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SID Mitglieder Update

Bundesumweltwettbewerb „Vom Wissen zum nachhaltigen Handeln“ (bis 15.3.2021)

#Nachhaltigkeit in #Hamburg - 12. Februar 2021 - 9:45
Der Bundesumweltwettbewerb möchte junge Menschen im Alter von 10 bis 20 Jahren motivieren, Umweltthemen fachlich zu begegnen und gleichzeitig Handlungsideen für den Schutz der Umwelt und mehr Nachhaltigkeit zu entwickeln und umzusetzen. Das Spektrum der möglichen sowie frei wählbaren Projektthemen und Projektformate ist breit und reicht von wissenschaftlichen Untersuchungen, umwelttechnischen Entwicklungen über Umweltbildungsmaßnahmen und -kampagnen …

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12. Februar 2021: 3. Webkonferenz – SID im Gespräch: Sichtweise eines deutsch-afrikanischen Unternehmensberaters

SID Frankfurt - 10. Februar 2021 - 10:53

Liebe Mitglieder und Freunde/-innen von SID-Frankfurt,
wir möchten Ihnen aus unserer Sicht wichtige entwicklungspolitische Themen mit Bezug zu Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaft und entwicklungspolitischer Praxis vorstellen.

Afrika steht im Fokus der deutschen und europäischen Entwicklungszusammenarbeit. Wir werden den Blickwinkel erweitern und möchten die Ansichten eines deutsch-afrikanischen Experten diskutieren.

Gast: Dr. Asfa-Wossen Asserate, Autor (u. a. „Die neue Völkerwanderung“), Unternehmensberater für Afrika und den Mittleren Osten und politischer Journalist

Die Coronakrise zeigt, dass Wertschöpfungsketten und Lieferquellen diversifiziert werden müssen. Dr. Asserate argumentiert, dass Lösungen hierfür in Afrika gefunden werden können. Auch wird Afrika durch seine steil steigende Nachfragekurve ein immer größerer Markt. Es gäbe also diverse Gründe, in Afrika zu investieren. Dazu bräuchte es mehr Risikobereitschaft.

Ein weiteres Thema wird die panafrikanische Freihandelszone der Afrikanischen Union sein, die das Fundament für die Verstärkung der Handels- und Wirtschaftsbeziehungen bildet. Dr. Asserate befürwortet eine Unterstützung dieser Bemühungen. Wir sollten weg kommen von bilateralen Handelsabkommen zwischen der EU und einzelnen afrikanischen Ländern, die eine zu große Asymmetrie aufweisen.

In dem Gespräch wird es auch darum gehen, die aktuelle Situation in Äthiopien zu beleuchten, die Dr. Asserate intensiv verfolgt und sachkundig kommentiert.

Zu diesem Gespräch möchten wir Sie herzlich einladen.
SID im Gespräch – Bruno Wenn diskutiert mit Gästen
Sichtweise eines deutsch-afrikanischen Unternehmensberaters
Webkonferenz am Freitag, den 12. Februar 2021, 16:00 – 17:00 Uhr

Bruno Wenn (Beirat SID Frankfurt) wird das Gespräch führen.

Den Einwahllink und weitere Informationen entnehmen Sie bitte der beigefügten Einladung.

Webinar „Nachhaltige Digitalisierung mitgestalten“ am 18. Februar 2021

#Nachhaltigkeit in #Hamburg - 10. Februar 2021 - 9:15
Die Digitalisierung bestimmt unseren Alltag und unser Zusammenleben – jeden Tag ein bisschen mehr. Gleichzeitig droht unserer Erde der Klimakollaps. Zudem sind Demokratien weltweit in der Krise. Diese drei Entwicklungen hängen zusammen. Was müssen wir also tun, damit die Digitalisierung nachhaltig wird und wirkt? Referent Hendrik Zimmermann gibt nicht nur einen theoretischen Input, sondern auch …

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SPD-Fraktion im Bundestag: Positionspapier zur Sahel-Region

SID Blog - 9. Februar 2021 - 17:27
Das Sahel-Engagement weiterdenken

Christoph Matschie, zuständiger Berichterstatter:

Die SPD-Fraktion im Bundestag hat heute ein Positionspapier zur Sahel-Region verabschiedet. Mit dem Papier will die SPD-Fraktion Optionen aufzuzeigen, wie das deutsche und europäische Engagement in der Sahel-Region angesichts von Instabilität und hoher Sicherheitsrisiken weiterentwickelt werden kann. Das Papier entstand im Rahmen eines mehrmonatigen Strategieprozesses unter Beteiligung von Ministerien, Think Tanks sowie zivilgesellschaftlichen Akteuren.

„Die Stabilisierung der Sahel-Region ist von zentraler Bedeutung für Afrika aber auch für Europa, denn zerfallende Staaten stellen ein hohes Sicherheitsrisiko nicht nur für die eigene Bevölkerung, sondern auch für die internationale Gemeinschaft dar. Mit dem vorliegenden Papier möchte die SPD-Bundestagsfraktion die Debatte um das europäische Sahel-Engagement voranbringen. Dafür werden konkrete Vorschläge gemacht, um das Engagement effektiver als bisher zu gestalten. Klar ist, dass Europa auf absehbare Zeit in der Region aktiv Unterstützung leisten muss.

Durch eine stärkere Kooperation der europäischen Partner und eine Einbettung in die Außen- und Entwicklungspolitik der EU soll die Effektivität des Engagements weiter erhöht werden. Durch eine engere Zusammenarbeit mit der Afrikanischen Union und der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) soll die Nachhaltigkeit des europäischen Engagements verbessert werden und mehr Raum für eigenständige Lösungen vor Ort geschaffen werden.

Die SPD-Fraktion spricht sich dafür aus, die Handlungsfähigkeit des Staates zu verbessern und die Einsatzfähigkeit der Sicherheitskräfte zu erhöhen. Klare politische Zielsetzungen und eine enge Nachverfolgung im Dialog mit den Regierungen insbesondere mit der Übergangsregierung in Mali sind unabdingbar. Eine realistischere Ausbildung und das Training im Verbund sollen Streitkräfte und Polizei in die Lage versetzen, die Sicherheit selbst zu gewährleisten.

Durch die politische Fokussierung auf die den Konflikten zugrundeliegenden politischen, ökonomischen und sozialen Probleme soll die Grundlage für eine langfristige Stabilisierung der Sahel-Region geschaffen werden. Dabei müssen auch Megatrends wie Klimawandel und schnelles Bevölkerungswachstum adressiert werden."


  Die komplette Pressemitteilung finden Sie hier:
https://www.spdfraktion.de/presse/pressemitteilungen/sahel-engagement-weiterdenken
Die komplette Pressemitteilung als PDF:
https://www.spdfraktion.de/node/5148055/pdf
 

© 2020 SPD-Bundestagsfraktion -

Nr. 33/2021 - 09.02.2021
Arbeitsgruppe: Außenpolitik



Patentschutz schafft künstliche Knappheit bei COVID-19-Impfstoffen

SID Blog - 6. Februar 2021 - 16:10
Die drei größten Impfstoff-Hersteller bislang kaum an Produktion beteiligt / NGO-Bündnis kritisiert Schutz von Monopol-Interessen

Berlin, 05.02.2021. Wegen des Schutzes von Patentrechten herrscht bei der Versorgung mit COVID-19-Impfstoffen eine künstliche Knappheit. So sind die drei größten Impfstoff-Hersteller an der Produktion der lebensrettenden Vakzine derzeit kaum beteiligt, viele andere Hersteller bislang gar nicht. Das kritisiert die „People's Vaccine Alliance", ein Zusammenschluss von Nichtregierungsorganisationen, darunter EMERGENCY, Frontline AIDS und Oxfam. Das Bündnis fordert unter anderem die Aussetzung von Patentschutzregeln und die gemeinsame Technologie-Nutzung, damit alle Menschen schnellstmöglich Zugang zu sicheren und wirksamen COVID-19-Impfstoffen erhalten.

Die Anzahl der Impfdosen, die die drei größten impfstoffproduzierenden Pharmakonzernen, GlaxoSmithKline (GSK), Merck und Sanofi, 2021 produzieren wollen, werden für maximal 1,5 Prozent der weltweiten Bevölkerung reichen. Rund ein Drittel der Weltbevölkerung könnte mit den Mitteln geimpft werden, die Pfizer/BioNTech, Moderne und AstraZeneca planen zu produzieren. Doch weil wirtschaftlich privilegierte Länder sehr viel mehr Dosen bestellt haben, als sie eigentlich für ihre Bevölkerung benötigen, stehen für den Schutz der Weltbevölkerung de facto sehr viel weniger zu Verfügung.

Während AstraZeneca einen Großteil seines Impfstoffes an Länder des Globalen Südens verkauft hat, haben Pfizer/BioNTech und Moderna fast ausschließlich Verträge mit wirtschaftlich privilegierten Ländern geschlossen und weigern sich zugleich, Wissen und Technologien mit anderen Herstellern zu teilen, obwohl Steuergelder von insgesamt über 100 Milliarden US-Dollar in die Entwicklung der lebensrettenden Vakzine geflossen sind.

„Jedes Unternehmen, das Impfstoffe produzieren kann, muss jetzt in die Herstellung der COVID-19-Vakzine einsteigen. Mitten in einer weltweiten Pandemie können wir es Unternehmen nicht erlauben, sich hinter Geschäftsgeheimnissen zu verstecken. Der Patentschutz muss aussetzen werden, damit schnell sichere und wirksame Impfstoffe für so viele Menschen wie möglich produziert werden können. Die Profite einer Handvoll Konzerne dürfen nicht wichtiger sein als die Gesundheit von Milliarden Menschen", fordert Sandra Dworack, Entwicklungsexpertin bei Oxfam Deutschland.

Wissenstransfer und Ausweitung der Produktion innerhalb kurzer Zeit möglich

Nach Angaben von UNICEF werden derzeit nur 43 Prozent der weltweiten Kapazitäten zur Herstellung von COVID-19-Impfstoffen genutzt. Kürzlich hatte das dänische Pharmaunternehmen Bavarian Nordic angeboten, 240 Millionen Impfdosen in seinen Produktionsanlagen herzustellen, doch keines der drei Unternehmen, die die Rechte an den bislang zugelassenen Impfstoffen halten, ist auf das Angebot eingegangen. Auch im Globalen Süden gibt es ungenutzte Produktionskapazitäten. Das Serum Institute of India produziert bereits Hunderte Millionen COVID-19-Impfstoffe im Auftrag von AstraZeneca und Novovax – und entwickelt darüber hinaus eigene. 20 weitere Impfstoffhersteller gibt es allein in Indien, viele mehr in anderen Ländern. Sie könnten innerhalb kurzer Zeit ihre Produktionskapazitäten ausweiten, um sichere und wirksame Impfstoffe herzustellen.

Bislang nur 55 Impfungen gegen COVID-19 in den ärmsten Ländern

Bislang wurden weltweit mehr als 108 Millionen Menschen geimpft, aber nur 4 Prozent in Ländern des Globalen Südens, die meisten davon in Indien. Von den ärmsten Ländern war bislang nur Guinea in der Lage zu impfen: 55 Menschen. Wirtschaftlich privilegierte Länder haben dagegen genug Impfdosen aufgekauft, um ihre Bevölkerung dreimal zu impfen. Wenn Regierungen nicht gegensteuern, wird in vielen Ländern des Globalen Südens bis zum Ende des Jahres nur jeder zehnte Mensch eine Impfung erhalten haben.

Die „People's Vaccine Alliance" fordert US-Präsident Joe Biden sowie die Regierungen Großbritanniens und der EU auf, den Druck auf die Impfstoffhersteller zu erhöhen und sie dazu zu bewegen, Wissen und Technologien für die Produktion von COVID-19-Vakzinen offenzulegen und auf ihre Patente zu verzichten. Zudem müssen die Regierungen dafür sorgen, dass alle anderen großen Impfstoffhersteller sich an der Produktion beteiligen. Darüber hinaus fordert die Allianz von wirtschaftlich privilegierten Ländern wie Deutschland, in öffentliche Produktionsanlagen vor allem in Länder des Globalen Südens zu investieren.

 

Redaktionelle Hinweise:

  • Die Forderung nach freizugänglichen Impfstoffen wird unterstützt von vielen politischen Führungspersönlichkeiten, Gesundheitsexpert*innen und Ökonom*innen. Mehr Informationen unter: https://peoplesvaccine.org
  • GlaxoSmithKline (GSK), Merck und Sanofi haben sich gemeinsam verpflichtet, dieses Jahr 225 Millionen Impfdosen zu produzieren. In dieser Woche hat GSK erklärt, zusätzlich mit dem Unternehmen CureVac einen Impfstoff zu entwickeln, der gegen neuere Varianten des Corona-Virus wirksam sein soll, und den Hersteller bei der Produktion seines Impfstoffes zu unterstützen, der sich aktuell noch in der Testphase befindet. Vergangene Woche kündigte zudem Sanofi an, in die Produktion von 125 Millionen Dosen des Impfstoffs von Pfizer/BioNTech einzusteigen.
  • Mit Stand vom 4. Februar meldete Bloombergs globaler Impfstoff-Tracker insgesamt 108 Millionen verabreichte COVID-19-Impfdosen in 67 Ländern.: https://www.bloomberg.com/graphics/covid-vaccine-tracker-global-distribution/
  • Wir beziehen uns auf das UNICEF-Impfstoff-Dashboard: https://www.unicef.org/supply/covid-19-vaccine-market-dashboard

 


Mehr unter www.oxfam.de 

Cooperation with Africa in the 21st Century: On Peer or Paternalistic?

DIE Blog - 5. Februar 2021 - 10:00

Modern development cooperation renounces paternalism. It relies on the market to negotiate projects and puts partner countries to compete with each other for favorable conditions for investments.

When talking about developing countries, we think primarily of miserable conditions. Too often the three „Cs“ characterize our view of Africa: crisis, corruption and conflict. Positive developments, such as the halving of the number of people living in poverty and the establishment of middle classes are rarely discussed. New, locally adapted technologies have emerged in developing countries. Unfortunately, we pay too little attention to these developments. Accordingly, German and European development cooperation is still far too often based on an outdated image of African countries. It rarely sees actors from African countries as peers.

Thus, the question arises whether development cooperation needs a hierarchy (“we” at the giving and “them” at the receiving end), and whether the entire Western set of governance standards must apply to all. We argue that is it possible to organize cooperation in such a way that all sides can contribute interests, knowledge and proposed solutions on an equal footing and suggest to replace the three „Cs“ with four alternative concepts: Dignity, Consistency, Effectiveness, and Efficiency.

Sustainable Development

Development depends largely on the quality of domestic governance. Modern development research has summed this up succinctly: „Institutions matter!“ Development policy can support, but modesty is of particular importance. Today’s objectives of development are fairly well described by the Sustainable Development Goals (SDGs) of the United Nations, defining a decent life in a healthy environment. They are based on the concept of sustainability with its three dimensions of ecological, economic and social sustainability.

These dimensions are not subject to a hierarchy. That said, economic goals have special significance in that they prhttps://www.die-gdi.de/en/2030-agenda/omote the achievement of the goals of the other two dimensions as well. The creation of jobs and income for people also promotes the provision of improved social services such as health care and the application of more efficient and environmentally friendly technologies via the creation of demand with purchasing power. Thus, economic sustainability can be seen as an intermediate goal, thus subordinate. At the same time, it can be interpreted as a sufficient condition for achieving the other two goals, thus superordinate. In the development context, this logic is sometimes overlooked. Therefore, it is crucial that some basic principles be observed in its operational implementation.

Principles of modern development cooperation are often neglected

Dignity. Apparently there is still the image of immature developing countries whom the West has to teach basics of good governance. For this purpose, development aid is paid to governments in developing countries. This is problematic as still often the agenda is driven by donor interests. As a consequence, the beneficiaries lack ownership; they do not see the projects as their own. Finally, they suffer from so-called Samaritan’s Dilemma: through permanent aid and paternalism, beneficiaries lose their own initiative. Peter Bauer pointed out these problems as early as 1960, and many empirical studies have confirmed them.  „Ownership“ is crucial: democratically elected governments in Africa must determine the development pathways for their countries. Foreign partners can play a supporting role within this political agenda if proposed projects are of interest to both sides.

As for companies from Europe, they will consider factors such as political stability or legal security when selecting possible target countries for their projects. In this respect, African countries automatically compete for investment; they will be particularly successful if they provide the best possible institutional framework. A combination of intergovernmental cooperation and market-based competition can therefore ensure greater dignity in cooperation.

Consistency. Often, good intentions pave the road to hell! To achieve the desired goals, a precise understanding of market and incentive mechanisms is needed. Take the example of supply chain legislation in the EU and its member states: The obligation to secure human rights throughout most of their supply chains will definitely overburden German SMEs; as a consequence, they might pull out. Companies from other parts of the world, where human rights may play a lesser role, are likely to take the vacated places. This weakens the achievement of the Sustainable Development Goals and ultimately has the opposite effect. Similarly, the trade policies of OECD countries regularly block exports from developing countries, despite a number of preferential trade agreements. This is also adverse to development.

Effectiveness. Primarily for the reasons described above, development aid in the form most commonly practiced is generally not effective. A broad academic literature has intensively studied the question of „aid effectiveness“ and comes to similar assessments. Donors care about spending their money – they think in fiscal years. Many government agencies function like bureaucracies. William Niskanen showed conclusively 50 years ago that bureaus are not necessarily interested in optimizing results, but in maximizing their budgets, which is incentive-compatible. In addition, an aid payment acts like a resource fund, risking a Dutch disease problem. The currency of the recipient country will appreciate, and the export industry there will suffer.

