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22. Oktober 2020

ONE - 22. Oktober 2020 - 13:01

1. Nigeria: Exzessive Gewalt gegen Zivilbevölkerung
Viele Medien, darunter die Süddeutsche Zeitung, der Tagesspiegel, die Tageszeitung (TAZ), Zeit Online, die Frankfurter Rundschau und der Standard, berichten über die “exzessive Polizeigewalt” gegenüber Zivilist*innen in Nigerias Wirtschaftsmetropole Lagos. Unter dem Hashtag #EndSARS protestieren seit zwei Wochen viele Menschen gegen die Polizeieinheit SARS, die brutal gegen Demonstrierende vorgehe. Nun sollen bewaffnete Kräfte mit scharfer Munition auf Protestierende geschossen haben. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International seien dabei zwölf Menschen getötet worden. Babajide Sanwo-Olu, Gouverneur des Bundestaats Lagos, sprach jedoch von 25 Verletzten und bestritt jegliche Todesopfer. Zudem gebe es zivil gekleidete Prügel- und Schießtruppen, die bewaffnete Übergriffe auf Demonstrierende vornehmen. Diese Truppen sollen laut der Frankfurter Rundschau auch im Wahlkampf von nigerianischen Politiker*innen eingesetzt werden und können ihre Angriffe ungestraft vor den Augen der Polizei ausführen. Laut Amnesty International sei die Einheit SARS alleine in den letzten drei Jahren für mindestens 82 Fälle von “Folter, Misshandlung und Hinrichtungen” verantwortlich. Nigerias Präsident Muhammadu Buhari habe die Auflösung von SARS angekündigt, hülle sich jedoch bezüglich der Vorkommnisse in Lagos in Schweigen. Die Vorkommnisse erregen mittlerweile auch international Aufsehen. US-Präsidentschaftskandidat Joe Biden forderte, das brutale Vorgehen gegen die nigerianische Zivilbevölkerung zu beenden.

2. Burundi: Ex-Präsident Buyoya wegen Ermordung verurteilt
Wie die Tageszeitung (TAZ) schreibt, verurteilte Burundis oberstes Gericht den ehemaligen Präsidenten Burundis, Pierre Buyoya, zu lebenslanger Haft. Buyoya, Angehöriger der Tutsi, habe das Land von 1987 bis 1993 sowie von 1996 bis 2003 regiert, sei mittlerweile Sonderbeauftragter der Afrikanischen Union (AU) für Mali und lebe im Ausland. Er sei für den Tod seines Nachfolgers, Melchior Ndadaye, Angehöriger der Hutu, verantwortlich. Nach Ndadayes Wahlsieg 1993 putschten Tutsi-Offiziere. Dies führte wiederum zu einer “Racheaktion gegen die Tutsi-Minderheit”. Der anschließende Bürgerkrieg habe hunderttausenden Menschen das Leben gekostet. Dieser habe geendet, als die Hutu-Rebellen die Macht ergriffen. Sie regieren das Land bis heute. Die Nichtregierungsorganisation SOS Torture Burundi warnt davor, dass die öffentliche gesellschaftliche Abwertung der Bevölkerungsgruppe der Tutsi in Burundi derzeit wieder zunehme. Der Völkermord an den Tutsi in Ruanda 1994 habe mit einer ähnlichen Rhetorik begonnen.

3. Südafrika schließt Grenzen für deutsche Urlauber*innen
Wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland meldet, verbietet Südafrika erneut die Einreise von deutschen Urlauber*innen. Der südafrikanische Staat, der erst Anfang Oktober nach einer sechsmonatigen Sperrung die Grenzen wieder öffnete, habe Deutschland zusammen mit fünf anderen Ländern auf die Liste der Hochrisikoländer gesetzt. Für Deutsche mit Ländereien innerhalb Südafrikas Ländergrenzen sowie Expert*innen und Geschäftsreisende seien jedoch Ausnahmen möglich. In Südafrika selbst habe es 704.000 bestätigte Corona-Fälle gegeben. Rund 18.470 Menschen seien bisher an den Folgen von Covid-19 gestorben.

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02.11.-07.12.2020 | Nimmt nachhaltige Mobilität endlich Fahrt auf?

GIZ Event - 22. Oktober 2020 - 11:14
Veranstaltungsdatum: Montag, 2. November 2020
Ringvorlesung 2020: Nimmt nachhaltige Mobilität endlich Fahrt auf?
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22.10.2020 Rohingya-Geberkonferenz: Minister Müller sagt 30 Millionen Euro Soforthilfe für Flüchtlinge in Bangladesch zu

BMZ - 22. Oktober 2020 - 10:00
Angesichts der andauernden Rohingya-Flüchtlingskrise richten die EU, die USA, Großbritannien und das Flüchtlingskommissariat UNHCR am Donnerstag, dem 22. Oktober eine virtuelle internationale Geberkonferenz aus. Ziel ist es, den "Humanitarian Response Plan" der internationalen Gemeinschaft für die Rohingya zu finanzieren, für den bisher noch über 700 Millionen Euro fehlen. ...
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Aus einer Wasserpflanzen-Plage wird Biokohle

reset - 22. Oktober 2020 - 5:50
Der Verein Char2Cool hat ein Verfahren entwickelt, um aus der invasiven Wasserhyazinthe Biokohle herzustellen. Damit vernichtet die sogenannte C2C-Biochar Unkraut, verbessert den Bodenertrag, schützt das Klima generiert nebenbei neue Einkommensquellen für Gemeinden.
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Important step for the human rights and ecological orientation of the global economy

Global Policy Forum - 21. Oktober 2020 - 20:10

Statement of the Treaty Alliance Germany on the 2nd revised Draft for a legally binding UN Treaty on Business and Human Rights
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ONLINE EVENT | A UN treaty for decent work in global supply chains - Perspective of the trade unions

Global Policy Forum - 21. Oktober 2020 - 19:42

UN Photo/Jean-Marc Ferré

On the fringes of the 6th round of negotiations on a UN treaty on business and human rights, we want to discuss together with trade union representatives from Germany and Pakistan as well as representatives of the International Trade Union Confederation and the global industrial trade union federation IndustriALL why existing instruments fail and what elements the UN treaty must contain in order to achieve a real change towards a fairer global economy.

28 Oct 2020 / 13:30-15:00 pm (CEST) / Online
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VENRO informiert! Afrika und Europa – Civil Society Driving Change

SID Blog - 21. Oktober 2020 - 17:21
Liebe Leserinnen, lieber Leser,

VENRO informiert! Ausgabe Nr. 7/2020

 

Nr. 7 / 2020

THEMENSCHWERPUNKT

Afrika und Europa  – Civil Society Driving Change
 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

 

die hybride Konferenz „Civil Society Driving Change: Towards a New Quality of the Africa-Europe Partnership" fand am 16. Oktober mit über 500 Teilnehmer_innen von beiden Kontinenten statt. Zu den Gästen gehörten hier die Highlevelnamen.

 

Eine der Panelist_innen, Jane Nalunga aus Uganda, Direktorin des Southern and Eastern Africa Trade Information and Negotiations Institute (SEATINI), erläutert im Interview welche Ungleichgewichte sie in den afrikanisch-europäischen Beziehungen wahrnimmt und was ihr dennoch Hoffnung für die Zukunft macht. Im Vorfeld der Konferenz formulierten Jugendliche aus Afrika und Europa in einem Workshop ihre Forderungen an die Politik und hielten sie in Videostatements fest.

 

Die politische Zusammenarbeit zwischen der Afrikanischen und Europäischen Union kommt kaum voran, wie die Verschiebung des AU-EU-Gipfels auf 2021 zeigt. Für die Fertigstellung der AU-EU-Strategie fordert Dr. Bernd Bornhorst, Vorstandsvorsitzender von VENRO, eine systematische Einbeziehung und Mitwirkung zivilgesellschaftlicher Akteur_innen.

 

Wie Nichtregierungsorganisationen die Beziehungen zwischen Afrika und Europa einschätzen und welche Schwerpunkte sie sich in der Zusammenarbeit wünschen, verrät die aktuelle Umfrage „Africa-Europe Civil Society Survey" des Instituts für Demoskopie Allensbach.  

 

Herzliche Grüße,

 

Heike Spielmans
Geschäftsführerin

 

 

Rubriken dieses Newsletters

 

„Wir brauchen ein gemeinsames Verständnis für die Ursachen von Armut"

 

Die afrikanisch-europäischen Beziehungen sind vielschichtig und nicht frei von Spannungen. Jane Nalunga, die Direktorin des Southern and Eastern Africa Trade Information and Negotiations Institute (SEATINI) in Uganda, erläutert im Interview die Möglichkeiten für eine konstruktive und solidarische Zusammenarbeit auf Grundlage der Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030.

  Zum Interview (EN)

Allensbach-Umfrage: Engere Afrika-Europa-Beziehungen „sehr wichtig" 

 

Über 360 Vertreter_innen zivilgesellschaftlicher Organisationen aus Afrika und Europa nahmen an der Allensbach-Umfrage „Africa-Europe Civil Society Survey" teil. 97 Prozent der Befragten sehen eine engere Zusammenarbeit zwischen Afrika und Europa als „sehr wichtig" oder „wichtig" an. Doch mehr als zwei Drittel sind der Auffassung, dass die bisherige Zusammenarbeit „nicht gut" oder „überhaupt nicht" funktioniert.

