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Für mehr Fairness im Lebensmittelhandel

Forum Umwelt & Entwicklung - 10. Juli 2020 - 10:23

Lebensmittel sind lebensnotwendig. Das Recht auf Nahrung ist ein Menschenrecht von fundamentaler Bedeutung. Gerade in schwierigen Zeiten zeigt sich, wie wichtig eine stabile und krisensichere Versorgung mit vielfältigen und gesunden Lebensmitteln für eine gute Ernährung ist. Die Corona-Krise offenbart Probleme überall dort, wo systemrelevante Produkte nicht dezentral hergestellt werden. Je stärker Lebensmittelproduktion, -verarbeitung und –handel lokal und regional organisiert bzw. diversifiziert sind, desto krisensicherer ist die Lebensmittelversorgung. Handelsbeziehungen müssen nun überdacht werden, sowohl auf internationaler als auch auf nationaler Ebene. Ohne ein Ende von Agrardumping, von unfairen Handelspraktiken im Lebensmittelhandel und von einem ruinösen Preiswettbewerb wird es keine nachhaltige und krisensichere Versorgung mit fair und ökologisch produzierten Lebensmitteln geben können. Die Umsetzung der EU-Richtlinie (2019/633) zu unlauteren Handelspraktiken in Deutschland bietet eine Chance, fairere und langfristig angelegte Lieferbeziehungen zwischen den verschiedenen Akteuren vom Acker bis zum Teller zu ermöglichen.

 

Ihre Umsetzung sollte im Rahmen einer umfassenden Strategie zur solidarischen Regionalisierung einer sozialverträglichen und ökologischen Landwirtschaft erfolgen. Mit der Agrarökologie inkl. Ökolandbau bestehen Ansätze, die Formen der ökologischen und solidarischen Landwirtschaft bzw. faire Vermarktungsnetzwerke fördern.

 

50 Organisationen haben zusammen ein Papier verfasst für mehr Fairness im Lebensmittelhandel.

 

Für weitere Informationen:
Download des Positionspapieres

 

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BICC | Vernetzung und Transfer in der Flucht- und Flüchtlingsforschung: FFVT geht online

Bonn - 10. Juli 2020 - 10:00
Mit ffvt.net geht ein umfassendes Online-Informationsangebot zur Flucht- und Flüchtlingsforschung in Deutschland an den Start. Das Anfang 2020 begonnene Projekt „Flucht- und Flüchtlingsforschung: Vernetzung und Transfer” (FFVT), gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), präsentiert hier eine interaktive Übersicht über die Forschungslandschaft und bietet ständig aktualisierte Möglichkeiten zur Vernetzung an. Globale Krisen, ausgelöst […]
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Weltbevölkerungstag 2020: 7.798.407.840 Menschen leben auf der Erde

DSW - 10. Juli 2020 - 10:00
DSW: “Durch Corona-Pandemie können sich viele Frauen nicht vor ungewollten Schwangerschaften schützen”

Im weltweiten Durchschnitt bekommen Frauen heute weniger Kinder als in früher. Während eine Frau in den 1960er Jahren im Durchschnitt noch etwa fünf Kinder zur Welt brachte, sind es heute 2,4. Trotzdem wächst die Weltbevölkerung jede Sekunde um 2,6 Menschen (Geburten abzüglich Todesfälle). Zu den derzeit rund 7,79 Milliarden Menschen kommen jedes Jahr 82 Millionen Menschen hinzu, also in etwa die Bevölkerung Deutschlands. Wenn heute alle Menschen frei darüber entscheiden könnten, ob, wann und wie viele Kinder sie bekommen, könnten zahlreiche ungewollte Schwangerschaften vermieden werden. Das jährliche Bevölkerungswachstum würde sich dann um ein Viertel verringern. Das gibt die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) anlässlich des Weltbevölkerungstages am 11. Juli 2020 bekannt.

Ungewollte Schwangerschaften

Auch im Jahr 2020 können immer noch nicht alle Frauen und Mädchen frei über ihren Körper und ihre Sexualität entscheiden. Das hat zur Folge, dass weltweit in Entwicklungsländern zwei von fünf Schwangerschaften ungewollt sind. „Mädchen im Jugendalter zwischen 15 und 19 Jahren in Entwicklungsländern sind besonders stark davon betroffen: Jede zweite Schwangerschaft ist ungewollt. Mehr als die Hälfte dieser ungewollten Schwangerschaften führen zu Schwangerschaftsabbrüchen, von denen viele unsicher sind“, sagt Jan Kreutzberg, Geschäftsführer der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW).

Frauen und Mädchen in Afrika südlich der Sahara werden im weltweiten Vergleich überproportional oft ungewollt schwanger. Jede zweite Frau, die dort verhüten möchte, hat nicht die Möglichkeit dazu. Weltweit betrachtet hat jede vierte Frau in Entwicklungsländern keinen Zugang zu Verhütungsmitteln. „Viele Mädchen und Frauen haben kein Mitspracherecht, wenn es um Sex und die Zahl ihrer Kinder geht. Sie sind häufig sexueller Gewalt ausgesetzt, werden gegen ihren Willen früh verheiratet und zu Schwangerschaften gezwungen. Diese fehlende Selbstbestimmung im Bereich Familienplanung und in vielen weiteren Lebensbereichen führt dazu, dass viele Frauen und Mädchen in der Region mehr Kinder bekommen, als sie sich wünschen.”

Auch wenn die durchschnittliche Kinderzahl in Afrika südlich der Sahara in den vergangenen Jahren zurückgegangen ist, ist sie mit aktuell 4,4 Kindern pro Frau höher als der weltweite Durchschnitt (2,4 Kinder). Das führt dazu, dass die dortige Bevölkerung nach aktuellen Prognosen der Vereinten Nationen von heute rund 1,3 Milliarden Menschen auf voraussichtlich rund 2,5 Milliarden im Jahr 2050 steigen wird.

Auswirkungen der Corona-Pandemie

„Gerade in Krisenzeiten wird das Recht von Frauen und Mädchen auf Gesundheit und ein selbstbestimmtes Leben frei von Zwang, Diskriminierung und Gewalt verletzt. So auch in der aktuellen Corona-Pandemie”, sagt Kreutzberg. Ausgangsbeschränkungen von sechs Monaten könnten in Entwicklungsländern zu sieben Millionen ungewollten Schwangerschaften führen, so UN-Schätzungen. Der jüngst vom Weltbevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) veröffentlichte Weltbevölkerungsbericht bestätigt, dass auch schädliche Praktiken wie weibliche Genitalverstümmelung, Frühverheiratungen oder die Bevorzugung von Söhnen und damit einhergehende geschlechtsspezifische Abtreibungen zunehmen. „Hier unterstreicht die Pandemie einen Punkt auf dem Aufgabenzettel der Weltgemeinschaft: Der Zugang zu Gesundheitsdiensten und Verhütungsmitteln für Frauen und Mädchen weltweit braucht mehr Engagement – auch von deutscher Seite.”, erläutert der DSW-Geschäftsführer.

Die Welt ein Dorf – heute und 2050

Wenn die Welt heute ein Dorf mit nur 100 Einwohnern wäre, wären davon 59 aus Asien, 17 aus Afrika, zehn aus Europa, acht aus Lateinamerika, fünf aus Nordamerika und einer aus Ozeanien. Die Zahl der Dorfbewohner würde bis zum Jahr 2050 auf 128 steigen: 69 aus Asien, 33 aus Afrika, zehn aus Lateinamerika, neun aus Europa, sechs aus Nordamerika und einer aus Ozeanien.

