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8 Jahre Konflikt in der Ukraine - Kind sein zwischen Krieg und Frieden

Unicef - 18. Februar 2022 - 9:00
Der Konflikt in der Ostukraine spitzt sich zu. Die Lage droht zu eskalieren. Schlagzeilen wie "Wir müssen den Frieden erhalten" lese ich dieser Tage oft. Doch wie sah dieser "Frieden" in den letzten Jahren vor allem für Kinder aus? Ein chronologischer Rückblick. 
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Deutschland kommt in der EU-Afrikapolitik Schlüsselrolle zu

EurActiv - 18. Februar 2022 - 7:39
Von dem heute zum Abschluss kommenden EU-Afrika Gipfel erhofft sich die Bundesregierung ein Umdenken in der Afrikapolitik. Dabei stehen insbesondere entwicklungs- und energiepolitische Interessen im Vordergrund.
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Mikrofinanz-Überschuldung: Landverlust und Hunger in Kambodscha

SID Blog - 17. Februar 2022 - 21:05

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Pressemitteilung vom 17. Februar 2022 Kambodscha: Landverlust, Hunger und Kinderarbeit durch verheerende Mikrokredit-Überschuldung
neue FIAN-Studie zu Menschenrechtsverletzungen im kambodschanischen Mikrokreditsektor / „Entwicklungsbanken und private Investoren aus Deutschland müssen handeln!"
„Manche verkaufen ihr Land und nehmen alles Geld, um die Banken zu bezahlen. Wenn das Geld nicht reicht, verkaufen sie auch ihr Haus. Manche sind gezwungen, ihre Kinder aus der Schule zu nehmen und arbeiten zu lassen, um die Schulden zu tilgen." Was die Landrechtsaktivistin Phav Nherng aus der Gemeinde Chi Khor Kraom im Südwesten Kambodschas berichtet ist kein Einzelfall, wie die heute veröffentlichte FIAN-Studie „Mikrokredite und Überschuldungskrise in Kambodscha" aufzeigt. Überall im Land werden überschuldete Haushalte in Hunger und den Verkauf ihrer Felder getrieben. Familienmitglieder müssen in die Städte oder ins Ausland migrieren. Kinder und Jugendliche werden aus der Schule genommen, um bei der Rückzahlung der Darlehen zu helfen. Manche Familien werden sogar in die Schuldknechtschaft getrieben. Betroffene haben kaum eine Möglichkeit, sich zu wehren – es gibt kaum Gesetze oder Verordnungen, welche Mikrokreditnehmer*innen schützen.

Im vergangenen Jahrzehnt wuchs der Mikrofinanzsektor Kambodschas mit rasanter Geschwindigkeit und ist heute einer der größten weltweit. Ende 2020 umfassten die 2,8 Millionen ausstehenden Mikrokredite satte 11,8 Milliarden US-Dollar. Die durchschnittliche Höhe dieser „Mikro"-kredite liegt bei 4.280 US-Dollar – die höchste weltweit. Zwischen 28 Prozent und 50 Prozent der Kreditnehmer*innen sind überschuldet oder von Überschuldung bedroht. Über viele Jahre waren Jahreszinssätze von 20-30 Prozent die Norm. 2017 kappte die Regierung den Jahreszinssatz auf 18 Prozent, doch die kambodschanischen Kreditinstitute umgehen diese offizielle Obergrenze. Durch die COVID-Pandemie hat sich die Situation für viele Kreditnehmer*innen nochmals deutlich verschärft, während die kambodschanischen Mikrofinanzinstitute (MFI) und Banken auch im Krisenjahr 2020 Rekordgewinne einfuhren.

Viele der kambodschanischen MFI und Banken, welche für systematische Menschenrechtsverletzungen verantwortlich sind, werden von den deutschen Entwicklungsbanken KfW und DEG finanziert – entweder direkt, oder über Mikrofinanzfonds wie MEF und MIFA, an denen wiederum das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) beteiligt ist.

Auch private Anleger*innen aus Deutschland sind über die Investitionen „nachhaltiger" Banken und Mikrofinanzinvestoren beteiligt. Zu den größten privaten Investoren, über die Geld aus Deutschland in den kambodschanischen Mikrokreditsektor fließt, gehören laut FIAN-Recherchen Oikocredit, die Triodos Bank, Invest in Visions und der österreichisch-luxemburgische Dual Return Fund. Auch die Bank im Bistum Essen und die GLS Bank verfügen über Mikrofinanzfonds, die große MFI in Kambodscha finanzieren.

Die Reaktion von Entwicklungsbanken und privaten Investoren auf die Überschuldungskrise und die Vorwürfe von Menschenrechtsverletzungen sind bisher völlig ungenügend. Die Bundesregierung lässt zwar mittlerweile verlauten, dass sie die Kritik ernst nehme und genauer untersuchen wolle. Ergebnisse und konkrete Konsequenzen stehen aber noch aus. Mikrofinanzinvestoren wie Oikocredit oder die GLS Bank haben ihr Kambodscha-Portfolio sogar trotz der bekannten Probleme im vergangenen Jahr deutlich erhöht.

„Gemeinsam mit den kambodschanischen Menschenrechtsgruppen fordert FIAN die Investoren aus Deutschland und Europa auf, die Menschenrechtsverletzungen im Rahmen ihrer Investitionen umfassend aufzuklären und endlich konkrete Maßnahmen zu ergreifen, um den betroffenen Kreditnehmer*innen in Kambodscha zu helfen", so FIAN-Referent Mathias Pfeifer. Kambodschanische Menschenrechtsgruppen haben die systematischen Menschenrechtsverletzungen im Mikrofinanzsektor seit 2019 im Rahmen mehrerer Untersuchungen aufgedeckt. Auch FIAN sprach vor Ort mit Betroffenen.

Die Studie „Mikrokredite und Überschuldungskrise in Kambodscha" können Sie hier abrufen

Der Artikel in der Frankfurter Rundschau „Ohne Haus und Hof" findet sich hier.


 

17. Februar 2022

ONE - 17. Februar 2022 - 16:02
Afrika: Mobile Impfstoff-Fabrik von Biontech

Biontech hat gestern mobile Produktionsanlagen für die Herstellung von mRNA-Impfstoffen in Afrika vorgestellt. Darüber berichten die Süddeutsche Zeitung, die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die Tageszeitung (taz), das Handelsblatt, die Welt, die Frankfurter Rundschau und die Deutsche Welle. Die ersten Einsatzgebiete der “Biontainer” sollen Ruanda, Senegal oder Südafrika werden. Pro Anlage sollen jährlich bis zu 50 Millionen Dosen des Corona-Impfstoffes von Biontech und Pfizer hergestellt werden. Später soll die Anlage auch für die Herstellung von Impfstoffen gegen Malaria und Tuberkulose sowie Krebstherapien genutzt werden. Die Entwicklungsorganisation ONE nannte die Biontainer “einen guten und großen Schritt in die richtige Richtung”. Die mobilen Produktionsanlagen alleine reichen aber nicht. Entscheidend sei, ob die Partner von Biontech Lizenzen für den Impfstoff bekommen und wenn ja, zu welchem Preis.

Kein gleichberechtigtes Verhältnis zwischen EU und AU

Zu Beginn des EU-Afrika Gipfels fordert Christoph Kannengießer vom Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft im Interview mit Dominic Johnson in der Tageszeitung (taz) eine echte Partnerschaft in der Afrikapolitik. Die Bundesregierung müsse die Privatwirtschaft in Afrika stärker unterstützen. Denn sie habe einen immensen entwicklungspolitischen Einfluss und sei auch erforderlich, um Chinas Investitionsstrategie entgegenzutreten. Zudem fordere er ein “Klimabündnis Europa-Afrika”. Europa müsse Afrika dabei unterstützen, seine Energiebedarfe für die Industrialisierung und den wachsenden Wohlstand mit erneuerbaren Energien zu decken. Über die gegenseitigen Abhängigkeiten durch die Corona- und die Klimakrise zwischen Europa und Afrika schreibt auch Andrea Böhm in der Zeit. Auch heute gebe es durch neokoloniale Strukturen einen Profit für Europa, etwa durch günstige Rohstoffzugänge und den Export von Nahrungsmitteln auf Kosten afrikanischer Bauern. Deutschland müsse bei der Schaffung von Arbeitsplätzen in Afrika so viel wie möglich mit zivilen Gruppen und so wenig wie möglich mit problematischen Regierungen zusammenarbeiten, kommentiert Bernd Dörries in der Süddeutschen Zeitung.

