Sie sind hier

Ticker

ONLINE EVENT | A UN treaty for decent work in global supply chains - Perspective of the trade unions

Global Policy Forum - 21. Oktober 2020 - 19:42

UN Photo/Jean-Marc Ferré

On the fringes of the 6th round of negotiations on a UN treaty on business and human rights, we want to discuss together with trade union representatives from Germany and Pakistan as well as representatives of the International Trade Union Confederation and the global industrial trade union federation IndustriALL why existing instruments fail and what elements the UN treaty must contain in order to achieve a real change towards a fairer global economy.

28 Oct 2020 / 13:30-15:00 pm (CEST) / Online
Register here
Kategorien: english, Ticker

VENRO informiert! Afrika und Europa – Civil Society Driving Change

SID Blog - 21. Oktober 2020 - 17:21
Liebe Leserinnen, lieber Leser,

VENRO informiert! Ausgabe Nr. 7/2020

 

Nr. 7 / 2020

THEMENSCHWERPUNKT

Afrika und Europa  – Civil Society Driving Change
 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

 

die hybride Konferenz „Civil Society Driving Change: Towards a New Quality of the Africa-Europe Partnership" fand am 16. Oktober mit über 500 Teilnehmer_innen von beiden Kontinenten statt. Zu den Gästen gehörten hier die Highlevelnamen.

 

Eine der Panelist_innen, Jane Nalunga aus Uganda, Direktorin des Southern and Eastern Africa Trade Information and Negotiations Institute (SEATINI), erläutert im Interview welche Ungleichgewichte sie in den afrikanisch-europäischen Beziehungen wahrnimmt und was ihr dennoch Hoffnung für die Zukunft macht. Im Vorfeld der Konferenz formulierten Jugendliche aus Afrika und Europa in einem Workshop ihre Forderungen an die Politik und hielten sie in Videostatements fest.

 

Die politische Zusammenarbeit zwischen der Afrikanischen und Europäischen Union kommt kaum voran, wie die Verschiebung des AU-EU-Gipfels auf 2021 zeigt. Für die Fertigstellung der AU-EU-Strategie fordert Dr. Bernd Bornhorst, Vorstandsvorsitzender von VENRO, eine systematische Einbeziehung und Mitwirkung zivilgesellschaftlicher Akteur_innen.

 

Wie Nichtregierungsorganisationen die Beziehungen zwischen Afrika und Europa einschätzen und welche Schwerpunkte sie sich in der Zusammenarbeit wünschen, verrät die aktuelle Umfrage „Africa-Europe Civil Society Survey" des Instituts für Demoskopie Allensbach.  

 

Herzliche Grüße,

 

Heike Spielmans
Geschäftsführerin

 

 

Rubriken dieses Newsletters

 

„Wir brauchen ein gemeinsames Verständnis für die Ursachen von Armut"

 

Die afrikanisch-europäischen Beziehungen sind vielschichtig und nicht frei von Spannungen. Jane Nalunga, die Direktorin des Southern and Eastern Africa Trade Information and Negotiations Institute (SEATINI) in Uganda, erläutert im Interview die Möglichkeiten für eine konstruktive und solidarische Zusammenarbeit auf Grundlage der Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030.

  Zum Interview (EN)

Allensbach-Umfrage: Engere Afrika-Europa-Beziehungen „sehr wichtig" 

 

Über 360 Vertreter_innen zivilgesellschaftlicher Organisationen aus Afrika und Europa nahmen an der Allensbach-Umfrage „Africa-Europe Civil Society Survey" teil. 97 Prozent der Befragten sehen eine engere Zusammenarbeit zwischen Afrika und Europa als „sehr wichtig" oder „wichtig" an. Doch mehr als zwei Drittel sind der Auffassung, dass die bisherige Zusammenarbeit „nicht gut" oder „überhaupt nicht" funktioniert.

  Zum Blogbeitrag

Civil Society Driving Change

 

Für eine neue Qualität der afrikanisch-europäischen Partnerschaft

 

Die Verschiebung des sechsten AU-EU-Gipfels, der für Oktober 2020 geplant war, ist ein weiterer Beleg für die halbherzigen politischen Beziehungen zwischen AU und EU. Es ist jetzt höchste Zeit, die Zivilgesellschaft in einen integrativen Prozess einzubinden, um eine faire und gleichberechtigte Partnerschaft zwischen Afrika und Europa aufzubauen, fordert Dr. Bernd Bornhorst, Vorstandsvorsitzender von VENRO.

  Zum Blogbeitrag

Für eine starke Jugendperspektive in der AU-EU-Partnerschaft!

 

Die junge Generation braucht mehr Mitsprache: Warum bei der Überarbeitung der AU-EU-Strategie die Anliegen der jungen Generation in den Mittelpunkt gestellt werden sollten, erklären die amtierenden UN-Jugenddelegierten für Nachhaltige Entwicklung für Deutschland, Felix Kaminski und Sophia Bachmann.

  Zum Blogbeitrag

African-European Youth Exchange: We demand action!

 

Jugendliche aus Afrika und Europa tauschten sich in einem Workshop in Bonn über ihre Erwartungen an eine faire Partnerschaft zwischen den beiden Kontinenten aus. Ihre Forderungen an die Politik haben sie in kurzen Videostatements festgehalten.

  Zu YouTube

Smart, aber fair: Wie Digitalisierung alle mitnehmen kann

 

Die Digitalisierung bietet vielfältige Chancen für die Verwirklichung der Ziele für nachhaltige Entwicklung. Zugleich treten aber auch die Risiken der Digitalisierung immer deutlicher zutage. Im diesjährigen machbar-Bericht beleuchten wir aus unterschiedlichen Perspektiven den Zusammenhang zwischen Nachhaltigkeit und Digitalisierung.

  Zum machbar-Bericht
  Zur Pressemitteilung
 

Einladung zur machbar-Konferenz

 

Auf der machbar-Konferenz „Smart, aber fair" vertiefen wir die Debatte über die Chancen und Risiken digitaler Instrumente für eine nachhaltige Entwicklung mit Gästen aus Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft. Zu der Konferenz am 1. Dezember 2020 laden wir Sie herzlich ein.

  Zum "Save the Date"

Die Agenda 2030 erfordert ein Umsteuern in allen Politikbereichen

 

Anlässlich des Forums Nachhaltigkeit auf Einladung des Bundeskanzleramts haben wir an die Bundesregierung appelliert, mehr Mut und Entschlossenheit bei der Überarbeitung der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie zu zeigen. Damit die Strategie Wirkung entfalten kann, muss sie für alle Ressorts verbindlich gelten.

  Zur Pressemitteilung

Globale Gesundheitsstrategie setzt wichtige Akzente

 

Nach mehr als zwei Jahren und vielfachen Verzögerungen hat das Bundeskabinett die ressortübergreifende Strategie Globale Gesundheit verabschiedet. Wir sehen darin einen wichtigen Schritt, um das Recht auf Gesundheit für alle durchzusetzen.

  Zur Pressemitteilung

Stellungnahme zum Bundeshaushalt 2021

 

Ende September hat der Bundestag die Verhandlungen über den Haushalt für 2021 aufgenommen. In vielen Punkten sehen wir Nachbesserungsbedarfe. Lesen Sie hierzu unsere Stellungnahme zum Haushaltsentwurf 2021 mit unseren sechs Kernforderungen.

  Zur Stellungnahme

Menschenrechte sind die Basis guter Entwicklungszusammenarbeit

 

Mit dem Reformkonzept BMZ 2030 will das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) die staatliche Entwicklungspolitik neu aufstellen. Wichtig für die Wirksamkeit des Konzepts wird sein, dass es sich an den Menschenrechten orientiert. Empfehlungen zur Ausgestaltung des Konzepts haben wir in einer Stellungnahme formuliert. 

  Zur Stellungnahme

Pauschale Maßnahmen sind keine Lösung für die Sorgfaltspflicht

 

Eine Studie zur Achtung von Menschenrechten entlang globaler Wertschöpfungsketten zeigt, dass bisherige Initiativen der Wirtschaft keine Umsetzung der menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht gewährleisten. Die Studie im Auftrag der Bundesregierung liefert wichtige Erkenntnisse, Teile der Empfehlungen sind jedoch kritisch zu bewerten.

  Zur Stellungnahme

75 Jahre Vereinte Nationen – Es braucht ein System, das die eigene Nationalität transzendiert

 

Von Dr. Luise Steinwachs

 

„The Future We Want, the UN We Need: Reaffirming our Collective Commitment to Multilateralism." Unter dem Motto der Vereinten Nationen zu ihrem 75. Jubiläum reflektiert die stellvertretende Vorstandsvorsitzende von VENRO, Dr. Luise Steinwachs, die Entwicklung und die Rolle der interstaatlichen Organisation in der globalen Politik.

  Zum Blogbeitrag

One Health – Der Ansatz für eine ganzheitliche Gesundheit

 

Von Laura Stranzl

 

Die Corona-Pandemie zeigt, wie eng unsere Gesundheit mit der unserer Umwelt verbunden und wie sehr dieses Verhältnis aus der Balance geraten ist. One Health ist ein Ansatz, der die Gesamtgesundheit des Ökosystems betrachtet und im Ergebnis die menschliche Gesundheit verbessern kann.

  Zum Blogbeitrag
13.11.2020, Marie-Schlei-Verein, Online
  8. Hamburger Ratschlag zur Umsetzung der UN-Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung  

Gemeinsam mit der Zivilgesellschaft will der Hamburger Ratschlag Forderungen mit Bezug zu nachhaltigem Konsum, öffentlicher Beschaffung und nachhaltiger Wirtschaftspolitik entwickeln. Interviews, Impulsvorträge und Diskussionen geben Einblicke in die Thematiken. In drei Arbeitsgruppen werden anschließend Forderungen zur Umsetzung erarbeitet

  Zur Veranstaltung
23.11.2020 - 02.12.2020, VENRO, Online
  Training of Trainers: People first impact method (P-FIM)  

P-FIM is a community engagement tool where communities lead in identifying important issues and activities in their lives. It builds transparency, shared learning and trust between all stakeholders, especially the community, local government and agencies. The training will involve interactive inputs, group work, participant-led discussions and offline exercises.

  Zur Veranstaltung
  26.11.2020, VENRO, Online
  Wirkungsorientierung bei Veranstaltungen der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit  

In diesem Online-Seminar möchten wir die Erkenntnisse der Studie für Kurzveranstaltungen zusammen mit Ihnen in die Arbeitspraxis übersetzen. In einer theoretischen Einführung werden die Rahmenbedingungen für wirkungsvolle Schulkampagnen und die zentralen Ergebnisse der Studie dazu erläutert. In einer anschließenden Praxisphase können Sie die Erkenntnisse der Studie in Kleingruppen auf Ihre eigenen Projekte anwenden.

  Zur Veranstaltung
 

MISEREOR sucht eine_n Campaigner_in (m/w/d) in Aachen.

 

Malteser International sucht eine_n Projektassistent_in (w/m/d) Asien.

 

Die Kindernothilfe sucht eine_n Mitarbeiter_in Empfang (w/m/d).

 

terre des hommes sucht eine Referatsleitung Programme (m/w/d).

 

CARE Deutschland sucht eine Assistenz des Vorstandes und Verwaltungsrates (d/m/w).

 

TERRE DES FEMMES sucht in Berlin eine_n Projektmitarbeiter_in (d/w/m) für das Schultheaterprojekt "Mein Herz gehört mir - Gegen Zwangsverheiratung und Frühehen".

  Alle Stellenangebote
  Besuchen Sie uns auf    

sekretariat@venro.org

www.venro.org

Tel.: 030 2639299-10

 

Über Venro

Impressum

Datenschutz

 

VENRO – Verband Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe

Stresemannstraße 72

10963 Berlin

 

Redaktion: Ian Mengel, Janna Völker

Fotos: Jane S. Nalunga/SEATINI: Ian Mengel;  UN Photo/Evan Schneider; Lancet One Health Commission

© 2020 VENRO

   

Rasant wachsende Armut

E+Z - 21. Oktober 2020 - 15:57
Weshalb die Weltbank im laufenden Jahr mit rasantem Anstieg der extremen Armut rechnet

Die Autoren schätzen, dass allein wegen der Coronavirus-Krise dieses Jahr 100 Millionen Menschen in extreme Armut fallen. Das ist eine rasante Zunahme, denn 2017 betrug die Gesamtzahl extrem Armer weltweit nicht ganz 690 Millionen. Sie war seit Langem rückläufig, wobei sich die Abnahme zuletzt verlangsamt hatte. Nun hat sich der Trend aber umgekehrt, was selbstverständlich auch Folgen für die Ernährungssicherheit hat.

