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Publikationen des Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE)
Aktualisiert: vor 3 Stunden 28 Minuten

African jobs in the digital era: export options with a focus on online labour

17. Februar 2020 - 14:33

This study asks what impact the Fourth Industrial Revolution will have on job creation and catchup development in Sub-Saharan Africa over the coming decade. Can light manufacturing export sectors still serve African development the way they served East Asian development in the past? If factory floor automation reduces the need for low-cost labour in global value chains, can IT-enabled services exports become an alternative driver of African catch-up development? I present case study evidence from Kenya to show that online freelancing has become an interesting sector, both in terms of its growth trajectory, and in terms of worker upward mobility in the global knowledge economy. As life everywhere moves further into the digital realm, and global internet connectivity between Africa and the rest of the world grows, more and more young Africans who stream onto the labour market may find work in the world of global online freelancing. I discuss the building blocks needed to make online work a sustainable vehicle for African catch-up development in the years ahead.

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China’s growing engagement with the UNDS as an emerging nation: changing rationales, funding preferences and future trends

17. Februar 2020 - 13:28

As China deepens its engagement in global governance and development, its strategic motivation and rising influence within the UN and on international rules and norms are attracting the world’s attention. This paper focuses on China’s engagement with the UNDS, specifically Chinese funding and allocation decisions. China’s UNDS funding has risen rapidly since 2008 and even accelerated in 2013. Between 2013 and 2017, Chinese funding (excluding local resources) grew at an annual average rate of 33.8 per cent. In 2017, its total contribution reached USD 325.869 million. China’s shares of core funding and assessed contribution in its total UNDS funding are much higher than traditional donor countries. However, the share of non-core funding has also jumped. While China tends to mostly provide funds for UNDS development projects, in recent years it has also been hiking funding for humanitarian assistance. This paper also examines three cases of China’s earmarked funding – to the UNDP and the WFP, which receive the largest share of its UNDS funds, as well as for UNPDF operations, which count as a voluntary contribution. There are several reasons for China’s growing engagement with the UNDS, from evolving perception of foreign aid and appreciating the UN’s multilateral assets to fostering the reputation of “responsible great nation” and pushing forward the Belt and Road Initiative (BRI) through cooperation with the UNDS. In general, China continues to integrate into the global development system, and can be expected to maintain its support for the UN and continue to contribute to the UNDS.

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Riskiert die EU erneut einen „no deal“?

17. Februar 2020 - 9:00

Drei Wochen nach der Verabschiedung Großbritanniens durch das Europäische Parlament, bei der die Abgeordneten Robert Burns‘ „Auld Lang Syne“ anstimmten, beruft EU-Ratspräsident Charles Michel die Staats- und Regierungschefs der EU für den 20. Februar zu einem Sondergipfel über den EU-Haushalt ein. Ziel des Gipfels ist es, eine Einigung über den nächsten Mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) der EU zu erzielen, den Haushalt der Union für den Zeitraum 2021-2027. Derzeit fordern einige Mitgliedsstaaten weitere Kürzungen des vorgelegten Haushaltsplans. Weitere Kürzungen würden jedoch die Fähigkeit der EU beschneiden, global zu handeln und eine nachhaltige, langfristige Partnerschaft mit dem afrikanischen Kontinent aufzubauen.

Auch wenn EU-Haushaltsgipfel nie einfach sind, wird dieser Gipfel wohl eine besondere Herausforderung darstellen. Wie EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen dem Europäischen Parlament berichtete, hinterlässt der Weggang des Vereinigten Königreichs eine Lücke von 75 Mrd. Euro im nächsten MFR. In dieser neuen Situation verhärten sich die Positionen zwischen den Mitgliedsstaaten, die sich als ‚Netto-Beitragszahler‘ betrachten, und denjenigen, die für öffentliche Investitionen in hohem Maße auf EU-Mittel angewiesen sind. Zudem fordern einige Mitgliedstaaten nachdrücklich die Beibehaltung des derzeitigen Ausgabenniveaus für die Regionalentwicklung, andere fordern dasselbe für Agrarsubventionen – beides erhebliche Bestandteile des EU-Haushalts, jedoch mit zweifelhaftem europäischem Mehrwert.

Anfang Dezember wurde ein Kompromissvorschlag für den MFR intern abgestimmt, welcher kurz darauf an die Presse weitergeleitet wurde. Der Kompromiss sah einen Haushalt vor, der 1,07 Prozent des Bruttonationaleinkommens (BNE) der 27 Mitgliedsstaaten entspricht. Dies stellte eine erheblichen Reduzierung dar gegenüber dem Vorschlag der Kommission vom Mai 2018 in Höhe von 1,114 Prozent. Dennoch liegt auch dieser Haushaltsplan noch über dem von den Netto-Beitragszahlern geforderten 1 Prozent – ironischerweise eine Zahl, die einst von David Cameron vorgebracht worden war. Das Gezerre um Prozentpunkte von Ländern, die stark von der EU-Mitgliedschaft profitieren, zeigt, dass die europäische Integration ins Stocken geraten ist, seit das Projekt vor über sechs Jahrzehnten begonnen wurde. Es ist zu erwarten, dass Ratspräsident Charles Michel noch vor dem Gipfel einen neuen Kompromissvorschlag vorlegen wird.