Weitere Informationen Über die DSW:

Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) ist eine international tätige Entwicklungsorganisation. Unser Ziel ist es, zu einer zukunftsfähigen Bevölkerungsentwicklung beizutragen. Wir engagieren uns für die Umsetzung des Menschenrechts auf Familienplanung. Insbesondere unterstützen wir junge Menschen in Ostafrika dabei, selbstbestimmte Entscheidungen über ihre Sexualität und Verhütung zu treffen. Gleichzeitig bringen wir uns auf nationaler und internationaler Ebene in politische Entscheidungsprozesse in den Bereichen Gesundheit, Familienplanung und Gleichstellung der Geschlechter ein.

 

Pressekontakt

Anke Witte
Pressesprecherin | Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW)
Hindenburgstr. 25 | 30175 Hannover
Telefon: 0511 94373-32 | Fax: 0511 94373-73
E-Mail: presse@dsw.org
Internet: www.dsw.org

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Gefühle historischer Demütigung

E+Z - 10. Juli 2020 - 9:33
Die Geschichte anti-islamischer Gewalt in Indien

Was haben Sie am 6. Dezember 1992 erlebt?
Ich war zwölf Jahre alt und habe mit Glück überlebt. Meine Familie ist muslimisch. Wegen steigender Spannungen waren viele unserer muslimischen Nachbarn bereits geflohen, aber mein Vater glaubte an die säkulare Staatsordnung. Erst zu Beginn der Krawalle begriff er, dass wir abhauen mussten. Ich trug ein Baby – meinen kleinen Bruder – und wurde von meiner Familie getrennt. Mit ihr wiedervereint wurden wir erst Stunden später in einem sicheren Flüchtlingslager. Diese Schreckensnacht überschattet mein ganzes Leben.

Es gab indienweit Krawalle. Es müssen viele Muslime ähnliche Erfahrungen gemacht haben.
Ja, ich habe einen Artikel mit Erinnerungen daran veröffentlicht, und bekam dann viele E-Mails, in der andere mir ihre Erlebnisse schilderten. Auch in Pakistan und Bangladesch tobte Gewalt, aber dort wurden Hindus, Sikhs und andere Minderheiten angegriffen. Bis dahin hatten indische Muslime der Verfassung, die religiöse Diskriminierung verbietet, Vertrauen geschenkt. Wir glaubten, Indien sei auf dem Weg zur Entwicklung und Wohlstand. Seither wissen wir, dass Hindu-Chauvinisten eine ganz andere Vision von Indien als Land für Hindus haben und gewaltbereit sind.

Vor Ayodhya gab es das Trauma der Teilung. 1947 endete die Kolonialherrschaft, und Britisch-Indien wurde in Indien und Pakistan aufgeteilt. Es gab Massenflucht und grausame Massaker auf beiden Seiten. Setzte sich das 1992 fort?
Die Probleme sind noch älter, denn religiöse Differenzen bremsten in den 1920er und 30er Jahren die Unabhängigkeitsbewegung. Nach dem Motto „Teile und herrsche“ hetzten die Briten die großen Religionsgemeinschaften gegeneinander auf. Trotzdem glaubten indische Muslime, die Identitätsfrage sei abschließend geklärt, denn sie hatten sich bewusst für Indien entschieden – auch weil Jawaharlal Nehru, der erste Premierminister, einen säkularen Neustart versprach.

Auch nach 1992 gab es Gewalt – zum Beispiel 2002 in Gujarat, wo damals Narendra Modi Ministerpräsident war. Heute ist er Premierminister. 2002 lancierten Hindu-Chauvinisten das Pogrom, nachdem hinduistische Pilger in einem brennenden Zug umgekommen waren, was die Fanatiker „muslimischen Brandstifter“ vorwarfen.
Trotz dieser Grauen dachten wir, die Dinge würden sich langfristig zum Besseren wenden. Staatsinstitutionen befürworteten grundsätzlich weiterhin Säkularismus. Es gab zwar Misstrauen zwischen Moslems und Hindus, aber auf der lokalen Ebene lebten sie friedlich zusammen. Das ist vielerorts immer noch so, aber seit Modi Premierminister ist, wird es immer schwieriger. Seine Partei, die BJP, gehört zum Netzwerk hindu-chauvinistischer Organisationen um den RSS. Der RSS ist eine autoritäre Kaderorganisation, deren Ideologie zufolge Indien eine Hindu-Nation sein muss. Modi ist RSS-Mitglied. Seine Regierung verfolgt eine harte Linie, und zwar seit der Wiederwahl 2019 noch offener und aggressiver. Die BJP gewann zwar nicht einmal 40 Prozent der Stimmen, aber eine absolute Parlamentsmehrheit, weil ihre Kandidaten in vielen Wahlkreisen vorn lagen.

Modi beansprucht, Indien stark zu machen, aber er bringt dem Land nicht mehr Ansehen. Tatsächlich nimmt der internationale Einfluss von Regierungen ab, wenn sie mit dem Motto „Mein Land zuerst“ arbeiten. Das gilt auch für Donald Trump und die USA.
Die breite Öffentlichkeit in Indien hat kein tiefes Verständnis internationaler Beziehungen. Unser Land ist riesig. Nur wenige Menschen sind gut gebildet. Das jeweils dominante Narrativ trägt das Denken der Leute. Slogans von „nationaler Stärke“ kommen bei erschreckend vielen Menschen an, denen nicht bewusst ist, wie die Chauvinisten die Religion neu definieren. Historisch prägen den Hinduismus Toleranz, Gewaltlosigkeit und Synkretismus, also die Akzeptanz anderer religiöser Praktiken und Glaubenssysteme als spirituell wertvoll. Die Hindu-Chauvinisten machen die Religion aber zu einem Instrument der Ausgrenzung.

Sehnen sie sich wegen der kolonialen Vergangenheit danach, Minderwertigkeitsgefühle durch Machtausübung zu kompensieren?
Ich denke, das spielt eine Rolle, aber faszinierenderweise bezeichnen sie das britische Empire nie als „christlich“. Das Mogul-Reich nennen sie dagegen muslimisch. Das beeinflusst das Denken der Menschen.

Spielt es keine Rolle, dass Indien nie ein einheitlicher Hindu-Staat war? Das Ashoka- Reich war buddhistisch. Später gab es viele verschiedene Königreiche, deren Herrscher verschiedenen Glaubensrichtungen angehörten – darunter diverse Ausprägungen des Hinduismus. Tatsächlich ist „Hinduismus“ ein Begriff, mit dem Außenstehende sämtliche Religionen zusammenfassten, die irgendwie mit den Veden, den heiligen brahmanischen Schriften, zu tun hatten. Viele hinduistische Gebräuche und Traditionen haben aber nur einen lockeren Bezug zur Vedanta, der vedischen Lehre.
Leider interessieren sich Hindu-Chauvinisten sehr viel mehr für Hindutva, die Dominanz des Hinduismus, als für Vedanta. Sie bezeichnen alle, die ihr widersprechen, als „antinational“. Beklemmenderweise kommt das heute selbst bei manchen Angehörigen der untersten Kasten an. Hindutva-Agitation kultiviert Gefühle historischer Demütigungen und Benachteiligung und verspricht, diese Wunden zu heilen. Es mag jeglicher Logik widersprechen, aber heutige Muslime sollen dafür haften, was Mogul-Kaiser vor vielen Jahrhunderten taten oder auch nicht taten.

Rachegelüste helfen bei der Lösung aktueller Probleme wenig. Modi hat mehrfach Wirtschaftsreformen versprochen, kommt aber damit kaum voran.
Das stimmt. Das Wirtschaftswachstum hat sich verlangsamt, seit er an der Macht ist. Er hat Millionen neue Arbeitsplätze in Aussicht gestellt, aber nicht geliefert. Es gelang ihm trotzdem, wiedergewählt zu werden, wobei ihm die schwache Opposition, die keine glaubwürdige Alternative anbot, half.

