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EU-Parlament: 13 Mrd Euro für Verteidigungsfonds

BfdW - 18. April 2019 - 12:55
13 Mrd Euro sollen 2021-27 in einen EU-Verteidigungsfonds investiert werden, so beschloss das Parlament nach kontroverser Debatte. Kirchliche Hilfswerke und NGO-Netzwerke sehen darin eine Maßnahme zur Subventionierung der Rüstungsindustrie und befürchten eine Ausweitung von Waffenexporten.

Der Verteidigungsfonds ist Bestandteil des Finanzrahmens der EU für den Zeitraum 2021-27. Erstmals wird damit aus Mitteln des Gemeinschaftshaushalts ein umfangreiches, mehrjähriges Programm für Rüstungsforschung und Entwicklung rechtsverbindlich festgeschrieben - zusätzlich zu den Verteidigungsbudgets der Mitgliedstaaten. Im Sommer 2018 hatte die EU-Kommission dafür einen Verordnungsentwurf vorgelegt, der dem Industrieausschuss überantwortet wurde. Schließlich hatte der Text - zu dem es zahlreiche Änderungsanträge gab - eine erste Parlamentsabstimmung passiert. In den nachfolgenden Trilogverhandlungen wurde zwischen Kommission, Rat und EU-Parlament (EP) ein Kompromiss augehandelt. 328 Abgeordnete stimmten diesem heute zu, 231 lehnten ihn ab, und 19 enthielten sich. Immerhin konnten Abgeordnete, die dem Vorhaben kritisch gegenüberstehen, durchsetzen, dass kein Geld in Killerroboter (autonome Waffensysteme) investiert wird. Dieser Teilerfolg ist im Wesentlichen den Initiativen der GREENS/EFA  zu verdanken, die sich schon im September 2018 für ein Verbot dieser Waffen einsetzten. Gleichwohl sind in dem nun abgestimmten Text weder bewaffnete Drohnen noch Massenvernichtungswaffen von der Förderung ausgenommen. In der Debatte, die der Plenarbstimmung voranging, wurde sehr kontrovers zu diesen Themen diskutiert.

Argumente der Befürworter

Die Befürworter - vor allem Abgeordnete der Europäischen Volkspartei, der Sozialdemokraten ( S&D), sowie der Liberalen (ALDE) argumentierten, dass der Verteidigungsfonds zur Effizienzsteigerung der Rüstungsindustrie beitragen werde. Die Industriekommissarin Elzbieta Biekowska erhofft sich zudem eine Steigerung der industriellen Wettbewerbsfähigkeit und erachtet den Verteidigungssektor als den "wichtigsten Motor" für weitere Integrationsprozesse. Dies sei ein "Meilenstein hin zur Verteidigungsunion", und zwar "in Ergänzung zur NATO". Damit werde die "strategische Autonomie" verwirklicht, die den EU-Staaten die Möglichkeit eröffne, "von Dritten unabhängig" zu werden. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, David McAllister (EVP) betonte, hier gehe es um das "industriepolitische Fundament für mehr Sicherheit" und den "Schutz der Bürgerinnen und Bürger." Ein weiteres EVP-Mitglied wies darauf hin, dass die EU-Staaten zusammengenommen zwar doppelt soviel in Verteidigung investieren würden wie die russische Förderation, aber angesichts deren aggressiver  Politik und aufgund der islamistischen Bedrohung seien weitere Investitionen erforderlich. Der Berichterstatter (Zdislav Krasnodebski) versuchte KritikerInnen zu beschwichtigen: Ziel des Fonds sei "nicht die Militarisierung der Union", sondern "dass wir eine gemeinsame europäische Politik haben, mit gemeinsamen Projekten in der Phase der Forschung und Entwicklung;  da werden gar keine Waffen hergestellt, es geht um Forschung und Entwicklung, damit es keine Doppelung gibt (...) und die Mittel bestmöglich verwendet werden, für hochwertige Technologie und Verteidigungsprodukte." Der Begriff "Effizienz" dominierte die Diskussion und wurde mindestens so häufig bemüht wie der Hinweis auf die angestrebte "strategische Autonomie". Jedoch wurde keines dieser Schlagworte mit überzeugenden Fakten und Argumenten unterlegt. Schließlich ist der milliardenschwere Verteidigungsfonds im Kontext der kürzlich etablierten "Ständigen Strukturierten Zusammenarbeit" (PESCO) zu sehen, in der sich die Mitgliedstaaten zu einer kontinuierlichen Erhöhung ihrer Verteidigungsausgaben verpflichtet haben. Diese Tatsache blieb in der Debatte gänzlich unerwähnt.

