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Wie eine Frau in Südafrika sich den Geschlechterrollen der Landwirtschaft widersetzt

ONE - 20. Juli 2021 - 16:09

Unsere Gastautorin Megan Gieske ist eine Schriftstellerin und Fotografin, die in Kapstadt, Südafrika lebt.

Eine Autostunde von Johannesburg entfernt, werden der Beton und die Wolkenkratzer der Großstadt von einer bernsteinfarbenen Hügellandschaft abgelöst. Hier liegt Tarlton. In dieser kleinen Provinzstadt hat sich Vutlhari Chauke, die Frau hinter dem landwirtschaftlichen Betrieb VT Harvest, dem Kampf gegen traditionelle Geschlechterrollen und Disempowerment verschrieben – und sie nimmt andere Frauen mit auf ihre Reise.

Entlang einer langen staubigen Straße zeichnen sich zehn Gewächshäuser vor dem Licht der schräg stehenden Nachmittagssonne ab. Frauen beugen sich über Rucola, Minze, Koriander, Petersilie und Beete mit Paprika und Knoblauch. Sie jäten Unkraut, bereiten die kommende Ernte vor und pflanzen neue Setzlinge.
Für Vutlhari bietet die Landwirtschaft Frauen die Möglichkeit, unabhängig zu werden, ihre Familien zu versorgen und einen Beitrag zu ihren Gemeinden zu leisten. Genau das treibt Vutlhari in ihrer Arbeit an.

„Hilfst du einer Frau, hilfst du ihrer Familie“

Vutlharis Motto lautet: „Hilfst du einer Frau, hilfst du ihrer Familie“. Deshalb beschäftigt sie ausschließlich Frauen. Vier Frauen arbeiten regelmäßig für sie; fünf weitere kommen während der Pflanzsaison dazu. „Weil ich eine Frau bin, möchte ich viel mehr Frauen einstellen, weil ich weiß, dass sie von dem wenigen Geld, das sie bekommen, Maismehl, Milch und Schuhe [für ihre Familien] kaufen werden“, sagt Vutlhari. „Das hat einen positiven Einfluss auf Generationen“.
Wenn eine Frau in der Lage ist, sich selbst und ihre Familie zu versorgen, verändert sich alles. Studien zeigen, dass Frauen bis zu 90 Prozent ihres Einkommens in ihre Familien und Gemeinden reinvestieren, Männer dagegen nur 35 Prozent. Mütter sorgen für eine bessere Ernährung und Gesundheitsversorgung und geben mehr Geld für ihre Kinder aus. Dadurch ergeben sich langfristig soziale und wirtschaftliche Vorteile. Laut einer Studie der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, gäbe es weltweit 150 Millionen weniger hungernde Menschen, wenn Frauen denselben Zugang zu landwirtschaftlichen Ressourcen hätten wie Männer.

Vutlhari weiß um diese Auswirkungen der Landwirtschaft auf Frauen und Familien. Davon ist sie inspiriert. Deshalb ist ihr Agrarbetrieb VT Harvest speziell auf die Bedürfnisse von Frauen ausgerichtet. An manchen Tagen bringt Vutlhari sogar ihren zweijährigen Sohn mit zur Arbeit. Vor der Hütte, in dem das Büro untergebracht ist, liegen noch Bälle und Spielzeug von seinem Besuch am Vortag. Manchmal bindet Vutlhari ihren Sohn mit einem Handtuch auf ihren Rücken, während sie die anderen Frauen – ebenfalls Mütter – bei der Arbeit beaufsichtigt. „Die meisten der Frauen sind alleinerziehend. Wenn ich ihnen die Möglichkeit gebe, gut für ihre Kinder zu sorgen, hat das enorme Auswirkungen auf die nächste Generation dieser Familien“, sagt Vutlhari.

Die Landwirtschaft ist noch immer hauptsächlich eine Männerdomäne. Das habe Vutlhari ermutigt, anderen Frauen – vor allem Schwarzen – die Chance zu geben, in diesem Sektor beruflich Fuß zu fassen. Auch wenn 60 bis 80 Prozent der Kleinbauer*innenn in den Ländern südlich der Sahara Frauen sind, machen sie nur 15 bis 20 Prozent der Grundbesitzer*innen aus. Zudem befinden sich 70 Prozent der Agrarflächen in Südafrika laut einer Erhebung aus dem Jahr 2017 im Eigentum der weißen Bevölkerung des Landes, obwohl 90 Prozent der südafrikanischen Bevölkerung People of Color sind. „Wir haben die Chance, die nächste Generation von Landwirtinnen heranzuziehen“, sagt Vutlhari.

Geschlechterrollen in der Landwirtschaft hinterfragen

In den Folientunneln hängen, geschützt vor der heißen südafrikanischen Sonne, Trauben von Tomaten an dicken Pflanzen, die bis zur Decke ranken. In Gummistiefeln und Gartenhandschuhen kämpft Vutlhari gegen typische Geschlechterrollen in der Landwirtschaft, indem sie mit ihren Betrieb generationsübergreifenden Wohlstand schafft – für sich und ihren Sohn, aber auch für die Frauen, die für sie arbeiten. Ihre Botschaft an andere Frauen lautet: „Ihr könnt das auch“.

„Wer als Frau in der Landwirtschaft Fuß fassen möchte, kann das schaffen“, sagt Vutlhari. Sie wuchs als einziges Mädchen von fünf Geschwistern in der ländlich geprägten Provinz Limpopo in Südafrika auf. „Schon als kleines Mädchen wusste ich, dass ich eines Tages Unternehmerin werden wollte“, sagt sie. „Ich hatte große Träume“. Spätestens mit 30 wollte sie selbständig sein. Als ihr 30. Geburtstag näherkam, bereitete sie sich darauf vor, ihren Beruf als Produktentwicklungsmanagerin in einem Unternehmen in Sandton an den Nagel zu hängen. Als sie in verschiedenen Branchen speziell nach Möglichkeiten für Schwarze Frauen suchte, bot sich in erster Linie die Landwirtschaft an.

 

 

„Der erste Betrieb, [den ich besuchte,] wurde von einer Frau geführt“, erzählt Vutlhari. Das habe ihr die Zuversicht gegeben, dass auch sie es schaffen könne, in der Landwirtschaft erfolgreich zu sein. „Wenn diese Frau es geschafft hatte, was sollte mich daran hindern?“, sagt Vutlhari.

Drei Monate lang besichtigte sie jede Woche landwirtschaftliche Betriebe außerhalb von Johannesburg, bis ein Landwirt bereit war, ihr ein Stück Land für ihre ersten fünf Folientunnel zu verpachten. „Solange hat es gedauert“, sagt sie. „Ich musste mich erst beweisen, bevor die Leute mich ernst nahmen“.

Heute, vier Jahre später, beliefert sie Restaurants und große Ketten wie McDonald‘s mit Tomaten – auch dank einem Global Gap Certificate für nachhaltige Landwirtschaft. Außerdem beliefert sie Straßenhändler*innen direkt mit den gewünschten Erzeugnissen. „Wenn ich diesen Menschen die Produkte liefern kann, die sie benötigen, um ihre Familien zu versorgen, ergibt sich eine Art positiver Dominoeffekt“, sagt Vutlhari. „Die indirekten Beschäftigungsmöglichkeiten in der Landwirtschaft sind enorm.“

„Weil es nur wenige Frauen in der Landwirtschaft gibt, sind Unternehmen eher bereit, Betriebe zu unterstützen, die ihre Ressourcen nutzen, um zu einer besseren Gesellschaft beizutragen. So öffnen sie beispielsweise Märkte für dich, die eigentlich bestimmten Kund*innen vorbehalten sind.“

Viele Leute seien überrascht und eher bereit zu helfen, wenn sie im Agrarsektor einer Frau begegnen. Als Frau hebe man sich vom Wettbewerb ab und dadurch entstehe die Chance für andere Frauen, ebenfalls einen Fuß in die Tür zu bekommen.

„Irgendwann erkannte ich, dass es besser ist, einen eigenen Tisch zu decken, anstatt darauf zu warten, an einem fremden Tisch Platz nehmen zu dürfen. Ich bin eine gebildete Schwarze Frau“, sagt Vutlhari, die einen Master of Business Administration absolviert hat. „Das war der Punkt, an dem es für mich begann.“ „Wenn ich meinen eigenen Tisch decke, kann ich selbst entscheiden, wer daran Platz nehmen darf, und in meinem Fall ist das wahrscheinlich eine andere Frau“.