Inflation trifft einkommensschwache Länder

Das Erhöhen von Zinsen, um die Inflation in westlichen Ländern zu bekämpfen, könne in anderen Teilen der Erde schwere Schäden anrichten. Darüber schreibt Thomas Fischermann in der Zeit. Das Zusammentreffen von Covid-Krise und Kapitalflucht habe bereits dazu geführt, dass eine Reihe ärmerer Länder ihre Staatsschulden nicht mehr bedienen können. Besonders betroffen seien Schwellenländer mit hohen Devisenschulden, wenig Rohstoffen, steigenden Energiekosten und Lieferengpässen auf dem Weltmarkt. Dazu komme es, dass in Krisenzeiten viele Anleger ihr Geld schnell in Sicherheit, bevorzugt an westliche Kapitalmärkte bringen. Die Krise in Industriestaaten könne so “die Volkswirtschaften der Schwellenländer anstecken”, kommentiert Rolf Langhammer, Handelsexperte am Institut für Weltwirtschaft in Kiel.

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Siemens Healthineers und UNICEF starten Partnerschaft, um den Zugang zur Gesundheitsversorgung in Subsahara-Afrika zu verbessern

Unicef - 17. Februar 2022 - 14:00
Das Medizintechnik-Unternehmen Siemens Healthineers und UNICEF haben heute eine Partnerschaft zur Stärkung fragiler Gesundheitssysteme in Subsahara-Afrika bekannt gegeben, um den Zugang zu medizinischer Diagnostik und die Verknüpfung mit entsprechenden Behandlungen zu verbessern.
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Alternativen zu russischem Gas: Energiewende im östlichen Mittelmeerraum?

SWP - 17. Februar 2022 - 12:09

Im Ukrainekonflikt tritt die europäische Abhängigkeit von russischem Erdgas akut zu Tage. Besonders Deutschland sieht sich dem Vorwurf der Erpressbarkeit ausgesetzt. Schließlich werden hierzulande mehr als die Hälfte des Erdgasbedarfs von Russland gedeckt. Längst werden in der EU alternative Lieferquellen diskutiert. An dieser Stelle sollte auch über eine intensivierte Energiezusammenarbeit mit den Anrainern des östlichen Mittelmeers nachgedacht werden – ohne dabei den Fehler zu begehen, auf den Diskussionsstand des Jahres 2014 zurückzukehren. Damals hatte Russland gerade die Krim annektiert. Die Europäische Kommission pries die Erdgasvorkommen im östlichen Mittelmeer als alternative Versorgungsquellen an. Verwirklicht werden konnte diese Perspektive jedoch nicht: Als zu teuer und aufwendig stellte sich der Bau adäquater Transport-Infrastrukturen wie die EastMed Pipeline heraus, zu politisch brisant der bis heute ungelöste Zypernkonflikt sowie der griechisch-türkische Streit um Seegrenzen und maritime Wirtschaftszonen. Hinzu kommt, dass verschärfte Klimaziele die energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den vergangenen Jahren verändert haben. Doch während das Thema Erdgas im östlichen Mittelmeer an Relevanz verloren hat, nimmt der regionale Ausbau erneuerbarer Energien und zugehöriger Infrastrukturprojekte langsam Fahrt auf.

Die Suche nach Alternativen zu russischen Erdgaslieferungen

Mit Ausnahme Ägyptens, das Flüssiggas nach Europa liefern kann, spielt die östliche Mittelmeerregion bei der Suche nach Alternativen zu russischen Erdgaslieferungen derzeit keine Rolle. Den anderen Anrainern wie Israel und Zypern fehlt die Infrastruktur, um Gasvorkommen vom Meeresboden zu heben und in die EU zu transportieren. Auch der Bau einer Pipeline, die beispielsweise von den zyprischen Erdgasfeldern zu einem ägyptischen LNG-Terminal verliefe, würde noch Jahre dauern. Hinzu kommen klimapolitische Bedenken und offene Fragen hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit, die eine Förderung der Ressourcen auch auf lange Sicht unattraktiv erscheinen lassen.

Folgerichtig konzentrierte sich die Europäische Kommission in den vergangenen Tagen darauf, neben Ägypten in erster Linie mit Aserbaidschan, Katar, Norwegen und den USA Gespräche zu erweiterten Erdgasgeschäften zu führen. Dabei kann die EU auf ein breit gefächertes LNG-Terminalnetz setzen. Über dieses können größere Volumen an Flüssiggas in EU-Länder wie beispielsweise die Niederlande, Italien oder Griechenland eingeführt und über das transeuropäische Gasnetz verteilt werden. Die Problematik dabei ist jedoch, dass Flüssiggasimporte wegen der Preisexplosion auf internationalen Gasmärkten zurzeit ein kostspieliges Unterfangen darstellen. Außerdem würden die zusätzlichen Liefermengen nur schwerlich ausreichen, um den Ausfall von russischem Pipelinegas zu kompensieren. Die Suche nach Ausweichstrategien macht also darüber hinausgehende Überlegungen erforderlich.

Die Energiewende im östlichen Mittelmeer als Investition in die Energiesicherheit der EU

Mittel- bis langfristig stellt der Ausbau der erneuerbaren Energien innerhalb der EU und in partnerschaftlich verbundenen Drittstaaten das entscheidende Instrument dar, um die Abhängigkeit von russischem Erdgas zu verringern. Dadurch gewinnt die primär an den europäischen Klimazielen orientierte Energiewende in Europa auch aus geostrategischer Sicht an Bedeutung. Aktuelle Dynamiken im östlichen Mittelmeerraum bieten hier einen Anknüpfungspunkt. In puncto erneuerbarer Energien bauen Griechenland, Israel und Ägypten ihre Produktionskapazitäten zurzeit massiv aus. Auch in der Türkei und Zypern werden absehbar höhere Investitionen erwartet. Mithilfe von Unterwasserstromkabeln, die quer durch das östliche Mittelmeer verlaufen sollen, könnte der Stromhandel zwischen Europa und Israel mit dem EuroAsia Interconnector beziehungsweise Europa und Ägypten mit dem EuroAfrica Interconnector intensiviert werden – und somit auch die energiewirtschaftliche Kooperation mit zwei einflussreichen Akteuren der MENA-Region. Konzepte für die regionale Wasserstoffproduktion sowie den Wasserstoff-Transport aus dem arabischen Raum stecken zwar noch in den Kinderschuhen, könnten sich aber anschließen.

Mitte Januar sandte das US-Außenministerium ein richtungsweisendes Signal in die Region, indem es der für den Erdgastransfer vorgesehenen EastMed Pipeline die amerikanische Unterstützung aufkündigte. Die Zukunft der Region, heißt es in der Stellungnahme der US-Botschaft in Athen, liege vielmehr in Projekten, die den Ausbau erneuerbarer Energien begünstigten sowie die grenzübergreifende Zusammenarbeit im Stromsektor förderten. Als beispielhaft werden der EuroAsia und der EuroAfrica Interconnector hervorgehoben. Analog gab die Europäische Kommission eine Woche später bekannt, im Rahmen des Infrastrukturförderprogramms Connecting Europe Facility 657 Millionen Euro bereit zu stellen, um das Stromnetz Zyperns mittels eines Unterseestromkabels über Kreta ans europäische Festland anzubinden und somit einen Teilabschnitt des EuroAsia Interconnector mitzufinanzieren.

Angesichts dieser energiepolitischen Entwicklungen zeichnet sich eine Konstellation ab, in der die östliche Mittelmeerregion zwar nicht kurzfristig, dafür aber mittel- bis langfristig als Lieferant von Ökostrom und möglicherweise auch als Produktionsstätte und Transitraum für grünen Wasserstoff helfen kann, die problematische europäische Abhängigkeit von russischen Energierohstoffen zu überwinden.

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Bewirb dich jetzt für den WUS-Förderpreis 2022!

EINEWELTblabla - 17. Februar 2022 - 11:00

Du hast dich in deiner Abschlussarbeit mit den Themen Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE), Globales Lernen oder mit dem Menschenrecht auf Bildung beschäftigt? Dann bewirb dich jetzt bis zum 28. Februar für den WUS-Förderpreis 2022!

