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Kommunalen Zusammenhalt fördern

Engagement Global Presse - 16. Mai 2022 - 9:47
Auftakt zu mehr kommunalen Zusammenhalt. Foto: Engagement Global/Andreas Grasser

Gesellschaftlicher Zusammenhalt beschäftigt Kommunen weltweit. Weitreichende Veränderungsprozesse wie Klimawandel oder Pandemien lassen gemeinsames Engagement immer relevanter werden. Die 17 Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030 können nur gemeinsam erreicht werden. Deswegen hat die Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) ein neues Handlungsfeld geschaffen, das Kommunen umfangreiche Vernetzungs- und Beratungsangebote in diesem neuen Handlungsfeld bietet.

Zum Start lädt die SKEW am Donnerstag, 19. Mai 2022, und Freitag, 20. Mai 2022, in die Manufaktur in Mannheim ein. Es werden bis zu 100 Teilnehmende aus Kommunen und Zivilgesellschaft bundesweit erwartet.

Einladung zum Auftakt des neuen Handlungsfeldes

Bei der Auftaktveranstaltung informiert die SKEW ausführlich über die neuen Vernetzungs- und Beratungsangebote und beantwortet Fragen. Außerdem werden besonders innovative Kommunen am Donnerstag, 19. Mai 2022, erfolgreiche Instrumente zur Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts vorstellen; darunter etwa die Städte Durban (Südafrika), Bogotá (Kolumbien), Bremen, Althengstett und Mannheim. Experten von der Bertelsmann Stiftung und vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE) geben zudem Einblicke in ihre Forschung über gesellschaftlichen Zusammenhalt, thematisieren auch internationale Diskurse und die lokale Relevanz.

Am Freitag, 20. Mai 2022, sind Workshops zur „Stärkung der lokalen Zusammenarbeit in der kommunalen Entwicklungspolitik“ und zum „Internationalen Austausch zu gesellschaftlichem Zusammenhalt“ geplant. Mit einem Improvisationstheater wird außerdem ein kreativer Blickwinkel auf die Thematik geboten.

Pressevertreterinnen und -vertreter sind herzlich zu der Auftaktveranstaltung eingeladen. Falls Sie Interviews mit anwesenden Kommunalvertretungen führen möchten, bitten wir um eine Anmeldung bis Mittwoch, 18. Mai 2022, 20 Uhr, an jennifer.Ichikawa@engagement-global.de

Über die SKEW

Die SKEW ist das Kompetenzzentrum für kommunale Entwicklungspolitik in Deutschland. Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung steht sie den Kommunen seit 2001 als Service- und Beratungseinrichtung zur Verfügung. Die SKEW berät, vernetzt, fördert und qualifiziert Kommunen bei der lokalen Umsetzung der Agenda 2030 in den Handlungsfeldern global nachhaltige Kommune, gesellschaftlicher Zusammenhalt, fairer Handel und faire Beschaffung, kommunale Partnerschaften und internationale entwicklungspolitische Kommunalbeziehungen.

  • Ort: Manufaktur Mannheimer Genusswerk - Industriestraße 35, 68169 Mannheim
  • Datum: Donnerstag, 19. Mai 2022, bis Freitag, 20. Mai 2022,
  • Uhrzeit: Donnerstag, ab 12 Uhr, bis Freitag, 13 Uhr, optionales Rahmenprogramm bis 15:30 Uhr
Ansprechpersonen

Presseanfragen

Petra Gohr-Guder
Pressesprecherin
Engagement Global gGmbH
presse@engagmenent-global.de

Anmeldung für die Auftaktveranstaltung

Jennifer Ichikawa
Servicestelle Kommunen in der Einen Welt
+49 228 20717 2348
Jennifer.Ichikawa@engagement-global.de

Weitere Informationen
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Kinderarbeit: Die sieben wichtigsten Fragen und Antworten

Unicef - 16. Mai 2022 - 8:00
Hier finden Sie die wichtigsten Infos zu Kinderarbeit im Überblick – und so viel vorweg: Wenn Ihre Kinder nicht beim Aufräumen oder Rasen mähen helfen wollen und sich dabei auf das Verbot von Kinderarbeit berufen, dürfen Sie getrost widersprechen.
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Auf Finnland dürfte Schweden folgen Russland hat die hirntote Nato wiederbelebt

SWP - 13. Mai 2022 - 15:34
Der Ukraine-Krieg untermauert den Wert des Verteidigungsbündnisses. Der Versuch von Russlands Präsident Putin ist nach hinten losgegangen. Ein Gastbeitrag.
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„Die Zukunft der ukrainischen Kinder ist in Gefahr - Der Krieg muss aufhören“

Unicef - 13. Mai 2022 - 14:00
Statement von Omar Abdi, Stellvertretender Exekutivdirektor von UNICEF, vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen am 12.5.2022
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E+Z/D+C 2022/06 – op – Charles Martin-Shields – Twitter

E+Z - 13. Mai 2022 - 11:38
The implications of an important social-media platform depending on a billionaire’s whims

In the global south, Twitter is not as popular as other social-media platforms such as WhatsApp, Telegram, TikTok or Facebook. It is nonetheless an important global forum that shapes public debate and influences people.

Many internet users will not personally notice Twitter’s relevance to political discourse, since it has a comparatively small user base. What matters is that specific groups heavily rely on Twitter, including journalists, public intellectuals and policymakers. What makes Twitter valuable is the networks of people who belong to these elite circles.

Rewarding celebrity

Prominent persons have the greatest reach on Twitter, as personalities from politics, the media, pop culture et cetera have the most followers. Bots – software that automatically shares and retweets specific messages – are known to boost propaganda in manipulative ways. However, an average person would probably be unable to attract a large number of followers even with the support of an army of bots.

Musk has more than 90 million followers on Twitter. He is known for jokes, sarcasm and leaking proprietary business information, which earned him the attention of the Security and Exchange Commission, the stock-market regulator in the USA. To him, “freedom” seems to mean doing what he wants without a government agency getting in his way, an attitude we often see among oligarchic populists (see Hans Dembowski on www.dandc.eu).

Musk rules?

Depending on how Musk might change Twitter’s rules, the platform may either strengthen democratic deliberation or authoritarian populism in the future. Crucial issues will be who is allowed to use Twitter and what kind of messaging is permitted. Musk claims to be a “free-speech absolutist”. For all practical purposes, that will probably mean that anyone with a loud voice will be free to state whatever they want – including disinformation, hate speech and lies. When this manuscript was finalised in mid-May, the prospective Twitter owner had tellingly just said he does not want former US president Donald Trump to stay barred from the platform.

In the global south, Twitter will most likely keep amplifying powerful members of the elite. Debates that start on Twitter often find their way onto other social-media platforms as well as into mainstream media. India’s reactionary Hindu supremacists typically rely on WhatsApp to amplify messages, whereas Russian and Ukrainian actors are using Telegram channels for the propaganda campaigns as part of the ongoing war.

Would a new Twitter leadership make matters worse? It is unlikely that the platform will become an unusable hub of mis-and disinformation. Though Musk denies he has an economic interest in Twitter, he would not have become a billionaire without caring for money. To generate revenues, he has proposed charging Twitter users “a small fee”. That might make the platform even more elitist.

Should Musk try to turn Twitter into a commercial platform like Instagram or Facebook, the constant flow of advertising would probably make serious voices from civil society, politics and journalism abandon it. Twitter’s current role would be compromised. In the USA, pro-democracy Twitter users have begun to leave the platform. Such a trend might well prove harmful to both Twitter and democracy.

Complex algorithm

Musk has also said he wants the Twitter algorithm, which determines what people see on their timelines, to be transparent. Transparency would reduce the scope for manipulation. However, the algorithm is quite complex, so only few people would actually understand it.

What is more publicly relevant is who Musk hopes will support his $ 44 billion acquisition. Relevant allies include an investment fund controlled by the reactionary Royal House of Qatar, a superrich Saudi Prince and software billionaire Larry Ellison of Oracle.

Twitter is an important platform of international debate. Now it seems at risk of becoming a billionaire’s toy. We should consider that a warning.

