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„Die UN müssen sich auf globale Veränderungen einstellen“

E+Z - 13. Juli 2022 - 11:34
Mangelnde Koordination auf UN-Ebene verhindert eine effiziente Umsetzung von Entwicklungsprojekten, sagt Umweltexperte David Mfitumukiza

Das UNEP (UN Environment Programme – Umweltprogramm der Vereinten Nationen) feiert in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag. Die Umweltbehörde sitzt in der kenianischen Hauptstadt Nairobi. Spielt das für die Region eine besondere Rolle?
Eine Organisation wie UNEP in der Nachbarschaft zu haben, kann durchaus ein Gefühl der Zugehörigkeit und Nähe schaffen. Und es mag dabei helfen, direkter in einen Austausch zu kommen, um bei der globalen Umweltagenda mitzureden. Betrachtet man die globale Rolle von UNEP, ist der Ort des Hauptsitzes aber eher zweitrangig.

Dennoch gab es durchaus konkrete Projekte: Im vergangenen Jahr hat sich das UNEP mit einigen Unternehmen zusammengetan, um in Nairobi Messwerte von Luftschadstoffen in Echtzeit auf digitale Plakatwände zu werfen. Die Aktion soll Menschen für Luftverschmutzung sensibilisieren.
Ich habe davon gehört, auch von ähnlichen Projekten. Prinzipiell sind das gute Aktionen. Aber sie gehören nicht zur Kernaufgabe des UNEP als Institution. Es sollte sich besser um wichtigere, strategischere Dinge kümmern.

Woran denken Sie?
Das UNEP sollte die globale Agenda zum Umwelt- und Klimaschutz neu ausrichten. Es sollte sich dafür einsetzen, dass weltweit mehr für die Umwelt getan wird. Allerdings nicht mit Einzelprojekten, sondern indem es auf übergeordneter Ebene koordiniert und organisiert. Die Welt verändert sich, viele Umweltprobleme haben sich verschlimmert. Da kann es kein business as usual mehr geben. Das System der UN ist aber das gleiche geblieben. Die UN müssen auf globale Veränderungen reagieren.

Wie müssten sich die UN verändern?
Effektiver Umweltschutz sollte von unten nach oben geschehen, wie ich das auch schon in unserem vorherigen Gespräch gesagt habe (auf www.dandc.eu). Wir müssen ausgehen von dem, was auf lokaler und nationaler Ebene nötig ist, um Umweltprobleme zu lösen. Auf UN-Ebene sollten dafür die Voraussetzungen geschaffen werden. Die am wenigsten entwickelten Länder haben beispielsweise die Klimakrise nicht ausgelöst, aber sie leiden besonders darunter. Sie brauchen schnellen und wirkungsvollen Zugang zu Geld. Derzeit gibt es zu viele Institutionen und zu viele Hierarchieebenen. Wir brauchen deshalb nicht viele spezialisierte Umweltprogramme, sondern insgesamt weniger Institutionen, die dafür besser koordiniert sind. Wir brauchen eine starke Institution, nicht eine Bandbreite von Institutionen. Derzeit gibt es UNEP für die Umwelt, das Sekretariat der Klimarahmenkonvention (UNFCCC – UN Framework Convention on Climate Change) und das UN-Entwicklungsprogramm (UNDP – UN Nations Development Programme) für globale Entwicklung, um nur drei UN-Einrichtungen zu nennen. Die Weltbank, die Afrikanische Entwicklungsbank und andere multilaterale Institutionen kommen dann noch hinzu.

Halten Sie manche UN-Unterorganisationen für überflüssig?
Aus meiner Arbeit in Uganda weiß ich, dass es vor Ort oft nicht einfach ist, die Arbeit des UNEP zu unterscheiden von der des UNDP. Ohnehin sollten sich diese Institutionen aber auf ihre koordinierende Funktion konzentrieren. Eine große Chance bieten die 17 SDGs (Sustainable Development Goals – UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung). Würden sich alle UN-Organisationen konsequent an ihnen ausrichten, wäre ihr Handeln vermutlich kohärenter. Die SDGs lassen sich ja auch nicht getrennt voneinander betrachten, sie sind miteinander verbunden. Aufgabe von Institutionen wie UNEP oder UNDP in diesem Sinne ist es, Regierungshandeln entsprechend zu koordinieren – und zwar ohne Dopplungen. Die UN müssen sich also selbst besser koordinieren, um wiederum die globale Agenda besser koordinieren zu können.

Wo genau sehen Sie Defizite?
Beispielsweise in der Finanzierung. Laut dem Londoner International Institute for Environment and Development haben von 2003 bis 2016 nur etwa 10 Prozent der internationalen Klimafinanzierung die lokale Ebene erreicht. Nur 10 Prozent! Vom Rest fließt zu viel in zwischengeschaltete Organisationen, Beratungsfirmen und in die Fixkosten der Institutionen. Viel Geld bleibt wegen allerlei unnötiger Ebenen auf der Strecke. Das sollte aber dort landen, wo es am nötigsten gebraucht wird und am meisten bringt.

Derzeit gibt es weltweit zahlreiche Entwicklungsbanken und Fonds, die Mittel für Entwicklungsprojekte bereitstellen.
Richtig. Es gibt den Adaptation Fund, den Green Climate Fund und viele weitere. Sie haben verschiedene Bewerbungsverfahren, verschiedene Mechanismen für die Auszahlung der Gelder, verschiedene Modelle zur Berichterstattung. Das kostet alle Beteiligten enorm viel Zeit und Ressourcen. Wer bei einem dieser Fonds Gelder beantragen möchte, benötigt Fachleute, die dabei helfen. Die ugandische Regierung hat beispielsweise allein fünf Jahre gebraucht, um für den Green Climate Fund akkreditiert zu werden. Bis sie Zugang zu Finanzmitteln hatte, vergingen zwei weitere Jahre. Ein solch umfangreicher Prozess wäre in Ordnung, wenn alles Folgende auch kohärent und koordiniert wäre. Ist es aber nicht. Es ändert sich ständig. Hat man Erfahrungen mit einer Institution gesammelt, muss man für die nächste wieder von vorn anfangen. Das geht nicht nur Uganda so, sondern auch anderen Ländern.

Inwiefern wirkt sich das auf die Projekte vor Ort aus?
Da verschiedene Geldgeber verschiedene Projekte fördern, ist die Finanzierung einzelner Projekte oft zu kurzatmig. Wenn in Dorf A ein Umweltprojekt zur Anpassung an Klimafolgen gestartet wird, finanziert auf ein Jahr, dann ist das in der Regel zu kurz. Sobald es endet, lässt man die Menschen im Stich – mit negativen Folgen für das ganze Ökosystem. Hinzu kommt, dass wichtige Lerneffekte ausbleiben. Ein paar Kilometer weiter fördert womöglich ein anderer Geldgeber ein ähnliches Projekt in Dorf B. Die Erkenntnisse aus Dorf A – was hat gut funktioniert, was schlecht – kommen dort aber nicht an. Fehler wiederholen sich. Erfolgreiche Projekte werden kaum skaliert, sondern es gibt ein Pilotprojekt nach dem anderen. Das ist sehr ineffizient. Die mangelnde Koordination auf der höheren Ebene manifestiert sich also auch auf unteren Ebenen.

Auch die Empfängerländer sprechen nicht immer mit einer Stimme. Sollten sich beispielsweise afrikanische Staaten stärker koordinieren?
Absolut. Ich finde insgesamt, Entwicklungsländer müssten mehr tun, um den Status quo in Frage zu stellen. Einige afrikanische Regierungen tendieren allerdings dazu, eine bessere Koordinierung zu verhindern und bewusst eine gewisse Ambiguität zu erzeugen – weil sich die Interessen einiger Mächtiger so besser durchsetzen lassen. Einem korrupten System kommt es beispielsweise zugute, wenn es verschiedene Finanzierungsquellen gibt, die sich auf unterschiedlichen Wegen anzapfen lassen. Afrikanische Länder müssen sich nicht nur in puncto Koordination verbessern, sondern auch in puncto guter Regierungsführung.

Das Afrika-Büro der UNEP beherbergt ein Forum, das afrikanische Stimmen im Umweltschutz zusammenbringen soll: AMCEN (African Ministerial Conference on the Environment). Wird es seiner Rolle gerecht?
Es gibt diverse Gremien, um die Umweltpolitik afrikanischer Staaten zu koordinieren, auch auf ministerialer Ebene wie das AMCEN. Ein weiteres Beispiel ist die Nile Basin Initiative, ebenfalls ein zwischenstaatliches Forum, das Dinge wie Wassermanagement und Energieinfrastruktur verhandelt. In diesen Gremien ist es durchaus möglich, politische Entscheidungen zu verhandeln und Konflikte beizulegen. Die Hauptprobleme sind, wie oben skizziert, die praktische Umsetzung und konsistentes Handeln.

Die Diskussion über die Wirksamkeit der Entwicklungshilfe (Aid effectiveness) wird auf globaler Ebene seit Jahrzehnten geführt. Hat die Weltgemeinschaft die Forderungen der Paris Declaration on Aid Effectiveness von 2005 nicht beherzigt? Sie betonte unter anderem nationale Ownership, Geberharmonisierung und wechselseitige Verantwortung.
Ich erwarte keine Veränderung des Systems von oben nach unten. Wenn überhaupt, muss das von unten nach oben geschehen. Und hier tut sich etwas. Wenn Vertreterinnen und Vertreter von Graswurzelinitiativen oder lokalen Regierungsbehörden eingeladen sind zu einem Meeting von UNEP oder anderen global agierenden Organisationen, fragen sie immer häufiger: „Geht es hier um Meetings, um Politik – oder um konkrete Maßnahmen?“ Sie haben genug von Reden und schön klingenden Vereinbarungen. Sie möchten wissen, was genau vor Ort geschehen soll – und inwiefern sich dies am Bedarf vor Ort orientiert. Solche „lokal angeführten Revolutionen“ machen mir Hoffnung. Letztlich muss sich die Hilfe an den Bedürfnissen der Menschen orientieren, nicht umgekehrt.

