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Aktualisiert: vor 4 Stunden 58 Minuten

„Alle fürs Klima" – Statements aus der Klimaforschung

19. September 2019 - 0:00

Die Fridays-for-future-Bewegung lässt nicht locker: Unter dem Motto „Alle fürs Klima“ sind am 20. September die Menschen weltweit aufgerufen, sich an den Protestaktionen zu beteiligen – für echten Klimaschutz und eine Zukunft ohne Klimakrise. Doch haben die Proteste die Chance, wirklich etwas zu bewegen? Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am CEN und am Exzellenzcluster CLICCS bekräftigen Ihre Unterstützung für die jungen Menschen, die sich für einen Wandel in Politik und Gesellschaft einsetzen – und geben hier ihre ganz persönlichen Statements.

Foto: Mika Baumeister on Unsplash

Klartext zur Klimakrise

18. September 2019 - 11:12

Prof. Detlef Stammer, Leiter der Klimaforschung an der Universität Hamburg und des World Climate Research Programme, nimmt am Klima-Aktionsgipfel der Vereinten Nationen in New York teil. Warum ihn die Bewegung „Fridays for Future“ überrascht, warum er mehr Forschung zur Rückholung von CO2 aus der Atmosphäre fordert und gleichzeitig vor Eingriffen in das Klimasystem warnt, erklärt er im Interview.

Foto: UHH

„Wir brauchen Veränderungen, so umfassend wie die Industrielle Revolution“

18. September 2019 - 10:32
Vom 21. bis 23. September 2019 hat UN-Generalsekretär António Guterres Politikerinnen und Politiker, aber auch Forschende nach New York eingeladen. „Es wird darum gehen, wie man den weltweiten Ausstoß von Treibhausgasen in den nächsten zehn Jahren um die Hälfte reduzieren kann, denn das ist notwendig, um die Erderwärmung auf maximal zwei Grad zu beschränken“, erklärt Prof. Dr. Detlef Stammer, der Sprecher des Exzellenzclusters „Climate, Climatic Change, and Society (CliCCS)“ und Direktor des Centrums für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit (CEN) an der Universität Hamburg ist.

Foto: David Ausserhofer

Vier Fallen für die Klimakommunikation

18. September 2019 - 0:00
Die Aufmerksamkeit für das Thema Klimaschutz ist eine Chance. Doch damit die große Debatte auch zu großen Fortschritten bei der ökologischen Umgestaltung unserer Gesellschaft führt, sind einige kommunikative Hürden zu nehmen.

Foto: Bundesregierung/Kugler

Scientists for Future im Video

17. September 2019 - 14:33

"Aufruf an die Politik", so nennen die Scientists for Future ihre Stellungnahme. Im Video machen sie gemeinsam deutlich, dass die Treibhausgas-Emissionen dringend sofort reduziert werden müssen, um die Erderwärmung zu begrenzen. Mit dabei, Jürgen Scheffran vom CEN.
Das Video basiert auf Filmmaterial von 133 Wissenschaftler*innen und nimmt Bezug auf die im März von mehr als 26.000 Wissenschaftler*innen unterschriebene Stellungnahme der Scientist for Future.

Foto: S4F

Mit HALO dichter an die Wolken heran

17. September 2019 - 14:00
Heike Konow erforscht eines der größten noch bestehenden Rätsel im Klimasystem, die Wolken. Dazu erkundete sie im Team drei Jahre lang in mehreren Kampagnen den Himmel über dem Nord-Atlantik – mit dem Forschungsflugzeug HALO, das von Island und Barbados aus startete. So entstand ein gigantischer Datenschatz, den sie jetzt weltweit zur Verfügung stellt.

Foto: UHH/CEN/H. Konow

Bitte achten Sie auf Nebenwirkungen!

17. September 2019 - 0:00

Soll man den Emissionshandel vom Energie- und Industriebereich auf Verkehr und Gebäude ausdehnen, wie es Bundeskanzlerin Merkel offenbar bevorzugt, oder dafür eine CO2-Abgabe einführen? Im Streit um das richtige Mittel wird zu wenig bedacht, dass es zu den schon vorhandenen Maßnahmen und Strategien passen muss.

Die Staaten der Europäischen Union haben sich vergleichsweise anspruchsvolle Klimaschutzziele bis zur Mitte des Jahrhunderts gesetzt: Um 80 bis 95 Prozent soll der Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase gegenüber 1990 sinken. Kerninstrument zum Erreichen dieses Ziels ist das Europäische Emissionshandelssystem ETS. Darin muss für den Ausstoß jeder Tonne CO2 ein Zertifikat – eine handelbare Erlaubnis – nachgewiesen werden. Die Anzahl der Zertifikate und damit das Emissionsvolumen ist durch eine Obergrenze gedeckelt, die schrittweise reduziert wird. Durch den Handel mit den Zertifikaten wird erreicht, dass Treibhausgase dort eingespart werden, wo es am günstigsten ist.

Würden wirklich alle klimaschädlichen Aktivitäten vom Emissionshandel erfasst, müssten wir uns über das Erreichen der Klimaziele – die entsprechende Senkung der Obergrenze vorausgesetzt – eigentlich keine weiteren Gedanken machen. Werden sie aber nicht. Während beispielsweise die Stromerzeugung und Teile der Industrie darunterfallen, blieben so wesentliche Bereiche wie Verkehr, Gebäude und Landwirtschaft außen vor. Das hatte zunächst ganz praktische Gründe, denn in diesen Bereichen sind die Verursacher mehrheitlich keine Großunternehmen, sondern kleinteilige Akteure wie Autofahrer oder Einfamilienhausbesitzer.