Die Klimakrise verschärft die Not, denn den Schätzungen zufolge werden im Laufe dieses Jahrzehnts bis zu weiteren 132 Millionen Menschen extreme Armut erleiden. Auch Gewaltkonflikte verursachen neue Not, wobei sich die Auswirkungen der drei Grundprobleme laut Weltbank-Bericht wechselseitig verschärfen.

Die Armen seien weiterhin überwiegend jung, lebten im ländlichen Raum und hätten keine gute Ausbildung, schreiben die Autoren. Allerdings gebe es auch „neue Arme“ in Ballungsräumen, die von Beschäftigung im informellen Sektor, auf Baustellen und in Fabriken abhingen.

Der Alarm ist unmissverständlich und beruht auf detaillierten globalen Statistiken. Leider sind die vorgeschlagenen Gegenrezepte weniger überzeugend. Die Behauptung, Erfolg hänge von kompetenter und fokussierter politischer Führung ab, fällt nicht schwer. Gute Regierungsführung durchzusetzen ist aber alles andere als trivial. Der wichtigen Frage, weshalb viele Spitzenpolitiker keinen großen Wert auf Rechenschaftspflicht legen, geht der Bericht nicht nach. Aus diplomatischen Gründen scheut sich die Weltbank grundsätzlich davor, explizit politische Dinge zu diskutieren.

Andererseits neigt sie seit Langem dazu, möglichst viel den Marktkräften zu überlassen. Entsprechend heißt es in der aktuellen Publikation, bedürftige Gruppen müssten identifiziert werden und dann gezielte Hilfe bekommen. Dieser Ansatz ist dreifach problematisch:

  • Er erfordert einen hohen Verwaltungsaufwand,
  • verwendet Finanzmittel für die Ausgrenzung unzureichend bedürftiger Menschen und
  • sorgt bei diesen für Verärgerung.

Es ist teurer, aber politisch viel weniger konfliktträchtig, basale Sicherungssysteme zu schaffen, die tendenziell allen einen gewissen Schutz bieten. Nationbuilding profitiert davon auch (siehe meinen Beitrag im Monitor von E+Z/D+C e-Paper 2019/11).

Der Report ist nicht leicht zu lesen. Die Weltbank entwickelt einen eigenen Fachjargon und ihr technokratischer Stil verschleiert politische Spannungen. Beides ist in einer multilateralen Institution sicherlich ein Stück weit unvermeidbar. Klarere Botschaften würden aber der weltweiten Öffentlichkeit helfen, die Zusammenhänge zu verstehen – und sie würden mehr Druck in Richtung gute Regierungsführung erzeugen.

Link
World Bank, 2020
: Reversals of fortune. Poverty and Shared Prosperity Report 2020.
https://www.worldbank.org/en/publication/poverty-and-shared-prosperity

Kategorien: Ticker

Gewerkschafterin: Lieferkettengesetze können die Unternehmenskultur verändern

EurActiv - 21. Oktober 2020 - 14:45
Die Initiative für eine bessere Überprüfung und Sorgfaltspflicht in den Lieferketten findet zunehmend Unterstützung. Europäische Gewerkschaften betonen vor allem, dass sich die positiven Effekte derartiger Gesetze aber nicht nur auf die Arbeitnehmer am Anfang der Wertschöpfungskette beschränken dürfen.
Kategorien: Ticker

Wenn die Nieren versagen

INKOTA - 21. Oktober 2020 - 13:48
In El Salvador verursachen Pestizide vor allem in den Zuckerrohranbaugebieten schwere Krankheiten und viele Todesfälle Von Gloria Silvia Orellana Knapp zehntausend Menschen sind im zentralamerikanischen El Salvador in den vergangenen zehn Jahren an chronischer Niereninsuffizienz gestorben. Die Todesfälle hängen direkt mit der Ausweitung der Anbaufläche für Zuckerrohr zusammen, das Arbeiter*innen häufig ohne Schutzkleidung mit Pestiziden besprühen. Die Ermattung in Oscar Grande López‘ Stimme ist unüberhörbar. Und dies obwohl er kaum älter als dreißig Jahre ist. Von diesen hat ihm die chronische Niereninsuffizienz acht entrissen. Schon seit fünf Jahren ist er arbeitslos und kommt kaum noch aus seinem Haus im Weiler La Sambunbera im Landkreis San Luis Talpa in der Provinz La Paz, El Salvador. „Meine Nierenkrankheit haben sie im Jahr 2012 erkannt. Ich war knapp 25 Jahre alt, als ich große Schmerzen im Steißbein bekam und regelmäßig zur Untersuchung in den lokalen Gesundheitsposten musste“, erzählt Oscar Grande. Doch schon im Dezember 2015 wurde es so schlimm, dass er eine Dialyse benötigte. „Seitdem muss ich zwei Mal pro Woche ins Rosales-Krankenhaus nach San Salvador, wo ich jeden Montag und Donnerstag eine Dialyse bekomme.“ Jetzt den Südlink 193 "Gefährliche Pestizide: Für eine Landwirtschaft ohne Agrargifte" bestellen Der kleine Landkreis San Luis Talpa liegt gut siebzig Kilometer von der Hauptstadt San Salvador entfernt und ist traditionell vor allem durch Landwirtschaft und Viehzucht geprägt. Im vergangenen Jahrzehnt hat der Zuckerrohranbau enorm an Bedeutung gewonnen. In El Salvador mit seinen gut 21.000 Quadratkilometern Fläche und etwa 6,5 Millionen Einwohner*innen gibt es auf dem Land viel zu wenige Arbeitsplätze. Die männlichen Jugendlichen und Erwachsenen arbeiten häufig als Hilfsarbeiter oder Tagelöhner in der Landwirtschaft. Häufig „im Zuckerrohr“, wo sie für die Aussaat, das Besprühen der Pflanzen mit Pestiziden und die Ernte zuständig sind. In den letzten Jahren ist die Anbaufläche stetig angewachsen, im vergangenen Jahr lag sie bereits bei etwa 120.000 Manzana (84.000 Hektar; Anm. der Red.), wobei auf nur gut 100 Unternehmen mehr als 40 Prozent des Zuckerrohrs entfallen. Noch stärker ist die Konzentration bei der Verarbeitung: Nur sechs Raffinerien kontrollieren den gesamten Markt, allein ein Drittel davon die  „Central Izalco“ der Familie Regalado. Oscar Grande gehört zu einer von zehntausenden Familien auf dem Land, die in prekären Verhältnissen leben und sich mit informellen Jobs durchschlagen. Der Lohn für einen ganzen Arbeitstag liegt bei nur fünf US-Dollar (umgerechnet etwa 4,30 Euro; Anm. der Red.), ohne Gesundheitsversorgung und ohne die Möglichkeit, in eine Rentenkasse einzuzahlen. Pestizide verursachen Niereninsuffizienz „Meine Krankheit kommt von den Pestiziden, die ich versprüht habe. Das tat ich, weil wir so arm sind, und weil ich ein wenig mehr verdienen wollte, habe ich sehr lange gearbeitet“, berichtet Oscar Grande. Täglich versprühte er auf sieben Hektar zehn Ladungen giftiger Pestizide aus einem Tank am Rücken, bis er eines Tages krank wurde: „Beinahe wäre ich gestorben. Zuerst bekam ich eine Bauchfelldialyse, aber dann hat sich der Katheter entzündet und ich musste operiert werden. Danach haben sie mit der Dialyse begonnen.“ Die „nicht-traditionelle chronische Nierenkrankheit“, wie sie in El Salvador genannt wird, ist für Oscar Grande eine höchst leidvolle Krankheit mit ungewissem Ausgang. Nicht nur aufgrund seiner Abhängigkeit von Medikamenten und der regelmäßigen Dialyse, sondern auch weil sie im Lauf der Jahre seine Familie zerstört hat. „Im Juni kam mein Vater ins Rosales-Krankenhaus und bekam eine Bauchfelldialyse. Nach zwei Durchgängen gab es Komplikationen und nach 19 Tagen im Krankenhaus war er tot. 2012 starb bereits mein Bruder Medardo an der Krankheit. Und meinem anderen Bruder Juan Francisco geht es genau wie mir, auch er hat die chronische Nierenkrankheit“, sagt Grande. Durch die Covid-19-Pandemie hat sich die Lage für ihn und viele andere, die auf Dialyse angewiesen sind, noch weiter verschlechtert. Die Krankenhäuser haben weniger Kapazitäten für all jene, die an chronischen Erkrankungen leiden. Lebenswichtige Medikamente wurden knapp und zeitweise fuhren auch keine Busse mehr in die Hauptstadt. Wie in ganz Lateinamerika hat auch in El Salvador die Armut binnen Kurzem enorm zugelegt. Vor allem auf dem Land verschlechterte sich die Ernährungssicherheit deutlich. Gut geht es hingegen den Besitzern der großen Zuckerrohrplantagen. Während kleine Landwirt*innen wegen des landesweit verhängten Notstands große Schwierigkeiten mit der Aussaat hatten, bereiten sich die Plantagenbesitzer auf eine gute Ernte vor, wie aus Daten der „Zuckervereinigung El Salvadors (Asociación Azucarera de El Salvador, AAES) hervorgeht. Um 15 Prozent soll die nächste Ernte im Vergleich zum Vorjahr auf 17 Millionen Quintales (über 830.000 Tonnen; Anm. der Redaktion) steigen“, so Julio Arroyo, geschäftsführender Direktor der AAES. Die chronische Niereninsuffizienz hat in den letzten zwanzig Jahren in ganz Zentralamerika immer schlimmere Ausmaße angenommen. In El Salvador wurde die Krankheit von der von 2009 bis 2019 regierenden FMLN (Nationale Befreiungsfront Farabundo Martí) zu einem Thema des Gesundheitswesens, wie Eduardo Espinoza, damals Vizegesundheitsminister, erläutert. Verschiedenen Studien wurden erstellt und 2014/2015 in einer landesweiten Befragung Daten zu mehreren weit verbreiteten chronischen Krankheiten gesammelt.