Der WUS-Förderpreis

Der WUS-Förderpreis wird seit 2016 jährlich vergeben. Eingereichte Arbeiten werden in einer digitalen Bibliothek des WUS veröffentlicht. Die bisherigen Einreichungen kannst du dir hier anschauen. Vielleicht ist dort auch schon bald deine Abschlussarbeit zu sehen! Der Preis ist eingebettet in den Nationalen Deutschen Aktionsplan zum Weltaktionsplan Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) und ist bundesweit der einzige entsprechende Hochschulpreis.

Die Anforderungen

Der World University Service (WUS) Deutsches Komitee e. V. zeichnet mit dem Förderpreis 2022 Absolventinnen und Absolventen an deutschen Hochschulen aus, die sich in ihren Studienabschlussarbeiten mit Themen der Sustainable Development Goals (SDG) aus der Agenda 2030 der Vereinten Nationen auseinandergesetzt haben. Die Arbeiten sollen sich damit befassen, wie die Ziele der Agenda 2030 erreicht werden können. Welche Konzepte und Maßnahmen können helfen? Welche Wege und Lösungen gibt es?

Die Arbeiten sollen im Kalenderjahr 2021 in deutscher oder englischer Sprache abgeschlossen und eingereicht worden sein. Der Preis wird in zwei Kategorien vergeben: an Absolventinnen und Absolventen grundständiger Studiengänge, mit einem Bachelor oder anderen äquivalenten Abschlüssen und an Absolventinnen und Absolventen weiterführender Studiengänge, mit einem Master oder anderen äquivalenten Abschlüssen. Als Preisgeld stehen insgesamt € 1.500 (jeweils € 750 für Kategorie A und B) zur Verfügung. Deine Bewerbung schickst du in elektronischer Form an preis@wusgermany.de.

Weitere Informationen

Die vollständige Ausschreibung mit allen wichtigen Informationen kannst du dir hier ansehen. Auf der Website des World University Service kannst du auch nochmal genauer nachlesen, was du bei der Bewerbung beachten musst. Und wenn du noch Fragen haben solltest, schreibe einfach eine Mail an preis@wusgermany.de.

Wir wünschen dir viel Erfolg und sind gespannt auf alle Einreichungen!

-Leah-

Das Beitragsbild stammt von 17Ziele.de.

Der Beitrag Bewirb dich jetzt für den WUS-Förderpreis 2022! erschien zuerst auf EineWeltBlaBla.

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"Du lernst nicht für die Schule, sondern für das Leben"

Unicef - 17. Februar 2022 - 0:00
Da, wo Kinderrechte gelebt werden, geschieht etwas Spannendes: Kinder begegnen sich mit Respekt und wachsen über sich hinaus. Sie finden untereinander und eigenständig Lösungen – ohne uns Erwachsene. Wir haben gestaunt und viel gelernt – in einer Kinderrechteschule in Greven.
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Kritik an BioNTech: Container sind keine Antwort auf globalen Impfstoffmangel

SID Blog - 16. Februar 2022 - 23:25
Reaktion auf BioNTech-Veranstaltung in Marburg

Berlin, 16.02.2022. Auf der heutigen Pressekonferenz in Marburg hat BioNTech angekündigt, Container mit mobilen Impfstofffabriken auf den afrikanischen Kontinent zu schicken, die in der zweiten Jahreshälfte 2023 in Produktion gehen könnten. Anna Marriott, Oxfam Expertin für Gesundheitspolitik, kritisiert dieses Vorhaben als unzureichend:

„Wir begrüßen jede Ankurbelung der Impfstoffproduktion in Afrika. Aber das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Regierungen und Unternehmen der wohlhabenden Länder –inklusive Deutschland und BioNTech – krachend dabei gescheitert sind, die beschämende Ungleichheit in der Impfstoffverteilung anzugehen, die für Millionen von vermeidbaren Toten in den einkommensschwachen Ländern verantwortlich ist."

„Es ist nicht hinnehmbar, dass BioNTech und andere Pharmagiganten den mRNA-Hub der World Health Organization in Afrika ignorieren, der jetzt bereit wäre, Impfstoffe zu produzieren und die Herstellung anzukurbeln. Und das zu Gunsten von Impfstoff-Container-Modulen unter BioNTechs Kontrolle, die noch über ein Jahr brauchen werden, um in Produktion gehen zu können."

„Bis heute hat Deutschland lediglich ein Prozent seiner Impfstoffe auf den afrikanischen Kontinent exportiert. Wenn die deutsche Regierung die ungleiche Impfstoffverteilung ernsthaft angehen möchte, muss es seine Blockade des Waivers für eine Aussetzung der Patente auf lebenswichtige Werkzeuge im Kampf gegen die Pandemie aufgeben. Und sie muss darauf bestehen, dass BioNTech ihre öffentlich geförderten Technologien mit der WHO teilt, damit Hersteller in Afrika, Lateinamerika und Asien in die Impfstoffproduktion einsteigen können."

„Man sollte sich auch ernsthaft fragen, was BioNTech mit dieser Initiative bezweckt. Letzte Woche wurde aufgedeckt, dass eine von BioNTech engagierte Beratungsfirma, die kENUP Foundation, den mRNA-Hub der World Health Organization zu diskreditieren versucht hat, der an einem patentfreien Impfstoff arbeitet."

https://www.oxfam.de/presse/pressemitteilungen/2022-02-10-pharmalobby-untergraebt-impfstoffinitiative-who

 


Deutschland baut Engagement für global gerechte Impfstoffproduktion aus

SID Blog - 16. Februar 2022 - 17:15
Ministerin Schulze vor EU-AU-Gipfel

Berlin/Marburg – Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze hat ein starkes deutsches Engagement für eine global gerechte Impfstoffproduktion angekündigt. Heute nahm sie an einem Treffen hochrangiger Vertreter von Afrikanischer Union (AU) und EU mit dem Biotechnologieunternehmen und mRNA-Impfstoffentwickler Biontech in dessen Werk in Marburg teil, bei dem konkrete weitere Schritte für den Aufbau der Impfstoffproduktion in vier afrikanischen Ländern angekündigt wurden. Das Treffen fand als Side Event im Vorfeld des Gipfeltreffens von EU und AU morgen und übermorgen in Brüssel statt. Geplant ist dort eine Erklärung zur gemeinsamen Agenda bis zum Jahr 2030. Die EU schlägt in diesem Zusammenhang ein neues Investitionspaket „EU-Afrika Global Gateway" vor. Ein zentrales Thema dabei ist die Förderung der Impfstoffproduktion in Afrika und die Stärkung der afrikanischen Gesundheitssysteme.

Entwicklungsministerin Schulze sagte heute in Marburg: „Impfgerechtigkeit ist der Ausweg aus dieser Pandemie. Und eine global gerecht verteilte Impfstoffproduktion ist eine gute Versicherung auch gegen künftige Pandemien und andere Krankheiten. Jede neue Virusvariante beweist, dass wir dieses Virus nur besiegen können, wenn wir weltweit zusammenarbeiten. Wir sind eine Welt. Und wir können erst sicher sein, wenn alle sicher sind. Auf diesem Weg gibt es noch viel zu tun. Impfstoffe sind global nach wie vor enorm ungleich verteilt.

Deutschland wird den globalen Kampf gegen Covid-19 zu einem Schwerpunkt der G7-Präsidentschaft machen. Wir sind der zweitgrößte Geber für die internationale Impfinitiative COVAX und wir werden weiter unseren fairen Anteil leisten. Zugleich arbeiten wir tatkräftig mit am Ausbau einer wahrhaft globalen Impfstoffproduktion. Derzeit werden nur ein Prozent der in Afrika verteilten Impfstoffe auch dort hergestellt. Das ist nicht fair und nicht nachhaltig. Heute machen wir einen großen Schritt, um das zu ändern.

Als Entwicklungsministerin stehe ich bereit, gemeinsam mit unseren Partnern in Ghana, Ruanda Senegal, Südafrika und der Afrikanischen Union, um gute Rahmenbedingungen für die Impfstoffproduktion zu unterstützen. Ich begrüße sehr, dass Biontech seine unternehmerische Verantwortung annimmt und tatkräftig zu einer global gerechteren Impfstoffproduktion beiträgt. Denn hier geht es nicht um neue Märkte. Hier geht es um Technologietransfer – darum, dass mehr Länder als bisher selber Impfstoffe herstellen.

