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How can the G20 support innovative: mechanisms to mobilise financial resources for LDCs in a post-pandemic world?

DIE - 26. Dezember 2022 - 14:05

Innovative financing for development can contribute to closing the financial gap by mobilising new funds for sustainable development and leveraging existing scarce public concessional resources (ODA). In addition to domestic resources and traditional external financial resources, innovative financing mechanisms can mobilise further financial resources for LDCs. In view of the LDCs’ enormous sustainable investment needs, mobilising private financial resources is both crucial and inescapable. Blended finance represents an important instrument to combine ODA with private finance, thereby leveraging scarce concessional public financial resources. The G20 should consider promoting the adoption and implementation of the OECD Blended Finance Principles in LICs to enhance blended finance in these countries. As many LDCs do not have sufficient institutional capacity. To adopt blended finance instruments the G20 should support LDC in developing institutional capacity to effectively implement blended finance tools and to lower risks associated with blended finance. An additional instrument to enhance external financial resources to LDCs is to allocate the recently approved new SDR allocation to LDCs exceeding LDCs quota. The G20 should take on a leading by example/frontrunner role and donate as well as lend a percentage of their allocations, discuss establishing a special purpose fund (i.e. a green or health fund), support allocating a large amount of SDRs to LDCs exceeding their quota and discuss proposals how to allocate them among LICs and discuss how these financial instruments can be used to ensure a sustainable and inclusive recovery from the covid-19 crisis. As the fragmented architecture of sustainable bond standards represent one main challenge in mobilising financial resources for attaining the SDGs by issuing sustainable bonds the G20 should discuss and promote harmonisation of sustainable bond standards. Moreover, the G20 countries should provide capacity building for LDCs for developing the sustainable bond market in these countries.

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Frauenrechte in Katar

EINEWELTblabla - 18. Mai 2022 - 14:16

Seit der Verkündung, dass die Fußballweltmeisterschaft 2022 in Katar stattfindet, wird immer wieder über Missstände im Land gesprochen. Die Menschenrechtslage ist kritisch: es wird von Ausbeutung von Arbeiterinnen und Arbeitern und sklavenähnlichen Zuständen berichtet. Doch nicht nur in diesem Bereich steht Katar in der Kritik. Auch Frauenrechte werden missachtet und das in nahezu allen Bereichen des alltäglichen Lebens. Wir berichten heute, wie die Lage für Frauen in Katar aussieht.

Frauen und die Ehe

Die Gesetzgebung in Katar schreibt vor, dass jede Frau einen männlichen Vormund haben muss. Bei diesem Vormund müssen sie sich die Erlaubnis für so ziemlich alles einholen. Wenn eine Frau zum Beispiel heiraten möchte, braucht sie auch dafür die Zustimmung ihres Vormunds. Wenn eine Ehefrau, ohne zu fragen das Haus verlässt, eine neue Arbeitsstelle annimmt oder ohne „legitimen“ Grund Sex mit ihrem Mann verweigert, wird sie als ungehorsam betrachtet. Männer hingegen können ohne Erlaubnis eines Vormunds oder ihrer Ehefrau weitere Ehen mit bis zu vier Frauen eingehen.

Frauen und ihre Kinder

Frauen haben keine primäre Vormundschaft über ihre Kinder. Egal ob verheiratet oder geschieden, auch die Kinder stehen einem männlichen Vormund unter und die Frau kann über keine Belange in Bezug auf die Kinder allein entscheiden. Sollte der Vater der Kinder verstorben sein und es auch sonst keinen männlichen Vormund in der Familie mehr geben, übernimmt in diesem Fall der Staat die Rolle der Vormundschaft.

Ausbildung und Arbeit

Laut eines Berichts von Human Rights Watch aus dem Jahr 2019 haben Frauen mit vielen Einschränkungen in ihrer Ausbildung und Berufswahl zu leben. So wird vielen zum Beispiel verboten im Ausland zu studieren oder auf eine gemischtgeschlechtliche Universität zu gehen. Das führt dazu, dass Frauen weniger Wahlmöglichkeiten haben und so vielleicht nicht das studieren können, für das sie sich wirklich interessieren. Auch bei der Arbeitsplatzwahl berichten viele Frauen, dass sie erst eine Erlaubnis ihres Vormunds benötigen, auch wenn die Gesetze dies nicht offiziell vorschreiben.

Gesundheitsversorgung

Auch in der Gesundheitsversorgung sieht es für Frauen nicht wirklich anders aus. Gerade für den Zugang zu gynäkologischen Untersuchungen, also zum Beispiel Schwangerschaftsvorsorge oder vaginale Ultraschalluntersuchungen, berichten die Frauen im Bericht von Human Rights Watch davon, dass sie erst einen Heiratsnachweis vorlegen mussten, um behandelt zu werden. Auch Abtreibungen müssen vom männlichen Vormund abgesegnet werden.

Wie ist das möglich?

Eigentlich sehen die Gesetze Katars ein Ende der männlichen Vormundschaft nach 18 Jahren vor. So dürften erwachsene Frauen eigentlich gar nicht mehr mit der Vormundschaft konfrontiert sein. Wie der Bericht von Human Rights Watch jedoch gezeigt hat, sieht die Realität anders aus. Katar bricht damit nicht nur nationales Recht, sondern auch internationale Verpflichtungen in Bezug auf Frauenrechte. So hat Katar 2009 die Frauenrechtskonvention von 1979 unterzeichnet, die völkerrechtlich bindend ist und jegliche Form der Diskriminierung von Frauen verbietet.

Weitere Informationen

Wenn ihr euch noch mehr mit Frauenrechten in Katar beschäftigen wollt, lohnt sich ein Blick in den Bericht von Human Rights Watch. Dort berichten Frauen aus erster Hand von ihrem Alltag. In einer Reportage von Deutschlandfunk Kultur wird von Frauensport in Katar berichtet und man erfährt nebenbei viel Wissenswertes zur allgemeinen Situation von Frauen.

Was sagst du zur Situation der Frauen in Katar? Lass es uns in den Kommentaren wissen!

-Leah-

Das Beitragsbild stammt von Vonecia Carswell auf Unsplash.com.

