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The failure of French Sahel policy: an opportunity for European cooperation?

DIE - 6. September 2022 - 10:40

After nearly a decade of military intervention, France has withdrawn its soldiers from Mali. The departure not only symbolises a failure of French intervention policy, argue Benedikt Erforth (IDOS) and Denis Tull (SWP) in this Megatrends Afrika Spotlight, but also reflects Europe’s foreign policy weakness. Yet, a more muted French footprint could also be an opportunity to build a more balanced and credible approach towards the Sahel.

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Cherson: »Referendum wurde nicht abgesagt«

SWP - 6. September 2022 - 9:13
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Globales Lernen mit Schulpartnerschaften

Engagement Global - 5. September 2022 - 16:31

Das Entwicklungspolitische Schulaustauschprogramm ENSA von Engagement Global fördert Partnerschaften zwischen Schulen aus Deutschland und Schulen aus Ländern Afrikas, Asiens, Lateinamerikas und Südosteuropas. Ziel des Programms ist es, dass die beteiligten Schülerinnen und Schüler durch einen Perspektivwechsel voneinander lernen, globale Zusammenhänge verstehen und sich für eine nachhaltige Entwicklung einsetzen.

Fotoprojekt ermöglicht Perspektivwechsel

Eine Schulpartnerschaft, die bereits seit 2012 immer wieder von ENSA gefördert wird, ist die zwischen dem Tilman-Riemenschneider-Gymnasium in Osterode im Harz und den Schulen Lyceé Valdiodio NDaye und Cours Privé Mboutou Sow in Kaolack im Senegal. In den vergangenen Jahren haben sich Schülerinnen und Schüler der drei Schulen wiederholt gegenseitig besucht und gemeinsam an verschiedenen globalen Themen gearbeitet; zum Beispiel Migration, Wasser oder Mädchenförderung. Dabei haben sie gelernt, wie globale Zusammenhänge funktionieren und welchen Einfluss jede und jeder Einzelne auf eine nachhaltige Entwicklung hat.

Bei einer der Lernreisen, die das Herzstück des ENSA-Programms sind, haben sich die Schülerinnen und Schüler beispielweise einem gemeinsamen Kunstprojekt gewidmet. Sie haben Fotos von ihrer Umgebung gemacht und das Spannungsfeld zwischen Klischee, Alltäglichem und Unerwartetem eingefangen. Die Ergebnisse der Projektarbeit haben die Schülerinnen und Schüler aufbereitet und beim DenkmalKunstFestival in Osterode ausgestellt. So hatten auch interessierte Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, ihre Sehgewohnheiten aufzubrechen und neue Perspektiven einzunehmen.

ENSA fördert Schulpartnerschaften wie die beschriebene zum einen finanziell, indem ein Großteil der Projekt- und Reisekosten übernommen wird. Zum anderen unterstützt das Programm die Teilnehmenden inhaltlich bei der Vor- und Nachbereitung ihrer Begegnungen.

Wer 2023 eine Lernreise plant, kann sich bis Donnerstag, 15. September 2022, für die Bewerbung um Förderung registrieren. Die Bewerbungsunterlagen selbst können bis Freitag, 30. September 2022, einegereicht werden. Grundsätzlich läuft der Bewerbungszeitraum immer vom 1. Juli bis 30. September eines Jahres.

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Sustainable Development Goals (SDG) 16: a governance compass towards just transition?

DIE - 5. September 2022 - 11:40

The 2030 UN Agenda for Sustainable Development of 2015 prominently stresses that “the SDGs are integrated and indivisible and balance the three dimensions of sustainable development: the economic, social and environmental” (UN [United Nations], 2015, p. 3). Behind this statement lies a reality of complex interlinkages between the Sustainable Development Goals (SDGs) and their targets, the implementation of which may produce synergies but also trade-offs. Another innovative trait of the 2030 Agenda is its strong commitment to the “quality of governance”. While the debate about the necessary elements of governance continues, most definitions today include inclusive and participatory decision-making, accountability, and transparency as its key institutional characteristics. These characteristics have been enshrined as targets under SDG 16 on “Peace, Justice and Strong Institutions” that are not only considered desirable outcomes but also as enablers of all other SDGs. Yet another central, transformative promise of the 2030 Agenda is to Leave No One Behind (LNOB), which requires the participation of all segments of society to contribute to its implementation. There is broad consensus in contemporary academic and policy debates that innovative governance approaches will be essential to achieve an integrated implementation of the interlinked SDGs and to fulfil the LNOB commitment. A more recent debate, which has gained traction since the 26th UN Climate Change Conference in 2021, focuses on the just transition towards climate-just, equitable and inclusive societies. At the centre of this debate lies the understanding that governments will be unable to gain public support for the prioritisation of climate actions if they do not succeed in drastically reducing poverty and inequality. It will be necessary that just climate transition be based on the principles of procedural, distributional and recognitional justice.
So far, these two debates have run in parallel without cross-fertilising each other. This Policy Brief makes the case that the debate on just transition has much to gain from the academic findings generated by research on the role of governance in managing SDG interlinkages. It is based on a recent study by IDOS and the UNDP Oslo Governance Centre (UNDP OGC) that collates empirical evidence on the effects of governance qualities (SDG 16) on the reduction of poverty (SDG 1) and inequalities (SDG 10) (DIE* & UNDP OGC, 2022). The study finds that:
• Improved levels of participation and inclusion are positively associated with poverty reduction;
• Higher levels of access to information, transparency and accountability help to improve access to basic services and targeting of social protection policies.
These findings provide policymakers with an empirical basis to argue that investments in the achievement of the governance targets of SDG 16 can act as catalysts for interventions seeking to reduce poverty and inequalities.
Against this backdrop, this Policy Brief argues that the governance targets of SDG 16 are not only institutional preconditions for the reduction of poverty and inequalities but also contribute towards just transitions. More specifically: they are institutions that contribute towards the justice principles that constitute the basis of just transition and exhibit the governance qualities postulated by SDG 16. It is important to note that debates on the quality of governance and just transition do not take place in a political vacuum. In view of global trends towards auto-cratisation (V-Dem 2022), the empirical findings regarding the enabling governance effects on poverty and inequality reduction carry the important policy implication that action to support just transition will in all likelihood be more successful if accompanied by proactive measures to protect and support democratic institutions and processes.

