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Sonja Haug

E+Z - 18. Januar 2023 - 14:21
Sonja Haug dagmar.wolf Mi., 18.01.2023 - 14:23 Sonja Haug sonja.haug@oth-regensburg.de

hat im Winter 2022/2023 zu E+Z/D+C beigetragen. Sie ist Professorin für Empirische Sozialforschung an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg und Sprecherin des Arbeitskreises „Migration, Integration, Weltbevölkerung“ der Deutschen Gesellschaft für Demographie (DGD).

 

 

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Frank Swiaczny

E+Z - 18. Januar 2023 - 14:19
Frank Swiaczny dagmar.wolf Mi., 18.01.2023 - 14:20 Frank Swiaczny frank.swiaczny@bib.bund.de

hat im Winter 2022/2023 als Wissenschaftler am Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden zu E+Z/D+C beigetragen.

 

 

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Just in time: Mit dem On-Demand-Shuttle unterwegs auf dem Land

reset - 18. Januar 2023 - 10:16

Allein im Jahr 2019 waren Autos in Deutschland für rund 164 Millionen CO2-Emissionen verantwortlich. Damit ist die Mobilität der einzige Sektor, der seine Emissionen in den letzten Jahrzehnten nicht reduzieren konnte. Und das, obwohl in vielen Städten das eigene Auto zu einem Luxus geworden, der sich leicht durch öffentliche Verkehrsmittel ersetzen lässt. In ländlichen Gebieten dagegen ist ein Leben ohne Auto oft eine Notwendigkeit. Der Weg zur Arbeit, zum Arzt oder einfach nur zum Einkaufen ist nicht in 10 Minuten zu Fuß oder mit dem Rad zu bewältigen und viele abgelegene Gegenden sind gar nicht oder unzureichend an den ÖPNV angeschlossen. Mit Shuttle-Diensten auf Abruf wird nun vielerorts erprobt, die Lücke zwischen gemeinsam genutzten öffentlichen Verkehrsmitteln und individuellen Fahrten mit dem Auto zu schließen.

Das Problem der „letzten Meile“

Während die Bevölkerung in den Städten weltweit zunimmt, leben immer noch 43 Prozent der Weltbevölkerung in ländlichen Gebieten, in Europa sind es 27 Prozent. Dieser nicht unerhebliche Teil der Bevölkerung ist nach wie vor in hohem Maße auf das eigene Auto angewiesen. 90 Prozent der Haushalte in den ländlichen Gebieten Deutschlands besitzt mindestens ein Auto – ein großer Unterschied zu den Städten, in denen fast die Hälfte der Haushalte ohne ein eigenes Auto auskommt. Auch wenn viele Busse und Bahnen bereits kreuz und quer durchs Land kurven, scheitert die Mobilitätswende auf dem Land oft an der sogenannten „letzten Meile“. Es macht keinen Sinn, mit dem Zug zu fahren, danach in den Bus zu steigen, um dann an einer abgelegenen Haltestelle ohne Anschlussverbindung nach Hause festzusitzen. Es ist der letzte Schritt der Reise, der für viele das Auto immer noch unverzichtbar macht.

Leere Fahrten – Die Herausforderung der Auslastung © Marius Matuschzik/ Unsplash-Licence

Auch wenn Deutschland ein dicht besiedeltes Land ist, gibt es einige Gebiete, in denen die Bevölkerungsdichte und der Bedarf einfach nicht ausreichen, um eine regelmäßige Bahn- oder Busverbindung wirtschaftlich oder ökologisch tragfähig zu gestalten. Eine ganze Buslinie, die die täglichen Fahrten von 4 Fahrgästen abdeckt, ist immer noch nicht nachhaltig. Hier müssen andere Lösungen gefunden werden.

In der EU ist das Auto das vorherrschende Verkehrsmittel, wobei im Durchschnitt weniger als 2 Personen pro Auto unterwegs sind. Der Hauptanlass ins Auto zu steigen ist der tägliche Weg zur Arbeit, was dazu führt, dass viele leere Autos jeden Tag die gleichen Strecken fahren. Aber es gibt Hoffnung: Autos mit nur einem Fahrenden schneiden zwar deutlich schlechter ab als öffentliche Verkehrsmittel, aber mit jedem Mitfahrenden steigt die CO2-Effizienz. Die Anzahl der Fahrgäste ist damit ein wichtiger Faktor für eine effiziente Mobilität und macht etwa 70-90 Prozent der Emissionen aus, während nur die restlichen 10-30 Prozent durch Technologie, Bedingungen oder Entfernungen erklärt werden können. Um dies zu illustrieren: Die CO2-Effizienz eines Autos mit vier Fahrgästen ist ähnlich hoch wie die eines E-Scooters in Privatbesitz. Wenn wir ein Auto mit anderen teilen, verbessern wir also die Umweltauswirkungen unserer Reise drastisch – und entlasten zusätzlich die Verkehrsinfrastruktur.

Alle an Bord? Inklusion im ÖPNV

Was ist eigentlich mit allen, denen es aus irgendwelchen Gründen nicht möglich ist, ein Auto zu fahren? Können sie den öffentlichen Nahverkehr nutzen? Nun, nicht immer. Immer wieder funktionieren Aufzüge nicht, Busse haben keine Rampe für einen Rollstuhl oder die Fahrpläne sind zu kompliziert oder nicht auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen abgestimmt. Dies kann dazu führen, dass ältere Menschen oder Menschen mit Behinderungen auf Familienmitglieder oder Betreuer*innen angewiesen sind, die sie herumfahren. Neue, nachhaltigere Lösungen sollten auch zur Autonomie und sozialen Integration der Menschen beitragen.

Die Räder drehen sich – intelligente Lösungen durch Digitalisierung

Erfreulicherweise werden an verschiedenen Orten neue Initiativen aktiv, die Lösungen an der Schnittstelle von individueller Mobilität und öffentlichem Verkehr anbieten. Ermöglicht durch die Digitalisierung und oft angetrieben durch bürgerschaftliches Engagement, sind On-Demand-Shuttle-Dienste besonders in ländlichen Gebieten Deutschlands effektiv, wo keine Bahnen und Busse zur Verfügung stehen.

Eines der größten On-Demand-Projekte in Europa ist das Projekt „On-Demand Mobility für die Region Frankfurt/Rhein-Main„. Das Ziel ist es, die CO2-Emissionen im öffentlichen Raum zu reduzieren, indem Lücken im öffentlichen Angebot mit emissionsfreien Fahrzeugen, die rein batterieelektrisch oder mit Wasserstoffantrieb fahren, geschlossen werden. Der linien-und fahrplanunabhängige Verkehr wird dabei über eine digitale Plattform organisiert. Es ist das erste Mal, dass ein Projekt dieser Art in Deutschland über mehrere Regionen hinweg und mit einheitlichen Standards umgesetzt wird und damit ein Leuchtturmprojekt für viele weitere Initiativen.

Wie das On-Demand-Shuttle funktioniert? Nehmen wir an, du möchtest von zu Hause in die Stadt fahren, um einige Besorgungen zu machen. Entweder kannst du dir jetzt telefonisch oder über die RMV-On-Demand-App ein Shuttle bestellen. Über die App gibst du dein Start- und Endziel ein, wählst, ob du sofort oder zu einem späteren Zeitpunkt fahren möchtest, buchst die Route und schon kann es losgehen! Die Bezahlung erfolgt direkt über die App, und die Preise richten sich nach dem regulären Tarif für öffentliche Verkehrsmittel mit einem kleinen Aufschlag für den Komfort. Um Emissionen zu sparen, übernimmt die Software dahinter das Ridepooling und fügt andere Fahrgäste zu deiner Fahrt hinzu, die eine ähnliche Strecke fahren wollen.