Argumente der KritikerInnen im EP

Kritik kam vor allem von den Fraktionen der Linken (GUE/NGL)  sowie der EU-skeptischen EFDD ("Europa der Freiheit und direkten Demokratie") sowie den Grünen (GREENS/EFA). Aber auch eine Reihe von Abgeordneten der Sozialdemokraten (S&D) stimmten gegen den Fonds. Mitglieder der GUE/NGL kritisierten die falschen Weichenstellungen in der EU-Politik, die sich stärker auf Armutsbekämpfung im globalen Süden ausrichten solle und Sicherheit für die EU-BürgerInnen nicht primär militärisch sondern im Sinne von sozialer Sicherheit und Beschäftigung definieren müsse.Mitglieder der EFDD sahen die EU auf dem Weg zu einer "totalitären Union", einem "europäischen Superstaat", der sich eine gemeinsame Armee zulegen wolle, was als "ultimatives Desaster" bezeichnet wurde. Aus der S&D-Fraktion wurde kritisiert, dass der zur Abstimmung vorgelegte Text es zulasse, dass die EU-Mitgliedstaaten im Hinblick auf die Ausfuhr von Rüstungstechnologie "in völligem eigenen Ermessen handeln" dürfen, obwohl es einen verbindlichen Gemeinsamen Standpunkt der EU von 2008 mit klaren Kriterien gebe, die Exporte in Krisen- und Kriegsgebiete verbieten. Stark kritisiert wurden auch die mangelnden Mitbestimmungs- und Kontrollrechte des Parlaments  über die Ausgaben aus dem Verteidigungsfonds, denn dieser soll direkt von der EU-Kommission verwaltet werden. Änderungsvorschläge, nach denen dem EP Kontrollrechte über den Haushalt in Form sogenannter "Delegierter Rechtsakte" eingeräumt werden sollten, fanden keine Mehrheit. Stattdessen soll das Jahresausgabenprogramm nun über sogenannte "Durchführungsakte" durch die EU-Kommission im Alleingang festgelegt werden. Auch die Grünen (GREENS/EFA) kritisieren die mangelnden Mitspracherechte. Der Verteidigungsfonds beschere der Rüstungsindustrie ein "milliardenschweres Konjunkturprogramm". Der Gemeinsamen Europäischen Sicherheits- und Vetreidigungspolitik dagegen helfe er  kaum, weil er militärische Dopplungen und Überkapazitäten unangetastet lasse, so heißt es in einer Pressemitteilung des Schattenberichterstatters Reinhard Bütikofer. Nicht nur die Subventionierung von Drohnen und Massenvernichtungsmitteln bildeten einen Grund zur Ablehnung, sondern auch die Befürchtung, dass der Fonds den "Export von Rüstung in autoritäre Regime ankurbeln" werde, da keine Exportkontrolle auf europäischer Ebene vorgesehen sei. Für die gemeinsame Sicherheit in Europa könnte ein Veteidigungsfonds eine positive Rolle spielen, so Bütikofer in der Aussprache am 17.4.2019. Die Chance dafür sei jedoch in den Verhandlungen verspielt worden. Die Duplizierung und Ineffizienz in der Rüstungsbeschaffung würden weitergehen. Von den französischen MEPs Riquet und Grossetete habe er "die blanke Interessenvertretung des französischen Rüstungslobbyismus" vernommen, "und militaristische Ideologie obendrein". Das nun vorliegende Ergebnis sei ein "Verteidigungsfonds, dessen Ethikvorschriften nur bloße Fassade seien". Die "Selbstkastration des EP" bezeichnete er als "eine Schande" und er warnte schließlich "vor der Ideologie der "Strategischen Autonomie": wer so versuche, europäische Verteidigungspolitik zu definieren, rede "an den Realitäten vorbei".

Kampagne des European Network Against Arms Trade

Brot für die Welt hat sich  in der Vergangenheit zu diesem Thema kritisch positioniert und verdeutlicht, dass der massive Finanzierungsschub, der für die europäische Rüstungsindustrie geplant ist, in krassem Missverhältnis zu den Mittelansätzen für zivile Konfliktbearbeitung und Friedensförderung steht. Das Netzwerk gegen den Waffenhandel (ENAAT), dass von Brüssel aus die Exportpolitik der EU und ihrer Mitgliedstaaten analysiert und beobachtet, hat die EU-Abgeordenten in einem offenen Brief dazu aufgerufen, der Budgetplanung der EU-Kommission eine Absage zu erteilen. ENAAT befürchtet eine Zunahme von Exporten schon allein deshalb, weil eine massive Subventionierung der Rüstungswirtschaft mit öffentlichen Mitteln zum Ausbau von Kapazitäten führt, die in der Regel anschließend durch Exportsteigerungen ausgelastet werden müssen. ENAAT hatte schon im Vorfeld immer wieder darauf hingewiesen, dass der Verteidigungsfonds von einer Expertengruppe konzipiert worden war, die sich fast ausschließlich aus VertreterInnen der Rüstungsindustrie zusammensetzte. Die Kritik des Netzwerks gilt vor allem Artikel 7 der Verordnung zum Verteidigungsfonds, in dem die "ethischen Prüfungen" für die Förderpraxis völlig unzureichend geregelt sind: "Ethical screenings will happen only before the signature of the grant contract and on the basis of prior ethical self-assessments by the industry itself; the list of independent experts to assist the European Commission in evaluation and monitoring tasks will not be made public, making it impossible to double-check possible conflicts of interest; and the possibility to carry out ethical checks during a project implementation or to terminate it on ethical grounds have been removed." Artikel 7 war ursprünglich aufgrund der Kritik aus der Zivilgesellschaft eingefügt worden, wurde aber in seiner finalen Fassung schließlich so frisiert, dass er den Interessen der Industrie umfassend gerecht wird. Zu den Hintergründen und Fakten zum Defence Fund hat ENAAT ein ausführliches "Fact-Sheet" veröffentlicht.

Erst im November 2018 hatte das EP sein Bekenntnis zur restriktiven Handhabung der Rüstungsexporte bekräftigt. Es fragt sich, wie die Abgeordneten die Entscheidung für den Verteidigungsfonds mit diesem Parlamentsbeschluss vereinbaren wollen. Da die ParlamentarierInnen nunmehr der Beschneidung ihrer eigenen Kontrollmöglichkeiten zugestimmt haben, ist es umso wichtiger, dass kirchliche Hilfswerke, NGOs und Friedensforschung die Ausgaben- und Exportpraxis der EU und ihrer Mitgliedstaaten in den kommenden Jahren engmaschig prüfen und beobachten.

