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Netze und Speicher gefragt

E+Z - 5. Mai 2020 - 12:36
Die weltweite Wende hin zu erneuerbaren Energien kann nur gelingen, wenn dafür auch die Netze und Speicher geschaffen werden

Der Umstieg auf nachhaltige Energie müsste angesichts der Klimakrise noch zügiger vorangehen. Dennoch hat die Energiewirtschaft schon viel erreicht und wandelt sich schneller als alle anderen klimarelevanten Bereiche, etwa der Transportsektor, die Landwirtschaft oder die Industrie.

Weltweit machen die regenerativen Energien mittlerweile rund ein Drittel der Stromkapazität aus. Allein im Jahr 2018 wuchs ihr Anteil an der Stromproduktion um sieben Prozent. Insgesamt ist der Zuwachs an erneuerbaren Energien im vierten Jahr in Folge größer als der aus fossiler und aus Atomenergie zusammengenommen.

Auch die Europäische Union will umsteuern und hat kürzlich einen Green New Deal verkündet, mit dem sie bis 2050 klimaneutral werden möchte (siehe Kasten bei Saleemul Huq in der Tribüne im E+Z/D+C e-Paper 2020/01). Dabei spielt die Dekarbonisierung des Energiesektors eine zentrale Rolle. Länder wie Schweden möchten sogar schon bis zum Jahr 2040 ausschließlich auf Erneuerbare bei der Stromproduktion setzen. Vorreiterstaaten wie Costa Rica decken bereits heute 98 Prozent ihres Elektrizitätsbedarfs aus regenerativen Quellen und streben in nächster Zukunft eine Quote von 100 Prozent an.

Maßgeblich für den stärkeren Einsatz von erneuerbaren Energien war, dass der Bau von Windturbinen und Solaranlagen deutlich günstiger geworden ist. Seit 2010 sind die Kosten für Solarenergie um etwa 90 Prozent und die für Onshore-Windkraft um zirka 35 Prozent gesunken (siehe Grafik). Das animiert auch die Privatwirtschaft dazu, sich immer stärker zu engagieren. Durch den Preisverfall ist sie in der Lage, Kraftwerke privat zu planen, zu finanzieren und zu betreiben.

Flexible und moderne Netze

Allerdings, und bisher unterschätzt, verändert sich mit dem Umstieg von fossilen auf regenerative Energien auch der „Charakter“ der Stromversorgung. Wo früher große, zentrale Kraftwerke mit einer historisch gewachsenen Übertragungsinfrastruktur dominierten, gibt es nun verstärkt kleinere, dezentrale Strukturen, zum Teil auch in sehr abgelegenen Gebieten.

Früher waren die Kapazitäten planbar. Erneuerbare Energien hingegen sind sehr viel variabler, weil der Wind nicht immer gleich stark weht, die Sonne nicht immer gleich intensiv scheint. Die Anforderungen an die Netzsteuerung, inklusive deren Digitalisierung, nehmen zu. Die Stromnetze müssen also flexibler und an die neuen Umstände angepasst werden.

Damit dies gelingt, sind moderne Netze und Speicher nötig, weil sie sowohl größere Distanzen als auch Zeiten geringerer Verfügbarkeit überbrücken können. Genau daran mangelt es derzeit noch vielerorts – besonders in Entwicklungsländern.

Welche Folgen sich ergeben können, wenn Netze nicht mit den Stromkapazitäten aus Erneuerbaren wachsen, zeigt der Fall China: Das Land gehört zu den Spitzenreitern bei erneuerbaren Energien, vor allem der Windenergie. Stündlich wird eine neue Windturbine installiert. Gleichzeitig müssen ganze Windparks vom Netz genommen werden, weil es an der entsprechenden Übertragungskapazität fehlt. Auch in China liegen die Windparks häufig in abgelegenen Gebieten, auf Bergrücken zum Beispiel, von denen der Strom zu den Verbrauchszentren gelangen muss. Dadurch entsteht die widersinnige Situation, dass Strom zwar massenhaft nachhaltig produziert wird, aber nicht zu den Abnehmern gelangt.

Ein weiterer wichtiger Baustein der nachhaltigen Energieversorgung sind Stromspeicher. Die klassische Lösung, Strom über Pumpspeicherwerke zu speichern, scheidet in vielen Entwicklungsländern wegen hoher Kosten, langer Planungszyklen sowie topografischer Bedingungen aus. Von daher gewinnen Batterien als – kurzfristige – Speicher an Bedeutung.

Mit Wasserstoff lässt sich Energie auch langfristig und umweltfreundlich speichern, vorausgesetzt, er entsteht auf Basis erneuerbarer Energien: Er könnte in wind- und sonnenarmen Perioden des Jahres zur Stromerzeugung oder für Brennstoffzellen (vor allem im Verkehr) genutzt werden. Und dann gibt es noch die Idee, dass die sonnenreichen Entwicklungsländer eines Tages große Mengen grünen Wasserstoffs in den Norden der Welt liefern. Noch ist das Zukunftsmusik, bietet aber beiden Seiten enorme Chancen.

„Stiefkind“ Energieeffizienz

Im Moment schon möglich und noch längst nicht ausgeschöpft ist dagegen das Poten­zial an Energieeffizienz. Sie gilt als das „Stiefkind der Energiewende“. Die Internationale Energieagentur (IEA) hält sie sogar für „die wichtigste Energiequelle überhaupt“, weil sie wirklich in jedem Land vorhanden ist. Energieeffizienz stellt demnach die kostengünstigste Möglichkeit dar, mehr Energiesicherheit zu schaffen und dabei gleichzeitig CO2-Emssionen zu reduzieren. Besonders bedeutsam sind dabei nach IEA-Angaben Gebäude samt Heizungen und Kühlsystemen, der Verkehr sowie Elektromotoren in der gewerblichen Wirtschaft.

Die KfW ist zum Beispiel in Mexiko und Montenegro bei energieeffizienten Gebäuden engagiert. In dem Land auf dem Balkan sollen alle 2500 öffentlichen Gebäude moderne Systeme zum Energiemanagement erhalten. „Smart Meter“ werden den Verbrauch automatisch ablesen und in eine Datenbank einspeisen. Kombiniert mit verbesserter Wärmedämmung, aber auch Photovoltaik und Solarthermie zur Eigenstromnutzung und Wärmeerzeugung, lassen sich so zwischen 25 und 80 Prozent des Energieverbrauchs reduzieren. Die Zahl der KfW-Zusagen bei Energieeffizienz hat im vergangenen Jahr zugenommen, hier besteht aber durchaus noch weiter großer Förderbedarf.

Alles zusammengenommen, bedeutet das für die KfW Entwicklungsbank, dass sich ihre Fördertätigkeit ganz allmählich verschiebt: von Investitionen in Erzeugungsanlagen, die es trotzdem weiterhin geben muss und wird, hin zu Vorhaben, die auf die Energiesysteme ganzheitlich abzielen (siehe Kasten ). Dabei geht es dann eher darum, Märkte zu erschließen und private Investitionen zu mobilisieren, um die Energieeffizienz zu verbessern und auch die Stabilität und Sicherheit der Energieversorgung durch bessere Netze und neue Speichermöglichkeiten zu gewährleisten.