Der Beitrag Frauenrechte in Katar erschien zuerst auf EineWeltBlaBla.

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Es droht eine dramatische Hungerkatastrophe weltweit

Welthungerhilfe - 18. Mai 2022 - 9:06
G7-Treffen der Entwicklungsminister*innen in Berlin.
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Oxfam: G7 müssen Maßnahmen gegen Armut und Ungleichheit ergreifen

SID Blog - 18. Mai 2022 - 5:14
G7-Treffen der Minister*innen für Finanzen, Entwicklung und Gesundheit vom 18.-20. Mai

Oxfam fordert: G7 müssen Maßnahmen gegen Armut und Ungleichheit ergreifen

Berlin, 17.05.2022. Durch Corona, Klimakrise und Krieg drohen in diesem Jahr bis zu einer Viertelmilliarde Menschen in extreme Armut zu stürzen, die weltweite Ungleichheit droht massiv zu steigen. Die G7 und besonders die Bundesregierung als Gastgeberin müssen auf den anstehenden Treffen substanzielle Maßnahmen gegen diese Gefahr einleiten. Konkret geht es erstens um finanzielle Entlastungen durch Schuldenerlass und höhere Entwicklungsausgaben. Zweitens müssen die Patente für Impfstoffe und Medikamente gegen COVID-19 freigegeben werden, damit die Pandemie endlich beendet werden kann. Drittens müssen die G7 und insbesondere die Bundesregierung ihre Zusagen bei der Entschärfung der Klimakrise im Globalen Süden einhalten.

Tobias Hauschild, Leiter Soziale Gerechtigkeit bei Oxfam Deutschland, erklärt: „Pandemie und Klimakrise haben die ohnehin dramatische Ungleichheit weltweit noch verschärft. Hinzu kommt nun der Krieg in der Ukraine, der in manchen Ländern Grundnahrungsmittel fast unerschwinglich macht. Die G7-Staaten müssen ihre Zusagen einhalten und ausweiten, wenn sie ihre Glaubwürdigkeit nicht vollends verspielen wollen."

Entlastung einkommensschwacher Länder

Um einkommensschwache Länder zu entlasten, ist ein Schuldenerlass unabdingbar. Die Länder mit den geringsten Einkommen weltweit müssen in diesem Jahr Schulden in Höhe von 43 Milliarden US-Dollar zurückzahlen, viele stehen kurz vor der Zahlungsunfähigkeit und sind sogar gezwungen, Lebensmittelimporte auszusetzen. Außerdem müssen die G7-Länder die internationale Zielvorgabe, 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens in Entwicklung zu investieren endlich konsequent umsetzen. Beispielsweise drohen in Deutschland ab 2023 deutliche Kürzungen bei den Entwicklungsausgaben. Die G7-Staaten sollten sich deshalb für den Verzicht auf Schuldenrückzahlungen von Ländern mit einem kritischen Verschuldungsniveau aussprechen und zur Einhaltung der 0,7-Prozent-Vorgabe verpflichten.

Impfstoffgerechtigkeit

Während wohlhabende Länder gerade Booster-Impfungen gegen Omikron planen, sind auf dem afrikanischen Kontinent erst 17 Prozent der Bevölkerung grundimmunisiert. Um sicherzustellen, dass alle Menschen einen gerechten Zugang zu Covid-19-Technologien erhalten, sollten die G7-Staaten alle Möglichkeiten ausschöpfen, um die Produktion und Versorgung mit Impfstoffen und Therapeutika zu erleichtern und zu diversifizieren. Dafür müssen sie auch den von Südafrika und Indien 2020 bei der Welthandelsorganisation (WTO) eingebrachten so genannten TRIPS-Waiver unterstützen, der von der Bundesregierung und wenigen anderen wohlhabenden Nationen blockiert wird, obwohl ihn über 100 Länder unterstützen. Der derzeit diskutierte Neuentwurf der EU würde kaum Verbesserung bringen, weil er Medikamente und Diagnostika ausschließt und in seiner bisherigen Fassung keine Rechtsicherheit brächte. Um zu gewährleisten, dass die lokale Produktion von Impfstoffen schnellstmöglich beginnen kann, müssen sich die Regierungen der G7-Länder zudem für einen sofortigen und umfassenden Technologietransfer einsetzen und den mRNA-Hub der WHO finanziell stärker unterstützen.

Bekämpfung der Klimakrise

2009 haben sich die Industrienationen als Hauptverursacher der Klimakrise auf dem UN-Klimagipfel in Kopenhagen dazu verpflichtet, ihre Unterstützung für Klimaschutz in den einkommensschwachen Ländern bis 2020 auf jährlich 100 Milliarden US-Dollar zu erhöhen. Das Ziel ist nicht erreicht worden und es gibt bisher kaum Anzeichen, dass es in naher Zukunft erreicht werden könnte – auch die deutsche Unterstützung soll den Plänen des Bundesfinanzministers zufolge entgegen der deutschen Zusage vom G7-Gipfel 2021 in den kommenden Jahren nicht steigen. Zudem verweigern die wohlhabenden Länder bisher kategorisch Unterstützung bei der Bewältigung von Zerstörungen infolge des Klimawandels, auch aus Angst vor Entschädigungsforderungen. Die G7-Staaten diskutieren nun über ein „Global Climate Risk Shield" für die Ausweitung von Frühwarnsystemen und Klimarisikoversicherungen. Hierbei ist es entscheidend, dass diese die betroffenen Länder nicht zusätzlich belasten dürfen, etwa durch Prämienzahlungen für Unwetterversicherungen.

 

Mehr unter www.oxfam.de


       

Afrikanische Start-ups setzen Impulse für nachhaltige Entwicklung

SID Blog - 18. Mai 2022 - 5:13
BMZ weitet Förderung auf Ghana und Tansania aus

Berlin - Mit develoPPP Ventures bietet das Bundesentwicklungsministerium ein Förderinstrument speziell für Start-ups in Afrika an. Nach erfolgreichem Start in Kenia wird das Programm nun auf Ghana und Tansania ausgeweitet. Junge Unternehmen, die in diesen Ländern mit ihren Geschäftsmodellen einen besonders wirksamen Beitrag zur Entwicklung vor Ort leisten, können sich ab dem 15. Mai für eine lokale Investitionsförderung von bis zu 100.000 Euro bewerben.

