Sie sind hier

Ticker

25. März 2020

ONE - 25. März 2020 - 11:51

1. Tuberkulose noch immer die tödlichste Infektionskrankheit weltweit
Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind lebensrettende Medikamente gegen Tuberkulose für einen Großteil der Weltbevölkerung nicht zugänglich, wie Zeit Online, T-Online und Domradio.de berichten. Das Ziel bis 2030 Tuberkulose zu besiegen, sei damit noch in weiter Ferne. Nach wie vor sei Tuberkulose, die am weitesten verbreitete Infektionskrankheit der Welt mit den meisten Todesfällen. Täglich sterben mehr als 4000 Menschen weltweit an Tuberkulose. Ein Viertel der Weltbevölkerung, etwa zwei Milliarden Menschen, trage das Virus in sich. Beim letzten Tuberkulosegipfel 2018, haben die Regierungen der Welt versprochen bis 2022 mindesten 30 Millionen Menschen vorbeugend zu behandeln. 2018 seien nur etwa 2,2 Millionen Menschen vorbeugend behandelt worden. Nur ein Viertel der Kinder, die in Familien mit einer erkrankten Person leben, haben eine vorbeugende Behandlung erhalten. Trotz der Coronakrise dürfe der Kampf gegen Tuberkulose nicht unterbrochen werden, so WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus.

2. Mosambik: 64 Tote in LKW gefunden
Wie unter anderem der Tagesspiegel, die Frankfurter Rundschau, Spiegel und die Deutsche Welle melden, sind in Mosambik mindestens 64 Menschen in einem LKW-Container erstickt. 14 weitere haben überlebt. Am Dienstag seien sie in einem LKW in der Hauptstadt Maputo bei einer Kontrolle entdeckt worden. Es werde davon ausgegangen, dass es sich bei der Gruppe um Migrant*innen und Geflüchtete handelt. Vermutungen zufolge hätten sie aus Malawi kommend von Schleusern illegal nach Südafrika gebracht werden sollen. Mosambik gelte als eines der wichtigsten Transitländer für Geflüchtete aus Äthiopien nach Südafrika.

3. Kenia: Millionen Schutzmasken verschwunden
In Kenia ist eine Lieferung von sechs Millionen Atemschutzmasken der Bundeswehr verloren gegangen, melden unter anderem die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die Frankfurter Rundschau, die Welt, Spiegel und RTL. Das Bundesverteidigungsministerium prüfe den Vorfall noch. Eine Ministeriums-Sprecherin betonte jedoch, dass kein finanzieller Schaden entstanden sei, da die Masken noch nicht geliefert und bezahlt worden seien. Unklar sei noch, welche Rolle Kenia bei der Beschaffung der Masken spiele. Die Schutzmasken werden in deutschen Krankenhäusern angesichts der Corona-Pandemie dringend benötigt. Die Bundeswehr sei durch den Krisenstab der Bundesregierung mit dem Einkauf von Schutzmaterial beauftragt worden. Laut eines vertraulichen Ministeriumsberichts sei „die Ware am Flughafen in Kenia verschwunden“. Die Auswirkungen auf die Versorgung in Deutschland seien nicht besorgniserregend. Die sechs Millionen Masken seien eine von mehreren großen Lieferungen gewesen.

The post 25. März 2020 appeared first on ONE.

Kategorien: Ticker

Viren kennen keine Grenzen – COVID-19 in Afrika

ONE - 25. März 2020 - 11:47

Seit Anfang des Jahres dominiert die Verbreitung des Coronavirus die Nachrichten, und das aus gutem Grund. Bislang hat das Virus weltweit über 200.000 Menschen infiziert, etwa 8.000 sind an ihm gestorben.

Wie entwickelt sich COVID-19 in Afrika?

Am 28. Februar meldete Nigeria den ersten bestätigten Fall von COVID-19 in Afrika südlich der Sahara. Das Virus wurde nach einer Europareise eingeschleppt. Auch in vielen anderen Ländern, z.B. in Ghana, Äquatorial-Guinea und der Demokratischen Republik Kongo, wurde das Coronavirus zuerst an den internationalen Flughäfen festgestellt.

Inzwischen gibt es in fast allen afrikanischen Ländern bestätigte Fälle. Wie sich diese entwickeln, kannst du in unserem Dashboard sehen. Auf der Startseite bekommst du einen Überblick über die Weltregionen im Vergleich. Wenn du „Country Detail“ auswählst, kannst du sehen, wie sich das Virus in einzelnen Ländern ausbreitet.

Und wo liegen die Herausforderungen?

In von Armut betroffenen Ländern – und dazu gehören viele in Afrika – gibt es drei Herausforderungen:

1) Die sofortige Reaktion

Auch in Afrika haben mehrere Länder ihre Grenzen komplett oder teilweise geschlossen. In der Mehrheit der Länder sind derzeit die Schulen geschlossen. Viele Kirchen, Moscheen und andere religiöse Einrichtungen haben zugemacht.

Aber nicht nur viele Staaten, sondern auch die Afrikanische Union haben Maßnahmen ergriffen: Das Afrikanische Zentrum für Krankheitskontrolle und Prävention (African Centre for Disease Control and Prevention, African CDC) hat über 40 Ländern Corona-Testkits zur Verfügung gestellt. Diese können allein dadurch über 10.000 Personen auf eine COVID-19-Infizierung testen. Auch Fieberscanner und weiteres dringend notwendiges medizinisches Material wird vom African CDC zur Verfügung gestellt. Die Fluggesellschaft Ethiopian Airlines hat angeboten, dies zu verteilen. Nicht zuletzt hat das African CDC Hunderte von Vertreter*innen der Mitgliedstaaten in verbesserter Überwachung, Infektionsprävention und -kontrolle, Risikokommunikation und Fallmanagement geschult und Personal zur Unterstützung der Reaktion in einigen betroffenen Mitgliedstaaten eingesetzt. Und während sich COVID-19 weiter verbreitet, passt das African CDC seine Aktivitäten an.

2) Der Aufbau von Kapazitäten, die zur Verhütung, Erkennung und Reaktion auf künftige Bedrohungen erforderlich sind

Afrikanische Länder werden aus einem Grund stärker unter den Folgen von COVID-19 leiden als wir: aufgrund schwacher Gesundheitssysteme. Das kann bedeuten, dass die nächste Ärztin oder der nächste Arzt zu weit weg ist. Dass es nicht genug Betten in Krankenhäusern gibt. Oder schlichtweg das Thermometer fehlt, um Fieber zu messen.

Wozu das führen kann, wurde beim Ebola-Ausbruch 2015, der vor allem in Westafrika viele Opfer forderte, sichtbar. Zum Glück haben viele Länder ihre Gesundheitssysteme in den letzten Jahren stärken können. So wird mithilfe deutscher Gelder in Guinea, Liberia und Sierra Leone Gesundheitspersonal ausgebildet und die universelle Gesundheitsversorgung gestärkt. In der ganzen Region wurden Pläne erstellt, um eine Epidemie früh zu erkennen und Maßnahmen ergreifen zu können.

Trotz aller Anstrengungen: Die Gesundheitssysteme sind weiterhin unterfinanziert. Wenn das Coronavirus auch in Afrika zu einer echten Pandemie wird, bricht die Gesundheitsversorgung wahrscheinlich zusammen.