Erst am Anfang steht die nachhaltige Mobilität. Hier fehlen bisher entweder umfassende Konzepte, marktreife Techniken, die nötige Infrastruktur oder der Wille zur Umsetzung. Aber eines ist schon jetzt klar: Verkehrs- und Energiewende sind untrennbar verbunden. Erst wenn beide vollendet sind, ist dieser größte Transformationsprozess seit der Industrialisierung gemeistert.

Friederike Bauer arbeitet als freie Journalistin zu Themen der Außen- und Entwicklungspolitik. An diesen Artikel hat sie im Auftrag der KfW mitgearbeitet.
info@friederikebauer.de

Achim Neumann ist Senior Sektorökonom für Energie bei der KfW.
achim.neumann@kfw.de

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Rita: This is how we work in our family. We are my husband, my sons and me…

DIE Blog - 5. Mai 2020 - 12:31

©Rita Klüwer

Rita Klüwer
Koordination
German Development Institute /
Deutsches Institut für Entwicklungspolitik(DIE)

https://blogs.die-gdi.de/wp-content/uploads/2020/05/Rita.mp4

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Forderungen an die Schokoladenindustrie in der Corona-Krise

INKOTA - 5. Mai 2020 - 12:22
Die Corona-Pandemie trifft auch den Kakaoanbau. Seit Beginn der Corona-Krise ist der Kakaopreis um fast 30 Prozent gefallen. Hält dieser Trend an, könnte er verheerende Auswirkungen auf die Lebensbedingungen vieler Kakaobauernfamilien haben. Aufgrund von Armut, unzureichender Ernährung und mangelhaftem Zugang zu grundlegender Gesundheitsversorgung befanden sich viele Kakaobäuerinnen und -bauern bereit vor der Krise in einer prekären Situation. Die Corona-Pandemie könnte nun zu einer weiteren Verschlechterung der Gesundheitslage führen. Darüber hinaus stellen die direkten wirtschaftlichen Auswirkungen die Familien vor große Herausforderungen. Bereits jetzt liegt das Einkommen der meisten Kakaobauernfamilien unter dem Existenzminimum. Der sinkende Kakaopreise könnte diese Situation weiter verschärfen. Infolge einer Überproduktion kam es schon 2016 zu einem Preissturz auf dem Weltmarkt. Die Bäuerinnen und Bauern erlitten damals große Verluste, während die Schokoladenindustrie Extra-Gewinne verzeichnete. Dieses Szenario darf sich nicht wiederholen. Das VOICE-Netzwerk fordert deshalb die Kakao- und Schokoladenindustrie auf, Kakaobauernfamilien in der Corona-Krise stärker zu unterstützen. Um die Folgen der Krise für die Familien abzufedern, sollte ein Notfallfonds eingerichtet werden, der die Gesundheitsversorgung von Kakaobäuerinnen und -bauern sichert und eine vorrübergehende Unterstützung ihres Einkommens in den kommenden Monaten gewährleistet. Bestehende Lieferbeziehungen und Kontakte sollen zudem zur Unterstützung der Gesundheitsversorgung in den lokalen Gemeinden genutzt werden. Das vollständige Statement des VOICE-Netzwerks finden Sie hier. Weitere Informationen: Erfahren Sie mehr über die Kampagne Make Chocolate Fair!
Zum Webinar: Kinderarbeit für Schokolade - Wie kann ein Lieferkettengesetz helfen? Corona-Hilfe: Stärken Sie die Schwächsten! Zum INKOTA Corona News-Ticker
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Webinar: Kinderarbeit für Schokolade - Wie kann ein Lieferkettengesetz helfen?

INKOTA - 5. Mai 2020 - 11:42
  • Was: Webinar mit Johannes Schorling, Eine-Welt-Promotor für Zukunftsfähiges Wirtschaften beim INKOTA-netzwerk und Mitglied im Steuerungskreis der Initiative Lieferkettengesetz
  • Wann: Mittwoch, 3. Juni, 18.00-19.30 Uhr
  • Wo: Überall, da es sich um ein Webinar handelt
Die Deutschen gehören zu den Weltmeistern im Schokoladenessen. Doch der süße Genuss hat einen bitteren Beigeschmack: Rund 2 Millionen Kinder ernten auf Kakaoplantagen in Westafrika unter ausbeuterischen Bedingungen den Kakao für die Schokolade. Ob Nestlé, Mars oder Ferrero – keiner der großen Schokoladenhersteller kann bisher ausschließen, dass in seinen Produkten Kinderarbeit steckt. Dabei hat die Schokoladenindustrie schon 2001 versprochen, die schlimmsten Formen der Kinderarbeit zu beenden. Doch auch 20 Jahre später hat sich daran nichts geändert, wie eine neue Studie zeigt. Im Gegenteil: Die Schokoladenindustrie hat ihr Versprechen gebrochen. Doch was sind die Ursachen für die Kinderarbeit im Kakaoanbau? Wie ist das bisherige Engagement von Schokoladenunternehmen gegen Kinderarbeit zu bewerten? Und wie könnte ein Lieferkettengesetz dazu beitragen, die untragbaren Zustände zu beenden? Darüber spricht Johannes Schorling, Eine-Welt-Promotor für Zukunftsfähiges Wirtschaften beim INKOTA-netzwerk und Mitglied im Steuerungskreis der Initiative Lieferkettengesetz, mit Ihnen im Webinar. Moderation: Gertrud Falk, FIAN Deutschland Wir bitte um Anmeldung über folgenden Link. Die Webseminar-Reihe zur Initiative Lieferkettengesetz wird organisiert von Fian Deutschland, Germanwatch, Inkota und SÜDWIND Erfahren Sie mehr über die Kampagne Make Chocolate Fair!
Unterzeichen Sie jetzt die Petition für ein Lieferkettengesetz

Gefördert durch Brot für die Welt aus Mitteln des Kirchlichen Entwicklungsdienstes, den Katholischen Fonds, die Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit des Landes Berlin sowie durch Engagement Global im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

       

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Eine globale Katastrophe für Kinder verhindern

Unicef - 5. Mai 2020 - 11:15
Georg Graf Waldersee, Vorsitzender von UNICEF Deutschland, über die Auswirkungen der Corona Pandemie auf Kinder und Familien in Entwicklungsländern und Krisengebieten anlässlich der heutigen Pressekonferenz mit Bundesminister Gerd Müller im Haus der Bundespressekonferenz.
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Gegen sexualisierte Gewalt am Victoriasee: „Her Right!“

DSW - 5. Mai 2020 - 11:10
Wie das DSW-Projekt trotz Corona weitergeführt wird

Die ganze Welt bleibt Zuhause! Um die Verbreitung des neuartigen Coronavirus einzudämmen, rufen Regierungen überall auf der Welt zu Kontaktbeschränkungen auf. Das wirtschaftliche und soziale Leben ist nur eingeschränkt möglich und oft gelten Ausgangssperren – auch in Ostafrika. Das kann nachteilig für die Entwicklungszusammenarbeit sein. Gleichzeitig ist diese jedoch vielerorts notwendiger als zuvor. Um weiterhin für die Menschen da sein zu können, hat die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) ihre Projektarbeit an die neuen Bedingungen angepasst.

