Sie sind hier

Ticker

Rundbrief II/2019: Neue Gentechnik – Zwischen Labor, Konzernmacht und bäuerlicher Zukunft

Forum Umwelt & Entwicklung - 24. Juni 2019 - 9:40

Vor wenigen Jahren ging eine Revolution durch die Labore dieser Welt: Mithilfe neuer gentechnischer Verfahren ist es nun möglich, präzise und weitreichender als bisher einzelne Gene im Erbgut von Pflanzen, Tieren und Menschen zu verändern. Diese neuen molekularbiologischen Verfahren gehen weiter als herkömmliche Gentechnik und ermöglichen die Bildung genetischer Kombinationen, die in dieser Form nicht durch natürliche Mutation entstehen können. Die Anwendungsfelder neuer Gentechnik sind vielfältig und die Versprechungen der BefürworterInnen reichen vom Schutz der biologischen Vielfalt und menschlichen Gesundheit durch einen geringeren Chemikalieneinsatz auf Feldern, da herbizidresistente Pflanzen gezüchtet werden können, über die Vernichtung von Krankheiten wie Malaria, da Überträgermücken ausgerottet werden könnten, bis hin zu Bekämpfung des weltweiten Hungers. Doch sieht so eine nachhaltige, gesunde Zukunft aus?

 

In dieser Ausgabe wird deutlich, dass es in der Debatte um neue Gentechnikverfahren nicht in erster Linie um molekulargenetische Themen, sondern um landwirtschaftliche und ökologische Fragen geht. Wie kann eine gesunde Ernährung mit den notwendigen Maßnahmen zur Abwehr der Klimakrise oder des dramatischen Artensterbens vereinbart werden? Wie kann die massive Verdrängung bäuerlicher Strukturen im Norden gestoppt und kleinbäuerlich geprägte Agrarsysteme im Globalen Süden unterstützt werden, die mit ihrer Arbeit über 70 Prozent der Welternährung sichern?

Schon heute kontrollieren multinationale Konzerne zu großen Teilen den Saatgutmarkt. Mit dem Einzug der neuen Gentechnik droht jetzt die Entwicklung eines regelrechten Patent-Kartells. Schon die Erfahrungen mit der bisherigen Gentechnik zeigen, dass das Patentrecht der eigentliche Motor der Ernährungskrise war: Mit Patenten können die Konzerne Kontrolle über die Grundlagen der Ernährung erlangen. Wie beherrschende Konzernmacht den Anbau gentechnisch veränderter Nutzpflanzen vorantreibt, zeigt ein Beispiel aus Afrika, dem „Versuchsfeld“ der neuen Gentechnik. Ausgehend vom starken Wunsch, selbst über ihre Ernährung zu entscheiden, kämpft die afrikanische Zivilgesellschaft zunehmend gegen die weitere Festigung der Vorherrschaft großer Agrarunternehmen. Doch hinter den Kulissen lässt die Afrikanische Union zu, dass Biotechnologieunternehmen neue und noch kontroversere Gentechniken der 2. Generation testen.

Doch der Mythos Welternährung bleibt eines der Hauptargumente der BefürworterInnen der neuen Gentechnik. Jedoch reduziert dieses Argument die Lösung der Welternährungsproblematik auf eine technologische Lösung und blendet (bewusst?) aus, dass das Hungerproblem komplex und oft die Folge von Kriegen oder gescheiterter Politik ist – nicht von zu geringer Lebensmittelproduktion. Es braucht ein Neudenken und den Umbau von Anbau- und Verteilungssystemen, um alternativen Landwirtschafts- und Ernährungssystemen weltweit Rückenwind zu verleihen und diese auf eine nachhaltige Grundlage zu stellen.

Wie Sie sehen ist die Debatte um neue Gentechnik im Spannungsfeld zwischen Labor, Konzernmacht und bäuerlicher Zukunft angekommen. Ich wünsche Ihnen eine bereichernde Lektüre.

Ramona Bruck

 

Download des Rundbriefs 2|2019

 

Gedruckte Exemplare  können unter buero@forumue.de bestellt werden.

 

Inhalt & Download einzelner Artikel:

 

 

SCHWERPUNKT

 

Neue Gentechnik – der wirklich allerletzte Schrei?!
AkteurInnen, Themen, Positionen
Friedhelm von Mering

 

Das neue Lieblingswerkzeug der Biotechnologie
Über die wissenschaftlichen Grundlagen der neuen Gentechnikverfahren
Dr. Katharina Kawall

 

Keine Gentechnik durch die Hintertür
Bäuerliche Argumente gegen die alte und neue Gentechnik
Annemarie Volling

 

Rechtliche Grundlagen der neuen Gentechnikverfahren
Das EuGH-Urteil vom 25. Juli 2018
Katrin Brockmann

 

Neue Gentechnikverfahren und Pflanzenzucht
Patente-Kartell für große Konzerne
Dr. Christoph Then

 

Systemwandel statt Hype einzelner Technologien
Die Ökozüchtung als eine Alternative zu industriell-konventioneller Züchtung und neuer Gentechnik
Stefanie Hundsdorfer und Dr. Eva Gelinsky

 

(Neue) Gentechnik und Biodiversität
Wirkungen gentechnisch veränderter Organismen auf die Artenvielfalt
Dr. Martha Mertens

 

Nachwachsende Rohstoffe und Gentechniken
Die chemische Industrie hat ihre eigene Lesart der Bioökonomie
Christof Potthof

 

Gefährliche Scheinlösungen der Agrar-Gentechnik
Mit neuer Gentechnik den Hunger bekämpfen und die Welternährung sichern?
Stig Tanzmann

 

Kolonialherrschaft im neuen Gewand
Afrika als Versuchsfeld für neue Gentechnik
Mariam Mayet

 

Keine präzise „Genomchirurgie“
Medizinische Anwendungen von Genome Editing-Verfahren
Dr. Isabelle Bartram

 

 

AKTUELLES

 

Das bayerische Volksbegehren zur Rettung der Artenvielfalt
Eine Sternstunde der direkten Demokratie und ein historischer Erfolg für den Naturschutz
Martin Geilhufe

 

Zeitenwende
Europawahl 2019
Ernst-Christoph Stolper

 

Schwarze Anzüge, Innovationen und ganz viel China-Angst
Maritime Wirtschaft trifft sich mit der Bundesregierung
Marie-Luise Abshagen

 

Demokratie braucht Meinungsmache
Das Attac-Urteil beschränkt zivilgesellschaftliche Freiräume
Stefan Diefenbach-Trommer

 

 

THEMEN AUS DEM FORUM

 

Zum Schutz der Umwelt und Gesundheit
Die Weltgemeinschaft im Auftrag für eine chemikaliensichere Zukunft
Marijana Todorovic

 

Globalisierung im Rückwärtsgang
Deutschlands Exportmodell als weltwirtschaftlicher Geisterfahrer?
Jürgen Maier

 

Der Kampf ist nicht vorüber!
Der Pazifik bleibt das globale Versuchsfeld für die Jagd auf die Schätze der Tiefsee
Jan Pingel

 

Voll konform, voll transparent?
Erster deutscher Transparenzbericht über Rohstofffragen erhält das Prädikat „EITI-konform“
Josephine Koch

 

Genug herausgeredet!
Zivilgesellschaftliche Erklärung fordert ein Ende des Schattendaseins deutscher Nachhaltigkeitspolitik
Elisabeth Staudt

Kategorien: Ticker

Ein Energiespeicher aus tausend Tonnen heißer Steine

reset - 24. Juni 2019 - 7:12
Im Hamburger Hafen wird ein neuer Energiespeicher erprobt. Zum Einsatz kommen dabei große Mengen Gestein.
Kategorien: Ticker

A Redefinition of “Spitzenkandidaten”

SWP - 24. Juni 2019 - 0:00

The European Union’s (EU) citizens have voted, and now the EU institutions are due to be reorganised for the next political cycle. Most attention is focussed on personnel issues, but the reorganisation of policy priorities and the structure of the EU Commis­sion are equally important. At the end of Jean-Claude Juncker’s term as President of the European Commission, the results are mixed: The Commission has become more focussed and internally coherent, but even at the end of the legislative period, many of its legislative proposals were not able to obtain a majority in the European Par­liament and/or the Council of the EU. The mission statement of the political Commission has increasingly proven to be incompatible with the control tasks of the EU’s highest executive body. The new Commission will operate in an even more difficult political environment and will itself become more party-politically heterogeneous. Its realignment should therefore also be used as an opportunity to interpret the “Spitzen­kandidaten” principle differently and negotiate a joint political programme for the EU between the Parliament, the Council, and the new Commission.

Kategorien: Ticker

“The Civil 20 Contribution to the Osaka Summit”

#C20 18 - 23. Juni 2019 - 13:35

Now available! G20 Japan: The 2019 Osaka Summit

Yuka Iwatsuki, Chair of C20 2019, has written a piece of article on the C20’s contribution to the G20 Osaka Summit, for the latest publication by G20 Research Group, “G20 Japan: The 2019 Osaka Summit“, which is available for download at http://bit.ly/G20Japan.

 

Printed copies will be available at the International Media Centre in Osaka for the G20 summit.

This issue contains articles written by summit host Prime Minister Shinzo Abe, last year’s host President Mauricio Macri, President Cyril Ramaphosa, Prime Minister Giuseppe Conte, President Jair Bolsonaro and President Jean-Claude Juncker, along with Prime Minister Pedro Sanchez, President Paul Kagame, President Abdel Fattah El-Sisi and Taresident General Prayut Chan-o-cha.

Other contributors include the World Bank’s David Malpass, OECD’s Angel Gurría, UNICEF’s Henrietta Fore, the ILO’s Guy Ryder, UNWomen’s Phumzile Mlambo-Ngcuka and the Financial Stability Board’s Randal Quarles, along with many more leaders of international organizations and experts whose work contributes to the G20 leaders’ agenda.

More material will be posted on the G20 Information Centre and Global Governance Project websites in the coming days.

For more information or interviews, call Madeline Koch
call +1-416-588-3833 or SMS/Facetime/Whatsapp +1-416-418-9532,
or email mad.koch@utoronto.ca.

Kategorien: english, Ticker

Die Seafarers Night auf dem Kirchentag

BfdW - 22. Juni 2019 - 18:28
Die Deutsche Seemannsmission mit Unterstützung der Georgsgemeinde in Dortmund Apelrath und Brot für Welt feierte ein Abendmahl mit Gesprächen und Szenen zur Situation von Seeleuten. Die Globaliserung darf nicht auf ihrem Rücken stattfinden. Deswegen wird die Kampagne "Fair über Meer" unterstützt.