Im vergangenen Winter gab es plötzlich ungewöhnlich breiten zivilgesellschaftlichen Protest gegen ihn. Massenhaft sprachen sich die Leute gegen ein neues Staatsbürgerrecht aus, das gegen Moslems diskriminiert. In welchem Maß war das eine muslimische Bewegung?
Die kritische Masse stellten Moslems, aber es machten auch viele andere mit – und zwar auch Hindus, die eine säkulare Demokratie wollen. Tatsächlich liegt es im Interesse aller indischen Minderheiten, die Verfassung zu schützen. Hindutva-Aggressionen richten sich aber besonders gegen Moslems. Sehr enttäuschend war zudem, dass Indiens unabhängiger Supreme Court im Herbst entschied, dass tatsächlich ein Hindu-Tempel am Standort der Babri-Moschee gebaut werden soll. Der Rechtsstreit hing davor jahrzehntelang in der Schwebe. Das schockierende Urteil zeigte, dass mittlerweile auch Richter sich davon beeinflussen lassen, was sie „Kollektivbewusstsein“ nennen. Damit meinen sie vielleicht die Stimmung in der größten Bevölkerungsgruppe.

Die Covid-19-Pandemie setzte der oppositionellen Bewegung ein Ende, denn Demonstrationen und Protestlager wurde wegen der Ausgangssperre unmöglich. Kann die Bewegung wieder auferstehen?
Ich habe da Zweifel. Die Modi-Regierung und ihre Unterstützer haben im Lockdown ihre Machtposition ausgebaut. In den Medien ist ein wirkungsmächtiges Narrativ geschaffen worden, dem zufolge die islamische Gemeinschaft absichtlich das Virus verbreitet hat. Die Zeit wurde auch genutzt, um Führungspersonen des zivilgesellschaftlichen Protests zu verhaften. Bezeichnenderweise gab es aber keine Schritte gegen prominente Hindu-Chauvinisten, die sich kurz vor den tödlichen Krawallen Ende Februar in Delhi mit antimuslimischer Hassrhetorik profiliert hatten.

Die meisten Opfer waren Moslems. Moscheen wurden in Brand gesetzt, aber keine Tempel. Dennoch behaupten Hindu-Chauvinisten, Moslems hätten die Krawalle gestartet, die im Rückblick einem antiislamischen Pogrom gleichen. Der prominente Indienkenner und Politikwissenschaftler Paul R. Brass argumentiert seit Jahrzehnten, dass derartige Gewalt nicht spontan entsteht. War es ein organisiertes Pogrom?
Ich selbst kann das nicht beweisen. Die Delhi Minorities Commission urteilte aber, die Gewalt sei „einseitig und gut geplant“ gewesen. Diese Kommission untersteht der Landesregierung von Delhi, welche nicht von der BJP kontrolliert ist. Bemerkenswert finde ich auch, dass die Randalierer mit Gaszylindern Gebäude in Brand steckten. Das ist nicht leicht und zeigt, dass die Täter gut ausgerüstet und technisch versiert waren. Erschreckenderweise erwies sich aber der Covid-19-Lockdown als noch wirkungsvolleres Repressionsinstrument. Die schreckliche Wahrheit ist, dass manche indischen Hindus in gewissem Maß die Botschaft akzeptiert haben, dass sie Moslems leiden sehen müssen, um sich selbst stark zu fühlen.

Arfa Khanum Sherwani ist leitende Redakteurin der unabhängigen Website TheWire.
Twitter: @khanumarfa
TheWire: https://thewire.in/

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Kollektives Trauma

E+Z - 10. Juli 2020 - 9:08
Jede Krise hinterlässt tiefe Spuren im Gedächtnis der betroffenen Gesellschaft

Krisen sind nicht nur ein aktuelles Problem, sondern sie erinnern auch an vergangene Krisen. Während der Corona-Pandemie werden die Erinnerungen an die Pest oder die Spanische Grippe wach. In der Wirtschaftskrise denken die Menschen daran, wie sie frühere ökonomische Engpässe gemeistert haben. Und wenn bewaffnetes Militär auf den Straßen patrouilliert – und sei es auch nur, um zu kontrollieren, ob die Corona-Ausgangssperren eingehalten werden –, dann wird denjenigen mulmig, die schon einmal eine Diktatur durchlebt haben.

Seuchen, Wirtschaftskrisen oder Diktaturen sind keine individuellen Erlebnisse, sondern eine gemeinsame Erfahrung aller Menschen einer Gesellschaft, wenn auch mit Unterschieden: Nicht jeder erkrankt bei einer Epidemie, manche haben viel Geld gespart, und andere sind bei Arbeitslosigkeit sofort am Rande des Hungers. Und in einer Diktatur gibt es Täter, Mitläufer, Widerstandskämpfer und Opfer – daraus folgen sehr unterschiedliche Wahrnehmungen der gleichen Situation.

9/11 als kollektives Trauma

In der Sozialpsychologie wird untersucht, wie sich ein traumatisches Ereignis, das viele Menschen gleichzeitig betrifft, im kollektiven Gedächtnis einer Gesellschaft manifestiert. Ein bekanntes Beispiel sind die Terroranschläge in den USA am 11. September 2001, kurz 9/11. In allen Weltregionen ist das Bild der explodierenden Flugzeuge in den Hochhäusern des World Trade Center in New York präsent, auch wenn die politischen Konsequenzen dieser Attacken etwa in der arabischen Welt ganz anders als im Westen spürbar waren.

In ihrer Forschung zu kollektiven Traumata bezeichnet die Psychologin Angela Kühner 9/11 als ein „kollektiv relevantes traumatisches Referenzereignis“. Sie und andere Wissenschaftler sprechen allerdings weniger von einem kollektiven Trauma, sondern von einer „kollektiven Verletzung des sozialen Gewebes“, das heißt, ein schlimmes Ereignis verändert eine Gesellschaft nachhaltig. Davon sind alle Menschen betroffen, wenn auch in unterschiedlichem Maß.

Eine typische Reaktion auf ein solches Ereignis ist die Solidarisierung: Das Kollektiv versucht, gemeinsam mit der Erschütterung fertig zu werden. Gemeinsame Trauerprozesse sind ein probates Mittel dafür. Dies wird jedoch erschwert, wenn Tote nicht begraben werden können, so etwa nach dem 11. September.

Noch schwieriger ist es nach Diktaturen, wie etwa nach der letzten Militärdiktatur in Argentinien: 30 000 Menschen sind zwischen 1976 und 1983 verschleppt und ermordet worden, die „desaparecidos“, die „Verschwundenen“. Doch die Angehörigen konnten die Opfer des sogenannten „schmutzigen Krieges“ nicht begraben; die meisten blieben verschwunden.

Wie viele lateinamerikanische Länder hat Argentinien mehrere Zyklen von traumatischen Ereignissen, Verdrängen und Erinnern hinter sich. Die übergreifendste lateinamerikanische Erfahrung ist die Kolonisation und die Massenausrottung der indigenen Völker – in vielen Ländern, auch in Argentinien, bis heute verschwiegen und verdrängt.