  Zum Blogbeitrag

Civil Society Driving Change

 

Für eine neue Qualität der afrikanisch-europäischen Partnerschaft

 

Die Verschiebung des sechsten AU-EU-Gipfels, der für Oktober 2020 geplant war, ist ein weiterer Beleg für die halbherzigen politischen Beziehungen zwischen AU und EU. Es ist jetzt höchste Zeit, die Zivilgesellschaft in einen integrativen Prozess einzubinden, um eine faire und gleichberechtigte Partnerschaft zwischen Afrika und Europa aufzubauen, fordert Dr. Bernd Bornhorst, Vorstandsvorsitzender von VENRO.

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Für eine starke Jugendperspektive in der AU-EU-Partnerschaft!

 

Die junge Generation braucht mehr Mitsprache: Warum bei der Überarbeitung der AU-EU-Strategie die Anliegen der jungen Generation in den Mittelpunkt gestellt werden sollten, erklären die amtierenden UN-Jugenddelegierten für Nachhaltige Entwicklung für Deutschland, Felix Kaminski und Sophia Bachmann.

  Zum Blogbeitrag

African-European Youth Exchange: We demand action!

 

Jugendliche aus Afrika und Europa tauschten sich in einem Workshop in Bonn über ihre Erwartungen an eine faire Partnerschaft zwischen den beiden Kontinenten aus. Ihre Forderungen an die Politik haben sie in kurzen Videostatements festgehalten.

  Zu YouTube

Smart, aber fair: Wie Digitalisierung alle mitnehmen kann

 

Die Digitalisierung bietet vielfältige Chancen für die Verwirklichung der Ziele für nachhaltige Entwicklung. Zugleich treten aber auch die Risiken der Digitalisierung immer deutlicher zutage. Im diesjährigen machbar-Bericht beleuchten wir aus unterschiedlichen Perspektiven den Zusammenhang zwischen Nachhaltigkeit und Digitalisierung.

  Zum machbar-Bericht
  Zur Pressemitteilung
 

Einladung zur machbar-Konferenz

 

Auf der machbar-Konferenz „Smart, aber fair" vertiefen wir die Debatte über die Chancen und Risiken digitaler Instrumente für eine nachhaltige Entwicklung mit Gästen aus Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft. Zu der Konferenz am 1. Dezember 2020 laden wir Sie herzlich ein.

  Zum "Save the Date"

Die Agenda 2030 erfordert ein Umsteuern in allen Politikbereichen

 

Anlässlich des Forums Nachhaltigkeit auf Einladung des Bundeskanzleramts haben wir an die Bundesregierung appelliert, mehr Mut und Entschlossenheit bei der Überarbeitung der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie zu zeigen. Damit die Strategie Wirkung entfalten kann, muss sie für alle Ressorts verbindlich gelten.

  Zur Pressemitteilung

Globale Gesundheitsstrategie setzt wichtige Akzente

 

Nach mehr als zwei Jahren und vielfachen Verzögerungen hat das Bundeskabinett die ressortübergreifende Strategie Globale Gesundheit verabschiedet. Wir sehen darin einen wichtigen Schritt, um das Recht auf Gesundheit für alle durchzusetzen.

  Zur Pressemitteilung

Stellungnahme zum Bundeshaushalt 2021

 

Ende September hat der Bundestag die Verhandlungen über den Haushalt für 2021 aufgenommen. In vielen Punkten sehen wir Nachbesserungsbedarfe. Lesen Sie hierzu unsere Stellungnahme zum Haushaltsentwurf 2021 mit unseren sechs Kernforderungen.

  Zur Stellungnahme

Menschenrechte sind die Basis guter Entwicklungszusammenarbeit

 

Mit dem Reformkonzept BMZ 2030 will das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) die staatliche Entwicklungspolitik neu aufstellen. Wichtig für die Wirksamkeit des Konzepts wird sein, dass es sich an den Menschenrechten orientiert. Empfehlungen zur Ausgestaltung des Konzepts haben wir in einer Stellungnahme formuliert. 

  Zur Stellungnahme

Pauschale Maßnahmen sind keine Lösung für die Sorgfaltspflicht

 

Eine Studie zur Achtung von Menschenrechten entlang globaler Wertschöpfungsketten zeigt, dass bisherige Initiativen der Wirtschaft keine Umsetzung der menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht gewährleisten. Die Studie im Auftrag der Bundesregierung liefert wichtige Erkenntnisse, Teile der Empfehlungen sind jedoch kritisch zu bewerten.

  Zur Stellungnahme

75 Jahre Vereinte Nationen – Es braucht ein System, das die eigene Nationalität transzendiert

 

Von Dr. Luise Steinwachs

 

„The Future We Want, the UN We Need: Reaffirming our Collective Commitment to Multilateralism." Unter dem Motto der Vereinten Nationen zu ihrem 75. Jubiläum reflektiert die stellvertretende Vorstandsvorsitzende von VENRO, Dr. Luise Steinwachs, die Entwicklung und die Rolle der interstaatlichen Organisation in der globalen Politik.

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One Health – Der Ansatz für eine ganzheitliche Gesundheit

 

Von Laura Stranzl

 

Die Corona-Pandemie zeigt, wie eng unsere Gesundheit mit der unserer Umwelt verbunden und wie sehr dieses Verhältnis aus der Balance geraten ist. One Health ist ein Ansatz, der die Gesamtgesundheit des Ökosystems betrachtet und im Ergebnis die menschliche Gesundheit verbessern kann.

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13.11.2020, Marie-Schlei-Verein, Online
  8. Hamburger Ratschlag zur Umsetzung der UN-Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung  

Gemeinsam mit der Zivilgesellschaft will der Hamburger Ratschlag Forderungen mit Bezug zu nachhaltigem Konsum, öffentlicher Beschaffung und nachhaltiger Wirtschaftspolitik entwickeln. Interviews, Impulsvorträge und Diskussionen geben Einblicke in die Thematiken. In drei Arbeitsgruppen werden anschließend Forderungen zur Umsetzung erarbeitet

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23.11.2020 - 02.12.2020, VENRO, Online
  Training of Trainers: People first impact method (P-FIM)  

P-FIM is a community engagement tool where communities lead in identifying important issues and activities in their lives. It builds transparency, shared learning and trust between all stakeholders, especially the community, local government and agencies. The training will involve interactive inputs, group work, participant-led discussions and offline exercises.

  Zur Veranstaltung
  26.11.2020, VENRO, Online
  Wirkungsorientierung bei Veranstaltungen der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit  

In diesem Online-Seminar möchten wir die Erkenntnisse der Studie für Kurzveranstaltungen zusammen mit Ihnen in die Arbeitspraxis übersetzen. In einer theoretischen Einführung werden die Rahmenbedingungen für wirkungsvolle Schulkampagnen und die zentralen Ergebnisse der Studie dazu erläutert. In einer anschließenden Praxisphase können Sie die Erkenntnisse der Studie in Kleingruppen auf Ihre eigenen Projekte anwenden.

  Zur Veranstaltung
 

MISEREOR sucht eine_n Campaigner_in (m/w/d) in Aachen.

 

Malteser International sucht eine_n Projektassistent_in (w/m/d) Asien.

 

Die Kindernothilfe sucht eine_n Mitarbeiter_in Empfang (w/m/d).

 

terre des hommes sucht eine Referatsleitung Programme (m/w/d).

 

CARE Deutschland sucht eine Assistenz des Vorstandes und Verwaltungsrates (d/m/w).

 

TERRE DES FEMMES sucht in Berlin eine_n Projektmitarbeiter_in (d/w/m) für das Schultheaterprojekt "Mein Herz gehört mir - Gegen Zwangsverheiratung und Frühehen".

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Tel.: 030 2639299-10

 

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VENRO – Verband Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe

Stresemannstraße 72

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Redaktion: Ian Mengel, Janna Völker

Fotos: Jane S. Nalunga/SEATINI: Ian Mengel;  UN Photo/Evan Schneider; Lancet One Health Commission

© 2020 VENRO

   

