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Krise als Chance

E+Z - 26. September 2022 - 16:35
Krisen wie die Coronapandemie bieten Chancen, die Wirtschaft mit ökologisch-nachhaltigen Programmen anzukurbeln

Nach Beginn der Covid-19-Pandemie analysierte das Umweltbundesamt (UBA) in einer Metastudie rund 130 Analysen und Stellungnahmen zu Konjunkturprogrammen, die auf nachhaltige Entwicklung zielen. Die Untersuchung zeigte, dass in der Wissenschaft und bei internationalen Organisationen wie Weltbank, Internationaler Währungsfonds (IWF), Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sowie dem UN-Umweltprogramm (UNEP) ein breiter Konsens in Bezug auf die Notwendigkeit solcher Programme und ihrer Vorteile besteht.

Studien belegen, dass sogenannte „grüne“ Maßnahmen sehr gut zur Konjunkturbelebung beitragen können, teilweise sogar besser als konventionelle Maßnahmen. So zahlen sich Investitionen in erneuerbare Energien gesamtwirtschaftlich stärker aus als staatliche Förderung fossiler Energien. Auch Investitionen in den Naturschutz können einen sehr hohen Multiplikatoreffekt haben, was bedeutet, dass sie hohe Nachfrage- und Beschäftigungswirkungen nach sich ziehen. Ausgaben in eine nicht nachhaltige Landnutzung wirken sich hingegen eher negativ auf die Wirtschaft aus.

Kriterien für grüne Konjunkturmaßnahmen

Die Wissenschaft ist sich weitgehend einig darüber, welche Kriterien grüne Konjunkturmaßnahmen erfüllen sollten. Wichtig ist, dass sie:

Manche Förderbereiche sind für Nachhaltigkeitskonjunkturprogramme besonders geeignet. Dazu zählen nichtfossile Energieerzeugung, energetische Gebäudesanierung, Maßnahmen für nachhaltige Mobilität und die ökologische Transformation der Industrie. Unter den letztgenannten Aspekt fallen beispielsweise der Aufbau einer auf Wasserstoff basierenden Wirtschaft sowie die Förderung von Technologien, die eine höhere Energie- und Materialeffizienz ermöglichen. Sehr positiv bewertet werden oft auch Maßnahmen zur Klimaanpassung und sogenannte naturbasierte Lösungen (Nature Based Solutions) wie etwa Aufforstung.

Welche Maßnahmen im Einzelnen umsetzbar und sinnvoll sind, hängt auch von den landesspezifischen Gegebenheiten ab, etwa von der Wirtschaftsstruktur, den administrativen, technischen und finanziellen Kapazitäten eines Landes sowie von der Verfügbarkeit von Projekten, die bereits geplant sind und schnell umgesetzt werden können.

Auswertungen bestehender Green-Recovery-Programme zeigen deutliche Unterschiede. Während in Industrieländern die Palette der Förderbereiche sehr breit ist, konzentrieren sich die Maßnahmen in Schwellen- und Entwicklungsländer oft auf den Ausbau erneuerbarer Energien – vor allem von Solarenergie – und auf Maßnahmen zum Erhalt des Naturkapitals, also von wirtschaftlich bedeutsamen Ökosystemleistungen wie Wälder oder Meeresschutzgebiete.

Gefahr von Strohfeuereffekten

Studien zu grünen Konjunkturprogrammen während der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 zeigen, dass die Gefahr von Strohfeuereffekten besteht. So gingen die globalen Treibhausgasemissionen im Jahr 2009 zwar leicht zurück, im Jahr 2010 wuchsen sie jedoch schon wieder kräftig. Wesentliche Gründe für den Anstieg waren die niedrigen Energiepreise und hohe staatliche Ausgaben für Aktivitäten, die auf fossilen Energien beruhen.

Es ist daher erforderlich, alle Konjunkturmaßnahmen auf umwelt- und klimaschädliche Wirkungen zu prüfen und grüne Konjunkturprogramme in strukturelle Reformen einzubetten. Dazu gehört unter anderem, umweltschädliche Subventionen abzubauen und eine CO2-Bepreisung umzusetzen. Außerdem müssen regulatorische Hemmnisse abgebaut und Vorgaben für grüne Investitionen gemacht werden.

Wichtig ist auch die Ausweitung grüner Finanzinstrumente, der Aufbau grüner Infrastrukturen – etwa Ladesäulen für Elektromobilität, Ausbau des öffentlichen Verkehrs und der Stromnetze – und Qualifizierungsmaßnahmen, damit die sozial-ökologische Transformation nicht durch Fachkräftemangel gehemmt wird.

Politik hinkt hinterher

Mehr als zwei Jahre nach dem Beginn der Corona-Krise stellt sich die Frage, inwiefern die Politik die genannten Vorschläge aus der Wissenschaft beherzigt hat und in welchem Umfang grüne Maßnahmen zur Konjunkturbelebung eingesetzt wurden. Die Antwort darauf ist eher ernüchternd: Aus globaler Perspektive war der Anteil grüner Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Krise relativ gering, wobei große Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern bestehen.

Das Global Recovery Observatory, eine vom-UN Umweltprogramm (UNEP), dem IWF und der GIZ ins Leben gerufenen Plattform, die Wissensaustausch und grüne Steuerpolitik fördert, verfolgt die Covid-19-Konjunkturausgaben der Länder. Nach seinen Schätzungen beliefen sich die wetlweiten Ausgaben insgesamt auf rund 18 Billionen US-Dollar (Stand August 2022). Der größte Teil davon waren kurzfristige Rettungsmaßnahmen. Nur etwas mehr als 3 Billionen US-Dollar wurden für Maßnahmen zuw Wiederbelebung der Wirtschaft ausgegeben, davon knapp ein Drittel für grüne Maßnahmen.

Verglichen mit der Finanzkrise 2008/2009 hat der Stellenwert grüner Konjunkturmaßnahmen immerhin deutlich zugenommen. Dies gilt unter anderem für zahlreiche EU-Länder, auch weil der Wiederaufbaufonds der EU erhebliche Finanzmittel für grüne Maßnahmen bereitstellte.

Global betrachtet entfällt der größte Teil der grünen Konjunkturausgaben auf relativ wenige Staaten, wobei es sich vor allem um Industrieländer handelt. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass Entwicklungs- und Schwellenländer über weit geringere Finanzmittel verfügen. Im Jahr 2020 gaben die Industrieländer laut UNEP pro Kopf 17-mal mehr für Konjunkturprogramme aus als Entwicklungs- und Schwellenländer. Dies unterstreicht, wie wichtig Schuldenerleichterungen und eine gezielte finanzielle Unterstützung durch die Industrieländer sind, um grüne Maßnahmen auch in den Entwicklungs- und Schwellenländern zu ermöglichen.

Die positiven Umweltwirkungen werden zudem häufig durch negative Wirkungen anderer Konjunkturmaßnahmen konterkariert. Der IWF stellte fest, dass in der Gruppe der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) 1,4 Prozent der 2020 getätigten Corona-Ausgaben eine positive Klimawirkung hatten, während 1,7 Prozent klimaschädlich waren.