Zehntausenden sind in El Salvador an chronischer Niereninsuffizienz erkrankt. Die Behandlung der Patient*innen hat sich zu einem lukrativen Geschäft entwickelt. Private Kliniken bieten auch Dialyse und Nierentransplantationen an. Foto: Michael Krämer

Demnach befanden sich nach Angaben des Gesundheitsministeriums mehr als 450.000 Menschen in El Salvador in einer der fünf Etappen der chronischen Niereninsuffizienz. Bei dieser Krankheit verlieren die Nieren nach und nach ihre Fähigkeit, das Blut zu filtern. Allein 26.000 Menschen befanden sich in Etappe fünf und waren auf eine Dialyse angewiesen. Im Jahr 2017 war El Salvador prozentual das Land mit den höchsten Zahlen an Dialysen und Nierentransplantationen in Zentralamerika, erklärt Eduardo Espinoza.
Um herauszufinden, wo die hohen Krankheitszahlen herkamen, führte die FMLN-Regierung in den Jahren 2010 bis 2012 eine große Studie mit 1.306 Familien aus den am stärksten betroffenen Regionen des Landes durch. Das kubanisch-salvadorianische Team fand unter anderem heraus, dass die Erkrankung in den meisten Fällen nicht auf die traditionellen Ursachen oder Vorerkrankungen zurückzuführen war. „Deshalb auch die Bezeichnung nicht-traditionelle chronische Nierenkrankheit. Nach und nach konnten wir alle wahrscheinlichen Ursachen ausschließen, bis alles darauf hindeutete, dass die Ursachen in Pestiziden und anderen Agrargiften zu suchen sind“, so Eduardo Espinoza. Innerhalb weniger Jahre verdoppelte das Gesundheitsministerium die Dialysekapazitäten in den Krankenhäusern des Landes. Von Beginn an standen starke wirtschaftliche Interessen einer angemessenen Strategie im Umgang mit der nicht-traditionellen chronischen Nierenkrankheit entgegen. Vor allem die Zuckeranbauer, die Unternehmen, welche mit Agrargiften handelten, und die Hersteller der Agrargifte stellten sich quer. „Schätzungsweise neun Millionen Menschen weltweit haben keinen Zugang zu den nötigen Therapien bei chronischer Niereninsuffizienz. Und Jahr für Jahr sind zwischen 11 und 15 Prozent zusätzlich von der Pandemie betroffen“, sagt Eduardo Espinoza. Auch für El Salvador sind die Zahlen verheerend. Nach Daten des Gesundheitsministeriums und der Sozialversicherung sind in den letzten zehn Jahren 9.900 Menschen an chronischer Niereninsuffizienz gestorben. Da sehr viele derer, die erkranken, aus sehr armen Verhältnissen stammen und nur eine geringe Schulbildung haben, können sie die Symptome nicht einordnen – so wird ihre Erkrankung häufig erst in einem zu späten Stadium festgestellt. Die Zahl der chronischen Nierenerkrankungen ist dort am höchsten, wo die großen Zuckerrohranbaugebiete sind. Es mangelt an Schutzkleidung Diesen engen Zusammenhang der Zunahme der chronischen Niereninsuffizienz und der Ausweitung der Anbaufläche für Zuckerrohr in El Salvador sehen auch verschiedene Nichtregierungsorganisationen, die das Verbot gefährlicher Agrargifte fordern. „Eigentlich gibt es in El Salvador Gesetze, welche die Anwendung verschiedener Agrargifte verbieten, doch sie werden nicht angewandt“, erklärt Luis González von der Umweltorganisation UNES. „Manche Agrargifte dürften eigentlich nur mit Spezialkleidung ausgebracht werden, wie wir sie jetzt in Zeiten der Coronapandemie beim medizinischen Personal in den Krankenhäusern sehen. Doch auf dem Land hat niemand solche Schutzanzüge.“ Das Landwirtschaftsministerium El Salvadors hat schon vor einigen Jahren den Einsatz einer ganzen Reihe von Agrargiften verboten. Doch weiterhin sind im Agrarhandel einige der giftigsten zu finden, die auch „das dreckige Dutzend“ genannt werden, darunter Glyphosat und Paraquat.

Jedes Jahr wird die Anbaufläche größer. Zuckerrohr in El Salvador bedeutet gute Gewinne für einige und Krankheit für Zehntausende.

„2013 hatten wir bereits einmal eine Mehrheit im Parlament für ein Verbot von 54 Pestiziden erreicht. Doch der damalige Präsident Mauricio Funes legte ein Veto dagegen ein“, erinnert sich Luis González. Vor etwa drei Jahren begann eine ganze Reihe von Organisationen, die im „Runden Tisch für Ernährungssouveränität“ zusammenarbeiten, eine neue Kampagne für das Verbot gefährlicher Pestizide. „Wir luden Wissenschaftler*innen aus anderen Ländern ein, die in der Kommission für Umweltschutz und Klimawandel des Parlaments über die Gefährlichkeit der Agrargifte informierten“, erzählt González. „Auch mit der Gesundheitsministerin und dem Landwirtschaftsminister gab es Treffen, die sich beide sehr interessiert zeigten. Was folgte, war eine starke Kampagne des Verbands der Zuckerrohrindustrie, die behauptete, dass mit so einem Verbot die Landwirtschaft zusammenbrechen würde und viele Arbeitsplätze verloren gingen.“ Dabei veröffentlichte auch die staatliche Ombudsstelle für Menschenrechte PDDH einen Bericht über den Zusammenhang von Agrargiften und Chronischer Niereninsuffizienz. „Für UNES und den Runden Tisch für Ernährungssouveränität, bei dem wir aktiv sind, ist das Thema Agrargifte in der aktuellen Konjunktur noch wichtiger geworden: In Zeiten von Covid-19 ist sauberes Wasser für die Hygiene und als Trinkwasser von besonderer Bedeutung. In vielen ländlichen Gemeinden ist das Wasser jedoch stark durch Agrargifte verunreinigt. Das darf nicht so bleiben. Auch deshalb haben wir den Kampf gegen die hochgefährlichen Pestizide nun wieder aufgenommen.“ Beim Zuckerrohr sind dies vor allem Paraquat und Glyphosat. Letzteres wird in großen Mengen aus Flugzeugen versprüht. Der Wind trägt das Agrargift auch in die direkt an die Zuckerrohrfelder grenzenden Gemeinden und kontaminiert dort das Grundwasser. Auch deshalb erkranken in den Anbauregionen nicht nur Männer, die auf den Zuckerrohrplantagen arbeiten, sondern auch viele Frauen und alte Menschen. Aus dem Spanischen von Michael Krämer. Gloria Silvia Orellana ist Journalistin bei der salvadorianischen Tageszeitung „Diario Co Latino“. Jetzt weitere Artikel aus dem Südlink lesen Jetzt Südlink 193 "Gefährliche Pestizide: Für eine Landwirtschaft ohne Agrargifte" bestellen Jetzt den Südlink abonnieren
Kategorien: Ticker

Online-Workshop: Wie weiter mit der Rohstoffwende?

INKOTA - 21. Oktober 2020 - 11:19
  • Was? Online-Workshop „Wie weiter mit der Rohstoffwende?“ für ein Fachpublikum, Bildungsmultiplikator*innen und Engagierte aus der Umwelt- und Klimabewegung
  • Wann? Dienstag, 10. November, 13.30-16.00 Uhr und Mittwoch, 11. November, 10.00-16.00 Uhr
  • Wo? Zoom, also von überall
Der Abbau metallischer Rohstoffe steht in Zusammenhang mit Menschrechtsverletzungen, verursacht unmittelbare Umweltschäden und trägt zum globalen Klimawandel bei. Ohne politisches Handeln wird sich die jährliche metallische Rohstoffförderung bis 2060 mehr als verdoppeln, so das Szenario des OECD Material Ressource Outlook von 2019. Führende Entwicklungs- und Umweltorganisationen fordern eine Rohstoffwende für Deutschland, denn die Bundesrepublik zählt weltweit zu den fünf größten Verbraucherinnen metallischer Rohstoffe. Eine Rohstoffwende bedeutet: Deutschland muss seinen Metallverbrauch absolut reduzieren. Aktuell mangelt es jedoch an politischen Zielen und Strategien. In dem Workshop werden wir das Themenfeld Rohstoffwende aus unterschiedlichen Fachperspektiven beleuchten. Dabei werden Potentiale, Herausforderungen und Hebel für eine Rohstoffwende am Beispiel der Sektoren Bauen und Wohnen, Digitalisierung und Energiewende identifiziert. Ziel ist die Entwicklung einer kohärenten Vision einer Rohstoffwende. Der Workshop unterteilt sich in drei Themenblöcke und richtet sich an ein interessiertes Fachpublikum, Engagierte aus der Umwelt- und Klimabewegung und Bildungsmultiplikator*innen. Der Workshop ist eine Veranstaltung des AK-Rohstoffe und wird organisiert von: BUND, Germanwatch, INKOTA und PowerShift. Dienstag, 10.11.2020, 13.30-16.00 Uhr, online
Bau- und Wohnwende: Hebel für die Rohstoffwende?
Referent*innen:
Ulrich Wischnath (Bauwende e.V.)
Margarete Over (Ifeu)
Birte Ewers (Wohnprojekt Konvisionär) Bitte hier anmelden Mittwoch, 11.11.2020, 10.00-12.30 Uhr, online
Rohstoffwende und Digitalisierung gemeinsam denken!
Referent*innen:
Stefan Ramesohl (Wuppertal Institut)
Eva Kern (Umweltcampus Birkenfeld), angefragt
Kerstin Fritzsche (IZT) Bitte hier anmelden Mittwoch, 11.11.2020, 13.30-16.00 Uhr, online
Wie Energie- und Rohstoffwende besser verzahnen?
Referenten:
Jens Günther (UBA)
Benjamin Best (Wuppertal Institut) Bitte hier anmelden Weitere Informationen: Erfahren Sie mehr zum Thema Ressourcengerechtigkeit Zum Argumentarium „12 Argumente für eine Rohstoffwende“
Kategorien: Ticker

21. Oktober 2020

ONE - 21. Oktober 2020 - 9:47

1. Geberkonferenz für die Sahelregion
Bei einer internationalen Geberkonferenz kamen insgesamt rund 1,4 Milliarden Euro für die Länder der Sahelzonbe zusammen, wie unter anderem Tagesschau.de, das ZDF, die Süddeutsche Zeitung, das Redaktionsnetzwerk Deutschland, die Tageszeitung (Taz) und die Frankfurter Rundschau melden. Außenminister Heiko Maas sagte vonseiten Deutschlands 100 Millionen Euro für dieses und „die darauf folgenden Jahre“ zu. In der Region seien trotz internationaler Bemühungen 16 Millionen Menschen vom Hunger bedroht. UN-Nothilfekoordinator Mark Lowcock betonte, dass ihm keine Region auf der Welt „so große Sorge“ bereite wie die Sahelzone. Neben den Folgen des Klimawandels führe die politische Instabilität dazu, dass Kriminalität, insbesondere Drogen-, Waffen- und Menschenschmuggel floriere. Dänemarks Außenminister sprach sich für eine gezielte Förderung von Frauen und Mädchen aus. Neben einer koordinierten Unterstützung bei der Entwicklungszusammenarbeit seien mehr Anstrengungen bei der Friedenssicherung notwendig, so Maas.

 2. Guinea: Opposition vor Wahlsieg?
Wie unter anderem Zeit Online, die Tageszeitung (Taz) und die Deutsche Welle melden, erklärt sich Oppositionsführer Cellou Dalein Diallo zum Sieger der Präsidentschaftswahlen in Guinea – noch vor Bekanntgabe des offiziellen Endergebnisses. In der Folge sei es zu Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Anhänger*innen des 68-Jährigen gekommen. Amtsinhaber Alpha Condé (82) hatte sich auf eine dritte Amtszeit beworben. Zuvor hatte er per Referendum eine Verfassungsreform durchgesetzt, die eine Amtsübergabe nach spätetestens zwei Legislaturperioden nicht mehr zwingend vorsieht. Am 24. November werde es eine Stichwahl geben, wenn kein Kandidat mehr als die Hälfte aller abgegebenen Stimmen auf sich vereinigen kann.

3. Neuanfang für US-Sudan-Beziehungen?
In einem Meinungsbeitrag in der Süddeutsche Zeitung thematisiert Anna Reuß die aktuelle US-Politik gegenüber dem Sudan, das sich nach dem Sturz von Diktator Omar al-Bashir in einer Phase des Umbruchs befindet. Die Inflation vor Ort nehme Überhand, „Lebensmittelpreise steigen täglich“. Ohne Unterstützung von außen könne sich der Sudan nicht aus seiner Krise lösen. Die USA listen das Land am Nil seit 27 Jahren als staatlichen Terrorismusförderer. Dadurch seien sowohl ausländische Investitionen blockiert als auch Unterstützung durch den Internationalen Währungsfonds oder die Weltbank. Die junge Demokratie Sudans sei „fragil“. Für den Reformer Abdolla Hamdoch, der die Übergangsregierung aus Militärs und Zivilist*innen anführe, wäre eine Streichung von der Terrorliste von immenser politischer Bedeutung. Als Gegenleistung für die Streichung solle das Land Schadensersatz an die Opfer der Terrororganisation al-Qaida in Höhe von 335 Millionen US-Dollar zahlen. Zudem verlange Washington die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu Israel. Die USA sollten jedoch auch zu Zugeständnissen gegenüber Sudan bereit sein, fordert Reuss. Dies sei im Interesse der USA. Andernfalls könne sich das Land aus Mangel an Alternativen China zuwenden.