Auch die Budgetmittel für auswärtige Maßnahmen, und damit von der Leyens ambitionierte Pläne einer geopolitischen Kommission, unterliegen dem Kampf um Steuergelder. Bereits der erste Kompromissvorschlag von Dezember sah vor, die geplanten 123 Mrd. Euro für auswärtige Maßnahmen auf 103 Mrd. Euro zu reduzieren, wobei die Mittel für Subsahara-Afrika um beachtliche 15 Prozent von 32 Mrd. Euro auf 27 Mrd. Euro sinken sollten. Weitere Kürzungen des Gesamthaushalts drohen die verbleibenden Mittel für die externen Politikbereiche auszuzehren.

Obwohl es sich bei den Budgetverhandlungen im Wesentlichen um einen vom Rat gesteuerten Prozess handelt, muss der Haushalt auch vom Europäischen Parlament verabschiedet werden. Dessen Berichterstatter Jan Olbrycht bemerkte im Dezember vergangenen Jahres, dass auf der Grundlage des vorgeschlagenen Budgets „das von der Europäischen Kommission vorgelegte Programm unmöglich umgesetzt werden kann“. Ein Kernelement dieses Programms ist die EU-Außenpolitik, für deren effektiven Umsetzung die Kommission in ihren politischen Leitlinien ursprünglich eine Erhöhung um 30 Prozent gegenüber dem jetzigen Haushalt veranschlagt hatte.

Um den EU-Außenhaushalt vor weiteren Kürzungen zu schützen, müssen die Verhandlungspartner ein überzeugendes Narrativ bieten, das die Bedeutung der EU-Außen- und Entwicklungspolitik sowohl für das internationale als auch für das heimische Publikum deutlich macht. Bereits heute haben einige Mitgliedsstaaten Entwicklungszusammenarbeit als ein Soft Power-Instrument zur Verfolgung von Hard Power-Zielen erkannt. Dennoch ringt die EU damit, dieses Narrativ in die Praxis umzusetzen, etwa in einer geplanten Gesamtstrategie für Afrika oder im europäischen Green Deal. Der Green Deal hat das Potenzial, dem EU-Anspruch gerecht zu werden, eine globale Führungsrolle in der Klimapolitik zu übernehmen. Dazu müssen jedoch mehr Mittel für die externe Dimension des Klimaschutzes bereitgestellt werden.

Weitere Probleme zeichnen sich am Horizont ab. Die anhaltende Verhärtung der Positionen könnte auch dazu führen, dass die Verhandlungen am Jahresende in einer „no deal“-Situation enden. Das Europäische Parlament hat eine solche Möglichkeit bereits angedeutet und in einer Entschließung im Oktober 2019 gefordert, Vorkehrungen für den Fall zu treffen, dass eine Einigung nicht rechtzeitig erzielt wird. Obwohl eine solche Übergangslösung zunächst angemessene finanzielle Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit sicherstellen würde, würde eine Verlängerung des derzeitigen MFR zu einem krassen Missverhältnis zwischen den politischen Ambitionen der EU und den tatsächlichen Möglichkeiten führen. Angesichts dieser alarmierenden Lage ist zu hoffen, dass sich alle Beteiligten weiterhin für die Aushandlung eines MFR einsetzen werden, der – auch wenn er niemanden individuell glücklich macht – den übergreifenden Zielen der Union gerecht wird.

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Legitimation und Legitimität in vergleichender Perspektive

13. Februar 2020 - 12:35

Die Legitimität politischer Ordnung ist in den letzten Jahren zu einem wichtigen Referenzpunkt für die Analyse politischer Regime geworden. Das Konzept ist aber schwierig zu operationalisieren und zu messen – vor allem in Ländern, wo Legitimität eine besonders wichtige Ressource zu sein scheint (Fälle politischer Transformation und hoher Staatsfragilität). Dieses Kapitel gibt einen Überblick über den Forschungsstand. Es werden vier Messdimensionen unterschieden, die auf einem dialogischen Verständnis von Legitimität beruhen. Legitimierung, also die strategische Einwerbung von Legitimität, wird einerseits als Prozess verstanden, bei dem Legitimitätserwartungen der politischen Subjekte mit Leistungen des politischen Regimes verknüpft werden. Andererseits treffen die Legitimitätsansprüche der Herrschenden auf beobachtbare Verhaltensmuster der Beherrschten. Der Literaturüberblick macht deutlich, dass der dialogische Charakter von Legitimität nicht immer berücksichtigt wird. Im Ergebnis messen existierende Ansätze oft nur einzelne Aspekte von Legitimität bzw. verfehlen den Kern des Konzepts sogar völlig.

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The EU-China investment agreement negotiations: rationale, motivations, and contentious issues

13. Februar 2020 - 11:15

China and the European Union (EU) entered into the negotiation of a comprehensive agreement on investment (CAI) agreement in 2013. These negotiations have not only great importance for the promotion of bilateral investment relations between China and the EU but also for the global investment regime. In light of the substantial revision by China and the EU of their international investment agreement (IIA) approaches in recent years the negotiations are far from being a sure-fire success. These revisions took place, inter alia, against the background of changing preferences in light of growing Chinese outward foreign investments and controversial discussion about the scope and substance of the new competence of the European Union for the negotiation of IIAs. Both China and the EU have also been subject to investment treaty claims that influenced their thinking about the need to revise both substantive and procedural investment agreement provisions. Against this background, this chapter will provide an overview of the contentious issues in the negotiations towards an EU-China investment agreement. Given the fact that other chapters of this volume are dealing in depth with the investor-state arbitration this chapter will focus on substantive provisions such as market access, investment protection and social and environmental standards. The main emphasis will be on the European perspective.

