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Book Review: Brian Wample, Natasha Borges Sugiyama and Michael Touchton (2019). Democracy at Work: Pathways to Well-being in Brazil.

DIE - 8. September 2020 - 19:40

During the first decade of the 2000s,  Brazil was trending for its economic boom, participatory  innovations  and social  achievements  through public  policies. Brazil  was, back then, a notable example of how advancements on democratic institutions, practices and programs connected to socio-economic progresses of its  population, especiallythe most vulnerable. The book Democracy at Work:  Pathways to  Well-Being in Brazil analyses and  explains the links between more robust democracies and  human  development.

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Nachhaltige Lieferketten im Agrarsektor: Wert schöpfen statt Zuliefern - SWP

Weblinks - 8. September 2020 - 19:12

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  • Lieferketten rückten jüngst durch die Corona-Krise ins Zentrum politischer Aufmerk­samkeit. Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie zeigen einmal mehr, wie komplex die glo­bale Arbeitsteilung über mehrere Staaten hinweg gestaltet ist. Aktu­elle deut­sche und europäische Gesetzesinitiativen streben mehr verbindliche Pflich­ten für end­verbrau­chende Unternehmen an, was Menschenrechte und Nach­haltigkeit in Liefer­ketten betrifft. Ziel ist eine nachhaltige Erzeugung in anderen Ländern. Gerade für die Landwirtschaft sollten aber neben diesen explizit auf Lieferketten bezogenen Ansät­zen auch die Handels-, Investitionsschutz- und Agrar­politik der Europäischen Union (EU) ver­bessert werden. Nur das Zusammenspiel aller Ansätze kann landwirtschaftliche Liefer­ket­ten so beeinflussen, dass die speziellen Nachhaltigkeits­probleme dieses Sektors be­rück­sichtigt werden. Schließ­lich wirken übliche ­Ansätze, die Lieferketten isoliert be­trach­ten, lediglich in Richtung des Importstroms in die EU. Damit nehmen sie Ent­wick­lungsländer nur in ihrer traditionellen Rolle als Zulieferer von Agrarrohstoffen wahr und blenden Optio­nen für mehr eigene Wertschöpfung und künftige Entwicklung aus. - Karsten Weitzenegger

Tags: entwicklungspolitik, lieferketten, wirtschaft, handel, fairer_handel, agrarpolitik, landwirtschaft, Nahrungsmittel

by: Karsten Weitzenegger

Auf Schuldenqualität achten

E+Z - 8. September 2020 - 15:44
Selbst in einer globalen Pandemie ist pauschaler Schuldenerlass nicht sinnvoll

Kürzlich noch war die Verschuldung von Ländern mit niedrigen Einkommen ein heißes Thema. Anfang 2020 stritten sich die Präsidenten von Weltbank und Afrikanischer Entwicklungsbank noch über die Rolle ihrer Institute angesichts der wachsenden Schuldenlast in Afrika. Covid-19 hat die internationale Debatte aber komplett verändert. Internationale Finanzinstitutionen und andere haben ihre Kreditvergabe gesteigert, um Ländern mit niedrigen Einkommen in der Krise zu helfen.

Die Gruppe der 20 größten Volkswirtschaften (G20) zeigt sich wegen der Pandemie mit Blick auf Schulden großzügig. Sie beschloss den Schuldendienst der Niedrig-Einkommen-Länder ein Jahr lang auszusetzen. Diverse Spitzenpolitiker und Amtsträger haben sich für noch radikalere Schritte ausgesprochen. So empfahl der französische Präsident Emmanuel Macron im April 2020 umfangreiche Schuldenerlasse. Später erklärte Weltbank-Präsident David Malpass, dies sei der einzige Weg, Armutsfallen zu vermeiden.

Wir sagen dagegen, dass die aktuelle Kreditschwemme Probleme verschärfen wird. Sicherlich ist wegen der ungewöhnlichen Pandemie internationale Solidarität geboten. Schwache Volkswirtschaften brauchen Geld und Hilfsmaterialien. Wir dürfen aber die ständig wachsenden Schuldenberge von immer mehr Ländern nicht ignorieren. Dass steigende Kreditvergabe fundamentale Probleme löst, ist ein Irrglaube.

Üblicherweise wird die Schuldensituation in Ländern mit niedrigen Einkommen mit quantitativen Daten wie etwa der Relation der Schulden zur Wirtschaftsleistung oder dem Exportvolumen analysiert. Zwei qualitative Indikatoren verdienen ebenso Beachtung:

  • die Schuldenwirksamkeit (in welchem Maß wird das erwünschte Ziel erreicht?) und
  • die Schuldeneffizienz (der Mehrwert pro geliehenem Dollar).

Wenn beide Indikatoren nur mittelmäßig ausfallen, wurden Mittel offensichtlich vergeudet. Sollten dabei kleptokratische Staatsapparate Geld veruntreut haben, trüge das zur Toxizität der Staatsschulden zusätzlich bei.

Derartige landesspezifische Daten existieren. Sie sind Teil der Kreditberichterstattung – und sollten weitere Entscheidungen über Darlehen oder Schuldenerlass beeinflussen. Im Fall von klaren Fehlschlägen oder offensichtlicher Veruntreuung ist pauschaler Schuldenerlass nämlich nicht hilfreich, sondern schädlich.

Viele Niedrig-Einkommens-Länder haben von früheren Schuldenerlassen profitiert. Zu nennen ist besonders die Heavily Indebted Poor Countries (HIPC) Initiative, die 1996 lanciert wurde. 37 Ländern (davon 31 in Afrika) wurden Schulden ganz oder teilweise erlassen. Das Gesamtvolumen betrug 100 Milliarde Dollar. Im Gegenzug mussten die betroffenen Länder wirtschaftliche und soziale Strukturreformen durchführen. Verantwortungsvolles Schuldenmanagement sollte künftige Überschuldung verhindern.

Zwei Jahrzehnte später wissen wir, dass sich weder Kreditgeber noch Kreditnehmer daran gehalten haben. Pauschaler Schuldenerlass ändert aber nichts an den grundsätzlichen Problemen der betroffenen Länder. Folglich trägt er auch nicht dazu bei, Armut-und Schuldenfallen zu vermeiden.

Die wirkliche Aufgabe ist, die Wertschöpfung voranzubringen, damit Volkswirtschaften wettbewerbsfähig, robust und sozial inklusiv werden. Geld allein reicht nicht. Es hat in der Vergangenheit nicht zu guter Amtsführung, kompetenter Führung und leistungsfähigen Institutionen geführt – und es gibt keinen Grund, weshalb das künftig anders sein sollte. Es ist Anlass zur Sorge, dass Spitzenleute der globalen Wirtschaftspolitik glauben, nur systemische Schuldenreduzierung könne wieder zu Wachstum führen und Armut verhindern.

Leny van Oijen ist unabhängige Entwicklungs-Gutachterin.
enterprideconsulting@gmail.com

Christian Penda Ekoka ist Geschäftsführer von Insight BDS (Business Development Service).
christian.pendaekoka@insightbds.com

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E+Z/D+C 2020/10 – mo – now – Mireille Kanyange – Burundi – pregnant dropouts

E+Z - 8. September 2020 - 15:14
Burundi is bringing into schools a traditional method of sex-education counseling for teenagers, with good early results

Using trusted teachers and other school employees for individual counseling in place of real fathers and aunts, Burundi’s primary and secondary schools started the “ Aunts and Fathers” programme in 2017. Now,  three years later, the programme is showing positive early results, with a considerable decline in the percentage of girls dropping out specifically due to pregnancy.

According to Ministry of Education figures, in 2015-2016 - the school year before the start of the “Aunts and Fathers” programme – pregnancies accounted for 33% of female dropouts in Burundi (2,208 pregnancies out of 6,661 female dropouts).

For the following three academic years, however, the percentages of dropouts due specifically to pregnancy were 1.5% in 2016-2017; 1.8% in 2017-2018; and 2% in 2018-2019. (The data for 2018-2019 is provisional, according to the ministry.) In other words, the percentage girls leaving school specifically because of pregnancy decreased considerably – and consistently – in the three years following introduction of the “Aunts and Fathers” programme.

That is good news. The counseling provided under “Aunts and Fathers” appears to be working, says Adolphe Ntibasharira, a parent. However, there is also some bad news in the ministry’s data on dropouts. The overall percentage of girls dropping out of primary and secondary school – for all sorts of reasons, including pregnancy – is high and increasing.

Here are the figures : In the first academic year for which the ministry provided figures –2015-2016 – the overall female dropout rate (i.e., female dropouts as a percentage of all female pupils) was 1.2%. However, in the subsequent three years the overall female dropout rate rose to 8.1% in 2016-2017 ; 7.8% in 2017-2018 ; and 18.1% in 2018-2019.