Economic efficiency. Development cooperation is usually strictly separated from economic policy. However, potential development projects should be prioritized according to their contribution to the SDG, and only those projects that promise the highest contribution should be selected. Particular weight must be given to job and income creation, because it has a positive impact on all other sustainability goals.

Lessons learnt

A modern development policy approach that achieves sustainable economic, ecological and social development places private sector investment in the center. When investments emerge as a result of negotiations between investors, local private partners or governments as peers, they have gone through a process of market-based exchange. Not only the investor, but also banks, suppliers and buyers have reviewed the project for feasibility, effectiveness and economic viability.

The state can help where potential projects cannot be realized as an exclusively private investment, for example because of market failure due to incorrect risk assessments by stakeholders. For example, if a solar park is not built because banks refuse to lend to it out of fear that the local power company will default, a guarantee from the federal government could help such projects to be carried out privately. Thus, the investment can contribute to economic growth and job creation and enable the operation of businesses that depend on a stable power supply.

In addition, it would make sense for the departments of various ministries dealing with foreign trade and development to be combined in a joint ministry in the next federal government. The areas of responsibility would include foreign trade and investment promotion as well as development aid and consulting, if this is desired in the target country. Thus, development cooperation can be a positive sum game, as practiced in other European countries such as Denmark.

It is often argued that African countries must strengthen their governance first before investment can take place. In contrast, we believe that every successful project can lead to better governance. It is sensible to accept the current situation as a given and work with it. Our model is to bring countries into competition with each other and thereby achieve improvements. Under otherwise comparable conditions, investors will choose the country for their projects that offers the best institutional setting; the German government can support this process with investment guarantees. If investment flows only go to such countries, this will put pressure on neighboring countries to improve their conditions in order to attract investment and new jobs. Governance can improve without paternalism. To the contrary: development cooperation based on the subsidiarity principle and competition treats partners as peers.

This blog contribution is based on an article “Entwicklung auf Augenhöhe: Mit sozialer Marktwirtschaft gegen veraltete Rollenbilder” in German language , published by the authors in Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ).

Der Beitrag Cooperation with Africa in the 21st Century: On Peer or Paternalistic? erschien zuerst auf International Development Blog.

Briefing "Auf Stand-by - Bericht über die 6. Tagung der UN-Arbeitsgruppe für ein verbindliches Abkommen zu Wirtschaft und Menschenrechten (Treaty)"

SID Blog - 3. Februar 2021 - 21:37

Neuerscheinung

Auf Stand-by

Bericht über die sechste Tagung der UN-Arbeitsgruppe für ein
verbindliches Abkommen zu Wirtschaft und Menschenrechten („Treaty")
Briefing

Vom 26. bis 30. Oktober 2020 tagte die zwischenstaatliche Arbeitsgruppe zur Formulierung eines verbindlichen Abkommens zu Wirtschaft und Menschenrechten zum sechsten Mal im Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen (UN) in Genf. Grundlage der Diskussionen war der im August 2020 vom ecuadorianischen Vorsitzenden der Arbeitsgruppe vorgestellte zweite überarbeitete Abkommensentwurf („Second Revised Draft").

Die Tagung war überschattet von den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie. Sie fand in einem hybriden Format statt, d. h. mit der Möglichkeit zur Teilnahme vor Ort oder virtuell. Von den 66 teilnehmenden Staaten erklärten viele, sie hätten aufgrund der COVID-19-Einschränkungen keine abgestimmten Regierungspositionen vorbereiten können. Es fanden daher keine zwischenstaatlichen Verhandlungen statt, sondern lediglich Diskussionen über den Abkommensentwurf. Wesentliche Streitpunkte, u.a. zur Frage des Anwendungsbereichs des Abkommens und den Haftungsregeln wurden wieder aufgebracht und konnten während der Tagung nicht beigelegt werden.

Ob die EU und ihre Mitgliedsstaaten sich bis zur nächsten Tagung im Herbst 2021 endlich für ein Verhandlungsmandat für den Prozess durchringen werden, hängt stark vom Ambitionsniveau der angekündigten europäischen Gesetzesinitiative und weiterer Initiativen, wie dem deutschen Lieferkettengesetz ab. Eine aktive Beteiligung der EU wird eine Signalwirkung auf andere bislang unbeteiligte Industrienationen haben.
Auf Stand-by
Bericht über die sechste Tagung der UN-Arbeitsgruppe für ein verbindliches Abkommen zu Wirtschaft und Menschenrechten („Treaty")

Briefing

Herausgeber: Global Policy Forum Europe und Rosa-Luxemburg-Stiftung
Autorin: Karolin Seitz
Berlin/Bonn, Februar 2021

Download (pdf, 296 KB)
Download der englischen Fassung (pdf, 240 KB)



Newsletter Gerechter Welthandel | CETA-Online-Konferenz am 13.2.

SID Blog - 3. Februar 2021 - 21:35


Newsletter Gerechter Welthandel | 2.2.2021

Einladung zur CETA-Online-Konferenz des Netzwerks Gerechter Welthandel

Samstag, 13. Februar 2021 | 13-17:30 Uhr 
Das Handels- und Investitionsschutzabkommen der EU mit Kanada (CETA) gefährdet den Umwelt- und Verbraucherschutz, die öffentliche Daseinsvorsorge und die Demokratie. Es verschärft die Klimakrise, vergrößert den Einfluss von Konzernlobbyisten und etabliert eine Paralleljustiz für Konzerne. Doch CETA ist noch nicht entschieden!
2021 stehen wichtige Entscheidungen über den weiteren Ratifizierungsprozess an: Das Bundesverfassungsgericht will endlich ein Urteil über mehrere Verfassungsbeschwerden fällen, die gegen CETA eingereicht wurden. Bei der Bundestagswahl werden die Weichen für die Position der zukünftigen Bundesregierung und des Bundestages zu CETA gestellt, und insgesamt sechs Landtagswahlen entscheiden über die Position der Bundesländer: Auch diese werden im Bundesrat noch über CETA abstimmen müssen. Zwar wird das Abkommen bereits vorläufig angewandt, wichtige Teile wie die Paralleljustiz für Konzerne sind hiervon jedoch ausgenommen und treten erst in Kraft, wenn CETA vollständig ratifiziert wurde.
In einer Online-Konferenz wollen wir uns auf den aktuellen Stand des Abkommens bringen, seine aktuellen und erwarteten Auswirkungen diskutieren sowie Aktivitäten zum bevorstehenden Ratifizierungsprozess planen.Die Konferenz richtet sich in erster Linie an Personen, die in lokalen und regionalen Bündnissen gegen CETA und andere ungerechte Handelsabkommen aktiv sind oder werden wollen. Auch weitere Interessierte sind herzlich eingeladen, teilzunehmen!Die Konferenz wird über Zoom durchgeführt, die Teilnahme ist kostenlos.  
Mehr Infos und Anmeldung: www.gerechter-welthandel.org/ceta  


Programm
ab 12:45 UhrZoom-Raum offen, Technik-Check 
13:00 UhrBegrüßung- Programmvorstellung
- technische Hinweise
- Vorstellungsrunde
13:30 UhrAktueller Stand der CETA-Verfassungsbeschwerden: Wann und worüber entscheidet das Bundesverfassungsgericht? Input und Rückfragen (Marie Jünemann, Mehr Demokratie) 
13:50 Uhr                Sonderklagerechte für Konzerne: Welche Investorenklagen drohen uns mit CETA im Bereich fossile Energien/Klimaschutz sowie bei der öffentlichen Daseinsvorsorge? Vortrag und Diskussion mit Emma Jacoby/Fabian Flues (PowerShift) und Thomas Fritz (freier Autor) 
14:50 UhrPause 
15:00 Uhr                Die CETA-Ausschüsse: Wie funktionieren und welche Entscheidungen treffen sie, und warum bedrohen sie die demokratische Entscheidungsfindung? Vortrag und Diskussion von Alessa Hartmann (PowerShift)
15:45 Uhr               Parallele Arbeitsgruppen zu Strategie-Diskussion und Aktionsplanung 
AG 1: BundestagswahlWie können wir CETA zum Thema während dem Bundestagswahlkampf machen? Mit welcher Schwerpunktsetzung gelingt das, und an welche Adressaten richten wir uns? Was brauchen lokale Bündnisse, um aktiv zu werden?Vorbereitung und Moderation: Anne Bundschuh (Forum Umwelt und Entwicklung)  
AG 2: Landtagswahlen 2021 und Abstimmung im Bundesrat Auch der Bundesrat wird noch über CETA abstimmen müssen, die Position der Landesregierungen ist daher entscheidend für das weitere Ratifizierungsverfahren des Abkommens. Sechs Landtagswahlen stehen 2021 bevor – wie bringen wir CETA als Thema in den Wahlkampf ein? Und welche Strategie und Aktivitäten verfolgen wir, wenn die Abstimmung im Bundesrat bevorsteht?Vorbereitung und Moderation: Ludwig Essig (Netzwerk Gerechter Welthandel Baden-Württemberg/Umweltinstitut München), Franz Rieger (Stop TTIP Berchtesgadener Land/Traunstein) 
16:45 UhrPause 
17:00 Uhr Vorstellung der Ergebnisse und gemeinsamer Abschluss
17:30 UhrEnde


Die Veranstaltung wird organisiert vom Netzwerk Gerechter Welthandelwww.gerechter-welthandel.org

Impressum

NaturFreunde Deutschlands
Verband für Umweltschutz, sanften Tourismus,
Sport & Kultur
Maritta Strasser (V.i.S.d.P.)
Warschauer Straße 58a/59a
10243 Berlin
info@naturfreunde.de
www.naturfreunde.de


Urteil in der Klimaklage | Ein historischer Sieg – für das Klima!

SID Blog - 3. Februar 2021 - 21:34

Nichtregierungsorganisationen gewinnen vor Gericht gegen den französischen Staat

Oxfam-Klimaexperte: Wichtiges Signal auch für andere Regierungen, den Klimaschutz nicht länger schleifen zu lassen

Paris, Berlin, 03.02.2021. Der 3. Februar 2021 könnte als wichtiger Meilenstein im Kampf gegen die Klimakrise in die Geschichte eingehen. Heute verkündete das Pariser Verwaltungsgericht sein wegweisendes Urteil gegen den französischen Staat: Er habe nicht ausreichend Maßnahmen ergriffen, um die Klimaschutzziele Frankreichs zu erreichen. Geklagt hatten mehrere Nichtregierungsorganisationen, darunter Oxfam Frankreich. 2,34 Millionen Menschen hatten diese Klage über eine Petition unterstützt – die größte in der Geschichte des Landes. Oxfams Klimaexperte Jan Kowalzig begrüßt das Urteil und geht davon aus, dass es den Druck auch auf andere Regierungen erhöht, in der Klimakrise nun schneller zu handeln. Er kommentiert:

„Jedes Zögern und Zaudern beim Klimaschutz in Ländern wie Frankreich oder Deutschland trägt zur Zerstörung der Lebensgrundlagen der Menschen bei - vor allem in den Ländern des Globalen Südens. Mit diesem Urteil haben die Richter der französischen Regierung gehörig die Leviten gelesen! In einem zweiten Schritt könnten sie nun verschärfte Maßnahmen zur Reduktion klimaschädlicher Treibhausgase anordnen. Das Urteil ist auch ein Signal an andere Staaten, deren Regierungen sich bislang in Fensterreden zum Pariser Abkommen bekennen, den konkreten Klimaschutz aber immer wieder verwässern, verschieben oder verhunzen - zulasten der Menschen im Globalen Süden, wo die Klimakrise Armut, Hunger und Ungleichheit weiter verschärft."

Hintergrund: Die Organisationen Oxfam Frankreich, Notre Affaire à Tous, die Nicolas-Hulot-Stiftung und Greenpeace Frankreich hatten den französischen Staat Ende 2018 verklagt, nachdem damals auch von offizieller Seite bestätigt worden war, dass die bestehenden Klimaschutzziele wohl nicht erreicht würden. Mit dem heutigen Urteil erklärt das Pariser Verwaltungsgericht diesen Umstand zu einem Rechtsverstoß. Dem Gericht zufolge sollen die klagenden Organisationen und die französische Regierung nun versuchen, eine Einigung über zusätzliche Klimaschutzmaßnahmen zu erzielen. Gelingt das nicht, kann stattdessen das Gericht solche Maßnahmen anordnen. Auch gegen Deutschland sind Klagen wegen des mangelhaften Klimaschutzes anhängig, darunter Beschwerden beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte und beim Bundesverfassungsgericht.


Wednesday 3rd February 2021

NGOs win historic victory against French State for failing to tackle climate change

  • Court battle backed by 2.34 million people – largest petition in French history
  • Landmark case will pile pressure on other governments to act faster

A landmark ruling today has found the French State at fault for failing to take enough action to tackle the climate crisis. The decision by the French court will serve as a warning to other governments to do more to reduce carbon emissions in line with their public commitments, said Oxfam France, a plaintiff in the case.

In December 2018, Oxfam France, Notre Affaire à Tous, the Nicolas Hulot Foundation and Greenpeace France launched a legal action against the French State for failing to reduce the country's emissions fast enough to meet its commitments. More than 2.3 million people signed a petition supporting the action – the largest in French history.

It is the first time the French State has been taken to court over its responsibility on climate change. Today's decision leaves the government open to compensation claims from French citizens who have suffered climate-related damage, and could force it to take further steps to reduce its emissions.

Cécile Duflot, Executive Director of Oxfam France, said: "Today's decision is a historic victory for climate justice. For the first time, a French court has ruled that the State can be held responsible for its climate commitments. This sets an important legal precedent and can be used by people affected by the climate crisis to defend their rights. This is a source of hope for the millions of French people who demanded legal action, and for all of those who continue to fight for climate justice around the world. It is also a timely reminder to all governments that actions speak louder than words."

The ruling comes as many countries are preparing more ambitious targets to reduce emissions, as required by the Paris Agreement. Governments are due to meet in Scotland later this year for the COP26 climate summit. Scientists and NGOs say the targets already announced – known as Nationally Determined Contributions – fall short of the cuts needed to avoid catastrophic global warming.

The French government's proposed climate law is, by its own admission, not enough to achieve its target of cutting emissions 40% by 2030. Even this target is not enough to put the country on track to tackle the climate crisis, Oxfam France said.

This decision also serves as a timely reminder to all European governments and the European Commission to take their international commitments seriously and to lead in the fight against the climate crisis. The current EU climate target of a 55% cut to emissions is ambitious, but still falls short of what is needed to keep global temperature rise below 1.5C.

The French State has two months to appeal the court's decision. While the four NGOs have asked the court to order the State to take additional measures to fulfill its climate commitments, the court decided to reserve its decision on this point for later in the Spring, to allow for further discussions between the French State and the NGOs.

Duflot said: "Following today's breakthrough, we now hope the courts will compel the Government to take further steps to reduce emissions and ensure that France is living up to its commitments."

Oxfam launched the legal action because the climate crisis is fueling poverty, hunger and inequality around the world. Often it is the poorest countries that have contributed least to the crisis that pay the highest price. In September 2020, Oxfam revealed that the richest one percent of people produce more than double the emissions of the poorest half of the world population combined.


 

Neue FIAN-Studie - Digitale Technologien gefährden Zugang zu Land

SID Blog - 3. Februar 2021 - 21:19
Entgegen dem Versprechen, wonach die Digitalisierung weit verbreitete Probleme im Landsektor wie Korruption und unsichere Grundbesitzverhältnisse beheben werde, zeigt eine neue Studie von FIAN, wie digitale Technologien Ungleichheiten und Landraub weiter fördern können. 
Während mächtige Großkonzerne auf dem jüngsten Weltwirtschaftsforum über „Tech for Good" diskutierten, zeigt die neue FIAN-Studie „Disruption or Déjà Vu? Digitalization, Land and Human Rights", dass digitale Technologien Ungleichheiten im Landsektor erhöhen und zu Instrumenten des Landraubs missbraucht werden können. Für die Studie wurden Projekte und Entwicklungen in Brasilien, Indonesien, Georgien, Indien und Ruanda untersucht. Diese zeigen auf, wie die Digitalisierung zur Verschärfung existierender Formen von Ausgrenzung beiträgt.

Zu den wichtigsten Ergebnissen der Studie gehören:

• Großunternehmen und lokale Eliten nutzen die neuen Technologien mitunter, um sich Land zu sichern und lokale Gemeinden zu vertreiben. Ein Beispiel hierfür ist der 700.000 Hektar große Mirador Nationalpark in Brasilien, wo sich Agro-Unternehmen mit Hilfe von digitalen Katastern Land in Naturschutzgebieten illegal angeeignet haben. Hunderte Familien, die dort seit Generationen leben, wurden in Folge dieses digitalen Landraubs vertrieben.
• In mehr als 20 Ländern weltweit wird mit der Blockchain-Technologie – welche Kryptowährungen wie Bitcoin zugrunde liegt – im Landsektor experimentiert. Mit dieser „cutting-edge" Technologie soll es angeblich möglich sein, grundlegende Probleme im Landmanagement nahezu mit einem Schlag zu lösen. Die aktuell verfügbaren Informationen über die verschiedenen Projekte deuten jedoch darauf hin, dass sich die Technologie bisher als wenig effektiv erwiesen hat. Viele Testversuche sind ins Stocken geraten oder werden nicht weitergeführt.
• Obwohl der Zugang zu Land für eine Vielzahl von Menschenrechten und das Wohl der ländlichen Bevölkerung von zentraler Bedeutung ist, werden viele Digitalisierungsprojekte ohne Vorkehrungen zum Schutz von Menschenrechten implementiert.
• Ohne eine feste Einbettung in Menschenrechte und einen klaren Fokus auf das öffentliche Interesse sind die Hauptnutznießer der Digitalisierungsprojekte im Landsektor zumeist Agro- und Hi-Tech-Unternehmen, während benachteiligte Gruppen das Nachsehen haben. Die Regierungen verlassen sich zunehmend auf Privatunternehmen, um die Infrastruktur für die digitale Landverwaltung bereitzustellen, wodurch die öffentliche Kontrolle über grundlegende Dienstleistungen und Güter untergraben wird.
• Internationale Geber stellen Hunderte Millionen Dollar für den Einsatz digitaler Technologien im Landsektor zu Verfügung. Allein die Weltbank investiert und verleiht mehr als eine Milliarde US-Dollar für Landprojekte mit Digitalisierungskomponente in Subsahara-Afrika sowie Süd- und Südostasien.

