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Aktualisiert: vor 15 Stunden 25 Minuten

Neuer Aktionsflyer von Make Chocolate Fair!

17. Januar 2020 - 11:26
Immer wieder werden wir bei Veranstaltungen und Aktionen gefragt: "Welche Schokolade ist denn eigentlich wirklich fair?". Wir haben deshalb die wichtigsten Siegel für Kakao und Schokolade miteinander verglichen, damit Verbraucher*innen im "Siegel-Dschungel" den Durchblick behalten: Welche Standards garantieren Fairtrade, GEPA, NaturlandFair und Co.? Wie "nachhaltig" ist die Rainforest Alliance? Und wodurch unterscheidet sich die Schokolade von FairAfric von anderen Schokoladen? Findet es heraus in unserem Siegel-Check! Weiterhin erklärt der Flyer, welche "bittere Wahrheit" hinter dem süßen Genuss der Schokolade steckt, die wir täglich konsumieren. Denn wie viel vom Preis einer Tafel Schokolade kommt eigentlich bei den Kakaobäuerinnen und -bauern an? Außerdem wird die INKOTA-Kampagne Make Chocolate Fair! vorgestellt: Was sind ihre Ziele? Was fordert die Kampagne von den Schokoladenunternehmen? Und welchen Beitrag kann die deutsche Bundesregierung mit einem Lieferkettengesetz gegen die Missstände auf Kakaoplantagen leisten? Den neuen Aktionsflyer können Sie ab sofort im INKOTA-Webshop herunterladen oder gegen Versandkosten bestellen. Gefördert durch Brot für die Welt aus Mitteln des Kirchlichen Entwicklungsdienstes, der Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit des Landes Berlin, der Stiftung Nord-Süd-Brücken, durch Engagement Global im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), sowie der Deutschen Postcode Lotterie. Für den Inhalt dieser Publikation ist alleine INKOTA verantwortlich; die hier dargestellten Positionen geben nicht den Standpunkt der Zuwendungsgeber wieder.      
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Digitale Landwirtschaft: Gläserne Landwirte oder Lösung globaler Krisen?

14. Januar 2020 - 9:30
Die Digitalisierung verändert alle Lebens- und Arbeitsbereiche – auch die Landwirtschaft. Viele Bäuerinnen und Bauern sind offen für die Digitalisierung. Mehr und mehr gehört sie zum Alltag ihrer Arbeit. Neue Möglichkeiten der Vernetzung, Produktion, zur Organisation, zum Austausch von Informationen oder zur Vermarktung eröffnen Chancen. Gerade vor dem Hintergrund der Klima – und Biodiversitätskrise wird viel Hoffnung in die Digitalisierung der Landwirtschaft gesetzt. Mehr Effizienz durch digital gestützte Produktionsstrukturen könnten zu einer nachhaltigeren Agrarproduktion führen. Gleichzeitig sehen zivilgesellschaftliche Organisationen die Gefahr, dass Digitalisierung zu einer weiteren Industrialisierung der Landwirtschaft beiträgt und den Druck auf kleine und mittlere Betriebe noch einmal verschärft. Digitalisierung ist ein vielschichtiger Prozess, in dem große Konzerne große Interessen haben. Umso wichtiger ist es, die Digitalisierung in der Landwirtschaft aktiv zu gestalten und Leitlinien für eine nachhaltige und sozial gerechte Digitalisierung zu setzen. Während sich die internationale Agrar- und Ernährungsindustrie bei der Grünen Woche in Berlin trifft, diskutieren wir mit Ihnen und Expert*innen aus Wissenschaft, Politik und Praxis, welche Risiken und Potenziale die Digitalisierung in der Landwirtschaft birgt.
  • Was: Podiumsdiskussion
  • Wann: Dienstag, 14. Januar 2020, 19 bis 21 Uhr
  • Wo: Heinrich-Böll-Stiftung, Schumannstraße 8, Berlin
Außerdem gibt es an diesem Abend eine Prämiere: INKOTA wird erstmals ein neues Positionspapier vorstellen, welches politische Leitplanken für eine sozial gerechte und ökologisch verträgliche digitale Landwirtschaft formuliert. Dieses Papier wird von einem breiten zivilgesellschaftlichen Bündnis getragen, das sich erstmal gemeinsam hinter die darin enthaltenen Forderungen stellt. Ausgehend von den Inhalten des Positionspapiers möchten wir gemeinsam mit Ihnen folgende Fragen diskutieren: Wer hat die Hoheit über die erfassten Daten in der Landwirtschaft? Wie hoch ist der Energie- und Ressourcenverbrauch digitaler Technologien? Inwieweit trägt die Digitalisierung zum Verlust bäuerlichen Wissens bei? Welchen tatsächlichen Nutzen haben digitale Instrumente für Bauern und Bäuerinnen in unterschiedlichen Regionen der Welt? Wer hat überhaupt Zugang zu den Technologien? Wir freuen uns, dass wir für die Diskussion renommierte Expert*innen gewinnen konnten, die aus ganz unterschiedlichen Perspektiven auf das Thema blicken:
  • Key Note Speech: Dr. Alistair Fraser, University of Maynooth, Irland
  • Bernd Voß, Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL)
  • Prof. Dr. Engel Friederike Hessel, Digitalisierungsbeauftragte für das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)
  • Klaus Herbert Rolf, CLAAS / 365 FarmNet
Jetzt Positionspapier zu Digitalisierung in der Landwirtschaft herunterladen Erfahren Sie mehr zum Themenbereich Digitalisierung in der Landwirtschaft Lesen Sie die Broschüre „Blocking the Chain – Konzernmacht und Big-Data-Plattformen im globalen Ernährungssystem“ Bestellen Sie das Infoblatt Welternährung Nr. 17 „Digitalisierung“
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Wir haben die fatale Politik satt - Agrarwende jetzt!

8. Januar 2020 - 15:03
Es ist eine wichtige Tradtition für den Start in das neue Jahr: Bereits zum zehnten Mal ruft das Kampagnen-Bündnis „Wir haben es satt!“ in 2020 dazu auf, gemeinsam für eine Agrar- und Ernährungswende auf die Straße zu gehen. INKOTA ist natürlich wie immer mit dabei! Treffen Sie uns bei der Schnippeldisko, auf der Demo oder im Anschluss beim Soup & Talk in der Heinrich Böll Stiftung. Schnippeldisko 17. Januar 2020, Cabuwazi Tempelhof, Columbiadamm 84, 10965 Berlin Dieses Mal (ganz neu!) heißt es in den Cabuwazi Zirkuszelten auf dem Tempelhofer Feld hereinspaziert in die Manege! Es wird getanzt, getalkt und geschnippelt für das Klima und gegen Lebensmittelverschwendung. An dem Abend warten wieder 1,5 Tonnen krummes und ungewolltes Gemüse aus Brandenburg auf uns alle. Wie immer wird aus dem geschnippelten Gemüse eine vegane Suppe zum sofortigen Verspeisen und für die Wir haben es satt!-Demo am nächsten Tag gekocht. Groovy Musik von verschiedenen DJs und Live-Bands sorgen dafür, dass es nicht nur in Töpfen brodelt! Neben schnippeln, Essen und Tanzen gibt es auch ein inhaltliches Rahmenprogramm, zu dem INKOTA mit zwei Kurzveranstaltungen dabei ist: „Agrarökologie als Bewegung“ und „Bayer-Pestizide in Brasilien und warum es ein Lieferkettengesetz braucht“. Wir freuen uns darauf, Sie dort zu treffen! Erfahren Sie mehr zum Thema Agrarökologie Erfahren Sie mehr zum Thema Bayer und Pestizide Demo: Zehn Jahre „Wir haben es satt!“ 18. Januar 2020, INKOTA-Treffpunkt: 12 Uhr, am Starbucks vor dem Brandenburger Tor in Berlin In den letzten zehn Jahren ist eine starke Bewegung für gute Landwirtschaft und gutes Essen entstanden, die jedes Jahr aufs neue auf die Straße geht. Doch der Widerstand von Agrarlobby, Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, Bauernverband und anderen ist groß. Die diesjährige Demonstration steht ganz im Zeichen einer klima- und insektenfreundlichen Landwirtschaft, die die Bauern und Bäuerinnen mitnimmt. Auch gegen das geplante EU-MERCOSUR-Abkommen wird protestiert, das den Anbau von Gensoja in Südamerika und die Abholzung des Amazonasregenwaldes für Rinderweiden noch mehr vorantreiben könnte. Seien Sie mit uns dabei, wenn es heißt „Agrarwende anpacken“! Nach der Demo: "Soup & Talk" 18. Januar 2020, 15.30 bis 19.30 Uhr, Heinrich-Böll-Stiftung, Schumannstraße 8, Berlin In langjähriger Tradition findet im Anschluss an die Wir haben es satt!-Demo in der Heinrich-Böll-Stiftung das Format "Soup & Talk" statt - ein gemütliches Zusammenkommen zum Aufwärmen, inhaltlichen Austausch und zum Vernetzen. Hier wird sich auch INKOTA mit der Initiative Lieferkettengesetz präsentieren. Kurz und knackig werden wir vorstellen, wie Bayer in Brasilien Pestizide verkauft, deren Inhaltsstoffe in der EU längst verboten sind, und wie ein Lieferkettengesetz diese und andere unfaire Geschäftspraktiken verbieten könnte. Erfahren Sie mehr zum Themenbereich Welternährung bei INKOTA Unterzeichnen Sie die Petition für ein Lieferkettengesetz Bestellen Sie unsere Materialien zum Thema
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Emanzipation durch Nähen? Podiumsdiskussion auf der Berlin Fashion Week

8. Januar 2020 - 10:27
Bangladesch ist einer der größten Textilexporteure weltweit. Insbesondere Frauen arbeiten in den Fabriken und Sweatshops, größtenteils zu Hungerlöhnen und unter unmenschlichen Arbeitsbedinungen. Dabei setzen sie nicht nur ihre Gesundheit, sondern zum Teil auch ihr Leben aufs Spiel, wie der Einsturz der Fabrik Rana Plaza 2013 mit über 1.000 Todesopfern zeigte. Wir wollen bei der anstehenden Podiumsdiskussion aber nicht nur ein Licht auf die Ausbeutung der Arbeiterinnen werfen, sondern auch darauf welche Chancen Arbeit für Frauen in streng patrichalen Gesellschaften bietet.
  • Was: Podiumsdisskussion "Emanzipation durch Nähen" auf der Berlin Fashion Week
  • Wann: Donnerstag, 16. Januar 2020, 13:00-14:00 Uhr
  • Wo: Neonyt, Messe für nachhaltige Mode. Veranstaltungsort: Stage. Flughfafen Tempelhof, Platz der Luftbrücke 5, 12101 Berlin
  • Der Eintrit ist frei, es ist aber eine Anmeldung bei der Messe erforderlich. Hier geht es zur Anmeldung.
 Im Rahmen der Berlin Fashion Week diskutiert Anne Neumann von INKOTA mit der Hamburger Journalistin und Autorin Daniela Schröder über die Arbeitsbedingungen und Möglichkeiten, welche sich Näherinnen in Bangladesch darbieten. Daniela Schröder liest dazu im Voraus aus ihrer neusten Reportage für welche sie zwei Näherinnen aus Bangladesh zu ihrer Arbeit in eine Texilfabrik begleitete. Dadurch konnte sie aus nächster Nähe die Arbeitsbedinungen der Frauen erleben, aber auch wie sich das Selbstverständnis und das Rollenbild der Frauen durch einen Berufsalltag verändert. Die Veranstaltung wird moderiert vom Autoren Dmitrij Gawrisch. Mehr zur Kampagne für Saubere Kleidung
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Podcast: So klingt die Digitalisierung in der Landwirtschaft