Über 90% aller Waren unseres täglichen Bedarfs sind nach ihrer Herstellung oder als Komponenten über den Seeweg zu uns gekommen. Bewegt werden sie auf großen Handelsschiffen, die mit nur noch 15 -25 Seeleuten wochen- oder monatelang unterwegs sind. Um auf das schwierige Leben an Bord und in den Häfen aufmerksam zu machen, lud die Deutsche Seemannsmission  auf dem 37. Evangelischen Kirchentag in die Große Kirche in Dortmund-Aplerbeck zu einer Seafarers Night  ein und wurde dabei von Brot für die Welt und der Georgsgemeinde unterstützt.

  Die Deutsche Seemannsmission ist der evangelischen Kirche nahe und unterhält in 18 Ländern an den Häfen Begegnungszentren, die Seeleute seelisch und praktisch betreuen. Die SeemannspastorInnen und Mitarbeitenden gehen zu ihnen an Bord oder bringen sie in ihren Seemannszentren für eine kurze Zeit zum Verschnaufen, um mit ihren Angehörigen in Ruhe zu skypen oder um Besorgungen zu erledigen. Einige dieser Stationen sind in Entwicklungsländern und viele der Seeleute kommen aus Ländern in denen Armut und Unterentwicklung herrscht. Schwere Tätigkeiten, Isolation, monatelange Abwesenheit von ihren Familien und große Beschränkungen in Häfen um an Land gehen zu dürfen, begleiten die MitarbeiterInnen in den Seemannsmissionen, wie z.B. Martina Platte, Leiterin des Zentrums in Hongkong, während des Gottesdienstes beschrieb.

 Um diese beiden Seiten, Arbeit und Leben der Seeleute und die Tätigkeit der Seemannsmission darzustellen wurde das Feierabendmahl Seafarers Night den TeilnehmerInnen des Kirchentages angeboten und gut angenommen mit einer vollen Kirche.

Schon nach der Begrüßung durch den neuen Generalsekretär der Seemannsmission Pastor Christoph Ernst  wurden die Teilnehmenden mit der bitteren Realität auf den Meeren konfrontiert. Markus Schildhauer, der Leiter der Seemannsmission in Alexandria bat den EKD Ratsvorsitzenden Bischof Bedford-Strohm und den Reeder Rörd Braren zu einem Gespräch über das aktuelle Thema, Flucht übers Mittelmeer.
 

Keine Kriminalisierung der Seenotrettung

 Dabei kam vor allem die unfassbare Situation zur Sprache, dass die völkerrechtliche Verpflichtung zur Seenotrettung von Menschen von den Hafenstaaten im Mittelmeer immer mehr unterhöhlt wird. Der aktuelle Fall auf dem privaten Seenotrettungsschiff „Seawatch“, auf das Bischof Bedford Strohm aufmerksam machte, ist der vorläufige Gipfel der menschenunwürdigen Politik in der EU gegenüber Geflüchteten oder wie Markus Schildhauer korrigierte, gegenüber Schutzbefohlenen auf Schiffen.
 Bischof Bedford-Strohm hatte Mannschaft und Geflüchtete in Sizilien treffen wollen und wurde von den italienischen Behörden verweigert auf das Schiff zu gehen. Das Hin- und Her darum, wohin und wie die nur 46 geretteten Menschen von Seawatch in Europa  verteilt werden sollen ist für ihn eine schreckliche moralische Niederlage der Regierungen in der EU, die angeblich so viel auf ihre christlichen Werte setzen. Im Umgang mit den Ertrinkenden im Mittelmeer verlieret Europa moralische Glaubwürdigkeit und er versprach für die EKD bei diesem Thema die Politik in Deutschland und der EU niemals aus der Verantwortung zu lassen. Dazu gehöre natürlich auch sich für eine Verbesserung der Lebensbedingungen in den Ursprungsländern einzusetzen, Armut, Hunger, Kriege und Konflikte zu beenden, damit es gar nicht zur Notwendigkeit kommt fliehen zu müssen.  
 Während Seenotrettungsschiffe, wie die Sea Watch als zivile NROs dafür auslaufen müssen Menschen im Mittelmeer zu retten, weil staatliche Maßnahmen eingestellt werden (Operation Sophia), sind Handelsschiffe auf dem Mittelmeer in erster Linie für den Gütertransport ausgestattet. Dennoch haben sie nach internationalem Recht  natürlich die Verpflichtung anderen Schiffen oder Booten in Seenot zur Hilfe zu kommen.

 

Europa sperrt Geflüchtete aus – die Handelsschifffahrt muss das mit ausbaden

Allerdings versuchen inzwischen so viele Menschen mit seeuntüchtigen Booten das europäische Festland aus Nordafrika zu erreichen, dass die Hilferufe auf See sehr häufig sind. So hörte man plötzlich während des Gottesdienstes symbolisch die Alarmsirene, die an Bord ertönt, wenn Menschen in Seenot gesichtet werden. Der Schiffseigner Rörd Braren  machte darauf aufmerksam in welche schwierige Situation die Besatzungen der Handelsschiffe geraten, wenn sie diesen Menschen helfen, da Verpflegung und Platz inzwischen selbst auf großen Containerschiffen nur für 15 bis 20 Seeleute vorhanden sind. Wenn dann bis zu mehreren Hundert Menschen aufgenommen werden, die auch medizinischer Hilfe bedürfen, die oft an Bord nicht vorhanden ist, dann wird die Situation für Kapitän, Offiziere und Mannschaft zu einer unerträglichen psychischen Belastung. Sie erreicht einen unermessliche Grad, wenn dann auch klar wird, dass der nächstgelegene Hafen für die Übergabe der Geretteten keine Erlaubnis gibt anzulanden oder der Zielhafen keine Einfahrt gewährt solange die Geflüchteten an Bord sind. Hier nehmen Staaten, wie Malta oder Italien, stellvertretend für die gesamte unmenschliche Abschottungspolitik der EU die Handelsschiffe als Geisel. So kommt es inzwischen auch vor, dass Kapitäne von Handelsschiffen mit Anklagen wegen Menschenschmuggel festgenommen werden. Welche Absurdität, dass Menschenrettung zum Verbrechen in der EU geworden ist und das Ertrinken Tausender als Kollateralschaden der EU Abschottung. Dennoch versicherte Herr Braren, der selbst als Kapitän zur See fährt, dass es für ihn und seine Kollegen niemals in Frage käme diese Hilfe nicht zu leisten. Er betonte aber, wie sehr die meist international -auch mit Menschen aus armen Ländern- zusammengesetzten Mannschaften die Aufnahme von Geflüchteten psychisch belaste. Denn auch Konflikte mit ihnen bleiben nicht aus, wenn kein Hafen sie aufnähme und Vorräte geteilt werden müssten, weil keine Hilfe von Land kommt. Auch Seeleute haben Kinder und Familie und leiden mit den Geretteten mit. Er fordert an dem Abend ebenfalls die Politik auf, nicht auf dem Rücken der Geflüchteten und der Handelsschifffahrt eine restriktive Migrationspolitik durchzusetzen.

Bischöfin Kirsten Fehr, die „Stimme der Seeleute“

Nach diesem bestürzendem, wütend und traurig machenden Einstieg in das Feierabendmahl der Seafarers Night, begleitet von Musik und Gebeten und kleinen Szenen zum Leben an Bord, wurde die engagierte Predigt der Hamburger Bischöfin Kirsten Fehr,  zum Höhepunkt der Andacht.  Die Präsidentin der Seemannsmission, Arbeitsmedizinerin und Schiffsärztin, Dr. Clara Schlaich zeichnete zuvor Bischöfin Fehr als  die „Stimme der Seeleute“ aus. Die Losung des Kirchentages „was für ein Vertrauen…“ griff die Bischöfin dann auf, um zu beschreiben, wie sehr Seeleute genau dieses Vertrauen in ihrem Beruf seit Jahrhunderten aufbringen müssten, da sie auch heute noch sich den Launen der Naturgewalten auf See ausliefern. Man merkte Bischöfin Fehr in ihrer Predigt an, wie sie sich engagiert auf die Seite der Menschen auf See schlägt und verurteilt auch die Situation in die Seeleute durch die EU Flüchtlingspolitik gebracht werden. Sie ist froh darüber, welche großartige Arbeit von den Mitarbeitenden der Seemannsmission geleistet wird.

 

Seeleute, Fischer, Fabrikarbeiter, Schiffssklaven – die Menschen auf Fischfangschiffen

In einem abschließenden Kurzgespräch wurde Francisco Mari, Referent für Meerespolitik und Fischerei bei Brot für die Welt gefragt, ob eigentlich die Beschäftigten in den Fischfangflotten auf den Weltmeeren eigentlich auch Seeleute wären oder doch Fischer. Francisco Marí beschrieb, dass sie auf großen Fangtrawlern heute beides wären und manchmal auch Fabrikarbeiter, die den Fisch an Bord auch schon filetieren und einfrieren. Das Schlimmste auf Fangbooten sei aber die zunehmende Tendenz junge Menschen, besonders in Südostasien an Bord von Fangschiffe zu locken und sie jahrelang, quasi als Schiffssklaven an Bord zu halten. Die Trawler laufen mehrere Jahre keine Häfen an, sondern werden von anderen Schiffen versorgt oder notdürftig repariert. Der Fang, meist illegal an Bord geholt, wird einfach auf andere „legale“ Fangboote auf See umgeladen. Solche „Sklavenschiffe“ operieren meist vor den Küsten von Entwicklungsländern, wie in Südostasien oder Afrika, die keine Marine oder Küstenschutz haben. Sie dringen oft illegal in die geschützten Gewässer der Kleinfischer ein. Dort hinterlassen sie mit Bodenschleppnetzen verwüstete Seeböden oder werfen tonnenweise Beifang wieder ins Meer, weil sie nur an den teuren Edelfischarten interessiert sind. Dieser vergeudete Fisch fehlt dann den Kleinfischern als Einkommen und der Bevölkerung als Nahrung und dezimiert auch für die Zukunft die Bestände, da die natürliche Reproduktion durch den fehlenden Jungfisch massiv gestört wird. Diese Methoden müssten gestoppt werden, vor allem dadurch, dass alle Häfen strikt kontrollieren wo der Fisch der Fangschiffe herstammt und ob es dafür Fanglizenzen und Fangquoten gab und nicht von „Sklavenschiffen“ billig auf See eingekauft wurde.