Analysen des Global Recovery Observatory kommen zu dem Ergebnis, dass nur 3 Prozent der Ausgaben zur Wirtschaftsbelebung einen positiven Effekt auf das Naturkapital haben, aber 17 Prozent der Ausgaben einen negativen Effekt. Bezogen auf das Ziel der Luftreinhaltung halten sich die Ausgaben mit einem positiven und einem negativen Effekt in etwa die Waage. Diese Ergebnisse sind erschreckend und unterstreichen, wie wichtig es ist, alle Konjunkturmaßnahmen einem Umwelt- und Nachhaltigkeitscheck zu unterwerfen. Ob die Welt insgesamt infolge der Corona-Programme grüner aus der Krise hervorgehen wird, lässt sich derzeit nicht sagen. Für ein abschließendes Urteil ist es noch zu früh, da einige Programme noch laufen und quantitative Wirkungsanalysen oft noch fehlen.

Durch den Krieg in der Ukraine befindet sich die Welt nun erneut in einer Wirtschaftskrise. Auch hier wird es entscheidend sein, mit welchen Maßnahmen die Krise bekämpft wird. Werden die stark gestiegenen fossilen Energiepreise als Chance genutzt, um Energieeffizienz, grüne Energien und postfossile Produktionsverfahren verstärkt zu fördern, kann die Krise zum Katalysator einer nachhaltigen Entwicklung werden. Dabei brauchen die Entwicklungs- und Schwellenländer dringend Unterstützung, denn der aktuelle Anstieg der Energie- und Nahrungsmittelpreise und die wirtschaftliche Krise engen ihre Finanzierungsspielräume zusätzlich ein. Besteht die Antwort auf den rapiden Anstieg der fossilen Energiepreise und die Knappheiten bei der Gasversorgung dagegen in weiteren Subventionen für fossile Energien und in der Erschließung neuer fossiler Energiequellen, dürften die Ziele des Pariser Klimaabkommens kaum mehr zu erreichen sein.

Quellen

Umweltbundesamt, 2020: The Green New Consensus. Studie zeigt breiten Konsens zu grünen Konjunkturprogrammen und strukturellen Reformen. 

Green Fiscal Policy Network (UNEP, IMF, GIZ) und Universität Oxford: Global Recovery Observatory.
 

IMF Working Paper, 2021: Monitoring the climate impact of fiscal policy – lessons from Tracking the COVID-19 response.

 

Andreas Burger leitet das Fachgebiet Wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Umweltfragen, nachhaltiger Konsum am Umweltbundesamt in Dessau-Roßlau.

andreas.burger@uba.de

 

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Die Midterms 2022: Positionen und Perspektiven

SWP - 26. September 2022 - 15:13
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Alles auf eine Karte: Wie hoch pokert Putin noch?

SWP - 26. September 2022 - 14:44
Die Ukraine kann siegen und Russland ist schwer angeschlagen. Was bringt jetzt Putins Mobilmachung? Wächst dadurch der Widerstand gegen ihn im eigenen Land? Und was wagt Putin noch, wenn er am Abgrund steht - militärisch und im Wirtschaftskrieg gegen den Westen?
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Bits & Bäume – Von Kobalt & Katastrophen. Wie erreichen wir eine ökologisch und sozial-gerechte Ressourcenwende?

Forum Umwelt & Entwicklung - 26. September 2022 - 14:39

Samstag, 01.10, 12:10–12:50 (Europe/Berlin), Birne (Hauptgebäude, WS, TU Berlin)

Im Rahmen der Bits & Bäume Konferenz vom 30.09.-2.10. 2022

 

Der Erdüberlastungstag hat schon im Juli gezeigt: die Weltbevölkerung verbraucht mehr Ressourcen als ihr jährlich zur Verfügung stehen. Dabei ist der Nutzen dieses Verbrauches extrem ungerecht zwischen Globalem Norden und Globalem Süden verteilt. Welche politischen Mittel braucht es um den Ressourcenverbrauch global zu senken? Wie kann das sozial-gerecht gelingen? Diskutieren Sie mit!

Diskussionsworkshop der AG Soziale Gerechtigkeit des Netzwerk Ressourcenwende.

Der Erdüberlastungstag hat schon im Juli gezeigt: die Weltbevölkerung verbraucht mehr Ressourcen als ihr jährlich zur Verfügung stehen. Die digitale Industrie nimmt dabei eine immer größere Rolle ein- die Nachfrage für Rohstoffe wie Lithium, Kobalt oder seltenen Erden wird sich in den nächsten Jahren vervielfachen.
Dabei ist der Nutzen dieses Verbrauches extrem ungerecht verteilt: Gesellschaften im globalen Norden profitieren von dem hohen Ressourcenverbrauch, während ein Großteil dieser Rohstoffe im Globalen Süden abgebaut wird- häufig unter Missachtung der Menschenrechte und Umweltschäden.
Welche politischen Mittel braucht es um den Ressourcenverbrauch global zu senken? Wie kann das sozial-gerecht gelingen?

Das Netzwerk Ressourcenwende arbeitet seit 2019 zu der Frage, wie globaler Ressourcenschutz und Ressourcengerechtigkeit erreicht werden kann. Dieser interaktive Workshop basiert insbesondere auf den Ergebnissen der Workshopreihe „Soziale Gerechtigkeit im Ressourcenschutz“ und dem zugehörigen Papier und der Forderungen des BUNDs zur absoluten Reduktion des Ressourcenverbrauchs.

Vortragende: Rubén Kaiser (BUND) und Josephine Koch (Forum Umwelt und Entwicklung)

 

Anmeldung und Tickets für die Konferenz:  https://bits-und-baeume.org/konferenz-2022/tickets/

Programm der Konferenz: https://fahrplan22.bits-und-baeume.org/bitsundbaeume/schedule/

 

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The Future of Europe: From Conference to Convention?

SWP - 26. September 2022 - 14:00
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Die Präsidentschaftswahl in Brasilien

EINEWELTblabla - 26. September 2022 - 10:31

Ein gespaltenes Land geht am 2. Oktober 2022 wählen. Zur Wahl stehen elf Kandidatinnen und Kandidaten. In den letzten Wahlumfragen liegt der ehemalige Präsident Luiz Inácio Lula da Silva mit 45 Prozent vorne. Den zweiten Platz belegt mit 37 Prozent der aktuelle Amtsinhaber Jair Bolsonaro. In diesem Beitrag lernt ihr die beiden Kandidaten mit den höchsten Umfragewerten kennen und erfahrt, warum diese Wahl die brasilianische Demokratie auf die Probe stellt.

Jair Bolsonaro

Jair Bolsonaro (67) ist seit über 30 Jahren in der brasilianischen Politik aktiv; seit 2018 ist er Präsident des Landes. Er wird insbesondere durch die Agrarindustrie, Teile des Militärs sowie der Bevölkerung evangelikalen Glaubens unterstützt. Die Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes und von Lebensgrundlagen indigener Bevölkerungen, eine rücksichtslose Corona-Politik, die das Leben von 676.000 Menschen gekostet und zu Hungersnöten in Teilen der Bevölkerung geführt hat, sind einige Folgen von Bolsonaros Regierung. Eine zweite Amtszeit würde Bolsonaro grünes Licht geben, diese Politik fortzusetzen.