The post 21. Oktober 2020 appeared first on ONE.

Kategorien: Ticker

Startschuss für die neue globale Gesundheitsstrategie Deutschlands

SWP - 21. Oktober 2020 - 0:20

Gepriesen von den Regierungsfraktionen als ambitioniert, kritisiert von der Opposition als Tropfen auf dem heißen Stein: Am 7. Oktober hat das Bundeskabinett unter Federführung des Bundesgesundheitsministeriums seine neue globale Gesundheitsstrategie verabschiedet. Diese hat sich im Vergleich zu ihrer Vorgängerin aus dem Jahr 2013 mit dem Titel »Verantwortung – Innovation – Partnerschaft: Globale Gesundheit gemeinsam gestalten« in entscheidenden Punkten weiterentwickelt. Neue Themenbereiche wie der Zusammenhang zwischen Klima und Gesundheit wurden aufgenommen; die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt wird durch den One-Health-Ansatz verknüpft; Arbeitsschutz wird zum ersten Mal als Thema für den Gesundheitsschutz betrachtet – und Koordinierungsmechanismen zwischen den für globale Gesundheit zuständigen Ressorts wurden erweitert. Doch fehlt es in dem Regierungsdokument an politischer Vorausschau.

In Deutschland haben Wissenschaft und Zivilgesellschaft lange auf die Aktualisierung der Strategie gewartet. Und auch international steigen die Erwartungen an Deutschland. Denn zentrale Akteure haben sich weitgehend aus der internationalen Gesundheitspolitik verabschiedet. Die USA treten aus der WHO aus und das Engagement Großbritanniens für globale Gesundheitsthemen lässt im Zuge der Brexit-Debatte und des Covid-19-Ausbruchs im eigenen Land immer mehr nach.

Warum Deutschland eine visionäre Strategie braucht

Die vorgelegte globale Gesundheitsstrategie fußt auf der werteorientierten und multilateralen Außenpolitik Deutschlands, wodurch sie ein solides Fundament hat. Die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen, Partnerschaften insbesondere mit der WHO und afrikanischen Ländern sowie eine menschrechtsbezogene globale Gesundheitspolitik werden als Rahmen für gesundheitspolitisches Handeln bestimmt. Der neuen Strategie zufolge sollen Gesundheitssysteme global gestärkt, die Forschung für globale Gesundheit ausgebaut und Herausforderungen wie Covid-19 begegnet werden. Allerdings wirkt sie dabei wie eine Bestandsaufnahme. Die Aussagen bleiben an vielen Stellen unkonkret und wenig zukunftsorientiert.

Doch um die globale Gesundheitslandschaft weiterzuentwickeln, ist eine zukunftsgerichtete Umsetzung der Strategie erforderlich. Eine solche gesundheitspolitische Zielsetzung würde Deutschland ein klares internationales Profil verleihen und die vielfältigen Gesundheitsthemen leichter bündeln und ausrichten lassen. Aus einer klaren Zielrichtung lassen sich letztlich besser konkrete Handlungsanweisungen ableiten, was wiederum zur Verbindlichkeit und Überprüfbarkeit der Strategie beiträgt. Der Bundestag kann bei einem Mechanismus zur Überprüfung der Strategie federführend sein. Der Unterausschuss für globale Gesundheit im Bundestag könnte die Durchführung der Strategie begleiten und den Fortschritt jährlich prüfen.

Für eine Umsetzung der globalen Gesundheitsstrategie mit Vorausschau

Der Gesundheitsstrategie der Bundesregierung ließe sich durch die folgenden drei Elemente eine Zukunftsorientierung geben: Durch eine übergreifende Zielsetzung, durch Perspektiven für die künftigen Rollenbilder und durch die Weiterführung aktueller Impulse. Deutschland zeichnet im internationalen Vergleich aus, dass es sich global für die Stärkung von Gesundheitssystemen einsetzt und nicht – wie die USA – einen Fokus nur auf die Eindämmung von Infektionskrankheiten wie Covid-19 legt. Daher sollte das übergeordnete Ziel in der Umsetzung der Strategie sein, künftigen Krisen durch resiliente Gesundheitssysteme zuvorzukommen. Damit würde Deutschland zukünftige Ereignisse bereits heute berücksichtigen und hätte so die Möglichkeit, über herkömmliche Gesundheitskrisen wie Pandemien hinauszudenken. Kommende Herausforderungen wie globale Krisen der mentalen Gesundheit mit einer steigenden Bedeutung von Depression oder Traumata, ein weltweiter Mangel an Gesundheitsfachkräften mit schwerwiegenden Folgen für die Regelversorgung oder Konflikte in der globalen Gesundheitswirtschaft, bei denen Patentschutz für Heilmittel und die Diversifizierung von Lieferketten zur Diskussion stehen, können so bereits jetzt in der Umsetzung der Strategie mitberücksichtigt werden.

Wo will und sollte Deutschland, die EU oder die WHO in zehn Jahren sein? Auf solche Fragen kann Deutschland in der Umsetzung seiner Strategie Antworten finden, damit Anregungen geben und international Akzente setzen. Denn hieraus ergeben sich konkrete Vorschläge, um die internationale Gesundheitsordnung zu gestalten. Deutschland könnte sich in der globalen Gesundheitslandschaft noch mehr als Baustein der europäischen Ordnung verstehen und die EU langfristig in ihrer globalen Gesundheitspolitik unterstützen. Ein zukünftiges Rollenbild der EU könnte vorsehen, dass die Union eine klare Haltung in globaler Gesundheit hat – durch eine neu aufgelegte Strategie und ein strategisches Referat für globale Gesundheit im Europäischen Auswärtigen Dienst. Sie verbessert ihre Position international durch die Partnerschaft mit der Afrikanischen Union und einen einflussreicheren Status in der WHO, der über die reine Beobachtung hinausgeht. So könnte ein WHO-Büro in Deutschland nicht nur die nationale Gesundheitspolitik unterstützen, sondern auch international zeigen, dass Deutschland sich für den Ausbau der WHO-Strukturen einsetzt. Für all das kann die Weiterführung der deutschen Strategie mit konkreten Maßnahmen Anstöße geben.

Schließlich offenbarte die Pandemie durch nationale Exportstopps oder Grenzschließungen, dass deutsche Gesundheitspolitik mit der internationalen Ebene verwoben ist. Diese Erkenntnis sollte die Bundesregierung in der Umsetzung berücksichtigen und innerhalb eines Aktionsplanes weiterdenken, in dem die Innen- und Außenpolitik auf gesundheitspolitischem Gebiet stärker miteinander verbunden werden.

Es ist noch nicht zu spät, die Umsetzung der vorgelegten Strategie durch Aspekte politischer Vorausschau mit Hilfe eines Aktionsplans zu stärken. Die Bundesregierung und das Parlament sollten das aktuelle Handlungsfenster für eine erfolgreiche Umsetzung der Strategie nutzen, um globale Gesundheit mit Blick in die Zukunft strategisch zu gestalten.

Kategorien: Ticker

Die Charedim als Herausforde­rung für den jüdischen Staat

SWP - 21. Oktober 2020 - 0:10

In Israel wogt ein Kulturkampf: um die Identität des Staates, seine Leit­normen, das Verhältnis von Religion und Staat und generell um die Frage, was Jüdischsein im »Staat der Juden« bedeuten soll.

Gestritten wird zwischen Ultraorthodoxen bzw. Charedim und der übri­gen israelischen Bevölkerung, wobei sich der Anteil der Ersteren daran seit 1980 von vier auf zwölf Prozent verdreifacht hat und bis 2040 auf über 20 Prozent ansteigen dürfte. Das hat Folgen für die Debatte.

Die Weltanschauung der Charedim steht jener der Mehrheitsbevölkerung häufig diametral entgegen. Sie akzeptiert als Grundlagen jüdischen Lebens und jüdischer Identität nur die Thora und die religiösen Gesetze (Halacha), ist ihrem Wesen nach antidemokratisch, setzt auf hierarchische Gesellschaftsstrukturen mit Rabbinern an der Spitze und ist weit­gehend azionistisch.

Dennoch sind die Charedim auf den Staat und seine Institutionen an­gewiesen, wollen sie ihre Lebenswelt bewahren. Ihre (wachsende) »Gesellschaft der Lernenden« mit vom Wehrdienst befreiten und auf Erwerbs­arbeit verzichtenden Thoraschülern muss finanziert, das Bildungssystem als zentrale Säule der Ultraorthodoxie vor Eingriffen von außen geschützt werden. Das lässt sich nur über Beteiligung am demokratischen Prozess erreichen.

Die charedischen Parteien bewegen sich daher in einem Spannungsfeld aus Rückzug und Einflussnahme: Sie versuchen – neben dem Milieuschutz – einerseits, als »Verteidiger des jüdischen Charakters des Staates« Tendenzen entgegenzuwirken, die ihrer Vorstellung des Judentums ent­gegenlaufen, und andererseits, religionsrechtlichen Prinzipien mehr Gel­tung in Staat und Gesellschaft zu verschaffen. Dieser Gestaltungswille ist neu.

Die Charedim verändern Staat und Gesellschaft und werden dadurch selbst verändert. Die innergemeinschaftlichen Antworten darauf reichen von Plädoyers für Isolation über den Wunsch nach Integration in den Staat bis hin zu Forderungen nach dessen Übernahme.

Für die internationalen Partner Israels wird der zunehmende Einfluss der Charedim für größeren Verhandlungsbedarf sorgen, insbesondere wenn ein Anliegen liberale und emanzipatorische Werte betrifft.

Kategorien: Ticker

Die Strategische Partnerschaft zwischen Georgien und den USA: Vision gesucht

SWP - 21. Oktober 2020 - 0:00

Spätestens seit der Präsidentschaft Micheil Saakaschwilis hat die politische Führung in Georgien eine möglichst enge Anbindung des Landes an die USA und damit dessen geopolitische Verortung im »Westen« verfolgt. Seit 2009 strukturiert eine Strategische Partnerschaft die Kooperation.

Donald Trumps Politik des »America First« sowie eine angeblich weniger amerikafreundliche politische Führung in Georgien ließen Fragen über den Zustand des bilateralen Verhältnisses laut werden.

Einerseits sind die Beziehungen weiterhin eng, wurden in den letzten Jahren noch intensiviert und spielen für Tbilisi eine wesentliche Rolle. Andererseits verbinden die beiden Partner nicht überall dieselben Erwartungen, Funktionen und Prioritäten mit der Strategischen Partnerschaft.

Die USA legen einen Schwerpunkt auf Demokratie und Rechtsstaatlichkeit sowie entsprechende Reformen in Georgien. Die georgische Seite kon­zentriert sich auf den Bereich Sicherheit und Verteidigung sowie zunehmend auch Wirtschaft und Handel.

Das größte Hindernis für eine weitere Vertiefung der georgisch-amerika­nischen Beziehungen liegt jedoch darin, dass die USA keine strategische Vision für Georgien und die Region besitzen.

Diese strategische Leerstelle setzt Tbilisis Bestrebungen Grenzen, seine eigene imaginierte Geographie in Washington zu verankern. Ohne klare Strategie der USA schreibt die Strategische Partnerschaft Georgiens Liminalität, den Schwebestatus zwischen »Ost« und »West«, fort. Darin ähnelt sie dem Assoziierungsabkommen Georgiens mit der EU.