Nach diesem Appell und dem Feiern des Abendmahls lud Seemannspastor Matthias Ristau aus Hamburg die Anwesenden zu einer kulinarschen Stärkung ein und zum Ausfüllen von Karten mit Grüßen an Seeleute aus, die dann in den Seemannsstationen an sie übergeben werden.

Die Kampagne „Fair über Meer“
 Die Seemannsmission und Brot für die Welt warben mit dieser Seafarers Night auch für die Kampagne „Fair übers Meer“, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen auf Handelsschiffen zu verbessern. Denn die Globalisierung und der weltweite Warenaustausch würde ohne die Schifffahrt nicht funktionieren und er soll nicht auf dem Rücken der Seeleute ausgetragen werden. Um das umzusetzen wird die Kampagne auch in Zukunft gemeinsame Aktionen veranstalten. So geschehen auf dem 37.Kirchentag gemeinsam mit der Bremer NRO „Fair-Oceans“ mit einer Ausstellung „Schlachthof der Schiffe“  mit Fotos von Christian Faesecke  zu den Arbeitsbedingungen bei der Verschrottung von ausgedienten Schiffstrawlern in Chittagong/Bangladesch und Erläuterungen zur Situation für Seeleute und Kleinfischerei auf der Welt mit einem Teil der Ausstellung von Fair Oceans und Brot für die Welt „Das Meer, die letzte Kolonie? Über die entwicklungspolitische Dimension der Meerespolitik“.

Thema (BfdW) : Fischerei / MeerespolitikMigration und EntwicklungWelthandelDownload:  Die Einladung zur Seafarers Night
Kategorien: Ticker

Ein gerechter Frieden für die DR Kongo

BfdW - 21. Juni 2019 - 21:38
Friedensnobelpreisträger Denis Mukwege forderte auf dem Dortmunder Kirchentag eine Ende der Straflosigkeit in der DR Kongo. Nur so werde verhindert, dass sich dieselben Verbrechen immer wieder wiederholten. Darunter leiden besonders Frauen und Kinder, wie Mukwege in seiner Arbeit täglich erlebt.

"Ihr habt Demokratie, ihr habt Frieden. Lasst nicht zu, dass ihn euch jemand wegnimmt, um ihn dann mühsam wieder zusammenzuflicken", mahnte der Arzt und Menschenrechtsaktivist Mukwege auf dem Kirchentag in der Veranstaltung "Human Rights between Despotism and Profit". Er hilft seit mehr als 25 Jahren Frauen, die Opfer sexueller Gewalt wurden.

Immer wenn zwischen den andauernden Konflikten in der Demokratischen Republik (DR) Kongo Frieden geschlossen wurde, sei die Gerechtigkeit übergangen worden. Auch die aktuelle Regierung erklärte nicht, warum während der blutigen Konflikte Frauen lebendig begraben, gequält und ermordert worden waren. Die Gesellschaft blieb gespalten, viele der einstigen Täter sind noch immer an der Macht. Das soziale Gefüge würde ständig gestört. "Es ist schwierig, so einen wirklichen Frieden zu etablieren", sagte Mukwege.

Verbrechen müssen aufgeklärt und bestraft werden

Die Menschen in der DR Kongo bräuchten eine reparierende statt repressive Justiz, so Mukwege. 2010 hatte ein UN-Bericht mehr als 70.000 Verbrechen gegen die massenhaften systematischen Vergewaltigungen aufgeführt, die seit den neunziger Jahren in der Region begangen wurden. Keine einzige Empfehlung aus dem UN-Bericht sei bisher jedoch umgesetzt worden. Stattdessen wären nach Gewaltausbrüchen in der Provinz Ituri jüngst erst wieder hunderttausende Menschen nach Kämpfen zwischen den rivalisierenden Volksgruppen Hema und Lendu auf der Flucht. Drei bis sechs Prozent aller Opfer sexueller Kriegsverbrechen in der DR Kongo seien mittlerweile Kinder.

"Als Christinnen und Christen dürfen wir das nicht zulassen", fordert Mukwege. Er rief die Kirchentagsbesucherinnen und -besucher auf, ihre Stimme zu erheben. Sie sollte die Abgeordneten in ihren Wahlkreisen an die Situation in der DR Kongo erinnern. Sie sollten fragen, was Politikerinnen und Politiker im Bundestag und EU-Parlament tun können, damit die Gewalt im Kongo endlich ein Ende hat. Die Menschen im Kongo fühlten sich im Stich gelassen. "Wir haben das Gefühl, es gibt für uns keine juristische Instanz, an die wir uns wenden können", so Mukwege. "Die nationalen Gerichte sind korrupt, der internationalen Gerichtsbarkeit sind wir scheinbar gleichgültig."

Moderne Sklaverei und blutige Smartphones

Nicht nur die andauernden Konflikte, Hunger und Krankheiten lassen die Menschen in der DR Kongo leiden. In der rohstoffreichen DR Kongo sind Armut und Reichtum ungleich verteilt. Das Konsumverhalten von Menschen auf der ganzen Welt unterstützt dieses System, wie das Beispiel Coltan in Smartphones zeige. "Wenn ich mein Telefon anschaue, dann weiß ich, dass für das Coltan darin fünfjährige Kinder in  100 Metern Tiefe schuften müssen und vielleicht sterben. Am Telefon klebt Blut", sagt Mukwege. Für ihre harte Arbeit erhielten die Kinder den Gegenwert einer Banane als Bezahlung.  Auch Frauen würden im Bergbau ausgebeutet, sexuell missbraucht, müssten schwere Gewichte schleppen. Das sei eine Form moderner Sklaverei. "Ich finde es beschämend, in einer Welt zu leben, wo Menschen so behandelt werden", sagt Mukwege.

Eine Basisbewegung für den Frieden

Auch wenn er sich über den Friedensnobelpreis sehr freue, sei er doch auch eine Last. So große Hoffnungen seien damit verbunden. Dabei werde die politische und gesellschaftliche Situation in der DR Kongo seit 2016 immer schlechter. Genau deswegen brauche es eine gemeinsame zivilgesellschaftliche Bewegung – in der DR Kongo, aber auch in Deutschland. Mukwege bat die Zuhörerinnen und Zuhörer,  sich dafür einzusetzen, dass es eine Untersuchung von Sachverständigen der UN zur DR Kongo gibt. Deutschland habe viel Einfluss in der Welt und deutsche Bürgerinnen und Bürger hätten die Möglichkeit, sich frei äußern zu können. Anders als in der DR Kongo, wo täglich Menschen sterben, nur weil sie ihre Rechte einfordern. Mukwege appelliert: "Gemeinsam können wir den Lauf der Geschichte verändern."

Thema (BfdW) : FriedenGesundheitLänderbezug (Afrika): DR KongoVeranstaltung bzw. Programme: KirchentagDownload:  resolution_zur_situation_in_der_demokratischen_republik_kongo_fin.docx unterschriftenliste_drc.docx
Kategorien: Ticker

Deutscher Nachhaltigkeitstag

RNE Termin - 21. Juni 2019 - 16:35
Kategorien: Ticker

Was kann vom SDG-Gipfel erwartet werden?

BfdW #Nachhaltigkeit - 21. Juni 2019 - 15:34
In den kommenden Monaten stehen zwei wichtige Ereignisse bevor: das High Level Political Forum im Juli und der SDG-Gipfel im Rahmen der UN-Generalversammlung im September. Der Fortschrittsbericht 2019 des UN-Generalsekretärs gibt schon einen Vorgeschmack
Kategorien: Ticker

Was kann vom SDG-Gipfel erwartet werden?

BfdW - 21. Juni 2019 - 15:34
In den kommenden Monaten stehen zwei wichtige Ereignisse bevor: das High Level Political Forum im Juli und der SDG-Gipfel im Rahmen der UN-Generalversammlung im September. Der Fortschrittsbericht 2019 des UN-Generalsekretärs gibt schon einen Vorgeschmack

Im Juli werden 47 Länder beim HLPF - der Berichtskonferenz zur Umsetzung der Agenda 2030 - über die Erreichung der nachhaltigen Entwicklungsziele in ihren Ländern berichten. Außerdem wird es spezielle thematische Einheiten zu den Zielen 4 (Bildung), 8 (menschenwürdige Arbeit), 10 (Reduzierung von Ungleichheit), 13 (Klimaschutz), 16 (Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen) geben. Außerdem steht wie in jedem Jahr Ziel 17 (Partnerschaften zur Erreichung der Ziele) auf der Tagesordnung.

Im September wird dann zum ersten Mal seit der Verabschiedung der Agenda 2030 der globale Bericht zur Erreichung der Ziele (Global Sustainable Development Report GSDR) vorgelegt werden. Der Fortschrittsbericht 2019 des UN-Generalsekretärs zeichnet bereits ein kritisches Bild:

  • Armut wurde zwar reduziert, aber zu langsam. In werden 2030 noch immer 6% der Bevölkerung weltweit in extremer Armut leben.
  • Hunger: auch in diesem Jahr ist im dritten Jahr in Folge ein Anstieg der Zahl der Personen, die an chronischem Hunger leiden, zu verzeichnen. Eine von 9 Personen ist chronisch unterernährt, das sind 821 Millionen Menschen.
  • Auch die Erreichung des Ziels zur Versorgung mit Wasser wird wahrscheinlich nicht erreicht werden. Derzeit haben 786 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.
  • Und die Ungleichheit steigt in vielen Teilen der Welt an, wobei sich die Situation der 40% der ärmsten Bevölkerung auch in manchen Ländern verbessert hat. Steigende Ungleichheit liegt vor allem an der Konzentration von Reichtum.

Der Fortschrittsbericht konstatiert auch einen Anstieg der Erderwärmung, einen Rückgang der Biodiversität und eine Zunahme von Müll.  