Luiz Inácio Lula da Silva

Luiz Inácio Lula da Silva (76) war Gewerkschaftler, hat in den 1980er-Jahren die Arbeiterpartei (PT) gegründet und das Land von 2003 bis 2011 regiert. Lula wurde 2018 wegen Korruption verurteilt, verbrachte 580 Tage im Gefängnis und durfte daher bei der letzten Präsidentschaftswahl (2017) nicht gegen Bolsonaro kandidieren. 2022 darf er sich zur Wahl stellen, da alle Prozesse gegen ihn annulliert wurden. Es stellte sich nach einem langen Verfahren heraus, dass der damalige Bundesrichter Sérgio Moro – der Lula verurteilt hatte – parteiisch agierte. Lulas Wählerinnen und Wähler kommen insbesondere aus den unteren Schichten der Bevölkerung. Mit Lula verknüpfen sie die wirtschaftlichen Fortschritte des Landes während seiner ersten Regierungszeit (2003–2007). Bei einem Wahlerfolg Lulas sollten soziale Fragen, vorrangig die Hungerbekämpfung, in den Vordergrund gestellt und eine engere Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft und indigenen Bevölkerungen gestärkt werden.

Gespaltenes Land, Fake News und Drohung eines Militärputsches

Das Land ist wie auch vor der letzten Präsidentschaftswahl gespalten: Bolsonaro oder Lula. Die Umfragewerte der anderen Kandidatinnen und Kandidaten liegen weit hinter den beiden zurück. Wie im Jahr 2017 spielen soziale Netzwerke und Instant-Messaging-Dienste im Wahlkampf eine zentrale Rolle. Die Verbreitung von Fake News ist erneut zu beobachten. Bolsonaro hat nach wie vor einen großen Teil des brasilianischen Militärs hinter sich. Er behauptete während der Wahlkampagne mehrmals, das elektronische Wahlsystem Brasiliens sei nicht sicher. Viele befürchten daher, dass – im Falle einer Wahlniederlage – keine demokratische Amtsübergabe erfolgen wird. In den letzten Wochen erhielt Lula die Unterstützung von Politikerinnen und Politikern anderer Parteien, einige davon sind frühere Gegnerinnen und Gegner Lulas. Sie sagten, sie wollten Lulas Sieg bereits im ersten Wahlgang unterstützen, um die brasilianische Demokratie vor einem Militärputsch zu schützen.

Brasilien ist eine junge Demokratie. Erst 1989 wurde nach 21 Jahren Militärdiktatur wieder demokratisch gewählt. Für Erwachsene zwischen 18 und 70 Jahren besteht Wahlpflicht. Wer nicht wählt, muss eine Strafe bezahlen. Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren können wählen. Sollte am 2. Oktober 2022 keine Kandidatin oder kein Kandidat die absolute Mehrheit der gültigen Stimmen erreichen, findet vier Wochen später eine Stichwahl statt.

Autor: Carlos dos Santos. Er ist in Brasilien geboren und lebt seit 13 Jahren in Deutschland.

Beitragsbild von Rafaela Biazi auf Unsplash

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Mehr Wirksamkeit für bessere Ergebnisse fordern

DIE - 26. September 2022 - 10:00

Die erste Lesung des geplanten Entwicklungsetats für 2023, die Anfang September im Bundestag stattfand, hat einen besorgniserregenden Zustand parlamentarischer Debatten zur deutschen Entwicklungspolitik offengelegt. Svenja Schulze (SPD), Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, plädierte unter Verweis auf die Verantwortung Deutschlands bei der Bewältigung regionaler und globaler Krisen für mehr Mittel. Diese Forderung wiederholte sie einige Tage später in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel („[…] natürlich brauchen wir mehr Geld“). Vertreter*innen der meisten Parteien im Bundestag beklagten fast einstimmig die geplante Kürzung der öffentlichen Mittel und warfen sich dabei gegenseitig vor, falsche Prioritäten zu setzen. Aber ob sie nun für Schulzes avisierte „feministische“ Agenda einstanden, globale Ernährungssicherheit oder den Schutz der biologischen Vielfalt forderten – bis auf eine Ausnahme schwiegen die Vortragenden zur Frage der Wirksamkeit der deutschen Entwicklungszusammenarbeit (EZ).


Dabei hatten Regierungen aus aller Welt bereits vor über zwanzig Jahren einen politischen Meilenstein erreicht: Sie erkannten an, dass mehr Entwicklungshilfe allein nicht ausreicht, um das Leben von Milliarden Menschen im globalen Süden zu verbessern. Der Konsens von Monterrey aus dem Jahr 2002 wurde zu einer Grundlage für ein neues Verständnis der internationalen EZ im neuen Jahrtausend. Es räumt Wirksamkeit Vorrang vor dem bloßen Volumen der finanziellen Zusagen bilateraler und multilateraler Geber ein. Der Konsens diente als Fundament für eine bahnbrechende internationale Erklärung drei Jahre später in Paris, deren Unterzeichner*innen die wichtigsten Grundsätze für eine erfolgreiche EZ anerkannten: Erfolg sollte letztlich an erzielten Ergebnissen und nicht an den bereitgestellten Mitteln gemessen werden. Dazu dürfen Geber sich jedoch nicht nur an Budgets orientieren, sondern müssen sich verpflichten, qualitativ bessere Arbeit zu leisten. Es ist höchste Zeit, sich diesen Konsens wieder in Erinnerung zu rufen.


Angesichts der geplanten Kürzung des Entwicklungsetats für 2023 um rund zehn Prozent—circa 1,27 Milliarden Euro weniger—sollte sich die Bundesregierung dringend darauf besinnen, dass es auf Ergebnisse ankommt. Nur so kann Deutschland seinem Anspruch als verlässlicher Partner und Vordenker in der internationalen EZ gerecht werden. Das in der Debatte mehrfach vorgebrachte Argument, sinkende Budgets seien ein beunruhigendes Signal in Richtung der anderen G7-Staaten, trifft nur einen Teil der Wahrheit. Es stellt internationale Sichtbarkeit in den Vordergrund, also das Ansinnen, aus höheren Staatsausgaben politisches Kapital auf globalen Bühnen zu schlagen. Dabei wird eine Tatsache verkannt, auf die die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und das Deutsche Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit (DEval) seit Jahren hinweisen: Das deutsche EZ-System produziert keine ausreichenden Wirkungen.


Höhere Wirksamkeit als Chance
Die Bundesregierung kann auch in Zeiten begrenzter Budgets viel bewegen, wenn sie einen Fokus auf die Förderung und Einforderung organisationalen Lernens und dadurch höherer Wirksamkeit ihrer technischen und finanziellen Zusammenarbeit legt. Dieses Vorgehen würde überzeugendere Argumente für eine erneute Aufstockung des Entwicklungsetats in den kommenden Jahren liefern. Es würde zudem dazu beitragen, dass Deutschland international sichtbarer eigene Impulse setzen kann, anstatt multilaterale Prioritäten lediglich mitzufinanzieren.


Mit weniger mehr zu erreichen, ist zweifellos eine anspruchsvolle Aufgabe. Jahrzehntelang haben verschiedene Bundesregierungen versucht, durch die Zuteilung von Milliarden von Steuergeldern an zwei Durchführungsorganisationen—GIZ und KfW—ihre politischen Ideen und Sonderinitiativen umzusetzen. Im Rahmen ihrer Arbeit in über hundert Partnerländern haben diese beiden Hauptakteure der deutschen EZ einen enormen Erfahrungsschatz angesammelt. Dieses Fachwissen müssen sie in Zeiten von Mittelkürzungen nutzen und unter Einbeziehung internationaler Forschung daran arbeiten, wirkungsvollere – und nicht einfach nur größere – Projekte umzusetzen. Natürlich ist es unrealistisch, von der GIZ und KfW zu erwarten, dass sie selbst für Sparmaßnahmen eintreten. Doch Unternehmensinteressen müssen jetzt hintenangestellt werden. Die geplanten Kürzungen im deutschen Entwicklungsetat stellen eine Herausforderung dar, aber sie sind auch eine Chance, um bestehende Ansätze zu überdenken und mehr Wirkung pro ausgegebenem Euro zu erzielen.