These percentages represent large numbers of girls who have cut short their educations and thereby diminished their future chances for employment and income. For example, in 2018-2019, the number of girls who dropped out of school was 90,353 out of a total female student population of 496,955 girls. Among the causes of the high female dropout rate are poverty and a view that school is not worthwhile because jobs are hard to find even with an education.

Although the ministry’s figures represent only a short period of a few years, such a high female dropout rate is worrying. The figures call to mind the saying of former Unesco Director-General Irina Bokova that

“educating a girl is educating a nation”. Or, in the words of Mr. Ntibasharira, ”female pupils should remember that school is the only path to success”.

Mireille Kanyange is a journalist and reporter for Radio Isanganiro in Burundi.
mika.kanyange@gmail.com

 

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Armutsbekämpfung

E+Z - 8. September 2020 - 14:35
Der Vergleich Indiens mit China zeigt, dass formelle Demokratie nicht unbedingt stärkere Entwicklungsorientierung bedeutet

Indien ist gemäß Verfassung eine parlamentarische Demokratie. Dennoch hat unsere Demokratie erhebliche Mängel. Regierungsbehörden stehen im Ruf der Korruption und die Armen sind politisch marginalisiert. Das liegt nicht nur an den Traditionen des hierarchischen Kastensystems, sondern auch daran, dass Indiens Arme auf extreme Weise sozial und wirtschaftlich verletzlich sind.

In der repräsentativen Demokratie Indiens waren sie von Anfang an unterrepräsentiert. Ihre Menschenrechte wurden mit Füßen getreten und sind bis heute kaum geschützt. Dass das Rechtssystem weitgehend auf Englisch funktioniert, trifft diese Bevölkerungsgruppe besonders hart. Bis heute genießen vor allem gebildete und wohlhabende Schichten die von der Verfassung versprochenen Rechte.

Es stimmt, dass freie Wahlen den Parteien, die untere Kasten und marginalisierte Gemeinschaften vertreten, Chancen eröffnet haben. Dennoch bleibt Indiens politisches System insgesamt armenfeindlich. Das formal demokratische Indien vernachlässigt systematisch ihre Bedürfnisse.

Die Erfolgsbilanz Chinas ist gemischt. Unter Mao Zedong wurden gute Fortschritte beim Massenzugang zu Grundschulbildung und medizinischer Grundversorgung erzielt. Auf der anderen Seite gab es politische Katastrophen wie den Großen Sprung nach Vorn oder die  Kulturrevolution. Brutale Unterdrückung führte zu Millionen von Toten. Hätten Entscheidungen des obersten Führers in Frage gestellt werden können, wäre das vermutlich anders gekommen.

Unter Deng Xiaoping blieb Chinas Regierung „autokratisch“, war aber eindeutig entwicklungsorientiert. Das Regime testete verschiedene Ansätze und entschied sich dann für die erfolgreichen. Es duldete keine Opposition, lockerte aber in vielen Bereichen die Zügel, und wenn die Unzufriedenheit mit Umweltproblemen oder Arbeitsbeziehungen zu Protesten eskalierte, suchte es nach Lösungen. Ein Beispiel dafür war das 2008 eingeführte Arbeitsrecht, das auf viele Arbeitnehmeranliegen einging. Indische Arbeitskräfte würden von einem solchen Gesetz profitieren. Den Indern, die nach China reisen, fällt auch auf, dass die Luftverschmutzung in Peking heute nicht so schlimm ist wie in vielen unserer Städte (siehe Aditi Roy Ghatak in Schwerpunkt von D+C/E+Z e-Paper 2020/01).

Bemerkenswert ist zudem, dass beide Länder ab den 1980er Jahren ihre Regierungssysteme dezentralisiert haben. In Indien gewannen die Regierungen der Bundesstaaten nach dem Ende der Zentralplanung Anfang der 1990er an Bedeutung. China entwickelte ein komplexes System zur Erprobung unterschiedlicher politischer Konzepte in verschiedenen Regionen. Regierungsverantwortliche in Indien müssen auf mächtige Interessengruppen achten, wohingegen sie sich in China augenscheinlich mehr auf Entwicklungsziele konzentrieren können.

Beunruhigend ist in beiden Ländern, dass die nationalen Regierungen in den letzten fünf Jahren autoritärer geworden sind und ihre Politik rabiater durchsetzen. Indiens derzeitiger Premierminister Narendra Modi will das Land zu einer Hindu-Nation machen (siehe Interview mit Arfa Khanum Sherwani im Schwerpunkt des E+Z/D+C E-Papers 2020/08), und Chinas Präsident Xi Jinping kehrt die Fortschritte auf dem Weg zu einer regelgebundenen Staatsführung um (siehe Nora Sausmikat im Schwerpunkt des E+Z/D+C E-Papers 2017/02). Er wendet immer raffiniertere  Systeme zur Überwachung der Bürger an, zeigt aber an deren Wünschen und Bedürfnissen weniger Interesse, als das seine Vorgänger taten.

Die Unterdrückung der muslimischen Uiguren in China ist nicht akzeptabel, aber das gilt auch für die Behandlung der muslimischen Kaschmiris in Indien. Dutzende Menschen starben in den letzten Monaten bei Protesten und islamophoben. Dagegen reagierte China auf die Demokratiebewegung in Hongkong praktisch ohne Blutvergießen. Dank einer relativ freien Presse können sich Inder indessen generell leichter über missbräuchliches Staatshandeln informieren als Chinesen auf dem Festland – und künftig wahrscheinlich auch in Hongkong.

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Bedingungsloses Grundeinkommen – der Traum vom Losglück oder eine Möglichkeit für alle?

EINEWELTblabla - 8. September 2020 - 14:06

Der Verein Mein Grundeinkommen ist in aller Munde. In überregionalen Tageszeitungen, in Social Media und auch die Tagesschau berichtete. Wenn Studien angekündigt werden, ist der Aufruhr selten so groß. Dabei ist das Konzept längst keine Innovation mehr.

Ein Grundeinkommen ist eine finanzielle Grundsicherung für alle Bürger*innen. Ein fester Betrag soll ohne Gegenleistung oder Bedarfsprüfung gleichermaßen an alle ausgezahlt werden.

Verschiedene Parteien, aber auch Einzelpersonen wie Unternehmer*innen, Wissenschaftler*innen und Aktivist*innen haben das Thema aufgegriffen. Dabei haben sich drei Modelle aus der Debatte abgezeichnet: Das solidarische Bürgergeld, das emanzipatorische Grundeinkommen und das Grundeinkommen auf Grundlage einer Konsumsteuer. Für alle drei Ansätze gibt es verschiedene Finanzierungsmodelle. Miteingerechnet werden unter anderem die Erhöhung der Einkommensteuer, der Ersatz bisheriger Sozialleistungen und/oder die Einführung von Umverteilungen durch Reichensteuern.

Warum ist das Thema jetzt wieder aktuell?

Im Zuge der Covid-19-Pandemie ergaben sich viele neue Herausforderungen. Neben dem Switch zum Home-Office, verloren viele Menschen ihre Jobs oder mussten ihre Tätigkeit reduzieren. Die Bundesregierung versuchte dies mit Kurzarbeitergeld, einmaligen Erhöhungen von Kindergeld oder Überbrückungshilfen für Studierende aufzufangen. Besonders stark jedoch traf es Selbständige und Kulturschaffende: Eine neue Debatte um das bedingungslose Grundeinkommen entfachte, denn dieses würde, so die Befürworter, auch in Krisenzeiten Sicherheit schenken.

Eine großangelegte Studie mit ebenso großer Wirkung?

Mein Grundeinkommen e.V. verlost seit sechs Jahren Grundeinkommen und analysiert deren Wirkung. Im November ist es wieder soweit: Es werden 120 Grundeinkommen in Höhe von monatlich 1.200 € für drei Jahre verlost. Was ist diesmal anders? Der Verein arbeitet mit dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) zusammen. Es wird die erste deutsche Langzeitstudie zum Thema.

Das „Pilotprojekt Grundeinkommen“ untersucht mit einem Team aus Aktivist*innen und renommierten Personen aus der Wissenschaft wie Verhaltensökonom*innen, Psycholog*innen, Gemeinwohlforscher*innen und mithilfe einer Vergleichsgruppe, wie sich das Verhalten und die Einstellung der Teilnehmenden verändert. Bringt ein Grundeinkommen mehr Sicherheit, Gelassenheit und Zeit – für sich und für andere? Macht es faul oder regt es die Kreativität an? Gehen die Teilnehmenden in Teilzeit oder kündigen ihren Job ganz? Was tun sie mit ihrer neu gewonnen Zeit? Netflix auf der Couch oder erhöht sich ihr Engagement?