Thema (BfdW) : FriedenMenschenrechteLänderbezug (Europa/Kaukasus) : EuropaLinks: European Network Against Arms Trade (ENAAT), Fact Sheet: What is the European Defence Fund, Brussels, April 2019ENAAT, Offener Brief an die EU-Abgeordneten, 11. April 2019Laetitia Sedou, EU Defence Fund provisional agreement sets dangerous precedent against democratic functioning of the EU26.3.2019Resolution des EP zu autonomen Waffen vom 12. September 2018PM Reinhard Bütikofer, EP beschließt Konjunkturprogramm für die Rüstungsindustrie, 18.4.2019Pressemitteilung des EP vom 18.4.2019Martina Fischer, EU-Verteidigungsfonds und zivile Friedensförderung, Blogbeitrag vom 14.12.2018Martina Fischer, EU-Verteidigungsfonds und Rüstungsexportkontrolle, Blogbeitrag vom 14.11.2018Pressemitteilung Brot für die Welt 12.12.2018Beitrag Bütikofer, Live-Stream, EP Plenum 17.4.2019, 20:10
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Libyen: Verletzung des Völkerrechts durch starke Bombardierungen

Vereinte Nationen - 18. April 2019 - 12:18

18. April 2019 – Der Leiter der dortigen UN-Mission hat am Dienstagabend den Einsatz von Granaten in einem dicht besiedelten Viertel der libyschen Hauptstadt Tripolis verurteilt. Berichten zufolge sind Dutzende Zivilisten getötet und verletzt worden.

„Eine schreckliche Nacht der willkürlichen Bombardierung von Wohngebieten", tweetete der UN-Sonderbeauftragte Ghassan Salame am Mittwoch. „Um der drei Millionen Zivilisten willen, die im Großraum Tripolis leben, sollten diese Angriffe aufhören. JETZT!" 

Khalifa Haftar, Anführer der selbsternannten Libyschen Nationalarmee (LNA) die einen Großteil der östlichen und südlichen Gebiete Libyens kontrolliert, hat eine zweiwöchige Militärkampagne geführt um Tripolis von Soldaten fernzuhalten, die der UN-anerkannten Regierung loyal sind.  

Nach ersten Berichten gehören zu den zivilen Opfern des Nachtangriffs Frauen und Kinder sowie eine Familie, bei der Mutter, Tochter und Enkelin getötet wurden. 

„Der Einsatz von Sprengstoffwaffen in zivilen Gebieten stellt ein Kriegsverbrechen dar", sagte Salame, der auch die UN-Unterstützungsmission (UNSMIL) leitet, in einer Erklärung. Er drückte „mit tiefster Betroffenheit" denFamilien des Opfers sein Beileid aus.

In seiner Erklärung wurde darauf hingewiesen, dass es bis gestern 54 bestätigte zivile Opfer gab, darunter 14 Tote und 40 Verletzte, von denen vier im Gesundheitswesen tätig waren.  

„Die Verantwortung für solche Handlungen liegt nicht nur bei den Personen, die die willkürlichen Angriffe begangen haben sondern auch bei denen, die sie angeordnet haben", betonte der Sonderbeauftragte. 

Die internationalen humanitären und menschenrechtlichen Gesetze müssen uneingeschränkt eingehalten werden und es müssen alle möglichen Maßnahmen zum Schutz der Zivilbevölkerung und der zivilen Infrastruktur ergriffen werden. 

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Was wirkt wie? Selbstevaluation in der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit

agl - 18. April 2019 - 11:53

 

Selbstevaluation ist in vielen Bereichen zu einem festen Bestandteil des Arbeitsalltags geworden. Aber wie umsetzen? An diese Frage knüft die Seminarreihe an. Unter Einbezug Ihrer Projektbeispiele werden Arbeitsschritte einer Selbstevaluation in einzelnen Modulen erprobt.

 

Die Seminarreihe richtet sich an haupt- und ehrenamtlich in Vereinen Tätige, die entwicklungspolitische Bildungsprojekte durchführen.

 

Weitere Informationen finden Sie hier.

 

 

 

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PRESS RELEASE: C20 Representatives Submitted C20’s “Policy Pack” to PM Shinzo Abe, Chair of the G20 Osaka Summit

#C20 18 - 18. April 2019 - 11:40

C20 Representatives Submitted C20’s “Policy Pack” to PM Shinzo Abe, Chair of the G20 Osaka Summit

18 April 2019 – Tokyo, Japan

 

Representatives of C20 (Civil 20), consisting of C20 Argentina of 2018, C20 Japan of 2019, and C20 Saudi Arabia of 2020, met with Japan’s Prime Minister Shinzo Abe on the morning of 18 April 2019, to submit their Policy Pack at the Prime Minister’s Office.

(from left to right): Valeria Milanes (Argentina), Yuka Iwatsuki (C20 Chair, Japan),  Her Highness Nouf bint Muhammad bin Abdullah al-Saud (Saudi Arabia), Shinzo Abe (Japan’s Prime Minister)

 

After introducing representatives of C20 to the Prime Minister, Yuka Iwatsuki, C20 Chair and President of Action against Child Exploitation, said, “Over 400 civil society organisations that participated in the compilation of the Policy Pack are expecting the Prime Minister, Chair of G20 in 2019, to reflect the recomendations addressed in the Policy Pack to be discussed in G20 Osaka Summit”.

 

Atsuko Miwa, C20 Co-Chair and Director of Asia-Pacific Human Rights Information Center, introduced the key issues of the Policy Pack and mentioned about the role that G20, whose GDP reach more than 80% of the GDP of the globe, should play in achieving SDGs by 2030. She also stressed that it was time to turn promises into actions and that C20 was willing and ready to work together for globally shared solutions for globally shared problems.