Die Lehre daraus kann nicht klarer sein: Krankheiten kennen keine Grenzen. Die globale Gesundheitssicherheit ist nur so stark wie die schwächsten Gesundheitssysteme der Welt. Dies zeigen uns Epidemien wie das Coronavirus. Es liegt in unser aller Interesse, überall in bessere Gesundheitssysteme zu investieren, um die Menschen gesund, sicher und frei von vermeidbaren Krankheiten zu halten.

3) Die wirtschaftlichen Folgen

Die UN-Wirtschaftskommission für Afrika schätzt, dass das Wirtschaftswachstum in Afrika um die Hälfte zurückgehen könnte. Grund dafür sind Unterbrechungen in Lieferketten, sinkende Investitionen und geringere Rücküberweisungen.

Viele afrikanische Länder handeln mit Rohstoffen. Dazu gehört zum Beispiel Öl, aber auch Lebensmittel. Gleichzeitig wird in Afrika viel Kleidung produziert. Außerdem ist für viele Länder Tourismus eine oder sogar die wichtigste Einnahmequelle. Aufgrund der Wirtschaftskrise, die aus den Folgen des Coronavirus entstanden ist, sinkt die Nachfrage nach diesen Produkten und Dienstleistungen. Das bedeutet Preisverfall – und als Folge eine schlimme Wirtschaftskrise für die Staaten. Wenn die Wirtschaft einbricht, brechen auch die Einnahmen aus Rohstoffexporten, Einfuhrzöllen und Steuern ein – und damit wird es für die Regierungen noch schwerer, Bildungs- und Gesundheitssysteme zu finanzieren. Für viele Menschen bedeutet die Wirtschaftskrise den Verlust des eigenen Arbeitsplatzes.

Aufgrund der zu befürchtenden Rezession haben ausländische Investoren bereits begonnen, ihr Geld aus Aktien und Anleihen in Schwellenländern zu ziehen. Bereits in den ersten zwei Monaten des Jahres 2020 haben sie 78 Milliarden US-Dollar abgezogen. Das ist dreimal so viel wir in den ersten drei Monaten der globalen Finanzkrise 2008!

 

Umso länger es dauert, bis wir COVID-19 weltweit in den Griff bekommen, umso größer wird die Herausforderung, mit den Folgen umzugehen. Die Gesundheitsausgaben könnten auf dem afrikanischen Kontinent unerwartet um bis zu 11 Milliarden US-Dollar ansteigen, um das Virus einzudämmen. Gleichzeitig könnten Einnahmeverluste die Schuldenlast verschlimmern, da mehr als ein Drittel der afrikanischen Länder entweder bereits in Schuldennot ist oder Gefahr läuft, in Schuldennot zu geraten. Darum benötigen viele Staaten des Kontinents Unterstützung im Kampf gegen das Coronavirus – auch von Deutschland und der EU: Kurzfristig muss medizinisches Equipment zur Verfügung gestellt werden, langfristig die Gesundheitssysteme weiter gestärkt werden. Wirtschaftlich muss es in Afrika wie in Europa darum gehen, Jobs zu retten und verstärkt zu investieren.

 

The post Viren kennen keine Grenzen – COVID-19 in Afrika appeared first on ONE.

Kategorien: Ticker

E+Z/D+C 2020/04 – mo – nowadays – Thuany Rodrigues – Brazil – Quilombos

E+Z - 25. März 2020 - 9:52
Brazil aims to preserve the historical legacy of Quilombos, communities of escaped slaves

These settlements, known as Quilombos, are nearly extinct today. Almost all their residents have long since died, and most of those residents’ descendants have moved away. But Brazilian authorities now are trying to preserve some of these communities and tell their story – both as a sombre reminder of the evils of slavery and as a new cultural attraction for tourists.

Quilombos were essentially communities of active resistance formed by escaped African slaves, who were first brought to Brazil in the mid-1500s. Quilombos were established over the centuries until slavery was abolished in 1888. At least 10 such settlements were created. Most were small, but some of the more populous ones tried to cooperate with each other to protect their freedom.

Most Quilombos were established in the remote hinterland, but not all of them: Two were located in Armação de Búzios, approximately 175 km east of today’s Rio de Janeiro and a docking point for slave ships from Africa. Many of the slaves were taken onward to the locations north of Armação de Búzios, such as Rasa and Baía Formosa.

One of the few remaining live descendants of members of the Quilombo in Rasa is Dona Cecília Carivaldina de Oliveira, age 104. Although slavery was abolished before she was born, Dona Cecília lived many years in the Rasa Quilombo and heard eyewitness accounts of battles for land. She is still active in preserving the Quilombo culture, retelling the stories and recalling preparations for the annual carnival celebration and religious festivals.

Tourism officials and foundations are taking note of the cultural legacy of the Quilombos, working with local groups to create an ecological/ethnic route that highlights the region’s history.

A Quilombo preservation project in Baía Formosa focuses on reviving African traditions, allowing visitors to dig deeper into the culture of Afro-Brazilian slaves. “The idea is to take the tourists there and say: Look, here we were born, and my parents and great-grandparents too, and we were expelled from that place and now we seek to return there because it is our right,” says Beth Fernandes, president of the Quilombola Association of Baía Formosa.

In Armação de Búzios, meanwhile, volunteers are aiding the construction of a new cultural space, which will include a replica of a Quilombo kitchen creating traditional African recipes. The Quilombo settlements in Armação de Búzios could attract more foreign tourists, who are already coming to the city in large numbers, according to a study by the Tourism Ministry.

While most tourists still come to Armação de Búzios mainly for its beaches, surfing, fine dining and nightlife, they should also give a thought to the people who made the city what it is today, says Rosilene Pereira, the city’s counsellor of culture.

“We only talk about the beaches and the money that circulates here, but then I ask you: what do we say about our people?’’, she says. “We cannot forget how much suffering our people went through so that all this is possible.”

Thuany Rodrigues is a journalist in Brazil.
thuanyrodriigues@gmail.com

Kategorien: Ticker

Fastenaktion 4.0 – oder wie erfinderisch die Krise macht

Misereor - 25. März 2020 - 9:16
Normalerweise, bin ich diesen Wochen unterwegs - bei Vorträgen, Spendenläufen, Coffee Stops. Schließlich ist Fastenzeit. In dieser Zeit mag ich meinen Job besonders, denn ich treffe viele nette, super-engagierte Menschen und habe viele anregende Begegnungen. Dem entsprechend traurig war ich, als klar wurde, dass die Fastenzeit in diesem Jahr deutlich anders ausfällt.

Weiterlesen

Der Beitrag Fastenaktion 4.0 – oder wie erfinderisch die Krise macht erschien zuerst auf MISEREOR-BLOG.

Kategorien: Ticker

Das Virus der Anderen

SWP - 25. März 2020 - 0:00

Dass Covid-19 noch Mitte März in Zentralasien nicht nachgewiesen war, schien paradox. Die Gesellschaften der zentralasiatischen Länder sind überaus mobil, und die Region grenzt geographisch unmittelbar an China, zu dem intensive bilaterale Beziehungen bestehen. Schon Ende Januar hatte Kasachstan einige seiner Grenzübergänge zu China geschlossen, darunter auch den Handelsumschlagplatz Khorgos, einen Knotenpunkt der Ost-West-Achse der chinesischen Seidenstraßeninitiative. Auch Reisebeschränkungen wurden erlassen und Quarantäne für Reisende aus China, später auch aus anderen Ländern angeordnet. Kirgistan zog bald nach, und auch Tadschikistan und Usbekistan verschärften in den folgenden Wochen die Einreisebestimmungen, verhängten Quarantäne für Reisende aus Risikoländern bzw. schlossen wie Turkmenistan die Grenzen ganz.

