte vergeben werden, ein sinnvoller Bestandteil nationaler Entwicklungsstrategien sein kann.

Zwar haben manche Crowdworker Ersparnisse gebildet, die sie für eigene Geschäftsideen oder ihre Fortbildung verwenden konnten. Doch viele beklagen den niedrigen Lohn, die Unsicherheit über Folgeaufträge und die erhebliche Überlastung. Crowdworker leisten sehr viel unbezahlte Arbeit, da allein die Jobsuche auf den Plattformen äußerst zeitraubend ist. In vielen Ländern des Südens gibt es daneben ein erhebliches Überangebot an Menschen, die Arbeit auf den Plattformen nachfragen. Das Angebot an potenziellen Crowdworkern macht oftmals ein Vielfaches der online angebotenen Aufträge aus, was wiederum das Honorar drückt.

Außerdem sind die Arbeitsbedingungen mitunter miserabel beziehungsweise die Arbeitsinhalte eine Zumutung. Nicht nur auf den Philippinen spricht man von „digitalen Sweatshops“. Die Clickworker müssen sich dort täglich unzählige Bilder und Videos mit Gewaltszenen und Kinderpornografie ansehen, um den Online-Müll des Globalen Nordens zu beseitigen.

ILO: Hindernis für zukünftige Entwicklung

Untersuchungen der Internationalen Arbeitsorganisation ILO zeigen daneben, dass ein beträchtlicher Teil der online geleisteten Arbeit von den Auftraggebern zurückgewiesen wird. Dabei werden die Mängel teilweise nur vorgeschützt, um sich der Bezahlung zu entziehen. Die Crowdworker gehen in diesen Fällen gänzlich leer aus. Zudem verfügen Crowdworker in Ländern des Südens noch seltener über Kranken- und Rentenversicherungen als ihre Kolleginnen und Kollegen in stärker entwickelten Staaten.

Die ILO macht daneben auf das hohe Qualifikationsniveau der Crowdworker in Entwicklungsländern aufmerksam, die oft über Hochschulabschlüsse verfügen. Für die Armutsbekämpfung und die Beschäftigung Niedrigqualifizierter bieten die Arbeitsplattformen daher nur wenig Potenzial. Das hohe Qualifikationsniveau der Crowdworker sei darüber hinaus eine Verschwendung kostbarer Ressourcen, da sie meist einfache, monotone und repetitive Tätigkeiten verrichten. Zu ihren häufigen Jobs gehört etwa, die Klickzahlen kommerzieller Webseiten hochzutreiben oder Fake-Bewertungen einzelner Produkte zu verbreiten. Seit einiger Zeit würden Hochschulabsolventinnen und -absolventen des Südens damit beauftragt, Postings in sozialen Medien auf anstößige Inhalte zu durchforsten und damit letztlich den Online-Müll des globalen Nordens zu beseitigen.

Die hohe Qualifikation der Crowdworker des Südens sei vor allem deswegen eine Verschwendung, weil viele Regierungen in deren Ausbildung investierten. Dies geschah in der Erwartung, sie würden einen wichtigen Beitrag für die wirtschaftliche Modernisierung ihrer Länder leisten. Im Rahmen der Crowdwork liege dieses innovatorische Potenzial meist brach. Außerdem drohe eine weitere Dequalifizierung, weil die Online-Jobs tendenziell in immer kleinere einfache Tätigkeiten aufgespalten werden, um Kosten zu sparen. Dadurch wachse die Gefahr, dass qualifiziertere Arbeit durch niedrigqualifizierte verdrängt wird. Eine zukunftsfähige und menschenwürdige Entwicklungsstrategie sieht anders aus.

Thema (BfdW) : DigitalisierungWelthandel
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Jedes dritte Mädchen aus den ärmsten Familien war noch nie in der Schule

Unicef - 20. Januar 2020 - 14:15
Anlässlich des heute stattfindenden Weltbildungsforums in Davos fordert UNICEF die Regierungen dazu auf, gleiche Bildungschancen für jedes Kind zu ermöglichen. Laut dem aktuellen UNICEF-Bericht „Addressing the learning crisis" geht unter den ärmsten Familien fast jedes dritte Mädchen nicht zur Schule. 
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