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Nachhaltigkeit in globalen Wertschöpfungsketten: längst kein schmückendes Beiwerk, sondern ein Muss

13. Februar 2020 - 11:04

Globale Wertschöpfungsketten stehen im Brennpunkt vieler aktueller Debatten über die Auswirkungen wirt-schaftlicher Globalisierung und deren Gestaltung im Sinne nachhaltiger Entwicklung. Dieser Artikel diskutiert das Wechselverhältnis von Nachhaltigkeit und globalen Wertschöpfungsketten, arbeitet Zielkonflikte heraus und beleuchtet die Verantwortung staatlicher und privater Akteure.

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Globale Wertschöpfung, globale Verantwortung? Nachhaltigkeit in globalen Wertschöpfungsketten

13. Februar 2020 - 10:57

Globale Wertschöpfungsketten sind das zentrale Strukturierungselement der Weltwirtschaft und somit auch eines der wichtigsten Zielfelder zur Förderung nachhaltiger Entwicklung. Die Ausbreitung von global vernetzten Produktionsketten bringt neben Chancen für Wirtschaftswachstum und Entwicklung auch eine Reihe von Herausforderungen mit sich, die sich in Zielkonflik-ten zwischen den drei Dimensionen der Nachhaltigkeit (ökologisch, sozial und ökonomisch) und den Priori-täten verschiedener Akteure widerspiegeln. Vor dem Hintergrund dieser Zielkonflikte bietet die vorliegende Studie Empftehlungen für bessere Regu lierungen und Standards zur Förderung von Nachhaltigkeit in globalen Wertschöpfungsketten.

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Ansätze einer adäquaten Klimamigrationsforschung

13. Februar 2020 - 10:42

Befeuert durch die „Fridays for Future“-Demonstrationen und sich überschlagende Schlagzeilen über Dürrekatastrophen, Waldbrände oder Flutereignisse ist der Klimawandel eines der zentralen Themen unserer Zeit. Die Angst, dass vielleicht schon in wenigen Jahren eine gigantische Welle von „Klimaflüchtlingen“ auf Europa oder auch Nordamerika zurollt, ist allenthalben zu spüren und ist nicht für wenige auch ein wichtiges Argument dafür, es endlich ernst zu meinen mit dem Klimaschutz. Bereits seit den 1990er Jahren kursieren Prognosen und Schätzungen durch Politik und Medien, wonach wir bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts mit 200 Millionen oder sogar noch vielmehr Geflüchteten aufgrund der Auswirkungen der globalen Erwärmung rechnen müssen. Das Thema Klimawandel und Migration beschäftigt dabei seit einigen Jahren auch schon den Weltklimagipfel und wird zunehmend z.B. auch ein Thema in der Entwicklungszusammenarbeit. Dieser Artikel setzt sich mit der Frage auseinander, wie eine zeitgemäße Auseinandersetzung mit dem Thema "Klimamigration" in der Forschung aussehen sollte.

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Steuer- und Sozialpolitik: ein unterschätzter Beitrag zur sozialen Kohäsion

13. Februar 2020 - 10:27

Soziale Kohäsion ist eine Voraussetzung für friedliche und wirtschaftlich erfolgreiche Gesellschaften. Die Frage, was Gesellschaften zusammenhält und welche Politik soziale Kohäsion stärkt, wird auf nationaler und internationaler Ebene immer prominenter diskutiert. In diesem Briefing Papier wird der unterschätzte Beitrag von Steuer- und Sozialpolitik zur sozialen Kohäsion erörtert.
Es ist offensichtlich, dass öffentliche Einnahmen und Sozialpolitik untrennbar miteinander verknüpft sind. Insbesondere werden öffentliche Einnahmen benötigt, um ehrgeizigere Sozialpolitik (wie bspw. soziale Sicherungssysteme oder umfassenden Gesundheitsversorgung) zu finanzieren und es den Ländern zu ermöglichen, Ziele wie etwa die der Agenda für nachhaltige Entwicklung 2030 zu erreichen. Auch kann eine bessere Sozialpolitik die Akzeptanz für höhere Steuern und Gebühren steigern. Darüber hinaus kann die bessere Verzahnung von öffentlichen Einnahmen und Sozialpolitik einen wesentlichen Beitrag zur Stärkung der sozialen Kohäsion leisten.
Um diese Zusammenhänge zu beleuchten, ist das Konzept des „Fiskalvertrags“ ein sinnvoller Ausgangpunkt. Dieses Konzept basiert auf der Grundidee, dass Regierungen öffentliche Leistungen gegen Einnahmen tauschen. Fiskalverträge können anhand von zwei Dimensionen charakterisiert werden: (i) dem Grad der Zustimmung, d.h. der Anzahl der Akteure und Gruppen, die den Fiskalvertrag akzeptieren und ideal-erweise proaktiv unterstützen, und (ii) dem Grad der Beteiligung, d.h. dem Anteil der Bevölkerung, der als Steuerzahler, als Begünstigter der Sozialpolitik oder beides beteiligt ist. In vielen Entwicklungsländern ist die Beteiligung entweder aufgrund von staatlicher Unfähigkeit oder verzerrtem Handeln zum Vorteil von Eliten eher gering.
Angesichts der verbreiteten Auffassung, dass Politik ungerecht und ineffizient ist, ist auch der Grad der Zustimmung gering. Gerade in diesem Zusammenhang sind Interventionen auf beiden Seiten des öffentlichen Haushalts von zentraler Bedeutung und können einen erheblichen gesellschaftlichen Einfluss über den fiskalischen Bereich hinaus haben.
Wir argumentieren, dass Entwicklungsmaßnahmen zu Steuererhebung und Sozialpolitik einen großen Einfluss auf den Fiskalvertrag und darüber hinaus ausüben. Wir identifizieren insbesondere drei Mechanismen, die Sozialpolitik und Steuererhebung verknüpfen und mit deren Hilfe politische Entscheidungsträger den Fiskalvertrag und damit soziale Kohäsion stärken können:

  1. Steigerung der Wirksamkeit und Ausdehnung von öffentlicher Sozialpolitik. Diese Maßnahmen können die Wahrnehmung des Staates durch die Bürger verbessern, ihre Bereitschaft zur Entrichtung von Steuern erhöhen und damit die öffentlichen Einnahmen steigern.
  2. Verbreiterung der Steuerbasis. Dies wird neue Einnahmen generieren, die neue Sozialpolitiken finanzieren können. Noch wichtiger ist, dass sie die Beteiligung am Fiskalvertrag erhöht, was wiederum zu einer stärkeren Rechenschaftspflicht bei der Nutzung öffentlicher Mittel führen kann.
  3. Verbesserung der Transparenz. Dies kann öffentliche Debatten zur Nutzung von Steuereinahmen anregen und die Wahrnehmung des Fiskalsystems durch die Bevölkerung beeinflussen. Hierzu sind Regierungskampagnen nützlich, die über die wichtigsten Merkmale der geplanten Politik informieren, sowie Maßnahmen zur Verbesserung des Monitoring- und Evaluierungssystems.
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Verhalten im Fokus: wie eine verhaltenswissenschaftliche Perspektive Politikmaßnahmen in der Entwicklungszusammenarbeit verbessern kann

13. Februar 2020 - 10:09

Für die Gestaltung und Umsetzung von Politikmaßnahmen ist es wichtig zu verstehen, was menschliches Verhalten bestimmt. Nur wenn die jeweilige Zielgruppe ein positives Verhalten gegenüber der Maßnahme einnimmt, kann dieses auch erfolgreich umgesetzt werden. Untersuchungen haben gezeigt, dass Menschen keine rationalen Akteure sind und es oft nicht ausreicht, ihnen finanzielle oder materielle Anreize zu geben, um langfristige Verhaltensänderungen zu fördern. Dies gilt auch für Programme in der Entwicklungszusammenarbeit. Aus diesem Grund ist die Berücksichtigung menschlichen Verhaltens, einschließlich des lokalen Kontextes des Individuums, in den Mittelpunkt bei der Gestaltung und Umsetzung von Maßnahmen in der Entwicklungszusammenarbeit gerückt. Die Weltbank hat diesen Punkt mit ihrem Weltentwicklungsbericht 2015 „Menschliches Verhalten und Entwicklung“ nachdrücklich hervorgehoben und damit die Relevanz der Erkenntnisse aus der Verhaltensforschung für die Entwicklungszusammenarbeit betont. Auch wenn Akteure in der Entwicklungszusammenarbeit bei der Programmgestaltung und -implementierung Verhaltensaspekte bereits intuitiv berücksichtigen mögen, kann eine systematische Berücksichtigung die Programmeffektivität ohne größeren finanziellen Aufwand erhöhen. Aus diesem Grund stellen wir mit der Theory of Planned Behavior (TPB) (Ajzen, 1991) einen Ansatz vor, der Praktiker*innen und Forschern helfen kann, wichtige verhaltensrelevante Faktoren bei der Gestaltung und Umsetzung von Entwicklungsprogrammen zu berücksichtigen. Die TPB identifiziert drei entscheidende Faktoren menschlichen Verhaltens: die Einstellung des Einzelnen zur Intervention (beeinflusst durch Vorkenntnisse, Informationen oder Lernen), subjektive Normen (beeinflusst durch wichtige Personen, wie Familienmitglieder oder Vorgesetzte) und die wahrgenommene Verhaltenskontrolle (beeinflusst durch die subjektive Bewertung von hemmenden und fördernden Faktoren). Die Theorie sollte frühzeitig bei der Programmgestaltung genutzt werden, um im jeweiligen Kontext verhaltensrelevante Faktoren strukturiert zu berücksichtigen. Oft kann mithilfe der TPB Faktoren mit geringem finanziellen Aufwand in Entwicklungsmaßnahmen integriert werden. Einfache Leitfragen (siehe Kasten 1) können helfen, die Theorie bei der Programmgestaltung zu berücksichtigen. Ein iterativer und integrativer Prozess, insbesondere im Austausch mit der Zielgruppe und anderen beteiligten Interessensgruppen, steigert den Erfolg.