Alle, die bereit sind, ihre Kräfte zu bündeln, um die Konzeptions- und Umsetzungsqualität der deutschen EZ zu steigern, können sich auf eine Fülle fundierter Erkenntnisse und Empfehlungen stützen. Neben den Berichten der OECD, des DEval und des Bundesrechnungshofs (BRH)—zuletzt im Jahr 2021—fassen Online-Datenbanken die Ergebnisse Tausender für die deutsche EZ relevanter Studien zusammen. Das deutsche EZ-System kann durch eine systematischere Einbeziehung dieses Wissens in seine Ausgestaltung bilateraler Projekte und multilateraler Partnerschaften zum Vorreiter in evidenzorientierter EZ werden. Die Daten dafür sind vorhanden. Woran es seit Jahren mangelt, ist die Nachfrage nach entwicklungspolitischer Wirksamkeit. Doch genau so könnten Bundestagsabgeordnete Verbesserungen im Leben von Milliarden Menschen bewirken – indem sie Bundesministerin Schulze auffordern, jene Projekte und Partnerschaften zu priorisieren, die nachweislich am wirksamsten sind.

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Neuer Bericht legt nahe: Eine schnelle Umstellung auf erneuerbare Energien führt zu enormen Einsparungen

reset - 26. September 2022 - 9:51

Bei RESET.org befassen wir uns viel den verschiedensten alternativen Technologien zur Energieerzeugung aus erneuerbaren Quellen – von der bekannten Sonnen– und Windenergie bis hin zu Durchbrüchen in der Fusionsenergie. Eine große Hürde wird jedoch immer wieder genannt, wenn über erneuerbare Energien diskutiert wird: erneuerbare Technologien gelten meistens als weniger zuverlässig und gleichzeitig teurer als traditionelle fossile Brennstoffe. Diese seien im Vergleich dazu zwar „schmutzig, aber billig“.

Eine neue Studie der Universität Oxford legt jedoch nahe, dass das so nicht stimmt. Dass fossile Brennstoffe schmutzig sind steht auch hier außer Frage, aber sie sie sind keinesfalls billig.

Das Oxford Institute for New Economic Thinking untersuchte historische Preisdaten sowohl für erneuerbare als auch für fossile Energieträger, um einen Langzeitvergleich zu erstellen. Die Daten für fossile Brennstoffe reichten bis zum Höhepunkt der industriellen Revolution in den 1880er Jahren zurück. Über den gesamten Zeitraum von 140 Jahren und inflationsbereinigt kamen die Forschenden zu dem Schluss, dass die Preise für fossile Brennstoffe wie Kohle, Öl und Gas stark schwanken und erhebliche Steigerungen und Rückgänge aufweisen, ohne dass ein langfristiger Trend erkennbar wäre. Wichtig ist jedoch, dass die Preise für fossile Brennstoffe heute weitgehend die gleichen sind wie 1880, in den meisten Fällen sind sie sogar teurer.

Gleichzeitig werden die Kosten für erneuerbare Technologien immer günstiger. Obwohl sie ursprünglich viel teurer waren, sind erneuerbare Technologien heute auf dem gleichen Preisniveau wie Öl und nähern sich Kohle und Gas an. Im Durchschnitt sind die Kosten für erneuerbare Technologien wie Solar- und Windenergie und Akkumulatoren seit ihrer Markteinführung um etwa zehn Prozent pro Jahr gesunken – und sinken weiter.

Rupert Way, Matthew C. Ives, Penny Mealy, J. Doyne Farmer

Hinzu kommt, dass die fossilen Brennstoffe zwar derzeit mehr Energie liefern, ihre Produktionsmenge aber seit 1880 nur geringfügig zugenommen hat und in vielen Fällen auf einem Plateau angelangt ist. Die erneuerbaren Energieträger hingegen haben an Effizienz gewonnen und nähern sich nun dem Produktionsniveau der fossilen Brennstoffe an.

Auf der Grundlage dieser Daten entwickelte das Team mithilfe probabilistischer Modelle drei Zukunftsszenarien (schneller Übergang, langsamer Übergang und kein Übergang) für den Übergang von nicht erneuerbaren zu erneuerbaren Energiequellen und bewertete die voraussichtlichen Kosten für den Zeitraum von 2020 bis 2070. Dabei legt ihre Analyse nahe, dass ein schneller Übergang zu erneuerbaren Energien (bis 2050) deutlich günstiger ist als das Modell „Langsam“ und „Kein Übergang“. Sie kamen zu dem Schluss, dass die jährlichen Energiesystemkosten für das Modell des schnellen Übergangs bis 2050 um 514 Milliarden USD niedriger sind als beim Szenario ohne Übergang. Berücksichtigt man Änderungen bei den Zinssätzen und die zusätzlichen Kosten, die fossile Brennstoffe in anderen Bereichen der Gesellschaft verursachen würden, kommt das Team zu dem Schluss, dass die Einsparungen letztlich bis zu 12 Billionen USD betragen könnten.

Rupert Way, Matthew C. Ives, Penny Mealy, J. Doyne Farmer

Das Szenario „Schneller Übergang“ ist besonders vorteilhaft, da verstärkte Investitionen in erneuerbare Technologien die Technologie nur weiter verbessern, die Kosten wahrscheinlich senken und die Leistung erhöhen werden.

Letztendlich sieht das Oxford-Team die Behauptung, dass eine Umstellung auf erneuerbare Energien zu einem Rückgang des BIP und astronomischen Preisen führen würde, mit Skepsis. Stattdessen könnte die Umstellung in nur relativ kurzer Zeit zu massiven Einsparungen führen. Und hier mit eingerechnet sind noch nicht einmal die Kosten, die uns der Klimakollaps kosten würde, wenn uns der Umstieg auf erneuerbare Energien nicht unverzüglich gelingt.

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New Release: Interest rate turnaround. A turning point for development finance?

Global Policy Watch - 26. September 2022 - 3:45

Download the briefing (pdf format)

Since the adoption of the 2030 Agenda on Sustainable Development, development finance has operated under conditions of low interest rates and high liquidity in global financial markets. This has changed with the recent turnaround in interest rates. The briefing paper Interest rate turnaround. A turning point for development finance? by Bodo Ellmers, describes the current trends, analyzes the implications for financing sustainable development in the Global South, and formulates policy recommendations on how countries in the Global South and their financing partners in the North can respond to the interest rate increases.

Since March 2022, the US Federal Reserve has been raising key interest rates at a record pace and in large steps. Developing countries in particular have had to follow suit in even larger steps in order to remain attractive as investment locations for volatile capital and to prevent massive capital outflows.

The implications are enormous and multifaceted. Escalating interest costs weigh heavily on developing countries’ budgets and absorb scarce resources needed for development and public goods. Capital flight and lack of liquidityin global financial markets mean that developing countries find it difficult to access new capital for investment in economic development and socio-ecological transformation, or only at prohibitively high costs. The number of countries in acute debt crises is threatening to grow rapidly.