Die Studie wird jedoch keine gesamtwirtschaftlichen Aussagen treffen können. Welche volkswirtschaftlichen Folgen sich ergeben, welche möglichen Machtverschiebungen in Arbeitsverhältnissen auftreten können oder die Auswirkungen auf das Migrationsgeschehen kann sie nicht erfassen. Dazu müsse man das Grundeinkommen einführen, da keine Grundeinkommenswelt simuliert werden könne.

Studienleiter Prof. Dr. Jürgen Schupp sagte im Interview mit dem Spiegel, dass es für die Politik längst an der Zeit sei, sich intensiver mit grundlegenden Reformen der sozialen Sicherung auseinander zu setzen. Die aktuellen Entwicklungen von Demografie und Digitalisierung würden das bisherige Sozialsystem stark belasten, wenn das Verhältnis zwischen Beitragszahlenden und Leistungsempfangenden kippt, denn das System ist auf Beitragsfinanzierung gestützt.

Wer kam eigentlich auf diese Idee?

Das Grundeinkommen wird in Deutschland schon lange kontrovers diskutiert, der Gedanke selbst ist jedoch noch ein ganzes Stück älter. Schon im frühen 16. Jahrhundert gab es erste Ansätze einer öffentlich organisierten Armutsbekämpfung. Bedingungslos waren diese jedoch lange nicht. In ihren verschiedensten Formen waren diese Ansätze an Erwerbsarbeit, eine Bedürftigkeitsprüfung oder an ein bestimmtes Alter geknüpft.

Ein wirklich von Bedingungen freier Vorschlag war erstmals der von Thomas Spence (1750 – 1814). In seinem Essay „The rights of infants“ von 1796 forderte er die lebenslange und regelmäßige Zahlung eines Grundeinkommens an alle Mitglieder des Gemeinwesens. Er begründete dieses naturrechtlich: Allein in der Natur des Menschen und im Menschsein steckt demnach die Notwendigkeit einer würdevollen Grundversorgung. Später wurde dieser Gedanke von verschiedenen Denker*innen aufgegriffen und weiterentwickelt.

Was spricht für ein bedingungsloses Grundeinkommen? Was spricht dagegen?

Die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens löste eine Grundsatzdebatte mit einer Vielzahl von Argumenten aus.

Befürworter*innen argumentieren mit den gesellschaftlichen Folgen des industriellen Wandels: weniger Bürokratie als im bestehenden Renten- und Sozialsystem, mehr Sicherheit für Arbeitnehmende (auch für Selbstverwirklichung und Innovationsmut) und bessere Bezahlung auch im Niedriglohnsektor, da Arbeitssuchende schlechtbezahlte Jobs ablehnen könnten.

Gegner*innen führen an, dass der aktuelle Bundeshaushalt das Grundeinkommen nicht tragen kann, das bestehende Sozialsystem in Deutschland abgeschafft würde, die Auswirkungen auf das Renten- und Sozialsystem spekulativ sind, die Finanzierungsmodelle nicht gerecht oder problematisch sind, Fachkräfte in ländlichen Regionen den Arbeitsanreiz verlieren oder gar nicht mehr gearbeitet wird.

Und sonst so?

Auch in anderen Ländern hat es schon Untersuchungen und Versuche zu verschiedenen Formen des Grundeinkommens gegeben. Finnland beispielsweise startete 2018 ein Experiment, in dem 2.000 Arbeitslose anstelle von Arbeitslosengeld 560 € Grundeinkommen erhielten. Da jedoch parallel dazu ein Aktivierungsmodell als Teil des Arbeitslosensystems eingeführt wurde, können die Effekte nicht klar eingeordnet werden.

Im indischen Bundesstaat Sikkim kündigte die Regierung an, das bedingungslose Grundeinkommen ab 2022 einzuführen. Sie wären damit der erste Staat, der das bedingungslose Grundeinkommen einführt.

Zur Klärung der Titelfrage leistet das Forschungsteam rund um die Studie „Pilotprojekt Grundeinkommen“ einen wichtigen Beitrag. In drei Jahren wird sich zeigen, ob das bedingungslose Grundeinkommen in Deutschland nur ein Traum auf einen begrenzten Zeitraum bleibt oder eine langfristige Lösung für alle sein kann. Und dann bleibt nur noch die Frage, ob es von staatlicher Seite auch eingeführt wird.

-Princesha-

Das Beitragsbild ist von Micheile Henderson auf Unsplash.

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Inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung für alle

Engagement Global - 8. September 2020 - 14:04
Die Bildungsinitiative Weltgarten Witzenhausen veranstaltet regelmäßig ein abwechslungsreiches Ferienprogramm für Kinder. Foto: Anja Lehmann

Weltweit können über 750 Millionen Menschen, die 15 Jahre oder älter sind, nicht richtig lesen und schreiben. Etwa zwei Drittel von ihnen sind Frauen. Die Ursachen für Analphabetismus können Armut, schlechte Bildungspolitik oder Geschlechterdiskriminierung sein.

Auch in Deutschland sind etwa 6,2 Millionen Menschen von funktionalem Analphabetismus betroffen. Das heißt, sie können zwar einzelne Sätze lesen und schreiben, den Sinn eines längeren Textes aber nicht oder nicht schnell genug erfassen.

Der Weltalphabetisierungstag macht darauf aufmerksam, wie wichtig es ist, richtig lesen und schreiben zu können. Denn Alphabetisierung gilt als Voraussetzung für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Der Aktionstag wurde 1965 von der UNESCO ins Lebens gerufen und wird seither jedes Jahr am 8. September begangen.

Alphabetisierung und hochwertige Bildung für alle sind auch Anliegen der Agenda 2030 mit ihren 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung. Mit Ziel 4 strebt die internationale Staatengemeinschaft die Gewährleistung einer inklusiven, gleichberechtigten und hochwertigen Bildung und die Förderung des lebenslangen Lernens für alle an.

Bildung trifft Entwicklung

Engagement Global fördert verschiedene Bildungsprojekte – beispielsweise über das Programm Bildung trifft Entwicklung (BtE). BtE engagiert sich für ein Lernen, das Brücken zwischen globalen Zusammenhängen und der Lebenswelt der Lernenden schlägt.

Bei der Wissensvermittlung setzt BtE auf die Erfahrungen zurückgekehrter Fachkräfte und Freiwilliger aus der Entwicklungszusammenarbeit sowie von Menschen aus Ländern des Globalen Südens, die als Referentinnen und Referenten vermittelt werden. Diese machen in verschiedenen Bildungsformaten Fragen der Entwicklungszusammenarbeit für Menschen jeden Alters anschaulich und greifbar.

Forschungswerkstatt: Papier und Zaubertinte in Witzenhausen

Die Bildungsinitiative Weltgarten Witzenhausen veranstaltet regelmäßig ein abwechslungsreiches Ferienprogramm für Kinder – die FerienKinderUni.

Von Montag, 5., bis Mittwoch, 7. Oktober 2020, von jeweils 9 bis 13.15 Uhr, dreht sich im Tropengewächshaus der Universität Kassel in Witzenhausen alles um das Thema Papier und Zaubertinte. Gemeinsam mit der Referentin Ines Fehrmann beschäftigen sich die Kinder mit pflanzlichen Rohstoffen und schöpfen eigenes Papier. Sie schreiben mit Geheimtinte aus Zitronen, Äpfeln und Zwiebeln und finden heraus, wie das alles funktioniert.

Die „Forschungswerkstatt: Papier und Zaubertinte“ richtet sich an Kinder zwischen acht und zwölf Jahren. Die Anmeldefrist endet am Freitag, 2. Oktober 2020. Passende Kleidung ist erwünscht, die Teilnahmegebühr beträgt 50 Euro pro Kind.

Das Ferienangebot ist eine Kooperation der BtE Bildungsstelle Nord, dem Weltgarten Witzenhausen, dem lokalen Bündnis für Familie, dem Geo-Naturpark Frau-Holle-Land und der Volkshochschule Werra-Meißner.

Weitere Informationen
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Eine Atmosphäre der Angst

Misereor - 8. September 2020 - 13:26
Der Mord an der philippinischen Menschenrechtsaktivistin Zara Alvarez ist eine menschliche Tragödie. Und Ausdruck eines Systems der Einschüchterung.