 

„Für viele Frauen und Mädchen ist die Bedrohung am größten, wo sie eigentlich am sichersten sein sollten. In ihren eigenen vier Wänden“, erklärt UN-Generalsekretär António Guterres in einer Videobotschaft. „Wir wissen, dass Ausgangssperren und Quarantänen unerlässlich sind, um COVID-19 zu bekämpfen. Aber Frauen in gewalttätigen Beziehungen können durch sie gefangen sein.“ Überall auf der Welt häufen sich die Berichte über zunehmende häusliche Gewalt gegenüber Frauen. Frauen und Männer für sexualisierte Gewalt und geschlechterspezifische Diskriminierung zu sensibilisieren und diese zu beenden sind die Kernthemen des DSW-Projekts „Her Right!“ auf der kenianischen Seite des Victoriasees.   

 Das Projekt „Her Right!“

Für die Menschen am Victoriasee in Kenia ist die Fischerei die Haupteinnahmequelle. Die Rollenverteilung ist klar: Die Männer fangen, die Frauen verkaufen den Fisch. Wenn junge, unverheiratete Frauen eine Chance haben wollen, wirklich guten Fisch zu bekommen, um diesen verkaufen und für ihren Lebensunterhalt sorgen zu können, müssen sie den älteren Männern dafür meist sexuelle Dienste erweisen. Verweigern sie sich, bekommen sie keinen oder minderwertigen Fisch. Sie nennen es das Jaboya-System. Hunger, wirtschaftliche Not und fehlende Alternativen, machen es den Frauen schwer, sich aus dem System zu befreien. Um ihnen Wege aus dieser Misere aufzuzeigen, arbeitet die DSW im Rahmen des Projekts „Her Right!“ eng mit den örtlichen Behörden und Medienpartnern zusammen.

Infoveranstaltungen zu sexualisierter Gewalt über Radioshows

Das Herzstück des Projekts ist die Weitergabe von Wissen rund um sexuelle und reproduktive Rechte durch die örtlichen Behörden und Gemeindevertreter. Das geschieht meist über direkte Kommunikation im Rahmen von Diskussionsrunden und Schulungen. Geredet wird zum Beispiel darüber, was sexualisierte Gewalt bedeutet, wie sich Frauen aus einem Abhängigkeitsverhältnis befreien können und welche wirtschaftlichen Alternativen sie haben, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Das ist gegenwärtig durch die Kontaktbeschränkungen, die auch in Kenia gelten, nicht möglich. Die Projektverantwortlichen vor Ort konzentrieren sich deshalb auf andere Maßnahmen, um den Bedürfnissen der betroffenen Frauen Gehör zu verschaffen. „Wir arbeiten mit dem Sender Radio Maishia zusammen, der landesweit empfangen wird“, erzählt Rosemary, die in Kenia für die DSW arbeitet. „Wir organisieren Interviews mit Behörden und respektierten Gemeindemitgliedern, bei denen der Moderator Fragen zu den Themen sexualisierte Gewalt und Geschlechterdiskriminierung stellt.“ Fragen, die sich die meisten Zuhörer*innen nicht stellen würden. Über die Antworten erkennen die Hörer*innen, dass es auch andere Sichtweisen gibt als die, die ihnen möglicherweise „normal“ erscheinen. „Gewalt gegen Mädchen und Frauen ist eine Verhaltensweise. Verhaltensweisen können nur über einen längeren Zeitraum verändert werden, wenn Informationen konstant geteilt und zugänglich gemacht werden“, erklärt Rosemary.

Die Fallzahlen von sexualisierter Gewalt steigen durch Ausgangssperren

Die gegenwärtige Situation macht aber zusätzlich deutlich, dass es mehr braucht, als die Fischer-Gemeinden in der Region langsam und kontinuierlich zu einem Umdenken zu bewegen. Auch an den Küsten des Victoriasees werden aktuell mehr Fälle von sexualisierter und häuslicher Gewalt gemeldet als vor den Kontaktbeschränkungen zum Eindämmen von COVID-19. „Wenn Frauen aufgrund der Kontaktbeschränkungen keinen Fisch verkaufen können, sind sie finanziell von ihren Ehemännern abhängig. Diese können ebenfalls nicht zum Fischen rausfahren, sodass die ganze Familie in finanzielle Bedrängnis gerät“, erzählt Rosemary. Das wiederum sei eine mögliche Ursache für Gewalt: „Untätigkeit und Langeweile führen möglicherweise zu sexuellen Wünschen, denen Frauen manchmal nicht nachkommen, zum Beispiel weil sie gerade keinen Zugang zu Verhütungsmitteln haben – oder aber auch einfach keine Lust verspüren. Das kann zu Frust, zu Konflikten und – gerade in häuslicher Isolation – auch zu Gewalt führen. Wir müssen hier berücksichtigen, dass es viele Formen von Gewalt gibt. Es gibt auch psychische Gewalt, nicht nur physische“, gibt Rosemary zu bedenken.

Eine Hotline bietet Hilfe für Opfer von häuslicher Gewalt

Um dieser Gewalt zu begegnen und Frauen in Notlagen trotz der aktuellen Beschränkungen zu unterstützen, haben die Projektverantwortlichen gemeinsam mit Radio Maishia eine Hotline eingerichtet. Opfer von häuslicher oder sexualisierter Gewalt können sich hier beraten lassen und Hilfe bekommen. Sie werden dabei unterstützt, mögliche Gewaltverbrechen bei der Polizei anzuzeigen. Wenn es notwendig ist, wird ihnen außerdem eine medizinische Versorgung und eine psychologische Beratung angeboten. Auch für die nächsten Wochen hat der Radiosender die Zusammenarbeit bereits zugesagt, sodass Frauen sogar innerhalb einer Ausgangssperre oder Quarantäne Hilfe bekommen können.

Informationen über Lautsprecher statt Gespräche unter vier Augen

Zusätzlich haben die Projektverantwortlichen der DSW gemeinsam mit den Behörden vor Ort ein Fahrzeug mit einer Lautsprecheranlage organisiert. Dieses fährt durch die gesamte Gemeinde und beschallt die Menschen mit Informationen zu ihren sexuellen und reproduktiven Rechten. Vor allem aber reagiert das Team auf diese Weise auch auf die besonderen Bedürfnisse der Zeit. Was ebenfalls über diesen Weg geteilt wird, sind Informationen darüber, wie man sich effektiv vor COVID-19 schützen kann. Damit jedes Gemeindemitglied die Informationen richtig versteht, erfolgen die Lautsprecherdurchsagen in den beiden vorherrschenden Ortssprachen: Kiswahili und Kimanayala.

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Wider die Corona-Langeweile: Online-Kurse, Online-Spiele und Apps

EINEWELTblabla - 5. Mai 2020 - 10:50

Klar, nicht alle haben coronabedingt mehr Zeit zur Verfügung. Vor allem Menschen, die Kinderbetreuung, -beschulung, Job und Haushalt auf einmal schmeißen müssen, lachen sich wahrscheinlich schlapp über das Unwort „Corona-Langeweile“ (falls sie ihren Humor noch nicht verloren haben). Aber für alle anderen – Schüler*innen, Studis, Kinderlose, Joblose, was auch immer – haben wir spannende Onlinekurse, Spiele und Apps zusammengetragen, die sich mit globalen und/oder Nachhaltigkeitsthemen befassen. Viel Spaß dabei!

WWF Finprint-Spiel: Berechne deinen Klima-Flossenabdruck

Nicht nur Fliegen ist klimaschädlich. Auch die Produktion unserer Nahrungsmittel verursacht nicht wenig Treibhausgase. So fällt auch beim Konsum von Fisch mehr oder weniger CO2 an – je nachdem wie der Fisch gefangen, gezüchtet und transportiert wurde.