CleverShuttle CleverShuttle integriert On-Demand-Ridepooling in den ÖPNV.

Die Software hinter dem On-Demand-Shuttle in der Region Frankfurt hat „CleverShuttle“ entwickelt. Das Unternehmen bietet die Planung, Einrichtung und Verwaltung von Shuttle-Service-Projekten und die Software zur Koordinierung der Fahrten an und arbeitet bereits mit mehr als 18 Verkehrsbetrieben zusammen. Die Projekte zielen darauf ab, in Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden den bestehenden öffentlichen Nahverkehr durch nachhaltige, flexible und bedarfsgerechte Shuttles zu ergänzen. Die Software von CleverShuttle ermöglicht dabei die digitale Steuerung sämtlicher Prozesse, von der Zuordnung von Schichten zu Fahrten über Wartungsaufgaben und der Zustandserfassung der Fahrzeugflotte bis hin zur Algorithmus-gesteuerten Bündelung der Fahrtanfragen und der Navigation der Fahrer*innen zum jeweiligen Start- und Endpunkt der Buchung. Fahrgäste können hier ihre Fahrten buchen und alle wichtigen Auskünfte zu Preisen, Wartezeiten und Ankunft abrufen.

In Lübeck setzt die Initiative „In2Lübeck“ vor allem auf die Beteiligung der Bürger*innen, um einen möglichst nutzerzentrierten Service zu entwickeln. Die Shuttlebusse sind seit einigen Jahren im Einsatz und aus der lokalen Mobilität nicht mehr wegzudenken. Durch Workshops, Umfragen und Dialogveranstaltungen will das Projekt nun über den Shuttleservice hinausgehen und zu einer Veränderung der Verkehrslandschaft der Stadt insgesamt beitragen.

Doch wie effektiv sind diese Dienste?

Shuttle-Dienste auf Abruf können das Verkehrsaufkommen wirksam reduzieren, insbesondere im Gegensatz zu Taxidiensten, die das Verkehrsaufkommen durch leere Fahrten erhöhen, wie eine langjährige Studie aus Hamburg belegen konnte. Zusätzlich zu den öffentlichen Verkehrsmitteln können sie viele Menschen unabhängiger von ihrem Auto machen, was dazu führt, dass weniger Autos pro Haushalt benötigt werden.

Ein großer Schwerpunkt muss dabei jedoch darauf gelegt werden, die sozialen und nachhaltigen Vorteile zu einem integralen Bestandteil von Shuttle-Diensten auf Abruf zu machen. Der Einsatz von E-Autos und das Angebot von Mitfahrgelegenheiten für mehr Menschen könnten wirksame Maßnahmen sein, um zu verhindern, dass sie zu einem Taxi-Ersatz werden, und sie für neue Bevölkerungsgruppen attraktiv zu machen. Insbesondere ältere Menschen könnten von diesen Diensten profitieren; eine Herausforderung besteht jedoch darin, diese Dienste für Menschen zugänglich zu machen, die nicht über die notwendigen digitalen Fähigkeiten verfügen, um Fahrten online zu buchen.

Ein wesentlicher Schlüssel dazu, dass Abrufdienste zu einer attraktiven Alternative zum Privatwagen werden, scheint eine gut umgesetzte Integration in den bestehenden öffentlichen Verkehr zu sein. Dabei ist die Finanzierung flexibler On-Demand-Dienste ist eine Herausforderung, mit der viele kleinere Betreiber*innen noch zu kämpfen haben, insbesondere wenn es um digital verwaltete Dienste geht. Außerdem gilt es, die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen zu schaffen, um die experimentelle und projektbasierte Phase zu verlassen und diese Initiativen skalierbar zu machen und ihre Wirksamkeit zu erhöhen.

Derzeit befinden sich On-Demand-Shuttle-Services noch in einer rechtlichen Grauzone, wenn sie Teil des öffentlichen Verkehrssystems werden und dann auf Antrag und Genehmigung gemäß der Experimentierklausel des Personenbeförderungsgesetzes angewiesen sind. Die Herausforderung besteht darin, eine Novellierung des Personenbeförderungsgesetzes auf den Weg zu bringen, um für innovative digitale On-Demand-Dienste mehr Rechtssicherheit zu schaffen. Gleichzeitig müssen auf der finanziellen Seite neue Finanzierungsrahmen gefunden werden, um Bundes- und Regionalisierungsmittel für lokale Projekte bereitzustellen. Ein Vorschlag ist zum Beispiel ein „Ein-Prozent-Fonds„, mit dem Regionalisierungsmittel für diese Angebote von den zuständigen Behörden und verantwortlichen Bestellern ausgeschrieben werden können.

Es ist noch ein weiter Weg, bis Shuttle-Dienste zu einem gut integrierten Teil des ländlichen Verkehrs werden. Aber neue, wegweisende Projekte zeigen, wie die digitale Vernetzung zur lokalen Verbesserung einer globalen Nachhaltigkeitsherausforderung werden kann. Werden On-Demand-Shuttle und Ridepooling-Services gut ausgeführt, können sie durchaus eine sehr effektive Lösung sein – und idealerweise zu einem Katalysator werden, dass mehr Menschen ihre Autoabhängigkeit überdenken.

Dieser Artikel gehört zum Dossier „Mobilitätswende – Smart in Richtung Klimaneutralität“. Das Dossier ist Teil der Projekt-Förderung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), in deren Rahmen wir vier Dossiers zum Thema „Mission Klimaneutralität – Mit digitalen Lösungen die Transformation vorantreiben“ erstellen.

Mehr Informationen hier.

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Join Our Webinar on 7 February 2023: Insights From Our sustainable.circular Programme

SCP-Centre - 18. Januar 2023 - 10:15

Circular Economy efforts are not always on target with the desired sustainability results. Our programme, sustainable.circular was developed with this idea in mind: to ensure that developments toward a Circular Economy are guided by a clear objective to achieve greater sustainability. The first round of sustainable.circular focuses on identifying activities and instruments that bridge existing differences between sustainability and circular efforts in German small and medium-sized enterprises (SMEs).

During the first phase of this round of the programme, a survey was conducted on the strategic approaches as well as needs within companies when it comes to closing the gap between circularity and sustainability. Aspects such as skills, management tools, and pre-conditions for change processes were analysed in detail. The results were discussed in follow up expert-interviews which generated additional insights and a future outlook. Learnings from these activities will be shared and discussed during the webinar.

In particular, the webinar will address the following questions:

  • Are circular approaches, business models, and products always sustainable?
  • Is sustainability in the future no longer conceivable without circularity?
  • What potentials and challenges do entrepreneurs see in implementing circular approaches?
  • What kind of support do SMEs need when it comes to implementing circular solutions?

Speakers:
Dr. Katharina Reuter, Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft – BNW
Michael Kuhndt, CSCP
Sophie Herrmann, SYSTEMIQ
Dr. Florian Hofmann, Circular Society Platform

Date: 7 February 2023
Time: 15:00-17:00 CEST
Language: German
Cost: Free of charge
Registration: Join the webinar by registering here.

The first round of our sustainable.circular programme is supported and funded by the German Federal Environment Foundation (Deutsche Bundesstiftung Umwelt – DBU) and in cooperation with the Federal Association for Sustainable Economy (Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft – BNW e.V.).

For further questions, please contact Mike Tabel.

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UNSER BLICKPUNKT: Wir fragen uns, was ist „fair“?

EINEWELTblabla - 18. Januar 2023 - 9:39

Wir freuen uns, in diesem Jahr einige Texte des EPIZ Entwicklungspolitisches Informationszentrum Göttingen veröffentlichen zu dürfen! Ab jetzt lest ihr jeden Monat einen Beitrag der Reihe „Unser Blickpunkt“.