Was Biontech mit seinem Konzept zu Recht aufgreift: Es reicht nicht, einfach nur eine Fabrik aufzustellen. Um dauerhaft erfolgreich zu sein, braucht man auch gut ausgebildete Fachkräfte, die passende Infrastruktur von den Laboren bis zur IT und man braucht gut aufgestellte Regulierungsbehörden. All das ist auch notwendig, um bei den Menschen das Vertrauen zu schaffen, dass sie einen Impfstoff von gleichbleibend höchster Qualität bekommen. Hier ist auch partnerschaftliche Entwicklungszusammenarbeit gefragt. Deutschland unterstützt all das bereits und wird sein Engagement weiter ausbauen.

Wir alle miteinander – Unternehmen, Regierungen und internationale Organisationen wie die WHO - müssen jetzt einen langen Atem beweisen und zeigen, dass diese Entwicklung dauerhaft zu mehr Impfstoffen „made in Africa" führt. Wenn das gelingt, dann wird das ein hervorragendes Beispiel dafür, worauf eine neue Partnerschaft zwischen der Afrikanischen Union und der Europäischen Union basieren sollte: Respekt, Innovation, Nachhaltigkeit und Chancen. Wenn das gelingt, dann war das heute ein Meilenstein nicht nur im Kampf gegen Covid-19, sondern auch im Einsatz gegen viele andere tödliche Krankheiten wie Tuberkulose und Malaria, und damit ein wichtiger Schritt für eine gerechtere, krisenfestere Welt."

Weitere Informationen zu Deutschlands Engagement für Impfstoffe „Made in Africa" finden Sie unter: www.bmz.de/de/entwicklungspolitik/corona-pandemie/impfstoffproduktion-afrika-104328

 


Die nächste Legislatur muss im Zeichen der Rohstoffwende stehen

Forum Umwelt & Entwicklung - 16. Februar 2022 - 16:51

Bewertung des Koalitionsvertrags der Bundesregierung durch den Arbeitskreis Rohstoffe (Februar 2022)

 

Am 24. November 2021 veröffentlichten SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP ihren Koalitionsvertrag (KV). Unter dem Titel „Mehr Fortschritt wagen. Bündnis für Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit“ haben die Verhandler*innen in sieben thematischen Kapiteln schriftlich festgehalten, auf welche Ziele sie sich für die kommenden vier Jahre einigen konnten. Die folgende Analyse nimmt die Positionierungen des AK Rohstoffe als Ausgangspunkt und bewertet, inwiefern unsere Themen und Positionen aufgegriffen wurden.

 

Analyse AK Rohstoffe KV 2021

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Warum Finnlandisierung keine Option für die Ukraine ist

SWP - 16. Februar 2022 - 15:56

Am vergangenen Mittwoch verhandelte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron stundenlang mit seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin. Ein Journalist, der ihn begleitet hatte, berichtete über das Treffen und erwähnte, der französische Präsident habe die »Finnlandisierung« der Ukraine als eine Option bezeichnet. Später bestritt Macron, den Begriff genutzt zu haben – es war aber zu spät: Die Idee machte bereits Schlagzeilen.

Die aktuell durch die Medien zirkulierenden Definitionen setzen den Begriff häufig mit genereller Bündnisneutralität gleich. Sie würde aber nicht nur einen Verzicht auf die Nato-Mitgliedschaft bedeuten. Eine Finnlandisierung als Lösungsansatz für die Situation der Ukraine ist deshalb fehlgeleitet in vielen Punkten.

Finnlandisierung im historischen Kontext

Als Finnlandisierung wird eine politische Kultur bezeichnet, die in Finnland während des Kalten Krieges vorherrschte, als das Land die Interessen der benachbarten Sowjetunion sowohl außen- als auch innenpolitisch gewissermaßen freiwillig berücksichtigte. Sie ging deutlich über eine reine Neutralitätspolitik hinaus, so wie sie beispielsweise Schweden verfolgt, und entwickelte sich als eine Überlebensstrategie neben einem übermächtigen Nachbarn. Es war das kleinere Übel zum Verlust jeglicher Souveränität als Teil der Sowjetunion. Der finnisch-sowjetische Freundschaftsvertrag von 1948 war zwar nicht eine vertragliche Grundlage, die Finnland zur Berücksichtigung der sowjetischen Interessen verpflichtete. Er hatte aber insbesondere in den sechziger und siebziger Jahren eine starke symbolische Funktion in der Finnlandisierungsrhetorik, in der die finnisch-sowjetische Freundschaft stets beschworen wurde.

Aufgrund der eigentümlichen Rhetorik und der politischen Alternativlosigkeit hatte die Finnlandisierung Auswirkungen auf viele Bereiche der Politik und des gesellschaftlichen Lebens. Wenn Finnland Handel mit dem Westen betrieb, durfte der sogenannte »Osthandel« nicht darunter leiden, die Sowjetunion dadurch nicht benachteiligt werden. Eine Westintegration war für Finnland sowohl politisch als auch militärisch bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion unmöglich. Nur die Mitgliedschaft in der Europäischen Freihandelsassoziation EFTA wurde von der Sowjetunion toleriert. Der »Osthandel« war ein lukratives Geschäft, in dem viele politische Akteure wirtschaftliche Interessen hatten. Der Zugang zur politischen Macht hing weitgehend davon ab, wie gut man in Moskau gestellt war. Der Zusammenbruch der Sowjetunion und somit des finnischen »Osthandels« trug in Finnland Anfang der neunziger Jahre zu der schlimmsten Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit bei.

Eine innenpolitische Folge der Finnlandisierung war die starke Konzentration der Macht auf die Person des Präsidenten Urho Kekkonen. Er galt aufgrund seiner guten Beziehungen zur Sowjetführung als unentbehrlich für den Erhalt der finnischen Unabhängigkeit und war ab 1956 für mehr als 25 Jahre Staatspräsident. Kekkonen profitierte von der Finnlandisierung und verfestigte sie als eine unangefochtene außenpolitische Linie. Der gesellschaftliche Konsens über die Notwendigkeit der Finnlandisierung führte zu einer weitgehenden medialen und literarischen Selbstzensur, in der kritische Aussagen gegenüber der Sowjetunion vermieden wurden. Deshalb ist der Begriff in Finnland stark negativ konnotiert.

Die Prinzipien der KSZE-Schlussakte

Finnlandisierung ist also kein Konzept, das Orientierung außerhalb des Kontextes des Kalten Krieges bieten kann. Darüber hinaus gibt es aber einen weiteren, noch dringlicheren Grund, warum sie für die Ukraine nicht in Frage kommt: Eine Finnlandisierung der Ukraine würde gegen alle Prinzipien der Schlussakte der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) stoßen, die 1975 in Helsinki unterzeichnet wurde und die Basis für die Sicherheitsordnung in Europa bildet. Es war kein Zufall, dass sich Finnland damals als Gastgeber anbot: Dem Land war dringlich daran gelegen, dass auch die Sowjetunion Prinzipien wie die Achtung der souveränen Gleichheit aller Teilnehmerstaaten, Enthaltung von der Androhung oder Anwendung von Gewalt, Unverletzlichkeit der Grenzen und territoriale Integrität sowie die Gleichberechtigung und das Selbstbestimmungsrecht der Völker anerkennt. Obwohl die Schlussakte keinen verbindlichen Vertragscharakter hatte, bilden die darin enthaltenen Prinzipien die Grundlage für die aus der KSZE entstandenen Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE).

Ukraine ist kein Sonderfall

In einer Zeit, in der der Handlungsspielraum Finnlands zwischen den Fronten des Kalten Krieges stark eingeschränkt war, ermöglichte die Finnlandisierung das Fortbestehen seiner staatlichen Souveränität. Mit dem Ende des Kalten Krieges endete auch die Zeit der Finnlandisierung und Finnland schloss sich der europäischen Integration an. Das Wiederbeleben des Begriffs in Bezug auf die Ukraine ist fehlgeleitet, weil Finnlandisierung nicht außerhalb des historischen Kontextes universell anwendbar ist. Für die Ukraine würde eine hieran orientierte Linie starke Einschränkungen in unvorhersehbarem Ausmaß mit Blick auf ihre innen- und außenpolitische Unabhängigkeit bedeuten. Vor allem aber lenkt der Begriff aus dem Kalten Krieg von der Tatsache ab, dass die Ukraine ein unabhängiger Staat ist, dessen Souveränität völkerrechtlich zweifelsfrei feststeht.