Streit um das richtige Instrument

Dennoch stammt aus diesen Bereichen immerhin mehr als die Hälfte des gesamten Treibhausgasausstoßes. Dass hier umgehend angesetzt werden muss, um die selbstgesteckten Klimaschutzziele zu erreichen, ist Konsens. Aber wie? Genau darum geht es beim geplanten Klimaschutzgesetz. Nach der Europawahl machte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) Druck, hier konkret zu werden. Begleitet von einem breiten medialen Echo wird seitdem besonders um die vorgeschlagene "CO2-Steuer" gestritten.

Dabei soll für den Ausstoß jeder Tonne CO2 eine Steuer oder Abgabe anfallen, was die Verbrennung fossiler Energieträger wie Benzin, Diesel, Heizöl oder Erdgas teurer machen würde. Dadurch sollen Menschen dazu gebracht werden, weniger davon zu verbrauchen und stattdessen Alternativen wie Elektroautos oder effizientere Heizungen zu nutzen.

Der Bundestag ist uneins. Während die AfD bekanntlich jeglichen Handlungsbedarf anzweifelt, befürworten SPD, Grüne und Linke die Steuer weitgehend – geeignete soziale Ausgleichsmaßnahmen vorausgesetzt. Die FDP spricht sich stattdessen für eine Ausweitung des EU-Emissionshandels aus. Die Position der Union war bisher uneinheitlich mit Hang zum FDP-Vorschlag.

In dieser Woche hatte sich zunächst die CSU für einen nationalen Zertifikatehandel ausgesprochen. Medienberichten zufolge verabschiedete die Unions-Fraktionsspitze dann am Mittwoch ein Papier, in dem ein Zertifikatehandel bevorzugt wird, gegebenenfalls zunächst nur in Deutschland. Bundeskanzlerin Angela Merkel habe zuvor erstmals klar für einen Emissionshandel plädiert. Der nationale CO2-Handel könnte dann an das europäische System angeschlossen werden.

Johannes Jarke-Neuert forscht zu Ressourcenmanagement und Umwelt- und Klimaschutz. Foto: privat

Emissionshandel macht Elektrifizierung wirkungslos

Erstaunlich ist an der Debatte um die CO2-Bepreisung, wie losgelöst sie vom Rest der nationalen und europäischen Klimaschutzstrategien geführt wird. Diese sehen einen umfangreichen Katalog weiterer Maßnahmen in den besagten Bereichen vor. Auch der Entwurf für das Klimaschutzgesetz spricht von einem "Maßnahmenprogramm".

Exemplarisch sei hier die mit Nachdruck vorangetriebene Elektrifizierung der Bereiche Verkehr und Gebäude hervorgehoben. Diese ist deswegen so wichtig, da erneuerbare Energien in der Regel nur in Form von Elektrizität nutzbar gemacht werden können. So leisten beispielsweise die Förderung der Elektromobilität oder strombasierter Brennstoffe und Wärmespeicher laut Bundesregierung "wichtige Beiträge zum Klimaschutz".

Die tatsächliche Klimaschutzwirkung dieser Maßnahmen hängt jedoch wesentlich von der Art des CO2-Bepreisungsinstruments ab, wie der Autor kürzlich zusammen mit seinem Kollegen Grischa Perino auf der EAERE-Jahrestagung der europäischen Umwelt- und Ressourcenökonomen in Manchester dargelegt hat.

Würde man dem Ansatz einer Ausweitung des Emissionshandels folgen, dann würden die Maßnahmen klimapolitisch wirkungslos, da die Bereiche Verkehr und Gebäude dann unter die Obergrenze des Emissionshandels fielen. Mehr Elektroautos sorgen dann lediglich für einen "Luftmatratzeneffekt": Druck an einer Stelle bewegt die Luft in der Matratze an eine andere Stelle, ohne aber die Luftmenge in der Matratze insgesamt zu verändern.

CO2-Steuer lässt sich in bestehende Klimastrategie einbetten

Würde hingegen der Umfang des bestehenden Emissionshandels beibehalten und in den verbleibenden Bereichen – darunter Verkehr, Gebäude und Landwirtschaft – eine CO2-Steuer (oder CO2-Abgabe) eingeführt, dann bliebe die Wirksamkeit weiterer Maßnahmen in diesen Bereichen intakt.

Das liegt schlicht daran, dass die Emissionen dort variabel blieben, statt durch eine Obergrenze gedeckelt zu sein. Wird also ein Benziner durch ein Elektroauto ersetzt, dann wird dadurch tatsächlich CO2 in der Atmosphäre vermieden, unabhängig davon – und das ist der Clou – wie viel Strom das Elektroauto verbraucht und wie dieser Strom hergestellt wird.

Wie kann das sein? Nun, die Stromerzeuger unterliegen dem Emissionshandel und dort greift die Obergrenze: Wird mehr Strom nachgefragt, dann müssen die Erzeuger diese Nachfrage entweder durch Ökostrom bedienen oder Zertifikate hinzukaufen, die beim Verkäufer entsprechende CO2-Einsparungen erfordern. In Konsequenz ist jede in den Akku eines Elektrofahrzeugs fließende Kilowattstunde Strom effektiv CO2-neutral.

Die CO2-Steuer verträgt sich also besser mit weiteren klimapolitischen Maßnahmen – wie der Förderung der Elektromobilität – als der Emissionshandel. Das heißt jedoch nicht, dass die Steuer grundsätzlich das bessere Instrument ist.

Die Qual der Wahl

Der Emissionshandel hat prinzipiell Stärken in der Steuerbarkeit und der politischen Transparenz. Er macht jedoch jede weitere Maßnahme – einschließlich freiwilliger Anstrengungen des Einzelnen – wirkungslos. Konsequenterweise liest sich der Vorschlag der FDP eben als Fundamentalansatz: universeller Emissionshandel, alles Weitere streichen!