David Mfitumukiza ist Senior Lecturer an der Fakultät für Geographie, Geoinformatik und Klimaforschung der Makerere-Universität in Ugandas Hauptstadt Kampala.
dmfitumukiza@gmail.com

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Petersberger Klimadialog: Chance für mehr Klimagerechtigkeit?

Oxfam - 13. Juli 2022 - 10:00
Vor dem Hintergrund der sich verschlimmernden Klimakrise werden am nächsten Montag Vertreter*innen aus 40 Ländern in Berlin zum alljährlichen Petersberger Klimadialog zusammenkommen. Dort muss es um zentrale Themen der Klimagerechtigkeit gehen: Mehr Klimaschutz und mehr Unterstützung für wirtschaftlich benachteiligte Länder, insbesondere auch für die Bewältigung unvermeidlicher Klimafolgeschäden. © Mike Auerbach/Oxfam

Der gerade erst veröffentlichte sechste Sachstandsberichts des UN-Wissenschaftsrats zum Klimawandel (IPCC) hat – wenig überraschend – in aller Deutlichkeit noch einmal vor der sich verschlimmernden Klimakrise gewarnt. Die globale Durchschnittstemperatur ist seit Beginn der Industrialisierung um 1,1°C angestiegen; heftigere Stürme, häufigere Hitzewellen, stärkere Folgen von Dürren und der steigende Meeresspiegel bedrohen weltweit die Lebensgrundlagen, vor allem der Menschen in den von Armut geplagten Weltregionen. Die bisherigen Antworten der Politik sind nach wie vor viel zu schwach und zu sehr von kurzsichtigen Interessen geleitet, um den Klimawandel langfristig wenigstens halbwegs in den Griff zu bekommen.

An dieser Stelle muss der diesjährige Petersberger Klimadialog ansetzen. Auf Einladung der Bundesregierung und der ägyptischen Regierung, die in diesem Jahr den Vorsitz für die kommende UN-Weltklimakonferenz COP27 im November innehat, kommen Anfang nächster Woche Minister*innen aus aller Welt in Berlin zusammen, um die COP27 politisch vorzubereiten. Geleitet und moderiert wird die Veranstaltung von Außenministerin Annalena Baerbock, der also eine wichtige Rolle zukommt, damit der Petersberger Klimadialog für mehr Klimagerechtigkeit punkten kann – zum Beispiel auf den folgenden vier Feldern:

  1. Klimaziele verschärfen: Um die Erderhitzung auf maximal 1,5°C zu begrenzen, müssten die weltweiten Treibhausgasemissionen bis 2030 um knapp die Hälfte sinken. Davon sind wir weit entfernt. Die unter dem Pariser Abkommen eingereichten Klimaschutzziele der Länder deuten auf eine Erhitzung um 2,4°C hin, nach aktuellen Umsetzungsstand auf 2,7°C. Deswegen hat die letzte Weltklimakonferenz COP26 alle Staaten aufgerufen, ihre Ziele so zu verschärfen, dass sie mit der 1,5°C-Grenze kompatibel sind. Passiert ist fast nichts. Weder die G7, noch die EU, noch die großen Schwellenländer haben bisher Bereitschaft gezeigt, dem Aufruf der COP26 zu folgen, obwohl derzeit keines dieser Länder fair und ausreichend zum globalen Klimaschutz beiträgt. Diese Verweigerungshaltung muss der Petersberger Klimadialog thematisieren und zumindest einen Weg nach vorne aufzeigen.
     
  2. Weltweit Energiewende beschleunigen: Auch wenn die weltweiten Investitionen in erneuerbare Energien steigen, wollen die großen fossilen Konzerne bis 2030 über 800 Milliarden US-Dollar in die Erschließung neuer fossiler Lagerstätten investieren. Dabei helfen ihnen die rund 580 Milliarden US-Dollar, mit denen die Regierungen der G20 die Nutzung von Kohle, Öl und Gas jährlich subventionieren – Geld, das für den schnellen Ausbau der erneuerbaren Energien fehlt und die Abhängigkeit von fossilen Energien aufrechterhält. Neue Kooperationen zur Abkehr von den fossilen Energien sind dringend nötig. Als Beispiel könnten die Energiepartnerschaften dienen, die die G7-Staaten mit Indien, Indonesien, Senegal und Vietnam eingehen wollen – wenn diese Partnerschaften mit ausreichend Finanzzusagen unterfüttert werden und über partizipative, inklusive und geschlechtersensible Ansätze eine gerechte und sozial verträgliche Energiewende befördern, die insbesondere die Bedürfnisse der in Armut lebenden Menschen in diesen Ländern in den Fokus nimmt. Der Petersberger Klimadialog sollte hier neue Wege skizzieren, wie die Länder ergänzend zum Pariser Abkommen neue Wege der Kooperation eingehen können, um weltweit die Transformation weg von den fossilen Energien erheblich zu beschleunigen.
     
  3. Unterstützung für Verluste und Schäden sicherstellen: In seinem Sachstandsbericht hat der UN-Wissenschaftsrat zum Klimawandel (IPCC) deutlich gemacht, dass in vielen Ländern und für viele Menschen mehr und mehr die Grenzen der Anpassungsmöglichkeiten erreicht und deswegen Schäden und Verluste deutlich zunehmen werden – etwa wenn der Anbau von Nahrungsmitteln komplett unmöglich wird, Küstenstreifen dauerhaft unter den Fluten verschwinden, Grundwasserreservoirs versalzen oder Unwetterkatastrophen immer wieder die Lebensgrundlagen der Menschen zerstören. Für die Bewältigung solcher Schäden fordern die betroffenen Länder, insbesondere die kleinen Inselstaaten, zu Recht verlässliche finanzielle Unterstützung. Doch die Industrieländer verweigern ihnen diese Unterstützung aus Angst vor endlosen Kompensationsforderungen für von ihnen versursachte Klimaschäden. Hier könnte der Petersberger Klimadialog einen Brückenschlag zwischen den Industrieländern und den besonders gefährdeten Ländern unternehmen, damit auf der kommenden Klimakonferenz die Weichen für geeignete Mechanismen gestellt werden, um die notwendige Unterstützung in Zukunft bereitstellen zu können.
     
  4. Zusagen zur Klimafinanzierung einhalten: Vor inzwischen 12 Jahren hatten die reichen Industrieländer versprochen, die finanzielle Unterstützung für Klimaschutz und Anpassung an die Veränderungen in den Ländern des Globalen Südens bis 2020 auf jährlich 100 Milliarden US-Dollar zu steigern. Das Versprechen wurde nicht gehalten, stattdessen soll das Niveau nun erst 2023 erreicht werden. Die COP26 hatte 2021 zudem das Ziel gesetzt, die Hilfsgelder für den Bereich der Anpassung bis 2025 zu verdoppeln. Jetzt stehen die Industrieländer in der Pflicht, dieses Ziel mit einem konkreten Aufwuchsplan zu untermauern – und dies auf dem Petersberger Klimadialog auch verbindlich zuzusagen. Voraussetzung ist selbstverständlich, dass die Industrieländer auch ihre individuellen Zusagen einhalten, darunter die Zusage Deutschlands vom G7-Gipfel 2021, die Mittel für die Klimafinanzierung bis spätestens 2025 auf jährlich sechs Milliarden Euro anzuheben. Aber: Bisher plant die Bundesregierung keinerlei Steigerungen – und dies für eine Zusage, die Deutschlands Rolle nicht einmal gerecht wird. Angemessener wäre es, wenn Deutschland seine Unterstützung bis 2025 auf mindestens acht Milliarden Euro pro Jahr anheben würde. Der Petersberger Klimadialog wäre der Moment, solch eine Steigerung anzukündigen.

Als Gastgeberin steht die Bundesregierung unter besonderer Beobachtung. Umso ärgerlicher ist es, dass Bundeskanzler Olaf Scholz gerade erst auf dem G7-Gipfel unter der deutschen Präsidentschaft einen Passus in der Gipfelerklärung durchgesetzt hatte, der neue öffentliche Gelder für die Ausbeutung fossiler Ressourcen ermöglichen soll – ein halbes Jahr, nachdem Deutschland auf der letzten Weltklimakonferenz COP26 einer Allianz von Ländern beigetreten war, die sich zum Ende genau dieser öffentlichen Finanzierung für fossile Energieprojekte verpflichtet hatte. Gerechtfertigt wird das mit der Energiekrise infolge des Kriegs in der Ukraine – dabei dürften neue Investitionen in fossile Infrastruktur wohl kaum kurzfristig Erleichterungen bedeuten, gleichzeitig die Klimakrise aber langfristig weiter beschleunigen. Man darf gespannt sein, wie der Bundeskanzler das den Minister*innen in seiner für Montagmittag geplanten Rede auf dem Petersberger Klimadialog erklären wird.

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Komposttoiletten: die neuen Dixi-Klos?

EINEWELTblabla - 13. Juli 2022 - 10:00

Juhu, es ist Sommer, und ENDLICH wieder Festivalzeit! Wie haben wir das in den letzten Jahren vermisst: Konzerte, Picknicks, grillen, Zusammensein mit vielen Menschen… Was wir aber gar nicht vermisst haben, sind überfüllte, dreckige und übelriechende Gemeinschaftstoiletten. Ob sogenanntes „Dixi-Klo“ (also Chemietoilette) oder an Frisch- und Abwasser angeschlossen: Die Sanitäranlagen lassen bei Massenveranstaltungen oft zu wünschen übrig. Können Komposttoiletten eine Alternative sein?

Was ist eine Komposttoilette?

Komposttoiletten oder Trockentoiletten funktionieren ohne jegliche Wasseranschlüsse. Es gibt zwei Varianten: Bei der einen werden feste und flüssige Hinterlassenschaften gemeinsam gesammelt und danach entsorgt, also kompostiert. Bei der zweiten Variante, der Trockentrenntoilette, werden Kot und Urin getrennt gesammelt (Urin vorne, Kot hinten) und auch getrennt entsorgt/kompostiert. Genaueres kannst du hier nachlesen.