Mithilfe des neuen WWF-Finprint-Spiels kannst du ganz leicht deinen Klima-Flossenabdruck berechnen und dein Einkaufsverhalten auf Klimafreundlichkeit prüfen. Einfach im Tool auswählen, welchen Fisch du gerne isst, dann die Fangmethode und das Transportmittel wählen, mit dem der Fisch zu uns geliefert wurde. Daraus wird denn errechnet, wie hoch die CO2-Emissionen für die eigene Fisch-Wahl sind.

Digitale Zivilcourage online trainieren

Hass und Hetze im Internet lassen sich stoppen, wenn

  • Angegriffene und Beobachter*innen von Angriffen aktiviert werden, Hassvorfälle zu melden
  • viele Menschen begeistert werden können, sich zu engagieren und Hass und Cyber-Mobbing zivilcouragiert entgegenzutreten.

Viele Menschen bleiben stumm, weil sie nicht wissen, wie sie sich Hilfe holen können oder was sie aktiv gegen Hass und Cyber-Mobbing im Netz tun können. Zivilcouragiertes Handeln, das Eingreifen gegen Gewalt, kann gelernt und geübt werden.

Dafür bietet LOVE-Storm folgende Werkzeuge an:

  • ein einstündiges Onlinetraining (als Einzel- oder Gruppentraining), um Strategien der Gegenrede und Zivilcourage zu erlernen
  • vertiefende E-Learning-Module zum selbständigen Weiterlernen
  • halb- oder ganztägige Workshops zur Qualifizierung von Multiplikator*innen der Bildungsarbeit.

Hier gehts zu den Angeboten.

Globaler Supermarkt – Online-Shop

Im Online-Shop GLOBALER SUPERMARKT kannst du beim fiktiven Einkauf Zusammenhänge zwischen Konsum, Ressourcenverbrauch, Klima und Produktionsbedingungen entdecken.

Handy, Jeans, Sportschuhe, Trinkjoghurt oder Schokoriegel – aus insgesamt 150 Produkten kannst du auswählen. Am Ende erhältst du an der Kasse die „Quittung“ für deinen Einkauf. Hier erfährst du, wie viel an Rohstoffen, Wasser und Fläche bei der Herstellung des ausgewählten Produktes gebraucht wurde, wie viel CO2 dafür ausgestoßen wurde und welchen Einfluss dies auf die Lebensbedingungen von den Menschen hat, die an der Herstellung des Produktes beteiligt waren.

Onlinekurs: Plastikfrei im Alltag

Im Alltag entsteht jede Menge Plastikmüll – so auch bei Lukas, den du in diesem Kurs kennenlernen wirst. In drei kurzen Videos erfährst du gemeinsam mit Lukas, welche zahlreichen Plastikalternativen es für alle Lebenslagen gibt.

Es sind keine Vorkenntnisse erforderlich. Für den Kurs benötigst du ca. 30 Minuten.

NachhaltICH-App

NachhaltICH spielen, zusammen gewinnen. Das ist das Motto der App. Sie führt dich spielerisch an nachhaltige Themen heran. Dabei kannst du dich mit deinen Freund*innen oder Kolleg*innen vernetzen und als Team für eine nachhaltigere Welt sorgen! Das Ganze funktioniert über verschiedene Challenges: bewusster Verzicht auf Plastiktüten und -verpackungen, einen Baum pflanzen oder Büro-Mails nicht ausdrucken – die Aufgaben haben unterschiedliche Komplexitätsstufen, die entsprechend in der App belohnt werden. Absolvierte Challenges werden in einem Punktesystem honoriert. Darüber hinaus lassen sich auch eigene Challenges vorschlagen.

Übrigens haben wir auch Webinare, Lesetipps und Podcasts für dich rausgesucht.

Beitragsbild: JESHOOTS.COM on Unsplash

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Babys und Musik: Der Soundtrack zur gesunden Entwicklung

Unicef - 5. Mai 2020 - 10:45
Ob Pop, Klassik, Schlager oder irgendetwas dazwischen – fast jeder von uns hört gerne Musik. Zum Zeitvertreib, bei der Arbeit, beim Sport oder aus purer Leidenschaft. Doch hätten Sie gewusst, dass Musik auch Ihr Baby schlauer und glücklicher machen kann?
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Bluefield: Methan-Lecks mit Satelliten erkennen

reset - 5. Mai 2020 - 7:22
Durch Lecks in Erdgas-Pipelines gerät Methan oft unentdeckt in die Atmosphäre und befeuert dort den Klimawandel. Mithilfe von Satelliten und optischen Sensoren kann das Unternehmen Bluefield diese Lecks aus dem All aufspüren.
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Geopolitics and loans: The EU does not want to lose the Western Balkans

SWP - 5. Mai 2020 - 0:00

When EU leaders and their counterparts from the Western Balkans meet on 6 May for a video conference, the focus will be on a €3.3 billion aid package from the European Union. The planned level of financial support for the countries of south-east Europe is proof, the Commission has said, that the EU is taking decisive action in the face of the crisis. In addition to emergency aid to address the health crises and the resulting humanitarian needs, a substantial “economic and investment plan" will be presented in the autumn, with measures in the areas of health, education and social policy aimed in particular at social development. According to the Commission, the assistance package goes far beyond what any other partner has provided to the region, as the Western Balkans is "a geostrategic priority" for the Union. Apparently, the "geopolitical Commission” (President Ursula von der Leyen) now wants to send a clear signal in south-east Europe. Because, according to the German Foreign Minister Heiko Maas, "without the Western Balkans, the European project is unfinished", it is surrounded by EU states, therefore no uncertainty and instability should be allowed there.

Friend and brother Xi Jiping

However, the EU's ability to assert itself in the Western Balkans and especially in the largest and politically most important state in the region, Serbia, seems to have weakened since the outbreak of the pandemic. The region's news media initially reported mainly on the arrival of medical aid shipments from China, Turkey or Russia. EU solidarity is a fairy tale, rumbled Serbia's strong man, President Aleksandar Vučić. The immediate cause for his displeasure was the Brussels decision not to exempt the Western Balkan countries from an export ban on personal medical protection equipment to third countries, which was imposed on 19 March 2020. Shortly before the Commission's Communication on the Western Balkans Summit, the export of these goods was released for the region.

The fact that Vučić allowed himself be carried away in a ham-fisted attempt to thank the Chinese people in Chinese in front of running cameras, kissing the Chinese flag and ingratiatingly calling the Chinese leader "friend and brother XI Jiping", can only partly be interpreted as an immoderate attempt to curry favour. In point of fact, the perception has spread in the Western Balkans that the aspired EU membership cannot be the panacea for the region's persistent problems.

The region's strong integration with the EU, especially through German and Italian companies, has not only advantages. As a result of the crisis in the Union, demand for products and services from the region is declining (the EU accounts for over 70 percent of external trade), investments from the EU are mostly on hold, and migrants' remittances to their homelands are falling. The World Bank expects economic output in the Western Balkans to decline by up to 5.7 percent this year. Even in the best economic situation in the EU, however, the Western Balkans will not be able to raise enough investment to achieve an annual growth of over six percent, the level necessary to catch up with the EU average in 30 years. For this reason, the region is increasingly looking to Asia, especially China, in the hope of attracting larger investments.