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Bündnis „Bits & Bäume“ fordert von Politik: Digitalisierung muss sozial-ökologischem Wandel dienen

reset - 5. September 2022 - 11:11

In wenigen Wochen, vom 31. September bis zum 2. Oktober, findet die „Bits & Bäume“-Konferenz in Berlin statt. Bei der Konferenz dreht sich, wie es der Name schon nahelegt, alles um die Themen Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Schon heute haben die 13 beteiligten Organisationen aus Umwelt,- Klima- und Naturschutz, Digitalpolitik, Entwicklungszusammenarbeit und Wissenschaft ihre Forderungen an die Bundesregierung, die Europäische Union und politische Akteure weltweit vorgelegt. Das zentrale Anliegen des Appells: Endlich aktiv eine Digitalisierung voranzutreiben, die dem sozial-ökologischen Wandel dient.

„Die aktuellen Krisen haben noch deutlicher gemacht: Wir müssen unsere Gesellschaft grundlegend umbauen. Die Digitalisierung muss dazu aktiv so gestaltet werden, dass sie nachhaltig und ressourcenschonend wirkt und dass dabei Datenschutz nicht als Hemmschuh missverstanden, sondern genau wie IT-Sicherheit immer mitgedacht wird“, sagt Constanze Kurz, Sprecherin des Chaos Computer Clubs. Anstatt also weiterhin die mangelnde Teilhabe vor allem des Globalen Südens und existierende Krisen durch einen explodierenden Energiebedarf und Ressourcenverbrauch noch weiter zu verschärfen, gehe es darum, mithilfe digitaler Technologien zu einer gleichberechtigten gesellschaftlichen Teilhabe innerhalb der planetaren Grenzen beizutragen.

Dazu sei die digitale Wirtschaft gefordert, ökologische und soziale Verantwortung entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu übernehmen. „Digitalunternehmen müssen in die Pflicht genommen werden, Informationstechnologien und -infrastrukturen ohne Kompensation klimaneutral und an einer Kreislaufwirtschaft orientiert herzustellen und zu betreiben“, sagt Thomas Korbun, wissenschaftlicher Geschäftsführer am Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW)

Gleichzeitig müsse die Digitalisierung ein weltweit faires Wirtschaftssystem unterstützen, das dem Globalen Süden eine gerechte und wirtschaftliche Teilhabe ermöglicht. Dazu gehöre auch, lokale Gemeinschaften, zivilgesellschaftliche Gruppen und indigene Völker in die Gestaltung der globalen Digitalwirtschaft und -politik aktiv einzubeziehen. Hier ist an erster Stelle die Poltik gefragt, die strategischen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit sich die Digitalisierung in Zukunft am Natur-, Klima- und Ressourcenschutz sowie am Erhalt der Biodiversität ausrichtet.

Auch in der Landwirtschaft spiele die Digitalisierung eine entscheidende Rolle, da sie hier allzu oft im Dienst von Plattform-, Saatgut- und Landmaschinenkonzernen steht, nicht aber an den Bedürfnissen einer bäuerlich-ökologischen Landwirtschaft orientiert ist. „Gerade in Zeiten von Ernährungs- und Agrarkrisen braucht es einen umfassenden Rechtsrahmen, damit die Digitalisierung einen positiven Einfluss auf eine nachhaltige Landwirtschaft entwickeln und auf die Verwirklichung der globalen Ernährungssouveränität hinwirken kann“, so DNR-Geschäftsführer Florian Schöne.

Aus Nachhaltigkeitsperspektive werden auch die immer weiter verbreiteten automatisierten Entscheidungssysteme kritisch betrachtet. Daher fordern die 13 Organisationen des Bündnis, dass Mitbestimmungs- und Grundrechte in den Daten und Algorithmen gewahrt werden, die der Entscheidungsfindung zugrunde liegen. Auflagen zu formulieren und Nichteinhaltung zu sanktionieren solle dabei die Aufgabe von Prüfkommissionen unter zivilgesellschaftlicher Aufsicht sein.
Die Forderungen des Bündnis „Bits & Bäume“ gehen damit weit über die Ansätze der jüngst beschlossenen Digitalstrategie der Bundesregierung hinaus. „So verstehen wir auch den Forderungskatalog des Bündnisses: als klaren Auftrag an die Regierung und als Update zu ihrer unzureichenden Digitalstrategie“, betont daher Constanze Kurz.

„Bits & Bäume“ ist das größte deutschlandweite zivilgesellschaftliche Bündnis an der Schnittstelle zwischen Digitalisierung und Nachhaltigkeit – und die Community wächst weiter. Seinen Auftakt hatte „Bits & Bäume“ mit der ersten bundesweiten Konferenz 2018 und findet seine Fortsetzung in wenigen Wochen. Das Programm der diesjährigen „Bits & Bäume“–Konferenz steht bereits fest, die Themen reichen von vernetzter Mobilität über den Rohstoff- und Strombedarf digitaler Geräte, Datensuffizienz und kooperativen Plattformökonomien bis hin zu smarten Energienetzen oder Monopolisierungstendenzen in der digitalen Ökonomie.