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China schlägt Indien

E+Z - 8. September 2020 - 12:50
Entwicklungsstatistiken zufolge übertrifft China das formal demokratische Indien seit Jahrzehnten

 „Wachstum“ und „Entwicklung“ sind nicht dasselbe. Der erste Begriff bezieht sich eng auf die Wirtschaft, während letzterer eine breite Palette von Indikatoren für das Wohlergehen einschließlich sozialer, politischer und kultureller Aspekte erfasst. Wissenschaftler sind sich uneinig, wie Wachstum und Entwicklung zusammenhängen. Relevante Fragen lauten: Was von beidem kommt zuerst? Wie kann die Politik beides in die Wege leiten? Was ist die Rolle des Marktes? Und was die Rolle des Staates?

Der Vergleich zwischen China und Indien ist nützlich. Dieser kurze Aufsatz fasst einige Erkenntnisse aus der langjährigen, kontroversen und komplexen Debatte über die Entwicklungspfade der beiden Länder zusammen. Zunächst müssen jedoch zwei grundlegende, historisch belegte Wahrheiten festgehalten werden:

  • Entweder-Oder-Denken ist nicht sinnvoll. Sowohl der Markt als auch der Staat sind zur Förderung von Wachstum und Entwicklung wichtig. Gebraucht wird eine angemessene Balance. Zudem stehen die jeweiligen Rollen von Markt und Staat nicht auf Dauer fest, sondern entwickeln sich ständig weiter. Regierungen tragen jedenfalls eine Verantwortung dafür, Voraussetzungen für dynamisches Marktgeschehen zu schaffen, denn rein marktgetriebenes Wachstum gibt es nur selten – wenn überhaupt. Vor allem in den frühen bis mittleren Phasen der wirtschaftlichen Transformation lösen Märkte grundlegende Probleme kaum. Dabei geht es etwa um den Aufbau einer Infrastruktur, die allen dient, oder die Gewährleistung minimaler sozialer Sicherheit. Obendrein zeigen der Klimawandel und andere schädliche globale Umwelttrends, dass Markttransaktionen oft unbeabsichtigte Nebenwirkungen haben. Regierungshandeln bleibt also wichtig.
  • Es ist ein Trugschluss, Sozialismus mit Autoritarismus und Kapitalismus mit Demokratie gleichzusetzen, wie das westliche Experten oft tun. Beide Gleichsetzungen führen in die Irre, denn manche demokratisch gewählte Regierungen haben sich für sozialistische Politik entschieden, während manche autokratische Herrscher Marktdogmatik beherzigten. Es gibt weder eine klare Korrelation zwischen Demokratie und Entwicklungserfolg noch zwischen Despotismus und Misserfolg. In beiden Szenarien kann es zu der Art von marktwirtschaftlich-staatlicher Synergie kommen, die Entwicklung fördert (siehe Kasten).

Die empirische Evidenz zeigt, dass Entwicklungserfolge aus dem Zusammenspiel von Markt und Staat resultieren. Wenn dieses Zusammenspiel gelingt, können Grundbedürfnisse wie Gesundheitsversorgung und Bildung schon bei relativ geringem materiellem Wohlstand befriedigt werden. Tatsächlich legte Bismarck Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland die Grundlagen westlicher Wohlfahrtsstaaten, kurz nachdem er das Kaiserreich vereinigt hatte und die großflächige Industrialisierung Deutschlands einsetzte (siehe hierzu meinen Beitrag im Schwerpunkt E+Z/D+C e-Paper 2019/12).

Es ist ähnlich bemerkenswert, dass Kerala seit Jahrzehnten die Rangliste der indischen Bundesstaaten hinsichtlich Alphabetisierung und Lebenserwartung anführt, obwohl es gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf nur auf Platz neun liegt. Laut Beobachtern profitiert Kerala von vergleichsweise guter Amtsführung und stimmiger Synergie von Markt und Staat.

Auch der Vergleich Indiens mit China zeigt, dass sozialer Fortschritt nicht einfach eine Funktion des BIP ist. Indien wurde 1947 unabhängig. 1949 wurde China zur Volksrepublik, nachdem die kommunistische Volksbefreiungsarmee den Bürgerkrieg gewonnen hatte. Beide Länder waren damals stark verarmt. Sie hatten jahrhundertelang unter imperialistischer Ausbeutung gelitten.

Bis in die 1980er war Chinas Volkswirtschaft staatlich kontrolliert. Im Gegensatz dazu lenkte in Indien der Staat die Wirtschaft, ließ dem Privatsektor aber auch beträchtliche Freiheiten. In den frühen 1950ern unterschieden sich die wirtschaftlichen Standardindikatoren wie das BIP-Pro-Kopf für China und Indien nicht wesentlich. Die Infrastruktur war zudem ähnlich schwach. Laut Weltbank-Daten gab es in beiden Ländern solide Erfolge, denn Chinas Pro-Kopf-BIP stieg in den Jahren 1961 bis 1981 von 141 Dollar auf 360 Dollar (gemessen in Preisen von 2010). In dieser Zeit stieg Indiens Pro-Kopf-BPP von 335 Dollar auf 438 Dollar. Indien lag also vorn, kam aber langsamer voran.

Daten zu Einschulung, Alphabetisierung, Säuglingssterblichkeit et cetera zeigen zudem, dass China Indien bereits 1980 übertraf. Beispielsweise lag die Lebenserwartung bei der Geburt in China bei 67 Jahren, in Indien aber nur bei 54 Jahren. Die Alphabetisierungsrate Chinas lag bei 65,5 Prozent, die Indiens jedoch nur bei 43,8 Prozent. Offenbar bedeutete das etwas höhere Pro-Kopf-Einkommen Indiens nicht, dass die Inder länger oder besser lebten.

Die Farbe der Katze

In den 1980ern änderten beide Länder ihre Wirtschaftspolitik. Die Spitzenpolitiker schätzten zunehmend die „Logik des Marktes“. China wechselte von staatlicher Kontrolle zu einer gemischten Wirtschaft und Indien von einer gemischten Wirtschaft zu einem zunehmend marktdominierten System.

Deng Xiaoping erklärte bekanntlich, die Farbe der Katze sei egal, sofern sie denn Mäuse fange. Damit signalisierte er die Bereitschaft, mit Marktkräften zu experimentieren. Das geschah zunächst in Sonderwirtschaftszonen, später im ganzen Land (siehe Ayumi Konishi in E+Z/D+C 2014/12, S. 460). Indiens politische Entscheidungsträger drängten schon in den 1980ern schrittweise auf marktfreundliche Reformen. Dies gipfelte nach der Finanzkrise 1991 in einer entschiedenen Abkehr vom Dirigismus (siehe Salman Anees Soz im Schwerpunkt des E+Z/D+C e-Paper 2018/08).

Die neue Politik führte in beiden Ländern zu schnellerem Wachstum. Sie gehörten bald zu den am schnellsten expandierenden Volkswirtschaften weltweit. Allerdings fiel das Wachstum im gemischtwirtschaftlichen China beeindruckender aus als im zunehmend marktwirtschaftlich orientierten Indien. 1991 betrug das Pro-Kopf-BIP in China 786 Dollar und in Indien 575 Dollar (wieder zu Preisen von 2010).

Seither ist die Kluft weiter gewachsen. 2018 belief sich laut Weltbank das Pro-Kopf-BIP in China auf 7752 Dollar, in Indien aber nur auf 2100 Dollar. Die Weltbank-Statistiken zeigen China auch bei den sozialen Indikatoren vorn. So lag die Lebenserwartung dort 2018 bei 77 Jahren, in Indien aber nur bei 69 Jahren. Die Alphabetisierungsrate Chinas betrug 96,8 Prozent, Indiens nur 74,4 Prozent.

Chinas Strukturwandel vollzog sich überdies viel schneller. Der Anteil der Beschäftigten in der Landwirtschaft sank von 60 Prozent 1991 auf 27 Prozent 2018. In Indien ging derweil diese Quote nur von 63 Prozent auf 44 Prozent zurück. Am meisten beeindruckt, dass China zur „Fabrik der Welt“ wurde. In Indien hingegen stagniert der Anteil des verarbeitenden Gewerbes sowohl am BIP als auch in der Erwerbstätigkeit, wohingegen der Dienstleistungssektor mehr Menschen beschäftigt. Er bietet aber oft nur schlecht bezahlte Jobs ohne anspruchsvolle Qualifikationsprofile.