7. Januar 2020 - 11:50
Die Digitalisierung ist in aller Munde und aus unserem Alltag ist sie kaum noch wegzudenken, dabei verspricht die Digitale Transformation die Lösung nahezu aller Probleme: Dem Fachkräftemangel wird durch die digitalisierte Arbeitswelt „4.0“ und künstliche Intelligenz begegnet. Die Auswirkungen des Klimawandels könne man mit „smarten digitalen Lösungen“ abbremsen oder gar umkehren und damit ganz nebenbei auch noch die Welt besser ernähren. In diesem Prozess werden die Grenzen fließender, die Grauzonen breit. Denn nicht nur die Unterscheidung zwischen realer und virtueller Welt löst sich zunehmend auf, je stärker Beruf, Freundschaften, Freizeit aber auch Beziehungen im Internet stattfinden und das Leben zu einem großen digitalen Malstrom wird, dann verschiebt sich die Perspektive und die Verantwortlichkeit ändert sich. Diese tiefgreifende Veränderung unserer Wirklichkeit und Arbeitswelt hat inzwischen auch die elementarsten Bereiche unseres Lebens erreicht: Die Lebensmittelproduktion. Wie werden wir in der Zukunft unser Essen erzeugen? Seit knapp 15 Jahren pflügt die „Digitale Revolution“ auch den Agrarsektor um - verändert Produktionsweisen, Besitzstandsverhältnisse und somit auch unsere Verbindung zum Acker, zu den Tieren und Pflanzen. Schon längst tragen Kühe digitale Bewegungsmelder und werden von Milchrobotern gemolken. Wetterdaten von Satellitenbildern werden von Computern mit Hilfe von künstlicher Intelligenz analysiert, automatisch zu Hilfe genommen, um zu entscheiden, wann Felder geerntet oder mit welchen Pestiziden sie besprüht werden. Aber was macht das mit der Landwirtschaft? Welche Folgen hat dieser Transformationsprozess für die Landwirte und unsere Lebensmittelproduktion? Wo liegen die Chancen und Risiken dieser Transformation? Der Journalist Peter Kreysler hat sich auf die Spurensuche begeben. Sie können den folgenden Text auch hören. Einfach klicken und auf Soundcloud anhören.
Peter Kreysler: „Digitale Landwirtschaft, ein großes Thema. Können Sie uns sagen, was Sie damit verbinden?“ Hubertus Paetow, DLG Vorstand: „Digitalisierung ist einerseits natürlich eine wahnsinnig faszinierende große neue Technologie, mit unendlich vielen Möglichkeiten in ganz vielen Bereichen des täglichen Lebens.“ So Hubertus Paetow, Präsident der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft. Als ich den Präsidenten der DLG an einem stürmischen Novemberabend in Berlin Mitte treffe, diskutiert er bei der Deutschen Bank mit Politikern, Agrarexperten und Lobbyisten über die Probleme mit der Düngeverordnung. „Sehen Sie, das Thema Digitalisierung der Landwirtschaft ist allgegenwärtig“, wie er lachend einräumt, denn auch das Problem der Überdüngung könnte man in Zukunft vielleicht mit Hilfe der Digitalisierung in den Griff bekommen. Peter Kreysler: „Können Sie ein paar konkrete Beispiele nennen, wo das Sinn macht?“ Hubertus Paetow: „Ein Bereich ist der ganze Bereich Erntescheidungsunterstützung, Prognosesysteme, Satelliten-Daten für bessere Düngungen. Da müssen wir zwar noch viel viel dran arbeiten, dass wir die Systeme da so konsistent hinkriegen, dass sie auch wirklich zum Erfolg führen.“ So gibt es bereits computergesteuerte Traktoren, die genau so viel Gülle ausbringen, wie auf jedem Meter eines Feldes benötigt wird. Die Informationen dazu liefert eine mit Sensoren ausgestattete Drohne, die das Feld vorher abgeflogen hat und den Nährstoffbedarf des Feldes misst. „Sicherlich, alles noch Zukunftsmusik“, räumt Paetow ein. Hubertus Paetow: „Den größten ,Drive’ haben wir im Moment bei der Automatisierung. Zum Beispiel Unkrautroboter in Reinkulturen sind eine Technologie, die ist heute verfügbar, die können Sie heute kaufen. Im Gemüseanbau laufen die ersten Systeme auch schon mehrere Jahre und sind da wirklich erfolgreich. Das ist eine Technologie, die sehe ich unmittelbar im Kommen.“ Hier könnte dann im Gemüseanbau auf Herbizide ganz verzichtet werden - geschont würde die Umwelt. Schaumschlägerei ist nicht die Sache von Paetow, lieber dämpft er heute die hohen Erwartungen und falschen Heilsversprechen. Hubertus Paetow: „Auf der anderen Seite müssen wir ein bisschen vorsichtig sein, ob wir in so einem Bereich wie Landwirtschaft nicht dann die Möglichkeiten und Potentiale digitaler Lösungen auch überschätzen. Am Ende sind es Werkzeuge, die uns bei unserer Gesamtaufgabe ständig in der Produktion, die richtige Entscheidung zu treffen, unterstützen oder eben auch Vorgänge autonom ausführen können, die ansonsten in mühevoller Handarbeit durchgeführt werden.“ Ich will genauer wissen, wie es denn um die Chancen und Risiken bei der Digitalisierung bestellt ist. In der Potsdamer Straße am Rande des Berliner Regierungsviertels wird über diese Fragen nachgedacht. Im Institut für ökologische Wirtschaftsforschung zerbrechen sich Forscher über Nutzen und Schaden der digitalen Landwirtschaft den Kopf. Steffen Lange, Institut ökologische Wirtschaftsforschung: „Mein Name ist Steffen Lange, ich bin Wirtschaftswissenschaftler und Forscher und arbeite vor allen Dingen zu nachhaltigem Wirtschaften. Digitalisierung spielt bei uns in ganz vielen Bereichen eine Rolle, im Energiebereich, im Mobilitätsbereich und eben auch im Landwirtschaftsbereich. // Wir haben gerade ein Forschungsprojekt zu Digitalisierung und Biodiversität, in dem wir untersuchen, welche Chancen und Risiken es dazu gibt.“ Peter Kreysler: „Das klingt doch ganz spannend, was haben Sie denn da rausgefunden?“ Steffen Lange: „Das Projekt läuft noch, aber was wir uns da anschauen sind neue Technologien, wie zum Beispiel Feldroboter und drohnen-basierte Systeme, und versuchen herauszubekommen, was man damit an Biodiversität fördern könnte, wenn man es denn richtig großflächig installieren würde. Das sind erst einmal Pilot-Projekte, die noch nicht breitflächig in der Praxis umgesetzt wurden. Und auf der anderen Seite schauen wir uns auch die Risiken an.“ Peter Kreysler: „Wo sehen Sie die Risiken?“ Steffen Lange: „Wenn die Digitalisierung mit einer fortwährenden Monopolisierung einhergeht, mit einer Machtkonzentration bei den Konzernen, denen die Daten gehören, dann sind das - aus ökonomischer, aber auch aus ökologischer Perspektive - eher Risiken als Chancen.“ Der Forscher Lange erklärt mir das nun etwas genauer. Zwar könnte die neue digitale Technologie es inzwischen nicht nur theoretisch ermöglichen, dass mehr unterschiedliche Pflanzensorten auf ein Feld gepflanzt werden oder aber dass Dünger und Pestizide besser abgestimmt angewendet werden, aber bisher waren das alles nur Pilotversuche. Das so genannte „Precision-Farming“, also die so beschworene „Präzisionslandwirtschaft“ würde bisher hauptsächlich für die „Ertragssteigerung“ genutzt, aber nicht, um Nachhaltigkeit zu verbessern oder um die Biodiversität zu stärken. Steffen Lange: „Das Risiko ist aus meiner Sicht, dass die Digitalisierung ganz anders genutzt wird: Dass die Monokultur bestehen bleibt, dass die Maschinen noch vergrössern könnten, dass man zwar Drohnen einsetzt, das schon, aber dass man sehr große Traktoren einsetzt und sogar noch größere und dass insbesondere die Unternehmen, die dahinterstehen, immer größer werden, weil es immer wichtiger wird, wem die Daten gehören, und dass man ohne eine große Datenanalyse eigentlich gar keine Landwirtschaft mehr betreiben kann. Und einem kleinen Bauern fällt das erst mal schwerer, weil er die finanziellen Mittel nicht hat. Und gerade geht die Tendenz dahin, dass ihm die Daten gar nicht mehr gehören und er dann auch nicht mehr die Macht darüber hat, diese Daten auszuwerten - das müsste anders sein.“ Zur Zeit bewertet der Berliner Forscher am Ende meines Gesprächs die Chancen noch skeptisch, und er fragt sich, ob in Zukunft der Nutzen der Digitalisierung auch die Nachteile überwiegen wird. Am Schluss sagt er mir noch, dass hier die Politik in die Verantwortung kommt, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Auch im globalen Süden erhofft man sich durch vermehrte Nutzung der neuen digitalen Technologien Ertragssteigerungen, wie mir Neth Daño von der ETC Group aus den Philippinen erklärt. Sie ist neuen technischen Lösungen offen gegenüber, sieht den jetzigen Trend der Digitalisierung jedoch kritisch: Neth Daño, ETC Group (Englisch): “Wir sehen wirklich nicht, wie die Digitalisierung eine Entwicklung einleiten wird, die unsere Bauern und Bäuerinnen aus Armut führen wird. Alle diejenigen, die sich keine digitalen Werkzeuge leisten können, werden noch mehr marginalisiert. 25 Prozent der Menschen in den Philippinen leben von der Landwirtschaft. Und das ist eine große Zahl arbeitender Menschen, die dann ihren Job in diesem Sektor verlieren werden. Das wird passieren, wenn die Digitalisierung der Landwirtschaft, wie sie jetzt hier von der Regierung propagiert wird, eingeführt wird.“ Dabei sind Bauern das zur Zeit noch recht offen. Gerade auch die Biobranche sieht in der Entwicklung eher Chancen, wie mir der Landwirt Bernd Voss erklärt. Bernd Voß, Landwirt, Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft: „Auf der einen Seite ist völlig klar, dass die Digitalisierung ein Hilfsmittel ist in der Landwirtschaft, hinsichtlich der Arbeitsqualität für die Menschen selber, aber auch hinsichtlich der Qualität der Arbeit mit den Tieren, auf den Feldern, und viele Perspektiven und Möglichkeiten gibt. Ich glaube, das muss man einmal festhalten und von daher muss man auch versuchen, das maximal zu nutzen. Und Digitalisierung in der Landwirtschaft ist ja überhaupt nicht neu, sondern ist einer der am meisten digitalisierten Bereiche, das wird häufig vergessen. Wir haben eben den Melk-Roboter, Kälber- und Rinderfütterung seit vielen vielen Jahren auf den Betrieben. Das ist das eine. Das andere ist, dass es häufig so dargestellt wird, dass alle Probleme der Landwirtschaft mit Digitalisierung gelöst werden. Und das ist ein ,Schmarren’, wenn ich das mal so sagen darf.“ Bernd Voß fasst die entscheidenden Punkte so zusammen: Bernd Voß: „Wem gehört das Wissen? Wem gehören die Daten? Das ist ein ganz wichtiger Grundsatz.“ Geht es bei der Digitalisierung vornehmlich darum? „Also: Wem gehört das Wissen und wem gehören die Daten?“ Ich habe mich auf den Weg gemacht nach Hannover, um mir einen genaueren Eindruck zu verschaffen, wohin die Entwicklung der Landwirtschaft geht. Wie wird die Zukunft aussehen? Wie werden dann in dieser neuen Welt unsere Lebensmittel hergestellt? Vielleicht finde ich ja hier Antworten. Hier in Hannover-Laatzen findet alle zwei Jahre die grösste Agrarmesse der Welt: Die Agritechnica. DB-Zugansage: „Verehrte Fahrgäste, wie bereits „angedroht“: Wir erreichen jetzt Hannover-Laatzen. Reisende zur Agritechnica steigen bitte jetzt hier aus!“
 
Zu dem riesigen Messegelände strömen tausende Menschen; drinnen in den Hallen dominieren gigantische Traktoren, Mähdrescher und Landmaschinen das Bild. Dort sehe ich selbstfahrende Traktoren ohne Lenkrad und Kabine und hier an diesem Messestand werden mit einem Laser Unkräuter bekämpft. Über mir schwebt eine überdimensionale Drohne, aus deren weißen Plastiktank könnten auch auf unwegsamen Hanglagen von Weinbergen Pestizide versprüht werden. Auf großen Bildschirmen des Veranstalters wird das diesjährige Motto der „Agritechnica“ beworben: Innovation. Auch der größte Traktoren-Hersteller John Deere ist gekommen, um hier seine Zukunftsvision zu präsentieren: John Deere Messestand: „Herzlich Willkommen in der Zukunft, meine Damen und Herren. Ich möchte sie einladen, einen Blick in die Zukunft der Landtechnik zu werfen. Alles, was sie hier sehen, sind Konzepte und Prototypen, einige davon werden in den nächsten Jahren in Serie gehen, aber alle Maschinen hier sind voll funktionsfähig und dienen der Entwicklung von drei großen Kerntechnologien.“ Ich schaue mich um. Auch auf diesem Messestand überwiegen die selbstfahrenden Fahrzeuge. „Automation“ ist hier das neue Zauberwort, sie soll Arbeitserleichterung schaffen, Effizienz steigern. Alle vorgestellten Landmaschinen werden von künstlicher Intelligenz betrieben und gelenkt. John Deere Messestand: „Das Spritzen [von Pestiziden] berührt auch das Thema künstliche Intelligenz. // Dabei handelt es sich hier um ein Ausbringungs-Verfahren – lassen Sie sich das auf der Zunge zergehen –, bei dem jede Pflanze einzeln erkannt und behandelt wird, möglich gemacht durch spezielle Hochleistungskameras und eine intelligente Software.“
 