Wenn die Nieren versagen

INKOTA - 21. Oktober 2020 - 13:48
In El Salvador verursachen Pestizide vor allem in den Zuckerrohranbaugebieten schwere Krankheiten und viele Todesfälle Von Gloria Silvia Orellana Knapp zehntausend Menschen sind im zentralamerikanischen El Salvador in den vergangenen zehn Jahren an chronischer Niereninsuffizienz gestorben. Die Todesfälle hängen direkt mit der Ausweitung der Anbaufläche für Zuckerrohr zusammen, das Arbeiter*innen häufig ohne Schutzkleidung mit Pestiziden besprühen. Die Ermattung in Oscar Grande López‘ Stimme ist unüberhörbar. Und dies obwohl er kaum älter als dreißig Jahre ist. Von diesen hat ihm die chronische Niereninsuffizienz acht entrissen. Schon seit fünf Jahren ist er arbeitslos und kommt kaum noch aus seinem Haus im Weiler La Sambunbera im Landkreis San Luis Talpa in der Provinz La Paz, El Salvador. „Meine Nierenkrankheit haben sie im Jahr 2012 erkannt. Ich war knapp 25 Jahre alt, als ich große Schmerzen im Steißbein bekam und regelmäßig zur Untersuchung in den lokalen Gesundheitsposten musste“, erzählt Oscar Grande. Doch schon im Dezember 2015 wurde es so schlimm, dass er eine Dialyse benötigte. „Seitdem muss ich zwei Mal pro Woche ins Rosales-Krankenhaus nach San Salvador, wo ich jeden Montag und Donnerstag eine Dialyse bekomme.“ Jetzt den Südlink 193 "Gefährliche Pestizide: Für eine Landwirtschaft ohne Agrargifte" bestellen Der kleine Landkreis San Luis Talpa liegt gut siebzig Kilometer von der Hauptstadt San Salvador entfernt und ist traditionell vor allem durch Landwirtschaft und Viehzucht geprägt. Im vergangenen Jahrzehnt hat der Zuckerrohranbau enorm an Bedeutung gewonnen. In El Salvador mit seinen gut 21.000 Quadratkilometern Fläche und etwa 6,5 Millionen Einwohner*innen gibt es auf dem Land viel zu wenige Arbeitsplätze. Die männlichen Jugendlichen und Erwachsenen arbeiten häufig als Hilfsarbeiter oder Tagelöhner in der Landwirtschaft. Häufig „im Zuckerrohr“, wo sie für die Aussaat, das Besprühen der Pflanzen mit Pestiziden und die Ernte zuständig sind. In den letzten Jahren ist die Anbaufläche stetig angewachsen, im vergangenen Jahr lag sie bereits bei etwa 120.000 Manzana (84.000 Hektar; Anm. der Red.), wobei auf nur gut 100 Unternehmen mehr als 40 Prozent des Zuckerrohrs entfallen. Noch stärker ist die Konzentration bei der Verarbeitung: Nur sechs Raffinerien kontrollieren den gesamten Markt, allein ein Drittel davon die  „Central Izalco“ der Familie Regalado. Oscar Grande gehört zu einer von zehntausenden Familien auf dem Land, die in prekären Verhältnissen leben und sich mit informellen Jobs durchschlagen. Der Lohn für einen ganzen Arbeitstag liegt bei nur fünf US-Dollar (umgerechnet etwa 4,30 Euro; Anm. der Red.), ohne Gesundheitsversorgung und ohne die Möglichkeit, in eine Rentenkasse einzuzahlen. Pestizide verursachen Niereninsuffizienz „Meine Krankheit kommt von den Pestiziden, die ich versprüht habe. Das tat ich, weil wir so arm sind, und weil ich ein wenig mehr verdienen wollte, habe ich sehr lange gearbeitet“, berichtet Oscar Grande. Täglich versprühte er auf sieben Hektar zehn Ladungen giftiger Pestizide aus einem Tank am Rücken, bis er eines Tages krank wurde: „Beinahe wäre ich gestorben. Zuerst bekam ich eine Bauchfelldialyse, aber dann hat sich der Katheter entzündet und ich musste operiert werden. Danach haben sie mit der Dialyse begonnen.“ Die „nicht-traditionelle chronische Nierenkrankheit“, wie sie in El Salvador genannt wird, ist für Oscar Grande eine höchst leidvolle Krankheit mit ungewissem Ausgang. Nicht nur aufgrund seiner Abhängigkeit von Medikamenten und der regelmäßigen Dialyse, sondern auch weil sie im Lauf der Jahre seine Familie zerstört hat. „Im Juni kam mein Vater ins Rosales-Krankenhaus und bekam eine Bauchfelldialyse. Nach zwei Durchgängen gab es Komplikationen und nach 19 Tagen im Krankenhaus war er tot. 2012 starb bereits mein Bruder Medardo an der Krankheit. Und meinem anderen Bruder Juan Francisco geht es genau wie mir, auch er hat die chronische Nierenkrankheit“, sagt Grande. Durch die Covid-19-Pandemie hat sich die Lage für ihn und viele andere, die auf Dialyse angewiesen sind, noch weiter verschlechtert. Die Krankenhäuser haben weniger Kapazitäten für all jene, die an chronischen Erkrankungen leiden. Lebenswichtige Medikamente wurden knapp und zeitweise fuhren auch keine Busse mehr in die Hauptstadt. Wie in ganz Lateinamerika hat auch in El Salvador die Armut binnen Kurzem enorm zugelegt. Vor allem auf dem Land verschlechterte sich die Ernährungssicherheit deutlich. Gut geht es hingegen den Besitzern der großen Zuckerrohrplantagen. Während kleine Landwirt*innen wegen des landesweit verhängten Notstands große Schwierigkeiten mit der Aussaat hatten, bereiten sich die Plantagenbesitzer auf eine gute Ernte vor, wie aus Daten der „Zuckervereinigung El Salvadors (Asociación Azucarera de El Salvador, AAES) hervorgeht. Um 15 Prozent soll die nächste Ernte im Vergleich zum Vorjahr auf 17 Millionen Quintales (über 830.000 Tonnen; Anm. der Redaktion) steigen“, so Julio Arroyo, geschäftsführender Direktor der AAES. Die chronische Niereninsuffizienz hat in den letzten zwanzig Jahren in ganz Zentralamerika immer schlimmere Ausmaße angenommen. In El Salvador wurde die Krankheit von der von 2009 bis 2019 regierenden FMLN (Nationale Befreiungsfront Farabundo Martí) zu einem Thema des Gesundheitswesens, wie Eduardo Espinoza, damals Vizegesundheitsminister, erläutert. Verschiedenen Studien wurden erstellt und 2014/2015 in einer landesweiten Befragung Daten zu mehreren weit verbreiteten chronischen Krankheiten gesammelt.

Zehntausenden sind in El Salvador an chronischer Niereninsuffizienz erkrankt. Die Behandlung der Patient*innen hat sich zu einem lukrativen Geschäft entwickelt. Private Kliniken bieten auch Dialyse und Nierentransplantationen an. Foto: Michael Krämer

Demnach befanden sich nach Angaben des Gesundheitsministeriums mehr als 450.000 Menschen in El Salvador in einer der fünf Etappen der chronischen Niereninsuffizienz. Bei dieser Krankheit verlieren die Nieren nach und nach ihre Fähigkeit, das Blut zu filtern. Allein 26.000 Menschen befanden sich in Etappe fünf und waren auf eine Dialyse angewiesen. Im Jahr 2017 war El Salvador prozentual das Land mit den höchsten Zahlen an Dialysen und Nierentransplantationen in Zentralamerika, erklärt Eduardo Espinoza.
Um herauszufinden, wo die hohen Krankheitszahlen herkamen, führte die FMLN-Regierung in den Jahren 2010 bis 2012 eine große Studie mit 1.306 Familien aus den am stärksten betroffenen Regionen des Landes durch. Das kubanisch-salvadorianische Team fand unter anderem heraus, dass die Erkrankung in den meisten Fällen nicht auf die traditionellen Ursachen oder Vorerkrankungen zurückzuführen war. „Deshalb auch die Bezeichnung nicht-traditionelle chronische Nierenkrankheit. Nach und nach konnten wir alle wahrscheinlichen Ursachen ausschließen, bis alles darauf hindeutete, dass die Ursachen in Pestiziden und anderen Agrargiften zu suchen sind“, so Eduardo Espinoza. Innerhalb weniger Jahre verdoppelte das Gesundheitsministerium die Dialysekapazitäten in den Krankenhäusern des Landes. Von Beginn an standen starke wirtschaftliche Interessen einer angemessenen Strategie im Umgang mit der nicht-traditionellen chronischen Nierenkrankheit entgegen. Vor allem die Zuckeranbauer, die Unternehmen, welche mit Agrargiften handelten, und die Hersteller der Agrargifte stellten sich quer. „Schätzungsweise neun Millionen Menschen weltweit haben keinen Zugang zu den nötigen Therapien bei chronischer Niereninsuffizienz. Und Jahr für Jahr sind zwischen 11 und 15 Prozent zusätzlich von der Pandemie betroffen“, sagt Eduardo Espinoza. Auch für El Salvador sind die Zahlen verheerend. Nach Daten des Gesundheitsministeriums und der Sozialversicherung sind in den letzten zehn Jahren 9.900 Menschen an chronischer Niereninsuffizienz gestorben. Da sehr viele derer, die erkranken, aus sehr armen Verhältnissen stammen und nur eine geringe Schulbildung haben, können sie die Symptome nicht einordnen – so wird ihre Erkrankung häufig erst in einem zu späten Stadium festgestellt. Die Zahl der chronischen Nierenerkrankungen ist dort am höchsten, wo die großen Zuckerrohranbaugebiete sind. Es mangelt an Schutzkleidung Diesen engen Zusammenhang der Zunahme der chronischen Niereninsuffizienz und der Ausweitung der Anbaufläche für Zuckerrohr in El Salvador sehen auch verschiedene Nichtregierungsorganisationen, die das Verbot gefährlicher Agrargifte fordern. „Eigentlich gibt es in El Salvador Gesetze, welche die Anwendung verschiedener Agrargifte verbieten, doch sie werden nicht angewandt“, erklärt Luis González von der Umweltorganisation UNES. „Manche Agrargifte dürften eigentlich nur mit Spezialkleidung ausgebracht werden, wie wir sie jetzt in Zeiten der Coronapandemie beim medizinischen Personal in den Krankenhäusern sehen. Doch auf dem Land hat niemand solche Schutzanzüge.“ Das Landwirtschaftsministerium El Salvadors hat schon vor einigen Jahren den Einsatz einer ganzen Reihe von Agrargiften verboten. Doch weiterhin sind im Agrarhandel einige der giftigsten zu finden, die auch „das dreckige Dutzend“ genannt werden, darunter Glyphosat und Paraquat.

Jedes Jahr wird die Anbaufläche größer. Zuckerrohr in El Salvador bedeutet gute Gewinne für einige und Krankheit für Zehntausende.

