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23-01-16_Nyasha Bhobo - South Africa - churches after Covid-19

E+Z - 16. Januar 2023 - 2:00
23-01-16_Nyasha Bhobo - South Africa - churches after Covid-19 admin Mo., 16.01.2023 - 11:34 Church administrators are decrying declining numbers of worshippers after Covid-19 pandemic in South Africa Churches Churches in South Africa lose worshippers after pandemic The Covid-19 lockdowns changed behaviour patterns as health experts discouraged physical meetings. In South Africa, going to church is one of the most popular traditions for Christians. 16.01.2023Subsahara-Afrika Heutzutage

Technology allowed online church attendance through platforms such as Zoom and WhatsApp. Now, as the world reintroduces physical meetings, church administrators are decrying low numbers of worshippers.

Church and faith establishments are not only a faith issue, but also an economic enterprises. The country has a very high unemployment rate  which has led to the emergency of “faith entrepreneurs” who use religion to collect money from church attenders. Attracting a large followership means that “pastors” or evangelists of these churches can collect large sums of money from their followers.

During the Covid-19 lockdowns, church business became digitised. Faith entrepreneurs were able to open “Zoom churches”. The venture was very lucrative because the church could hold multiple sessions, have attendees from all over the world and collect money (tithe, offerings) using digital payment platforms.

Congregants quitting their churches

As the pandemic subsides, South Africa’s churches are suffering from a ‘great quitting’, with congregants vanishing from Sunday Zoom church services and quitting their old churches as they get poached by rival congregations.

“I’m a pastor – thanks to the pandemic which is vanishing, the migration from online to offline has led to a ‘great quitting’ of my worshippers,” says pastor Leonard Cele, of the Greater African Boksburg Church in Johannesburg.

“The wave of ‘Zoom churches’ we held in 2020 meant that at the click of a button, my flock could attend five different services from five different churches in a day from their Wi-Fi enabled laptop at home. Now Zoom churches have declined, and 30 % of my flock can’t show up in person back at church. I’m not sure if I have lost them to rival churches or if they have abandoned the faith briefly or completely,” Cele says.

The return to normal after the pandemic has not been an easy transition for people and institutions around the world. New realities created during the pandemic have become a norm that is hard to shake off. For pastors like Cele, the return to normal has brought new challenges. While worshippers could attend multiple events online, this is not possible with physical churches. People now must choose which church to attend.

“It’s a crisis for pastors. There is less money and earnings in tithe if worshippers quit their established churches,” says Kudakwashe Magezi, a poet in Johannesburg.

The harsh Covid-19 lockdown in South Africa saw church services banned alongside other mass gatherings like beerhalls, sports events, and weddings. Churches are a major part of South Africa’s economy as they must pay a tax to the South African Revenue Service (SARS) to operate. Pastors too pay an income tax and make contributions to the Unemployment Insurance Fund (UIF). In 2022, SARS made over 900 million Rand ($ 52 million) from non-compliant churches and luxury car owners after an audit of 33 churches.


Nyasha Bhobo is a freelance writer based in South Africa.
nyashabhobo@gmail.com

Governance Off Off Nyasha Bhobo

is a freelance writer based in South Africa.

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23-01-15_Martin Kämpchen - learning Bengali

E+Z - 15. Januar 2023 - 2:00
23-01-15_Martin Kämpchen - learning Bengali admin So., 15.01.2023 - 02:00 Seit der Schriftsteller Martin Kämpchen Bengalisch spricht, sieht er Indien mit anderen Augen Sprachen Menschen in ihrer Muttersprache verstehen Der Schriftsteller Martin Kämpchen lebt in Shantiniketan, einer kleinen Universitätsstadt in Westbengalen. Seit er in den 1980er- Jahren dort die Landessprache Bengalisch erlernte, sieht er Indien mit anderen Augen. 15.01.2023Südasien Hintergrund Recht

Es dauerte lange, zu lange, bis ich mich entschloss, Bengalisch zu lernen. Nach meinem Studium kam ich als Deutschlehrer nach Kalkutta und dachte, dass ich ein oder zwei Jahre bleibe, bevor ich nach Europa zurückkehren würde. Es kam anders. Drei Jahre unterrichtete ich und entschied dann, ein neues Studium in Chennai (Südindien) zu beginnen. Wieder drei Jahre! Als ich danach mein Studium weiter ausdehnen, eine Forschungsarbeit mit einem Doktorat abschließen wollte, wurde mir deutlich: Jetzt muss ich eine indische Sprache lernen.

Ich wohnte wieder in West-Bengalen, jedoch nicht in Kalkutta, sondern in der kleinen Universitätsstadt Santiniketan, in der der indische Nationaldichter Rabindranath Tagore gelebt hatte. Einen Kurs „Bengalisch für Nichtbengalen“ gab es damals nicht. Also nahm ich einen Privatlehrer.

Besondere Herausforderung

Ich hatte Englisch und Französisch gelernt und bewegte mich in beiden Sprachen nach Aufenthalten in Wisconsin und Paris recht sicher. Doch wurde mir bewusst, dass eine orientalische Sprache zu lernen, selbst innerhalb ihrer eigenen Region, eine besondere Herausforderung war.

Das Bengalische besitzt eine eigene Schrift, die dem Devanagari (in dem Sanskrit und Hindi geschrieben werden) verwandt ist. Diese Schrift bildet manche Vokale dort im Wort ab, wo sie gesprochen werden. Andere stehen aber vor den Konsonanten, hinter denen sie erklingen, und einen Vokal zeigt die Schrift nur am Wortanfang und ansonsten nicht.

Die Syntax unterscheidet sich von der europäischer Sprachen. Verben stehen am Ende der Sätze, und statt Präpositionen werden Postpositionen an Substantive angehängt. Die Sprache unterscheidet nicht nach Geschlecht, wendet aber Höflichkeitsformen, die dem deutschen „Sie“ entsprechen, auch auf abwesende Personen an. Oft wird die Bedeutung eines Wortes nur durch die Stellung im Satz klar. Ich musste also lernen, die Welt mit bislang fremden sprachlichen Differenzierungen zu verstehen, dabei aber zugleich auf vertraute Kategorien zu verzichten.

Überforderter Lehrer

Mein Bengalischlehrer war ein junger Mann mit einem Magisterabschluss in Philosophie, aber ohne Ausbildung als Sprachlehrer. Er dachte wohl: Ich bin Bengale, also kann ich Bengalisch unterrichten. Er beherrschte Grammatik und Syntax intuitiv, wie Menschen das in ihrer Muttersprache generell tun, konnte die Regeln aber nicht erklären.

Mein Lehrer versuchte mich wie einen Sechsjährigen, der in der Schule schreiben lernt, zu unterrichten. Seine pädagogische Ahnungslosigkeit, gepaart mit großem Stolz auf die eigene Sprache, machten mir das Lernen schwer. Obendrein hatte ich die 30 schon überschritten, war also nicht mehr in dem Alter, in dem der Spracherwerb leicht fällt. Hätte ich doch zehn Jahre früher angefangen! Oft war ich entmutigt.

Es gab damals keine Lehrbücher für Menschen wie mich. Mittlerweile gibt es einige Werke, von denen „Complete Bengali“ mit begleitendem Audio-Angebot von William Radice am besten ist. Radice ist Bengalischdozent an der Londoner School of Oriental and Asian Studies und hat sich als Übersetzer einen Namen gemacht.

Eine neue Welt tut sich auf

Sprechen lernte ich schneller als Lesen und Schreiben. Nach wenigen Monaten merkte ich, dass ich mit einfachen Menschen erste, schlichte Kommunikation betreiben konnte. Welch eine Welt tat sich da auf! Mir wurde deutlich bewusst, welche Bedeutung die Muttersprache für Menschen hat – und zwar gerade für jene, die sonst keine Sprachen sprechen und vielleicht auch weder lesen noch schreiben können.