Eins wird klar: Die industrielle Landwirtschaft hat sich bereits seit langem aufgemacht, die neuen digitalen Werkzeuge in ihren Produktionsalltag zu integrieren. Die nächste Station meiner Spurensuche: Silicon Valley. Heute hängen die Wolken tief in der San-Francisco-Bay. Die Sonne wird sich auch am Nachmittag nicht durchkämpfen können. Die gegenüberliegenden Hügelketten sind nur schemenhaft zu erkennen. Dort, im fernen Dunst liegen die Firmenzentralen von Google, Apple und Facebook, weiter südlich hat sich der Autobauer Tesla-Motors aufgemacht, und zwar nicht nur, um die Elektro-Mobilität in Schwung zu bringen. Firmengründer Elon Musk schießt Satelliten in die Umlaufbahn, um Daten von den Äckern zu sammeln. Innovationen werden in der Bay am laufenden Band entwickelt. Auch die erfolgreichste Felderkennungssoftware „Field View“ des Unternehmens Climate Copperation stammt von hier. Doch die Digitalisierung der Landwirtschaft macht nicht Halt bei Maschinen, Traktoren und Sensoren. Bis in die „Software des Lebens“, der DNA, ist sie bereits vorgedrungen. Die programmierbare Genschere Crispr/Cas9 wird zunehmend eingesetzt, um das Saatgut zu verbessern und neue Nutztiere zu erschaffen. In dem weißen lang gezogenen Flachbau, vor dem ich jetzt stehe, wurden vor einigen Jahren, diese so genannten „Genscheren“ entwickelt: Megan Hochstrasser vom „Innovative Genomics Institute“ empfängt mich an der Sicherheitsschleuse. Sie will mir zeigen, wie „kinderleicht“ es ist, DNA umzuprogrammieren; aber auch, welche Wucht diese Entwicklung inzwischen hat. Wir laufen durch die Labore, wo überall an neuen Anwendungen geforscht wird. Megan Hochstrasser (Englisch): “Heute ist es also die simpelste Sache der Welt, RNA und DNA-Sequenz neu zu programmieren, zu schreiben oder zu verändern. Ich kann mich an meinen Computer setzen und diese Sequenz bestellen. Sagen wir, ich will die Kombination der Basenpaare A C T C C und dann klicke ich hier auf ,Bestellen’. Ein paar Tage später kommt genau die synthetisch hergestellte RNA hier mit der Post an. Es gibt inzwischen eine Reihe von Firmen, die DNA und RNA synthetisch schnell herstellen können. Es ist sehr billig geworden und es wird jeden Tag immer günstiger.“ Das Lesen und Schreiben von Gensequenzen hat noch Anfang dieses Jahrtausends mehrere Millionen Dollar verschlungen und Jahre gedauert. Heute erledigt das eine Zulieferindustrie für 1000 Dollar und es dauert nur noch ein paar Tage. Fährt man mit dem Auto von der Westküste der Vereinigten Staaten in Richtung Osten, erreicht man Tage später den „Corn Belt“. Hier erstrecken sich bis zum Horizont Mais-, Soja- und Weizenfelder. In St. Louis befindet sich die Firmenzentrale von Monsanto, das inzwischen von der deutschen Bayer AG übernommen wurde. Um „fit für die Zukunft zu sein“, muss das Unternehmen stetig seine Geschäftsfelder erweitern - nach der horizontalen Integration folgt die vertikale. Nicht nur in der Neuen Gentechnik und bei Pestiziden ist das Unternehmen führend, auch bei dem Thema „Precision Farming“ wird ständig an neuen Lösungen geforscht und spannende „Start Ups“, die Agrar-Lösungen entwickelt haben, werden aufgekauft. Erklärtes Ziel ist es, „dass der Landwirt auf einer Plattform Komplettlösungen bekommt.“ Saatgut, Pflanzenschutz, Dünger, Feldbearbeitung und Ernte lägen dann gebündelt in der Kompetenz eines Unternehmens. Zwei Mitarbeiter der PR-Abteilung sind bereit, mich durch das Forschungs- und Innovationszentrum von Monsanto zu führen. Jetzt gewinne ich einen ersten Überblick, wie umfassend die Geschäftsfelder des Unternehmens sind. Im Keller fangen wir an: Mitarbeiter Barton, BAYER-Monsanto (Englisch): “Der Chipper-Roboter wird von einem Computer gesteuert, Millionen von Samenkörnern werden geschnitten, bearbeitet und dann analysiert. Am Ende dieses Vorgangs bleibt nur eine Handvoll von Saatgutsorten mit der besten DNA.“ In der ersten Etage befindet sich das weltweit einzige Genlesegerät für Agrarprodukte. Ein unscheinbarer, aber leistungsstarker Kasten, wie ich erfahre: Barton (Englisch): „Diese Maschine kann innerhalb eines Tages die DNA einer Pflanze erfassen. Um das menschliche Genom zu sequenzieren, brauchte es Jahrzehnte und hat Millionen von Dollar gekostet. Diese Maschine schafft das in ein paar Tagen und es kostet uns nur einige tausend Dollar.“ Eine Etage drüber werden neuste chemische Pflanzenschutzmittel hochautomatisch getestet, auch die Fußballfeld-großen Gewächshäuser auf den Dächern laufen hochautomatisch und werden von Computern gesteuert. Am Ende der mehrstündigen Tour zeigt mir Barton, wohin das Unternehmen zukünftig steuern will. Barton: „Sie sind ja gerade durch Iowa gereist, das ist was Sie gesehen haben: große, unendliche Felder, tausende von Hektar. Sie sehen wie eins aus, aber wenn man die Hektar auf zehn Quadratmeter große Parzellen einteilt, dann stellt man fest: jedes dieser Parzellen ist unterschiedlich. Manche brauchen mehr Dünger, haben viel Wasser oder weniger, manche brauchen anderes Saatgut oder andere Pestizide. Durch unsere GPS-gelenkte Software können wir Pflanzmaschinen so steuern, dass sie Saatkörner dichter oder weiter voneinander entfernt pflanzen, kann Dünger mehr oder weniger verteilt werden. In unserer „Field View“ Technologie sehen wir den nächsten Wachstumsbereich im Agrarsektor.“ Im November 2019 kündigte der Landmaschinenhersteller Claas an, dass er mit Field View arbeiten wird. Die Landwirtschaftssoftware „Field View“ sammelt bereits von 150 Millionen Hektar Informationen und ist damit das führende Produkt in der digitalen Ackeranalyse. Damit konnte der führende Agrarkonzern Bayer auch in diesem Sektor seine Marktführerschaft deutlich behaupten. Klar wird, die Digitalisierung hat in der industrialisierten Landwirtschaft schon längst Fahrt aufgenommen, aber was bedeutet das für die Landwirtinnen und Landwirte? „Digitale Landwirtschaft“ ein INKOTA Podcast 2019 von Peter Kreysler. Es sprachen: Barbara Becker, Wolfgang Glum und Peter Kreysler. Musik: Zoe Keating, Redaktion: Lena Michelsen. Das ist die erste Folge aus einer deriteiligen Podcast-Reihe, die sich mit dem Einfluss digitaler Technologien in der Landwirtschaft beschäftigt. Folge zwei und drei erscheinen im Frühjahr 2020. Abonnieren Sie unseren Newsletter, um keine Folge zu verpassen. Erfahren Sie mehr zum Thema Digitalisierung in der Landwirtschaft Bestellen Sie Material zu Digitalisierung in der Landwirtschaft

Dieser Podcast wurde gefördert durch das Umweltbundesamt und das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit. Die Mittelbereitstellung erfolgt auf Beschluss des Deutschen Bundestages. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung liegt bei den Autorinnen und Autoren.

 
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Digitale Landwirtschaft: Gläserne Landwirte oder Lösung globaler Krisen?

20. Dezember 2019 - 15:39
Die Digitalisierung verändert alle Lebens- und Arbeitsbereiche – auch die Landwirtschaft. Viele Bäuerinnen und Bauern sind offen für die Digitalisierung. Mehr und mehr gehört sie zum Alltag ihrer Arbeit. Neue Möglichkeiten der Vernetzung, Produktion, zur Organisation, zum Austausch von Informationen oder zur Vermarktung eröffnen Chancen. Gerade vor dem Hintergrund der Klima – und Biodiversitätskrise wird viel Hoffnung in die Digitalisierung der Landwirtschaft gesetzt. Mehr Effizienz durch digital gestützte Produktionsstrukturen könnten zu einer nachhaltigeren Agrarproduktion führen. Gleichzeitig sehen zivilgesellschaftliche Organisationen die Gefahr, dass Digitalisierung zu einer weiteren Industrialisierung der Landwirtschaft beiträgt und den Druck auf kleine und mittlere Betriebe noch einmal verschärft. Digitalisierung ist ein vielschichtiger Prozess, in dem große Konzerne große Interessen haben. Umso wichtiger ist es, die Digitalisierung in der Landwirtschaft aktiv zu gestalten und Leitlinien für eine nachhaltige und sozial gerechte Digitalisierung zu setzen. Während sich die internationale Agrar- und Ernährungsindustrie bei der Grünen Woche in Berlin trifft, diskutieren wir mit Ihnen und Expert*innen aus Wissenschaft, Politik und Praxis, welche Risiken und Potenziale die Digitalisierung in der Landwirtschaft birgt. Was: Podiumsdiskussion Wann: Dienstag, 14. Januar 2020, 19 bis 21 Uhr Wo: Heinrich-Böll-Stiftung, Schumannstraße 8, Berlin Außerdem gibt es an diesem Abend eine Prämiere: INKOTA wird erstmals ein neues Positionspapier vorstellen, welches politische Leitplanken für eine sozial gerechte und ökologisch verträgliche digitale Landwirtschaft formuliert. Dieses Papier wird von einem breiten zivilgesellschaftlichen Bündnis getragen, das sich erstmal gemeinsam hinter die darin enthaltenen Forderungen stellt. Ausgehend von den Inhalten des Positionspapiers möchten wir gemeinsam mit Ihnen folgende Fragen diskutieren: Wer hat die Hoheit über die erfassten Daten in der Landwirtschaft? Wie hoch ist der Energie- und Ressourcenverbrauch digitaler Technologien? Inwieweit trägt die Digitalisierung zum Verlust bäuerlichen Wissens bei? Welchen tatsächlichen Nutzen haben digitale Instrumente für Bauern und Bäuerinnen in unterschiedlichen Regionen der Welt? Wer hat überhaupt Zugang zu den Technologien? Wir freuen uns, dass wir für die Diskussion renommierte Expert*innen gewinnen konnten, die aus ganz unterschiedlichen Perspektiven auf das Thema blicken:
  • Key Note Speech: Dr. Alistair Fraser, University of Maynooth, Irland
  • Camila Moreno, Vertreterin der internationalen Kleinbauernorganisation La Vía Campesina aus Brasilien
  • Bernd Voß, Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL)
  • Prof. Dr. Engel Friederike Hessel, Digitalisierungsbeauftragte für das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)
  • Klaus Herbert Rolf, CLAAS / 365 FarmNet
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Agrarökologie – eine andere Landwirtschaft ist möglich

19. Dezember 2019 - 13:58
Was: Podiumsdiskussion "Agrarökologie – eine andere Landwirtschaft ist möglich" der Heinrich-Böll-Stiftung in Kooperation mit INKOTA, Brot für die Welt, Oxfam und MISEREOR Wann: Freitag 17.01.2020 17.00 – 19.00 Uhr Wo: Heinrich-Böll-Stiftung, Großer Saal 1, Schumannstr. 8, 10117 Berlin Seit mehr als einem Jahr demonstrieren junge Menschen auf der ganzen Welt für mehr Klima- und Umweltschutz und fordern ein ambitioniertes Umsteuern in allen Sektoren, auch in der Landwirtschaft. In Südasien weisen soziale Bewegungen wie La Via Campesina mit Straßenprotesten auf den Zusammenhang zwischen Klimagerechtigkeit und Ernährungssouveränität hin. Initiativen wie die Solidarische Landwirtschaft und Ernährungsräte finden immer stärkere Unterstützung von bäuerlichen Erzeuger*innen und Verbraucher*innen weltweit. Von Bauern und Bäuerinnen betriebene Saatgutbanken auf Gemeindeebene schützen vielfältige und traditionelle Saatgutsorten. Die intensive Landwirtschaft verschärft seit Jahrzehnten die globalen ökologischen und sozialen Krisen – mit drastischen Auswirkungen: degradierte Böden, ruinöse Erzeugerpreise, Hunger und der Verlust an Biologischer Vielfalt sind nur einige der vielen Baustellen, die die industrielle Landwirtschaft der nächsten Generation hinterlässt. Während die Politik weiter Änderungen, wenn überhaupt, in kleinsten Schritten angeht, machen sich immer mehr Bäuerinnen und Bauern auf den Weg um nachhaltig und sozialgerecht zu wirtschaften. Eine andere Welt ist möglich - aber nicht ohne weiteres Vielfältige, lokale und regionale Ernährungssysteme fördern mit agrarökologischen Ansätzen die Vielfalt über und unter der Erde, stärken bäuerliche Betriebe und die gleichberechtigte politische Teilhabe von Bauern und Bäuerinnen. Sie werden in immer mehr Regionen dieser Welt gefördert und liefern schon jetzt vielfältige und frische Lebensmittel für eine ortsnahe Versorgung. Trotz der Erfolge erhalten agrarökologische Ansätze viel zu wenig Unterstützung. Weder Forschungsgelder noch Subventionen werden so ausgegeben, dass sie agrarökologisches, solidarisches Wirtschaften stärken. Im Gegenteil, die Machtkonzentration im Agrar- und Ernährungssektor blockiert den wichtigen sozial-ökologischen Wandel. In ihrem Buch „Eine andere Welt ist möglich – Aufruf zum zivilen Ungehorsam“ geht die Physikerin und Umweltaktivistin Vandana Shiva der Frage nach, was passieren muss, damit die agrarökologische Bewegung an Kraft gewinnt und wie sich die Gesellschaft einmischen kann, um Strukturen in der Landwirtschaft zu ändern. Nach einem Vortrag von Vandana Shiva wollen wir mit unseren Gästen aus Kenia, Brasilien, Indien und Deutschland darüber sprechen, was wie die Chancen für eine starke agrarökologische Bewegung sind und jede und jeder Einzelne dafür tun kann. INKOTA-Ausstellung Agrarökologie Im Rahmen der Veranstaltung zeigen wir die INKOTA - Ausstellung „Zukunft säen“. Sie zeigt nicht nur, was schief läuft im aktuellen Landwirtschafts- und Ernährungssystem, sondern auch, wie es anders besser geht – mit dem Konzept der Agrarökologie. Programm
  • Begrüßung: Barbara Unmüßig, Präsidentin der Heinrich-Böll-Stiftung
  • Input:  Vandana Shiva, Physikerin und Wissenschaftsphilosophin, Trägerin des Alternativen Nobelpreises, Aktivistin und Autorin
Podiumsdiskussion
  • Vandana Shiva, Physikerin und Wissenschaftsphilosophin, Trägerin des Alternativen Nobelpreises, Aktivistin und Autorin
  • Layla Liebetraut, Road to Food, Kenia
  • Reinhild Benning, Germanwatch
  • Sarah Schneider, MISEREOR
  • Antônio Andrioli, Agrar- und Wirtschaftswissenschaftler, Universidade Federal da Fronteira Sul (UFFS) in Santa Catarina, Brasilien
  • Moderation: Barbara Unmüßig, Präsidentin der Heinrich-Böll-Stiftung
Ohne Anmeldung

Sprache: Deutsch

Für Rückfragen wenden Sie sich gerne an Lena Bassermann: bassermann@inkota.de Erfahren Sie mehr über Agrarökologie Erfahren Sie mehr über die INKOTA-Ausstellung zu Agrarökologie
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Podcast: So klingt die Digitalisierung in der Landwirtschaft