„2013 hatten wir bereits einmal eine Mehrheit im Parlament für ein Verbot von 54 Pestiziden erreicht. Doch der damalige Präsident Mauricio Funes legte ein Veto dagegen ein“, erinnert sich Luis González. Vor etwa drei Jahren begann eine ganze Reihe von Organisationen, die im „Runden Tisch für Ernährungssouveränität“ zusammenarbeiten, eine neue Kampagne für das Verbot gefährlicher Pestizide. „Wir luden Wissenschaftler*innen aus anderen Ländern ein, die in der Kommission für Umweltschutz und Klimawandel des Parlaments über die Gefährlichkeit der Agrargifte informierten“, erzählt González. „Auch mit der Gesundheitsministerin und dem Landwirtschaftsminister gab es Treffen, die sich beide sehr interessiert zeigten. Was folgte, war eine starke Kampagne des Verbands der Zuckerrohrindustrie, die behauptete, dass mit so einem Verbot die Landwirtschaft zusammenbrechen würde und viele Arbeitsplätze verloren gingen.“ Dabei veröffentlichte auch die staatliche Ombudsstelle für Menschenrechte PDDH einen Bericht über den Zusammenhang von Agrargiften und Chronischer Niereninsuffizienz. „Für UNES und den Runden Tisch für Ernährungssouveränität, bei dem wir aktiv sind, ist das Thema Agrargifte in der aktuellen Konjunktur noch wichtiger geworden: In Zeiten von Covid-19 ist sauberes Wasser für die Hygiene und als Trinkwasser von besonderer Bedeutung. In vielen ländlichen Gemeinden ist das Wasser jedoch stark durch Agrargifte verunreinigt. Das darf nicht so bleiben. Auch deshalb haben wir den Kampf gegen die hochgefährlichen Pestizide nun wieder aufgenommen.“ Beim Zuckerrohr sind dies vor allem Paraquat und Glyphosat. Letzteres wird in großen Mengen aus Flugzeugen versprüht. Der Wind trägt das Agrargift auch in die direkt an die Zuckerrohrfelder grenzenden Gemeinden und kontaminiert dort das Grundwasser. Auch deshalb erkranken in den Anbauregionen nicht nur Männer, die auf den Zuckerrohrplantagen arbeiten, sondern auch viele Frauen und alte Menschen. Aus dem Spanischen von Michael Krämer. Gloria Silvia Orellana ist Journalistin bei der salvadorianischen Tageszeitung „Diario Co Latino“. Jetzt weitere Artikel aus dem Südlink lesen Jetzt Südlink 193 "Gefährliche Pestizide: Für eine Landwirtschaft ohne Agrargifte" bestellen Jetzt den Südlink abonnieren
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Online-Workshop: Wie weiter mit der Rohstoffwende?

INKOTA - 21. Oktober 2020 - 11:19
  • Was? Online-Workshop „Wie weiter mit der Rohstoffwende?“ für ein Fachpublikum, Bildungsmultiplikator*innen und Engagierte aus der Umwelt- und Klimabewegung
  • Wann? Dienstag, 10. November, 13.30-16.00 Uhr und Mittwoch, 11. November, 10.00-16.00 Uhr
  • Wo? Zoom, also von überall
Der Abbau metallischer Rohstoffe steht in Zusammenhang mit Menschrechtsverletzungen, verursacht unmittelbare Umweltschäden und trägt zum globalen Klimawandel bei. Ohne politisches Handeln wird sich die jährliche metallische Rohstoffförderung bis 2060 mehr als verdoppeln, so das Szenario des OECD Material Ressource Outlook von 2019. Führende Entwicklungs- und Umweltorganisationen fordern eine Rohstoffwende für Deutschland, denn die Bundesrepublik zählt weltweit zu den fünf größten Verbraucherinnen metallischer Rohstoffe. Eine Rohstoffwende bedeutet: Deutschland muss seinen Metallverbrauch absolut reduzieren. Aktuell mangelt es jedoch an politischen Zielen und Strategien. In dem Workshop werden wir das Themenfeld Rohstoffwende aus unterschiedlichen Fachperspektiven beleuchten. Dabei werden Potentiale, Herausforderungen und Hebel für eine Rohstoffwende am Beispiel der Sektoren Bauen und Wohnen, Digitalisierung und Energiewende identifiziert. Ziel ist die Entwicklung einer kohärenten Vision einer Rohstoffwende. Der Workshop unterteilt sich in drei Themenblöcke und richtet sich an ein interessiertes Fachpublikum, Engagierte aus der Umwelt- und Klimabewegung und Bildungsmultiplikator*innen. Der Workshop ist eine Veranstaltung des AK-Rohstoffe und wird organisiert von: BUND, Germanwatch, INKOTA und PowerShift. Dienstag, 10.11.2020, 13.30-16.00 Uhr, online
Bau- und Wohnwende: Hebel für die Rohstoffwende?
Referent*innen:
Ulrich Wischnath (Bauwende e.V.)
Margarete Over (Ifeu)
Birte Ewers (Wohnprojekt Konvisionär) Bitte hier anmelden Mittwoch, 11.11.2020, 10.00-12.30 Uhr, online
Rohstoffwende und Digitalisierung gemeinsam denken!
Referent*innen:
Stefan Ramesohl (Wuppertal Institut)
Eva Kern (Umweltcampus Birkenfeld), angefragt
Kerstin Fritzsche (IZT) Bitte hier anmelden Mittwoch, 11.11.2020, 13.30-16.00 Uhr, online
Wie Energie- und Rohstoffwende besser verzahnen?
Referenten:
Jens Günther (UBA)
Benjamin Best (Wuppertal Institut) Bitte hier anmelden Weitere Informationen: Erfahren Sie mehr zum Thema Ressourcengerechtigkeit Zum Argumentarium „12 Argumente für eine Rohstoffwende“
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21. Oktober 2020

ONE - 21. Oktober 2020 - 9:47

1. Geberkonferenz für die Sahelregion
Bei einer internationalen Geberkonferenz kamen insgesamt rund 1,4 Milliarden Euro für die Länder der Sahelzonbe zusammen, wie unter anderem Tagesschau.de, das ZDF, die Süddeutsche Zeitung, das Redaktionsnetzwerk Deutschland, die Tageszeitung (Taz) und die Frankfurter Rundschau melden. Außenminister Heiko Maas sagte vonseiten Deutschlands 100 Millionen Euro für dieses und „die darauf folgenden Jahre“ zu. In der Region seien trotz internationaler Bemühungen 16 Millionen Menschen vom Hunger bedroht. UN-Nothilfekoordinator Mark Lowcock betonte, dass ihm keine Region auf der Welt „so große Sorge“ bereite wie die Sahelzone. Neben den Folgen des Klimawandels führe die politische Instabilität dazu, dass Kriminalität, insbesondere Drogen-, Waffen- und Menschenschmuggel floriere. Dänemarks Außenminister sprach sich für eine gezielte Förderung von Frauen und Mädchen aus. Neben einer koordinierten Unterstützung bei der Entwicklungszusammenarbeit seien mehr Anstrengungen bei der Friedenssicherung notwendig, so Maas.

 2. Guinea: Opposition vor Wahlsieg?
Wie unter anderem Zeit Online, die Tageszeitung (Taz) und die Deutsche Welle melden, erklärt sich Oppositionsführer Cellou Dalein Diallo zum Sieger der Präsidentschaftswahlen in Guinea – noch vor Bekanntgabe des offiziellen Endergebnisses. In der Folge sei es zu Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Anhänger*innen des 68-Jährigen gekommen. Amtsinhaber Alpha Condé (82) hatte sich auf eine dritte Amtszeit beworben. Zuvor hatte er per Referendum eine Verfassungsreform durchgesetzt, die eine Amtsübergabe nach spätetestens zwei Legislaturperioden nicht mehr zwingend vorsieht. Am 24. November werde es eine Stichwahl geben, wenn kein Kandidat mehr als die Hälfte aller abgegebenen Stimmen auf sich vereinigen kann.

3. Neuanfang für US-Sudan-Beziehungen?
In einem Meinungsbeitrag in der Süddeutsche Zeitung thematisiert Anna Reuß die aktuelle US-Politik gegenüber dem Sudan, das sich nach dem Sturz von Diktator Omar al-Bashir in einer Phase des Umbruchs befindet. Die Inflation vor Ort nehme Überhand, „Lebensmittelpreise steigen täglich“. Ohne Unterstützung von außen könne sich der Sudan nicht aus seiner Krise lösen. Die USA listen das Land am Nil seit 27 Jahren als staatlichen Terrorismusförderer. Dadurch seien sowohl ausländische Investitionen blockiert als auch Unterstützung durch den Internationalen Währungsfonds oder die Weltbank. Die junge Demokratie Sudans sei „fragil“. Für den Reformer Abdolla Hamdoch, der die Übergangsregierung aus Militärs und Zivilist*innen anführe, wäre eine Streichung von der Terrorliste von immenser politischer Bedeutung. Als Gegenleistung für die Streichung solle das Land Schadensersatz an die Opfer der Terrororganisation al-Qaida in Höhe von 335 Millionen US-Dollar zahlen. Zudem verlange Washington die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu Israel. Die USA sollten jedoch auch zu Zugeständnissen gegenüber Sudan bereit sein, fordert Reuss. Dies sei im Interesse der USA. Andernfalls könne sich das Land aus Mangel an Alternativen China zuwenden.