The optimal mix of instruments in development finance changes with the level of interest rates. The turnaround of interest rates is also a gamechanger for development finance. It requires a fundamental policy shift. As interest rates rise, using private financing at market conditions is rational and affordable for fewer countries and for fewer purposes. At the same time, financing channels such as domestic financing from tax revenues or external financing from Official Development Assistance (ODA) grants become more important, as these are not dependent on interest rate levels.

The interest rate turnaround exacerbates the humanitarian emergency in the Global South, where populations have been hit hard by multiple energy, food, climate, and coronavirus crises. In the short term, the international community can provide liquidity to the Global South, for example, through a new issue of International Monetary Fund (IMF) Special Drawing Rights. Relief packages also need to be put in place in developing countries to protect vulnerable groups, and investment in sustainable development still needs to be scaled up under difficult conditions. Fair and effective taxation, debt relief and ODA grants can increase the fiscal space for this.

Interest rate turnaround
A turning point for development finance?

By Bodo Ellmers
Published by: Brot für die Welt, Misereor & Global Policy Forum Europe
Bonn, September 2022
www.globalpolicy.org

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Early Contours of Philippine Foreign Policy under Ferdinand Marcos Jr.

SWP - 26. September 2022 - 2:00

Ferdinand “Bongbong” Marcos Jr. won the Philippines’ presidential election by a land­slide on 9 May and was officially sworn in on 30 June. During the election cam­paign, Marcos Jr. – the son of Philippine dictator Ferdinand Marcos Sr. who was ousted in 1986 – remained extremely vague when it came to describing his foreign and security policies. Some observers initially speculated that Marcos Jr. would con­tinue to pursue the foreign policy shift towards the People’s Republic of China that had been estab­lished by his predecessor Rodrigo Duterte. Several weeks into Marcos Jr.’s presidency, however, a much more nuanced picture has emerged. It appears that the newly elected president is likely seeking to balance the Philippines’ relations with China and the US to a greater extent than his predecessor. He therefore seems to be follow­ing in his father’s foreign policy footsteps. This could open up new opportunities for coopera­tion between the Philippines and Germany and the EU – provided that such collabo­ration considers the high degree to which Manila’s current foreign policy agenda seems to be driven by domestic concerns and objectives.

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Global Citizen Festival: Entwicklungsministerin Schulze sagt Kindern und Jugendlichen in der Ukraine konkrete Unterstützung zu

SID Blog - 25. September 2022 - 23:36
Gemeinsame Presseerklärung des BMZ und Education Cannot Wait

Global Citizen Festival: Entwicklungsministerin Schulze sagt Kindern und Jugendlichen in der Ukraine konkrete Unterstützung zu

Deutschland unterstützt Bildungsmaßnahmen der UN-Organisation Education Cannot Wait in der Ukraine mit weiteren 10 Millionen Euro. Dies kündigte Entwicklungsministerin Schulze gestern Abend auf dem New Yorker Global Citizen Festival per Videobotschaft an. Mit den Mitteln sollen vom Angriffskrieg in der Ukraine betroffene Mädchen und Jungen unterstützt und ihnen ein durchgängiger Zugang zu Bildung und psychosozialer Unterstützung ermöglicht werden. Der russische Angriffskrieg in der Ukraine hat gravierende Auswirkungen auf den Zugang zu Bildung von ca. 7 Millionen Kindern. Der deutsche Gesamtbeitrag für Education Cannot Wait steigt damit auf 330 Millionen Euro.

Entwicklungsministerin Svenja Schulze: „Es ist unsere gemeinsame Verantwortung, dass alle Kinder und Jugendlichen Zugang zu hochwertiger Bildung haben. Die internationale Gemeinschaft muss ihre Investitionen in Bildung dringend erhöhen. Ich danke Global Citizen dafür, dass sie sich stark machen für mehr Unterstützung für Education Cannot Wait, damit alle jungen Menschen weltweit Zugang zu hochwertiger Bildung erhalten: So können wir extreme Armut beenden und zwar jetzt."

Yasmine Sherif, Direktorin von Education Cannot Wait: „Danke, Deutschland! Für beispielhafte Führungsstärke und Unterstützung, durch die Education Cannot Wait eine neue Stufe erreicht hat. In Bildung zu investieren, ist heutzutage die wichtigste Investition für eine gerechtere, wohlhabende und friedliche Zukunft für alle! Gemeinsam können wir unser Versprechen einlösen und von Krisen betroffenen Kindern und Jugendlichen hochwertige Bildung bieten – und dafür sorgen, dass wir, wenn wir ‚alle' sagen, auch wirklich alle meinen."

Mit einem Gesamtbeitrag von rund 330 Millionen Euro ist Deutschland größter Geber für Education Cannot Wait, den globalen Fonds der Vereinten Nationen für Bildung in Notsituationen und lang anhaltenden Krisen. Die neuen Mittel sind ein Beitrag zur Nothilfe von Education Cannot Wait in der Ukraine. Die aktuellen Gelder werden durch Save the Children und UNICEF verwaltet und sollen das Wohl der vom Angriffskrieg in der Ukraine betroffenen Mädchen und Jungen schützen und gleichzeitig den durchgängigen Zugang zu Bildung und psychosozialer Unterstützung sicherstellen.

Im Verlauf des sieben Monate andauernden Krieges sind wiederholt Schulen in der gesamten Ukraine Ziel von Angriffen gewesen. Laut aktuellen Regierungsberichten wurden bis zu 2.300 Bildungseinrichtungen getroffen und mehr als 280 zerstört. Millionen Menschen sind in Nachbarländer geflohen. Dadurch werden Familien auseinander gerissen und Kindern und Jugendlichen wird ihr Menschenrecht auf hochwertige Bildung verwehrt.

Durch den Krieg in der Ukraine, massive Fluchtbewegungen in Afrika, Lateinamerika, dem Nahen Osten und Asien, die Auswirkungen des Klimawandels und weltweite wirtschaftliche Unsicherheit steht die Welt vor einer immer ernster werdenden globalen Bildungskrise. Aktuelle Analysen von ECW liefern erschreckende Daten: 222 Millionen von Krisen betroffene Mädchen und Jungen benötigen dringend Unterstützung im Bildungsbereich – ein Anstieg gegenüber den 75 Millionen der letzten Schätzung von 2016.

In Reaktion auf die globale Bildungskrise hat ECW bei der diesjährigen Generalversammlung den Case for Investment und den Strategischen Plan für 2023-2026 auf den Weg gebracht. Um die Versprechen der Nachhaltigen Entwicklungsziele (insbesondere SDG4 – Bildung für alle), der Safe Schools Declaration (Erklärung zum Schutz von Schulen in bewaffneten Konflikten) und anderer internationaler Vereinbarungen zu erfüllen, mobilisiert der Fonds Geber und strategische Partner, um 1,5 Milliarden US Dollar an Finanzierung zusammenzubringen, um mit der #222MillionDreams-Kampagne in den nächsten vier Jahren mindestens 20 Millionen von Krisen betroffene Kinder und Jugendliche zu erreichen.