Charles Martin-Shields is a senior researcher at the German Development Institute in Bonn.
charles.martin-shields@die-gdi.de

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Die Richtung stimmt – Macrons Idee einer „europäischen politischen Gemeinschaft“ mit der Ukraine

SWP - 13. Mai 2022 - 11:27

Zu Beginn seiner zweiten Amtszeit hielt Präsident Macron am 9. Mai eine Rede zur Reform und Erweiterung der EU. Während andere Spitzenpolitiker über den prompten Kandidatenstatus für die Ukraine und einen beschleunigten Aufnahmeprozess sprechen, setzt Macron einen ganz anderen Akzent. Er lanciert die Idee eines neuen Formats für europäische Länder, die die Werte der EU teilen, deren Beitritt aber in weiter Ferne liegt. Bei der Ukraine rechnet Macron realistisch mit Jahrzehnten bis zur EU-Mitgliedschaft. Das neue Format soll jene Kooperationsfelder umfassen, die vor allem für das sogenannte Assoziierte Trio, bestehend aus Ukraine, Georgien und Moldau, besonders relevant sind. Das sind Infrastruktur (Verkehr, Energie), die Modernisierung der Wirtschaft und nicht zuletzt die sicherheitspolitische Kooperation mit EU-Ländern. Macron nennt explizit die Freizügigkeit für Personen. Interessanterweise unterstreicht er, dass dieses neue Format ein politisches Profil haben sollte und nennt es entsprechend „europäische politische Gemeinschaft“ (EPG). Dies signalisiert, die EPG soll mehr sein als eine reine Wirtschaftsintegration, wie sie die EU und drei Mitgliedstaaten der Europäischen Freihandelsassoziation mit dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) begründet haben.

Ein Europäischer Politik- und Wirtschaftsraum

Macrons Vorschlag ist wohl noch nicht sorgfältig ausgearbeitet, aber gerade das bietet anderen Akteuren die Möglichkeit, ihre eigenen Vorstellungen einzubringen. Und die Grundidee ist klar: eine enge Anbindung durch Kooperation und Integration unterhalb der Mitgliedschaft, in der Spur der immer engeren Assoziierung. Es geht – zumindest zunächst – nicht um Mitgliedschaft, die bis dato immer Vollmitgliedschaft mit befristeten Übergangsregelungen bedeutete. Und es geht auch nicht um einen neuen Status der Teilmitgliedschaft in der EU.

Eine dem Macron-Vorschlag verwandte Überlegung ist die Schaffung eines Europäischen Politik- und Wirtschaftsraums (EPWR). Dessen Ziel wäre es, ungefestigten osteuropäischen Transformationsstaaten, die sich in einem prekären Sicherheitsumfeld befinden und mittelfristig weder auf eine EU- noch auf eine Nato-Mitgliedschaft bauen können, eine sichtbare und effektive Anbindung an das demokratische Europa zu bieten. Er wäre nicht einfach ein EWR 2.0, in dem die Binnenmarkt-Gesetzgebung der EU in Gänze für alle Teilnehmer verbindlich ist. Denn im EPWR müssten die Partnerländer der EU den Binnenmarkt-Acquis nicht zwingend komplett, sondern nur schrittweise übernehmen. Die vertieften und umfassenden bilateralen Freihandelsabkommen (DCFTA) mit der Ukraine, Georgien und Moldau sind dafür bereits eine gute Ausgangsbasis. Darüber hinaus sollten weitere Politikfelder zum EPWR gehören, wie Agrarhandel und Landwirtschaft und die Vielzahl von Projekten und Programmen im Rahmen des Green Deal und der digitalen Transformation. Ein weiteres wichtiges Feld wäre die sicherheitspolitische Zusammenarbeit und die sukzessive Einbindung der Trio-Länder in die Strukturen und Aktivitäten der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik der EU (GASP).

Im EPWR müsste ein eigener Mechanismus für die Übernahme von oder Harmonisierung mit EU-Recht geschaffen werden. Hinzu kämen Anreize für die Umsetzung der Verpflichtungen durch maßgeschneiderte Fonds und ein Monitoring. Für den EPWR müssten eigene Organe geschaffen werden, die sich am Institutionengefüge des EWR orientieren können. Zu überlegen wäre, ob analog zum EFTA-Pfeiler im EWR auch die Trio-Länder einen Pfeiler bilden könnten, beginnend mit einem gemeinsamen Sekretariat des Assoziierten Trios. Die Voraussetzungen für eine Mitgliedschaft sind auch im EPWR sehr anspruchsvoll: Im Hinblick auf die Um- und Durchsetzung von Recht in einem gemeinsamen Politik- und Regulierungsraum brauchen sie eine funktionierende Marktwirtschaft und Gewaltenteilung sowie eine leistungsfähige Verwaltung.

Politisches Momentum

Macrons Vorschlag für eine „europäische politische Gemeinschaft“ kann sich also auf viele Überlegungen stützen, die seit längerem in akademischen und politischen Zirkeln auf Alternativen zur Erweiterung und zur immer größer werdenden Union gerichtet waren. Auch im Lissabonner Vertrag gibt es mit dem Artikel 8 EUV über die EU und ihre Nachbarn einen Anknüpfungspunkt für „spezielle Übereinkünfte“. Die Option wurde nicht von ungefähr in einer Zeit in die Verträge eingefügt, in der die EU die Europäische Nachbarschaftspolitik und später das Projekt der Östlichen Partnerschaft anstieß.

Trotz der vielen Ansätze haben diese Vorschläge politisch nie Fahrt aufgenommen. Jetzt könnte ein politisches Momentum entstehen, weil die Ukraine den Erwartungs- und Erweiterungsdruck auf die EU maximiert und weil sie über sehr lange Zeit erhebliche Unterstützung für den Wiederaufbau und die Übernahme des EU-Sekundärrechts benötigt. Zudem befinden sich die Ukraine wie auch Georgien und Moldau in einer prekären sicherheitspolitischen Lage, so dass die Regel der letzten Osterweiterungen – erst Nato-, dann EU-Mitgliedschaft – kaum direkt anzuwenden sein wird. Auch die EU braucht Zeit: Sie müsste allein schon wegen der zugesagten Beitrittsperspektive für die sechs Westbalkan-Länder ihre Institutionen und Entscheidungsverfahren vor einer Erweiterung in Richtung auf mehr Legitimität und Effizienz reformieren. Macron drängt bereits seit längerem darauf, ebenso wie auf Reformen in der Fiskal-, Wirtschafts- und Verteidigungspolitik. Das schließt eine Überarbeitung der europäischen Verträge nicht aus.

Die Debatte um Vertiefung und Erweiterung ist damit wieder eröffnet. Deutschland sollte aus der Deckung kommen und zusammen mit Frankreich eine gemeinsame Agenda erarbeiten. Zumindest findet Bundeskanzler Scholz den EPG-Vorschlag Macrons interessant, andere werden darin ein Täuschungs- und Ablenkungsmanöver sehen, mit dem das stets erweiterungsskeptische Paris die Erweiterung der EU torpediert. Aber es gibt gute Gründe, zweigleisig vorzugehen und jetzt mit der EPG oder einem EPWR eine zweite Trasse neben der der EU-Mitgliedschaft anzulegen. Es geht ja in dieselbe Richtung.

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Our HOOP and SCALIBUR Projects Host the Circular Economy Week in Albano Laziale, Italy – Meet Us There From 17 to 20 May 2022!

SCP-Centre - 13. Mai 2022 - 11:22

With a share of 34 %, biowaste is the largest single component of municipal waste in the EU. Recycling of biowaste is key for meeting the EU target to recycle 65% of municipal waste by 2035, containing a high potential for contributing to a more circular economy, delivering valuable soil-improving material and fertilisers as well as biogas, a source of renewable energy*.

The first Circular Economy Week in the city Albano Laziale is organised by our projects SCALIBUR and HOOP, funded by the EU to support cities and regions to develop circular biowaste systems. The Circular Economy Week will focus on biowaste management and circularity, aiming to raise awareness locally about circular initiatives and emerging technological solutions for the valorisation of organic waste.

Four in-person events will take place during the Circular Economy Week involving a broad range of stakeholders such as policy-makers, waste management companies, service providers, agricultural associations, busineses, citizens, and students. Each event will focus on a specific aspect linked to the Circular Economy and the valorisation of biowaste.

On 17 May, the Circular Economy Week will kick off with the public seminar “Opportunities for innovation and practices for the Circular Economy: The role of Albano Laziale and best practices in Europe”. To join the seminar, please register here.

On 18 May, the seminar “New frontiers for the circular economy: Investing in the bioeconomy” will address field experts and focus on economic and employment opportunities generated by new technologies. Join the seminar by registering here.

On 19 May, two participative workshops on the topic of “Circular Cities 2030” will be held to promote the involvement of students and citizens of all ages in the processes of building local scenarios and policies. Please register here to join.

The Circular Economy Week will end on 20 May with a “Circular Economy Exhibition“ at the Palazzo Savelli in Albano Laziale. The exhibition will display circular innovative products created by local companies and non-profit associations that promote reuse, circular economy, and environmental and social sustainability.