Den städtischen Verkehr elektrifizieren, entlegene Gebiete mit Strom und Wasser versorgen, Bäuerinnen und Bauern digital mit potenziellen Abnehmern vernetzen – die Lösungen, an denen afrikanische Start-ups arbeiten, sind vielfältig. Gleichzeitig haben sie das Potenzial, wichtige, entwicklungsrelevante Probleme zu lösen und dabei hochqualifizierte Arbeitsplätze zu schaffen.

Aus diesem Grund unterstützt das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung mit dem Förderinstrument develoPPP Ventures junge Unternehmen in Afrika bei der Skalierung von Geschäftsmodellen, die einen wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Beitrag vor Ort leisten. Nachdem das Programm im vergangenen Jahr erfolgreich in Kenia gestartet ist, bringt das BMZ es nun auch nach Ghana und Tansania.

Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze: „Start-ups können bei vielen Herausforderungen Teil der Lösung sein. Darum helfen wir jungen Unternehmen in Afrika Lösungen für nachhaltige Entwicklung groß zu machen. Wichtig ist uns dabei, auch und gerade Unternehmerinnen zu stärken. Darauf werden wir bei der Förderung achten."

Ab jetzt können sich Start-ups in Ghana, Tansania und Kenia um eine Investitionsförderung von bis zu 100.000 Euro bewerben. Der Ideenwettbewerb läuft bis zum Sommer (30. Juni). Voraussetzungen zur Teilnahme sind unter anderem, dass das Unternehmen ein für das Land innovatives Geschäftsmodell verfolgt und damit bereits erste Umsätze erwirtschaftet hat und dass es in einem der drei Länder registriert ist oder plant, sich vor der zu fördernden Wachstumsinvestition dort zu registrieren. Das eröffnet auch deutschen Start-ups mit entsprechenden Wachstumsplänen die Möglichkeit zur Teilnahme.

Weitere Informationen

www.develoPPP.de/ventures

Über develoPPP

develoPPP Ventures ist eine Komponente unter dem Förderprogramm develoPPP des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Mit develoPPP fördert das BMZ privatwirtschaftliche Vorhaben dort, wo unternehmerische Chancen und entwicklungspolitisches Potenzial zusammentreffen. Unternehmen, die nachhaltig in einem Entwicklungs- oder Schwellenland investieren und ihre operative Tätigkeit vor Ort ausbauen wollen, können im Rahmen des Programms finanzielle und fachliche Unterstützung erhalten. Voraussetzung für eine Förderung sind ein langfristiges betriebswirtschaftliches Interesse im Land und ein nachhaltiger entwicklungspolitischer Nutzen für die Menschen vor Ort.

Mit den beiden Instrumenten develoPPP Classic und develoPPP Ventures bietet das Programm maßgeschneiderte Fördermöglichkeiten für bereits etablierte Unternehmen sowie aufstrebende Start-ups.

Umgesetzt wird develoPPP von zwei erfahrenen Partnern der deutschen Entwicklungszusammenarbeit: DEG – Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH und Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH.



Ostafrika: Oxfam und Save the Children veröffentlichen neuen Bericht und fordern sofortige Hilfe

SID Blog - 18. Mai 2022 - 5:12


Ostafrika: Oxfam und Save the Children untersuchen die Versäumnisse seit den letzten großen Dürren – und fordern sofortige Hilfe

Neue Studie „Dangerous Delay 2" veröffentlicht / Vorstellung bei virtueller PK

Berlin/London/Genf, 18. Mai 2022 – In den von extremer Dürre geplagten Ländern Äthiopien, Kenia und Somalia stirbt Schätzungen zufolge alle 48 Sekunden ein Mensch an den Folgen von Hunger und Unterernährung. Dies geht aus dem Bericht „Dangerous Delay 2: The Cost of Inaction" hervor, den Oxfam und Save the Children heute veröffentlicht haben und der das wiederholte Versagen der Weltgemeinschaft bei der Abwendung dieser vermeidbaren Katastrophe am Horn von Afrika aufzeigt.

Rund ein Jahrzehnt nachdem in der großen Dürre von 2011 allein in Somalia fast 260.000 Menschen starben – die Hälfte von ihnen Kinder unter fünf Jahren – scheint es der internationalen Staatengemeinschaft erneut nicht zu gelingen, durch rasche und umfassende Hilfe Leben zu retten. Die Zahl der Menschen, die in Somalia, Kenia und Äthiopien unter extremem Hunger leiden, hat sich seit 2021 mehr als verdoppelt: von zehn Millionen auf heute über 23 Millionen. Die bisher zugesagten Gelder reichen bei Weitem nicht. Andere Krisen wie der Krieg in der Ukraine verschärfen die Situation zusätzlich.

Der Bericht „Dangerous Delay 2: The Cost of Inaction" ist die Neuauflage einer bahnbrechenden Studie von Oxfam und Save the Children aus dem Jahr 2012 – nach dem beschämenden Versagen der internationalen Gemeinschaft angesichts der tödlichen Dürre in Somalia im Vorjahr. Der aktuelle Bericht entstand in Zusammenarbeit mit der Jameel Observatory in Nairobi, die sich mit der Vorhersage und Bewältigung klimabedingter Ernährungsunsicherheit befasst. Er untersucht die Veränderungen im System der humanitären Hilfe seit der Dürre 2011 und kommt zu dem Schluss, dass die betroffenen Länder und die internationale Staatengemeinschaft trotz mancher Fortschritte im Kampf gegen Dürren und Hunger immer noch zu zögerlich handeln.

„Die Menschen in Ostafrika hungern nicht, weil es der Welt an Nahrung oder Geld mangelt, sondern weil es an politischem Mut fehlt", sagt Gabriella Bucher, Geschäftsführerin von Oxfam International. „Obwohl es immer mehr Alarmsignale gab, haben führende Politiker zu spät und zu verhalten reagiert, so dass jetzt Millionen Menschen mit einer Katastrophe konfrontiert sind. Hunger ist die Folge politischen Versagens." Die schnellen und umfassenden Reaktionen auf Krisen wie den Krieg in der Ukraine oder COVID-19 zeigten, dass die Staatengemeinschaft erfolgreich Ressourcen mobilisieren könne, um Leid zu mindern – „aber nur, wenn sie den festen Willen dazu hat", betont Bucher.