A change of direction is necessary

The announced EU aid package will be able to do little to change the fundamental problems of the region if the EU does not treat the Western Balkans as an integral part of the EU – for the “geopolitical" reasons mentioned above. This would entail, first of all, that the planned aid is not a one-off effort based mainly on loans rather than grants. In contrast to the "new" member states of the Union, the Western Balkan countries have so far not received robust, solidarity-based development aid to offset their trade deficit with the EU of over 100 billion euros, accumulated over the past decade. In order to change this, the region needs to be given access to the EU's structural and cohesion funds or a comparable source of zero-priced capital before membership, so that comprehensive and sustainable growth can begin.

Even if the EU takes a fundamentally different stance with this approach, it is unclear whether it is not 12 years too late: a similar push should have taken place after 2008/2009, when the international debt and financial crisis spilled over to the Western Balkans and hit the region even harder than the EU itself. In the meantime, two probably irreversible developments have taken place in the Western Balkans. Firstly, people have given up on the hope that they will experience prosperity. This is why they are emigrating en masse – in 2018, every two minutes a citizen of the Western Balkan countries received a residence and work permit in the EU, a total of 230,000 people.

Secondly, after the 2008 financial crisis, right-wing populist and authoritarian forces have regained the upper hand everywhere in the Western Balkans (Northern Macedonia is currently the exception). The democratic potential of these societies has further declined – among other things because of the ageing population and mass emigration, economic weaknesses and unresolved ethno-political conflicts. All studies by international democracy and human rights organisations point to this. Moreover, it is questionable whether Vučić and the other autocrats are prepared to peacefully relinquish power.

Consequently, after next week's summit, one dilemma will remain unresolved: should the EU, geopolitically motivated, ultimately wave the states through to membership, as was the case with the eastern Central European states? Or should the Western Balkan states only be allowed to continue their rapprochement with the EU after their governments have started delivering on the rule of law? Once the pandemic has subsided, parliamentary and other elections are to be held in Serbia, Montenegro, Northern Macedonia and Bosnia and Herzegovina. A thorough review of the democratic quality of these elections should be the basis on which the EU decides with which governments it wishes to continue the enlargement process and with which it wishes to freeze it for the time being.

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Call for Papers “Assessing the contribution of higher education institutions to sustainable development”

#HOCHN - 5. Mai 2020 - 0:00
Researchers have the chance to send expressions of interest with an extended abstract till May 31th 2020

Foto: Prexels/Pixabay

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Geopolitik und Kredite: Die EU möchte den Westbalkan nicht verlieren

SWP - 5. Mai 2020 - 0:00

Wenn sich am 6. Mai die Staats- und Regierungschefs der EU-Länder mit den Kollegen aus den Westbalkanländern per Video zusammenfinden, soll ein Hilfspaket der Europäischen Union in Höhe von 3,3 Milliarden Euro im Mittelpunkt stehen. Der geplante Umfang der finanziellen Unterstützung für die Staaten Südosteuropas stelle unter Beweis, so die Kommission, dass die EU angesichts der Krise entschieden vorgehe. Neben den Soforthilfen für medizinische und soziale Zwecke werde im Herbst ein »robuster Wirtschafts- und Investitionsplan« vorgestellt, der mit Maßnahmen in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Sozialpolitik insbesondere auf die gesellschaftliche Entwicklung ziele. Mit dem Beistandspaket gehe man weit über das hinaus, was jeder andere Partner der Region zur Verfügung gestellt habe, denn der Westbalkan sei »eine geostrategische Priorität« der Union. Offenbar möchte die – laut Präsidentin Ursula von der Leyen »geopolitische« – Kommission in Südosteuropa jetzt eindeutige Zeichen setzen. Denn, so der deutsche Chefdiplomat Heiko Maas: »Ohne den Westbalkan ist das europäische Projekt unvollendet«. Er sei umgeben von EU-Staaten. Man dürfe daher dort keine Unsicherheit und Instabilität zulassen.

Freund und Bruder Xi Jiping

Allerdings scheint das Durchsetzungsvermögen der EU im Westbalkan und insbesondere im größten und politisch bedeutendsten Staat der Region, Serbien, seit dem Seuchenausbruch angeschlagen zu sein. In den Nachrichtenmedien der Region wurde anfangs vor allem über die Ankunft medizinischer Hilfstransporte aus China, der Türkei oder Russland berichtet. Die Solidarität der EU sei ein Märchen, polterte Serbiens starker Mann, Präsident Aleksandar Vučić. Unmittelbarer Anlass für seinen Missmut war die Brüsseler Entscheidung, die Westbalkanländer nicht von einem am 19. März 2020 verhängten Exportverbot für medizinische Schutzausrüstung in Drittländer auszunehmen. Kurz vor der Kommissionsmitteilung zum Westbalkan-Gipfel wurden diese Güter dann doch für die Region freigegeben.

Dass Vučić sich zu dem tollkühnen Versuch hinreißen ließ, vor laufenden Kameras dem chinesischen Volk auf Chinesisch zu danken, ferner die chinesische Flagge küsste und den chinesischen Führer als »Freund und Bruder XI Jiping« hofierte, ist nur zum Teil mit hemmungsloser Anbiederung zu deuten. Vielmehr hat sich im Westbalkan die Einsicht ausgebreitet, dass die angestrebte EU-Mitgliedschaft nicht das Allheilmittel für die hartnäckigen Probleme der Region sein kann.

Die starke Verflechtung der Region mit der EU, vor allem über deutsche und italienische Unternehmen, hat nicht nur Vorteile. Als Folge der Krise in der Union nimmt die Nachfrage nach Produkten und Dienstleitungen aus der Region ab (über 70 Prozent des Außenhandels entfällt auf die EU), Investitionen aus der EU fallen aus, die Überweisungen der Migranten in die alte Heimat sinken. Die Weltbank rechnet mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung im Westbalkan um bis zu 5,7 Prozent in diesem Jahr. Selbst bei bester Wirtschaftslage in der EU aber vermag der Westbalkan nicht genug Investitionen aufzubringen, um ein Wachstum von über sechs Prozent jährlich zu erreichen. So viel wäre notwendig, um in 30 Jahren zum EU-Durchschnitt aufzuschließen. Man blickt in der Region deswegen in der Hoffnung auf größere Investitionen zunehmend nach Asien, vor allem nach China.

Eine neue Grundhaltung ist nötig

Das angekündigte EU-Hilfspaket wird wenig an den grundlegenden Problemen der Region ändern können, wenn die EU den Westbalkan nicht anders als bisher als festen Bestandteil der EU behandelt – aus den genannten »geopolitischen« Gründen. Dazu würde zunächst gehören, dass die geplanten Hilfen keine einmalige Leistung sind, die überwiegend auf Krediten und nicht auf Zuwendungen fußt. Anders als die »neuen« Mitgliedsländer der Union haben die Westbalkanländer bisher keine solidarischen Aufbaubeihilfen zum Ausgleich ihres Handelsbilanzdefizits mit der EU von über 100 Milliarden Euro im vergangenen Jahrzehnt erhalten. Um das zu ändern, müsste der Region schon vor der Mitgliedschaft Zugang zu den Struktur- und Kohäsionsfonds der EU oder einer vergleichbaren Zuwendungsquelle eröffnet werden, damit umfassender und dauerhafter Wachstum einsetzt.