Kategorien: Ticker

Studie belegt: Bei Kinderarbeit im Kakaoanbau bricht die Schokoladenindustrie ihre Versprechen

SID Blog - 20. Oktober 2020 - 17:43
INKOTA und das Forum Fairer Handel fordern von der Bundesregierung ein ambitioniertes Lieferkettengesetz

 

Berlin, 20.10.2020 – Eine neue Studie im Auftrag des US-Arbeitsministeriums belegt: Die Schokoladenindustrie hat ihr Versprechen, die Kinderarbeit auf Kakaoplantagen bis 2020 um 70 Prozent zu reduzieren, klar gebrochen. Die Ergebnisse der Studie wurden gestern Nachmittag veröffentlicht. Demnach arbeiten noch immer rund 1,5 Millionen Kinder unter ausbeuterischen Bedingungen auf Kakaoplantagen in Westafrika, wo rund 70 Prozent des in Deutschland verarbeiteten Kakaos angebaut werden. Die Verbreitungsrate von Kinderarbeit in Westafrika hat in den letzten zehn Jahren trotz Bemühungen von Regierungen und Unternehmen nicht abgenommen. Verbraucher*innen in Deutschland müssen also davon ausgehen, dass in ihrer Schokoladentafel mit hoher Wahrscheinlichkeit ausbeuterische Kinderarbeit steckt. Die Entwicklungsorganisation INKOTA und das Forum Fairer Handel fordern deshalb von der Bundesregierung ein ambitioniertes Lieferkettengesetz, das Unternehmen haftbar macht, wenn sie eine Mitverantwortung für ausbeuterische Kinderarbeit tragen.

 

„Die Schokoladenindustrie hat ihr Versprechen gebrochen", kritisiert Johannes Schorling, Referent für Wirtschaft und Menschenrechte beim INKOTA-netzwerk. „Die Unternehmen haben zu wenig gegen Kinderarbeit getan und zu spät damit angefangen. Programme zur Bekämpfung der Kinderarbeit erreichen bisher nur einen kleinen Teil der Bauern, auch weil Unternehmen die hohen Kosten für solche Programme scheuen. Menschenrechte gibt es aber nicht zum Nulltarif. Unternehmen müssen bereit sein, die nötigen Kosten für die Vermeidung von Kinderarbeit zu tragen – dazu gehört auch die Zahlung eines existenzsichernden Kakaopreises."

 

Bereits 2001 hatten Schokoladenhersteller wie Mars und Nestlé im Harkin-Engel-Protokoll versprochen, die schlimmsten Formen der Kinderarbeit bis 2005 zu beenden. Das Ziel wurde in der Zwischenzeit mehrfach revidiert. Aktuell strebt die Industrie eine Reduzierung der Kinderarbeit um 70 Prozent bis 2020 an. Eine neue Studie des National Opinion Research Center (NORC) der Universität Chicago belegt nun, dass auch dieses Ziel verfehlt wurde: Rund 1,5 Millionen Kinder verrichten demnach in Ghana und der Elfenbeinküste ausbeuterische Kinderarbeit auf Kakaoplantagen – das sind 45 Prozent der Kinder in landwirtschaftlichen Haushalten in den Kakaoanbaugebieten. Damit hat trotz der bisherigen Bemühungen von Regierungen und Unternehmen zur Bekämpfung der Kinderarbeit diese in den letzten zehn Jahren nicht abgenommen. Insbesondere der Anteil der Kinder, die gefährlichen Chemikalien ausgesetzt sind, ist in den vergangenen Jahren sogar stark gestiegen.

 

„Armut ist eine der Hauptursachen für Kinderarbeit", sagt Andrea Fütterer, Vorstandsvorsitzende des Forum Fairer Handel. „Wir brauchen existenzsichernde Preise, die die Produktions- und Lebenshaltungskosten der Kakaobäuer*innen decken. Hier setzt auch der Faire Handel an." Mit Blick darauf, dass im globalen Wirtschaftssystem viele Unternehmen durch die Missachtung von Menschenrechten Wettbewerbsvorteile genießen, stoßen Fair-Handels-Akteure jedoch an ihre Grenzen. „Selbst in Brancheninitiativen wie dem Forum Nachhaltiger Kakao kommen die Mitgliedsunternehmen bisher nicht vollumfänglich ihren menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten nach. Es ist an der Zeit, einheitliche Regeln für alle Unternehmen festzuschreiben", so Fütterer.

 

INKOTA und das Forum Fairer Handel fordern deshalb von der Bundesregierung ein wirksames Lieferkettengesetz, das Betroffenen von Menschenrechtsverletzungen ermöglicht, vor deutschen Gerichten auf Schadensersatz zu klagen. Die Verhandlungen über Eckpunkte für ein Lieferkettengesetz wurden im Bundeskabinett zuletzt jedoch mehrmals vertagt, weil Wirtschaftsminister Peter Altmaier eine starke gesetzliche Regelung blockiert. „Die gebrochenen Versprechen der Schokoladenindustrie zeigen einmal mehr: Ohne klare gesetzliche Spielregeln kommen wir bei der Bekämpfung von Kinderarbeit nicht weiter", so Johannes Schorling.

 

Mehr Informationen:

Die Studie des National Opinion Research Center "Assessing Progress in Reducing Child Labor in Cocoa Production in Cocoa Growing Areas of Côte d'Ivoire and Ghana" finden Sie hier.


UNICEF warnt vor drohender Ernährungskrise in Sahelzone

SID Blog - 20. Oktober 2020 - 17:27
p {padding-bottom: 1em; margin-top: 0;} body {margin: 0; padding: 0; font-family: Arial, sans-serif; background-color: rgb(245,245,245);} a:link {color: black;} a:visited {color: black;} a:hover {color: black;} a:active {color: black;} ul, ol {list-style-position: outside;}

UNICEF warnt vor drohender Ernährungskrise in Sahelzone 

Rund 7,2 Millionen Kinder in Mali, Niger und Burkina Faso brauchen dringend Unterstützung / Internationale Geberkonferenz in Kopenhagen 

© UNICEF/UNI319182/Coulibaly

Köln, den 20. Oktober 2020 // Die humanitäre Situation in der von zahlreichen Krisen betroffenen zentralen Sahelzone spitzt sich zu. Zunehmende Gewalt durch bewaffnete Konflikte und die Folgen der Covid-19-Pandemie haben die Situation der Bevölkerung dramatisch verschlechtert. Rund 7,2 Millionen Kinder in Burkina Faso, Mali und Niger benötigen dringend humanitäre Hilfe – zwei Drittel mehr als in 2019. Mehr als eine Millionen Kinder wurden in ihren eigenen Ländern vertrieben. Sauberes Trinkwasser ist knapper denn je, vor allem für Binnenvertriebene. 

UNICEF und das UN-Welternährungsprogramm (WFP) schätzen, dass die Zahl der Kinder, die an lebensbedrohlicher akuter Mangelernährung leiden, in diesem Jahr um ein Fünftel steigen könnte. So könnten in Mali, Niger und Burkina Faso dieses Jahr über 2,9 Millionen Kinder an akuter Mangelernährung leiden, 890.000 Kinder davon an schwerer akuter Mangelernährung. Die Situation ist besonders akut in Regionen in Burkina Faso, in denen viele Binnenvertriebene Zuflucht suchen. 

Bereits vor der Covid-19-Pandemie waren 4.000 Schulen im zentralen Sahel wegen zunehmender Gewalt und gezielter Angriffe geschlossen; aufgrund der Pandemie wurden auch die verbleibenden Schulen geschlossen. Die Zahl dokumentierter schwerer Kinderrechtsverletzungen, wie die Rekrutierung von Kindern, Vergewaltigungen und sexuelle Gewalt, steigt weiter an, insbesondere in Mali. 

Internationale Geberkonferenz zur Sahelzone: Kinder brauchen langfristige Lösungen

Anlässlich der heutigen internationalen Konferenz zur Sahelzone, die gemeinsam von Dänemark, Deutschland, der EU und den Vereinten Nationen ausgerichtet wird, appelliert UNICEF Deutschland an die teilnehmenden Regierungen, die dramatische Situation der Kinder in der Region in den Blick zu nehmen.

Die Kinder in der zentralen Sahelzone brauchen ein Ende der Gewalt und wirksame Maßnahmen gegen die Armut. Um Kinder bestmöglich zu schützen und dafür zu sorgen, dass sie lernen und ihr Potenzial verwirklichen können, müssen sowohl jetzt als auch in den kommenden Jahren weitaus mehr finanzielle Ressourcen zur Verfügung gestellt werden. 

Die humanitäre Hilfe in der Region ist bislang stark unterfinanziert: von den 210 Millionen US-Dollar, die allein UNICEF im laufenden Jahr für die humanitäre Hilfe in der zentralen Sahelzone braucht, standen bis Mitte Oktober nur ein Drittel der benötigten Mittel zur Verfügung; für die Bekämpfung der Covid-19-Pandemie lediglich knapp über die Hälfte der benötigten 65,7 Millionen US-Dollar. 

Der chronischen Krisensituation in der Sahelzone kann langfristig nur mit gezielten Investitionen für die am meisten benachteiligten Menschen begegnet werden.

Gemeinsam mit seinen Partnern versorgt UNICEF Kinder mit lebensrettender therapeutischer Nahrung, Impfungen und sichert den Zugang zu Trinkwasser. UNICEF unterstützt zudem Kinder, die von bewaffneten Gruppierungen befreit werden konnten oder sexueller Gewalt ausgesetzt waren. Des Weiteren unterstützt UNICEF die Regierungen dabei, Fernunterricht und Lernangebote über das Fernsehen, Radio und durch die Bereitstellung von Schulmaterialien auszuweiten und setzt sich dafür ein, dass die Schulen trotz der Pandemie wieder öffnen und sicher arbeiten können.

Die deutsche Bundesregierung unterstützt UNICEF in der Region sowohl durch humanitäre Hilfe als auch durch langfristige Maßnahmen, wie beispielsweise der Stärkung von sozialen Sicherungssystemen, um die Widerstandskraft der Kinder und Familien in der Region umfassend zu stärken.

» Weitere Informationen zu dem Thema finden Sie auch auf unserer Webseite.


UNICEF: Über eine halbe Milliarde Spritzen für eventuelle Covid-19-Impfungen

SID Blog - 20. Oktober 2020 - 17:26
p {padding-bottom: 1em; margin-top: 0;} body {margin: 0; padding: 0; font-family: Arial, sans-serif; background-color: rgb(245,245,245);} a:link {color: black;} a:visited {color: black;} a:hover {color: black;} a:active {color: black;} ul, ol {list-style-position: outside;}

UNICEF beschafft über eine halbe Milliarde Spritzen für eventuelle Covid-19-Impfungen

Schon vor der Covid-19-Pandemie hat UNICEF sich für die Voraussetzungen sicherer und wirksamer Impfungen, z.B. durch die Einhaltung von Kühlketten, eingesetzt. | © UNICEF/UN0349001/Obel

New York / Köln, den 19. Oktober 2020 // Während weltweit auf einen Covid-19-Impfstoff gewartet wird, hat UNICEF gemeinsam mit Gavi (Global Alliance for Vaccines and Immunization) und der WHO damit begonnen, die Voraussetzungen für eine schnelle, sichere und wirksame Auslieferung eines möglichen Impfstoffs zu schaffen. Dazu werden bereits jetzt Spritzen und andere notwendige Hilfsgüter beschafft und Kühlketten überprüft.

Sobald Covid-19-Impfstoffe erfolgreich alle Tests durchlaufen haben, lizensiert und zur Nutzung empfohlen sind, werden weltweit ebenso viele Spritzen wie Impfdosen benötigt. UNICEF wird deshalb noch in diesem Jahr 520 Millionen Spritzen in Warenlagern deponieren. Damit soll sichergestellt werden, dass die notwendigen Spritzen in den Ländern vorhanden sind, bevor die Impfstoffe eintreffen.

„Um später rasch voranzukommen, müssen wir schon jetzt schnell handeln."

Unter der Voraussetzung, dass genügend Covid-19-Impfstoff zur Verfügung steht, plant UNICEF im kommenden Jahr über eine Milliarde Spritzen zu beschaffen – zusätzlich zu den 620 Millionen Spritzen, die UNICEF für Impfprogramme gegen Krankheiten wie Masern oder Typhus bereitstellt.

„Weltweit gegen Covid-19 zu impfen wird eine der größten Anstrengungen in der Menschheitsgeschichte werden und wir werden genauso schnell reagieren müssen wie die Impfstoffe hergestellt werden", erklärte UNICEF Exekutivdirektorin Henrietta Fore. „Um später rasch voranzukommen, müssen wir schon jetzt schnell handeln. Bis Ende dieses Jahres werden wir bereits eine halbe Milliarde Spritzen dort eingelagert haben, von wo aus sie schnell und kostengünstig eingesetzt werden können."