„Die Uhr tickt, und jede Minute, die verstreicht, bringt hungernde Kinder dem Tod näher", sagt Kijala Shako, Regionale Sprecherin für das östliche und südliche Afrika bei Save the Children. „Die Zahlen sind erschreckend: 5,7 Millionen Kinder sind derzeit akut unterernährt, darunter sind mehr als 1,7 Millionen Mädchen und Jungen mit schwerer akuter Unterernährung. Die Vereinten Nationen warnen, dass mehr als 350.000 Kinder in Somalia sterben könnten, wenn wir jetzt nicht handeln. Wie können wir damit leben, wenn wir es wieder geschehen lassen?"

„Ich habe diese für Kinder lebensbedrohliche Situation mit eigenen Augen gesehen, und das tut weh", sagt Save the Children-Geschäftsführer Florian Westphal, der im März in Ostafrika war. „Ich habe die verendeten Rinder und Kamele am Straßenrand gesehen und mit Menschen gesprochen, die durch die Dürre alles verloren haben und nun auf der Suche nach Wasser und Weidegrund in provisorischen Zeltlagern hausen, wo sie nur das Nötigste erhalten – wenn überhaupt. Viele Kinder sind bereits völlig unterernährt. Wir können nicht zulassen, dass sich die Katastrophe von 2011 wiederholt. Wir stehen bereit."

Oxfam und Save the Children analysieren in ihrem Bericht die anhaltenden Versäumnisse von Geberländern, internationalen und nationalen Hilfsorganisationen und der betroffenen Staaten selbst. Ihr Fazit: Verkrustete Bürokratien und eigennützige politische Entscheidungen verhindern auch weiterhin eine schnelle globale Reaktion auf Hungerkrisen – trotz verbesserter Warnsysteme und intensiver Bemühungen lokaler Akteure.

Die Organisationen fordern:  

  • Um jetzt Leben zu retten, müssen die Staats- und Regierungschefs der G7 und des Westens sofort Gelder bereitstellen, um dem Nothilfe-Aufruf der Vereinten Nationen in Höhe von 4,4 Milliarden US-Dollar für die Länder am Horn von Afrika nachzukommen. Sie müssen außerdem sicherstellen, dass die Mittel flexibel genug sind, um dort eingesetzt zu werden, wo sie am dringendsten gebraucht werden.
  • Die Geber müssen garantieren, dass mindestens 25 Prozent der Mittel an lokale Helfer*innen gehen, die im Mittelpunkt aller Maßnahmen stehen müssen.
  • Die Regierungen von Kenia, Äthiopien und Somalia müssen ihre sozialen Sicherungssysteme ausbauen. Sie sollten mindestens zehn Prozent ihres Haushalts für die Landwirtschaft bereitstellen, mit besonderem Fokus auf Kleinbauern und -bäuerinnen, wie dies in der Malabo-Erklärung der Afrikanischen Union für Investitionen in die Landwirtschaft 2014 vereinbart wurde.
  • Auf frühe Warnungen muss besser reagiert werden. Regierungen sollten schneller den nationalen Notstand ausrufen, Ressourcen zu Bedürftigen umleiten und in Maßnahmen investieren, die die Resilienz der Menschen gegen klimabedingte Krisen stärkt.
  • Als Treiber des Klimawandels müssen die Industrienationen Ostafrika für seine klimabedingten Verluste entschädigen. Sie müssen Kenia, Äthiopien und Somalia darüber hinaus ihre Schulden der Jahre 2021-2022 erlassen, damit Mittel frei werden, um die Bevölkerung bei der Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen, zum Beispiel durch die Stärkung der Sozialsysteme.

 

Hinweise

  • Den Link zum neuen Bericht „Dangerous Delay 2: The Cost of Inaction" werden wir Ihnen zeitnah zusenden. Eine Zusammenfassung finden Sie hier (bitte beachten Sie die Sperrfrist).
  • Der Vorgänger-Bericht „A Dangerous Delay: The cost of late response to early warnings in the 2011 drought in the Horn of Africa" (2012) ist hier zu finden.

UNICEF: Immer mehr schwer mangelernährte Kinder brauchen Hilfe

SID Blog - 18. Mai 2022 - 5:09
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„Eine Frage von Leben und Tod" 

UNICEF: Immer mehr schwer mangelernährte Kinder brauchen Hilfe. Doch die Kosten für lebensrettende Erdnusspaste steigen um 16 Prozent.

© UNICEF/UN0602381/Ralaivita

Köln/ New York, den 17. Mai 2022 // Die Zahl der Kinder mit schwerer akuter Mangelernährung stieg bereits vor dem Krieg in der Ukraine. Jetzt droht die Welt noch tiefer in eine Ernährungskrise zu fallen, warnt UNICEF. 

Der aktuelle UNICEF-Bericht "Schwere akute Mangelernährung: Eine tödliche Gefahr für Kinder" ("Severe wasting: An overlooked child survival emergency") warnt, dass sowohl die Zahl der betroffenen Kinder als auch die Kosten für therapeutische Zusatznahrung, die für ihre Behandlung benötigt werden, steigen. In dieser Situation gefährden auch noch Mittelkürzungen von Regierungen lebenswichtige Hilfe für die bedrohten Kinder.

"Bereits vor dem Krieg in der Ukraine hatten viele Familien aufgrund von Konflikten, Klimaschocks und den Auswirkungen der Covid-19-Pandemie Schwierigkeiten, ihre Kinder zu ernähren", erklärte UNICEF-Exekutivdirektorin Catherine Russell. Sie hatte sich zuletzt ein Bild von der dramatischen Lage am Horn von Afrika gemacht. "Die Welt wird mit Blick auf den Kampf gegen die Kindersterblichkeit und das Leid schwer mangelernährter Kinder immer mehr zu einem unkontrollierbaren Risiko." 