Es drängt sich dennoch die Frage auf, wie realistisch eine so grundsätzliche Reform der Klimapolitik in Europa ist und ob wir es uns leisten können, darauf zu warten. Auch wenn die CO2-Steuer vielleicht nicht das prinzipiell erstbeste Instrument ist, so ließe sie sich zumindest relativ einfach und zügig in die bestehende klimapolitische Maßnahmenlandschaft einbetten.

In einer von inzwischen rund 1.500 Wirtschaftswissenschaftlern unterzeichneten Stellungnahme des Umwelt- und Ressourcenökonomenverbands EAERE zur CO2-Bepreisung ist genau dies bedacht worden. "Der globale Klimawandel ist ein ernsthaftes Problem, das sofortige und ehrgeizige Maßnahmen erfordert", heißt es darin. "Parallel zum EU-Emissionshandelssystem sollte eine CO2-Steuer eingeführt werden, um die Treibhausgasemissionen in den Bereichen Verkehr und Wohnen zu reduzieren."

Foto: unsplash - chuttersnap

Videointerview: "Der Ozean hat das lange Gedächtnis"

12. September 2019 - 8:00
Am 25.09. erscheint der Bericht des Weltklimarats IPCC zu Ozean und Kryosphäre in einem sich wandelnden Klima (SROCC). Vorab hat CEN Direktor Detlef Stammer die wichtigsten Fragen zum Anstieg des Meeresspiegels beantwortet.

Foto: DKK

Ressourcen teilen – das Leben an Methanquellen der Urzeit

11. September 2019 - 0:00
Das erste Leben auf der Erde basierte auf Chemosynthese. Es nutzt dabei die Energie aus chemischen Verbindungen, um Biomasse aufzubauen. Professor Jörn Peckmann vom Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit (CEN) der Universität Hamburg und Dr. Steffen Kiel vom Schwedischen Naturkundemuseum in Stockholm untersuchten die fossilen Ablagerungen von Armfüßern, so genannten Brachiopoden, an urzeitlichen Methanquellen der Tiefsee. Erstmals können sie zeigen, wie Muscheln und Brachiopoden sich die Ressourcen an den Quellen geteilt haben.

Forschungsschiff SONNE steuert kaum bekannte Korallenriffe an

4. September 2019 - 13:26
Das deutsche Forschungsschiff SONNE startet am 6. September 2019 eine zweimonatige Expedition. Der Geologe Dr. Sebastian Lindhorst vom Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit der Universität Hamburg leitet die Fahrt. Ihr Ziel ist ein unter der Wasseroberfläche gelegenes System von Korallenriffen im Indischen Ozean, das so groß wie die Schweiz ist. Wegen seiner isolierten Lage wurde es bisher kaum untersucht.

Foto: M. Hartig/Meyer Werft

Forschungsschiff SONNE steuert kaum bekannte Korallenriffe an

4. September 2019 - 0:00

Das deutsche Forschungsschiff SONNE startet am 6. September 2019 eine zweimonatige Expedition. Der Geologe Dr. Sebastian Lindhorst vom Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit der Universität Hamburg leitet die Fahrt. Ihr Ziel ist ein unter der Wasseroberfläche gelegenes System von Korallenriffen im Indischen Ozean, das so groß wie die Schweiz ist. Wegen seiner isolierten Lage wurde es bisher kaum untersucht.

Die Saya de Malha-Plattform steigt vom 2000 Meter tiefen Meeresgrund bis knapp unter die Meeresoberfläche auf. Sie liegt zwischen Mauritius und den Seychellen, mitten im Fluss der gewaltigen Südäquatorialströmung. Ein hoher Nährstoffgehalt und die Strömung machen die Riffe zu einem Nahrungsparadies für Fische und Wale. Gleichzeitig gedeihen hier prächtige Korallen.

„Wir möchten wissen, wie sich die Wassermassen aus dem Süden mit dem nährstoffreichen Wasserstrom aus dem Norden mischen und wie sich das auf die Bildung der Riffe auswirkt“, sagt Expeditionsleiter Dr. Sebastian Lindhorst. „Wahrscheinlich beeinflussen sowohl Meeresspiegelschwankungen als auch die Strömungen ihre Entwicklung, lassen sie wachsen oder schrumpfen.“

An der Expedition sind 40 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beteiligt, unter anderem von der Universität Hamburg und dem Helmholtz-Zentrum Geesthacht (HZG). Sie gehen in Hongkong an Bord, von dort dauert die Reise zur Saya de Malha-Plattform gute zwei Wochen. Vor Ort erforschen sie auch den Einfluss des Klimawandels auf die Korallenriffe. Denn die Ozeane nehmen etwa ein Viertel des vom Menschen produzierten CO2 auf. Dadurch sinkt ihr pH-Wert, sie werden saurer. Korallen reagieren auf solche Veränderungen besonders empfindlich.

Zum ersten Mal wird die wissenschaftliche Crew auch den Weg bestimmter Mikroplastikteilchen und Schadstoffe von China bis zu den Riffen verfolgen. Sie wollen herausfinden, wie diese im Ozean treiben und wo sie verbleiben.

Die Forschenden interessieren sich für die Gegenwart und Zukunft – und auch für die Vergangenheit. Sie werden rund um die Uhr Salzgehalt und Temperatur des Meerwassers messen und Nährstoffe, Schadstoffe und Ablagerungen am Meeresboden untersuchen. Letztere erlauben Rückschlüsse auf das Klima der Vergangenheit, erklärt Professor Kay-Christian Emeis vom HZG: „Wir ziehen Bohrkerne aus den Sedimenten und können so bis zu 200.000 Jahre in die Vergangenheit schauen. Die Ablagerungen sind wahre Klimaarchive, aus denen wir neue Erkenntnisse über das Monsunsystem und seine Entwicklungsgeschichte in der Region erhalten.“

Die Forschungsreise der SONNE wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert.

