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Aktualisiert: vor 2 Stunden 23 Minuten

Situation bzgl. CORONA bei unseren Partner*innen in Guatemala

3. April 2020 - 16:28
In den Projekten kommt es zu Verzögerungen, da die Büros unser guatemaltekischen Partnerorganisationen geschlossen bleiben und Aktivitäten, hauptsächlich Schulungen und andere Arten von Treffen, verschoben werden müssen. Die Projektmitarbeitenden arbeiten so gut es geht von zu Hause. Die Produktionsprozesse der Zielgruppen werden jedoch nicht gestoppt. Im Gegenteil, die guatemaltekisch Regierung betont, dass es von großer Wichtigkeit ist, dass die Produktion von Nahrungsmitteln für die Bevölkerung fortgeführt wird. Glücklicherweise treten die mit Covid 19 verbundenen Probleme eher in städtischen Gebieten auf, sodass die Landbevölkerung der landwirtschaftlichen Tätigkeit weiter nachgehen kann. ADAM und die Landpastorale begleiten und beraten die Projektteilnehmenden weiter per Telefon. Susana Lopez von der Landpastorale: “Es herrscht eine große Angst unter der Bevölkerung, sich zu infizieren. Unsere größte Befürchtung ist, dass sich COVID-19 massiv ausbreitet. Unser Gesundheitssystem ist dem nicht gewachsen und es besteht die Gefahr, dass viele Menschen sterben. Außerdem braucht es dringend eine Strategie zur wirtschaftlichen Unterstützung aller Familien, die durch das Wegfallen ihres Haushaltseinkommens schier ums Überleben kämpfen. Glücklicherweise versorgt das vom INKOTA-Projekt unterstützte Netzwerk agrarökologischer Produzent*innen, Red PPAS, die Menschen weiterhin mit frischem Gemüse. Statt alle 15 Tage nun sogar wöchentlich. Im derzeitigen Zustand des „Lock downs“ ist dies essentiell, da es zur Sicherung der Versorgung mit frischen Lebensmitteln beiträgt.“ Alain Mejia, ADAM: “Viele verzeichnen Einkommenseinbrüche, vor allem Menschen, die im informellen Handel tätig sind. Die Lebensmittelpreise auf den Märkten sind gestiegen und einige Produkte sind bereits knapp. Es herrscht Angst und teilweise sogar Panik in der Bevölkerung, was zu gewalttätigen Reaktionen führen kann, vor allem bei der Nahrungsmittelversorgung. Unsere größte Befürchtung ist, dass die Krise die Fähigkeit des Staates zu ihrer Bewältigung übersteigt. Dies würde Probleme wie Armut und Ernährungsunsicherheit, die in den am meisten gefährdeten Bevölkerungsgruppen bereits bestehen, noch verschärfen. Auch haben wir Angst, dass es noch lange dauern wird, bis ein Medikament zur Vorbeugung und Heilung der Krankheit gefunden wird. Wir hoffen, dass wir alle bald zu unseren normalen Lebens-, Arbeits-, Handels- und zwischenmenschlichen Beziehungen zurückzukehren können.“ Zum INKOTA Corona News-Ticker Erfahren sie mehr zur INKOTA-Arbeit in Guatemala
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Der Südlink zum freien Download

1. April 2020 - 16:52
Viele Menschen verbringen aufgrund der Corona-Pandemie momentan unfreiwillig viel Zeit in den eigenen vier Wänden. Andere haben mit zum Teil dramatischen Einkommenseinbußen zu kämpfen. Deshalb haben wir uns entschieden, die letzten drei Ausgaben des Südlinks, unseres Nord-Süd-Magazins, kostenlos zum Download zur Verfügung zu stellen.   Um das Erscheinen des Südlinks auch in diesen Krisenzeiten zu sichern, wären wir für jede Unterstützung dankbar. Jedes neu abgeschlossene Abo ist eine große Hilfe. Auch jede kleine Spende sichert die kritische Berichterstattung des Südlink zu globalen Fragen. Viel Spaß beim Lesen, vielen Dank und bleiben Sie gesund!  Südlink 191: Zum Download Südlink 190: Zum DownloadSüdlink 189: Zum Download

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Webinar: Zertifizierte Schokolade - Was steckt hinter den Siegeln?