Umgekehrt bleibt unser Wissen über jene, mit denen wir nicht in ihrer Sprache kommunizieren können, recht kümmerlich. Die Muttersprache ist wie eine zweite Haut, oder die Aura der Menschen. Sie zeigt sich erst, wenn wir sprechen, zuhören und antworten.

Westbengalen erschloss sich mir neu, als ich die Gespräche um mich zu verstehen begann. Meine Sympathie für die Armen, Einfachen, schulisch Ungebildeten, Untergebenen und körperlich Arbeitenden bekam kräftigere Farben. Sie reden viel und tauschen sich ständig mit anderen aus. Das Mitteilungsbedürfnis ist groß. Als ich genügend Bengalisch verstand, gliederte sich diese anonyme Menschheit. Nach sechs Jahren Wartezeit lernte ich Indien kennen.

Indien ist in den Dörfern

Mahatma Gandhi hatte gesagt, Indien sei in den Dörfern, also bei den einfachen Menschen. Jetzt spürte ich die Wahrheit dieses Satzes.

Wer mit Menschen aus benachteiligten Schichten arbeiten will, muss ihre Sprache verstehen. Das schafft einerseits Vertrauen, vertieft die Kommunikation und ermöglicht wechselseitiges Verständnis. Wer auf Übersetzungen angewiesen ist, kann dagegen das Gegenüber nicht als „ganzen Menschen“ wahrnehmen, denn nuancierte Äußerungen von Freude, Trauer, Hoffnung und Enttäuschung gehen leicht verloren. Wie nah wir an Menschen herankommen, wenn wir ihre Muttersprache sprechen, wissen wir erst, wenn wir es einmal erfahren haben.

Wer ohne diese Kenntnisse Entwicklungszusammenarbeit betreibt, kann die Zielgruppe nicht direkt erreichen und wird auch die sozioökonomischen Machtverhältnisse nie wirklich verstehen. Das macht dauerhaften Erfolg unwahrscheinlich.

Indien hat 22 offizielle Sprachen. Sie werden vom Staat gefördert, in Schulen unterrichtet, und ihre Literatur wird von der staatlichen Literaturakademie (Sahitya Akademi) unterstützt. Die Muttersprache regiert in den Familien, in den Nachbarschaften, in den Dörfern. Seit ich in Indien lebe, wogt die Diskussion darüber, welchen Stellenwert sie im Bildungssystem einnehmen müsse. Die Einsicht, dass Kinder zunächst in ihrer Muttersprache lernen sollten, hat sich nur langsam durchgesetzt.

Ich unterstütze als Mentor und mit aus Deutschland mobilisierten Spenden die Entwicklungsprojekte eines Selbsthilfeprojekts von zwei Adivasi-Organisationen. Die von ihnen betriebene Grundschule unterrichtet auf Santali, der Muttersprache dieser marginalisierten ethnischen Gruppe. Für Santali-Texte sind in Indien verschiedene Schriften gebräuchlich, in unserer Dorfschule wird das bengalische Alphabet verwendet, weil die Kinder diese Sprache und die dazugehörigen Buchstaben ohnehin lernen müssen.

Dass Adivasi-Kinder in ihrer eigenen Sprache unterrichtet werden, bleibt leider weiterhin die Ausnahme. Andererseits gibt es in den Städten einen starken Trend zu englischsprachigen Privatschulen, sodass auch dort viele Kinder in einer für sie fremden Sprache unterrichtet werden (siehe Box).


Bücher

Kämpchen, M., 2022: Mein Leben in Indien. Ostfildern: Patmos Verlag.

Kämpchen, M., 2020: Indo-German Exchanges in Education. Rabindranath Tagore Meets Paul and Edith Geheeb. New Delhi: Oxford University Press.

Radice, W., 2010: Complete Bengali. London: Teach Yourself Verlag.

Tagore, R., 2015: An den Ufern der Stille. Lyrik. Aus dem Bengalischen übersetzt von Martin Kämpchen, Ostfildern: Patmos.


Martin Kämpchen lebt als Schriftsteller und Literaturübersetzer in Shantikniketan in Westbengalen. In seiner kürzlich erschienen Autobiographie beschreibt er unter anderen seine jahrzehntelange Zusammenarbeit mit zwei Adivasi-Organisationen, die auch der deutsche Verein Freundeskreis Ghosaldanga und Bishnubati unterstützt.
martin.kaempchen2013@gmail.com
https://www.dorfentwicklung-indien.de/home/

 

Governance Off Off Martin Kämpchen

hat zuletzt im Winter 2022/2023 zu E+Z/D+C beigetragen. Er lebt als Schriftsteller und Literaturübersetzer in Shantikniketan in Westbengalen.

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23-01-07_D+C/E+Z - e-Paper-Werbung

E+Z - 14. Januar 2023 - 2:00
23-01-07_D+C/E+Z - e-Paper-Werbung admin Sa., 14.01.2023 - 02:00 Der dauerhafte Wert unseres e-Papers und der Unterschied zum Druckheft D+C/E+Z Wozu unsere Digitale Monatsausgabe gut ist Manchmal werden wir gefragt, wozu wir eine Digitale Monatsausgabe produzieren, ob sie nicht schnell veraltet und wie sie sich vom Druckheft unterscheidet. Hier sind die Antworten. 14.01.2023Weltweit In Kürze

Unsere Digitale Monatsausgabe fasst die Inhalte zusammen, die wir im Laufe von etwa vier Wochen auf unsere Website stellen. Wer sie runterlädt, kann alles in Ruhe offline lesen. Wir gehen davon aus, dass das vor allem für Menschen mit instabiler Internetverbindung hilfreich ist. Um problemlose Downloads zu ermöglichen, haben wir den Datenumfang deutlich reduziert und werden künftig systematisch unter fünf MB bleiben. Weil wir uns auf Themen mit langfristiger Bedeutung konzentrieren, sind die Informationen in unserem e-Paper meist nicht schnell überholt, sondern helfen langsame Entwicklungen zu verstehen.

er die Digitale Monatsausgabe gleich nach der Veröffentlichung liest, findet darin eine ganze Reihe von Beiträgen, die noch nicht auf der Website erschienen sind. Unser Team ist für tagesaktuelle Berichterstattung zu klein, wir achten aber darauf, mindestens sechsmal in der Woche einen neuen Beitrag auf der Website zu posten. Wir veröffentlichen ausschließlich Originalbeiträge, die noch nicht anderswo erschienen sind.

In autoritär regierten Ländern ist es zudem vermutlich weniger riskant, schnell ein PDF herunterzuladen, als längere Zeit auf einer Website zu verbringen, die sich klar für gute Regierungsführung und Menschenrechte ausspricht. Geheimdienste verfolgen zunehmend aufmerksam, was im Internet geschieht, aber einzelne e-Paper ins Visier zu nehmen, ist technisch recht anspruchsvoll.

Unsere Digitalen Monatsausgaben unterscheiden sich von unseren Druckheften, die nur alle zwei Monate erscheinen und nur eine Auswahl unserer Webinhalte enthalten. Früher veröffentlichten wir elf Druckhefte im Jahr, aber Porto-, Papier- und Druckkosten waren teuer – und die Post langsam. Deshalb wurde beschlossen, mehr Inhalte für das Internet zu produzieren und die Frequenz der Printausgaben zu reduzieren.