Die vollständigen Forderungen gibt es hier zum Nachlesen: Forderungen Bits & Bäume 2022

Der Ticketverkauf läuft bereits – sei dabei! Jetzt Ticket sichern.

Hier findest du das vollständige Programm: Bits & Bäume 2022

Wir freuen uns, mit RESET als Medienpartner dabei zu sein – wir sehen uns auf der Konferenz!

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Die Ukraine gehört in die Nato – jetzt

SWP - 5. September 2022 - 10:40
Westliche Rücksichtnahme auf Moskau zahlt sich nicht aus, die Souveränität und Integrität der Ukraine muss langfristig gesichert werden. Dafür gibt es nur einen Weg.
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La política europea de desarrollo quiere ser geopolítica

DIE - 5. September 2022 - 9:36

Como primer actor mundial de la cooperación al desarrollo, la UE debe ser capaz de entender las necesidades de sus socios y equilibrarlas con sus propios intereses y valores no negociables.

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Shared understanding and beyond: toward a framework for data protection and cross-border data flows

DIE - 5. September 2022 - 8:55

Lack of global consensus on data governance is emerging as a major issue in, amongst other things, trade regimes, use of data for development, and regulation of data flows. Convergence or divergence in norms in these areas will determine whether or not any emerging regime complex will be global or fragmented, whether it will enable the potentials of cross-border flow of data to materialize or will suffer from a lack of interoperability. This Policy Brief suggests that the G20 simultaneously underscores the importance of harmonization and strives for consensus on core principles in governing data protection and data flow, and that it also uses competition policy principles to safeguard public interest. While the challenge before the G20 is enormous, it is also an opportunity to provide leadership and shape a global consensus on data governance.

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Voluntary standards and the SDGs: mapping public-private complementarities for sustainable development

DIE - 2. September 2022 - 13:01

To strengthen global sustainability governance, academics and policymakers have called for a better integration of private governance with public policy instruments. Surprisingly, however, systematic research on the state of such public-private complementarities in the field of sustainable development is lacking. With a focus on voluntary sustainability standards and the United Nations 2030 Agenda for Sustainable Development, this article addresses this research gap. It uses a novel dataset of 232 voluntary standards to examine how their policies and organizational processes interact with the 17 Sustainable Development Goals and their targets. We identify significant public-private complementarities, but also areas of institutional disconnect. We further explore how the creation of institutional linkages in this issue area is driven by instrumental, managerial, and normative concerns and develop an agenda for future research. This includes research on whether and how intensifying public-private interactions at the transnational level translate into tangible impacts for sustainable development on the ground.

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Auch in Krisenzeiten: Lieferketten durch unternehmerische Sorgfaltspflicht stärken

SWP - 2. September 2022 - 11:08

Erst die Corona-Pandemie, nun der russische Angriffskrieg auf die Ukraine – globale Lieferketten waren, sind und werden zukünftig mit Krisen konfrontiert. Neben der Inflation und Lieferausfällen stellen geopolitische Verschiebungen und Katastrophen Unternehmen zunehmend vor Schwierigkeiten. Gesetze zur unternehmerischen Sorgfaltspflicht wie das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG), das am 1. Januar 2023 in Kraft tritt, helfen mit solchen Aufgaben umzugehen. Sie fördern nicht nur die moralische Verpflichtung zum Schutz von Menschenrechten und Umwelt, sondern auch die Resilienz von Lieferketten. Vorschläge, das LkSG oder das entsprechend geplante EU-Gesetz abzuschwächen oder gar zu verschieben, um Unternehmen in der aktuellen Krise vermeintlich zu entlasten, laufen daher in die falsche Richtung.

Resilienz durch Nachhaltigkeit

Zahlreiche Studien, unter anderem der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) aus dem Jahr 2021, zeigen, dass Unternehmen mit hohen Nachhaltigkeitsstandards besser durch die Corona-Pandemie kamen und sich schneller erholten. Effizienz, Resilienz und Nachhaltigkeit – die Zieldimensionen von globalen Lieferketten – stellen demnach keine Gegensätze dar. Vielmehr bedingen und stärken sie sich gegenseitig.

Sorgfaltspflichten in Lieferketten zu verankern, trägt zum Informationsaustausch bei und erhöht die Transparenz. Durch die verpflichtende Risikoanalyse können Unternehmen nicht nur bestehende Abhängigkeiten, sondern auch konkrete Risiken besser identifizieren, mögliche Lieferausfälle antizipieren und Diversifizierungsmöglichkeiten erschließen. Diese Planung wird künftig an Bedeutung gewinnen – deutsche Unternehmen müssen hier strategischer und vorausschauender denken. Denn Unsicherheiten in globalen Lieferketten bleiben mittel- und langfristig bestehen. Das gilt sowohl für politische und wirtschaftliche Risiken, wie wir sie aktuell mit dem russischen Angriffskrieg erleben, als auch für Ausfälle durch soziale Unruhen wie etwa den wochenlang andauernden Protesten lokaler Gemeinden gegen die peruanischen Kupfermine Las Bambas im Frühjahr und Sommer 2022. Durch ein Risikomanagement, wie es das LkSG vorsieht, sollen Interessen und Beschwerden Betroffener wahrgenommen und in angemessener Weise begegnet werden. Das kann die Eskalation von solchen sozialen Konflikte verhindern.

Im Falle einer akuten Krise bieten im Voraus etablierte Sorgfaltspflichten wirkungsvolle Mechanismen, um eine zügige Bestandsaufnahme durchzuführen sowie die sich schnell verändernden Rahmen- und Arbeitsbedingungen zu analysieren. Leitfäden, wie sie das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) im Rahmen von Branchendialogen und das Bundesamt für Ausfuhrkontrolle (BAFA) derzeit erstellen, können dabei Orientierung bieten. Ergänzend sollten die Behörden konkrete Handlungsanweisungen für unvorhersehbare Ereignisse oder geopolitische Krisen bereitstellen, die insbesondere für anlassbezogene Risikoanalysen nützlich sein können.

