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Das Ende inklusiver Sicherheitspolitik im Indopazifik

SWP - 8. Oktober 2021 - 8:19

Ob wachsende Spannungen zwischen China und Taiwan oder die Aukus-Allianz zwischen den USA, Australien und Großbritannien — die Sicherheitsarchitektur im Indopazifik ändert sich gerade fundamental. Das zwingt auch Deutschland, seine Politik zu überdenken. Bislang vermeidet es eine deutliche sicherheitspolitische Positionierung gegenüber China. Dieser inklusive Ansatz scheint aber immer weniger realistisch. Dem geplanten Besuch der Fregatte »Bayern«, die Anfang August in See gestochen ist und sich gerade im Indopazifik befindet, hat Peking eine Absage erteilt. Die Präsenz europäischer Einheiten werde als Bedrohung betrachtet, so die Begründung. Es fehle die Basis für gegenseitiges Vertrauen, also genau das, was Deutschland mit dem Besuch herstellen wollte. Die deutsche Politik muss nun entscheiden, wie sie sich gegenüber China positionieren will.

Deutschlands Rolle im Indopazifik

Deutschland erkennt seine eigene Rolle als globaler Wirtschaftsakteur, aber auch – zumindest im europäischen Raum – als eine der größeren politischen Mächte an. Aus diesem Grund sieht die Bundesregierung die Notwendigkeit, auch im Indopazifik zur Stabilität und Sicherheit beizutragen. Ihre im August 2020 veröffentlichten Leitlinien für den Indopazifik sehen für die deutsche Außen- und Sicherheitspolitik einen inklusiven Ansatz vor, der sich nicht nur an die Partner in der Region richtet, sondern an alle Akteure. Auch China soll in einen Dialog und die Gestaltung einer umfassenden Sicherheitsarchitektur einbezogen werden.

In diesem Sinne ist die für sieben Monate geplante Mission der Fregatte »Bayern« vor allem ein politisches Zeichen. Sie soll beweisen, dass Deutschland entsprechend seiner Wirtschaftskraft und seines politischen Einflusses mehr Verantwortung übernimmt und mit den Akteuren in der Region kooperieren will. Abgesehen von der Teilnahme an den Sanktionen der Vereinten Nationen gegen Nordkorea hat die Entsendung des deutschen Kriegsschiffes kein tieferes operatives militärisches Ziel. Die »Bayern« hat sich zwar kurzfristig an der EU-Operation Atalanta am Horn von Afrika beteiligt und wird in den kommenden Monaten verschiedene kleinere Übungen mit Marineeinheiten der Gaststaaten durchführen. Der Grund für die Präsenz- und Ausbildungsfahrt ist jedoch strategisch-funktionaler Natur.

Chinas Ablehnung eines offiziellen Hafenbesuchs in Shanghai ist daher ein Rückschlag für den inklusiven deutschen Ansatz. Denn damit wurden einerseits Dialogmöglichkeiten gestrichen. Andererseits wird sich die »Bayern« nun verstärkt mit den Partnern in der Region engagieren. Statt Shanghai steht nun ein weiterer Hafenbesuch in Australien auf der Agenda. Sollten deutsche Streitkräfte in Zukunft erneut Präsenz-und Ausbildungsfahrten im Indopazifik unternehmen, würde sich Deutschland aufgrund der diesjährigen Erfahrungen gegenüber China wohl kritischer als bisher positionieren und enger mit seinen Verbündeten und Partnern zusammenzuarbeiten. Der inklusive sicherheitspolitische Ansatz ist letztlich an der Realität gescheitert, in der sich die Fronten zwischen China und den USA sowie vielen Anrainern zunehmend verhärten.

Deutschland im internationalen Spannungsfeld

Deutschland muss sich daher auch unabhängig von der »Bayern« entscheiden, ob es seine Sicherheitspolitik in einem transatlantischen oder europäischen Ansatz fortsetzen will. Und selbst dann wird ein inklusives Herangehen nur schwer zu bewerkstelligen sein. Der Abzug aus Afghanistan hat gezeigt, wie sehr sich die US-Politik auf den Indopazifik konzentriert und andere Themen diesem unterordnet. Den Europäern hat die Evakuierungsoperation nach der Machtübernahme der Taliban ihre geringe Handlungsfähigkeit und Abhängigkeit von den USA vor Augen geführt. Die Gründung von Aukus verdeutlicht nun, dass die Amerikaner im indopazifischen Systemwettstreit keine Rolle für ihre kontinentaleuropäischen und EU-orientierten Alliierten sehen. Die Nato als transatlantische Sicherheitsgemeinschaft wird sich im Indopazifik auf Dialoge und diplomatische Zusammenarbeit beschränken. Eine aktivere Beteiligung mit militärischen Einheiten scheint von Seiten der USA nicht erwünscht zu sein. Eine härtere Linie gegenüber China wollen die USA mit der Mitte September gegründeten Aukus-Allianz vertreten. Das unterstreicht die Entscheidung Australiens, nuklear angetriebene U-Boote von den USA zu beschaffen. Dafür werden die seit 2016 bestehenden Verträge mit Frankreich über konventionell angetriebene U-Boote aufgelöst.

Die ebenfalls Mitte September veröffentlichte EU-Strategie für die Zusammenarbeit im Indopazifik erhebt den Anspruch, in der Region eine eigene Rolle neben den USA zu spielen. Innenpolitisch wäre es für Berlin einfacher, eine größere deutsche Rolle im Indopazifik zu vermitteln, wenn diese in einen europäischen Rahmen eingebettet ist. Deutsche Streitkräfte würden dort absehbar nur sporadisch präsent sein. Ihre Rolle wäre dann vor allem ein politisches Signal, um in enger Abstimmung mit Frankreich die EU-Strategie zu unterstützen, unabhängig von der Sicherheitsallianz Aukus, auch wenn sich diese noch weiterentwickeln wird.