1. April 2020 - 15:35
  • Was: Webinar mit INKOTA-Referent Johannes Schorling zum Thema Zertifizierung im Kakaoanbau
  • Wann: Mittwoch, 8. April, 18-19 Uhr
  • Wo: Überall, da es sich um ein Webinar handelt
Ob als Hase oder Ei – Ostern ohne Schokolade ist kaum vorstellbar. Kein Wunder also, dass zu dieser Jahreszeit so viel Schokolade gegessen wie sonst nie: Rund ein Kilogramm vertilgt jede*r Deutsche im Durchschnitt rund um die Osterfeiertage. Doch während wir uns dem süßen Genuss hingeben, lebt die Mehrheit der Kakaobauernfamilien in Ghana und der Côte d'Ivoire in extremer Armut. Eine Folge dieser Armut: Noch immer sind zwei Millionen Kinder gezwungen, unter ausbeuterischen Bedingungen auf Kakaoplantagen in Westafrika zu arbeiten. Durchblick im Schoko-Siegel-Dschungel Verschiedene Fairhandels- und Nachhaltigkeitssiegel versprechen dagegen einen Genuss mit gutem Wissen. Doch für Konsument*innen wird es immer schwieriger, bei der wachsenden Zahl von Siegeln, den Überblick zu behalten.
Im Webinar nimmt INKOTA-Referent Johannes Schorling deshalb die wichtigsten Siegel unter die Lupe: Welches Siegel hält tatsächlich, was es verspricht? Worin unterscheiden sich die Siegel von Fairtrade und der Rainforest Alliance? Welche anderen Siegel und Vorreiter-Unternehmen gibt es, die über die Standards der großen Zertifizierer hinausgehen? Und wie "fair" sind die Preise im Fairen Handel tatsächlich? Wenn Sie den Durchblick im Schoko-Siegel-Dschungel behalten wollen und erfahren möchten, was Sie tun können, um zu mehr Gerechtigkeit im Kakaoanbau beizutragen, dann melden Sie sich jetzt an. Schreiben Sie dafür einfach eine E-Mail an: rupp@inkota.de Erfahren Sie mehr über die Kampagne Make Chocolate Fair!
Unterzeichen Sie jetzt die Petition für ein Lieferkettengesetz

Gefördert durch Brot für die Welt aus Mitteln des Kirchlichen Entwicklungsdienstes, den Katholischen Fonds, die Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit des Landes Berlin sowie durch Engagement Global im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

        
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„Wie sollen diese Menschen sich selbst schützen, wenn sie ohnehin ums tägliche Überleben kämpfen?“