EU-weites »Level Playing Field« für Unternehmen

Das geplante EU-Lieferkettengesetz in Reichweite und Umfang stark einzuschränken, um Unternehmen in Krisenzeiten nicht zusätzlich zu belasten, ist eine anhaltende Forderung seitens der Industrie und Teilen der Politik. Mit Inkrafttreten des deutschen LkSG 2023 ist die politische Stoßrichtung jedoch eindeutig und sollte auch nicht ausgebremst werden. Weitaus wichtiger wäre es, dass sich die Bundesregierung auf EU-Ebene für ein umfangreiches Gesetz stark macht und damit faire Wettbewerbsbedingungen, das sogenannte Level Playing Field für Unternehmen in der EU schafft.

Der Alternativvorschlag einer Negativliste für Unternehmen, welche Zulieferer führt, die sich nicht regelkonform verhalten, erscheint auf den ersten Blick wirkungsvoll, um Komplexität zu reduzieren und Aufwand für Unternehmen zu verringern. Der Vorschlag würde jedoch nicht nur eindeutig das WTO-Regelwerk verletzen, sondern auch dem Wunsch entgegenlaufen, dass sich Unternehmen mit ihren Lieferketten und deren Risiken kontinuierlich auseinandersetzen.

Eine Harmonisierung der diversen nationalstaatlichen Regulierungen auf europäischer Ebene kann Synergien schaffen und Kräfte bündeln. So können, wie im EU-Vorschlag vorgesehen, staatliche Umsetzungsbehörden vom Austausch über Best Practices profitieren. Auch würde eine einheitliche Implementierung von unternehmerischen Sorgfaltspflichten in der EU, durch ihre Rolle als gemeinsamer Wirtschaftsraum, eine größere globale Wirkung erzielen.

Stärkere Zusammenarbeit statt Zaudern

Es ist nicht zu erwarten, dass das deutsche LkSG beziehungsweise ein geplantes EU-Gesetz – wie von Kritikern und Kritikerinnen oft argumentiert – unwiderruflich zum Abbruch von Geschäftsbeziehungen führt oder Unternehmen deswegen aus risikoreichen Ländern abwandern. Eine Studie des Beratungsunternehmens Löning Human Rights and Responsible Business von 2020 zeigt, dass Unternehmen eher Maßnahmen ergreifen, um Risiken zu begegnen, statt sich aus kritischen Umfeldern zurückzuziehen. Viele Firmen investieren bereits seit Jahren in die nachhaltigere Gestaltung ihrer Lieferketten, inklusive freiwilliger Standards sowie Schulungen für Zulieferer, und stärken darüber ihre Lieferbeziehungen. Dieses Engagement sollte ausgebaut werden. So können auch Vulnerabilitäten von Akteuren entlang der Lieferkette verringert und die Auswirkungen von Lieferkettenkrisen auf die wirtschaftliche Entwicklung von Staaten – insbesondere auch Entwicklungs- und Schwellenländern – abgeschwächt werden.

Letztendlich werden nachhaltigere Lieferbeziehungen auch von Partnerländern eingefordert. Unternehmerische Sorgfaltspflicht in diesem Bereich stärker auf europäischer Ebene zu verankern, sollte auch deswegen Teil einer strategischen Außenwirtschaftspolitik sein. Gestützt durch flankierende Maßnahmen, wie die technische und finanzielle Unterstützung von Drittländern bei der Durchsetzung bestehender Umwelt- und Arbeitsgesetze, würde das Vertrauen in die EU als Partner stärken und das europäische Engagement für die extraterritoriale Einhaltung von Umwelt- und Menschenrechten unterstreichen.

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Projekte für Nachhaltigkeit und Frieden

Engagement Global - 2. September 2022 - 8:41
ASA-Teilnehmende bereiten sich auf ihre Projekte vor. Foto: René Frampe

Im Einsatz für eine global nachhaltige Entwicklung: Im September machen sich zwei junge Menschen auf den Weg nach Gambia und zwei andere reisen in den Kosovo – sie engagieren sich in ASA-basis-Projekten. Die Teilnehmenden mit Lebensmittelpunkt in Deutschland werden im Zuge des Programms die Arbeit von Nichtregierungsorganisationen (NRO) in den Projektländern unterstützen. Die NRO setzen sich in verschiedenen Bereichen und in unterschiedlichen Formen für eine global nachhaltige Entwicklung ein.

Das Ziel der jungen Menschen: entwicklungspolitisches Engagement konkret umsetzen, global Lernen und an nachhaltiger Entwicklung mitwirken. Das Projekt im westafrikanischen Land ermöglicht den Teilnehmenden, Jugendorganisationen bei der Aufklärungsarbeit zu Umweltthemen zu unterstützen. Der Fokus des Projektes im Kosovo liegt auf den gesellschaftlichen Entwicklungsprozessen einer Nachkriegsregion.

Jugend für nachhaltige Entwicklung

Die Organisation Youth in move for change (YMC) mit Sitz in Banjul, der Hauptstadt Gambias, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Lebensbedingungen von Jugendlichen zu verbessern. Die NRO bietet Workshops und Seminare an, in denen sich die Teenager in Bereichen wie Bildung, Gesundheit, Gender und Umwelt weiterentwickeln können. Das dabei erlangte Wissen soll sie befähigen, sich aktiv in die Gemeindearbeit einzubringen und ihnen für ihren Lebensweg Sicherheit und Selbstvertrauen mitgeben.