Allerdings waren unsere Leser den Monatstakt gewohnt, sodass wir sie nun mit zwölf e-Paper im Jahr bedienen. Zugriff auf alte Ausgaben gewährt auf der Website unser Digitales Monatsarchiv. Wenn Sie möchten, können Sie alle seit 2016 erschienenen digitalen Ausgaben kostenfrei herunterladen. Das Archiv dient als langfristige Ressource.

Die neue Digitale Monatsausgabe stellen wir jeweils zum Monatsanfang auf unsere Homepage. Wenn Sie daran erinnert werden wollen, bestellen Sie bitte unseren Newsletter.

Falls Sie sich für das Druckheft interessieren, bekommen Sie hier ein Freiabo.

Nachhaltigkeit Off Off D+C / E+Z
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Nach Sturm auf den Kongress in Brasilien: Lula muss das Land wieder einen

SWP - 13. Januar 2023 - 16:51

Nach dem Sturm radikaler Anhänger des abgewählten Präsidenten Jair Bolsonaro auf das Regierungsviertel in Brasília sind Unterstützer von Präsident Luiz Inácio »Lula« da Silva auf die Straße gegangen. Die Demonstranten fordern »keine Amnestie und kein Verzeihen«. Doch die Strafverfolgung der Bolsonaro-Anhänger kann nur ein Teil der Strategie zur Aufarbeitung der jüngsten Ereignisse sein. Präsident Lula muss weitere Schritte wagen, um sein Land wieder zusammenzuführen.

Die Frage lautet, ob Brasilien vor einem Prozess der weiteren Erosion seiner demokratischen Ordnung steht, nicht weil – wie unter Bolsonaro – aus dem Präsidentenamt heraus die Legitimität der zentralen Institutionen des Landes unterminiert wurde, sondern weil sich große Teile der Bevölkerung abwenden und aus den demokratischen Prozessen ausgeschlossen fühlen. Entscheidend dafür wird sein, ob Lula eine neue Grundlage für ein friedliches Zusammenleben in Brasilien finden und so die Logik des »Wir gegen sie«, den Dauerzustand politischer Mobilisierung und Gegenmobilisierung auflösen kann. Eine akute Herausforderung ist dabei der Einfluss des »Bolsonarismo« auf die Streitkräfte. Lula muss die Loyalität der Sicherheitsorgane zum Präsidenten sicherstellen. Auch könnten die Ereignisse der vergangenen Tage in Teilen der Bevölkerung auf noch vehementere Ablehnung seiner Person als bisher stoßen.

Die Bevölkerung ist stark polarisiert

Die Brücke der Verständigung der beiden Lager ist im Getöse des vergangenen Wahlkampfes vollends eingestürzt. Nun kommt es darauf an, die expansive Tendenz der Polarisierung von der Welt der Politik auf den Bereich der alltäglichen sozialen Beziehungen zu unterbrechen. Mit der bei seiner Amtseinführung verkündeten Versöhnungsinitiative hat Lula sicherlich den richtigen Ton gesetzt. Nach dem Angriff auf den Kongress, den Obersten Gerichtshof und den Regierungssitz ist aber zunächst Aufklärung und Strafverfolgung angesagt, was dem erklärten Ziel der Annäherung zuwiderläuft. Es steht zu befürchten, dass die jüngsten Ereignisse keine einzelne Episode bleiben, wenn die verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen keinen Weg finden, um wieder in den Austausch zu treten.

Konkrete Schritte für diesen Weg der Rückführung der Polarisierung sind politische Kompromissbereitschaft und Aufbau des Vertrauens in die öffentlichen Institutionen. Dafür muss Lula die Vorteile der Diversität jener Koalition nutzen, die ihn ins Präsidentenamt getragen hat, indem Dialogbereitschaft und -angebote eben nicht an seine Person gebunden sind, sondern von einer Vielzahl anderer gesellschaftlicher und politischer Akteure vorgetragen werden. Das erfordert vom Präsidenten, seinen Mitstreitern mehr politischen Raum einzuräumen – sei es im Parlament, in dem die Bolsonaro-Anhänger die Mehrheit stellen, oder in der brasilianischen Gesellschaft. Flankiert werden muss dies mit effektiven staatlichen Leistungen im sozialpolitischen Bereich wie auch der Sicherheit, insbesondere in den Großstädten. Allerdings steht Lula hier vor dem Problem, dass die öffentlichen Kassen aufgrund der Wahlkampfgeschenke seines Amtsvorgängers leer sind. Daher muss er mit den Gouverneuren und dem Parlament umgehend Finanzierungsmodelle aufsetzen, um die Bürgerinnen und Bürger zu entlasten und ihr Gefühl von Sicherheit zu stärken – jenseits dem von Bolsonaro propagierten Recht auf Selbstverteidigung und damit Waffenbesitz.

Der Euphorie nach dem von Lulas Anhängern so gefeierten Amtsantritt am 1. Januar 2023 ist nur wenige Tage später jäh gebremst worden. Die Verteidigung der brasilianischen Demokratie ist an die erste Stelle der politischen Tagesordnung gerückt. Der Präsident und seine Regierung müssen die Polarisierung durch konkrete politische Maßnahmen überwinden. Sollten sich Tendenzen gegenseitiger Ausgrenzung in den nachbarschaftlichen Beziehungen oder sozialen Medien weiter verstetigen und konkurrierende Wertevorstellungen in einem Personenkult manifestieren, ist eine Umkehr nur schwer möglich. Lula hat einige Mittel in der Hand, um sein Land mit Unterstützung einer breiten Koalition und internationalen Partner aus der schwierigen Lage zu manövrieren. Das erfordert aber mehr als die umfassende Aufklärung der Hintergründe des Aufruhrs und die Rückgewinnung nationaler Symbole, wie etwa das gelbe Trikot der »Seleção«, mit dem die Bolsonaristas auch bei den Krawallen ihre Unterstützung zeigten. Gefragt sind konkrete Schritte, die das Zusammenleben wieder möglich machen.

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Germany and Namibia as co-leads for the United Nations: chances and challenges on the road to the 2024 UN Summit of the Future

DIE - 13. Januar 2023 - 15:06

The President of the United Nations General Assembly has appointed the German and Namibian permanent representatives as co-facilitators for the Summit of the Future. The summit is scheduled for September 2024. Its aim is to reinforce the UN and global governance structures to better address old and new challenges. That includes making progress on implementing the sustainable development goals (SDGs) by 2030. Given the current geopolitical tensions, this will be no easy task. At this juncture it is important to get the process off to a good start in order to gather support, generate atten-tion and engender confidence.

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Kampf gegen Folgen von IS-Terror und Klimawandel: Deutschland und Irak arbeiten gut zusammen

SID Blog - 13. Januar 2023 - 12:45
Entwicklungsministerin Schulze trifft Iraks Regierungschef al-Sudani in Berlin

Vor seinem Besuch beim Bundeskanzler hat sich der neue Regierungschef des Irak, Mohammed al-Sudani, heute Morgen mit Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze zu einem Gespräch getroffen. Themen waren die bisherige Zusammenarbeit der beiden Länder sowie die Entwicklungsprioritäten der neuen irakischen Regierung. Das deutsche Entwicklungsministerium unterstützt den Irak beim Wiederaufbau des Landes, bei der Bekämpfung der Folgen des Klimawandels sowie bei der Umstrukturierung der Wirtschaft, um die Abhängigkeit vom Erdöl zu verringern. Ein weiterer Schwerpunkt ist die berufliche Bildung, insbesondere für Frauen.

Entwicklungsministerin Svenja Schulze: „Wir blicken heute gemeinsam zurück auf fast zehn Jahre Bewältigung der IS-Krise und ihrer schrecklichen Folgen. Gleichzeitig blicken wir nach vorne und wollen drohende neue Krisen rechtzeitig verhindern. Dazu gehört ganz besonders der rasant zunehmende Wassermangel infolge des Klimawandels. Dazu gehört aber auch, die Rechte von Frauen und Mädchen zu stärken. Denn das ist nicht nur Kern meiner feministischen Entwicklungspolitik. Es ist auch ein Schlüssel für eine erfolgreiche wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung des Iraks."  