Das politische Anliegen der Agenda 2030

Vor diesem ernüchternden Hintergrund lohnt sich ein Blick darauf, was das Anliegen der Staaten war, als sie die Agenda 2030 vor 4 Jahren verabschiedeten, denn die Agenda besteht nicht nur aus den viel zitierten 17 Zielen, sondern sie hat eine ausführliche Präambel. Hier ist das gemeinsame Anliegen formuliert:

„Wir sind entschlossen, die Menschheit von der Tyrannei der Armut und der Not zu befreien und unseren Planeten zu heilen und zu schützen. Wir sind entschlossen, die kühnen und transformativen Schritte zu unternehmen, die dringend notwendig sind, um die Welt auf den Pfad der Nachhaltigkeit und der Widerstandsfähigkeit zu bringen. Wir versprechen, auf dieser gemeinsamen Reise, die wir heute antreten, niemanden zurückzulassen.“

Gleichzeitig hat die Erarbeitung der 17 Ziele möglicherweise sogar zu einer zunehmenden Fragmentierung des konzeptionellen Denkens und der entwickelten Ansätze geführt. Erst neuerdings wird wieder stärker die Forderung nach zusammenhängendem Denken und nach Politiken, die kohärent sind und ihre Auswirkungen auf andere Ziele und deren Erreichung weltweit berücksichtigen, laut.

Und auch das steht in der Präambel:

„Wir sind entschlossen, die für die Umsetzung dieser Agenda benötigten Mittel durch eine mit neuem Leben erfüllte Globale Partnerschaft für nachhaltige Entwicklung zu mobilisieren, die auf einem Geist verstärkter globaler Solidarität basiert.“

Das sind Kerngedanken der Agenda 2030: Solidarität muss im Zentrum stehen, und zwar nicht nur bezogen auf die globalen Güter – Biodiversität, Meere, Atmosphäre, Klima – sondern darüber hinaus, denn alle Menschen haben die gleiche Rechte auf Entwicklung und angemessenen Lebensstandard (steht schon in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948!). Daher ist das Grundanliegen der Agenda 2030, niemanden zurück zu lassen (leave no one behind).

Was heißt das für Deutschland?

Deutschland hat sich verpflichtet, die Agenda 2030 umzusetzen. Dabei ist die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie (DNS) die Übertragung auf die nationale Ebene mit eigenen Indikatoren. Gleichzeitig muss Deutschland auch die internationalen Dimensionen berücksichtigen, und zwar durch die Beförderung der Umsetzung der Agenda 2030 weltweit, z.B. durch entwicklungsfördernde Handelsbeziehungen oder durch internationale Entwicklungszusammenarbeit. Und Deutschland muss die globalen Auswirkungen des eigenen Handelns einbeziehen. Hier sieht es ziemlich schlecht aus, denn die Lebensweise im Norden und der reichen globalisierten Bevölkerung ist gekennzeichnet durch enormen Konsum, eine übermäßige Ressourcennutzung, einen ausufernden Energieverbrauch, hohes Verkehrsaufkommen und steigende Abfallmengen. Würde die ganze Welt so leben wie Deutsch­land, bräuchten wir drei Planeten; wäre der deutsche Lebensstil glo­balisiert, hätten wir alljährlich schon Anfang Mai alle regenerierbaren, natürlichen Ressour­cen verbraucht, die der Menschheit zur Ver­fügung stehen.

Die ökologischen und sozialen Schulden, die der europäische Wohlstand durch Konsum und Produktionsmuster verursacht und in andere Teile der Welt externalisiert, sind nicht hinnehmbar. Notwendig ist eine Agrarwende, die nicht das Artensterben befördert und zu Las­ten von Menschen im Globalen Süden geht. Dies ist aber der Fall, wenn lokale Märkte im Süden mit europäisch subventionier­ten, billigen Exportprodukten überschwemmt werden und damit  Kleinbäuerinnen und Kleinbau­ern aus ihrem Markt gedrängt werden. Der Kohleausstieg muss be­schleunigt werden. Und wir brauchen eine grundlegende Verkehrswende: weg vom exzessiven Autoverkehr, weg vom ständig steigenden Güter- und Flug­verkehr – hin zu einem funktionie­renden und preiswerten öffentlichen Nah- und Fernverkehr und hin zu re­gionalen Wirtschaftskreisläufen. So haben es VENRO und das Forum Umwelt und Entwicklung gemeinsam mit vielen anderen Nichtregierungsorganisationen erneut gefordert.

Zielkonflikte behindern die Erreichung der Nachhaltigkeitsziele

Die Konflikte, die die Erreichung der Agenda 2030 behindern, gehen aber noch viel weiter: Es geht um die Konflikte in der Zielerreichung selbst! Nicht ein einziges der Länder, die hohe soziale Standards vorweisen, haben dies innerhalb der notwendigen planetarischen Grenzen erreicht (O’Neill et al 2018)! Das heißt, wir brauchen ein Denken zugunsten systemischer Veränderungen. Auch der Fortschrittsbericht 2019 konstatiert:

Die Länder „sind noch nicht weit genug gegangen, um dem notwendigen Paradigmenwechsel Rechnung zu tragen, den die Agenda 2030 erfordert“.

Aus Sicht der Zivilgesellschaft ist es ein wichtiger Schritt, sehr viel mehr Konflikte, Interessenkonflikte und Zielkonflikte in der Agenda 2030 zu thematisieren und nach Lösungen zu suchen, die nicht im Silodenken verhaftet bleiben. Wenn zum Beispiel die Erreichung von Ziel 6 – Zugang zu sauberem Wasser – dadurch verhindert wird, dass 70% der globalen Wasserentnahme durch die industrielle Bewässerungslandwirtschaft geschieht, dann kann nicht versucht werden, Ernährungssicherung (Ziel 2) mit solchen Ansätze erreicht werden. Vielmehr muss es darum gehen, alternative Ansätze wie z.B. Agrarökologie zu verfolgen. Deutlich wird hier auch, dass es neben den quasi inhaltlichen Zielkonflikten natürlich um Wirtschaftsinteressen geht, auch um im Konflikt stehende Interessen verschiedener Akteure. Hier braucht es sehr viel mehr staatliche Regulierungen, die  über freiwillige Verpflichtungen hinaus gehen, wie zum Beispiel eine international gesetzlich geregelte menschenrechtliche Sorgfaltspflicht für Unternehmen.

Multilateralismus, Partizipation und die Einhaltung der Menschenrechte sind Grundlagen der Agenda 2030

Der Fortschrittsbericht 2019 bezieht sich auch auf die Verabschiedung der Agenda vor vier Jahren. Es heißt:

„Es lässt sich nicht leugnen, dass sich die globale Landschaft für die Umsetzung der SDG seit 2015 verschlechtert hat  […] und das Bekenntnis zu multilateraler Kooperation, die so wichtig ist für die Implementierung der großen internationalen Vereinbarungen, unter Druck steht.“

Vor diesem Hintergrund begrüßt die Zivilgesellschaft ausdrücklich, dass in den ersten beiden bisher vorliegenden Entwürfen der politischen Abschlusserklärung für den Gipfel 2019 das Bekenntnis zum Multilateralismus klar erneuert wird. Auch ist die Aufnahme der Aspekte "Frieden erhalten", "friedliche und gerechte Konfliktlösungen finden", "internationales Recht respektieren" und die "Prinzipien der UN-Charter respektieren" positiv zu bewerten. Gerade wenn die Agenda 2030 heute so nicht mehr verabschiedet werden würde, muss es darum gehen, nicht hinter bereits getroffene internationale Vereinbarungen zurück zu fallen, die bestehenden Abkommen einzuhalten und tatsächlich auch umzusetzen und Menschenrechtsstandards einzuhalten und deren Reichweite zu vergrößern.

Die wichtige Rolle der Zivilgesellschaft

Wir wissen auch, welche wichtige Rolle der Zivilgesellschaft zukommt. Das Positionspapier 2019 der NGO Major Group stellt dort Fortschritte bei der Zielerreichung fest, wo die Einhaltung und Umsetzung der Menschenrechte, Inklusion und Empowerment, Kooperation und echte Zusammenarbeit im Zentrum stehen und nicht nur der Wille, sondern auch wirkliche Umsetzung zusammen mit allen relevanten Gruppen stattfindet. Gerade im Kontext des Prinzips Leave no one behind fordert der Fortschrittsbericht 2019:

„Es [ist] notwendig, die Konzentration von Reichtum, Einkommen und Entscheidungsmacht der Top Bevölkerung zu thematisieren und die Verbindung zwischen ökonomischer und sozialer Exklusion und fehlendem Zugang zu Entscheidungsmacht zu reduzieren.“

Es besteht der dringende Bedarf, in die politische Deklaration die Erhaltung und Erweiterung zivilgesellschaftlicher Räume und die Bereitstellung ausreichender Ressourcen für Arbeit der Zivilgesellschaft als wichtiges Instrument der Umsetzung der Agenda 2030 aufzunehmen, gerade vor dem Hintergrund des vielerorts zu beobachtenden shrinking space. Die Bundesregierung sollte sich stärker für diesen Aspekt einsetzen.

 

Der Text basiert auf einem Beitrag auf der Konferenz zur Vorbereitung auf das HLPF, die am 19. Juni von BMZ und BMU veranstaltet wurde.

Thema (BfdW) : NachhaltigkeitAgenda 2030Sozial-ökologische Transformation Bildergalerie: 

Beteiligte an der HLPF Konferenz

© BMU

 

Panel zu SDG 16

© Imme Scholz

 

 

Kategorien: Ticker

11. Januar 2019 – Fachgespräch GIZ in China

SID Frankfurt - 21. Juni 2019 - 14:52

Thorsten Giehler, China-Direktor der GIZ, gab am 11.01.2019 in einem Fachgespräch mit SID Frankfurt (moderiert von Norbert Noisser) Einblick in seine Arbeit als „interkultureller Brückenbauer“ und die Bedeutung der Verbindungen von China zu Deutschland und Europa. Es wurde vereinbart, das Format der Fachgespräche weiter auszubauen.

Storytelling-Workshop für Promovierende des PIK

KMGNE - 21. Juni 2019 - 14:44

Im Doktorandenprogramm des Potsdam Institut für Klimafolgenforschung fand am 15.05.19 der 10. PhD-Day statt. Anne Mette vom KMGNE war eingeladen, um einen Workshop zum Thema Scientist-Pupils interaction – How to communicate science in an educational context? zu leiten.

Nach einer Einführung in die Herausforderungen der Klimakommunikation bzw. Wissenschaftskommunikation im Klimawandel und die Bedeutung von Storytelling auf der Weg zu neuen (Klima)Narrativen wurden in praktischen Übungen Beispiele für Klimakommunikation in Bildungskontexten vermittelt. Eingesetzt wurden Lernformen und -formate, die auch im Schulunterricht angewandt werden können.