Die ASA-Teilnehmende können sich im dreimonatigen Projektzeitraum 2022 besonders im Bereich Umwelt engagieren – bei der Durchführung von thematischen Workshops, in Weiterbildungsangeboten zu Klima- und Nachhaltigkeitsthemen sowie in der Öffentlichkeitsarbeit der Organisation. Das Bildungsprojekt für junge Menschen bietet den ASA-Teilnehmenden die Möglichkeit, ihre eigenen Kenntnisse in die Arbeit einzubringen, diese zu vertiefen und voneinander zu lernen. Am 1. September geht es für die zwei Teilnehmenden los.

Es ist ein Tag, der auch auf die rund 21 Millionen Menschen Aufmerksam machen soll, die noch heute in prekären Arbeitsverhältnissen ähnlich der Sklaverei tätig sind. Auch in anderen aktuellen Debatten und Lebensbereichen zeigt sich, wie notwendig eine starke Erinnerungskultur ist. So braucht es für ein Verständnis der internationalen Wirtschaft auch ein Bewusstsein für die historisch bedingte Abhängigkeit mancher Länder des Globalen Südens. Ein weiteres Beispiel ist der Umgang und die Wahrnehmung von Rassismus im Globalen Norden.

Kriegsvergangenheit aufarbeiten

Zivilgesellschaftliche Bündnisse stärken, sich für ein friedliches Zusammenleben engagieren und zu gewaltfreien Lösungen beitragen wollen die ASA-Teilnehmenden, die am 15. September in den Kosovo reisen werden. Das Projekt, an dem sie mitwirken, setzt sich für die Aufarbeitung der Kriegsvergangenheit ein und stößt in der Nachkriegsregion Entwicklungsprozesse an. Durchgeführt wird es vom Forum Ziviler Friedensdienst (forumZFD). Das Forum ist in ehemaligen Krisengebieten aktiv, um friedliche Entwicklungen vor Ort zu begleiten und zu fördern.

Das Ziel: Vergangenheit kritisch beleuchten und der lokalen Bevölkerung die Möglichkeit geben, sich mit dieser auseinanderzusetzen. Zugleich forscht forumZFD zu gesellschaftlichen Entwicklungen. Die ASA-Teilnehmenden tragen dazu bei, indem sie die Allianzbildungen mit zivilgesellschaftlichen Akteurinnen und Akteuren vor Ort begleiten oder bei der Entwicklung von Workshops und Trainings mitwirken.

Am ASA-Programm können junge Menschen zwischen 21 und 30 Jahren teilnehmen, die in Ausbildung oder Studium sind. Bewerbungen sind jedes Jahr von Dezember bis Januar möglich.

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Für Ernährungssicherheit trotz Klimakrise und Krieg - PIK Policy Brief

SID Blog - 2. September 2022 - 1:21
Pressemitteilung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK)

01.09.2022

Für Ernährungssicherheit trotz Klimakrise und Krieg

Um die Welternährung zu sichern, ist eine Wende hin zu mehr pflanzlichen und weniger tierischen Lebensmitteln nötig. Das erklären Forschende in einem heute veröffentlichten 'Policy Brief'. Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hat eine Verknappung mancher Agrarprodukte sowie von mit Gas hergestelltem Mineraldünger ausgelöst. Die Folge ist ein Preisanstieg bei Lebensmitteln. Gleichzeitig bedrohen mit der zunehmenden Klimakrise Dürren und Sturzfluten die Ernten weltweit. Die Forschenden zeigen die Zusammenhänge auf – und machen konkrete Empfehlungen, wie eine Ernährungswende eingeleitet werden könnte.

Während weltweit rund 80% der landwirtschaftlichen Nutzfläche für die Produktion tierischer Lebensmittel genutzt wird, tragen diese nur zu 18% der globalen Kalorienversorgung bei, so die Forschenden. Wenn ein größerer Teil der Ackerflächen für die Erzeugung von Essen für Menschen statt von Futter für Tiere genutzt würde, ließe sich das Angebot von Lebensmitteln rasch und nachhaltig ausweiten und Preisanstiege und Hunger vermindern. Weniger Flächenverbrauch für die Landwirtschaft könnte zugleich das Artensterben reduzieren. Zudem ist klar: Die Erzeugung tierischer Lebensmittel führt zu einem erheblichen Ausstoß von Treibhausgasen und damit der globalen Erwärmung mit ihren Wetterextremen. Auch hier würde eine Wende hin zu mehr pflanzlicher Ernährung helfen.

Die Forschenden schlagen drei Maßnahmen vor:

1. Einen Transformationsfonds zur Umstellung der Außer-Haus-Verpflegung, etwa in Kantinen, und zur Förderung von Landwirten und Landwirtinnen beim Ausbau der Produktion von Hülsenfrüchten, Obst und Gemüse.
2. Die Einführung bestimmter wirkungsvoller Entlastungspakete und Lenkungsabgaben für Verbraucherinnen und Verbraucher.
3. Eine Zukunftskommission Ernährung und Landwirtschaft sowie die Kompetenzerweiterung des Wissenschaftlichen Beirats für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz zum Monitoring des Transformationsprozesses.