C20 Steering Committee members and coordinators of Working Groups attended the meeting.

Prime Minister Abe commented that the Policy Pack that was handed to him by Her Highness Princess Nouf bint Muhammad bin Abdullah al-Saud of King Khalid Foundation, Saudi Arabia, included important issues that should be discussed in G20 Osaka Summit.

 

He also mentioned that he shared C20’s concerns about the widening gap in the course of the Fourth Industrial Revolution that is taking place under the present globalised economy and  that he intended to lead discussion about free trade and inclusive growth in G20. He added, “Recognising differences of interests that exist among G20 countries, I will strive to work on issues that can be commonly discussed and agreed upon, through the spirit of harmony, to achieve broader objectives”.

Japan’s Prime Minister Shinzo Abe, second from right, responds to C20’s recommendations.

 

C20 Summit will take place for three days from Sunday, 21 April to Tuesday, 23 April 2019 in Tokyo and nearly 600 participants from all over the globe are expected to join the conference.

https://civil-20.org/

Media Coverage:

NHK (Japan’s Public Broadcasting Corporation), 18 April 2019

https://www3.nhk.or.jp/news/html/20190418/k10011888301000.html

Prime Minister’s Office of Japan, 18 April 2019

http://www.kantei.go.jp/jp/98_abe/actions/201904/18hyoukei.html

Ministry of Foreign Affairs in Japan, 18 April 2019

https://www.mofa.go.jp/mofaj/ecm/ec/page4_004905.html

 

Contact:

C20 Secretariat <c20@civil-20.org>

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Afrikanischer Zugang zur Wirtschaftsförderung

BfdW - 18. April 2019 - 10:57
Brot für die Welt und unsere Partnerorganiation der nigerianischen KMU unterstützen, dass die Bundesregierung mehr für die Wirtschaft in Afrika tun möchte. Aber es braucht neue Ansätze, dass wirklich kleinere und mittlere Unternehmen investieren, egal ob sie aus Deutschland oder Afrika kommen.Die Umsetzung des Versprechens der Kanzlerin

Die Bundesregierung führt mit dem persönlichen Engagement der Bundeskanzlerin die Afrika-Initiativen zum Compact with Africa und dem Marshallplan aus der deutschen G-20 Präsidentschaft weiter. Die Bundeskanzlerin kündigte letzten Oktober an, eine Milliarde Euro zur Förderung von privaten Investitionen in Afrika zur Verfügung stellen zu wollen; der sogenannte Entwicklungsinvestitionsfond (EIF).

Das findet grundsätzlich unsere volle Unterstützung.

Auch unser Partner Ken Ukaoha, der Präsident des Verbandes nigerianischer Händler und kleiner und mittelständische Unternehmen (NANTS) sagt:

"Ich freue mich, dass Deutschland die Wirtschaft in Afrika fördern will. Wir brauchen innovative Ansätze, um Investitionen von kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) in Afrika zu steigern, die neue Produktion in Afrika anregen, regionale Wirtschaftskreisläufe stärken und so lokale Beschäftigung und nachhaltige Entwicklung schaffen.“

Nach unserer Kenntnis wird der EIF drei Komponenten umfassen. Mit AfricaGrow sollen existierende Finanzierungsfonds für afrikanische KMU verstärkt werden. Mit einem „Wirtschaftsnetzwerk Afrika“ sollen deutsche Unternehmen zu Investitionen in Afrika beraten werden.

Afrikanische Unternehmer und deutsche kleine Unternehmen bleiben außen vor

Bisher kennen wir nur einige Details für die dritte Komponente „AfricaConnect“. Gemäß unserer Informationen sollen nur Investitionen über 1,5 Mio € gefördert werden und dabei mindestens 50% der Investitionssumme von den Unternehmen selbst erbracht werden. Dies geht an den Bedarfen von KMU vorbei. In Deutschland fangen öffentlich geförderte Wagniskapitalinstrumente schon bei 10.000 € an und Wagniskapitalfonds mit öffentlicher Beteiligung übernehmen bis zu 100% der Investitionssumme. Ähnliche Instrumente brauchen Unternehmerinnen und Unternehmer für Investitionen in afrikanischen Ländern, die neben einem hohen unternehmerischen Risiko auch in vielen Fällen noch von hohen regulatorischen und politischen Risiken geprägt sind.

Nach unseren Informationen soll AfricaConnect nur deutschen und europäischen Unternehmen offen stehen. Diese Beschränkung ist dem Grundanliegen, die Förderung der Wirtschaft in Afrika voranzutreiben, nicht dienlich.

Daher fordert Ken Ukaoha:

“Afrikanische Unternehmerinnen und Unternehmer sollten gleichberechtigt Zugang zu allen Instrumenten des EIF bekommen.“

Rückfall in die Lieferbindung?

Das gilt umso mehr, da dieser Fonds durch ODA-fähige Mittel des BMZ gefördert wird und zu Teilen in den am wenigsten entwickelten Ländern (LDC) zum Tragen kommt. Ich bin der Meinung, dass diese Beschränkung einem Rückfall in die Lieferbindung von Entwicklungszusammenarbeit gleicht, die das BMZ in der Finanziellen Förderung seit vielen Jahren hinter sich gelassen hat. Deutschland hat sich spätestens mit der „Erklärung von Paris über die Wirksamkeit der Entwicklungszusammenarbeit“ von 2005 dem Ziel der Lieferaufbindung verpflichtet.