Zusatzmaterial: Forschungsschiff SONNE im Hafen von Hongkong: https://cutt.ly/Awng37D

Bildunterschrift: Forschungsschiff SONNE kurz vor Expeditionsbeginn im Hafen von Hongkong. Bildnachweis: Thomas Wasilewski/Uni Hamburg/CEN

Pressebild Meeresschildkröte: http://uhh.de/cen-meeresschildkroete

Bildunterschrift: Grüne Meeresschildkröten finden im flachen Wasser der Saya de Malha Bank reichlich Nahrung. Bildnachweis: Hanjoung Choi on Unsplash

Pressebilder Forschungsschiff SONNE: https://www.ldf.uni-hamburg.de/sonne/presse-sonne/bildarchiv-seite.html Virtueller 360-Grad-Rundgang über die SONNE, einem der modernsten Forschungsschiffe der Welt:

https://www.wissenschaftsjahr.de/2016-17/das-wissenschaftsjahr/die-forschungsflotte/360-grad-tour-der-sonne.html

Blog zur Ausfahrt: https://mascara.blogs.uni-hamburg.de


Pressemitteilung als PDF

Foto: M. Hartig/Meyer Werft

Simulationen decken Ursache von „überraschendem“ Tsunami 2018 auf Sulawesi auf

3. September 2019 - 0:00

Auf Sulawesi richtete ein Tsunami 2018 verheerende Schäden an. Detaillierte Simulationen zeigen, wie die Erde zuvor bebte und mit einer Abschiebungsbewegung an der Bruchkante die Flutwelle hatte entstehen lassen. Beteiligt war auch Jörn Behrens vom Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit der Universität Hamburg und Experte für Tsunami-Modellierung und -Frühwarnung.

Erst das Beben, dann der Tsunami: Die Katastrophe auf der Insel Sulawesi, Indonesien, im September 2018 kostete mehr als 4000 Menschen das Leben, mehr als 14.000 wurden verletzt; die Erdstöße und mehr noch die Flutwelle verwüsteten die Region rund um die Bucht von Palu. Auf den Inseln Indonesiens bebt regelmäßig die Erde. Schließlich liegt der Staat in einer der seismisch aktivsten Regionen der Erde, nahe der Bruchkante zweier Kontinentalplatten, dort, wo sich die Australische unter die Eurasische Platte schiebt. Die dabei entstehenden Spannungen führen häufig zu Erdbeben.

Visualisierung des modellierten gekoppelten Erdbebens und Tsunami in der Bucht von Palu, Sulawesi, Indonesien vom Oktober 2018 (aus Ulrich et al., 2019). Links: Seismische Wellen, die erzeugt werden, während sich das Erdbeben in Richtung Süden 'superschnell' ausbreitet. Warme Farben = höhere Bewegungen entlang der geologischen Verwerfungen + höhere Bodenerschütterungen (Momentaufnahme nach 15 Sekunden Erdbebensimulationszeit). Rechts: Die Bewegungen des Erdbebens unter der badewannenförmigen Palu-Bucht erzeugen einen "überraschenden" Tsunami (Momentaufnahme der Wasserwellen nach 20 Sekunden Simulationszeit des Tsunami-Szenarios).

Doch eines gab der Forschung Rätsel auf: Wie hatte dem Beben ein Tsunami folgen können? Das Beben mit dem Epizentrum an Land hatte zu horizontalen Verwerfungen des Bodens geführt. Für einen Tsunami aber, eine große Flutwelle, braucht es eine vertikale Bewegung. Was also hatte die Wassermassen nach unten gezogen oder nach oben gedrückt, so dass die riesige Welle hatte entstehen können?

Ein Team von Geologen, Geophysikern und Mathematikern um Thomas Ulrich am Institut für Geophysik der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) hat nun mit gekoppelten Erdbeben-Tsunami-Modellen das Beben und die Flut detailliert simuliert. Damit rekonstruierten sie, welche Dynamiken an jenem Septembertag die Erdkruste vor allem auch unter der engen Meeresbucht, der Palu Bay, im Norden Sulawesis erschüttert haben.

Professor Jörn Behrens und Stefan Vater (inzwischen FU Berlin) entwickelten am CEN der Universität Hamburg die hochauflösende und effiziente Simulation der Tsunami-Wellen und Überflutungen vor Ort. „Mit unserer Simulation sowie den langjährigen Erfahrungen in der Tsunami-Simulation speziell in Indonesien konnten wir die Katastrophensituation an den Küstenlinien gut wiedergeben – ein wichtiger Baustein zur Lösung des Rätsels“, sagt Jörn Behrens. Die Simulationen liefen auf einem Höchstleistungsrechner am Leibniz-Rechenzentrum in Garching, beteiligt waren außerdem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Pasadena, USA, sowie von den Universitäten Berlin (FU), Utrecht, Brasilia und Zürich.

Die Studie zeigt, dass die durch das Erbeben hervorgerufenen Bewegungen des Meeresbodens unter der Palu Bay den Tsunami hatten auslösen können. Erdrutsche an den steilen Hängen der Bucht, wie zunächst vermutet, spielten dabei eine untergeordnete Rolle, sagt Alice-Agnes Gabriel, Geophysikerin und Mitautorin der Studie. Die Forscher fanden heraus, dass sich der Meeresgrund unter der Bay entlang einer Bruchkante mit einer schnellen Reißbewegung nicht nur seitwärts verschoben, sondern auch gehoben und abgesenkt hatte, um etwa 1,5 Meter im Schnitt. Begünstigt habe das auch die komplizierte Tektonik unter der Palu Bay. „Wie in einer Art Badewanne muss sich die dadurch ausgelöste Flutwelle in der engen Bucht aufgetürmt haben“, sagt Gabriel.