Wie schön wäre es, wenn „Fairer Handel“ uns endlich globale Gerechtigkeit bringen würde. Wie gerne würden wir tagtäglich in einem der vielen Weltläden oder einem der vielen verwandten Geschäfte einkaufen und uns ansonsten nicht mit Armut, Hunger und Ausbeutung weltweit beschäftigen zu müssen. Laut einer Studie des Forum Fairer Handel gab jede vierte befragte Person an, regelmäßig fair gehandelte Produkte zu kaufen – das sind doch gute Nachrichten, oder?

Viele haben Zweifel, auch der slowenische Philosoph Slavoj Žižek. Er verweist in einem sehr empfehlenswerten Beitrag auf die problematischen Dynamiken. Dazu zählt, dass unreflektierter und unkritischer „ethischer“ Konsum das ausbeuterische System eher stützt: Er kann dazu beitragen einigen Produzentinnen ein besseres Auskommen zu ermöglichten. Dadurch verhindert er aber eventuell die Umstrukturierung globaler Handelsbeziehungen als Ganzes. Drastisch formuliert Žižek: „Die schlimmsten Sklavenhalterinnen sind diejenigen, die nett zu ihren Sklav*innen sind.“

Das Unternehmen „fairafric“ wirbt damit, dass die Produktion der Schokolade nicht wie üblich in Europa, sondern in Ghana stattfindet. Damit bleibt ein größerer Teil der Wertschöpfung als üblich im Ursprungsland – jedoch weiterhin weniger als die Hälfte. Wir und andere fragen uns: Ist dafür die Bezeichnung „superfair“ gerechtfertigt, die das Unternehmen auf die Schokoladen druckt?
Der Begriff „fair“ ist nicht geschützt, worauf die Guerilla Aktion „Agraprofit“ schon 2012 eindrucksvoll hinwies – mit einem Marktstand der Spottpreise anbot, die fair waren – für die Konsument*innen.

Um breitenwirksam zu sein muss der Fairer Handel flankiert werden von Kampagnenarbeit, wie sie neben den Weltläden beispielsweise die Initiative Lieferkettengesetz betreibt: Sie kämpft für eine EU-weite Regelung von Arbeits- und Produktionsbedingungen. Andere, wie die Vereine „Weltwirtschaft, Ökologie & Entwicklung“ oder „Germanwatch“ setzen zusätzlich auf transformative Bildungsarbeit.

Davon lassen wir uns gerne inspirieren: Während wir faire Schokolade schlemmen – oder auch andere faire Produkte konsumieren – wollen wir gerne noch mehr Reflexionsgespräche über die Transformation des globalen Handelsregimes führen. Sicherlich auch eine prima Vorbereitung auf die Faire Woche, die im September wieder bundesweit das Thema Fairer Handel sprichwörtlich in alle Munde bringen will.

Einen guten – nein, einen superguten! – Start ins neue Jahr wünschen
Chris Herrwig und das EPIZ-Team!

P. S.: Der Text erschien in leicht veränderter Form zuerst im Sommer 2022 beim EPIZ Göttingen.

Der Beitrag UNSER BLICKPUNKT: Wir fragen uns, was ist „fair“? erschien zuerst auf EineWeltBlaBla.

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23-01-18_Marian Burchardt_Florian Stoll - Ghana - tech industry

E+Z - 18. Januar 2023 - 2:00
23-01-18_Marian Burchardt_Florian Stoll - Ghana - tech industry dagmar.wolf Mi., 18.01.2023 - 02:00 Ghanaische IT-Unternehmen konkurrieren um die besten Köpfe, sowohl auf dem einheimischen als auch auch auf dem globalen Arbeitsmarkt Arbeitsmarkt Braindrain in Ghanas Digitalbranche Die vergleichsweise attraktiven Jobs im ghanaischen IT-Sektor ziehen erfolgsorientierte, wechselbereite junge Leute an. Der Konkurrenzkampf um hoch qualifizierte Talente tobt nicht nur zwischen einheimischen Unternehmen, sondern zunehmend auch auf dem globalen digitalisierten Arbeitsmarkt. 18.01.2023Subsahara-Afrika Hintergrund SDG4 SDG8 SDG9 Arbeit Bildung Ausbildung Globalisierung Informationstechnologie Privatwirtschaft

Die Situation auf dem ghanaischen Arbeitsmarkt ist für junge Menschen schwierig. Die globale Wirtschaftskrise hat auch vor Ghana nicht haltgemacht, die Inflationsrate des Landes lag im Sommer bei mehr als 30 Prozent. Unter den Jugendlichen sowie Universitätsabsolventinnen und -absolventen ist die Arbeitslosigkeit hoch (siehe Kasten).

Innerhalb der relativ kleinen Gruppe formell angestellter junger Menschen sehen sich viele bereits kurz nach Stellenantritt nach neuen Jobs um. Wegen der hohen Zahl von Bewerbungen auf einzelne Jobs nehmen sehr viele Personen auch Stellen an, deren Bezahlung, Tätigkeit und Arbeitsbedingungen nicht ihren Wünschen entsprechen. Die einmal erlangte Stelle wird also mitnichten als Garant für ein erfüllendes Leben und stabile Erwerbsverhältnisse wahrgenommen. Weshalb ist dies so? Mit dieser Frage setzt sich ein Forschungsprojekt auseinander, das seit Mai 2020 am Institut für Soziologie der Universität Leipzig angesiedelt ist und Fördermittel vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) erhält.

Die Dynamiken des Jobwechsels lassen sich besonders gut im Sektor der Digitaltechnologien verfolgen. Seit einigen Jahren versuchen ghanaische Firmen, das indische Erfolgsrezept des Aufbaus einer digitalen Service-Industrie zu kopieren. Eine davon, wir nennen sie aus Gründen der Anonymität „Tiger Comp“, wurde 2019 gegründet und hat Stand Herbst 2022 in Ghana und einem anderen afrikanischen Land 200 Arbeitsplätze geschaffen. Tiger Comp bietet jungen Universitätsabsolventinnen und -absolventen eine sechsmonatige Ausbildung in Bereichen wie Software-Entwicklung, Software-Testing und Datenanalyse. Im Anschluss daran sollen sie eine Anstellung erhalten und Aufträge von Firmenkunden weltweit bearbeiten.

Große Autonomie

Im August 2022 interviewten wir gut 20 Angestellte der in einer ghanaischen Mittelstadt angesiedelten Firma. Wir fragten nach ihren familiären Hintergründen, ihren Erfahrungen während Ausbildung und Jobsuche sowie ihren Wünschen und Zielen. Fast alle Befragten waren unverheiratet, Single und verfügten über große Autonomie in ihrer Lebensgestaltung. Die Unabhängigkeit von örtlichen familiären Bindungen erlaubte es ihnen, ohne große Umstände aus verschiedenen Regionen in die Mittelstadt zu wechseln. Auch während der Zeit im Unternehmen blieb diese Ungebundenheit bestehen. Dieses auf Autonomie und persönlichen Erfolg ausgerichtete Selbstverständnis fördert die positive Einstellung gegenüber einer fortgesetzten Suche nach besseren Jobs mit schnelleren Aufstiegspfaden, höheren Grundgehältern und üppigeren Boni als bei Tiger Comp. Es verstärkt auch die Bereitschaft, für den nächsten Job in die nächste Stadt zu wechseln, etwa in die beiden größten Zentren Accra und Kumasi, oder sogar ins Ausland.