Wir treffen immer wieder deutsche und afrikanische Unternehmerinnen und Unternehmer, die wirklich engagiert sind und einen Beitrag zur sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung in afrikanischen Ländern leisten möchten. Daher sind wir der Meinung, dass Investitionen in besonders schwierige Länder (z.B. in LDCs) und mit besonders hohen Beschäftigungs- und anderen Entwicklungsdefiziten eine zusätzliche Förderung erhalten sollten („Entwicklungsprämie“).

Manche deutsche Wirtschaftslobbyisten wenden sich dagegen, dass solche Förderungen an die Einhaltung von Standards gebunden wird. Damit repräsentieren Sie nach meiner Erfahrung aber  nur den konservativeren Teil der Unternehmerchaft. Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass deutsche afrikanische Unternehmerinnen und Unternehmer bereit sind, sich bei der Nutzung von öffentlich geförderten Finanzierungen zur Einhaltung von menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten bzw. sozialen und ökologischen Mindeststandards zu verpflichten, wenn diese auf die Managementkapazitäten von KMUs Rücksicht nehmen. Wir von Brot für die Welt wären bereit, bei der Umsetzung dieser Standards unterstützend bzw. vermittelnd tätig werden.

Das Engagements von deutschen und afrikanischen KMU in Afrika stärken

Zusammen mit den nigerianischen Klein- und Mittelunternehmern und ihrem Präsidenten Ken Ukaoha fordern wir, den EIF so zu gestalten, dass

  • Investitionen ab 50.000 € gefördert werden,
  • Deutsche, europäische und afrikanische Unternehmerinnen und Unternehmer gleichermaßen Zugang erhalten,
  • Finanzierungsanteile bis zu 80% übernommen werden,
  • politische und regulatorische Risiken abgesichert werden,
  • Investitionen in fragile und wenig entwickelte Länder sowie hohe Beschäftigungseffekte besonders gefördert werden („Entwicklungsprämie“) und
  • menschenrechtliche Sorgfaltspflichten sowie Sozial- und Umweltstandards im Allgemeinen unter Beachtung der Management-kapazitäten von KMUs beachtet werden und dafür Beratung und Unterstützung angeboten wird
Thema (BfdW) : Nachhaltiges WirtschaftenLänderbezug (Afrika): Afrika
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Global verantwortungsvolles Handeln

Engagement Global Presse - 18. April 2019 - 9:00
entwicklungspolitische Spiele und Beratung zu den entwicklungspolitischen Angeboten finden die Besucherinnen und Besucher am Stand von Engagement Global. Foto: Engagement Global/Andreas Henn

Der Marktplatz für fairen und verantwortungsvollen Handel: Von Donnerstag, 25. April, bis Sonntag, 28. April 2019 dreht sich auf der Messe Fair Handeln in Stuttgart alles um die Themen Nachhaltigkeit und Fair Trade. Auch Engagement Global ist mit einem breiten Spektrum an Angeboten auf der Messe vertreten. In Halle drei am Stand Nummer 3D59 finden alle Interessierten Informationen und Beratung zu Programmen und Möglichkeiten für entwicklungspolitisches Engagement und können spielerisch ihr Wissen über entwicklungspolitische Themen testen. Mit dem 17 Ziele-Mobil soll zudem die Agenda 2030 mit den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDG) den Besucherinnen und Besuchern näher gebracht werden.

Bildung für nachhaltige Entwicklung

Mit zahlreichen Bildungsveranstaltungen ist die Messe außerdem eine Informations- und Kontaktbörse. Während der viertägigen Messe bietet Engagement Global in Kooperation mit der World Citizen School, der Stiftung Weltethos und dem Weltethos Institut einen „Students‘ Hub“, eine Plattform von Studierenden für Studierende. Über 15 Studierendeninitiativen, die sich mit den Themen Menschenrechte, Frieden und Nachhaltigkeit auseinandersetzen, präsentieren ihre Arbeit am Stand 3D57 in Halle drei und laden zum Austausch ein.

Der Entwicklungspolitische Hochschultag am Freitag, 26. April 2019, findet bereits zum vierten Mal während der Fair Handeln statt und beschäftigt sich in diesem Jahr mit dem Thema „Vier Jahre Agenda 2030 - die Umsetzung der Sustainable Development Goals (SDG) an Hochschulen“. Die Veranstaltung, organisiert von der Außenstelle Stuttgart von Engagement Global, richtet sich an Lehrende, Studierende sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Hochschulpolitik und -verwaltung, die Interesse an Entwicklungspolitik und Nachhaltigkeit haben.

Am Samstag, 27. April 2019, findet außerdem die entwicklungspolitische Landeskonferenz auf der Fair Handeln statt. Zum achten Mal lädt die Landesregierung von Baden-Württemberg engagierte Bürgerinnen und Bürger zum Dialog „Welt:Bürger gefragt!“ ein, bei dem neue entwicklungspolitische Leitlinien für Baden-Württemberg erarbeitet werden. Die Außenstelle in Stuttgart von Engagement Global nimmt als Mitglied im Rat für Entwicklungszusammenarbeit an der Konferenz teil und trägt mit dafür Sorge, dass Ergebnisse der Konferenz bei der Umsetzung der Leitlinien berücksichtigt werden.

Virtueller Austausch für Globales Lernen

In der Veranstaltung „CHAT der WELTEN stellt sich vor“ bringt Christian Fulterer vom CHAT der WELTEN Baden Württemberg am Freitag, 26. April 2019, den Messebesucherinnen und –besuchern den virtuellen Schulaustausch näher. Auf der Weltbühne zeigt er von 14:15 Uhr bis 14:45 Uhr wie das Programm CHAT der WELTEN das Thema fairer Handel innovativ und interessant in den Schulunterricht integrieren und Globales Lernen unterstützen kann.