For additional information and the detailed agenda in English and Italian, please visit the websites of our SCALIBUR and HOOP projects.

For further questions, please contact Francesca Grossi.

*European Environment Agency 2020

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Nach Regionalwahl: Streit um das Nordirland-Protokoll

SWP - 13. Mai 2022 - 9:00

Der Wahlsieg der nationalistischen Partei Sinn Fein und die Schwäche der unionistischen DUP haben Nordirland ein historisches politisches Erdbeben beschert. Bemerkenswert ist zunächst die Größe der politischen Verschiebungen. Denn auch bald 25 Jahre nach dem Karfreitagsabkommen war die Politik in Nordirland bis dato sehr stabil, indem die pro-britische, protestantische Bevölkerung größtenteils für unionistische Parteien abstimmte und die katholische, pro-irische Bevölkerung größtenteils für republikanisch-nationalistische Parteien. Kernbestandteil des Karfreitagsabkommens ist, dass die stärksten Parteien aus beiden Lagern eine Einheitsregierung bilden. Mit 27 von 90 Sitzen hat Sinn Fein aber nunmehr als stärkste Fraktion erstmals Anspruch auf den Posten der Ersten Ministerin.

Ein zeitnahes Referendum über den Austritt aus dem Vereinigten Königreich und Vereinigung mit der Republik Irland wird es zwar mangels Mehrheit im nordirischen Parlament und in der Bevölkerung nicht geben. Ein symbolischer Sieg für die irisch-katholischen Nationalisten ist es jedoch trotzdem. Aus Londoner Sicht erhöht der Wahlsieg Sinn Feins zudem den Druck auf die Unionisten in Nordirland und trägt gemeinsam mit dem Nordirland-Protokoll zu einer Destabilisierung in Nordirland bei. Denn die DUP hat bereits zur Bedingung für eine neue Regierung gemacht, dass die Frage des Nordirland-Protokolls »gelöst« wird. Die britische Regierung bereitet hierfür einen Gesetzesentwurf vor, mit dem sie droht – als Druckmittel gegen die EU – Teile des Protokolls einseitig und damit vertragsbrüchig außer Kraft zu setzen.

(K)eine ausreichende Mehrheit für das Nordirland-Protokoll

Dabei ist festzustellen, dass London zwar die Regionalwahlen zum Anlass nimmt, das Protokoll erneut infrage zu stellen. Nimmt man allein das Wahlergebnis als Ausgangspunkt, haben jedoch die Parteien, welche das Protokoll grundsätzlich befürworten, 53 Sitze und damit eine Mehrheit im neuen nordirischen Parlament. Gleichzeitig hat die DUP, die die Ablehnung des Protokolls ins Zentrum ihres Wahlkampfs gestellt hat, eine historische Wahlniederlage erlitten. Dies ist rechtlich nicht unerheblich: Denn das Protokoll enthält einen Mechanismus, nach dem das nordirische Parlament bis Januar 2024 über dessen Fortbestehen abstimmen muss. Bei einer einfachen Mehrheit wird das Protokoll um vier Jahre verlängert, bei einer Zweidrittelmehrheit für acht Jahre.

Ausreichend für den Friedensprozess wäre eine einfache Mehrheit aber nicht. Denn das Karfreitagsabkommen baut auf gleichberechtigter demokratischer Teilhabe auf und dafür müssten beide Bevölkerungsgruppen dem Protokoll zustimmen. Die britische Regierung und die Unionisten argumentieren daher, dass eine Beibehaltung des Protokolls mit einfacher Mehrheit den Friedensprozess gefährden statt sichern würde. Kündigt Großbritannien das Protokoll allerdings gegen den Willen der pro-irischen Nationalisten, würde das den Friedensprozess aber ebenso gefährden. Schon der Brexit ist gegen den Willen der pro-irischen Bevölkerung durchgesetzt worden. Will man den Friedensprozess aufrechterhalten, bleibt nur eine Verhandlungslösung mit einem reformierten Nordirland-Protokoll.

Schwierige Regierungsbildung und Gefahr der Instrumentalisierung

Der große politische Umschwung wird auch die Regierungsbildung in Nordirland massiv erschweren. Bereits seit 2017 ist das Prinzip des politischen Konsenses, auf dem das Karfreitagsabkommen aufbaut, kaum umzusetzen gewesen. Unter dem Eindruck des Brexits, aber auch eines Korruptionsskandals, konnten sich zwischen 2017 und 2020 Sinn Fein und DUP nicht auf eine gemeinsame Regierung einigen. Diese Blockade wird sich nun absehbar fortsetzen.

Hinzukommt der politische Faktor Boris Johnson. Denn der britische Premierminister ist aus britischen Lokalwahlen, die parallel stattgefunden haben, weiter geschwächt hervorgegangen. In der eigenen Fraktion mehren sich die Rücktrittsforderungen, auch aus den Reihen der Brexiteers. Schon in der Vergangenheit hat Johnson politische Kämpfe mit der EU genutzt, um die internen Reihen zu schließen und die Brexiteers in Partei und Land hinter sich zu vereinen. Obgleich Johnson selbst das veränderte Nordirland-Protokoll mit der EU ausgehandelt und damit – anders als seine Vorgängerin Theresa May – eine Mehrheit im britischen Parlament bekommen hat, versucht er seitdem immer wieder, das Protokoll zu unterminieren oder sogar einseitig außer Kraft zu setzen, um Stärke gegenüber den Brexiteers zu demonstrieren. Für die Entscheidung der britischen Regierung, auf Konfrontationskurs mit der EU über das Nordirland-Protokoll zu gehen, spielt daher das Wahlergebnis in Nordirland nur eine untergeordnete Rolle.

Klare Warnungen und strategische Geduld

Für die EU und das Vereinigte Königreich bleibt das Nordirland-Protokoll damit eine Belastung ohne einfache Lösung. Vor allem sind die Streitigkeiten über das Protokoll aufgrund der nun noch komplexer gewordenen politischen Lage nicht allein auf technischer Ebene zu lösen, sondern brauchen eine politische Lösung. Hierfür sollte die EU drei Dinge mitbringen: Erstens braucht sie viel strategische Geduld. Die blockierte politische Lage in Nordirland, die Verknüpfung mit den wechselnden innenpolitischen Motivlagen von Boris Johnson und die hohe technische Komplexität – all das spricht gegen eine einfache und schnelle Einigung. Dabei wird Großbritannien wohl immer wieder drohen, Teile des Protokolls einseitig auszusetzen.

Zweitens sollte die EU daher ihre klare, einheitliche Linie aufrechterhalten, dass ein Vertragsbruch auf eine harte Reaktion der EU treffen würde, bis hin zum Aussetzen der präferierten Handelsbeziehungen. Ein solcher Handelskrieg zwischen der EU und Großbritannien ist mit Blick auf den Krieg in der Ukraine, in der London eine starke unterstützende Rolle einnimmt, für keine Seite wünschenswert.

Und nicht zuletzt sollte die EU Flexibilität und Kreativität in die Verhandlungen einbringen. Das Nordirland-Protokoll schützt die Außengrenze von EU-Zollunion und Binnenmarkt. Trotzdem sollte auch die EU bereit sein, alle Flexibilität ausreizen, um Handelshemmnisse zwischen Nordirland und Großbritannien so weit wie möglich zu reduzieren.

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NGOs rufen zur Großdemonstration zum G7-Gipfel in München auf

SID Blog - 12. Mai 2022 - 22:21
Großdemonstration zum G7-Gipfel in München – Klimakrise, Artensterben, Ungleichheit: Gerecht geht anders!

München, 10. Mai 2022. Mehr als 15 zivilgesellschaftliche Organisationen rufen für den 25. Juni 2022 unmittelbar vor Beginn des G7-Gipfels zu einer Großdemonstration in München auf. Das breite Bündnis fordert die Staats- und Regierungschef:innen der G7-Staaten auf, Konsequenzen aus dem russischen Krieg gegen die Ukraine zu ziehen und die Abhängigkeit von Öl, Gas und Kohle zu beenden. Die G7-Mitglieder müssen endlich entschlossen gegen die Klimakrise und das Artensterben handeln und Hunger, Armut und Ungleichheit bekämpfen. Das Bündnis erwartet viele tausend Demonstrierende aus dem gesamten Bundesgebiet und anderen Teilen Europas.