Workshop-Programm

Kategorien: Ticker

„Jedes Kind hat das Recht auf eine Kindheit“

Unicef - 21. Juni 2019 - 13:38
Die Bundesbürger zählten 2018 erneut zu den wichtigsten Unterstützern des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen UNICEF. Dank eines Gesamtergebnisses in Höhe von 111,56 Millionen Euro aus Spenden und dem Verkauf der beliebten UNICEF-Karten konnte UNICEF lebensrettende Hilfe in Krisensituationen und zahlreiche Projekte für Bildung, gesundheitliche Grundversorgung und den Kinderschutz unterstützen.
Kategorien: Ticker

Der Klimawandel gefährdet die Lebensmittelproduktion – was tun?

Oxfam - 21. Juni 2019 - 13:28
Die Auswirkungen des Klimawandels treffen die Landwirtschaft besonders hart – vor allem in den ärmeren Ländern des Südens. Was sich in der globalen Lebensmittelproduktion ändern muss. Eine Stellungnahme von Oxfams Agrarexpertin Marita Wiggerthale. © Simon Burch/Oxfam Gemüse, das in einem Camp für Binnenvertriebene in Äthiopien verkauft wird

Der extrem trockene letzte Sommer machte die Folgen des Klimawandels auch in Deutschland erlebbar: Die Hektarerträge lagen bei Getreide um 16 Prozent unter dem dreijährigen Mittel der Vorjahre. Am meisten betroffen waren die nördlichen Bundesländer mit drastischen Ernteausfällen von bis zu 31 Prozent. Jahre zuvor wurden die deutschen Bauern noch als die großen Profiteure des Klimawandels gesehen. Doch Wetterextreme werden zukünftig neue Normalität sein. Die Folgen der globalen Erderhitzung werden aber vor allem jene treffen, die am wenigsten zum Anstieg der Treibhausgasemissionen beigetragen haben: die Armen der Welt.

Am schlimmsten könnten die Auswirkungen in Städten und in einigen ländlichen Regionen in Subsahara-Afrika und Südostasien sein. Auch die Trockengebiete wären besonders von der Klimakrise betroffen, dort leben mehr als 650 Millionen der Ärmsten. Im Jahr 2017 waren 34 der 51 Nahrungsmittelkrisen wesentlich auf klimatische Schocks zurückzuführen. 36 Prozent aller Länder, die seit 2005 steigende Hungerzahlen aufwiesen, litten unter einer starken Dürre in der Landwirtschaft.

Aber nicht nur zunehmende Dürren gefährden die Lebensmittelproduktion, schwere Stürme verwüsten Anbaugebiete und die Infrastruktur, der steigende Meeresspiegel führt zur Versalzung von Böden und Grundwasser, Hitzewellen machen das Arbeiten auf den Feldern unmöglich und beeinträchtigen das Pflanzenwachstum. Zunehmende Krisen und Konflikte zwingen immer mehr Menschen, ihr Land und ihr Zuhause zu verlassen.

Mehr Schwankungen bei globaler Lebensmittelversorgung

Aktuell werden genug Lebensmittel produziert, um den Ernährungsbedarf der Weltbevölkerung zu decken. Nach Angaben der Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) müssten bis 2050 50 Prozent mehr Lebensmittel, Futtermittel, Agrarkraftstoffe und Agrarrohstoffe für andere industrielle Nutzungen produziert werden als 2012, um die steigende Nachfrage zu bedienen. Aber nur, wenn es beim „Business as usual“ bleibt.

In einem sogenannten „Nachhaltigkeitsszenario“ wäre bis 2050 nur ein Anstieg von 40 Prozent erforderlich, wenn die Lebensmittelverschwendung bzw. -verluste und die Nachfrage nach Futtermitteln für die Fleischproduktion sinken würden. Bis 2027 müsste der OECD und FAO zufolge die Produktion von Weizen für die Lebensmittelversorgung um 8 Prozent (46 Mio. t) und von Mais um 17 Prozent (23 Mio. t) steigen. Zum Vergleich: Im Jahr 2018 entfielen 57 Prozent des weltweiten Maisverbrauchs (606 Mio. t) und 19 Prozent des Weizenverbrauchs (146 Mio. t) auf Futtermittel. Ein beachtlicher Teil der Futtermittelfläche könnte bei einem Rückgang des Fleischkonsums für die Lebensmittelproduktion verwendet werden. Konflikte um Land und Wasser könnten reduziert werden. Gleichwohl werden klimabedingte Wetterextreme zu stärkeren Angebotsschwankungen und damit auch Preisschwankungen führen.

Gefährdete Lebensmittelproduktion in Subsahara-Afrika

Der Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) geht davon aus, dass der Temperaturanstieg in Subsahara Afrika höher ausfallen wird, als im Mittel auf globaler Ebene. Schon eine Erderhitzung um 2 Grad Celsius würde Ernteausfälle und Schäden bei Mais, Sorghum, Weizen, Hirse, Maniok und Erdnüssen mit sich bringen. Westafrika wurde als Hotspot im Hinblick auf negative Auswirkungen auf Ernteerträge und Lebensmittelproduk­tion identifiziert. Auch das südliche Afrika gilt als Hotspot in punkto Hitzeextreme und Trockenheit. Bereits bei 1,5 Grad Celsius Erderhitzung wird von längeren und häufigeren Hitzewellen ausgegangen, bei 2 Grad Celsius werden um 10-20 Prozent niedrigere Niederschläge und längere Trockenheit in Namibia, Botswana, Nord-Simbabwe und Süd-Sambia erwartet.

Dürren erhöhen das Risiko von Konflikten von vulnerablen Ländern und Gruppen, weil ihre Lebensgrundlagen von der Landwirtschaft abhängen. Dies trifft insbesondere auch auf die am wenigsten entwickelten Länder in Subsahara-Afrika zu. Die Landwirtschaft in Subsahara-Afrika muss nicht nur die Folgen der Klimakrise bewältigen, sondern auch mehr Nahrungsmittel für die steigende Bevölkerung bei sich verschlechtern­den Umweltbedingungen produzieren. Der Stärkung lokaler Ernährungssysteme wird dabei eine entscheidende Rolle zukommen.

Die Ungleichheit der Risiken

Die Risiken der Klimakrise sind sehr ungleich verteilt. In Äthiopien und Kenia können beispielsweise nomadische Viehzüchter*innen nicht an Wasser für ihre Tiere gelangen, weil eine kommerzielle Landbewirtschaftung entlang der Flüsse den Zugang verhindert. Extreme Preisschwankungen im Jahr 2007/08 und 2012 ließen die Profite vom Agrarkonzern Cargill steigen, während Millionen Eltern sich nicht mehr Essen für ihre Familie leisten konnten.

Klimabedingte Schocks können Menschen unvermittelt in die Armut treiben oder in Armut halten. In der Entwicklungszusammenarbeit sollten deswegen grundsätzlich Risiken identifiziert, analysiert und gemanagt werden. Statt Sicherheit für wenige und Unsicherheit für viele auf sozialer, ökonomischer und politischer Ebene zu befördern, muss es auch um eine Umverteilung von Macht und Wohlfahrt sowie um das Teilen von gesellschaftlichen Risiken gehen. Zum Beispiel, indem die exzessive Spekulation mit Lebensmitteln eingedämmt, soziale Sicherungssysteme eingeführt und eine progressive Steuerpolitik vorangetrieben wird.

Frauen und Männer sollten nicht nur in die Lage versetzt werden, Krisensituationen zu bewältigen, sondern ihre Rechte wahrnehmen zu können, so dass sie eine Hoffnung für die Zukunft haben und eine Wahl treffen können, wie sie leben wollen. Rein technologische Ansätze wie neue Züchtungsmethoden dominieren die Diskussion. Dabei geht es darum, Fähigkeiten bzw. Kapazitäten der betroffenen Menschen aufzubauen und gleichzeitig die Ungleichheit und Ungerechtigkeit anzugehen, die Arme überhaupt erst vulnerabel machen.

Agrarökologie fördert Ernährungssouveränität und Resilienz

Agrarökologie ist als ganzheitlicher Ansatz besonders geeignet, um die Klimakrise zu bewältigen. Dies gilt insbesondere für von Armut betroffene, vulnerable Bevölkerungsgruppen, die in einem höheren Maße von intakten Ökosystemen abhängig sind, vor allem in den am wenigsten entwickelten Ländern. Biodiversität ist unerlässlich für die Ernährungssicherung, sie wird bei Agrarökologie systematisch ins Anbausystem integriert und die Bodenfruchtbarkeit wird verbessert. Synthetische Dünger und Pestizide werden nicht benötigt. Die Folge: niedrigere Produktionskosten und höhere Netto-Einnahmen durch steigende und stabilere Erträge.

Eine Langzeitstudie über einen Zeitraum von 30 Jahren hat ergeben, dass die Maiserträge in Zeiten von Dürren in ökologischen Anbausystemen um 31 Prozent höher waren als in konventionellen. Alternative Vermarktungsformen wie die solidarische Landwirtschaft bieten zudem höhere Erzeugerpreise und direktere Verbindungen zu Konsumenten bei kürzeren Transportwegen. Lokale Nahrungsmittelreserven und lokale Saatgutbanken bilden wichtige Sicherheitsnetze. Agrarökologie beinhaltet ein solidarisches Miteinander von Frauen und Männern basierend auf gleichen Rechten, einem gewaltfreien Umgang miteinander und gleichen Entwicklungsmöglichkeiten. Menschen organisieren sich selbst und sind in Gruppen oder Netzwerken kollektiv tätig, ob auf lokaler, regionaler oder globaler Ebene.

Agrarökologie versus klimasmarte Landwirtschaft und Gentechnik

Es ist wichtig, dass die Landwirtschaft an den Klimawandel angepasst wird und die Treibhausgas­emissionen, die in der Landwirtschaft erzeugt werden, reduziert werden. Allerdings geht es den Befürworter*innen der „klimasmarten Landwirtschaft“ darum, den Fehlentwicklungen in der industriellen Landwirtschaft ein neues, positives Label zu verpassen und sie nur etwas anzupassen.