31. März 2020 - 17:59
Unsere Partnerorganisationen in Mosambik haben erste Maßnahmen zum Kampf gegen das Coronavirus ergriffen. So berichten ADECRU, ORAM und UNAC unter anderem davon, dass größere Veranstaltungen abgesagt und Dienstreisen beschränkt wurden. Die Hauptgeschäftsstellen unserer Partner*innen stehen in engem Austausch mit ihren lokalen Verbänden und Mitgliedern in den ländlichen Regionen, um weitere Maßnahmen zu besprechen. Ihre Hauptaufgabe sehen sie darin, die Bevölkerung über Präventionsmaßnahmen aufzuklären. Denn angesichts des zögerlichen Handelns der Regierung und der katastrophalen Gesundheitsversorgung befürchten sie Schlimmes, vor allem für die vielen armen Menschen im Land. Nur 2.000 Test-Kits zur Verfügung Bislang ist die Zahl der offiziell bestätigten Corona-Fälle in Mosambik mit acht (Stand: 31.03.2020) sehr niedrig. Nach anfänglichem Zögern hat die Regierung nun den Katastrophenfall ausgerufen und Schulschließungen, Versammlungsverbote und Einreisestopps angeordnet. „Mit den beschlossenen Maßnahmen scheinen Präsident Filipe Nyusi und seine Regierung endlich den Ernst der Pandemie erkannt zu haben“, berichtet unsere Partnerorganisation ADECRU. „Dennoch sind der Mangel an politischer Führung, die mangelnde Vorbereitung und die fehlenden technischen Kapazitäten der wichtigsten mosambikanischen Institutionen angesichts der tatsächlichen und erwarteten Bedrohungen durch das Coronavirus sichtbar und alarmierend.“ So hatte das Nationale Gesundheitsinstitut bekanntgegeben, nur 2.000 Tests vorrätig zu haben. „Hier scheint die Situation noch unter Kontrolle zu sein, aber wir wissen nicht, ob das mit unserem Screening zu tun hat oder ob es wirklich keine Fälle gibt“, berichtet Luis Muchanga, der Geschäftsführer von UNAC. Auch er bezweifelt, dass Mosambik über die Kapazitäten verfüge, um gegen das Virus vorzugehen. „Wir beten dafür, dass es wirklich nur wenige Infektionen gibt“, erzählt er. Partnerorganisationen setzen auf Prävention „Wir machen uns auch Sorgen um die Menschen auf dem Land“, schreibt uns Calisto Ribeiro, der Geschäftsführer von ORAM. Die Organisation entwickle deshalb Ideen für ein Projekt, bei dem beispielsweise in Radios, auf Märkten und in Busterminals über das Coronavirus und Hygienemaßnahmen aufgeklärt werden soll. In der Provinz Cabo Delgado, wo das Risiko eines unkontrollierten Ausbruchs des Virus aufgrund des dortigen bewaffneten Konflikts besonders hoch ist, wird von einer anderen Organisation bereits ein ähnliches Projekt durchgeführt. Dieses möchte ORAM auf das gesamte Land ausweiten. Auch unsere anderen Partner*innen setzen auf die Aufklärung der Bevölkerung. Abhängigkeit von China und Südafrika: Wirtschaftskrise droht Neben der akuten Gefahr eines unkontrollierten Ausbruchs des Virus, wird die Corona-Pandemie schwerwiegende Folgen auf die Wirtschaft haben. Mosambik ist wirtschaftlich von China und vor allem Südafrika abhängig. Südafrika, wo nach 100 bestätigten Infektionen der „Katastrophenzustand“ ausgerufen wurde, hat bereits drei seiner Landgrenzübergänge zu Mosambik geschlossen. Kaum Schutzmöglichkeiten für arme Menschen Die Krise könnte vor allem die arme Bevölkerung hart treffen. Das öffentliche Gesundheitssystem ist extrem unterversorgt und private Versorgung können sich nur die wenigsten Menschen leisten. Auch die Schutz- und Hygienemaßnahmen sind für die Armen kaum umsetzbar. So warnt unsere Partnerorganisation ADECRU: „In überfüllten Kleinbussen, auf den Straßen, auf den Märkten, auf dem Land und weit weg von Krankenhäusern: Wie sollen diese Menschen sich selbst schützen oder sozial isolieren, wenn sie ohnehin ums tägliche Überleben kämpfen?“ Zum INKOTA Corona News-Ticker Erfahren Sie mehr zu INKOTA-Arbeit in Mosambik
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Osterhasen: Ab ins Netz!