Die G7-Staaten tragen mit ihrem Handeln und Wirtschaften Verantwortung dafür, dass sich die Klimakatastrophe und ein gigantisches Artensterben dramatisch zuspitzen. Wir leben im letzten Jahrzehnt, in dem wir die schlimmsten Folgen dieser Katastrophen noch abwenden können. Deswegen müssen die G7-Staaten jetzt das Ruder rumreißen. Sie müssen jetzt aus den fossilen Energien Kohle, Öl und Gas aussteigen und die Zerstörung von Natur und Artenvielfalt beenden. Damit leisten sie gleichzeitig einen entscheidenden Schritt für den Frieden.

Die G7-Staaten müssen ihren Ressourcenhunger drastisch zügeln. Statt der Abhängigkeit von fossilen Importen braucht es einen möglichst dezentralen Ausbau der Erneuerbaren Energien. Zum Erhalt und der Wiederherstellung der Natur, sind die G7-Staaten in der Pflicht, sich für ein verbindliches Weltnaturabkommen einzusetzen. Die Belastungsgrenzen unseres Planeten sind weit überschritten und damit steigt die soziale Ungleichheit weltweit.

Armuts- und Hungerbekämpfung standen bei G7-Gipfeln häufig auf der Tagesordnung. Die Bilanz jedoch ist ernüchternd: Weltweit hungern 811 Millionen Menschen. Mit dem russischen Krieg gegen die Ukraine steigen die Lebensmittelpreise weltweit an, worunter die Ärmsten am stärksten leiden und der Hunger in der Welt weiter zunimmt. Gleichzeitig landen noch immer Nahrungsmittel im Tank und werden als Futter eingesetzt, statt Menschen zu ernähren. Bäuer:innen weltweit brauchen faire Preise und einen gerechten Zugang zu Land und Saatgut, um mit gesunden und klimaschonenden Lebensmitteln Menschen satt zu machen. Hier müssen die Staats- und Regierungschef:innen umsteuern.

Die Corona-Pandemie hat erneut deutlich gemacht, wie ungleich globale Krisen Menschen treffen: Während mehr als 160 Millionen Menschen zusätzlich in Armut stürzten, verdoppelte sich das Vermögen der zehn reichsten Milliardär:innen. Die Staats- und Regierungschef:innen der G7-Staaten müssen Hunger, Armut und Ungleichheit entschieden bekämpfen und einen fairen Ausgleich für die Bevölkerung im Globalen Süden umsetzen.

Viele tausend Menschen aus Deutschland und Europa werden am Samstag, den 25. Juni, in München auf die Straße gehen und für eine klimafreundliche und gerechte Politik der G7-Staaten eintreten. Die Großdemonstration reiht sich ein in die vielfältigen Proteste rund um den G7-Gipfel im Schloss Elmau bei Garmisch-Partenkirchen. Dort empfängt die Bundesregierung vom 26. bis 28. Juni Staats- und Regierungschef:innen großer Industriestaaten zum G7-Gipfel.

Trägerkreis
Aktion gegen den Hunger, Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Attac, Brot für die Welt, Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND), Bund Naturschutz in Bayern (BN), Campact, Greenpeace, IG Nachbau, MISEREOR, Naturschutzbund Deutschland (NABU), NaturFreunde Deutschlands, Oxfam Deutschland, Welthungerhilfe und WWF Deutschland.

www.g7-demo.de  

In Benin kämpfen blinde Menschen um ihren Lebensunterhalt

E+Z - 12. Mai 2022 - 16:06
Menschen mit Sehbehinderungen in Benin verdienen Unterstützung von Regierung, NGOs und religiösen Einrichtungen

Um die Not blinder Menschen in Benin zu verstehen, muss man nur freitags um die Mittagszeit die Hauptstraße des überfüllten Viertels Zongo in der Metropole Cotonou entlanggehen. Dann strömen die Muslime zum wöchentlichen Gebet in die Moschee. In ihrem Schlepptau befinden sich zahlreiche blinde Menschen, die betteln. Voller Verzweiflung scharen sie sich um die wenigen Personen, die wirken, als könnten sie helfen.

Eine Sehbehinderung in Benin bedeutet Hilflosigkeit. Da es keine systematische Unterstützung durch die Regierung gibt, sind Betroffene für fast alles auf andere angewiesen: Nahrung, Unterkunft, Medikamente und Hilfe bei alltäglichen Tätigkeiten wie Essen, Anziehen, Duschen und dem Gang zur Toilette.

Die Vorurteile beginnen schon früh im Leben. „Viele Eltern sehen ein behindertes Kind als Last an“, sagt Alexis Boton, Leiter des Zentrums zur sozialen Förderung blinder Menschen in Parakou, etwa 400 Kilometer nördlich von Cotonou. „Oft sind sie nicht daran interessiert, ihrem Nachwuchs zu helfen.“

Vermeidbares Elend

Ein Großteil des Elends könnte durch frühzeitige Erkennung und Behandlung einer beginnenden Erblindung verhindert werden. Laut einer Studie der Universität Parakou in Benin aus dem Jahr 2018 waren mehr als 40 Prozent der untersuchten sehbehinderten Patienten aufgrund von vermeidbaren Ursachen erblindet. „Die Prävalenz vermeidbarer Ursachen ist hoch“, so die Wissenschaftler um Salimatou Monteiro. Es brauche einen besseren Zugang zu einer qualitativ hochwertigen Augenversorgung, um die Vorbeugung und Diagnose vermeidbarer Augenkrankheiten zu verbessern. Die Studie wurde im Journal of Clinical Research and Ophthalmology veröffentlicht.

Die Hauptursachen für Sehbehinderungen in Benin sind der altersbedingte Graue Star und das Glaukom. Weitere Ursachen sind Refraktionsfehler und Störungen der Makula, eines wichtigen Bereichs in der Mitte der Netzhaut.

Der Schweregrad der Behinderung variiert je nach Alter, Einkommen und geografischer Lage. Menschen in abgelegenen, flussnahen Dörfern fallen immer wieder der Flussblindheit zum Opfer. Diese Tropenkrankheit wird durch Kriebelmücken übertragen, die in schnell fließenden Gewässern brüten. Wenn die Infektion früh genug erkannt wird, stehen die Chancen auf Heilung gut. Leider suchen viele erst dann Hilfe, wenn es zu spät ist.

Andere Gründe für Erblindung in Benin hängen mit dem Einkommen zusammen. Dazu gehören eine schlechte Ernährung, mangelnde Hygiene, unbehandelter Bluthochdruck und Diabetes. Viele Menschen haben keinen Zugang zu medizinischer Versorgung. Diese Faktoren beschleunigen die Ausbreitung der „Krankheiten der Armen“ (siehe Sheila Mysorekars Aufsatz von 2016 auf www.dandc.eu). Diese Zusammenhänge sind nicht nur in Benin zu beobachten, sondern in vielen afrikanischen Ländern (siehe Maxwell Suuk auf www.dandc.eu).

Trotz begrenzter Haushaltsmittel könnten und sollten die staatlichen Stellen mehr tun, um sehbehinderte Menschen zu unterstützen, meint Pater André Kpadonou. Der blinde katholische Priester lebt in Zagnanado, 165 Kilometer von Cotonou entfernt. Kpadonou verlor sein Augenlicht, nachdem er Priester geworden war, hat aber nie seine Mission aufgegeben, bedürftige Menschen zu unterstützen. Seiner Meinung nach sollten sich auch nichtstaatliche Akteure engagieren.

Pater Kpadonou veröffentlicht regelmäßig Artikel und Bücher und versucht, die Regierung, zivilgesellschaftliche Organisationen und die ganze Gesellschaft für die Notlage blinder Menschen zu sensibilisieren. Er beherrscht die Brailleschrift und nutzt digitale Hilfsmittel. Kpadonou lässt keine Gelegenheit aus, um zu kommunizieren. „Ich bin zwar blind“, sagt er, „aber mein Mund und meine Ohren funktionieren perfekt.“

Kpadonou fordert die Regierung auf, trotz begrenzter Finanzmittel konkrete Hilfsmaßnahmen zu ergreifen. Er verlangt, sie solle blinden Menschen eine Unterkunft zur Verfügung stellen, damit diese nicht auf der Straße leben müssen. Auch besteht er darauf, dass sie weiße Gehstöcke erhalten, damit sie sich besser fortbewegen können und von anderen als sehbehindert erkannt werden. Und er fordert, rücksichtslose Auto- und Mopedfahrer zur Rechenschaft zu ziehen, wenn sie blinde Fußgänger verletzen. Da es keine ausgewiesenen Straßenübergänge gibt, werden viele sehbehinderte Menschen beim Versuch, eine Straße zu überqueren, von Fahrzeugen erfasst.