Auch das Seminar für ländliche Entwicklung ist skeptisch: „Solange das Konzept ... nicht klarer definiert und eingeengt wird, ist es wahrscheinlich, dass es nur als ein neues Label dient, um „business as usual“ etwas zu verbessern“. Bei der „klimasmarten Landwirtschaft“ oder „nachhaltigen Intensivierung“ werden selektiv einzelne Praktiken der Agrarökologie – Fruchtfolge, Zwischenfrüchte, Agroforstsysteme – aufgenommen und mit Mainstream-Technologien der industriellen Landwirtschaft kombiniert. Sie schließen Praktiken, die inkompatibel mit agrarökologischen Ansätzen sind oder diese untergraben, nicht aus, wie zum Beispiel Herbizid-tolerante Pflanzen, toxische Pestizide, gentechnisch verändertes Saatgut, Patente auf Saatgut und großflächige, industrielle Monokulturen. Beängstigend ist insbesondere die Entwicklung sogenannter „Gene Drives“, die auf die gentechnische Veränderung einer natürlichen Population bzw. auf alle Individuen dieser Population abzielen, bis hin zu deren Ausrottung. Eine gentechnische Kontamination ist hier also explizit gewollt.

Wie sieht das Engagement der Bundesregierung in punkto Klimaanpassung aus?

Offiziellen Angaben der Bundesregierung zufolge betrugen die Haushaltsmittel für die finanzielle Unterstützung der Entwicklungsländer für Klimaschutz und Anpassung an die Folgen des Klima­wandels 3,65 Mrd. Euro im Jahr 2017. Von diesen Geldern waren in der offiziellen Berichterstattung knapp über 900 Mio. Euro spezifisch für Projekte zur Förderung der Anpassung an den Klimawandel markiert – nicht einmal ein Drittel. Hinzu kommt, dass die Anpassungsrelevanz von Programmen der Entwicklungszusammenarbeit oft überhöht dargestellt wird.

Mehrere Entwicklungsorganisationen haben im Jahr 2017 eine Studie zur Anpassung an den Klimawandel veröffentlicht. Untersucht wurden Projekte im Zeitraum 2013 bis 2015, die über das BMZ und das BMU finanziert wurden und als Haupt- oder Teilzweck (Rio Marker 2 oder 1) das Ziel der Klimaanpassung verfolgten. Bei den Projekten des BMU waren die Anpassungskomponenten oft deutlich ausgeprägter beschrieben, wohingegen bei BMZ-Projekten oft nicht klar war, wie die beschriebenen Maßnahmen auf welche Klimarisiken bzw. Anpassungsbedarfe eingehen. Bedenklich ist, dass bei knapp der Hälfte der Projekte nicht erkennbar war, dass die lokale Bevölkerung ernsthaft mit einbezogen wurde und das Projekt auch einen langfristigen Kapazitätsaufbau im Bereich Anpassung verfolgt. Gender-Aspekte wurden mehrheitlich nicht integriert.

Forderung: Insgesamt sollte das BMZ die finanzielle Unterstützung für die Anpassung an den Klimawandel noch deutlich ausbauen, vor allem in den kritischen Sektoren Landwirtschaft, Wasserversorgung und Extremwetterrisiken. Dabei sollte die Programmarbeit stärker als bisher die spezifischen Anpassungskomponenten anhand von analysierten Risiken definieren und ausrichten.

Fördert das Entwicklungsministerium Agrarökologie?

Erfreulich ist das jüngste Engagement des BMZs in punkto Agrarökologie. Eine Portfolioanalyse des Ministeriums, angelehnt an der Methodologie einer britischen Studie, zeigt, dass ein kleiner Teil der landwirtschaftlichen Projekte bereits agrarökologischen Ansätzen folgt. Sie stellt eine gute Grundlage dar, um Handlungsfelder zu identifizieren und agrarökologische Programme systematischer zu fördern. Der agrarökologische Ansatz wird auch von Bündnis90/Die Grünen und DIE LINKE unterstützt. Aktuell liegt im Bundestag ebenso ein Antrag von CDU/CSU und SPD mit dem Titel „Potenziale aus der Agrarökologie anerkennen und unterstützen“ zur Beschlussfassung vor. Im zivilgesellschaftlichen Positionspapier „Agrarökologie stärken“, das von 59 Organisationen und Verbänden mitgetragen wird, sind zentrale Forderungen an das BMZ und die Bundesregierung aufgeführt.

Drei Forderungen möchte ich herausgreifen:
  • In der staatlichen Entwicklungszusammenarbeit sollte Agrarökologie zum zentralen Konzept zur Armuts- und Hungerbekämpfung im ländlichen Raum werden. Insbesondere bei der Überarbeitung des Konzepts zur ländlichen Entwicklung sollte Agrarökologie als zentrale Komponente grundlegend verankert werden.
  • Es sollte ein internationaler Beirat eingerichtet werden, der das BMZ zu Agrarökologie berät. Mitglieder sollten dabei aus der Wissenschaft, der agrarökologischen Praxis sowie sozialen Bewegungen kommen.
  • Das BMZ sollte analysieren, welche ihrer Programmansätze agrarökologischen Ansätzen zuwiderlaufen und entsprechende finanzielle Unterstützungen einstellen. Dies beinhaltet Ansätze zur Förderung der Grünen Revolution in Afrika.
Kategorien: Ticker

Der Kommerzialisierung von Bildung Riegel wird ein Riegel vorgeschoben

Oxfam - 21. Juni 2019 - 12:55
Immer mehr Länder setzen auf den Aufbau privater, gewinnorientierter Schulen, anstatt konsequent in das öffentliche Bildungssystem zu investieren. Die Folge: öffentliche Systeme werden ausgehöhlt und sind unterfinanziert. Ungleichheiten beim Zugang zu Bildung werden verschärft. Die Globale Bildungspartnerschaft schiebt der Kommerzialisierung von Bildung nun einen Riegel vor. © Adam Patterson Mädchen und Jungen beim Schulunterricht in Ghana, wo die geplante Privatisierung von 300 Schulen den freien Zugang zu Bildung bedroht.

Mit einer wegweisenden Entscheidung hat die Globale Bildungspartnerschaft (Global Partnership for Education, GPE) der weiteren Kommerzialisierung der Bildung in Entwicklungsländern nun einen Riegel vorgeschoben: Gewinnorientierte Privatanbieter erhalten keine Entwicklungsgelder der GPE. Die GPE ist eine weltweite Partnerschaft, die Entwicklungsländer dabei unterstützt, ihr Bildungssystem zu stärken und so Bildungschancen für benachteiligte Kinder zu schaffen.

Die Entscheidung hat eine weitreichende Signalwirkung auf weitere internationale Akteure und andere Sektoren: Öffentliche Mittel müssen auch in öffentliche Systeme fließen, um allen Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen. Es ist ein Etappensieg für das Recht auf gute, gebührenfreie öffentliche Bildung im Vorfeld des „Tag des öffentlichen Dienstes“ der Vereinten Nationen am 23. Juni.

Keine Mittel für kommerzielle Angebote

Anfang der Woche wurde in Stockholm über eine neue Strategie zur Kooperation mit dem Privatsektor abgestimmt. Dort hat der Vorstand der GPE einstimmig einen Beschluss gefasst: „Keine GPE-Mittel können dafür eingesetzt werden, gewinnorientierte Angebote grundlegender Bildungsdienstleistungen zu unterstützen.“

Was in trockener Amtssprache daherkommt, ist tatsächlich ein Donnerhall, der die globale Bildungsarbeit aufrüttelt. Ein Sieg für das Recht auf gute öffentliche Bildung in der aufgeheizten Debatte um die Kommerzialisierung im Bildungsbereich. Der Vorstand bekennt sich klar dazu, dass Bildung ein öffentliches Gut ist, das durch öffentliche Mittel finanziert werden muss.

Die Entscheidung der GPE finden Sie hier: Entscheidung GPE (englisch)

Warnung der Sonderberichterstatterin der Vereinten Nationen für das Recht auf Bildung

Noch kurz vor der Tagung der Bildungspartnerschaft hatte sich die Sonderberichterstatterin der Vereinten Nationen für das Recht auf Bildung, Dr. Koumbou Boly Barry, in die Debatte eingeschaltet: Sie legte einen Bericht zu den Auswirkungen von Privatisierung auf Bildung vor. Dr. Boly, einst selbst Bildungsministerin in ihrer Heimat Burkina Faso, wandte sich mit deutlichen Worten an die GPE: öffentliche Gelder sollten ausschließlich zur Stärkung gebührenfreier, guter und inklusiver öffentlicher Bildungssysteme eingesetzt werden. Die GPE dürfe keine Mittel für kommerzielle Akteure bereitstellen. Das würde die ohnehin schlecht finanzierten öffentlichen Systeme aushöhlen und die Umsetzung des Rechts auf Bildung für alle gefährden.

Den Report der Sonderberichterstatterin der Vereinten Nationen für das Recht auf Bildung finden Sie hier: Report von Dr. Koumbou Boly Barry (englisch)

Es geht um Geld: Kommerzialisierung verschärft Ungleichheiten

Die Warnung kommt nicht von ungefähr. Seit mehreren Jahren breiten sich in vielen afrikanischen und asiatischen Ländern gewinnorientierte Bildungsanbieter aus. Das passiert teilweise in Abstimmung und mit finanzieller Beteiligung der nationalen Regierungen aber auch teilweise – wie im Falle von Uganda – gegen die explizite Entscheidung von Ministerien und Verwaltungsgerichten.

Es geht um viel Geld! Unter kommerziellen Bildungsunternehmern gilt  „Bildung als größter Wachstumsmarkt des 21. Jahrhunderts“. Während die Unternehmen damit werben, Bildungschancen für Benachteiligte schaffen zu wollen, mehren sich Zweifel am Model „Billigschulen“. Untersuchungen zeigen, dass die Schulen – entgegen den Behauptungen – gerade besonders marginalisierte Gruppen, die vorher keinen Schulzugang hatten, nicht erreichen.

Durch die anfallenden, vermeintlich geringen Schulgebühren sind besonders Mädchen armer Familien, Kinder mit Behinderungen und Minderheiten benachteiligt. Ihnen bleibt der Schulzugang verwehrt, wenn sich die Familien die Gebühren nicht leisten können. Die Qualität des Unterrichts und die Relevanz der Lerninhalte sind äußerst fragwürdig – zum einen, weil Lehrkräfte schlecht ausgebildet und bezahlt werden und zum anderen, weil Unterrichtseinheiten, die per Tablet vorgetragen werden, nicht im jeweiligen Land entwickelt wurden. So verschärft die Kommerzialisierung Ungleichheiten im Bildungsbereich.