Gerüchte über Infizierte, die sich in den sozialen Medien schon im Februar verbreiteten, wurden von den Behörden jedoch dementiert. Am 10. März dann stimmte als erstes Kasachstan seine Bevölkerung darauf ein, dass man mit Virusinfektionen rechnen müsse, und drei Tage später wurde der erste Fall einer Covid-19-Infektion bestätigt. Kurz darauf meldeten auch Usbekistan und Kirgistan die ersten Erkrankten. Überall war das Virus den offiziellen Angaben zufolge nicht aus China, sondern von Reisenden aus Europa, den USA oder Saudi-Arabien eingeschleppt worden.

Seither steigen die Zahlen in diesen drei Ländern – bisher auf einem relativ niedrigen zweistelligen Niveau. Alle drei Länder haben den Notstand ausgerufen, vor allem in Kasachstan und Usbekistan hat man dem Virus den Kampf angesagt. Kasachstan hat die beiden großen Städte des Landes, Nur-Sultan und Almaty, in Quarantäne geschickt, und auch in Usbekistan demonstriert man entschlossenes Vorgehen: Die Regierung hat einen Anti-Krisen-Fonds von einer Milliarde US$ eingerichtet, um den Auswirkungen von Corona zu begegnen, und baut Krankenhäuser. Eine Website stellt die relevanten Informationen für die Bevölkerung bereit und fordert sie auf, zu Hause zu bleiben. Kindergärten, Schulen und Universitäten wurden geschlossen, das öffentliche Transportwesen in der Hauptstadt ist eingestellt.

Kein Thema in Tadschikistan

Doch vor Tadschikistan hat das Virus bisher Halt gemacht – so will es jedenfalls das offizielle Narrativ. Die Moscheen wurden Anfang März gesperrt, sind aber inzwischen wieder geöffnet. Auch sonst läuft der Betrieb wie immer. Zwar wurde von Hamsterkäufen und von einem starken Preisanstieg bei den Grundnahrungsmitteln Mehl, Speiseöl und Zucker berichtet, doch die Regierung verbreitet Zuversicht. So hat das Ministerium für Gesundheit und Sozialschutz die Bevölkerung aufgerufen, Gerüchten über die Epidemie nicht zu glauben, und der Präsident selbst mahnte, nicht in Panik zu verfallen wegen der »verschiedenen Infektionen«, die weltweit kursierten. In Schulen und Universitäten ist Corona kein Thema, obwohl ganze Schulklassen husten, wie man aus Kommentaren im Netz erfährt. Auch das persische Neujahrsfest Nawruz am 20./21. März, das in allen Nachbarländern abgesagt wurde, feierte Tadschikistan wie sonst auch, mit Massenveranstaltungen und Straßenfesten – Tausende kamen zusammen.

Unterdessen werden – prophylaktisch, wie es heißt – Hospitäler geräumt, um Platz für mögliche Corona-Kranke zu schaffen. Ein hochrangig besetztes staatliches Gremium soll sich anti-epidemiologische Maßnahmen überlegen, hat aber dazu bisher nichts verlauten lassen. Mehrere Staaten, darunter auch die Bundesrepublik, kümmern sich um die Beschaffung von Notfallausrüstung, vor allem Schutzkleidung für medizinisches Personal in Tadschikistan. Inzwischen müsste einiges an Geld und Gerätschaften zusammengekommen sein. Aber werden die Mittel auch sinnvoll eingesetzt werden?

Soziale Immunisierung

Aus medizinischer Sicht ist Tadschikistan für eine Epidemie denkbar schlecht gerüstet. Der Zustand des Gesundheitswesens ist desaströs, und die Verhältnisse in den Quarantäneeinrichtungen dürften die Verbreitung des Virus eher begünstigen als sie zu unterbinden. Auch wird ein Teil der gespendeten Schutzausrüstung sein Ziel nicht erreichen, sondern an Apotheken weiterverkauft werden, die diese dann zu überhöhten Preisen abgeben. Doch mindestens ebenso entscheidend wie die Frage der Ausstattung mit den grundlegenden Hilfsmitteln ist die Haltung gegenüber dem Virus.

Dass die Politik die möglichen Gefahren einer Epidemie ausblenden kann, liegt auch daran, dass gesellschaftliche Dispositionen dies begünstigen. Die Gründe sind demographischer ebenso wie kultureller Natur. Tadschikistan ist ein junges Land mit einer rasch wachsenden Bevölkerung. Der Anteil der über 55-Jährigen an der Gesamtbevölkerung beträgt nur neun Prozent, chronische Krankheiten, vor allem Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen, sind in dieser Gruppe weit verbreitet, und die Haltung gegenüber dem Tod ist eine fatalistische – wie überall dort, wo lebensverlängernde Maßnahmen denen vorbehalten sind, die sie sich leisten können. In Tadschikistan ist das nur ein verschwindend kleiner Teil der Gesellschaft. Darüber hinaus ist die Einstellung gegenüber Krankheit und Gesundheit in Tadschikistan stark von volkmedizinischen und religiösen Vorstellungen geprägt. In sozialen Netzwerken, wo »Corona« sehr präsent ist, fehlt es nicht an entsprechenden Empfehlungen zur Virusbekämpfung. Der Rauch der Steppenraute (peganum harmala), der als Hausmittel breite Anwendung findet, spielt dabei eine ebenso prominente Rolle wie die Rezitation der Sure Ya Sin. Diese Empfehlungen werden, davon darf ausgegangen werden, von vielen Tadschiken umgesetzt, also ernst genommen.

Vor diesem Hintergrund ist zu erwarten, dass sich Covid-19 auch in Tadschikistan ausbreiten wird. Wahrscheinlich werden bald ein paar Fälle gemeldet werden – allein aus Gründen der Glaubwürdigkeit. Doch werden sich die gemeldeten Zahlen auf einem niedrigen Niveau einpendeln. Wer sollte sie auch überprüfen? In Anbetracht fehlender Handlungskapazitäten ist eine soziale Immunisierung durch die Mobilisierung kultureller Ressourcen eine naheliegende Option.

Kategorien: Ticker

„Ich befürchte, dass das Coronavirus viele Länder relativ ungeschützt treffen wird“

VENRO - 24. März 2020 - 17:15

Die Vorsitzende des Unterausschusses Globale Gesundheit im Deutschen Bundestag, Heike Baehrens, warnt im Interview vor den Auswirkungen des Coronavirus auf Afrika und sieht Entwicklungs- und humanitäre Organisationen bei der Krisenbewältigung in einer wichtigen Brückenfunktion.

Frau Baehrens, das Coronavirus breitet sich zunehmend auch in Afrika aus. Immer mehr Länder melden erste Fälle. Mit welchen Auswirkungen rechnen Sie, wenn sich das Virus in afrikanischen Ländern weiter verbreitet?