18. Dezember 2019 - 15:04
Die Digitalisierung ist in aller Munde und aus unserem Alltag ist sie kaum noch wegzudenken, dabei verspricht die Digitale Transformation die Lösung nahezu aller Probleme: Dem Fachkräftemangel wird durch die digitalisierte Arbeitswelt „4.0“ und künstliche Intelligenz begegnet. Die Auswirkungen des Klimawandels könne man mit „smarten digitalen Lösungen“ abbremsen oder gar umkehren und damit ganz nebenbei auch noch die Welt besser ernähren. In diesem Prozess werden die Grenzen fließender, die Grauzonen breit. Denn nicht nur die Unterscheidung zwischen realer und virtueller Welt löst sich zunehmend auf, je stärker Beruf, Freundschaften, Freizeit aber auch Beziehungen im Internet stattfinden und das Leben zu einem großen digitalen Malstrom wird, dann verschiebt sich die Perspektive und die Verantwortlichkeit ändert sich. Diese tiefgreifende Veränderung unserer Wirklichkeit und Arbeitswelt hat inzwischen auch die elementarsten Bereiche unseres Lebens erreicht: Die Lebensmittelproduktion. Wie werden wir in der Zukunft unser Essen erzeugen? Seit knapp 15 Jahren pflügt die „Digitale Revolution“ auch den Agrarsektor um - verändert Produktionsweisen, Besitzstandsverhältnisse und somit auch unsere Verbindung zum Acker, zu den Tieren und Pflanzen. Schon längst tragen Kühe digitale Bewegungsmelder und werden von Milchrobotern gemolken. Wetterdaten von Satellitenbildern werden von Computern mit Hilfe von künstlicher Intelligenz analysiert, automatisch zu Hilfe genommen, um zu entscheiden, wann Felder geerntet oder mit welchen Pestiziden sie besprüht werden. Aber was macht das mit der Landwirtschaft? Welche Folgen hat dieser Transformationsprozess für die Landwirte und unsere Lebensmittelproduktion? Wo liegen die Chancen und Risiken dieser Transformation? Der Journalist Peter Kreysler hat sich auf die Spurensuche begeben. Sie können den folgenden Text auch hören. Einfach klicken und auf Soundcloud anhören.
Peter Kreysler: „Digitale Landwirtschaft, ein großes Thema. Können Sie uns sagen, was Sie damit verbinden?“ Hubertus Paetow, DLG Vorstand: „Digitalisierung ist einerseits natürlich eine wahnsinnig faszinierende große neue Technologie, mit unendlich vielen Möglichkeiten in ganz vielen Bereichen des täglichen Lebens.“ So Hubertus Paetow, Präsident der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft. Als ich den Präsidenten der DLG an einem stürmischen Novemberabend in Berlin Mitte treffe, diskutiert er bei der Deutschen Bank mit Politikern, Agrarexperten und Lobbyisten über die Probleme mit der Düngeverordnung. „Sehen Sie, das Thema Digitalisierung der Landwirtschaft ist allgegenwärtig“, wie er lachend einräumt, denn auch das Problem der Überdüngung könnte man in Zukunft vielleicht mit Hilfe der Digitalisierung in den Griff bekommen. Peter Kreysler: „Können Sie ein paar konkrete Beispiele nennen, wo das Sinn macht?“ Hubertus Paetow: „Ein Bereich ist der ganze Bereich Erntescheidungsunterstützung, Prognosesysteme, Satelliten-Daten für bessere Düngungen. Da müssen wir zwar noch viel viel dran arbeiten, dass wir die Systeme da so konsistent hinkriegen, dass sie auch wirklich zum Erfolg führen.“ So gibt es bereits computergesteuerte Traktoren, die genau so viel Gülle ausbringen, wie auf jedem Meter eines Feldes benötigt wird. Die Informationen dazu liefert eine mit Sensoren ausgestattete Drohne, die das Feld vorher abgeflogen hat und den Nährstoffbedarf des Feldes misst. „Sicherlich, alles noch Zukunftsmusik“, räumt Paetow ein. Hubertus Paetow: „Den größten ,Drive’ haben wir im Moment bei der Automatisierung. Zum Beispiel Unkrautroboter in Reinkulturen sind eine Technologie, die ist heute verfügbar, die können Sie heute kaufen. Im Gemüseanbau laufen die ersten Systeme auch schon mehrere Jahre und sind da wirklich erfolgreich. Das ist eine Technologie, die sehe ich unmittelbar im Kommen.“ Hier könnte dann im Gemüseanbau auf Herbizide ganz verzichtet werden - geschont würde die Umwelt. Schaumschlägerei ist nicht die Sache von Paetow, lieber dämpft er heute die hohen Erwartungen und falschen Heilsversprechen. Hubertus Paetow: „Auf der anderen Seite müssen wir ein bisschen vorsichtig sein, ob wir in so einem Bereich wie Landwirtschaft nicht dann die Möglichkeiten und Potentiale digitaler Lösungen auch überschätzen. Am Ende sind es Werkzeuge, die uns bei unserer Gesamtaufgabe ständig in der Produktion, die richtige Entscheidung zu treffen, unterstützen oder eben auch Vorgänge autonom ausführen können, die ansonsten in mühevoller Handarbeit durchgeführt werden.“ Ich will genauer wissen, wie es denn um die Chancen und Risiken bei der Digitalisierung bestellt ist. In der Potsdamer Straße am Rande des Berliner Regierungsviertels wird über diese Fragen nachgedacht. Im Institut für ökologische Wirtschaftsforschung zerbrechen sich Forscher über Nutzen und Schaden der digitalen Landwirtschaft den Kopf. Steffen Lange, Institut ökologische Wirtschaftsforschung: „Mein Name ist Steffen Lange, ich bin Wirtschaftswissenschaftler und Forscher und arbeite vor allen Dingen zu nachhaltigem Wirtschaften. Digitalisierung spielt bei uns in ganz vielen Bereichen eine Rolle, im Energiebereich, im Mobilitätsbereich und eben auch im Landwirtschaftsbereich. // Wir haben gerade ein Forschungsprojekt zu Digitalisierung und Biodiversität, in dem wir untersuchen, welche Chancen und Risiken es dazu gibt.“ Peter Kreysler: „Das klingt doch ganz spannend, was haben Sie denn da rausgefunden?“ Steffen Lange: „Das Projekt läuft noch, aber was wir uns da anschauen sind neue Technologien, wie zum Beispiel Feldroboter und drohnen-basierte Systeme, und versuchen herauszubekommen, was man damit an Biodiversität fördern könnte, wenn man es denn richtig großflächig installieren würde. Das sind erst einmal Pilot-Projekte, die noch nicht breitflächig in der Praxis umgesetzt wurden. Und auf der anderen Seite schauen wir uns auch die Risiken an.“ Peter Kreysler: „Wo sehen Sie die Risiken?“ Steffen Lange: „Wenn die Digitalisierung mit einer fortwährenden Monopolisierung einhergeht, mit einer Machtkonzentration bei den Konzernen, denen die Daten gehören, dann sind das - aus ökonomischer, aber auch aus ökologischer Perspektive - eher Risiken als Chancen.“ Der Forscher Lange erklärt mir das nun etwas genauer. Zwar könnte die neue digitale Technologie es inzwischen nicht nur theoretisch ermöglichen, dass mehr unterschiedliche Pflanzensorten auf ein Feld gepflanzt werden oder aber dass Dünger und Pestizide besser abgestimmt angewendet werden, aber bisher waren das alles nur Pilotversuche. Das so genannte „Precision-Farming“, also die so beschworene „Präzisionslandwirtschaft“ würde bisher hauptsächlich für die „Ertragssteigerung“ genutzt, aber nicht, um Nachhaltigkeit zu verbessern oder um die Biodiversität zu stärken. Steffen Lange: „Das Risiko ist aus meiner Sicht, dass die Digitalisierung ganz anders genutzt wird: Dass die Monokultur bestehen bleibt, dass die Maschinen noch vergrössern könnten, dass man zwar Drohnen einsetzt, das schon, aber dass man sehr große Traktoren einsetzt und sogar noch größere und dass insbesondere die Unternehmen, die dahinterstehen, immer größer werden, weil es immer wichtiger wird, wem die Daten gehören, und dass man ohne eine große Datenanalyse eigentlich gar keine Landwirtschaft mehr betreiben kann. Und einem kleinen Bauern fällt das erst mal schwerer, weil er die finanziellen Mittel nicht hat. Und gerade geht die Tendenz dahin, dass ihm die Daten gar nicht mehr gehören und er dann auch nicht mehr die Macht darüber hat, diese Daten auszuwerten - das müsste anders sein.“ Zur Zeit bewertet der Berliner Forscher am Ende meines Gesprächs die Chancen noch skeptisch, und er fragt sich, ob in Zukunft der Nutzen der Digitalisierung auch die Nachteile überwiegen wird. Am Schluss sagt er mir noch, dass hier die Politik in die Verantwortung kommt, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Auch im globalen Süden erhofft man sich durch vermehrte Nutzung der neuen digitalen Technologien Ertragssteigerungen, wie mir Neth Daño von der ETC Group aus den Philippinen erklärt. Sie ist neuen technischen Lösungen offen gegenüber, sieht den jetzigen Trend der Digitalisierung jedoch kritisch: Neth Daño, ETC Group (Englisch): “Wir sehen wirklich nicht, wie die Digitalisierung eine Entwicklung einleiten wird, die unsere Bauern und Bäuerinnen aus Armut führen wird. Alle diejenigen, die sich keine digitalen Werkzeuge leisten können, werden noch mehr marginalisiert. 25 Prozent der Menschen in den Philippinen leben von der Landwirtschaft. Und das ist eine große Zahl arbeitender Menschen, die dann ihren Job in diesem Sektor verlieren werden. Das wird passieren, wenn die Digitalisierung der Landwirtschaft, wie sie jetzt hier von der Regierung propagiert wird, eingeführt wird.“ Dabei sind Bauern das zur Zeit noch recht offen. Gerade auch die Biobranche sieht in der Entwicklung eher Chancen, wie mir der Landwirt Bernd Voss erklärt. Bernd Voß, Landwirt, Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft: „Auf der einen Seite ist völlig klar, dass die Digitalisierung ein Hilfsmittel ist in der Landwirtschaft, hinsichtlich der Arbeitsqualität für die Menschen selber, aber auch hinsichtlich der Qualität der Arbeit mit den Tieren, auf den Feldern, und viele Perspektiven und Möglichkeiten gibt. Ich glaube, das muss man einmal festhalten und von daher muss man auch versuchen, das maximal zu nutzen. Und Digitalisierung in der Landwirtschaft ist ja überhaupt nicht neu, sondern ist einer der am meisten digitalisierten Bereiche, das wird häufig vergessen. Wir haben eben den Melk-Roboter, Kälber- und Rinderfütterung seit vielen vielen Jahren auf den Betrieben. Das ist das eine. Das andere ist, dass es häufig so dargestellt wird, dass alle Probleme der Landwirtschaft mit Digitalisierung gelöst werden. Und das ist ein ,Schmarren’, wenn ich das mal so sagen darf.“ Bernd Voß fasst die entscheidenden Punkte so zusammen: Bernd Voß: „Wem gehört das Wissen? Wem gehören die Daten? Das ist ein ganz wichtiger Grundsatz.“ Geht es bei der Digitalisierung vornehmlich darum? „Also: Wem gehört das Wissen und wem gehören die Daten?“ Ich habe mich auf den Weg gemacht nach Hannover, um mir einen genaueren Eindruck zu verschaffen, wohin die Entwicklung der Landwirtschaft geht. Wie wird die Zukunft aussehen? Wie werden dann in dieser neuen Welt unsere Lebensmittel hergestellt? Vielleicht finde ich ja hier Antworten. Hier in Hannover-Laatzen findet alle zwei Jahre die grösste Agrarmesse der Welt: Die Agritechnica. DB-Zugansage: „Verehrte Fahrgäste, wie bereits „angedroht“: Wir erreichen jetzt Hannover-Laatzen. Reisende zur Agritechnica steigen bitte jetzt hier aus!“
 
Zu dem riesigen Messegelände strömen tausende Menschen; drinnen in den Hallen dominieren gigantische Traktoren, Mähdrescher und Landmaschinen das Bild. Dort sehe ich selbstfahrende Traktoren ohne Lenkrad und Kabine und hier an diesem Messestand werden mit einem Laser Unkräuter bekämpft. Über mir schwebt eine überdimensionale Drohne, aus deren weißen Plastiktank könnten auch auf unwegsamen Hanglagen von Weinbergen Pestizide versprüht werden. Auf großen Bildschirmen des Veranstalters wird das diesjährige Motto der „Agritechnica“ beworben: Innovation. Auch der größte Traktoren-Hersteller John Deere ist gekommen, um hier seine Zukunftsvision zu präsentieren: John Deere Messestand: „Herzlich Willkommen in der Zukunft, meine Damen und Herren. Ich möchte sie einladen, einen Blick in die Zukunft der Landtechnik zu werfen. Alles, was sie hier sehen, sind Konzepte und Prototypen, einige davon werden in den nächsten Jahren in Serie gehen, aber alle Maschinen hier sind voll funktionsfähig und dienen der Entwicklung von drei großen Kerntechnologien.“ Ich schaue mich um. Auch auf diesem Messestand überwiegen die selbstfahrenden Fahrzeuge. „Automation“ ist hier das neue Zauberwort, sie soll Arbeitserleichterung schaffen, Effizienz steigern. Alle vorgestellten Landmaschinen werden von künstlicher Intelligenz betrieben und gelenkt. John Deere Messestand: „Das Spritzen [von Pestiziden] berührt auch das Thema künstliche Intelligenz. // Dabei handelt es sich hier um ein Ausbringungs-Verfahren – lassen Sie sich das auf der Zunge zergehen –, bei dem jede Pflanze einzeln erkannt und behandelt wird, möglich gemacht durch spezielle Hochleistungskameras und eine intelligente Software.“
 