Die Nachfrage nach gut ausgebildeten Fachkräften im IT-Sektor ist hoch. Tatsächlich werden Ausbildungsfirmen wie Tiger Comp teils Opfer ihres eigenen Erfolgs. Die Ausgebildeten erhalten bisweilen rasch Angebote mit dem doppelten bis dreifachen Gehalt. Die Geschäftsführung von Tiger Comp sieht daher auch das Abfischen der besten Köpfe in der Branche als tiefgreifendes Problem. Die Covid-Pandemie hat diese Tendenzen verstärkt. Unsere Forschung hat gezeigt, dass auch europäische und amerikanische Unternehmen Service-Aufträge vermehrt direkt an IT-Fachleute im globalen Süden vergeben – also nicht nur an Unternehmen wie Tiger Comp, sondern an Selbstständige, die im ghanaischen Homeoffice arbeiten.

Eyram Tawia Sabine Balk 29.09.2022 Coronavirus mit Computerspiel bekämpfen

Konkurrieren auf zwei Arbeitsmärkten

Firmen wie Tiger Comp konkurrieren somit auf zwei Arbeitsmärkten zugleich um die besten Köpfe: einerseits dem ghanaischen, andererseits dem global entgrenzten, digitalisierten. Die niedrigen Lohnkosten ghanaischer Unternehmen – eigentlich ein Standortvorteil – zeigen ihre Schattenseite: Die Firmen können die von der westlichen Konkurrenz aufgerufenen Löhne schlicht nicht zahlen. Andererseits entstehen für im Ausland angestellte ghanaische IT-Fachleute Einnahmequellen, die kollektive Entwicklungsimpulse setzen können.

Wenngleich die Angestellten von Tiger Comp immer wieder bessere Verdienstmöglichkeiten als zentrales Motiv für einen Jobwechsel nannten, spielten auch andere innerbetriebliche Faktoren eine Rolle, etwa das punktuell als negativ empfundene Betriebsklima. Gegen einen Jobwechsel spricht dagegen die Möglichkeit, Weiterbildungen finanziert zu bekommen.

Risikobereitschaft und berufliche Flexibilität sind für die IT-Beschäftigten keineswegs unbedingt Werte an sich. Sie streben eine gewisse Dauerhaftigkeit im Berufsleben an, solange sich damit andere Ziele vereinbaren lassen, etwa finanzielle Stabilität. Dazu gehört auch die Unterstützung von Verwandten, die ihrerseits beispielsweise zuvor die Studiengebühren der Befragten finanziert hatten.

Grundsätzlich sind IT-Fachleute hinsichtlich Anstellungs- und Aufstiegschancen unter Berufstätigen in Ghana privilegiert, das zeigt etwa ein Vergleich mit dem Textilsektor. In einer von uns untersuchten Textilfabrik verdienen die Beschäftigten nur einen Bruchteil der IT-Fachleute. Mit ihren am ghanaischen Mindestlohn ausgerichteten Einkünften können sie kaum die Kosten für Miete, Transport und Essen decken. Dennoch hat 2022 niemand der etwa 90 Mitarbeitenden von sich aus die Firma verlassen. Viele erzählten uns von ihrem Wunsch nach einer besser bezahlten Arbeit, die sie jedoch nicht fänden.

Marian Burchardt ist Professor am Institut für Soziologie der Universität Leipzig und Leiter des vorgestellten Forschungs­projekts.
marian.burchardt@uni-leipzig.de

Florian Stoll arbeitet als Postdoc am Institut für Soziologie/Research Center Global Dynamics der Universität Leipzig und forscht in dem beschriebenen Projekt zu Gründen für Jobwechsel in Ghana.
florian.stoll@uni-leipzig.de

Armutsbekämpfung Governance Off Off Marian Burchardt

hat im Winter 2022/2023 als Professor am Institut für Soziologie der Universität Leipzig.

 

Florian Stoll

hat im Winter 2022/2023 als Postdoc am Institut für Soziologie/Research Center Global Dynamics der Universität Leipzig zu E+Z/D+C beigetragen.

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Krisenfeste Landwirtschaft braucht natürliche Lebensgrundlagen

SID Blog - 17. Januar 2023 - 20:32
7. BMUV-Agrarkongress „Lebensgrundlagen sichern – Krisen begegnen" setzt Zeichen für gemeinsame Wege zu nachhaltiger Landwirtschaft

Bundesumweltministerin Steffi Lemke eröffnet heute gemeinsam mit Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir und der Exekutivsekretärin des UN-Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD), Elisabeth Mrema, den diesjährigen BMUV-Agrarkongress. Klimakrise, Artenaussterben und Umweltbelastungen bedrohen die natürlichen Lebensgrundlagen und gefährden damit auch die Landwirtschaft immer stärker. Die Auswirkungen des Angriffskrieges Russlands gegen die Ukraine zeigen noch einmal deutlicher, wie verletzlich unsere Agrar- und Ernährungssysteme sind. Umweltschutz und Landwirtschaft müssen daher zusammen gedacht werden. Ein besonderes Augenmerk gilt in diesem Jahr dem Bodenschutz als Voraussetzung für eine nachhaltige Landwirtschaft und Ernährung.

Bundesumwelt- und Verbraucherschutzministerin Steffi Lemke: „Auf der Weltnaturkonferenz in Montreal haben wir einen Schutzschirm für unsere Lebensgrundlagen aufgespannt. Das gilt es jetzt umzusetzen, auch in unseren Agrarlandschaften. Die Artenvielfalt erhalten, das Klima schützen, Wasser, Boden und Luft sauber halten – all das kommt auch der Landwirtschaft und unserer Ernährungssicherheit zugute. Gerade krisenhafte Zeiten erfordern den Schulterschluss von Umwelt und Landwirtschaft. Dazu gehört, Nährstoffüberschüsse sowie die Verwendung und das Risiko von Pestizideinsätzen bis 2030 zu halbieren, durch ökologische Ansätze und Produktionsweisen die Landwirtschaft widerstandsfähiger zu machen und den Schutz der Böden als natürliche Lebensgrundlage mit einer großen biologischen Vielfalt voranzutreiben, gerade auch mit gezielten Maßnahmen des natürlichen Klimaschutzes. Damit gehen wir die miteinander verbundenen ökologischen Krisen gemeinsam an und sorgen für eine nachhaltige und krisenfeste Landwirtschaft."  

Bundeslandwirtschafts- und Ernährungsminister Cem Özdemir: „Ernährung sichern, das heißt de facto auch Frieden und Selbstbestimmung sichern. Daraus kann nur eines folgen: Wir müssen unsere Landwirtschaft zukunftsfest machen. Das bedeutet einerseits, gemeinsam Abhängigkeiten runterzufahren – sei es von energieintensiven Düngern oder importiertem Futter. Andererseits muss das Nutzen und Schützen unserer natürlichen Ressourcen Hand in Hand gehen. Wir schaffen die Voraussetzungen, damit sich die Leistungen der Landwirtschaft für mehr Nachhaltigkeit lohnen. So werden wir bei der EU-Agrarpolitik Zahlungen Schritt für Schritt an den Kriterien Klima-, Umwelt-, Arten- und Tierschutz ausrichten. Und mit dem 900 Millionen Euro starken Wald-Klima-Paket unterstützen wir die Waldbesitzenden dabei, unsere Wälder zukunftsfest zu machen. In diesem Sinne gehen wir auch die nächsten Schritte gemeinsam, egal ob auf dem Acker, im Stall, Wald oder Moor."