China hat Indien bei Wachstum und sozialer Entwicklung deutlich übertroffen. Dem kommunistischen Regime gelang es, die makroökonomische Stabilität aufrechtzuerhalten und gleichzeitig durch eine ausgeklügelte Mischung aus Industrie-, Handels- und Sozialpolitik diversen Entwicklungszielen näher zu kommen. Es gab unter anderem gewaltige Fortschritte in Forschung, Entwicklung und Hochschulbildung. Der Ausbau der Infrastruktur war spektakulär. Unterdessen spielt der chinesische Staat weiterhin eine stärkere Rolle als Eigentümer und Anteilseigner von Großunternehmen, als das der indische Staat tut. Die Synergie von Markt und Staat ist China offensichtlich auf wirksame Weise gelungen.

Beide Länder stehen heute vor großen Herausforderungen. Die Ungleichheit wächst. Viele Menschen sind informell und unsicher beschäftigt. Umweltprobleme wie Wüstenbildung, Umweltverschmutzung, die Auswirkungen des Klimawandels und dergleichen mehr nehmen zu. In beiden Ländern wird die Staatsführung zudem immer repressiver. Leider wächst auch der Antagonismus zwischen China und Indien seit einigen Monaten.

Chinas Fortschritt beeindruckt indische Wissenschaftler. Dagegen beneiden uns chinesische Intellektuelle und zivilgesellschaftliche Aktivisten – vor allem in Hongkong – um unsere „Redefreiheit“. Chinas Regime argumentierte früher gern, es räume den wirtschaftlichen und sozialen Menschenrechten Vorrang vor den politischen Menschenrechten ein, um die Armut schnell zu bekämpfen. Die Ergebnisse sind nicht zu leugnen. Leider spielen die Menschenrechte aber heute in der Rhetorik der Spitzenpolitiker beider Länder keine nennenswerte Rolle mehr.

Praveen Jha ist Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Jawaharlal Nehru Universität in Delhi.
praveenjha2005@gmail.com

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E+Z/D+C 2020/10 – mo – now – Derrick Silimina – Zambia – smartphone market

E+Z - 8. September 2020 - 12:12
-known Chinese brands are taking over the smartphone market in Zambia

Along with gaining dominant market shares in Zambia, the Chinese firms – with brands such as Tecno, Itel and Infinix – are also fostering the growth of Zambian smartphone retailers and accessories suppliers, thus helping to build the economy.

Across Zambia, city and town centres are full of brightly coloured advertisements for Chinese smartphones. Scores of new retailers are springing up to meet the burgeoning demand.

“I started selling cell phones in 2016 with just a few handsets and a couple of accessories,” says retailer Obby Mbewe, owner of Mobile Tech, a shop in Lusaka’s sprawling town-centre market. “Back then I struggled to sell a single handset in a day. But thanks to the arrival of so many Chinese smartphones with advanced features, things have changed.”

“Infinix phones are selling like hotcakes,” says retailer Teddy Kunda. “I sell more of these phones per week than any other brand.” A glimpse into Kunda’s shop on Lusaka’s Chachacha Road reveals a wide range of brands, most of them Chinese.

In Zambia, low internet access costs and mobile-telephony innovations are driving the demand for smartphones. The success of Chinese smartphones in particular shows how the right product at the right price can create a big market even in a country with limited purchasing power.

Shenzhen-based Transsion Holdings, whose brands include Infinix, Tecno and Itel, is among the strongest Chinese contenders in the Zambian market. The firm sells phones only outside of China.

In Zambia, at least, Transsion is leaving global players like South Korea’s Samsung and the US giant Apple in the dust. According to International Data Corporation, the global provider of market intelligence for the IT industry, Transsion is among the top-selling mobile phone providers in Africa.

One clear success factor is the prices charged by Chinese manufacturers. While offering capabilities to rival those of international giants, Chinese smartphone brands such as Infinix Hot and Tecno Camon15 sell for between $ 50 and $ 200 depending on features.

Beyond modest prices, Chinese handset makers offer locally tailored features such as double-SIM card slots, which help users to avoid lapses in network coverage; longer battery life, to compensate for power black-outs; and sharp camera technology calibrated to darker skin tones.

The success of Chinese smartphones in Zambia provides an important lesson for local suppliers and retailers, says Lusaka-based financial analyst Maambo Hamaundu. “You can be a giant today and a small boy will overtake you tomorrow and become a giant,” he says. “Chinese firms are successful because they understand the market and can satisfy the needs of the market. Our local entrepreneurs should also seize every opportunity.”

Derrick Silimina is a freelance journalist based in Lusaka. He focuses on Zambian agriculture and sustainability issues.
derricksilimina@gmail.com

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Ermutigender Enthusiasmus

E+Z - 8. September 2020 - 12:01
Bundesminister Gerd Müller erhebt in seinem neuen Buch weitreichende Forderungen

Müller ist als CSU-Politiker tendenziell konservativ eingestellt. Das, was er ausführt, ist international aber eher in fortschrittlichen als in konservativen Kreisen anschlussfähig. So wie auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und andere Politiker aus CDU/CSU bedient er sich nicht der Art von rechtspopulistischer Propaganda, die britische Konservative oder Republikaner in den USA mittlerweile verbreiten.

Der Titel des Buches ist programmatisch: „Umdenken – Überlebensfragen der Menschheit“. Über dem Vorwort steht: „Es ist fünf nach zwölf.“ Dem Autor zufolge sind globale Krisen so weit fortgeschritten, dass Schäden nicht mehr zu verhindern sind, sondern minimiert werden müssen. Es geht um Dinge wie die Klimakrise, Massenflucht und Bevölkerungswachstum. Handeln sei dringend geboten. Dass er unmittelbar nach dem verheerenden Brand des griechischen Flüchtlingslagers forderte, Deutschland müsse Betroffene aufnehmen, passt ins Bild. Das Buch erschien allerdings vor dem Feuer.

Zum großen Teil berichtet Müller, was er gesehen hat. Er gehört nicht zu den Spitzenpolitikern, die sich nicht aus komfortablen Regierungsgebäuden herauswagen. Er besucht immer wieder Flüchtlinge in improvisierten Lagern, Patienten in provisorischen Kliniken oder Müllverwerter auf Deponien. Er interessiert sich persönlich für das Leid der Menschen und ruft Leser zur Empathie auf.

Der Minister erhebt weitreichende Forderungen. Aus seiner Sicht hätten Müllexporte aus reichen in arme Volkswirtschaften schon längst gestoppt werden müssen. Wenn globale Märkte nicht reguliert würden, werde Profit zum Schaden der Umwelt in fernen Ländern maximiert. Entwicklungsländer litten zudem unter den Folgen des Klimawandels, den sie nicht verursacht hätten. Müller warnt, die Zahl von bislang 20 Millionen Klimaflüchtlingen könne schnell auf 100 Millionen steigen.

Die CSU umwirbt Landwirte, aber ihr Entwicklungsminister lässt keinen Zweifel daran, dass die Agrarsubventionen der EU viel zu hoch sind. Ihm zufolge sollte die EU lieber nachhaltige Entwicklung in Ländern mit niedrigen Einkommen fördern, und zwar ganz besonders in Afrika. Europa und Afrika müssten die Kolonialvergangenheit in einer Weise konstruktiv aufarbeiten, die es EU und AU ermögliche, eine starke, produktive und auf Dauer angelegte Partnerschaft zu begründen.

Europas Zukunft hängt von Afrika ab, wie der Minister betont. Unser Kontinent werde vom Wohlergehen des Nachbarkontinents profitieren, wie auch dortige Katastrophen sich regelmäßig hier auswirkten. Müller beklagt, die Medien nähmen afrikanische Chancen kaum wahr, berichteten aber ausführlich über Negatives.

Mit Blick auf das Bevölkerungswachstum schreibt Müller, aktive Familienplanung dürfe kein Tabu mehr sein. Das sage er seinen internationalen Partnern, ob sie nun Präsidenten oder Minister seien. Für einen praktizierenden Katholiken ist das nicht trivial. Er ist zugleich am interreligiösen Dialog stark interessiert und betont die positiven Werte, die allen Weltreligionen gemein sind, aber leider immer wieder von polarisierender Identitätspolitik überschattet werden.

Das Buch ist ermutigend, weil hier ein Mitglied des Bundeskabinetts enthusiastisch erläutert, was getan werden kann und muss. Er äußert Stolz auf das, was sein Ministerium zum Beispiel im Blick auf Sozialstandards in Lieferketten oder Partnerschaften mit wichtigen afrikanischen Ländern erreicht hat. Zugleich macht er klar, dass viel mehr passieren muss. Gegen Ende des Buches listet er die UN Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals – SDGs) auf, von der Beseitigung der Armut (SDG1) bis zu weltweiten Partnerschaften (SDG 17).