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Startschuss für die neue globale Gesundheitsstrategie Deutschlands

SWP - 21. Oktober 2020 - 0:20

Gepriesen von den Regierungsfraktionen als ambitioniert, kritisiert von der Opposition als Tropfen auf dem heißen Stein: Am 7. Oktober hat das Bundeskabinett unter Federführung des Bundesgesundheitsministeriums seine neue globale Gesundheitsstrategie verabschiedet. Diese hat sich im Vergleich zu ihrer Vorgängerin aus dem Jahr 2013 mit dem Titel »Verantwortung – Innovation – Partnerschaft: Globale Gesundheit gemeinsam gestalten« in entscheidenden Punkten weiterentwickelt. Neue Themenbereiche wie der Zusammenhang zwischen Klima und Gesundheit wurden aufgenommen; die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt wird durch den One-Health-Ansatz verknüpft; Arbeitsschutz wird zum ersten Mal als Thema für den Gesundheitsschutz betrachtet – und Koordinierungsmechanismen zwischen den für globale Gesundheit zuständigen Ressorts wurden erweitert. Doch fehlt es in dem Regierungsdokument an politischer Vorausschau.

In Deutschland haben Wissenschaft und Zivilgesellschaft lange auf die Aktualisierung der Strategie gewartet. Und auch international steigen die Erwartungen an Deutschland. Denn zentrale Akteure haben sich weitgehend aus der internationalen Gesundheitspolitik verabschiedet. Die USA treten aus der WHO aus und das Engagement Großbritanniens für globale Gesundheitsthemen lässt im Zuge der Brexit-Debatte und des Covid-19-Ausbruchs im eigenen Land immer mehr nach.

Warum Deutschland eine visionäre Strategie braucht

Die vorgelegte globale Gesundheitsstrategie fußt auf der werteorientierten und multilateralen Außenpolitik Deutschlands, wodurch sie ein solides Fundament hat. Die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen, Partnerschaften insbesondere mit der WHO und afrikanischen Ländern sowie eine menschrechtsbezogene globale Gesundheitspolitik werden als Rahmen für gesundheitspolitisches Handeln bestimmt. Der neuen Strategie zufolge sollen Gesundheitssysteme global gestärkt, die Forschung für globale Gesundheit ausgebaut und Herausforderungen wie Covid-19 begegnet werden. Allerdings wirkt sie dabei wie eine Bestandsaufnahme. Die Aussagen bleiben an vielen Stellen unkonkret und wenig zukunftsorientiert.

Doch um die globale Gesundheitslandschaft weiterzuentwickeln, ist eine zukunftsgerichtete Umsetzung der Strategie erforderlich. Eine solche gesundheitspolitische Zielsetzung würde Deutschland ein klares internationales Profil verleihen und die vielfältigen Gesundheitsthemen leichter bündeln und ausrichten lassen. Aus einer klaren Zielrichtung lassen sich letztlich besser konkrete Handlungsanweisungen ableiten, was wiederum zur Verbindlichkeit und Überprüfbarkeit der Strategie beiträgt. Der Bundestag kann bei einem Mechanismus zur Überprüfung der Strategie federführend sein. Der Unterausschuss für globale Gesundheit im Bundestag könnte die Durchführung der Strategie begleiten und den Fortschritt jährlich prüfen.

Für eine Umsetzung der globalen Gesundheitsstrategie mit Vorausschau

Der Gesundheitsstrategie der Bundesregierung ließe sich durch die folgenden drei Elemente eine Zukunftsorientierung geben: Durch eine übergreifende Zielsetzung, durch Perspektiven für die künftigen Rollenbilder und durch die Weiterführung aktueller Impulse. Deutschland zeichnet im internationalen Vergleich aus, dass es sich global für die Stärkung von Gesundheitssystemen einsetzt und nicht – wie die USA – einen Fokus nur auf die Eindämmung von Infektionskrankheiten wie Covid-19 legt. Daher sollte das übergeordnete Ziel in der Umsetzung der Strategie sein, künftigen Krisen durch resiliente Gesundheitssysteme zuvorzukommen. Damit würde Deutschland zukünftige Ereignisse bereits heute berücksichtigen und hätte so die Möglichkeit, über herkömmliche Gesundheitskrisen wie Pandemien hinauszudenken. Kommende Herausforderungen wie globale Krisen der mentalen Gesundheit mit einer steigenden Bedeutung von Depression oder Traumata, ein weltweiter Mangel an Gesundheitsfachkräften mit schwerwiegenden Folgen für die Regelversorgung oder Konflikte in der globalen Gesundheitswirtschaft, bei denen Patentschutz für Heilmittel und die Diversifizierung von Lieferketten zur Diskussion stehen, können so bereits jetzt in der Umsetzung der Strategie mitberücksichtigt werden.

Wo will und sollte Deutschland, die EU oder die WHO in zehn Jahren sein? Auf solche Fragen kann Deutschland in der Umsetzung seiner Strategie Antworten finden, damit Anregungen geben und international Akzente setzen. Denn hieraus ergeben sich konkrete Vorschläge, um die internationale Gesundheitsordnung zu gestalten. Deutschland könnte sich in der globalen Gesundheitslandschaft noch mehr als Baustein der europäischen Ordnung verstehen und die EU langfristig in ihrer globalen Gesundheitspolitik unterstützen. Ein zukünftiges Rollenbild der EU könnte vorsehen, dass die Union eine klare Haltung in globaler Gesundheit hat – durch eine neu aufgelegte Strategie und ein strategisches Referat für globale Gesundheit im Europäischen Auswärtigen Dienst. Sie verbessert ihre Position international durch die Partnerschaft mit der Afrikanischen Union und einen einflussreicheren Status in der WHO, der über die reine Beobachtung hinausgeht. So könnte ein WHO-Büro in Deutschland nicht nur die nationale Gesundheitspolitik unterstützen, sondern auch international zeigen, dass Deutschland sich für den Ausbau der WHO-Strukturen einsetzt. Für all das kann die Weiterführung der deutschen Strategie mit konkreten Maßnahmen Anstöße geben.

Schließlich offenbarte die Pandemie durch nationale Exportstopps oder Grenzschließungen, dass deutsche Gesundheitspolitik mit der internationalen Ebene verwoben ist. Diese Erkenntnis sollte die Bundesregierung in der Umsetzung berücksichtigen und innerhalb eines Aktionsplanes weiterdenken, in dem die Innen- und Außenpolitik auf gesundheitspolitischem Gebiet stärker miteinander verbunden werden.

Es ist noch nicht zu spät, die Umsetzung der vorgelegten Strategie durch Aspekte politischer Vorausschau mit Hilfe eines Aktionsplans zu stärken. Die Bundesregierung und das Parlament sollten das aktuelle Handlungsfenster für eine erfolgreiche Umsetzung der Strategie nutzen, um globale Gesundheit mit Blick in die Zukunft strategisch zu gestalten.

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Die Charedim als Herausforde­rung für den jüdischen Staat

SWP - 21. Oktober 2020 - 0:10

In Israel wogt ein Kulturkampf: um die Identität des Staates, seine Leit­normen, das Verhältnis von Religion und Staat und generell um die Frage, was Jüdischsein im »Staat der Juden« bedeuten soll.

Gestritten wird zwischen Ultraorthodoxen bzw. Charedim und der übri­gen israelischen Bevölkerung, wobei sich der Anteil der Ersteren daran seit 1980 von vier auf zwölf Prozent verdreifacht hat und bis 2040 auf über 20 Prozent ansteigen dürfte. Das hat Folgen für die Debatte.

Die Weltanschauung der Charedim steht jener der Mehrheitsbevölkerung häufig diametral entgegen. Sie akzeptiert als Grundlagen jüdischen Lebens und jüdischer Identität nur die Thora und die religiösen Gesetze (Halacha), ist ihrem Wesen nach antidemokratisch, setzt auf hierarchische Gesellschaftsstrukturen mit Rabbinern an der Spitze und ist weit­gehend azionistisch.

Dennoch sind die Charedim auf den Staat und seine Institutionen an­gewiesen, wollen sie ihre Lebenswelt bewahren. Ihre (wachsende) »Gesellschaft der Lernenden« mit vom Wehrdienst befreiten und auf Erwerbs­arbeit verzichtenden Thoraschülern muss finanziert, das Bildungssystem als zentrale Säule der Ultraorthodoxie vor Eingriffen von außen geschützt werden. Das lässt sich nur über Beteiligung am demokratischen Prozess erreichen.

Die charedischen Parteien bewegen sich daher in einem Spannungsfeld aus Rückzug und Einflussnahme: Sie versuchen – neben dem Milieuschutz – einerseits, als »Verteidiger des jüdischen Charakters des Staates« Tendenzen entgegenzuwirken, die ihrer Vorstellung des Judentums ent­gegenlaufen, und andererseits, religionsrechtlichen Prinzipien mehr Gel­tung in Staat und Gesellschaft zu verschaffen. Dieser Gestaltungswille ist neu.

Die Charedim verändern Staat und Gesellschaft und werden dadurch selbst verändert. Die innergemeinschaftlichen Antworten darauf reichen von Plädoyers für Isolation über den Wunsch nach Integration in den Staat bis hin zu Forderungen nach dessen Übernahme.

Für die internationalen Partner Israels wird der zunehmende Einfluss der Charedim für größeren Verhandlungsbedarf sorgen, insbesondere wenn ein Anliegen liberale und emanzipatorische Werte betrifft.

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Die Strategische Partnerschaft zwischen Georgien und den USA: Vision gesucht

SWP - 21. Oktober 2020 - 0:00

Spätestens seit der Präsidentschaft Micheil Saakaschwilis hat die politische Führung in Georgien eine möglichst enge Anbindung des Landes an die USA und damit dessen geopolitische Verortung im »Westen« verfolgt. Seit 2009 strukturiert eine Strategische Partnerschaft die Kooperation.