Aufgrund seines Entwicklungsstandes und seiner großen Öl- und Gasvorkommen ist der Irak  kein klassisches Entwicklungsland. Das Entwicklungsministerium (BMZ) arbeitet jedoch seit 2014 mit dem krisengeschüttelten Land zusammen, um es politisch, sozial und wirtschaftlich zu stabilisieren und Grundlagen für ein friedliches Zusammenleben zu schaffen. Der Irak zählt daher zu den sogenannten Nexus- und Friedenspartnern der deutschen Entwicklungszusammenarbeit.

Seit 2014 hat das BMZ 2,1 Mrd. Euro in den Wiederaufbau des Iraks investiert. Dschihadisten des „Islamischen Staat" (IS) und die Aufstände zwischen verschiedenen religiösen Gruppen hatten dem Land großen Schaden zugefügt, seit 2003 der Diktator Saddam Hussein gestürzt wurde und 2011  die amerikanischen Truppen das Land verließen.

So unterstützte das BMZ beispielsweise den Bau einer neuen Universitätsbibliothek in Mossul, nachdem der IS dort einen Großteil der Bücher verbrannt hatte. Auch schafft das BMZ Perspektiven für Menschen, die in ihre Heimat zurückkehren. Zwei deutsche Zentren für Jobs, Migration und Reintegration in Bagdad sowie Erbil bieten Hilfe an bei  Qualifizierung, Unternehmensgründung und bei der Schaffung von Jobs. Rund 45.500 Menschen fanden bisher mit Unterstützung durch das BMZ einen Job, darunter auch 1900 Rückkehrer aus Deutschland. Seit 2014 wurde außerdem die Wasser- und Sanitärversorgung für bis zu 4,5 Mio. Menschen verbessert für 3,9 Mio. Menschen eine Gesundheitsversorgung ermöglicht und für ca. 1,5 Mio. Kinder  Bildungsangebote geschaffen.

Auch konnten mit Unterstützung des BMZ bereits 4,2 Millionen Binnenvertriebene in ihre Heimat zurückkehren. Mehr als sechs Millionen Menschen waren 2014 durch die Terrororganisation IS beziehungsweise als Folge der Kämpfe zwischen IS und irakischen Regierungstruppen vertrieben worden.

Neben der politischen Instabilität durch den islamistischen Terror machen dem Irak die Folgen des Klimawandels schwer zu schaffen. Der Irak gehört zu den Ländern, die weltweit am meisten von Klimawandel betroffen sind. Besonders unter dem rasant zunehmenden Wassermangel leiden immer mehr Menschen. Daher haben Deutschland und der Irak  erst im Dezember ein gemeinsames Projekt zur nachhaltigen Wasserversorgung im Südwesten des Landes unterzeichnet. Hier sollen 130.000 Menschen in der Region Muthanna Zugang zu sauberem Wasser erhalten. Deutschland investiert 62 Mio. Euro, der Irak trägt 14,4 Mio. Euro bei.






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E+Z - 13. Januar 2023 - 11:36
Newsletter admin Fr., 13.01.2023 - 11:37

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

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Wohin mit dem CO2?

SWP - 13. Januar 2023 - 9:52
EU und Bundesregierung sehen die Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid als Chance. Doch die Debatte wird für alle Beteiligten unbequem
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23-01-13_Berthold Kuhn - China - protests

E+Z - 13. Januar 2023 - 2:00
23-01-13_Berthold Kuhn - China - protests admin Fr., 13.01.2023 - 02:00 Nach landesweiten Demonstrationen gegen die Null-Covid-Politik hat China eine Kehrtwende vollzogen Pandemie Pekings schnelle Protestbesänftigung Nach landesweiten Demonstrationen gegen die Null-Covid-Politik hat China eine Kehrtwende vollzogen. Die Regierung hat so eine Politisierung der Krise, die auch Staats- und Parteichef Xi Jinping hätte schwächen können, abgewendet. 09.01.2023Ostasien Meinung Sozialentwicklung

Chinas Regierung hat in Reaktion auf landesweite Demonstrationen die Lockdownregeln gelockert. Das ist nicht ungewöhnlich, sondern eher typisch. Anders, als viele meinen, versucht die Kommunistische Partei oft und ernsthaft, Proteste oder Streiks mit schnellen Zugeständnissen zu beenden. Dafür gibt es einige Beispiele, speziell auch im Umweltbereich. Es entspricht traditioneller konfuzianischer Ethik, der zufolge Herrscher für eine harmonische Gesellschaft und breites Wohlergehen sorgen sollen. Diese Verpflichtung wirkt auch im modernen China fort, auch wenn die politische Gewaltenteilung wesentlich weniger ausgeprägt ist als im Westen und keine allgemeinen und freien Wahlen abgehalten werden. Die Regierung fühlt sich den UN-Zielen für nachhaltige Entwicklung verpflichtet.

Den landesweiten Unmut haben nicht nur Studierende, sondern auch einfache Erwerbstätige sowie Intellektuelle artikuliert. Die Regierung hat erkannt, dass die harte Null-Covid-Politik große Risiken birgt, speziell für die Wirtschaft, und hat mit der Lockerung die Demonstranten bis Mitte Dezember weitgehend besänftigt. Allerdings entstand so das Risiko einer heftigen Infektionswelle, denn gerade ältere Bevölkerungsschichten sind noch nicht ausreichend geimpft. Das Gesundheitssystem ringt mit großen Herausforderungen.

Die Kehrtwende ist bemerkenswert, denn wenige Wochen zuvor hatte der Parteitag die Amtszeit von Xi Jinping verlängert. Viele Menschen haben die Proteste verfolgt und haben auch die Bekämpfung der Covid-19-Pandemie in den vergangenen Monaten und Jahren in anderen Staaten und Regionen verfolgt. Hier steht nun China in den Augen vieler nicht mehr so erfolgreich da wie noch vor wenigen Monaten.

Auf die Omikron-Variante haben viele Staaten offensichtlich geschickter reagiert als China, denn die Hospitalisierungsrate ist wesentlich geringer, somit eine ansteigende Infektionswelle weniger dramatisch. Allerdings hat China eine wesentlich größere Bevölkerung und kann daher mit anderen Staaten kaum verglichen werden. Auch andere große Staaten, darunter Indien und die USA, waren bei der Bekämpfung von Covid-19 nicht besonders erfolgreich. Im Vergleich zu China sind dort prozentual viel mehr Menschen gestorben.

Einsichten in Xi Jinpings Umfeld

Xi Jinpings Umfeld hat nun auch gelernt, dass die Fraktion der liberaleren Wirtschaftspolitiker einen größeren Rückhalt als vermutet nicht nur im Privatunternehmertum, sondern auch in der Bevölkerung insgesamt genießt. Die nationalistische Propaganda hatte angesichts der sehr harten Pandemiemaßnahmen keine große Wirkung, wobei auch die Bilder von der Fußball-WM mit unmaskiert feiernden Fans in China eine Rolle gespielt haben.

Der Tod von Jiang Zemin im Dezember, der als Staats- und Parteichef weitreichende Reformen implementierte, hat bei vielen zusätzliches Nachdenken ausgelöst. Jiang Zemin stand für kulturelle Offenheit und Austausch mit dem Westen.