Die gegenwärtige Anwendung von digitalen Technologien verstärkt häufig Ungleichheiten im Landsektor. Das ist keine Tech for Good, sondern Tech für Profite", erklärt Philip Seufert, einer der Autoren der Studie. „Die Frage ist nicht, ob digitale Technologien gut oder schlecht sind. Wenn ihr Einsatz nicht menschenrechtlich eingebettet ist, profitiert nur eine kleine Gruppe mächtiger Unternehmen und Eliten. Ländliche Gemeinden hingegen laufen Gefahr, ihr Land und ihre Existenzgrundlage zu verlieren", so Seufert weiter.

Die Verteilung von Land ist ein Indikator für soziale Ungleichheiten. Seit der Finanzkrise von 2008, die einen weltweiten Ansturm auf Land ausgelöst hat, kommt es vermehrt zu Vertreibungen lokaler Gemeinden. Unsicherer Zugang zu Land ist auch eine wichtige Ursache für Armut und Hunger. Dies anzugehen erfordert das Bekämpfen struktureller Probleme, wie zum Beispiel die äußerst ungleiche Verteilung von Land und der mangelhafte Schutz der Landrechte ländlicher Gemeinden. Digitalisierung – wie zum Beispiel die Einführung digitaler Kataster – wird als Königsweg zur Lösung der Probleme im Landsektor angepriesen. Doch die Initiativen in den fünf Ländern, welche im Rahmen der Studie analysiert wurden, zeigen, dass landbezogene Digitalisierungsprozesse vielerorts in erster Linie dazu dienen, Land für Finanzinvestitionen attraktiv zu machen.

Es ist inakzeptabel, dass Regierungen und Entwicklungsbanken den Einsatz digitaler Technologien im Landsektor vorantreiben, ohne international akzeptierte Menschenrechtsstandards zu berücksichtigen", sagt Mathias Pfeifer, Koautor der Studie. „Es ist unverantwortlich und gefährlich, wenn strukturelle Diskriminierung allein mit technischen Lösungen bekämpft werden soll. Verschlimmert wird die Lage durch die zumeist mangelnden Beteiligungsmöglichkeiten der Betroffenen."

Die analysierten Fälle zeigen zudem, dass Digitalisierung oft mit einer Übertragung von Kompetenzen des Staates auf private Akteure einhergeht. In Georgien beispielsweise betreibt ein niederländisches Unternehmen die Blockchain-Infrastruktur, die als Grundlage für das Landmanagementsystem des Landes dienen soll. Diese und andere öffentlich-private Partnerschaften geben Anlass zu ernsthafter Besorgnis über die öffentliche Kontrolle zentraler Gütern. Im Jahr 2020 kündigte die Welternährungsorganisation (FAO) die Einrichtung einer Plattform an, welche Richtlinien für die Anwendung digitaler Technologien im Kontext von Ernährung und Landwirtschaft bereitstellen soll. Die Ergebnisse der FIAN-Studie unterstreichen die Notwendigkeit, international vereinbarte Menschenrechtsstandards im Zusammenhang mit Digitalisierung aufrechtzuerhalten und umzusetzen, einschließlich der Landleitlinien der FAO.

- FIAN-Studie:Disruption or Déjà Vu? Digitalization, Land and Human Rights
- Analysis Grid for the Assessment of Land-related Digitalization Projects and Processes from a Human Rights Perspective
- Mapping of Digitalization and Blockchain Projects in the Land Sector
- Deutsche Zusammenfassung der Studie (Fact Sheet)

*Inwiefern ist Land und Landpolitik von Digitalisierung betroffen?
Digitale Technologien werden zunehmend für die Verwaltung und das Management von Land eingesetzt. Zum Beispiel wird Land mit GPS-Geräten und Drohnen kartiert und abgegrenzt. Informationen zu Landbesitz und -nutzung werden in digitalen Registern und Katastern gespeichert. Schließlich werden digitale Tools und Plattformen zur Durchführung von Landtransaktionen genutzt und beeinflussen die Landpolitik. Die Digitalisierung im Kontext von Land hat große Auswirkungen auf den Zugang zu, die Nutzung von und die Kontrolle über diese wichtige Ressource.








VENRO informiert! Frauen in Nichtregierungsorganisationen (NRO)

SID Blog - 3. Februar 2021 - 21:18
VENRO informiert! Ausgabe Nr. 1/2021
 

Nr. 1 / 2021

THEMENSCHWERPUNKT

Frauen in Nichtregierungsorganisationen (NRO)

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

 

Frauen stellen in Verbänden, Stiftungen und gemeinnützigen Organisationen über 70 Prozent der Belegschaft, sie sind aber nur zu knapp 40 Prozent in Vorständen und Geschäftsführungen vertreten. Um Frauen aus unseren Mitgliedsorganisationen den Aufstieg in Führungspositionen zu erleichtern, haben wir im vergangenen Jahr ein Mentoring-Programm gestartet. Sowohl Mentees als auch Mentor_innen erlebten die Teilnahme als persönliche Bereicherung. Ihre positiven Rückmeldungen bestärkten uns darin, das Programm fortzusetzen und es auf Basis der Erfahrungen und der Vorschläge der Teilnehmenden weiterzuentwickeln.

 

Professorin Annette Zimmer, Autorin der Studie „Karriere im Nonprofit-Sektor?", unterstreicht im Interview die Bedeutung von Mentoring-Programmen für eine gezielte Nachwuchsentwicklung. Als weitere wirksame Förderinstrumente nennt sie die Einführung einer Quote und eine systematische Personalentwicklung.

 

Auch auf Podiumsdiskussionen dominieren oftmals Männer die Debatten. Unsere Vorstandsmitglieder haben daher beschlossen, Gender Champions zu werden. Sie nehmen nicht mehr an geschlechtlich einseitig besetzten Panels teil. Wie Sie sich dieser Initiative anschließen und ein Signal gegen #manels setzen können, erfahren Sie in diesem Newsletter!

 

Herzliche Grüße,

 

Heike Spielmans
Geschäftsführerin

 

 

Rubriken dieses Newsletters

 

„Die effektivste Förderung ist die Quote"

   

Annette Zimmer, Professorin für Deutsche und Europäische Sozialpolitik und Vergleichende Politikwissenschaft, führte im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend die Studie „Karriere im Nonprofit-Sektor?" durch. Im Interview spricht sie über die Arbeitsbedingungen und Aufstiegschancen von Frauen in Nichtregierungsorganisationen.

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Mentoring-Programm ermöglicht unvorhergesehene Perspektiven

   

Um Frauen den Aufstieg in Führungspositionen im NRO-Sektor zu erleichtern, haben wir im vergangenen Jahr ein Pilotprogramm gestartet. Acht Monate später ziehen die Teilnehmenden ein positives Fazit. Über einen Austausch, von dem beide Seiten profitieren

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VENRO-Vorstandsmitglieder werden Gender Champions

   

Schließen Sie die Augen und stellen sich ein beliebiges Podium vor. Wer sitzt dort und spricht? In der Realität finden sich dort überwiegend Männer. Unsere Vorstandsmitglieder haben daher beschlossen, nicht mehr an Panels teilzunehmen, die nur mit einem Geschlecht besetzt sind. Ziel der Initiative ist es, Geschlechtergleichstellung auf einfache und wirksame Art zu fördern.

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Raus aus der Defensive: Wir brauchen neue Impulse für den Schutz humanitärer Helfer_innen

 

Das humanitäre Völkerrecht garantiert den Schutz humanitärer Helfer_innen. Dennoch werden viele Grundsätze missachtet: Humanitäre Helfer_innen werden immer öfter Opfer gezielter Angriffe, ihre Handlungsräume zunehmend eingeschränkt. Höchste Zeit, diesen Trend umzukehren.

 

Wie ein besserer Schutz humanitärer Helfer_innen erreicht werden kann, können Sie in unserer Stellungnahme „Raus aus der Defensive – Humanitäres Völkerrecht stärken und humanitäre Helfer_innen weltweit schützen" nachlesen. Die Stellungnahme greift gemeinsame Überlegungen mit dem französischen NRO-Bündnis Coordination SUD auf und ist auch auf Englisch verfügbar.

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  Zur Stellungnahme (DE)
  Zur Stellungnahme (EN)

Deutsche EU-Ratspräsidentschaft: Der globale Süden kam zu kurz

 

Brexit, EU-Haushalt, Klimaschutz, Migration – selbst ohne die Corona-Pandemie wäre die deutsche EU-Ratspräsidentschaft 2020 sehr herausfordernd geworden. Daher ist es verständlich, dass die Bundesregierung nicht alle an sie gerichteten Erwartungen erfüllen konnte. Enttäuschend ist jedoch, dass die von Bundeskanzlerin Angela Merkel angekündigten Schwerpunkte Afrika-EU-Beziehungen und globale Verantwortung eindeutig zu kurz gekommen sind.

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05.02.2021 - 06.02.2021, W. P. Schmitz-Stiftung, Königswinter   Was ist ein gutes Auslandsprojekt?  

Methoden und Instrumente der Projektentwicklung und -begleitung werden vorgestellt und praktisch eingeübt. Außerdem wird der Frage nachgegangen, wie Erfolge im Projekt über Indikatoren nachgewiesen werden können, und Hinweise zu Fördermöglichkeiten für Auslandsprojekte aus dem Titel Private Träger des BMZ gegeben.

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09.02.2021 - 17.03.2021, VENRO, Online, Hannover
  Security and Crisis Management in Practice  

Humanitarian NGOs are working in difficult contexts. An appropriate security and crisis management in NGOs is key when it comes to the duty of care for their employees. In three (online) seminars, participants will learn how to improve their own security concepts and crisis management, how to safeguard the ownership of staff and how to involve partner organisations.

  Zur Veranstaltung
16.02.2021 - 18.02.2021, IFHV der Ruhr-Universität Bochum/VENRO, Online  

Einführung in die Mechanismen vorausschauender humanitärer Hilfe

 

Die dreitägige Online-Fortbildung bietet einen Überblick über Möglichkeiten und Grenzen vorausschauender humanitärer Hilfe anhand des Konzepts von Forecast-based Financing. Die Teilnehmenden lernen vorhandene Beispiele der Nutzung von Extremwetter-Vorhersagen kennen und machen sich vertraut mit den Grundlagen, um Schwellenwerte („trigger levels") für die Auslösung vorausschauender humanitärer Maßnahmen festzulegen.

  Zur Veranstaltung
24.02.2021 - 26.02.2021, IFHV der Ruhr-Universität Bochum/VENRO, Online  

Legal basics of protection in humanitarian action

 

Even though protection is a core pillar of humanitarian action, it is often not entirely understood by humanitarian professionals and/or staff may feel insufficiently equipped in fulfilling their responsibilities in protection. The training addresses NGO staff working in the field or at the management level. It seeks to provide participants with the knowledge and understanding necessary to recognize and address protection issues in their daily work, in particular in situations of forced displacement.

  Zur Veranstaltung
01.03.2021, KKID, Online (Zoom)  

How to plan a project with Theory of Change?

 

In the last years, the expectation that development projects focus more on their impacts (rather than just the smooth implementation of the project measures) has risen dramatically. Organisations and project staff struggle with high expectations to prove "impact" and with a multitude of definitions, concepts, and tools on the market. This workshop will enhance your ability to plan systematically in an impact-oriented way.

  Zur Veranstaltung

Brot für die Welt sucht eine_n Referent_in Zielgruppenmanagement (w/m/d).

 

AGIAMONDO sucht eine_n Pädagog_in für kirchliche Friedensarbeit, Gikongoro, Ruanda (m/w/d).

 

Plan International sucht eine_n Projektcontroller_in (m/w/d) in Hamburg.

 

CARE sucht eine_n Fundraising Referent_in Großspenden (m/w/d) in Bonn.

 

Oxfam sucht eine_n Roving Grants and Compliance Advisor (w/m/d) in Berlin.

 

Save the Children sucht eine_n Studentische Mitarbeiter_in (m/w/d) im Bereich Social Media in Berlin.

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www.venro.org

Tel.: 030 2639299-10

 

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EWIK Newsletter Februar: Globales Lernen und soziale Gerechtigkeit

SID Blog - 3. Februar 2021 - 21:18

Newsletter Eine Welt Internet Konferenz

Der Infodienst des Portals Globales Lernen

Ausgabe Februar 2021: Globales Lernen und soziale Gerechtigkeit

Liebe Leserinnen und Leser,

seit der Antike gilt Gerechtigkeit als höchste Tugend im sozialen Zusammenleben. In einer idealen Gesellschaft ist Gerechtigkeit das Prinzip, nach dem jedem Menschen sein Recht in gleicher Weise zugestanden wird: Gesetzgeber, Exekutive und Zivilgesellschaft sorgen gemeinsam für einen fairen Ausgleich der Interessen und Chancen aller. Das klingt großartig - allerdings sind wir nicht nur in einzelnen Ländern, sondern auch in der Weltgesellschaft vom Idealzustand weit entfernt.

Angesichts der Disparitäten in der Welt, angesichts der Klimakrise und humanitärer Katastrophen ist klar, dass gerechtes Handeln heute nicht mehr nur auf den Einzelnen und den sozialen Nahbereich bezogen werden kann. Vielmehr stellt sich die Frage nach weltweiter sozialer Gerechtigkeit. Dabei ist Armutsbekämpfung in einzelnen Ländern nur ein erster Schritt. Denn Armut ist keine Naturkatastrophe: Sie entsteht, weil Schwächere - zum Bespiel Kleinbauernfamilien, Indigene, Migranten - durch lokale Eliten und international agierende Unternehmen ihrer Lebensgrundlagen beraubt werden. Sie entsteht aus der weltweiten Exklusion der ärmsten Länder und ihrer Menschen durch das herrschende Weltwirtschafts- und Welthandelssystem. Gerechtes Handeln im globalen Kontext zielt darauf, diese Ausbeutung und Ausgrenzung zu beenden.

Seit Anfang 2020 hält das Sars-Cov-II-Virus die ganze Welt in Atem. Es fordert alle Gesellschaften, alle Volkswirtschaften heraus. Allerdings sind die Länder besonders hart getroffen, deren Gesundheitssysteme schon vor der Krise fragil waren und die nicht die Ressourcen haben, für ihre Bevölkerung einen staatlichen Rettungsschirm aufzuspannen. In diesen Ländern sind wiederum die Armen besonders benachteiligt und existenziell bedroht. Wie sollen mangelernährte Menschen, die beengt wohnen und ihren Lebensunterhalt im informellen Wirtschaftssektor verdienen, dem Virus die Stirn bieten? Um die Jahreswende 2020/21 fiel in einigen Ländern, auch in Deutschland, der Startschuss für die Corona-Impfung. Doch wie kann die Verteilung der Vakzine weltweit fair geregelt werden? Die für die Impfkampagne notwendige Infrastruktur ist in vielen Südländern nicht gegeben. Mehr denn je ist internationale Solidarität gefordert - denn eine Überwindung der Pandemie ist nur möglich, wenn alle Länder in Nord und Süd an einem Strang ziehen.

Auch die Klimakrise ist weltweit spürbar; aber die Menschen auf der Südhalbkugel und besonders die armen Bevölkerungsgruppen sind von den Auswirkungen des Klimawandels besonders hart getroffen. Wenn wir heute von Gerechtigkeit sprechen, meinen wir daher nicht nur Tausch- und Leistungsgerechtigkeit, dass „jedem das Seine" zugeteilt wird, sondern wir meinen Verteilungs-, Beteiligungs- und Chancengerechtigkeit in globaler Perspektive. Wir meinen Umwelt- und Generationengerechtigkeit. Wir meinen Gerechtigkeit als Grundwert unseres Zusammenlebens, aber auch als Norm internationaler Vereinbarungen. Wir meinen Gerechtigkeit als innere Einstellung, aus der sich sozial und ökologisch verantwortliche Verhaltungsweisen ableiten. Globales Lernen fördert diese innere Einstellung - altmodisch gesprochen: die Tugend der Gerechtigkeit - und betrachtet weltweite soziale Gerechtigkeit im Kontext von Nachhaltigkeit.

In dieser Newsletter-Ausgabe finden Sie hierzu nützliche Material- und Medienhinweise, außerdem Aktionsideen und Anregungen, wie Sie das Globale Lernen ganzheitlich gestalten können.

Eine gewinnbringende Lektüre wünscht Ihnen Ihre

Petra Gaidetzka, MISEREOR
EWIK-Kooperationspartner
Aktuelles

Wettbewerb "Dein Song für eine Welt"

Am 28. Januar 2021 ist der Song Contest „Dein Song für EINE WELT!" in eine neue Runde gestartet. Der Wettbewerb verfolgt das Ziel, das Bewusstsein von Kindern und Jugendlichen für entwicklungspolitische Themen zu stärken und ihnen und ihren musikalischen Botschaften eine Plattform zu geben. Ab sofort sind Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 25 Jahren aufgerufen, selbstgeschriebene Songs einzureichen, die sich musikalisch mit globalen Themen auseinandersetzen. Der Song Contest „Dein Song für EINE WELT!" ist eine Begleitmaßnahme zum Schulwettbewerb zur Entwicklungspolitik „alle für EINE WELT für alle" und wird von Engagement Global gGmbH – Service für Entwicklungsinitiativen im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung durchgeführt. Zu gewinnen gibt es Geld- und Sachpreise. Einsendeschluss ist der 16. Juni 2021.