Eine krisenfeste Landwirtschaft ist auf funktionierende Ökosysteme angewiesen. Umwelt und Landwirtschaft sind gemeinsam gefordert, diese Lebensgrundlagen zu erhalten – als Voraussetzung eines nachhaltigen Ernährungssystems. Ein Schlüssel für sichere Ernten und eine krisenfeste Landwirtschaft sind unsere Böden. Intakte, lebendige und fruchtbare Böden nehmen Wasser besser auf und speichern es. Damit mildern sie die Folgen von Klimakrise und Extremwetterereignissen. Gesunde Böden sind ein Hort der biologischen Vielfalt und ein komplexes Ökosystem. Als bedeutender Kohlenstoff-Speicher sind humusreiche Böden ein wichtiger Faktor für wirksamen Klimaschutz. Das Bundesumweltministerium (BMUV) strebt daher an das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz, das entsprechende Maßnahmen zum Schutz der Böden enthält, noch im ersten Quartal ins Kabinett zu bringen. Darüber hinaus arbeitet das BMUV aktiv an der geplanten neuen europäischen Bodenschutzregelung mit und prüft derzeit auch Änderungen am deutschen Bodenschutzrecht. Bereits anlässlich des 6. Agrarkongresses vor einem Jahr haben Bundesumweltministerin Lemke und Bundeslandwirtschaftsminister Özdemir eine strategische Allianz zwischen Umwelt und Landwirtschaft begründet. Die Zusammenarbeit kommt Umwelt, Natur und Klima ebenso zugute wie den Landwirt*innen und vor allem auch den Verbraucher*innen.

Die Erkenntnis, dass Landwirtschaft und Umweltschutz nur gemeinsam funktionieren, setzt sich langsam auch weltweit durch. So wurde auf der Weltnaturkonferenz in Montreal im Dezember nicht nur ein Aktionsplan zum Schutz und zur nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt im Boden beschlossen, die Staatengemeinschaft hat sich auch dazu verpflichtet, Nährstoffüberschüsse und das Risiko von Pestizideinsätzen bis 2030 zu halbieren. Auch die Übereinkunft, biodiversitätsschädliche Subventionen bis zum Jahr 2030 in Höhe von weltweit 500 Milliarden Dollar pro Jahr abzubauen und stattdessen positive Anreize zu erhöhen, unterstreicht die Notwendigkeit von Veränderungen. Die Beschlüsse geben dem Ziel der Bundesregierung Rückenwind, mit der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik stärker auf eine Honorierung von Umweltleistungen setzen zu wollen – und sich für die GAP nach 2027 verstärkt für die Verankerung des Prinzips „öffentliches Geld für öffentliche Leistungen" einzusetzen.

Hintergrund:

Der 7. Agrarkongress des BMUV steht unter der Überschrift „Lebensgrundlagen schützen, Krisen begegnen" und bietet ein hochrangig besetztes Forum, um über Vorschläge für eine krisensichere und nachhaltige Landwirtschaft zu diskutieren. Neben Bundesumweltministerin Lemke nehmen Bundeslandwirtschaftsminister Özdemir, die Exekutivsekretärin des UN-Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD), Elizabeth Maruma Mrema, die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, Sabine Riewenherm, die Politökonomin, Prof. Dr. Maja Göpel und der Meteorologe Sven Plöger am ersten Teil des Agrarkongresses teil. In weiteren Panels beteiligen sich der Staatssekretär im BMUV, Stefan Tidow, die Staatssekretärin im BMEL, Silvia Bender, und der Staatssekretär im BMWK, Dr. Patrick Graichen, an der Diskussion über Wege hin zu einer krisenfesten Landwirtschaft. Die Parlamentarische Staatssekretärin im BMUV, Dr. Bettina Hoffman, wird das Schlusswort sprechen. Weitere Teilnehmer*innen sind neben dem Landwirtschaftsminister des Landes Schleswig-Holstein, Werner Schwarz, dem Präsidenten der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), Hubertus Paetow, dem Vorsitzenden des Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), Olaf Bandt, weitere Verbändevertreter*innen, Wissenschaftler*innen und sowie Praktiker*innen aus Landwirtschaft und Naturschutz.

Das Programm und die Zugangsdaten zum BMUV-Agrarkongress 2023 finden Sie unter: https://www.bmuv.de/VE2109 


Florian Stoll

E+Z - 17. Januar 2023 - 17:41
Florian Stoll dagmar.wolf Di., 17.01.2023 - 17:43 Florian Stoll florian.stoll@uni-leipzig.de

hat im Winter 2022/2023 als Postdoc am Institut für Soziologie/Research Center Global Dynamics der Universität Leipzig zu E+Z/D+C beigetragen.

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Marian Burchardt

E+Z - 17. Januar 2023 - 17:37
Marian Burchardt dagmar.wolf Di., 17.01.2023 - 17:40 Marian Burchardt marian.burchardt@uni-leipzig.de

hat im Winter 2022/2023 als Professor am Institut für Soziologie der Universität Leipzig.

 

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Planetary health literacy: a conceptual model

DIE - 17. Januar 2023 - 11:28

Education for planetary health could be one of the key levers of the much-needed civilizational turn toward a sustainable and healthy future. Education goes beyond information provision and passing on of knowledge and includes competencies to transfer knowledge from one decision situation to another. There are a range of different literacy concepts from various research perspectives that aim to improve such competencies. While many contain aspects highly relevant for planetary health, there is still no comprehensive and integrative planetary health approach. To fill this research gap, we present a conceptual model of planetary health literacy. By zooming into the model, further details on the necessary core competencies of accessing, understanding, appraising, and applying information in order to make judgements and take decisions regarding planetary health can be found. Zooming out of the model allows a holistic planetary health perspective and shows the potential and opportunities of planetary health literacy for the health of humans and ecosystems. Planetary health literacy encompasses both a life-course and a transgenerational approach, at the individual, societal, and global level. Future educational programs focusing on planetary health could integrate the conceptual model to increase planetary health literacy of individuals, including relevant health literacy agents, and of societies.

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23-01-17_Martin Kämpchen - learning Bengali - Box

E+Z - 17. Januar 2023 - 2:00
23-01-17_Martin Kämpchen - learning Bengali - Box admin Di., 17.01.2023 - 02:00 Ob nach der jeweiligen Regionalsprache auf Hindi oder Englisch unterrichtet werden soll, bleibt umstritten Identitätspolitik Sprachenpolitik in Indien Die indischen Bundesstaaten sind im Wesentlichen nach den Sprachgrenzen aufgeteilt. Das deutet darauf hin, wie wichtig die Sprache für die politische Identität ist. 17.01.2023Südasien In Kürze Zivilgesellschaft

Entsprechend ist Bengalisch die Sprache des Bundesstaats Westbengalen sowie des Nachbarlandes Bangladesch. Rabindranath Tagore, der Literaturnobelpreisträger von 1913, hat in dieser Sprache geschrieben und mit der Gründung seiner Universität Vishwa-Bharati in Santiniketan vor 100 Jahren ganz bewusst unter britischer Kolonialherrschaft das regionale Kulturerbe gepflegt. Er hat es auch um bis heute beliebte Lieder erweitert.

Anhaltender politischer Streit herrscht heute in Indien jedoch darüber, ab welchem Schuljahr und in welcher Reihenfolge Kinder nach ihrer Regionalsprache in der Schule auch Hindi und Englisch lernen sollen. Die Zentralregierung versucht seit Jahrzehnten, Hindi als Nationalsprache durchzusetzen, was sich seit dem Amtsantritt von Premierminister Narendra Modi von der hindu-chauvinistischen Partei BJP noch verschärft hat.

English medium schools

In den Großstädten gibt es trotzdem einen starken Trend zu privaten englisch-sprachigen Schulen („English medium schools“). Die städtische Mittelschicht ist in wirtschaftlichem Sinne erfolgsorientiert. Sie will, dass ihre Kinder Englisch lernen. Wer diese Sprache nicht gut in Wort und Schrift beherrscht, erreicht weder in der Wirtschaft noch in Behörden oder der Justiz Führungspositionen. Die große Bedeutung der Sprache der ehemaligen Kolonialmacht führt zu einer gewissen Entfremdung.