Die Analyse der Global Campaign for Education (GCE) finden Sie hier: Analyse der Global Campaign for Education (GCE) (englisch)

Der globale Verbund der Lehrergewerkschaften Education International beobachtet die Kommerzialisierung kritisch mit einer einigen Kampagne: Unite for Quality Education (englisch)

Klares „Nein“ nach langem Ringen

Kein Wunder also, dass die Spannungen nach monatelangen Ringen vor der Entscheidung der Globalen Bildungspartnerschaft groß waren. Die Partnerschaft aus Geberländern und internationalen Organisationen, Entwicklungspartnerländern und Zivilgesellschaft unterstützt mit über zwei Milliarden US-Dollar Reformen im Bildungsbereich in Ländern mit niedrigem Einkommen. Mit am Verhandlungstisch sitzen auch Vertreter*innen der Zivilgesellschaft, darunter auch Kira Boe von Oxfam IBIS in Dänemark, die die Zivilgesellschaft des globalen Nordens vertritt.

In etlichen Gesprächen und Sitzungen mit Vertreter*innen von Geberinstitutionen hat die Zivilgesellschaft für eine klare Entscheidung gegen die Finanzierung kommerzieller Anbieter geworben. Mit Erfolg.

„Es ist bahnbrechend, dass der größte Bildungsfonds der Welt einstimmig „Nein“ zur Finanzierung von gewinnorientierten Angeboten grundlegender Bildung gesagt hat“ kommentierte Kira nach der Tagung erleichtert.

Diese Entscheidung, für die die Zivilgesellschaft hart gekämpft hat, ist ein Meilenstein für die öffentliche Bildung – und setzt zugleich Standards für andere Geberforen und Sektoren. In den kommenden Tagen steht die Auffüllungskonferenz der International Development Association (IDA) der Weltbank an. Die Geber sind die gleichen, die am Verhandlungstisch in Stockholm saßen. Sie sollten konsequent sein, und in diesem Rahmen ebenfalls dafür stimmen, dass auch über die Weltbank keine Gelder an kommerzielle Anbieter fließen. Zudem sollten sie gründlich prüfen, auch in anderen Sektoren, wie etwa im Gesundheitsbereich, keine öffentlichen Gelder an gewinnorientierte Partner zu geben.

Ghana: Zivilgesellschaft kritisiert mögliche Kooperation mit kommerziellen Anbietern

Wie zeitig und wichtig die Entscheidung der GPE ist, keine öffentlichen Gelder an  kommerzielle Partner zu geben, zeigt sich in Ghana. Dort hat die Regierung Anfang des Jahres den Beschluss gefasst, 300 öffentliche Schulen privatisieren zu wollen, um „kosteneffizienter“ zu arbeiten. Im nationalen Budget für 2019 sind Mittel eingestellt, mit denen private Anbieter statt öffentlicher Schulen gefördert werden sollen.

In Ghana laufen bereits Nichtregierungsorganisationen und Lehrer*innengewerkschaften Sturm gegen diese Pläne. Sie eint die Überzeugung, dass Bildung ein öffentliches Gut ist – und daher auch durch öffentliche Gelder finanziert werden muss. Fließen öffentliche Mittel in kommerzielle Anbieter, höhlt dies das öffentliche System aus. Nach der wegweisenden Entscheidung der GPE, in der auch Ghana Mitglied ist, muss die mögliche Kooperation mit kommerziellen Anbietern überdacht werden.

Kategorien: Ticker

21. Juni 2019

ONE - 21. Juni 2019 - 11:51
1. Keine Krise zwischen Ruanda und Uganda?

Im Interview mit der tageszeitung (taz) spricht Ruandas Präsident Paul Kagame über die  aktuellen politischen Spannungen zwischen Ruanda und Uganda. Wichtig sei ihm vor allem das Thema nachhaltige Entwicklung und der Kampf gegen Ungleichheit. Ausschreitungen zwischen seinem Land und Uganda sehe er aktuell nicht. Er kritisiere das restriktive Vorgehen Ugandas gegen Runander*innen. Viele seien dort ohne Angabe genauer Gründe inhaftiert. Kagame warne seine Bevölkerung davor, nach Uganda zu reisen, einen Anlass für Kämpfe gebe es jedoch nicht. Seine Regierung sei auf einen guten Weg und er sehe die Ruander*innen die ihn unterstützen. Auch die Ankündigung des Kongolesischen Präsident Félix Tshisekedi, Mitglied der Ostafrikanischen Gemeinschaft werden zu wollen, begrüße er. Kagame wolle in Zukunft mit der demokratischen Republik Kongo enger in Verteidigungs- und Sicherheitsbelangen zusammenarbeiten.

2. Wüstensand gegen Armut

Wie der Tagesspiegel berichtet, könnte eine Innovation aus München dafür sorgen, in Krisenregionen schnell Wohnraum zu schaffen. Laut UN sei Sand der am meisten gehandelte Rohstoff nach Wasser. Doch der Bedarf wachse, vor allem im Mittleren Osten. Wüstensand sei bislang nicht nutzbar zu machen, doch verschiedene deutsche Unternehmen arbeiten daran dies zu ändern. Vor allem nach Katastrophen und in ärmeren Gebieten bringe dies viele Vorteile. Der Thüringer Gerhard Dust habe ein Verfahren entwickelt, mit dem Bausteine in 20 Minuten formbar seien. Sein Ansatz ziele nicht auf die Bauindustrie ab, sondern auf Armutsbekämpfung und den Wiederaufbau in Krisengebieten. Aktuell baue er eine erste Fabrik in Namibia. Weitere Verhandlungen liefen in Ländern wie Ghana, Senegal, Südafrika und Ruanda. Dort ließe sich der Wüstensand direkt vor Ort entnehmen. Aktuell sei das Verfahren allerdings noch nicht nachhaltig genug, so Barbara Leydolph vom Institut für Angewandte Bauforschung in Weimar.

3. Impfskepsis: Reiche Länder liegen vorne

Wie unter anderem Spiegel Online, Welt Online, Süddeutsche Zeitung Online und Westdeutsche Allgemeine Zeitung Online berichten, steigt die Zahl der Impfskeptiker*innen vor allen in Industrieländern. Aktuell sei in den USA der größte Masernausbruch seit 27 Jahren zu verzeichnen. Weltweit würden sich die Fälle häufen, trotz des Ziels, die Masern bis 2020 auszurotten. Vor allem die Skepsis gegenüber Impfungen in wohlhabenden Ländern sei dafür verantwortlich, so die Weltgesundheitsorganisation (WHO). In Ländern wie beispielsweise Ruanda, Äthiopien und Ghana liege der Anteil der Menschen, die Impfungen für nicht sicher halten, bei zwei bis drei Prozent. In Österreich und Belgien hingegen bei 21 Prozent. Die größte Skepsis herrsche in Frankreich mit 33 Prozent. Am überzeugtesten von der Sicherheit von Impfungen seien die Menschen in Ruanda und Bangladesch. Hier halte fast die gesamte Bevölkerung Impfungen für ungefährlich.

 

 

The post 21. Juni 2019 appeared first on ONE.

Kategorien: Ticker

Black Queen – Hip-Hop und Aktivismus für Frauen und Minderheiten

ONE - 21. Juni 2019 - 11:37

Der Kampf für die Rechte von Minderheiten, gegen geschlechtsspezifische Gewalt und für Solidarität ist für die Musikerin Black Queen nichts neues. In den letzten Wochen wird ihr Engagement dennoch nicht nur wichtiger, sondern auch größer denn je. Nachdem im Senegal Mitte Mai zwei junge Frauen vergewaltigt und ermordet wurden, protestierte die Zivilgesellschaft. Sie fordert, dass Vergewaltigung unter Strafe gestellt wird und Opfer von geschlechtsspezifischer Gewalt geschützt werden. Black Queen hat gemeinsam mit ONE in Senegal eine Kampagne gestartet, um den Druck auf die Politik aufrecht zu erhalten – bis Frauen endlich geschützt werden. Wir stellen euch die Frau vor, die im Senegal für Geschlechtergerechtigkeit kämpft.

Gemeinsam mit ONE engagiert sie sich für Solidarität und die Situation von Minderheiten

Frühe Jahre voller Kreativität und Begabungen

Aida Touré aka Black Queen wuchs in der senegalesischen Hauptstadt Dakar auf. Ihre Talente sind bereits in der Kindheit nicht nur auf Musik beschränkt. Auch Basketball und Tanz weckte ihr Interesse. Seit sie zwölf ist, spielt aber Hip-Hop die größte Rolle in ihrem Leben, begleitet von den ersten eigenen Texten. Dass sie es ziemlich drauf hat war schon sehr früh klar. Unter anderem setzte sie sich gegen 60 Mitschüler*innen durch und konnte mit dem internationalen Rap-Star “YOUSSOUPHA” am Beginn seiner Show im Senegal auf der Bühne stehen. Mit 18 nahm sie ihre erste Demo auf, um zwei Jahre später das erste professionelle Projekt zu beginnen. Damit verbunden trat sie dem Guis Guis Kollektiv bei, das aus dem Label Afreecan DREAM besteht. Mit dabei sind außerdem der Rapper Zeuss DYDM und Bissou Bee – alle drei sind aus dem Norden der Hauptstadt.

Ein Ausschnitt dem Musikvideo zu ihrem Song Demna, in dem sie das Problem von sexueller Gewalt musikalisch und künstlerisch zugänglich macht.

Musik, die die Gesellschaft prägt

Für Aida ist aber Musik nicht einfach ein Mittel zum Zweck. Sie glaubt daran, dass Musik die Zukunft verändern kann. Ihr selbstbewusstes Auftreten in der senegalesischen Hip-Hop Szene bringt durch eine originelle feminine Note mit starken Texten frischen Wind in Rollenbilder des Hip-Hops. Mit kreativen bunten Outfits und künstlerischen Videos kann sie locker mit männlichen Künstlerkollegen mithalten. Mit ihrem starken Flow und harten Beats fordert sie nicht nur ihren Platz ein, sondern wird auch für andere Frauen zum Vorbild. Dabei geht sie aber nicht nur auf Konfrontationskurs und klammert schwierige Themen wie Missbrauch, den Tod von Familienangehörigen und innere Ängste nicht aus. In melancholischen Klängen und Worten beschreibt sie, nicht weniger politisch, den Umgang mit sexueller Gewalt und Stigmatisierungen und gibt so den Erfahrungen vieler Frauen eine Stimme.