Was würde Vutlhari anderen jungen Frauen und Mädchen raten, die den Sprung in eine “Männerdomäne” wagen wollen?

„Scheut euch nicht davor, klein anzufangen. Auch ich habe klein angefangen. Alles begann mit ein paar Topfpflanzen bei mir zu Hause. Dadurch habe ich erkannt, dass ich einen grünen Daumen habe.“ In ihrer Muttersprache Xitsonga bedeutet Vutlhari „Weisheit“ und genau die gibt sie an Frauen weiter, die ebenfalls in der Landwirtschaft Fuß fassen möchten. „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“, sagt sie. „Klein zu träumen war noch nie meine Stärke. Wer seine Ziele erreichen will, muss groß träumen und klein anfangen – egal, wo man steht.“

 

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Covid-19 bekämpfen – Pharma- Gesundheitssysteme in Afrika stärken

SÜDWIND - 20. Juli 2021 - 14:00

von Irene Knoke

Um der Covid-19-Pandemie global Einhalt zu gebieten, muss die EU auch Afrikas Gesundheitssystem stärken.

Die Corona-Pandemie hat auf erschreckende Weise offengelegt, wie verwundbar die Abhängigkeit von globalen Wertschöpfungsketten im Krisenfall macht. Das galt für Europa zu Beginn der Krise bei medizinischen Produkte wie Masken. Und das gilt im weiteren Verlauf für viele Länder in Afrika vor allem für die Impfstoffe. Während im Frühjahr 2021 die Impfkampagnen in Europa und der westlichen Welt deutlich an Fahrt aufgenommen haben und die Hoffnung auf Normalität zunimmt, ist in Afrika noch immer nur ein verschwindend kleiner Teil der Menschen gegen Covid-19 geimpft. Gegenwärtig, da die Delta-Variante auch nach Afrika schwappt, ist dort gerade mal ein Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft.

Von den 66 Millionen Dosen, die im Rahmen des COVAX-Programms der WHO den afrikanischen Ländern bis Ende Mai zur Verfügung gestellt werden sollten, wurden nur 19 Millionen Dosen Impfstoff geliefert. Inklusive weiterer Spenden oder bilateraler Vereinbarungen wurden bislang insgesamt 49 Mio. Dosen bereitgestellt – für eine Gesamtbevölkerung von rund 1,3 Mrd. Menschen. Und der Wunsch, bei uns die vierte oder fünfte Welle mittels einer dritten Impfung abfedern zu können, bedeutet für Afrika, dass die Verfügbarkeit noch weiter sinkt und selbst das bescheidene Ziel einer Impfquote von 20% bis Jahresende unerreichbar wird. Selbst wenn sich das Impftempo verfünffachen würde, wären bis Jahresende gerade einmal 18% überhaupt nur einmal geimpft.  

COVAX sammelt mehr Geld ein als erwartet

So mag es eine positive Nachricht sein, dass auf einer internationalen Geberkonferenz für die Impfinitiative COVAX mit 1,9 Mrd. Euro mehr Geld eingesammelt werden konnte als erwartet. Mit ständig neu auftretenden Virusvarianten mag das auch der offensichtlich langsam einsetzenden Erkenntnis geschuldet sein, dass die Covid-19-Pandemie global nur bekämpft werden kann, wenn wir sie überall besiegen. Impfnationalismus hilft hier niemandem. Doch wird auch so lediglich etwa 30% der erwachsenen Bevölkerung in armen Ländern mit Impfschutz über die Initiative ausgestattet werden. 

Vor dem Hintergrund der großen Versorgungsengpässe wurde die Forderung nach einem Aussetzen des Patentschutzes auf die ohnehin überwiegend mit öffentlichen Mitteln finanzierten Impfstoffe gegen Covid-19 immer lauter – ein Ruf, dem sich schließlich sogar die USA angeschlossen hatten. „Nicht umsetzbar“, riefen gleich unisono die Pharmakonzerne und auch die Regierungen der Länder, in denen sie beheimatet sind, wie etwa Deutschland. Bis heute ist die EU die größte Blockiererin dieses Ansinnens. Die Argumente sind vielfältig: Die Herstellung sei zu komplex, Anreize für zukünftige Forschung gingen verloren und Renditen für getätigte Forschungs- und Entwicklungsausgaben müssten gesichert werden. 

Technologietransfer und Patentfreigaben – wir brauchen beides 

In einem haben die Kritiker*innen recht: Allein die Patente freizugeben würde nicht genügen. Ein umfassender Technologietransfer, um auch die Produktionskapazitäten vor Ort zu stärken, wäre notwendig. Das könnte der Vorschlag für eine Verzichtserklärung auf die Patente (Waiver), wie er ursprünglich von Indien und Südafrika bei der Welthandelsorganisation eingereicht wurde, nach sich ziehen. So könnte die Produktion von Impfstoffen und Medizinprodukten auf viel mehr Hersteller weltweit schneller, günstiger und bedarfsorientiert ausgebaut werden. 

Eigene Herstellungskapazitäten in Afrika aufzubauen, ist zwingend, will man auf die nächste Pandemie besser vorbereitet sein. Denn Afrika importiert heute 99 % seiner Impfstoffe und 94 % seiner Medikamente. Genau hier setzt auch eine weitere europäische Initiative an: Mit einem Betrag von 1 Mrd. Euro aus dem EU-Haushalt und europäischen Entwicklungsbanken (aufgestockt durch weitere Beiträge der EU-Mitgliedstaaten) will sie im Rahmen von Team Europe die Herstellung von und den Zugang zu Impfstoffen, Medikamenten und Gesundheitstechnologien in Afrika verbessern.

Forschungskapazitäten ausbauen

Ein Teil der Initiative beinhaltet die Entwicklung einer eigenen Pharma-, Biotech- und Medizintechnikindustrie. So soll der Kontinent beim Aufbau seiner eigenen Herstellungs- und Produktionskapazitäten unterstützt werden, um regionale Produktionszentren auf dem gesamten Kontinent zu entwickeln und so die wichtigsten Medizinprodukte selbst herstellen zu können. Erste Projekte und Investitionen in lokale Pharma- und Biotech-Unternehmen wurden bereits in Südafrika, Senegal, Ruanda, Ägypten und Marokko in Angriff genommen. In enger Zusammenarbeit mit der AU und den Afrikanischen Zentren für Krankheitskontrolle und -prävention soll darüber hinaus der Technologietransfer unterstützt werden.

Wenn außerdem die Versprechen für die Entwicklung von technologischen Fähigkeiten, afrikanischen Forschungskapazitäten, Bildung und digitale Lösungen umgesetzt werden, könnte diese Initiative einen wichtigen Beitrag für die Stärkung der Pharma- und Gesundheitssysteme in Afrika leisten. Nicht nachzuvollziehen ist vor diesem Hintergrund, warum sich die EU so sehr gegen die Aussetzung der Patente auf Impfstoffe, Medikamente und medizinische Güter in der aktuellen Pandemiesituation wehrt. Denn diese Verzichtserklärung (Waiver) würde den so dringend benötigten Technologietransfer für den Ausbau von Produktionsstätten in Afrika befördern und könnte Tausende Leben retten. 

 

Titelfoto: © Nahom Tesfaye UNICEF via Flickr

 

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Internationale Asyl- und Migrationspolitik: »Städte spielen noch eine zu geringe Rolle«

SWP - 20. Juli 2021 - 11:27

Sie schreiben in Ihrer Studie, dass in der internationalen Zusammenarbeit im Bereich Flucht und Migration auf Regierungsebene kaum Fortschritte erkennbar seien. Städte würden hingegen zunehmend als Hoffnungsträgerinnen betrachtet. Was machen sie besser?

Nadine Biehler: Aus unserer Sicht spielen Städte noch eine zu geringe Rolle. Dabei sind sie längst aktiv, was sich in Initiativen wie beispielsweise »Solidarity Cities« zeigt. Das sind Städte, die sich bereit erklären, Menschen auf der Flucht aufzunehmen.

Steffen Angenendt: In der internationalen Debatte wird klar, dass Regierungen ihre Städte als Akteure sehen, aber immer etwas zwiespältig. Städte müssen beispielsweise für die Menschen, die zugewandert sind, Integrationsleistung erbringen. Die Regierungen haben also ein Interesse daran, dass die Städte aktiv sind, einerseits. Andererseits wollen sie aber in der Migrations- und Asylpolitik und gerade bei der Frage, wer ins Land kommen darf, keine Kompetenzen und Finanzen an die Städte abgeben – obwohl viele gute Anregungen, wie Migrations- und Asylpolitik besser gestaltet werden kann, von Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern kommen.