Die Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit Baden-Württemberg (SEZ) veranstaltet die Fair Handeln gemeinsam mit der Landesmesse Stuttgart im Rahmen der Frühjahrsmessen. Die SEZ ist hierbei fachliche und ideelle Trägerin der Messeveranstaltung. Der Entwicklungspolitische Hochschultag wird von der Außenstelle Stuttgart von Engagement Global durchgeführt.

Veranstaltungsort

Landesmesse Stuttgart
Messepiazza 1
70629 Stuttgart

Weitere Informationen
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Wir suchen Unterstützung in unserer Online-Redaktion!

reset - 18. April 2019 - 5:54
Du bist journalistisch tätig und willst dich im Bereich der nachhaltigen Entwicklung engagieren? Dann werde Redakteur*in bei RESET und unterstütze uns in unserer Online-Redaktion!
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Sense of Frustration

SWP - 18. April 2019 - 0:00

In December 2018, the ruling African National Congress (ANC) and opposition party, Economic Freedom Fighters (EFF), passed an amendment to the constitution in the South African Parliament. It was intended to give concrete form to existing options to expropriate land without compensation. The narrative of land reform discussions in South Africa often creates the impression that the expropriation of land owned by white farmers without compensation could solve the country’s problem of unequal income distribution. It would, however, take a whole set of political reforms to create more social justice. Visible successes might help appease those groups that are dis­appointed with South African democracy 25 years after the end of apartheid, but if the reforms fail then this will likely exacerbate the already palpable sense of frustration felt by ordinary South Africans.

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Stuck in the Twilight Zone?

SWP - 18. April 2019 - 0:00

After 16 years of Tayyip Erdoğan in power and with almost total control of the bu­reau­cracy and the mainstream media, it has become hard to imagine a Turkey in which he and his party, the Justice and Development Party (AKP), would not win an election. Yet, after a long nail-biter of an election night, Turkey woke up on April 1 to results indicating a major shift: Defying expectations, Turkish voters had delivered a challenge to the dominance of the governing coalition. While this came as a sur­prise to some, it points to growing discontent among voters that was able to find expression through institutional means. This was made possible by various parts of the opposition that ran effective alliance strategies and campaigns as well as the elec­tion-night process. This accomplishment of the opposition, however, does not neces­sarily mean an easy shift to a democratic path in Turkey. Much depends on how various actors in the governing coalition respond to this new picture.

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VN-Peacekeeping in Mali

SWP - 18. April 2019 - 0:00

Am 30. Juni 2019 endet das Mandat der United Nations Multidimensional Integrated Stabilization Mission in Mali (Minusma). Eine Verlängerung des Mandats durch den VN-Sicherheitsrat gilt als sicher. Dabei ist unklar, welchen Beitrag die Mission zur Stabilisierung Malis zu leisten vermag und wie das Mandat geändert werden könnte, um die Mission effektiver zu gestalten. Angesichts der sich verändernden Rahmen­bedingungen in Mali sollte der Sicherheitsrat ein stärkeres Minusma-Engagement in Zentralmali erwägen. Dafür müssen aber auch Abstriche im Norden gemacht werden.

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Auf die Regierung kommt es an

SWP - 18. April 2019 - 0:00

Nach dem Brexit-Referendum im Juni 2016 begann ein windungsreicher Prozess der Loslösung des Vereinigten Königreichs von der Europäischen Union (EU). Das Leave-Votum stürzte die britische Regierung in eine Existenzkrise und bescherte der EU dramatische Sondergipfel. Eine Einordnung in die Geschichte der EU-bezogenen Refe­renden zeigt die Besonderheiten und Fallstricke des britischen Austrittsvotums. Denn der daraus resultierende Auftrag an die Regierung ließ Spielräume, die Ausgangs­situation für Verhandlungen mit Brüssel war zunächst optionenreich. Jedoch vermochte es die Regierung in London nicht, das knappe No-Votum in eine tragfähige Verhand­lungsposition zu überführen. Die EU-Seite beharrte strikt darauf, nur mit der Regierung Ihrer Majestät zu verhandeln. Volksentscheide in Mitgliedstaaten verdeutlichen paradoxerweise die Staatenabhängigkeit des europäischen Mehrebenensystems. Aus dem Umgang der britischen Regierung mit dem Austrittsreferendum lassen sich Lehren für die Mitgliedstaaten und die EU ziehen.

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Bonner Netzwerk für Entwicklung – Verantwortung Gerechtigkeit Zukunft

Weblinks - 17. April 2019 - 22:54

Comments:

  • Im „Bonner Netzwerk für Entwicklung – Verantwortung Gerechtigkeit Zukunft“ sind derzeit 69 Vereine und Organisationen vertreten. Vorwiegend ehrenamtlich geführte Vereine sowie die Volkshochschule, das Agenda-Büro, das Amt für Kinder, Jugend und Familie sowie das Amt für Internationales und Globale Nachhaltigkeit der Stadt Bonn. - Karsten Weitzenegger

Tags: bonn, Promotor_innen, nrw, nro, agl

by: Karsten Weitzenegger

Gamification in der NGO-Welt: Auf Neugier folgt Nachdenken

DSW - 17. April 2019 - 16:30

Jede*r weiß, dass unbequeme Wahrheiten und trockene Fakten nur schwer zu vermitteln sind. So sucht jeder Fundraiser stets nach Mitteln und Wegen, auch seinen kritischen Themen Gehör zu verschaffen. Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) hat nicht wenige unbequeme Themen auf ihrer Agenda und setzt Gamification-Elemente sowohl innerhalb der Projekte als auch in der Spenderkommunikation ein, um Interesse und anhaltendes Engagement zu wecken – mit Erfolg.