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Über Menschenrechte und Mode

Engagement Global - 7. Oktober 2021 - 17:49
Das Thema der Podiumsdiskussion war menschenwürdige Arbeit in der Modeindustrie. Foto: Ajaya Kumar Behera

Was will der Mensch in Zukunft tragen? Um diese Frage ging es bei der Podiumsdiskussion am Mittwoch, 29. September 2021, in Augsburg. Die Frage wurde dabei nicht aus einer künstlerischen Perspektive betrachtet, sondern vor allem in Hinblick auf Arbeitsbedingungen, Ressourcenschutz und Menschenrechte diskutiert. Die Außenstelle Stuttgart von Engagement Global hatte gemeinsam mit der Akademie für Mode und Design (AMD) und dem Mediencampus Bayern in die Ausstellungsräume des Staatlichen Textil- und Industriemuseums in Augsburg eingeladen, um die verschiedenen Perspektiven rund um Mode, Menschenrechte und Umweltschutz zu erkunden. Magdalena Schaffrin und Jennifer Jonat führten als Moderatorinnen durch den Abend.

Expertinnen und Experten der Branche, die an unterschiedlichen Punkten in der Wertschöpfungs- und Lieferkette tätig sind, haben diverse Sichtweisen in die Veranstaltung miteingebracht. Dr. Karl Borromäus Murr, der Direktor des Staatlichen Textil- und Industriemuseums, problematisierte die Fast-Fashion-Industrie, die immer billiger und in schlechterer Qualität produziere. „Was wir auf unserer Haut tragen ist ethisch untragbar und moralisch unerträglich“, erklärt der Professor. Auch über die Kampagne für saubere Kleidung wurde gesprochen, die Missstände der globalen Textilindustrie mit Lobbyarbeit und lokalen Aktionen seit 1996 in den Fokus rückt. Dabei gehe es nicht um Boykott, sondern um eine Sensibilisierung für eine Produktion, die die Menschenrechte achtet und die Umwelt nicht schädigt, erklärte Isabell Ullrich, die Vertreterin der Kampagne. Dass es solche beispielhaften Unternehmen in der Modebranche schon gibt, machte an diesem Abend Christin Schwarzer vom Label MYMARINI deutlich, einem jungen Unternehmen für nachhaltige Bademode mit Sitz in Hamburg und Triberg im Schwarzwald.

Auch das Ende der Wertschöpfungskette wurde in Hinblick auf Entsorgungsprobleme und die mögliche Lösung, das Modell der Kreislaufwirtschaft, von den Expertinnen und Experten besprochen. Damit Kreislaufwirtschaft gelinge, brauche es, wie Arianna Nicoletti von der Nichtregierungsorganisation Circular Berlin betonte, einen regionalen Ansatz. Die gemeinsame historische Betrachtung auf die ehemalige Textilmetropole Augsburg zeige, dass es eine Nähe von Produktion und Konsum brauche, um zu sehen, was die sozialen und ökologischen Auswirkungen sind. Damit hat die Podiumsdiskussion einen Einblick gegeben, der zeigt, worauf der 7. Oktober aufmerksam macht: Menschenwürdige Arbeit ist in vielen Branchen, auch der Modebranche, noch nicht selbstverständlich.

„wear next? Menschenrechte, Recycling und Kreislaufwirtschaft in der Mode“ war eine Kooperation zwischen der Akademie für Mode und Design in München, dem Mediencampus Bayern, dem Staatlichen Textil- und Industriemuseum in Augsburg und der Außenstelle Stuttgart von Engagement Global. Die Veranstaltung wurde im Rahmen des Programms Entwicklungsbezogene Bildung in Deutschland (EBD) im Hybridformat durchgeführt.

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10 Jahre Klimapartnerschaften in 30 Bildern

Engagement Global - 7. Oktober 2021 - 16:14
Mario Kolvenbach ist im Team von Engagement Global die meisten Kilometer gefahren. Foto: Privat

Das Fahrrad ist nicht nur Fortbewegungsmittel – es ist auch Freizeitbegleiter, Sportförderer und Klimaschützer. Mehr Radfahren im Alltag kann die individuelle CO2-Emission senken, mit dem internationalen Wettbewerb „Stadtradeln“ wird es zu einem kommunalen Beitrag. Die Kampagne des Netzwerks Klima-Bündnis ruft Bürgerinnen und Bürger dazu auf, in 21 Tagen zwischen Mai und September möglichst viele Kilometer auf dem Rad zu fahren. Zum 14. Mal findet der Wettbewerb 2021 statt – mit so vielen radfahrenden Kommunen wie noch nie.

Mit einem Team aus 57 Kolleginnen und Kollegen beteiligte sich Engagement Global in diesem Jahr zum siebten Mal am Wettbewerb. Vom 5. bis 25. September 2021 radelte das Bonner Team insgesamt 16.827 Kilometer – und konnte sich damit im Vergleich zum letzten Jahr um über 4.000 Kilometer steigern. 2.474 Kilogramm CO2 sparten die Kolleginnen und Kollegen und setzten somit ein eigenes Zeichen für Klimaschutz. Insgesamt wurden in der Stadt Bonn 774.392 Kilometer geradelt, im kommunalen Vergleich ist Engagement Global auf Patz 11.

Auf Platz eins im Engagement Global Stadtradeln-Team ist der Mitarbeiter Mario Kolvenbach, der insgesamt 1.381,1 Kilometer zurückgelegt hat. Der Teamsieger verrät seine Lieblingsstrecken: „Im Umland von Bonn gibt es viele tolle abwechslungsreiche Gebiete zum Fahrradfahren. Ich fahre gerne im Kottenforst, in der Siegaue und in der Wahner Heide oder am Rhein.“ Stadtradeln ist eine Kampagne des Klima-Bündnis, dem größten Netzwerk von Städten, Gemeinden und Landkreisen zum Schutz des Weltklimas. Ziele der Kampagne sind, einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten und ein Zeichen für eine bessere Radinfrastruktur in den Kommunen zu setzen.