Eine Konstante des 20.Jahrhunderts waren sowohl die Militärputsche als auch die Wirtschaftskrisen. Nach jeder wirtschaftlichen und politischen Krise könne man in der argentinischen Gesellschaft eine Art „Vermeidungs-Verhalten erkennen, also typische Reaktionen auf ein Trauma“, sagt der Neurologe Enrique de Rosa von der argentinischen Ärztevereinigung „Asociación Médica Argentina“. Viele Leute seien nicht mehr an Politik interessiert. „Tagtägliche Mikrotraumata erodieren die psychische Widerstandskraft der Menschen und werden zu einer erlernten Hoffnungslosigkeit. Man hat das Gefühl, egal was man macht, es gibt ja doch keinen Ausweg – das sehen wir oft bei Arbeitslosen“, erklärt de Rosa.

Nach einer Wirtschaftskrise sehnen sich alle Menschen nach Stabilität, nach einer gewaltvollen Periode nach Frieden. Der Wunsch der Opfer nach Gerechtigkeit, nach der Bestrafung der Täter, wird dann oft als Störung dieses neuerlangten Friedens empfunden – sie werden aufgefordert, ihren Ruf nach Strafe einzustellen, nach dem Motto: „Es muss auch mal gut sein.“ Doch das Ende eines Krieges oder einer Diktatur ist noch kein Frieden. Wirklicher Friede ohne Gerechtigkeit ist unmöglich. Alte Konflikte lauern unter der scheinbar ruhigen Oberfläche und können jederzeit wieder aufbrechen.

In dieser Situation gibt es einen Widerstreit von Auseinandersetzung und Abwehr, also zwischen Aussprechen und Verleugnung des Geschehenen. Dabei kommt den Opfern eine besondere Rolle zu. Weil sie sozusagen die personifizierte Erinnerung sind, will man sie ignorieren – die gewaltvolle Vergangenheit soll vergessen werden.

Eine ähnliche Phase durchlief auch Argentinien nach Ende der Militärdiktatur 1983. Anders als in anderen lateinamerikanischen Ländern, die ebenfalls Diktaturen hatten, kam es in Argentinien zu einem Prozess, in dem die Schuldigen benannt und verurteilt wurden.

Unter dem Druck des Militärs wurden die Schuldigen jedoch in den folgenden Jahren nach und nach amnestiert, erst die unteren Ränge, zuletzt selbst die Junta. Daraufhin begannen lokale Menschenrechtsgruppen, auf anderen Wegen die Erinnerung wachzuhalten – gegen große Widerstände. Die Kinder der Verschwundenen gründeten die Organisation H.I.J.O.S („Hijos por la Identidad y la Justicia contra el Olvido y el Silencio“ – „Kinder für die Identität und die Gerechtigkeit, gegen das Vergessen und Schweigen“).

Die Mitglieder von H.I.J.O.S. marschierten vor den Wohnungen verurteilter Folterer auf, um die Nachbarn darauf aufmerksam zu machen, neben wem sie wohnten, verlasen per Megaphon die gerichtlich verhängte Strafe und verteilten Flugblätter, auf denen die Verbrechen des betreffenden Militärs oder Polizisten aufgezählt waren.

In der Wissenschaft wird eine gemeinsame soziale Erinnerungspraxis als „absichtsvolles Erinnern“ bezeichnet, dazu gehören beispielsweise Gedenktage. Die Erinnerungspraxis der „Kinder der Verschwundenen“ war unkonventionell, zeigte aber Wirkung: Die Amnestiegesetze wurden nach und nach zurückgenommen. Die Mörder und Folterer mussten zurück ins Gefängnis.

Der niederländische Anthropologe Antonius C. G. M. Robben, Professor an der Universität Utrecht, hat zur Erinnerungspraxis traumatisierter Gesellschaften geforscht, unter anderem in Argentinien. Seiner Ansicht nach wurde durch den Staatsterror während der Diktatur „das Vertrauen der Bürger in den Staat vollkommen zerstört“. Dieses Misstrauen auf allen Seiten, zwischen Staatsorganen, Ex-Militärs und Angehörigen von Verschwundenen, hält weiter an und hindert die argentinische Gesellschaft, mit „ihrer traumatischen Vergangenheit abzuschließen“, meint Robben.

Traumata überwinden

Für den Friedensforscher Johan Galtung ist „Frieden mehr als die Abwesenheit von Krieg“. Dies gilt auch für die Aufarbeitung alter Konflikte. Wenn sie nicht erwähnt werden, heißt das nicht, dass es sie nicht gibt. Es klingt wie ein Widerspruch: Erst die kollektive und kontinuierliche Erinnerungspraxis sorgt dafür, dass Traumata überwunden und gewaltvolle Zeiten ad acta gelegt werden können.

Das Beispiel argentinischer Menschenrechtsgruppen liefert anderen Post-Konflikt-Gesellschaften ein gutes Vorbild, Kriegsverbrechen nicht ruhen zu lassen, sondern aufzuklären: So etwa halfen argentinische Forensikerinnen in Bosnien, die Toten des Massakers von Srebrenica (1995) zu identifizieren. Die Angehörigen konnten die Ermordeten endlich begraben – auch das befriedet eine Gesellschaft.

Nicht jedes Trauma muss unendlich andauern, sondern kann durch gemeinsames Trauern überwunden werden, erklärt Psychologin Kühner. Der gemeinsame Trauerprozess in Argentinien, der durch Aktivistinnen wie etwa die „Madres de Plaza de Mayo“ (Mütter des Plaza de Mayo) oder die „Abuelas de Plaza de Mayo“ (Großmütter des Plaza de Mayo) an die Gesellschaft herangetragen worden war, hat die Menschen gegenüber ähnlichen Herausforderungen wachsam gemacht: In der Wirtschaftskrise im Dezember 2001 ließ die Regierung auf Protestierende schießen. Daraufhin versammelten sich umso mehr Menschen vor dem Regierungssitz, um für die Demokratie einzustehen.

Die Kontrolle der Ausgangssperre während der Corona-Krise im Frühjahr von schwerbewaffneter Polizei und Militär, die bei Zuwiderhandlungen sehr brutal vorgingen, ließ bei den Argentiniern die Alarmglocken läuten.

Auch in anderen Situationen kann die Erinnerung an eine schmerzvolle Vergangenheit dabei helfen, die aktuelle Krise besser zu meistern. Als im Februar 2020 klar wurde, dass sich das Coronavirus von Asien aus weiter ausbreiten würde, wurden in Europa noch keinerlei Vorkehrungen getroffen. In Ostafrika hingegen waren die Erinnerungen an die Ebola-Epidemie 2018 in der Demokratischen Republik Kongo noch sehr frisch.

Deswegen begannen Staaten wie Tansania sofort, bei allen Reisenden die Temperatur zu messen und Verdachtsfälle zu isolieren. Das war in Europa bei den ersten Corona-Infektionen anders; hier waren im kollektiven Gedächtnis nur sehr ferne und vage Erinnerungen an lebensbedrohliche Seuchen gespeichert. Entsprechend langsamer war die Reaktion der Politik. Mit anderen Worten: Eine lebendige Erinnerung an vergangene Krisen kann überlebenswichtig sein.

Sheila Mysorekar ist freie Journalistin und Projektmanagerin bei der Deutschen Welle Akademie. Sie lebte und arbeitete elf Jahre in Argentinien.
sheila.mysorekar@dw.com

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E+Z/D+C 2020/08 – covid – Lawrence Kilimwiko – Tanzania

E+Z - 10. Juli 2020 - 8:29
Covid-19 has badly affected informal livelihoods in Tanzania, but the impacts on the entire economy are harsh

In Tanzania’s banana farming Rungwe district, Donald Mwasyoge felt despair as he watched his fruit ripen. Because of Covid-19, there were no buyers. Julius Mwendipembe is a lorry driver who delivers agricultural produce from rural areas to urban wholesale markets. In fear of the novel corona virus, many trips were cancelled.