Eins wird klar: Die industrielle Landwirtschaft hat sich bereits seit langem aufgemacht, die neuen digitalen Werkzeuge in ihren Produktionsalltag zu integrieren. Die nächste Station meiner Spurensuche: Silicon Valley. Heute hängen die Wolken tief in der San-Francisco-Bay. Die Sonne wird sich auch am Nachmittag nicht durchkämpfen können. Die gegenüberliegenden Hügelketten sind nur schemenhaft zu erkennen. Dort, im fernen Dunst liegen die Firmenzentralen von Google, Apple und Facebook, weiter südlich hat sich der Autobauer Tesla-Motors aufgemacht, und zwar nicht nur, um die Elektro-Mobilität in Schwung zu bringen. Firmengründer Elon Musk schießt Satelliten in die Umlaufbahn, um Daten von den Äckern zu sammeln. Innovationen werden in der Bay am laufenden Band entwickelt. Auch die erfolgreichste Felderkennungssoftware „Field View“ des Unternehmens Climate Copperation stammt von hier. Doch die Digitalisierung der Landwirtschaft macht nicht Halt bei Maschinen, Traktoren und Sensoren. Bis in die „Software des Lebens“, der DNA, ist sie bereits vorgedrungen. Die programmierbare Genschere Crispr/Cas9 wird zunehmend eingesetzt, um das Saatgut zu verbessern und neue Nutztiere zu erschaffen. In dem weißen lang gezogenen Flachbau, vor dem ich jetzt stehe, wurden vor einigen Jahren, diese so genannten „Genscheren“ entwickelt: Megan Hochstrasser vom „Innovative Genomics Institute“ empfängt mich an der Sicherheitsschleuse. Sie will mir zeigen, wie „kinderleicht“ es ist, DNA umzuprogrammieren; aber auch, welche Wucht diese Entwicklung inzwischen hat. Wir laufen durch die Labore, wo überall an neuen Anwendungen geforscht wird. Megan Hochstrasser (Englisch): “Heute ist es also die simpelste Sache der Welt, RNA und DNA-Sequenz neu zu programmieren, zu schreiben oder zu verändern. Ich kann mich an meinen Computer setzen und diese Sequenz bestellen. Sagen wir, ich will die Kombination der Basenpaare A C T C C und dann klicke ich hier auf ,Bestellen’. Ein paar Tage später kommt genau die synthetisch hergestellte RNA hier mit der Post an. Es gibt inzwischen eine Reihe von Firmen, die DNA und RNA synthetisch schnell herstellen können. Es ist sehr billig geworden und es wird jeden Tag immer günstiger.“ Das Lesen und Schreiben von Gensequenzen hat noch Anfang dieses Jahrtausends mehrere Millionen Dollar verschlungen und Jahre gedauert. Heute erledigt das eine Zulieferindustrie für 1000 Dollar und es dauert nur noch ein paar Tage. Fährt man mit dem Auto von der Westküste der Vereinigten Staaten in Richtung Osten, erreicht man Tage später den „Corn Belt“. Hier erstrecken sich bis zum Horizont Mais-, Soja- und Weizenfelder. In St. Louis befindet sich die Firmenzentrale von Monsanto, das inzwischen von der deutschen Bayer AG übernommen wurde. Um „fit für die Zukunft zu sein“, muss das Unternehmen stetig seine Geschäftsfelder erweitern - nach der horizontalen Integration folgt die vertikale. Nicht nur in der Neuen Gentechnik und bei Pestiziden ist das Unternehmen führend, auch bei dem Thema „Precision Farming“ wird ständig an neuen Lösungen geforscht und spannende „Start Ups“, die Agrar-Lösungen entwickelt haben, werden aufgekauft. Erklärtes Ziel ist es, „dass der Landwirt auf einer Plattform Komplettlösungen bekommt.“ Saatgut, Pflanzenschutz, Dünger, Feldbearbeitung und Ernte lägen dann gebündelt in der Kompetenz eines Unternehmens. Zwei Mitarbeiter der PR-Abteilung sind bereit, mich durch das Forschungs- und Innovationszentrum von Monsanto zu führen. Jetzt gewinne ich einen ersten Überblick, wie umfassend die Geschäftsfelder des Unternehmens sind. Im Keller fangen wir an: Mitarbeiter Barton, BAYER-Monsanto (Englisch): “Der Chipper-Roboter wird von einem Computer gesteuert, Millionen von Samenkörnern werden geschnitten, bearbeitet und dann analysiert. Am Ende dieses Vorgangs bleibt nur eine Handvoll von Saatgutsorten mit der besten DNA.“ In der ersten Etage befindet sich das weltweit einzige Genlesegerät für Agrarprodukte. Ein unscheinbarer, aber leistungsstarker Kasten, wie ich erfahre: Barton (Englisch): „Diese Maschine kann innerhalb eines Tages die DNA einer Pflanze erfassen. Um das menschliche Genom zu sequenzieren, brauchte es Jahrzehnte und hat Millionen von Dollar gekostet. Diese Maschine schafft das in ein paar Tagen und es kostet uns nur einige tausend Dollar.“ Eine Etage drüber werden neuste chemische Pflanzenschutzmittel hochautomatisch getestet, auch die Fußballfeld-großen Gewächshäuser auf den Dächern laufen hochautomatisch und werden von Computern gesteuert. Am Ende der mehrstündigen Tour zeigt mir Barton, wohin das Unternehmen zukünftig steuern will. Barton: „Sie sind ja gerade durch Iowa gereist, das ist was Sie gesehen haben: große, unendliche Felder, tausende von Hektar. Sie sehen wie eins aus, aber wenn man die Hektar auf zehn Quadratmeter große Parzellen einteilt, dann stellt man fest: jedes dieser Parzellen ist unterschiedlich. Manche brauchen mehr Dünger, haben viel Wasser oder weniger, manche brauchen anderes Saatgut oder andere Pestizide. Durch unsere GPS-gelenkte Software können wir Pflanzmaschinen so steuern, dass sie Saatkörner dichter oder weiter voneinander entfernt pflanzen, kann Dünger mehr oder weniger verteilt werden. In unserer „Field View“ Technologie sehen wir den nächsten Wachstumsbereich im Agrarsektor.“ Im November 2019 kündigte der Landmaschinenhersteller Claas an, dass er mit Field View arbeiten wird. Die Landwirtschaftssoftware „Field View“ sammelt bereits von 150 Millionen Hektar Informationen und ist damit das führende Produkt in der digitalen Ackeranalyse. Damit konnte der führende Agrarkonzern Bayer auch in diesem Sektor seine Marktführerschaft deutlich behaupten. Klar wird, die Digitalisierung hat in der industrialisierten Landwirtschaft schon längst Fahrt aufgenommen, aber was bedeutet das für die Landwirtinnen und Landwirte? „Digitale Landwirtschaft“ ein INKOTA Podcast 2019 von Peter Kreysler. Es sprachen: Barbara Becker, Wolfgang Glum und Peter Kreysler. Musik: Zoe Keating, Redaktion: Lena Michelsen. Das ist die erste Folge aus einer deriteiligen Podcast-Reihe, die sich mit dem Einfluss digitaler Technologien in der Landwirtschaft beschäftigt. Folge zwei und drei erscheinen im Frühjahr 2020. Abonnieren Sie unseren Newsletter, um keine Folge zu verpassen. Erfahren Sie mehr zum Thema Digitalisierung in der Landwirtschaft Bestellen Sie Material zu Digitalisierung in der Landwirtschaft

Dieser Podcast wurde gefördert durch das Umweltbundesamt und das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit. Die Mittelbereitstellung erfolgt auf Beschluss des Deutschen Bundestages. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung liegt bei den Autorinnen und Autoren.

 
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Wir haben die fatale Politik satt - Agrarwende jetzt!

18. Dezember 2019 - 14:32
Es ist eine wichtige Tradtition für den Start in das neue Jahr: Zum zehnten Mal ruft das Kampagnen-Bündnis „Wir haben es satt!“ in 2020 bereits dazu auf, gemeinsam für eine Agrar- und Ernährungswende auf die Straße zu gehen. INKOTA ist natürlich wie immer mit dabei! Treffen Sie uns bei der Schnippeldisko, auf der Demo oder im Anschluss beim Soup & Talk in der Heinrich Böll Stiftung. Schnippeldisko 17. Januar 2020, Cabuwazi Tempelhof, Columbiadamm 84, 10965 Berlin Dieses Mal (ganz neu!) heißt es in den Cabuwazi Zirkuszelten auf dem Tempelhofer Feld hereinspaziert in die Manege! Es wird getanzt, getalkt und geschnippelt für das Klima und gegen Lebensmittelverschwendung. An dem Abend warten wieder 1,5 Tonnen krummes und ungewolltes Gemüse aus Brandenburg auf uns alle. Wie immer wird aus dem geschnippelten Gemüse eine vegane Suppe zum sofortigen Verspeisen und für die Wir haben es satt!-Demo am nächsten Tag gekocht. Groovy Musik von verschiedenen DJs und Live-Bands sorgen dafür, dass es nicht nur in Töpfen brodelt! Neben schnippeln, Essen und Tanzen gibt es auch ein inhaltliches Rahmenprogramm, zu dem INKOTA mit zwei Kurzveranstaltungen dabei ist: „Agrarökologie als Bewegung“ und „Bayer-Pestizide in Brasilien und warum es ein Lieferkettengesetz braucht“. Wir freuen uns darauf, Sie dort zu treffen! Erfahren Sie mehr zum Thema Agrarökologie Erfahren Sie mehr zum Thema Bayer und Pestizide Demo: Zehn Jahre „Wir haben es satt!“ 18. Januar 2020, INKOTA-Treffpunkt: 12 Uhr, am Starbucks vor dem Brandenburger Tor in Berlin In den letzten zehn Jahren ist eine starke Bewegung für gute Landwirtschaft und gutes Essen entstanden, die jedes Jahr aufs neue auf die Straße geht. Doch der Widerstand von Agrarlobby, Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, Bauernverband und anderen ist groß. Die diesjährige Demonstration steht ganz im Zeichen einer klima- und insektenfreundlichen Landwirtschaft, die die Bauern und Bäuerinnen mitnimmt. Auch gegen das geplante EU-MERCOSUR-Abkommen wird protestiert, das den Anbau von Gensoja in Südamerika und die Abholzung des Amazonasregenwaldes für Rinderweiden noch mehr vorantreiben könnte. Seien Sie mit uns dabei, wenn es heißt „Agrarwende anpacken“! Nach der Demo: "Soup & Talk" 18. Januar 2020, 15.30 bis 19.30 Uhr, Heinrich-Böll-Stiftung, Schumannstraße 8, Berlin In langjähriger Tradition findet im Anschluss an die Wir haben es satt!-Demo in der Heinrich-Böll-Stiftung das Format "Soup & Talk" statt - ein gemütliches Zusammenkommen zum Aufwärmen, inhaltlichen Austausch und zum Vernetzen. Hier wird sich auch INKOTA mit der Initiative Lieferkettengesetz präsentieren. Kurz und knackig werden wir vorstellen, wie Bayer in Brasilien Pestizide verkauft, deren Inhaltsstoffe in der EU längst verboten sind, und wie ein Lieferkettengesetz diese und andere unfaire Geschäftspraktiken verbieten könnte. Erfahren Sie mehr zum Themenbereich Welternährung bei INKOTA Unterzeichnen Sie die Petition für ein Lieferkettengesetz Bestellen Sie unsere Materialien zum Thema
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Regionalveranstaltung "Agrarökologie stärken" in Bonn

17. Dezember 2019 - 15:04
Das Positionspapier zu Agrarökologie, in dem sich vor genau einem Jahr 56 Organisationen füre eine zukunftsfähige Umgestaltung des globalen Landwirtschafts- und Ernährungssystems ausgesprochen haben, entfaltet weiter seine Wirkung.
  • Was: Regionalveranstaltung "Agrarökologie stärken"
  • Wann: Dienstag, 04.02.2020, ab 10 Uhr
  • Wo: Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, Deichmanns Aue 29, 53179 Bonn
  • Die Teilnahme ist konstenlos, eine Anmeldung ist allerdings erforderlich. Hier können Sie sich anmelden.
Agrarökologie entwickelt Lösungsansätze für viele soziale und ökologische Probleme in Landwirtschafts- und Ernährungssystemen in Zeiten des Klimawandels. Das dies auch immer dringender benötigt wird zeigen zahlreiche internationale Berichte. Daher lädt INKOTA gemeinsam mit Misereor, Brot für die Welt und Oxfam zu einer ganztätigen Diskussionsveranstltung in der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung ein. Dort stellen wir unser Konzept für eine agrarökologische Wende vor und wollen mit allen Interessierten darüber offen diskutieren, wie sich das Konzept der Agrarökologie umsetzen lässt und eine sozial-ökologische Transformation der Agrar- und Ernährungssysteme gewährleistet werden kann. Darüber hinaus werden Expert*innen aus Wissenschaft und der Entwicklungszusammenarbeit im Rahmen der Veranstaltung ihre Einschätzungen vortragen und unser Konzept aus ihrer jeweiligen Blickwinkeln betrachten. Alle Interessierten, insbesondere aus dem Raum Köln/Bonn, sind herzlich eingeladen an der Veranstaltung teilzunehmen. Den gesamten Ablauf der Veranstaltung finden Sie hier  Unser Positionspapier zu Agrarökologie  INKOTA-Infoblatt zu Agrarökologie Broschüre "Besser anders, anders besser: Mit Agrarökologie die Ernährungswende gestalten" Mehr zur Arbeit von INKOTA im Bereich Agrarökologie
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„Wenn wir nur auf Nachhaltigkeitsprojekte setzen, ändert sich nichts.“