Konkrete Ergebnisse

Ein weiteres Anliegen von Pater Kpadonou: Zivilgesellschaftliche Organisationen und religiöse Einrichtungen sollen Schulungen anbieten und blinden Menschen helfen, Arbeit zu finden. Zwei kirchliche Organisationen gehen seiner Meinung nach mit gutem Beispiel voran: das Siloé-Zentrum in dem Ort Djanglanmè und das Pater-Paul-Rival-Zentrum in Adjohoun im Süden Benins. Sie stellen kostenlos Lebensmittel, Hygienemaßnahmen und Schulungen zur Verfügung.

Diese Art von Arbeit zeigt greifbare Ergebnisse: Ein Orden rettete ein junges Mädchen, das blind geboren und von seiner Familie verstoßen worden war, und gab ihm Unterkunft, Nahrung und eine Ausbildung. Sie wurde schließlich Nonne bei den „Soeurs Servantes de la Lumière du Christ“ (Schwestern im Dienste des Lichts Christi).

Letztlich können religiöse Organisationen aber nur wenigen helfen. Um das Leben der vielen sehbehinderten Menschen in Benin zu verbessern, bedarf es offizieller Unterstützung der Regierung und weiterer Organisationen. Gäbe es systematische medizinische Untersuchungen und eine angemessene Gesundheitsversorgung sowie Berufsausbildung und Unterstützung im Alltag, könnten die sehbehinderten Menschen ein weitaus besseres Leben führen, als sie es heute tun.

Link
Monteiro, S., et al., 2018: Causes of avoidable blindness in Parakou. Journal of Clinical Research and Ophthalmology.
https://www.peertechzpublications.com/articles/JCRO-5-152.php

Karim Okanla ist Medienwissenschaftler und freiberuflicher Autor in Benin.
karimokanla@yahoo.com

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Wie geht Frieden?

Engagement Global - 12. Mai 2022 - 12:51
Professor Lothar Brock, Professor Timothy Williams und Professor Gregor Lang-Wojtasik sprechen darüber: Wie geht Frieden? Foto: Engagement Global/Claudia Casagranda

„Friedenspolitik steht in der Krise. Und das nicht erst seit dem Krieg in der Ukraine“, so Prof. Dr. Stefan Peters, Direktor des Deutsch-Kolumbianischen Friedensinstituts CAPAZ, in seinem Festvortrag am Eröffnungsabend der Fachtagung „Wie geht Frieden?“. Mögliche Antworten auf die Titelfrage und die Herausforderungen, denen die Friedenspolitik im 21. Jahrhundert begegnet, standen im Mittelpunkt der dreitägigen Veranstaltung (5. bis 7. Mai 2022) in Weingarten in Oberschwaben.

Fundiert, aber auch kontrovers, diskutierten Akteurinnen und Akteure aus Politik, Zivilgesellschaft und Wissenschaft auf und abseits der Bühne, wie bewaffnete Konflikte gelöst und Krisen bewältigt werden können. Zu der Fachtagung mit anschließendem Aktionstag hatten die Außenstelle Stuttgart von Engagement Global, die Pädagogische Hochschule Weingarten und die Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart eingeladen.

„Abwesenheit von Krieg ist nicht gleich Frieden“

Bei der feierlichen Eröffnung der Fachtagung begrüßten die Gastgeber-Institutionen die Teilnehmenden und legten gemeinsam mit Prof. Dr. Stefan Peters den Grundstein für den folgenden Tag, indem sie deutlich machten: Frieden und nachhaltige Entwicklungspolitik müssen zusammengedacht werden. Denn auch dort, wo keine Waffen im Einsatz sind, könne nicht automatisch von einem nachhaltigen Frieden ausgegangen werden. Wenn die wirtschaftliche Entwicklung stockt, wenn Menschen unter Umweltzerstörung, Armut und Diskriminierung leiden, sind auch soziale Unruhen und Konflikte zu erwarten.

Wie Frieden, Sicherheits- und Entwicklungspolitik zusammenwirken, erläuterte am zweiten Tagungstag unter anderem Prof. Dr. Timothy Williams von der Universität der Bundeswehr München am Beispiel Ruanda. In seinem Vortrag beschrieb er den Weg von der ethnisch begründeten Gewalt während des Genozids in den 90er-Jahren bis heute, wo ethnische Zugehörigkeit in der Verfassung von Ruanda keine Rolle mehr spielt und der Sicherheitssektor umgebaut ist. „Das Land boomt“, resümierte er. „Transitional Justice“ heißt der Fachbegriff mit dem beschrieben wird, was nach einem Krieg an Aufbauarbeit geleistet werden kann.

Sicherheit, Entwicklung und Engagement für Frieden

Einig sind sich die Expertinnen und Experten darin, dass Sicherheit gewährleistet sein muss, um Entwicklungsprozesse unterstützen zu können. Dr. Charlotte Dany, Geschäftsführerin der Friedensakademie Rheinland-Pfalz, betonte etwa im Podiumsgespräch, dass humanitäre Hilfe, friedenspolitische Maßnahmen und Entwicklungszusammenarbeit immer zusammenwirken müssen. Zugleich sei es aber auch notwendig, diese von den Maßnahmen und Zuständigkeiten der Sicherheitspolitik auch klar voneinander abzugrenzen. Sie erläuterte: „In Mali zum Beispiel werden humanitäre Organisationen zu Zielscheiben, wenn sie in die Nähe von sicherheitspolitischen Interessen geraten.“ Daher sei es wichtig, mit zivilen Maßnahmen Vertrauen in den Regionen aufzubauen.

Vertrauen schaffen durch zivile Maßnahmen: Genau das berücksichtigt das Konzept „Sicherheit neu denken“, das Ralf Becker von der Evangelischen Landeskirche Baden vorstellte. Militärische Einsätze werden darin als letztes Mittel angesehen; Vorrang haben nicht-militärische Instrumente wie beispielsweise Mediation oder der Einsatz von Friedensfachkräften. Seit 20 Jahren seien diese in Afrika unterwegs und wirken präventiv und deeskalierend.

Austausch mit Neugier und auf Augenhöhe

Unterdessen bereitet die Tansania-AG des Kurt-Huber-Gymnasiums Gräfelfing (KHG) sich auf den Besuch der Schülerinnen der Emmaberg Girls Secondary School aus Tansania vor, der im Sommer vorgesehen ist: Teilnahme am Unterricht, Besichtigung von Schloss Neuschwanstein und „Brezen“ essen sind schon fest vorgesehen. 2019 haben 13 der Jugendlichen Tansania besucht und gemeinsam zu den Fragen gearbeitet „Was machen wir gerne?“ und „Was sind unsere Träume, Wünsche und Ziele für unsere Zukunft?“. Daraus sind ein gemeinsames Videoprojekt und erste Ideen für den thematischen Schwerpunkt des anstehenden Gegenbesuches entstanden. Im Interview erzählen Schülerinnen der Tansania-AG, was sie auf der ENSA-Konferenz erlebt haben und was sie sich für den Gegenbesuch ihrer Partnerschule vorgenommen haben.

Viele Perspektiven auf Frieden

So wurden auf der Fachtagung anhand von zahlreichen Beispielen Friedenskonzepte und -prozesse vorgestellt, die mögliche Antworten auf die Frage „Wie geht Frieden?“ geben. In Podiumsgesprächen, Vorträgen und offenen Gesprächsrunden diskutierten Fachleute die verschiedenen Konzepte, hinterfragten bestehende Narrative und benannten auch die Herausforderungen eines ganzheitlichen Friedensprozesses.

Nicht ausgespart wurden die Kontroversen um den Russland-Ukraine-Krieg: Warum gab es 2014 keine Deeskalation in der Ukraine? Ist es vernünftig, sich mit militärischen Mitteln zu wehren? War es ein Fehler, die Ukraine nicht in die NATO aufzunehmen? All das waren Aspekte, denen die Fachleute unter der Leitfrage „Wie geht Frieden?“ nachgegangen sind und den Teilnehmenden so aktuelle Einblicke in das komplexe Feld der Friedensarbeit boten. Abgerundet wurde die Veranstaltung mit einem politischen Podium, auf dem die Abgeordnete aus der Region Agnieszka Brugger, Mitglied des Bundestages, und Heike Engelhardt, Mitglied des Bundestags, sowie Norbert Liens, Mitglied des Europäischen Parlaments, Rede und Antwort standen und ihre aktuelle Politik erläuterten.

An die Fachtagung schloss ein Friedenstag mit Mitmachaktionen, Workshops und Ausstellungen an, der weitere Möglichkeiten zur Auseinandersetzung mit dem Thema bot. So zeigte unter anderem die Friedensregion Bodensee e.V. die Ausstellung Friedensklima und der Zivile Friedensdienst stellte sein Fachkräfte-Entsendeprogramm vor und beschrieb, wie sie in Krisenregionen zum Einsatz kommen.