Wie sieht eine migrationspolitische Zusammenarbeit zwischen afrikanischen und europäischen Städten aus?

Biehler: In vielen europäischen Ländern geht es darum, wie Städte sich bei der Aufnahme von Flüchtlingen und ihrer Integration engagieren wollen. In afrikanischen Städten geht es eher um die Gestaltung und das Management des Wachstums. Die Geburtenraten sind hoch und der Zuzug in afrikanische Städte ist groß, vor allem durch Migrantinnen und Migranten, aber auch Flüchtlinge. Die Interessen der europäischen und afrikanischen Städte sind daher durchaus unterschiedlich, aber es gibt auch Schnittmengen.

Angenendt: Auf europäischer Seite haben viele Bürgermeisterinnen und Bürgermeister einen Arbeitskräftemangel, etwa im Pflegebereich und in Handwerksbetrieben. Auf afrikanischer Seite können sie vor allem jüngeren Leuten nicht ausreichend Jobs und Perspektiven bieten. Bislang kam es in wenigen konkreten Fällen zu gemeinsamen Projekten. Wir hatten jetzt eine Diskussion zwischen Mailand und Freetown, da ging es auch um Jobs in der Modeindustrie. Aber die Umsetzung ist extrem schwierig. Man braucht Leute in den Verwaltungen, die das können. Man braucht finanzielle Mittel, um sich zu treffen. Städtepartnerschaften können da helfen.

Sind die Städte in einer besseren Position das Ganze zu organisieren als die Regierungen?

Biehler: Nicht immer. Ja, wenn es beispielsweise darum geht, wie man Menschen unterbringen kann. Oder dass Kinder eine Schule besuchen können. Wie man Gesundheitsinformationen in der richtigen Sprache zur Verfügung stellen kann. Da sind Bürgermeisterinnen und Bürgermeister näher dran. Das heißt aber nicht, dass sie auch die personellen Kapazitäten und finanziellen Ressourcen haben, um die Probleme zu bewältigen. Insbesondere in ärmeren Ländern, zum Beispiel auf dem afrikanischen Kontinent.

Wo sehen Sie die größten Hürden, aktuell und zukünftig?

Angenendt: Die größten Hürden sind Kompetenzen. Städte können nur das machen, wozu sie autorisiert sind. Wenn man in einem zentralistischen Staat lebt, in dem die Regierung alle Entscheidungen trifft und keine Macht abgibt, dann haben Bürgermeisterinnen und Bürgermeister ein Problem. Fehlende Dezentralisierung heißt auch: keine eigenen Mittel oder nur wenig zur Verfügung zu haben. Dazu kommt, dass die Verwaltungen oft nicht ausreichend Kapazitäten haben – besonders in schnell wachsenden Städten. Vor allem in Afrika sind das die mittelgroßen Städte; sie werden in den nächsten Jahren großen Bevölkerungszuwachs erleben und brauchen Unterstützung.

Wie müsste die Unterstützung aussehen?

Angenendt: Es wäre gut, von deutscher Seite bereits bestehende Netzwerke zwischen Städten zu fördern und stärken, die sich mit solchen Fragen beschäftigen. Das ist aber nur ein erster Schritt, denn Ideen müssen auch praktisch umgesetzt werden. Es geht immer um dieselben großen Themen: Wie kann man gemeinsam Arbeitsmigration steuern, etwa über Ausbildungspartnerschaften? Das andere große Thema ist die Aufnahme und der Schutz von Flüchtlingen.

Auf europäischer Seite besteht Interesse an Fachkräften. Aber braucht die afrikanische Seite sie nicht selbst?

Biehler: Deswegen ist es so wichtig, nicht einseitig von europäischer Seite Fachkräfte anzuwerben, sondern tatsächlich für Partnerschaften zu sorgen, die sicherstellen, dass genug Leute ausgebildet werden – am besten parallel auch für den afrikanischen Bedarf. Sonst ist es für diese Staaten und ihre Bildungssysteme ein enormer Verlust.

Angenendt: Ideal wäre, in einem doppelten Programm auszubilden. Einmal für den einheimischen Markt in den Partnerländern und gleichzeitig spezifisch für den europäischen Markt. Das eine könnte man mit dem anderen finanziell verbinden. Der Pflegenotstand bei uns ist keine Erfindung, der ist real. Aber ebenso in den Partnerländern. In jedem Fall müssen wir wegkommen vom simplen Anwerben. Es ist unglaublich, wie viele Institutionen und Betriebe aus Europa in den Entwicklungsländern unterwegs sind, um dort Leute anzuwerben. Das ist ein richtiges Business. Und die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister bekommen das unmittelbar zu spüren, wenn sie den Bedarf in ihren kommunalen Kliniken nicht mehr decken können. Der Handlungsdruck steigt. Deshalb ist es wichtig, Städte zum Handeln zu befähigen.

Und dafür müssten Regierungen mehr Kompetenzen übertragen und die EU jene Netzwerke finanziell unterstützen?

Angenendt: Nicht nur die Netzwerke unterstützen, sondern auch die Vorschläge umsetzen, die aus den Diskussionen entstehen. Es nützt ja nichts, gute Ideen zu haben, wenn dann kein Geld da ist, um sie zu realisieren. Dafür braucht die Entwicklungszusammenarbeit eine ausreichende, mehrjährige und flexible Finanzierung.

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20. Juli 2021

ONE - 20. Juli 2021 - 11:00

1. Corona: Lage in Afrika weiterhin bedrohlich 

Pamela Dörhöfer berichtet in der Frankfurter Rundschau über die immer weiter ansteigenden Corona-Infektionen in Afrika. Die Zahl der Corona-Toten sei dort laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) innerhalb einer Woche um mehr als 40 Prozent von 4.384 auf 6.273 pro Woche (Stand 11. Juli) gestiegen. Immer mehr Menschen kämen zudem wegen schwerer Covid-Verläufe ins Krankenhaus. In einigen Ländern werden Sauerstoff und Intensivbetten knapp. Von der dritten Welle besonders stark betroffen seien Namibia, Südafrika, Tunesien, Uganda und Sambia. Als Gründe für diese dramatische Entwicklung führt die WHO ineffektive Maßnahmen sowie eine allgemeine „Müdigkeit“ in der Bevölkerung an, sich an Schutzmaßnahmen zu halten. Ein weiterer Grund für den starken Anstieg der Infektionen sei die wachsende Verbreitung von Virusvarianten, insbesondere der Delta-Variante. In Afrika seien noch immer weniger als zwei Prozent der Bevölkerung gegen Corona geimpft. Sowohl das Redaktionsnetzwerk Deutschland als auch Zeit Online berichten über die Lieferung einer halben Million Impfstoffdosen des US-Pharmakonzerns Johnson & Johnson nach Äthiopien. Insgesamt solle das Land innerhalb der nächsten zwei Wochen 1,2 Millionen Dosen von den USA erhalten.

 

2. Äthiopien: Umstrittener Nil-Staudamm aufgestaut

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die Welt, Deutschlandfunk und die Tageszeitung (Taz) berichten darüber, dass die zweite Auffüllstufe des neu errichteten Staudamms in Äthiopien erreicht wurde. Die nächste Etappe sei der Beginn der Stromerzeugung im Wasserkraftwerk. Die 1,8 Kilometer lange und 145 Meter hohe Grand-Ethiopian-Renaissance-Talsperre (GERD) soll mit 5000 Megawatt Jahresleistung eines der größten Wasserkraftwerke Afrikas werden und sei derzeit das wichtigste Infrastrukturprojekt Äthiopiens. Äthiopien habe eine rund 650 Kilometer lange Stromnetzleitung fertiggestellt, um den erzeugten Strom zu transportieren. Das Land plane, während der Regenzeit bis zu 18,4 Milliarden Kubikmeter Wasser zu speichern. Mit den Nil-Anrainerstaaten Ägypten und Sudan gebe es seit Jahren Streit um das Projekt. Sie fürchten um ihre eigene Wasserversorgung. Auf ein Abkommen, wie der Staudamm betrieben werden soll, haben sich die drei Länder bisher nicht einigen können.