In ihrem Aktivismus engagiert sie sich unter anderem mit ONE und im Rahmen der Afrikanischen Union (Bildrechte: Viberadio.sn)

Der Wunsch und Kampf für Veränderung

Der Glaube an Solidarität und Teilen ist tief in ihr verankert. Ihr Blick richtet sich deshalb besonders auf benachteiligte Gruppen. Praktisch engagiert sie sich für die Situation von Albinos, Talibé-Kindern und von Missbrauch betroffenen Frauen.

Auch bei diversen Kampagnen von ONE hat sie sich engagiert – beispielsweise als Botschafterin für einen Workshop gemeinsam mit der Afrikanischen Union für Rechenschaft und Transparenz. Auch hat sie sich für die Wiederauffüllung der Global Partnership for Education (GPE) eingesetzt und mit den ONE-Jugendbotschafter*innen im Senegal ihre Erfahrungen als Aktivistin geteilt.

Nach der tragischen Vergewaltigung und Ermordung von zwei jungen Frauen im Senegal, war für Aida Schweigen keine Option. Sie startete eine öffentliche Kampagne und fordert darin den Justizminister und die Ministerin für Frauen, Familien und Gender auf, das Strafmaß für Vergewaltigung zu verschärfen und Frauen und Mädchen vor geschlechtsspezifischer Gewalt zu schützen. Gemeinsam mit ONE startete sie diese Petition. Dort können Menschen weltweit ihre Solidarität in Taten umsetzen und die Stimmer der Frauen im Senegal unterstützen. Bist du dabei?

The post Black Queen – Hip-Hop und Aktivismus für Frauen und Minderheiten appeared first on ONE.

Kategorien: Ticker

UN-Sonderberichterstatterin: Khashoggi-Mord ein "Staatsverbechen"

Vereinte Nationen - 21. Juni 2019 - 11:23

21. Juni 2019 - In einem Interview mit UN News hat die Sonderberichterstatterin Agnes Callamard über ihre fast einwöchige Mission in der Türkei auf der Suche nach der Wahrheit über den Tod des Washington Post Journalisten Jamal Khashoggi berichtet. Dieser wurde vergangenen Oktober im saudischen Konsulat in Istanbul getötet.

"Ich habe mich mit dem Kontext und den Folgen der Verbrechen befasst und insbesondere die in der Türkei und anderswo gesammelten Beweise auf der Grundlage des internationalen Menschenrechts geprüft und analysiert", sagte sie.

Diese Erkenntnisse bilden die Grundlage ihres 100-seitigen Berichts, in dem sie sich mit den verschiedenen Zuständigkeiten der Staaten für den Mord an Khashoggi befasst.

Laut der vom Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen ernannten Sonderberichterstatterin sei der Mord nicht lange geplant worden, aber es sei auch klar, dass eine Mission dieser Art „nicht in 48 Stunden von Grund auf verwirklicht werden kann“. Dies deutet darauf hin, dass die Beteiligten sich schon seit geraumer Zeit mit Khashoggi befasst haben.

In ihrem Bericht gibt sie eine Reihe von Empfehlungen ab, unter anderem zur Justizverantwortung, von denen sie nicht glaubte, dass dies im saudischen Prozess der Fall war.

"Ich fordere eine internationale strafrechtliche Untersuchung, um die individuellen Verantwortlichkeiten zu bestimmen. ", erklärte sie und fügte hinzu, dass der Prozess gegen Herrn Khashoggis Tod nicht den internationalen Verfahrens- und Sachstandards entsprochen habe. Sie empfiehlt daher, die internationalen strafrechtlichen Ermittlungen auf der Ebene der Vereinten Nationen durchzuführen. Sie forderte den UN-Generalsekretär auf, ein Expertengremium zu berufen, dass die individuelle Verantwortung auf der Grundlage der Beweise untersucht.

Sie argumentierte, dass das Verbrechen gegen Herrn Khashoggi ein Staatsverbrechen sei und „eine willkürliche und außergerichtliche Hinrichtung, für die der Staat Saudi-Arabien verantwortlich ist“. Einzelne Sanktionen hält sie für „unzureichend“.

Der Sonderberichterstatter wies darauf hin, dass die gerichtliche Rechenschaftspflicht für das Verbrechen an Khashoggi „schwierig umzusetzen ist“. Sie bestand jedoch darauf, dass ein Prozess nicht die einzige Möglichkeit ist, der Gerechtigkeit zu dienen – diese könnte auch auf einem symbolischen, finanziellen oder politischen Weg erreicht werden.

Frau Callamard wird ihren Bericht am 26. Juni dem Menschenrechtsrat vorlegen.

Kategorien: Ticker

Executive Update: Offener Brief fordert ehrgeizigere Klimaziele von Unternehmen

Global Compact - 21. Juni 2019 - 0:00
Eine breite Koalition aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Führungspersönlichkeiten der Vereinten Nationen ruft private Unternehmen dazu auf, ihren Beitrag zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen zu leisten, um die negativen Auswirkungen des Klimawandels zu begrenzen.
Kategorien: Ticker

Wunderkirche mit Nobelpreisträger Denis Mukwege

BfdW - 20. Juni 2019 - 19:06
Von seinem großen Einsatz für Frauen in der DR Kongo, die Opfer sexueller Gewalt wurden, berichtete der Arzt Denis Mukwege in der Kirchentags-Wunderkirche St. Reinoldi in Dortmund. Brot für die Welt unterstützt Mukweges Arbeit seit vielen Jahren, aktuell den Bau seines Kompetenzzentrums in Bukavu.

In der DR Kongo wurden und werden Vergewaltigungen als Kriegswaffe eingesetzt. Viele der vergewaltigten Frauen werden extrem verletzt und gefoltert. Ihre Kinder und Ehemänner müssen den grauenhaften Taten oft zu sehen. Das zerstöre nicht nur Seelen und Körper der Frauen, sondern soziale Beziehungen in der gesamten Gesellschaft. Viele der Frauen können zudem keine Kinder mehr bekommen. Oft sind ihre seelischen und körperlichen Verletzungen so stark, dass sie nicht mehr arbeiten können. Dabei sind kongolesische Frauen oft die Hauptverdienerinnen ihrer Familien. Sie würden mit Krankheiten wie HIV angesteckt, seien traumatisiert und geben Infektionen und Traumata weiter an ihre Kinder, berichtet Denis Mukwege.

Einsatz unter Lebensgefahr

Der Gynäkologie eröffnete das Panzi-Krankenhaus Ende der neunziger Jahre im kongolesischen Bukavu, als die systematischen Vergewaltigungen während der Kongo-Kriege stark zunahmen. Mehr als 50.000 Frauen behandelte er seitdem zusammen mit seinem Team. 2018 erhielt der langjährige Brot für die Welt-Partner dafür den Friedensnobelpreis. Doch die Arbeit ist gefährlich.

Als Denis Mukwege 2012 in seinem Haus überfallen und einer seiner Mitarbeitenden dabei getötet wurde, beschloss er, aufzugeben und ins Exil zu gehen. Doch kongolesische Frauen setzten sich für seine Rückkehr ein und schrieben an den Staatspräsidenten und die Vereinten Nationen. Sie verkauften Obst und Gemüse für ein Rückflugticket für Mukwege und planten, ihn mit jeweils 25 Frauen Tag und Nacht zu bewachen. Als er davon erfuhr, entschied sich Mukwege, zurückzukommen.

Wie Denis Mukwege Frauen hilft

"Wir helfen den Frauen, die zu uns kommen, mit einem umfassenden Betreuungssystem", so Mukwege. Zunächst versorgen sein Team und er die Frauen medizinisch und psychologisch. Geht es ihnen besser, stelle sich die Frage, wie sie zukünftig leben. Oft würden die Frauen nach den Vergewaltigungen von ihren Familien verstoßen, wollen sich aber gleichzeitig um ihre Kinder kümmern. Sie bekommen dann Hilfe beispielsweise mit dem Bau eines Hauses. Außerdem unterstützen Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte die Frauen, die ihre Peiniger verklagen wollen. "Unzählige Frauen konnten wir so nach ihren traumatischen Erfahrungen stärken", so Mukwege. 

Kongolesischer Wunderdoktor

Brot für die Welt-Präsidentin Cornelia Füllkrug-Weitzel betonte, wie großartig die Arbeit von Mukwege und seinen Mitarbeitenden sei. "Dieses Wunder wird in der Demokratischen Republik Kongo selbst vollbracht - und nicht im Globalen Norden", so Füllkrug-Weitzel. Besonders in Zeiten zunehmender Diffamierungen von Frauen, sexueller Gewalt und Einschränkungen von Frauenrechte sei es umso wichtiger, dass Menschen wie Denis Mukwege ihre Stimme gegen sexuelle Gewalt und die Sprachlosigkeit darüber erheben.

Um seine Arbeit auszubauen, gründete Mukwege an der Evangelischen Universität Bukavu das Centre d' Excellence Denis Mukwege. Die ehemalige Brot für die Welt-Stipendiatin Germaine Furaha leitet das Kompetenzzentrum. Ärztinnen und Ärzte werden hier geschult, um die medizinische Versorgung in der DR Kongo zu verbessern. Außerdem forschen sie zu den Ursachen der Gewalt und der Rolle von Frauen im Kongo. Das Kompetenzzentrum soll so zu mehr Frieden beitragen.

Symbolische Grundsteinlegung

Brot für die Welt unterstützt das Kompetenzzentrum. Symbolisch übergab Cornelia Füllkrug-Weitzel Denis Mukwege und Germaine Furaha für den Bau des Gebäudes ein goldenes Türschild. Ende des Jahres 2021 soll das Kompetenzzentrum voll funktionsfähig sein.

Thema (BfdW) : GesundheitFrauenVeranstaltung bzw. Programme: Kirchentag Bildergalerie: 

Der kongolesische Arzt Denis Mukwege hilft Opfern sexueller Gewalt seit vielen Jahren.

© Frank Schultze / Brot für die Welt

 

Prof. Dr. Germaine Furaha und Prof. Denis Mukwege sind mit Dr. h. c. Cornelia Füllkrug-Weitzel in der Wunderkirche zum Gespräch zusammengekommen.

© Frank Schultze / Brot für die Welt

 

Dr. Denis Mukwege im Bild mit Dr. h. c. Cornelia Füllkrug-Weitzel

© Frank Schultze / Brot für die Welt

 

 

Kategorien: Ticker

Seiten

SID Hamburg Aggregator – Ticker abonnieren