Bereits heute erhalten mindestens 10 Millionen Kinder weltweit – zwei von drei betroffenen Mädchen und Jungen – nicht die lebensrettende Behandlung mit therapeutischer Zusatznahrung, die sie für ihr Überleben benötigen. UNICEF warnt, dass das Zusammenwirken mehrerer Schocks die weltweite Ernährungssicherheit von Familien und Kindern bedroht. Dazu gehören die Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine, die schwierige wirtschaftliche Erholung nach der Covid-19-Pandemie sowie anhaltende klimabedingte Dürreperioden in manchen Ländern. 

Die Kosten für lebensrettende therapeutische Zusatznahrung werden laut Prognosen in den kommenden sechs Monaten um bis zu 16 Prozent steigen, da die Preise wichtiger Zutaten in die Höhe schießen. Hierdurch könnte weiteren 600.000 Kindern pro Jahr der Zugang zu lebensrettender Behandlung verwehrt bleiben. Auch die Transport- und Lieferkosten werden voraussichtlich hoch bleiben.

"Für Millionen von Kindern pro Jahr bedeutet die lebensrettende Erdnusspaste einen Unterschied zwischen Leben und Tod. Eine sechzehnprozentige Preiserhöhung mag im Kontext der globalen Lebensmittelmärkte überschaubar klingen. Doch am Ende der Lieferkette steht die Verzweiflung eines mangelernährten Kindes ", sagte Catherine Russell.

Wenn ein Kind im Verhältnis zu seiner Größe zu dünn ist und ein geschwächtes Immunsystem hat, spricht man von schwerer akuter Mangelernährung. Dies ist die unmittelbarste, sichtbarste und lebensbedrohlichste Form der Mangelernährung. Weltweit sind rund 13,6 Millionen Kinder unter fünf Jahren davon betroffen. Einer von fünf Todesfällen von Kindern in dieser Altersgruppe kann darauf zurückgeführt werden. 

Die Gesamtzahl der betroffenen Kinder ist nach wie vor am höchsten in Südasien. Rund eines von 22 Kindern ist dort betroffen, doppelt so viele Mädchen und Jungen wie in Afrika südlich der Sahara. Doch auch in anderen Regionen sind die Fallzahlen mancherorts so hoch wie noch nie. In Afghanistan beispielsweise werden in diesem Jahr voraussichtlich 1,1 Millionen Kinder an schwerer akuter Mangelernährung leiden, fast doppelt so viele wie im Jahr 2018. Die Dürre am Horn von Afrika bedeutet, dass die Zahl der betroffenen Kinder in der Region von 1,7 Millionen auf zwei Millionen ansteigen könnte. In der Sahelregion droht ein Anstieg um 26 Prozent im Vergleich zu 2018. 

Laut dem Bericht haben die Fallzahlen selbst in relativ stabilen Ländern wie Uganda seit 2016 um rund 40 Prozent oder mehr zugenommen. Zu den Ursachen gehören wachsende Armut sowie die unsichere Ernährungssituation vieler Familien, die dazu führt, dass sich die Qualität und die Menge der Nahrung für Kinder und Schwangere verschlechtert hat. Auch klimabedingte Schocks wie schwere Dürren und fehlender Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen tragen hierzu bei.

Der Bericht hebt hervor, dass die Ausgaben zur Prävention und Bekämpfung von schwerer Mangelernährung sehr niedrig sind und in den kommenden Jahren weiter gekürzt werden könnten. Im pessimistischsten Szenario werden sie bis 2028 nicht wieder das Niveau von vor der Pandemie erreichen. Die Ausgaben für solche Programme im Rahmen der weltweiten Entwicklungshilfe machen lediglich 2,8 Prozent der Gesamtausgaben für den Gesundheitssektor und 0,2 Prozent der gesamten Ausgaben für die internationale Zusammenarbeit aus. 

UNICEF ruft deshalb dazu auf:

  • Die Regierungen sollten die weltweite öffentliche Entwicklungshilfe im Kampf gegen schwere Mangelernährung um mindestens 59 Prozent im Vergleich zu 2019 erhöhen, um jedes Kind in 23 Risikoländern zu erreichen.
  • Länder sollten die Behandlung schwerer Mangelernährung in ihre Finanzierungspläne für Gesundheits- und langfristige Entwicklungsprogramme aufnehmen, um alle betroffenen Kinder zu erreichen, nicht nur diejenigen in humanitären Krisensituationen. 
  • Die von Geberländern zur Bewältigung der aktuellen Hungerkrise bereitgestellten Mittel sollten spezifische finanzielle Zusagen für therapeutische Spezialnahrung und andere Maßnahmen enthalten, um schwer akut mangelernährter Kinder zu retten. 
  • Geber und zivilgesellschaftliche Organisationen müssen der flexiblen und langfristigen Finanzierung von Programmen zur Bekämpfung schwerer Mangelernährung mehr Priorität einräumen.

Service für die Redaktionen

Therapeutische Zusatznahrung, auch „Erdnusspaste" genannt, besteht vor allem aus Erdnüssen, Öl, Zucker und Milchpulver und wird in einzelnen Päckchen verpackt. Sie ist lange haltbar, auch ungekühlt. UNICEF ist weltweit der Hauptlieferant der Erdnusspaste. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen beschafft und liefert schätzungsweise 75-80 Prozent des weltweiten Angebots von mehr als 20 Herstellern aus aller Welt. 

» Der englischsprachige Bericht steht nach Veröffentlichung hier zur Verfügung

» Eine deutsche Zusammenfassung wird hier veröffentlicht. 



So treffen die Folgen des Klimawandels fast jedes Kind auf der Welt – schon heute!

Unicef - 18. Mai 2022 - 0:00
Naturkatastrophen und andere Folgen des Klimawandels haben verheerende Auswirkungen auf das Leben und die Zukunft aller Kinder. Sie sind schon heute sicht- und spürbar, wie diese Fotos zeigen.
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Sport für Frieden und nachhaltige Entwicklung

Engagement Global Presse - 17. Mai 2022 - 16:01
Bei den Themenwochen dreht sich alles um Nachhaltigkeit im Sport. Foto: René Frampe

Sport trägt eine globale gesellschaftliche Verantwortung und kann sich der politischen Dimension kaum entziehen. Er öffnet Räume für gesellschaftlichen Diskurs über Frieden und Nachhaltigkeit und gilt als wirkungsvolles und erfolgreiches Instrument, um sozialen und entwicklungspolitischen Herausforderungen im Sinne der Agenda 2030, der globalen Strategie für nachhaltige Entwicklung, zu begegnen.