Xi Jinping steht auch nach dem Kurswechsel der Covid-Politik weiter für einen autoritären, aber auch volksnahen Regierungsstil. Die Reaktionen auf die Proteste haben dieses Image akzentuiert, das in den Augen vieler Chinesinnen und Chinesen eher positiv konnotiert ist, auch wenn sich das viele im Westen nicht vorstellen können oder möchten. Mitte Dezember war zu erwarten, dass – sollte keine Gesundheitskatastrophe hereinbrechen – Xi Jinping gestärkt aus der Krise hervorgehen könnte. Die aktuelle Infektionswelle ist jedoch offenbar heftig und vermutlich schlimmer, als die chinesische Führung erwartet hatte.

Niemand will politische Eskalation, und die Führung wird sich um einen ruhigen Kurs bemühen. Das könnte den Beziehungen mit Taiwan zugutekommen. China möchte zurzeit keine großen Spannungen mit dem Westen. Ein Angriff auf Taiwan hätte für die Wirtschaft heftige Konsequenzen. Die Legitimität der chinesischen Regierung ist eng mit dem Versprechen von Wohlstand und der Begrenzung sozialer Ungleichheit verbunden. Diesbezüglich vertrauen ihr die meisten Menschen durchaus.


Berthold M. Kuhn ist Politikwissenschaftler. Er arbeitet an der Freien Universität Berlin und als Berater für internationale Organisationen und Denkfabriken.
berthold.kuhn@fu-berlin.de

 

Nachhaltigkeit Off Off Berthold M. Kuhn

hat zuletzt im Winter 2022/2023 als habilitierter Politikwissenschaftler zu E+Z/D+C beigetragen. Er arbeitet als Privatdozent an der Freien Universität Berlin und als Berater für internationale Organisationen und Denkfabriken.
 

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Lawmaking at the WHO: Amendments to the International Health Regulations and a New Pandemic Treaty After COVID-19

SWP - 13. Januar 2023 - 1:00

Two concurrent lawmaking processes are currently underway at the World Health Organization (WHO) that could lead to a new pandemic treaty and to amendments to the International Health Regulations (IHR) of 2005. However, two major questions must first be addressed. Firstly, how can global health equity be fostered in the future worldwide distribution of medical supplies during a pandemic? And secondly, how can incentives be put in place so that information on disease outbreaks is exchanged more rapidly and transparently?

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19. Januar 2023: Webkonferenz – SID im Gespräch: Handelspolitik und ihre Auswirkungen auf Entwicklungsländer

SID Frankfurt - 12. Januar 2023 - 17:01

Liebe Mitglieder und Freunde/-innen von SID Frankfurt,

wir möchten Ihnen aus unserer Sicht wichtige entwicklungspolitische Themen mit Bezug zu Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaft und entwicklungspolitischer Praxis vorstellen und darüber diskutieren.

Zur folgenden Veranstaltung laden wir Sie ganz herzlich ein:

SID im Gespräch – Bruno Wenn diskutiert mit Gästen
Handelspolitik und ihre Auswirkungen auf Entwicklungsländer

Webkonferenz am Donnerstag, den 19. Januar 2023, 15:00 – 16:00 Uhr
(bitte beachten Sie die geänderte Uhrzeit)

Der internationale Handel beeinflusst massiv Entwicklungs- und Schwellenländer. Die aktuellen Krisen (Ukrainekrieg, Coronapandemie, Lieferkettenprobleme …) beeinträchtigen Handelsströme und haben zu erheblichen Preissteigerungen geführt. Wir werden in dem Gespräch den Rahmen, in dem Handel zurzeit stattfindet, skizzieren und dann speziell auf die Auswirkungen auf Afrika eingehen.

Wie erfolgt in diesem Zusammenhang Politikberatung? Welche Themen werden adressiert und welche Botschaften vermittelt? Wird Politikberatung gehört und wieviel Frustrationstoleranz ist Voraussetzung für diese Aufgabe?

Das sind einige der Themen, die wir in diesem Gespräch beleuchten wollen.

Wir freuen uns, dass sich Axel Berger, Stellvertretender Direktor des German Institute of Development and Sustainability (idos – Nachfolgeorganisation des DIE), bereit erklärt hat, mit uns zu diskutieren.

Bruno Wenn (Beirat SID Frankfurt) wird das Gespräch führen.

Diskussionsbeiträge und Fragen Ihrerseits sind sehr erwünscht. Zur Teilnahme nutzen Sie zur angegebenen Zeit den folgenden Link:

Zoom-Link: https://us02web.zoom.us/j/89711726290?pwd=MmpmUVVWK0FwellvRWc5em15N01Cdz09

Meeting ID: 897 1172 6290
Passcode: 894848

Wir bitten Sie, sich unter vorstand@sid-frankfurt.de anzumelden.

Die Veranstaltung wird aufgezeichnet und ist anschließend über unseren YouTube-Kanal nachzuhören. Mit der Teilnahme erklären Sie sich hiermit einverstanden.

Wir würden uns sehr freuen, wenn diese Veranstaltung Ihr Interesse fände, und wünschen Ihnen ein frohes und gesundes neues Jahr 2023!

Hier die Einladung als PDF einsehen.

Germany and Namibia as Co‑leads for the United Nations

SWP - 12. Januar 2023 - 13:00

The President of the United Nations General Assembly has appointed the German and Namibian permanent representatives as co-facilitators for the Summit of the Future. The summit is scheduled for September 2024. Its aim is to reinforce the UN and global governance structures to better address old and new challenges. That includes making progress on implementing the sustainable development goals (SDGs) by 2030. Given the current geopolitical tensions, this will be no easy task. At this juncture it is im­por­tant to get the process off to a good start in order to gather support, generate atten­tion and engender confidence.

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2023/01

E+Z - 12. Januar 2023 - 10:49
2023/01 maren.van-treel Do., 12.01.2023 - 10:49 2023/01 2023 01 /sites/default/files/print-editions/ez_2023-01.pdf Off
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23-01-12_Roselyn Davina Vusia - Uganda - refugees Box

E+Z - 12. Januar 2023 - 2:00
23-01-12_Roselyn Davina Vusia - Uganda - refugees Box admin Do., 12.01.2023 - 02:00 Ein GIZ-Projekt verschafft Frauen aus Flüchtlings- und Aufnahmegemeinden Zugang zu Finanzdienstleistungen und bietet Qualifizierung Flucht und Integration Empowerment von Frauen in Uganda Derzeit sind 52 Prozent der Flüchtlingsbevölkerung in Uganda Frauen und 29 Prozent Kinder. Nach den nationalen Statistiken wird einer von zwei Flüchtlingshaushalten von Frauen geführt. Der entsprechende Anteil für ugandische Haushalte liegt bei einem von drei. Dementsprechend sind viele Maßnahmen der Flüchtlingshilfe auf die Stärkung von Frauen ausgerichtet. 12.01.2023Subsahara-Afrika In Kürze Ausbildung

Die GIZ (Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) unterstützt Geflüchtete und Gastkommunen in sechs Distrikten des West-Nil-Gebiets, indem sie ihnen bei der sozioökonomischen Entwicklung hilft. Das Projekt wird vom Treuhandfonds der EU und dem deutschen Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) kofinanziert.

Es ermöglicht den Zugang zu Finanzdienstleistungen und Märkten, bietet Kapazitätsaufbau und Qualifizierungsmaßnahmen. Ziel ist es, durch landwirtschaftliche und außerlandwirtschaftliche Aktivitäten Einkommen und Beschäftigung zu schaffen. Zu den außerlandwirtschaftlichen Aktivitäten gehören die landwirtschaftliche Verarbeitung, Marketing und Verpackung sowie die Gründung von Start-ups (KKMU – Kleinst-, kleine und mittlere Unternehmen).