 

3. Weltbank wirbt für “Global Skill”-Partnerschaften

Frank Specht thematisiert im Handelsblatt eine aktuelle neue Studie der Weltbank und des Center for Global Development (CGD) zum Fachkräfte-Pakt namens “Global-Skill”-Abkommen. Reiche Länder investieren dabei in die Ausbildung junger Fachkräfte in Schwellen- und Entwicklungsländern. Diese können wiederum dazu beitragen, um dem Fachkräftemangel zum Beispiel in Deutschland entgegenzuwirken – eine “Win-win-Situation”. In ihrer Studie sei unter anderem eine Partnerschaft zwischen Deutschland und Nigeria im Bausektor durchgespielt worden. Weitere Länder, die für eine Kooperation infrage kommen, seien Jordanien, Indonesien, Indien, Vietnam, Mexiko und Kolumbien. “Global Skill”-Partnerschaften können einen Ausweg aus der rückläufigen Nettozuwanderung der EU-Staaten darstellen. Zudem werde durch sie in den Aufbau eines globalen Talentpools investiert. Allerdings gebe es auch Bedenken: Kosten, Risiko und Zeit des Ansatzes können auf Arbeitgeber*innen entmutigend wirken. Außerdem sei die Zuständigkeit für Entwicklungspartnerschaften oft zwischen verschiedenen Ministerien verteilt. Verhandlungen gestalten sich oft schwierig und langwierig.  Zudem müsse verhindert werden, dass die Abwanderung die Fachkräftebasis im eigenen Land abbaue.

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For the redistribution of water, framing matters!

EADI Debating Development Research - 20. Juli 2021 - 9:52
By Lize Swartz | EADI/ISS Blog Series In the face of increasing pressure on global water availability, a degree of inventiveness in finding just and sustainable ways to ensure access to water is required. The redistribution of water is one possible way in which this could be done. But ongoing research on elite responses to a …
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Dein Studiengang mit Bezug zur Einen-Welt – Jetzt bewerben!

EINEWELTblabla - 20. Juli 2021 - 9:51

Du hast deinen Schulabschluss hinter dich gebracht oder bist schon mit dem Bachelor fertig? Herzlichen Glückwunsch! Du bist an globalen Themen interessierst und willst die Welt besser verstehen, vielleicht sogar einmal im internationalen Kontext arbeiten? Ich stelle dir heute vier besondere Studiengänge vor, die dich diesem Ziel näherbringen!

Geographische Entwicklungsforschung Afrikas (B.A.): Universität Bayreuth

Geographische Entwicklungsforschung Afrikas oder kurz GEFA gibt es schon seit 20 Jahren und bietet dir eine kritische und interdisziplinäre Perspektive auf Globalisierungs- und Entwicklungsprozesse. Kleiner Spoiler: In deiner Zeit in Bayreuth (und hoffentlich auch danach) wirst du die Welt und deine Rolle darin reflektieren und kritisch hinterfragen.

Während deines Studiums werden Kurse der allgemeinen Geographie mit Kursen zu Afrika spezifischen Themen und Übungen zur Projektpraxis verbunden. Außerdem kannst du einen der vielfältigen Schwerpunkte wählen und dadurch einen individuellen Fokus setzten. Durch kleinere Forschungen, Berufspraktika und Exkursionen wird das theoretische Wissen durch praktische Erfahrungen ergänzt. Ein besonderes Highlight ist die 2-wöchige Geländeübung in Afrika!

GEFA zeichnet sich außerdem durch kleine Gruppen und eine familiäre Atmosphäre, aber auch durch den Afrikaschwerpunkt der Uni aus. Die Uni Bayreuth gehört immerhin weltweit zu den bekanntesten Universitäten für Afrikastudien! Wer einen internationalen Campus in Kleinstadt- Atmosphäre sucht ist hier also genau richtig!

Und was macht man damit?

Viele Absolventinnen und Absolventen des Studiengangs arbeiten in der Entwicklungsplanung, der Forschung und der internationalen Entwicklungszusammenarbeit. Mehr zu den vielfältigen Perspektiven findest du aber auf der Website des Studiengangs.

Bewerben kannst du dich noch bis zum 31. Juli!

Social work: transnational (B.A.):  Frankfurt University of Applied Science

Falls du dich lieber auf soziale Arbeit im internationalen Kontext konzentrieren möchtest, bist du hier genau richtig!

In diesem Bachelor lernst du europäische und globale Probleme zu verstehen und zu analysieren und beschäftigst dich mit Themen wie Flucht & Migration, Armut & sozialer Ungleichheit und Menschenrechten & Globalem Lernen. Doch nicht nur theoretisches Wissen, auch deine Softskills und interkulturellen Kompetenzen werden ausgebaut. Während der acht Semester verbringst du ein Semester im europäischen Ausland. Außerdem wird eines deiner zwei integrierten Praktika ebenfalls im Ausland stattfinden. An Praxisbezug und Auslandserfahrung sollte es in deiner Studienzeit also nicht mangeln!

Du wirst durch den transnationalen Schwerpunkt auf vielfältige Arbeitsbereiche vorbereitet. Später kannst du in internationalen Organisationen und Projekten, Hilfsorganisationen, oder in anderen Kontexten mit Bezug zu Interkulturalität, Migration, Inklusion oder Nachhaltiger Entwicklung arbeiten.

Gute Englischkenntnisse werden vorausgesetzt. Für eine Bewerbung zum Wintersemester ist es leider schon zu spät. Dafür kann man den Bachelor auch im Sommersemester starten!

Mit der Bewerbung hast du hierfür noch bis zum 15. Januar Zeit! Hier kannst du dich weiter informieren.

Human Rights Studies in Politics, Law and Society (M.A.): Hochschule Fulda 

Du hast einen Bachelorabschluss in Sozialwissenschaften, Politikwissenschaften, Rechtswissenschaften, Kommunikationswissenschaften, Philosophie oder ähnlichem und hast Interesse an einem interdisziplinären Studiengang mit Fokus auf regionale und globale Menschenrechtsentwicklung? Dann solltest du dir den Master in Fulda nicht entgehen lassen!

Lisa, eine Studentin des Programms, erzählt: „Mein Master betrachtet menschenrechtliche Themen aus verschiedenen Sichtweisen. Dabei lernen wir nicht nur das juristische Arbeiten, sondern diskutieren auch auf einer politischen und gesellschaftskritischen Ebene. Besonders spannend finde ich das internationale Umfeld. Es ist bereichernd mit Dozierenden und Studenten mit unterschiedlichsten Nationalitäten zusammenzuarbeiten. “ (Lisa Strube, Human Rights Studies, zweites Semester)

Arbeiten kannst du später in Think Tanks, nationalen und internationalen Organisationen, politischen Stiftungen, in den Medien und vielem mehr. Ein Blick auf die Website der Hochschule lohnt sich!

Bewerben kannst du dich noch bis zum 30. September!

Global Political Economy and Development (M.A.): Universität Kassel 

Zu guter Letzt stelle ich dir einen besonders forschungsorientierten, interdisziplinären Master in Kassel vor.

In diesem Master werden jährlich nur 25 Studierende aufgenommen. Das Curriculum in Kassel ist für einen kritischen und postkolonialen Blick auf Politische Ökonomie, Globale Beziehungen und Entwicklungskooperationen bekannt. Hier hast du die Möglichkeit zu lernen, wie politische und ökonomische Dynamiken interpretiert und verstanden werden können.

Dein Studienalltag wird nicht nur durch kritische Fragestellungen, sondern auch durch den internationalen Schwerpunkt des Masters bereichert. 75% der Studierenden kommen aus unterschiedlichen globalen Kontexten! Außerdem werden verschiedene Kurse von Lehrkräften der Partneruniversitäten angeboten. Dazu gehören unter anderem Universitäten in Brasilien, Ghana, Indien und Südafrika.

In den Master ist außerdem ein acht-wöchiges Praktikum integriert, in dem du dein persönliches Forschungsinteresse vertiefen kannst.

Schnell noch bewerben: Am 31. Juli ist Bewerbungsschluss! Hier gibt es noch weitere Informationen.

Und, war etwas für dich dabei? Kennst du noch andere interessante Studiengänge? Ich drücke die Daumen!

-Jules-

Das Beitragsbild stammt von Green Chamäleon auf Unsplash.com

Der Beitrag Dein Studiengang mit Bezug zur Einen-Welt – Jetzt bewerben! erschien zuerst auf EineWeltBlaBla.

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Buchbesprechung: "Schäfer, Armin, und Michael Zürn (2021): Die demokratische Regression. Die politischen Ursachen des autoritären Populismus"

DIE - 20. Juli 2021 - 8:58

Die Buchbesprechung rezensiert das Buch "Die demokratische Regression", in dem Armin Schäfer und Michael Zürn eine politische Erkärung für das Erstarken autoritär-populistischer Parteien und Politiker*innen entwickeln, die auf Defizite in der Funktionsweise der bestehenden Demokratien verweist.