Pain was felt along the entire supply chain. Nurudin Makinya is a young coolie who makes money by unloading banana trucks at a commercial market, in Dar es Salaam, the country’s biggest city with about 6 million inhabitants. There was very little work for him. That applied to Amina Rashid too. She is a hawker who buys bananas at the wholesale market and then sells them on to consumers.

Many people’s livelihoods have been badly affected by the pandemic in Tanzania. Many, though not all have lost their usual incomes. When the government ordered the closure of schools, teachers at public schools were assured of the monthly salaries. For those at private schools, however, it was a different story. As parents became unable to pay tuition, the schools became unable to pay salaries.  

The Covid-19 slump thus not only hurts workers in the informal sector. It is safe to say, however, that almost everyone in the informal sector feels the impacts – and this sector accounts for about 75 % of all jobs in Dar es Salaam.

School closures caused additional problems for parents moreover. With their offspring stuck at home, many agonised over whether to go to work or take care of the kids. “It’s not easy,” said Janeth Mitondo a single mother of twins aged five. The economic downturn made it harder to earn money with informal work – which also meant that such work took more time.

Poverty is getting worse, and this trend worries government officials. They are aware of serious problems in the formal economy too. Tourism is an important industry that helps the country to rake in foreign exchange. It is in tatters. The government reckons that this year perhaps only about 440,000 foreigners will come to Tanzania for holidays. That would not be even a quarter of last year’s number.

In early July, only a bit more than 500 infections were reported by officialdom, and the death toll was only 21. For the vast majority of people, the economic pain thus outweighs the health problems. The government decided to reopen schools at the end of June, but imposed strict hygiene rules, including hand washing. Health experts, however, worry that the decision may yet prove premature. After all, the disease may yet start to suddenly spread as has been the case elsewhere.

Lawrence Kilimwiko is a freelancer based in Dar es Salaam.
lkilimwiko@yahoo.com

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Gemeinsame Pressemitteilung: Hunger in Afrika – Allianz für eine Grüne Revolution in Afrika (AGRA) scheitert an selbstgesteckten Zielen

Forum Umwelt & Entwicklung - 10. Juli 2020 - 7:55

(Berlin / Johannesburg / Köln / Lusaka, 10. Juli 2020) – Die heute veröffentlichte Studie eines breiten zivilgesellschaftlichen Bündnisses belegt: Der AGRA-Ansatz ist an den eigenen Zielen gescheitert. Vierzehn Jahre nachdem die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung die Agrarallianz gegründet hat, hungern 30 Prozent mehr Menschen in den 13 AGRA-Schwerpunktländern und das Verschuldungsrisiko für Kleinbauern und -bäuerinnen hat sich erhöht. Zudem werden traditionelle klimaresistente und nährstoffreiche Nahrungsmittel verdrängt. Die Herausgeber der Studie fordern die Bundesregierung auf, die politische und finanzielle Unterstützung von AGRA einzustellen und stattdessen Agrarökologie stärker zu fördern.

 

Am kommenden Montag (13. Juli 2020) legt die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) ihre jährlichen Hungerzahlen vor. Demnach steigt die Zahl der Hungernden seit fünf Jahren kontinuierlich an, in Folge von Covid-19 sind weitere negative Auswirkungen wahrscheinlich. Ein Umsteuern in der weltweiten Agrar- und Ernährungspolitik ist daher dringend erforderlich, wie das Scheitern der finanzkräftigen Agrarallianz belegt. AGRA wurde 2006 gegründet, um der Hungerbekämpfung in Afrika mit ihrem konzerngetriebenen Ansatz der Grünen Revolution neue Impulse zu geben. Um dieses Ziel zu erreichen, erhielt AGRA über eine Milliarde US Dollar – vor allem von der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung, aber auch von der Bundesregierung.

 

„Die Ergebnisse der Studie sind für AGRA und die Propheten der Grünen Revolution vernichtend“, sagt Jan Urhahn, Agrarexperte bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung. „Die Ertragssteigerungen für wichtige Grundnahrungsmittel in den Jahren vor AGRA liegen auf einem fast identischen Niveau wie während der Implementierung der AGRA-Programme. Statt den Hunger zu halbieren, hat sich seit dem Start von AGRA die Lage in den 13 Schwerpunktländern sogar verschlechtert, die Zahl der Hungernden ist in den AGRA-Jahren um fast ein Drittel gestiegen. Das ist ein Armutszeugnis für eine Initiative, die mit ihrem Narrativ der Grünen Revolution erheblichen Einfluss auf die Agrarpolitiken in vielen Ländern hat. Höchste Zeit AGRA nicht weiter auf den Leim zu gehen“, so Urhahn.

 

„AGRA wollte, durch den Einsatz von chemisch-synthetischen Düngemitteln und industriell gezüchteten Saatgut Erträge und Einkommen für Kleinbauern und -bäuerinnen verdoppeln und ist damit gescheitert “, kritisiert Lena Bassermann, Agrarexpertin von der Entwicklungsorganisation INKOTA. „Angesichts der Ergebnisse der Studie muss die Bundesregierung konsequent umsteuern und jede politische und finanzielle Unterstützung für AGRA unterlassen. Stattdessen sollte sie Agrarökologie und das Menschenrecht auf Nahrung als Kompass für ihre Politik nehmen.“

Die Studie, deren Analyse zu einem Großteil auf der Arbeit des Wissenschaftlers Timothy A. Wise aus den USA beruht, zeigt auch: Kleinbäuerliche Erzeuger*innen sind einem hohen Verschuldungsrisiko ausgesetzt. In Sambia und Tansania konnten sie schon nach der ersten Ernte die Kredite für Dünger und Saatgut nicht zurückzahlen. „AGRA ist ein Teufelskreis, der kleinbäuerliche Erzeuger*innen immer weiter in die Armut treibt und dabei ihre natürlichen Lebensgrundlagen zerstört“, sagt die Landwirtschaftsspezialistin Mutinta Nketani von der Organisation PELUM Sambia und Mitautorin der Studie. „Die Bäuerinnen und Bauern werden gedrängt, das teure Hybridsaatgut der Konzerne zu kaufen, das nur in Kombination mit Düngemitteln funktioniert, die sich die Menschen eigentlich gar nicht leisten können.“

 

AGRA-Projekte schränken zudem die Wahlfreiheit für kleinbäuerliche Erzeuger*innen ein, selbst zu entscheiden, was sie anbauen wollen. Das hat dramatische Auswirkungen auf die Vielfalt von Nahrungsmitteln. Der AGRA-Fokus liegt einseitig auf Mais. Traditionelle klimaresistente und nährstoffreiche Nahrungsmittel werden dadurch verdrängt. So ging die Hirseproduktion laut Studie im AGRA-Zeitraum von 2006 bis 2018 in den 13 AGRA-Schwerpunktländern um 24 Prozent zurück.

 

Auch international hat AGRA zuletzt viel Aufmerksamkeit erhalten, wie zum Beispiel in Verbindung mit dem für 2021 geplanten UN-Gipfel für Ernährungssysteme. „AGRA erreicht mit seinem fragwürdigen Ansatz die eigenen Ziele nicht und kann daher auch nicht die notwendigen Impulse für den Gipfel zu Ernährungssystemen der Vereinten Nationen setzen. Die führende Rolle beim Gipfel muss durch das UN-Welternährungskomitee wahrgenommen werden basierend auf den dort erarbeiteten Grundlagen“, sagt Stig Tanzmann, Landwirtschaftsexperte bei Brot für die Welt. „Die bisherige Ausrichtung des Gipfels muss daher grundlegend verändert werden. Hierfür muss sich die Bundesregierung einsetzen“, so Tanzmann.