Die Ausbreitung des Virus auf dem afrikanischen Kontinent verfolge ich mit großer Sorge. Die meisten Staaten haben nur schwache Gesundheitssysteme, in denen es an vielem und insbesondere an gut ausgebildeten Gesundheitsfachkräften mangelt. Die Menschen in diesen Ländern sind schon von anderen Infektionskrankheiten wie Tuberkulose oder Malaria bedroht und leiden auch zunehmend an nicht-übertragbarer Krankheiten. Vor diesem Hintergrund befürchte ich, dass das Coronavirus diese Länder relativ ungeschützt treffen wird. Alle Bestrebungen, eine funktionierende und flächendeckende Gesundheitsversorgung für die breite Bevölkerung aufzubauen, könnten um Jahre zurückgeworfen werden: vermutlich eine Entwicklung, die wieder besonders vulnerable Gruppen wie Frauen, Kinder oder Menschen mit Behinderung treffen würde.

Infolge der Ebola-Epidemie vor sechs Jahren starben in Afrika 11.000 Menschen. Sind die afrikanischen Gesundheitssysteme heute besser gerüstet?

Vielleicht besser, aber nicht gut genug. Seit der ersten Ebola-Epidemie in Westafrika hat sich zwar eine Menge getan – nicht zuletzt auch dank der Arbeit Ihrer Mitgliedsorganisationen. Ich denke aber, dass es noch weit größerer Anstrengungen bedarf, um das Gesundheitsziel 3 der Vereinten Nationen auch nur ansatzweise zu erreichen. Hierfür braucht es dauerhaft einen größeren politischen Willen aller Beteiligten, der örtlichen Regierungen sowie der internationalen Gemeinschaft. Darum sehe ich die aktuellen Pläne des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), Gesundheit als Ziel der bilateralen Bemühungen zu streichen, äußerst kritisch. Ich kann nur hoffen, dass die jetzige weltweite Gesundheitskrise ein Einsehen in dieser Frage bewirkt.

Welche Maßnahmen sollte Deutschland auf internationaler Ebene vorantreiben, um der Ausbreitung des Coronavirus wirksam zu begegnen?

Das Wichtigste ist im Moment, die Ausbreitung des Virus hierzulande zu verlangsamen, um auch die Übertragung in andere Regionen zu vermeiden. Darum haben wir sofort die Weltgesundheitsorganisation (WHO) strukturell und finanziell gestärkt.

Wesentlich erscheint mir aber auch, das jetzt gewonnene Erfahrungswissen und Forschungs-Knowhow weltweit auszutauschen. Und sollte sich das Virus auf dem afrikanischen Kontinent ausweiten, müssen auch die afrikanischen Länder von den jetzt aufgestockten Produktionskapazitäten (z.B. Diagnostika oder Schutzausrüstung) profitieren können. Ich stelle mir vor, dass diese Solidarität über die Partnerschaft der Europäischen- und Afrikanischen Union (EU-AU) organisiert werden könnte. Auch der WHO als enger beratender Partner der afrikanischen Staaten kommt eine besondere Verantwortung zu.

Auf allen Ebenen der bilateralen Zusammenarbeit können und müssen möglichst viel Fachwissen und Finanzkraft in den Aufbau belastbarer Gesundheitssysteme fließen. Das ist gut für die Bekämpfung der Corona-Pandemie und gut im Hinblick auf die übrigen Gesundheitsthemen.

Wie können und sollten Entwicklungs- und humanitäre Organisationen bei der Krisenbewältigung eingebunden werden?

Die Mitarbeitenden von Entwicklungs- und humanitären Organisationen leisten Vorbildliches und haben schon jetzt eine wichtige Brückenfunktion. Sie können die hierzulande gemachten Erfahrungen und das Knowhow auf die jeweilige Situation in den Ländern, in denen sie tätig sind, übertragen.

In der letzten Krisensitzung mit dem Bundesgesundheitsministerium habe ich aber auch darauf aufmerksam gemacht, wie viel Fachwissen und Kapazitäten die hierzulande tätigen Mitarbeitenden in die Bewältigung der aktuellen Krise einbringen können. Ihre Stimme gibt wichtige Anregungen, wo es auch in unserem Versorgungssystem einzelne Lücken gibt.

Heike Baehrens ist Abgeordnete des Deutschen Bundestages und Vorsitzende des Unterausschusses Globale Gesundheit.

24. März 2020

ONE - 24. März 2020 - 14:52

1. Corona in Afrika: Alarmglocken schrillen
Wie unter anderem das Süddeutsche Zeitung, ZDF und SAT.1 melden, warnt die Welthungerhilfe vor den drastischen Folgen einer bevorstehenden Corona-Pandemie auf dem afrikanischen Kontinent. Marlehn Thieme, Präsidentin der Welthungerhilfe, geht davon aus, dass mit vielen Toten zu rechnen sei. Vor allem in Gebieten mit kaum existenten Gesundheitssystem werden die Folgen des Virus verheerend sein. Die offiziell geringen Zahlen kommen aufgrund mangelnder Tests zustande, so Thieme. Die norwegische Regierung will einen Corona-Fonds unter Schirmherrschaft der Vereinten Nationen (UN) aufbauen, wie das Handelsblatt, Focus Online und die Deutsche Welle melden. Damit soll vor allem Entwicklungsländern bei der Bewältigung der Krise und den langfristigen Folgen geholfen werden. Die UN prüfe den Vorschlag. Zdf.de und Stern melden zudem, dass UN-Generalsekretär António Guterres angesichts der Corona-Pandemie einen weltweiten Waffenstillstand fordert. Eine Niederlegung aller gewaltsamen Konflikte sei nötig, um die Sicherheit in der Corona-Pandemie zu gewähren. Nur so könne man humanitäre Korridore für Zivilist*innen schaffen. Sie gelte es vor den Folgen der Pandemie zu schützen. Alle Staaten müssten ihre Kapazitäten auf die Bekämpfung des Virus fokussieren.

2. Kamerun: Wut gegen Deutsche
Nicht alle Deutschen werden bei den weltweiten Rückholaktionen des Auswärtigen Amts berücksichtigt, wie der Tagesspiegel, das Hamburger Abendblatt und die Tageszeitung (taz) berichten. Jenseits von Tourismusgebieten können Reisende nicht einfach vom Auswärtigen Amt oder privaten Reiseunternehmen zurückgeholt werden. Insgesamt seien rund 300.000 EU-Bürger*innen als Forscher*innen, Handlungsreisende oder Entwicklungshelfer*innen im Ausland und müssen um ihre Rückkehr bangen. Etwa zwei Forschungsteams der Hamburger Universität sowie Mitarbeiter*innen der Münchner Uniklinik sitzen in Kamerun fest. Die Grenzen des afrikanischen Staats seien geschlossen. Die Sicherheitslage sei vor allem für ausländische Reisende zunehmend angespannt. Im Land steige die Angst vor dem Coronavirus. Vor allem europäische Reisende werden dafür verantwortlich gemacht, das Virus ins Land zu bringen. Sie müssen mit Anfeindungen bis hin zu tätlichen Angriffen rechnen. Reisenden werde daher von der Botschaft geraten sich nicht derzeit nicht außerhalb ihrer Hotels aufzuhalten. Jedoch sei fraglich, wie lange diese noch geöffnet sind und wie dann die Lage für die Betroffenen aussieht. Um die Betroffenen aus dem Land ausfliegen zu können, bemühe sich die deutsche Botschaft derzeit noch um eine Sondergenehmigung.