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Agricultural growth corridors in sub-Saharan Africa – new hope for agricultural transformation and rural development? The case of the Southern agricultural growth corridor of Tanzania

11. Februar 2020 - 18:26

Agricultural growth corridors – areas along a central transport line that receive intensive agricultural investments – are a recent approach to economic development in sub-Saharan Africa. Since they are usually planned and managed as strategic private-public partnerships, they promise to bring together expertise, funding and coordination that are usually dispersed and aim to benefit from multiple synergies that arise. There are, however, huge pitfalls to overcome: on the input side the challenges of complex planning and implementation with unequal partners with very different capacities, expectations and time horizons and on the outcome side risks of social exclusion, land grabbing and ecological stress. At the same time, the problems of a conducive environment for agriculture and investment can only partially be overcome by a corridor approach. This chapter brings together literature on geographical approaches to rural development as well as empirical evidence from the Southern Agricultural Growth Corridor of Tanzania (SAGCOT). A set of policy conclusions is derived, generally keeping up the principles but recommending starting with small units, flexibility of products and partners and seed money for public investments.

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So steigern wir die Sichtbarkeit von Expertinnen

10. Februar 2020 - 9:00

Reden wir über „manels“. Das sind Veranstaltungen mit ausschließlich männlichen Sprechern. Sie stehen stellvertretend für ein Problem in Wissenschaft und Gesellschaft. Die Open Society Foundation hat bei über 20 hochrangigen europäischen Konferenzen zwischen 2012 bis 2017 die Geschlechterzugehörigkeit der Sprecher*innen untersucht. Diese waren nur zu 26 Prozent Frauen. Zu ähnlichen Ergebnissen kommen Untersuchungen, die sich auf die aktive Teilnahme von Frauen bei (natur-) wissenschaftlichen Veranstaltungen beziehen oder einen globalen Vergleich anstellen: Die Anteile weiblicher Podiumsgäste oder Sprecherinnen überschreitet selten ein Drittel, erhöht sich nur langsam und ist in bestimmten Fachrichtungen sogar rückläufig. 

Anlässlich des Internationalen Tages der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft, der am 11. Februar begangen wird, ist dies ein beklagenswertes Bild. Wie auch das Unterziel 5.5 der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung soll der Tag dazu beitragen, die aktive Teilhabe von Frauen am gesellschaftlichen Leben und ihre Chancengleichheit bei der Übernahme von Führungsrollen zu erhöhen. Insbesondere geht es darum, dass Mädchen und Frauen in Bildung und (Natur-) Wissenschaft präsenter sind. Ihre Benachteiligung in diesen Bereichen setzt sich an anderer Stelle fort: So verdienen Frauen, die auch häufiger in schlechter bezahlten Berufen tätig sind, im globalen Schnitt 20 Prozent weniger als Männer; nur 24 Prozent aller Parlamentarier*innen waren im Jahr 2018 Frauen.  

Viel spricht dafür, dass die mangelnde Sichtbarkeit weiblicher Expertinnen in prominenten Situationen – wie etwa Podiumsdiskussionen – dazu beiträgt, Vorstellungen männlicher Überlegenheit aufrechtzuerhalten. Wenn Mädchen und Frauen Vorbilder fehlen, um einflussreiche Rollen und verantwortungsvolle Positionen zu übernehmen, verfestigt dies auch bestehende (Chancen-)Ungleichheiten. Die geringe Präsenz von Frauen sowie anderer benachteiligter Gruppen führt dazu, dass etliche Perspektiven im öffentlichen Diskurs unberücksichtigt bleiben. Dies schränkt auch die Möglichkeiten ein, Lösungen für komplexe Probleme zu finden. 

Es gibt verschiedene Gründe, warum Frauen bei Veranstaltungen unterrepräsentiert sind. Oft beklagen Veranstalter*innen, dass die angefragten Expertinnen nicht zur Verfügung gestanden hätten, dass es schwierig gewesen sei, eine Frau mit Expertise im gesuchten Themenfeld zu finden oder dass die weibliche Teilnehmerin kurzfristig abgesagt habe. 

Dahinter stehen größtenteils strukturelle Barrieren. Wissenschaftlerinnen haben weniger Führungspositionen inne als ihre männlichen Kollegen. Werden Teilnehmer*innen für Veranstaltungen nach Titel und Funktion gesucht, reduziert sich dadurch automatisch die Zahl der zur Verfügung stehenden Expertinnen. Oft beschränken Organisator*innen die Suche nach Expert*innen auf die ihnen bekannten Netzwerke; diese sind häufig männlich dominiert. Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit und sind stärker als Männer in die Familienarbeit eingebunden. Schließlich sind Frauen auch zögerlicher bei der Annahme von Einladungen zu Themen, die vage formuliert sind oder ihrer Wahrnehmung nach nicht zu ihrem Kernbereich gehören.