Veröffentlichung: Lukas Paul Fesenfeld, Lisa M. Pörtner, Benjamin Leon Bodirsky, Marco Springmann, Peter von Philipsborn, Franziska Gaupp, Daniel Müller, Josef Settele, Sabine Gabrysch, Florian Freund, Linus Mattauch, Felix Creutzig, Hermann Lotze-Campen (2022): Für Ernährungssicherheit und eine lebenswerte Zukunft. Pflanzenbasierte Ernährungsweisen fördern, Produktion und Verbrauch tierischer Lebensmittel reduzieren. Policy Brief, Zenodo [DOI:10.5281/zenodo.7038961]

Weblink zur Veröffentlichung: https://zenodo.org/record/7038961#.Yw_YVxxBw2w



Zivilgesellschaft fordert Ernährungswende in öffentlich finanzierten Einrichtungen

SID Blog - 2. September 2022 - 1:18
Petition und Positionspapier zeigen dringenden Handlungsbedarf

Das aktuelle Ernährungs- und Landwirtschaftssystem verursacht Schäden mit hohen gesellschaftlichen und ökologischen Folgekosten. Deswegen wenden sich 41 zivilgesellschaftliche Organisationen an den Hamburger Senat und fordern schnelle politische Maßnahmen für eine Ernährungswende in öffentlich finanzierten Einrichtungen. In ihrem Positionspapier und einer Online-Petition verlangen sie eine zukunftsfähige Ernährung und faire Preise bei der Verpflegung in Kitas, Schulen und anderen öffentlich finanzierten Einrichtungen.

„Die Politik steht in der Verantwortung, in Einrichtungen, die mit Steuergeldern finanziert sind, eine Ernährungswende voranzubringen. Wir brauchen mehr Klima- und Umweltschutz beim Essen. Gleichzeitig muss die Politik für faire Löhne in den Lieferketten und für bezahlbare Preise für die Kinder und ihre Eltern sorgen. Dafür sind mehr öffentliche Zuschüsse für das Essen in Kitas und Schulen genauso notwendig wie verbindliche Nachhaltigkeitsstandards", erläutert Julia Sievers von der Agrar Koordination.

Das breite Bündnis aus den Bereichen Umweltschutz, Tierschutz, Kirche und Entwicklungspolitik fordert, dass der Einsatz von ökologisch produzierten und fair gehandelten Lebensmitteln in der Außer-Haus-Verpflegung schrittweise erhöht wird. Bis 2030 sollten in öffentlich finanzierten Einrichtungen alle Lebensmittel aus biologischer Landwirtschaft kommen.

Die Nichtregierungsorganisationen schlagen in ihrem Positionspapier vor, dass die Politik parallel zur Etablierung von Mindeststandards ein Förderprogramm finanziert, damit durch Bildungs- und Beratungsangebote die Umstellung auf eine nachhaltige Ernährung unterstützt wird.

„Europäische Städte wie Kopenhagen setzen bereits seit Jahren 90 Prozent Bio in allen öffentlichen Kantinen um – und dies haben sie dank intensiver Beratungsangebote erreicht, ohne dass sich die Kosten für die Mahlzeiten erhöht haben. Auch in Deutschland gibt es bereits mehrere Vorreiterstädte. Berlin hat zum Beispiel mit der Kantine Zukunft eine Beratungsinitiative nach dem Kopenhagener Vorbild ins Leben gerufen. Auch Hamburg sollte ambitioniertere Zielvorgaben in öffentlichen Kantinen beschließen und mittels Beratungsförderung umsetzen", findet Alexandra Wandel, Stiftung World Future Council.

„Für die nicht-regionalen Lebensmittel ist es wichtig, eine global verantwortliche Lieferkette sicherzustellen. Der Faire Handel ist mit seinen direkten, nachhaltigen und transparenten Produktionswegen ein Pionier seit 50 Jahren. Da Kakao, Bananen oder Kaffee vorerst nicht in der Hamburger Region wachsen werden, muss hier der Faire Handel eine Vorbildrolle einnehmen", betont Christine Prießner, Koordinatorin der Fair Trade Stadt Hamburg.

Das Bündnis ruft die Menschen in Hamburg dazu auf, sich den Forderungen anzuschließen und die Online-Petition zu unterzeichnen. Weitere Organisationen sind als Unterzeichner des Positionspapiers ebenfalls willkommen.

Der Start der Petition und die Veröffentlichung des Positionspapiers erfolgen im Rahmen einer bundesweiten Initiative für eine Ernährungswende unter dem Motto „Zukunft pflanzen. Nahrung sichern" #Ährensache.

Positionspapier: https://bit.ly/3KrDHPJ

Petition: https://www.agrarkoordination.de/index.php?id=829

Pressemitteilung: PM_Ernaehrungswende.pdf (agrarkoordination.de)


Frank Schwabe zu den Verbrechen an Uiguren in Xinjiang

SID Blog - 2. September 2022 - 1:16

SPD-Bundestagsfraktion 01.09.2022 - Nr. 190/2022
Arbeitsgruppe: Menschenrechte und humanitäre Hilfe


Verbrechen an Uiguren in Xinjiang

Frank Schwabe, menschenrechtspolitischer Sprecher:

Der gestern veröffentlichte Bericht der Uno-Hochkommissarin für Menschenrechte Michelle Bachelet zur Lage der Uiguren in der Region Xinjiang in China bestätigt schlimmste Befürchtungen. Die SPD-Bundestagsfraktion fordert China auf, sich zu erklären und umgehend Transparenz herzustellen.

„Dem Bericht nach sind in Xinjiang womöglich Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen worden. Hunderttausende Uiguren und Mitglieder anderer Minderheiten wurden in Umerziehungslager gesteckt, haben dort Folterung und grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung erfahren.

Was vielen Kennern der Szene klar war, hat dadurch jetzt auch den Stempel der Vereinten Nationen. Dass die chinesische Regierung sich einer Debatte darüber verweigert, macht umso deutlicher, dass die Berichte leider stimmen.

Chinas Regierung muss sich umgehend erklären und vollständige Transparenz in Xinjiang herstellen. Der Menschenrechtsausschuss des Bundestags wäre jederzeit bereit nach Xinjiang zu reisen und in den Dialog mit der chinesischen Regierung zu treten. China verhindert eine solche Reise aber seit Jahren."