17. Dezember 2019 - 14:11
Pomasi Ismail (39 J.) aus Ghana baut seit 18 Jahren Kakao an. Seit 2007 ist er Mitglied der Kakaobauernorganisation Cocoa Abrabopa Association (CAA). Als Vorstandsmitglied der Organisation vertritt er die Interessen der Bauernfamilien aus der Ashanti Region. Insgesamt sind 8.000 Kleinbauern Mitglied in der Kooperative, die durch Rainforest Alliance zertifiziert ist. Pomasi Ismail wollte mehr darüber erfahren, welche Möglichkeiten es gibt, sich für die Rechte von Kakaobauern auf politischer Ebene einzusetzen. Dafür hat er an einer Schulung von SEND-Ghana teilgenommen. Die Kakao-Expert*innen waren begeistert von Ismails großem Drang, wirklich etwas für die Bauern zu bewegen. Deshalb hat sich SEND dafür eingesetzt, dass Ismail im Oktober in Berlin auf einer internationalen Konferenz zur Zukunft des Kakaoanbaus sprechen durfte. Evelyn Bahn von INKOTA hat mit Ismail auf der Konferenz gesprochen. 300 Vertreter*innen von Kakaobauernorganisationen, aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft diskutieren auf dieser Konferenz, was sich im Kakaoanbau ändern muss. Hast Du auf diese Frage schon eine überzeugende Antwort erhalten? Die Mehrheit der Kakaobauernfamilien verfügt nicht über ein existenzsicherndes Einkommen. Wenn es zu Veränderungen kommen soll, dann müssen Kakaobauern ein höheres Einkommen erzielen und so der Armut entkommen. Die entscheidende Frage ist, wer daran etwas ändern kann. Die Regierungen der Elfenbeinküste und Ghana sind aktiv geworden (siehe Feature, Anm d. Redaktion). Es ist gut, dass sie gemeinsam versuchen den Preis stabil zu halten und einen zusätzlichen Aufschlag eingeführt haben, der ein erster Schritt hin zu einem existenzsichernden Einkommen ist. Diesen zusätzlichen Aufschlag auf den Weltmarktpreis von 400 US-Dollar pro Tonne Kakao müssen die Unternehmen tragen. Sind sie dazu bereit? In den letzten Wochen sah es so aus, als würden sich viele Unternehmen dem neuen Preissystem verweigern. Die Regierungen haben deshalb den Druck erhöht und den Unternehmen angekündigt, dass sie keine Nachhaltigkeitsprojekte mehr akzeptieren, wenn der Aufschlag nicht gezahlt wird. Viele Unternehmen waren besorgt über diese Androhung und haben nun eingelenkt. Allen muss klar sein, dass allein mit den Nachhaltigkeitsprojekten und Zertifizierung nicht die notwendigen Veränderungen für einen nachhaltigen Kakaosektor erreicht werden. Es braucht beides: Nachhaltigkeitsprojekte und die Zahlung von höheren Preisen. Werden die höheren Einnahmen aus dem Kakaoanbau bei den Bauern wirklich ankommen? Wir werden das genau beobachten. Kakaobauernorganisationen und Zivilgesellschaft müssen sicherstellen, dass die Versprechen wirklich umgesetzt werden. Es ist gut, dass SEND-Ghana uns dabei unterstützt. Du hast an einer der Schulungen von SEND-Ghana teilgenommen. Was hat sich dadurch für Dich verändert? Wenn wir früher ein Problem als Kooperative hatten, haben wir spontan bei irgendeiner Behörde angerufen und uns beschwert. Bei SEND habe ich gelernt strategisch vorzugehen und erstmal zu überlegen, was das Hauptproblem ist: Wer kann an unserem Problem wirklich etwas verändern und wer sind unsere Verbündeten? Wir bereiten uns besser vor, wenn wir bei wichtigen Institutionen vorsprechen und uns für die Interessen der Kakaobauern einsetzen. Für meinen Redebeitrag auf der Konferenz war ich durch SEND-Ghana sehr gut vorbereitet. Ich wusste, dass sehr viele wichtige Menschen hier sind und ich mein Anliegen überzeugend und prägnant rüberbringen muss. Früher habe ich lange um den Kern einer Sache drum herum geredet. Jetzt sage ich klar und präzise, was ich erreichen möchte. Meinst Du, dass sich durch solche internationalen Konferenzen etwas ändern kann? Die Analysen auf der Konferenz sind gut und wichtig. Kaum jemand bestreitet, dass wir höhere Preise brauchen – aber auch genauso, dass die Bauern ihre Anbaupraktiken noch weiter verbessern müssen. Solche Verständigungsprozesse sind natürlich wichtig. Aber eigentlich wissen nun alle Teilnehmer, was sich ändern muss. Deshalb ist es jetzt an der Zeit, den Worten Taten folgen zu lassen! Der Artikel ist auch im Neuen Deutschland im Rahmen der Spendenaktion „Teilen macht satt“ erschienen. Erfahren Sie mehr über die Arbeit von INKOTA in Ghana
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Digitalisierung: Gläserne Landwirte oder Lösung globaler Krisen?

17. Dezember 2019 - 13:44
Digitalisierung ist in aller Munde und hat längst auch den Agrar- und Ernährungssektor erreicht: Schon heute setzen viele Bäuer*innen vor allem im globalen Norden digitale Instrumente wie etwa Melkroboter ein. Aber auch im globalen Süden arbeiten immer mehr Landwirt*innen mit Apps, die z.B. Pflanzenkrankheiten erkennen können. Grundsätzlich birgt die Anwendung digitaler Technik neue Möglichkeiten und Chancen, auch etwa zur Vernetzung und Organisierung von Bäuer*innen oder Arbeitenden in der Landwirtschaft. Doch Treiber der Digitalisierung in der Landwirtschaft ist vor allem die Agrar- und Digital-Industrie, deren Interessen dominieren, während die Bedürfnissen von Bauern und Bäuerinnen untergehen. Während sich die internationale Agrar- und Ernährungsindustrie bei der Grünen Woche in Berlin trifft, diskutieren wir mit Ihnen und Expert*innen aus Wissenschaft, Politik und Praxis, welche Risiken und Potenziale die Digitalisierung in der Landwirtschaft birgt. Was: Podiumsdiskussion Wann: Dienstag, 14. Januar 2020, 19 bis 21 Uhr Wo: Heinrich-Böll-Stiftung, Schumannstraße 8, Berlin Außerdem gibt es an diesem Abend eine Prämiere: INKOTA wird erstmals ein neues Positionspapier vorstellen, welches politische Leitplanken für eine sozial gerechte und ökologisch verträgliche digitale Landwirtschaft formuliert. Dieses Papier wird von einem breiten zivilgesellschaftlichen Bündnis getragen, das sich erstmal gemeinsam hinter die darin enthaltenen Forderungen stellt. Ausgehend von den Inhalten des Positionspapiers möchten wir gemeinsam mit Ihnen folgende Fragen diskutieren: Wer hat die Hoheit über die erfassten Daten in der Landwirtschaft? Wie hoch ist der Energie- und Ressourcenverbrauch digitaler Technologien? Inwieweit trägt die Digitalisierung zum Verlust bäuerlichen Wissens bei? Welchen tatsächlichen Nutzen haben digitale Instrumente für Bauern und Bäuerinnen in unterschiedlichen Regionen der Welt? Wer hat überhaupt Zugang zu den Technologien? Wir freuen uns, dass wir für die Diskussion renommierte Expert*innen gewinnen konnten, die aus ganz unterschiedlichen Perspektiven auf das Thema blicken:
  • Key Note Speech: Dr. Alistair Fraser, University of Maynooth, Irland
  • Camila Moreno, Vertreterin der internationalen Kleinbauernorganisation La Vía Campesina aus Brasilien
  • Bernd Voß, Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL)
  • Prof. Dr. Engel Friederike Hessel, Digitalisierungsbeauftragte für das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)
  • Klaus Herbert Rolf, CLAAS / 365 FarmNet
Erfahren Sie mehr zum Themenbereich Digitalisierung in der Landwirtschaft Lesen Sie die Broschüre „Blocking the Chain – Konzernmacht und Big-Data-Plattformen im globalen Ernährungssystem“ Bestellen Sie das Infoblatt Welternährung Nr. 17 „Digitalisierung“
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Mit ‚Trinkgeld‘ gegen Armut von Schuharbeiter*innen?

16. Dezember 2019 - 15:20
Gemeinsam mit dem Unternehmen Tip me hat der Schuhersteller Ethletic in seinem Onlineshop die‚ Trinkgeld‘-Funktion eingeführt: Beim Kauf eines Produkts kann man entscheiden, ob man 0, 1, 3 oder 5 Euro ‚Trinkgeld‘ an die Näher*innen in der pakistanischen Fabrik spendet, die die Schuhe für Ethletic nähen. Mit dem, globalen Trinkgeld‘ versprechen die beiden Unternehmen Verbraucher*innen
  • eine direkte Kommunikation mit den Schuh-Produzent*innen, die eine Wertschätzung für die geleistete Arbeit zum Ausdruck bringt;
  • transparente Einsicht in die Lieferkette des Herstellerunternehmens;
  • die Sicherheit, dass die Arbeiter*innen aus der Schuhproduktion mit 100% des Trinkgeldbetrags finanziell unterstützt werden.
Tip me setzt dabei auf neue technische Möglichkeiten: Geldauszahlung via Mobiltelefon und Nachverfolgbarkeit via Blockchain. Und auf ein direktes Selbstwirksamkeits-Erlebnis: Mit dem ‚Trinkgeld‘ kann jede*r in all der Komplexität von Lieferketten und Welthandel trotzdem direkt zu einer gerechteren Welt(wirtschaft) beitragen. Dafür hat Tip me 2018 den Fairtrade-Award in der Kategorie Nachwuchs gewonnen. Unübersichtliche Transparenz Doch obwohl Tip me ein Transparenzversprechen gibt, bleibt es relativ mühsam herauszufinden, wie mit dem Trinkgeld welche Arbeiter*innen unterstützt werden. Der Begriff ‚Trinkgeld‘ und Slogans wie „I made your shoes“ suggerieren zwar, dass das Geld direkt in voller Höhe an die Arbeiter*innen
geht, die die Schuhe geklebt und genäht haben. Bei näherem Hinsehen zeigt sich allerdings ein anderes Bild: Das Trinkgeld wird an die Workers Welfare Society der Ethletic-Fabrik in Sialkot (Pakistan) weitergeleitet, die das Geld dann treuhänderisch verwaltet und gerecht an die Gesamtbelegschaft der Fabrik verteilt. Es bleibt unklar, ob das Geld in voller Höhe an die
Arbeiter*innen zur individuellen freien Verfügung weitergeleitet wird, oder ob Teile des Geldes auch über die Workers Welfare Society in kollektive Investitionen fließen. Der Grund für dieses Verfahren wird auf dem Blog von Ethletic genannt: „[…W]ir wollen nicht, dass die einen im Betrieb mehr
verdienen als die anderen. Wie wir alle wissen, kann das manchmal zu Problemen führen. Und wir wollen ja das Leben besser machen und nicht komplizierter.“ Was also von dem Versprechen übrigbleibt, man würde über das genannte Verfahren ganz direkt mit Arbeiter*innen in Verbindung treten, ist fraglich. Außerdem bleibt unklar, warum so eine zusätzliche ‚Trinkgeld‘-Maßnahme in einer nach Eigenauskunft von Ethletic bereits als „fair“ beschriebenen Produktionsstätte überhaupt notwendig ist. Die Kund*innen werden an dieser Stelle nicht darüber informiert, was Ethletic eigentlich selbst tut, um existenzsichernde Löhne in seiner Lieferkette zu zahlen. Trotzdem kann man positiv festhalten, dass den Arbeiter*innen mehr Geld zur Verfügung steht, als es ohne Tip me der Fall wäre. Das ist angesichts der erschreckenden Arbeits- und Lebensbedingungen von Menschen, die Schuhe herstellen, nicht zu unterschätzen. INKOTA hat dies mit den Partnern von Change Your Shoes in verschiedenen Ländern in Asien und Osteuropa dokumentiert. Bei aller Kritik und allem Hinterfragen: Eine Initiative wie Tip me kann ein wichtiger Anfangsmoment sein, sich mit Ungerechtigkeiten im Weltwirtschaftssystem zu beschäftigen. Wenn es irgendwo ein ‚Trinkgeld‘ für Arbeiter*innen gibt, stellen sich einige Menschen vielleicht zum ersten Mal wichtige Fragen: Wer hat meine Schuhe eigentlich hergestellt und was hat dieser Mensch verdient? Mit dem ‚globalen Trinkgeld‘ werden Ethletic-Kund*innen dazu angeregt, mit einem finanziellen Beitrag direkte Solidarität mit Arbeiter*innen im globalen Süden zu zeigen und sich für einen besseren Lohn
zu engagieren. Tip Me versucht eine Alternative zu etablieren, wo andere Unternehmen mit Ausreden kommen. Das Verfahren ändert jedoch wenig an ungerechten Strukturen im Weltwirtschaftssystem. Außerdem wird die Verantwortung für Existenzlöhne so tendenziell vom Unternehmen und politischen Rahmenbedingungen auf die Verbraucher*innen verlagert. Lieferkettengesetz statt Trinkgeld
Wenn es um einen Lohn zum Leben geht, reicht es nicht Trinkgeld zu geben. Unternehmen müssen vieles ändern und dazu zählt auch die Einkaufspraktik. Dann kann ein Existenzlohn für jede*n garantiert werden. Wir brauchen strukturelle Veränderungen. Deshalb informieren Sie sich, was Bekleidungs- und Schuhhersteller in Sachen Löhne tun oder lassen. Jetzt „Firmencheck: Existenzlöhne in der globalen Modebranche“ lesen. Informieren Sie sich über die Missstände in der globalen Schuhindustrie. Jetzt die Informationsmaterialien zu „Change Your Shoes“ von INKOTA lesen. Damit die Rahmenbedingungen verändert werden, brauchen wir ein Lieferkettengesetz. Unterstützen Sie INKOTA und die Kampagne für ein Lieferkettengesetz!
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Es war einmal… das Märchen der freiwilligen Unternehmens-verantwortung