Die ökologische Alternative – nicht nur auf Festivals

Der Vorteil von Kompostklos ist, dass viel weniger Ressourcen verbraucht werden als bei einem WC oder Chemieklo: Das einzige Verbrauchsmaterial (neben Klopapier) ist ein „Abstreumaterial“ wie Rindenmulch, Sägespäne oder Holzhäcksel, um den Kompost aufzulockern. Die Komposttoilette ist autark (ähnlich wie eine Chemietoilette), macht die Exkremente aber als Kompost nutzbar, anstatt sie ungenutzt zu entsorgen. Außerdem riecht es im Kompostklo nicht nach Klo, sondern angenehm nach Holz (selbst getestet!) Also eine echte Alternative auf Veranstaltungen und Festivals – doch nicht nur dort.

Komposttoilette als öffentliches Klos

Nicht nur bei Festen, sondern auch im öffentlichen Raum kommen Kompostklos schon zum Einsatz: So stehen welche zum Beispiel in Darmstadt, Berlin oder Frankfurt. Und es scheinen mehr zu werden – auch hier in Wiesbaden wurde dieses Jahr auf Spielplätzen schon die ein oder andere Komposttoilette gesichtet. Firmen, bei denen man die Toiletten mieten oder kaufen kann, sind zum Beispiel Kompotoi, Ecotoiletten, Ökolocus, Öklo oder Nowato.

-Katharina-

Beitragsbild von Wikimedia Commons, Lizenz CC BY-SA 4.0

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Ökologische Strukturpolitik: ein starker Profilbaustein für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit

DIE - 13. Juli 2022 - 8:54

Die Weltwirtschaft steuert in Richtung ökologischer Nachhaltigkeit. Aufgrund einer immer stringenteren umwelt- und klimapolitischen Regulierung setzen sich neue nachhaltige Techno­logien und Geschäftsmodelle durch. Diese wiederum verändern Wettbewerbs­bedingungen und Standortvorteile. Kluge Strukturpolitik antizipiert solche Veränderungen; sie lenkt und fördert die heimische Wirtschaft dahingehend, dass sie frühzeitig die Chancen dieses Strukturwandels nutzt. Das gilt auch für die Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung in der Entwicklungs­zusammenarbeit. Mit einer Fokussierung auf ökologische Strukturpolitik als Entwicklungsmotor könnte die deutsche Entwicklungszusammenarbeit ihr in Teilbereichen – z. B. Förderung erneuerbarer Energien, Ökostandards in Lieferketten – bereits angelegtes besonderes Profil weiter ausbauen. Im vorliegenden Impulspapier schlagen wir sieben Themen vor, die in Zukunft ein stärkeres Gewicht bekommen sollten. Diese reichen von der Gestaltung wirtschafts­politischer Rahmenbedingungen (z. B. öko-sozialer Fiskalreformen) bis hin zur Nutzung spezi­fischer neuer Marktpotenziale in Bereichen wie nachhaltiger Stadtentwicklung, Bio­ökonomie und grünem Wasserstoff. Allen Themen ist gemeinsam, dass hier ein beschäftigungswirksamer Struktur­wandel sowie klima- und umweltpolitische Ziele synergetisch miteinander verknüpft werden.

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CPDE to launch 2022 study on implementation of the SDGs

CSO Partnership - 13. Juli 2022 - 6:03

The CSO Partnership for Development Effectiveness (CPDE) invites everyone to the launch of its 2022 study on voluntary national reviews (VNRs) and the implementation of the Sustainable Development Goals (SDGs) on 13 July at 2pm in New York and 8pm in Paris.

Each year, CPDE conducts an online survey to assess civil society’s perspectives on how the 2030 Agenda’s VNRs are being implemented at the national level. The 2022 survey is its sixth edition (see reports here).

The questionnaire is structured around the principles of effective development cooperation: national ownership of development priorities, inclusive partnerships, transparency and accountability, and a focus on results. It also assesses whether governments have included reports on SDG 5 c.1, as well as on the impacts of Covid-19, as well as reports on actions taken to respond to the pandemic.

Through this exercise, CPDE aims to provide a space for data collection, a collective vision and concrete proposals on how national level VNR processes are conducted and could be developed. The platform hopes that this contribution of civil society, as key development actors, will improve the implementation of the 2030 Agenda from a development effectiveness perspective.

Join the event via this link. #

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Democratic Backsliding and Securitization

SWP - 12. Juli 2022 - 16:42
Challenges for Israel, the EU and Israel-Europe Relations
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Our Club Model: Engaging Stakeholders in the Transition to a Circular Economy

SCP-Centre - 12. Juli 2022 - 16:30

Collaboration and communication are key for a successful transition to a more circular economy. Often, however, these social dimensions are overlooked. But how can we guide and enable collaboration? How can all stakeholder groups be integrated into these transition processes? We have created a stakeholder Club model to answer to these challenges.

The CSCP’s Club model can be illustrated with our HOOP project working towards a circular bioeconomy. HOOP aims to explore ways to create higher-value products out of Organic Fraction of Municipal Solid Waste (OFMSW) and Urban Waste Water Sludge (UWWS). In the project, the CSCP leads the Biowaste Clubs with engaged stakeholders from eight pioneering cities and regions around Europe. Learn more about the Biowaste Club concept in this video:

At the core of the Biowaste Clubs lies a stakeholder-driven process, long-term local leadership and the development of a shared vision. In an ongoing, inclusive dialogue all actors can contribute directly or indirectly to fostering a circular biowaste value chain.  The Biowaste Clubs in the eight HOOP cities and regions are currently planning and implementing concrete actions to make their biowaste value chain more circular.

The Biowaste Clubs are just one example of the types of circular economy “Clubs” the CSCP has developed and facilitates. The Club model is a transferable and replicable tool for multi-stakeholder engagement. For example, it has been adapted to the multi-layer plastic packaging industry in the MERLIN project. Circular economy clubs can support in keeping track of key stakeholders‘ motivations, drivers, challenges and needs during the  development of circular value chains. Further, the CSCP’s approach builds upon a quadruple helix model including stakeholders from the realm of academia, industry, policy and civil society.

If you would like to know more on how you could benefit from the our club approach to assist in your Circular Economy projects please contact Carina Diedrich.

 

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Mehr Fairness beim Kleiderkauf

Engagement Global - 12. Juli 2022 - 16:07

Auf der Dachterrasse des Haus am Dom – dem Zuhause der Katholischen Akademie Rabanus Maurus, die Kooperationspartner des Abends war – bewiesen die Teilnehmenden von „FAIR raten. Open Air Fashion Quiz über den Dächern Frankfurts“ ihr Modewissen: Geclustert nach der ökologischen, ökonomischen und sozialen Dimension von Nachhaltigkeit beantworteten die Rategruppen beispielswiese, wie viele Tonnen CO2 die Bekleidungsindustrie jährlich verursacht, was mit Altkleidercontainern geschieht und wie niedrig der Durchschnittsverdienst einer Näherin in Bangladesch ist. In den Rundenpausen stellte Jana Neumark, CSR Senior Expert bei Hessnatur, das Unternehmen mit Sitz im hessischen Butzbach als Best Practice-Beispiel vor. Dass die Leinen-Totebags, die das erstplatzierte Team später als Preis nach Hause nehmen durften, aus französischem Flachs produziert wurden, verdeutlichte einmal mehr den ganzheitlichen Nachhaltigkeitsansatz, den das Unternehmen lebt.

Viele praktische Tipps hatte Jennifer Najarian dabei. Die studierte Mode- und Textilmanagerin sensibilisierte nicht nur dafür, dass bei sogenanntem veganen Leder häufig die Materialien einfach nur mit Polyurethanen – also Kunststoffen – überzogen werden, sondern erklärte auch, dass gerade große Modeketten durch wohlklingende Namen wie „Capsule Collection“ oder „Conscious Line“ Greenwashing betreiben. „Und wie kann ich mich nachhaltig einkleiden bei kleinem Geldbeutel?“, fragte eine Teilnehmerin. Auch hier hatte Jennifer Najarian ein paar Ideen. Die Expertin zählte auf, secondhand einzukaufen, bei nachhaltigen Unternehmen und Marken auf Rabatt-Aktionen zu achten sowie Kleider zu tauschen oder zu leihen. Vor allem aber riet sie: „Pflegt eure Kleidung richtig. Häufig verwendet man zu viel Waschmittel und lässt die Kleidung im falschen Waschprogramm laufen.“ Sie erklärte auch, dass Textilsiegel eine Qualitätsgarantie für Käuferinnen und Käufer darstellen. „Die für die Siegel notwendigen Prüfverfahren garantieren eine bestimmte Qualität in bestimmten Bereichen – und das gibt uns eine gute Orientierung.“

Das sah das Publikum bei der Veranstaltung „Leute machen Kleider. Lesung und Gespräch“ am Folgetag etwas kritischer: „Wie relevant sind Textsiegel für die Konsumentinnen und Konsumenten wirklich?“, fragte Dr. Lucia Klöcker, Inhaberin der Buchhandlung Weltenleser, mit der die Außenstelle Mainz für die Veranstaltung kooperiert hatte. Die Frage stieß beim Publikum auf zustimmendes Kopfnicken – fragen sich doch viele, wie sinnvoll die Flut an Zertifizierungen überhaupt ist und wie realistisch es ist, im Laden stehend mit dem Smartphone auf der Homepage von Modeunternehmen nach Antworten zu suchen. „Ich selbst schaue nie auf Siegel, sondern achten darauf, ob die Modemarken und –unternehmen die beworbenen Werte wirklich leben“, erklärte Marina Chahboune, Gründerin der Nachhaltigkeitsagentur „Closed Loop Fashion“ mit Sitz in Indonesien.