Berufliche Schule „Grenzenlos" digital: Lehrerfortbildungen zu Globalem Lernen

Das Projekt „Grenzenlos - Globales Lernen in der beruflichen Bildung" richtet sich an Lehrkräfte von berufsbildenden Schulen und bietet kostenlos Lehrkooperationen zu Themen der Nachhaltigkeit an. Das Besondere: die Referent*innen sind Studierende aus Afrika, Asien und Lateinamerika, die ihre fachlichen Kenntnisse, Wissen um die Methoden und Techniken des Globalen Lernens und ihre Erfahrungen aus den Heimatländern in den Unterricht einbringen. Außerdem können sich die kooperierenden Schulen auch für die Auszeichnung als „Grenzenlos-Schule" für besonderes interkulturelles Engagement bewerben.

"Zugriff verweigert - Digitalisierung global gerecht gestalten" - BREBIT 2021

Unter dem Motto "Zugriff verweigert - Digitalisierung global gerecht gestalten" geht die BREBIT 2021 in ihr 18. Jahr. Die Bildungstage finden vom 16. August bis 3. Dezember 2021 in ganz Brandenburg statt und greifen das Vorjahresthema Digitalisierung und globale Gerechtigkeit nochmals unter anderen Blickwinkeln auf.

Neue Materialien zum Menschenrecht auf Wasser und Sanitärversorgung

Das Menschenrecht auf Wasser ist das Jahresthema 2020/21 von FIAN, dem FoodFirst Informations- & Aktions-Netzwerk. In diesem Zusammenhang sind aktuell mehrere Veröffentlichungen zum Menschenrecht auf Wasser und Sanitärversorgung erschienen. So bietet eine Broschüre neben einer umfassenden Einführung in das Menschenrecht auf Wasser eine Fülle von Daten zu Wasserverbrauch durch Bergbau und Landwirtschaft sowie dem Wasserfußabdruck. Ein achtseitiges Faltblatt stellt anschaulich und kurz dar, wie die Klimakrise die Verfügbarkeit und den Zugang zu Wasser in vielen Regionen der Welt gefährdet. Ein Factsheet beschäftigt sich mit den Auswirkungen von Freihandelsabkommen auf das Menschenrecht auf Wasser, ein weiteres zeigt am Beispiel von Indien, wie strukturelle Mängel die Verwirklichung des Menschenrechts auf hygienische Sanitärversorgung verhindern können. Alle Materialien stehen zum Download bereit und können kostenlos bestellt werden.

Methodenhandbuch: Connect for Change

Welche Rolle spielen globale Bildungspartnerschaften und -projekte für einen Wandel im Sinne der Sustainable Development Goals (SDGs)? Zu dieser und anderen Fragen haben Menschen aus dem Globalen Norden und dem Globalen Süden im Projekt „Connect for Change" zusammengearbeitet. Das Handbuch „Connect for Change - Globale Bildungspartnerschaften und -projekte für den Wandel gestalten" dient als Anregung und Leitfaden für den Aufbau, die Gestaltung und Weiterentwicklung von Bildungspartnerschaften und -projekten in Schule und Zivilgesellschaft. Es enthält Beiträge von Expert*innen aus der ganzen Welt.

Rosenaktion im Frühjahr 2021: Sag es mit fairen Rosen!

Vom 14. Februar bis zum 14. März 2021, rund um den Weltfrauentag am 8. März, ruft TransFair e.V. (Fairtrade Deutschland) zur Rosenaktion „Flower Power - Sag es mit fairen Rosen" auf. Mit privaten Blumengrüßen, Rosenaktionen und Pop-Up-Stationen in ganz Deutschland setzen Aktive in Schulen, Städten und Unis ein Zeichen für Frauenrechte und den fairen Handel mit Rosen. Der Großteil der Blumenproduktion erfolgt in Ländern des globalen Südens. Auf den Blumenplantagen sind die Arbeitsbedingungen oft miserabel, darunter leiden insbesondere die vielen Frauen, die dort beschäftigt sind. Durch Fairtrade können Frauen selbstbestimmter ihre Zukunft gestalten.

Zum Schwerpunkt: Bildungsmaterialien

Weltweite soziale Gerechtigkeit: Materialien für den Religionsunterricht zum Inhaltsfeld „Verantwortliches Handeln aus christlicher Motivation"

Diese von MISEREOR entwickelte Unterrichtshilfe stellt Material für vier mögliche - in sich abgeschlossene und frei wählbare - Unterrichtseinheiten zur Erarbeitung des Themas weltweite soziale Gerechtigkeit zur Verfügung. Jedes der Module stellt dabei einen anderen Aspekt in den Mittelpunkt und nutzt Beispiele aus der Projektarbeit MISEREORs und ihren Partnerorganisationen in Indien, Madagaskar, Brasilien, Paraguay und Kambodscha.

MISEREOR Lehrerforum: „Soziale Gerechtigkeit zwischen Globalisierung und Nachhaltigkeit"

Gerechtigkeit ist Thema im Religionsunterricht der Oberstufe. Das MISEREOR Lehrerforum Nr. 114 bietet Materialien für die Unterrichts-Gestaltung und motiviert zum Blick über den Tellerrand: Denn gerechtes Handeln steht heute im Spannungsfeld von Globalisierung und Nachhaltigkeit.

The winner takes it all?! Methoden für die politische Bildung zu sozialer Ungleichheit.

Wie kann Bildungsarbeit zum Thema soziale Ungleichheit aussehen? Wie kann die Geschichte und Gegenwart von Ungleichheit in Deutschland und global didaktisch so aufbereitet werden, dass es interessant, verständlich und auf dem aktuellen wissenschaftlichen Stand ist? Das Bildungsmaterial bietet einen Beitrag zu diesen Fragen. In dem Material werden neue Methoden zum Thema soziale Ungleichheit für Jugendliche und junge Erwachsene vorgestellt. Der Fokus liegt dabei auf Methoden, die die Teilnehmer*innen aktivieren.

Wie inklusiv sind wir schon und was geht da noch? - Lerneinheit zum SDG 10 mit Fokus auf Menschen mit Behinderungen

Das zentrale Prinzip der SDGs ist es, „niemanden zurückzulassen" und auch die Schwächsten und Verwundbarsten der Welt mitzunehmen. Jedoch ist es so, dass Menschen mit Behinderungen - die weltweit größte Minderheit - immer noch in vielen Bereichen benachteiligt und besonders von Armut betroffen sind. Deshalb hat die Christoffel-Blindenmission zu diesem Thema eine Lerneinheit entwickelt, die sich mit nachhaltiger Entwicklung unter Berücksichtigung sozialer Gerechtigkeit auseinandersetzt. Schüler*innen der Klassen 7-10 beschäftigen sich in diesem Material mit dem SDG 10 (Weniger Ungleichheiten) und dem speziellen Fokus auf Menschen mit Behinderungen. Ziel ist es, die Schüler*innen für Ungleichheiten zu sensibilisieren und zur Förderung von Empathie und Solidarität beizutragen. Sie werden angeregt, sich für Chancengleichheit und eine gerechte Welt einzusetzen.
#UNHATEWOMEN zum Thema Hate Speech

Die #UNHATEWOMEN Kampagne von TERRE DES FEMMES setzt sich gegen die verbale Gewalt gegen Frauen ein und macht diese sichtbar. Die Organisation fordert die konsequente Bekämpfung und Strafverfolgung von Hasskriminalität gegen Frauen und Mädchen im Internet, denn Gewalt tritt nicht nur in physischer Form auf. Zusätzlich wurde aufgrund des Erfolgs der Kampagne geeignetes Material für zwei Unterrrichtsstunden in den Klassenstufem 8-11 erstellt, in denen das Thema „Was ist Hate Speech?" und „Wie gehe ich mit Hate Speech um?" interaktiv erarbeitet werden kann.


Bildungsmaterial "Moderne Sklaverei"

Nach Zahlen der ILO leben global heute mehr als 21 Millionen Menschen in Sklaverei, sklavereiähnlichen Bedingungen und Zwangsarbeit, was heißt, dass zu einem einzigen Zeitpunkt in der Geschichte mehr Menschen betroffen sind als während drei Jahrhunderten transatlantischen Sklavenhandels.
Die Broschüre des Nord-Süd Netzes beim DGB-Bildungswerk BUND bietet ein geballtes Know-how für die politische Arbeit im Globalisierungsprozess zum Thema moderne Sklaverei.
Connecting the Dots. Lernen aus Geschichte(n) zu Unterdrückung und Widerstand (eLearning Tool)

Ist die Vergangenheit vergangen? Ist sie widerspruchsfrei, unveränderlich und durch historische Fakten belegt? Sind wir gar am „Ende der Geschichte" angelangt? In der hegemonialen Geschichtsschreibung gibt es unzählige Leerstellen. Viele Geschichten, die wichtig für die Gestaltung unserer Gegenwart und die Imagination möglicher Zukunft sind, wurden noch gar nicht geschrieben. Um diese Leerstellen ansatzweise zu füllen hat global e.V. in dem eLearning Tool "connecting the dots" zahlreiche aufschlussreiche Zitate von Menschen aus vielen Epochen, Erdteilen und mit vielfältigen gesellschaftlichen Perspektiven (in Bezug auf Klasse, Geschlecht, Sexualität und Rassifizierung) gesammelt. In der gleichnamigen Broschüre connecting the dots können Interessierte Methoden kennenlernen, um Zeitstrahlzitate anzuwenden und Hintergrundtexte zu einzelnen Zeitstrahlthemen finden.

pbi Online-Bildungsangebote Globales Lernen und Soziale Gerechtigkeit

Globale Zusammenhänge aufzeigen, Empathie entwickeln und das eigene Handeln kritisch reflektieren, das sind die Grundlagen der Bildungsarbeit im Globalen Lernen. Peace Brigades International - pbi - möchte auch in Zeiten von Corona Bildungsangebote für diesen Lernbereich anbieten - und zwar online! Extra für diesen Newsletter wurden die pbi-Bildungsangebote gesichtet und auf die Anforderungen von digitalen Bildungsveranstaltungen angepasst. Herausgekommen sind sieben spannende Online-Workshops für Kinder, junge Erwachsene und Multiplikator*innen.
Unterrichtsmaterial und Workshop zum Thema Regenwald im Einkaufswagen

Was ändert sich eigentlich genau, wenn ich Kakaoprodukte mit Siegel kaufe? Mit dem Workshop "Mit Schokolade den Regenwald retten" von OroVerde lässt sich exemplarisch anhand des Themas Kakao hinter die Kulissen unseres Konsums schauen. Beleuchtet werden die Mechanismen für den Anbau von Kakao und Alternativen sowie Initiativen zum konventionellen Handel bzw. die Macht des Verbrauchers. Anschaulich aufbereitet in einer PowerPointPräsentation als PDF inkl. Lehrerleitfaden für die Klassen 7-12 - auch für´s Homeschooling geeignet.
SDG 10 Schwerpunkt bei Bildung 2030

Die österreichische digitale Plattform Bildung2030 bündelt Informationen rund um die Themen der Agenda 2030 und richtet sich an alle Menschen, die eine Auseinandersetzung mit den 17 globalen Nachhaltigkeitszielen fördern und Bildungsarbeit in diesem Sinne umsetzen. Aktueller Schwerpunkt auf der Plattform ist das Ziel 10: Weniger Ungleichheit, hier werden aktuelle Angebote, Aktionen und Bildungsmaterialien gebündelt vorgestellt. Zum Schwerpunkt: Multimediales

Weltkarte soziale Gerechtigkeit

Mit diesem Bildungsmaterial von Brot für die Welt können Lehrkräfte mit ihren Schülerinnen und Schülern auf virtuelle Weltreise gehen und Projekte in Albanien, Kirgisistan, Indien, Äthiopien, Simbabwe, Kolumbien und Nicaragua kennenlernen. Kinder und Jugendliche aus dem Globalen Süden erzählen, wie sie soziale Ungerechtigkeit erleben, wie sie damit umgehen und was sie selbst für soziale Gerechtigkeit tun. Dabei geht es um Inklusion an Schulen, um Integration von Geflüchteten, um Kinderarbeit und Kinderrechte, um Gleichberechtigung, gewaltfreie Konfliktlösung oder um faire Arbeitsbedingungen. Virtuelle Lernspiele und begleitende Arbeitsmaterialien ermöglichen die Auseinandersetzung mit komplexen Themen auf spielerische Weise.

Internationales Dokumentarfilmprojekt "Why Poverty?/Warum Armut?" mit 15 Kurzfilmen und 6 Dokumentarfilmen

Das internationale Dokumentarfilmprojekt "Why Poverty?" möchte mit Filmen zum Thema Armut eine öffentliche Debatte anregen. Diese DVD-Edition enthält sechs Dokumentarfilme und 15 Kurzfilme von unabhängigen Filmemacher*innen. Sie zeigen Aspekte von Armut und Ungleichheit in Entwicklungsländern ebenso wie in Schwellen- und Industrieländern auf. Gemeinsam ist allen Filmen, dass sie mehr Fragen aufwerfen als Antworten geben und dazu anregen, sich weiterführend mit der Entstehung, Bekämpfung und Überwindung von Armut und Ungleichheit auseinanderzusetzen.

Let's Go Everywhere: Video-Dokufiktion zum SDG 10

Für viele Menschen aus afrikanischen Ländern ist es sehr schwierig, ein Visum für die Einreise in die EU zu erhalten, während es gleichzeitig für EU-Bürger sehr einfach ist, in afrikanische Länder zu reisen. Der Kurzfilm "Let's go everywhere" von Draufsicht GLOBAL beschäftigt sich mit dieser Ungerechtigkeit und ihren brutalen Folgen.

Spielfilm "Where to, Miss?"

Devki ist eine junge Inderin, die in der Hauptstadt Delhi lebt und dort den ständigen Konflikt zwischen dem Wunsch nach Emanzipation und den fest verankerten Traditionen der indischen Gesellschaft erlebt. Der Dokumentarfilm „Where to, Miss?" begleitet diese mutige junge Inderin innerhalb von drei Jahren durch drei unterschiedliche Lebensabschnitte: als Tochter, Ehefrau, Mutter. Anhand des Schicksals von Devki erzählt „Where to, Miss?", warum es für eine indische Frau so schwierig ist, sich aus den traditionellen Rollenbildern zu befreien.

Erklärfilm zum Thema Frauenrechte

In einem transdisziplinären Projekt des EPiZ Reutlingen mit der Hochschule Esslingen haben Studierende einen Erklärfilm in Legetechnik zum Thema Frauenrechte erstellt. Der kurze Film (9 Min.) lässt sich für die Bildungsarbeit mit älteren Grundschulkindern (ab Klasse 4) und in der Sek. I (bis Klasse 7/8) sowie der außerschulischen Bildungsarbeit einsetzen. Begriffe wie Diskriminierung und Gleichberechtigung werden erklärt und Problembereiche aufgezeigt. Über die Kinder Anna und Timo wird über die Dauer des Films der Bezug zur Lebenswelt der Lernenden hergestellt.

Zum Schwerpunkt: Aktionen, Angebote, Kampagnen, Fortbildungen
missio for life - transmediale Ausstellung zu sozialer Gerechtigkeit weltweit

missio for life ist ein Lernerlebnis zu sozialer Gerechtigkeit weltweit. Mit der interaktiven Ausstellung des internationalen Hilfswerks missio München gewinnen Jugendliche Einblicke in Lebenswirklichkeiten von Gleichaltrigen auf den Philippinen, in Indien und Tansania.
Das Anliegen von missio im Rahmen des globalen Lernens ist es, Schülerinnen und Schülern eine Vorstellung von sozialen Problemen in der Welt zu vermitteln.

Ausstellungen zum Thema Inklusion von bezev

bezev (Behinderung und Entwicklungszusammenarbeit e.V.) setzt sich dafür ein, dass BNE auch in der inklusiven Bildung, schulisch und außerschulisch, stattfindet und arbeitet im Rahmen einzelner Projekte an der Erstellung inklusiver Bildungsmaterialien zu Themen der BNE, Ausstellungen und Fortbildungsangeboten für Pädagog*innen. Zur Zeit stehen mehrere Ausstellungen zum Thema Inklusion zur Ausleihe bereit.

E-Learning Kurs "Gerecht aktiv"

Dieser Kurs basiert auf dem Aktionsleitfaden "Gerecht Aktiv" der AWO und unterstützt dabei, im wohlfahrtspflegerischen Umfeld auf globale Ungerechtigkeiten hinzuweisen und für eine solidarische Entwicklung der Weltgeschicke in den kommenden Jahrzehnten einzutreten. Er weist auf Handlungsmöglichkeiten für eine fairere Welt hin, die man als Einzelne*r oder als Organisation hat.

Bildungsangebote des Zentrums für soziale Inklusion, Migration und Teilhabe

Das Zentrum erstellt innovative Bildungsangebote im Themenbereich soziale Inklusion, Migration und gesellschaftliche Teilhabe in Deutschland zusammen mit internationalen Partnern. Damit soll ein Dialog zwischen Politik, Zivilgesellschaft, Sozialpädagogik, entwicklungspolitischer Bildung und Globalem Lernen vor Ort initiiert und konstruktive und zukunftsfähige Handlungsoptionen entwickelt und durchgeführt werden.