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The C20 Final Communiqué is online

#C20 18 - 7. Oktober 2021 - 15:31
The Civil 20, the Engagement Group of the G20 gathering the voice of international civil society, releases its Final Communiqué
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Psychische Gesundheit: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Unicef - 7. Oktober 2021 - 14:37
Sie ist wichtig für uns alle, aber trotzdem reden wir kaum darüber: Der Umgang mit psychischer Gesundheit ist von Missverständnissen und Stigmata geprägt. Was psychische Gesundheit bedeutet und welche Faktoren sie schon in der Kindheit beeinflussen – hier haben wir die wichtigsten Infos zusammengestellt.
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Ländliche Räume in der Sommerakademie

Engagement Global - 7. Oktober 2021 - 11:26
Die Teilnehmenden der Sommerakademie auf Exkursionen in der Lausitz. Foto: Engagement Global

35 Studierende aus verschiedenen Fachrichtungen setzten sich bei der SDG Sommerakademie in diesem Jahr mit der Frage nach der Rolle und Bedeutung von ländlichen Räumen für die Umsetzung und Erreichung der 17 Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals - SDG) auseinander. Sie fragten sich, welche Perspektiven im Verständnis des Themenkomplexes weiterbringen können und welche Ansätze und Initiativen möglich sind, aber auch welche Herausforderungen es im Spannungsfeld zwischen nachhaltiger Entwicklung und ländlichen Räumen im Globalen Norden und Süden gibt. Die Sommerakademie wurde von dem EPIZ Berlin in Kooperation mit der Außenstelle Berlin von Engagement Global organisiert und hat von Montag, 27. September 2021, bis Donnerstag, 30. September 2021, hybrid stattgefunden.

Impulse, Workshops und Exkursionen

Jens Martens führte mit einem Impuls zu „dem vergessenen“ SDG – dem ländlichen Raum – in die Thematik ein. Der Geschäftsführer des Global Policy Forums führte aus, dass auch, wenn die Entwicklung des ländlichen Raums kein eigenes SDG sei, viele SDG auch auf ländliche Räume anwendbar seien. Drei Exkursionen in die Umgebung Brandenburgs boten einen konkreten Einstieg zu verschiedenen Perspektiven auf ländliche Räume, darunter die Bereiche Ressourcen, Umgang mit Land und Leuten, Ernährungssysteme und Biodiversität.

Die Möglichkeiten des Online-Formats nutzend, sind an den weiteren Tagen Referierende aus drei Kontinenten mit Vorträgen und Workshop-Beiträgen zugeschaltet worden und haben mit ihren Impulsen aktiv die Perspektive des Globalen Südens und insbesondere auch die von Frauen eingebracht. Die indigene Umwelt- und Menschenrechtsverteidigerin Patricia Gualinga verdeutlichte, dass das Wissen von Indigenen integriert werden müsse als Bestandteil der Lösung, wie die Nachhaltigkeitsziele erreicht werden können. Basis dazu sei ihr Verständnis von lebendigen Wäldern und ihre sehr spezielle Beziehung zur Natur. Teilnehmende waren von Patricia Gualingas Vortrag nachhaltig beeindruckt und nahmen die Botschaft in der gemeinsamen Auswertung auf: „Auf in die Praxis. Nicht nur theoretisieren!“

Zum Abschluss: Austausch und Vernetzung

Eine Vernetzungsecke auf dem begleitenden Miro-Board lud zum Austausch und zur gemeinsamen Weiterarbeit ein. Handlungsorientierte Workshops etwa zum Engagement von jungen Erwachsenen oder zum Globalen Lernen ergänzten die Eindrücke. Eine Abschlussrunde führte ins Berliner Global Village und ermöglichte Einblicke in die entwicklungspolitische Akteursszene Berlins sowie in die Arbeit des EPIZ.

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7. Oktober 2021

ONE - 7. Oktober 2021 - 10:58

1. Durchbruch im Kampf gegen Malaria

Erstmals hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die breite Anwendung eines Impfstoffes gegen Malaria empfohlen. Darüber berichten Tagesschau.de, Zeit Online, Stern.de, die Stuttgarter Nachrichten und die Deutsche Welle. Der Impfstoff RTS,S solle an Kinder in Subsahara-Afrika und in anderen Malaria-Regionen verabreicht werden. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus betone, dies sei ein “historischer Moment” und ein “Durchbruch für die Wissenschaft”. Zusammen mit bisherigen Präventionsmaßnahmen können nun jährlich Zehntausende Menschenleben gerettet werden, so Tedros. Die Empfehlung basiere auf Pilotversuchen mit rund 800.000 Kindern in Ghana, Kenia und Malawi. Unter den Geimpften seien tödliche Krankheitsverläufe um 30 Prozent zurückgegangen. Jedes Jahr gebe es rund 200 Millionen Malaria-Infektionen, überwiegend in Afrika. An der Infektion sterben jährlich 400.000 Menschen, vor allem Kinder unter fünf Jahren.

 

2. Google will eine Milliarde Dollar in Afrika investieren

Google will über die nächsten fünf Jahre mit umgerechnet 862 Millionen Euro die Digitalisierung in Afrika vorantreiben. Darüber berichten Zeit Online, Stern.de, das Handelsblatt, die Frankfurter Rundschau und die Berliner Morgenpost. Die Einrichtung einer neuen Untersee-Kabelverbindung solle schnellere Internetgeschwindigkeiten und geringere Verbindungskosten ermöglichen, so Google-Chef Sundar Pichai. Das «Equiano» genannte Glasfaserkabel soll durch Südafrika, Namibia, Nigeria und die Insel St. Helena verlaufen und den Kontinent mit Europa verbinden. Ein Unternehmenszusammenschluss um den Facebook-Konzern baue ebenfalls ein neues Unterseekabel in Afrika. Es solle Afrika von Ägypten aus mit Europa und über Saudi-Arabien mit dem Nahen Osten verbinden. In Afrika hatten gerissene Unterseekabel mehrmals zu massiven Internetproblemen geführt. Anfang 2020 seien gleichzeitig zwei Kabel im Atlantik ausgefallen, die mehrere Länder Afrikas mit Europa verbinden. Dadurch seien auch internationale Anrufe sowie mobiles Roaming beeinträchtigt gewesen.