Selbst wenn die EU mit diesem Weg eine grundsätzlich andere Haltung einnimmt, steht nicht fest, ob es dafür nicht zwölf Jahre zu spät ist: Ein vergleichbarer Vorstoß hätte nach 2008/2009 stattfinden sollen, als die große Schulden- und Finanzkrise auf den Westbalkan überschwappte und die Region noch schlimmer als die EU selbst traf. In der Zwischenzeit haben im Westbalkan zwei vermutlich unumkehrbare Entwicklungen stattgefunden. Zum einen haben die Menschen die Hoffnung aufgegeben, dass sie Wohlstand noch erleben werden. Deswegen wandern sie in Massen aus: Im Jahr 2018 hat alle zwei Minuten ein Bürger der Westbalkanstaaten eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis in der EU bekommen – insgesamt 230.000 Menschen.

Zum anderen haben nach der Finanzkrise 2008 überall im Westbalkan rechtspopulistische und autoritäre Kräfte wieder die Oberhand gewonnen (Nordmakedonien ist derzeit die Ausnahme). Das demokratische Potenzial der Gesellschaften ist weiter zurückgegangen – unter anderem wegen der Vergreisung der Bevölkerung und massenhafter Auswanderung, der wirtschaftlichen Schwächen und der nicht beigelegten ethnopolitischen Konflikte. Darauf verweisen alle Untersuchungen von internationalen Demokratie- und Menschenrechtsorganisationen. Zudem ist fraglich, ob Vučić und die anderen Alleinherrscher bereit sind, friedlich die Macht wieder abzugeben.

Nach dem Gipfel nächste Woche wird folglich ein Dilemma ungelöst bleiben: Soll man, geopolitisch motiviert, die Staaten letztlich in die EU durchwinken, wie es mit den ostmitteleuropäischen Staaten seinerzeit der Fall war? Oder darf die weitere Annäherung der Westbalkanstaaten an die EU erst nach dem Einlenken ihrer Regierungen in rechtsstaatliche Bahnen stattfinden? Nach dem Abklingen der Pandemie sollen Parlaments- und andere Wahlen in Serbien, Montenegro, Nordmakedonien sowie Bosnien und Herzegowina stattfinden. Eine gründliche Überprüfung der demokratischen Qualität dieser Wahlen müsste die Grundlage sein, auf der die EU entscheiden sollte, mit welchen Regierungen sie den Erweiterungsprozess weiterführen und mit welchen sie ihn vorerst einfrieren möchte.

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Bio-based Material of the Year 2020

SCP-Centre - 4. Mai 2020 - 18:32

The innovation award “Bio-based Material of the Year” will be granted to the bio-based chemicals and materials industry to honour the most distinctive new materials and products in the field. This year, six contenders out of seventeen applications have made it to the short-list.

The three winners will be selected by the participants of the “13th International Conference on Bio-based Materials”, which will be held online during 12-14 May 2020. The list of the six finalists includes:

  • Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC (DE): BioORMOCER® – functional barrier coatings
  • Huhtamaki Lurgan (UK/FI): Fresh – biodegradable ready meal packaging
  • LAM’ON (BG): Biodegradable laminating film
  • Mondi Engineered Materials (AT): Biodegradable nonwovens for wipes
  • monta Klebebandwerk (DE): Monta biopack® – self-adhesive tape
  • TENSAC (AR): ESTEN 80 bio-based insecticide

The key topics of the “13th International Conference on Bio-based Materials” are circular economy, renewable carbon, chemical recycling, and the latest investments in biorefineries. Information on technologies, markets, and policy will be provided for bio-based building blocks and polymers. Other relevant topics of this year‘s online conference include: utilisation, fine chemicals for pharma, cosmetics, and body care.

You can find more information about the conference here.

The CSCP is a media partner of the Conference on Bio-based Materials.

For further questions, please contact Carina Diedrich.

Der Beitrag Bio-based Material of the Year 2020 erschien zuerst auf CSCP gGmbH.

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Kernforderungen zur SDG-Aktionsdekade 2020-2030

#2030Agenda.de - 4. Mai 2020 - 18:01

Die COVID-19-Pandemie hat unsere Welt durcheinandergebracht und uns dabei die Schwächen unseres globalisierten Wirtschafts-systems vor Augen geführt. Seien es die gravierenden Auswirkungen eines privatisierten, profitorientierten Gesundheits-systems, die Abhängigkeitsstrukturen globaler Wertschöpfungsketten, der Umfang und die Schwere der Belastung auf prekär Arbeitende und in Pflege- und Gesundheitsberufen Tätige oder das fehlende finanzielle Netz, das für die Generation der Solo-Selbstständigen offenbar wird. COVID-19 zeigt uns, was wir als Gesellschaft gemeinsam solidarisch leisten können – aber auch auf wessen Rücken weltweit gewirtschaftet wird.

Dabei gibt es keine Erkenntnislücke in Bezug auf die zahlreichen, weltweiten Krisen.

Klima- und Biodiversitätskrise, wachsende Ungleichheiten, Strukturbrüche in verschiedenen Sektoren und Regionen, unzureichender Umgang mit rechtsextremen Strukturen, Folgen der Privatisierung öffentlicher Einrichtungen. Nicht erst seit der globalen COVID-19-Krise ist klar, dass es so nicht weitergehen kann. Die vielen Protestbewegungen und Großdemonstrationen der letzten Jahre ebenso wie repräsentative Umfragen zeigen immer wieder, dass sich ein Großteil der Menschen in Deutschland eine progressive, am Gemeinwohl und der globalen Gerechtigkeit ausgerichtete Politik wünscht. Die Verabschiedung der Agenda 2030 war letztendlich Ergebnis dieser Erkenntnis und folgt einem Prozess, der bereits in den 1970er Jahren des letzten Jahrhunderts losgetreten wurde. Ihre Relevanz wird umso größer, je mehr sich die düsteren Prognosen von damals verwirklichen.

Der

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Zivilgesellschaft fordert: Rohstoffwende statt Abwrackprämie!