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E+Z/D+C 2022/03 – now – Derrick Silimina – Zambia – mobile money

E+Z - 16. Februar 2022 - 15:28
Zambians are increasingly using mobile phones to move money via online platforms

According to the Bank of Zambia, the country’s central bank, the number of mobile money users on the country’s network platforms grew to over 8.6 million in 2020, compared to 4.85 million in 2019. That represents a year-on-year increase of 77%.

At the same time – and not coincidentally – more and more Zambians are gaining access to financial services in general, whether provided by an online platform or a physical bank. According to the 2020 FinScope Survey carried out by FinMark Trust, a South African NGO, access to banking services – known as financial inclusion – in Zambia grew from 59.3 % to 69.4 % between 2015 and 2020.

This growth was mainly due to the spread of mobile money, according to Dr Francis Chipimo, the central bank’s deputy governor for operations.

Mobile money platforms are essentially online banks operated by one of Zambia’s mobile-phone network operators – Airtel, MTN or Zamtel. Subscribers can move money to, or receive money from, other subscribers who have digital money accounts on the same platform, using secure text messages. Customers can also pay bills online, using money they previously deposited into their digital accounts.

These online transactions are backed up by real-world network agents who take cash deposits from unbanked customers and credit the money to those customers’ accounts, to be used for future payments. Agents also pay out cash to unbanked recipients of online payments.

Zambia has more than 100,000 registered mobile-money agents providing these cash in/cash out services. “The mobile money solution has undoubtedly created jobs for people like me,” says Sara Chola, an agent based in Lusaka’s Kamwala market. “We depend on this sector for survival.”

While mobile money offers services to millions of unbanked people, the current system has a drawback: Transferring money to a user on a different platform from one’s own can be a challenge. “Lack of interoperability in Zambia is a barrier to mobile money and therefore to financial inclusion,” comments Financial Sector Deepening (FSD), a nonprofit organisation.

Indeed, Zambia has a long road ahead to full financial inclusion. According to Zambia’s National Financial Inclusion Strategy paper for 2017–2022, only about 60 % of Zambians have access to financial services, and nearly two-thirds of those who have access don’t use those services. This compares to financial inclusion rates of 72 % in Kenya and 43 % in Uganda.

Current users of Zambia’s mobile-money networks, however, seem satisfied. “For me, accessing my account by mobile phone is a good deal, much easier than it was before,” says Joe Mutemwa, a mobile-money account holder from Western Province.

“My mobile-money account helps me to grow my enterprise at lower cost, whereas a regular bank account has monthly charges,” says Thelma Chinyama, a Lusaka based entrepreneur.

Derrick Silimina is a freelance journalist based in Lusaka, Zambia.
derricksilimina@gmail.com
 

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16. Februar 2022

ONE - 16. Februar 2022 - 15:23
1. EU-AU Summit: “Gemeinsamer Raum der Stabilität”

Morgen und am Freitag findet in Brüssel der EU-Afrika-Gipfel statt, wie Daniel Pelz für die Deutsche Welle berichtet. Laut Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Union, sollen auf dem Gipfel konkrete Mittel und Wege aufgezeigt werden, wie “die Vision eines gemeinsamen Raums der Stabilität und des Wohlstands” erreicht werden kann. Dabei soll der Gipfel auch den Streit um die Bekämpfung der Corona-Pandemie lösen. Nach Angaben des Entwicklungsministeriums seien seit Beginn der internationalen Verteilung von Corona-Impfstoffen erst elf Prozent der Menschen in Afrika vollständig geimpft. Darüber berichtet die Welt und die Süddeutsche Zeitung und berufen sich dabei auf Zahlen der Entwicklungsorganisation ONE. In einem Gastbeitrag fordert Udo Bullmann, Koordinator für Entwicklungspolitik der sozialdemokratischen Fraktion im Europäischen Parlament, in der Frankfurter Rundschau eine Partnerschaft auf Augenhöhe zwischen den beiden Kontinenten. Im Rahmen eines neuen Finanzrahmens sollen 80 Milliarden Euro für Investitionen in Afrika bis 2027 zur Verfügung stehen. Dabei sollen vor allem nachhaltige Produktion und Dienstleistungen, Landwirtschaft, Industrie, erneuerbare Energien und die öffentliche Infrastruktur gefördert werden.

2. Mali: Baldiger Abzug der französischen Truppen erwartet

Heute wird Frankreichs Präsident Emmanuel Macron über den französischen Militäreinsatz in der Sahel-Zone mit Staats- und Regierungschefs mehrerer Partnerländer beraten. Dabei wird der Abzug der französischen Soldaten in Mali erwartet. Darüber berichten die Süddeutsche Zeitung und die Welt. Wenn nicht in Mali, werde Frankreich “nebenan” in der Region den Terrorismus bekämpfen, so Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian. Das Vorgehen Frankreichs dürfte Konsequenzen für die Einsätze der Bundeswehr in Mali haben. Denn die Militärregierung, die in Mali an der Macht sei, schränke zwischenzeitlich auch die Arbeit der Bundeswehr stark ein. Zuletzt wurde der Einsatz durch verwehrte Überflugrechte und willkürliche Beschränkungen von Drohnen- und Hubschraubern belastet, schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Nach Angaben der Verteidigungsministerin Christine Lambrecht habe sich dies inzwischen verbessert. Über die Verlängerung der beiden Bundeswehrmandate in Mali und Niger werde Ende Mai entschieden. Lambrecht sehe für eine Verlängerung die Durchführung baldiger Wahlen als notwendig.

3. 45 Millionen stehen vor Hungertod

Der Chef des Welternährungsprogramms (WFP) der Vereinten Nationen, David Beaseley, warnt, dass 45 Millionen Menschen in mehr als 40 Staaten aktuell akut von Hungersnot bedroht sind. Das thematisiert Paul-Anton Krüger in der Süddeutschen Zeitung. Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie habe die “schlimmste humanitäre Katastrophe seit dem Zweiten Weltkrieg” ausgelöst. Ausgehend von den Bedarfsanalysen des WFP sollen sie in diesem Jahr “vor einem Fehlbetrag von sechs Milliarden Dollar” stehen. Die wichtigsten Treiber von Hungersnot seien vor der Pandemie der Klimawandel und Konflikte. Dazu seien jetzt die extremen Versorgungsengpässe durch die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie gekommen. Betroffen seien vor allem die Staaten, die auf externe Finanzquellen wie Überweisungen durch im Ausland lebenden Bürgern oder Tourismus angewiesen seien.

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Sicherheit und neue Jobs für verfolgte Wissenschaftler

E+Z - 16. Februar 2022 - 15:05
Philipp Schwartz-Initiative hilft gefährdeten Forschenden nach Deutschland zu kommen

„Nach den Protesten beim Arabischen Frühling 2011 wurde die Lage in meiner Heimat zunehmend schwierig für Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen“, erinnert sich Ghanya Al-Naqeb. Die promovierte Lebensmittelchemikerin aus dem Jemen lehrte und forschte 2015 an der Universität Saana, als in ihrem Heimatland ein Mehrfrontenkrieg ausbrach. Plötzlich wurde jeder zum Feind, und an der Uni nahm die Schikane zu.

„Mitunter war ich am Arbeitsplatz völlig von Wasser und Elektrizität abgeschnitten. Außerdem erhielt ich zwei Jahre lang keinerlei Gehalt“, sagt sie. „Dann erlebte ich, wie an meiner Fakultät Wissenschaftler verschwanden. Ich hatte wirklich Angst vor dem, was mit mir geschehen könnte, ich fürchtete um mein Leben.“

Al-Naqeb gelang es, auf einer internationalen Konferenz in Washington auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Der emeritierte deutsche Mathematik-Professor Klaus Krickeberg wollte helfen und vermittelte die Jemenitin an Leane Lehmann, Professorin für Lebensmittelchemie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Lehmann war bereit zu helfen und bewarb sich als Mentorin gemeinsam mit Al-Naqeb um die Förderung durch die Philipp Schwartz-Initiative. „Dass es damals geklappt hat, war ein Geschenk – ein Segen Gottes für mich“, sagt Al-Naqeb.

Fördermittel für Hochschulen

Die Alexander von Humboldt-Stiftung vergibt seit 2016 mit der Philipp Schwartz-Initiative Fördermittel an Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Deutschland, die gefährdete Forschende für zwei Jahre aufnehmen. Im Rahmen einer Vollfinanzierung erhalten die gastgebenden Einrichtungen Mittel für ein Forschungsstipendium oder eine arbeitsvertragliche Anstellung. Die Humboldt-Stiftung selbst ermöglicht jährlich über 2000 Forscher aus aller Welt einen wissenschaftlichen Aufenthalt in Deutschland.