3. Guinea: Tote bei Wahlen
In Guinea sind bei der Parlamentswahl am vergangenen Sonntag mehrere Menschen ums Leben gekommen, wie das ZDF, die Frankfurter Rundschau, die Deutsche Welle und der Deutschlandfunk melden. Die Wahlen seien zuvor bereits mehrmals verschoben worden. Trotz der Corona-Pandemie habe die Regierung dieses Mal auf die Durchführung des Urnengangs bestanden. Während der Wahl sei es in der Hauptstadt Conakry zu Ausschreitungen gekommen. Anhänger der Oppositionen seien in Kämpfe mit der Polizei geraten. Laut Opposition seien dabei zehn Menschen getötet worden. Die Regierung spreche von zwei Todesopfern. Seitens der Opposition werde befürchtet, dass der derzeitige Präsident Alpha Conde seine bereits zehnjährige Amtszeit weiter verlängert. Bei den Wahlen sei über ein neues Parlament und eine neue Verfassung abgestimmt worden, die eine dritte Amtszeit Condes ermöglichen würde. Insgesamt seien seit Oktober bei Ausschreitungen um die Proteste der Opposition über dreißig Menschen ums Leben gekommen.

The post 24. März 2020 appeared first on ONE.

Kategorien: Ticker

Bürgerkrieg im Jemen: Das steckt dahinter

Welthungerhilfe - 24. März 2020 - 14:38
Im Jemen herrscht ein Bürgerkrieg mit internationaler Beteiligung; trotz intensiver Bemühungen der Vereinten Nationen, einen Friedensprozess in Gang zu bringen, ist ein Ende der Kämpfe nicht in Sicht. Islamwissenschaftlerin und Vorstandsvorsitzende des "Center for Applied Research in Partnership with the Orient" (CARPO) Marie-Christine Heinze analysiert den Konflikt und stellt die aktuelle Situation im Jemen dar.
Kategorien: Ticker

Rojava – Ökologie, Feminismus, Demokratie

EINEWELTblabla - 24. März 2020 - 11:14

Rojava ist ein Gebiet im Norden von Syrien, das aus den drei autonomen selbstverwalteten Kantonen Afrîn, Kobanê und Cizîrê besteht und hauptsächlich von Kurd*innen besiedelt ist. In unseren Nachrichten war Rojava hauptsächlich präsent, weil die Bevölkerung sich erfolgreich gegen den IS behauptet hat und wegen des Rückzugs der USA aus dem Gebiet und des direkt darauffolgenden Einmarschs der Türkei. Schade eigentlich, denn das Projekt Rojava ist in vielerlei Hinsicht revolutionär und ein Vorzeigemodell für moderne Gesellschaften.

Das Projekt Rojava

Am 21. Januar 2014 wurde in Rojava die Autonomie ausgerufen und ein demokratischer Gesellschaftsvertrag verabschiedet. Dieser bildet die verfassungsrechtliche Grundlage und basiert auf den Grundprinzipien des demokratischen Konföderalismus. Obwohl Kurd*innen den größten Anteil der Bevölkerung bilden, leben diese mit Araber*innen, Turkmen*innen, Armenier*innen und Tschetschen*innen friedlich zusammen und alle praktizieren ihren Glauben ohne Diskriminierung zu erfahren. Hinzu kommen zahlreiche Menschen auf der Flucht vor dem IS, dem syrischen Regime oder aus Nachbarstaaten. Für linke Gruppen ist nicht nur diese Friedfertigkeit in Bezug auf kulturelle, religiöse und ethnische Hintergründe interessant, sondern besonders das dort praktizierte Experiment einer direkten kommunalen Demokratie mit radikaler Ökologie und feministischer Emanzipation.

Das Weltbild hinter Rojava

Die Grundlagen der Revolution in Rojava sind Werte des Sozialismus sowie eine Verbindung von Ökologie mit radikaler Demokratie und Feminismus. Es bildet somit eine Alternative zum bestehenden System der kapitalistischen Moderne, die die Natur zerstört, Geschlechter unterdrückt und die Gesellschaften spaltet durch Nationalismus und Rassismus. Es steht die gleiche Ideologie hinter der Ausbeutung der Natur und der Unterdrückung der Frau: eine patriarchale Mentalität von Herrschaft, Hierarchie und Objektivierung. Frauen sind Männern in Rojava vollkommen gleichgestellt und essentieller Teil des politischen Lebens. Einen spannenden Beitrag dazu findet ihr hier in der Arte Mediathek.

Der Mensch im Verhältnis zur Natur

Die Menschen aus und Aktiven in Rojava sind überzeugt, dass ökologische Probleme unserer Zeit nur mit einer demokratischen Gesellschaft gelöst werden können, die auf regionalen und kollektiven Formen des Wirtschaftens beruht. Die Gesellschaft ist in Räten und Versammlungen organisiert, um bedürfnisorientiert und auf eine ökologische Weise ihre Wirtschaft zu gestalten, jenseits der Logik kapitalistischer Konkurrenz und permanentem Wachstum. So behandelt der Jineoloji (kurdisch: Wissenschaft der Frau, spezifische Form des Feminismus in Kurdistan) explizit ökologische und kollektive Formen des Wirtschaftens. Das gesellschaftliche Wissen über die Zusammenhänge der Natur soll wieder ins gesellschaftliche Bewusstsein zurückgeholt werden.

Make Rojava green again

Die Kampagne „Make Rojava green again” wurde von der Internationalistischen Kommune* ins Leben gerufen, um einen Beitrag zur ökologischen Revolution in Nordsyrien zu leisten. Sie soll eine Brücke zwischen Diskussionen, Erfahrungen und Arbeiten der Menschen in Rojava zu Aktivist*innen, Wissenschaftler*innen und Bewegungen weltweit herstellen. Im Zentrum steht die Frage, wie eine demokratische und ökologische Gesellschaft aufgebaut werden kann. Es geht um ideologische Fragen zur Gesellschaft sowie Hintergrundinformationen über die konkrete Situation in Rojava.

*Die Internationalistische Kommune ist Teil der Selbstverwaltungsstrukturen der Autonomen Föderation Nordsyrien/Rojava. Neben der Kampagne haben Aktivist*innen außerdem eine internationalistische Akademie gegründet, in der neben politisch-kultureller Bildung auch Sprachunterricht und kollektives Leben gefördert werden.

Was wir aus Rojava für unsere Klimagerechtigkeitsbewegung lernen können

Hinter den verschiedenen Gerechtigkeitskämpfen in Rojava steht eine Ideologie, die diese verbindet. Sie skizziert eine freie Gesellschaft auf allen Ebenen und bietet so ein Ziel sowie einen Rahmen, in dem die einzelnen Kämpfe vereint sind. So können alle kleinen Schritte in ein Gesamtbild gefasst und als Weg zum langfristigen Ziel verstanden werden. Während bei uns verschiedene Bewegungen getrennt voneinander existieren oder sich sogar die Dynamiken nehmen, vereinen diese sich in Rojava zu Teilen eines großen Ganzen.