Erstautor Thomas Ulrich betont: „Der Befund, dass die Verwerfungen durch das Erdbeben die entscheidende Rolle für die Entstehung des Tsunami an der Palu Bay gespielt haben, ist durchaus überraschend. Wir hoffen, dass unsere Studie dazu beiträgt, die tektonischen Verhältnisse und die Erdbebendynamik genauer zu verstehen, die in ähnlichen Verwerfungszonen lokale Tsunamis begünstigen könnten.“ Zu den Regionen, die in dieser Hinsicht vergleichbar seien, rechnen die Forscher beispielsweise die Bodega Bay und die Tomales Bay in Nordkalifornien.

Foto: Tony Webster

Wer Bilder von der Arktis sieht, kann den Wandel nicht leugnen

2. September 2019 - 0:00
Aktuell werden mehrere Professuren in den Geowissenschaften neu besetzt – auch mit Mitteln aus der Exzellenzstrategie. Hier stellen wir die neuen Kolleginnen und Kollegen vor. Heute: Dirk Notz

Foto: K. Saint Pere

Klimarettung auf dem Einkaufszettel

30. August 2019 - 0:00

Fleisch oder Gemüse? Dose oder unverpackt? Wir können bei der Ernährung aus schier endlosen Angeboten wählen. Doch wie treffen wir unsere Kaufentscheidung und welche Rolle spielt Nachhaltigkeit dabei?   

Im Rahmen des Forschungsprojektes „Sustainable Lives: Food Choices as Politics and Lifestyle“ analysiere ich mit meiner Kollegin Imke Hoppe am Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit (CEN) der Universität Hamburg die Debatten über nachhaltige Ernährung in sozialen Netzwerken. Dazu haben wir einen Monat lang die Beiträge und Kommentare auf den Facebook-Seiten der jeweils größten Supermärkte in Deutschland, Großbritannien, USA, Kanada und Südafrika ausgewertet.  

Prof. Dr. Katharina Kleinen-von Königslöw forscht zu digitaler Kommunikation und Nachhaltigkeit. Foto: UHH/CEN

Die Analyse zeigt, was den Menschen bei der Ernährung wichtig ist und welche Bedeutung das Thema in ihrem sozialen Umfeld hat. Dabei interessiert uns vor allem, inwieweit Konsumentinnen und Konsumenten einen Bezug zwischen ihrer Ernährung und Nachhaltigkeit herstellen und damit zu einer verantwortungsvollen Nutzung der wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Ressourcen.

Die ersten Ergebnisse zeigen: Deutsche und Briten diskutieren am intensivsten über nachhaltige Aspekte der Ernährung. In Deutschland haben wir die Facebook-Diskussionen der Supermarktkette Edeka und des Bio-Supermarktes Alnatura unter die Lupe genommen. Während sich bei Alnatura Umweltexpertinnen und -experten mitunter einen regelrechten Wettstreit liefern und ihre Beiträge mit vielfältigen Quellen belegen, bleibt die Diskussion auf der Edeka-Seite etwas allgemeiner. Aber auch hier wird in den Kommentaren kritisch auf die Verantwortung des Supermarktes und seiner Kundinnen und Kunden verwiesen – zum Beispiel bei Umweltproblemen, ausgelöst durch die Palmölindustrie oder Plastikmüll. Darüber hinaus werden Fragen der sozialen Ausgrenzung angesprochen: Ist das Kaufen von Biolebensmitteln ein Luxus nur für Gutverdienende?

Das Thema Plastikmüll dominiert auch in Großbritannien die Online-Diskussionen auf den Seiten des Supermarktes Tesco. Die Briten konsumieren zwar viermal mehr verpackte als unverpackte frische Lebensmittel, viele sind sich jedoch der daraus resultierenden Probleme bewusst und fordern ihre Supermärkte auf, Plastikverpackungen abzuschaffen.

In den USA und Kanada sind die Debatten auf den Facebook-Seiten der Supermärkte Loblaws und Kroger weitaus weniger politisch. In Kanada ist Nachhaltigkeit in nur sechs Prozent der Kommentare ein Thema. In beiden Ländern erzählen Kunden vielmehr persönliche Erlebnisse zu Kaufentscheidungen oder Gesundheit. Die große Bedeutung des Essens für traditionelle Feste wie Thanksgiving wird ebenfalls häufig besprochen. Fleischkonsum ist in beiden Ländern ein wichtiger Teil dieser Traditionen – und wird nur selten kritisch hinterfragt.

Auch in Südafrika sprechen Kundinnen und Kunden des Supermarktes Shoprite wenig über Nachhaltigkeit. Nur in etwa fünf Prozent der Beiträge nehmen sie Bezug dazu. An oberster Stelle steht das Preis-Leistungs-Verhältnis. Dennoch gibt es Menschen, die nach Alternativen suchen. Beispielsweise tauschen sich Menschen auf der Facebook-Seite eines südafrikanischen Bio-Wochenmarktes zu alternativen Ernährungsweisen und zu regionalen Lösungen abseits der globalen Lebensmittelindustrie aus.

Obwohl in den untersuchten Ländern unterschiedlich intensiv über Nachhaltigkeit diskutiert wird, stellen soziale Netzwerke eine wichtige und niedrigschwellige Plattform dar, um Menschen für eine nachhaltige Ernährungsweise zu motivieren. Das wissen auch Influencer und Multiplikatoren aus diesem Bereich. Sie spielen eine zentrale Rolle, um das Bewusstsein auf Umweltthemen zu lenken. Auf Youtube, Instagram und in zahlreichen Blogs leben sie neue Werte vor und inspirieren Menschen zu einem umweltbewussteren Leben.