Die hochrangige Finanzierungskonferenz von Education Cannot Wait wird im Februar 2023 in Genf stattfinden. Die Konferenz wird von der Schweiz und Education Cannot Wait gemeinsam mit Deutschland, Niger, Norwegen und Südsudan ausgerichtet. Im Rahmen der 222MillionDreams-Kampagne ruft die Konferenz staatliche Geber, den Privatsektor, Stiftungen und vermögende Privatpersonen dazu auf, Engagement in konkretes Handeln umzusetzen und substantielle Mittel für ECW zur Verfügung zu stellen.  


Weitere Informationen unter: www.educationcannotwait.org




„Unsere Arbeit entscheidet über die Zukunft des Planeten“

E+Z - 24. September 2022 - 10:30
Entwicklungsministerin plädiert dafür, Entwicklung für alle Menschen, Klimaschutz und den Erhalt der Biodiversität im Einklang miteinander umzusetzen

Der Verlust der Biodiversität ist nach dem Klimawandel die zweite globale Krise, heißt es in einer Erklärung Ihres Ministeriums. Danach hängt die Zukunft der Menschheit auch entscheidend von der weltweiten biologischen Vielfalt ab. Warum?

Ohne fruchtbare Böden, Luft zum Atmen, sauberes Trinkwasser und natürliche Rohstoffe können wir nicht leben, und dies alles gibt es nur mit intakten Ökosystemen. Sie ernähren uns, schützen uns vor Naturkatastrophen und vielen Auswirkungen der Klimakrise. Gleichzeitig leidet die Artenvielfalt massiv unter den Folgen des Klimawandels. Das Klima ändert sich zu schnell – da kommen die Arten und die Ökosysteme nicht mit. Das ist ein Teufelskreis, aus dem wir dringend ausbrechen müssen. Entwicklung für alle Menschen, Klimaschutz und der Erhalt der Biodiversität müssen im Einklang miteinander erfolgen. Das ist eine Herausforderung, die mich schon als Umweltministerin beschäftigt hat und an der ich jetzt als Entwicklungsministerin konkret weiterarbeiten kann. Unsere Arbeit entscheidet über die Zukunft des Planeten.

Jeden Tag verschwinden bis zu 150 Tier- und Pflanzenarten von der Erde. Warum ist das für das Leben der Menschen relevant?

Das Artensterben geschieht gerade in einem Tempo, das es in der Geschichte der Menschheit noch nicht gegeben hat. Die betroffenen Tier- und Pflanzenarten sind unwiderruflich verloren. Jede Art hat jedoch eine wichtige Funktion in einem Ökosystem, und so steigt mit jeder verlorenen Art die Wahrscheinlichkeit für einen Kollaps des Systems. Die Folgen sind dramatisch. Wir erleben jetzt schon die Vorboten: die Hungerkrise, Konflikte um das knappe Wasser, zunehmende Hitze.

Die Auswirkungen belasten uns alle, besonders aber arme Länder und vulnerable Bevölkerungsgruppen – allen voran indigene Völker und lokale Gemeinden. Ihre natürlichen Lebensgrundlagen gehen verloren und Ressourcenkonflikte nehmen zu. Das ist besonders unfair, denn die vulnerablen Bevölkerungsgruppen haben am wenigsten zu den Ursachen des Biodiversitätsverlusts beigetragen.

Die internationale Aufmerksamkeit richtet sich heute vor allem auf den Ukrainekrieg und die Coronakrise. Wie können international wieder mehr Handlungswillen und Problembewusstsein für Klimaschutz und den Erhalt der biologischen Vielfalt geschaffen werden?

Ich sehe das anders: Klimaschutz hat eine hohe Aufmerksamkeit – in dieser Bundesregierung, aber auch in der Bevölkerung. Jede und jeder erlebt es: Der Klimawandel macht auch in Kriegszeiten keine Pause. Wir haben gerade einen Hitzesommer in Europa hinter uns, wie es ihn noch nie gab. Wir arbeiten entschieden für eine lebenswerte Zukunft unserer und kommender Generationen. Beim Treffen der G7-Staaten auf Schloss Elmau waren Klimaschutz und Biodiversitätserhalt Top-Themen. Wir arbeiten gerade auf allen Ebenen an einer erfolgreichen Weltklimakonferenz in Sharm El-Sheik im November und einem neuen globalen Rahmen für den Erhalt der Biodiversität, der auf der Weltnaturkonferenz in Montreal im Dezember beschlossen werden soll.

Zwischen Naturschutz und dem Kampf gegen den Klimawandel kommt es immer wieder zu Konflikten, etwa bei der Energiewende beim Bau von Windrädern. Wie kann in den Partnerländern beides verbunden werden?

Natürlich gibt es Zielkonflikte, da geht es den Partnerländern nicht anders als uns. Es muss eine gute Balance zwischen Schutz und nachhaltiger Nutzung geben. Auch die Lösungen sind ähnlich, beispielsweise die Umweltverträglichkeit prüfen, naturverträgliche Standorte ermitteln. Und ganz wichtig: Bei diesen Prozessen müssen alle relevanten Interessengruppen einbezogen werden, vor allem die, die am meisten betroffen sind, aber am wenigsten beigetragen haben: die indigene und lokale Bevölkerung in unseren Partnerländern. Das ist eine Frage der Gerechtigkeit. Eine nachhaltige Landwirtschaft ist ein weiterer wichtiger Faktor. Und mit naturbasierten Lösungen können Wälder, Ozeane und Mangroven als natürliche Kohlenstoffsenken erhalten und gleichzeitig die Fähigkeit von Mensch und Natur zur Anpassung an ein sich veränderndes Klima gestärkt werden. Natürlich sind auch Naturschutzgebiete zum Erhalt der Ökosysteme extrem wichtig. Mit dem Weltnaturerbefonds, dem Legacy Landscapes Fund, haben wir zum Beispiel erst kürzlich ein wichtiges Instrument geschaffen, um ausgewählten herausragenden Schutzgebieten eine langfristige „Ewigkeitsfinanzierung“ und krisenunabhängige Planungssicherheit zu ermöglichen.

Im Moment schreitet die Erderwärmung weiter voran und  Artenvielfalt geht weiter verloren. Wie optimistisch sind Sie, dass eine Trendwende noch gelingt?

In den letzten Jahren konnten wir bereits einiges bewirken: Die weltweite Entwaldungsrate ist im Vergleich zum vorangegangenen Jahrzehnt zwischen 2010 und 2020 um ein Drittel gesunken. Schutzgebiete betragen heute bereits über 16 % der Landfläche und 8 % der Meere. Ohne diese und weitere Maßnahmen wären wahrscheinlich zwei- bis viermal so viele Vögel, Amphibien, Insekten und Säugetiere ausgestorben. Unsere Bemühungen zeigen Wirkung im Kleinen, und darauf müssen wir aufbauen. Noch haben wir die Chance, die biologische Vielfalt zu erhalten und den Planeten vor dem Kipppunkt zu bewahren. Artenvielfalt und Klimaschutz sind kein Luxus, sie sind überlebenswichtig – für uns und für alle zukünftigen Generationen.

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Development Finance Forum 2022

Svenja Schulze ist die Bundesministerin für wirtschafliche Zusammenarbeit und Entwicklung. www.bmz.de

Das Interview führte Michael Ruffert für die KfW Entwicklungsbank.