Auszüge aus dem Buch „Kleider machen Leute“ von Imke Müller-Hellmann waren Stichwortgeber für das Gespräch zwischen Marina Chahboune und der Modejournalistin Lisa Wagner, die beide Blicke hinter die Kulissen der Modeindustrie gewährten. So würde das Zertifikat Ökotex 100 lediglich für 16 Chemikalien stehen, die nicht verwendet wurden, „wenn man aber weiß, dass in einer Hose bis zu 300 verschiedene Chemikalien verwendet werden, ist das wenig aussagekräftig“, sagte Marina Chahboune und empfahl, im Laden Fragen zu stellen. Sie machte aber auch deutlich, dass die Anforderungen an Kleidungsstücke gestiegen seien. Farbe dürfe nicht ausbluten, ein Hemd solle möglichst knitter- und bügelfrei sein. „Um diese Performance zu ermöglichen, die auch nach vielen Wäschen noch hält, was sie verspricht, muss einiges an Chemie aufgetragen werden“, so die Expertin. Das Lieferkettengesetz wurde von beiden Expertinnen positiv gesehen, da die staatliche Regulierung einen gewissen Standard ermögliche. „Ich wünsche mir jedoch, dass es ein globales Lieferkettengesetz gibt“, sagte Lisa Wagner abschließend.

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Erfolgreiche Nachhaltigkeitskommunikation

Engagement Global - 12. Juli 2022 - 15:57

Auf der Dachterrasse des Haus am Dom – dem Zuhause der Katholischen Akademie Rabanus Maurus, die Kooperationspartner des Abends war – bewiesen die Teilnehmenden von „FAIR raten. Open Air Fashion Quiz über den Dächern Frankfurts“ ihr Modewissen: Geclustert nach der ökologischen, ökonomischen und sozialen Dimension von Nachhaltigkeit beantworteten die Rategruppen beispielswiese, wie viele Tonnen CO2 die Bekleidungsindustrie jährlich verursacht, was mit Altkleidercontainern geschieht und wie niedrig der Durchschnittsverdienst einer Näherin in Bangladesch ist. In den Rundenpausen stellte Jana Neumark, CSR Senior Expert bei Hessnatur, das Unternehmen mit Sitz im hessischen Butzbach als Best Practice-Beispiel vor. Dass die Leinen-Totebags, die das erstplatzierte Team später als Preis nach Hause nehmen durften, aus französischem Flachs produziert wurden, verdeutlichte einmal mehr den ganzheitlichen Nachhaltigkeitsansatz, den das Unternehmen lebt.

Viele praktische Tipps hatte Jennifer Najarian dabei. Die studierte Mode- und Textilmanagerin sensibilisierte nicht nur dafür, dass bei sogenanntem veganen Leder häufig die Materialien einfach nur mit Polyurethanen – also Kunststoffen – überzogen werden, sondern erklärte auch, dass gerade große Modeketten durch wohlklingende Namen wie „Capsule Collection“ oder „Conscious Line“ Greenwashing betreiben. „Und wie kann ich mich nachhaltig einkleiden bei kleinem Geldbeutel?“, fragte eine Teilnehmerin. Auch hier hatte Jennifer Najarian ein paar Ideen. Die Expertin zählte auf, secondhand einzukaufen, bei nachhaltigen Unternehmen und Marken auf Rabatt-Aktionen zu achten sowie Kleider zu tauschen oder zu leihen. Vor allem aber riet sie: „Pflegt eure Kleidung richtig. Häufig verwendet man zu viel Waschmittel und lässt die Kleidung im falschen Waschprogramm laufen.“ Sie erklärte auch, dass Textilsiegel eine Qualitätsgarantie für Käuferinnen und Käufer darstellen. „Die für die Siegel notwendigen Prüfverfahren garantieren eine bestimmte Qualität in bestimmten Bereichen – und das gibt uns eine gute Orientierung.“

Das sah das Publikum bei der Veranstaltung „Leute machen Kleider. Lesung und Gespräch“ am Folgetag etwas kritischer: „Wie relevant sind Textsiegel für die Konsumentinnen und Konsumenten wirklich?“, fragte Dr. Lucia Klöcker, Inhaberin der Buchhandlung Weltenleser, mit der die Außenstelle Mainz für die Veranstaltung kooperiert hatte. Die Frage stieß beim Publikum auf zustimmendes Kopfnicken – fragen sich doch viele, wie sinnvoll die Flut an Zertifizierungen überhaupt ist und wie realistisch es ist, im Laden stehend mit dem Smartphone auf der Homepage von Modeunternehmen nach Antworten zu suchen. „Ich selbst schaue nie auf Siegel, sondern achten darauf, ob die Modemarken und –unternehmen die beworbenen Werte wirklich leben“, erklärte Marina Chahboune, Gründerin der Nachhaltigkeitsagentur „Closed Loop Fashion“ mit Sitz in Indonesien.

Auszüge aus dem Buch „Kleider machen Leute“ von Imke Müller-Hellmann waren Stichwortgeber für das Gespräch zwischen Marina Chahboune und der Modejournalistin Lisa Wagner, die beide Blicke hinter die Kulissen der Modeindustrie gewährten. So würde das Zertifikat Ökotex 100 lediglich für 16 Chemikalien stehen, die nicht verwendet wurden, „wenn man aber weiß, dass in einer Hose bis zu 300 verschiedene Chemikalien verwendet werden, ist das wenig aussagekräftig“, sagte Marina Chahboune und empfahl, im Laden Fragen zu stellen. Sie machte aber auch deutlich, dass die Anforderungen an Kleidungsstücke gestiegen seien. Farbe dürfe nicht ausbluten, ein Hemd solle möglichst knitter- und bügelfrei sein. „Um diese Performance zu ermöglichen, die auch nach vielen Wäschen noch hält, was sie verspricht, muss einiges an Chemie aufgetragen werden“, so die Expertin. Das Lieferkettengesetz wurde von beiden Expertinnen positiv gesehen, da die staatliche Regulierung einen gewissen Standard ermögliche. „Ich wünsche mir jedoch, dass es ein globales Lieferkettengesetz gibt“, sagte Lisa Wagner abschließend.

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„Russen haben mehr Ressourcen"

SWP - 12. Juli 2022 - 15:36
Während der Donbass unter russischem Dauerfeuer leidet, startet Selenskyj nun nach Meldungen der Ukraine eine Offensive, um Gebiete im Süden zurückzuholen
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Germering bewirbt sich um das Siegel „Kinderfreundliche Kommune“

Unicef - 12. Juli 2022 - 15:00
Die Stadt Germering verpflichtet sich, die Rechte und Interessen von Kindern und Jugendlichen vor Ort zu stärken. Oberbürgermeister Andreas Haas hat dazu heute eine Vereinbarung zur verbindlichen Zusammenarbeit mit dem Verein Kinderfreundliche Kommunen unterzeichnet.
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Live aus New York: Bericht vom Hochrangigen Politischen Forum für nachhaltige Entwicklung der UN

SID Blog - 12. Juli 2022 - 14:44

Erinnerung - EINLADUNG

Globale Nachhaltigkeitspolitik in Zeiten von Pandemie und Krieg  

Bericht vom Hochrangigen Politischen Forum der Vereinten Nationen in New York  Online-Briefing via Webex 14. Juli 2022, 13.00-14.00 Uhr  Anmeldung
Photo: UN Photo/Manuel Elías Vom 5.-15. Juli 2022 tagt in New York das Hochrangige Politische Forum (High-Level Political Forum, HLPF) der Vereinten Nationen. Das HLPF ist die zentrale Plattform der Vereinten Nationen für das Follow-up und die Überprüfung der Agenda 2030 und ihrer 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs). Teil des HLPF ist ein dreitägiges Ministertreffen vom 13.-15. Juli 2022.

Das Thema des diesjährigen Forums lautet „Building back better from the coronavirus disease (COVID-19) while advancing the full implementation of the 2030 Agenda for Sustainable Development". Auf der Tagesordnung stehen insbesondere die SDGs 4 (Bildung), 5 (Geschlechtergleichstellung), 14 (Ozeane), 15 (Landökosysteme) und 17 (Globale Partnerschaft). Außerdem präsentieren 45 Länder ihre freiwilligen Staatenberichte über die Umsetzung der Agenda 2030 (Voluntary National Reviews).

Bei unserem Online-Briefing berichten Vertreter*innen aus Zivilgesellschaft und Wissenschaft live aus New York über den Stand der Diskussionen in der UN: Welche Rolle spielt das HLPF angesichts der globalen Krisen und geopolitischen Verwerfungen? Ist die Nachhaltigkeitsagenda der UN noch zu retten? Welche Auswirkungen haben der Krieg in der Ukraine und die weiter schwelende COVID-19-Pandemie auf die Verhandlungen? Welche Inititiven zeichnen sich für das Jahr 2023 ab, wenn die Halbzeitbilanz der SDGs ansteht?

Gesprächspartner sind:
Marianne Beisheim, Stiftung Wissenschaft und Politik
Wolfgang Obenland, Forum Umwelt und Entwicklung
Fabian Gacon, Jugenddelegierter für nachhaltige Entwicklung
Moderation: Jens Martens und Bodo Ellmers, Global Policy Forum

Anmeldungen erbitten wir bis zum 13. Juli 2022 über diesen Link.


Die Veranstaltung ist Teil des Projekts „Halbzeit bei der SDG-Umsetzung" des Global Policy Forums Europe, gefördert von der Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen sowie von Engagement Global im Auftrag des BMZ.



Welthungerhilfe: Schwere Rückschläge bei Hungerbekämpfung

SID Blog - 12. Juli 2022 - 14:44

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12.07.2022 | Pressemitteilung


Welthungerhilfe stellt Jahresbericht 2021 vor
Klimakrise, Corona und Konflikte führen zu schweren Rückschlägen bei Hungerbekämpfung: Krieg gegen Ukraine verschärft die Lage

Bonn/Berlin, 12.07.2022. Die Welthungerhilfe sieht mit großer Sorge, dass die Zahl der Hungernden weiter steigt und gleichzeitig die Nahrungsmittel- und Transportpreise explodieren. Dies führt dazu, dass sich die Hungerkrisen weltweit weiter ausweiten. Bis zu 828 Millionen Menschen sind nach aktuellen UN-Berichten chronisch unterernährt. Zu den wichtigsten Hungertreibern gehören Kriege und Konflikte sowie die Folgen des Klimawandels und der Coronapandemie. Der Krieg gegen die Ukraine verschärft die ohnehin dramatische Ernährungslage.  