Für Institutionen, Organisator*innen und Einzelne gibt es unterschiedliche Ansatzpunkte, um die öffentliche Präsenz von Wissenschaftlerinnen zu stärken. Institutionen können die Geschlechterdiversität von Veranstaltungen zu einem Kernanliegen machen und dieses nach Innen und Außen kommunizieren. Dazu gehören selbst gesetzte Quoten, die regelmäßig überprüft werden. Eine andere Maßnahme sind Fortbildungen, die für Diversitätsthemen sensibilisieren. Führungskräfte prägen eine geschlechtergerechte Kultur, wenn sie sich dazu bekennen, nicht mehr an „manels“ teilzunehmen. Ist eine Institution Geldgeberin, kann sie Anreize oder Bedingungen dafür schaffen, dass sowohl männliche als auch weibliche Perspektiven gehört werden. 

Wer Veranstaltungen organisiert, sollte früh mit der Planung beginnen und die Rahmenbedingungen möglichst familienfreundlich gestalten. Dies betrifft die Veranstaltungszeiten oder Kinderbetreuung. Wichtig ist zudem, sich aktiv um weibliche Expertinnen zu bemühen. Um Wissenschaftlerinnen jenseits der eigenen Netzwerke zu finden, hilft es, ganz unterschiedliche Personen nach Empfehlungen zu fragen und spezielle Datenbanken zu nutzen. Diskussionen mit Kolleg*innen am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik legen nahe, dass sich die Chancen einer Zusage erhöhen, wenn deutlich wird, warum die Expertin angefragt wurde, was die Zielsetzung der Veranstaltung ist und wie der Ablauf geplant ist. Auch reicht es nicht, nur eine Frau einzuladen, denn die Rolle der „Quotenfrau“ ist äußerst undankbar. Eine unterschätzte Rolle spielt zudem eine kompetente Moderation, die alle Teilnehmer*innen gleichermaßen in die Diskussion einbindet. 

Auch Einzelne können Veränderungen anstoßen. Um das Bewusstsein für das Thema zu erhöhen, können angefragte Expert*innen nach dem Geschlechterverhältnis der Veranstaltung fragen und betonen, dass ihnen eine gemischte Zusammensetzung wichtig ist. Männer können sich weigern, an rein männlich besetzten Veranstaltungen teilzunehmen. Etablierte Wissenschaftler*innen können bei Anfragen auf jüngere Kolleg*innen verweisen und diesen die Chance geben, ihre Präsentationskompetenzen zu stärken. 

Es gibt durchaus viele Stellschrauben, um Wissenschaftlerinnen mehr Sichtbarkeit zu verschaffen. Nutzen wir sie, nicht zuletzt, um das Innovationspotential diverser Perspektiven auszuschöpfen und bessere Lösungen für anstehende Zukunftsaufgaben zu finden. 

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The G20 @ 10 conference: assessing the benefits, limitations and the future of global club governance in turbulent times

5. Februar 2020 - 16:30

In Buenos Aires on 30 November and 1 December 2018, the G20 is having its 10th anniversary as a summit format at the leaders’ level. On 14 and 15 November 2008, this previously-obscure group of finance ministers and central bankers of the nineteen most “systemically relevant” countries and the EU was transformed into a forum for international leaders to meet with a view into the abyss of the global financial crisis that originated in the US and spread fast across the world. Ten years and 12 leaders’ summits later, the G20 has moved beyond its 2008-09 role as a crisis-management forum and became the self-described “premier forum for […] international economic cooperation.” In this capacity it is now facing new demands to tackle global challenges such as climate change, digitalization and pandemics. As its agenda has expanded and the urgency of the crisis fades, the G20 faces questions regarding its relationship to other formal institutions of global governance, such as the United Nations, its effectiveness in dealing with global challenges as well as its legitimacy and accountability vis-à-vis its people and the 174 non-members.

At the G20 @ 10 Conference, organized by the German Development Institute / Deutsches Institut für Entwicklungspolitik (DIE), together with Chatham House and the Shanghai Institutes for International Studies (SIIS), we took the occasion to reflect on the role of the G20 in its tenth year of summitry from both academic and policy-making perspectives. The conference brought together researchers of various disciplines, high-ranking government officials and experts from international organisations representing a broad range of G20 and non-G20 countries.

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Multilateralism without future - or the future of multilateralism?

5. Februar 2020 - 16:23

At the beginning of a new decade, we suggest to look at the longer-term. Let’s consider the world of multilateralism two decade from now, i.e. well beyond the timeline of the 2030 Agenda. The setting in 2040 is likely to differ substantially from today. Things change, and the job of scenario-building is to imagine different futures without merely projecting existing trends or historic examples. Scenario-Building also provides us with ideas about what we need to do to land in the space we see as most preferable.

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After one decade of G20 summitry: what future of global club governance in turbulent times?

5. Februar 2020 - 16:19

A decade ago the world was struggling with the repercussions of the global financial crisis in 2007 and 2008 that emerged in the interconnected transatlantic financial system. At this critical moment in time, the G20 was elevated from a meeting of finance ministers and central bank governors to the level of heads of states and government. By including a number of rising as well as middle powers non G7 countries the first G20 summit in Washington in November 2008 made clear that current cross-border challenges cannot anymore be dealt with by the old powers of the traditional establishment. At the subsequent summits in London (April 2009) and Pittsburgh (September 2009) the G20 displayed an astonishing level of international cooperation by agreeing on wide-ranging commitments that helped to calm down international financial markets and strengthen the crisis response of international financial institutions. These early initiatives led some optimistic observers to conclude that the system worked.