Beitragsbild von Masoud Zada auf Pixabay

Der Beitrag Rojava – Ökologie, Feminismus, Demokratie erschien zuerst auf EineWeltBlaBla.

Kategorien: Ticker

Furcht und Freiheit

E+Z - 24. März 2020 - 10:08
Liberale Demokratie kann Grausamkeit verhindern und ist deshalb verteidigenswert, schreibt Jan-Werner Müller

Die liberale Demokratie wird derzeit in vielen Ländern von autoritären Populisten infrage gestellt. Das hat zu intensiven Mediendebatten geführt. Der in den USA lehrende deutsche Politikwissenschaftler Jan-Werner Müller hat dazu sehr wichtige Beiträge geliefert. Sein neues Buch untersucht, warum die liberale Demokratie verteidigenswert ist.

Die Begriffe „liberal“ und „Liberalismus“ haben eine lange Geschichte in der politischen Philosophie. Wofür sie stehen, ist nicht eindeutig. In den USA und Kanada treten „Liberale“ für einen starken Sozialstaat ein und stehen tendenziell mitte-links. In Australien dagegen ist die Liberale Partei von Premierminister Scott Morrison seit Langem die etablierte konservative Kraft und wirkt mit ihrer Klimaleugnung und Xenophobie zunehmend populistisch.

„Populismus“ ist freilich ein weiterer Begriff, der klar definiert werden muss. In seinem 2016 veröffentlichen Buch „Was ist Populismus?“ hat Müller das auf exzellente Weise getan (siehe Rezension von Hans Dembowski im Schwerpunkt von E+Z/D+C e-Paper 2017/02). Populisten behaupten demnach:

  • unmittelbar „das“ Volk zu vertreten,
  • bestreiten die Legitimität aller anderen politischen Kräfte und
  • agitieren einerseits gegen vermeintlich ausbeuterische Eliten und andererseits gegen Minderheiten.

Typischerweise inszenieren sich Populisten als Opfer. Sobald sie Machtpositionen erreichen, versuchen sie sich dann nach Kräften demokratischer und rechtlicher Kontrolle zu entziehen. Wenn in E+Z/D+C von Populismus die Rede ist, bezieht sich das auf Müllers Definition.

Das neue Buch behandelt verschiedene Bedeutungen von Liberalismus und verwirft einige davon. Müller lehnt zum Beispiel den marktradikalen Liberalismus ab, weil dieser einerseits allen, die mit eigener Arbeit Geld verdienen müssen, strenge Verhaltensregeln auferlegt, zugleich aber finanzkräftigen Akteuren kaum Grenzen setzt. Es stimmt nun mal nicht, dass nur der Staat Freiheit einschränkt. Privatunternehmen können das auch tun.

Grausamkeit vermeiden

Aus Müllers Sicht muss eine gerechte Gesellschaftsordnung verletzliche Menschen vor der Grausamkeit der Mächtigen schützen – und das kann nur die liberale Demokratie leisten. Dieser Gedankengang stammt ursprünglich Judith Shklar (1928–1992), einer säkularen Jüdin die vor den Nazis aus Osteuropa nach Amerika floh und Philosophieprofessorin an der Harvard University wurde. Müller greift ihre Ideen auf. Er schreibt, der Ausgangspunkt für die Gestaltung einer Sozialordnung müsse sein, den Opfern von Grausamkeit Gehör zu schenken. Deren Erfahrung müsse die Politik dann so leiten, dass Furcht vor Grausamkeit unnötig werde.

Müller behauptet nicht, dass jede liberale Demokratie diesem Ideal entspricht. Er unterstreicht aber, dass andere politische Systeme gar nicht für diesen Zweck konzipiert sind. Selbstgefällige Opferposen, wie sie Populisten gern im Namen von Mehrheiten einnehmen, sind dagegen Wegbereiter für autoritäre Herrschaft und die Diskriminierung von Minderheiten.

Das Buch „Furcht und Freiheit“ ist zunächst auf Deutsch erschienen. Eine englische Version werde vorbereitet, sagt Müller, er wisse aber noch nicht, wann sie erscheine. Die Botschaft ist wichtig, aber das Werk ist nicht leicht zu lesen. Der Autor taucht tief in die Geschichte der politischen Philosophie ein. Unter anderem erläutert er,

  • dass Frankreich einst als liberales Vorbild galt (denn der Code Civil des autokratischen Herrschers Napoleon schaffte aristokratische Privilegien ab und führte im Marktgeschehen Gleichberechtigung aller Bürger ein),
  • dass wohlhabende Eliten historisch die liberale Demokratie der uneingeschränkten Demokratie vorzogen (denn Verfassungen setzen dem Mehrheitswillen Grenzen) und
  • dass sich liberale Forderungen nach Chancengleichheit recht spät entwickelten und nicht überall gleichermaßen zu konsequenten Staatseingriffen in Märkte führten.

Müller schildert auf faszinierende Weise eine breite Palette von Bedeutungskonnotationen des Begriffes „liberal“. Die Stärke seines Buches ist, dass er die Forderung nach liberaler Demokratie ethisch mit dem Schutz vor Grausamkeit erdet.

Das Buch liefert allerdings keine Diagnose dafür, welche Ursachen die aktuellen politischen Krisen vieler Staaten heute haben. Der Klimawandel wird kaum erwähnt. Müller lässt sich auch nicht auf die weltweite Superelite milliardenschwerer Oligarchie ein, von denen viele populistischen Nationalismus unterstützen. Beispiele sind die Koch Brüder oder die Mercers in den USA oder der Verleger Rupert Murdoch. Sie profitieren von der Globalisierung, wollen aber staatlicher Regulierung entgehen. Mit gutem Grund wird argumentiert, dass sie das zur Förderung rechter Nationalisten motiviert (siehe Hans Dembowski im Monitor von E+Z/D+C e-Paper 2019/09).

Der Hintergrund ist, dass die Regulierung internationaler Märkte in wachsendem Maße auf supranationaler Kooperation beruht und nicht einzelstaatlich durchgesetzt werden kann. Wer auf nationale Souveränität besteht, macht deshalb Regierungen nicht stärker, sondern schränkt deren Fähigkeit ein, die Globalisierung zu gestalten. Müller arbeitet, wie er E+Z/D+C mitgeteilt hat, an einem Buch, das solche Fragen behandeln wird – und das zuerst auf Englisch erscheinen wird.

Literatur

Müller, J.-W., 2019: Furcht und Freiheit – Für einen anderen Liberalismus. Berlin, Suhrkamp
Müller, J.-W., 2016: Was ist Populismus? Berlin, Suhrkamp).

Kategorien: Ticker

Meet Christian Malarciuc, New Project Manager in the Sustainable Lifestyles (SL) Team

SCP-Centre - 24. März 2020 - 9:56

Christian, a former market researcher, will support the CSCP in projects focusing on behaviour change and will work closely with NGOs and businesses in fostering more sustainable lifestyle practices.

Why did you want to work for the CSCP?

As someone who has always been interested in both the theoretical as well as practical underpinnings of sustainability issues, I was very much drawn to the CSCP’s position as a Think and Do tank. Beyond this, what really appealed to me was the internationality of the team and diversity of projects as I studied in different countries and enjoy delving into different topic areas. Also, I very much share the CSCP’s approach to collaboration and focus on facilitating communication among different stakeholders. Because that is exactly what we need more of today in my opinion.