INKOTA - 4. Mai 2020 - 16:15
Als Antwort auf die Corona-Krise rufen die deutschen Autohersteller im Chor nach staatlicher Hilfe in Form einer Abwrackprämie 2.0. INKOTA und viele andere Entwicklungs-, Menschenrechts- und Umweltorganisationen finden stattdessen: Wir brauchen eine Rohstoffwende! Deshalb veröffentlichen wir gemeinsam das Argumentarium „12 Argumente für eine Rohstoffwende“. In diesem verdeutlichen wir mit anschaulichen Fakten und Beispielen, warum wir in Abbau, Weiterverarbeitung, Verbrauch und Nutzung von Rohstoffen einen radikalen Wandel brauchen. Mit der neuen Publikation stellen wir knapp und präzise den Status quo beim Umgang mit metallischen Rohstoffen dar: Der enorme Rohstoffverbrauch in Deutschland ist wasser- und landintensiv, gefährdet Leben und bringt Menschen und Staaten im globalen Süden in Abhängigkeit. Gleichzeitig sind metallische Rohstoffe ein blinder Fleck in der deutschen Nachhaltigkeitspolitik. Eine wirkliche Rohstoffwende bedeutet einen konsequenten politischen Kurswechsel, der Menschenrechte, Naturschutz und das Gemeinwohl ins Zentrum setzt. „Unsere Forderungen beschränken sich nicht allein auf die Rohstoffpolitik. Eine wirksame Rohstoffwende erfordert vielmehr eine starke Koordination verschiedener Politikbereiche, insbesondere von Energie-, Verkehrs-, Infrastruktur-, Handels- und Investitionspolitik. Denn: Klimakrise, Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung weltweit lassen sich nicht mit isolierten Maßnahmen wirksam verändern“, erklärt INKOTA-Rohstoffreferentin Beate Schurath. Allein mit mehr Effizienz, besseren Recycling-Systemen und neuen Technologien sind die weltweiten Probleme bei Rohstoffabbau und -weiterverarbeitung nicht in den Griff zu bekommen. Bisher tauchen in den notwendigen Debatten um Energiewende, Verkehrswende, Agrarwende oder Digitalisierung die Fragen der Verfügbarkeit, Endlichkeit und nachhaltigen Nutzung von Metallen nur am Rande auf. Zum Argumentarium Rohstoffwende Politische Fehlanreize verhindern nachhaltige Rohstoffnutzung Die aktuelle Diskussion rund um eine neue Abwrackprämie zeigt, wie politische Fehlanreize einer nachhaltigen Rohstoffnutzung entgegenlaufen und Wegweiser in eine völlig falsche Richtung setzen. Statt den Rohstoffverbrauch mit Konjunkturmaßnahmen wie einer neuen Kaufprämie für Neuwagen noch anzuheizen, muss die Verkehrs- und Energiewende mit einer Rohstoffwende einhergehen. Denn schon heute ist die Automobilindustrie einer der Hauptkonsumenten von metallischen Rohstoffen. So gehen 75 Prozent der Blei-, 40 Prozent der Platin-, 37 Prozents der Zink-, 26 Prozent der Stahl- und 9 Prozent der Kupferimporte in die Automobilindustrie. Der Rohstoffverbrauch droht durch Zukunftstechnologien wie E-Autos sogar noch massiv zuzunehmen, wenn die Menge an privaten PKWs nicht um mindestens 50% reduziert wird! Argumentarium: Debattenbeitrag für Paradigmenwechsel Für INKOTA ist die Veröffentlichung des Argumentariums der Auftakt zu einer gesamt-gesellschaftlichen Diskussion. Mit unseren Partner*innen möchten wir aufzeigen, wie notwendig eine Veränderung unseres Wirtschaftsmodells ist. Außerdem formulieren wir erste Ideen, wie dieser Wandel konkret aussehen muss. Damit reagieren wir auch auf den zunehmenden weltweiten Widerstand gegen Bergbauprojekte. Schwankende Preise an den Rohstoffmärkten, einseitige Exportausrichtung und Abhängigkeit von Rohstoffabbau: Das auf Rohstoffexporten aufbauende Wirtschaftsmodell birgt viele Gefahren für die Versorgung der Bevölkerung und die Handlungsfähigkeit von Regierungen, die einen Großteil ihrer Einnahmen aus dem Verkauf dieser Rohstoffe bestreiten. Es ist Zeit, diesen Teufelskreislauf zu durchbrechen! Dazu brauchen wir eine Rohstoffwende, die sozial-ökologische Gerechtigkeit schafft und ressourcenreichen Ländern eine Diversifizierung ihres Wirtschaftens und damit auch mehr Krisenfestigkeit ermöglicht. Wie die Rohstoffwende gelingt Kompliziert ist es nicht. Um eine Rohstoffwende einzuleiten, sind unserer Meinung nach vor allem zwei Dinge zentral:
  1. Möglichst viele Erze müssen im Boden bleiben. Nahezu alle Metalle und Mineralien im Gebrauch müssen dafür in einem möglichst verlustfreien Kreislauf geführt werden. Auch müssen Länder wie Deutschland den Primärrohstoffverbrauch in absoluten Zahlen reduzieren.
  2. Alle Rohstoffe, Produkte und Vorprodukte, die wir auch in Zukunft benötigen, müssen unter höchsten ökologischen und sozialen Standards abgebaut, genutzt und weiterverarbeitet werden. Es muss unmöglich sein, durch den Kauf eines Produktes in Europa indirekt Menschenrechtsverletzungen oder Umweltzerstörung in anderen Ländern zu unterstützen.
Sind Sie überzeugt? Dann fordern Sie mit uns gemeinsam eine #Rohstoffwende! weitere Informationen zur INKOTA-Arbeit im Bereich Ressourcengerechtigkeit weitere Informationen zur Initiative Lieferkettengesetz

Gefördert durch Brot für die Welt aus Mitteln des Kirchlichen Entwicklungsdienstes, der Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit des Landes Berlin sowie durch Engagement Global im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

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Asegurar el acceso equitativo a las vacunas y tratamientos de COVID-19

DIE - 4. Mai 2020 - 15:41

El mundo espera con impaciencia una vacuna y los tratamientos necesarios para contener las consecuencias humanas, sociales y económicas de la pandemia COVID-19. Pero, ¿cómo se puede garantizar un acceso asequible a las innovaciones médicas, una vez que se encuentren soluciones eficaces y seguras? ¿Y cómo podemos evitar que los gobiernos poderosos aseguren vacunas y medicamentos para sus propios ciudadanos, mientras que los países más pobres quedan al margen? El Gobierno de Costa Rica ha propuesto a la OMS que encabece un esfuerzo mundial para aunar los derechos intelectuales sobre las tecnologías para la detección, prevención, control y tratamiento del Covid-19. La propia Costa Rica está trabajando en soluciones para el tratamiento de Covid-19, basado en el uso de plasma sanguíneo.

El derecho a la salud (artículo 25 de la Declaración Universal de Derechos Humanos) da derecho a las personas a recibir los bienes y servicios necesarios para asegurar un nivel decente de atención médica y sanitaria. En la actualidad se refiere al acceso a vacunas, medicamentos, dispositivos (máscaras protectoras) y equipo de tratamiento (ventiladores) en el context de COVID-19. Sin embargo, el gasto sanitario per cápita varía mucho entre los países. En 2017, era de más de 5.000 dólares en Alemania, pero sólo de 69 dólares en la India, 31 dólares en Malí y 25 dólares en Etiopía. Es evidente que muchos Estados no están en condiciones financieras de hacer efectivo el derecho a la salud, pero necesitan apoyo internacional para hacerlo.

Existe una clara tensión entre el derecho humano a la salud y la lógica de la innovación médica, sobre todo, si la última es producto de importantes inversiones en investigación y desarrollo. En principio, cualquier pequeño laboratorio financiado con fondos públicos en cualquier parte del mundo podría hacer un descubrimiento, que conduciría a una innovación crucial. Los inventores se verían entonces recompensados principalmente por su reputación académica, y su innovación podría ser fácilmente llevada al dominio público mundial. Las compañías farmacéuticas de todo el mundo podrían entonces producir vacunas y medicamentos en las cantidades requeridas. Sin embargo, es más probable que las invenciones se produzcan en laboratorios privados del Norte global, ya que sigue habiendo una división muy pronunciada entre el Norte y el Sur en materia de investigación para la salud. En 2009 (últimos datos disponibles), agentes públicos y privados invirtieron globalmente 240.000 millones de dólares en investigación en salud, el 89% en países de altos ingresos. Los países de la OCDE reunen las tres cuartas partes de todos los ensayos clínicos en medicamentos. El sector privado representa el 60% de la investigación en salud.