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VENRO-Standpunkt zur Finanzierung nachhaltiger Entwicklung in Zeiten von Covid-19

#2030Agenda.de - 20. Juli 2021 - 0:48

Die sozialen und ökonomischen Folgen der Corona-Krise beeinträchtigen die Rechte und die Lebensperspektiven von Millionen Menschen weltweit. Die Vereinten Nationen schätzen, dass die Länder im globalen Süden 2,5 Billionen US-Dollar zusätzlich an externer Unterstützung benötigen, um die gravierenden Folgen der Corona-Krise zu bewältigen und die Ziele der Agenda 2030 zu erreichen.

Kurzfristig müssen die finanziellen Bedarfe vor allem der einkommensschwächsten Länder zur Überwindung der aktuellen Krise gesichert werden. Langfristig muss die Finanzierung nachhaltiger Entwicklung insgesamt gerechter und krisenfester gestaltet werden, um den schon vor der Pandemie stetig gewachsenen Ungleichheiten innerhalb und zwischen Ländern entgegenzuwirken.

Im VENRO-Standpunkt formulieren wir Empfehlungen an die Bundesregierung, wie sie in Zeiten von COVID-19 die Finanzierung nachhaltiger Entwicklung sichern kann.

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Welthungerhilfe zum UN-Gipfel zu Ernährungssystemen in Rom 26.-28.07.21

SID Blog - 19. Juli 2021 - 23:19

19.07.2021 | Policy Brief

Gutes Essen ist ein Menschenrecht:
Welthungerhilfe fordert vor UN Welternährungsgipfel in Rom eine Reform der Ernährungssysteme von Grund auf

Weltweit werden mehr Lebensmittel produziert als je zuvor. Trotzdem ist die Zahl der Menschen, die Hunger leiden, zuletzt dramatisch gestiegen – auf bis zu 811 Millionen Menschen im Jahr 2020. Das globale Ernährungssystem leistet zu wenig zur Überwindung des Hungers, es verhindert nicht, dass Menschen fehl- oder überernährt sind und es gefährdet unsere Lebensgrundlagen.

Der UN-Gipfel zu Ernährungssystemen (UN Food Systems Summit) im September muss eine Transformation einleiten, die es zukünftig auch zehn Milliarden Menschen ermöglicht, sich gesund zu ernähren, ohne die Natur und das Klima zu zerstören. Auf dem vorbereitenden UN-Gipfel, der vom 26. bis 28. Juli in Rom stattfindet, müssen die Weichen dafür gestellt werden. Nur wenn Lebensmittel vom Acker bis zum Teller gerecht und nachhaltig produziert werden, kann Hungerbekämpfung erfolgreich sein.

Was die Bundesregierung auf dem Gipfel tun muss, lesen Sie in unserem aktuellen Policy Brief.

Weitere Informationen zum Thema Ernährungssysteme finden Sie auf unserer Webseite und in diesem Fact Sheet.

Lisa Maria Klaus, Referentin für Landwirtschafts- und Ernährungspolitik, nimmt als Mitglied der deutschen Delegation am vorbereitenden UN-Gipfel zu Ernährungssystemen teil und steht als Gesprächspartnerin zur Verfügung.

 

Die Welthungerhilfe ist eine der größten privaten Hilfsorganisationen in Deutschland; politisch und konfessionell unabhängig. Sie kämpft für „Zero Hunger bis 2030“. Seit ihrer Gründung wurden mehr als 10.369 Auslandsprojekte in 70 Ländern mit 4,2 Milliarden Euro gefördert. Die Welthungerhilfe arbeitet nach dem Grundprinzip der Hilfe zur Selbsthilfe: von der schnellen Katastrophenhilfe über den Wiederaufbau bis zu langfristigen Projekten der Entwicklungszusammenarbeit mit nationalen und internationalen Partnerorganisationen.





„Leben unter Wasser“ in St. Peter-Ording

Engagement Global Presse - 19. Juli 2021 - 14:07
Beim Sommerfest in St. Peter-Ording werden die 17 Ziele eine Rolle spielen, vor allem Ziel 14 „Leben unter Wasser". Foto: Janine Schmitz

In den Sommermonaten erfreuen sich besonders viele Menschen an Strand, Meer und Tieren am und unter Wasser. Das feiert der Westküstenpark Sankt Peter-Ording mit einem Sommerfest am Sonntag, 25. Juli 2021 und einem Entdeckertag am Sonntag, 8. August 2021. Als Kooperationspartnerin ist Engagement Global mit Stationen auf beiden Veranstaltungen vertreten. In den Mittelpunkt stellt die Außenstelle Hamburg passend zur Umgebung des Westküstenparks das 14. der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDG): „Leben unter Wasser“.

Ziel 14 „Leben unter Wasser“ fokussiert den Schutz der Meere und derer, die in und von ihnen leben. Das Ziel der Vereinten Nationen ist die Bewahrung sowie die nachhaltige Entwicklung und Nutzung der Ozeane, Meere und Meeresressourcen. Engagement Global informiert unter anderem über Themen wie wachsende Abfallmengen in den Ozeanen, Auswirkungen des Klimawandels auf die Meere sowie Überfischung und das daraus resultierende Artensterben.

Auf dem Sommerfest unterstützt die Außenstelle Hamburg daher das Programm mit einer Angelstation sowie einem Glücksrad und beteiligt sich auch an der großen Parkrallye. Besucherinnen und Besuchern wird so die Möglichkeit geboten, spielerisch mehr über Maßnahmen zur Erreichung des 14. Ziels zu erfahren. Zum Beispiel darüber, wie Lebensraum geschützt werden kann – etwa der von Robben, wie denen, die in der Robbenstation des Westküstenparks besucht werden können.

Auch auf dem Entdeckertag des Westküstenparks, an dem die Tiere des Tierparks noch mehr im Zentrum stehen, wird Engagement Global mit ihren Stationen zu finden sein. „Neben vielen Informationen rund um das Thema Meeresschutz wollen wir aufzeigen, dass Verbesserungen gelingen können und der Beitrag jeder Einzelnen und jedes Einzelnen zählt,“ so Christian Braun aus der Außenstelle Hamburg.

An einem Stand können sich die Besucherinnen und Besucher an beiden Tagen über die Angebote und Programme von Engagement Global informieren und beraten lassen.

Termine der Veranstaltungen

Sonntag, 25. Juli 2021, 11 bis 17 Uhr: Sommerfest im Westküstenpark, Sankt Peter-Ording

Sonntag, 8. August 2021, 11 bis 17 Uhr: Entdeckertag im Westküstenpark, Sankt Peter-Ording

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19. Juli 2021

ONE - 19. Juli 2021 - 12:05

1. Der Kampf gegen vermeidbare Krankheiten in Zeiten von Corona

In einem Gastbeitrag in der Frankfurter Allgemeine Zeitung thematisieren UNAIDS-Chefin Winnie Byanyima und der Virologe Hendrik Streeck die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Bekämpfung von HIV/Aids. Bisher habe das HI-Virus ca. 36 Millionen Menschen das Leben gekostet. Trotz guter Erforschung des Virus gestalte sich die Suche nach einem Impfstoff noch immer schwierig. Im Jahr 2020 haben 37,7 Millionen Menschen mit HIV leben müssen. 10,2 Millionen von ihnen haben keine lebensrettende Behandlung bekommen. Die Corona-Pandemie habe sich negativ auf die HIV-Pandemie ausgewirkt, gleichzeitig aber auch gezeigt, was mit politischem Willen im Kampf gegen HIV möglich ist. Die HIV-Forschung müsse durch Investitionen in den Bereichen Behandlung, Prävention, Pflege und vor allem Impfstoffe als globale öffentliche Güter beschleunigt werden, fordern die beiden Autor*innen. Kaja Klapsa berichtet in der Welt über die Auswirkungen der Pandemie auf weltweite Impfkampagnen. Im vergangenen Jahr haben 23 Millionen Kinder weltweit routinemäßige Impfungen verpasst. Durch den Wegfall des Impfschutzes für vermeidbare Krankheiten wie Keuchhusten, Masern oder Tetanus drohe ein Anstieg der Infektionszahlen und damit auch der Todesfälle. Die Entwicklungsorganisation ONE plädiert angesichts der Zahlen für eine „grundlegende Reform“ der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Diese benötige mehr finanzielle Mittel und “Handlungsspielraum”, damit sie ihrem Auftrag gerecht werde, so Karoline Lerche, Interims-Direktorin von ONE Deutschland. Teil der Reformen müsse eine Erhöhung der Pflichtbeiträge der WHO-Mitgliedsstaaten sein, die seit 1990 nicht verändert wurden.