Um einen tieferen Einblick in die Ansätze des Sports in der entwicklungspolitischen Bildung sowie in die Arbeit von (inter-)national tätigen Organisation zu gewähren, organisieren das Programm Entwicklungsbezogene Bildung in Deutschland (EBD) von Engagement Global und das Institut für Europäische Sportentwicklung und Freizeitforschung der Deutschen Sporthochschule Köln erneut die gemeinsamen Themenwochen Sport. Global. Nachhaltig. Diese finden von Mittwoch, 24. Mai, bis Donnerstag, 30. Juni 2022, statt.

In acht Seminaren haben Studierende und externe Interessierte die Möglichkeit, mit Expertinnen und Experten des Themenfeldes sowie mit Organisationen und Initiativen in den Austausch zu gehen. Am Dienstag, 31. Mai 2022, etwa, geht es um die nachhaltige Beschaffung von Textilien im Profisport und die Ergebnisse einer damit zusammenhängenden Machbarkeitsstudie, vorgestellt von Tim Stoffel von Femnet e.V. Am Mittwoch, 1. Juni 2022, wiederum zeigen Jenny Hellmann von Engagement Global und Dr. Karen Petry von der Deutschen Sporthochschule Köln auf, welche Programme Globales Lernen im Sport fördern. Und am Dienstag, 21. Juni 2022, berichten Frederick Becker vom 1. FC Köln und Tim Birnbrich von der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) über die Partnerschaft zwischen dem 1. FC Köln und der deutschen Entwicklungszusammenarbeit.

Anmeldungen zu den einzelnen Veranstaltungen sind per E-Mail an Jenny Fischer möglich.

Das Programm Entwicklungsbezogene Bildung in Deutschland (EBD) von Engagement Global verfolgt das Ziel, Menschen durch Informations- und Bildungsmaßnahmen zu einer kritischen Auseinandersetzung mit globalen Entwicklungen zu motivieren und zu eigenem entwicklungspolitischem Engagement zu ermutigen. Die Außenstellen von Engagement Global führen das Programm dezentral durch, um entwicklungspolitisches Engagement auch regional und lokal dauerhaft zu verorten.

Ansprechpersonen

Dr. Karen Petry und Jenny Fischer
Institut für Europäische Sportentwicklung und Freizeitforschung
Deutsche Sporthochschule Köln
s.fischer@dshs-koeln.de

Weitere Informationen
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Konditionalität als Instrument europäischer Governance

SWP - 17. Mai 2022 - 16:00

Das Konditionalitätsprinzip hat sich in der Europäischen Union von einem Element ihrer auswärtigen Politik zu einem Instrument der Governance in der EU entwickelt. Dabei können verschiedene Typen der Konditionalität in der EU unter­schieden werden: a) die Eintrittskonditionalität; b) die Governance-Konditionalität, die mit Hilfe der europäischen Ausgabenpolitiken gesteuert wird, und c) die Hebelkonditionalität, mit der verschiedene Politikbereiche miteinander verknüpft werden. Gegenwärtig ist insbesondere die Hebelkonditionalität heftig umstritten. Diesem Typus ist auch die Rechtsstaatskonditionalität zuzuordnen. Um angesichts dieser Konflikte das Konditionalitätsprinzip als Instrument europäischer Governance zu festigen, sollte sich die Europäische Union auf verschiedene Anpassungen des Prinzips verständigen. Hierzu gehören die Verankerung des Konditionalitätsprinzips in den europäischen Verträgen und darauf aufbauend die Konkretisierung der Anwendung des Prinzips im europäischen Sekundärrecht. Darüber hinaus sollte die Verpflichtung zur Umsetzung von vereinbarten Konditio­nalitäten auf der gleichen politischen Entscheidungsebene und in enger Zusammenarbeit zwischen der EU als Konditionalitätsanbieter und dem jeweiligen Konditionalitätsnehmer erfolgen.

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El Salvadors Bitcoin-Paradies gerät ins Wanken

SWP - 17. Mai 2022 - 15:49

Anfang September 2021 führte El Salvador den Bitcoin (BTC) als weltweit erstes Land als Währung und gesetzliches Zahlungs­mittel ein. Seit dem Höchststand im November 2021 hat der Bitcoin jedoch mehr als die Hälfte seines Wertes verloren. Mit seinen 2.301 Bitcoins ist El Salvador davon massiv betroffen: Das Land hat 103 Millionen US-Dollar investiert. Mitte Mai war sein Bitcoin-Portfolio nur noch rund 70 Millionen Dollar wert. El Salvador läuft damit Gefahr, seine Schulden nicht mehr bedienen zu können, weil deren Deckung durch die abgewerteten Bitcoins nicht mehr gewährleistet ist. Der Internationale Währungsfonds (IWF) möchte angesichts der Absicherung mit der volatilen Risikowährung den notwendigen Kredit von mehr als eine Milliarde US-Dollar nicht ausreichen. Das Versprechen größerer fiskalischer und finanzieller Unabhängigkeit hat sich für das Land bislang nicht erfüllt – und es droht, in noch größere Risiken hineinzulaufen: Die Staatsanleihen des Landes wurden von Rating-Agenturen jetzt auf Spekulationsebene eingestuft. Präsident Nayib Bukele, der sich selbst als »CEO El Salvadors« bezeichnet und angesichts der massiven Gewalt durch Jugendbanden mit dem Ausnahmezustand regiert, zeigt sich davon unbeeindruckt. Stattdessen nutzte er die niedrigen Bitcoin-Preise, um vergangene Woche weitere 500 Bitcoins zu erwerben. Damit setzt der Staatschef seinen Hochrisikokurs fort und gleichzeitig die Zukunft seines Landes aufs Spiel.