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Special issue introduction Ownership in a post‐aid effectiveness era: comparative perspectives

5. Februar 2020 - 15:30
Motivation

Close to 15 years have passed since the adoption of the Paris Declaration on Aid Effectiveness, which generated unprecedented efforts to advance effective development co‐operation with a central focus on developing country ownership. Under today's international development co‐operation realities, involving inclusive agendas, strategic divergence and increasing competition, discussions on ownership, harmonization and alignment have lost traction. Yet the reality and practices of development co‐operation relationships show strong continuities.

Purpose

This special issue examines how the principle of ownership may be understood and advanced under these new conditions. National ownership is prioritized in the 2030 Agenda for Sustainable Development yet has so far been marginalized by a predominantly piecemeal response and by the rise of ‘mutual‐benefit' co‐operation.

Approach and Methods

This special issue takes an inductive approach to studying specific cases and actors bearing on the challenge of understanding and advancing ownership today, in order to inform future policy and research. The contributions to this special issue mainly draw from qualitative research designs that present detailed research inquiries into specific country and actor cases, drawing from interviews, structured desk reviews of policy documents and the rich body of literature on development effectiveness. They are complemented by two contributions that respectively present quantitative research and probe the critical and post‐development literature for additional insights.

Findings

Findings point to an increasing prevalence of pragmatism and self‐interest among all actors, to the detriment of national ownership. Broad co‐operation agendas, a sense of urgency interpreted as a search for quick results, and more diverse, interest‐ and outcome‐driven forms of multi‐stakeholder partnerships all entail a more assertive and proactive approach on the part of external actors. Under these conditions, local initiative may either become stifled or reasoned away. Given this, today's dominant approaches to co‐operation raise concerns about their ethics and sustainability.

Policy implications

Ownership remains both a requirement and a desired outcome of international co‐operation and is key to the effective use of public funding. A key requirement to revitalizing the debate on and practice of ownership is to gather better evidence as the basis for informed scrutiny. To this end, policy makers need to reprioritize independent evaluation at both the individual and collective level.

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Digital technology in the daily lives of urban refugees

4. Februar 2020 - 11:32

Kuala Lumpur (KL) is home to refugees from Myanmar, Afghanistan, Somalia, Pakistan, Yemen, and other countries, who have built networks of support and protection in a country that does not formally recognize their status as asylum seekers or refugees. Digitalization and internet access in this environment play a mix of roles; they keep families in contact, connect refugees to wider community networks, and are a channel for UNHCR to share information with asylum seekers. At the same time, digitalization cannot break down the political and legal barriers that prevent refugees from leading fully engaged lives in KL.

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Playing with fire - Brazil's dilemma in the EU-Mercosur trade agreement

4. Februar 2020 - 8:16

The EU-Mercosur trade agreement, which was agreed in June, is already drawing criticism even before its ratification. The anticipated erosion of environmental protection and human rights in Brazil in particular have roused public resistance. However, in its admonishment, Europe fails to address all sides of the issue. By concluding this agreement, Brazil is putting itself at risk in terms of development policy. This is because even though its agricultural exports may benefit from duty-free access to the European Market (EU) market, the consequences for the country’s economy have far greater implications than the threat to the Amazon rainforest.

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Partnerschaft in der globalen Wissenskooperation ist keine Einbahnstraße

3. Februar 2020 - 11:29

Bildung, Ausbildung und lebenslanges Lernen sind Schlüssel zur Entwicklung aller Länder und der persönlichen Entfaltung aller Menschen – so steht es im Nachhaltigkeitsziel 4 der Agenda 2030. Dieses Ziel ist eng verbunden mit einer globalen Partnerschaft, die im Nachhaltigkeitsziel 17 festgeschrieben ist. Denn die Fähigkeiten zur Partnerschaft sind sowohl im globalen Süden – auch im Bereich Bildung und Forschung – wie auch im globalen Norden gefordert.

Das globale Wissen ist sprunghaft gestiegen und durch das Internet zugänglicher geworden. Zugleich bleiben Paywalls oder unzureichende Infrastruktur vielerorts hohe Hürden. Zum Wissenszuwachs tragen auch vermehrt Wissenschaftler*innen aus Schwellenländern bei, deren Anteil an wissenschaftlichen Publikationen in den letzten Jahren stark gestiegen ist. Für China etwa stieg der Anteil an den weltweiten akademischen Veröffentlichung von deutlich unter drei Prozent (1996) auf mehr als 17 Prozent (2016). Auch Mexiko und Südafrika haben ihren Anteil an wissenschaftlichen Publikationen in diesem Zeitraum fast verdoppelt. Zudem sind bedeutende neue Wissenszentren (Universitäten, Forschungseinrichtungen und Startups) in anderen Ländern entstanden, wie etwa die „Silicon Savannah“ bei Nairobi.

Für nutzbares Wissen benötigen wir einerseits gutes geistiges Handwerkszeug, und zugleich die Offenheit, verschiedene Perspektiven kennen und verstehen zu wollen. Nur dann, in Kooperation, werden wir gemeinsam einen Wandel zu nachhaltigen Gesellschaften hinbekommen.