 

2. Südafrika: Unruhen am Mandela-Gedenktag

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung, Stern.de, die Neue Zürcher Zeitung und rtl.de thematisieren den gestrigen Mandela-Gedächtnis-Tag, der in Südafrika von Gewalt überschattet wurde. Der Tag erinnere an den Geburtstag Nelson Mandelas, dem ersten schwarzen Präsidenten der Kap-Republik, sowie an sein Versöhnungswerk nach Abschaffung der rassistischen Apartheid in Südafrika. Dieses Jahr sei das Motto des Gedenktages ”Gesetz, Rechtsstaatlichkeit und Essen für alle”. Er solle zudem an die Verabschiedung der Landesverfassung vor 25 Jahren erinnern, die als eine der fortschrittlichsten der Welt gelte. Trotzdem herrschen in dem Land noch immer eine extreme Ungleichheit und weit verbreitete Armut. Dies sei wie “eine tickende Zeitbombe”, so Sello Hatang von der Mandela-Stiftung. Diejenigen, die die Werte Mandelas missachten und mit Füßen treten, müssen zur Verantwortung gezogen werden. Nach einer Woche der Gewalt mit mehr als 200 Toten in Teilen Südafrikas habe sich die Sicherheitslage nach der Mobilisierung von 25.000 Soldaten stabilisiert. Zahlreiche Freiwillige haben in den betroffenen Provinzen mit Aufräumarbeiten begonnen.

 

3. Mali: Guterres fordert mehr Truppen für UN-Mission

Die Süddeutsche Zeitung, Zeit Online und der Deutschlandfunk berichten über einen internen Brief des UN-Generalsekretärs António Guterres an den UN-Sicherheitsrat. Nach einem Anschlag mit zwölf verletzten Bundeswehrsoldat*innen in Mali wolle er die Minusma-Mission in dem westafrikanischen Land ausweiten und bitte um eine deutliche Aufstockung der Truppen. Konkret fordere er weitere 2069 Uniformierte – darunter 1730 Militärkräfte und mehr als 300 Angehörige von Polizeieinheiten. Laut Guterres werden die Herausforderungen vor Ort immer komplexer und die terroristische Bedrohung nehme zu. Lücken gebe es vor allem bei der Unterstützung aus der Luft und im medizinischen Bereich. Ein Selbstmordattentäter, vermutlich ein Anhänger der islamistischen Terrorgruppe JNIM, hatte vor gut drei Wochen nordöstlich der Stadt Gao eine Patrouille mit einer Autobombe angegriffen.

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BICC: New publication | Starting up and starting over: Refugee entrepreneurs in East Africa

Bonn - 19. Juli 2021 - 10:00
Entrepreneurship can be an important avenue for refugees to support themselves financially, and it can also boost their social and economic inclusion. A new policy brief, based on studies conducted by the EU Horizon 2020 research project TRAFIG in two refugee-hosting countries in Africa, Ethiopia and Tanzania, highlights the critical role that networks play in […]
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Vytal – Das App-basierte Mehrwegsystem für Take-away-Essen

reset - 19. Juli 2021 - 6:39
Take-away-Essen ist ziemlich angesagt - ein Trend, der noch von der Pandemie verstärkt wurde. Doch die Einwegverpackungen, in denen das Essen geliefert wird, belasten Umwelt- und Klima enorm. Das Poolingsystem von Vytal ist eine echte Alternative.
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Canal Istanbul: Turkey’s Controversial Megaproject

SWP - 19. Juli 2021 - 2:00

On June 26, the Turkish government began constructing the first bridge over Canal Istanbul, the huge waterway project designed to run parallel to the Bosporus Strait. Ankara has presented the megaproject as a strategic move that will turn Turkey into a logistics base and grant it geo-political leverage over both regional and international trade and transportation routes. However, Turkey’s political opposition considers Canal Istanbul to be a rent-seeking project designed to attract international – prob­ably Chinese and Arab – investment in the hope of reviving Turkey’s deteriorating economy. The Canal may also affect the Montreux Convention, the decades old treaty that governs the Turkish Straits. Given the rivalry between the US and Russia, ques­tions around the Montreux Convention will add another point of contention, increase tensions and may also present serious consequences for Turkey.

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Dramatische Entwicklung der Corona-Todeszahlen in Afrika

SID Blog - 18. Juli 2021 - 2:53
Minister Müller: „Dramatische Entwicklung der Corona-Todeszahlen in Afrika muss uns aufrütteln"

 

Berlin – In Afrika sind die Todesfälle wegen einer COVID-19-Erkrankung innerhalb einer Woche um 43 Prozent gestiegen. Dazu Bundesentwicklungsminister Gerd Müller:

 

„Die Entwicklung der Corona-Todeszahlen in Afrika ist dramatisch und muss uns aufrütteln. Viele Krankenhäuser sind an ihrer Belastungsgrenze. Das alles zeigt: Die Pandemie ist grausam, und sie ist erst dann vorbei, wenn sie weltweit beendet ist. Deutschland leistet dafür seit Beginn der Krise einen wichtigen Beitrag. Wir beteiligen uns an der medizinischen Reaktion der Weltgemeinschaft auf COVID-19 durch das Programm ACT-A mit 2,2 Milliarden Euro. Damit finanzieren wir Diagnostik, Forschung an Virus-Varianten oder auch Schutzkleidung für medizinisches Personal. Das Impfprogramm COVAX ist Teil dieser Initiative. Dadurch werden bis Anfang 2022 rund 30 Prozent der Bevölkerung in Entwicklungsländern eine Impfung erhalten. Außerdem beteiligt sich Deutschland am Aufbau einer Impfstoff-Produktion in Entwicklungsländern. Wir werden dafür 50 Millionen Euro für die Zusammenarbeit mit Südafrika und 20 Millionen Euro für die Zusammenarbeit mit Senegal bereitstellen.

 

Das alles reicht aber nicht, wir müssen noch viel mehr tun. Das Programm ACT-A ist immer noch unterfinanziert, die Lücke beträgt mindestens 16 Milliarden US-Dollar. Es fehlt an Tests, Schutzkleidung und an medizinischem Sauerstoff. Wenn wichtige Geberländer nicht endlich ebenfalls ihren Beitrag leisten, wird die Dramatik in Afrika und anderen Region weiter zunehmen."

 

Neben der medizinischen Antwort durch ACT-A leistet das Bundesentwicklungsministerium seit dem Start der Corona-Pandemie wichtige Beiträge zur Bewältigung der wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Krise. Durch das Corona-Sofortprogramm des BMZ werden die Entwicklungsländer mit insgesamt 4,7 Milliarden Euro unterstützt.

 

Hier ausgewählte Beispiele der deutschen Entwicklungszusammenarbeit:

 

  • 1 Million Menschen in 11 Ländern erhalten Hilfe zur Ernährungssicherung und verbesserten Zugang zu Wasser und Sanitärversorgung, gemeinsam mit der Welthungerhilfe

 

  • Fast 3 Millionen Menschen im Bürgerkriegsland Jemen erhalten Unterstützung in Form von Schulmahlzeiten, Beschäftigungsförderung und berufsbildende Trainings, zusammen mit dem Welternährungsprogramm

 

  • In Libanon und Jordanien wird für 51.000 Flüchtlingskinder im Kontext der Syrienkrise trotz Schulschließungen die Grundschulbildung aufrechterhalten, gemeinsam mit UNRWA

 

  • Mehr als 2.700 Unternehmen in Afrika mit rund 120.000 Mitarbeitern werden beim Job-Erhalt in der Corona-Krise unterstützt, v.a. kleine und mittlere Unternehmen in Marokko, Tunesien, Ghana, Senegal, Äthiopien und Elfenbeinküste, u.a. wird die Umstellung der Produktion auf Masken, Desinfektionsmittel und andere Schutzartikel für die Pandemie-Bekämpfung gefördert

 

  • In Indien erhalten Millionen von Menschen, die in der Krisen ihren Job verloren haben, Nahrungsmittel und finanzielle Hilfen, v.a. die stark betroffenen

Wanderarbeiter; dies geschieht durch die Unterstützung des nationalen Programms „Soziale Sicherung" mit einem zinsverbilligten Kredit

 