„Uns erreichen aus allen Projektländern verzweifelte Hilferufe. Von Afghanistan bis Zimbabwe kämpfen die Menschen mit Preissteigerungen für Brot, Getreide oder Obst um bis zu 60 Prozent. Es leiden insbesondere diejenigen am stärksten, die ohnehin zu den Ärmsten gehören und am wenigsten zu den Krisen beigetragen haben. Zugespitzt hat sich Lage insbesondere am Horn von Afrika, wo 17 Millionen Menschen nicht mehr genug zu essen haben. In Somalia, Kenia und Äthiopien herrscht die schlimmste Dürre seit 40 Jahren. Die desolate Situation der Familien in Äthiopien wird durch die Folgen des Krieges in der Provinz Tigray sowie Konflikten in anderen Regionen noch verschärft. Millionen Ziegen und Rinder sind bereits gestorben, Felder verdorrt, Brunnen ausgetrocknet und Wasserstellen zerstört und damit die Lebensgrundlagen von Millionen Menschen zunichte gemacht. Der Krieg gegen die Ukraine wirkt wie ein Brandbeschleuniger der bereits existierenden Krisen und verschärft Hunger und Armut", warnt Marlehn Thieme, Präsidentin der Welthungerhilfe.

In diesem Jahr blickt die Welthungerhilfe aber auch auf sechzig Jahre Erfahrungen, Herausforderungen und Erfolge zurück und ist trotz aller Rückschläge überzeugt, dass der Hunger überwunden werden kann. Die Hilfsbereitschaft und Solidarität der deutschen Bevölkerung war auch 2021 außerordentlich hoch. Die Welthungerhilfe verzeichnet das höchste Spendenergebnis in ihrer 60jährigen Geschichte und konnte mehr als 16 Millionen Menschen unterstützen. „Die privaten Spenden sind für uns eine wichtige Ermutigung und ein Ansporn, denn damit konnten wir auf die dramatische Ernährungslage reagieren und in unseren Projektländern noch mehr Menschen in Not unterstützen, Afrika und insbesondere die Krisenländer wie Südsudan, Mali und DR Kongo stehen dabei wieder im Mittelpunkt unserer Arbeit. In vielen Ländern kämpfen die Menschen mit den Auswirkungen von verschiedenen, sich überlagernden Krisen und Hunger wird gezielt als Waffe eingesetzt. Wir müssen schnell und entschlossen handeln – sowohl mit kurzfristiger Überlebenshilfe und mehr Geld als auch mit langfristigen Investitionen in die Landwirtschaft", betont Mathias Mogge, Generalsekretär der Welthungerhilfe.

Im Jahr 2021 standen der Welthungerhilfe 310 Millionen Euro zur Überwindung von Hunger und Armut zur Verfügung. Die Spendeneinnahmen lagen bei 77,5 Millionen Euro. Die öffentlichen Geber stellten 229,4 Millionen Euro für die Projektarbeit bereit. Der Anteil der Bundesregierung betrug knapp 50 Prozent, der größte Einzelgeber davon war das BMZ mit 56,7 Millionen Euro. Südsudan, Sudan und Syrien / Türkei erhielten wie im letzten Jahr die höchste Projektförderung.

Zahlen, Fakten, Fotos und Graphiken gibt es in der digitalen Pressemappe unter: https://www.welthungerhilfe.de/Jahresbericht2021-Presse

 

Die Welthungerhilfe wird in diesem Jahr 60 Jahre alt. Sie ist eine der größten privaten Hilfsorganisationen in Deutschland; politisch und konfessionell unabhängig. Sie setzt sich mutig und entschlossen für eine Welt ohne Hunger ein. Seit ihrer Gründung am 14.12.1962 wurden 10.895 Auslandsprojekte in rund 70 Ländern mit 4,46 Milliarden Euro gefördert. Die Welthungerhilfe arbeitet nach dem Grundprinzip der Hilfe zur Selbsthilfe: von der schnellen Katastrophenhilfe über den Wiederaufbau bis zu langfristigen Projekten der Entwicklungszusammenarbeit mit nationalen und internationalen Partnerorganisationen.





SDG 2: 5 Dinge, mit denen DU weltweiten Hunger bekämpfen kannst

ONE - 12. Juli 2022 - 12:59

Dieses Gefühl, wenn der Magen so laut knurrt, dass es einem unangenehm ist und einem schon bei der kleinsten Vorstellung an Essen das Wasser im Mund zusammenläuft. Jede*r von uns hatte schonmal Hunger. Hunger ist schließlich menschlich. Doch was ist, wenn der Hunger nicht gekommen ist, weil du zu spät angefangen hast zu Kochen oder vergessen hast einzukaufen, sondern, weil schlicht kein Essen da ist? Vielleicht weil du vor einem Krieg auf der Flucht bist, eine Dürre gerade keine Lebensmittel in deinem Land wachsen lässt oder einfach, weil du heute nicht genug verdient hast, um dich und deine Familie zu ernähren. Und das nur, weil du zur falschen Zeit am falschen Ort geboren bist.

Laut dem World Food Programme hat Stand heute einer von neun Menschen weltweit nicht genug zu Essen. Und nicht nur Unter- sondern auch Mangelernährung ist insbesondere in Krisenkontexten ein großes Problem. Die internationale Gemeinschaft hat sich mit den Nachhaltigkeitszielen (SDGs) vorgenommen bis 2030 chronischen Hunger zu beenden und Ernährung generell zu verbessern.

Unsere Jugendbotschafter setzen sich für eine Welt ohne Hunger ein.

Das klingt erstmal nach einem großen Ziel. Doch das Gute ist: Jede*r von uns kann dazu beitragen, dass dieses Ziel erreicht wird. Und zwar indem du bei deiner eigenen Ernährung anfängst.

1. Verschwende weniger Lebensmittel

Noch verrückter erscheint die Zahl der an Hunger leidenden Menschen, wenn man bedenkt, dass wir eigentlich genug Essen haben, um den kompletten Planeten zu ernähren. Oder hätten – wenn wir nicht so viele Lebensmittel verschwenden würden. Rund ein Drittel unseres Essens landet nämlich im Müll. Dabei verschwenden wir in reichen Ländern fast so viel, wie in Subsahara-Afrika an Lebensmitteln produziert wird. Die gute Nachricht ist: Würden wir sofort damit aufhören Lebensmittel zu verschwenden, könnten wir damit sofort ein Drittel der gesamten Nahrungsmittelversorgung der Welt decken. Das ist immens, oder? In Deutschland entsteht der größte Teil der Lebensmittelverschwendung – 52% – in privaten Haushalten. Das heißt auch: Wir können direkt damit anfangen diese zu stoppen!

Und damit kannst du bereits beim Einkaufen anfangen. Nimm dir eine Einkaufsliste mit, um unnötige Spontankäufe zu vermeiden und gib auch krummem Gemüse eine Chance. Achte zuhause darauf deine Lebensmittel richtig zu lagern. Und wenn du doch mal etwas übrig hast, kannst du das mit kreativen Rezepten immer noch neu verwerten. Weitere Tipps gegen Lebensmittelverschwendung findest du auf utopia.de.

2. Werde Essens-Retter*in

Weniger Lebensmittel verschwenden ist super, verschwendete Lebensmittel retten noch einen Schritt besser. Die wohl bekannteste Möglichkeit hierfür ist die Foodsharing-Community, der du dich ganz leicht anschließen kannst. Foodsharer*innen retten nicht mehr verkaufbare Lebensmittel aus Supermärkten, Bäckereien und Biomärkten und verteilen diese umsonst weiter. Dazu nutzen sie zum Beispiel sogenannte FairTeiler, wo jede und jeder kostenlos Lebensmittel mitnehmen kann. Und es gibt noch andere super Möglichkeiten deine geretteten Lebensmittel an deine Nachbar*innen zu bringen: Veranstalte doch einfach eine KüFa (kurz: Küche für alle). Dort kochst du mit Gleichgesinnten leckere Gerichte und verteilst sie an deine Freund*innen oder auch an Bedürftige aus deiner Stadt.

Darüber hinaus bietet die „Surplus“-Bewegung (engl. für Überschuss) einen neuen Markt für Lebensmittel, die sonst keine Abnehmer finden würden. In Deutschland gibt es bereits die ersten Läden und auch Online-Shops, die unter anderem Gemüse mit Schönheitsfehlern zu kleinem Preis verkaufen. Etepetete bietet zudem auch eine Gemüsekiste mit krummem Gemüse an mit der du jede Woche frisches Gemüse nach Hause geliefert bekommst.

3. Iss saisonal und regional

Weißt du wo und unter welchen Bedingungen die Lebensmittel hergestellt wurden, die du gerade erst im Supermarkt geshoppt hast? Essen kaufen ist sehr einfach, doch bleiben die Produktionsbedingungen oft im Dunkeln. Schlechte Arbeitsbedingungen und lange Transportwege befördern häufig Armut und den Klimawandel. Kaufst du dagegen Produkte, die aus deiner Region kommen und gerade Saison haben, kannst du dir sicher sein, dass dein Mittagessen nicht um die halbe Welt gereist ist. Welches Gemüse gerade Saison hat, kannst du ganz einfach in einem Saisonkalender nachgucken.

Gemüse der Saison aus deiner Region muss nicht um die halbe Welt fliegen, um bei dir auf dem Teller zu landen.

4. Achte auf Fairtrade

Ja, zugegeben, ab und zu hat man natürlich schon Lust auf eine Banane, ein Stück Schoki oder einen guten Kaffee. Zum Glück gibt es all diese Produkte auch fair produziert. Mit dem Kauf eines Fairtrade-Produkts stellst du sicher, dass die Menschen, die für deine Lebensmittel gearbeitet haben, auch fair bezahlt werden, gute Arbeitsbedingungen haben und somit weniger häufig in Armut leben und unter Hunger leiden. Hier gibt es einen guten Überblick über verschiedene Fairtrade-Siegel und was sie bedeuten.