31. März 2020 - 14:44
Viele von euch waren total motiviert, an unserer diesjährigen Osteraktion teilzunehmen: Als Osterhasen verkleidet wolltet ihr durch die Innenstädte ziehen, gegen unfaire Schokolade protestieren und Unterschriften für ein Lieferkettengesetz sammeln. Wegen der Corona-Pandemie ist es gerade nicht möglich, die Aktion so umzusetzen. Doch euer großes Interesse hat uns so gefreut, dass wir uns jetzt eine Online-Variante für den Osterhasen-Protest überlegt haben. Denn gerade durch die Corona-Krise wird einmal mehr deutlich, wie dringend wir ein Lieferkettengesetz brauchen! Nicht nur das Virus selbst, sondern auch die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie treiben viele Menschen im globalen Süden an den Rand ihrer Existenz. Denn sie sind häufig schlechter abgesichert als viele Menschen hier in Europa: Keine Sozialversicherung, informelle Arbeitsverhältnisse, schlechte Gesundheitsversorgung. Aus Indien wissen wir bereits, dass viele Arbeiter*innen in der Schuh- und Textilproduktion von heute auf morgen ihr Einkommen verloren haben, weil Unternehmen aus Deutschland, Italien und China ihre Aufträge stornieren. Auch im Kakaoanbau könnte sich die Pandemie in den kommenden Monaten negativ auswirken: Der Weltmarktpreis für Kakao ist infolge der Krise innerhalb weniger Wochen um 20 Prozent in den Keller gestürzt. Wenn dieser Trend weitergeht, könnte die Armut von Kakaobauernfamilien zunehmen – die schon jetzt eine der Hauptursachen für ausbeuterische Kinderarbeit ist. Für uns ist klar: Diese globale Krise können wir nur gemeinsam meistern. Dazu gehört auch, dass Unternehmen entlang ihrer gesamten Lieferkette Verantwortung übernehmen müssen – auch für Menschen im globalen Süden. Die Forderung nach einem Lieferkettengesetz ist also aktueller denn je. In der aktuellen Lage ist es wichtig, dass wir zusammenrücken und solidarisch miteinander sind. Diesen Gedanken wollen wir mit unserer Osteraktion aufgreifen: Wir zeigen uns solidarisch mit denjenigen Menschen, die in globalen Lieferketten gerade wegen der Corona-Krise besonders bedroht sind, und fordern ein Lieferkettengesetz!

Vieles spielt sich gerade im Internet ab, und genau dorthin tragen wir jetzt auch unseren Protest. Hier kommt unser Aktionsvorschlag:
  1. Bastelt euch für die Online-Aktion einen „gesetzlichen Rahmen“ und (wer Lust hat) Osterhasen-Ohren. Eine Vorlage dafür findet ihr hier (LINK)
  2. Verabredet euch mit eurer Gruppe zu einer Video-Konferenz (z.B. per Skype oder Jitsi)
  3. Ladet eure Freund*innen, Bekannte, Oma, Opa, Tante, Onkel zu diesem Termin ein und sendet ihnen mit der Einladung den Link zu unserer Bastel-Vorlage: bit.ly/bastelvorlage-osteraktion
  4. Wenn alle im Video-Chat sind, macht einen Screenshot (ein Beispiel dafür seht ihr oben in der Meldung).
  5. Sendet euren Screenshot an rupp@inkota.de. Wir verbreiten euer Bild dann auf unserer Webseiten und in unseren Social Media-Kanälen, um den Protest für ein Lieferkettengesetz sichtbar zu machen!
  6. Teilt euer Aktionsfoto gerne auch auf eurer eigenen Webseite oder in euren Social-Media-Kanälen mit dem Hashtag #Lieferkettegesetz und dem Aufruf, die Petition für ein Lieferkettengesetz zu unterzeichnen: www.inkota.de/lieferkettengesetz
Tipp: Nicht alle haben einen Drucker zuhause, um sich den Rahmen oder die Ohren auszudrucken. Kein Problem: Bastelt euch einfach selbst ein Schild mit der Aufschrift „Lieferkettengesetz jetzt!“, nehmt eure Oster-Deko mit ins Bild oder Frühlingsblumen. Lasst eurer Kreativität und eurem Improvisationstalent freien Lauf! Für alle, die noch mehr wollen: Wir fordern euch heraus! Auf unserem INKOTA-Team-Foto (oben in der Meldung) haben wir immerhin sechs Leute zusammen bekommen. Schafft ihr mehr? Wer die meisten Menschen in einer Video-Konferenz versammelt, bekommt von uns ein schokofaires Überraschungspaket zugesendet! Was ihr noch tun könnt: Macht Pressearbeit zu eurer Aktion! Viele Lokalredaktionen suchen gerade händeringend nach Themen, weil das öffentliche Leben durch die Corona-Krise stillsteht. Daher sind die Chancen nicht schlecht, dass sie über eure Aktion berichten. Wir haben eine Muster-Pressemitteilung für euch erstellt, die ihr an eure lokalen Pressekontakte schicken und sie damit über die Online-Osteraktion informieren könnt. Bei Interesse stellen wir euch gerne die Muster-Pressemitteilung zur Verfügung. Schreibt dafür einfach eine Mail an rupp@inkota.de. So, jetzt sind wir gespannt, wie viele von euch sich auch an unserer Online-Aktion beteiligen. Seid dabei und sorgt so dafür, dass viele Menschen erfahren, wie wichtig ein Lieferkettengesetz ist und sich unserer Forderung anschließen. Wir zählen auf euch! Unterzeichnet die Petition für ein Lieferkettengesetz Erfahrt mehr über die Kampagne Make Chocolate Fair!
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Coronavirus in El Salvador: Präsident attackiert Menschenrechtsorganisationen nach Kritik an Ausgangssperre