  Die komplette Pressemitteilung finden Sie hier:
https://www.spdfraktion.de/presse/pressemitteilungen/verbrechen-uiguren-xinjiang
Die komplette Pressemitteilung als PDF:
https://www.spdfraktion.de/node/5848696/pdf
 

Ukraine-Krieg und die Folgen für die Bioökonomie

Forum Umwelt & Entwicklung - 1. September 2022 - 17:31
Veröffentlicht am 1. September 2022

 

Ukraine-Krieg und die Folgen für die Welternährung:
Bundesregierung muss Bioökonomie überdenken

Positionspapier als PDF hier herunterladen

Der Krieg in der Ukraine verursacht unermessliches Leid: Die dortige Zivilbevölkerung wird vertrieben oder gar getötet. Auch die kämpfenden Soldatinnen und Soldaten erleiden unter der Grausamkeit des Krieges Traumata, Folter und Tod. Jenseits dieses Horrors legt der Krieg erneut die Fehlstellungen des Welternährungssystems gnadenlos offen und verschärft weltweit die chronische Hungerkrise weiter. Besonders betroffen sind die Staaten und Menschen im Globalen Süden, die ihre Ernährungssouveränität verloren haben. Für die nun 828 Millionen Hungernden auf der Welt zeigt sich erneut, dass globale Lieferketten nicht auf ihre Versorgung ausgerichtet sind.

Es wird deutlich, wie sich der Hunger weiter verschärft, wenn nervöse Märkte Agrarrohstoffe knapp und teuer werden lassen. Einen ähnlich negativen Effekt hätte ein Umstieg der Industriestaaten von einer fossilen Wirtschaft hin zur Bioökonomie, sofern das industrielle Agrarsystem unverändert fortbesteht und unser Ressourcenverbrauch hoch bleibt. Wohlhabende Länder sowie transnationale Konzerne würden die Weltmärkte leerkaufen, um ihre “grüne” Wirtschaft am Laufen zu halten.

Im Fokus der Öffentlichkeit bemüht sich die Bundesregierung momentan vor allem darum, Deutschlands Energieversorgung abzusichern und den Ausbau von Wind- und Sonnenenergie zu beschleunigen. Parallel müsste aber auch unser Ressourcenverbrauch insgesamt, sowie die Art der landwirtschaftlichen Produktion und der verschwenderische Umgang mit biogenen Rohstoffen ähnlich konsequent auf den Prüfstand gestellt werden. Nur so werden die tieferen Gründe der chronischen Welternährungskrise angegangen.

In diesem Zusammenhang nützt es nichts, in Sonntagsreden das Recht auf Nahrung und das Prinzip von „Food First“ zu betonen und ansonsten mit “business as usual” weiterzumachen. Die zur Verfügung stehenden Flächen und Ressourcen sind begrenzt und ihre Nutzung bedarf dringend einer klaren Priorisierung zugunsten der Nahrungsmittelproduktion jenseits der Marktlogik. Die bisherige Praxis ist voll von wenig zukunftsfähigen Bioökonomie-Anwendungen wie brasilianischem Zuckerrohr für Bioplastik in Getränkekartons oder mit Gülle überdüngtem Mais für Biogas.

Die unterzeichnenden Umwelt- und Entwicklungsverbände fordern eine Bioökonomie, die sozial gerecht und ökologisch nachhaltig ist. Mit Blick auf den Ukraine-Krieg müssen folgende Punkte zwingend in den zu erarbeitenden Umsetzungsplänen der Bundesregierung zur Bioökonomie und Biomassenutzung sowie in der aktuellen Debatte um die Leitlinien der landwirtschaftlichen Produktion berücksichtigt werden:

  • Ackerflächen dürfen nicht für die Energie- und Treibstoffproduktion verwendet werden. Eine Aussetzung der Beimischungsquote für Biokraftstoffe würde in Deutschland kurzfristig 800.000 ha für andere Nutzungen bzw. die Renaturierung von Mooren freimachen.
  • Primärholz aus dem Wald darf nicht als Ersatz für fossile Energieträger verbrannt werden, sondern muss für eine höherwertige stoffliche Nutzung zur Verfügung stehen. Artenreiche Lebensräume und Kohlenstoffsenken des Waldes müssen erhalten und ausgebaut werden. Dies lässt sich nur über ein gesetzlich verankertes Kreislauf- und Kaskadenprinzip und die Abschaffung von Subventionen für die klimaschädliche Holzverbrennung ermöglichen.
  • Im Hinblick auf die weitere Entwicklung der Bioökonomie braucht es einen klaren, gesellschaftlich abgestimmten Fahrplan für die Priorisierung von Bioökonomie-Nutzungen. Das Versprechen des Koalitionsvertrags von 2021, den Ressourcenverbrauch zu begrenzen, muss eingelöst und klare absolute Reduktionsziele erarbeitet werden. Ein Ressourcenschutzgesetz sollte nationale Ressourcenschutzziele sowie die Reduktion der biotischen und abiotischen Ressourcenverbräuche verbindlich vorschreiben. So könnte sichergestellt werden, dass ausreichend Flächen für die Nahrungsmittelproduktion vorgehalten werden.
  • Der Tierbesatz in Deutschland und Europa muss drastisch reduziert werden. Um den viel zu hohen Fleischkonsum in den Industriestaaten aufrecht zu erhalten, werden große Mengen importierte Eiweißfuttermittel und Getreide für die industrielle Tiermast eingesetzt. Für die Sojaimporte Deutschlands werden über 2 Mio. ha Agrarland im Ausland in Anspruch genommen, fast 60 Prozent der deutschen Getreideernte als Tierfutter genutzt. Darüber hinaus müssen Import wie Export von Tieren und tierischen Produkten stark begrenzt werden. Statt Lebensmittel für Viehfutter zu verwenden, sollte die Bundesregierung die Voraussetzung dafür schaffen, dass Getreide zuvorderst der menschlichen Ernährung zugutekommen kann.
  • Die Landwirtschaft muss dringend ökologisiert werden. Eine industrialisierte Landwirtschaft, die nur unter massivem Einsatz fossiler Energien funktioniert, kann nicht resilient sein und ist zwangsläufig ein Auslaufmodell. Ein bis drei Prozent des weltweiten Energiebedarfs werden für die Herstellung von mineralischem Stickstoffdünger eingesetzt. Die konventionelle Landwirtschaft ist damit einer der größten Energieverbraucher.
  • Nicht zuletzt gefährdet die industrielle Landnutzung durch den Einsatz von Pestiziden und GVO die biologische Vielfalt. Bei der künftigen Gestaltung von Regeln für die Land- und Forstwirtschaft wie der gemeinsamen Agrarpolitik in der EU oder dem Bundeswaldgesetz ist sicherzustellen, dass der Biodiversitätsschutz konsequent berücksichtigt wird.