Bis heute haben etwa 3000 Frauen eine Berufsausbildung erhalten, und mehr als 4500 Frauen sind Mitglieder von Bauerngruppen, die etwa in klimafreundlicher Landwirtschaft geschult wurden. Ungefähr die Hälfte der Projektteilnehmerinnen sind Geflüchtete, die andere Hälfte besteht aus Mitgliedern der Gastkommunen. Die Frauen haben ihre eigenen Selbsthilfegruppen gegründet, die wirtschaftliches Wachstum und Unterstützung ermöglichen. Andere erhalten psychosoziale Unterstützung von den Gruppen.

Der Schwerpunkt des Projekts liegt auf der Schaffung eines Umfelds, das den Geflüchteten und den Gastkommunen Eigenständigkeit und Widerstandsfähigkeit ermöglicht. Es geht sowohl um Nothilfe als auch um langfristige Entwicklung. Die Ausbildung von sowohl Geflüchteten als auch Mitgliedern der Gastkommunen dient beiden Zwecken. Indem man sich an beide Gemeinschaften wendet, kann man eine Verschärfung der Ungleichheiten vermeiden. Bis zu einem gewissen Grad wirkt dies auch dem Problem des „Othering“ im Sinne einer aggressiven Identitätspolitik entgegen.

Die Erfahrung zeigt, dass dieser Ansatz Frauen ermutigt, aus ihrer traditionellen Rolle herauszutreten. In der Tat sind viele Frauen heute in männerdominierten Berufen tätig, etwa als Klempnerinnen, Tischlerinnen und Schweißerinnen/Metallarbeiterinnen. Für diejenigen, die sich in diese Berufe vorgewagt haben, ist es leicht, einen Arbeitsplatz zu finden. In traditionellen Frauenberufen wie Friseurin oder Schneiderin ist es dagegen schwieriger, einen Job zu finden.


Roselyn Davina Vusia arbeitet für die GIZ in Uganda. Sie ist stellvertretende Leiterin von RISE, einem Projekt, das darauf abzielt, integrative sozioökonomische Chancen für Flüchtlinge und die Gastkommunen zu schaffen.
roselyn.vusia@giz.de

 

 

Governance Off Off Roselyn Davina Vusia

hat im Winter 2022/2023 zu E+Z/D+C beigetragen. Sie arbeitet für die GIZ in Uganda. Sie ist stellvertretende Leiterin von RISE, einem Projekt, das darauf abzielt, integrative sozioökonomische Chancen für Flüchtlinge und die Gastkommunen zu schaffen.  

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Höchstbedarf an humanitärer Hilfe

EINEWELTblabla - 11. Januar 2023 - 10:00

339 Millionen Menschen sind weltweit in Not, so die Vereinten Nationen. Um die größte Not zu lindern, bedarf es nach ersten Schätzungen des UNO-Nothilfebüros in Genf 51,5 Milliarden US-Dollar. Das sind 25 Prozent mehr als vor einem Jahr. Der Finanzbedarf für humanitäre Hilfe war noch nie so hoch wie in diesem Jahr.

Die humanitären Bedürfnisse sind bestürzend. Verantwortlich dafür sind auch die Extremereignisse des Jahres 2022, die sich auch im Jahr 2023 auswirken. Hier sind besonders die Dürren und Überschwemmungen von Pakistan und der Krieg Russlands gegen die Ukraine, der international die Preise erhöht hat, zu nennen.

Nach den Rechnungen des Amtes des Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten hatten bereits Ende des Jahres 2022 mindestens 222 Millionen Menschen in 53 verschiedenen Ländern nicht genügend Nahrungsmittel zur Verfügung und 45 Millionen Menschen waren sogar vom Hungertod bedroht. Dies betrifft besonders die Länder Afghanistan, Jemen und Äthiopien.

Wie kann ich helfen?

Das Spenden von Bargeld ist die effektivste Maßnahme zur Hilfeleistung. Bargeld lässt sich leichter verteilen, als Hilfsgüter mit Lastwagen zu organisieren. Weiterhin liegt die Entscheidung, was am dringendsten zu erwerben ist, bei den Empfängerinnen und Empfängern selbst und das Geld bleibt im lokalen Wirtschaftskreislauf.

Neben humanitärer Hilfe sei auch mehr Geld für die Entwicklungshilfe notwendig, so der britische Berufsdiplomat Martin Griffiths. Er betont auch die Kostenersparnis dadurch, möglichen Katastrophen vorzubeugen und Menschen zu einer besseren Lebensgrundlage zu verhelfen, als erst in einer katastrophalen Lage Nothilfe zu leisten.

-Lea-

Beitragsbild: Alexey Malakhov, unsplash, https://unsplash.com/s/photos/devastation

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Jetzt bewerben für das ASA-Programm

Engagement Global Presse - 11. Januar 2023 - 9:10

Ein Arbeitsaufenthalt im Ausland erweitert den Horizont, schärft die sozialen und fachlichen Fähigkeiten – und kann ein Beitrag für nachhaltige Entwicklung sein. Im ASA-Programm von Engagement Global engagieren sich Studierende sowie junge Menschen, die eine Ausbildung abgeschlossen haben oder deren Bachelor-Abschluss nicht länger als 18 Monate zurückliegt für drei bis sechs Monate in Ländern des Globalen Südens. Aus rund 150 Projektvorschlägen mit sozialem, ökologischem oder wissenschaftlichem Fokus kann ein zur Fachrichtung und zu den individuellen Interessen passendes Projekt gewählt werden. Bewerbungen sind noch bis zum 20. Januar 2023 möglich.

Zur Durchführung der Projekte kooperiert das ASA-Programm mit Partnerinstitutionen aus Feldern der nachhaltigen Entwicklung. Darunter sind etwa Stiftungen, Nichtregierungsorganisationen (NRO) und Durchführungsorganisationen staatlicher Entwicklungszusammenarbeit. Weitere Projekte werden mit Unternehmen und Hochschulen als Partner umgesetzt.

Projekte für nachhaltige Entwicklung verwirklichen

ASA-Teilnehmende haben so die Chance, Workshops zur grünen Energiewende zu gestalten, an nachhaltigen Alternativen in der Brillenproduktion mitzuwirken oder lokale Feldstudien in einem Regenwald zu unterstützen.

Wer gerne im schulischen Kontext arbeiten möchte, kann sich etwa auf das Projekt der Association Bouche des Sourds d'Afrique (ABSA) in Obala in Kamerun bewerben. Das Ziel des Vereins ist es, gehörlose Kinder zu fördern, im Alltag zu begleiten und ihre Rechte zu schützen. Mit dem ASA-Projekt arbeitet der Verein derzeit daran, den Kindern eine sichere Lernumgebung zu schaffen. Unterstützung wird im Sommer und Herbst 2023 vor allem bei der Gestaltung von schulischen Einrichtungen benötigt, die zu diesem Ziel beitragen. Bewerberinnen und Bewerber mit Interesse an Kinderbetreuung, ein wenig handwerklicher Begabung und etwas Erfahrung im Fundraising sind gefragt.

Auch Talente aus dem Multimedia-Bereich werden gesucht. Zum Beispiel für Videos über Fachkenntnisse sowie Erfahrungen von Farmerinnen und Farmer in Burkina Faso. Oder für die Produktion eines Films in Kamerun, um auf die Situation von Menschen aufmerksam zu machen, die innerhalb ihres Heimatlandes vertrieben wurden. Die Projekte bieten gute Gelegenheiten für Studierende, Absolventinnen und Absolventen ihre fachlichen Fähigkeiten einzubringen, zu erweitern und Erfahrungen zu sammeln.