 

Die Studie Falsche Versprechen: Die Allianz für eine Grüne Revolution in Afrika (AGRA) senden wir Ihnen gerne zu.

 

Sie wird herausgegeben von: Biba (Kenia), Brot für die Welt, FIAN Deutschland, Forum Umwelt und Entwicklung, INKOTA, IRPAD (Mali), PELUM Sambia, Rosa-Luxemburg-Stiftung, Tabio (Tansania) und TOAM (Tansania).

Die deutschsprachigen Autor*innen der Studie stehen gerne für Interviews zur Verfügung.

 

 

Kontakte:

Lena Bassermann, Referentin für globale Landwirtschaft und Welternährung, INKOTA, Mobil: 0177 46 29 62 2, E-Mail: bassermann@inkota.de

Jan Urhahn, Programmleiter Ernährungssouveränität, Rosa-Luxemburg-Stiftung, Whatsapp: +27 (0) 79 63 89 97 6, E-Mail: jan.urhahn@rosalux.org

Stig Tanzmann, Referent für Landwirtschaft, Brot für die Welt, Mobil: 0174 16 30 39 3, E-Mail: stig.tanzmann@brot-fuer-die-welt.de

Roman Herre, Agrarreferent, FIAN Deutschland, Mobil: 01520 70 67 30 2, E-Mail: r.herre@fian.de

Josephine Koch, zuständig für Landwirtschaftspolitik beim Forum Umwelt und Entwicklung, Mobil: 0151 22 77 78 68, E-Mail: koch@forumue.de

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Falsche Versprechen: Die Allianz für eine Grüne Revolution in Afrika (AGRA)

Forum Umwelt & Entwicklung - 10. Juli 2020 - 7:00

In einer internationalen Studie dokumentieren die Rosa-Luxemburg-Stiftung, Brot für die Welt, FIAN Deutschland, Forum Umwelt und Entwicklung, INKOTA-netzwerk sowie fünf Partnerorganisationen aus Mali, Kenia, Sambia und Tansania die dramatischen Folgen der Allianz für eine Grüne Revolution (AGRA) für kleinbäuerliche Erzeuger*innen in den 13 afrikanischen Schwerpunktländern der Initiative.

AGRA wurde 2006 gegründet, um der Hungerbekämpfung in Afrika mit ihrem konzerngetriebenen Ansatz der Grünen Revolution neue Impulse zu geben. Sie hat versprochen, bis zum Jahr 2020 die landwirtschaftlichen Erträge und die Einkommen von 30 Millionen kleinbäuerlichen Haushalten zu verdoppeln und damit sowohl Hunger als auch Armut in ihren afrikanischen Schwerpunkt-Ländern zu halbieren. Um dieses Ziel zu erreichen, erhielt AGRA über eine Milliarde US Dollar – vor allem von der Bill- und-Melinda-Gates-Stiftung, aber auch von der Bundesregierung. Die Ergebnisse der Studie stellen AGRA ein schlechtes Zeugnis aus: Die Ertragssteigerungen für wichtige Grundnahrungsmittel waren in den Jahren vor AGRA waren genauso niedrig wie während AGRA. Statt den Hunger zu halbieren, hat sich seit dem Start von AGRA die Lage in den 13 Schwerpunktländern sogar verschlechtert. Die Zahl der hungernden Menschen ist in den AGRA-Jahren um 30 Prozent gestiegen.

 

Die Studie zeigt zudem: AGRA schadet sogar kleinbäuerlichen Erzeuger*innen, etwa, weil sie einem hohen Verschuldungsrisiko ausgesetzt sind. In Sambia und Tansania konnten sie schon nach der ersten Ernte die Kredite für Dünger und Saatgut nicht zurückzahlen. AGRA-Projekte schränken zudem die Wahlfreiheit für kleinbäuerliche Erzeuger*innen ein, selbst zu entscheiden, was sie anbauen wollen. Das hat dramatische Auswirkungen auf die Vielfalt von Nahrungsmitteln. Der AGRA-Fokus liegt auf dem einseitigen Anbau von Mais. Traditionelle klimaresistente und nährstoffreiche Nahrungsmittel werden dadurch verdrängt. So ging die Hirseproduktion laut Studie im AGRA-Zeitraum von 2006 bis 2018 in den 13 AGRA-Schwerpunktländern um 24 Prozent zurück. Außerdem lobbyiert AGRA Regierungen im Interesse von Agrarkonzernen für förderliche Gesetzgebungen für Düngemittelhersteller und Saatgutfirmen statt kleinbäuerliche und alternative Strukturen zu stärken – und wird dafür von Regierungen weltweit hofiert.

 

Die Herausgeber der Studie kommen unter anderem zu dem Ergebnis, dass die Bundesregierung aus AGRA und allen Programmen der Grünen Revolution aussteigen muss. Stattdessen soll sie und entwicklungspolitische Geber weltweit stärker nachhaltige, ganzheitliche Ansätze wie Agrarökologie unterstützen. Agrarökologie stellt kleinbäuerliche Erzeuger*innen, ihr Menschenrecht auf Nahrung und ihre Ernährungssouveränität in den Mittelpunkt.

 

Die Studie „Falsche Versprechen: Die Allianz für eine Grüne Revolution in Afrika (AGRA)“ wird herausgegeben von: Biba (Kenia), Brot für die Welt, FIAN Deutschland, Forum Umwelt und Entwicklung, INKOTA, IRPAD (Mali), PELUM Sambia, Rosa-Luxemburg-Stiftung, Tabio (Tansania) und TOAM (Tansania).

 

Für weitere Information:

Download der Studie
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Corona und die SDGs (aktualisierte 2. Auflage)

#2030Agenda.de - 9. Juli 2020 - 19:56

Die COVID-19-Pandemie und die politischen Maßnahmen, mit denen die Regierungen auf sie reagierten, haben gravierende Folgen für die globale Nachhaltigkeitsagenda. Auch wenn sich das ganze Ausmaß der Krise und ihrer Auswirkungen derzeit noch nicht abschätzen lässt, droht schon jetzt die Gefahr, dass die Pandemie die Verwirklichung der international vereinbarten Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) in ihrer Gesamtheit gefährdet.

Das neue Briefing des Global Policy Forums skizziert für jedes der 17 SDGs anhand einiger punktueller Beispiele, welches Ausmaß die globale Coronakrise in verschiedenen Sektoren haben kann. Es macht deutlich, dass die Agenda 2030 und ihre Nachhaltigkeitsziele scheitern werden, wenn sie in den politischen Antworten auf die Coronakrise nicht systematisch berücksichtigt werden.

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National Reports on the 2030 Agenda: What do they (not) reveal?

#2030Agenda.de - 9. Juli 2020 - 19:56

PLEASE REGISTER HERE

Since the adoption of the 2030 Agenda for Sustainable Development, member states and civil society have reported on the progress made in achieving the Sustainable Development Goals (SDGs) and the implementation of the 2030 Agenda.

In National Reports on the 2030 Agenda: What do they (not) reveal?, Roberto Bissio from Social Watch International, Barbara Adams from Global Policy Forum, and Sakiko Fukuda-Parr, professor of international affairs and director of the Julien J. Studley Graduate Programs in International Affairs at The New School and vice chair of the Committee for Development Policy, will discuss lessons of the VNR process to date including national reporting on the 2030 Agenda, both by governments and civil society. The event will present the key findings of an overview content analysis of 2019 Voluntary National Reviews (VNRs) by the Committee for Development Policy (CDP).

This event is co-hosted by the United Nations Committee for Development Policy (CDP), Social Watch International, Global Policy Forum and the Julien J. Studley Graduate Programs in International Affairs.