Donald Trumps Politik des »America First« sowie eine angeblich weniger amerikafreundliche politische Führung in Georgien ließen Fragen über den Zustand des bilateralen Verhältnisses laut werden.

Einerseits sind die Beziehungen weiterhin eng, wurden in den letzten Jahren noch intensiviert und spielen für Tbilisi eine wesentliche Rolle. Andererseits verbinden die beiden Partner nicht überall dieselben Erwartungen, Funktionen und Prioritäten mit der Strategischen Partnerschaft.

Die USA legen einen Schwerpunkt auf Demokratie und Rechtsstaatlichkeit sowie entsprechende Reformen in Georgien. Die georgische Seite kon­zentriert sich auf den Bereich Sicherheit und Verteidigung sowie zunehmend auch Wirtschaft und Handel.

Das größte Hindernis für eine weitere Vertiefung der georgisch-amerika­nischen Beziehungen liegt jedoch darin, dass die USA keine strategische Vision für Georgien und die Region besitzen.

Diese strategische Leerstelle setzt Tbilisis Bestrebungen Grenzen, seine eigene imaginierte Geographie in Washington zu verankern. Ohne klare Strategie der USA schreibt die Strategische Partnerschaft Georgiens Liminalität, den Schwebestatus zwischen »Ost« und »West«, fort. Darin ähnelt sie dem Assoziierungsabkommen Georgiens mit der EU.

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Studie belegt: Bei Kinderarbeit im Kakaoanbau bricht die Schokoladenindustrie ihre Versprechen

SID Blog - 20. Oktober 2020 - 17:43
INKOTA und das Forum Fairer Handel fordern von der Bundesregierung ein ambitioniertes Lieferkettengesetz

 

Berlin, 20.10.2020 – Eine neue Studie im Auftrag des US-Arbeitsministeriums belegt: Die Schokoladenindustrie hat ihr Versprechen, die Kinderarbeit auf Kakaoplantagen bis 2020 um 70 Prozent zu reduzieren, klar gebrochen. Die Ergebnisse der Studie wurden gestern Nachmittag veröffentlicht. Demnach arbeiten noch immer rund 1,5 Millionen Kinder unter ausbeuterischen Bedingungen auf Kakaoplantagen in Westafrika, wo rund 70 Prozent des in Deutschland verarbeiteten Kakaos angebaut werden. Die Verbreitungsrate von Kinderarbeit in Westafrika hat in den letzten zehn Jahren trotz Bemühungen von Regierungen und Unternehmen nicht abgenommen. Verbraucher*innen in Deutschland müssen also davon ausgehen, dass in ihrer Schokoladentafel mit hoher Wahrscheinlichkeit ausbeuterische Kinderarbeit steckt. Die Entwicklungsorganisation INKOTA und das Forum Fairer Handel fordern deshalb von der Bundesregierung ein ambitioniertes Lieferkettengesetz, das Unternehmen haftbar macht, wenn sie eine Mitverantwortung für ausbeuterische Kinderarbeit tragen.

 

„Die Schokoladenindustrie hat ihr Versprechen gebrochen", kritisiert Johannes Schorling, Referent für Wirtschaft und Menschenrechte beim INKOTA-netzwerk. „Die Unternehmen haben zu wenig gegen Kinderarbeit getan und zu spät damit angefangen. Programme zur Bekämpfung der Kinderarbeit erreichen bisher nur einen kleinen Teil der Bauern, auch weil Unternehmen die hohen Kosten für solche Programme scheuen. Menschenrechte gibt es aber nicht zum Nulltarif. Unternehmen müssen bereit sein, die nötigen Kosten für die Vermeidung von Kinderarbeit zu tragen – dazu gehört auch die Zahlung eines existenzsichernden Kakaopreises."

 

Bereits 2001 hatten Schokoladenhersteller wie Mars und Nestlé im Harkin-Engel-Protokoll versprochen, die schlimmsten Formen der Kinderarbeit bis 2005 zu beenden. Das Ziel wurde in der Zwischenzeit mehrfach revidiert. Aktuell strebt die Industrie eine Reduzierung der Kinderarbeit um 70 Prozent bis 2020 an. Eine neue Studie des National Opinion Research Center (NORC) der Universität Chicago belegt nun, dass auch dieses Ziel verfehlt wurde: Rund 1,5 Millionen Kinder verrichten demnach in Ghana und der Elfenbeinküste ausbeuterische Kinderarbeit auf Kakaoplantagen – das sind 45 Prozent der Kinder in landwirtschaftlichen Haushalten in den Kakaoanbaugebieten. Damit hat trotz der bisherigen Bemühungen von Regierungen und Unternehmen zur Bekämpfung der Kinderarbeit diese in den letzten zehn Jahren nicht abgenommen. Insbesondere der Anteil der Kinder, die gefährlichen Chemikalien ausgesetzt sind, ist in den vergangenen Jahren sogar stark gestiegen.

 

„Armut ist eine der Hauptursachen für Kinderarbeit", sagt Andrea Fütterer, Vorstandsvorsitzende des Forum Fairer Handel. „Wir brauchen existenzsichernde Preise, die die Produktions- und Lebenshaltungskosten der Kakaobäuer*innen decken. Hier setzt auch der Faire Handel an." Mit Blick darauf, dass im globalen Wirtschaftssystem viele Unternehmen durch die Missachtung von Menschenrechten Wettbewerbsvorteile genießen, stoßen Fair-Handels-Akteure jedoch an ihre Grenzen. „Selbst in Brancheninitiativen wie dem Forum Nachhaltiger Kakao kommen die Mitgliedsunternehmen bisher nicht vollumfänglich ihren menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten nach. Es ist an der Zeit, einheitliche Regeln für alle Unternehmen festzuschreiben", so Fütterer.

 

INKOTA und das Forum Fairer Handel fordern deshalb von der Bundesregierung ein wirksames Lieferkettengesetz, das Betroffenen von Menschenrechtsverletzungen ermöglicht, vor deutschen Gerichten auf Schadensersatz zu klagen. Die Verhandlungen über Eckpunkte für ein Lieferkettengesetz wurden im Bundeskabinett zuletzt jedoch mehrmals vertagt, weil Wirtschaftsminister Peter Altmaier eine starke gesetzliche Regelung blockiert. „Die gebrochenen Versprechen der Schokoladenindustrie zeigen einmal mehr: Ohne klare gesetzliche Spielregeln kommen wir bei der Bekämpfung von Kinderarbeit nicht weiter", so Johannes Schorling.

 

Mehr Informationen:

Die Studie des National Opinion Research Center "Assessing Progress in Reducing Child Labor in Cocoa Production in Cocoa Growing Areas of Côte d'Ivoire and Ghana" finden Sie hier.


UNICEF warnt vor drohender Ernährungskrise in Sahelzone

SID Blog - 20. Oktober 2020 - 17:27
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UNICEF warnt vor drohender Ernährungskrise in Sahelzone 

Rund 7,2 Millionen Kinder in Mali, Niger und Burkina Faso brauchen dringend Unterstützung / Internationale Geberkonferenz in Kopenhagen 

© UNICEF/UNI319182/Coulibaly

Köln, den 20. Oktober 2020 // Die humanitäre Situation in der von zahlreichen Krisen betroffenen zentralen Sahelzone spitzt sich zu. Zunehmende Gewalt durch bewaffnete Konflikte und die Folgen der Covid-19-Pandemie haben die Situation der Bevölkerung dramatisch verschlechtert. Rund 7,2 Millionen Kinder in Burkina Faso, Mali und Niger benötigen dringend humanitäre Hilfe – zwei Drittel mehr als in 2019. Mehr als eine Millionen Kinder wurden in ihren eigenen Ländern vertrieben. Sauberes Trinkwasser ist knapper denn je, vor allem für Binnenvertriebene. 

UNICEF und das UN-Welternährungsprogramm (WFP) schätzen, dass die Zahl der Kinder, die an lebensbedrohlicher akuter Mangelernährung leiden, in diesem Jahr um ein Fünftel steigen könnte. So könnten in Mali, Niger und Burkina Faso dieses Jahr über 2,9 Millionen Kinder an akuter Mangelernährung leiden, 890.000 Kinder davon an schwerer akuter Mangelernährung. Die Situation ist besonders akut in Regionen in Burkina Faso, in denen viele Binnenvertriebene Zuflucht suchen. 

Bereits vor der Covid-19-Pandemie waren 4.000 Schulen im zentralen Sahel wegen zunehmender Gewalt und gezielter Angriffe geschlossen; aufgrund der Pandemie wurden auch die verbleibenden Schulen geschlossen. Die Zahl dokumentierter schwerer Kinderrechtsverletzungen, wie die Rekrutierung von Kindern, Vergewaltigungen und sexuelle Gewalt, steigt weiter an, insbesondere in Mali. 

Internationale Geberkonferenz zur Sahelzone: Kinder brauchen langfristige Lösungen

Anlässlich der heutigen internationalen Konferenz zur Sahelzone, die gemeinsam von Dänemark, Deutschland, der EU und den Vereinten Nationen ausgerichtet wird, appelliert UNICEF Deutschland an die teilnehmenden Regierungen, die dramatische Situation der Kinder in der Region in den Blick zu nehmen.

Die Kinder in der zentralen Sahelzone brauchen ein Ende der Gewalt und wirksame Maßnahmen gegen die Armut. Um Kinder bestmöglich zu schützen und dafür zu sorgen, dass sie lernen und ihr Potenzial verwirklichen können, müssen sowohl jetzt als auch in den kommenden Jahren weitaus mehr finanzielle Ressourcen zur Verfügung gestellt werden. 