 

3. Zunehmender Terror in Afrika

Christian Putsch thematisiert in der Welt den Terror in Afrika und dessen Bedeutung für Europa. Der Kontinent gelte als die am meisten durch Terror betroffene Weltregion. Die Zahl der Anschläge sei über die letzten Jahre um ein Vielfaches gestiegen. Grund dafür seien der Vormarsch des Islamischen Staates (IS) und al-Qaida. In Afrika gebe es drei Krisenherde: die Sahelzone, das Tschadseebecken und Somalia. In der Sahelzone gehe die Gewalt vor allem vom Konflikt zwischen dem “Islamic State in the Greater Sahara” (ISGS) und “Jamaat Nasr al-Islam wal Muslimin” (JNIM) aus. Der Bürgerkrieg in Libyen habe die gravierendsten Auswirkungen. In Nigeria habe Boko Haram an Einfluss verloren und die Gruppe “Islamic State West Africa Province” (ISWAP) gelte als die stärkste Bedrohung. Dabei sei Nigeria als bevölkerungsreichstes Land Afrikas von großer Bedeutung für Europa, so Putsch. In Somalia verstärke neben der Terrormiliz al-Shabaab vor allem der Konflikt zwischen IS und al-Qaida die Brutalität des Terrors. Europa habe großes Interesse an einer Deeskalation, insbesondere aufgrund Somalias geografischer Lage. Der Vormarsch von al-Shabaab könne außerdem erhoffte Investitionen in den afrikanischen Kontinent erschweren.

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Water governance and policies

DIE - 7. Oktober 2021 - 9:27

Failure at multiple levels of governance rather than the resource base itself is at the origin of the water crisis. Despite increasing scholarly research on water governance and efforts towards policy reform the overall situation has not substantially improved and major transformations in water governance are yet to be implemented. The chapter summarises and addresses multi-level and multi-sectoral challenges for water governance by reviewing and discussing several key concepts in science and policy. An analysis of basin scale approaches and their effectiveness and a discussion of the importance of scale and of multi-level governance approaches shows that crossing boundaries is essential to tackle complexities of sustainable water governance and management. The concept of the WEF nexus is introduced and critically analysed concerning its potential to overcome sectoral fragmentation and sectoral power imbalances. Crossing boundaries also implies governance across national borders. The sub-chapters on transboundary water management and on global water governance address these international and global dimensions. Overall, the chapter highlights from different perspectives the importance of linking and of governing across scales from the local to the international and global.

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UN-Generalversammlung der »Hoffnung«

SWP - 7. Oktober 2021 - 2:00

Obwohl auch die 76. Generaldebatte der Vereinten Nationen Pandemie-bedingt erneut in einem hybriden Format stattfinden musste, war die Stimmung deutlich positiver als im Vorjahr. Nicht nur war der Saal in New York besser gefüllt, auch der Ton der Debatte war kooperativer, nicht zuletzt weil US-Präsident Biden auf Diplomatie zu setzen versprach. UN-Generalsekretär António Guterres legte seinen Bericht »Our Common Agenda« vor und warb für ambitionierte UN-Reformen. All dies passt zum Thema der diesjährigen Generaldebatte: »Stärkung der Widerstandsfähigkeit durch Hoffnung« (»Building resilience through hope«). Parallel zur Debatte fand eine Viel­zahl von Treffen statt, die jenseits von Worten auch auf Taten zielten. Hier ist die Bilanz jedoch nicht überzeugend, wie ein Blick auf den sogenannten »SDG-Moment« zeigt.

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COVID-19: how can the G20 address debt distress in SSA?

DIE - 6. Oktober 2021 - 17:20

Since the pandemic began, the debt situation in Sub-Saharan Africa (SSA) has been further exacerbated as the pandemic has constrained the ability of many countries to mobilise revenues; it has also raised public  sector financing requirements. To close the financial gap, countries in SSA need short-term and long-term liquidity from a wide range of financiers. The G20 assumes a crucial role in resolving debt problems in SSA as the only forum that encompasses the governments of Africa’s most important creditors among industrialised countries and emerging markets. The G20 can help by: (a) operationalising, in the shortterm, the Common Framework for Debt Treatments beyond the Debt Service Suspension Initiative (DSSI) and linking it to sustainable development; (b) supporting robust replenishments of the concessional windows of the International Development Association (IDA) and the African Development Fund (ADF) and a new allocation of Special Drawing Rights (SDRs) for low-income countries (LICs); (c) enhancing capacity building for domestic resource mobilisation in LICs through the development of financial sectors and public financial management; and (d) developing a set of critical indicators for CRAs that can easily be compared across countries and can stand the test of time and changing risk profiles.

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Kuwaiti small businesses after the pandemic: time for a new social contract

DIE - 6. Oktober 2021 - 15:56

Has the Covid-19 outbreak been a blessing in disguise for the social contract for micro, small and medium-sized enterprises in Kuwait? This column argues that the double crisis of the pandemic and low oil prices provides an opportunity to adopt the reforms that are necessary to make the country’s economy more dynamic, in particular encouraging innovation and job creation in the small business sector.