  • Unterstützung überlasteter nationaler Gesundheitssysteme durch die Kooperation mit Unternehmen: Zum Beispiel haben wir in Brasilien zusammen mit Mercedes-Benz do Brasil mobile Gesundheitsstationen eingerichtet, die an verschiedenen Orten des Landes unentgeltlich fast eine Viertelmillion Menschen behandeln sollen

 



CO₂-Grenzausgleich sollte in die Klimafinanzierung fließen

DIE - 17. Juli 2021 - 9:41

Am 14. Juli 2021 hat die Europäische Kommission ihr Fit-for-55-Paket vorgestellt. Dazu gehört der Vorschlag für einen CO2-Grenzausgleichs­mechanismus, der Importe in die Europäische Union mit einer Abgabe belastet, die ihrem CO2-Gehalt entspricht.
Kommissionspräsidentin von der Leyen hatte dieses Instrument vor zwei Jahren als Teil des "Green Deal" angekündigt, um in der EU anspruchsvollere klimapolitische Ziele verfolgen zu können, ohne dass energieintensive Sektoren ihre CO2-Emissionen ins Ausland verlagern ("Carbon Leakage"). Die Gesetzesvorlage muss nun im Detail durch die EU-Mitgliedsstaaten und das Europäische Parlament ausbuchstabiert werden. Dabei sollte der Fokus neben der klimapolitischen Effektivität auch auf den außenpolitischen Wirkungen liegen. Denn internationale Kooperation ist der Schlüssel zum Erfolg eines CO2-Grenzausgleichsmechanismus und muss daher eine zentrale Rolle für die Entscheidungen der europäischen Gesetzgeber spielen.

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The EU’s Carbon Border Adjustment – proceed with caution

DIE - 17. Juli 2021 - 9:39

The European Commission presented its “Fit-for-55” proposal which includes a Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM). The CBAM would impose a levy on imports into the EU based on their CO2 content from 2023. As part of the European Green Deal, Commission President von der Leyen had announced this instrument two years ago in order to be able to implement more ambitious climate policy targets without energy-intensive sectors shifting their emissions abroad (carbon leakage). Following the Commission’s proposal, the CBAM must now be spelled out in detail by the EU member states and the European Parliament. Going forward, it is key to ensure that the CBAM is effective in fighting climate change, that it is WTO compatible and, above all, that it has as few ramifications as possible for foreign policy and for developing countries in particular.

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Wer ist dein*e Lieblingsaktivist*in?

ONE - 16. Juli 2021 - 18:51

Aktivismus ist das Herzstück der Arbeit von ONE. Wir arbeiten jeden Tag mit unseren ONE-Aktivist*innen zusammen, um die Welt zum Besseren zu verändern. In unserer Arbeit lassen wir uns aber gern inspirieren von großen Aktivist*innen aus der ganzen Welt.

Dazu wollen wir von dir hören, wer für dich aktuell der * die inspierenste Aktivist*in ist.

Bevor du deine Stimme abgibst, kannst du hier noch mehr über alle erfahren:

Malala Yousafzai – pakistanische Aktivistin und Friedensnobelpreisträgerin, die sich für die Bildung von jungen Frauen und Mädchen einsetzt

Malala Yousafzai wurde am 12. Juli 1997 in Mingora, Pakistan, geboren. Malalas Vater, ein Lehrer, der eine Mädchenschule leitete, war sehr daran interessiert, seiner Tochter alle möglichen Chancen zu geben. So besuchte sie die Schule, bis die Taliban die Kontrolle über ihre Stadt übernahmen und Mädchen den Schulbesuch untersagten.

Malala beschloss, sich öffentlich gegen dieses Verbot auszusprechen und das machte sie zur Zielscheibe der Taliban. Im Oktober 2012 überlebte sie im Alter von 15 Jahren ein Attentat. Auf dem Heimweg von der Schule wurde ihr in die linke Seite ihres Kopfes geschossen.

Nach monatelangen Behandlungen und Krankenhausaufenthalten in Großbritannien, wo sie behandelt wurde, gründete Malala den Malala Fund. Die Wohltätigkeitsorganisation hat es sich zur Aufgabe gemacht, jedem Mädchen die Möglichkeit zu geben, eine selbstbestimmte Zukunft zu erreichen. 2014 erhielten Malala und Kailash Satyarthi gemeinsam den Friedensnobelpreis für ihren Einsatz für die Rechte von Kindern.

Nelson Mandela – südafrikanischer Anti-Apartheid-Revolutionär, politischer Aktivist, Präsident und Philanthrop

Nelson Rolihlahla Mandela wurde am 18. Juli 1918 in Mvezo, Südafrika, geboren. Während seines Lebens und seiner Gefangenschaft wurde Mandela zu einem Symbol des Widerstands und der Anti-Apartheid-Bewegung in Südafrika. Später im Leben, am 10. Mai 1994, wurde Mandela als erster Schwarzer Präsident des Landes vereidigt. Während seiner Präsidentschaft setzte sich Mandela für die Versöhnung des Landes und den Schutz der südafrikanischen Wirtschaft ein. Gleichzeitig schrieb er eine neue Verfassung, die eine starke Zentralregierung auf der Grundlage eines Mehrheitsprinzips etablierte und sowohl die Rechte von Minderheiten als auch die Meinungsfreiheit garantierte.

Nachdem er sich 1999 aus dem politischen Leben zurückgezogen hatte, engagierte sich Mandela weiterhin, um Geld für den Bau von Schulen in Südafrika zu sammeln und engagierte sich im Kampf gegen AIDS, nachdem sein Sohn an der Krankheit verstorben war. Mandela starb am 5. Dezember 2013 im Alter von 95 Jahren in seinem Haus in Johannesburg, Südafrika, aber sein Vermächtnis lebt durch seine lebenslange aktivistische Arbeit weiter.

Greta Thunberg – schwedische Umweltaktivistin und Gründerin der Fridays For Future Bewegung

Greta Thunberg war 15, als sie einen Aufsatzwettbewerb über den Klimawandel in ihrer Lokalzeitung gewann. Kurz darauf protestierte sie, um Druck auf das schwedische Parlament auszuüben, damit es das im Pariser Abkommen festgelegte Ziel für Kohlenstoffemissionen einhält. Von diesem Moment an verzichtete sie regelmäßig freitags auf ihren Schulunterricht, um zu protestieren und ermutigte Schüler auf der ganzen Welt, das Gleiche zu tun.

Im August 2019 nahm sie sich offiziell ein Jahr Auszeit von der Schule, um sich auf ihren Aktivismus zu konzentrieren. Sie nahm an Konferenzen teil, schloss sich Protesten auf der ganzen Welt an und traf wichtige Führungspersönlichkeiten, um das Bewusstsein für den Klimawandel und seine Auswirkungen auf Länder des Globalen Südens zu schärfen. Im Jahr 2019 hielt sie während der UN-Klimakonferenz ihre berühmte Rede zum Klimawandel. Jetzt, während der Covid-19-Pandemie, führt sie ihren Aktivismus online fort.

Martin Luther King Jr. – Baptistenpfarrer, Bürgerrechtler und bekanntester Vertreter des US-amerikanischen Civil Rights Movements

Martin Luther King, Jr. wurde im Januar 1929 in Atlanta, Georgia, geboren und engagierte sich zeitlebens in der Bürgerrechtsbewegung. Insbesondere führte er im Dezember 1955 die erste gewaltfreie Demonstration in den Vereinigten Staaten gegen die Rassentrennung an: ein Busboykott, der 382 Tage lang andauerte. Zwischen 1957 und 1968 reiste King durch die USA, um gegen Ungerechtigkeit zu protestieren und Maßnahmen zu fordern. 1963 leitete er den historischen Marsch in Washington, D.C. an, wo er seine berühmte “I Have a Dream”-Rede hielt. Am 4. April 1968 wurde King jedoch auf dem Balkon seines Motelzimmers in Memphis, Tennessee, ermordet. Doch sein Vermächtnis lebt durch die Arbeit vieler Aktivist*innen weiter.

Der 14. Dalai Lama – das höchste spirituelle Oberhaupt Tibets und Fürsprecher für mehr globale Gleichberechtigung

Der 14. Dalai Lama, der als Reinkarnation des 13. Dalai Lama anerkannt ist, ist das geistige Oberhaupt Tibets und hat sich für den Friedens- und Demokratisierungsprozess in Tibet eingesetzt. Durch seinen Aktivismus und während seiner gesamten Karriere hat er einen Fünf-Punkte-Friedensplan vorgeschlagen, um Frieden nach Tibet zu bringen, und hat mehrfach vor der UNO und dem Europäischen Parlament gesprochen. Er wurde 1989 mit dem Friedensnobelpreis für seinen gewaltfreien Einsatz zur Befreiung Tibets ausgezeichnet und ist bekannt für seine Sorge um die Klimakrise. Im Jahr 2011 beendete er die 368 Jahre alte Tradition Tibets, in der der Dalai Lama als zeitliches und spirituelles Oberhaupt Tibets fungierte, nachdem er ein Dokument unterzeichnet hatte, das seine Autorität formell an einen demokratisch gewählten Führer übertrug.