„Wie geht Frieden?“ wurde im Rahmen des Programms Entwicklungsbezogene Bildung in Deutschland (EBD) durchgeführt. Ziel des EBD-Programms ist es, Menschen durch Informations- und Bildungsmaßnahmen zu einer kritischen Auseinandersetzung mit globalen Entwicklungen zu motivieren und zu eigenem entwicklungspolitischem Engagement zu ermutigen.

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CPDE successfully holds the 2022 All Secretariats Meeting

CSO Partnership - 12. Mai 2022 - 11:43

For the first time since the pandemic, the global, regional, sectoral, and task force secretariats of the CSO Partnership for Development Effectiveness (CPDE) gathered for the All Secretariats Meeting in Paris, France.

 

The hybrid event featured presentations and discussions on the context of programme implementation, the platform’s accomplishments for 2021, results of last year’s constituency consultations, workshops on advocacy, membership engagement, and programme monitoring and evaluation around CPDE’s work on effective development cooperation agenda.

 

Capping the event was a brainstorm on the celebration of the 10th CPDE anniversary, happening in December, as well as bilateral consultations between the constituencies and the global secretariat. #

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Edible Connections Radio

EINEWELTblabla - 12. Mai 2022 - 11:00

Wer durch den Supermarkt läuft, denkt wohl bei vielen Produkten darüber nach, ob er zugreift oder es doch lieber lässt. Wir versuchen regional und saisonal einzukaufen, doch das ist nicht immer bei allen Produkten möglich. Zusätzlich wissen wir, dass einige unserer Lieblingsprodukte enorm aufwendig in ihrer Herstellung sind, viel Wasser und CO2 benötigen und somit eine schlechte Klimabilanz aufweisen. Eine Sache ist den meisten klar: wir brauchen Pionierinnen und Pioniere, die sich für ein zukunftsfähiges und nachhaltiges Lebensmittelsystem einsetzen. Viele dieser Pionierinnen und Pioniere gibt es im Globalen Süden, doch wenige kennen diese Menschen hier. Ihr wollt mit diesen Menschen in Kontakt kommen und auch euren Mitmenschen von ihnen berichten? Dann ist das Projekt Edible Connections Radio von Slow Food Deutschland genau das richtige für euch! Wir stellen euch heute alles Wissenswerte rund um das Projekt vor!

Die Idee des Projekts

Der Schwerpunkt des Projekts liegt im gemeinsamen Austausch mit den Menschen aus dem Globalen Süden. Dabei steht das Thema zukünftiges Lebensmittelsystem im Mittelpunkt. Neben dem interkulturellen Austausch mit Pionierinnen und Pionieren des Globalen Südens lernt ihr außerdem Recherchetechniken, Planungsschritte zum Erstellen einer Podcast Folge, verschiedene Sprechtechniken für Radio und Podcast sowie erste Schritte bezüglich des Audioschnitts. Ganz nebenbei könnt ihr auch eure Sprachkenntnisse praktisch anwenden und verbessern.

Und so läuft das Ganze ab

Ihr werdet über einen Zeitraum von vier bis sechs Monaten dauerhaft von Slow Food Deutschland unterstützt. Los geht es mit einem Einführungsworkshop, bei dem ihr alle wichtigen Grundlagen des Projekts kennenlernt. Nach dem ersten Workshop trefft ihr euch dann regelmäßig mit eurer Kleingruppe und bekommt durch wöchentliche Online-Treffen mit eurem Projektreferierendem Unterstützung. In diesem Zeitraum stellt ihr in der Form einer Podcastfolge in einem Portrait Pionierinnen und Pioniere aus dem Globalen Süden vor. Am Ende präsentiert ihr eure Ergebnisse in einem Abschlussworkshop vor allen anderen Kleingruppen und lernt so auch die Themen der anderen kennen.

Das sind die Voraussetzungen

Viele Voraussetzungen gibt es nicht. Die Mitglieder eurer Gruppe sollten zwischen 15 und 24 Jahre alt sein. Das Projekt richtet sich sowohl an Schülerinnen und Schüler als auch an Studierende. Kosten entstehen bei der Durchführung eures Projekts keine.

Ihr findet alle Informationen zum Projekt auf der Website von Slow Food Deutschland. Wenn ihr Interesse habt, könnt ihr euch auch per Mail an s.diettrich@slowfood.de wenden.

Und, habt ihr Lust bekommen? Wenn ihr bei dem Projekt mitgemacht habt, könnt ihr uns vielleicht danach in einem Blogbeitrag von den Pionierinnen und Pionieren berichten, die ihr getroffen habt!

-Leah-

Das Beitragsbild stammt von Anna Pelzer auf Unsplash.com.

Der Beitrag Edible Connections Radio erschien zuerst auf EineWeltBlaBla.

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CARICOM will Widerstandsfähigkeit gegen Katastrophen stärken

E+Z - 11. Mai 2022 - 14:07
Wegen der Erderwärmung werden Hurrikane in der Karibik immer gefährlicher

Hurrikane sind eine Naturgefahr, die sich in äquatornahen Meeresgebieten bildet. Die gleiche Art von Sturm ist im Pazifik als „Taifun“ und im Indischen Ozean als „Zyklon“ bekannt. In der Karibik treten Hurrikane zwischen Juni und November auf. Die „Hurrikan-Saison“ erreicht zwischen Mitte August und Mitte Oktober ihren Höhepunkt. Diese Extremwetterereignisse können sehr zerstörerisch sein. Im Jahr 1979 zum Beispiel forderte der Hurrikan David 2068 Menschenleben. Mehr als die Hälfte der Todesopfer war in der Dominikanischen Republik zu beklagen, wo auch 70 Prozent des Stromnetzes zerstört wurden.

Ein aktuelleres Beispiel ist Hurrikan Maria, der 2017 Puerto Rico verwüstete. Schätzungen der George Washington University zufolge starben fast 3000 Menschen. Die gesamte Bevölkerung des US-Territoriums war ohne Strom. Er konnte erst nach 11 Monaten wieder vollständig hergestellt werden.

Kleine Inselstaaten sind den Klimarisiken besonders ausgesetzt (siehe Monika Hellstern auf www.dandc.eu), doch meist nimmt die internationale Öffentlichkeit nur die Schäden an den am stärksten betroffenen Orten wahr. Auch andere Inseln sind betroffen. 1979 wurden durch Hurrikan David rund 60 000 Menschen – oder rund 75 Prozent der Bevölkerung – auf Dominica, einer kleinen Insel, die früher britische Kolonie war, obdachlos. 2017 verursachte Hurrikan Maria dort Schäden in Höhe von 930 Millionen Dollar. Nach UN-Angaben waren vier Monate später immer noch 80 Prozent der Dächer unzureichend gedeckt und 15 Prozent der Kinder nicht in die Schule zurückgekehrt. Auf der Insel wurden 31 Tote und 37 vermisste Personen gezählt.

Extreme Wetterlagen werden immer extremer

Naturkatastrophen können nicht vermieden werden. Gesellschaften müssen lernen, mit ihnen zu leben. Die Erderhitzung verschärft jedoch die Probleme, da die Wetterextreme immer extremer werden. Das erklärt, warum die Karibik nicht besser auf diese Katastrophen vorbereitet ist. Die Risiken sind zwar bekannt, aber sie sind größer als früher.

Hurrikane gewinnen ihre Stärke aus warmer und feuchter Luft. Heißere Temperaturen führen zu stärkeren Stürmen, die länger andauern, mehr Regen bringen und mehr Schäden verursachen. Sobald ein Hurrikan Land erreicht, wird er schwächer. Mittlerweile gewinnen sie jedoch mehr Kraft, da sie sich über dem Meer aufbauen und daher länger brauchen, um sich über Land wieder aufzulösen. Untersuchungen haben gezeigt, dass Hurrikane früher am ersten Tag über Land 75 Prozent ihrer Stärke verloren haben. Heute liegt dieses Verhältnis bei nur noch 50 Prozent. Wenn sich die Klimakrise weiter verschärft, werden die Stürme noch verheerender.

Wenn der Klimawandel nicht eingedämmt wird, sieht die Zukunft der Karibik düster aus. Gleichzeitig muss sich die Region an den Wandel anpassen, der bereits eingetreten ist oder nicht mehr verhindert werden kann. Der Archipel muss widerstandsfähiger werden. Das erfordert neue Ansätze und kohärente Maßnahmen.