Die Initiative ist nach dem österreichischen Pathologen Philipp Schwartz benannt, der Professor in Frankfurt war. Er wurde nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 aufgrund seiner jüdischen Wurzeln fristlos aus dem Universitätsdienst entlassen. Schwartz floh in die Schweiz, wo er die Notgemeinschaft deutscher Wissenschaftler im Ausland gründete. Deren Ziel war es, verfolgten Forschenden Arbeitsplätze im Ausland zu vermitteln. Die Organisation half mehreren Hundert vertriebenen Forschenden.

In der Humboldt-Stiftung hatte man sich schon länger mit der Frage nach der Unterstützung verfolgter Forschender befasst – auch aufgrund der historischen Verantwortung Deutschlands. So bestanden Kontakte zu Förderorganisationen wie dem in New York ansässigen Institute of International Education’s Scholar Rescue Fund (IIE-SRF), dem internationalen Netzwerk Scholars at Risk Network (SAR) und zum britischen Council for Assisting Refugee Academics (CARA). Diese Organisationen wurden teilweise als Antwort auf politische Verfolgung im nationalsozialistischen Deutschland gegründet, haben aber ausgerechnet aus Deutschland noch immer keine substanzielle Unterstützung erfahren.

Neues Programm erarbeitet

Als 2015 Hundertausende Geflüchtete Deutschland erreichten, darunter auch viele Akademiker und Forschende, gelang es mit der Unterstützung des Auswärtigen Amtes innerhalb weniger Monate, ein komplettes Programm anzubieten. Im Juni 2015 verkündete der damalige deutsche Außenminister, Frank-Walter Steinmeier, die Gründung der Philipp Schwartz-Initiative auf der Jahrestagung der Humboldt-Stiftung in Berlin.

Mittlerweile sind in 10 Auswahlrunden 330 Fellows für eine Unterstützung durch die Initiative ausgesucht worden.

97 deutsche Hochschulen und Forschungseinrichtungen haben die Rolle der Gastgeberin übernommen. Ghanya Al-Naqeb musste vier Monate auf ihr Visum warten, bis sie über den Sudan ausreisen und in Würzburg 2017 ihre Arbeit fortsetzen konnte.

„Ich habe einen Deutschkurs besucht und parallel im Labor der Hochschule mit den Pflanzen weitergearbeitet, die ich aus dem Jemen mitgebracht habe“, erklärt sie. Die Sprachbarriere und die Arbeit in einem hoch entwickelten Labor seien eine Herausforderung gewesen. „Gleichzeitig wurde ich gut ins Team aufgenommen und war sehr dankbar für die Möglichkeit, meine eigene Forschung in Deutschland fortsetzen zu können.“

Entscheidend war, dass das Auswärtige Amt und der Deutsche Bundestag die Philipp Schwartz-Initiative im Herbst 2018 in ein dauerhaftes Programm umwandelten. Die Unterstützung im Parlament war parteiübergreifend. Damit war Deutschland zu einem zentralen Anwalt für gefährdete Forschende geworden und leistet nun den zuvor fehlenden nationalen Beitrag zur Unterstützung gefährdeter Forschender.

Berufliche Perspektive

Die Hoffnung, dass vielen Geförderten nach einigen Jahren eine Rückkehr in die Heimat möglich sein wird und sie dort zum Wiederaufbau beitragen könnten, erfüllte sich leider nicht. Deshalb vermittelt die Schwartz-Initiative nun auch dauerhafte Lösungen mit permanenten Arbeitsverträgen.

So haben mehr als 66 Prozent der ehemals Geförderten direkt im Anschluss eine Folgeanstellung gefunden. Die Lebensmittelchemikerin Ghanya Al-Naqeb konnte wegen des andauernden Bürgerkriegs nicht in ihre Heimat zurückkehren. Aber dank ­der Kontakte, die sie während ihrer Zeit in Deutschland knüpfte, war sie mit einer Bewerbung an der Universität Trient in Norditalien erfolgreich, wo sie heute noch forscht und lehrt.

Die Initiative hat auch international Aufmerksamkeit erregt. So hat beispielsweise das Collège de France nach dem Vorbild der Schwartz-Initiative ein eigenes Förderprogramm aufgelegt. Beide Programme sind nun an Inspireurope beteiligt, einem EU-Projekt, das zehn Einrichtungen aus neun europäischen Ländern miteinander verbindet, um gefährdete Forscher zu fördern.

Link
Philipp Schwartz-Initiative:
https://www.humboldt-foundation.de/bewerben/foerderprogramme/philipp-schwartz-initiative

Mareike Ilsemann ist Pressereferentin bei der Alexander von Humboldt-Stiftung.
Schwartz-Initiative@avh.de

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Hunderte Journalisten wegen ihrer Arbeit in Haft

E+Z - 16. Februar 2022 - 14:46
Laut Reporter ohne Grenzen sitzen mehr Medienschaffende als je zuvor aufgrund ihrer Arbeit im Gefängnis

Journalistinnen und Journalisten sind in vielen Ländern großen Gefahren ausgesetzt: Im vergangenen Jahr wurden 65 von ihnen entführt und 46 getötet. Zwei verschwanden spurlos. Insgesamt 488 Medienschaffende saßen zum Jahresende wegen ihrer Arbeit im Gefängnis. Diese Zahlen berichtet die Organisation Reporter ohne Grenzen (Reporters sans frontières – RSF) in ihrer Jahresbilanz der Pressefreiheit 2021.

RSF hat nach eigenen Angaben noch nie so viele inhaftierte Journalistinnen und Journalisten verzeichnet – rund 100 mehr als im Vorjahr. Der Anstieg ist laut RSF hauptsächlich auf drei Länder zurückzuführen: Myanmar, Belarus und China. In Myanmar putschte das Militär im Februar 2021 (siehe Beitrag von Katja Dombrowski auf www.dandc.eu). Die Zahl der inhaftierten Medienschaffenden stieg daraufhin deutlich an, auf insgesamt 53. Im Vorjahr waren es zwei. In Belarus führte die umstrittene Wiederwahl des Machthabers Alexander Lukaschenko zu Protesten. Dort sind es 32 Inhaftierte gegenüber sieben im Vorjahr.

In China hat die Kontrolle Pekings über Hongkong zugenommen, insbesondere mittels des 2020 verabschiedeten sogenannten Sicherheitsgesetzes. Mindestens zehn Medienleute seien in der Folge inhaftiert worden, so RSF. China ist auch das Land mit den meisten inhaftierten Journalistinnen und Journalisten überhaupt (127) in der Jahresbilanz der Pressefreiheit. Es folgen Myanmar (53), Vietnam (43), Belarus (32) und Saudi-Arabien (31).

Dem Bericht zufolge wurden 30 Medienschaffende wegen ihrer Arbeit vorsätzlich getötet, 16 weitere kamen in Ausübung ihrer Tätigkeit ums Leben. Die Gesamtzahl der Toten von 46 ist laut RSF die niedrigste seit fast zwei Jahrzehnten. Dies liege vor allem daran, dass sich die Lage in den Kriegsgebieten in Syrien, Irak und Jemen stabilisiere. Zu den vorsätzlich Getöteten zählen auch vier Frauen: die afghanischen Journalistinnen Shahnaz Roufi, Saadia Sadat und Mursal Vahidi kamen bei Anschlägen ums Leben, zu denen sich die Terrormiliz „Islamischer Staat“ bekannte. Die jemenitische Reporterin Rascha Abdallah al-Harazi wurde in der Stadt Aden mit einer Autobombe umgebracht.

Gefährliches Mexiko

Das Land mit den meisten getöteten Medienschaffenden ist allerdings kein Kriegsgebiet: Mexiko belegt diesen Platz im dritten Jahr in Folge, mit sieben Toten. In Gefahr seien insbesondere Lokaljournalisten, die über heikle Themen wie organisierte Kriminalität berichten, so RSF. „Da die Täter oft völlige Straffreiheit genießen und mutige politische Reformen seit Jahren ausbleiben, dreht sich die Spirale der Gewalt in Mexiko immer weiter“, heißt es im Report. Allein im Januar 2022 wurden in Mexiko vier weitere Medienleute umgebracht.