 

 

 

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18.10.2022 | Köpfe und Ideen: Luise Amtsberg, MdB zu Gast in der GIZ

GIZ Event - 23. September 2022 - 18:06
Veranstaltungsdatum: Dienstag, 18. Oktober 2022
Im Mittelpunkt der Veranstaltungsreihe "Köpfe und Ideen" steht jeweils eine Persönlichkeit, die mit ihrem Lebensweg und ihrer Arbeit neue Impulse setzt.
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HIV-Peer Educator Neema entfacht einen Funken in ihrer Gemeinde

ONE - 23. September 2022 - 13:50

Neema ist eine von 400 sogenannten Peer Educators. Weil sie ähnliche Erfahrungen haben, können sie andere auf Augenhöhe unterstützen. Peer Education heißt so viel wie „Bildung unter Gleichen“. Das Wort Peer bedeutet Gleichgestellte oder Gleichaltrige. Peer Educators sind Teil eines vom Globalen Fonds unterstützten Programms, welches Mädchen und junge Frauen mit HIV-Prävention, Behandlung und Pflege erreichen soll. Die Mädchen werden auch über ihre Rechte aufgeklärt sowie zu mehr Selbstbewusstsein und Selbstbestimmung motiviert.

An einem Nachmittag im Mai geht Neema Waziri eine unbefestigte Straße in Dodoma, Tansania, hinauf. Ihre Tasche ist voll mit Kondomen. Neema, 22, alleinerziehende Mutter eines Kindes, ist hier, um sich ihrer Vergangenheit zu stellen – und ihrer Zukunft. Sie ist auf dem Weg zu einer der belebtesten Straßenkreuzungen in ihrem Viertel. Dort warten junge Männer mit Motorradtaxis auf Kund*innen.

Einen Funken entfacht

Als Gesundheitshelferin und HIV-Peer-Educator weiß Neema, wie frühe Schwangerschaften und HIV-Infektionen die Träume vieler Mädchen und junger Frauen in ihrer Gemeinde, ihrem Land und ihrem Kontinent zunichte gemacht haben. Junge Mädchen und Frauen im östlichen und südlichen Afrika sind überproportional stark von HIV betroffen. Im Jahr 2020 infizierten sich in Afrika südlich der Sahara jede Woche rund 4200 heranwachsende Mädchen und junge Frauen im Alter von 15 bis 24 Jahren mit HIV.

Um ihre Altersgenossinnen bei der Bewältigung dieser Herausforderung zu unterstützen, leitet Neema eine Gemeinschaftsinitiative zur Stärkung von Mädchen. Sie hat in ihrer Gemeinde eine Funken entfacht: Ein Funken, der junge Frauen dazu bringt, sich das Wissen, die Motivation und die Handlungsfähigkeit anzueignen, die sie brauchen, um ihr Schicksal selbst zu gestalten.

“Mit unserer Arbeit wollen wir verhindern, dass Mädchen und junge Frauen ungeplant schwanger werden oder sich mit HIV infizieren”, sagt Neema. “Wir wollen, dass Mädchen ihre Stimme erheben können. Wenn sie mit Männern zusammentreffen, können sie für sich selbst eintreten. Sie können die Verwendung von Kondomen einfordern.”

© The Global Fund/Ingrid van der Walt/Rooftop
Neema Wazziri unterstützt Mädchen und junge Frauen, die durch frühe Schwangerschaft und HIV-Infektion vor vielen Herausforderungen stehen.

Auch Männer müssen erreicht werden

Auf dem Weg dorthin sieht Neema ihre eigene Vergangenheit als lehrreichen Leitfaden. Sie weiß, dass sie, um die HIV-Epidemie unter jungen Frauen und Mädchen zu bekämpfen, auch Männer erreichen muss – vor allem solche aus Gruppen, die dafür bekannt sind, dass sie mit jungen Frauen und Mädchen in ihrer Nachbarschaft verkehren. Sie weiß aus erster Hand, wie wichtig diese Maßnahme ist, denn ihr Freund, ein Motorradfahrer, hatte sie vier Jahre zuvor geschwängert. Das war unmittelbar nachdem sie die Highschool abgeschlossen hatte. Der Mann verließ daraufhin die Stadt und kehrte nicht wieder zurück. Neema hat seitdem nie wieder was von ihm gehört.

An jenem Nachmittag auf dem Motorradparkplatz spricht Neema die Fahrer an und bietet ihnen HIV-Aufklärung und Kondome zur Vorbeugung des Virus an. Auch wenn sie ihren Traum, Ärztin zu werden, nicht verwirklichen konnte, ist sie froh. Denn nun spielt sie eine andere Rolle spielt, die viele Leben retten wird.

Als Peer Educatorin Leben retten

“Mein Traum, Ärztin zu werden, hat sich nicht erfüllt: Ich bin auf zu viele Herausforderungen gestoßen. Als sich mir dann die Möglichkeit bot, im Bereich der Mädchengesundheit zu arbeiten, habe ich sie ergriffen”, sagt Neema. “Heute liebe ich, was ich tue. Die Mädchen, mit denen ich arbeite, haben an Selbstvertrauen gewonnen, weil wir viel lernen. Gemeinsam haben wir viele Infektionen verhindert.”

Neema und andere HIV-Peer Educators in Tansania und darüber hinaus haben es sich zum Ziel gesetzt, die HIV-Epidemie, von der junge Frauen und Mädchen besonders betroffen sind, zu beenden. Sie stehen an vorderster Linie, um die heutigen Infektionskrankheiten wie HIV zu stoppen und sich auf andere Krankheiten vorzubereiten, die noch kommen werden.

Du möchtest wie Neema die Gesundheit und Selbstbestimmung von Frauen und Mädchen weltweit stärken? Dann unterzeiche jetzt unsere Petition zur Unterstützung des Globalen Fonds zur Bekämpfung von HIV/Aids, Malaria und Tuberkulose!

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Ein globales Netzwerk für die sexuelle Aufklärung

DSW - 23. September 2022 - 13:08
Vor 15 Jahren wurde in Deutschland der Weltverhütungstag ins Leben gerufen – Ein Interview mit der Initiatorin

 Hannover, 23. September 2022. Jedes Kind, das in diese Welt geboren wird, sollte gewollt und geliebt sein. Dieses große Ziel war und ist der Grundgedanke des Weltverhütungstages, den Heike Prinz 2007 in ihrer damaligen Rolle in der Frauengesundheitssparte mit initiiert hat und der seit dem jedes Jahr am 26. September begangen wird. Was wurde in den 15 Jahren, die seitdem vergangen sind, erreicht und was nicht? Wo liegen die Herausforderungen für die Zukunft? Über diese und andere Fragen sprach die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW), seit 2009 offizielle Partnerin des World Contraception Day (WCD), mit Heike Prinz, heute beim Pharmakonzern Bayer verantwortlich für die Märkte in Europa, den Mittleren Osten und Afrika, und ihrem Kollegen Claus Runge, Leiter für Markteinführungen, Öffentliche Beziehungen und Nachhaltigkeit.

Frau Prinz, wie ist die Idee zum ersten WCD 2007 entstanden?

Heike Prinz: Am Anfang stand die Erkenntnis, dass wir zwar immer mehr und modernere Verhütungsmethoden entwickelten, sich bestimmte Statistiken aber nicht entsprechend veränderten, allen voran die der Teenagerschwangerschaften. Diese Zahl blieb viel zu hoch, und dies auch in Ländern, wo der Zugang zu Verhütungsmitteln eigentlich kein Problem darstellte. Offenkundig mangelte es also an Aufklärung, und zwar weltweit. Bei der Überlegung, wie man denn eine entsprechend umfassende Kampagne organisieren könnte, kamen wir auf das Modell des Welttages.