Die humanitäre Hilfe in der Region ist bislang stark unterfinanziert: von den 210 Millionen US-Dollar, die allein UNICEF im laufenden Jahr für die humanitäre Hilfe in der zentralen Sahelzone braucht, standen bis Mitte Oktober nur ein Drittel der benötigten Mittel zur Verfügung; für die Bekämpfung der Covid-19-Pandemie lediglich knapp über die Hälfte der benötigten 65,7 Millionen US-Dollar. 

Der chronischen Krisensituation in der Sahelzone kann langfristig nur mit gezielten Investitionen für die am meisten benachteiligten Menschen begegnet werden.

Gemeinsam mit seinen Partnern versorgt UNICEF Kinder mit lebensrettender therapeutischer Nahrung, Impfungen und sichert den Zugang zu Trinkwasser. UNICEF unterstützt zudem Kinder, die von bewaffneten Gruppierungen befreit werden konnten oder sexueller Gewalt ausgesetzt waren. Des Weiteren unterstützt UNICEF die Regierungen dabei, Fernunterricht und Lernangebote über das Fernsehen, Radio und durch die Bereitstellung von Schulmaterialien auszuweiten und setzt sich dafür ein, dass die Schulen trotz der Pandemie wieder öffnen und sicher arbeiten können.

Die deutsche Bundesregierung unterstützt UNICEF in der Region sowohl durch humanitäre Hilfe als auch durch langfristige Maßnahmen, wie beispielsweise der Stärkung von sozialen Sicherungssystemen, um die Widerstandskraft der Kinder und Familien in der Region umfassend zu stärken.

» Weitere Informationen zu dem Thema finden Sie auch auf unserer Webseite.


UNICEF: Über eine halbe Milliarde Spritzen für eventuelle Covid-19-Impfungen

SID Blog - 20. Oktober 2020 - 17:26
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UNICEF beschafft über eine halbe Milliarde Spritzen für eventuelle Covid-19-Impfungen

Schon vor der Covid-19-Pandemie hat UNICEF sich für die Voraussetzungen sicherer und wirksamer Impfungen, z.B. durch die Einhaltung von Kühlketten, eingesetzt. | © UNICEF/UN0349001/Obel

New York / Köln, den 19. Oktober 2020 // Während weltweit auf einen Covid-19-Impfstoff gewartet wird, hat UNICEF gemeinsam mit Gavi (Global Alliance for Vaccines and Immunization) und der WHO damit begonnen, die Voraussetzungen für eine schnelle, sichere und wirksame Auslieferung eines möglichen Impfstoffs zu schaffen. Dazu werden bereits jetzt Spritzen und andere notwendige Hilfsgüter beschafft und Kühlketten überprüft.

Sobald Covid-19-Impfstoffe erfolgreich alle Tests durchlaufen haben, lizensiert und zur Nutzung empfohlen sind, werden weltweit ebenso viele Spritzen wie Impfdosen benötigt. UNICEF wird deshalb noch in diesem Jahr 520 Millionen Spritzen in Warenlagern deponieren. Damit soll sichergestellt werden, dass die notwendigen Spritzen in den Ländern vorhanden sind, bevor die Impfstoffe eintreffen.

„Um später rasch voranzukommen, müssen wir schon jetzt schnell handeln."

Unter der Voraussetzung, dass genügend Covid-19-Impfstoff zur Verfügung steht, plant UNICEF im kommenden Jahr über eine Milliarde Spritzen zu beschaffen – zusätzlich zu den 620 Millionen Spritzen, die UNICEF für Impfprogramme gegen Krankheiten wie Masern oder Typhus bereitstellt.

„Weltweit gegen Covid-19 zu impfen wird eine der größten Anstrengungen in der Menschheitsgeschichte werden und wir werden genauso schnell reagieren müssen wie die Impfstoffe hergestellt werden", erklärte UNICEF Exekutivdirektorin Henrietta Fore. „Um später rasch voranzukommen, müssen wir schon jetzt schnell handeln. Bis Ende dieses Jahres werden wir bereits eine halbe Milliarde Spritzen dort eingelagert haben, von wo aus sie schnell und kostengünstig eingesetzt werden können."

Gavi wird im Rahmen der langjährigen Zusammenarbeit mit UNICEF die Kosten für die Beschaffung von Spritzen und sicheren Entsorgungsboxen tragen. Sie werden dann für die COVAX-Initiative (COVID-19 Vaccine Global Access Facility) sowie – falls notwendig – für andere von Gavi finanzierte Impfprogramme eingesetzt.

Neben Spritzen beschafft UNICEF auch fünf Millionen Sicherheitsboxen, damit das Personal in Gesundheitseinrichtungen benutzte Spritzen und Nadeln sicher entsorgen kann. So wird dem Risiko von Stichverletzungen und durch Blut übertragbaren Krankheiten vorgebeugt.

Impfbedarf wie Spritzen und Sicherheitsboxen lassen sich fünf Jahre lang einlagern. Der nötige Vorlauf für die Beschaffungszeiten ist ebenfalls lang, denn Spritzen und Boxen sind sperrig und müssen per Seefracht transportiert werden. Hitzeempfindliche Impfstoffe hingegen werden normalerweise per Luftfracht transportiert. Neben der Zeitersparnis nimmt die frühzeitige Beschaffung von Spritzen und Sicherheitsboxen Druck von den Märkten und greift möglichen Nachfragespitzen für diese Produkte vor, sobald Impfstoffe verfügbar sind.

Spritzen und Sicherheitsboxen beschaffen, Kühlketten sichern

Als wichtigster Beschaffungskoordinator für Gavi ist UNICEF schon heute der weltweit größte Einkäufer von Impfstoffen. So stellt UNICEF jährlich zwei Milliarden Dosen Impfstoffe für Routineimpfungen und bei Krankheitsausbrüchen für 100 Länder bereit. Jedes Jahr beschafft UNICEF Impfstoffe für die Hälfte aller Kinder weltweit und stellt rund 600 bis 800 Millionen Spritzen für Routineimpfungen bereit. 

„In den letzten beiden Jahrzehnten hat Gavi zusätzlich 822 Millionen Kindern in den ärmsten Ländern Zugang zu dringend notwendigen, lebensrettenden Impfungen ermöglicht", sagt Seth Berkley, Geschäftsführer von Gavi. „Dies wäre ohne die Partnerschaft mit UNICEF nicht möglich gewesen. Die gleiche Zusammenarbeit wird nun für die Arbeit von Gavi im Rahmen von COVAX entscheidend sein."

Um sicherzustellen, dass Impfstoffe mit der richtigen Temperatur transportiert und gelagert werden, überprüft UNICEF die vorhandenen Kühlketten und Lagerkapazitäten – im privaten wie im öffentlichen Bereich – und bereitet notwendige Orientierungshilfen vor, damit Länder die Impfstoffe entgegennehmen können.

Schon vor der Covid-19-Pandemie hatte UNICEF mit Unterstützung von Gavi und zusammen mit der WHO in zahlreichen Ländern die Kühlketten der Gesundheitseinrichtungen verbessert, damit Impfstoffe beim Transport sicher und wirksam bleiben. Seit 2017 wurden über 40.000 Kühlschränke, darunter auch Solar-Kühlschränke, installiert, vor allem in Afrika.

In vielen Ländern fördert UNICEF Solar-Technologie, damit die Länder ihre Versorgungsketten aufrechterhalten können. Im Südsudan, dem Land mit der schlechtesten Elektrizitätsversorgung weltweit, in dem die Temperaturen häufig über 40 °C liegen, stattete UNICEF mehr als 700 Gesundheitseinrichtungen mit Solar-Kühlschränken aus. Das entspricht etwa jeder zweiten Gesundheitseinrichtung im Land.


5 Jahre Agenda 2030: Bildung für jedes Kind

Unicef - 20. Oktober 2020 - 15:00
Vor fünf Jahren wurde die Agenda 2030 verabschiedet. Welche Fortschritte wurden seitdem zu ihrer Umsetzung gemacht? Und welchen Beitrag kann UNICEF gemeinsam mit Partnern in Ländern leisten, in denen Kindern aufgrund von Krisen und Konflikten besonders dringend Unterstützung brauchen?
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Die Mischung macht’s

E+Z - 20. Oktober 2020 - 14:54
Politischer Wille und gesellschaftliche Bewusstseinsbildung sind die Basis für gute Ernährung

Die Karibikinsel Hispaniola beherbergte einst eine reichhaltige Flora und Fauna. Das heutige Haiti, das die Osthälfte dieser Insel einnimmt, war im 18. Jahrhundert Frankreichs reichste Kolonie. Doch die Kolonisatoren beuteten Menschen und natürliche Ressourcen brutal aus, was zum Verlust von Biodiversität führte. Durch den Raubbau kam es zu langfristigen Fehlentwicklungen, die Haiti zu einem der ärmsten Länder der Welt gemacht haben.

Durch Abholzung der Wälder und die darauffolgende Erosion sind rund die Hälfte der fruchtbaren Böden verlorengegangen und nicht mehr für die landwirtschaftliche Produktion nutzbar. Das verheerende Erdbeben von 2010 sowie zahlreiche tropische Wirbelstürme haben Verwüstungen hinterlassen. Die ohnehin geringen Ernten der Bauern und Bäuerinnen wurden zerstört.