Online-Lehrkräftefortbildung zur Interkulturellen Bildung von CARE und dem KIWI-Projekt

Im Rahmen des KIWI und KIWI kids-Projektes von CARE finden im Zeitraum Februar bis März 2021 Online-Fortbildungen für Lehrkräfte statt. Dabei wird, neben einer theoretischen Einführung in eine Vielzahl verschiedener Themen zur Interkulturellen Bildung, auch ein Einblick in verschiedene Methoden und Übungen für Schüler*innen gegeben, die dann durch die Lehrkräfte im Unterricht angewendet werden können. Die Übungen umfassen unter anderem Themen zur Bedeutung von Herkunft und Migrationsumständen für die eigene Persönlichkeitsentwicklung und zu kulturellen Gemeinsamkeiten und Unterschieden in Bezug auf jugendliche Lebenswelten. Die Fortbildungen richten sich an Lehrkräfte, Schulsozialarbeiter*innen, Pädagog*innen und Schulpsycholog*innen.

Kampagne #PussyisPower

Warum ist man eine ,Pussy", wenn man sich etwas nicht traut? Warum hat man ,Eier in der Hose", wenn man Stärke bewiesen hat? Und vor allem: Warum sprechen wir bei Männern vom ,starken Geschlecht"? Was diese Redewendungen implizieren, ist weltweit in den Köpfen der Menschen verankert. In Sachen Geschlechtergerechtigkeit muss noch viel passieren, denn Mädchen und Frauen werden in vielen Lebensbereichen stark benachteiligt. Die Kampagne #PussyisPower der Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) möchte darauf aufmerksam machen, dass die Welt voller starker Frauen ist, die sich für gleiche Rechte einsetzen - und große Erfolge erzielen.

Zum Schwerpunkt: Hintergrundinformationen

Nachhaltiges Entwicklungsziel SDG 5: Geschlechtergleichstellung erreichen und alle Frauen und Mädchen zur Selbstbestimmung befähigen

„Eine Gesellschaft, in der Mädchen und junge Frauen ihr volles intellektuelles, soziales und politisches Potenzial ausschöpfen können, ist gleichzeitig auch eine sichere, gesunde und florierende Gesellschaft." so wird die australische Primierministerin auf dem Portal #17Ziele von Engagement Global zum SDG 5 zitiiert. Dort finden sich vielfältige Informationen, Materialien und konkrete Aktionsvorschläge und Handlungsempfehlungen zu allen SDGs  - und so eben auch zum SDG 5.

Nachhaltiges Entwicklungsziel SDG 10: Ungleichheit in und zwischen Ländern verringern

„Würde man das Vermögen der unteren Hälfte auf 1,5 oder zwei Prozent aufstocken, hätte man für die Armen so viel erreicht wie mit 30 Jahren Wachstum, und das, ohne die planetarischen Grenzen weiter zu überschreiten." so wird Thomas Pogge, Professor für Philosophie auf dem Portal #17Ziele von Engagement Global zum SDG 10 zitiiert.
 Dort finden sich vielfältige Informationen, Materialien und konkrete Aktionsvorschläge und Handlungsempfehlungen zu allen SDGs  - und so eben auch zum SDG 10.

Atlas der Zivilgesellschaft

Die Entwicklung in der Welt hinsichtlich des Handlungsraums zivilgesellschaftlicher Akteure ist alarmierend. Nur vier Prozent der Weltbevölkerung leben in Ländern mit offener Zivilgesellschaft. Der Report von Brot für die Welt und dem Netzwerk CIVICUS zeigt die weltweite Lage. Besonders im Fokus stehen die Länder Ungarn, Kirgisistan, Mexiko, Bolivien, Simbabwe und Togo. Die Daten stammen von CIVICUS, einem weltweiten Netzwerk für Bürgerbeteiligung. Sie beobachten laufend den Grad der Freiheit von Zivilgesellschaft und teilt diesen in fünf Stufen ein: offen, eingeengt, beschränkt, unterdrückt, geschlossen.

Neue Studie: Soziale Ungleichheit gefährdet Bildungsziele der UNO. Oxfam fordert staatliche Investitionen in gebührenfreie Bildung

Soziale Ungleichheit ist eines der größten Hindernisse, um die Bildungsziele der Vereinten Nationen zu erreichen. Das zeigt die Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam in ihrem Bericht "The Power of Education to Fight Inequality", der im Vorfeld der 74. UN-Generalversammlung erscheint. Demzufolge ist in armen Ländern die Chance, dass ein Kind aus einer armen Familie die Sekundarschule beendet, siebenmal geringer als für ein Kind aus einer reichen Familie. Gründe sind Benachteiligungen armer Familien und die ungleiche Verteilung von Bildungsausgaben. Selbst in reichen Ländern absolvieren nur drei Viertel der Kinder aus armen Familien eine Sekundarschulausbildung, verglichen mit 90 Prozent aus den reichsten Familien. Oxfam fordert mehr staatliche Investitionen in gebührenfreie Bildung.

Human Rights Watch Weltbericht 2021

Im 761-seitigen World Report 2021 prüft Human Rights Watch die Menschenrechtslage in über 100 Ländern. Der Bericht beleuchtet auch EU-weite Probleme in den Bereichen Migration und Asyl, Diskriminierung und Intoleranz, Armut und Ungleichheit, Rechtsstaatlichkeit sowie EU-Außenpolitik.
Auch die Covid-19-Pandemie ist Thema: So traf und trifft die Pandemie, die Lockdown-Maßnahmen und die daraus resultierende wirtschaftliche Rezession Geringverdiener und sozial schwache Menschen überproportional schwer

"Schule in Pandemiezeiten" Zeitschrift Politik und Zeitgeschichte

Die pandemiebedingten Schulschließungen ab März 2020 haben jene Schülerinnen und Schüler besonders getroffen, die bereits vor Corona zu den Benachteiligten zählten. Selbst die von Hause aus Privilegierten waren froh, als die Schulen wieder schrittweise für den Präsenzbetrieb öffneten.
Die Bereitschaft der Politik, die Schulen in der zweiten Infektionswelle offenzuhalten, ist sehr hoch, auch wenn die Kritik daran mit Blick auf den Gesundheitsschutz wächst. Das Menschenrecht auf Bildung gilt es in Zeiten der Pandemie in Deutschland und weltweit bestmöglich zu wahren. "Nach Corona" muss mehr getan werden, um dieses Recht für alle zu verwirklichen. Aus unseren Fokusrubriken
Das Portal Globales Lernen setzt mit seiner Rubrik "Im Fokus" thematische Schwerpunkte, um aktuelle Themen des Globalen Lernens und der Bildung für nachhaltige Entwicklung ausführlicher behandeln zu können.

Diese Schwerpunkte sind aktuell:

Fridays for Future
Digitalisierung und Globales Lernen
Weniger ist mehr / Degrowth
Sustainable Development Goals (SDG)
Flucht und Asyl
Abfall und Müllexporte weltweit
Lebensmittelverschwendung

Im Folgenden präsentieren wir Ihnen aktuelle Meldungen aus diesen Rubriken.


LearnStep „Das gute Digitale Leben"

In dem LearnStep „Das gute digitale Leben" setzen sich die Schüler*innen mit den Chancen und Risiken der Digitalisierung für eine global nachhaltige Entwicklung auseinander. Sie lernen Möglichkeiten kennen, wie Digitalisierung ökologisch nachhaltig und sozial gerecht gestaltet werden kann. Die vom Globalen Klassenzimmer im Eine Welt Forum Aachen e.V. entwickelten digitalen LearnSteps zu Nachhaltigkeitsthemen dauern ca. 15 - 30 Minuten, eignen sich für Schüler*innen ab Klasse 5 und sind auch sehr gut im Homeschooling einsetzbar.

CULPEER4Change Quiz zu den SDGs

CULPEER4Change entwickelt Online-Quizze zu den 17 nachhaltigen Entwicklungszielen (SDGs). Die Quizze steht in drei Schwierigkeitsstufen zur Verfügung: Einsteiger, Fortgeschritten und Experte. Dazu gibt es einige didaktische und methodische Hinweise und Tipps für den Einsatz der Quizze im Unterricht sowie vielfältiges ergänzendes Material, das zum jeweiligen Quiz-Level passt. Jetzt neu: das Quiz zum SDG 14: "Ozeane, Meere und Meeresressourcen im Sinne nachhaltiger Entwicklung erhalten und nachhaltig nutzen" oder kurz: LEBEN UNTER WASSER. 

Future Fiction Kreativwettbewerb

Was wäre, wenn die Klimaerwärmung gebremst oder sogar aufgehalten werden kann? Was wäre, wenn die Klimaschutzmaßnahmen umgesetzt werden? Was wäre, wenn das die Zukunft ist? Wie sieht diese Zukunft aus? Stellen wir uns kurz vor: wir befinden uns in einem Jahr zwischen 2030 und 2040. Es wurden viele Klimaschutzmaßnahmen umgesetzt und wir haben es geschafft, die Erderwärmung zu stoppen. Wie sieht die Welt nun aus? Im Rahmen des Future Fiction Kreativwettbewerbs werden Menschen zwischen 13 und 23 Jahren gesucht, die ihre Vorstellung in einem Text oder Video darstellen möchten.

Ressourcen-Rechner "Mein ökologischer Rucksack"

Mit dem Ressourcen-Rechner vom Wuppertaler Institut kann man den ökologischen Rucksack des eigenen Lebensstils berechnen. In nur ca. 10 Minuten erfährt man, wie nachhaltig der eigen Lebensstil ist und wie ein ressourcenleichter Lebensstil aussehen kann.

School Lunch goes digital: anklicken, mitmachen und zu Hause Lebensmittelretter*in werden

"Restlos Glücklich" ist der Name eines Vereins aus Berlin, der sich gegen Lebensmittelverschwendung einsetzt und durch eigene Bildungsarbeit dazu beitragen möchte, dass Menschen ihre Lebensmittel wieder mehr wertschätzen. Dazu wurden in "School Lunch" Workshops bereits über 2.000 Schüler*innen an Berliner Grundschulen zur Lebensmittelretter*innen ausgebildet. Im Zuge der Corona-Pandemie hat der Verein nun einen interaktiven Video-Workshop entwickelt, um die Highlights der School Lunch Workshops zu den Schüler*innen nach Hause zu bringen.
Neues vom Blog EineWeltBlaBla



EineWeltBlaBla im Januar 2021

Ein neues Jahr, ein neuer Monat. In diesem Dazwischen des Jahreswechsels
haben wir kurz innegehalten und einen Blick zurückgeworfen auf die fünf Artikel, die unsere Leser*innen im letzten Jahr am meisten
interessiert haben.

Dann ging es mit einem thematischen Ausflug nach Kenia, denn dort wurde von
der Organisation GiveDirectly ein spannendes und alternatives Projekt zur Armutsbekämpfung durchgeführt. Ganz unter dem Motto: Direkte Hilfe zur Selbsthilfe.

Da in diesen Wochen alle Welt über das große Impfen spricht, haben wir einen
Blick auf die Geschichte der Schutzimpfung geworfen.

Der erste Gastbeitrag in diesem Jahr war zu dem Film „Girl Rising", der die Geschichten von neun jungen Frauen erzählt, die sich gegen ihre sozialen Zwänge auflehnen und für Bildung einsetzen, um die Diskriminierung von Frauen zu stoppen.

Zum Abschluss wurde ein bisschen Platz für Utopien gemacht: „Eine richtige
Zukunft bei dem Thema Mobilität wäre eine Welt ohne Autos."

Kennt ihr schon unseren Instagram und Facebook Account? Da werdet ihr regelmäßig über die Veröffentlichung unserer neuen Beiträge informiert!
Wir freuen uns, wenn ihr mitredet!

Neues aus den Datenbanken
Datenbank Eine Welt Unterrichtsmaterialien

In der Datenbank Eine Welt Unterrichtsmaterialien können sich Lehrkräfte und Interessierte über das aktuell verfügbare Angebot an didaktischen Printmaterialien zur Einen Welt informieren. Die Datenbank bietet die Möglichkeit, über eine umfassende Suchmaske gezielt nach Publikationen zu suchen. Hier gelangen Sie zu einer Zusammenstellung aktueller Bildungsmaterialien.

Datenbank Eine Welt Medien – Filmtipps zum Thema Globales Lernen und soziale Gerechtigkeit

Die Datenbank Eine Welt Medien hat eine Liste mit ausgewählten Filmempfehlungen zum Thema Globales Lernen und soziale Gerechtigkeit zusammengestellt, jeweils mit ausführlicher Beschreibung, Altersempfehlung und Verleihstellen.
Veranstaltungen
Die SDGs in der Bildungspraxis - Hintergründe zu den SDGs
08.02.2021 online BNE und die Klimakrise - 'Flatten the Curve' für den Klimawandel
10.02.2021 online Workshop: Didaktik - nachhaltig leben lernen- Bildungsarbeit mit Schüler*innen gestalten
11.02.2021 - 14.02.2021 in Rostock
Die SDGs in der Bildungspraxis - Wie können Schulen Fördermittel für BNE - SDG Projekte erhalten?
18.02.2021 online
MMZ-Beratungscafé: Reinkommen – Zuhören – Fragen stellen
18.02.2021 online
FilmCafé Global: Filme in der Bildungsarbeit - zum Beispiel Klimagerechtigkeit
23.02.2021 online Online-Lehrkräftefortbildung: Methoden zur Klimakrise digital anwenden
24.02.2021 online Die SDGs in der Bildungspraxis - SDG 17: Praxisbeispiele zur Erreichung von regionalen Partnerschaften
25.02.2021 online Arbeiten in den Grenzen des Wachstums - Online Workshop
02.03.2021 online FilmCafé Global: Film ab online - Wie geht das?
03.03.2021 online
Die SDGs in der Bildungspraxis - Fairtrade in der Schule
04.03.2021 online Methodenworkshop Projekttagskonzept Plastik im Meer
11.03.2021 - 14.03.2021 in Rostock
24. Eine-Welt-Landeskonferenz NRW
12.03.2021 - 13.03.2021 online Vorschau Ausgabe März 2021: 
Die nächste Ausgabe des Newsletters der Eine Welt Internet Konferenz erscheint Ende Februar 2021 zum Thema

BNE digital - was hat sich während Corona bewährt?

Zusendungen sind bis zum 19. Februar 2021 willkommen.
EWIK-Umfrage: Bitte bewerten Sie uns! Ihre Meinung ist gefragt:
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Um Ihre Suche nach passenden Bildungs- und Unterrichtsmaterialien, nach aktuellen Aktionen, Veranstaltungen und Kooperationsmöglichkeiten zu erleichtern, versuchen wir stets, die Vielfalt der Angebote im deutschsprachigen Raum möglichst umfassend darzustellen.

Wir möchten daher gerne wissen: Werden wir unserem Anspruch gerecht, einen schnellen und übersichtlichen Zugang zu allen relevanten Informations- und Bildungsangeboten zum Globalen Lernen zu bieten?

Hier geht es zur Umfrage. Das könnte Sie auch interessieren:
Publikationen der Informationsstelle Bildungsauftrag Nord-Süd
Print-Rundbrief  –  November 2020 SDG 1 - Armut in jeder Form
und überall beenden

Der Rundbrief erscheint viermal jährlich und berichtet über die entwicklungspolitische Bildungsarbeit in Bund und Ländern, Fortbildungsangebote, Veranstaltungen, neue Materialien, Kampagnen und Aktionen.
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Bilanz der deutschen EU-Ratspräsidentschaft: Der Globale Süden kam zu kurz

VENRO - 1. Februar 2021 - 16:39

Brexit, EU-Haushalt, Klimaschutz, Migration – selbst ohne die Corona-Pandemie wäre die deutsche EU-Ratspräsidentschaft 2020 sehr herausfordernd geworden. Daher ist es verständlich, dass die Bundesregierung nicht alle an sie gerichteten Erwartungen erfüllen konnte. Enttäuschend ist jedoch, dass die von Bundeskanzlerin Merkel angekündigten Schwerpunkte Afrika-EU-Beziehungen und globale Verantwortung eindeutig zu kurz gekommen sind.

Deutschlands 13. EU-Ratspräsidentschaft wurde natürlich von der Corona-Krise bestimmt. Die vielen Vereinbarungen „in letzter Minute“ haben gezeigt, dass die Suche nach Kompromissen dieses Mal besonders schwierig war. Vor diesem Hintergrund war es wichtig, dass sich die EU-Institutionen und die Mitgliedsstaaten auf den Mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) und den Aufbauplan „Next Generation EU“ geeinigt haben und somit eine tiefe Krise der EU vermieden wurde.

Aus Sicht der Bundesregierung ist die EU auch bei anderen Themen entscheidend vorangekommen, weil sie „nach innen solidarisch und nach außen geschlossen agiert“ habe. Für die Länder im Globalen Süden hat die europäische Geschlossenheit allerdings wenig bewirkt. Zwar wurde wiederholt mehr globale Solidarität in der Corona-Pandemie beschworen, aber weder die Ausgestaltung des MFR noch die EU-Klimapolitik, die Afrika-EU-Beziehungen oder das Post-Cotonou-Abkommen waren von einem besonders partnerschaftlichen Geist beseelt.

MFR 2021-2027 und „Next Generation EU“

Beim EU-Haushalt ist positiv zu bewerten, dass eine Einigung auf das Finanzierungsinstrument „Nachbarschaft, Entwicklung und internationale Zusammenarbeit“ (NDICI) erzielt und mit einem klaren Bekenntnis zu den Zielen für nachhaltige Entwicklung, zum Klimaschutz und zur Gleichstellung der Geschlechter verknüpft wurde. Die Festlegung, dass 93 Prozent des NDICI-Budgets für offizielle Entwicklungszusammenarbeit (ODA) verwendet werden sollen, ist ein wichtiges Element einer verlässlichen europäischen Entwicklungspolitik.