5. Ernähre dich vegetarisch oder vegan

Natürlich gibt es verschiedene Gründe für vegetarische oder vegane Ernährung. Doch kann sie auch dazu beitragen die Anzahl der an Hunger leidenden Menschen zu reduzieren? So einfach geht die Rechnung natürlich nicht auf. Doch es gibt einen deutlichen Zusammenhang zwischen Fleischkonsum, Massentierhaltung und der Rodung von Regenwäldern, die Menschen in Brasilien oder Indonesien die Lebensgrundlage wegnimmt und zur Klimaerwärmung beiträgt. Und das aus einem ganz einfachen Grund: Rinder, Schweine und Hühner brauchen auch Essen, um zu wachsen – und zwar ganz schön viel. Das Problem dabei: So, wie wir uns aktuell ernähren schaden wir nicht nur der Erde und unserer Gesundheit, sondern werden auch bald den Bedarf einer stark wachsenden Erdbevölkerung nicht decken können.

Mozambique Department of Agriculture Programme, Foto: ONE

Die gute Nachricht: Wir können mit unserem Konsum etwas daran ändern. Der WWF hat errechnet, dass eine flexitarische Ernährung ausreicht, um den Bedarf an landwirtschaftlichen Flächen, die zur Erzeugung der in Deutschland konsumierten Lebensmittel benötigt werden, bereits um 18% zu reduzieren. Würden wir uns alle vegan ernähren, wären wir schon bei 50%.

Hier waren hoffentlich ein paar Tipps dabei, die dir helfen aktiv zu werden. Und vergiss nicht: Jeder Schritt zählt, denn SDGs erreichen wir nur gemeinsam! Und ein letzten Tipp, wie du selbst im Kampf gegen Ernähungsunsicherheit aktiv werden kannst, haben wir noch: Unterzeichne unsere Petition, in der wir die Bundesregierung auffordern, die Hugerkrise zu beenden!

 

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Massive Wohlstandsverluste in den nächsten Jahren

SWP - 12. Juli 2022 - 11:12
Regierungskrise Sri Lanka
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Welthungerhilfe stellt Jahresbericht 2021 vor

Welthungerhilfe - 12. Juli 2022 - 9:51
Klimakrise, Corona und Konflikte führen zu schweren Rückschlägen bei Hungerbekämpfung: Krieg gegen Ukraine verschärft die Lage.
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Europäisch-israelische Beziehungen: Gemeinsam gegen den Demokratieabbau

SWP - 12. Juli 2022 - 8:28

Das stärkste Band, das Europa und Israel verbindet, ist »unser Glaube an die Demokratie und an die demokratischen Werte«, so die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in ihrer Rede an der Ben-Gurion-Universität in Israel am 14. Juni 2022. »Heute, mehr als je zuvor, sollten Demokratien wie Europa und Israel enger zusammenrücken«, um Gefahren wie dem schleichenden Demokratieabbau zu begegnen.

In der Tat war im vergangenen Jahrzehnt ein weltweiter Trend des »democratic backsliding«, also der Erosion liberal-demokratischer Institutionen und Prinzipien, zu beobachten. Dieser Trend hat auch Europa und Israel nicht verschont: In Ländern wie Polen und Ungarn werden die Unabhängigkeit der Justiz und liberal-demokratische Werte in Frage gestellt. Auch in anderen Ländern Europas greifen völkische Diskurse um sich; die Geschichtsschreibung wird zunehmend im Dienste neudefinierter Identitäts- und Souveränitätsansprüche politisiert. Dies hat auch Spaltungen zwischen den EU-Mitgliedstaaten befördert und die Beziehungen zwischen Israel und Europa belastet – unter anderem dadurch, dass der ehemalige israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu während seiner Amtszeit Allianzen mit illiberalen europäischen Kräften wie seinem ungarischen Amtskollegen Victor Orban geschmiedet hat.

Die Gefahr eines weiteren Abbaus liberal-demokratischer Institutionen ist keineswegs gebannt: In Israel steht im November die Parlamentswahl an. Sie könnte durchaus eine von der Rechten dominierte Koalition an die Macht bringen, die Elemente der extremen Rechten umfasst. In Europa dürften der Krieg in der Ukraine und die Sanktionen gegen Russland massive sozioökonomische Auswirkungen haben – und womöglich soziale Unruhen schüren sowie populistischen Kräften Auftrieb verleihen.

Politik und Zivilgesellschaft in der Verantwortung

Die europäische und israelische Zivilgesellschaft und Politik sollten daher gemeinsam gegen demokratische Rückschritte vorgehen, indem sie systematisch die liberale Demokratie stärken. Das heißt einerseits, dass Europäerinnen und Europäer Position beziehen, wenn eine israelische Regierung Gesetzesvorlagen einbringt, um etwa die Meinungsfreiheit oder die Normenkontrolle des Obersten Gerichts einzuschränken. Auf der anderen Seite sollten Israelis über eine rein pragmatische und transaktionale Außenpolitik hinausgehen und ihr Interesse an der Stärkung der liberalen Demokratie in Europa betonen, anstatt sich mit illiberalen Kräften zu verbünden.

In Israel stehen von Seiten der Rechten vor allem jene Nichtregierungsorganisationen unter Druck, die sich für eine solidarische Gesellschaft, israelisch-palästinensischen Frieden und die Menschenrechte einsetzen. Die EU und ihre Mitgliedstaaten sollten diese Organisationen nicht nur finanziell unterstützen, sondern sich auch politisch hinter sie stellen. Zudem sollten sich europäische Parlamentarierinnen und Parlamentarier in Israel gezielt mit Amtskollegen treffen, die sich für liberal-demokratische Werte einsetzen. Gleichzeitig sollten progressive Israelis pro-demokratische Akteure in Europa unterstützen, die sich unter anderem gegen illiberale Tendenzen und populistische Politik einsetzen.

Dazu gehört auch, sich gegenüber Politik und Öffentlichkeit dafür einzusetzen, in Europa den Raum für vielstimmige und konstruktive Debatten über den israelisch-palästinensischen Konflikt zu erhalten. Denn ohne eine Regelung des israelisch-palästinensischen Konflikts und ohne Gleichstellung zwischen den jüdischen und palästinensischen Bürgerinnen und Bürgern Israels wird Israel weiterhin unter einem Demokratiedefizit leiden. Auch wenn die Hürden auf dem Weg zu einer Zweistaatenregelung immer höher werden und andere Themen auf die europäische Agenda drängen, sollten die EU und ihre Mitgliedstaaten den Wechselbeziehungen zwischen Demokratie, Konfliktregelung und gesellschaftlichem Miteinander in Israel Rechnung tragen und ihr Engagement für eine friedliche Konfliktbearbeitung verstärken.

In diesem Zusammenhang gilt es auch, das Potenzial der Abraham-Abkommen zwischen Israel und arabischen Staaten für konstruktive Schritte auf dem Weg zu einem Frieden in Nahost auszuloten sowie dessen negative Auswirkungen auf die israelisch-palästinensische Arena abzumildern. Ein europäischer Ansatz könnte darin bestehen, sich für eine Aussöhnung zwischen der palästinensischen und der emiratischen Führung einzusetzen, die Voraussetzung für ein konstruktives, gemeinsames Vorgehen ist. Gelingt dies, könnte die EU Arbeitsgruppen initiieren, in denen die arabischen Staaten, Israel und die Palästinensische Autonomiebehörde über konkrete Kooperationsmöglichkeiten sprechen, von denen alle Beteiligten profitieren.

Liberale Demokratie ins Zentrum der europäisch-israelischen Beziehungen stellen

Im März 2022 hat die EU beschlossen, ihren Aktionsplan mit Israel um weitere drei Jahre zu verlängern. Damit will sie den Vertragsparteien auch die Gelegenheit geben, »ihre Zusammenarbeit in den kommenden Jahren weiter voranzubringen, einschließlich im Rahmen einer möglichen Verhandlung von Prioritäten der Partnerschaft«. Die Gespräche über solche Prioritäten sollten genutzt werden, um die Zusammenarbeit bei der Umsetzung liberal-demokratischer Werte und friedlicher Konfliktbearbeitung in den Fokus einer neuen Agenda für die bilateralen Beziehungen zu rücken.

Das impliziert auch, dass die Beziehungen nicht durch Sicherheitsfragen dominiert werden. Zwar dürfte der Krieg in der Ukraine zu einem Ausbau der israelisch-europäischen Sicherheitszusammenarbeit führen. Dies sollte aber in einer Art und Weise geschehen, die liberal-demokratische Werte nicht gefährdet. Zudem sollte die zivile Kooperation, etwa in den Bereichen Wissenschaft, Bildung, Umwelt oder Kultur, im Vordergrund stehen. Dabei gilt es auch sicherzustellen, dass die hierfür bereitgestellten europäischen Gelder nicht in die Siedlungen in den besetzten palästinensischen Gebieten fließen.

 

Dr.  Muriel Asseburg ist Senior Fellow in der Forschungsgruppe Afrika und Mittlerer Osten. Dr. Nimrod Goren ist Gründer und Präsident von Mitvim – The Israeli Institute for Regional Foreign Policies. In einer gemeinsamen Studie analysieren Muriel Asseburg, Ehud Eiran, Toby Greene, Nimrod Goren, Kai-Olaf Lang, Eyal Ronen und Stephan Stetter die Entwicklungen im Detail und arbeiten Politikempfehlungen aus.

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EU-Taxonomie: In Europa gelten Gas und Kernenergie jetzt als grün – was nun?

reset - 12. Juli 2022 - 8:17

Ein hochrangiger Abgeordneter in Brüssel sprach von einem „dunklen Tag für das Klima“, während ein anderer in der Ukraine beklagte, dass „Putin sich heute die Hände reibt“. In jedem Fall untergräbt die Entscheidung, Erdgas- und Kernenergieprojekte als nachhaltige Energieträger einzustufen, die Integrität von Europas sogenannter „Taxonomie für nachhaltige Aktivitäten“. Die im Juli 2020 in Kraft getretene Taxonomie sollte Greenwashing verhindern, indem sie definiert, welche wirtschaftlichen Aktivitäten nachweislich nachhaltig sind. Durch die Einbeziehung eines geopolitisch problematischen fossilen Energieträgers und einer Quelle nicht lagerfähiger toxischer Abfälle wird die Taxonomie selbst als „größter Greenwash aller Zeiten“ kritisiert.

Befürworter*innen der Entscheidung sagen, dass Gas und Kernenergie eine notwendige Brücke zu einem vollständig erneuerbaren Energienetz darstellen. Kritiker*innen befürchten hingegen, dass durch die Entscheidung Milliarden von Euro aus Investitionen in sauberere und weniger gefährliche Technologien abgezogen werden.