Hindi ist aber für viele keine attraktive Alternative, denn als Muttersprache dient es nur in Nordindien. Da Englisch für alle gleichermaßen fremd ist, schätzen Menschen aus anderen Regionen diese Sprache als vergleichsweise neutralen Boden, auf dem sie sich nicht grundsätzlich schwerer tun als ihre Landsleute aus dem Norden. Besonders stark gilt das für Südindien, wo dravidische Sprachen vorherrschen, die mit den indoeuropäischen wie Hindi, Bengalisch oder Gujarati gar nicht verwandt sind.


Martin Kämpchen lebt als Schriftsteller und Literaturübersetzer in Shantikniketan in Westbengalen.
martin.kaempchen2013@gmail.com

 

Governance Off Off Martin Kämpchen

hat zuletzt im Winter 2022/2023 zu E+Z/D+C beigetragen. Er lebt als Schriftsteller und Literaturübersetzer in Shantikniketan in Westbengalen.

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International organizations and differentiated universality: reinvigorating assessed contributions in United Nations funding

DIE - 16. Januar 2023 - 17:19

This article examines the link between universality aspirations of international organizations and member state funding by focusing on the United Nations system. Centering on financial input as a key proxy for ownership and collectively shared responsibility, we show that the UN Scale of Assessments has provided a surprisingly stable formula for calculating obligatory membership fees in the regular budgets of the UN Secretariat, Specialized Agencies, and other UN entities. We argue that the Scale of Assessments embodies a commitment to differentiated universality as it applies to all member states while considering key differences among them, notably their levels of per capita income and debt burden. While large parts of UN budgets currently depend on voluntary contributions by a small number of wealthy member states and thus stray far from universality ambitions, we suggest that assessed contributions are an underexploited tool for operationalizing multilateral universality in an uneven world. We propose four concrete measures for strengthening and expanding the use of assessed contributions that can contribute to making the UN system a more universally owned set of international organizations.

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Mehr Impulse für Nachhaltigkeit bitte!

DIE - 16. Januar 2023 - 10:00

Bonn, 16.01.2023. Das Jahr 2022 ist für viele von uns eine Zäsur, die das Ende einer über dreißigjährigen Hoffnung bedeutet, die Hoffnung, dass wirtschaftlicher Handel zu politischem Wandel führt. Angesichts des Zusammenbruchs der Sowjetunion und der hoffnungsvollen Demokratiebewegung in Osteuropa hat Francis Fukuyama 1989 die These des Endes der Geschichte vertreten. Er meinte damit, dass sich die liberale Demokratie und die Marktwirtschaft als Ordnungsmodelle durchsetzen würden. Für viele Länder Osteuropas, die heute Mitglied der Europäischen Union und der NATO sind, hat sich Fukuyamas These – zumindest in Teilen –  durchaus bestätigt. Auch die Menschen in der Ukraine hatten diese Hoffnung, die aber spätestens am 24. Februar 2022 durch den russischen Angriff zerschlagen wurde. Es war auch die Angst vor der Ausbreitung der Demokratie und deren Absicherung durch eine Anbindung an den sogenannten Westen, die Putin und sein Regime zu diesem irrsinnigen Krieg verleitete. Putin hatte auf die Schwäche und Unentschiedenheit der Demokratien gesetzt und dabei ihre Wehrhaftigkeit unterschätzt. Dass die Mitglieder der G7, der NATO und der Europäischen Union so viel Einigkeit zeigten, ist für mich einer der wenigen Lichtblicke des vergangenen Jahres.

Ist es eurozentristisch, den russischen Krieg gegen die Ukraine so ins Zentrum unseres politischen Diskurses zu rücken? So lautet der Vorwurf, der aus den Hauptstädten vieler Länder mittleren oder niedrigen Einkommens zu vernehmen ist. Die Bedrohungslage, die man in Berlin, Warschau oder Bukarest empfindet, ist sehr viel unmittelbarer als in Delhi, Pretoria oder Dakar. Auch mit dem Vorwurf der Doppelstandards, die wir bei anderen Krisen und Kriegen, vom Irak bis nach Libyen, angelegt haben, müssen wir uns kritisch auseinandersetzen. Gleichzeitig sind die Auswirkungen des russischen Krieges zweifelsohne globaler Natur, so zum Beispiel hinsichtlich der Versorgung mit Nahrungs- oder Düngemitteln. Zudem tritt Russland mit seinem Angriffskrieg und den massiven Kriegsverbrechen, wie sie etwa in Bucha verübt worden sind, das humanitäre Völkerrecht und die multilaterale Rechtsordnung mit Füßen. Russlands Krieg verschärft humanitäre Notlagen und hat Rückschritte bei der Erreichung der nachhaltigen Entwicklungsziele zur Folge, die bereits infolge der Corona-Pandemie ins Stocken geraten ist. Es ist diese Polykrise mit wechselseitig verbundenen und sich gegenseitig verstärkenden Krisenlagen, die auch 2023 prägen wird.

In Deutschland müssen wir die Energiewende mit entschiedenerem Nachdruck als bisher vorantreiben, um unabhängiger von fossilen Energieträgern zu werden, die wir oftmals aus autoritären Regimen importieren. Überdenken sollten wir auch unsere Wertschöpfungsketten, die insgesamt resilienter werden müssen. Resilienz bedeutet dabei nicht notwendigerweise De-Globalisierung oder das aggressive Entkoppeln von China, wie es die USA betreiben, sondern besonders die Diversifizierung des Imports von kritischen Rohstoffen und Vorprodukten aber auch der Absatzmärkte. Auch negative Spillover-Effekte müssen stärker in den Blick genommen werden. Dies sind unerwünschte wirtschaftliche, soziale, ökologische und sicherheitspolitische Ausstrahlungseffekte von Industrieländern wie Deutschland, welche die Erreichung der nachhaltigen Entwicklungsziele in anderen Ländern untergraben. Diese Transformationsprozesse sollten immer abgestimmt mit unseren europäischen Partnern geschehen, denn nur so können wirtschafts- und nachhaltigkeitspolitische Reformen globales Gewicht erfahren.

Im September 2023 steht der nächste „SDG Summit“ an, auf dem alle vier Jahre auf Ebene der Staats- und Regierungschef*innen die Erreichung der globalen Nachhaltigkeitsziele überprüft wird. Wir befinden uns in der Mitte des Umsetzungszeitraums der Agenda 2030 mit ihren 17 Nachhaltigkeitszielen. Aus Deutschland müssen Impulse für eine beschleunigte Umsetzung national aber auch international kommen, insbesondere, da die Bundesregierung zusammen mit Namibia die Verhandlungsführerschaft für den „Summit of the Future“ übernommen hat. Dieser soll 2024 stattfinden und Reformoptionen für die Vereinten Nationen und das internationale System entwickeln, um globale nachhaltige Entwicklung zu erreichen.