Über diese erwartbaren Grundlagen hinaus ist wenig Solidarität mit dem Globalen Süden zu erkennen. Da die NDICI-Mittel nur moderat steigen, stellt sich die Frage, wie die EU ihre Partnerländer bei der Bewältigung der gravierenden sozialen und wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie unterstützen will. Zusagen für vereinzelte Initiativen wie die Impfstoffallianz COVAX sind kein Ersatz für verbindliche Festlegungen im MFR. Es gibt weder eine zusätzliche Finanzierung über „Next Generation EU“ noch einen Aktionsplan für den Zugang zu Impfstoffen, Medikamenten und medizinischer Behandlung in den am wenigsten entwickelten Ländern (LDCs).

Kritisch zu bewerten ist auch die zunehmende Kopplung von NDICI-Ausgaben an Migrationssteuerung und Sicherheitsfragen. Gleichzeitig fehlt es im MFR und im Aufbauplan an überprüfbaren Kriterien, um gerechtes und nachhaltiges Wirtschaften und den Schutz der Menschenrechte besser miteinander zu verbinden. Die deutsche Ratspräsidentschaft hat hierbei die Chance verpasst, die Diskussionen über ein europäisches Lieferkettengesetz energisch voranzubringen.

EU-Klimapolitik

Beim Klimaschutz wurde unter anderem festgelegt, dass die EU ihre CO2-Emissionen bis 2030 um mindestens 55 Prozent gegenüber 1990 senken und bis 2050 klimaneutral werden will. Zudem sollen in den kommenden sieben Jahren mindestens 30 Prozent der EU-Ausgaben für den Klimaschutz eingesetzt und diese und andere Ziele in einem EU-Klimagesetz festgeschrieben werden. Es ist gut, dass sich die EU in Richtung einer ambitionierten Klimapolitik aufgemacht hat. Doch die Vereinbarungen reichen nicht aus, sie bewegen sich erneut am unteren Ende des Möglichen und Notwendigen. Weitergehende Maßnahmen – wie etwa vom EU-Parlament vorgelegt – scheiterten an verhärteten nationalen Positionen. Auch der „Climate Ambition Summit“ der Vereinten Nationen im Dezember anlässlich des fünften Jahrestags des Pariser Klimaabkommens brachte keine wesentlichen Fortschritte. Insgesamt konnte die Bundesregierung das Zusammentreffen von Corona-, Klima- und Wirtschaftskrise nicht nutzen, um die EU-Mitgliedsstaaten von der Dringlichkeit mutiger Schritte in der Klimapolitik zu überzeugen. Die Forderungen nach mehr Klimagerechtigkeit, ausreichender Klimafinanzierung und schnellstmöglicher Klimaneutralität bleiben daher hochaktuell.

Afrika-EU-Beziehungen

Laut Bundeskanzlerin Merkel sollte Afrika als „Kontinent der Zukunft“ einer der Schwerpunkte der deutschen Ratspräsidentschaft werden. Für Mitte Oktober war die Ausrichtung des AU-EU-Gipfels vorgesehen, um eine gemeinsame Afrika-EU-Strategie zu verabschieden und – angesichts von Corona-Pandemie und Klimakrise – koordinierte multilaterale Initiativen voranzubringen. Sowohl dieses Treffen als auch eine für Anfang Dezember geplante Videokonferenz ausgewählter Regierungschef_innen und der Spitzen von AU- und EU-Kommission wurden sehr kurzfristig und ohne Angabe von Gründen abgesagt. Bezeichnend ist, dass der vorgesehene Afrika-EU-Schwerpunkt in der Bilanz der Bundesregierung mit keinem Wort erwähnt wird. Die Ergebnisse des virtuellen EU-China-Treffens und die strategische Partnerschaft mit dem Verband Südostasiatischer Nationen (ASEAN) werden hingegen ausdrücklich hervorgehoben.

VENRO und seine Partner_innen haben mit dem Digital Africa Forum (Mai) und der Afrika-Europa-Konferenz „Civil Society Driving Change“ (Oktober) gezeigt, dass eine enge Zusammenarbeit trotz der Corona-Einschränkungen möglich war. Mehr als 500 Teilnehmer_innen aus Afrika und Europa haben deutlich gemacht, dass die Zivilgesellschaften auf beiden Kontinenten wichtige Beiträge zu einer lebendigen AU-EU-Partnerschaft leisten wollen und können. Deshalb werden wir die Entscheidungsträger_innen auf beiden Seiten auch in den kommenden Monaten daran erinnern, dass es für echte partnerschaftliche Beziehungen eine breite Beteiligung braucht.

Post-Cotonou-Abkommen

Anfang Dezember einigten sich die EU und die Organisation Afrikanischer, Karibischer und Pazifischer Staaten (OACPS) wenige Wochen vor dem Auslaufen des zwanzig Jahre alten Cotonou-Abkommens auf eine politische Übereinkunft zur Fortführung ihrer Zusammenarbeit. Die Einigung muss in den kommenden Monaten von den Vertragsstaaten und Institutionen wie dem Europäischen Parlament bestätigt werden. Daher wurde die Gültigkeit des Cotonou-Abkommens bis zum 30. November 2021 verlängert. Die EU bewertet die Vereinbarung als „Schritt in eine neue Ära“, doch letztlich verharren die Beziehungen trotz jahrelanger Verhandlungen in nicht mehr zeitgemäßen Strukturen. Statt einer neuen Partnerschaft mit klarem Bezug zur Agenda 2030 überwiegen kleinteilige Interessen und Detailvereinbarungen in Handelsfragen. Die Querverbindungen zur EU-Afrika-Strategie und zur Anfang 2021 in Kraft getretenen Freihandelszone zwischen den 54 AU-Mitgliedsstaaten (AfCFTA) bleiben vage und müssen noch erarbeitet werden. Auch in Bereichen wie Gesundheit, Ernährung, Landwirtschaft oder Migration fehlt es an Kooperationsformen, die menschliche Entwicklung in den Mittelpunkt stellen.

Aus entwicklungspolitischer Perspektive ergibt sich somit ein insgesamt ernüchterndes Fazit der deutschen EU-Ratspräsidentschaft. Die Bundesregierung hat nicht verhindert, dass das Bekenntnis zu globaler Solidarität und Verantwortung größtenteils durch die Durchsetzung nationaler und europäischer Eigeninteressen entwertet wurde. Die faire und gleichberechtigte Partnerschaft zwischen Afrika und Europa ist ebenso aus dem Blickfeld geraten wie eine humane Migrationspolitik und der Schutz von Geflüchteten. „Niemanden zurücklassen“ bleibt daher als zentrale Forderung an und Aufgabe für die europäische Politik ganz oben auf der Agenda.

In englischer Version wurde dieser Blogbeitrag auch auf der Webseite des EU Presidency Projects (EUPP) veröffentlicht.

Mathias Mogge ist stellvertretender Vorsitzender von VENRO.

80 Millionen Menschen auf der Flucht - UNO-Flüchtlingshilfe blickt auf sieben Krisen weltweit

SID Blog - 29. Januar 2021 - 12:46
Die UNO-Flüchtlingshilfe stellt sieben Krisen vor, die auch in 2021 wieder Millionen Menschen zur Flucht zwingen werden und für die es neben politischen Lösungen ein verstärktes humanitäres Engagement braucht. In Syrien, im Jemen, der Sahel-Zone, in Äthiopien, Lateinamerika, Bangladesch sowie an den europäischen Außengrenzen verschlechtert sich die Situation für Geflüchtete zunehmend. Die UNO-Flüchtlingshilfe unterstützt als nationaler Partner das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR), um den Menschen vor Ort direkt in der Not zu helfen. Gleichzeitig fördert die Organisation Projekte, um Geflüchteten eine Perspektive für eine bessere Zukunft zu geben. 

 

„Corona bestimmt aktuell weltweit die Lebensrealität der Menschen sowie die globale Berichterstattung. Doch die weltweiten Krisen stehen deswegen nicht still, im Gegenteil. Für Millionen Menschen bedeuten sie den Verlust der Heimat. Diese Menschen dürfen wir nicht alleine lassen", fordert Peter Ruhenstroth-Bauer, Geschäftsführer der UNO-Flüchtlingshilfe.

 

Ungefähr 12 Millionen Syrer*innen hat der andauernde Bürgerkrieg zu Flüchtlingen oder zu Vertriebenen innerhalb ihres Landes gemacht. Sie bilden damit die größte Flüchtlingsgruppe der Welt. Heftige Regenfälle und Schnee erschweren die Bedingungen für Geflüchtete, ein Schutz gegen Corona ist praktisch nicht vorhanden. Hoffnung macht, dass Jordanien beispielsweise die weltweit erste Impfkampagne für Flüchtlinge gestartet hat.

 

Der Dauerkonflikt im Jemen hat das Land in die größte humanitäre Katastrophe der Welt geführt: 80 Prozent der Bevölkerung sind auf humanitäre Hilfe angewiesen, um über die Runden zu kommen. Die Gewalt hält an, Frieden ist derzeit nicht in Sicht. 3,6 Millionen Menschen sind innerhalb des Landes auf der Flucht.

 

Ein innerstaatlicher Konflikt in Äthiopien führt aktuell dazu, dass innerhalb weniger Wochen etwa 60.000 äthiopische Flüchtlinge die Grenze zum Sudan überquert haben. Die Lebensbedingungen in Tigray verschlechtern sich zusehends. Es häufen sich Ausfälle bei der Energieversorgung. Nahrungsmittel und Treibstoff, der u.a. auch für die Wasserversorgung wichtig ist, werden knapper. Kommunikationssysteme wurden zeitweise gekappt, was die Koordination der Hilfe stark beeinträchtigt. Mitarbeiter*innen des UNHCR hatten im Januar 2021 lediglich Zugang zu zwei der vier Flüchtlingslager in der äthiopischen Region Tigray. Um Hilfe zu leisten, braucht es jedoch ungehinderten Zugang.

 

Weitgehend unbeachtet von der Weltöffentlichkeit entwickelte sich die Krise in der Sahelzone 2020 in Ländern wie Mali, Tschad oder Niger dramatisch: Mehr als 2,9 Millionen Menschen sind dort derzeit auf der Flucht. Hinzu kommt, dass die Route für Flüchtlinge und Migranten durch die Sahara und nordafrikanische Länder sowie über die Seewege nach Italien, Malta und Spanien weiterhin einen verheerenden Tribut an Menschenleben fordern.

 

Obwohl sich die Zahl der Ankünfte über das Mittelmeer in Europa in 2020 im Vergleich zu 2019 deutlich verringert hat (72.751 im Vergleich zu 123.663) ist die Zahl der Menschen, die bei der Überfahrt ums Leben gekommen sind oder als vermisst gelten, nur geringfügig gesunken (1335 in 2019 und 1166 in 2020). Das Mittelmeer bleibt die tödlichste Außengrenze Europas. Insgesamt 23.023 Flüchtlinge und Migranten erreichten im letzten Jahr auch die Kanarischen Inseln. 480 Menschen starben bei dem lebensgefährlichen Versuch oder werden vermisst. Die Situation in den Aufnahmelagern auf den griechischen Inseln bleibt zudem besorgniserregend: Noch immer sind viele der Lager überbelegt und unzureichend ausgestattet.

 

Der größte Exodus in Lateinamerikas jüngerer Geschichte: Aus vielen Ländern der Region flüchten Männer, Frauen und Kinder vor Verfolgung, Gewalt und Perspektivlosigkeit. Politische Krisen, wie in Venezuela und Nicaragua, verstärken die soziale und wirtschaftliche Misere. Mangelnde Lebensmittelversorgung, ein zusammengebrochenes Gesundheitssystem und die steigende Kriminalität treiben die Menschen zur Flucht.

 

Rund 860.000 Rohingya-Flüchtlinge aus Myanmar leben derzeit in Bangladesch. Ein Großteil von ihnen floh im August 2017 dorthin. Fast 80 Prozent der Geflüchteten sind Frauen und Kinder. Die Hilfsprojekte vor Ort sind allerdings stark unterfinanziert, nur etwas mehr als die Hälfte der benötigten Mittel stehen zur Verfügung. Hinzu kommen Bestrebungen der Regierung von Bangladesch, Rohingya-Flüchtlinge in Lager auf einer abgelegenen und vor allem überschwemmungsgefährdeten Insel zu bringen. Dies erschwert die Situation der Flüchtlinge zusätzlich.

 

Der UNHCR ist in allen Regionen vor Ort, um den Menschen vor Ort zu helfen, sei es eine medizinische Erstversorgung, Rechtsberatung oder um die Bildungschancen für Kinder und Jugendliche zu erhöhen. Insgesamt wies das Budget des UNHCR in 2020 jedoch eine Finanzierungslücke von 43 Prozent auf. Es braucht aus Sicht der UNO-Flüchtlingshilfe daher ein erhöhtes Engagement, um den Menschen in den Krisenregionen zu helfen und eine Perspektive zu geben.


Unterstützungsmöglichkeiten unter: www.uno-fluechtlingshilfe.de

PRESSEMELDUNG DER UNO-FLÜCHTLINGSHILFE 3/2021, Bonn, 29. Januar 2021

Hungerkrise spitzt sich nach Militärkonflikt in Äthiopien zu

SID Blog - 29. Januar 2021 - 12:45
(Optional) Dieser Text erscheint NUR in der Vorschau, jedoch nicht der Haupt-E-Mail .

29.01.2021 | Pressemitteilung

Hungerkrise spitzt sich nach Militärkonflikt in Äthiopien zu

Welthungerhilfe stellt 200.000 Euro Soforthilfe für notleidende Menschen in Tigray bereit

Bonn/Berlin, 29.01.2021. Rund drei Monate nach Beginn der Kämpfe in der äthiopischen Provinz Tigray wächst die Not der Menschen in der Region und die Hungerkrise spitzt sich massiv zu. Die Welthungerhilfe bereitet gemeinsam mit Partnern Nothilfemaßnahmen vor und stellt 200.000 Euro Soforthilfe für eine erste Unterstützung bereit. Diese Hilfe wird jetzt dringend gebraucht, um Menschenleben zu retten. Sollte sich die humanitäre Notlage am Horn von Afrika weiter verschärfen, könnten weitere Hilfsgelder bereitgestellt werden.  

„Die Versorgungslage der Menschen in Tigray ist katastrophal. Uns erreichen dramatische Berichte über unfassbares Leid und große Not. Die Menschen leiden an Hunger, denn wegen der Kämpfe konnten die Bauern die Ernte nicht einfahren, Getreide verdirbt auf den Feldern. Weil zudem Transportrouten blockiert und Banken geschlossen sind, steigen Nahrungsmittelpreise und lokale Märkte brechen zusammen: Die Menschen drohen zu verhungern, wenn keine schnelle Hilfe erfolgt“, beschreibt Matthias Späth, Landesdirektor der Welthungerhilfe in Äthiopien, die dramatische Situation in Tigray. „Trotz des riesigen humanitären Bedarfs erreichen Hilfsorganisationen die betroffenen Menschen bislang kaum. Jetzt gibt es Anzeichen, dass die äthiopische Regierung den Zugang erleichtern will. Das ist dringend notwendig, denn nach einer schweren Dürre, Überflutungen und Heuschreckenplagen haben die Menschen keinerlei Reserven mehr. Und die Corona-Pandemie verschärft die Lage zusätzlich.“

Die Welthungerhilfe bereitet mit ihren Partnern die Versorgung notleidender Menschen in Tigray und in den angrenzenden Provinzen mit Nahrungsmitteln, Hygieneartikeln und anderen Dingen des täglichen Bedarfs vor. Der Zugang zu den betroffenen Gebieten ist aber weiterhin schwierig. Insgesamt sind nach UN-Angaben in Tigray etwa 2,3 Mio. Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Rund eine halbe Million Menschen ist vor den Kämpfen zwischen der Zentralregierung in Addis Abeba und der Befreiungsfront Tigray People Liberation Front (TPLF) geflohen.

Mehr als 60.000 Menschen haben im Nachbarland Sudan Schutz gesucht. Auch dort versorgt die Welthungerhilfe Geflüchtete u.a. mit Trinkwasser, Unterkünften und baut sanitäre Einrichtungen.

Die Welthungerhilfe bittet um Spenden für die betroffenen Menschen: www.welthungerhilfe.de/nothilfe-tigray

Matthias Späth, Landesdirektor der Welthungerhilfe in Äthiopien, steht für Interviews zur Verfügung.

 

Weitere Informationen finden Sie unter www.welthungerhilfe.de/presse

 

Die Welthungerhilfe ist seit 1972 in Äthiopien tätig. Derzeit gibt es 13 laufende Projekte in den Regionen Afar, Amhara und Oromia. Schwerpunkte der Projektarbeit liegen aktuell in den Bereichen Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene (WASH), Landwirtschaft und Umwelt sowie humanitäre Hilfe.

Die Welthungerhilfe ist eine der größten privaten Hilfsorganisationen in Deutschland; politisch und konfessionell unabhängig. Sie kämpft für „Zero Hunger bis 2030“. Seit ihrer Gründung wurden mehr als 9.830 Auslandsprojekte in 70 Ländern mit 3,95 Milliarden Euro gefördert. Die Welthungerhilfe arbeitet nach dem Grundprinzip der Hilfe zur Selbsthilfe: von der schnellen Katastrophenhilfe über den Wiederaufbau bis zu langfristigen Projekten der Entwicklungszusammenarbeit mit nationalen und internationalen Partnerorganisationen.


Neo-Kolonialismus statt Entwicklungszusammenarbeit im Kongo

SID Blog - 28. Januar 2021 - 20:27
Neuer NGO-Bericht kritisiert DEG scharf • Europäische Entwicklungsbanken versenkten 150 Millionen US-Dollar in umstrittenes Palmöl-Unternehmen Feronia-PHC
• Feronia-PHC werden Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen
• Gemeinden zweifeln Rechtmäßigkeit der Landnutzungsrechte an
• Nach Konkurs des Unternehmens akzeptierten Entwicklungsbanken Schuldenschnitt in zweistelliger Millionenhöhe. 