Gavi wird im Rahmen der langjährigen Zusammenarbeit mit UNICEF die Kosten für die Beschaffung von Spritzen und sicheren Entsorgungsboxen tragen. Sie werden dann für die COVAX-Initiative (COVID-19 Vaccine Global Access Facility) sowie – falls notwendig – für andere von Gavi finanzierte Impfprogramme eingesetzt.

Neben Spritzen beschafft UNICEF auch fünf Millionen Sicherheitsboxen, damit das Personal in Gesundheitseinrichtungen benutzte Spritzen und Nadeln sicher entsorgen kann. So wird dem Risiko von Stichverletzungen und durch Blut übertragbaren Krankheiten vorgebeugt.

Impfbedarf wie Spritzen und Sicherheitsboxen lassen sich fünf Jahre lang einlagern. Der nötige Vorlauf für die Beschaffungszeiten ist ebenfalls lang, denn Spritzen und Boxen sind sperrig und müssen per Seefracht transportiert werden. Hitzeempfindliche Impfstoffe hingegen werden normalerweise per Luftfracht transportiert. Neben der Zeitersparnis nimmt die frühzeitige Beschaffung von Spritzen und Sicherheitsboxen Druck von den Märkten und greift möglichen Nachfragespitzen für diese Produkte vor, sobald Impfstoffe verfügbar sind.

Spritzen und Sicherheitsboxen beschaffen, Kühlketten sichern

Als wichtigster Beschaffungskoordinator für Gavi ist UNICEF schon heute der weltweit größte Einkäufer von Impfstoffen. So stellt UNICEF jährlich zwei Milliarden Dosen Impfstoffe für Routineimpfungen und bei Krankheitsausbrüchen für 100 Länder bereit. Jedes Jahr beschafft UNICEF Impfstoffe für die Hälfte aller Kinder weltweit und stellt rund 600 bis 800 Millionen Spritzen für Routineimpfungen bereit. 

„In den letzten beiden Jahrzehnten hat Gavi zusätzlich 822 Millionen Kindern in den ärmsten Ländern Zugang zu dringend notwendigen, lebensrettenden Impfungen ermöglicht", sagt Seth Berkley, Geschäftsführer von Gavi. „Dies wäre ohne die Partnerschaft mit UNICEF nicht möglich gewesen. Die gleiche Zusammenarbeit wird nun für die Arbeit von Gavi im Rahmen von COVAX entscheidend sein."

Um sicherzustellen, dass Impfstoffe mit der richtigen Temperatur transportiert und gelagert werden, überprüft UNICEF die vorhandenen Kühlketten und Lagerkapazitäten – im privaten wie im öffentlichen Bereich – und bereitet notwendige Orientierungshilfen vor, damit Länder die Impfstoffe entgegennehmen können.

Schon vor der Covid-19-Pandemie hatte UNICEF mit Unterstützung von Gavi und zusammen mit der WHO in zahlreichen Ländern die Kühlketten der Gesundheitseinrichtungen verbessert, damit Impfstoffe beim Transport sicher und wirksam bleiben. Seit 2017 wurden über 40.000 Kühlschränke, darunter auch Solar-Kühlschränke, installiert, vor allem in Afrika.

In vielen Ländern fördert UNICEF Solar-Technologie, damit die Länder ihre Versorgungsketten aufrechterhalten können. Im Südsudan, dem Land mit der schlechtesten Elektrizitätsversorgung weltweit, in dem die Temperaturen häufig über 40 °C liegen, stattete UNICEF mehr als 700 Gesundheitseinrichtungen mit Solar-Kühlschränken aus. Das entspricht etwa jeder zweiten Gesundheitseinrichtung im Land.


5 Jahre Agenda 2030: Bildung für jedes Kind

Unicef - 20. Oktober 2020 - 15:00
Vor fünf Jahren wurde die Agenda 2030 verabschiedet. Welche Fortschritte wurden seitdem zu ihrer Umsetzung gemacht? Und welchen Beitrag kann UNICEF gemeinsam mit Partnern in Ländern leisten, in denen Kindern aufgrund von Krisen und Konflikten besonders dringend Unterstützung brauchen?
Kategorien: Ticker

Die Mischung macht’s

E+Z - 20. Oktober 2020 - 14:54
Politischer Wille und gesellschaftliche Bewusstseinsbildung sind die Basis für gute Ernährung

Die Karibikinsel Hispaniola beherbergte einst eine reichhaltige Flora und Fauna. Das heutige Haiti, das die Osthälfte dieser Insel einnimmt, war im 18. Jahrhundert Frankreichs reichste Kolonie. Doch die Kolonisatoren beuteten Menschen und natürliche Ressourcen brutal aus, was zum Verlust von Biodiversität führte. Durch den Raubbau kam es zu langfristigen Fehlentwicklungen, die Haiti zu einem der ärmsten Länder der Welt gemacht haben.

Durch Abholzung der Wälder und die darauffolgende Erosion sind rund die Hälfte der fruchtbaren Böden verlorengegangen und nicht mehr für die landwirtschaftliche Produktion nutzbar. Das verheerende Erdbeben von 2010 sowie zahlreiche tropische Wirbelstürme haben Verwüstungen hinterlassen. Die ohnehin geringen Ernten der Bauern und Bäuerinnen wurden zerstört.

Zu den Gründen dafür, dass Menschen in Haiti und anderen Ländern hungern, gehören Naturkatastrophen, degradierte Böden, zerstörte Infrastruktur und nicht funktionsfähige Märkte, Korruption, gewalttätige Auseinandersetzungen sowie mangelnde Bildung. Ungleichheiten zwischen Stadt und Land, Frauen und Männern gehören ebenfalls dazu. Diese komplexen und miteinander verknüpften Ursachen zu überwinden ist eine gewaltige Herausforderung.

Recht auf Nahrung gilt für alle weltweit

Die Bekämpfung der Ursachen von Hunger und Mangelernährung ist ein zentrales Ziel der Weltgemeinschaft. Bereits in den 1960er Jahren verankerte sie das Recht auf eine angemessene Ernährung in der Charta der Menschenrechte. Die weltweiten Anstrengungen, dieses Recht umzusetzen, haben durchaus Erfolge erzielt. Dennoch hungern heute laut der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (Food and Agriculture Organization – FAO) 690 Millionen Menschen, und rund 2 Milliarden leiden unter Mikronährstoffmangel (siehe Hintergrundkasten). Ob das zweite UN-Ziel für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goal – SDG), bis 2030 die Welt von Hunger und Unterernährung zu befreien, erreicht wird, ist sehr fraglich.

Eine gesunde Ernährung ist die Grundlage für ein gesundes und aktives Leben. Wir brauchen Energie, Fette, Kohlenhydrate, Eiweiß, Mineralstoffe und Vitamine aus der Nahrung, um zu wachsen, die Körperfunktionen aufrechtzuerhalten, ein starkes Immunsystem zu unterhalten und dem Körper Material zur Regeneration zu liefern.

Eine gesunde Ernährung ist das ganze Leben lang wichtig. Babys kommen gesund zur Welt, wenn sie schon während der Schwangerschaft mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt waren. Junge Frauen sollten sich hochwertig ernähren, damit sie, falls sie schwanger werden und anschließend ein Baby stillen, sich und den Körper des Kindes bestmöglich versorgen. Während der Schwangerschaft brauchen sie zusätzliche Mikronährstoffe wie etwa Folsäure und Jod. Eine gute Ernährung ist die Voraussetzung dafür, dass Frauen und Männer, Mädchen und Jungen Leistung erbringen können und gesund bleiben.

Die ersten 1000 Tage des Lebens, gerechnet von der Empfängnis bis zum 2. Geburtstag, sind entscheidend für die Entwicklung von körperlichen und geistigen Fähigkeiten. Defizite in diesem Zeitraum können zu irreversiblen Schäden führen. Mangelernährte Babys und Kinder können niemals ihre gesamte kognitive und körperliche Leistungsfähigkeit entwickeln. Die Folge ist ein Teufelskreis aus Hunger, Fehl­ernährung, schlechter schulischer Leistung und minderen Chancen auf dem Arbeitsmarkt, was wiederum zu Armut führt – eine Hauptursache für Mangelernährung.

Gesunde Ernährung ist vielseitig

Für eine gesunde Ernährung ist von zentraler Bedeutung, welche Lebensmittel verfügbar sind und in welchen Mengen sie die wichtigen Nährstoffe enthalten. Die optimale Kombination ist entscheidend, um eine ausgewogene Nährstoffversorgung sicherzustellen. Je nach Region, Klimazone und kulturellen Gepflogenheiten kann diese Mischung sehr unterschiedlich aussehen. Lebensmittel müssen frei sein von Kontaminationen aus Anbau, Lagerung und Verarbeitung und zugänglich und bezahlbar auch für ärmere Menschen.

Große Ungleichheit zwischen einzelnen Ländern und innerhalb der Bevölkerung machen es schwer, die Empfehlungen umzusetzen. Unterernährung und Übergewicht existieren inzwischen gleichzeitig in den meisten Ländern weltweit. Unterschiedlich ist nur die Anzahl der Betroffenen. In Europa, Ozeanien und weiten Teilen Amerikas gibt es vornehmlich Übergewicht und Fettleibigkeit. In anderen Ländern sind weite Teile der Bevölkerung unterernährt, während gleichzeitig in den Städten Menschen mit Übergewicht leben. Mangel an wichtigen Mikronährstoffen wie Jod und Eisen sind überall verbreitet. All diese Formen von Fehlernährung belasten die Betroffenen, Volkswirtschaften und Gesundheitssysteme stark.

Langfristige Programme, die auf Ernährungsbildung und Verhaltensänderung abzielen, können zu einer Verbesserung der Ernährung beitragen. Als erfolgreich hat sich zum Beispiel erwiesen, bei der Ernährung im Säuglings- und Kleinkindalter anzusetzen. In den ländlichen Gebieten Haitis wissen nur wenige Menschen, dass die schlechte Gesundheit eines sehr dünnen Kindes unter anderem auf zu frühes Abstillen sowie eine mangelhafte und einseitige Ernährungsweise zurückzuführen ist. Diesen Kindern wird ein traditionelles Amulett um den Hals gehängt, um sie vor dem „Geist“ zu beschützen, der die Unterernährung auslöst. Da die Ursache im übernatürlichen Bereich vermutet wird, bekommen die Kinder kein besseres Essen und die Familie holt auch keinen Rat im Gesundheitszentrum ein. In solchen Fällen kann Aufklärung helfen.

Das Wissen um eine gute Ernährung alleine reicht jedoch nicht aus. Kulturelle Vorlieben und Tabus, der persönliche Geschmack, zeitliche Zwänge bei der Zubereitung von Mahlzeiten sowie die Kosten, der Anbau und die saisonale Verfügbarkeit von Lebensmitteln bestimmen den Konsum und den Abwechslungsreichtum auf dem Teller entscheidend mit.

Für viele Menschen in Entwicklungsländern geht es im täglichen Leben vorrangig darum, satt zu werden. Wenn das Familieneinkommen zum größten Teil für die Beschaffung von Nahrungsmitteln verwendet wird, wollen viele Menschen möglichst viel Essen für möglichst wenig Geld bekommen. Frisches Obst, Gemüse und tierische Lebensmittel sind für sie oft unerschwinglich. Stattdessen greifen sie zu kohlenhydratreichen Grundnahrungsmitteln oder günstigen Fertigprodukten. Dies führt langfristig zu Fehlernährung.

 

Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz

Bei akutem und chronischem Mangel an Mineralstoffen und Vitaminen, aber auch in besonderen Lebenssituationen wie Schwangerschaft und Stillzeit können Nahrungsergänzungsmittel durchaus helfen. Angereicherte oder fortifizierte Grundnahrungsmittel sorgen für eine breite Verteilung von Mikronährstoffen in der Bevölkerung. Allerdings ersetzen sie keine abwechslungsreiche Kost. Ein Lebensmittel ist mehr als die Summe seiner Nährstoffe. Es gibt eine Vielzahl an sekundären Pflanzenstoffen, die positive Wirkungen auf den Stoffwechsel und präventive Eigenschaften haben und die nur in natürlichen Lebensmitteln enthalten sind. Mineralstoffe und Vitamine sind in echten Nahrungsmitteln oft so „verpackt“, dass der Körper sie langsam aufnehmen kann. Dagegen werden falsche Dosen an Nahrungsergänzungsmitteln rasch ausgeschieden und erzielen keinen Effekt im Menschen.