12. Dezember 2019 - 12:10
Für uns ist es fast ein bisschen wie Weihnachten: Erst stellen sich Kik, Nestle und mehr als 40 weitere Unternehmen hinter die Forderung nach einem Lieferkettengesetz. Dann sorgt das katastrophale Abschneiden deutscher Unternehmen beim Menschenrechts-Test der Bundesregierung für einen Paukenschlag. Und schließlich kündigen Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) und Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) an, dass sie ein Lieferkettengesetz auf den Weg bringen wollen. Ganz ehrlich: Dass die Debatte um ein Lieferkettengesetz noch in diesem Jahr so eine Dynamik entwickelt, überrascht uns selbst. Doch die sich überschlagenden Ereignisse zeigen: Der Druck der Initiative Lieferkettengesetz wirkt! Und genau jetzt kommt es darauf an, dass wir nicht lockerlassen. Nutzen Sie die Chance, Gewinnen ohne Gewissen endlich einen Riegel vorzuschieben: Unterzeichnen sie jetzt die Petition für ein Lieferkettengesetz!  Jetzt Petition unterzeichnen Nicht einmal mal 100 deutsche Unternehmen erfüllen die menschenrechtlichen Mindestanforderungen. Das ist das erschütternde Ergebnis einer Umfrage unter 3.000 Unternehmen, mit der die Bundesregierung überprüfen wollte, ob sich deutsche Unternehmen freiwillig an menschenrechtliche Standards halten. Und das obwohl Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) alles drangesetzt hatte, das Verfahren zu verwässern und damit die Resultate der Befragung zu beschönigen. Dass es so schlecht um den Menschenrechtsschutz in der deutschen Wirtschaft bestellt ist, hatten nicht mal wir erwartet. Damit ist auch der letzte Beweis erbracht: Freiwillig tun die Unternehmen nicht genug für den Schutz der Menschenrechte. Das wird auch eine weitere Umfrage, die die Bundesregierung in den nächsten Monaten geplant hat, nicht ändern. Es wäre eine Verschwendung von Zeit und Geld. Die Fakten liegen auf dem Tisch – jetzt muss die Bundesregierung unverzüglich anfangen, ein Lieferkettengesetz zu erarbeiten. Und tatsächlich: Arbeitsminister Hubertus Heil und Entwicklungsminister Gerd Müller haben jetzt angekündigt, dass sie bis Mai 2020 die Eckpunkte für ein solches Gesetz liefern wollen. Doch der Widerstand aus dem Wirtschaftsministerium und von Seite der Arbeitgeberverbände regt sich schon: Als „großen Unfug“ bezeichnete Ingo Kramer, Chef der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, die Pläne von Heil und Müller. Dem müssen wir etwas entgegensetzen: Unterzeichnen Sie die Petition für ein Lieferkettengesetz und stärken Sie damit Hubertus Heil und Gerd Müller den Rücken! Unterschreiben Sie jetzt für ein Lieferkettengesetz Die aktuellen Entwicklungen zeigen auch: Unsere hartnäckige Arbeit zahlt sich aus! Erst vor wenigen Tagen hatten sich 42 Unternehmen für eine gesetzliche Regelung ausgesprochen – darunter Ritter Sport, Nestlé, KiK und Vaude; also Unternehmen mit denen INKOTA seit Jahren im kritisch-konstruktiven Dialog steht. Auch auf europäischer Ebene hatten sich Schokoladenhersteller wie Mars und Mondelez für ein Sorgfaltspflichten-Gesetz ausgesprochen – ebenfalls ein Ergebnis unserer langjährigen intensiven Arbeit. Wir können etwas bewegen, doch nicht ohne Ihre Unterstützung. Nur gemeinsam können wir die politischen Entscheidungsträger*innen überzeugen. Fast 90.000 Menschen haben mittlerweile die Petition für ein Lieferkettengesetz unterzeichnet. Helfen Sie uns jetzt, die 100.000er-Marke zu knacken! Unterzeichnen Sie jetzt die Petition und sagen Sie Ihren Freund*innen und Bekannten Bescheid. Teilen Sie unseren Aufruf auf Twitter Teilen Sie unseren Aufruf auf Facebook
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Südlink 190 erschienen

6. Dezember 2019 - 14:30
Konzernverantwortung: Warum wir verbindliche Regeln für alle brauchen Menschenrechtsverletzungen, Umweltzerstörung, grauenhafte Arbeitsbedingungen – das sind häufig die Folgen, wenn internationale Konzerne im globalen Süden produzieren (lassen). Eine neue Kampagne möchte dies ändern.
Wenn deutsche Unternehmen und ihre Zulieferbetriebe im Ausland die Menschenrechte verletzen oder sich nicht um den Erhalt der Umwelt scheren, bleiben diese Vergehen häufig ungeahndet. Viel zu selten übernehmen Konzerne Verantwortung für ihr Handeln im globalen Süden.
Gewinne ohne Gewissen – das will die „Inititiative Lieferkettengesetz“ ändern. Ziel der Kampagne sind verbindliche Regeln, die alle Unternehmen einhalten müssen. Egal wo sie produzieren.
Lesen mehr darüber im Südlink 190 „Konzernverantwortung: Warum wir verbindliche Regeln für alle brauchen“. Er hat 44 Seiten und kann für 4,20 Euro (zzgl. Versandkosten) hier bestellt werden.
Den Schwerpunkt gibt es separat auch als INKOTA-Dossier 22: 28 Seiten für nur 2,50 Euro (zzgl. Versandkosten). Bestellen Sie hier.
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Kinderarbeit im Nikolaus-Stiefel

6. Dezember 2019 - 10:20
Überall glitzert und funkelt es, es riecht nach Glühwein und die Menschen schieben sich von Hütte zu Hütte, um Schokolade und andere Köstlichkeiten zu probieren. Es ist Adventszeit und in Tübingen findet ein großes Schokoladenfestival statt. Elizabeth Osei Agyei trinkt zum ersten Mal in ihrem Leben eine heiße Schokolade. Sie ist Kakaobäuerin aus Ghana und auf Einladung von INKOTA in Deutschland, um über das Leben von Kakaobauernfamilien zu berichten. „Ich war überrascht, dass viele Menschen nicht wissen, woher der Kakao in der Schokolade kommt. Sie wissen nicht, dass Kakaobauern und -bäuerinnen einen sehr niedrigen Preis erhalten“, erzählt sie. An einem verkauften Schoko-Weihnachtsmann verdient eine Kakaobäuerin gerade einmal sechs Cent. Damit Kakaobauernfamilien über ein existenzsicherndes Einkommen verfügen, müsste ihr Einkommen mindestens doppelt so hoch sein wie derzeit. Kakaobäuer*innen sind auf die Arbeit ihrer Kinder angewiesen Ghana ist der zweitgrößte Kakaoproduzent weltweit. 20 Prozent des weltweiten Kakaos stammen aus dem westafrikanischen Land. Elizabeth Osei Agyei erzählt, dass der Rohstoff für unsere Schokolade auf kleinen Flächen meist unter 5 Hektar in mühsamer Handarbeit angebaut wird. Etwa 800.000 Kleinbauern und  bäuerinnen in Ghana sind vom Kakaoanbau abhängig. Immer wieder gibt es Berichte über ausbeuterische Kinderarbeit. Weil sich die Bauern und Bäuerinnen keine angestellten Erntehelfer*innen leisten können, sind sie auf die Arbeit ihrer Kinder angewiesen. Diese tragen schwere Kakaosäcke, versprühen Pestizide – und gehen nicht zur Schule. Kakaobäuerinnen erheben ihre Stimmen Sandra Kwabea Sarkwah von der INKOTA-Partnerorganisation SEND-Ghana begleitet Elizabeth Osei Agyei während der zweiwöchigen Deutschland-Tour. SEND-Ghana hat für 45 Kakaobauernvertreter*innen aus fünf Kooperativen sogenannte Advocacy-Schulungen angeboten. Dabei haben die Teilnehmer*innen zunächst herausgearbeitet, welche zentralen Forderungen sie an die Politik haben. In Rollenspielen haben sie ihre Argumentationsfähigkeit geübt und von den Mitarbeiter*innen von SEND-Ghana Tipps für Verhandlungsstrategien erhalten. „Wenn wir in Ghana die Politik beeinflussen wollen, müssen wir auch die Medien mobilisieren. Wir haben deshalb mit den Teilnehmer*innen vor der Kamera geübt, wie sie in Interviews überzeugend ihre Forderungen vortragen“, erklärt Sandra Kwabea Sarkwah. „Es ist toll zu sehen, dass Elizabeth in Deutschland nun vor großem Publikum spricht, sich mit Bundestagsabgeordneten und Schokoladenfabrikanten trifft und Interviews für Radios und Zeitungen gibt.“ SEND-Ghana hatte spezielle Schulungen nur für Frauen angeboten, um sie besonders zu stärken. „In Schulungen stellen wir oft fest, dass Männer den Frauen ins Wort fallen. In den Schulungen nur für Kakaobäuerinnen hatten die Frauen die Möglichkeit sich in einem geschützten Raum im Argumentieren auszuprobieren. Es sind außerdem zusätzliche Probleme identifiziert worden, von denen besonders Frauen betroffen sind. Sie werden beispielsweise viel häufiger als Männer beim Verkauf ihrer Kakaobohnen durch manipulierte Waagen betrogen. Eine alleinstehende Kakaobäuerin traut sich oft nicht, gegen den Betrug zu protestieren. Von der ghanaischen Regierung fordern sie, dass alle Einkäufer dazu verpflichtet werden, elektronische und zertifizierte Waagen zu nutzen. Weil der niedrige Kakaopreis das zentrale Problem für die Bäuerinnen und Bauern ist, hat SEND-Ghana eine Studie dazu in Auftrag gegeben. Der Handel mit Kakao in Ghana ist durch die staatliche Vermarktungsplattform COCOBOD reguliert. Jeweils zu Beginn der Erntesaison im Oktober wird der Kakaopreis festgelegt, der an die ghanaischen Bäuerinnen und Bauern gezahlt werden muss. Der Preis orientiert sich an den Erlösen, den COCOBOD am Weltmarkt erzielt. Ein Teil der Erlöse behält das COCOBOD ein – für Transportkosten, Qualitätskontrollen, Forschung und die Subventionierung von Dünger, Pestiziden und neuen Kakaopflanzen sowie für Sicherungssysteme gegen die schwankenden Weltmarktpreise. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Preispolitik der staatlichen Behörden intransparent ist.
Bei der Veröffentlichung der Studie ist der Veranstaltungsraum in Accra voll. Mehrere lokale Kamerateams und Radio-Journalisten sind anwesend. SEND hat zur Veröffentlichung auch die Kakaobauern und -bäuerinnen eingeladen, die an den Schulungen teilgenommen haben. „Kaum ein Bauer oder eine Bäuerin weiß, auf welcher Grundlage COCOBOD die Berechnungen zum Kakaopreis anstellt. Die fehlende Transparenz löst bei vielen Bauern und Bäuerinnen Unmut aus. Die Inflationsrate in Ghana ist mit knapp 10 Prozent extrem hoch. Wenn der Kakaopreis dann über drei Jahre stagniert, haben die Bauern am Ende immer weniger Geld in der Tasche“, erklärt Sandra Kwabea Sarkwah. Adam Alhassan ist Kakaobauer und lebt im Dorf Abrokyire in der Ashantie Region. Er erzählt: „COCOBOD sagt, wir bekommen 30 Prozent des Weltmarktpreises, aber dafür kostenlose Pestizide und Kakaobäume. Doch in meinem Dorf ist davon in den vergangenen Jahren nichts angekommen.“ Nachdem Alhassan an den Trainings von SEND teilgenommen hatte, mobilisierte er mehrere Nachbar*innen und den lokalen Dorf-Chef. Gemeinsam setzten sie sich beim Distrikt-Department dafür ein, dass sie die notwendige Unterstützung erhalten. „Wenn wir unsere Rechte kennen, können wir uns auch dafür einsetzen, dass wir zu unserem Recht kommen. Das haben wir bei den Schulungen von SEND gelernt.“ Höchste Zeit für höre Preise Sandra Kwabea Sarkwah ordnet den Kommentar von Kakaobauer Alhassan nochmals ein: „Adam hat es geschafft für sein Dorf Verbesserungen zu bewirken. Aber strukturelle Änderungen müssen auf nationaler und sogar internationaler Ebene passieren. Wir unterstützen die Bauern und Bäuerinnen deshalb auch dabei, Termine mit Vertreterinnen des Parlaments und der Ministerien zu vereinbaren. Nur wenn die Bäuerinnen und Bauern ihre Stimme laut erheben und für sich einstehen, wird die Politik auf ihre Forderungen reagieren.“ Dass die Frage nach einem fairen Preis nicht nur eine nationale Frage ist, sondern auch mit den internationalen Kakao- und Schokoladenkonzernen zusammenhängt, ist SEND-Ghana bewusst. Gemeinsam mit INKOTA fordert SEND daher auch die Schokoladenindustrie dazu auf, Kakaobauern und -bäuerinnen einen existenzsichernden Preis zu garantieren. Als im Oktober 2019 die World Cocoa Foundation, ein Verband der großen Kakao- und Schokoladenunternehmen, in Berlin zu ihrer Jahrestagung mit über 400 Teilnehmer*innen aus Politik und Wirtschaft einlädt, setzen sich SEND und INKOTA dafür ein, dass auch Kakaobauern und -bäuerinnen als Redner*innen eingeladen werden. Einer davon ist Pomasi Ismaila von der Kakaobauernorganisation Cocoa Abrabopa Association. Vor den Vertretern der großen Schokoladenkonzernen macht er in seiner Rede deutlich: „Kakaobauern haben kein existenzsicherndes Einkommen. Die Nachhaltigkeitsprojekte der Unternehmen werden dieses Problem allein nicht lösen. Es ist höchste Zeit, dass die Industrie endlich einen höheren Preis bezahlt.“ Der Artikel ist auch im Neuen Deutschland im Rahmen der Spendenaktion „Teilen macht satt“ erschienen. Erfahren Sie mehr über die Arbeit von INKOTA in Ghana
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Buchvorstellung: Was essen wir morgen?