(Berlin/Kinshasa, 28.01.2021) In ihrem heute veröffentlichten Bericht „Development Finance as Agro-Colonialism" zeigen 11 NGOs das Scheitern europäischer Entwicklungsbanken im Rahmen der Finanzierung des Palmölunternehmens Feronia-PHC in der Demokratischen Republik Kongo auf. Die Entwicklungsbanken haben seit 2013 rund 150 Millionen US-Dollar in die Ölmühlen und Plantagen des Unternehmens gesteckt, ungeachtet der bestehenden Landkonflikte mit den umliegenden Gemeinden und der Vorwürfe von Menschenrechtsverletzungen, der Untergrabung von Arbeiterrechten und Gewalt gegen Gemeinden.

Auch die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG), Tochterunternehmen der staatlichen KfW Förderbank, ist seit 2015 mit einem Kredit von 16,5 Millionen Euro an der Finanzierung beteiligt. 2018 haben mehrere kongolesische Gemeinden aufgrund der Konflikte mit der börsennotierten Feronia Inc. und deren Tochterunternehmen PHC Beschwerde auf Mediation bei der DEG eingereicht. Zwei Jahre später meldete der Plantagenbetreiber Konkurs an; auf den Start der Mediation warten die Beschwerdeführer*innen jedoch noch immer.

DEG fehlt die Kompetenz „Wie auch die anderen Entwicklungsbanken hat die DEG Geld gegeben, ohne die Strukturen zu haben, das Projekt im Sinne einer wirklichen Entwicklungsfinanzierung, die auf Stärkung der Lebensumstände der Menschen vor Ort abzielen sollte, begleiten zu können oder zu wollen", so Aktivistin und Entwicklungsexpertin Jutta Kill, die die Projektregion im Kongo im Januar 2020 für eine Recherche im Auftrag mehrerer NGOs, darunter urgewald und FIAN, besuchte. Wie der Bericht der NGOs zeigt, floss viel Geld in Managergehälter, Berater und Honorare für einen einflussreichen kongolesischen Politiker. Von den versprochenen Schulen, renovierten Häusern für Arbeiter*innen und Wasserpumpen ist bis heute kaum etwa zu sehen.

Koloniales Erbe wird fortgeführt

Im Zentrum des Konflikts steht die Frage nach der Rechtmäßigkeit der Konzessionsrechte, die Feronia-PHC für sich reklamiert. Diese Landrechtsfrage ist auch Inhalt der Beschwerde, die bei der DEG anhängig ist. Der Mitbegründer des globalen Nahrungsmittelkonzerns Unilever erhielt 1911 Konzessionsrechte von der belgischen Kolonialregierung und wandelte Wälder in industrielle Palmölplantagen um. Das kongolesische Tochterunternehmen PHC, das die Konzessionsrechte hält, nutzt derzeit 25.000 Hektar der 107.000 Hektar großen Konzession für den Betrieb von Ölpalmplantagen. Seit Jahrzehnten kämpfen die umliegenden Gemeinden für Gerechtigkeit und Land. Sie sind dabei Gewalt und Unterdrückung ausgesetzt. Der Tod von drei Gemeindemitgliedern in den letzten fünf Jahren steht im Zusammenhang mit diesem Konflikt.

Anstatt die Insolvenz von Feronia Inc. zum Anlass zu nehmen, lokale Unternehmen in der Hand der Gemeinden aufzubauen und den Menschen ihr Land zurückzugeben, halten die Entwicklungsbanken an diesem kolonialen Modell von Landnutzung durch Plantagenwirtschaft fest. Als größter Anteilseigner und Kreditgeber haben die Entwicklungsbanken CDC (UK), Proparco (Frankreich), AECID (Spanien), FMO (Niederlande), BIO (Belgien) und die DEG zugestimmt, die Anteile, die Feronia Inc. am kongolesischen Unternehmen PHC hielt, an den privaten Aktienfonds Straight KKM mit Sitz auf Mauritius zu übertragen. Auch einen massiven Schuldenschnitt zugunsten des neuen Finanzinvestors haben sie in Aussicht gestellt.

„Entwicklungsgelder haben mehr Unglück als Entwicklung in die Gemeinden gebracht. Entwicklung bedeutet die Restitution von Land, das den Gemeinden vor mehr als 100 Jahren geraubt wurde. Der Status quo ist einfach die Fortsetzung der Kolonialisierung im Zeitalter der Demokratie", sagt Jean-François Mombia Atuku, Direktor der kongolesischen Organisation RIAO-RDC, Mitherausgeber des heute veröffentlichten Berichts.

„Es ist völlig unverständlich, warum Entwicklungsbanken wie die DEG weiterhin ein Produktionsmodell aus der Kolonialzeit finanzieren, das große strukturelle Mängel aufweist, konfliktträchtig ist und nicht zu einer breit basierten Entwicklung führt" so Roman Herre von FIAN Deutschland. „Die Gemeinden, denen diese Entwicklungsfinanzierung offiziell dienen soll, fordern völlig andere Entwicklungsansätze."

Feronia-PHC ist nicht die einzige desaströse Finanzierung von Entwicklungsbanken für industrielle Großplantagen – aber es muss die letzte sein, wenn die Entwicklungspolitik ihrem Anspruch auf eine menschenrechtsbasierte und sozial wie ökologisch nachhaltige Entwicklung gerecht werden will.

Link zum Bericht

Link zur deutschen Zusammenfassung FIAN Pressemitteilung vom 28. Januar 2021

AKLHÜ: Auch in Pandemie-Zeiten bleibt die weltweite personelle Zusammenarbeit unersetzlich

SID Blog - 28. Januar 2021 - 20:25


LHÜ-INFO Januar 2021

AKLHÜ-Feature Fachtag des AKLHÜ stellt fest: Auch in Pandemie-Zeiten bleibt die weltweite personelle Zusammenarbeit unersetzlich

Die Mitgliedsorganisationen des AKLHÜ haben bei ihrem virtuellen Fachtag am 22. Januar bekräftigt, dass die weltweite personelle Zusammenarbeit auch in Zeiten der Pandemie unersetzlich ist. Fachkräfte und Freiwillige leisten in dieser Zeit einen wesentlichen Beitrag zur Versöhnung, Gerechtigkeit und Völkerverständigung. Obgleich in der Pandemie personeller Austausch nur beschränkt oder gar nicht geschehen, ist ein tieferes Verständnis über Grenzen und Kontinente hinweg für eine friedvollere, gerechtere und nachhaltigere Welt notwendig. Dieses kann vor allem in direkter Begegnung und im gemeinsamen Arbeiten entstehen und gedeihen, selbst wenn sich digitale Hilfsmittel dazu als nützlich erweisen.

→ Zur Pressemitteilung

   

Personelle Zusammenarbeit (PZ) In Mittelamerika lernten Schweizer Ärzte das Konzept der sozialen Gesundheit kennen

Gegenseitiges Lernen zwischen Fachleuten aus dem Süden und der Schweiz steht im Zentrum der internationalen Zusammenarbeit von Associazione per l'aiuto medico al Centro America (AMCA) in Mittelamerika - ein Mitglied von Unité, dem Schweizer Verband für Personelle Entwicklungszusammenarbeit. Dieser gegenseitige Austausch auf Augenhöhe validiert eine horizontale Entwicklungsperspektive.

→ Weiterlesen

  Vom Straßenverkauf zum Onlineshop - Wie ein WFD-Partner dem weltweit längsten Lockdown Gutes abgewinnt

Ausgerechnet Corona hat die Verwirklichung eines lang gehegten Vorhabens der argentinischen Partnerorganisation Prosoco möglich gemacht. In Zusammenarbeit mit der Fachkraft des Weltfriedenstienst e.V. hat Prosoco eine Website für Kunsthandwerkprodukte und Informationen zur Vermarktung aufgebaut. Der Zugang zu zahlungskräftiger Kundschaft in weiter entfernten Großstädten Argentiniens wird damit vom Traum zur Realität.

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  "In Beziehung bleiben ist das Wichtigste": Ein Interview mit Dr. Friederike Repnik, AGIAMONDO-Beraterin auf Zeit

Der Umgang mit gewaltbelasteter Vergangenheit und Versöhnung ist ein sensibles Themenfeld. Deshalb ist Dr. Friederike Repnik mehrmals im Jahr in den Projektländern, um Partner und Fachkräfte persönlich zu treffen und Erfahrungen auszutauschen. Was die coronabedingte Umstellung auf digitale Kommunikation für ihre Arbeit bedeutet, berichtet sie AGIAMONDO im Interview.

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  100 Jahre Workcamps - Ein Blick in die Geschichte einer Friedensbewegung

Vor 100 Jahren organisierte der Schweizer Pazifist Pierre Cérésole gemeinsam mit Gleichgesinnten das erste Workcamp in Frankreich. Aus diesem Engagement ist eine bis heute lebendige und wichtige Bewegung entstanden, mit dem Ziel den Austausch zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft zur fördern - für mehr Verständigung und Frieden in der Welt.

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Tipps & Termine Neuerscheinung: AKLHÜ Handreichung "Miteinander Lernen in Incoming-Freiwilligendiensten"

Im Oktober 2020 hat im Rahmen des FSJ INGLOS Projekts eine digitale Fachtagung zum Thema „Internationale Freiwillige im FSJ in Deutschland - Lernprozesse in und Zusammenarbeit mit Einsatzstellen" stattgefunden. Im Nachgang ist die Publikation „Miteinander Lernen in Incoming-Freiwilligendiensten. Eine Handreichung für Einsatzstellen und Trägerorganisationen" entstanden. Sie enthält praktische Hinweise und Best-Practice- Beispiele wie Mitarbeitende von Trägerorganisationen, Einsatzstellen sowie Freiwillige diese Lernprozesse und ihre Wirkungen verbessern können.

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  IAVE Webinar Series 2021: Volunteering for Social Change

In dieser 4-teiligen Webinarreihe wird die International Association for Volunteer Effort (IAVE) – ein globales Netzwerk von Nichtregierungsorganisationen, Unternehmen, nationalen Freiwilligenzentren und führenden Vertretern der Freiwilligenarbeit auf der Graswurzelebene -- die Rolle von Freiwilligen im sozialen Aktivismus und die verschiedenen Möglichkeiten, wie sie zu einer friedlicheren, gerechteren und nachhaltigeren Gesellschaft beitragen, untersuchen.

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IMPRESSUM
Herausgeber: AKLHÜ e.V. – Netzwerk und Fachstelle für Internationale Personelle Zusammenarbeit
Redaktion: Wanja Amling, Tel.: 0228-9089914, aklhue@entwicklungsdienst.de 
Redaktionsschluss der nächsten Ausgabe: 22.02.2021

Bildnachweis: Oben: AKLHÜ, Mitte: Pixabay License, Unten: Unsplash License


„Die effektivste Förderung ist die Quote“

VENRO - 28. Januar 2021 - 17:08

Annette Zimmer, Professorin für Deutsche und Europäische Sozialpolitik und Vergleichende Politikwissenschaft, führte im Auftrag des Bundesfrauenministeriums die Studie „Karriere im Nonprofit-Sektor?“ durch. Im Interview spricht sie über die Arbeitsbedingungen und Aufstiegschancen von Frauen in Nichtregierungsorganisationen.

Sind die Karrierechancen für Frauen im Nonprofit-Sektor besser als in der freien Wirtschaft oder im Öffentlichen Dienst?

Das ist schwierig zu sagen und hängt von der Hierarchieebene ab. Aber es ist in allen Bereichen etwa gleich – je höher die Hierarchieebene ist, desto weniger Frauen finden sich dort. Insgesamt aber ist der Nonprofit-Sektor ein Arbeitsgebiet von Frauen. Dass es sogar einen richtigen Drang von Frauen in diesen Bereich gibt, hat auch mit der besonderen Orientierung der Organisationen zu tun. Es sind eben keine kommerziellen Organisationen, und sie sind nicht so in Regelstrukturen eingebunden und derartig bürokratisiert, wie das bei manchen Behörden der Fall ist.

Welche Hürden gibt es für Frauen in Nichtregierungsorganisationen (NRO)?

Eine Schwierigkeit ist, dass es nicht so viele Karrierestufen innerhalb einer NRO gibt. Die Mehrheit sind ja eher kleinere oder mittlere Organisationen. Das heißt, wenn es einmal eine Führungsmannschaft gibt, bleibt diese relativ lange bestehen. Man kann innerhalb der Organisationen nicht so gut aufsteigen.

Eine andere Hürde ist, dass der Bereich für Frauen so dermaßen attraktiv ist. Da ist es natürlich auch schwieriger, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Unter den Berufseinsteigern haben es die wenigen Männer zum Teil einfacher, da sie als mögliche Aspiranten für eine Beförderung eher auffallen.

Wie können Organisationen Frauen besser fördern?

Bei unseren Interviews kam heraus, dass die effektivste Förderung doch die Quote ist, weil dann auf allen Ebenen der Frauennachwuchs einfach da sein muss. Man kann nicht sagen, es gibt keine Frauen, die für diesen Posten geeignet sind.

Gibt es denn viele Organisationen, die eine Quote eingeführt haben?

Nein, das ist eben die Schwierigkeit und das hängt auch mit der Besonderheit der Organisationen zusammen. Die Gremien, die über Personalfragen entscheiden, sind oft ehrenamtlich besetzt und da haben Sie natürlich häufig ein Übergewicht von wohlsituierten älteren Herren. Und das ist ein echtes Problem, weil diese zum Teil Personen rekrutieren, die so ähnlich sind, wie sie selber.

Welche Rolle spielen Fortbildungen für die Karrierechancen? Besteht darin nicht auch die Gefahr, dass sich gut fortgebildete Frauen wegbewerben?

Fort- und Weiterbildungen sind ein wichtiges Sprungbrett. Leider ist unsere Erfahrung, dass die Organisationen relativ zurückhaltend sind, Mitarbeitende freizustellen oder auch die Kosten dafür zu übernehmen. Das ist eigentlich schade, denn die Leute gehen ja in der Regel nicht vom Nonprofit-Sektor in die Wirtschaft. Sie bleiben dem Sektor erhalten.

Dass es kaum eine Personalentwicklung in den Organisationen gibt, ist ein großes Defizit. Es gibt viele Frauen, die sehr interessiert und gut, aber auch immer noch sehr zurückhaltend sind. Da ist es für die Organisationen intern wichtig, genau hinzugucken. Das wird bisher in der Regel nicht so systematisch getan. Da könnte man sehr viel mehr tun, um zu schauen, wer eine Weiterbildung machen oder mehr Unterstützung erhalten sollte.

Wie schätzen Sie die Wirkung von Mentoring-Programmen ein?

Das ist ein Beispiel für einen solchen Support. Mentoring-Programme finde ich auch dahingehend klasse, da sie so angelegt sein können, wie eine psychologische Beratung oder aber wie ein Coaching. Die Teilnehmende überlegt sich, wo sie überhaupt hinwill, wie sie das handhaben kann, und ob es so wichtig ist, dass man alles super gut macht. Viele Frauen verzetteln sich auch, da sie gleichermaßen toll sein wollen im Beruf, in der Familie und im Hobby. Hier bewusst Prioritäten setzen zu können – dafür ist ein solches Programm sehr wichtig.

Die VENRO-AG Gender beschäftigt sich u.a. mit der Entwicklung von Lösungsansätzen für Themen wie der Stärkung von Frauen in NRO-Führungspositionen und der Umsetzung von Genderstrategien in den Mitgliedsorganisationen. Nach einem sehr erfolgreichen Pilotprogramm des VENRO-Mentoring-Programms im vergangenen Jahr ist eine Wiederauflage mit neuen Tandems für 2021 geplant.

Raus aus der Defensive: Wir brauchen neue Impulse für den Schutz humanitärer Helfer_innen

VENRO - 26. Januar 2021 - 16:50

Das humanitäre Völkerrecht garantiert den Schutz humanitärer Helfer_innen. Dennoch werden viele Grundsätze missachtet: Humanitäre Helfer_innen werden immer öfter Opfer gezielter Angriffe, ihre Handlungsräume zunehmend eingeschränkt. Höchste Zeit, diesen Trend umzukehren.

Laut aktuellen Schätzung der Vereinten Nationen (UN) benötigen in diesem Jahr mehr als 235 Millionen Menschen auf der ganzen Welt lebensnotwendige humanitäre Hilfe. Dies ist ein Anstieg um 40 Prozent im Vergleich zum vergangenen Jahr. Zudem erleben wir – aufgrund der Corona-Pandemie – erstmals seit vielen Jahren einen Anstieg extremer Armut weltweit. Diese Zahlen sind erschreckend und zeigen, dass humanitäre Hilfe auch weiterhin eine wichtige Rolle für die Versorgung von Menschen in Notlagen spielt. Dafür ist es dringend erforderlich, dass humanitäre Hilfsprogramme ungehindert umgesetzt werden können.

Die Gefahr für Humanitäre Helfer_innen nimmt zu

Es verlangt großen persönlichen Einsatz, um, allen Gefahren zum Trotz, humanitäres Leid auf der ganzen Welt zu mindern. Ob nach Naturkatastrophen wie den Tropenstürmen Eta und Iota in Mittelamerika oder in Krisengebieten wie Syrien und Jemen – das Risiko für humanitäre Helfer_innen, selbst verletzt zu werden, wächst zunehmend. Gezielte Angriffe auf humanitäres Personal und humanitäre Einrichtungen haben sich in den letzten 20 Jahren vervielfacht. Allein im Jahr 2019 wurden 277 schwere Vorfälle, etwa Tötungen oder Entführungen, mit 483 betroffenen humanitären Helfer_innen dokumentiert. Lokale Helfer_innen sind dabei besonders stark betroffen. Bisher werden die Verantwortlichen solcher Angriffe jedoch nur selten zur Rechenschaft gezogen und müssen kaum politische Folgen befürchten. Dies muss sich ändern.