El Salvadors Bitcoin-Wette

Bitcoin fungiert in El Salvador als zweites Zahlungsmittel neben dem US-Dollar. Präsident Bukele versucht mit dieser Maßnahme, frisches Investmentkapital ins Land zu holen. Die Bewohne­rinnen und Bewohner des mittel­amerikanischen Landes können ihre täglichen Einkäufe mit Bitcoin zahlen und auch ihre Steuern in der digitalen Währung über­weisen. Der Staat führte dafür die digitale Geldbörse Chivo ein und stellte entsprechende Automaten auf. Händler im Land, die über die technische Ausstattung verfügen, müssen BTC-Zahlungen akzeptieren. Um die Akzeptanz und finanzielle Inklusion zu erhöhen, erhielt jede Bürgerin und jeder Bürger ein Startguthaben von rund 30 US-Dollar in Bitcoins. Umfragen zeigen jedoch, dass gerade mal 20 Prozent der Bevölkerung diesen Zahlungsweg noch nutzen, nachdem sie die Einmalzahlung verbraucht haben. Viel bedeutsamer sind für die 6,5 Millionen Menschen die Rücküberweisungen in US-Dollar, die sie von ihren Landsleuten aus den USA erhalten. Diese beliefen sich auf 26,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) 2021. Aber auch dafür nutzt nur ein geringer Anteil der Bevölkerung den Bitcoin, obwohl dadurch die hohen Überweisungskosten wegfallen. Mit dem massiven Wertverlust des Bitcoins werden nun die strukturellen Probleme der öffentlichen Haushalte sichtbar, denen die Mittel fehlen, um ihre Schulden zu begleichen.

Damit scheint das Bitcoin-Experiment an fiskalischen Problemen zu scheitern. Anhaltende Haushaltsdefizite und ein hoher Schuldendienst führen zu einem großen und steigenden Finanzierungsbedarf. Das Haushaltsdefizit wird für 2021 auf 5,75-Prozent des BIP und für 2022 auf etwa fünf Prozent des BIP geschätzt. Bei der derzeitigen Ausgabenpolitik dürfte die Staatsverschuldung bis 2026 auf etwa 96 Prozent des BIP ansteigen und damit einen nicht tragfähigen Pfad einschlagen, so der IWF im Januar 2022. Die Verwendung von Bitcoin birgt laut dem IWF »erhebliche Risiken für die Finanzstabilität, die finanzielle Integrität und den Verbraucherschutz«. Entsprechend forderte der IWF das Land auf, den Anwendungsbereich des Bitcoin-Gesetzes einzuschränken und den Status von Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel aufzugeben.

Bitcoin-City: das Mega-Krypto-Projekt

Doch der Bitcoin als Landeswährung ist nur der erste Schritt auf dem Weg von Präsident Bukele, sein Land zu einem der Vorreiter im Krypto-Segment zu machen. So hat der Regierungschef mit »Bitcoin City« ein Investitionsprojekt angekündigt, das viele Beobachter als weiteren Marketingcoup einordnen, um den Bitcoin-Tourismus anzufachen. Die neue Stadt soll im Osten des Landes entstehen. Geplant wird das Mega-Projekt rund um den Conchagua-Vulkan, um den hohen Energieverbrauch beim Schürfen (»Mining«) von Bitcoins durch Nutzung der geothermischen Vulkanenergie aufzufangen. Zur Finanzierung des Projekts soll eine in US-Dollar nominierte Staatsanleihe von El Salvador im Wert von einer Milliarde US-Dollar begeben werden, die jeweils zur Hälfte in Bitcoins und den Bau der Stadt fließen soll. Gläubiger dieser »Vulkan-Anleihe« haben nach einem Zeitraum von fünf Jahren Anspruch auf 6,5 Prozent effektiven Jahreszins und BTC-Dividenden. Anleger, die mehr als 100.000 US-Dollar investieren, können die Staatsbürgerschaft und einen zweiten Reisepass des Landes erhalten. Doch die für März 2022 angesetzte Begebung der Anleihe wurde verschoben; Grund dafür ist nach Aussagen der Regierung El Salvadors der Kursverfall bei den Bitcoins und das schlechte Investitionsklima nach Beginn des Ukrainekrieges.

Bitcoin-Verfall und Fiskalkrise – eine schlechte Kombination auch für Nachahmer

Angesichts der weltpolitischen Verwerfungen ist heute nicht absehbar, wie lange der gegenwärtige Abwärtstrend bei Bitcoins anhalten wird. Das Risikopotential ist jedoch dann besonders hoch, wenn öffentliche Gelder in eine spekulative Währung investiert werden, so dass damit auch die Ersparnisse der Bürgerinnen und Bürgern sowie die Renten bedroht sind. Die Verschuldungssituation El Salvadors stellt dafür eine massive Gefahr dar. International steht die Kryptowährung zudem in der Kritik, weil mit ihr US-Sanktionen umgangen würden. Zudem würden Kontrollmaßnahmen im Zahlungsverkehr unterlaufen, die der Bekämpfung von Geldwäsche etwa durch die organisierte Kriminalität dienen. Dass jetzt gerade die Zentralafrikanische Republik als zweites Land den Bitcoin eingeführt hat, muss beunruhigen, wuchert doch die illegale Ökonomie dort in besonderem Maße. Für das Bitcoin-Ökosystem sind damit weitere Instabilitäten durch fragile Partner zu erwarten.

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Hungersnot, Ernährungskrise, Mangelernährung – Was ist das?