Russlands Krieg in der Ukraine macht die Einbeziehung von Erdgas besonders rätselhaft. Die Maßnahme wurde von Frankreich, das sich zu 70 Prozent aus Kernenergie versorgt, und Deutschland, das von der Kernenergie unabhängig, aber an russisches Gas gebunden ist, nachdrücklich unterstützt.

Natürlich ist nicht alles schlecht und düster. Einige Klimaexpert*innen, die zwar bestürzt, aber nicht völlig verzweifelt sind, sagen, dass Europa seine Klimaziele auch unter der neuen, weniger strengen Taxonomie erreichen kann. Der erste Schritt bestehe darin, sie zu ignorieren. Diejenigen, die es mit grünen Investitionen ernst meinen, müssten eine strengere Prüfung durchführen, als sich nur auf das zu verlassen, was ein „Nutri-Score für Nachhaltigkeit“ sagt. Zweitens wäre es für jedes Land schwierig, eine Verdoppelung der Erdgasförderung zu rechtfertigen, wenn einer seiner größten Exporteure, Russland, praktisch nicht mehr zur Verfügung steht (um Gas von woanders her zu beziehen, wäre eine teure neue Infrastruktur erforderlich, die erst nach langer Zeit fertiggestellt sein wird). Das Gleiche gilt für die Kernenergie; neue Reaktoren kosten viel mehr und der Bau dauert viel länger als die Errichtung von Solarparks, Windparks und Wasserkraftwerken. Und letztendlich erklärt die Taxonomie Gas und Kernenergie nicht de facto für nachhaltig. Projekte in diesen Bereichen müssen immer noch ein bestimmtes Maß an Umweltfreundlichkeit erfüllen, um für eine Förderung in Frage zu kommen.

Sehr konkret haben sich Klimaexpert*innen gegenüber dem Science Media Center (SMC) zur neuen EU-Taxonomie geäußert.

Über die anhaltende Abhängigkeit Europas von russischem Gas:

„Die Entscheidung des EU-Parlaments ist eine vergebene Chance, im Rahmen der EU-Klima- und Nachhaltigkeitspolitik auf die Veränderungen der energiepolitischen Rahmenbedingungen durch den brutalen Überfall Russlands auf die Ukraine zu reagieren. Investitionen in Erdgas in den von der Taxonomie erfassten Bereichen – vor allem der Ersatz von Kohle und Öl in Kraftwerken und Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen – sind derzeit keine geostrategisch haltbare Option. Die Herausforderungen sind vielmehr im Moment und vermutlich für die nächsten Jahre folgende: Erstens, wie kann Europa so schnell wie möglich von Erdgas unabhängig werden – etwa durch Energiesparen oder Substitution von Erdgas durch erneuerbare Energien? Zweitens, wie kann Europa für die Deckung des restlichen und hoffentlich rasch kleiner werdenden Gasbedarfes so rasch wie möglich von Russland und seinen Verbündeten unabhängig werden?“

Prof. Dr. Helmut Haberl, Professor am Institut für Soziale Ökologie, Department für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Universität für Bodenkultur Wien (BOKU), Wien, Österreich

Über die Aufnahme von Gas in die Taxonomie:

„Der Einsatz von Erdgas als Brückentechnologie beim Übergang zur erneuerbaren Energie war schon vor dem Beginn des Ukrainekriegs problematisch. Investitionen in Gaskraftwerke hätten bestehende Abhängigkeiten verstärkt und verlängert. In der derzeitigen Lage sind solche Investitionen nicht nur klimapolitisch fragwürdig, sondern geostrategisch kontraproduktiv und angesichts der derzeitigen Preise und Versorgungsunsicherheiten sehr unwahrscheinlich. Die Aufnahme von Erdgas in die Taxonomie ist daher für eine adäquate Antwort Europas auf die gegenwärtige Lage – Ukraine- und Klimakrise gleichzeitig – strategisch bestenfalls nicht hilfreich, wenn nicht gar kontraproduktiv.“

Prof. Dr. Helmut Haberl

„Die Einbeziehung von Gas-Kraftwerken in der im delegierten Rechtsakt enthaltenen Form in die EU-Taxonomie stellt nicht sicher, dass Gaskraftwerke langfristig klimaneutral betrieben werden. Vielmehr können sie auch nach 2035 noch mit Energieträgern betrieben werden, die nur 70 Prozent Emissionseinsparung gegenüber fossilen Energieträgern darstellen. Dies gilt, wenn die Kraftwerke vor 2030 genehmigt wurden. Damit schafft die Taxonomie einen Anreiz, jetzt noch zügig Gaskraftwerke zu planen, damit sie vor 2030 genehmigt werden, ohne dabei sicherzustellen, dass diese Kraftwerke langfristig klimaneutral betrieben werden.“

Jan Peter Schemmel, Sprecher der Geschäftsführung, Öko-Institut e.V., Berlin

„Geradezu widersinnig ist das Argument der Kommission und der Befürworter, Auslauf- und Übergangstechnologien seien deshalb als ‚grün‘ zu behandeln, weil sie ‚notwendig‘ seien, um in ein Nachhaltigkeitszeitalter überzuwechseln. Zunächst einmal sieht der eigentliche Katalog aus vier Nachhaltigkeits-Kriterien (Art. 3 EU 2020/852) ein solches Argument des ‚notwendigen Übels‘ zu Recht gar nicht vor: Das vielleicht übergangsweise noch Unvermeidliche wird deswegen noch lange nicht zum Nachhaltigen. Und ‚notwendig‘ werden die problematischen Technologien vor allem deshalb, weil in den vergangenen Dekaden massiv versäumt wurde, die solare Wasserstoffwirtschaft der Zukunft frühzeitig voranzutreiben. Die deshalb nun angeblich noch ‚notwendigen‘ Auslauftechnologien mit erneuerbaren Energien gleichzustellen, verzögert abermals den tatsächlich dringend erforderlichen Umstieg. Die Fehler der Vergangenheit werden so durch die Taxonomie weitergeführt.“

Prof. Dr. Erik Gawel, Leiter des Departments Ökonomie, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), Leipzig, und Direktor des Instituts für Infrastruktur- und Ressourcenmanagement der Universität Leipzig

Über die Einbeziehung der Kernenergie in die Taxonomie:

„Die Aufnahme der Kernenergie in die Taxonomie kann in der gegenwärtigen Lage ebenfalls keinen sinnvollen Beitrag leisten, weil der Bau neuer Kernkraftwerke sehr teuer ist und lange dauert. Investitionen in Photovoltaik, Windenergie und andere erneuerbare Energieträger können viel rascher realisiert werden und bei gleichem Investitionsvolumen viel höhere energiepolitische Beiträge leisten. Abgesehen von diesen ökonomischen Überlegungen erscheint die Aufnahme der Kernenergie in eine Liste nachhaltiger Technologien aus Gründen des Risikos von Nuklearunfällen sowie der ungelösten Endlagerproblematik als nicht sachgerecht.“

Prof. Dr. Helmut Haberl

„Atomkraft kann aufgrund der Gefahr schwerer Unfälle, der Gefahr der Weiterverbreitung von Kernwaffen und der Gefahren beim Umgang mit anfallenden hochradioaktiven Abfällen nicht als nachhaltig angesehen werden. Auch bringen Atomkraftwerke in einem auf Klimaneutralität und damit auf Erneuerbaren Energien ausgelegten Energiesystem aufgrund ihrer Kostenstruktur und ihrer Trägheit beim Hoch- und Runterfahren ihrer Leistung keinen Mehrwert. Und schließlich können zum Beispiel aus Sicherheitsgründen geplante, aber vor allem auch ungeplante, notwendige Abschaltungen – wie gegenwärtig in massivem Umfang in Frankreich der Fall – die Versorgungssicherheit bei der Atomenergienutzung in Frage stellen.“

Jan Peter Schemmel

„Die Kommission räumt selbst ein, dass es mit der Nachhaltigkeit von Atom- und Gaskraft per se nicht weit her sein kann – denn sie stellt zahlreiche Bedingungen an das Nachhaltigkeits-Etikett. Mehr als der Versuch schadensbegrenzender Kosmetik ist darin aber nicht zu erkennen. Besonders eklatant wird dies an der Endlager-Frage für Atommüll: Kernenergie wäre auch bei weltweit vollständig gesicherter Endlager-Entsorgung nicht ,nachhaltig‘. Bisher kann aber davon nicht ansatzweise die Rede sein. Dass niemand ein solches Endlager bei sich sehen möchte und seit Jahrzehnten keine Einigung über die sicheren Bedingungen der Lagerung herbeizuführen ist, spricht für die Nachhaltigkeit dieser Energieerzeugung bereits Bände.“
Prof. Dr. Erik Gawel,

Über die Auswirkungen der Taxonomie:

„Beim Erdgas wird die Aufnahme in die Taxonomie ab Anfang 2023 wohl kurz- und mittelfristig geringe oder gar keine konkreten Wirkungen haben: Angesichts der geostrategischen Lage dürften derartige Investitionen ohnehin kaum auf der Tagesordnung stehen, unabhängig davon, ob sie als ‚grün‘ eingestuft und damit leichter finanzierbar sind oder nicht. Wahrscheinlicher erscheint mir, dass die Aufnahme der Kernenergie den energiepolitisch problematischen Pfad in die Kernenergie stabilisieren könnte. So könnte die Kernenergie mit den energie- und klimapolitisch erheblich attraktiveren – weil schnelleren, kostengünstigeren und risikoärmeren – Investitionen in Energieeinsparen und erneuerbare Energien in Konkurrenz treten.“

Prof. Dr Helmut Haberl

„Mit der Entscheidung, Investitionen in Atom- und Gaskraftwerke künftig entsprechend der Taxonomie als nachhaltig bezeichnen zu dürfen, verliert die Taxonomie ihr Potenzial, sich als EU-weiter Gold Standard für nachhaltige Investments zu etablieren. Denn ein Nachhaltigkeitsstandard, in dem offensichtlich nicht-nachhaltige Technologien wie die Kernenergie und Erdgas als nachhaltig deklariert werden können, verliert seine Glaubwürdigkeit. Dabei gibt es angesichts des grenzüberschreitenden Finanzmarktes – inklusive für Geldanlagen – einen hohen Bedarf an einem einheitlichen und transparenten Standard, um ‚Greenwashing‘ zu vermeiden.“