Regionale Institutionen stellen sich der Herausforderung. Die Karibische Gemeinschaft (CARICOM) und die Caribbean Disaster Emergency Management Agency (CDEMA) haben wichtige Arbeit geleistet.

Zunächst wurde die UN-Definition von „Resilienz“ an die regionalen Bedürfnisse angepasst. Laut dem UN Office for Disaster Risk Reduction (UNDRR) meint Resilienz, dass ein System, eine Gemeinschaft oder eine Gesellschaft, die Gefahren ausgesetzt ist, fähig ist, „rechtzeitig und effizient den Folgen zu standzuhalten, sie zu absorbieren, sich anpassen und sich zu erholen“. Dazu gehört auch die „Erhaltung und Wiederherstellung der wesentlichen Grundstrukturen und -funktionen“. Resilienz bedeutet auch, „sich schnell und auf eine Weise zu erholen, die die Anfälligkeit“ (CARICOM/CDEMA) für gleichartige Gefahren in Zukunft verringert.

Säulen der Resilienz

Auf dieser Grundlage wurden fünf „Säulen der Resilienz“ aufgestellt. Diese sind:

  • sozialer Schutz für gefährdete und ausgegrenzte Menschen,
  • Sicherung der Infrastruktur,
  • verbesserte wirtschaftliche Möglichkeiten,
  • Schutz der Umwelt und
  • Einsatzbereitschaft für den Wiederaufbau.

Die supranationalen politischen Entscheidungsträger haben für jede Säule detaillierte Empfehlungen abgegeben. Zudem betonten sie, dass Regelwerk und Vorschriften ein „förderliches Umfeld“ schaffen sollten. Eine gute Regierungsführung bezieht in ihren Augen auch die Öffentlichkeit – und besonders die junge Generation – sinnvoll ein. Sie forderten den Aufbau von Kapazitäten, Forschung, Datenmanagement und Finanzierung für einen besseren Katastrophenschutz. Schließlich betonten CARICOM und CDEMA, dass gute Pläne wertlos sind, wenn sie nicht ordnungsgemäß umgesetzt werden.

Es ist von Bedeutung, dass 11 der 13 unabhängigen karibischen Staaten Entwicklungsländer sind. Von ihnen kann nicht erwartet werden, ihre Resilienz selbst aufzubauen. Schließlich haben sie mit sich verschlimmernden Katastrophen zu kämpfen, die sie kaum selbst verursacht haben. Die karibischen Länder sind keine großen Verursacher von Treibhausgasemissionen, aber die Beseitigung von Katastrophenschäden erfordert beträchtliche Ressourcen, die sie sonst für Entwicklungszwecke einsetzen könnten.

Nach einer besonders verheerenden Hurrikan-Saison fand im November 2019 in New York die hochrangige Geberkonferenz von CARICOM und UN statt. Sie führte zu Geberzusagen im Wert von 1,3 Milliarden US-Dollar, darunter über 1 Milliarde US-Dollar an Darlehen und Schuldenerlass. Zu den wichtigsten Partnern gehörten die EU und ihre Mitglieder, die USA, die Weltbank und viele andere. UN-Generalsekretär António Guterres erklärte: „Die Länder in der Karibik brauchen jetzt Unterstützung für den Wiederaufbau und für wirksame Klimaschutzmaßnahmen.“

Vom Klimawandel am stärksten betroffenen

Laut dem Globalen Klima-Risiko-Index 2021, der von der deutschen zivilgesellschaftlichen Organisation Germanwatch erstellt wurde, gehörten zwei karibische Gebiete zu den Ländern, die von 2000 bis 2019 am stärksten von extremen Wetterereignissen betroffen waren. Puerto Rico belegte in dieser Liste den ersten und Haiti den dritten Platz.

Während die Gefährdung durch Wirbelstürme im Grunde gleich ist, unterscheiden sich die soziopolitischen Verhältnisse in Puerto Rico und Haiti erheblich. Puerto Rico ist ein US-Territorium, wenn auch kein Bundesstaat, mit begrenzten Möglichkeiten der Selbstverwaltung (siehe Hans Dembowskis Blogbeitrag aus 2017 auf www.dandc.eu). Die Einwohner sind US-Bürger, dürfen aber nicht an nationalen Wahlen teilnehmen. Eine schwere Schuldenkrise hat die Probleme noch verschärft. Obwohl der Lebensstandard vergleichsweise hoch ist, lebt die Hälfte der Menschen in Puerto Rico in Armut. Die Abwanderung auf das US-amerikanische Festland ist allerdings einfach, und die Bevölkerung Puerto Ricos ist in den vergangenen zehn Jahren tatsächlich um fast 12 Prozent auf 3,3 Millionen gesunken.

Haiti hingegen ist eines der Länder, die von den UN als „am wenigsten entwickelt“ eingestuft werden – und davon das einzige auf dem amerikanischen Kontinent. Es kämpft mit einer schrecklichen Kombination aus hoher Armut, zerfallender Staatlichkeit und zahlreichen Katastrophen, von denen nicht alle mit dem Klimawandel zusammenhängen. Beispiele dafür sind das Erdbeben von 2010 und der darauffolgende Choleraausbruch. Die Bevölkerung des Landes ist in den vergangenen zehn Jahren um etwa 12 Prozent auf knapp 11,4 Millionen gestiegen.

Haitis Elend ist so vielschichtig, dass internationale Medien wenig über das von Hurrikanen regelmäßig verursachte Leid berichten. Deshalb ist zwar allgemein bekannt, dass Hurrikan Sandy 2012 New York heimsuchte, aber nicht, dass derselbe Sturm in Haiti mindestens 108 Menschen tötete, 21 vermisst wurden und 200 000 Menschen ihre Häuser verloren.

Die Karibik befindet sich in einer attraktiven, aber heiklen Lage. Dank des konstant warmen Wetters wird sie von vielen Nichteinheimischen als eine Art Paradies angesehen. Die weit verbreitete Armut und die schlecht ausgebaute Infrastruktur, vor allem in abgelegenen Dörfern, sprechen jedoch eine andere Sprache. Der unaufhaltsame Anstieg der Temperaturen führt zu immer extremeren Wirbelstürmen. Die Menschen in der Karibik können die Herausforderungen nicht aus eigener Kraft bewältigen. Sie verdienen Unterstützung bei der Anpassung an den Klimawandel – und ihre Zukunft hängt davon ab, dass die großen Verursacher von Treibhausgasemissionen ihren CO2-Fußabdruck radikal reduzieren.

Link
Germanwatch: Global Climate Risk Index 2021:
https://www.germanwatch.org/sites/default/files/Global%20Climate%20Risk%20Index%202021_2.pdf

Marjorie Pons Piñeyro macht ihren Masterabschluss an der Bauhaus-Universität in Weimar. Sie ist spezialisiert auf Naturgefahren und Infrastruktur.
marjorieponspi@gmail.com

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Rebooting Europe’s China Strategy

SWP - 11. Mai 2022 - 9:12
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Großdemonstration zum G7-Gipfel in München

Welthungerhilfe - 10. Mai 2022 - 14:56
Klimakrise, Artensterben, Ungleichheit: Gerecht geht anders! Mehr als 15 zivilgesellschaftliche Organisationen rufen zu einer Großdemonstration zum G7-Gipfel in München auf. Sie fordern die G7-Staaten auf, Konsequenzen aus dem russischen Krieg gegen die Ukraine zu ziehen und die Abhängigkeit von Öl, Gas und Kohle zu beenden.
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Endspurt für entwicklungspolitischen Wettbewerb „Kommune bewegt Welt“

Engagement Global Presse - 10. Mai 2022 - 9:57
Der Wettbewerb "Kommune bewegt Welt" geht in den Endspurt. Foto: Engagement Global

Der Countdown läuft. Noch drei Wochen lang können Kommunen ihre Bewerbung für „Kommune bewegt Welt“ einreichen. Der von der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) von Engagement Global veranstaltete Wettbewerb zeichnet in diesem Jahr zum fünften Mal herausragende kommunale entwicklungspolitische Kooperationen mit der Zivilgesellschaft aus.

Die Bewerbungsphase endet am Freitag, 3. Juni 2022. Die Preisverleihung findet am Dnnerstag, 15. September 2022, während des bundesweiten Netzwerktreffens in Düren statt. Düren ist eine der im Jahr 2020 prämierten Kommunen. Vergeben werden Preisgelder von insgesamt 138.000 Euro. Damit können Kommunen ihre Projekte und Ideen weiterentwickeln und ihr entwicklungspolitisches Engagement verstetigen.