Angesichts der aktuellen Preis- und Verteilungskrise von Nahrungsmitteln auf den Weltmärkten werden nun wieder Stimmen laut, die ein Aufweichen von Natur- und Umweltschutz zugunsten einer gesteigerten Agrarproduktion fordern. Bestehende politische Zielvereinbarungen wie die Düngeverordnung, die farm-to-fork-Strategie mit dem Ziel der 50 Prozent Pestizidreduktion und das geltende Gentechnikrecht werden deshalb angegriffen, unter dem Vorwand angeblich notwendiger Ertragssteigerungen. Dabei sind Hungerbekämpfung und Naturschutz keine Gegensätze und sollten nicht gegeneinander ausgespielt werden. Denn ohne intakte Ökosysteme brechen die Lebensgrundlagen weg. Die Bioökonomie kann langfristig nur innerhalb der planetaren Grenzen funktionieren.

Erstunterzeichnende Organisationen:

  • ARA
  • Bergwaldprojekt
  • Brot für die Welt
  • BUND
  • denkhausbremen
  • DNR
  • DUH
  • FDCL
  • FIAN
  • Forum Ökologie & Papier
  • Forum Umwelt und Entwicklung
  • Gesellschaft für ökologische Forschung
  • Robin Wood
  • WWF
Kategorien: Ticker

Civil 20: It’s Time for Being Concrete, No More Principled Policy Recommendations

#C20 18 - 1. September 2022 - 15:30

One month right after delivering recommendations to the G20—so-called Policy Dialogue—Civil 20 conducted a Round-table Expert Discussion on August 30 and 31, 2022, in Jakarta to strengthen policy recommendations—C20 Policy Pack & Communique—to be handed over to G20 leaders at C20 Summit 2022.

“The policy pack and communique are not solely made from this round-table meeting, but they are also as result from the process of policy dialogue to the G20, working groups’ finalization, and the one-on-one interaction process between C20 Steering Committee-International Advisory Committee and C20 seven working groups transparently and dialogically, which is conducted today, on the first day of the meeting,” said Olisias Gultom, one of the policy pack team.

The meeting aims to check on how cohesive, attractive, sharp, and concrete C20 Policy Pack & Communique to be read by the G20 leaders. “Broadly speaking, the C20 Indonesia Presidency is trying to formulate a concrete policy recommendation that goes beyond principles. We hope that the C20 can deliver more operational policy options,” said C20 Sherpa Ah Maftuchan on the second day of the meeting.

Due to these days’ situation, Maftuchan said that C20 indeed focuses on pandemics, health, and just energy transition as we are currently in a climate crisis. Besides, fair, equitable, and affordable access to digital technology is critical to encourage the fulfillment of education for all and to support the economic development of citizens such as MSMEs.

C20 also encourages a more equitable financial system with recommendations as the followings:

  1. Tax reform, which taxes the super-rich to pay more taxes.
  2. Allowing multinational companies to pay taxes to be more compliant with a minimum rate of 25% for corporate taxes.
  3. Scheduling debt for developing countries and allocating debt to overcome the health and climate crises.
  4. A responsible financial business by banking and insurance institutions following the principles of protecting the environment and social conditions of society.

Finally, Ah Maftuchan hopes that the G20 leaders can accept the policy pack and communique at the C20 Summit on October 5-7, 2022 and recognize it as one of the adopted policy options.

Writer: Sita Mellia
Contact: sitamellia01@gmail.com

Kategorien: english, Ticker

Increasing Impact Through Behavioural Know-How: The Example of Our weiter_wirken Programme

SCP-Centre - 1. September 2022 - 13:20

After a four-month journey during which 20 representatives of civil society organisations (CSOs) learned, gained experience and exchanged ideas on the topic of behaviour change, they successfully completed our capacity building programme weiter_wirken.

During the course of the programme the group learned to facilitate and enable behaviour change in their projects and by involving relevant stakeholders. In the last workshop the focus was on collaboration and impact assessment as key elements of successful sustainability projects.

The participants, who are representatives of sustainability and One World projects in North Rhine-Westphalia (NRW), brought their own projects into the training programme and had the chance to work on specific behaviours in order to better understand their target groups.

Projects varied from ones focusing on fair trade, healthier and more sustainable food choices or getting citizens actively involved in the sharing economy. Key to the programme was to support the participants in defining which ideas, partnerships, and content they could use to best reach their target groups. In exchanges with each other the participants shared lessons learned on keeping target groups involved, motivated and active.

weiter_wirken is a cooperation project between the Collaborating Centre on Sustainable Consumption and Production (CSCP), ecosign / Akademie für Gestaltung and the Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen.

For further questions, please contact Jennifer Wiegard.

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