Jan Peter Schemmel

„Die Entscheidung diskreditiert daher sogar das gesamte Anliegen der Taxonomie – auch über Gas- und Kernkraft hinaus – und untergräbt dessen Glaubwürdigkeit sowie seinen wissenschaftlichen Anspruch. Explizit grüne Investments sollten der EU-Taxonomie in Bezug auf Atom- und Gaskraft nicht folgen. Investoren sollten darauf drängen, dies bei Finanzprodukten und institutionellen Anlegern klarzustellen. „Allerdings ist nicht auszuschließen, dass die Entscheidung vor allem im internationalen Bereich Finanzströme in problematische Übergangs- und Auslauftechnologien lenkt, die besser in erneuerbare Energien fließen sollten. Es kommt so zu Fehlallokationen auf dem Weg in wirklich nachhaltige Wirtschafts- und Lebensweisen.“

Prof. Dr Erik Gawel

Gleicher Weg, gleiches Ziel

Wenn es darum geht, weiterhin ernsthaft das Ziel zu verfolgen, den Klimakollaps aufzuhalten, bleibt unabhängig von der Entscheidung des EU-Parlaments der Weg klar. Wir alle müssen weiterhin Projekte verfolgen, fördern und finanzieren, die zweifellos nachhaltig sind, unabhängig von der europäischen Taxonomie. Regierungen müssen sich zu einer sofortigen und vollständigen Energiewende verpflichten, die durch die Bürger*innen beschleunigt wird. Von intelligenten Stromnetzen über neuartige Energiespeicher und bis hin zu zivilen Technologien – viele grüne Technologien sind bereits verfügbar und die Möglichkeiten für grüne Investitionen sind endlos. Wir müssen uns jetzt vor Projekten hüten, die mit ihrer frisch abgestempelten grünen Karte prahlen. Nach der Abstimmung über die Taxonomie ist die Sorgfaltspflicht von Investor*innen – von Privatpersonen bis hin zu Bundesregierungen – wichtiger denn je.

Dieser Artikel gehört zum Dossier „Energiewende – Die Zukunft ist vernetzt“. Das Dossier ist Teil der Projekt-Förderung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), in deren Rahmen wir vier Dossiers zum Thema „Mission Klimaneutralität – Mit digitalen Lösungen die Transformation vorantreiben“ erstellen.

Mehr Informationen hier.

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Die Wasserstoffagenden der arabischen Golfstaaten

SWP - 11. Juli 2022 - 16:00

Mit ambitionierten Plänen brechen die Staaten des Golf-Kooperationsrats auf in die Wasserstoffzukunft. Insbesondere Saudi-Arabien, Oman und die Vereinigten Arabi­schen Emirate (VAE) verfolgen ehrgeizige Vorhaben, die Europa und Asien-Pazifik mit Wasser­stoff versorgen sollen. Zahlreiche Absichtserklärungen wurden abgeschlossen, erste Großprojekte auf den Weg gebracht. Für die Golfstaaten geht es nicht nur um Diver­sifizierung, sondern vor allem darum, bestehende Wirtschafts- und Machtstruktu­ren aufrechtzuerhalten. Dies wäre möglich, da sich die Wasserstoffwirtschaft in den vorhandenen institutionellen und fiskalischen Rahmen der Petroleumindustrie ein­fügt. Gleichzeitig ist sie eine wirksame Möglichkeit, den Klimaschutz international voran­zu­tragen, birgt für Deutschland und Europa jedoch Zielkonflikte und offene Fragen.

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Nachhaltigkeit in Hochschulen verankern

Engagement Global - 11. Juli 2022 - 15:48
Beim 5. Hochschultag für nachhaltige Entwicklung ging es um Ernährungssicherheit und nachhaltige Landwirtschaft. Foto: Engagement Global

Nachhaltige Entwicklung in Forschung, Lehre, Hochschulverwaltung und Studierendeninitiativen der Hochschulen von Baden-Württemberg zu verankern und mit Leben zu füllen – das war das Ziel des 5. Hochschultags für nachhaltige Entwicklung. Anfang Juli 2022 hat er nach zweijähriger Pause wieder stattgefunden, zum ersten Mal an einer Hochschule selbst, der Universität Hohenheim in Stuttgart.

Gegründet wurde die Universität Hohenheim vor 200 Jahren mit dem Ziel, den Hunger in Württemberg und der Welt zu bekämpfen. Das entwicklungspolitische Thema des Tages war passend dazu Ernährungssicherheit und nachhaltige Landwirtschaft.

Prof. Caroline Ruiner, Prorektorin für Digitale Transformation, begrüßte die mehr als 100 Teilnehmenden und führte in das Thema ein, das eng mit den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDG) verzahnt ist. Die Spurensuche nach den 17 Zielen gestalte sich in Hohenheim einfach, da Spuren überall zu finden seien. Im partizipativ erstellten Strukturentwicklungsplan der Universität sind sie im SDG-Mapping fest verankert und die Fortschreibung des Plans für die kommenden fünf Jahre soll dies weiter vertiefen - bekannt ist dieser Ansatz als Hohenheimer Modell. Er hat auch Afrika als Schwerpunkt und es wurde eine Afrikastrategie entwickelt. Neben zahlreichen Studiengängen, die zu Nachhaltigkeit lehren, wie zum Beispiel Bioökonomie und Globale Ökosystemforschung, gibt es Projekte wie das SDG-Graduiertenkolleg und Landwirtschaft 4.0, zwei neue Professuren und das Innovation Greenhouse als Anlaufstelle für Unternehmerinnen und Unternehmen. Ganz im Sinne des Whole System Approach ist die Universitätsverwaltung außerdem auf Ökostrom umgestiegen.

Staatssekretär Rudi Hoogvliet aus dem Staatsministerium Baden-Württemberg richtete den Blick auf die Landesebene und die Dringlichkeit zu handeln. Der Klimawandel und die durch den Krieg in der Ukraine befeuerte Ernährungskrise zeigten, dass es noch viel zu tun gebe. Das Engagement des Landes verglich er mit einem klassischen Sinfoniekonzert, bei dem die Agenda 2030 und die entwicklungspolitischen Leitlinien die Partitur, die vielen Akteure das Orchester darstellten. „Der Nachhaltigkeitssound ist schon recht gut“, fand Rudi Hoogvliet, was jetzt noch fehle, sei die große internationale Bühne; die vertikale Vernetzung müsse vorangebracht und Innovationen aus Baden-Württemberg anschlussfähig gemacht werden. „Das entstehende Hochschulnetzwerk soll endlich einen Probenraum bekommen!“, so Rudi Hoogvliet.

In seiner Keynote sprach Prof. Awudu Abdulai, Leiter des Instituts für Ernährungswirtschaft und Verbrauchslehre an der Universität Kiel, über Ziel 2 der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung: Kein Hunger. Laut eines Berichtes des Internationalen Roten Kreuzes stünde ein Viertel der Bevölkerung Afrikas, 346 Millionen Menschen, vor einer akuten Hungersnot. Die Weltbank habe ergänzt, dass durch Benzinpreiserhöhungen und die Unterbrechung von Versorgungsketten die Zahl der Hungernden und Armen schnell und steil ansteige. Doch zu den Ursachen zähle nicht alleine der Krieg in der Ukraine, sondern auch strukturelle Faktoren: Wüstenbildung auf 45Prozent von Afrikas Fläche und dadurch Bodendegradation, gewaltsame Konflikte, Wasserknappheit und geringe landwirtschaftliche Produktivität. Auf keinem Kontinent hätten die Menschen weniger zu essen als dort, besonders jedoch in Subsahara Afrika. Als Lösung müssten unter anderem die öffentlichen Investitionen in die Landwirtschaft erhöht, Institutionen effizienter gemacht und die Rolle der Frauen gestärkt werden.

Beim Markt der Möglichkeiten und bei drei Diskussionsforen hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, sich auszutauschen und zu vernetzen. Prof.Ulrich Holzbauer von der Hochschule Aalen stellte im Forum „Forschung für nachhaltige Entwicklung“ fest, dass der Schlüssel in Kooperation und Kommunikation liegt. „Die Ergebnisse müssen nach Außen gebracht werden, wir sollten nicht nur über Nachhaltigkeit forschen, sondern für Nachhaltigkeit!“, sagte er.

Leider seien die Studierendenzahlen aus den Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerika stark zurückgegangen. Die Gründe dafür seien die Studiengebühren für ausländische Studierende, die in Baden-Württemberg eingeführt wurden, und Corona, berichtete Angelika Weber vom Studienbegleitprogramm (STUBE). Auch das ASA-Programm wurde 2020 und 2021 auf die Probe gestellt. Persönlicher Austausch und Begegnungen bilden normalerweise den Kern des ASA-Programms – dies war in den letzten zwei Jahren jedoch nur noch digital möglich. In enger Zusammenarbeit mit den Partnerinstitutionen wurden die Projekte und Seminare 2021 digitalisiert und internationaler Austausch für über 250 Teilnehmende aus dem Homeoffice ermöglicht. Dabei blieben Herausforderungen natürlich nicht aus: Austausch und Begegnung mussten neu definiert werden und der Zugang zu einer aktiven Internetverbindung war auf einmal Voraussetzung für das Gelingen der Projekte. 2022 liegt der Fokus nun wieder auf persönlichen Begegnungen. Dennoch wird die Option digitaler Projekte auch für die kommenden Jahre beibehalten. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass so neue Zielgruppen erreicht werden und die Zusammenarbeit mit den Partnerinstitutionen sogar (noch) enger stattfindet.

Das ASA-Programm ist ein entwicklungspolitisches Lern- und Qualifizierungsprogramm von Engagement Global und bietet jährlich über 300 Stipendien für Studierende und Menschen mit Berufsausbildung weltweit. In über 140 Projekten engagieren sich die Teilnehmenden für nachhaltige Entwicklung.

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