31. März 2020 - 10:55
Die salvadorianische Regierung reagiert mit autoritären Maßnahmen auf die Corona-Pandemie. Zivilgesellschaftliche Organisationen warnen deshalb vor Grundrechtsverletzungen - und werden dafür vom Präsidenten beschimpft. Unsere Partnerorganisationen Acua und Fespad sind das Ziel einer Attacke des salvadorianischen Präsidenten Nayib Bukele geworden. Bukele ist bekannt für seinen aggressiven Politikstil und seine verbalen Entgleisungen, die er am liebsten per Tweet über das soziale Netzwerk Twitter in die Welt posaunt. Am 29. März polterte Bukele auf Twitter: „Manchmal scheint es, als würden einige ‚Menschenrechtsorganisationen nur arbeiten, um den Tod von noch mehr Menschen zu erreichen.“
Zivilgesellschaftliche Organisationen kritisieren autoritäre Maßnahmen Vorausgegangen war dem unter anderem eine am 26. März von verschiedenen zivilgesellschaftlichen Organisationen veröffentlichte Erklärung, die auch von Acua und Fespad unterzeichnet wurde. In dieser kritisieren die Organisationen die autoritären Maßnahmen, die die Regierung zur Bekämpfung des Coronavirus beschlossen hat. In der Erklärung heißt es: „Wir sind besorgt über die negativen Effekte, die einige der beschlossenen Maßnahmen auf die Bevölkerung haben.“ Das Bündnis ruft dazu auf, den durch die salvadorianische Verfassung und das internationale Menschenrechte gegebenen rechtlichen Rahmen zu respektieren. Gefährliche Drohungen gegen zivilgesellschaftliche Organisationen Dass Bukele zivilgesellschaftliche Organisationen für Kritik an seiner Politik direkt attackiert, entspricht seinem bisherigen Regierungsstil. Seit dem 1. Juni 2019 regiert er zunehmend autoritär, ohne sich mit dem Parlament abzustimmen oder gesellschaftliche Gruppen, wie Kirchen, Gewerkschaften und Unternehmen einzubinden. Schon mehreren Tausend Menschen gefällt Bukeles Tweet und in den Kommentaren wird zivilgesellschaftlichen Organisationen teils offen gedroht. Dies kann gefährliche Konsequenzen haben, denn immer wieder kommt es im Land zu Morden an Aktivist*innen und Menschenrechtsbeobachter*innen. Eingriffe und Ausgangssperre treffen vor allem Arme Neben international üblichen Maßnahmen, wie Versammlungsverboten, Einreisestopps und Zwangsquarantänen, hat die salvadorianische Regierung zu noch drakonischeren Mitteln gegriffen. Nichtregierungsorganisationen kritisieren, dass die Regierung die Pressefreiheit einschränke und Präsident Bukele die staatliche, aber von der Regierung unabhängige Menschenrechtsprokuratur in ihrer Arbeit angegriffen habe. Außerdem verhängte die Regierung am 22. März für 30 Tage eine Ausgangssperre, in deren Folge es schon zu hunderten Verhaftungen durch Militär und Polizei gekommen ist. Wer zur Arbeit gehen möchte, benötigt nun eine Bestätigung des Arbeitgebers. Diese Regelungen treffen vor allem arme Salvadorianer*innen, die im großen informellen Sektor arbeiten und sich ihren Lebensunterhalt Tag für Tag verdienen müssen. Zwar hat die Regierung versprochen ihnen einmalig 300 US-Dollar zu zahlen, dies wird jedoch nicht lange reichen, vor allem wenn die Ausgangssperre verlängert werden sollte. Bei der Auszahlung kommt es nun zu großen Problemen. So stehen die Menschen durchaus stundelang in Schlangen an – und bekommen dann teils trotzdem kein Geld. Auch erhöht dies das Ansteckungsrisiko weiter. Am 30. März waren offiziell erst 30 Menschen infiziert. Aber dies wird sich schnell ändern. Zum INKOTA Corona News-Ticker Erfahren Sie mehr zu INKOTA-Arbeit in El Salvador Mit zweierlei Maß: Kaum Kritik am antidemokratischen Verhalten des salvadorianischen Präsidenten
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In Folge von COVID-19: Droht eine Hungerkrise im globalen Süden?