Zu den Gründen dafür, dass Menschen in Haiti und anderen Ländern hungern, gehören Naturkatastrophen, degradierte Böden, zerstörte Infrastruktur und nicht funktionsfähige Märkte, Korruption, gewalttätige Auseinandersetzungen sowie mangelnde Bildung. Ungleichheiten zwischen Stadt und Land, Frauen und Männern gehören ebenfalls dazu. Diese komplexen und miteinander verknüpften Ursachen zu überwinden ist eine gewaltige Herausforderung.

Recht auf Nahrung gilt für alle weltweit

Die Bekämpfung der Ursachen von Hunger und Mangelernährung ist ein zentrales Ziel der Weltgemeinschaft. Bereits in den 1960er Jahren verankerte sie das Recht auf eine angemessene Ernährung in der Charta der Menschenrechte. Die weltweiten Anstrengungen, dieses Recht umzusetzen, haben durchaus Erfolge erzielt. Dennoch hungern heute laut der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (Food and Agriculture Organization – FAO) 690 Millionen Menschen, und rund 2 Milliarden leiden unter Mikronährstoffmangel (siehe Hintergrundkasten). Ob das zweite UN-Ziel für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goal – SDG), bis 2030 die Welt von Hunger und Unterernährung zu befreien, erreicht wird, ist sehr fraglich.

Eine gesunde Ernährung ist die Grundlage für ein gesundes und aktives Leben. Wir brauchen Energie, Fette, Kohlenhydrate, Eiweiß, Mineralstoffe und Vitamine aus der Nahrung, um zu wachsen, die Körperfunktionen aufrechtzuerhalten, ein starkes Immunsystem zu unterhalten und dem Körper Material zur Regeneration zu liefern.

Eine gesunde Ernährung ist das ganze Leben lang wichtig. Babys kommen gesund zur Welt, wenn sie schon während der Schwangerschaft mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt waren. Junge Frauen sollten sich hochwertig ernähren, damit sie, falls sie schwanger werden und anschließend ein Baby stillen, sich und den Körper des Kindes bestmöglich versorgen. Während der Schwangerschaft brauchen sie zusätzliche Mikronährstoffe wie etwa Folsäure und Jod. Eine gute Ernährung ist die Voraussetzung dafür, dass Frauen und Männer, Mädchen und Jungen Leistung erbringen können und gesund bleiben.

Die ersten 1000 Tage des Lebens, gerechnet von der Empfängnis bis zum 2. Geburtstag, sind entscheidend für die Entwicklung von körperlichen und geistigen Fähigkeiten. Defizite in diesem Zeitraum können zu irreversiblen Schäden führen. Mangelernährte Babys und Kinder können niemals ihre gesamte kognitive und körperliche Leistungsfähigkeit entwickeln. Die Folge ist ein Teufelskreis aus Hunger, Fehl­ernährung, schlechter schulischer Leistung und minderen Chancen auf dem Arbeitsmarkt, was wiederum zu Armut führt – eine Hauptursache für Mangelernährung.

Gesunde Ernährung ist vielseitig

Für eine gesunde Ernährung ist von zentraler Bedeutung, welche Lebensmittel verfügbar sind und in welchen Mengen sie die wichtigen Nährstoffe enthalten. Die optimale Kombination ist entscheidend, um eine ausgewogene Nährstoffversorgung sicherzustellen. Je nach Region, Klimazone und kulturellen Gepflogenheiten kann diese Mischung sehr unterschiedlich aussehen. Lebensmittel müssen frei sein von Kontaminationen aus Anbau, Lagerung und Verarbeitung und zugänglich und bezahlbar auch für ärmere Menschen.

Große Ungleichheit zwischen einzelnen Ländern und innerhalb der Bevölkerung machen es schwer, die Empfehlungen umzusetzen. Unterernährung und Übergewicht existieren inzwischen gleichzeitig in den meisten Ländern weltweit. Unterschiedlich ist nur die Anzahl der Betroffenen. In Europa, Ozeanien und weiten Teilen Amerikas gibt es vornehmlich Übergewicht und Fettleibigkeit. In anderen Ländern sind weite Teile der Bevölkerung unterernährt, während gleichzeitig in den Städten Menschen mit Übergewicht leben. Mangel an wichtigen Mikronährstoffen wie Jod und Eisen sind überall verbreitet. All diese Formen von Fehlernährung belasten die Betroffenen, Volkswirtschaften und Gesundheitssysteme stark.

Langfristige Programme, die auf Ernährungsbildung und Verhaltensänderung abzielen, können zu einer Verbesserung der Ernährung beitragen. Als erfolgreich hat sich zum Beispiel erwiesen, bei der Ernährung im Säuglings- und Kleinkindalter anzusetzen. In den ländlichen Gebieten Haitis wissen nur wenige Menschen, dass die schlechte Gesundheit eines sehr dünnen Kindes unter anderem auf zu frühes Abstillen sowie eine mangelhafte und einseitige Ernährungsweise zurückzuführen ist. Diesen Kindern wird ein traditionelles Amulett um den Hals gehängt, um sie vor dem „Geist“ zu beschützen, der die Unterernährung auslöst. Da die Ursache im übernatürlichen Bereich vermutet wird, bekommen die Kinder kein besseres Essen und die Familie holt auch keinen Rat im Gesundheitszentrum ein. In solchen Fällen kann Aufklärung helfen.

Das Wissen um eine gute Ernährung alleine reicht jedoch nicht aus. Kulturelle Vorlieben und Tabus, der persönliche Geschmack, zeitliche Zwänge bei der Zubereitung von Mahlzeiten sowie die Kosten, der Anbau und die saisonale Verfügbarkeit von Lebensmitteln bestimmen den Konsum und den Abwechslungsreichtum auf dem Teller entscheidend mit.

Für viele Menschen in Entwicklungsländern geht es im täglichen Leben vorrangig darum, satt zu werden. Wenn das Familieneinkommen zum größten Teil für die Beschaffung von Nahrungsmitteln verwendet wird, wollen viele Menschen möglichst viel Essen für möglichst wenig Geld bekommen. Frisches Obst, Gemüse und tierische Lebensmittel sind für sie oft unerschwinglich. Stattdessen greifen sie zu kohlenhydratreichen Grundnahrungsmitteln oder günstigen Fertigprodukten. Dies führt langfristig zu Fehlernährung.

 

Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz

Bei akutem und chronischem Mangel an Mineralstoffen und Vitaminen, aber auch in besonderen Lebenssituationen wie Schwangerschaft und Stillzeit können Nahrungsergänzungsmittel durchaus helfen. Angereicherte oder fortifizierte Grundnahrungsmittel sorgen für eine breite Verteilung von Mikronährstoffen in der Bevölkerung. Allerdings ersetzen sie keine abwechslungsreiche Kost. Ein Lebensmittel ist mehr als die Summe seiner Nährstoffe. Es gibt eine Vielzahl an sekundären Pflanzenstoffen, die positive Wirkungen auf den Stoffwechsel und präventive Eigenschaften haben und die nur in natürlichen Lebensmitteln enthalten sind. Mineralstoffe und Vitamine sind in echten Nahrungsmitteln oft so „verpackt“, dass der Körper sie langsam aufnehmen kann. Dagegen werden falsche Dosen an Nahrungsergänzungsmitteln rasch ausgeschieden und erzielen keinen Effekt im Menschen.

Mikronährstoffgaben bekämpfen außerdem nicht die strukturellen Ursachen von Mangelernährung. Dafür braucht es vor allem wirkungsvolle politische Strategien, die auf eine gesunde Ernährung ausgerichtet sind. Langfristig angelegte Aufklärungs- und Schulungskampagnen im Bereich der Ernährungsbildung können eingeschliffene Verhaltensweisen verbessern. Die Kosten für gesundes Essen sind maßgeblich für die Abwechslung auf dem Teller. Hier tragen Regierungen sowie Nahrungsmittelproduzenten große Verantwortung: Sie müssen dafür sorgen, dass das, was eine gesunde Ernährung ermöglicht, auch im letzten Winkel der Erde verfügbar und erschwinglich ist.

In Haiti zeigen sektorübergreifende Ansätze, die nachhaltige Landwirtschaft, verbesserte Hygiene, sauberes Trinkwasser und Ernährungsbildung miteinander verknüpfen, gute Erfolge. Ziel ist es, lokale und regionale Autoritäten stärker in die Planung und Umsetzung dieser Maßnahmen einzubeziehen. Doch erst wenn die Politik und die Menschen gute Ernährung als wichtiges Thema ansehen, verbessert sich die Ernährungssituation dauerhaft.

Simone Welte ist Nutrition Advisor bei der Welthungerhilfe.
simone.welte@welthungerhilfe.de

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Dialogue 1: ODA graduation in times of changing global relations and partnerships

DIE - 20. Oktober 2020 - 14:30

The right to receive official development assistance (ODA) has been linked to a definition that relates “developing” with certain levels of gross domestic product per capita, irrespective of transformative needs, such as exemplified in the 2030 Agenda for sustainable development. Increasing GDP levels lead to a growing number of developing countries “graduating” to the status of non-ODA receivers. International development cooperation has been focused on a rather narrow understanding of development which is now surpassed by the need to engage in universal transformation processes which requires a strengthening and reinvention of international cooperation. In this chapter, Imme Scholz (DIE) and Elizabeth Sidiropoulos (SAIIA) discuss the following questions with Andreas Proksch and Juliane Kolsdorf (GIZ): What are the overarching issues determining world politics and who are the old and the new actors driving them? What is the impact of these global shifts on international cooperation, especially development cooperation? Of what relevance are roles, status and categories and what is the impact of changes in positions and relations? What challenges face multilateralism and what ways exist to maintain and renew strategic partnerships and shared values?

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