Seine Zielgruppe sind offenkundig deutsche Wähler. Müller will sie überzeugen. Er betont konkretes Handeln und schweift nicht in eine detaillierte Expertendebatte ab. Seiner Einschätzung nach ist bekannt, was zu tun ist – und nun müsse gehandelt werden. Hoffentlich findet er im Bundeskabinett Gehör.

Buch
Gerd Müller, 2020: Umdenken – Überlebensfragen der Menschheit. Hamburg: Murmann

 

Letzte Aktualisierung, 13. September, 12:10: Info zu Müllers Reaktion auf Moria-Brand wurde ergänzt.

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Unzureichende Finanzierung

E+Z - 8. September 2020 - 11:46
Krisenländer sind durch Covid-19 mehr denn je auf internationale Unterstützung angewiesen

Im Zuge der Corona-Pandemie ist der Bedarf an humanitärer und Entwicklungshilfe weltweit stark gestiegen. Vor allem Konfliktländer wie Syrien, Libyen und der Jemen, die schon vor Covid-19 unter humanitären Krisen litten, sind jetzt mehr denn je auf internationale Unterstützung angewiesen. Dementsprechend haben die UN mit dem Global Humanitarian Response Plan (GHRP) den größten Hilfsaufruf ihrer Geschichte gestartet – sein Bedarf liegt inzwischen bei 10,3 Milliarden Dollar.

Die bisherigen Finanzierungszusagen der internationalen Gemeinschaft sind jedoch unzureichend. Die diesjährigen Geberkonferenzen für Syrien und seine Nachbarländer sowie für den Jemen haben ihre Finanzierungsziele deutlich verfehlt. Im Jemen mussten deshalb seit Mitte April bereits 30 der 41 UN-Hilfsprogramme ihre Arbeit stark einschränken oder sogar einstellen. Auch in Syrien werden viele hilfsbedürftige Menschen nicht mehr erreicht.

Corona hat auch wohlhabende Länder schwer getroffen, und offenbar liegt bei vielen die Priorität in der heimischen Krisenbewältigung. Im Vergleich zu den beschlossenen nationalen und europäischen Hilfsprogrammen mutet die Unterstützung für Schwellen- und Entwicklungsländer zurückhaltend an. Auch sicherheits- und geopolitische Überlegungen stehen der notwendigen Hilfe in einigen Krisenregionen im Weg. Der schmerzhafte Kompromiss im UN-Sicherheitsrat zur Verlängerung der Crossborder-Resolution, die die grenzüberschreitende Versorgung für Syrien regelt, zeigt dies deutlich auf. Durch die politisch motivierte Blockadehaltung Chinas und Russlands wurden die Zahl der humanitären Zugänge und damit die Möglichkeiten zur lebensnotwendigen Unterstützung der Bevölkerung weiter eingeschränkt. In Libyen stehen indes das Ringen um eine politische Lösung des Konflikts und die Einhaltung des UN-Waffenembargos im Vordergrund.

Auf der anderen Seite haben sich die humanitären Krisen in Konfliktregionen durch die Pandemie zum Teil drastisch verschlimmert. Das gefährdet die über die vergangenen Jahre und Jahrzehnte hart erkämpften Fortschritte in den Bereichen Armuts- und Hungerbekämpfung sowie Gesundheitsversorgung. Deutschland und die EU tragen hier Verantwortung.

Die Pandemie zeigt wie kaum ein Ereignis unserer jüngeren Geschichte, dass sich in der globalisierten Welt Probleme nur global lösen lassen. Die Weltgemeinschaft ist im Hinblick auf die Bekämpfung des Virus nur so stark wie ihr schwächstes Glied – eine Unterstützung der schwächeren Staaten liegt also auch im Interesse Deutschlands und Europas. Multilaterale Organisationen haben dabei eine wichtige Koordinierungsfunktion, ihre Unterstützung ist gerade jetzt unerlässlich.

Trotz aller Schwächen ist auch in der Krise deutlich, dass Deutschland und die EU führende Geber sind. Deutschland schneidet im Vergleich zu anderen Staaten durch rasches Umwidmen von Mitteln und die Mobilisierung zusätzlicher Gelder für humanitäre und Entwicklungshilfe relativ gut ab. Die EU stellt hingegen kaum neue Mittel bereit, sondern steuert überwiegend bestehende Budgets um. Auch Hoffnungen auf mehr Geld für humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit im Mehrjährigen Finanzrahmen für 2021 bis 2027 haben sich nicht erfüllt. Dabei ist es in Zeiten der Pandemie wichtiger denn je, dass Deutschland und die EU durch ihre Unterstützung für Konfliktländer ein klares Signal für Solidarität setzen.

Veronika Ertl ist Referentin für Entwicklungspolitik in der Hauptabteilung Analyse und Beratung der Konrad-Adenauer-Stiftung.
veronika.ertl@kas.de

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Was die Kaffeesteuer mit Armutsbekämpfung und nachhaltiger Entwicklung zu tun hat

ONE - 8. September 2020 - 11:32

Ob Espresso, Cappuccino oder aus der Filtermaschine – der Kaffee in deiner Tasse wird in Deutschland extra besteuert. Das hat sich seit Einführung einer Kaffeesteuer vor mehr als 230 Jahren nicht geändert. Die internationale Handelswelt heute ist allerdings eine ganz andere: Lieferketten sind komplexer, zahlreiche Anbauflächen vom Klimawandel bedroht und Produzent*innen von Gütern wie Kaffee zunehmend von Armut betroffen. Die Kleinbäuerinnen und –bauern im Globalen Süden trifft es besonders hart. Währenddessen profitieren Unternehmen in Industriestaaten vom steigenden Umsatz im Kaffeesektor – so auch in Deutschland, wo pro Kopf durchschnittlich 166 Liter Kaffee im Jahr getrunken werden. Gerade einmal jede 20. Tasse davon ist fair gehandelt.  

Fairness wirkt

Der Faire Handel setzt genau hier an: er möchte den internationalen Handel gerechter machen. Dazu verbessert er die Arbeits- und Lebensbedingungen der Menschen am Anfang der Lieferkette und stärkt ihre politische und wirtschaftliche Handlungsmacht. Skönnen Millionen Kleinbäuerinnen und –bauern ihren Lebensunterhalt sichern und sich mitsamt ihren Familien aus der Armut befreien. Es wäre also sinnvoll, wenn die deutsche Steuerpolitik Kaffee aus Fairem Handel steuerliche Vorteile einräumen würde, oder? Bisher wird das im Kaffeesteuergesetz nicht berücksichtigt. Doch viele Organisationen und Bündnisse setzen sich bereits seit Jahren dafür ein, fair gehandelten Kaffee von der Kaffeesteuer zu befreien.

Auch ONE und nuruCoffee finden: es ist Zeit! Und starten ihre Kampagne:

Momentan müssen für jedes Kilo Röstkaffee zusätzliche 2,19€ an den Staat abgegeben werden, bei löslichem Kaffee liegt der Steuersatz sogar bei 4,78€ je Kilo – ganz gleich, ob fair gehandelt oder nicht. Dabei trägt faire Kaffeeproduktion maßgeblich zu globaler Gerechtigkeit bei, während konventioneller Handel Ungleichheiten kontinuierlich verschärft. Gleichzeitig ist fairer Kaffee oft teurer als herkömmliche Alternativen, bei denen sich der wahre Preis hinter den Einbußen für Menschen und den Planeten während des Produktionsprozesses verbirgt 

Zeit zum Handeln

Wir wollen, dass mehr Menschen in Deutschland fair gehandelten Kaffee kaufen. Würde Deutschland Kaffee aus Fairem Handel von der Kaffeesteuer befreien, würde fair gehandelter Kaffee für Konsument*innen in Deutschland attraktiver. Steigt die Nachfrage, kann mehr Kaffee unter fairen Bedingungen produziert werden.  Mehr Kaffeebäuerinnen und –bauern können von ihrer Arbeit leben. Deutschland hat sich dazu verpflichtet, die Globalen Nachhaltigkeitsziele bis 2030 zu erreichen. Wir fordern, dass sich die Umsetzung dieses Versprechens auch in der Steuerpolitik widerspiegelt. Denn faire Lieferketten treiben vielen Nachhaltigkeitsziele wie Armutsbekämpfung, Gleichberechtigung und nachhaltiges Wachstum voran. Kaffee aus Fairem Handel darf nicht länger als Luxusprodukt gelten, sondern muss zum neuen Kaffee-Standard werden. Mit dem Kaffeesteuergesetz hat die Bundesregierung ein passendes Instrument bereits in den Händen. Und eins steht fest: im Vergleich zum Mehrwert für Armutsbekämpfung und Nachhaltigkeit wären die Einbußen an Steuern verschwindend gering.  