Foto: Unsplash - Maddi Bazzocco

Risiko für Küsten: Höhere Wellen durch Klimawandel

28. August 2019 - 13:05

Wie werden sich weltweit die Wellen durch den Klimawandel ändern? Wenn es gelingt, die globale Erderwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen, würden die Veränderungen wahrscheinlich im Rahmen der natürlichen Klimaschwankungen bleiben. Dies hat ein internationales Forscherteam jetzt im Fachmagazin Nature Climate Change veröffentlicht. Falls jedoch die Emissionen von Treibhausgasen nicht drastisch reduziert werden, sind fast 50 Prozent der Küsten weltweit von veränderten Wellen bedroht. Dr. Mikhail Dobrynin vom Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit (CEN) der Universität Hamburg war maßgeblich an der Studie beteiligt.

Die Wellen können sich demnach deutlich in ihrer Höhe, Periode und Richtung ändern, wenn das Zwei-Grad-Ziel überschritten wird. Die Südküste Australiens gehört zum Beispiel zu den Gebieten, die von höheren Wellen betroffen wären. Das Forschungsteam hat dafür bestehende, multimethodische globale Prognosen zur Veränderung von Wellen durch den Klimawandel analysiert.

Das so genannte „Wellen-Klima“ beschreibt dabei die Eigenschaften von Wellen im Ozean sowie ihr natürliches zeitliches und räumliches Auftreten weltweit. Die drei bestimmenden Größen sind dabei Wellenhöhe, Wellenperiode und Wellenrichtung.

Für ein Szenario mit hohen Emissionen haben der Leitautor Joao Morim von der Griffith University in Australien und sein Team jetzt gezeigt, dass sich die durchschnittliche jährliche Wellenhöhe und die Wellenperiode (um fünf bis 15 Prozent) sowie die durchschnittliche Richtung (um fünf bis 15 Grad) in ausgedehnten Regionen erheblich verändern würden. Für rund die Hälfte aller Küstenregionen weltweit stimmen darin alle untersuchten Prognosen überein. An 40 Prozent der Küstenlinien werden sich sogar zwei oder alle drei Parameter ändern. Für die Studie wurden zahlreiche Projektionen für den Zeitraum von 2081 bis 2100 untersucht und mit dem heutigen Klima verglichen, um die Unterschiede zu quantifizieren.

„Eine wichtige Voraussetzung für unsere Ergebnisse war, dass wir die große Menge an Daten, die wir dafür benötigt haben, koordiniert produziert und analysiert haben“, sagt Mikhail Dobrynin vom CEN. Im Rahmen des Coordinated Ocean Wave Climate Projekts haben sich insgesamt zehn internationale Forscherteams, die verschiedene Wellenmodelle benutzen, auf eine identische Arbeitsweise geeinigt, um die Ergebnisse mehrerer Klimamodelle zu verschiedenen Klimaszenarien direkt vergleichen zu können.

„Obwohl die Studien Unterschiede vorweisen, können wir zeigen, dass die Änderungen der Wellen wahrscheinlich im Rahmen der natürlichen Schwankungen bleiben werden, wenn das Zwei-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens erreicht wird“, sagt Joao Morim.

Werden dagegen die Treibhausgase weiter wie bisher emittiert, wird rund die Hälfte der Küsten weltweit von Wellenänderungen in Höhe, Periode oder Richtung betroffen sein. Die Veränderungen variieren regional stark. Die regionalen Unterschiede in Höhen- und Längenänderung belaufen sich auf bis zu zehn Prozent bzw. fünf Prozent, die Richtungsänderung kann regional um 17 Grad vom Durchschnitt abweichen.

Die Höhe der Wellen wird sich an knapp fünf Prozent der Küsten ändern, darunter die Südküste Australiens und Abschnitte der Pazifikküste in Süd- und Zentralamerika. In Regionen wo sich nur die Wellenlänge oder Wellenperiode ändert, wird die Küste und die dortige Infrastruktur starken Kräften ausgesetzt sein. Hier könnten die Wellen höher auflaufen als bisher, Überschwemmungen würden damit wahrscheinlicher. Ähnlich würde eine Richtungsänderung der Wellen, die an rund 20 Prozent der Küsten weltweit auftreten wird, den Transport von Sedimenten entlang der Küste verändern.

 

Foto: UHH/CEN/T.Wasilewski

Worum geht es beim IPCC-Bericht über Ozean und Kryosphäre?

28. August 2019 - 0:00
Im Vorfeld des neuen Sonderberichts des Weltklimarats IPCC erklärten Expertinnen und Experten beim Pressegespräch des Deutschen Klima-Konsortiums und des Konsortiums Deutsche Meeresforschung die wissenschaftlichen Hintergründe. Sie legten mit Blick auf den aktuellen Forschungsstand dar, wie deutlich sich der Klimawandel bereits im Ozean und der Kryosphäre zeigt und welch elementare Rolle diese Veränderungen in Zukunft für Menschen auf der ganzen Welt spielen werden.

Foto: pexels.com/Evonics

Warum Angst und Aktionismus die falschen Ratgeber im Kampf gegen den Klimawandel sind

26. August 2019 - 0:00

Die Debatte um das Ausmaß des menschgemachten Klimawandels ist nicht neu. Seit Ende der 1980er Jahre wird das Problem international verhandelt, und die Klimaforschung hatte schon Jahre zuvor vor drohender Erderwärmung und steigendem Meeresspiegel gewarnt. In den letzten Monaten aber ist das Interesse an diesem Thema nochmals gestiegen. Die eigenen Erfahrungen der Hitzesommer haben die Menschen ebenso aufgerüttelt wie jüngste Studien, so zum beschleunigten Rückgang des Meereises in der Arktis. Viele Menschen haben inzwischen einen Eindruck davon bekommen, was der Klimawandel konkret bedeuten könnte. Durch die Fridays for Future-Bewegung ist in vielen Ländern politischer Druck auf die Regierungen entstanden, Klimaschutz ernsthaft anzugehen. Doch welche gesellschaftlichen Voraussetzungen müssten eigentlich erfüllt sein, damit wir uns dieser Aufgabe wirklich widmen können?