Presented byJulien J. Studley Graduate Programs in International Affairsat the School of Public Engagement, with United Nations Committee for Development Policy (CDP), Social Watch International, and the Global Policy Forum.

Please register here

 
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HLPF 2020 Guide

#2030Agenda.de - 9. Juli 2020 - 19:56
Auch in diesen ungewöhnlichen Zeiten findet das alljährliche High Level Political Forum (HLPF) statt. Vom 7.-16. Juli treffen sich in diesem Jahr VertreterInnen von Staaten, Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft und anderen Gruppen virtuell, um über sich über dem Umsetzungsstand der SDGs auszutauschen. Thema des 2020er HLPFs ist "Accelerated action and transformative pathways: realizing the decade of action and delivery for sustainable development". Hier ein Überblick über einige Informationen zum HLPF 2020.
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Benchmarks messen die Menschenrechtsperformance von Unternehmen

Global Compact - 9. Juli 2020 - 16:54
Unternehmensbenchmarks klar, aber mit Blick auf die Menschenrechte? Genau das versuchen verschiedene, öffentlich zugängliche Benchmarkinginitiativen: Sie vergleichen unter Bezugnahme auf vorher festgelegte Kriterien, wie gut Unternehmensprozesse dazu beitragen, negative Auswirkungen auf die Menschenrechte zu vermeiden. Gerade angesichts wachsender Anforderungen an Unternehmen können sie eine hilfreiche Ressource sein. Auch das DGCN bietet Unternehmen praxisorientierte Weiterbildungsmaßnahmen an, um ihre Sorgfaltsprozesse zu verbessern
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Ökologische Landwirtschaft – Gefahr fürs Klima?

Misereor - 9. Juli 2020 - 16:40
Bedroht die Umstellung auf ökologische Landwirtschaft wirklich die Ernährungssicherheit und das Klima? Immer wieder gibt es Studien, die das suggerieren.

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E+Z/D+C 2020/08 – covid – Raphael Mweninguwe – pandemic elections

E+Z - 9. Juli 2020 - 15:31
Malawi’s new president must fight corruption, stimulate the economy and get a grip on Covid-19

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The new head of state was elected in very unusual circumstances. The presidential election was only held because Malawi’s Supreme Court annulled the one held in May 2019 (see my comment in D+C/E+Z e-paper 2020/03). Last year, the administration of incumbent Peter Mutharika had manipulated the results so blatantly that people spoke of the “tipp-ex elections”. In spring, the judges ordered that new elections had to be held. Opposition groups joined forces in support of Chakwera, who won with almost 58 % of the votes. Thanks to the judges, democracy has thus prevailed.

On the other hand, judges may well have made Malawi’s health problems worse. The Mutharika administration had planned a Covid-19 lockdown, but it never took force because the Constitutional Court blocked it in late April (see my entry in the Covid-19 diary of D+C/E+Z e-paper 2020/05). A short time later, the Supreme Court upheld its decision. To many Malawians, Covid-19 did not matter. Campaign rallies attracted masses of people, but there were no hand-washing facilities, no face masks and no social distancing.

Now the disease seems to be spreading fast.

By 9 July, 1942 infections were reported. That was 44 % more than at the end of June. According to worldometer.com, 25 patients had died. Health experts warned that measures had to be taken fast to stem the spread of Covid-19 and that the country would otherwise face a serious health crisis. Doctors say that the country’s health system is over-stretched and under-funded, which is typical of sub-Saharan countries.

Many people think, however, that institutional dysfunction is particularly bad in Malawi. The country has a special reputation for corruption and mismanagement. Chakwera spelled out these problems on the campaign trail: “This country needs fixing. There is a lot of corruption and a lot of money is being stolen.” He promised not only to redeem the country from “years of misrule”, but also to “end hunger”.

To fight poverty, he wants to double the fertiliser subsidy to the benefit of millions of smallholder farms. According to the International Monetary Fund, however, African economies are headed for the worst crisis in decades, with national economies set to shrink. The problems the new government must tackle will probably prove much greater than assumed during the election campaign.

The new head of state is a former preacher. Chakwera even used to be the president of the Assemblies of God, one of the most important religious denominations in Malawi. People hope he will live up to his promises.

Raphael Mweninguwe is a journalist who lives in Malawi.
raphael.mweninguwe@hotmail.com

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E+Z/D+C 2020/08 – mo – now – Raphael Mweninguwe – Malawi –

E+Z - 9. Juli 2020 - 14:30
A promising programme to subsidise farm inputs is falling victim to corruption and mismanagement

Under FISP, the government gives coupons to poor farmers to buy subsidised hybrid seeds, synthetic fertilisers and agro-chemicals from a government-authorised company. The programme initially made seeds and fertilisers available to poor farmers at a small fraction of the market price. Currently, it makes such inputs available at approximately one-sixth of the market price.

When inaugurating the programme in 2005, then President Bingu wa Mutharika said it would improve the country’s food security. He added that there is no reason that Malawians should suffer hunger when their country is rich in agricultural resources.

And, in fact, the programme showed promising initial results. From a 43 % national food deficit in 2005, Malawi achieved a 53 % surplus in 2007, according to a team of academic experts writing in the peer-reviewed journal PLOS (Public Library of Science) Biology in 2009.

Yet this programme – which started out so well – is breaking down. In recent years farm output has fallen due to a combination of factors: drought, rising costs of agricultural inputs, corruption and mismanagement of the FISP programme. Agricultural expert Tamani Nkhono-Mvula says the programme has failed due to corruption and “that is why many people are calling for its abolition”.

Corruption has followed the flow of money into the programme. During the 2019 growing season, Malawi spent 35.5 billion Malawian Kwacha (approximately € 44 million) on FISP.

Political influence has crept in as well. Farmers who receive coupons increasingly tend to be those who support the ruling party. In some cases coupons end up in the hands of well-connected traders who cash them in rather than buy farm inputs. Some unscrupulous agro-dealers get huge sums of money from the government through dubious contracts but fail to deliver the farm inputs to farmers.

These failures are hurting Malawi’s vulnerable population of farmers and threatening massive hunger. During the 2019-2020 season the programme targeted 900,000 impoverished farmers, almost all of whom subsist by growing maize. About half of Malawi’s 17.6 million people live below the poverty line; about half of those live in extreme poverty.

The problems of the FISP programme come as the southern African region faces serious climate obstacles, with drought in some regions and floods in others. In December 2019 the World Food Programme (WFP) estimated that 16 million people within the 16-nation Southern African Development Community (SADC) region would face serious food shortages during the first half of 2020.

Subsidising farm inputs cannot solve all of these problems, but it can make a difference. The southern African region spends millions on such programmes. If these funds were properly used, the region would be farther along in finding lasting remedies for hunger, despite its climate challenges.

Link

Denning, G., et al., 2009: Input Subsidies to Improve Smallholder Maize Productivity in Malawi: Toward an African Green Revolution. PLOS Biology, January 2009.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2631071/

Raphael Mweninguwe is a freelance journalist based in Malawi.
raphael.mweninguwe@hotmail.com

 

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Hey Regierung, wir hätten da ein paar Ideen für die Ratspräsidentschaft!

ONE - 9. Juli 2020 - 13:34

Hier bloggen unsere Jugendbotschafterinnen Shila und Janice zu ihren Wünschen an die deutsche EU-Ratspräsidentschaft. 