Mikronährstoffgaben bekämpfen außerdem nicht die strukturellen Ursachen von Mangelernährung. Dafür braucht es vor allem wirkungsvolle politische Strategien, die auf eine gesunde Ernährung ausgerichtet sind. Langfristig angelegte Aufklärungs- und Schulungskampagnen im Bereich der Ernährungsbildung können eingeschliffene Verhaltensweisen verbessern. Die Kosten für gesundes Essen sind maßgeblich für die Abwechslung auf dem Teller. Hier tragen Regierungen sowie Nahrungsmittelproduzenten große Verantwortung: Sie müssen dafür sorgen, dass das, was eine gesunde Ernährung ermöglicht, auch im letzten Winkel der Erde verfügbar und erschwinglich ist.

In Haiti zeigen sektorübergreifende Ansätze, die nachhaltige Landwirtschaft, verbesserte Hygiene, sauberes Trinkwasser und Ernährungsbildung miteinander verknüpfen, gute Erfolge. Ziel ist es, lokale und regionale Autoritäten stärker in die Planung und Umsetzung dieser Maßnahmen einzubeziehen. Doch erst wenn die Politik und die Menschen gute Ernährung als wichtiges Thema ansehen, verbessert sich die Ernährungssituation dauerhaft.

Simone Welte ist Nutrition Advisor bei der Welthungerhilfe.
simone.welte@welthungerhilfe.de

Kategorien: Ticker

Wie Corona die Gesundheit von Müttern bedroht

ONE - 20. Oktober 2020 - 14:28

Weltweit ist die Gesundheitsversorgung von der aktuellen Corona-Pandemie schwer getroffen. Medizinische Leistungen zur Vorbeugung und Behandlung nicht übertragbarer Krankheiten sind unterbrochen, notwendige medizinische Eingriffe bei Malaria könnten durch die Pandemie wegfallen und insgesamt lastet ein enormer Druck auf Gesundheitssystemen weltweit.

Doch ähnlich wie für den Bildungs– und Beschäftigungssektor, könnte die Pandemie noch größere und übermäßig schlimmere Folgen für die Gesundheitsversorgung von Frauen und Mädchen haben, insbesondere in den Bereichen Geburtshilfe und Verhütung.

Warum das so ist, erklären wir hier.

Die Folgen früherer Epidemien für die Gesundheit von Frauen und Mädchen

2017, also vor Ausbruch der Corona-Pandemie, starben weltweit täglich mehr als 800 Frauen während der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt an vermeidbaren Ursachen. Ebenso wurden jedes Jahr mindestens zehn Millionen Mädchen im Alter von 15 bis 19 Jahren in Entwicklungsländern ungewollt schwanger. Diese ohnehin schon schlechte Lage könnte sich durch die Corona-Pandemie und den limitierten Zugang zu Ressourcen weiter zuspitzen – mit schrecklichen Folgen für die betroffenen Mädchen und Frauen.

Schon jetzt konnten wir weltweit erleben, wie stark sich die aktuelle Gesundheitskrise sowie Einsparungen im Gesundheitswesen auf die medizinische Versorgung von Müttern und den Zugang zu Verhütungsmitteln auswirken – vor allem in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Dort, wo 94 % der Todesfälle während der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt auftreten (größtenteils aufgrund von Infektionen, Blutverlust, Bluthochdruck, unsicheren Abtreibungen und anderen zugrunde liegenden Probleme) und wo jedes Jahr ca. 12 Millionen Mädchen im Alter von 15 bis 19 Jahren ein Kind zur Welt bringen. Grund dafür ist, dass während einer Gesundheitskrise wie der aktuellen Corona-Pandemie die finanziellen Mittel im Gesundheitswesen umverteilt werden.

Vor der Ebolafieber-Epidemie 2014–2016 war die Müttersterblichkeitsrate in Sierra Leone seit 1990 um mehr als 50 % zurückgegangen und ein „gewisses Niveau der Schwangerschaftsvorsorge war nahezu universell“. Dieser Fortschritt wurde durch die Ebola-Epidemie jedoch zunichte gemacht.

In Sierra Leone, Liberia und Guinea kam es im selben Zeitraum zu einem massiven Anstieg der Müttersterblichkeit, also der Zahl der Todesfälle pro 100.000 Lebendgeburten. Das lag daran, dass Frauen medizinischen Einrichtungen fernblieben – „aufgrund von Quarantäneauflagen oder falschen Vorstellungen vom Virus und seinen Übertragungswegen“. Dies führte letztlich dazu, dass Frauen ihre Kinder zu Hause zur Welt brachten, was deutlich mehr Risiken für die Müttergesundheit birgt, da bei einer Hausgeburt nicht so viele medizinische Eingriffe möglich sind wie bei einer Geburt im Krankenhaus. Im Bereich der Empfängnisverhütung führte die Epidemie in Guinea, Liberia und Sierra Leone zu einem starken Rückgang bei der Verwendung von Verhütungsmitteln und dem Besuch sexualpädagogischer Veranstaltungen.

Doch vor allem wurden während der Epidemie die finanziellen Mittel für die sexuelle und reproduktive Gesundheit umverteilt. Sie wurden nun für die Notfallversorgung eingesetzt, sodass nicht mehr genügend Ressourcen für die notwendige medizinische Versorgung von Frauen zur Verfügung stand.

Angesichts dieser Verhältnisse ging der Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen aufgrund der Ebolafieber-Epidemie von „120.000 vermeidbaren Todesfällen von Müttern“ aus.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie könnten noch schwerwiegender sein.

Die Folgen von Corona für die Gesundheitsversorgung von Frauen

Infolge der COVID-19-Pandemie könnten rund 49 Millionen Frauen und Mädchen keinen Zugang zu Verhütungsmitteln haben und bis zu 15 Millionen ungewollt schwanger werden, wenn der Lockdown ein ganzes Jahr andauert.

Darüber hinaus sind schwangere Frauen und Mütter kurz nach der Geburt auf verschiedene medizinische Untersuchungen und Eingriffe angewiesen. Doch wenn die Angst um die eigene Gesundheit und die ihres Kindes Frauen daran hindert, eine Klinik oder medizinische Einrichtung aufzusuchen, kann dies erhebliche Folgen haben. Dies trifft insbesondere in von Armut am stärksten betroffenen Ländern zu, wo ohnehin schon 1 von 45 Frauen während der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt stirbt.

Infolge der aktuellen Corona-Pandemie wird Frauen der Zugang zur sexuellen und reproduktiven Gesundheitsversorgung erschwert und die „Lieferung von Verhütungsmitteln verzögert sich“. Darüber hinaus gibt es aufgrund der Corona-Pandemie viel mehr Hausgeburten. Das birgt zahlreiche Risiken für die Mutter und ihr Kind. Die aktuellen Kürzungen bei der Schwangerschaftsvorsorge und Geburtshilfe könnten dazu führen, dass 113.000 Frauen während der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt sterben – vor allem in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Diese Zahl könnte durch die Corona-Krise drastisch ansteigen. Schon 2017, also vor der Pandemie, entfielen 86 % der Todesfälle von Frauen während der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt auf Afrika südlich der Sahara und Südasien.

Doch wenn Regierungen und Staatschefs jetzt entschlossen handeln, können diese Folge abgemildert werden.

Die Gesundheitsversorgung von Müttern muss Priorität haben

Um die Auswirkungen der Corona-Krise auf die medizinische Versorgung schwangerer Frauen und die Müttersterblichkeit zu mindern, muss die Politik weltweit dafür sorgen, dass die Müttergesundheit priorisiert behandelt wird. Dies erfordert Investitionen in das Gesundheitssystem, um einerseits angemessen auf die Corona-Pandemie reagieren zu können und andererseits die notwendigen Mittel für die Schwangerschaftsvorsorge und Geburtshilfe zur Verfügung stellen zu können. Nur so wird sichergestellt, dass werdende Mütter die medizinische Versorgung erhalten, die sie benötigen, und jeder Mensch weltweit die Corona-Pandemie überleben kann.

The post Wie Corona die Gesundheit von Müttern bedroht appeared first on ONE.

Kategorien: Ticker

„Do it yourself: Verkehrswende mitgestalten“

EINEWELTblabla - 20. Oktober 2020 - 12:55

Passend zum letzten Blogbeitrag möchten wir euch heute den diesjährigen VCD-Mobilitätskongress (VCD: Verkehrsclub Deutschland e. V.) vorstellen. Er steht dieses Jahr unter dem Motto „Do it yourself: Verkehrswende mitgestalten“ und findet am 29. Oktober erstmals rein virtuell statt.

Der Mobilitätskongress 2020

Die Klimakrise wartet nicht. Aus diesem Grund ist es auch in der Corona-Pandemie wichtig, den Klimaschutz weiter mitzudenken. Mit der Teilnahme am Kongress habt ihr die Möglichkeit, den Klimaschutz selbst in die Hand zu nehmen und Veränderungen anzustoßen. Ihr könnt Zukunft mitgestalten, indem ihr gemeinsam mit den anderen Teilnehmer*innen über die Umsetzung der Verkehrswende in Deutschland diskutiert.

Es erwarten euch spannende Vorträge und Workshops, bei denen ihr euch spielerisch und kreativ dem Thema Mobilität widmet. Dabei tauscht ihr euch mit vielen weiteren jungen und engagierten Menschen aus, da sich der Kongress in erster Linie an Auszubildende, Studierende und Berufsanfänger*innen richtet. Aber auch alle anderen am Thema interessierten sind herzlich willkommen. Alle weiteren Infos zum Programm und der Teilnahme erfahrt ihr hier.

Warum ist die Verkehrswende so wichtig?

Seit einiger Zeit ist klar, dass vor allem im Verkehr tiefgreifende Maßnahmen erforderlich sind, um das Klima zu stabilisieren. Ein Fünftel des in Deutschlands ausgestoßenen CO2 geht auf das Konto des Verkehrs. 96 % stammen dabei direkt aus den Auspuffen von PKW und LKW. Umso wichtiger also, dass sich unsere Fortbewegung gerade in Städten von der Straße aufs Rad verlagert und öffentliche Verkehrsmittel ausgebaut werden. Wie im letzten Blogbeitrag deutlich wurde, ist da allerdings noch viel Luft nach oben.

Aus diesem Grund und noch vielen weiteren, macht mit beim Mobilitätskongress 2020! Bringt euch und eure Ideen ein und helft mit, einen klimafreundlicheren Verkehr zu gestalten!

-Selma-

Das Beitragsbild ist von © Wibke Reckzeh

Der Beitrag „Do it yourself: Verkehrswende mitgestalten“ erschien zuerst auf EineWeltBlaBla.

Kategorien: Ticker

Anlass zu weltweiter Sorge

E+Z - 20. Oktober 2020 - 11:53
Gesündere Ernährung würde Brasilien im Kampf gegen Fettleibigkeit helfen

1996 waren 12,7 Prozent der erwachsen Brasilianer fettleibig, 2016 – zwei Jahrzehnte später – betrug die Quote 22,1 Prozent, fast doppelt so viel. Das besagen jedenfalls Statistiken der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Organisation for Economic Co-operation and Development – OECD).

Fettleibigkeit bedeutet nicht einfach, dass ein Mensch Übergewicht hat, sondern dass das Körperfett mit großer Wahrscheinlichkeit die Gesundheit schädigt. Zu den Folgeproblemen gehören Bluthochdruck, Herzinfarkte, Schlaganfälle, Krebs, Diabetes und Gelenkschmerzen. Auch Schlafstörungen und Depressionen sind verbreitet. Die Weltgesundheitsorganisation (World Health Organization – WHO) bezeichnet Menschen mit einem Body-Mass-Index von 30 oder mehr als fettleibig. Bereits ab einem Wert von 25 spricht die WHO von Übergewicht.