Um darauf eine Antwort geben zu können, muss man  sich zunächst die Größe und die Langfristigkeit des Problems klarmachen. Wer die Dimensionen des Problems unterschätzt, wird schwerlich angemessen reagieren. Das Abkommen von Paris aus dem Jahr 2015 formuliert als Ziel, die Erderwärmung auf möglichst 1,5 Grad, höchstens aber zwei Grad zu begrenzen. Dafür müsste die Menschheit in diesem Jahrhundert ihren CO2-Ausstoß auf Null reduzieren. Da das dominante Wirtschaftsmodell auf der Verbrennung fossiler Energieträger und fortgesetztem Wachstum beruht, würde das eine gesellschaftliche Transformation bisher nicht gekannten Ausmaßes erfordern.

Die Umsetzung der Pariser Klimaziele erfordert langfristige Infrastrukturentscheidungen für Industrie, Landwirtschaft und Verkehr. Regierungen und Verwaltungen müssen schwierige Abwägungen treffen. Es geht nicht nur um technologischen Wandel, sondern auch um gravierende Umstellungen der gesellschaftlichen Institutionen und um weitgehende Veränderungen unserer Lebensweisen. Unsere derzeitige politische Verfasstheit erschwert das. So ist die demokratische Grundordnung in Deutschland stärker darauf ausgerichtet, individuelle Freiheitsrechte (inklusive Konsum) zu schützen als darauf, die Durchführung von Gemeinschaftsaufgaben zu ermöglichen. Außerdem handelt es sich beim Klimaschutz um eine globale Aufgabe, der keine durchsetzungsfähige Legislative oder Exekutive auf globaler Ebene gegenüber steht – wir haben keine Weltregierung.

Es gibt für diese Transformation zudem keine Vorbilder. Zwar kam es in der Geschichte der Menschheit immer wieder zu gewaltigen gesellschaftlichen Umwälzungen wie der industriellen Revolution. Aber diese Umwälzungen sind nicht intentional und zielgerichtet erfolgt und sie haben gerade zu den „Nebenfolgen“ geführt, denen wir heute das Klimaproblem verdanken. Am nächsten kommen der erforderlichen Transformation vermutlich die Erfolge der Arbeiterbewegung. Über viele Jahrzehnte hat sie Mindeststandards bei Bezahlung, Arbeitssicherheit und sozialer Absicherung erkämpft. Doch auch dabei handelte es sich um einen langfristigen Prozess, der immer wieder von Rückschlägen begleitet wurde. Zudem waren diese Fortschritte weitgehend auf die Industrieländer beschränkt. Das Klimaproblem ist darüber hinaus  noch einmal um Größenordnungen anspruchsvoller.

In dieser Ausgangslage stellt sich die Frage, welche Voraussetzungen für den Kampf gegen die Erderwärmung förderlich sind und welche nicht.

Vielen Menschen machen die immer neuen Hinweise auf die Folgen der Erwärmung Angst. Sie fühlen sich dem Problem hilflos ausgeliefert. Angst ist vielleicht im ersten Moment ein gutes Mittel, um ernsthaft auf ein Problem aufmerksam zu machen. Aber ein Problem wie der globale Klimawandel erfordert eine unaufgeregte Analyse, in der wir unsere Fähigkeit des Denkens unbeeinträchtigt einsetzen können. Viele meinen zwar, es sei schon genug analysiert worden und wir sollten nun zum Handeln übergehen – übersehen dabei aber, dass wir gerade beim Verständnis der gesellschaftlichen Voraussetzungen für eine gelingende Umsetzung noch ganz am Anfang sind.

Es gibt nicht die eine Lösung, weder technologisch noch finanztechnisch, auf die wir uns schnell einigen könnten. Konflikte über die Auswahl bestimmter Lösungen und über die Art der Umsetzung sind der Normalfall. Die gleiche Lösung wird zum Beispiel nicht in an jedem Ort gleich gut funktionieren. Und vor allem: Lösungen schaffen immer auch neue Probleme, die oft nicht von vornherein abzusehen sind. Jede größere Maßnahme zum Klimaschutz bringt auch nicht-intendierte Folgen mit sich. Klar ist aber: Wir brauchen auf jeden Fall weniger Hysterie. Angst führt zu Kurzschlusshandlungen, wir aber brauchen langfristig wirksame Orientierungen. Angst führt außerdem zu Moralisierung und Schwarz-Weiß-Denken. Dadurch wird die eigene Strategiefähigkeit deutlich verringert. Moralisierung vermindert zudem die Fähigkeit, Konflikte friedlich auszutragen und tragfähige Kompromisse zu finden.

Es ist wichtig, zwischen Aktivismus und Aktionismus zu unterscheiden. Aktivismus bedeutet, sich für bestimmte Ziele aktiv einzusetzen. Aktionismus hingegen hält uns beschäftigt, ohne dass wir bei der Bewältigung von Problemen tatsächlich vorankommen. Aktionismus ersetzt strategische Handlungen, das Tun wird zum Selbstzweck. Das Potential für strategisches Handeln gerät aus dem Blick. Nichts ist dagegen einzuwenden, dass viele Menschen jeden Tag im Kleinen Klimaschutz betreiben. Die Dimensionen des Klimaproblems erfordern aber größere strukturelle Veränderungen.

Um den Klimaschutz insgesamt voranzubringen, müssen wir drei Dinge beherzigen:

Erstens müssen wir anerkennen, dass es sich nicht einfach um ein technologisch zu lösendes Problem handelt. Klimaschutz bedeutet letztlich gesellschaftliche Veränderungen, die notwendigerweise konflikthaft sind, weil wir in einer pluralistischen Gesellschaft leben. Konflikte sollten daher als etwas Normales und Produktives angesehen werden. Was wir brauchen, sind gute Formen des Konfliktaustragens.