RSF führt in dem Bericht exemplarisch mehrere Fälle gravierender Verletzungen der Pressefreiheit und der Menschenrechte auf. Beispielsweise sitzt der schwedisch-eritreische Journalist Dawit Isaak gemeinsam mit seinen Kollegen Seyoum Tsehaye und Temesgen Gebreyesus seit mehr als 20 Jahren in Eritrea in Haft – unter menschenunwürdigen Bedingungen, wie RSF berichtet. Isaak habe nie seine Familie oder einen Anwalt sehen dürfen und sei in Isolationshaft gehalten worden.

In Vietnam hielten Behörden die Journalistin Pham Doan Trang mehr als ein Jahr lang ohne Kontakt zur Außenwelt fest, bevor sie wegen „Propaganda gegen den Staat“ zu neun Jahren Haft verurteilt wurde, wie RSF berichtet. Pham Doan Trang hatte 2019 den RSF-Press-Freedom-Award für besonders wirkungsvollen Journalismus gewonnen.

Die längste Haftstrafe unter allen Medienschaffenden – 175 Jahre – droht laut RSF dem bekannten Internetaktivisten Julian Assange. Er deckte auf der von ihm gegründeten Plattform Wikileaks US-Kriegsverbrechen auf. Die USA werfen ihm Spionage vor. Derzeit sitzt Assange in einem Hochsicherheitsgefängnis in London, seine mögliche Auslieferung an die USA beschäftigt die britischen Gerichte.

Link
Reporter ohne Grenzen: Jahresbilanz der Pressefreiheit 2021.
https://www.reporter-ohne-grenzen.de/jahresbilanz/2021

Jörg Döbereiner ist Redakteur von E+Z Entwicklung und Zusammenarbeit/D+C Development and Cooperation
euz.editor@dandc.eu

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E+Z/D+C 2022/03 – sw – Emmalyn Liwag Kotte – Philippinen – Rappler

E+Z - 16. Februar 2022 - 14:25
The independent website Rappler has become an indispensable source of information in the Philippines

Maria Ressa is a brave journalist who dares to speak truth to power. In December, Ressa was awarded the Nobel Peace Prize. Her news website, Rappler, has become famous internationally. The Nobel Committee chose her and Russian journalist Dmitry Muratov of Novaya Gazeta, appreciating that both have been promoting democracy by exercising the freedom of expression and not caving in to their government’s authoritarian tendencies.

Ressa is indeed used to facing adversity. “In less than two years, the Philippine government filed 10 arrest warrants against me. I’ve had to post bail 10 times just to do my job,” she says. At one point, she and a former colleague were convicted for cyber libel because of a story they published before that crime was even defined by law. “All told, the charges I face could send me to jail for about 100 years,” Ressa reckons.

International attention

Nonetheless, she considers herself lucky because international lawyers and human-rights groups help to protect her. One example is the #HoldTheLine Coalition – a global collective of 78 independent organisations. Ressa is aware that many harassed journalists do not get that kind of international attention, while “governments are doubling down with impunity.”

Ressa says that 22 journalists were murdered in the Philippines from June 2016, when right-wing populist Rodrigo Duterte became president with not quite 40 % of the vote, to December 2021, when her Nobel ceremony took place in Oslo. Reports of the National Union of Journalists of the Philippines (NUJP) show that all of them were killed in the provinces. Indeed, Duterte’s track record is drenched in blood (see box).

Duterte’s rise was hugely propelled by disinformation, with social media playing an important role. Ressa worries that extensive disinformation networks on social media are likely to affect the presidential elections in May as well (see Alan Robles on www.dandc.eu). The Rappler news website has published reports that show how digital platforms are being used to spread fake news and manipulate public opinion. In response, Facebook and Twitter have removed various fake accounts, but serious problems persist. Ressa’s rhetorical question is: “How can you have election integrity if you don’t have integrity of facts?”

Highly influential Facebook

Indeed, Ressa’s experience with Facebook is mixed. On the one hand, the Silicon Valley multinational has sometimes been a valuable partner, but on the other hand, it facilitates propaganda and lies.

More than 70 million people use Facebook in the Philippines. According to the Philippine Social Weather Survey, some 14 million adult individuals used this social-media platform as their daily source of news in the first quarter of 2019.

It was on Facebook that Rappler started as a community page named MovePH in 2011. It then evolved into a multimedia news website. Rappler’s Facebook presence greatly helped to increase its audience in the early years. Moreover, MovePH stayed useful in terms of citizen engagement and advocacy, encouraging people to become active in the protection of human rights, civil liberties and the environment.

However, there is a much darker side to Facebook. Social-media platforms helped Duterte to narrowly win the presidential elections in 2016. According to a study published by Oxford University, fake accounts served to flood social-media networks with fake news and inflate the number of likes and shares. The authors state that trolls were hired to spread propaganda and target Duterte’s opponents. As a result, Duterte appeared to be more popular than he actually was.

Of course, Duterte officials deny allegations of this kind. However, numerous reports reveal that well-organised and coordinated social-media campaigns helped Duterte win the presidency (see Alan Robles on www.dandc.eu). One of his campaign managers told Rappler that “influencers” with strong followings on social media worked for his team.

Truth tellers under attack

The internet trolling did not stop after Duterte became president. Among many others, Rappler and its staff were attacked. Patricia Evangelista, a Rappler reporter, recalls: “We were called ‘liars’ and ‘fake news’. Our license was put in jeopardy. Many advertisers disappeared.” Rappler staff were banned from the presidential palace, while she and other colleagues suffered harassment: “Because we are women, the threats included rape.” Things became especially bad whenever Rappler published long investigative stories, for example on extrajudicial killings.

Evangelista praises the attitude displayed by Ressa, her boss: “At great personal cost, she did not run, she did not hide, she did not compromise.” She encouraged her team in the pursuit of the truth.

To some extent, Facebook has woken up to the problems. Indeed, Rappler is now one of its partners in a third-party fact-checking programme. The goal is to prevent the spread of false news.

The Marcos family returns

The background is that Rappler, in 2019, published reports that exposed disinformation campaigns that were designed to improve the image of the Marcos family. Ferdinand Marcos was the dictator who died in exile after having been toppled by the People’s Power movement in 1986. His son Ferdinand “Bongbong” Marcos Jr. is currently running for president. Rappler revealed how social-media propaganda on platforms like Facebook and YouTube attempted to shore up the family’s reputation. Relevant posts systematically denied the massive corruption and brutal human-rights abuses that Marcos Sr. was responsible for.

In response to Rappler reporting, Facebook and Twitter removed accounts favouring the Marcoses. The pattern of online disinformation looked familiar. While the family denied any involvement, the support it enjoys in cyber space resembles pro-Duterte trolling. Observers have ample reason to assume that many of the same actors are involved. After all, Sara Duterte-Carpio, the daughter of the current head of state, is running for vice president.

Some fake accounts have been shut down, but it is easy to create new ones. Disinformation and propaganda have not stopped. In late January, another Rappler article revealed that Facebook pages and accounts were supporting both the Marcos family and the Duterte administration. It stated that false claims had been pushed “more aggressively” in the second half of 2021 and were “meant to undermine the credibility of media”.

Coalition against disinformation

To improve matters, Rappler has teamed up with partners such as the National Union of Journalists of the Philippines (NUJP). In late January, they launched #FactsFirstPH. The coalition includes more than 100 groups, including from the church, the legal profession, the media and civil society.

The goal is to help to restore election integrity by ensuring the integrity of facts. The instruments for doing so include fact checking, campaigning against false claims, raising awareness for factual truth and holding online liars legally accountable.

Legislators could support this effort. Ressa wants them to pass a law that would penalise companies that allow the spread of lies and disinformation on their platforms. She wants digital platforms to be classified as publishers who are accountable for the content of their websites.

Such rules would obviously make sense internationally. A big problem is that social-media platforms are not liable for user-generated content according to US law. As the most important corporations are based in the US, the impact in terms of disinformation has been harmful all over the world.

Emmalyn Liwag Kotte is a freelance journalist who lives in Germany.
emmalyn320@hotmail.com

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Duterte’s dreadful human-rights record

E+Z - 16. Februar 2022 - 14:02
Human-rights abuses and extrajudicial killings have become common in the Philippines

One victim was Zara Alvarez, a teacher, human-rights activist and community organiser who helped peasants and workers claim their rights in the Philippine island of Negros. The Philippine military accused her of being a member of the communist rebel group New People’s Army (NPA). She was accused of being a terrorist and was imprisoned for almost two years on trumped up murder charges. She was acquitted in March 2020 but was gunned down a few months later, at the age of 39. She had a long history of social activism and serious experience of repression even before Duterte came to power, as she told D+C in 2014.