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Kilometer für Klimaschutz

Engagement Global - 6. Oktober 2021 - 15:03
Mario Kolvenbach ist im Team von Engagement Global die meisten Kilometer gefahren. Foto: Privat

Das Fahrrad ist nicht nur Fortbewegungsmittel – es ist auch Freizeitbegleiter, Sportförderer und Klimaschützer. Mehr Radfahren im Alltag kann die individuelle CO2-Emission senken, mit dem internationalen Wettbewerb „Stadtradeln“ wird es zu einem kommunalen Beitrag. Die Kampagne des Netzwerks Klima-Bündnis ruft Bürgerinnen und Bürger dazu auf, in 21 Tagen zwischen Mai und September möglichst viele Kilometer auf dem Rad zu fahren. Zum 14. Mal findet der Wettbewerb 2021 statt – mit so vielen radfahrenden Kommunen wie noch nie.

Mit einem Team aus 57 Kolleginnen und Kollegen beteiligte sich Engagement Global in diesem Jahr zum siebten Mal am Wettbewerb. Vom 5. bis 25. September 2021 radelte das Bonner Team insgesamt 16.827 Kilometer – und konnte sich damit im Vergleich zum letzten Jahr um über 4.000 Kilometer steigern. 2.474 Kilogramm CO2 sparten die Kolleginnen und Kollegen und setzten somit ein eigenes Zeichen für Klimaschutz. Insgesamt wurden in der Stadt Bonn 774.392 Kilometer geradelt, im kommunalen Vergleich ist Engagement Global auf Patz 11.

Auf Platz eins im Engagement Global Stadtradeln-Team ist der Kollege Mario Kolvenbach, der insgesamt 1.381,1 Kilometer zurückgelegt hat. Der Teamsieger verrät seine Lieblingsstrecken: „Im Umland von Bonn gibt es viele tolle abwechslungsreiche Gebiete zum Fahrradfahren. Ich fahre gerne im Kottenforst, in der Siegaue und in der Wahner Heide oder am Rhein.“ Stadtradeln ist eine Kampagne des Klima-Bündnis, dem größten Netzwerk von Städten, Gemeinden und Landkreisen zum Schutz des Weltklimas. Ziele der Kampagne sind, einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten und ein Zeichen für eine bessere Radinfrastruktur in den Kommunen zu setzen.

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How Can Industrial Digitalisation Enable More Sustainability? – Join Us and Let’s Exchange at this Year’s G-STIC Conference on 26 October 2021!

SCP-Centre - 6. Oktober 2021 - 13:37

Industry 4.0 holds a great potential to reduce the environmental impact of our production systems and enable the Circular Economy. The session “Paving the twin transition road” at the Global Sustainable Technology & Innovation Community (G-STIC) conference during the World Expo Dubai 2021 will bring together experts and stakeholders to jointly reflect and discuss how such a transition could look like and how to accelerate it.

A recent study for the European Environmental Agency (EEA) conducted by the European Topic Centre on Waste and Materials in a Green Economy (ETC/WMGE)’s partners Wuppertal Institute, VITO, VTT and the CSCP analyses the opportunities of Industry 4.0 to reduce the environmental impact of our production systems. The focus is set on enabling and sustaining circular economy strategies. The ability of digitalisation and Industry 4.0 as a systemic approach to collect, analyse and transfer data into information, knowledge and wisdom is foundational for scaling up the circular economy. This has also been acknowledged by the 2020 EU Industrial Strategy, where the acceleration of the twin transition is also a key focus. Accordingly, the report investigates potential benefits and illustrates them based on case studies of existing technology applications. It also shows that technologies for digital manufacturing require close attention with regard to their own environmental footprint.

The G-STIC session “Paving the twin transition road” builds on the findings of this study. Throughout the session, participants will have the opportunity to hear about the main insights and learnings stemming from the study. They will also jointly reflect and discuss with expert stakeholders on related implications and leverage points for a twin (green and digital) transition.

Date: 26 October 2021
Time: 12 – 13:30h. (CEST) / 14:00 – 15:30h. (GST, Dubai)
Format: Online
Language: English

For more details, please have a look at the programme here.

Do you work or are interested in digitalisation and sustainability-related topics? Do you want to learn more how digitalisation can support the shift toward more sustainable development and circular economy? Then, register here, join us at the G-STIC conference and become part of the change!

For further questions, please contact Arlind Xhelili.

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Lern Fair e.V. – (Bildungs-) Lektionen aus der Corona-Pandemie

EINEWELTblabla - 6. Oktober 2021 - 13:13

Die Corona-Pandemie war in vielerlei Hinsicht ein Weckruf für die Menschheit – auch für das deutsche Bildungssystem. Schon lange vorher war bekannt, dass nicht jeder Mensch im gleichen Maße Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung hat. Aber was vor der Pandemie noch hauptsächlich als Problem des Globalen Südens abgetan wurde, ist mittlerweile auch eine viel debattierte Problematik des Globalen Nordens. Durch die Schließung der Schulen wurde der komplette schulische Alltag in den digitalen Raum verlegt. Eine Umstellung, die besonders Kinder benachteiligt, die Zuhause keinen Zugang zu Informations- und Kommunikationstechniken haben oder aus bildungsferneren Milieus stammen. Im SDG 4 „Recht auf Bildung“ haben die United Nations festgehalten, dass bis 2030 alle Menschen einen Zugang zu Bildung erhalten sollen. Um diesem Ziel ein Stück näherzukommen, wurden viele verschiedene Organisationen und Projekte gestartet – dazu gehört auch Lern Fair e.V.

Auf Wiedersehen Bildungsungleichheiten, Hallo Chancengleichheit!