Zweitens sollten wir viel stärker mit verschiedenen Lösungen experimentieren, um in der Praxis herauszufinden, was wo wirklich gut funktioniert. Diese Experimente sollten ergebnisoffen ausgewertet und im positiven Fall ausgeweitet werden. Klimaschutz sollte bei solchen Experimenten mit möglichst vielen anderen Zielen verbunden werden, die für die Menschen wichtig sind. In der Forschung zeigt sich immer wieder, dass kaum jemand allein aus Klimaschutzgründen zu einem grundlegenden Wandel bereit ist. 

Drittens müssen wir Klimaschutz so gestalten, dass eine breite gesellschaftliche Trägerschaft dafür entstehen kann. Es reicht nicht aus, auf die passive Akzeptanz der Bevölkerung zu setzen. Das wäre zudem auch nicht mit einem lebendigen Demokratieverständnis in Einklang zu bringen. Breite gesellschaftliche Trägerschaft bedeutet, dass möglichst viele Menschen von den Veränderungen profitieren können – durch neue Genossenschaftsformen, neue Geschäftsmöglichkeiten, Gemeinschaftsaktivitäten, Gewinnbeteiligungen und ähnliches.

Dies ist kein Plädoyer dafür, das Handeln auf die lange Bank zu schieben und auf Strukturwandel zu hoffen, statt selber etwas zu tun. Es ist ein Plädoyer dafür, die Möglichkeiten für strategisches Handeln permanent auszuweiten und zu verbessern. Keiner hindert uns daran, sofort damit anzufangen.

Foto: CC/wikipedia

Artenvielfalt schwindet schneller als bislang angenommen

7. August 2019 - 14:09
Die Zerstörung wichtiger Lebensräume für Pflanzen und Tiere weltweit schreitet noch schneller und in größerem Ausmaß voran als bislang angenommen. Das zeigt die neue Untersuchung eines internationalen Forschungsteams, an dem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Hamburg beteiligt sind. Die Forschenden haben Prognosen für 33 artenreiche und gleichzeitig besonders bedrohte Gebiete weltweit erstellt, für die sogenannten „Hotspots“ der Biodiversität.

Foto: Boudewijn Huysmans on Unsplash

Artenvielfalt schwindet schneller als bislang angenommen

7. August 2019 - 0:00
Die Zerstörung wichtiger Lebensräume für Pflanzen und Tiere weltweit schreitet noch schneller und in größerem Ausmaß voran als bislang angenommen. Das zeigt die neue Untersuchung eines internationalen Forschungsteams, an dem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Hamburg beteiligt sind. Die Forschenden haben Prognosen für 33 artenreiche und gleichzeitig besonders bedrohte Gebiete weltweit erstellt, für die sogenannten „Hotspots“ der Biodiversität.

Foto: Boudewijn Huysmans on Unsplash

Jung und international: klimafreundliche Business-Ideen beim „Climate-KIC“

7. August 2019 - 0:00

Frischer Wind in den altehrwürdigen Mozartsälen neben dem Uni-Hauptgebäude – und jede Menge Aktion! Mehr als 250 Studierende aus 31 Ländern, aus ganz Europa, Kanada, Hongkong, Pakistan und Taiwan, trafen sich in der vergangenen Woche in Hamburg zum „EIT Climate-KIC Journey Summit“.

Energie aus Ebbe und Flut statt klimaschädlicher Dieselgeneratoren, großflächige Begrünung und bessere Luft für unsere Städte durch Moosanstriche auf Gebäuden, CO2 aus der Weinproduktion auffangen und wiederverwerten… vier Tage lang präsentierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Ideen und Geschäftsmodelle für nachhaltige Entwicklung und eine klimafreundliche Zukunft.

Was ist möglich? Wie realisieren? Und wie wird daraus ein Geschäftsmodell? – jeweils drei Wochen hatten die Teams zuvor in europäischen Metropolen von Kopenhagen über Lissabon bis nach Riga und Košice ihre Ideen ausgearbeitet. In Hamburg mussten sie ihr Projekt dann einem Expertengremium vorstellen – professionell präsentiert und mit einem Business-Plan versehen. „Das Klimaproblem lässt sich nicht ohne Innovationen lösen“, bringt Geschäftsführerin Kirsten Dunlop das Ziel von Climate-KIC auf den Punkt. Engagement und Entrepreneurship sind ausdrücklich erwünscht!

Viel Arbeit und lange Tage für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Dennoch blieb die Stimmung auch bei mehr als 30 Grad im Schatten durchweg positiv. Für fachliche Anregung sorgten Prof. Detlef Stammer, CEN Direktor und Leiter des World Climate Research Programme, aber auch Input von Hamburger Unternehmen und Gründerinitiativen. Inspirierend auch der Beitrag von Sandrine Dixson-Declève, Präsidentin des renommierten Club of Rome. In ihrer Rede betonte sie ausdrücklich, dass ein Wandel machbar sei – und belegte dies mit Beispielen aus verschiedensten Ländern und Branchen.

Die Universität Hamburgist bereits seit 10 Jahren Mitglied des EIT European Institute of Innovation & Technology (EIT) und richtete bereits mehrmals einzelne Etappen der Climate-KIC Journey aus. In diesem Jahr übernahm sie erstmals die Organisation des abschließenden Communication Events. „Hamburg ist bekannt für seine renommierte Klimaforschung, in der wir Natur- und Gesellschaftswissenschaften verbinden“, berichtet Organisatorin Prof. Annette Eschenbach, die auch die internationale Graduiertenschule „CEN School SICSS“ leitet. „Dabei haben wir die praktische Anwendung, die Suche nach Lösungen und notwendige Entwicklungen stets mit im Blick und freuen uns, Gastgeber dieser außergewöhnlichen Veranstaltung zu sein.“

Foto: Michael Gottschalk

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