Das ASA-Programm fördert Studierende und Menschen mit Berufsabschluss, die sich im Ausland engagieren wollen. Das Lern- und Qualifizierungsprogramm ermöglicht Perspektivwechsel und vermittelt den Teilnehmenden entwicklungspolitische Kenntnisse sowie Reflexions- und Handlungskompetenzen. So lernen junge Menschen Wege hin zu nachhaltiger Entwicklung kennen und gestalten diese durch ihr Engagement mit.

Auf der ASA-Website sind alle Projekte, Teilnahmevoraussetzungen und Informationen zum Bewerbungsprozess zu finden.

Weitere Informationen
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Startups beteiligen sich am Wettlauf um die Fusionsenergie

reset - 11. Januar 2023 - 5:22

In den letzten Monaten hat die Fusionsenergie mit einer Reihe von als bedeutende Durchbrüche gefeierten Entwicklungen für Schlagzeilen gesorgt. Im September letzten Jahres hielt ein südkoreanischer Fusionsreaktor 20 Sekunden lang Temperaturen von 100 Millionen Grad Celsius aufrecht und im Dezember produzierte ein US-amerikanischer Fusionsreaktor zum ersten Mal mehr Energie, als in die Maschine eingespeist wurde – ein nicht unbedeutender Schritt. In der Realität mag die praktische Fusionsenergie noch in weiter Ferne liegen, doch Entwicklungen wie diese tragen dazu bei, die wissenschaftliche Gemeinschaft in ihrem Streben nach Fusionsenergie zu motivieren.

Bislang haben Nationalstaaten, Universitäten und große Forschungseinrichtungen die Fusionsenergie vorangetrieben, aber auch kleine Startups bringen vermehrt ihr Knowhow ein.

Ein solches Unternehmen ist das schwedische Unternehmen Novatron Fusion. Nach eigenen Angaben hat Novatron einen neuen Reaktor entwickelt, der eines der ständigen Probleme der Fusionsenergie in ihrer heutigen Form gelöst haben soll.

Fusionsenergie entsteht durch die Verschmelzung leichterer Wasserstoffatome zu schwereren Atomen wie Helium. Um die natürliche elektrostatische Abstoßung der Atome zu überwinden, sind unglaublich hohe Temperaturen erforderlich, was zu einer Art „Wasserstoffplasmasuppe“ führt. Dieses Plasma lässt sich jedoch nur schwer eindämmen und so genannte „Schurkenwellen“ können dazu führen, dass das Plasma aus der Eindämmung ausbricht, was die Effizienz der Reaktion verringert und sie sogar ganz zum Erliegen bringen kann. Außerdem besteht auch die Sorge, dass das austretende Plasma teure Geräte beschädigt. Das aber ein „nuklearer“ Unfall stattfindet ist sehr unwahrscheinlich.

Um das Plasma einzudämmen wurden verschiedene Methoden entwickelt, wobei Magnetfelder oft die bevorzugte Methode sind. Magnete sollen dabei das Plasma zurückzudrängen und es in der Mitte des Reaktors formen – aber völlig effektiv ist diese Methode bisher nicht. Gegenwärtig sind zwei Hauptkonstruktionen entwickelt worden: Tokamaks mit geschlossenem Magnetfeld in Donut-Form und Magnetliniensysteme mit offenem Feld, so genannte Spiegelmaschinen. Tokamaks sind derzeit weitaus verbreiteter.

Oak Ridge National Laboratory Der ITER-Reaktor ist der größte Tokomak-Fusionsreaktor der Welt. Seine Konstruktion, die hier im Jahr 2018 gezeigt wird, zeigt die Größe und die potenziellen Kosten.

Novatron hat jedoch eine neue Art des Leitungseinschlusses mit offenem Feld entwickelt, die nach eigenen Angaben einige der grundlegenden Probleme des Plasmaeinschlusses löst. Im Gegensatz zu anderen Methoden, die das Plasma in eine bestimmte Richtung drücken und ständig nachjustiert werden müssen, hat Novatron ein konkaves Magnetfeld entwickelt, das das Plasma an seinem Platz hält. Novatron erklärt dies folgendermaßen: Stell dir einen Ball vor, der auf den Boden einer Schüssel gedrückt wird. Wenn der Ball versucht, aus der Schüssel zu entkommen, gerät er nur noch mehr unter Druck, wodurch er erneut in den Boden gedrückt wird.

Novatron behauptet, dass ihr Ansatz nicht nur die Reaktion aufrechterhält, sondern auch günstiger, einfacher und effizienter ist. Vor allem verwendet das Unternehmen herkömmliche Kupferelektromagnete anstelle von kryogenisch gekühlten supraleitenden Magneten.

Derzeit befindet sich Novatron noch in der Anfangsphase. Das Unternehmen entwickelt derzeit den ersten Versuchsreaktor; um die um Wirksamkeit des Ansatzes zu bestätigen werden noch weitere Computerüberprüfungen und Belastungstestsimulationen durchgeführt. Innerhalb des nächsten Jahrzehnts soll damit dann kommerzielle Fusionsenergie erzeugt werden, so das ultimative Ziel.

Dass Novatron dieses Ziel erreicht ist nach dem aktuellen Stand der Kernfusion eher unwahrscheinlich, aber der Einstieg von Startups in diesen Bereich könnte sich als wichtig erweisen. Bisher war die Forschung der Fusionsenergie auf große Organisationen mit umfangreichen Ressourcen beschränkt. Aber unter anderem die Möglichkeiten, die Technologien wie beispielsweise digitale Zwillinge und Computersimulationen mit sich bringen, führen dazu, dass sich nun auch kleinere Institute und Unternehmen – einschließlich Startups – an der Diskussion beteiligen können. Und die Beteiligung einer größeren Anzahl an Akteuren macht ermöglicht unter Umständen mehr Durchbrüche in kürzerer Zeit.

Eine Zukunft der Fusion?

Immer wieder wird die Fusionsenergie als heiliger Gral für die Lösung unserer Energiekrise und zur Reduktion der CO2-Emission gepriesen, denn sie erzeugt bei der Energiegewinnung (theoretisch) keinen Kohlenstoff und keinen lang anhaltenden radioaktiven Abfall.

Insbesondere in einigen ökonomisch prosperierenden Ländern des globalen Südens wird befürchtet, dass die traditionellen Technologien für erneuerbare Energien den wachsenden Bevölkerungs- und Energiebedarf nicht decken können. Länder wie Ägypten, Bangladesch, Tunesien, Kambodscha und Uganda wenden sich daher der traditionellen Kernspaltung als potenzieller Lösung zu – die allerdings mit erheblichen Umweltproblemen verbunden ist. Eine große Sorge dabei ist, dass mit der zunehmenden Verbreitung der Kernspaltungsenergie die Wahrscheinlichkeit von Atomunfällen wie in Three Mile Island, Tschernobyl oder Fukushima steigen könnte.

Forschende kündigen Durchbrüche in der Kernfusion an – aber wie grün ist die Energie?

Die Energiegewinnung aus Kernfusion ist noch einige Jahrzehnte entfernt, obwohl jedes Jahr neue Fortschritte gemacht werden. Aber wie schneidet die Fusionsenergie im Vergleich zur Kernspaltungsenergie ab? Mehr erfahren.

Befürworter*innen der neuartigen Kernfusion behaupten, dass es dabei keine Kernschmelze geben kann – die Herausforderung hierbei besteht vielmehr darin, die Reaktion aufrechtzuerhalten und nicht zu verhindern, dass sie abläuft. Wenn sie vollständig verwirklicht wird, hat sie außerdem das Potenzial, riesige Mengen an Energie zu erzeugen, was wohl das Ende der fossilen Brennstoffe, wie wir sie kennen, bedeuten und einen großen Beitrag zu einer nachhaltigeren Energiezukunft leisten würde.