Podemos debatir la dimensión ética de la obtención de ganacias en el area de la salud, pero la  investigación indica claramente que las perspectivas de obtener beneficios aceleran la innovación. La competencia entre las empresas de tecnología médica puede reducir los costos siempre que se eviten los monopolios. El desarrollo de medicamentos es -en condiciones normales- un negocio a largo plazo (10-15 años) y arriesgado: Según el tipo de medicamento y el proceso de aprobación, sólo entre el 7 y el 45% de todos los medicamentos que entran en la fase de ensayo clínico reciben la aprobación para su comercialización. Por lo tanto, el principal desafío es mantener los incentivos para la investigacaión médica privada, sin dejar a nadie atrás, una vez que se hayan encontrado soluciones eficaces y seguras.

Abogados de la salud e investigadores de todo el mundo elogan la iniciativa de Costa Rica. Puede permitir a los fabricantes de medicamentos genéricos fabricar y vender sus productos a precios mucho más bajos que los que podrían cobrarse en la actual crisis médica mundial. Medicines Patent Pool (MPP), fundado en 2010 por UNITAID, puede servir de modelo para la propuesta. Titulares públicas y privadas de patentes asignaron 18 licencias de medicamentos de alto impacto a MPP, quién a la vez concedió sublicencias a 24 fabricantes (por ejemplo, en la India y Sudáfrica) para que produjeran y distribuyeran versiones genéricas de bajo costo de los medicamentos en 136 países.

Un modelo similar puede funcionar para la vacuna y tratamientos contra COVID-19. Las grandes empresas podrían estar dispuestas a conceder voluntariamente licencias de sus patentes a MPP o UNITAID, teniendo en cuenta el sufrimiento humano y las pérdidas económicas debidas a la pandemia. La compañía israelí Medtronic recientemente puso al dominio público global las especificaciones de diseño completas y los códigos de software de su ventilador portátil. Si otras empresas dudan en seguir este ejemplo, arriesgarían su reputation. Incluso si hubiera que pagar por la licencia de los farmacéuticos, esto podría ocurrir a un precio razonable, si se negocia a gran escala y a nivel multilateral.

Andreas Stamm, German Development Institute / Deutsches Institut für Entwicklungspolitik (DIE)

Jeffrey Orozco, Centro Internacional de Política Económica para el Desarrollo Sostenible

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Sieben Wege zum familienfreundlichen Arbeiten während Covid-19

Unicef - 4. Mai 2020 - 15:30
1,5 Milliarden Mädchen und Jungen können wegen der Covid-19-Pandemie seit Wochen nicht zur Schule gehen. Eltern müssen ihren Kindern, aber auch ihrer Arbeit gerecht werden. Erfahren Sie, wie Unternehmen ihre Arbeitnehmer jetzt unterstützen können, damit sie sich angemessen um ihre Kinder kümmern können.
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Webinar: Finanzierung nachhaltiger Entwicklung in der Corona-Krise

Global Policy Forum - 4. Mai 2020 - 14:53

Die Corona-Pandemie hat die Welt überraschend und unvorbereitet in eine Dreifachkrise geworfen: eine Gesundheitskrise, eine Wirtschaftskrise und eine Finanzkrise. In einem Webinar von VENRO erläutert Bodo Ellmers, welche neuen Rahmenbedingungen für die Agenda 2030 und die Finanzierung nachhaltiger Entwicklung sich damit ergeben.

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Sozialtransfers stabilisieren Konsumnachfrage

E+Z - 4. Mai 2020 - 13:29
Die Covid-19-Krise gebietet, garantierte Grundkeinkommen temporär einzuführen

Im Covid-19-Abschwung verlieren Wohlhabende einen Teil ihres Vermögens und ihres Einkommens. Für Arme stellen dagegen Jobverlust oder die Verunmöglichung informeller Erwerbstätigkeit die wirtschaftliche Existenz in Frage. Die aktuelle Krise droht, Erfolge im jahrelangen Kampf gegen die Armut mit einem Schlag zunichte zu machen.

Hunderte Millionen Menschen werden wieder unter die Armutsgrenze sinken – und dort lange bleiben. Denn um das blanke Überleben zu sichern, müssen sie Kredite aufnehmen, mit deren Rückzahlung sie lange kämpfen werden. Sie werden Land, Vieh und andere Produktionsmittel verkaufen und so ihre bisherigen Einkommensquellen zerstören. Sie werden auch desaströse Jobs in Bergbau, chemischer Produktion und Prostitution akzeptieren und damit ihre Gesundheit und ihre zukünftige Produktivität zerstören. Und sie werden ihre Kinder aus der Schule nehmen, damit sie etwas dazu verdienen, was aber ihre künftigen Verdienstchancen dramatisch reduziert. 

Maßnahmen zur Abfederung der Folgen von Covid-19 müssen deshalb nicht nur Unternehmen retten, sondern unbedingt auch den Armen zugutekommen. Die Verarmung breiter Schichten muss verhindert werden. Die verheerenden Folgen sind sonst der rapide Verfall der Kaufkraft, Mangel- und Unterernährung bis hin zum Verhungern und die Destabilisierung von Gesellschaft und Politik.

So schnell und wo immer möglich sollten die Armen Sozialtransfers erhalten. Die Transfers können temporär oder auch einmalig ausgezahlt werden. Sie sollten aber pro Haushalt mindestens einem halben Jahresmindestlohn entsprechen – und wenn die Krise länger anhält auch mehr.

Aktuell gibt es dabei zum temporären bedingungslosen Grundeinkommen keine sinnvolle Alternative, wobei nur Staatsbedienstete, die ihre Arbeit fast überall auf der Welt behalten, ausgeschlossen werden sollten. Bedürftigkeitsprüfungen dauern zu lange, also ist eine Beschränkung auf die ärmsten Bevölkerungsgruppen jetzt nicht möglich. Transfers können auch nicht an Arbeitsleistung geknüpft werden, denn öffentliche Bauprojekte und ähnliche Vorhaben stehen derzeit still. Eine gewisse Bezugsbeschränkung ließe sich allenfalls dadurch erreichen, dass das Grundeinkommen auf Sozialämtern zu beantragen ist, was wohlhabendere Personen abschrecken dürfte.

Die Auszahlung von bedingungslosen Grundeinkommen wäre selbstverständlich ein großer Schritt ins Unbekannte und würde vielen Regierungen viel Mut abverlangen. Zahlreiche Länder bewegen sich aber bereits in diese Richtung. Sie haben bestehende Sozialtransferprogramme aufgestockt oder ausgeweitet (wie etwa Ägypten, Brasilien, Indonesien und Kolumbien) oder neue geschaffen (zum Beispiel Argentinien, Bolivien und die Türkei).

Das universelle Grundeinkommen wäre obendrein wirtschaftspolitisch sinnvoll. Es würde die Konsumnachfrage stabilisieren und somit den konjunkturellen Abschwung bremsen. So manches Kleinunternehmen würde so gerettet.

Wenn Länder mit niedrigen und mittleren Einkommen diesen Schritt tun wollen, sollten sie großzügig unterstützt werden. Tatsächlich haben Länder mit hohen Einkommen ein Eigeninteresse an der Erhaltung der Kaufkraft in ärmeren Gesellschaften, denn es gilt, sekundäre Faktoren einer globalen Rezession abzufedern und Länder politisch zu stabilisieren. Durch die Finanzierung temporärer, universeller Grundeinkommen könnte Europa zeigen, dass ihm das globale Gemeinwohl aller Menschen tatsächlich am Herzen liegt.

Markus Loewe ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik in Bonn.
markus.loewe@die-gdi.de

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