Auch in anderen internationalen Foren muss Deutschland eine konstruktive und transformative Rolle spielen. Die G20 wird in den nächsten drei Jahren von Indien, Brasilien und Südafrika geleitet, nachdem Indonesien die Präsidentschaft im vergangenen Jahr innehatte. Diese „Southernisation“ der G20 ist angesichts der politischen Bedeutung dieser Ländern nur folgerichtig. Sie kann die Herausforderungen der Länder mittleren und niedrigen Einkommensstärker in den Fokus rücken. Deutschland hat im Rahmen seiner G7-Präsidentschaft im Jahr 2022 wichtige Impulse gesetzt, etwa durch eine globale Allianz für Nahrungsmittelsicherheit oder eine weltweite Infrastrukturinitiative. Angesichts stark wachsender Schuldenstände in vielen Ländern niedrigen und mittleren Einkommens ist jedoch die G20 das richtige Forum, um eine Um- und Entschuldung voranzutreiben, die öffentliche Mittel zur Förderung von Nachhaltigkeit freisetzt. Insgesamt ist Deutschland in 2023 und darüber hinaus regional aber auch global als Impulsgeber und Umsetzungsmacht gefordert, um Frieden, internationales Recht und nachhaltige Entwicklung zu fördern. Hierfür sind nicht nur gute Vorsätze wichtig, sondern auch konkretes und mutiges Handeln.

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Vermögenszuwachs: Reichstes Prozent kassiert fast doppelt so viel wie Rest der Welt

SID Blog - 16. Januar 2023 - 7:30

Oxfam-Bericht zur sozialen Ungleichheit

Konzerne und Superreiche profitieren von den Krisen, während Armut und Hunger rasant steigen

Davos/Berlin, 16. Januar 2023. Die Reichen werden immer reicher: Seit Beginn der Corona-Pandemie hat das reichste Prozent der Weltbevölkerung rund zwei Drittel des weltweiten Vermögenszuwachses kassiert. Gleichzeitig leben 1,7 Milliarden Arbeitnehmer*innen in Ländern, in denen die Lohnentwicklung die Inflation nicht ausgleicht. 828 Millionen Menschen – etwa jede*r zehnte auf der Erde – hungern. Erstmals seit 25 Jahren haben extremer Reichtum und extreme Armut gleichzeitig zugenommen. Das geht aus dem Bericht "Survival of the Richest" hervor, den die Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam anlässlich des Weltwirtschaftsforums in Davos vorlegt. Oxfam fordert die Regierungen auf, diesem Trend mit Steuern auf exzessive Übergewinne und hohe Vermögen entgegenzutreten und mit den Einnahmen in den Ausbau von sozialer Sicherung, Bildung und Gesundheit zu investieren, um Ungleichheit und Armut zu bekämpfen.

Der Bericht zeigt:

  • Seit 2020 gingen 26 Billionen US-Dollar (63 Prozent) der gesamten
  • In Deutschland sahnen die Reichsten besonders ab: Oxfam hat berechnet, dass von dem gesamten Vermögenszuwachs, der zwischen 2020 und 2021 in Deutschland erwirtschaftet wurde, 81 Prozent an das reichste Prozent gingen, während die restlichen 99 Prozent der Bevölkerung nur 19 Prozent des Vermögenszuwachses erhielten.
  • Die Milliardär*innen dieser Welt haben ihren Reichtum in den Jahren der Pandemie- und Lebenshaltungskostenkrise deutlich gesteigert. Milliardär*innen ist im Durchschnitt täglich um 2,7 Milliarden US-Dollar gestiegen.
  • Der Reichtum der Milliardär*innen ist im Jahr 2022 auch durch den rasanten Anstieg der Gewinne im Lebensmittel- und Energiebereich sprunghaft angestiegen. Der Bericht zeigt, dass 95 Lebensmittel- und Energiekonzerne ihre Gewinne im Jahr 2022 mehr als verdoppelt haben. Sie erzielten 306 Milliarden US-Dollar an Übergewinnen und schütteten 257 Milliarden US-Dollar (84 Prozent) davon an Aktionär*innen aus.
  • Gleichzeitig leben heute mindestens 1,7 Milliarden Arbeitnehmer*innen in Ländern, in denen die Inflation die Lohnentwicklung übersteigt, und rund 828 Millionen Menschen – also etwa jeder zehnte Mensch auf der Erde – hungern. Frauen und Mädchen machen fast 60 Prozent der hungernden Weltbevölkerung aus. Nach Angaben der Weltbank erleben wir die wohl größte Zunahme der weltweiten Ungleichheit und Armut seit dem Zweiten Weltkrieg.
  • Die einkommensschwächsten Länder geben inzwischen viermal mehr für die Rückzahlung von Schulden aus als für die Gesundheitsversorgung. Drei Viertel der Regierungen der Welt planen, ihre Ausgaben im öffentlichen Sektor, etwa im Bildungs- und Gesundheitswesen, zu kürzen – um insgesamt 7,8 Billionen US-Dollar in den nächsten fünf Jahren.
  • Weltweit stammen nur noch vier Prozent der Steuereinnahmen aus Steuern auf Vermögen. In den letzten vierzig Jahren

Manuel Schmitt, Referent für soziale Ungleichheit bei Oxfam Deutschland, kommentiert: "Während Millionen Menschen nicht wissen, wie sie Lebensmittel und Energie bezahlen sollen, bringen die Krisen unserer Zeit gigantische Vermögenszuwächse für Milliardär*innen. Jahrzehntelange Steuersenkungen für die Reichsten und Unternehmen auf Kosten der Allgemeinheit haben die Ungleichheit verschärft und dazu geführt, dass die Ärmsten in vielen Ländern höhere Steuersätze zahlen als Milliardär*innen. Unser Bericht zeigt erneut: Dass von Steuersenkung für die Reichsten alle profitieren, ist ein Mythos. Konzerne und ihre superreichen Haupteigentümer*innen müssen endlich ihren fairen Beitrag zum Gemeinwohl leisten."

Oxfam: Hohe Steuern auf Übergewinne und Vermögen deshalb unerlässlich

Wege aus der Ungleichheit

Oxfam fordert von der Bundesregierung eine systematische und weitreichende Besteuerung von Krisengewinnen und eine höhere Besteuerung reicher Menschen, um mit den Einnahmen Armut und Ungleichheit weltweit zu bekämpfen:

  1. Durch eine Übergewinnsteuer exzessive Krisengewinne von Konzernen abschöpfen:
    Die sich aus der derzeitigen Krisenlage ergebenden Übergewinne vieler Konzerne müssen mit hohen Steuersätzen von mindestens 50 Prozent besteuert werden. Die bisherigen Planungen für eine Abgabe auf Zufallsgewinne greifen zu kurz.
  2. Mit einer Vermögenssteuer reiche Bevölkerung in die Verantwortung nehmen:
    Die Vermögenssteuer muss wieder eingeführt werden und es braucht angesichts der aktuellen Krisensituation eine einmalige Abgabe auf sehr hohe Vermögen. In Deutschland wird Vermögen im internationalen Vergleich bislang unterdurchschnittlich besteuert.
  3. In Bildung, Gesundheit, soziale Sicherung und Geschlechtergerechtigkeit investieren:
    Es gilt mehr Mittel in den Ausbau von Bildungs-, Gesundheits- und sozialen Sicherungssystemen und die Stärkung von Frauenrechten zu investieren. In der Entwicklungszusammenarbeit müssen die entsprechenden Mittel erhöht werden.

Redaktioneller Hinweis

Der Bericht „Survival of the Richest" und die deutsche Zusammenfassung „Steuern gegen Ungleichheit" stehen gemeinsam mit Hinweisen zur Berechnung zum Download bereit unter https://oxfam.box.com/v/ungleichheitsbericht2023



 

Hedera macht den Impact von Mikrokrediten transparent

reset - 16. Januar 2023 - 5:49

Für viele Familien, die an oder nahe der Armutsgrenze leben, ist der Zugang zu Bankgeschäften und Krediten oft schwierig. Um dem entgegenzuwirken, haben einige Finanzinstitute Mikrofinanz- oder Mikrokreditprogramme aufgelegt – Kleinkredite, die unterversorgten Gesellschaftsschichten Wege aus der Armut ermöglichen sollen.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Spenden, die meistens zur sofortigen Linderung dringender Bedürfnisse gedacht sind, sollen Mikrokredite langfristige die Lebensqualität und Gesundheit verbessern und Bildungschancen erhöhen – durch zusätzliche Finanzmittel, über deren Verwendung die Familien selbst verfügen können. Viele Familien auf der ganzen Welt leben entweder in Armut oder am Rande des Existenzminimums, so dass kaum zusätzliches Einkommen für neue Anschaffungen oder einen zuverlässigen Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen zur Verfügung steht. Die Idee der Mikrofinanzierung ist, diese Kluft zu überbrücken, ohne die Empfangenden übermäßig mit Schulden zu belasten, indem kleine Kredite an Menschen vergeben werden, die sonst von Banken abgelehnt werden würden.