„Bevölkerungsdynamiken, freiwillige Familienplanung, sexuelle und reproduktive Rechte, vernachlässigte Krankheiten wie HIV und Aids, Malaria oder Tuberkulose, nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit und ausreichende Entwicklungsfinanzierung – das sind alles Themen, für die wir ein Bewusstsein schaffen wollen und für die wir Veränderungsprozesse in der Politik vorantreiben möchten. Allerdings sind es auch Themen, für die es schwer ist, mediale Aufmerksamkeit zu bekommen“, erzählt Malene Hummel, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung. Eine berechtigte Sorge, denn abseits der großen Katastrophen schweigt sich die populäre Berichterstattung über viele Probleme von Menschen in Entwicklungsländern leider aus.

Quiz zum Thema Weltbevölkerung

Dass sich eine gemeinnützige Organisation wie die DSW grundsätzlich für Menschenrechtsthemen einsetzt, ist den meisten Menschen bekannt, allerdings eher peripher. Was also tun, um den Sprung auf das Siegerpodest der „viralen Themen“ zu schaffen? Zunächst einmal den eigenen Fokus zurückstellen und von den Interessen der Zielgruppen ausgehen. Denn die tun ohnehin, was sie wollen. Und was die meisten Menschen wollen, ist Unterhaltung. „Wir haben bisher immer die Erfahrung gemacht, dass Gamification-Elemente zu einer höheren Besucherzahl auf unserer Website oder der jeweiligen Kampagnenwebsite führen“, meint Malene Hummel. „Maßgeblich ist dabei aber meines Erachtens immer, ob ein Ergebnis geteilt werden kann und ob es kurzweilig genug ist, um nicht langweilig zu werden.“

Kartentricks …

Die DSW hat nach anfänglichen Erfolgen mittlerweile viele verschiedene Gamification- Ansätze etabliert. So auch in der Projektarbeit in Ostafrika: Um die Hemmschwelle bei traditionell tabuisierten Themen wie Sexualaufklärung oder Verhütung zu nehmen, hat die DSW mit örtlichen Partnern ein Kartenspiel entwickelt, das „verbotene“ Themen spielerisch angeht und so nach und nach den Weg für ein ungezwungenes Gespräch ebnet. „Gerade wenn es um Themen wie Kinderehen oder weibliche Genitalverstümmelung geht, ist

Neben Kartenspielen werden auch Musik und Theater als Edutainment für tabuisierte Themen wie Sexualität genutzt.

dieses ‚Edutainment‘ immer ein gutes Mittel, um Jugendliche zu erreichen und in ihren Rechten zu bestärken“, bekräftigt Malene Hummel. „In Schulen organisieren wir auch Frage-und-Antwort- Sessions mit Karten, auf denen Fragen stehen. Die Karten werden gezogen und dann Fragen beantwortet, die sich die jungen Menschen sonst nicht trauen würden zu stellen.“ Richtig aufgezogen, überwiegen die Neugier und der Spaß am Spiel sogar tiefsitzende gesellschaftliche Tabus. Da die Projektarbeit der DSW enorm vom spielerischen Konzept der Aufklärung profitiert, kann ein ähnlicher Ansatz in der Öffentlichkeitsarbeit nicht schaden – oder?

„Als Organisation, die sich viel mit Bevölkerungswachstum und freiwilliger Familienplanung beschäftigt, haben wir vor einigen Jahren überlegt, wie wir den Anstieg der Weltbevölkerung in diesem und dem letzten Jahrhundert greifbarer machen können. Neben einem ‚Bevölkerungszähler‘ auf unserer Website, bei dem jede Sekunde 2,6 Menschen hinzukommen, kam uns die Idee einer interaktiven Anwendung. Das Element ‚What’s your Number?‘ zeigt Nutzer*innen ihre Position auf der Weltbevölkerungskurve, wenn sie ihr Geburtsdatum eingeben. So können sie sehen, wie viele Menschen auf der Erde gelebt haben, als sie geboren wurden, wie viele seitdem dazugekommen sind und bis zum Jahr 2100 voraussichtlich noch dazukommen werden.

Dieses Element ist mittlerweile das beliebteste auf unserer Website, denn wer ‚der wie vielte Mensch bin ich‘ oder Ähnliches googelt, kommt direkt zu uns. Nach diesem Erfolg haben wir dann immer mehr versucht, Gamification-Elemente in unsere Onlinekanäle einzubringen.“ Was alle Elemente des DSW gemeinsam haben, ist die lockere Annäherung an ein schwieriges oder unbeliebtes Thema. So sind in Deutschland nicht wenige Menschen politikverdrossen und scheuen es, sich in aktuelle Themen einzulesen oder gar aktiv für ein Argument einzustehen.

 

 … und Kopfbälle

Für die Bundestagswahl 2017 hat sich die DSW daher etwas Besonderes einfallen lassen: „Bei unserer Kampagne ging es darum, auf ein Versprechen aufmerksam zu machen, das die Bundesregierung vor vielen Jahren gegeben hat, nämlich 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens für Entwicklungszusammenarbeit bereitzustellen“, erzählt uns Malene Hummel. „Bei der Kampagnenplanung haben wir beschlossen, dass wir nicht ermahnend den Finger heben, sondern – auf sportliche Art und Weise – das neue Team Deutschland während der Sondierungsphase dabei anfeuern wollen, das 0,7-Prozent- Ziel schon bei der Regierungsbildung im Koalitionsvertrag festzuhalten.“

Das interaktive Kopfballspiel auf nullkommasieben.de animiert auch Politikverdrossene.