Kritiker*innen weisen dagegen darauf hin, dass bei der Fusionsenergie immer noch gefährliche Neutronen erzeugt werden, die für die Herstellung von Kernwaffen verwendet werden könnten. Außerdem müssten die derzeitigen Durchbrüche – auch wenn sie bedeutsam sind – nicht auf eine unmittelbar bevorstehende Fusionsrevolution hindeuten. Die Verwirklichung der Fusionsenergie könnte noch viele Jahrzehnte entfernt sein, während die Klimakatastrophe direkt vor unserer Haustür steht – und die Gewinnung erneuerbarer Enegie aus Sonne, Wind und Wasser schon sehr gut funktioniert.

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23-01-11_Roselyn Davina Vusia - Ugandan refugee policy

E+Z - 11. Januar 2023 - 2:00
23-01-11_Roselyn Davina Vusia - Ugandan refugee policy admin Mi., 11.01.2023 - 02:00 Menschen fliehen massenhaft vor Unruhen aus ihren Ländern nach Uganda, internationale Geber schätzen den Umgang des Landes mit Geflüchteten Geflüchtete Ugandas Politik der offenen Tür Uganda ist nicht nur das größte Aufnahmeland für Geflüchtete in Afrika, sondern eines der fünf größten weltweit. Das Besondere ist Ugandas progressive Haltung in der Flüchtlingsfrage. Da sehr viele Menschen vor Unruhen und Willkür fliehen, schätzen internationale Geber Ugandas wertvolle Dienste für die internationale Gemeinschaft. 11.01.2023Subsahara-Afrika Hintergrund Peacebuilding

Das ostafrikanische Land mit einer Bevölkerung von knapp 50 Millionen Menschen beherbergt mehr als 1,5 Millionen Geflüchtete, die hauptsächlich aus dem Südsudan und der Demokratischen Republik Kongo stammen.

Anders als in anderen Aufnahmeländern leben die Geflüchteten in Uganda nicht in eingezäunten Lagern. Das Land verfügt über eine gut entwickelte und gut umgesetzte Flüchtlingshilfe, die Eigenständigkeit fördert. Der Außenminister Ugandas Jeje Odongo sagte: „Wir stellen den Geflüchteten Land zur Verfügung, auf dem sie leben und das sie bewirtschaften können; sie können sich frei bewegen, haben Zugang zu sozialen Dienstleistungen wie Bildung, können Unternehmen gründen und Arbeit finden.“ Er betonte, dass Geflüchtete mit Würde behandelt würden.

In der Tat wird den Geflüchteten in Uganda Land, auf dem sie wohnen und Feldfrüchte anbauen können, zugewiesen. In Norduganda haben die lokalen Gemeinschaften großzügig Land für die Ansiedlung von Geflüchteten zur Verfügung gestellt. Die Region ist eher arm und nicht sehr dicht besiedelt. In der wohlhabenderen östlichen Region hat die Regierung eigenes Land zur Verfügung gestellt. Die Geflüchteten bekommen aber nirgends genügend Land für eine kommerzielle Landwirtschaft.

Wirksame Umsetzung progressiver Politik

Mehrere Faktoren haben zu Ugandas progressiver Haltung beigetragen. Gesetze von 2006 und von 2010 haben den Geflüchteten das Recht auf Arbeit sowie Bewegungs- und Versammlungsfreiheit zuerkannt. Dies hat die Lage der Geflüchteten enorm gestärkt, im Sinne der 2016 verabschiedeten New Yorker UN-Erklärung über Flüchtlinge und Migranten, die den Ansatz des „niemanden zurücklassen“ betont. Das Hauptziel ist, die Verantwortung zwischen Aufnahme- und Herkunftsland zu teilen. Das soll den Druck auf Uganda verringern und sicherstellen, dass die Bedingungen im Herkunftsland verbessert werden, damit die Geflüchteten wieder zurückkehren und in Würde leben können.

Eine progressive Flüchtlingspolitik ist nur dann hilfreich, wenn sie wirksam umgesetzt wird. Die ugandische Regierung hat eine Abteilung für Geflüchtete eingerichtet. Sie ist unter anderem für das Comprehensive Refugee Response Framework (CRRF), das die Flüchtlingspolitik festlegt, mit einer 35-köpfigen Steuerungsgruppe zuständig. Die Abteilung plant und implementiert Maßnahmen und koordiniert die verschiedenen Ministerien. Auch der Privatsektor und zivilgesellschaftliche Organisationen werden einbezogen.

Ugandas Ansatz für Geflüchtete ist sowohl nuanciert als auch ganzheitlich. Die Koordinierung zwischen den verschiedenen Akteurinnen und Akteuren verhindert isolierte Maßnahmen. Der aktuelle Nationale Entwicklungsplan der Regierung befasst sich ebenfalls mit Flüchtlingsfragen.

Internationale Unterstützung

Uganda ist ein Land mit niedrigen Einkommen. Seine Aufnahmebereitschaft gegenüber Geflüchteten wird international unterstützt. Die Haltung der offenen Tür hat sich auch als vorteilhaft für Uganda erwiesen. Es erhält sowohl humanitäre Unterstützung als auch öffentliche Entwicklungshilfe (official development assistance – ODA).

In Anbetracht dessen, dass Uganda selbst damit kämpft, die Armut seiner Bürger zu verringern und grundlegende Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen, sind die Mittel der Geber sehr wichtig. Sie kommen häufig sowohl den Geflüchteten als auch den lokalen Gemeinschaften zugute. So führt das UN-Flüchtlingshilfswerk ­(UNHCR) ein Projekt durch, das den Aufbau einer lokalen Infrastruktur fördert, die allen Bewohnern einer Region zugutekommt. Auch die Weltbank bemüht sich um die Verbesserung der Entwicklungsmöglichkeiten auf lokaler Ebene. Und die EU hat Uganda über einen Zeitraum von vier Jahren 200 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Die Aufnahme von Geflüchteten hat aber auch Schattenseiten. Die Umweltschäden haben zugenommen. So ist beispielsweise die Nachfrage nach Brennholz gestiegen und trägt zur Abholzung der Wälder bei.

Die Auswirkungen des Klimawandels beeinträchtigen zudem die Landwirtschaft, und die Lebensmittelpreise steigen weltweit. Regelmäßig kommt es zu Konflikten um Ressourcen. Die Hilfsströme halten nicht mit dem Bedarf Schritt, und die flüchtlingsfreundlichen Programme Ugandas sind tendenziell unterfinanziert. Außerdem wurde das Land in letzter Zeit von Überschwemmungen schwer getroffen.

Nichtsdestotrotz setzt Uganda seine Politik der offenen Tür fort. Damit erweist es der internationalen Gemeinschaft einen Dienst. Menschen, die aus Krisengebieten ins Ausland fliehen, brauchen einen Ort, an dem sie in Würde leben können. Finden sie diesen nicht, verschärft das die globalen Probleme. Deshalb ist eine integrative Politik notwendig, die die besonderen Bedürfnisse von traumatisierten Menschen, die brutale Gewalt erlebt haben, berücksichtigt.


Roselyn Davina Vusia arbeitet für die GIZ in Uganda. Sie ist stellvertretende Leiterin von RISE, einem Projekt, das darauf abzielt, integrative sozioökonomische Chancen für Flüchtlinge und die Gastkommunen zu schaffen.
roselyn.vusia@giz.de

Armutsbekämpfung Off Off Roselyn Davina Vusia

hat im Winter 2022/2023 zu E+Z/D+C beigetragen. Sie arbeitet für die GIZ in Uganda. Sie ist stellvertretende Leiterin von RISE, einem Projekt, das darauf abzielt, integrative sozioökonomische Chancen für Flüchtlinge und die Gastkommunen zu schaffen.  

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