Die Wirkung von Mikrokrediten zu messen ist jedoch schwierig. Auch wenn viele Finanzinstitutionen Mikrokredite anbieten, verfolgen die wenigsten von ihnen, in wieweit sich der Wohlstand oder Lebensstandard der Empfänger*innen tatsächlich verbessert hat. Hier kommt Hedera Sustainable Solutions, ein in Berlin ansässiges Unternehmen, ins Spiel. Das Startup entwickelt digitale Produkte, mit denen Mikrofinanzinstitute besser abschätzen können sollen, ob ihre Investitionen die gewünschte nachhaltige Wirkung entfalten. Außerdem sollen mit den neu gewonnen Informationen Dienstleistungen für die Kund*innen verbessert und der Beitrag zu den Zielen für nachhaltige Entwicklung der UN leichter bewertet werden können.

Zu diesem Zweck hat Hedera eine Reihe digitaler Tools entwickelt, die Mikrofinanzinstitute und Nichtregierungsorganisationen vor Ort unterstützen können. Mit dem Hedera Impact Toolkit können zum Beispiel einfache Umfragen durchgeführt werden, mit denen sich Finanzinstitute ein detailliertes Bild über die Wirkungen auf Ebene einzelner Haushalte verschaffen können. Über die Plattform Hedera connect können die Ergebnisse solcher Erhebungen für Interessierte zugänglich gemacht werden und u.a für Investor*innen geworben werden. Der große Vorteil der Software: Die Kosten für Datenerhebung, -analyse und Berichterstellung sollen um bis zu 90 Prozent reduziert werden können.

Die Hedera-Umfrage zum Energiezugang untersucht beispielsweise, wie Familien Strom erzeugen, wofür dieser Strom verwendet wird und die Häufigkeit von Unfällen oder Gesundheitsproblemen, die auf einen schlechten Zugang zu Strom zurückzuführen sind. Die Ergebnisse dieser Erhebungen können dann in digitalen Berichten zusammengefasst werden, um präzisere und wirkungsvollere Mikrofinanzzahlungen zu ermöglichen, den Weg der Zahlungsempfänger*innen aus der Armut zu beobachten und die SDGs zu unterstützen.

Hedera arbeitet auch mit lokalen Institutionen, Unternehmen und NGOs vor Ort zusammen, um Forschungsunterstützung, Schulungen und die für eine effiziente Datenanalyse erforderlichen digitalen Tools bereitzustellen. In der Demokratischen Republik Kongo hat Hedera beispielsweise mit der Organisation Appui-conseils aux Projets et Initiatives du Développement Endogène (APIDE) zusammengearbeitet, um haushaltsbezogene Daten zu visualisieren und damit transparenter und effektiver vor Ort nutzbar zu machen. In Kolumbien hat Hedera mit der Initiative Rejuvenating Pueblo Viejo zusammengearbeitet, deren Ziel es ist, Kinder und Jugendliche für Nachhaltigkeit zu sensibilisieren und ihnen eine Stimme in der lokalen Zivilgesellschaft zu geben. Das Hedera-Toolkit wurde eingesetzt, um den lokalen Bedarf zu ermitteln und die Fortschritte im Laufe der Zeit zu analysieren.

Die Debatte um Mikrokredite

Die Vergabe von Mikrokrediten ist nicht ganz unumstritten. Schon seit vielen Jahren gibt eine ausführliche Debatte über die Wirksamkeit von Mikrokrediten bei der Armutsbekämpfung und sogar über die ethischen Implikationen des Anbietens jeglicher Art von Krediten an arme Haushalte.

Einerseits können Mikrokredite Haushalten, die an der Grenze zwischen Armut und Selbstversorgung leben, einen Schub geben. Haushalte, die für eine Mikrofinanzierung in Frage kommen, leben möglicherweise mit nur 1,25 USD pro Tag. Damit lassen sich zwar die Grundnahrungsmittel abdecken, aber für alles andere reicht das Einkommen kaum aus. Ein medizinischer Notfall oder eine andere unvorhersehbare Krise kann unter diesen Voraussetzungen dazu führen, dass ein Haushalt noch tiefer in die Armut abrutscht.

Ein einfaches Darlehen von etwa 100 USD kann jedoch ausreichen, um diesen Haushalt in eine höhere sozioökonomische Schicht zu bringen, Sicherheit zu bieten und lokales Unternehmertum zu ermöglichen. Sobald die Grundbedürfnisse stabilisiert sind, können die Empfänger*innen von Mikrokrediten ihre Zeit und Energie anderen Unternehmungen widmen, was theoretisch zu mehr Produktivität führt und die lokale Wirtschaft ankurbelt. Dabei hat sich gezeigt, dass Kleinkredite oft besonders Frauen zugute kommen, da sie ihnen Zugang zu Bildung, finanzieller Unabhängigkeit und zusätzlichen Möglichkeiten verschaffen.

lecercle/Sari Microfinance/Oxfam Australia

Zum Problem kann allerdings werden, dass Finanzanbietende oft eine große Anzahl von Krediten mit geringem Wert und hohem Risiko vergeben. Da es keine Rückzahlungsgarantie gibt, werden hohe Zinssätze – manchmal bis zu 30 Prozent – verlangt. Dies wiederum kann die finanziellen Probleme der Empfänger unter Umständen noch vergrößern. Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Empfänger*innen von Mikrokrediten weitere Kredite aufnehmen, um die Rückzahlung früherer Darlehen zu leisten. Dazu kommt: Insbesondere in den 1990er Jahren sind Mikrofinanzinstitute wie Pilze aus dem Boden geschossen – und nicht alle agieren professionell und transparent. Nicht verwunderlich also, dass die Verschuldung durch Mikrokredite bereits zu Tragödien geführt hat. BBC berichtete über eine Welle von Selbstmorden in Indien, die mit Mikrofinanzkrediten in Verbindung gebracht wurden.

Andere weisen darauf hin, dass die Förderung des Unternehmertums in kleinen Gemeinschaften ohne die notwendige kommerzielle Basis nur von begrenztem Wert ist und zu einer Übersättigung bestimmter Produkte und einem Verdrängungswettbewerb führt.

„Wie können wir Geschäftsmodelle schaffen, die nicht auf Gier basieren?“ – Interview mit Friedensnobelpreisträger Yunus

Der Vater der Mikrofinanzierung, Muhammad Yunus, sprach mit RESET über Social Business, radikalen Systemwandel und wie Entrepreneurship genutzt werden sollte, um die dringendsten Herausforderungen des Planeten zu bewältigen. Jetzt Interview lesen!

Viele dieser Probleme haben ihren Ursprung in der mangelnden Transparenz des Mikrofinanzsektors sowie in einem Mangel an Informationen über die unmittelbaren Bedürfnisse der Gemeinschaften und Haushalte. Projekte wie Hedera können daher wichtige Einblicke in den Sektor bieten und einige der potenziellen Nachteile von Mikrofinanzkrediten abmildern.

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