Diese Entwicklung ist ein Indikator für eine andere alarmierende Beobachtung: Der Handlungsraum für humanitäre Organisationen wird weltweit immer weiter eingeschränkt. Organisationen können ihre Arbeit oftmals nicht ungehindert und in einem sicheren Umfeld leisten und verlieren den Zugang zu denjenigen, denen sie helfen sollen.

Ein noch immer viel diskutiertes Beispiel sind internationale wie nationale Maßnahmen zur Terrorismusbekämpfung. Die restriktiven Anti-Terror-Gesetze und -Sanktionen zielen darauf ab, die Unterstützung und Finanzierung von Terrorismus zu unterbinden. Gleichzeitig schaffen sie jedoch Sicherheits- und Rechtsrisiken für humanitäre Organisationen. Beispielsweise werden bestimmte Hilfsleistungen kriminalisiert oder Verhandlungen mit nicht-staatlichen bewaffneten Gruppen, die als terroristisch eingestuft werden, über den Zugang zu von ihnen kontrollierten Gebieten untersagt. Durch immer strengere Regeln im Finanzsektor wollen auch Banken zunehmend Risiken vermeiden und Geldüberweisungen in Krisengebiete werden verzögert oder gar unmöglich. Dadurch wird die Bereitstellung humanitärer Hilfe stark beeinträchtigt.

Die Achtung des humanitären Völkerrechts ist der Schlüssel

Das humanitäre Völkerrecht und die humanitären Prinzipien – Menschlichkeit, Unparteilichkeit, Neutralität und Unabhängigkeit – garantieren, unter anderem, den Schutz humanitärer Helfer_innen. Dennoch werden diese Grundsätze vielfach in Frage gestellt und missachtet. Es ist Aufgabe und Verpflichtung der internationalen Gemeinschaft, für ihre Einhaltung zu sorgen, humanitäre Helfer_innen weltweit zu schützen und ihren Handlungsraum zu erhalten. Hierfür braucht es aktive Fürsprecher_innen auf internationaler Ebene.

Gemeinsam haben Deutschland und Frankreich 2019 den „Humanitarian Call for Action“ initiiert. Der Call for Action ist eine wichtige internationale Initiative mit dem Ziel, humanitäres Völkerrecht zu stärken und humanitärer Helfer_innen besser zu schützen. Allerdings fehlen noch konkrete Maßnahmen, um den Call for Action umzusetzen und spürbare Verbesserungen zu erreichen.

Deutsch-französische Impulse für den Schutz humanitärer Helfer_innen

Deutschland und Frankreich sind starke Verfechter des Multilateralismus und kooperieren bei vielen Themen strategisch miteinander. Für den Schutz humanitärer Helfer_innen sind international abgestimmte Anstrengungen unabdingbar. Deutschland und Frankreich sollten hier Verantwortung übernehmen und, vor allem bei der Umsetzung des „Humanitarian Call for Action“, ihre Zusammenarbeit fortsetzen. Denn hier kann der deutsch-französische Motor im multilateralen System echte Fortschritte erzielen. Hierfür ließe sich beispielsweise der französische Vorsitz im UN-Sicherheitsrat im Juli 2021 nutzen.

Ein enger Austausch zwischen deutschen und französischen Nichtregierungsorganisationen (NRO) kann die Zusammenarbeit auf Regierungsebene unterstützen. Zudem können gemeinsam Forderungen gegenüber den Regierungen effektiver vorangebracht werden. Zu diesem Zweck führten VENRO und das französische NRO-Bündnis Coordination Sud in den vergangenen Monaten mehrere Gespräche. Gemeinsam wurden im Vorfeld der Nationalen Humanitären Konferenz, die am 17. Dezember 2020 in Frankreich stattfand, die Konferenzthemen diskutiert: Der Schutz humanitärer Helfer_innen, der schrumpfende Handlungsraum humanitärer Organisationen sowie die Auswirkungen der Terrorismusbekämpfung auf humanitäre Hilfe. Zudem wurden mögliche gemeinsame Empfehlungen für die deutsche und die französische Regierung abgestimmt – beispielsweise die Einrichtung einer Gemeinsamen Kommission zur Umsetzung des „Humanitarian Call for Action“.

Während der Abschlussveranstaltung der Nationalen Humanitären Konferenz trug Coordination Sud seine Erwartungen dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron vor. Unter anderem verwies Coordination Sud auf die Gemeinsame Kommission zur Umsetzung des „Humanitarian Call for Action“. In seiner Schlussrede machte Präsident Macron verschiedene Zusagen, unter anderem signalisierte er Bereitschaft für die Einrichtung dieser Gemeinsamen Kommission. Die Bundesregierung sollte sich an der Einrichtung der Kommission aktiv beteiligen.

Diese und weitere Empfehlungen von VENRO können Sie in der Stellungnahme „Raus aus der Defensive – Humanitäres Völkerrecht stärken und humanitäre Helfer_innen weltweit schützen“ nachlesen. Die Stellungnahme greift die gemeinsamen Überlegungen mit Coordination Sud auf und ist auch auf Englisch verfügbar.

Milliardäre profitieren trotz Pandemie, die Ärmsten werden abgehängt

SID Blog - 22. Januar 2021 - 16:31
Oxfam-Bericht zu Covid-19-Auswirkungen

Oxfam: Menschen in Armut unterstützen, Wirtschaft demokratisieren

Berlin, 25. Januar 2021. Die Covid-19-Pandemie verschärft weltweit die soziale Ungleichheit. Während die 1.000 reichsten Menschen ihre Verluste in der Corona-Krise in nur neun Monaten wettmachten, könnte es mehr als ein Jahrzehnt dauern, bis sich die Ärmsten von den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie erholt haben. Darauf weist die Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam in einem neuen Bericht  hin, der im Vorfeld der virtuellen Veranstaltung „Davos-Agenda" erscheint. Dem Bericht zufolge droht eine Verschärfung der wirtschaftlichen Ungleichheit in fast allen Ländern gleichzeitig – zum ersten Mal seit Beginn der Aufzeichnungen vor über einem Jahrhundert. Das liegt auch daran, dass die Wirtschaft vor allem auf Gewinnmaximierung ausgerichtet ist. Oxfam fordert stärkere Unterstützung von Menschen in Armut und die Ausrichtung der Wirtschaft am Gemeinwohl.

Für den Bericht „The Inequality Virus" hat Oxfam 295 Ökonom*innen aus 79 Ländern befragen lassen. 87 Prozent der Wissenschaftler, darunter führende Ungleichheitsforscher wie Jeffrey Sachs, Jayati Ghosh und Gabriel Zucman, erwarten als Folge der Pandemie in ihrem Land eine "Zunahme" oder einen "starken Anstieg" der Einkommensungleichheit. Für diesen Fall prognostiziert die Weltbank, dass noch 2030 mehr Menschen in Armut leben werden als vor der Pandemie. Einige weitere Ergebnisse des Oxfam-Berichts sind:

  • Die Corona-Krise ist für die Reichsten vorbei: Das Vermögen der (im Dezember 2020) zehn reichsten Männer der Welt ist seit Februar 2019 – trotz der Pandemie – um fast eine halbe Billion US-Dollar auf 1,12 Billionen US-Dollar gestiegen. Dieser Gewinn wäre mehr als ausreichend, um die gesamte Weltbevölkerung gegen Covid-19 zu impfen und sicherzustellen, dass niemand durch die Pandemie verarmt. Gleichzeitig erlebt die Welt die schlimmste Jobkrise seit über 90 Jahren, mit Hunderten Millionen Menschen, die Einkommen oder Arbeit verloren haben.
  • Frauen sind am stärksten betroffen, wieder einmal: In den Sektoren, in denen durch die Pandemie besonders große Einkommens- und Arbeitsplatzverluste drohen, etwa im Gastgewerbe oder im Büromanagement, sind 49 Prozent der berufstätigen Frauen beschäftigt, aber nur 40 Prozent der Männer. Frauen stellen weltweit auch etwa 70 Prozent der Arbeitskräfte im Gesundheits- und Sozialwesen – wichtige, aber oft schlecht bezahlte Jobs, die sie einem größeren Risiko aussetzen, an Covid-19 zu erkranken.
  • Ungleichheit kostet Leben: In Brasilien ist die Gefahr, an COVID-19 zu sterben, für People of Colour 40 Prozent höher als für weiße Menschen. In den USA würden fast 22.000 Schwarze Menschen und Menschen mit lateinamerikanischer Migrationsgeschichte noch leben, wäre die Gefahr an COVID-19 zu sterben für sie genauso groß wie für weiße Menschen. Untersuchungen aus Großbritannien zeigen außerdem, dass die Todesrate von an COVID-19 erkrankten Menschen in einkommensschwachen Gegenden doppelt so hoch ist wie in wohlhabenden. Ähnliche Ergebnisse gibt es auch aus Frankreich, Spanien und Indien.

Tobias Hauschild, Leiter des Teams „Soziale Gerechtigkeit" von Oxfam Deutschland, kommentiert: „Die tiefe Kluft zwischen Arm und Reich erweist sich als ebenso tödlich wie das Virus. Konzerne und Superreiche müssen jetzt ihren fairen Beitrag leisten, um die Krise zu bewältigen. Aber das reicht nicht aus. Unternehmen, Märkte und Politik sind weltweit so gestaltet, dass kurzfristige Gewinninteressen zu oft über das Gemeinwohl triumphieren. Auf der Strecke bleiben Arbeitsschutz, Löhne und Menschenrechte. Diese zerstörerische Logik müssen wir umdrehen, doch mächtige Wirtschaftsinteressen verhindern bislang den nötigen Wandel. Das führt dazu, dass einige Wenige die Pandemie im Luxus überstehen, während über die Hälfte der Menschheit darum kämpft, ihre Rechnungen zu bezahlen und Essen auf den Tisch zu bringen. Deshalb reicht es nicht, Symptome zu bekämpfen. Wir müssen die Ursachen sozialer Ungleichheit an der Wurzel packen und unsere Wirtschaft solidarisch und ökologisch gerecht umgestalten."

Unterstützung des Globalen Südens und Demokratisierung der Wirtschaft

Oxfam fordert eine Demokratisierung der Wirtschaft: Unternehmen müssen so reguliert werden, dass die Interessen aller von Unternehmensentscheidungen Betroffenen berücksichtigt werden. Es braucht ein effektives, gemeinwohlorientiertes Kartellrecht und sektorspezifische Regulierungen, die eine gerechte Verteilung von Gewinnen innerhalb der Lieferkette und die Einhaltung fairer Handelspraktiken sicherstellen. Gemeinwohlorientierte Unternehmen müssen besonders gefördert werden, damit sie stärker die Märkte prägen, zum Beispiel durch Bevorzugung bei öffentlicher Beschaffung und Wirtschaftshilfen.

Kurzfristig braucht es eine Steuerpolitik, die Unternehmen und Superreiche angemessen an der Finanzierung unseres Gemeinwesens beteiligt. Die Steuergelder werden dringend benötigt, um insbesondere in Ländern des Globalen Südens Menschen in Armut zu unterstützen und öffentlich finanzierte Systeme für Bildung, Gesundheit und soziale Sicherung auszubauen, von denen vor allem Menschen mit niedrigem Einkommen profitieren. Geld hierfür ist genug da: Hätte man die Extragewinne der 32 globalen Konzerne, die im vergangenen Jahr trotz Pandemie die größten Zuwächse hatten, mit einer einmaligen Steuer belegt, wären 104 Milliarden US-Dollar zusätzlich verfügbar.

 

Redaktionelle Hinweise:

  • Der Bericht „The Inequality Virus" steht gemeinsam mit verschiedenen Begleitdokumenten wie einer deutschen Zusammenfassung und methodologischen Erläuterungen unter SPERRFRIST 25.1.2021, 01:01 Uhr MEZ zum Download bereit unter https://oxfam.box.com/v/inequality-virus, Passwort: oxfam. Diese Pressemitteilung mit Links zu allen Begleitdokumenten ist ab Montag unter www.oxfam.de/profit-trotz-pandemie erreichbar, der Originalbericht unter www.oxfam.de/the-inequality-Virus und die deutsche Zusammenfassung unter www.oxfam.de/das-ungleichheitsvirus.
  • Oxfams Berechnungen basieren auf den neuesten und umfassendsten verfügbaren Daten. Die Zahlen zu den Reichsten der Gesellschaft stammen aus den Forbes Milliardärslisten. Da die Daten zum Reichtum im Jahr 2020 sehr volatil waren, hat das Credit Suisse Research Institute die Veröffentlichung seines jährlichen Berichts über den Reichtum der Menschheit auf das Frühjahr 2021 verschoben. Das bedeutet, dass wir nicht wie in den vergangenen Jahren das Vermögen der Milliardäre mit dem der ärmeren Hälfte der Menschheit vergleichen konnten.
  • Das Konzept einer Pandemiesteuer auf die Zusatzgewinne der größten Konzerne wird im Oxfam Briefing Paper "Pandemic Profiteers Exposed" skizziert: https://www.oxfamamerica.org/explore/research-publications/pandemic-profits-exposed/
  • Mit Stand 31. Dezember 2020 waren laut Forbes die 10 reichsten Personen der Welt: Jeff Bezos, Elon Musk, Bernard Arnault und Familie, Bill Gates, Mark Zuckerberg, Larry Ellison, Warren Buffett, Zhong Shanshan, Larry Page, und Mukesh Ambani.
  • Nach Berechnungen auf Basis von Daten der Großbank Credit Suisse besaßen die 1000 weltweit reichsten Personen vor dem pandemiebedingten Börsensturz im Februar 2020 zusammen rund 9,15 Billionen US-Dollar. Nach einem zwischenzeitlichen Einbruch auf etwa 6,4 Billionen US-Dollar waren die Vermögen bereits im November mit 9,14 Billionen US-Dollar wieder bei rund 99,9 Prozent des Vorpandemiewertes angekommen, mit gewissen Umverteilungen innerhalb der Milliardär*innengruppe.
  • Die Weltbank hat simuliert, was ein Anstieg der Ungleichheit in fast allen Ländern auf einmal für die weltweite Armut bedeuten würde. Die Bank kommt zu dem Ergebnis, dass bei einem Anstieg der Ungleichheit (gemessen am Gini-Koeffizienten) um 2 Prozentpunkte pro Jahr und einem Rückgang des globalen Pro-Kopf-BIP-Wachstums um 8 Prozent im Jahr 2030 immer noch 501 Millionen Menschen mehr mit weniger als 5,50 Dollar pro Tag auskommen müssen als in einem Szenario, in dem es keine Zunahme der Ungleichheit gibt. Infolgedessen wäre das globale Armutsniveau im Jahr 2030 höher als vor dem Ausbruch der Pandemie, wobei 3,4 Milliarden Menschen immer noch mit weniger als 5,50 Dollar pro Tag leben müssten. Dies ist das Worst-Case-Szenario der Bank, wobei die Projektionen für die wirtschaftliche Schrumpfung in den meisten Entwicklungsländern mit diesem Szenario übereinstimmen. Im Weltwirtschaftsausblick (Oktober 2020) geht der Internationale Währungsfonds in seinem Worst-Case-Szenario davon aus, dass das BIP erst Ende 2022 wieder das Vorkrisenniveau erreicht. Die OECD hat davor gewarnt, dass dies zu einem langfristigen Anstieg der Ungleichheit führen wird, wenn keine Maßnahmen ergriffen werden.

 


Situation in Deutschland

  • In Deutschland gab es im Februar 2019 insgesamt 114 Milliardär*innen mit einem Gesamtvermögen von 485 Milliarden US-Dollar. Zum Stichtag 31.12.2020 gab es trotz pandemiebedingter zwischenzeitlicher Einbrüche insgesamt 116 Milliardär*innen mit einem Gesamtvermögen von 606,8 Milliarden US-Dollar.
  • Für das durchschnittliche Jahresgehalt eines DAX-CEO (5,58 Mio. €) müsste eine durchschnittliche Pflegefachkraft in Deutschland über 156 Jahre arbeiten. Umgekehrt verdient ein DAX-CEO in 1,6 Tagen das Jahresgehalt einer Pflegefachkraft (35.600 €).
  • Die zehn reichsten Deutschen verfügten zum Stichtag 31.12.2020 über ein Gesamtvermögen von 241,9 Mrd. US-Dollar – trotz Pandemie eine Steigerung von rund 35 Prozent / 62,7 Mrd. US-Dollar gegenüber Februar 2019. Darunter sind besonders bemerkenswert:
    • Dieter Schwarz (LIDL, Kaufland, von 22,6 auf 36,8 Mrd. US$): Höchster absoluter Zugewinn in Deutschland
    • Reinhold Würth (Würth, von 11,2 auf 20,6 Mrd. US$): Würth hat in der Gruppe der zehn reichsten Deutschen den prozentual höchsten Zugewinn. In Teilen des Betriebes wurde zwischenzeitlich Kurzarbeit eingeführt.
    • Susanne Klatten und Stefan Quandt (BMW, von 21 auf 26,4 bzw von 17,5 auf 20,3 Mrd. US$): BMW hatte zwischenzeitlich knapp 40.000 Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Im Mai hat BMW 2,50 Euro Dividende für das Geschäftsjahr 2019 pro Stammaktie gezahlt. Das entspricht einem Gesamtbetrag von 1,646 Mrd Euro. 46,8 Prozent dieser Dividende gehen direkt und indirekt an die Familien Klatten und Quandt.

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