Neue Chancen der Bewerbung

Bewerben können sich alle Kommunen, die sich gemeinsam mit mindestens einem Partner aus der Zivilgesellschaft in der Entwicklungspolitik engagieren. Die Teilnahme lohnt sich für kleine, mittlere und große Gemeinden gleichermaßen, denn sie werden in unterschiedlichen Kategorien bewertet und ausgezeichnet. Die unabhängige Jury unter der Leitung des Vorsitzenden Saliou Gueye, Experte für Migration und Entwicklungspolitik und Bezirksvorsteher von Stuttgart-Zuffenhausen, vergibt außerdem Sonderpreise wie den Newcomer-Preis. Daher lohnt sich die Bewerbung auch für Kommunen, die sich erst seit kurzem in der Entwicklungspolitik engagieren.

Neu in der diesjährigen, fünften Runde des Wettbewerbs sind die erweiterten Teilnahmebedingungen: Bisher lag der Fokus der Kooperationen auf migrantischen Organisationen. Dieses Jahr können sich Kommunen mit allen entwicklungspolitisch aktiven zivilgesellschaftlichen Partnern beim Wettbewerb „Kommune bewegt Welt“ bewerben.

Ministerin Svenja Schulze ist Schirmherrin

Finanziert wird der Wettbewerb vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Zudem übernimmt Ministerin Svenja Schulze die Schirmherrschaft des Wettbewerbs und bekräftigt damit die wichtige Rolle, die Städte und Gemeinden in der Entwicklungspolitik einnehmen. „Kommunen sind zentrale Orte für die Umsetzung der Agenda 2030. Viele Kommunen in Deutschland engagieren sich gemeinsam mit zivilgesellschaftlichen Organisationen und Bürgerinnen und Bürgern für gerechte, nachhaltige Entwicklung weltweit. Das gemeinsame Engagement von Verwaltung und Zivilgesellschaft sichtbar zu machen und Bündnisse zu stärken, dafür steht der Wettbewerb ‚Kommune bewegt Welt‘.“

Virtuelles Beratungsangebot unterstützt bei der Bewerbung

Kommunen, die an einer Bewerbung interessiert sind, können bei Rückfragen zum Wettbewerb an den 30-minütigen virtuellen Beratungsrunden „Kaffeepause mit Kommune bewegt Welt – Die Beratungsrunde zum Wettbewerb“ teilnehmen: Am Montag, 16. Mai 2022, von 10 bis 10:30 Uhr und am Dienstag, 24. Mai 2022, von 9:30 bis 10 Uhr

Die Anmeldung erfolgt per E-Mail an: beratung-kbw@engagement-global.de

Teilnehmen bedeutet gewinnen

Auch Kommunen, die es am Ende nicht auf das Siegertreppchen schaffen, profitieren von der Teilnahme am Wettbewerb durch einen intensiven Erfahrungsaustausch. So ist jede Teilnehmerin automatisch zum bundesweiten Netzwerktreffen eingeladen, das von Mittwoch, 14. September 2022, bis Freitag, 16. September 2022, stattfindet.

Die Teilnahme am Wettbewerb erfolgt online über die Webseite von Kommune bewegt Welt. Dort finden Interessierte auch alle weiteren Informationen, Flyer und Unterlagen.

„Kommune bewegt Welt“ ist ein Wettbewerb von Engagement Global im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, durchgeführt von der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt.

Bewerbungsschluss: 3. Juni 2022
Preisverleihung in Düren: 15. September 2022

Ansprechpersonen

Presseanfragen

Petra Gohr-Guder
Pressesprecherin Engagement Global gGmbH
presse@engagmenent-global.de

Bei Nachfragen zum Wettbewerb:

Marianne Kreuzig
Projektleitung „Wettbewerb „Kommune bewegt Welt““
Telefon: +49 228-20717-2894
marianne.kreuzig@engagement-global.de

Weitere Informationen
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Calling Time on the EU Mission to Mali

SWP - 9. Mai 2022 - 18:04
Conditions for a continued German involvement in the EU mission to Mali look poor. The UN mission, however, could become even more important.
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Turkey’s climate opportunities and challenges

SWP - 9. Mai 2022 - 16:07
Turkey’s recent climate policy shift represents the beginning of a long transformation required to create a carbon neutral economy.
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What does the Gezi trial tell us about Erdoğan’s regime in Turkey?

SWP - 9. Mai 2022 - 15:35

On April 25 a Turkish court sentenced Osman Kavala, prominent Turkish businessman and philanthropist, to life in prison without parole for “attempting to overthrow the government by force” on the charge of organizing the 2013 Gezi protests. Seven other activists were sentenced to 18 years for allegedly aiding Kavala. Gezi protests, which broke out in 2013 over government plans to raze a public park in order to construct a shopping mall, soon transformed into massive anti-government protests. Since then, Tayyip Erdoğan has repeatedly portrayed the protests as an insurrection and accused the defendants of stirring the protests to topple the government.

Controversial verdict

The court case against Gezi protests counts as one of the most egregious and partisan prosecutions conducted during Erdoğan’s rule. The defendants were initially acquitted of all charges by a penal court in 2020. However, after Erdoğan’s criticism of the 2020 ruling, the court of appeals overturned the verdict, thereby paving the way to a second trial. The harsh sentences mark some of the most severe crackdowns on freedom of assembly in Turkey over the past decade and demonstrate the total capitulation of the judicial system under Erdoğan’s rule after Turkey’s transition to a presidential regime in 2018.

On numerous occasions, Erdoğan has attacked Kavala personally, accusing him of being “the Soros of Turkey.” Still, the Gezi trial goes beyond a personal vendetta against Kavala and the other seven defendants. Accusing Kavala of masterminding Gezi allows the government to put the blame for the protests on outside actors. In reality, though, Gezi protests did not have a leader and developed spontaneously due to the strength of Turkish civil society at the time. The Gezi trial comes at a time when Erdoğan’s popularity is waning due to the economic downturn and the migration crisis, and it is likely to serve to intimidate government opponents and criminalize protests.

Peace in the world, autocracy at home

The Gezi verdict was announced in the wake of Erdoğan’s efforts for reconciliation with the US and the EU after Russia’s invasion of Ukraine. In recent weeks, Ankara has been praised by Western governments for providing Ukraine with arms and closing the Straits to Russian warships. Erdoğan skillfully used the Ukrainian crisis to break his regime’s diplomatic isolation and followed a balancing act that supported Ukraine militarily and diplomatically without antagonizing Russia. Erdoğan’s rapprochement attempts in the international arena serve as a stark contrast to the increasing repression against his critics in the country. Last week’s sentencing can be seen as Erdoğan’s calculation that the crackdown on his domestic critics would go largely unnoticed in the West due to the war in Ukraine. Faced with increased opposition coordination, Erdoğan faces a tough reelection battle in the upcoming months. As a result, Erdoğan is expected to step up the pressure on his opponents until the next presidential elections, which are scheduled for the summer of 2023.

The Gezi verdict is an ominous warning for other political cases that are still pending. The closure case against the Peoples’ Democratic Party (HDP) is arguably the most consequential among them. Accused by the state prosecutor’s office of having close organizational links with the separatist Kurdistan Workers’ Party (PKK), the HDP case will soon be decided by the Turkish Constitutional Court. Hundreds of HDP politicians, including the party’s former chairman Selahattin Demirtaş, are already in prison. If the Constitutional Court decides against the HDP, Turkey’s third-largest party will be closed down and hundreds of politicians will face a political ban of five years. Another important case involves İstanbul’s popular elected mayor, Ekrem İmamoğlu, who is currently facing several investigations that could result in his removal from office, and even conviction. As the judicial system comes under Erdoğan’s control, these cases will be decided on partisan calculations rather than law.

Lastly, the Gezi trial poses a serious political dilemma for the EU. Turkey’s accession talks with the EU have stalled over the past decade. And yet, the two sides continue to enjoy an important working relationship on security issues and migration. Turkey’s geostrategic importance was further pronounced after the Russian invasion of Ukraine. However, the Gezi sentencing is poised to push Turkey further away from Europe and complicate the EU’s efforts to cooperate with Erdoğan’s government. Due to Kavala’s case, the Council of Europe had already launched infringement proceedings against Ankara, at the end of which Turkey could lose its voting rights or even its membership. Germany, France, and the US, along with EU’s chief diplomat, Josep Borrell, expressed their dismay at the unfair treatment of the Gezi defendants. For instance, German Foreign Minister Annalena Baerbock said the verdict was “in stark contrast to the rule-of-law standards and international obligations to which Turkey is committed as a member of the Council of Europe and an EU accession candidate.” European policymakers should continue to speak out on human right violations in Turkey and raise the stakes for Erdoğan’s harsh treatment of critics as the country heads into an election year.

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