Laut einer im vorigen Jahr veröffentlichten Erhebung des brasilianischen Gesundheitsministeriums sind 25,4 Prozent der Frauen und 18,5 Prozent der Männer im Land fettleibig, wobei über die Hälfte der Erwachsenen Übergewicht hat. Als besonders besorgniserregend gilt, dass zunehmend auch junge Leute betroffen sind. 2019 hatte eins von drei brasilianischen Kindern Übergewicht, wie Daten von Sisvan, einem staatlichen Monitoringsystem zu Ernährungsfragen, ergeben.

Das Gesundheitsministerium betreibt ein weiteres Monitoringsystem namens Vigital, um chronische Erkrankungen zu dokumentieren. Seinen Daten zufolge sind 7,7 Prozent der Erwachsenen Diabetiker, und 24,7 Prozent leiden unter Bluthochdruck. Übergewicht haben drei Viertel beider Patientengruppen.

Diese Gesundheitsprobleme haben unmittelbar mit dem Lebenswandel zu tun, denn ursächlich sind schlechte Ernährung und zu wenig Bewegung. Es ist ungesund, zu viel Zucker, Fett und Kohlenhydrate zu essen. Dazu tragen aber Fertiggerichte und Süßigkeiten bei, die aggressiv beworben werden. Kinder und Jugendliche sind dabei häufig die Zielgruppe.

Die brasilianischen Daten entsprechen internationalen Trends. Die WHO spricht von einer globalen Epidemie der Fettleibigkeit. Experten sind sich international einig, dass es nicht nur um individuelle Konsumentscheidungen geht, denn politische, ökonomische, soziale und kulturelle Faktoren haben großen Einfluss darauf, welche Vorlieben und Gewohnheiten Menschen entwickeln. Aus WHO-Sicht sollte die Politik dafür sorgen, dass Menschen gesunde Entscheidungen leichter fallen.

Ehrgeiziger Plan

Brasilianische Behörden wollen den Trend zur schlimmer werdenden Fettleibigkeit stoppen. Das war ein Thema von Plansan, dem nationalen Plan zur Nahrungs- und Ernährungssicherung, für die Jahre 2016 bis 2019. Er wurde von der Mitte-Links-Regierung der früheren Präsidentin Dilma Rousseff beschlossen. Zu den Zielen gehörte:

  • die wachsende Inzidenz von Fettleibigkeit in der erwachsen Bevölkerung zu stoppen,
  • den regelmäßigen Konsum von Limonaden und künstlichen Säften zu begrenzen und
  • den Anteil der Erwachsenen, die regelmäßig Obst und Gemüse essen, zu vergrößern.

Wie ein 2018 veröffentlichter Bericht zeigte, flossen aber bei der Plansan-Implementierung fast 90 Prozent der Mittel in Maßnahmen, die den Zugang armer Individuen und Familien zu ausreichender und gesunder Ernährung sicherstellen sollten. Dabei wurde besonders auf extrem arme Gruppen oder auch Senioren geachtet. Gesündere Diäten bekamen dagegen nicht viel Aufmerksamkeit. Das hatte unter anderem damit zu tun, dass Brasilien eine schwere Wirtschaftskrise durchmachte, in deren Verlauf die Armut zunahm. Ende 2019 lebten offiziellen Schätzungen zufolge wieder etwas mehr als 6,5 Prozent der Bevölkerung in extremer Armut.

Reformen innerhalb der Verwaltung liefen zudem unter dem aktuellen Präsidenten Jair Bolsonaro darauf hinaus, das Plansan nicht weiter verfolgt wurde. Eine Neuauflage für die Jahre 2020 bis 2023 wird nicht vorbereitet, obwohl zivilgesellschaftliche Organisationen Interesse daran bekundet haben.

Die Covid-19-Krise verschärft die Probleme. Normalerweise bekommen 40 Millionen Kinder und Jugendliche täglich in öffentlichen Schulen Mahlzeiten. Im Lockdown fällt das aber ebenso aus wie der Unterricht. Die Bolsonaro-Regierung hat allerdings Sondergenehmigungen für Lebensmittelzuteilungen an die Eltern und Vormünder der betroffenen Schüler und Schülerinnen erteilt – mit positiven Nebenwirkungen auf die Einkommen von Produzenten, einschließlich kleiner Bauernhöfe. Der rechtspopulistischen Regierung ist es wichtiger, als aktiv im Kampf gegen Hunger und bei der Förderung der Landwirtschaft wahrgenommen zu werden, als komplexe Gesundheitsprobleme anzugehen.

Die Bundesregierung hat auch kein stimmiges Konzept als Reaktion auf die Pandemie entwickelt. Der Präsident hat sie kleingeredet (siehe meinen Beitrag im Covid-19-Tagebuch von E+Z/D+C e-Paper 2020/06). Lockdowns wurden von Gremien auf subnationaler Ebene (Kommunen und Landesregierungen) beschlossen. Die Website Woldometer meldete für Brasilien Mitte Oktober fast 5,4 Millionen Infektion und mehr als 150 000 Tote. Nur in den USA waren mehr Patienten dem Coronavirus erlegen.

Auch die Volkswirtschaft ist hart getroffen. Die Weltbank schätzt, dass die Zahl der extrem Armen in unserem Land bis zum Jahresende auf knapp 15 Millionen steigen wird. Das wäre ein Zuwachs um fast 50 Prozent in diesem Jahr.

Wachsendes Bewusstsein

Positiv ist jedoch, dass viele Brasilianer mittlerweile auf Gesundheit achten. Sie interessieren sich für einschlägige Informationen. Fast 40 Prozent treiben beispielsweise regelmäßig in der Freizeit Sport. Vielen ist auch klar, dass gute Ernährung die körperliche Fitness unterstützt, wobei ausgewogene Diäten selbstverständlich nicht nur für Amateurathleten gut sind. Monyke Lopes, eine auf Ernährungsfragen spezialisierte Heilpraktikerin sagt, das öffentliche Bewusstsein für solche Dinge wachse, wobei manche Menschen leider weiterhin ignorant blieben.

Sie betont aber auch, dass viele Dinge Lebensmittelentscheidungen beeinflussen. Dabei spiele der sozioökonomische Status eine sehr große Rolle. Haushalte mit niedrigen Einkommen könnten sich eine ausgewogene Ernährung oft nicht leisten, da gesunde Produkte wie etwa Bio-Obst und -Gemüse teuer seien. Das gelte ebenso für proteinreiche Waren wie mageres Fleisch und Fisch. Allzu oft bestehe die Ernährung armer Haushalte vor allem aus Kohlehydraten sowie Süßigkeiten als Nachtisch oder zwischendrin. Andererseits fehle vielen berufstätigen Müttern auch die Zeit zum Kochen, sodass sie ihren Familien Fertiggerichte kauften, die typischerweise zu viel Zucker, Salz und Fett enthalten.

Bei Kindern und Jugendlichen ist Fettleibigkeit besonders problematisch, denn sie entwickeln früh ungesunde Gewohnheiten. Personen, die schon in jungen Jahren fettleibig sind, leiden auch mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit früher an Folgeerkrankungen.

Auch diesbezüglich gibt es international Anlass zu Sorgen. Eine Gemeinschaftsstudie von WHO und dem Londoner Imperial College hat 2017 ergeben, dass sich die Zahl der fettleibigen Kinder und Jugendlichen weltweit in den vergangenen 40 Jahren verzehnfacht hat. Die Autoren warnten, die aufgezeigten Trends würden, sollten sie konstant bleiben, Fettleibigkeit in der jungen Generation schon 2022 zu einem größeren Problem als Mangelernährung machen.

Aus Sicht der Heilpraktikerin Lopes bewegten sich brasilianische Kinder im Alltag nur wenig, sie schauten viel fern und beschäftigten sich mit ihren Mobiltelefonen. Fast Food sei in dieser Altersgruppe sehr beliebt, Gemüse hinegen werde kaum gegessen. Lopes überrascht es nicht, dass die Hälfte ihrer Patientinnen und Patienten abnehmen wollten und/oder unter einer chronischen Krankheit litten. Gesundheit und gesunde Ernährung müssten im Schulunterricht thematisiert werden, urteilt Lopes.

Thuany Rodrigues ist Journalistin und lebt in Rio de Janeiro.
thuanyrodriigues@gmail.com

Kategorien: Ticker

20. Oktober 2020

ONE - 20. Oktober 2020 - 11:50

1. Vorbereitung auf den Impfstoff
In einem Interview mit Zeit Online mahnt Professorin Marylyn Addo, Infektiologin am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf, die Gesellschaft an, sich an die empfohlenen Maßnahmen halten, um der Pandemie die Stirn zu bieten. Es gebe jedoch auch Grund zur Zuversicht: Die Forschung zu Covid-19 sei erheblich vorangegangen und die Mediziner*innen haben ein besseres Einschätzungsvermögen für Risikopatient*innen entwickelt, die an Corona erkrankt sind. Derzeit seien zwischen 170 und 190 Impfstoffe in der Entwicklung und 44 davon in der klinischen Testphase. Addo selbst forsche in Hamburg an einem Corona-Vakzin. Die Weltgesundheitsorganisaton (WHO) erwartet einen Corona-Impfstoff Mitte des Jahres 2021, wie Deutschlandfunk, RP Online und RTL.de melden. Das UN-Kinderhilfswerk UNICEF lagert laut der Süddeutschen Zeitung und der Berliner Zeitung bereits 520 Millionen Spritzen, um einen neuen Impfstoff so schnell wie möglich einsetzen zu können.

2. Klimakrise und Wasserknappheit
Wie Matthias Jauch im Tagesspiegel berichtet, geht der Streit zwischen Ägypten, Äthiopien und Sudan bezüglich des Staudamms weiter, den Äthiopien gebaut hat. Trotz Drohungen aus Ägypten habe Äthiopien den Staudamm im Juli erstmals mit Wasser befüllt. Während Äthiopien sich davon eine deutlich verbesserte Stromversorgung verspricht, sorgen sich die Bewohner*innen Sudans und Ägyptens um ihre Wasserversorgung. Ein Szenario wie dieses werde auch in Zukunft kein Einzelfall sein. Durch das Bevölkerungswachstum werde der Wasserbedarf weltweit steigen. Nach UN-Angaben haben bereits jetzt 2,2 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Außenminister Heiko Maas habe bereits davor gewarnt, dass der Klimawandel nicht nur eine ökologische Herausforderung, sondern auch immer öfter eine Frage von Krieg und Frieden sei. Bereits jetzt gebe es in Nigeria blutige Kämpfe um Weide- und Ackerland, wie Matthias Jauch im Tagesspiegel weiter schreibt. Im Falle des oben erwähnten Staudamms fordern Ägypten und der Sudan eine Einigung. Es habe in der Vergangenheit vorbildliche Lösungen für derartige Probleme gegeben: 1960 haben Indien und Pakistan einen Vertrag zur Nutzung des Indus-Wassers geschlossen, der bis heute gültig ist.

3. Südafrika: Apartheidsgedanken nach wie vor präsent
Bereits am Wochenende schrieb Christian Putsch in der Welt am Sonntag, dass sich die Lage in Südafrika bezüglich der Morde an weißen Farmern zuspitzt. Nach dem Mord an einem jungen weißen Landwirt im südafrikanischen Senekal haben sich Aktivist*innen der EFF (Economic Freedom Fighters) sowie Vertreter*innen der Buren auf den Straßen der Stadt eingefunden. Beiden Gruppen seien am Ortseingang im Zuge von Polizeikontrollen Waffen abgenommen worden. 90 Prozent der Farmen im Bezirk seien im Besitz von Weißen. Im vergangenen Jahr habe es 73 Mordfälle auf Farmen im ganzen Land gegeben. Der letzte Mord in der Gegend um Senekal sei jedoch an einem dunkelhäutigen Farmer begangen worden. Insgesamt sei schwarze Bevölkerung Südafrikas einer weit höheren Kriminalitätsrate ausgesetzt.

The post 20. Oktober 2020 appeared first on ONE.

Kategorien: Ticker

Seiten

SID Hamburg Aggregator – Ticker abonnieren