Ihr habt es vielleicht schon mitbekommen: am 1. Juli hat die deutsche EU-Ratspräsidentschaft begonnen. Das bedeutet, dass Deutschland den Vorsitz im Rat der Europäischen Union übernimmt. Dieser besteht aus den Regierungen aller 27 EU-Mitgliedstaaten – ziemlich wichtig also. Deutschland hat deshalb in den kommenden sechs Monaten großen Einfluss darauf, was in Brüssel auf der Tagesordnung steht. 

Offener Brief an die Bundesregierung

Diese Gelegenheit wollen wir Jugendbotschafter*innen nutzen, um unsere Wünsche und Forderungen an unsere Regierung weiterzugeben. Denn gerade jetzt ist es super wichtig, dass auch junge Menschen Einfluss auf die Politik nehmen! Denn wir sind diejenigen, die noch am längsten mit den Auswirkungen der Pandemie leben werden. Wir haben deshalb einen offenen Brief an die Bundesregierung geschrieben, den du auch gerne unterzeichnen kannst.

Jugendbotschafter*innen im Einsatz für globale Gerechtigkeit

Das sind unsere Forderungen

Was uns ganz wichtig ist: Wir sehen die Ratspräsidentschaft als große Chance, um Europa und die restliche Welt näher zusammenrücken zu lassen. Wir brauchen gerade jetzt, wo die gesamte Welt von einer Pandemie in Atem gehalten wird, ein Zeichen für Solidarität und internationale Zusammenarbeit. Außerdem kann die Ratspräsidentschaft genutzt werden, um eine Grundlage zu schaffen, um Europapolitik gerechter zu gestalten. Zum Beispiel durch einen robuster EU-Haushalt mit mehr Entwicklungsausgaben. Oder durch den Aufbau einer EU-Afrika-Beziehung auf Augenhöhe. 

Das Jahr 2020 leitet zudem auch das letzte Jahrzehnt bis zum Ablaufdatum der UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) ein. Gerade auch im Angesicht der Pandemie, wünschen wir uns von der EU, jetzt Vorarbeit zu leisten, sodass besonders die Nachhaltigkeitsziele zu Gesundheit (SDG3) und der Beendigung von Armut (SDG1) bis 2030 eingehalten werden. 

Jetzt bist du gefragt!

Wir werden die deutsche EU-Ratspräsidentschaft auf jeden Fall aufmerksam verfolgen und euch über wichtige Themen auf unserem Blog auf dem Laufenden halten! 

Wir freuen uns, wenn auch du unseren offenen Brief unterschreibst, damit er noch mehr Gewicht bekommt. Die Bundesregierung soll sehen, wie viele Menschen hinter unseren Forderungen stehen. 

 

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09.07.2020 Minister Müller: Müssen Engagement im Kampf gegen Hunger weiter steigern

BMZ - 9. Juli 2020 - 13:00
Minister Müller: "Die Zahl der hungernden Menschen in der Welt nimmt weiter zu. Über 820 Millionen Menschen leiden unter chronischer Unterernährung, das ist jeder neunte Mensch. In Afrika hungerten schon vor der Corona-Krise 250 Millionen Menschen. Neben gewaltsamen Konflikten liegt das auch an den Folgen des Klimawandels, der die Ärmsten der Armen am stärksten trifft. Corona verschärft die Lage weiter. Über 130 Millionen Menschen sind akut von Hunger bedroht, ...
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Mord, Sex und eine besondere Schwesternbeziehung

E+Z - 9. Juli 2020 - 12:39
Oyinkan Braithwaite schreibt in ihrem Debütroman sehr amüsant über eine junge, attraktive, männermordende Nigerianerin und ihre Schwester

Schon der Titel macht sofort klar, worum es geht: „Meine Schwester, die Serienmörderin“. Der Roman beginnt auch gleich in medias res. Korede wird von ihrer Schwester Ayoola an den Ort des Geschehens gerufen, die Wohnung von Ayoolas Liebhaber Femi irgendwo in Nigerias Hauptstadt Lagos. Dort hat Ayoola Femi „versehentlich“ erstochen, und Korede muss helfen. Auch wenn diese entsetzt über die Tat ihrer Schwester ist, hilft sie ihr, die Leiche zu beseitigen und den Tatort picobello zu reinigen, um alle Spuren zu beseitigen.

Die Morde einer jungen, extrem attraktiven Frau an Männern sind irrwitzig und auch ihr Umgang damit. Ayoola hat kein Schuldbewusstsein, sie behauptet auch, die Morde an ihren Liebhabern seien nicht absichtlich passiert. Die Gründe, die sie anführt, scheinen aber eher fadenscheinig. Das Setting erinnert an einen Quentin-Tarentino-Film.

Die Taten Ayoolas stehen eigentlich gar nicht so sehr im Mittelpunkt der Geschichte, sondern die Beziehung der Schwestern. Im Laufe des Buches wird immer deutlicher, wie ungleich sie sind. Ayoola, die jüngere, ist ein Sexidol, dem jeder Mann, der sie sieht, sofort verfällt. Sie hält nicht viel von Männern. Sie benutzt sie allein für ihre Zwecke, ohne dass die von ihrer Attraktivität Geblendeten etwas davon bemerken. Deshalb scheint ihr das Ermorden auch keine moralischen Bedenken zu bereiten. Wenn es Probleme (wie einen neuen Mord) gibt, ruft sie ihre ältere Schwester.

Korede ist das Gegenteil von Ayoola. Sie ist gewissenhaft, verlässlich und überlegt. Äußerlich ist sie unscheinbar, „groß und kantig“. Korede arbeitet als Schwester in einem Krankenhaus und steht kurz davor, zur Oberschwester ernannt zu werden. Sie ärgert sich über Ayoola, die ihr immer wieder Schwierigkeiten bereitet, und fühlt sich doch für sie verantwortlich.

Korede ist heimlich in den gutaussehenden Arzt Tade verliebt, der in ihr aber nichts als einen Kumpel sieht. Die Beziehung der Schwestern wird auf eine harte Probe gestellt, als Ayoola Tade kennenlernt, der ihr natürlich sofort mit Haut und Haaren verfällt.

Neben der Beziehung der Schwestern wird auch die Beziehung von Frauen und Männern beleuchtet. Zum einen gibt es die Liebhaber von Ayoola, zum anderen tauchen aber auch einige Polizisten – alles Männer – im Buch auf, die nicht gut wegkommen. Sie werden als einfältig und korrupt dargestellt. Als Korede in eine Polizeikontrolle mit ihrem Auto gerät, in dem sie die Leiche Femis transportiert hat, bekommt sie es mit der Angst zu tun. Trotzdem weiß sie aber, wie sie mit dieser Art Amtsträger umgehen muss, und verhält sich devot vor den Männern. Ihr Plan geht auf und sie kann unbehelligt weiterfahren.

Oyinkan Braithwaite, Jahrgang 1988, wurde in Lagos geboren und verbrachte ihre Kindheit in Nigeria und Britannien. Sie hat Jura und kreatives Schreiben in Surrey und London studiert und lebt seit 2012 in Lagos. Zum Hintergrund ihres Buches sagte Braithwaite dem britischen Guardian, dass sie beinahe an ihren Ansprüchen gescheitert wäre. Sie hatte sich vorgenommen, einen großen Roman zu schreiben, kam damit aber nicht voran. Um ihren 30. Geburtstag herum gab sie schließlich auf. „Ich schreibe einfach etwas für mich, das macht Spaß“, beschloss sie laut Guardian. Heraus kam nicht der große tiefgründige Roman, der die Welt erklärt, dafür aber ein unterhaltsamer Kriminal roman, den man gern liest. Man darf gespannt sein, was von dieser hoffnungsvollen Autorin noch kommt.

Buch
Braithwaite, O., 2020: Meine Schwester, die Serienmörderin. Berlin, Blumenbar Verlag.
 

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