Unicef - 17. Mai 2022 - 11:30
In Ländern wie Madagaskar, Äthiopien oder Jemen hungern Hunderttausende Menschen. Bilder von ausgemergelten Kindern, Berichte von qualvoll verhungerten Mädchen und Jungen sind immer wieder in den Nachrichten oder auf Social Media. Warum gibt es immer noch Hunger auf der Welt und wann spricht man von einer Hungersnot?
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Health-Energy-Nexus: How off-grid energy can play a vital role in quality healthcare provision in Sub-Saharan Africa

EADI Debating Development Research - 17. Mai 2022 - 11:02
By Jonas Bauhof and Callistus Agbaam Access to electricity In 2019, 770 million people were without access to electricity globally. They are left without the possibility of using electric light at night, powering refrigerators and stoves, or charging their phones and other devices. Until 2019, the number constantly decreased but the Covid-19 pandemic reversed the …
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17 May 2022 | BICC Brown Bag Lecture \ Deprovincialising Kurdish Politics: Forced Migration and Activism Across Kurdistan, Turkey and Europe (Online)

Bonn - 17. Mai 2022 - 11:01

In a conjuncture of the record-high number of displaced people across the globe, increasing normalisation of nation-states’ colonial demographic policies in times of war accompanied by border imperialism and criminalisation of migrant justice movements, there is a dire need to understand how migrants respond to these developments as political agents. Looking at the two recent […]

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Schwere Mangelernährung: "Eine Frage von Leben und Tod"

Unicef - 17. Mai 2022 - 2:01
Die Zahl der Kinder mit schwerer akuter Mangelernährung stieg bereits vor dem Krieg in der Ukraine. Jetzt droht die Welt noch tiefer in eine Ernährungskrise zu fallen, warnt UNICEF.
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Zehn Jahre Grundsätze zum Schutz und zur Förderung von Kinderrechten durch Unternehmen

Unicef - 17. Mai 2022 - 0:00
Vor zehn Jahren wurden die "Grundsätze zum Schutz und zur Förderung von Kinderrechten durch Unternehmen" erarbeitet. Diese Grundsätze helfen Unternehmen dabei, eine kinderrechtliche Perspektive in ihren unternehmerischen Sorgfaltsprozessen zu integrieren. Erfahren Sie in unserem Blog, warum diese Grundsätze wichtiger sind denn je.
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Wem gehört Wasser?

Engagement Global - 16. Mai 2022 - 17:02
Filmabend mit anschließendem Fachgespräch. Foto: Katrin Springer

Der Film „Trockenland – Wem gehört das Wasser?“ (rbb 2021) zeigt eine direkte Folge des Klimawandels in Brandenburg: Wassermangel. In dem deutschen Bundesland führen Trockenheit und Dürre in Verbindung mit weiteren Faktoren zu Verteilungskonflikten um natürliche Ressourcen, mit denen es umzugehen gilt. „Trockenland“, der anlässlich der Ökofilmtour – einem Festival des Umwelt- und Naturfilms – gezeigt wurde, bereitet die Problematik anschaulich für ein breites Publikum auf.

Engagement Global hatte die Zuschauerinnen und Zuschauer am 23. April 2022 in Wittstock, am 30. April 2022 in Wandlitz und am 7. Mai 2022 in Brandenburg an der Havel zum Filmnachgespräch mit lokalen Fachleuten eingeladen. Gemeinsam wurden Eindrücke aus dem Film geteilt und konkrete regionale Auswirkung besprochen.

Die lokalen Folgen des Klimawandels

In ihren Vorträgen und Diskussionen nach der Filmvorführung stimmten die Expertinnen und Experten überein, dass die Wasser-Lage in Brandenburg – ohnehin schon zweit-trockenstes Bundesland – zunehmend kritischer wird. Die Landschaft sei von Menschen immer mehr entwässert worden und der Bedarf würde weiter steigen. Die Ansiedlung der Tesla Gigafactory habe die Verteilungskonkurrenz verstärkt, wie unter anderem der Wasserverband Strausberg-Erkner betont. Zudem führen die vermehrten Dürrejahre dazu, dass Flüsse und Seen kleiner werden und der Grundwasserspiegel sinkt.

Stafanie Wesch vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung machte in ihrem Vortrag deutlich, wie extrem sich die Klimakrise auf die Menschen in der Sahelzone, eine Übergangszone im Sudan zwischen der Wüste Sahara im Norden und der Trockensavanne im Süden, auswirkt und stufenweise auch die menschliche Sicherheit gefährdet. Anhaltende Trockenzeiten bedeute für Menschen, die in der Land- und Viehwirtschaft tätig sind, existenzielle Not und befördere soziale Unruhen.

Was tun gegen Wasserknappheit?

Auch in Brandenburg müsse Wasser zurückgehalten und gespart werden, betonte Bernd Garysiak von der Unteren Wasserbehörde Brandenburg im Nachgespräch. Andernfalls käme es zu Trinkwasserengpässen. „Ein allgemeiner und gerechter Zugang zu einwandfreiem und bezahlbarem Trinkwasser“ ist dann nicht mehr erreichbar – das Ziel 6 der Agenda 2030 in Brandenburg also verfehlt.

Das Brandenburger Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt- und Klimaschutz hat zusammen mit Wasser-Verbänden ein Landesniedrigwasserkonzept erarbeitet. Als nächstes sollen konkrete Umsetzungspläne entwickelt werden. Diese sind an den Filmabenden von Referierenden wie Teilnehmenden auch kritisch in den Blick genommen worden, nicht zuletzt wegen scheinbar fehlendem Umsetzungswillen.

Engagement vor Ort

Auf einem Markt der Möglichkeiten präsentierten an den drei Veranstaltungsorten auch lokale Initiativen Projekte, die im Kern Ansätze der Landesnachhaltigkeitsstrategie umsetzen. Darunter zum Beispiel Wasserrückhaltsysteme, Waldgartensysteme und Komposttoiletten, die ohne Wasser funktionieren und als Kreislaufwirtschaft feste Bestandteile in Humus für die Landwirtschaft verwandeln.

Es solle zudem, so eine wiederkehrende Forderung während der Podiumsdiskussionen, die Umsetzung der Agenda 2030 an erste Stelle gesetzt, Entscheidungen und Prozesse transparenter gestaltet und Bürgerbeteiligungen gestärkt werden. Auch das brauche es, um mit den lokalen und globalen Folgen des Klimawandels umgehen zu können.

Die Außenstelle Berlin von Engagement Global hat die Thementour im Rahmen des Programms Entwicklungsbezogene Bildung in Deutschland (EBD) durchgeführt. Es war eine Kooperation mit dem Förderverein für Öffentlichkeitsarbeit im Natur- und Umweltschutz e.V. (FÖN), in Zusammenarbeit mit den lokalen Partnern ESTAruppin e.V. am 23. April 2022 in Wittstock, Naturpark Barnim am 30. April 2022 in Wandlitz und der Stadt Brandenburg an der Havel am 7. Mai 2022 im Naturschutzzentrum Krugpark.

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