What drew you to work in sustainability?

I have always been driven by a curiosity to understand why things are the way they are. My bachelor’s degree in Arts & Culture helped me to see the interdisciplinary nature of things and how the interplay between different factors gives rise to the kind of society we live in. Sustainability issues, and our discussions about them, present a fascinating gateway into precisely these systemic dynamics as they force us to (re)consider the kind of values we uphold and aspire to as a society, thereby putting into question traditional practices and structures. It is this potential for systemic change that has always intrigued me about ‘sustainability’ as a subject, leading me to do a master’s degree in Environmental Governance.

What would you highlight from your past experience and how does that relate to the CSCP?

I think I was lucky enough to study programs that shared the CSCP’s focus on interdisciplinarity and building connections between different areas and stakeholders in society. It is a mindset which I share and which provides a great foundation for the kind of work we do here. In terms of practical experience, I used to work in b2b market research which helped me gain an understanding of the needs and challenges that private companies face as well as provided me with great knowledge about research methods. Since part of our work within the Sustainable Lifestyles (SL) team focuses on helping businesses and organisations foster more sustainable lifestyle practices, I look to contribute my knowledge towards smart behaviour change interventions that really make an impact.

What are the topics/projects that you are most excited about in your new job?

The main project that I am working on is called weiter_wirken and it is based on the model of our Academy of Change (AOC). The project is about capacity building and aims to support NGOs and initiatives from the NRW region to increase the impact of their projects that focus on fostering sustainable lifestyles. Behaviour change insights constitute a highly complex and just as important area, which many NGOs do not yet incorporate into the design of their projects and campaigns. With weiter_wirken, as with the Academy of Change, we want to fill in this knowledge gap and support organisations in designing more impactful behavior change projects and activities.

For further questions, please contact Christian Malarciuc.

 

Der Beitrag Meet Christian Malarciuc, New Project Manager in the Sustainable Lifestyles (SL) Team erschien zuerst auf CSCP gGmbH.

Kategorien: english, Ticker

Für Governance eintreten

E+Z - 24. März 2020 - 9:09
Der zivilgesellschaftliche Raum in Indien wird immer kleiner, Geber sollten daher ihre Haltung überdenken

Indien hat eine lange Geschichte des INGO-Engagements. Im Fokus ihrer Arbeit stehen meist marginalisierte Gruppen wie Frauen, Dalits, Adivasi oder Muslime. Die Regierung beobachtete INGOs schon in der Vergangenheit kritisch, Modi geht aber noch einen Schritt weiter. Seine Regierung hat deren Finanzierungskanäle im Foreign Contributions Regulation Act (FCRA) radikal eingeschränkt. Den Niederlassungen von INGOs wie Amnesty International oder Greenpeace wurden Gelder gestrichen und ihre Räume unter dem Vorwand der Strafverfolgung durchsucht.

Nach Regierungsangaben ist die ausländische Finanzierung von NGOs zwischen 2014, als Modi Präsident wurde, und 2017 um rund 60 Prozent gesunken. Allein 2017 verloren rund 4800, meist indische NGOs ihre Lizenz. Die Situation wird sich verschärfen. Laut dem neuen Finanzgesetz müssen NGOs ihre Registrierung alle fünf Jahre erneuern.

Die derzeitige Regierung strebt eine Hindu-Vorherrschaft an („Hindutva“). Sie wendet sich gegen alle Minderheiten, vor allem aber gegen Muslime (siehe Kasten von Arfa Khanum in der Tribüne des E+Z/D+C e-Papers 2020/03). Auch christliche Organisationen werden unter Druck gesetzt. Compassion International wurde beschuldigt, Religionsübertritte zu unterstützen und aufgefordert, die Arbeit einzustellen.

Dass der Raum für die Zivilgesellschaft kleiner wird, ist derzeit in vielen Ländern zu beobachten, beispielsweise in Russland, Brasilien oder auf den Philippinen. Nach innen gerichtete Nationalisten versuchen, ihre Macht mit aggressiver Identitätspolitik zu festigen, aber nicht die drängenden Probleme wie Armut oder Umweltzerstörung zu lösen.

Die indische Regierung hat ein Narrativ geschaffen, nach dem jede Kritik antinational und sogar eine potenzielle Sicherheitsbedrohung ist. Seit Dezember sieht sie sich mit einer beispiellosen breiten und gewaltlosen sozialen Bewegung konfrontiert, die die säkulare indische Verfassung aufrechterhalten will. Diese verbietet Diskriminierung aus religiösen und anderen Gründen (siehe Arfa Khanum in der Tribüne des E+Z/D+C e-Papers 2020/03). Als Reaktion darauf verbreiten Hindutva-Befürworter Hassparolen („Erschießt die Verräter“). Der von ihnen ausgehende Pogrom Ende Februar in Delhi forderte mehr als 50 Todesopfer (siehe Blogpost auf der E+Z/D+C-Website).

Die indische Wirtschaft befindet sich in einem Abschwung. Die jüngste Insolvenz der wichtigen privatwirtschaftlichen Yes Bank verschärft die Probleme. Turbulenzen auf den internationalen Finanzmärkten werden sicher nicht helfen. Viele Inder, auch regierungskritische Hindus, befürchten, dass die repressiven Maßnahmen der Hindutva die Lage noch verschlimmern werden.

Indien erhält viel öffentliche Entwicklungshilfe (Official Development Assistance – ODA). Nur ein kleiner Teil wird über INGOs umgesetzt. Finanziell bedeutender sind multilaterale Organisationen wie das UN-Entwicklungsprogramm oder die Weltbank sowie bilaterale Durchführungsorganisationen wie die Japan International Cooperation Agency (JICA) oder die GIZ. Diese meiden politisch sensible Bereiche wie Menschenrechte oder Rechtsstaatlichkeit und fokussieren sich auf Themen wie Infrastruktur, Energie und Klimaschutz. Dennoch ist ihnen gute Regierungsführung wichtig, weil der Erfolg ihrer Projekte davon abhängt.

Sie können sich aus mehreren Gründen nicht schnell oder vollständig aus einem Land mit 14 Prozent der Weltbevölkerung zurückziehen. Zudem sind ODA-Programme weitgehend auf globale öffentliche Güter wie den Klimaschutz ausgerichtet. Andererseits ermöglicht die Infrastrukturfinanzierung der Modi-Regierung, andere Ziele zu verfolgen.

Internationale Medien haben bemerkt, wie gefährlich Modi ist, und die INGOs geben den Kampf für Gleichheit und Menschenrechte nicht auf. Aus diplomatischen Gründen können multilaterale und bilaterale Geber ihre Kritik nicht öffentlich ausdrücken. Wenn sie der indischen Führung aber sagen, dass sie sich stärker in Governance-Fragen engagieren wollen, könnten Modi und sein Kabinett die Botschaft verstehen.