Fairness darf kein Luxus sein ☕ Was es damit auf sich hat? Na, unsere neue Kampagne – sozusagen frisch gebrüht!
Was wir fordern und wie ihr helfen könnt, werdet ihr in den nächsten Tagen & Wochen erfahren! #Kaffeesteuer #FairerKaffee #ONEWorld #KeinLuxus https://t.co/iUbMp7ITpy

— ONEDeutschland (@ONEDeutschland) September 8, 2020

Du möchtest dich gemeinsam mit Sara Nuru, Gründerin von nuruCoffee, und ONE dafür einsetzen, dass Deutschland den Globalen Nachhaltigkeitszielen näherkommt? Dann unterzeichne unsere Petition und fordere Finanzminister Olaf Scholz auf, fair gehandelten Kaffee von der Kaffeesteuer zu befreien. 

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Germany’s funding to the UNDS: towards a better mix for stronger multilateralism

DIE - 8. September 2020 - 11:00

Since 2016, Germany has been the second largest contributor to the United Nations development system (UNDS) for development-related and humanitarian activities, after the United States of America. The biggest increase in Germany’s funding has been in the form of earmarked contributions, that is, funding with specified geographic and thematic purposes. While humanitarian funding to agencies such as the United Nations High Commissioner for Refugees (UNHCR), the World Food Programme (WFP) and the United Nations Children’s Fund (UNICEF) accounts for the bulk of Germany’s contributions to the United Nations (UN), development-related funding for the United Nations Development Programme (UNDP), the United Nations Population Fund (UNFPA) and UN Women also experienced a sharp rise. More recently, core contributions, which can be used by multilateral organisations with greater discretion, have also increased, most notably as part of the coronavirus (COVID-19) emergency response.
The significant increase signals that Germany places trust in the UN, including in times of crisis, and deems it to be of real importance. It is now time for Germany to more explicitly recognise its strategic interest in a strong and effective UNDS that can reinforce its foreign policies regarding stabilisation, reconstruction, refugees and the climate. Through multilateral organisations states can achieve more than they can alone. Although earmarked funding has helped the UNDS to expand its scope and scale, in the most prominent forms it has many negative repercussions in terms of efficiency, effectiveness and legitimacy.
Earmarking also comes with direct costs to German actors, who face challenges stemming from the multitude of earmarked funding arrangements and their administrative burden. In addition, the German government presents itself in a fragmented manner with regard to the UNDS, with differences across and within ministries and implementing agencies.
For Germany, being in the prominent position of second largest contributor to the UNDS, at a time when the largest contributor is withdrawing funding, comes with responsibilities and opportunities. To be an effective supporter of multilateralism, the German government needs to get its own house in order.
• It should view its allocation decisions as a means towards strengthening multilateralism and supporting UN reforms, and to that end it should work towards a better balanced funding mix with greater shares of flexible funds.
• It should more clearly communicate and justify its increased engagement in the UNDS to the German public and increase the coherence of its multilateral efforts.
• It should assess the hidden costs that arise through the use of implementing agencies and improve guidance on earmarked funding in line with commitments made in the context of the Grand Bargain (2016) and UN Funding Compact (2019).
• It should stabilise the recently raised levels of core contributions to UN development agencies, recognise the strategic importance of core contributions and also make greater use of softly earmarked forms of funding.

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Earmarked funding for multilateral development cooperation: asset and impediment

DIE - 8. September 2020 - 10:35

Multilateral cooperation means that states can collectively achieve more than they can through individual and bilateral efforts alone. Multilateral organisations are important instruments for this: they have a greater geographic and thematic reach, operate at a larger scale and stand for multilateral norms and values. Funding provides an important basis for multilateral development cooperation – only with sufficient core funding at their disposal can multilaterals effectively and independently perform the functions member states expect. This includes a problem-driven allocation of resources, strategic orientation, and flexibility in the implementation of and advocacy for internationally agreed values, norms and standards. The coronavirus (COVID-19) pandemic has demonstrated the need for international cooperation to deal with multiple crises that affect all societies. It has also proved the value of multilateral organisations that can combat the spread of COVID-19 worldwide and support countries where health systems are weakest.
Over the last three decades, the funding trend for multilateral organisations has been towards ever greater shares of earmarked funding, whereas core funding has grown much more slowly or has even declined for some organisations.
A contribution is earmarked when a contributor directs it to a specific pooled fund, programme or – most typically – a project in a specific country. The substantial increase in such earmarked (also “restricted”, “bi-multi”) funding has certainly buoyed organisations and helped to close many funding gaps.
However, such atomised funding practices come with the risk of instrumentalising multilateral organisations for project implementation purposes, and by doing so, reducing their programmatic coherence, effectiveness, efficiency and legitimacy. For contributors, earmarking has often been a politically convenient choice. It provides them with control over the use of their resources and visibility for results achieved, all at attractively low implementation costs. However, both the direct implications of earmarking for specific interventions and the more systemic effects on the effectiveness and efficiency of the multilateral organisations tend to be overlooked. At the scale we see it today, earmarking may actually undermine the ability of multilaterals to fulfil the member states’ expectations and make full use of their unique assets to advance the 2030 Agenda for Sustainable Development.
To fully harness the potential of multilateral development cooperation, both member states and multilateral organisations have to change course.
• A larger number of contributors – also beyond the Organisation for Economic Co-operation and Development/Development Assistance Committee (OECD/DAC) – should contribute additional funds to the multilateral development system.
• Contributors should reverse the trend of growing shares of earmarked funding by increasing core funds across organisations.
• Contributors should use earmarked funding more prudently to support rather than undermine multilateral functions. Multi-donor pooled funds are a viable alternative.
• Multilaterals should invest in transparent institutional mechanisms that provide checks for resource mobilisation.

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Globale Bevölkerungsprognosen: Wo liegen die Unterschiede zwischen den Berechnungen der Vereinten Nationen und den Berechnungen des IHME?

DSW - 8. September 2020 - 10:34

Gastbeitrag von Dr. Elke Loichinger, Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung,

Kürzlich veröffentlichte die Fachzeitschrift The Lancet globale Bevölkerungsprognosen von Wissenschaftler*innen am Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME). Die Ergebnisse der Studie unterscheiden sich deutlich von denen der Vereinten Nationen (VN): Die IHME Wissenschaftler*innen gehen davon aus, dass das Maximum der Weltbevölkerung schon im Jahr 2064 mit 9,73 Milliarden Menschen erreicht wird und dann konstant sinkt. Die Berechnungen der Vereinten Nationen zeigen einen kontinuierlichen weiteren Anstieg und eine Weltbevölkerung von 10,88 Milliarden bis zum Jahr 2100.

Wie kommt es zu diesen unterschiedlichen Ergebnissen?

Bevölkerungsprognosen werden auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene und für verschiedenste Zeithorizonte durchgeführt. Die verbreitetste Methode hierfür ist die sogenannte Kohorten-Komponenten-Methode. Hierbei werden Annahmen über die zukünftige Entwicklung von Fertilität (= Anzahl der Geburten), Mortalität (= Sterbefälle) und Migration (= Zu- und Abwanderung) getroffen und auf die Ausgangsbevölkerung angewandt. Die Zusammensetzung und Größe einer Bevölkerung kann sich nur durch Entwicklungen dieser drei demografischen Komponenten verändern. Je nach Land unterscheidet sich, in welchem Umfang Geburten, Sterbefälle sowie Zu- und Abwanderungen Einfluss auf die zukünftige Bevölkerungsentwicklung haben. Sowohl die Vorausberechnungen der VN als auch die Prognosen des IHME beruhen auf diesem Ansatz. Welche Faktoren führen aber dazu, dass sich die Ergebnisse so stark unterscheiden?

1. Unterschiedliche Annahmen bei der Geburtenentwicklung

Am ausschlaggebendsten für die Unterschiede in den Ergebnissen der beiden Institutionen sind die Annahmen zur Geburtenentwicklung. Dies gilt sowohl für Länder, in denen Frauen momentan im Durchschnitt noch relativ viele Kinder bekommen, als auch für Länder mit niedrigeren Geburtenraten, in denen das Geburtenniveau unter 2,1 Kindern pro Frau gesunken ist. Das bedeutet zum Beispiel, dass die VN in den Jahren 2050 bis 55 mit einer durchschnittlichen Anzahl von 3,35 Kindern pro Frau in Nigeria und 1,70 in Deutschland rechnen. Das IHME geht währenddessen für 2052 in beiden Ländern von deutlich niedrigeren Werten aus: 2,74 (Nigeria) und 1,42 (Deutschland).