Lern fair e.V. ist ein gemeinnütziger Zusammenschluss Studierender aus ganz Deutschland. Gegründet wurde das Projekt im März 2020 in Bonn unter dem Namen „Corona School“. Angeboten wird kostenlose 1:1 Nachhilfe, Workshops und Coachings von Studierenden für Schüler:innen.  Aktuell sind mehr als 15.000 Helfer:innen und 23.000 Schüler:innen registriert. Das Projekt hofft vor allem Kinder zu unterstützen, die durch die Umstellung auf virtuellen Unterricht benachteiligt sind. Anmelden kann sich jeder, der sein Wissen gerne teilt oder Unterstützung benötigt. Nach der Anmeldung erfolgt ein kurzes Vorstellungsgespräch, um zu überprüfen, ob die Lehrenden die benötigten Qualifikationen mitbringen. Jeder Lehrende kann die Fachrichtungen und Jahrgangsstufen, in denen man Unterstützung anbieten will, ganz individuell festlegen. Anschließend werden Lehrende mit Schüler:innen gepaart und es erfolgt ein erstes Kennlerngespräch. Die Schüler:innen kommen aus den verschiedensten Ecken Deutschlands mit ganz unterschiedlichen Hintergründen. Gemeinsamkeiten gibt es dennoch. Kinder, die mit den Aufgaben und dem Lernstoff überfordert sind oder einfach jemanden zum Reden brauchen und Eltern, die um jede Unterstützung und frei Minute dankbar sind. Der Beitrag einer Nachhilfesitzung pro Woche erscheint dabei klein, die Wirkung ist aber groß. Das wohl Schönste an dem Projekt ist aber, dass man den Kindern nicht nur beim Lernen hilft, sondern auch als private Bezugsperson zur Seiten stehen kann.

Neuer Name, gleiches Ziel

Die Namensänderung kam dieses Jahr im Mai. Aus Corona School wurde Lern Fair. Warum? Die Organisatoren wollen damit ein klares Zeichen setzen. Wir bleiben. Auch wenn die Pandemie irgendwann vorbei sein sollte, das Projekt bleibt und damit die Unterstützung. Das deutsche Bildungssystem hat noch einen weiten Weg vor sich, bis es gerecht und fair ist. Aber immerhin, jetzt können wir alle mithelfen!

-Charlotte Winkler-

Das Beitragsbild ist von Charlotte Winkler.

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The winding road to renewed Europe-Africa partnership in post-COVID world

DIE - 6. Oktober 2021 - 11:40

Once the dust of the COVID-19 crisis settles, it will be time to build a new foundation for Europe-Africa relations. As the EU searches for allies in a post-COVID world, a group of seven European think tank leaders looks at how to build a stronger Europe-Africa axis in the multilateral system.

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6. Oktober 2021

ONE - 6. Oktober 2021 - 10:38

1. Klimawandel bringt Wasserhaushalt aus dem Gleichgewicht

Die meisten Länder sind laut Weltwetterorganisation (WMO) nicht auf die steigende Anzahl von Überschwemmungen und Trinkwassermangel vorbereitet. Darüber berichten ZDF.de, Deutschlandfunk und der Mannheimer Morgen. WMO-Generalsekretär Petteri Taalas mahne, die Welt müsse aufwachen und sich der drohenden Wasserkrise stellen. Der Klimawandel verschärfe Überschwemmungen wie zuletzt in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen sowie in einigen asiatischen Ländern. Die Zahl der Katastrophen durch Fluten sei in den vergangenen 20 Jahren um 134 Prozent gestiegen, die Zahl der Dürren um 29 Prozent. Weltweit hatten 2018 rund 3,6 Milliarden Menschen mindestens einen Monat lang nicht genügend Wasser. Die Zahl werde bis 2050 auf mehr als 5 Milliarden steigen. Besonders betroffen seien unter anderem der Nahe Osten, die Sahelzone in Afrika, der Mittelmeerraum und der Westen der USA sowie Südamerikas. Zu den UN-Nachhaltigkeitszielen gehöre, dass bis 2030 alle Menschen sauberes Trinkwasser und eine Abwasserentsorgung haben. Um das zu erreichen, müssen die Anstrengungen vervierfacht werden.

 

2. Praxis der Außen- und Entwicklungspolitik muss auf den Prüfstand

Christoph Heusgen und Wolfgang Ischinger, beide Vorsitzende des Stifterkreises der Münchner Sicherheitskonferenz, thematisieren in der Frankfurter Allgemeine Zeitung die Zusammenlegung der Außen- und Entwicklungsministerien zu einem Verbund. Bereits während des Wahlkampfes seien Forderungen nach einer Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik aus einer Hand gestellt worden. Zuständigkeiten beider Ministerien seien schwer voneinander zu trennen. Eine Zusammenlegung könne laut der Autoren Kohärenz, Effizienz und Effektivität der deutschen Sicherheitspolitik stärken. Die Lage in Afghanistan sei das jüngste Beispiel für ein Scheitern der außen- und entwicklungspolitischen Zusammenarbeit. Trotz milliardenschwerer Investitionen in die Regierung Kabuls sei alles, was man aufgebaut hatte, in kurzer Zeit zusammengebrochen. Entwicklungspolitischer Einsatz müsse – insbesondere auch vor dem Hintergrund der Geschehnisse in Mali – in Zukunft noch stärker politisch koordiniert werden, so die Autoren. Zudem müsse man sich mit einer Anpassung der Ressortstruktur der Ministerien auseinandersetzen.

 

3. “Zero Rating”: Digitaler Kolonialismus im globalen Süden

Andrian Kreye thematisiert in der Süddeutsche Zeitung den Komplettausfall der digitalen Infrastruktur des Facebook-Konzerns am Montag. Für die meisten Menschen in Europa und Amerika sei der Ausfall ein Luxusproblem gewesen, oder sogar eine willkommene “Besinnungspause”. Doch er hatte dramatische Auswirkungen für Hunderte Millionen Nutzer*innen in afrikanischen, asiatischen und lateinamerikanischen Ländern. Dort seien die Anwendungen von Facebook nicht nur ökonomische Infrastruktur sondern “buchstäblich das ganze Internet”. Nutzer*innen können über besondere Funktionen der App für einen geringen Betrag oder gratis auf das Internet zugreifen. Das nenne sich “Zero-Rating”. Diese Praxis sei allerdings keine Wohltätigkeit, sondern ein Geschäftsmodell. Dadurch wollen die großen digitalen Anbieter im globalen Süden Nutzer*innen gewinnen und das Erreichen der Konkurrenz verhindern. Facebook wandele sich durch die Abhängigkeit seiner Nutzer*innen an seine Dienste so vom Anbieter zum Versorger digitaler Infrastruktur. Das mache einen Ausfall so fatal.