Wie schwierig war die Umsetzung?

H.P.: Es gab schon eine ganze Anzahl von Graswurzelbewegungen in den Ländern, die dann auf die globale Ebene gehoben und ausgebaut wurden, das war eigentlich gar nicht so schwierig. Angefangen haben wir auch ganz klein, mit einem Presse-Event, dass dann von Jahr zu Jahr immer größer wurde. Es kamen recht schnell immer mehr Partner dazu, schon 2009 zum Beispiel die DSW.

Claus Runge: Es ist uns gelungen, eine ganze Reihe von Partnerschaften in diesem Familienplanungsökosystem zu schaffen. Wir kooperieren beim WCD und allen Aktivitäten drum herum mit renommierten NGOs, der Bevölkerungsfond der Vereinten Nationen, USAID und verschiedenen Ärztegesellschaften, was ja auch zeigt, dass dieses Vehikel geeignet erscheint, um die Aufklärungsziele zu verwirklichen. Inzwischen erreichen wir rund 200 Millionen Menschen. Am WCD kulminiert die Kampagne, die wir über das Jahr hinweg unterstützen. Dabei sind wir bemüht, die jungen Menschen da abzuholen, wo sie sich aufhalten. Das ist in zunehmendem Maße der Bereich der sozialen Medien. Entscheidend ist die „Your Life“-Kampagne, mit der wir auf allen gängigen Kanälen die Jugendlichen abseits aller kulturellen Beschränkungen erreichen. Man kann gar nicht genug herausstreichen, was das jetzt für eine Reichweite bekommen hat.

Trotzdem gibt es noch sehr viele unbeabsichtigte Schwangerschaften, laut Weltbevölkerungsbericht jede zweite, trotz der Existenz von Verhütungsmitteln. Da scheint es also noch ein großes Leck zu geben.

C.R.: Trotz aller Möglichkeiten der Information stoßen wir auf vielschichtige kulturelle Normen: wie gehen die Familien oder Partner mit dem Thema um? In vielen Regionen wird eine Vielzahl von Kindern noch als Altersversicherung betrachtet, insbesondere, weil soziale Sicherungssysteme im Alter fehlen. Das Ansehen einer Frau wird dann auch daran bemessen, wie viele Kinder sie zur Welt bringt und aufzieht.

H.P.: Ein Teil der Antwort ist auch, dass es nicht die One-size-fits-all-Solution gibt. Wo noch viel Raum nach oben ist: die richtige Anwendung von Verhütungsmethoden sicherzustellen. Der Unterschied zwischen klinischen Studien im kontrollierten Umfeld und der Anwendung, wie man so schön sagt, „im wirklichen Leben“ ist ja doch relativ groß. Und genau da sind Initiativen wie der WCD und richtige Informationen ganz wichtig. Man kann das Thema Kontrazeption auch nicht losgelöst sehen von dem jeweiligen Gesundheitssystem oder der Infrastruktur. Manche Form der Verhütung bedarf der ärztlichen Versorgung, manche sind noch nicht mal von der Frau alleine anzuwenden – oder vom Mann, in der Zukunft.

Wie wichtig ist es, dass auch der Mann als Konsument beim WCD in die Kommunikation eingeschlossen wird?

H.P.: Es gibt viele gesellschaftliche Tabus und jede Frau befindet sich in einem bestimmten sozialen Umfeld. Wir haben damals schon gesagt, die Zielgruppe sind nicht weibliche Teenager, sondern allgemein Teenager und junge Erwachsene. Das Thema Sexualität ist nun mal ein Thema zwischen den Geschlechtern und beide Partner haben Verantwortung zu tragen, genauso wie die reproduktive Gesundheit, sexuell übertragbare Krankheiten usw. WCD war nie als eine Initiative gedacht, die sich nur an junge Frauen richtet, sondern immer ein Thema zwischen den Geschlechtern.

Verglichen mit dem Kampf gegen Hunger auf der Welt, wie groß ist die Unterstützung für die Verhütung?

C.R.: Während der Pandemie hat beispielsweise das Vereinigte Königreich seine Unterstützung für UNFPA dramatisch gesenkt. Dann sind aber andere Staaten und NGOs relativ schnell eingesprungen, um die Lücken zu schließen. Nach der Pandemie, die gerade für die Frauen viele Nachteile auf vielen Ebenen bedeutete, sehen wir aber, dass man schnell wieder aufholen und zumindest an den Status von vor der Pandemie wieder anknüpfen möchte. Die International Planned Parenthood Federation hat innerhalb der G7 Ministergespräche geführt, dabei haben insbesondere Kanada und Japan dazu aufgefordert, die Lücken zu schließen und das Thema Familienplanung voranzutreiben.

Wie ist es um die Bereitstellung von Waren und Unterstützung der Ärzteschaften auf dem Afrikanischen Kontinent bestellt?

C.R.: Wenn die Pandemie mit allen ihren negativen Begleiterscheinungen ein Positives hatte, dann, dass viele Regierungen einer Zusammenarbeit mit dem Privatsektor sehr viel aufgeschlossener gegenüberstehen, einfach aus der positiven Erfahrung heraus, dass man sehr eng zusammengearbeitet hat, um diese Pandemie zu bekämpfen. Trotz aller Widrigkeiten haben wir es geschafft, die Zahl der Nutzerinnen von modernen Kontrazeptiva in Ländern mit mittlerem und geringem Einkommen während der Pandemie zu steigern. Eine große Chance, die wir uns jetzt erhalten müssen.

Noch ein Blick voraus: was ist das Ziel für die Zukunft?

H.P.: Wäre es nicht toll, wenn jedes Kind, das in diese Welt geboren wird, gewollt ist und geliebt wird? Dass jede Schwangerschaft ein freudiges Ereignis ist? Das war von Anfang an die große Vision des Weltverhütungstages! Die natürlich längst nicht erfüllt ist. Aber was braucht es? Ein Schlüssel dazu ist Bildung und zuverlässige, faktentreue Information. Es gibt unglaublich viele Mythen und Missverständnisse, die um dieses Thema kursieren. In vielen Gesellschaften kann auch immer noch nicht offen dazu kommuniziert werden. Das große Ziel war es damals und bleibt es für die Zukunft, daran etwas zu ändern.

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5  Fragen – 5 Antworten zur Verhütung

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Teenagerschwangerschaften weltweit

Geburten pro 1000 Frauen von 15 bis 19 Jahren

Verhütungsmethoden Weltweit

Nutzerinnen von Verhütung nach Methode

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Heute: Globaler Klimastreik #PeopleNotProfit

reset - 23. September 2022 - 10:30

Heute gibt es keinen neuen Artikel von uns – denn wir streiken!

Die großen Nationen und allen voran Deutschland befinden sich mal wieder auf dem Weg zurück zur fossiler Energie, die Energiewende wird immer noch nicht effektiv durchgesetzt und auch im Mobilitätssektor könnte es deutlich besser aussehen. Auf diesem Weg rasen wir klar am 1,5-Grad-Ziel vorbei.

Wer streikt mit?

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»Inneriranischer Kulturkampf«

SWP - 23. September 2022 - 10:18
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