Richa Arora ist Alexander-von-Humboldt-Fellow an der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP).
https://www.swp-berlin.org

Kategorien: Ticker

Live Love Recycle: Ein Beiruter Abholdienst rettet Wertstoffe vor der Mülldeponie

reset - 24. März 2020 - 7:05
Was, wenn es keinen städtischen Sammeldienst für Wertstoffe gibt? In Beirut nimmt sich eine Initiative mit einem Abholdienst nicht nur dieser Umweltherausforderung an, sondern schafft gleichzeitig auch hunderte neue Arbeitsplätze.
Kategorien: Ticker

Live Love Recycle: In Beirut rettet ein Abholdienst wertvolle Recycling-Stoffe vor der Mülldeponie

reset - 24. März 2020 - 7:05
Was, wenn es keinen städtischen Sammeldienst für Wertstoffe gibt? In Beirut nimmt sich eine Initiative mit einem Abholdienst nicht nur dieser Umweltherausforderung an, sondern schafft gleichzeitig auch hunderte neue Arbeitsplätze.
Kategorien: Ticker

Bangladesch und die Rohingya-Flüchtlinge: Wie die Armen den Ärmsten helfen

Misereor - 23. März 2020 - 17:47
In ihrer Heimat Myanmar werden die Rohingya verfolgt. Doch im Flüchtlingscamp Kutupalong in Bangladesch fühlen sie sich sicher. Über eine Million Rohingya haben in einem der ärmsten Länder der Welt Zuflucht gefunden. Allerdings sind ihre Lebensumstände im größten Flüchtlingslager der Welt alles andere als einfach.

Weiterlesen

Der Beitrag Bangladesch und die Rohingya-Flüchtlinge: Wie die Armen den Ärmsten helfen erschien zuerst auf MISEREOR-BLOG.

Kategorien: Ticker

UNICEF: Höhere Risiken für Kinder wegen Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus

Unicef - 23. März 2020 - 17:00
Millionen Kinder weltweit sind wegen der Maßnahmen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie höheren Risiken ausgesetzt. Dazu gehören Misshandlung, geschlechtsspezifische Gewalt, Ausbeutung, soziale Ausgrenzung sowie die Trennung von ihren wichtigsten Bezugspersonen. UNICEF appelliert daran den Schutz und das Wohlergehen der Kinder sicherzustellen.
Kategorien: Ticker

Sustainability through public procurement: the way forward – Reform Proposals

DIE - 23. März 2020 - 15:54

Public procurement amounts to about 16 percent of the EU Member States’ GDP. A major contribution to the achievement of the Sustainable Development Goals is possible by enhancing sustainable procurement practices. The 2014 EU Public Procurement Directives (Directives 2014/23/EU, 2014/24/EU and 2014/25/EU) have largely clarified the scope for permissible sustainable procurement decisions, but the adoption of Sustainable Public Procurement (SPP) is still limited. The rules could be more permissive and thoroughly take into account all the different aspects of sustainability. Even more urgent and essential is to push for behavioural and organisational changes in the ways contracting authorities perform their buying functions to maximise positive, sustainable impacts. It is critical to change procurement management practices so that the sustainability demanded in contracts is properly verified along the entire supply chain and remedial actions are taken where non-compliance is detected.

We make three main proposals:

1. That the EU invests significantly in the professionalisation of contracting officials, procurement strategists and financial auditors.

2. That the EU makes it mandatory for contracting authorities to map and monitor their supply chains for risks of breaches of environmental and social rules, including those protecting human rights.

3. That the EU makes the legislative environment more ‘SPP friendly’.

Kategorien: Ticker

23. März 2020

ONE - 23. März 2020 - 14:39

1. Afrikas Jugend optimistisch
In der Süddeutschen Zeitung thematisiert Anna Reuß die Ergebnisse der ‚African Youth Survey‘. Für die Umfrage seien junge Erwachsene auf dem gesamten afrikanischen Kontinent zu ihren Hoffnungen und ihrer Identität befragt worden. Ein Großteil der jungen Generation sei optimistisch. Sie glauben daran, etwas verändern zu können, würden in Bildung investieren, sparen und wollen gründen. Auch in Ländern mit kritischer Sicherheitslage oder Folgen von Naturkatastrophen seien die jungen Menschen zuversichtlich, dass sich ihre Situation verbessert. Anders als bei den älteren Generationen werden die Folgen des Kolonialismus von einer Mehrzahl der Befragten nicht mehr als Entwicklungsemmnis wahrgenommen. Die Haltung gegenüber der Europäischen Union sei überwiegend positiv. In Konfliktgebieten wünsche man sich vor allem Stabilität und Demokratie. In anderen Regionen wünschen sich die Menschen eine weitreichendere Digitalisierung sowie Finanzmittel, um Unternehmen zu gründen. Die meisten Befragten bewerten gutbezahlte Jobs, Frieden, Stabilität und die Eindämmung von Korruption als die wichtigsten Pfeiler für eine gute Zukunft.

2. UN beklagt: Wassermangel
Wie unter anderem Tagesschau.de, Zdf.de, Focus Online, Zeit Online, Wallstreet Online und der Deutschlandfunk melden, hat sich laut Weltwasserbericht der Vereinten Nationen (UN) der Wasserverbrauch in den letzten hundert Jahren versechsfacht. Zudem habe sich die Wasserqualität insgesamt verschlechtert. 2,2 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser, etwa ein Viertel der Weltbevölkerung. Laut Bericht führen Bevölkerungswachstum, Wirtschaftswachstum sowie veränderte Konsumgewohnheiten dazu, dass der Wasserverbrauch weiterhin um ein Prozent pro Jahr steige. Die Erderwärmung führe zur Häufung von Extremwetterereignissen. In bereits jetzt von Hitzewellen und Starkregenfällen betroffenen Gebieten werde sich die Lage noch verschlechtern. Auch noch nicht betroffene Regionen würden zukünftig die Folgen spüren und unter „Wasserstress“ geraten. Die UN schlägt in ihrem Bericht vor, die Wassernutzung an den Klimawandel anzupassen. Zudem sei die nachhaltige Nutzung von Wasserressourcen der Schlüssel für die Lösung der Klimakrise, wie Ulla Burchardt, Vorstandsmitglied der Deutschen UNSECO-Kommission, erklärt. Bisher sei das Wassermanagement unterfinanziert. Die UN fordere daher mehr Investitionen. Eine große Herausforderung werde in der Landwirtschaft gesehen. Zudem trage die deutsche Lebensmittelindustrie zur Wasserknappheit bei, indem sie mit ihren Lieferketten in die lokalen Begebenheiten von Flüssen eingreife, wie die Umweltorganisation WWF kritisiert.

3. Mali: Angriff auf Militärposten
In der Region Gao im Norden Malis wurde ein Anschlag auf ein Militärlager verübt, wie Zeit Online, der Deutschlandfunk und die Deutsche Welle berichten. 29 Soldat*innen seien getötet worden und fünf weitere verletzt. Die Armee mache Dschihadisten, die in Verbindung mit Al-Qaida stehen, verantwortlich. Offiziell seien die Täter noch nicht bekannt. Seit Jahren gebe es im Norden Malis gewaltsame Konflikte zwischen der Armee und islamistischen Gruppen. Die Milizen schaffen es immer wieder, Teile des Nordens zu kontrollieren. Sie wollen ihren Geltungsbereich weiter südlich erweitern. Durch Angriffe auf Militärposten können die Extremisten ihre Waffenlager immer weiter aufstocken. Trotz internationaler Einsätze sei die Lage in Mali laut Expert*innen „äußerst instabil“.

The post 23. März 2020 appeared first on ONE.

Kategorien: Ticker

Seiten

SID Hamburg Aggregator – Ticker abonnieren