Luisa Neubauer ist eine deutsche Klimaaktivistin und ehemalige ONE-Jugendbotschafterin

Luisa gehört zu den deutschen Hauptorganisatorinnen von Fridays for Future. Luisa tritt für einen Kohleausstieg bis 2030 in Deutschland und eine Klimapolitik ein, die mit dem Übereinkommen von Paris vereinbar sind. Ferner äußert sie Wachstumskritik und engagiert sich in verschiedenen Organisationen, bei denen sie sich unter anderem für Generationengerechtigkeit und gegen weltweite Armut einsetzt.

Joshua Wong – Hongkonger politischer Aktivist und Politiker, der für demokratische Reformen in Hongkong kämpft

Bis Juni 2020 war er Generalsekretär der Hongkonger Partei Demosistō („Steh für das Volk“), bis diese sich nach der Umsetzung des nationalen Sicherheitsgesetzes in Hongkong am 30. Juni 2020 auflöste. Er war Mitbegründer der 2011 gegründeten Aktivist*innengruppe der Oberschüler*innen und Studierenden Scholarism in Hongkong. 2014 war er einer der Wortführer der Proteste in Hongkong. Wongs zentrale Rolle in der Regenschirm-Bewegung führte dazu, dass das Magazin Time ihn als den einflussreichsten Teenager des Jahres 2014 bezeichnete und als Person des Jahres 2014 nominierte. Außerdem wurde er 2015 vom Fortune-Magazin als einer der „größten Persönlichkeiten der Welt“ bezeichne und 2017 für den Friedensnobelpreis nominiert.

Carola Rackete – deutsche Menschenrechtsaktivistin und ehemalige Kapitänin des Rettungsschiffs Sea-Watch 3

Carola erlangte internationale Bekanntheit, als sie im Juni 2019 als Kapitänin der Sea-Watch 3 insgesamt 53 aus Libyen kommende Geflüchtete bzw. Migrant*innen im Mittelmeer aus Seenot rettete. Nach wochenlangem Warten auf eine Genehmigung lief sie in der Nacht zum 29. Juni, trotz eines Verbots durch italienische Behörden, den Hafen der Insel Lampedusa an.

Chimamanda Ngozi Adichie – nigerianische Autorin und feministische Aktivistin, die für die Gleichstellung der Geschlechter kämpft

Chimamanda lebt heute teils in Nigeria, teils in den USA. Ihr Werk wurde vielfach international ausgezeichnet und gilt als herausragendes Beispiel junger afrikanischer Literatur. Bekannt geworden ist die bekennende Feministin durch ihre Romane Purple Hibiscus (2003), Half of a Yellow Sun (2006) und Americanah (2013). Durch ihre Bücher und Reden hat sie viele Denkprozesse im Bereich Gleichberechtigung und zur Darstellung des afrikanischen Kontinents in westlichen Medien angestoßen. Zudem setzt sie sich auch für die Rechte der LGBTQIA+ Community ein. Chimamanda selbst bezeichnet sich allerdings nicht als Aktivistin, sondern als eine “Person mit einer Meinung”.

Mahatma Gandhi- indischer Anwalt, Politiker und sozialer Aktivist, der für seine gewaltfreie Philosophie des passiven Widerstands berühmt wurde

Gandhi war ein indischer Jurist, antikolonialer Nationalist und politischer Ethiker,[3] der mit gewaltfreiem Widerstand den erfolgreichen Kampf für die Unabhängigkeit Indiens von der britischen Herrschaft anführte. Damit inspirierte er Bewegungen für Bürgerrechte und Freiheit in der ganzen Welt.

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UN-Nachhaltigkeitsforum: Deutschland plädiert für nachhaltigen und klimafreundlichen Wiederaufbau nach Corona-Pandemie auf Basis der 2030-Agenda

SID Blog - 16. Juli 2021 - 17:47
Im Rahmen des jährlich stattfindenden Hochrangigen Politischen Forums für Nachhaltige Entwicklung (HLPF) hat die Bundesregierung ihren zweiten freiwilligen Staatenbericht zur Umsetzung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung virtuell vorgestellt. Der Bericht legt die Umsetzung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung mit ihren 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) in, mit und in Partnerschaft mit Deutschland dar.

Nach einer Videobotschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel betonten Maria Flachsbarth (Parlamentarische Staatssekretärin, Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung - BMZ) und Rita Schwarzelühr-Sutter (Parlamentarische Staatssekretärin, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit - BMU), dass sie die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung als Kompass beim Weg aus der COVID-19-Pandemie ansehen.

Maria Flachsbarth (BMZ) appellierte, dass die von den Vereinten Nationen ausgerufene Aktionsdekade für nachhaltige Entwicklung gerade auch angesichts der Corona-Pandemie für einen nachhaltigen Wandel genutzt werden sollte: „Wenn wir jetzt nicht massiv umsteuern, dann droht uns eine verlorene Dekade für nachhaltige Entwicklung. Nach Corona darf nicht vor Corona sein, sonst erreichen wir die SDGs nie! Wir müssen die Globalisierung endlich nachhaltig ausgestalten und jetzt kraftvoll in den sozialen und ökologischen Wandel investieren - bei uns in Deutschland und weltweit."

Rita Schwarzelühr-Sutter (BMU) hob den dringenden Handlungsbedarf bei drei Krisen hervor, welche von der Pandemie noch verstärkt werden, nämlich der Klimakrise, der Biodiversitätskrise und der zunehmenden Vermüllung der Meere: „Die extremen Hitzewellen in vielen Teilen der Welt und die derzeitigen Hochwasser in Westeuropa führen uns gerade dramatisch vor Augen, dass unser bisheriges Handeln bei weitem nicht ausreicht, um einen nachhaltigen Entwicklungspfad einzuschlagen. Die planetaren Belastungsgrenzen sind erreicht und teilweise überschritten. Der Freiraum für gutes Leben und der Erfolg der nächsten Generationen müssen jetzt gesichert werden. Daher haben wir unser deutsches Klimaziel kräftig nachgeschärft: Klimaneutralität wollen wir bereits bis 2045 erreichen."

Beim HLPF erklärte die deutsche Delegation, dass es im Rahmen von Wiederaufbauprogrammen während und nach der Pandemie von strategischer Bedeutung ist, die Weichen hin zu einer nachhaltigeren, klimaneutralen und damit zukunftssicheren Gesellschaft zu stellen. Politische Lösungen und Programme in Reaktion auf die Corona-Krise müssen auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene an der Agenda 2030 und den darin festgelegten Nachhaltigkeitszielen (SDG) ausgerichtet werden und dabei den Grundsatz, dass niemand zurückgelassen werden darf, als Handlungsmaxime verstehen. Neben Deutschland legten 41 weitere Staaten dieses Jahr einen Staatenbericht vor. Das HLPF steht dieses Jahr unter dem Motto des nachhaltigen Wiederaufbaus nach der Pandemie. Die nächste umfassende Aktualisierung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie ist für 2023/2024 geplant. 

Weitere Informationen

Im September 2015 haben sich alle Staats- und Regierungschefs der Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung (kurz: Agenda 2030) beschlossen.

Das diesjährige Hochrangige Politische Forum für Nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen fand vom 6. bis zum 15. Juli 2021 als vorwiegend virtuelle Veranstaltung statt. Es hat sich als zentrales Gremium für die Agenda 2030 und deren 17 globalen Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals -SDGs) etabliert.

Mehr als 170 Staaten, d.h. 87% aller Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen, haben bereits einen freiwilligen Staatenbericht vorgelegt, um über ihre Umsetzung der Agenda 2030 Rechenschaft abzulegen. Deutschland gehört bei Berichterstattung zu den Vorreitern und legte nun nach 2016 bereits seinen zweiten Bericht vor.

Agenda 2030: https://www.bmu.de/themen/europa-internationales-nachhaltigkeit-digitalisierung/nachhaltige-entwicklung/2030-agenda/?2030-Agenda=&cHash=b7d7bce550f756ac98ccdab26fdc3559

 

 Gemeinsame Pressemitteilung mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit   

 




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