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„Ich sehe was, was Du nicht siehst!“

Unicef - 6. Oktober 2021 - 10:00
Im weltweiten Kampf gegen Covid-19 braucht UNICEF dringend Unterstützung, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen und die Folgen der Pandemie für die ärmsten Kinder zu mildern. Eine nationale Spendenkampagne soll eine breite Zielgruppe auf das Thema aufmerksam machen.
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Afghanistan: Die Lage der Menschen spitzt sich dramatisch zu

Welthungerhilfe - 6. Oktober 2021 - 9:29
In Afghanistan sind Hunger und Armut auf dem Vormarsch.
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„Viele gesellschaftliche Faktoren“

E+Z - 6. Oktober 2021 - 8:37
Der Verein Forward for Women setzt sich in Deutschland und im Senegal für Frauen ein, die von Genitalverstümmlung betroffen sind

Sie engagieren sich mit Ihrem Verein Forward for Women gegen FGM. Mit welchen Problemen kommen die betroffenen Mädchen und Frauen hauptsächlich zu Ihnen?
Den Frauen geht es nicht so sehr um Klagen und Mitleid über das, was ihnen widerfahren ist, sondern um ganz praktische Fragen. Die Mädchen wollen wissen, was sie erwartet, ob sie normal Sexualität erfahren können, ob sie normal Kinder bekommen können oder auch, ob man etwas gegen die Verstümmelung unternehmen kann. Es gibt neuerdings tatsächlich die Möglichkeit, die weiblichen Genitalien operativ zu rekonstruieren.

Wie können Sie helfen?
Das ist in jedem Fall eine individuelle Angelegenheit, da gibt es keine Standardlösung. Wenn ein medizinisches Problem wie Schmerzen vorliegt, ist es klar, dann schicke ich sie zu Ärzten, die mit dem Thema FGM etwas anfangen können. Aber jede Frau lebt mit FGM anders. Es geht vor allem um den Austausch von Erfahrungen. Als von FGM betroffene schwarze Frau bin ich eine ganz andere Ansprechpartnerin als eine weiße, blonde Frau. Ich muss herausfinden, was das Ziel der Beratung sein soll. Ich habe nicht die Lösung parat, sondern helfe Betroffenen, eine Lösung zu finden. In meiner Beratungsarbeit geht es auch sehr viel um Empowerment von migrantischen Frauen.

Sind die Mädchen in ihren Heimatländern beschnitten worden oder gibt es gar in Deutschland Fälle von Beschneidungen?
Die meisten Mädchen sind Flüchtlinge oder Migrantinnen, die in ihren Heimatländern beschnitten wurden. Wir wissen nicht, ob FGM in Deutschland praktiziert wird, es gibt aber Verdachtsfälle. Bislang konnten wir aber nichts nachweisen. Kurz vor der Corona-Pandemie haben mich Verantwortliche einer Kinderkrippe für unter Dreijährige in Frankfurt angesprochen. Sie hatten den Verdacht, ein Kleinkind könnte beschnitten worden sein. Das ist gerade für Laien oft nicht eindeutig zu sehen.

Was konnten Sie beitragen?
Zuerst einmal war es gut, dass die Kita nicht direkt die Eltern angesprochen hat und diese womöglich falsch beschuldigt hätte. Oft ist das Personal in pädagogischen Einrichtungen nicht kultursensibel genug. Wir wollen, dass das anders wird, und stehen Einrichtungen mit Rat und Tat zur Seite. Im Fall der Frankfurter Kita habe ich mich mit dem Personal getroffen und über den Fall des kleinen Mädchens gesprochen. Geplant war ein gemeinsames Gespräch mit den Eltern, um die Lage richtig einzuschätzen. Dazu ist es aber wegen der Pandemie nicht mehr gekommen und ich weiß nicht, wie der Fall weiter verlaufen ist. Wenn die Eltern kooperativ sind, ist es sinnvoll, gemeinsam zu einem Arzt zu gehen, um das Kind untersuchen zu lassen. Wenn die Eltern aber unkooperativ sind und es auch Beschneidung wäre, würden wir das Jugendamt einschalten.

Sie sind selbst von FGM betroffen. Für uns als Deutsche klingt das wie ein furchtbarer Gewaltakt an einem Kind. Sind Sie Ihren ­Eltern böse, dass sie Ihnen das angetan haben?
Das sind Fragen, die sich mir nicht gestellt haben. Ich kann nicht sagen, dass ich deshalb wütend oder sauer auf meine Eltern bin. FGM gehört in einigen Regionen zur Tradition und zum gesellschaftlichen Konsens. Jeder macht das. Ich war ungefähr fünf Jahre, als sie mich beschnitten haben. Ich habe keine genaue Erinnerung mehr daran. Es hat sicher sehr weh getan. Aber die Bedeutung von Schmerz ist in jedem Kulturkreis anders. Wir haben die Beschneidung als eine Etappe des Lebens betrachtet, die man durchmacht, wie Heiraten oder Kinderkriegen, und wir haben es akzeptiert, dass es so ist. Unser Ziel ist es nun, den Menschen, die denken, FGM gehöre zur Kultur, klarzumachen, dass ein anderes Leben möglich ist.