2. Dezember 2019 - 12:37
Niemals zuvor wurde so viel Getreide produziert wie heute, dennoch hungern wieder mehr Menschen. In seinem Buch „Eating Tomorrow“ nimmt der Wissenschaftler Timothy A. Wise die Leser*innen mit auf eine Reise um die Welt, um zu verstehen woher das kommt. Auf Einladung der Heinrich Böll Stiftung, INKOTA und Brot für die Welt stellt Tim Wise am 12. Dezember die Ergebnisse seiner Recherchen in Berlin vor und steht im Anschluss für Fragen und Diskussionen zur Verfügung. Sie sind herzlich eingeladen!
  • Was: Buchvorstellung „Eating tomorrow – Agribusiness, Family Farmers and the battle for the future of food”
  • Wann: Donnerstag, 12. Dezember 2019, 18:30 – 20:30 Uhr
  • Wo: Heinrich-Böll-Stiftung, Schumannstraße 8, 10117 Berlin
Für sein Buch „Eating Tomorrow“ hat der Experte für Landwirtschaft, Globalisierung und das Recht auf Nahrung Kleinbäuer*innen und Aktivist*innen in Afrika, Mexiko, Indien und den USA besucht und mit Vertreter*innen multinationaler Konzerne, Regierungsbeamt*innen und Expert*innen internationaler Institutionen wie den Vereinten Nationen oder der Weltbank gesprochen. Von ihnen allen wollte er wissen, was wir tun müssen, um mehr und bessere Nahrungsmittel so anzubauen, dass die Umwelt nicht zerstört wird - und alle Menschen genug zu essen haben. Tim Wise zeigt auf, wie die Agrarindustrie die Lebensmittelpolitik im Sinne der Unternehmensinteressen übernommen hat. Statt Hunger langfristig und nachhaltig zu bekämpfen, untergräbt sie die nachhaltige Nahrungsmittelproduktion und zerstört die natürlichen Ressourcen - Land, Luft, Wasser. Dem stellt Tim Wise zahlreiche Beispiele wie etwa das indische Netzwerk für das Recht auf Nahrung oder die mexikanischen Zivilgesellschaft gegenüber, die zeigen, wie ein gerechtes und nachhaltiges Ernährungssystem funktionieren könnte. An diesem Abend diskutieren mit Ihnen:
  • Timothy A. Wise, Leiter des Land and Food Rights Program am Small Planet Institute in Cambridge, Massachusettes und Forscher an der Tufts University, wo er das Globalization and Sustainable Development Program gründete und leitete.
Kommentare von:
  • Neth Dano, Ko-Geschäftsführerin bei der ETC Group (Aktionsgruppe zu Erosion, Technology and Concentration) zu Marktkonzentrationsprozessen im Agrar- und Lebensmittelsektor.
  • Stig Tanzmann, Referent für Landwirtschaft und Welternährung bei Brot für die Welt, zur Einordnung in die deutsche Entwicklungs- und Agrarpolitk.
Moderation: Lena Bassermann, Referentin für globale Landwirtschaft und Welternährung beim INKOTA-netzwerk. Die Buchvorstellung ist eine Kooperationsveranstaltung der Heinrich-Böll-Stiftung, dem INKOTA-netzwerk und Brot für die Welt. Erfahren Sie mehr zum Thema Agrarökologie Lesen Sie jetzt im INKOTA-Magazin Südlink zum Thema Agrarökologie
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Mit ‚Trinkgeld‘ gegen Armut von Schuharbeiter*innen?

28. November 2019 - 11:26
Gemeinsam mit dem Unternehmen Tip me hat der Schuhersteller Ethletic in seinem Onlineshop die‚ Trinkgeld‘-Funktion eingeführt: Beim Kauf eines Produkts kann man entscheiden, ob man 0, 1, 3 oder 5 Euro ‚Trinkgeld‘ an die Näher*innen in der pakistanischen Fabrik spendet, die die Schuhe für Ethletic nähen. Mit dem, globalen Trinkgeld‘ versprechen die beiden Unternehmen Verbraucher*innen
  • eine direkte Kommunikation mit den Schuh-Produzent*innen, die eine Wertschätzung für die geleistete Arbeit zum Ausdruck bringt;
  • transparente Einsicht in die Lieferkette des Herstellerunternehmens;
  • die Sicherheit, dass die Arbeiter*innen aus der Schuhproduktion mit 100% des Trinkgeldbetrags finanziell unterstützt werden.
Tip me setzt dabei auf neue technische Möglichkeiten: Geldauszahlung via Mobiltelefon und Nachverfolgbarkeit via Blockchain. Und auf ein direktes Selbstwirksamkeits-Erlebnis: Mit dem ‚Trinkgeld‘ kann jede*r in all der Komplexität von Lieferketten und Welthandel trotzdem direkt zu einer gerechteren Welt(wirtschaft) beitragen. Dafür hat Tip me 2018 den Fairtrade-Award in der Kategorie Nachwuchs gewonnen. Unübersichtliche Transparenz Doch obwohl Tip me ein Transparenzversprechen gibt, bleibt es relativ mühsam herauszufinden, wie mit dem Trinkgeld welche Arbeiter*innen unterstützt werden. Der Begriff ‚Trinkgeld‘ und Slogans wie „I made your shoes“ suggerieren zwar, dass das Geld direkt in voller Höhe an die Arbeiter*innen
geht, die die Schuhe geklebt und genäht haben. Bei näherem Hinsehen zeigt sich allerdings ein anderes Bild: Das Trinkgeld wird an die Workers Welfare Society der Ethletic-Fabrik in Sialkot (Pakistan) weitergeleitet, die das Geld dann treuhänderisch verwaltet und gerecht an die Gesamtbelegschaft der Fabrik verteilt. Es bleibt unklar, ob das Geld in voller Höhe an die
Arbeiter*innen zur individuellen freien Verfügung weitergeleitet wird, oder ob Teile des Geldes auch über die Workers Welfare Society in kollektive Investitionen fließen. Der Grund für dieses Verfahren wird auf dem Blog von Ethletic genannt: „[…W]ir wollen nicht, dass die einen im Betrieb mehr
verdienen als die anderen. Wie wir alle wissen, kann das manchmal zu Problemen führen. Und wir wollen ja das Leben besser machen und nicht komplizierter.“ Was also von dem Versprechen übrigbleibt, man würde über das genannte Verfahren ganz direkt mit Arbeiter*innen in Verbindung treten, ist fraglich. Außerdem bleibt unklar, warum so eine zusätzliche ‚Trinkgeld‘-Maßnahme in einer nach Eigenauskunft von Ethletic bereits als „fair“ beschriebenen Produktionsstätte überhaupt notwendig ist. Die Kund*innen werden an dieser Stelle nicht darüber informiert, was Ethletic eigentlich selbst tut, um existenzsichernde Löhne in seiner Lieferkette zu zahlen. Trotzdem kann man positiv festhalten, dass den Arbeiter*innen mehr Geld zur Verfügung steht, als es ohne Tip me der Fall wäre. Das ist angesichts der erschreckenden Arbeits- und Lebensbedingungen von Menschen, die Schuhe herstellen, nicht zu unterschätzen. INKOTA hat dies mit den Partnern von Change Your Shoes in verschiedenen Ländern in Asien und Osteuropa dokumentiert. Bei aller Kritik und allem Hinterfragen: Eine Initiative wie Tip me kann ein wichtiger Anfangsmoment sein, sich mit Ungerechtigkeiten im Weltwirtschaftssystem zu beschäftigen. Wenn es irgendwo ein ‚Trinkgeld‘ für Arbeiter*innen gibt, stellen sich einige Menschen vielleicht zum ersten Mal wichtige Fragen: Wer hat meine Schuhe eigentlich hergestellt und was hat dieser Mensch verdient? Mit dem ‚globalen Trinkgeld‘ werden Ethletic-Kund*innen dazu angeregt, mit einem finanziellen Beitrag direkte Solidarität mit Arbeiter*innen im globalen Süden zu zeigen und sich für einen besseren Lohn
zu engagieren. Tip Me versucht eine Alternative zu etablieren, wo andere Unternehmen mit Ausreden kommen. Das Verfahren ändert jedoch wenig an ungerechten Strukturen im Weltwirtschaftssystem. Außerdem wird die Verantwortung für Existenzlöhne so tendenziell vom Unternehmen und politischen Rahmenbedingungen auf die Verbraucher*innen verlagert. Lieferkettengesetz statt Trinkgeld
Wenn es um einen Lohn zum Leben geht, reicht es nicht Trinkgeld zu geben. Unternehmen müssen vieles ändern und dazu zählt auch die Einkaufspraktik. Dann kann ein Existenzlohn für jede*n garantiert werden. Wir brauchen strukturelle Veränderungen. Deshalb informieren Sie sich, was Bekleidungs- und Schuhhersteller in Sachen Löhne tun oder lassen. Jetzt „Firmencheck: Existenzlöhne in der globalen Modebranche“ lesen. Informieren Sie sich über die Missstände in der globalen Schuhindustrie. Jetzt die Informationsmaterialien zu „Change Your Shoes“ von INKOTA lesen. Damit die Rahmenbedingungen verändert werden, brauchen wir ein Lieferkettengesetz. Unterstützen Sie INKOTA und die Kampagne für ein Lieferkettengesetz!
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Prüfer wie TÜV Rheinland schaffen keinen Schutz für Menschenrechte

11. November 2019 - 14:19
Nach Veröffentlichung eines vernichtenden Berichts über die Arbeit der Prüfbranche in der Textilindustrie sieht INKOTA ein Lieferkettengesetz als logische Konsequenz. Heute hat die Kampagne für Saubere Kleidung einen umfassenden Bericht über die Arbeit der Prüfbranche in der Textilindustrie vorgelegt. Demnach lassen sich die sogenannten Sozialaudits wie TÜV Rheinland, Bureau Veritas und RINA stark von den Interessen der Unternehmen leiten, die sie beauftragen, anstatt verlässliche Prüfungen vorzunehmen. Bei der Vorbeugung von Katastrophen wie dem Gebäudeeinsturz von Rana Plaza (2012), dem Fabrikfeuer von Ali Enterprises (2013) oder der Kesselexplosion in der Multifabs-Fabrik (2017) mit tausenden Toten und Verletzten haben die kommerziellen Prüforganisationen versagt. INKOTA-Referent Bernd Hinzmann kommentiert: „Sozialaudits sollen die Einhaltung von Menschenrechten bei der Arbeit kontrollieren und sicherstellen. Doch offenbar funktioniert das nicht, wie die traurigen Beispiele von Rana Plaza oder Ali Enterprises zeigen. Dort wurden Fabriken für sicher erklärt, die jedoch einstürzten oder in Flammen aufgingen, so dass tausende Arbeiter*innen ihr Leben verloren. Deshalb ist es höchste Zeit, dass der Gesetzgeber verbindliche Standards formuliert, die für ein Unternehmen und dessen Lieferkette sowie deren Dienstleister – die Audit- und
Zertifizierungsgesellschaften – gelten. Diese Kriterien müssen ebenso öffentlich zugänglich sein wie die Ergebnisse der Prüfungen. Bislang versperren sich Unternehmen gegen diese Regulatorien und die damit verbundene Transparenz. Deshalb muss nun die Bundesregierung mit einem ambitionierten Lieferkettengesetz für einen Rahmen sorgen, der die Wahrung der Menschenrechte gewährleistet, ganz gleich wo deutsche Unternehmen produzieren oder produzieren lassen. Dieses Gesetz muss die Offenlegungs- und Berichtspflichten entsprechend der OECD-Leitlinien ausgestalten und ebenso die Frage der Haftung klären. Ein Lieferkettengesetz mit starken Sorgfaltspflichten für die Menschenrechte und Haftung für Unternehmen würde dann auch Treiber für den Grünen Knopf oder das Textilbündnis sein. Darüber hinaus brauchen wir bei den Audits eine wirksame Einbeziehung von Gewerkschaften und Arbeiter*innen vor Ort.“ Bericht "Sozialaudits – Wie sie Unternehmen schützen und Arbeiter*innen im Stich lassen" lesen Jetzt Petition für ein Lieferkettengesetz unterzeichnen
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"Decolonize Chocolate" – Kinovorstellung in Hamburg

11. November 2019 - 12:51
Warum wird Schokolade eigentlich so gut wie nie in den Ursprungsländern des Kakaos hergestellt? Was für politische Rahmenbedingungen sind nötig, um die Schieflage im globalen Handels- gefüge zu durchbrechen und welches Engagement zeigen europäische Schokoladen- firmen hinsichtlich einer gerechteren Wertschöpfung und einer Verbesserung der Arbeits- und Produktionsbedingungen in den Kakao-Anbauländern?
  • Was: Film "Decolonize Chocolate" + Diskussion
  • Wann: Di, 19. November 2019, 20 Uhr
  • Wo: Lichtmess Kino, Gaußstraße 25, 22765 Hamburg
  • Mit: fairafric + Evelyn Bahn, Referentin vom INKOTA-netzwerk
Der Film „Decolonize Chocolate“ (Ghana 2019, 70 Min, Deutsch/Englisch mit Deutschen/Englischen UT) geht dieser Frage nach und gibt exklusive Einblicke in die Pionierarbeit der ghanaischen Schokoladenproduktion. Auf einer Reise durch Ghana trifft fairafric Gründer Hendrik die Bio-Kakaobäuerin Mavis, den Schokoladenfabrik-Arbeiter Michael und Yayra, den Gründer der ersten Bio-Kakao-Initiative Ghanas, und spricht mit ihnen über ihren Arbeitsalltag und die Schwierigkeiten eines gleichberechtigten Kakaohandels. Im Anschluss an das Filmscreening diskutiert Evelyn Bahn vom INKOTA-netzwerk mit Vertreter*innen von fairafric darüber, wie Gewinne aus der Schokoladenproduktion gerecht verteilt werden können, sodass die Länder des globalen Südens nicht mehr länger nur als reine Rohstofflieferanten dienen. Wie wirken sich Kolonialismus und Globalisierung bis heute auf Welthandel, globale Arbeitsteilung und Produktion aus?

Seien Sie dabei und diskutieren Sie mit!

Jetzt Petition für ein Lieferkettengesetz unterzeichnen
Fallbeispiel Kakao: Damit Menschenrechte nicht durch den Kakao gezogen werden
Infoblatt 5: Kinderarbeit Die Veranstaltung ist Teil von arbeit global und findet statt in Kooperation mit dem Lichtmess Kino, fairafric und dem INKOTA Netzwerk sowie mit Unterstützung von Zusammen Leben und Arbeiten e.V.
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