Voraussetzungen für beiderseitige Wissensgewinne

Eine erfolgreiche Wissensvermittlung und die partnerschaftliche Wissenskooperation auf Augenhöhe braucht drei Voraussetzungen: Symmetrie, Inklusion und Transfer.

Symmetrie besteht, wenn alle Seiten ihre (wissenschafts)kulturellen Prägungen anerkennen, ebenso wie die Lücken, die damit einhergehen. Niemand kann Universalwissen reklamieren; der Wert von Wissen für das globale Gemeinwohl hängt immer von der Anwendung in verschiedenen Kontexten ab. Lokale Partner sind dabei auf dieser Ebene immer die besseren Expert*innen; Außenperspektiven können unterstützen. Dies gilt auch für Wissen zu Transformation in Deutschland: So sind einige afrikanische Länder in Bereichen wie bargeldloser Bezahlung oder eBanking deutlich weiter als Mitteleuropa.

Gemeinsame Wissensproduktion beginnt mit dem Abweichen von eingetretenen (Denk-)Pfaden. Spezialisiertes Wissen für neue Herausforderungen aus Entwicklungs- und Schwellenländern kann auch global helfen. Daher ist der Aspekt der Inklusion unabdingbar. Denn die Grundhaltung ist häufig „Was können wir schon von afrikanischen Ländern lernen?“. Doch mit Blick auf einzelne Aspekte der Gesundheitsvorsorge (Impfdichte) ist etwa Tansania fortschrittlicher als Deutschland.

Transfer ist der dritte, vielleicht spannendste, Aspekt der partnerschaftlichen Wissenskooperation: Der Transfer von Forschungsresultaten hat in den letzten Jahren einen deutlichen Bedeutungszuwachs erlebt. Wer den alljährlichen Global-Go-to-ThinkTank-Index der University of Pennsylvania verfolgt, dem fällt auf, dass die Think Tanks im globalen Süden zahlreicher geworden sind. Zugleich sind einige in dem Ranking auf hohen Plätzen vertreten. Unter den Aufsteigern ist auch eine ganze Reihe von Partnerinstitutionen des DIE, etwa aus dem Managing Global-Governance-Netzwerk, in dem das DIE-Training und gemeinsame Forschung und Beratung mit Partnerinstitutionen aus Schwellenländern betreibt

Individuelle Fähigkeiten

Wir müssen veränderte Realitäten anerkennen, um global erfolgreich zu sein, auch in den Ausbildungsaktivitäten des DIE, sowohl in MGG wie auch im Postgraduierten-Programm des DIE. In der internationalen Zusammenarbeit sind fachliche Expertise gefragt, ebenso wie vermeintlich weiche Faktoren. Beides wird von Partnern eingefordert: Brillante Fachlichkeit – symmetrisch, inklusiv und transferorientiert – und eine offene und verlässliche Persönlichkeit. Beide Ebenen erfordern Schulung und Training von Führungskräften – aus Deutschland, Europa und aus Partnerländern.

Wir müssen unsere Sichtweisen den Anforderungen des 21. Jahrhunderts anpassen, nicht den Erinnerungen an unsere technologische und politische Dominanz der Welt von gestern. Dies gibt uns neue Möglichkeiten von Partnerschaften – und erfordert, dass wir unsere Fähigkeiten auf neue und künftige Bedürfnisse ausrichten.

Das Postgraduierten-Programm am DIE legt einen Schwerpunkt der neunmonatigen Ausbildung auf Vor-Ort-Arbeitserfahrungen. Insgesamt sieben Monate wird in Forschungsteams in Partnerländern gemeinsam praktisch zu lokalen wie globalen Fragen geforscht und Empfehlungen für Entscheider*innen erarbeitet – in Teams und mit Partnern des globalen Südens. Die Forschungsteams werden jedes Jahr neu und an lokale Bedingungen angepasst entwickelt.

Im Programm Managing Global Governance arbeitet das DIE gemeinsam mit jungen Führungskräften von Partnerorganisationen aus großen Schwellenländern zu globalen Fragen. Teilnehmer*innen des knapp viermonatigen Programms kommen aus Brasilien, China, Indien, Indonesien, Mexiko und Südafrika sowie aus Deutschland bzw. Europa. Sie treten in einen angeleiteten fachlichen Austausch zu globalen Fragen und lernen voneinander über Leitungs- und Kooperationskultur ihrer Länder.

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Kooperationsfaktoren in den Klimaverhandlungen: eine vergleichende Analyse der Klimagipfel in Kopenhagen 2009 und in Paris 2015

29. Januar 2020 - 14:27

Interdisziplinäre Forschungen zeigen, dass sieben Faktoren bestimmen, ob Individuen bei Problemen gemeinsam genutzter Ressourcen kooperieren: Reziprozität, Vertrauen, Kommunikation, Reputation, Fairness, Sanktion und Wir-Identität. Dieser Beitrag untersucht die Übertragbarkeit dieser Erkenntnisse auf die Ebene der internationalen Beziehungen. Ein Vergleich der Kopenhagener und der Pariser Klimakonferenz zeigt, dass Veränderungen bei den Faktoren Vertrauen und Kommunikation, Sanktion, Fairness, Reputation und Reziprozität maßgeblich zum Erfolg der Pariser Konferenz beitrugen.

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