Und wie machen Sie das?
Wir verstehen uns vor allem als Beratungsangebot. Ganz wichtig ist erst mal, jede Person, die zu mir kommt, so anzunehmen, wie sie ist. Ich frage zuerst, was die Beweggründe der Frau sind: Was möchte sie ändern, wie möchte sie weitermachen, was sind ihre Ziele? Und ich verurteile niemanden. Man darf FGM und andere Gewalt nicht isoliert betrachten, sondern im Kontext. Sie hängt mit vielen gesellschaftlichen Gegebenheiten und Umständen zusammen. Das waren früher vielleicht zum Teil Rituale, die das Überleben sicherten. Diese Zusammenhänge will ich aufzeigen und hinterfragen. In unsere Beratung beziehen wir auch Männer ein, denn nur wenn wir sie mit im Boot haben, können wir an dieser schädlichen Praxis gesamtgesellschaftlich etwas ändern. Vor Corona hatten wir auch Gruppentreffen und Beratung vor Ort, aber derzeit läuft noch alles über das Telefon.

Haben sich durch Corona die Themen Ihrer Beratung geändert?
Ja, es ist auffallend, dass viele Frauen oder auch Familien zu uns kommen, weil ihre Kinder in der Schule rassistische Gewalt und Diskriminierung erleben. Vermutlich hat es auch mit der Black-Lives-Matter-Bewegung zu tun. Kinder fühlen sich zunehmend von ihren Lehrern diskriminiert und benachteiligt. Das kommt jetzt wohl stärker raus, weil viele Kinder in Corona­zeiten mit Homeschooling Defizite aufgebaut haben und den schwarzen Kindern am wenigsten zugetraut wird. Wenn Kinder sich diskriminiert fühlen und dies auch kommunizieren, sind Lehrer und Schule oft hilflos und sogar in einer Abwehrhaltung. Die Lehrer sind nicht in der Lage, mit Alltagsrassismus umzugehen, und die Schule auch nicht. Die Kinder werden häufig alleingelassen, und auch viele Eltern sind frustriert und hilflos.

Wie kann das Problem Ihrer Meinung nach angegangen werden?
Es gibt strukturellen Rassismus in der deutschen Gesellschaft. Das ist aber noch nicht wirklich im Bewusstsein der Menschen angekommen. Schulen und Lehrer sind mit dem Thema alleingelassen und überfordert – sie wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen. Es gibt keine Schulungen oder Workshops, um das Thema zu bearbeiten. Am besten wäre es, wenn es Antidiskriminierungskurse und Trainings in der Schule selbst geben würde.

Was raten Sie betroffenen Eltern?
Vor allem, dass sie das Gespräch mit Lehrern und Schule und mit anderen Eltern suchen, zum Beispiel am Elternabend, und dort die Probleme ansprechen. Wir versuchen Eltern und Kinder zu stärken und zu befähigen, das Problem anzugehen. Es wird in keinem Fall eine Patentlösung geben. Leider habe ich mit meinen drei Kindern in Schulen auch schon sehr viel Diskriminierung erfahren. Wenn es Probleme oder Missverständnisse gab, waren immer meine Kinder schuld oder wurden als störend empfunden, wenn sie sich vermeintlich nicht der gesellschaftlichen Norm entsprechend verhalten haben. Meine Erfahrung zeigt aber auch, dass Lehrer dann meist positiver und offener waren, wenn sie mich persönlich kennengelernt haben.

Noch ein anderes Thema: Sie engagieren sich auch in Ihrem Herkunftsland im Senegal. Welche Projekte sind das?
Auch hier geht es hauptsächlich um die Förderung von Mädchen und Frauen. Mir persönlich liegt vor allem unser Gesundheits- und Bildungsprojekt Maa Feew am Herzen, das zum Teil auch vom CIM (Centrum für internationale Migration und Entwicklung) der GIZ gefördert wird. „Maa Feew“ bedeutet in der Landessprache Fulani „Alles wird gut“. Wir führen es in Podor durch, einer Stadt im Norden des Senegal, in der ich geboren wurde. Das Projekt beinhaltet die Unterstützung für eine Geburtsstation, den Bau von Schultoiletten und den Bau einer Bücherei. Die Geburtsstation ist besonders wichtig, weil es in Podor Genitalverstümmlung sowie Früh- und Zwangsverheiratung gibt und es dadurch bei Geburten häufig zu Problemen kommt. Wir konnten mit Unterstützung des Arbeiter-Samariter-Bunds Hessen einen Krankenwagen für die Geburtsstation organisieren. Damit werden monatlich rund 70 Frauen vom Krankenhaus in Podor in die 400 Kilometer entfernte Hauptstadt Dakar transportiert, wo sie bei schwierigeren Geburten oder Krankheiten besser versorgt werden können. In der Schule, die wir unterstützen, war mein Großvater Direktor. Der Toilettenbau beziehungsweise die Renovierung ist noch nicht abgeschlossen, genauso wie der Aufbau der Bücherei. Es fehlt noch an Spendengeldern – das gilt leider auch für weitere Projekte.

Welche Projekte sind das?
Wir würden sehr gern ein Mädchenhaus in Podor errichten, wo Mädchen, die beschnitten, zwangsverheiratet sind oder denen andere Gewalt angetan wurde, Zuflucht, Gesundheitsversorgung und Unterstützung bekommen. Ein weiteres wichtiges Ziel wäre es, zwei Fahrzeuge zu bekommen, um Gesundheitsberatung und -versorgung in und um Podor herum anbieten zu können. So eine ambulante Beratung ist für viele Mädchen und Frauen die einzige Versorgung, die sie erhalten können. Sie wird von Frauen – traditionellen Gesundheitslotsinnen – durchgeführt, die dafür geschult wurden. Wir hoffen sehr, dass wir bald die nötigen Spenden bekommen, um diese Projekte umsetzen zu können.

Mariame Racine Sow arbeitet hauptamtlich als Sozialberaterin in einer Flüchtlingsunterkunft des Arbeiter-Samariter-Bunds in Frankfurt. In ihrem Verein Forward for Women engagiert sie sich ehrenamtlich.
mariame.sow@forwardforwomen.org
https://forwardforwomen.org/

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