Media workers suffer oppression too. One example is 23 year old Frenchie Mae Cumpio, who is in jail because of trumped up charges. She used to head a community news website and worked as a radio news anchor in Tacloban City. She was arrested together with four human-rights activists in the province of Leyte in February 2020. A fact-finding mission of the National Union of Journalists of the Philippines (NUJP) revealed that “the evidence against her was planted and the charges of illegal possession of firearms and explosives have no basis”.

Duterte’s deadly “war on drugs” was terrible from the start (see Alan Robles on www.dandc.eu in 2017). According to Human Rights Watch, it has claimed over 12,000 lives since he took office in 2016.

His authoritarian stance is evident in other ways too. A new “anti-terrorism law” was passed in 2020, giving the administration a new tool to further silence dissent. Its broad and vague definition of “terrorism” mean that criticism of government officials can be interpreted as inciting to terrorist acts. According to Phil Robertson of Human Rights Watch, the law opens the door “to arbitrary arrests and long prison sentences for people or representatives of organisations that have displeased the president”.

Emmalyn Liwag Kotte is a freelance journalist who lives in Germany.
emmalyn320@hotmail.com
 

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In Afghanistan helfen – trotz der Taliban

E+Z - 16. Februar 2022 - 11:16
Um die Bevölkerung in Afghanistan zu unterstützen, sollte die internationale Gemeinschaft die Entwicklungszusammenarbeit wieder aufnehmen

Seit der Machtübernahme der Taliban am 15. August 2021 ist Afghanistan isoliert: Dem Islamischen Emirat Afghanistan wurde die internationale Anerkennung verweigert. Sanktionen, die seit 1999 gegen die Taliban bestehen, sind auf die Interimsregierung übergegangen. Sie schaden allerdings dabei, die grundlegende Infrastruktur des Landes aufrechtzuerhalten, etwa in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Ernährung.

Die afghanische Wirtschaft liegt weiterhin am Boden. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung leidet unter akuter Ernährungsunsicherheit, auch aufgrund von Dürren (siehe Beitrag von Jörg Döbereiner auf www.dandc.eu). Internationale Organisationen können den Betrieb vor Ort nur unter größten Schwierigkeiten aufrechterhalten, denn die Sanktionen machen reguläre Geldtransfers nach Afghanistan unmöglich.

Entwicklungszusammenarbeit für Afghanistan wieder aufnehmen

Diese Situation verdeutlicht zwei wichtige Punkte. Erstens: Der Wiederaufbau der vergangenen 20 Jahre war wenig nachhaltig, auch weil er sich zu wenig an der afghanischen Bevölkerung ausrichtete. Zweitens: Die Sanktionen der internationalen Gemeinschaft wirken. Sie sollte diesen Druck nutzen, indem sie mit der Übergangsregierung klug kommuniziert. Trotz der diplomatischen Nicht-Anerkennung der Taliban sollte sie ihre humanitäre Hilfe ausweiten und Entwicklungszusammenarbeit leisten, um die Bevölkerung zu unterstützen.

Derzeit zeichnet sich dafür eine Strategie ab, in der multilaterale Hilfsfonds eine zentrale Rolle spielen. Sie umgehen staatliche Stellen, sodass Geld direkt an Organisationen der Vereinten Nationen (UNICEF, WFP, FAO) fließt sowie an zivilgesellschaftliche Organisationen, die vor Ort Entwicklungshilfe umsetzen. Langfristig muss aber das Ziel sein, die Sanktionen aufzuheben und ein breites Engagement von Hilfsorganisationen zu ermöglichen.

Auf pragmatische Taliban einwirken

Innerhalb der Taliban gibt es Konflikte zwischen pragmatischen Ansätzen und einer orthodox-ideologischen Haltung. Zentrale Aspekte wie die politische Verfasstheit des Landes oder die Rechtsprechung sind umstritten. Die Taliban zeigen bislang keine eindeutige Haltung zur Rolle der Frau im öffentlichen Raum und auch nicht zu möglichen Terroraktivitäten militanter islamistischer Gruppen auf dem Boden Afghanistans. Das eröffnet Chancen der Einflussnahme von außen – gerade jetzt. Die internationale Gemeinschaft sollte deshalb auf die pragmatischen Gruppierungen innerhalb der Taliban einwirken. Die erwähnten Hilfsfonds tragen allerdings dazu bei, Parallelstrukturen auszubilden und den mühevoll aufgebauten Verwaltungsapparat zu schwächen. Daher ist es sinnvoll, für die Grundversorgung der Bevölkerung staatliche Stellen einzubinden – zumindest informell.

Für eine erste Zusammenarbeit bietet sich das Schulwesen an. Die Taliban kündigten an, alle Schulen ab dem 22. März wieder zu öffnen, auch jene für Mädchen. Abgesehen von Meinungsunterschieden in Detailfragen wie Lehrplänen, ist ein Konsens mit der internationalen Gemeinschaft hier offenbar möglich. Diese sollte die Schulbildung finanziell unterstützen – nicht an Bedingungen geknüpft, sondern als vertrauensbildende Maßnahme, für vorerst ein Schuljahr. Über einen kurzfristigen Horizont, vor allem Gehälter für Lehrkräfte, eröffnet die Schulbildung auch die Möglichkeit, einen langfristigen Wiedereinstieg einzuleiten, etwa in Infrastruktur und Ausbildung von Lehrkräften.

Parallel dazu gilt es, einen informellen Austausch anzustoßen. Das Ziel: gemeinsame Interessen zu definieren, einschließlich der Achtung der Frauen- und Menschenrechte. Gelingt dies, könnten Maßnahmen im Gesundheitssektor und zur Ernährungssicherheit folgen.

Die internationale Gemeinschaft sollte jetzt gemeinsam mit Vertretern der Übergangsregierung einen solchen Fahrplan entwerfen. Dafür bedarf es eines Prozesses der Vertrauensbildung und der Schritte aufeinander zu. Eine schnelle Lösung ist nicht in Sicht.

Literatur
Schetter, C., und Mielke, K., 2022: Die Taliban. Geschichte, Politik, Ideologie. Beck Verlag, München. (Erscheint am 12. Mai.)

Conrad Schetter ist Direktor des BICC (Bonn International Centre for Conflict Studies).
schetter@bicc.de

Katja Mielke ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am BICC.
katja.mielke@bicc.de

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BOOM Holiday Camps 2022: Registration is Open!

SCP-Centre - 16. Februar 2022 - 9:31

After six successful camps in 2020 and 2021, our BOOM holiday camps invite teenagers and young adults again this year to explore future jobs in fields as diverse as ‘daily consumption and design’, ‘energy and mobility’, ‘building and living’ and ’food’. The registration for the 2022 BOOM camps is open – spread the word!

Our BOOM holiday camps offer the participants a unique opportunity to not only explore how the jobs of the future might look like but also discover their strengths in order to face the future with curiosity and enthusiasm. The participants have the chance to get insights into societal challenges, changing consumption trends as well as ways to more sustainable lifestyles.

In line with BOOM’s motto Every Job is Green, the participants will explore sustainability as a key opportunity to shape their personal and professional future.

Dates and topics:

10.04 – 15.04.2022  „Daily Consumption and Design“, Age 14-17, Edersee in Hessen

10.07. – 15.07.2022 „Energy and Mobility“, Age 14-17, Jugendakademie Walberberg in NRW

24.07. – 29.07.2022 „Food“, Age 17-24, Gut Alte Heide in NRW

28.08. – 02.09.2022 „Building and Living“, Age 14-17, Edersee in Hessen

Spread the word – the registration process is quick and easy via this online form! To find out more about the great experiences that our participants had last year, check out our summary of 2021!

To read more about past and future camps, have a look at BOOM website! To get inspired, watch our videos: BOOMThis is BOOM and Building of a Geodome!

BOOM is a joint project of the CSCP and its partners Provadis GmbH and Sportjugend Hessen e.V. and it is funded by the German Federal Ministry for the Environment, Nature Conservation, Nuclear Safety and Consumer Protection.

For further questions, please contact Marius Mertens.

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Kategorien: english, Ticker

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