Umgesetzt haben sie das in einem interaktiven Kopfballspiel auf der Landingpage nullkommasieben.de, auf der die Spieler animierte Figuren aktueller Spitzenpolitiker durch Maus- bzw. Fingerbewegungen dazu bringen sollten, einen Fußball möglichst oft mit dem Kopf zu treffen, ohne dass er auf den Boden fällt. Das Ergebnis konnten die Nutzer dann per Social Media teilen oder betreffende Politiker gezielt antweeten. „Wir brauchten ein interaktives Element, das – neben dem Spaßfaktor – dazu dienen sollte, dass Bürger*nnen ein Zeichen setzen können. So wollten wir gemeinsam 70.000 Kopfbälle dafür sammeln, dass die Bundesregierung einen fairen Beitrag für die Entwicklung ärmerer Länder zur Verfügung stellt.“ Infolge der holprigen Regierungsbildung kam die Kampagne etwas ins Stocken. Mit über 33.000 erspielten Kopfbällen und zahlreichen geteilten Ergebnissen zeigte das Gamification-Element dennoch, dass der Ansatz funktioniert.

„Ein paar Kolleg*innen waren erst mal ein bisschen skeptisch, ob man mit einem Kopfballspiel politische Veränderungsprozesse vorantreiben kann. Aber spätestens an dem Punkt, wo sie es selbst ausprobiert haben, ihr Ergebnis tweeten konnten oder gesehen haben, dass Politiker*innen auf Tweets antworten, haben sie gesehen, dass Gamification auch in der politischen Arbeit wirkt! Aber auch die Zahlen auf der Seite sprechen für sich: Viele Besucher*innen kamen über Social Media auf die Seite, um zu spielen, und haben sich danach mehr darüber informiert, wie faire Entwicklungsfinanzierung aussehen kann.“ Das zeigt: Die erhöhte Aufmerksamkeit durch Gamification-Elemente führt zu mehr Interesse am Thema. Je intensiver sich Menschen darüber informieren, desto größer wird das Verständnis für den Einsatz und die Notwendigkeit der Spenden.

Was alle Elemente der DSW gemeinsam haben, ist die lockere Annäherung an ein schwieriges oder unbeliebtes Thema

Huch, schon wieder was gelernt?

Die Mini-Quizzes auf der Landingpage pussyispower.org animieren zunächst zum Miträtseln und dann zum Nachdenken.

Angespornt durch den Erfolg, hat die DSW heute in vielen Kampagnen kleine Elemente mit Spaß- und Lernfaktor verbaut. Ein Paradebeispiel ist die Landingpage pussyispower.org, die neben mitreißenden Storys zum Thema Gleichberechtigung mit vielen interessanten Mini-Quizzes gespickt ist. Diese sind sowohl inhaltlich als auch optisch perfekt auf eine junge Zielgruppe abgestimmt: Die teils absurden und doch schockierenden Fakten (Wissen Sie zum Beispiel, an welchen Tagen nur Frauen in Florida nicht skydiven dürfen?) sind mit Internet-Memes oder GIFs kombiniert und animieren zunächst zum Miträtseln und anschließend zum Nachdenken. „Auch Zahlen, beispielsweise zu Gewalt gegen Mädchen und Frauen, sind wesentlich einprägsamer, wenn man vorher selbst schätzen muss“, erklärt uns Malene Hummel, „Die tatsächliche, meist höhere Zahl ist ein großer Aha-Effekt und führt eher dazu, dass Menschen im Alltag aktiv werden, etwas dagegen zu tun.“ Das aktivierte Bewusstsein einzelner Personen erzeugt letztlich auch Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit und stärkt so die Bekanntheit der Organisation und damit auch die Chance auf Spenden.

 

Das A und O, gerade bei digitalen Gamification-Lösungen, ist offensichtlich: Es muss funktionieren. „Jedes Element muss auf großen und vor allem kleinen Geräten funktionieren, alles andere führt zu hoher Frustration der Nutzer*innen. Die bewirkt genau das Gegenteil von dem, was wir erreichen wollen, nämlich Bewusstsein und Interesse an unseren Themen“, rät Malene Hummel. „Wir stellen auch immer wieder fest: Je höher der Aufwand für Nutzer*innen, desto früher brechen sie das Spiel oder Quiz ab. Es muss also kurzweilig sein und einen Mehrwert bieten.“ Wer sich daher an eine aufwendigere Lösung wagt, sollte das Projekt gut durchdenken und nicht verfrüht an die Öffentlichkeit gehen. Eine gute Idee ist deswegen die Zusammenarbeit mit technischen Partnern oder erfahrenen Agenturen. Das meint auch Malene Hummel: „Die technische Umsetzung überlassen wir in solchen Fällen den Expert*innen und konzentrieren uns selbst lieber darauf, was wir mit Gamification überhaupt erreichen wollen und können.“ Denn die Kommunikation sensibler Themen kann eben das sein: sensibel. Aber mit dem richtigen Fingerspitzengefühl „zeigt sich für uns oft, dass auch ernste Themen den Menschen über Gamification nähergebracht werden können. Ein Spiel kann also auch ernst sein, ohne dass das Thema selbst ins Lächerliche gezogen wird.“

Meike Tobien

Veröffentlicht in der FUNDStücke 01-2019, dem Mitgliedermagazin des Deutschen Fundraising Verbandes (DFRV). Mehr Informationen dazu hier: www.dfrv.de

Der Beitrag Gamification in der NGO-Welt: Auf Neugier folgt Nachdenken erschien zuerst auf DSW.

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