2. Zugang zu Bildung und Verhütung

Die Annahmen der VN über die Entwicklung von Geburtenraten beruhen auf Analysen vergangener Trends in einzelnen Ländern und weltweit, in Kombination mit dem Modell des demografischen Übergangs. Dieses beschreibt die Entwicklung von Ländern mit hoher Fertilität und Mortalität hin zu einer Situation mit niedriger Fertilität und Mortalität. Das IHME berücksichtigt zusätzlich das Bildungsniveau und die Verbreitung der Anwendung moderner Verhütungsmethoden. Grund ist der erwiesene Zusammenhang zwischen dem Geburtenniveau eines Landes und diesen beiden Aspekten.  Das Team am IHME geht davon aus, dass sich der in vielen Ländern beobachtete Zusammenhang zwischen Geburtenrückgang, Bildung und Verhütung auf andere Länder übertragen lässt. Dabei darf jedoch nicht vergessen werden, dass die dafür notwendigen Fortschritte beim Zugang zu Bildung und modernen Verhütungsmitteln nicht automatisch erfolgen, sondern auch politischen Willen und umfassende Investitionen erfordern.

 Bildung als zentraler Faktor

Traditionell werden die Annahmen für die zukünftige Entwicklung von Fertilität, Mortalität und Migration für einzelne Altersklassen und getrennt für Männer und Frauen getroffen (Ausnahme: Fertilitätsannahmen nur für Frauen). Das ist notwendig, da zum Beispiel Sterbewahrscheinlichkeiten mit dem Alter und zwischen Männern und Frauen variieren, was zu den beobachteten Unterschieden in der Lebenserwartung beider Geschlechter führt. Ein weiterer relevanter Faktor ist der Bildungsstand: So zeigt sich nicht nur ein deutlicher Zusammenhang zwischen der durchschnittlichen Kinderzahl pro Frau und ihrem formalen Bildungsabschluss. Höhere Bildung geht auch mit besserer Gesundheit und einer längeren Lebenserwartung einher. Wenn man diese Zusammenhänge in der Vorausberechnung berücksichtigt, kann das einen signifikanten Effekt auf die absolute Bevölkerungsanzahl und die Altersverteilung haben. Das Wittgenstein Centre for Demography and Global Human Capital in Wien erstellt regelmäßig Bevölkerungsvorausberechnungen nach Alter, Geschlecht und höchstem Bildungsstand für 201 Länder. Die Ergebnisse sind – was die globale Maximalbevölkerung als auch das Peak-Jahr betrifft – den Ergebnissen des Hauptszenarios des IHME recht ähnlich.

  3. Unterschiedliche Datenquellen werden verwendet

Daten über vergangene und aktuelle Entwicklungen von Geburten, Sterbefällen und Wanderungen können aus nationalen und internationalen Datenquellen gewonnen werden. Nicht alle Länder der Welt verfügen über ein Personenstandswesen, sodass Daten oftmals auf Basis anderer Quellen, z.B. einem Zensus oder speziellen Erhebungen, geschätzt werden. Je nach Wahl der Datenquelle kann es sein, dass die VN und IHME unterschiedliche Anfangswerte für ihre Berechnungen verwenden. Zum Beispiel gehen die VN für den Zeitraum 2015 bis 2020 für Nigeria von einer durchschnittlichen Kinderzahl pro Frau von 5,42 aus, das IHME von 5,11 (2017). Im Fall von Deutschland betragen die entsprechenden Werte 1,59 (VN) und 1,39 Kinder pro Frau (IHME).

4. Langfristige Vorausberechnungen sind unsicher

Je länger der Zeitraum der Vorausberechnung, desto größer wird die Unsicherheit bei den Annahmen für die drei demografischen Komponenten und bei den daraus resultierenden Ergebnissen. Um diesem Umstand Rechnung zu tragen, gibt es mehrere Möglichkeiten: So gibt es normalerweise mehrere Szenarien, die auf unterschiedlichen Annahmen beruhen, wobei eines der Szenarien als Hauptszenario und damit als wahrscheinlichstes Szenario gilt. Wenn konkrete zukünftige Werte z.B. für die Entwicklung der Lebenserwartung für jeden Zeitpunkt festgelegt werden, so spricht man von einer deterministischen Herangehensweise. Im Gegensatz hierzu steht ein so genanntes probabilistisches Vorgehen, bei dem es eine große Anzahl an möglichen zukünftigen Verläufen gibt, denen jeweils unterschiedliche Eintrittswahrscheinlichkeiten zugeordnet werden. Es ist auch möglich, Elemente beider Ansätze zu vermischen, was bei den Berechnungen der Hauptvariante der VN gemacht wird. Die Berechnungen des IHME beruhen auf einem durchweg probabilistischen Ansatz.

Medien vernachlässigen Bandbreite von Ergebnissen

Die Tatsache, dass die Ergebnisse jeder Vorausberechnung mit einer mehr oder weniger großen Unsicherheit verbunden sind, kommt in der Kommunikation mit der Öffentlichkeit und politischen Akteuren oftmals zu kurz. Sowohl die VN als auch das IHME geben neben einem Wert für die Bevölkerungszahl im Jahr 2100 (VN: 10,9 Milliarden, IHME: 8,8 Milliarden) eine Bandbreite an, innerhalb der sich die zukünftige Weltbevölkerung mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit bewegt. Diese Bandbreite beträgt bei den VN 9,4 bis 12,7 Milliarden Menschen in 2100, bei IHME 6,8 bis 11,8 Milliarden Menschen. Insbesondere die extreme Spannbreite der IHME Prognosen verdeutlicht die große Unsicherheit bei langfristigen globalen Prognosen, welche in der öffentlichen Wahrnehmung jedoch nicht ankommt.

 

Referenzen:

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Economics (really) needs to change: Introducing ‘Wellbeing Economics’ by Nicky Pouw

EADI Debating Development Research - 8. September 2020 - 9:44
By Nicky Pouw Beneath the surface of neoclassical economics lies unwavering faith in the pursuit of big numbers: more is always better. More growth means more income, more supply and production, more employment, more demand, more investment, more growth, and so forth. Big numbers give people a certain sense of security; everything is ‘going well’ …
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Neue Technologie bindet CO2 in Beton

reset - 8. September 2020 - 6:01
Wenn die Betonindustrie ein Land wäre, dann wäre sie der drittgrößte CO2-Emmitent der Welt. Mit einer neuen Technologie soll Betonproduktion nun klimafreundlicher werden.
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Nachhaltige Lieferketten im Agrarsektor: Wert schöpfen statt Zuliefern

SWP - 8. September 2020 - 0:00

Lieferketten rückten jüngst durch die Corona-Krise ins Zentrum politischer Aufmerk­samkeit. Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie zeigen einmal mehr, wie komplex die glo­bale Arbeitsteilung über mehrere Staaten hinweg gestaltet ist. Aktu­elle deut­sche und europäische Gesetzesinitiativen streben mehr verbindliche Pflich­ten für end­verbrau­chende Unternehmen an, was Menschenrechte und Nach­haltigkeit in Liefer­ketten betrifft. Ziel ist eine nachhaltige Erzeugung in anderen Ländern. Gerade für die Landwirtschaft sollten aber neben diesen explizit auf Lieferketten bezogenen Ansät­zen auch die Handels-, Investitionsschutz- und Agrar­politik der Europäischen Union (EU) ver­bessert werden. Nur das Zusammenspiel aller Ansätze kann landwirtschaftliche Liefer­ket­ten so beeinflussen, dass die speziellen Nachhaltigkeits­probleme dieses Sektors be­rück­sichtigt werden. Schließ­lich wirken übliche ­Ansätze, die Lieferketten isoliert be­trach­ten, lediglich in Richtung des Importstroms in die EU. Damit nehmen sie Ent­wick­lungsländer nur in ihrer traditionellen Rolle als Zulieferer von Agrarrohstoffen wahr und blenden Optio­nen für mehr eigene Wertschöpfung und künftige Entwicklung aus.

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Nachhaltigkeitsforschung zu Corona: „Logbuch der Veränderungen“ startet dritte Phase zur neuen ‚Corona-Normalität‘

#HOCHN - 8. September 2020 - 0:00
Im „Logbuch der Veränderungen“ haben bisher über 500 Logbuchschreiber*innen ihre Beobachtungen zu gesellschaftlichem Wandel in der Corona-Pandemie doku-mentiert. Vom 1. bis 15. September 2020 können Bürger*innen berichten, wie sie die neue „Normalität“ unter den anhaltenden Corona-Bedingungen erleben.

Foto: Unsplash/Aaron Burden

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