30. März 2020 - 17:27
Aktuell sind rund 820 Millionen Menschen auf der ganzen Welt von chronischem Hunger betroffen. Das heißt, sie haben dauerhaft nicht genug zu essen. Von den Hungernden sind wiederum 113 Millionen mit akuter, schwerer Ernährungsunsicherheit konfrontiert – das heißt, der Hunger bedroht ihre Existenz und sie sind auf externe Nahrungsmittelhilfe angewiesen sind, um zu überleben. Für diese Menschen ist jede Unterbrechung der Versorgung mit Nahrungsmitteln, wie sie COVID-19 mit sich bringen könnte, lebensbedrohlich. Wenn sich darüber hinaus die COVID-19-Fälle in den 44 Ländern vermehren, die auf externe Nahrungsmittelhilfe angewiesen sind, oder in den 53 Ländern, in denen 113 Millionen Menschen akuten Hunger leiden, dann könnten die Folgen drastisch sein - so die UN Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO. Die Maßnahmen zur Eindämmung von COVID-19 und die damit verbundenen Einschränkungen werden die Ärmsten der Armen im globalen Süden besonders hart treffen und stellen ihre Ernährungssicherung vor große Herausforderungen. In vielen Ländern des globalen Südens geben Menschen einen Großteil ihres Einkommens - teilweise bis zu 95 Prozent - für Essen aus. Durch die Maßnahmen gegen COVID-19 (Ausgangssperren, Lock-Downs) brechen für viele Menschen im globalen Süden sämtliche Einkommensmöglichkeiten weg. Gleichzeitig fehlen soziale Sicherungssysteme, um diese Verluste aufzufangen oder auszugleichen. Entsprechend sinkt ihre Möglichkeit, täglich ausreichend Essen für ihre Familien und sich zu kaufen. Schließung lokale Märkte doppelt fatal Ebenso stellt die Schließung von lokalen, oftmals informellen Bäuer*innen- und Wochenmärkten, eine enorme Herausforderung sowohl für Produzent*innen als auch Konsument*innen dar. Schätzungen zufolge wird bis zu 80 Prozent des Essens auf der Welt auf solchen informellen Märkten verkauft. Schließen diese Märkte oder haben Menschen aufgrund der Ansteckungsgefahr mit Corona keine Möglichkeit mehr, diese zu besuchen, wirkt sich das drastisch auf die Möglichkeit aus, Nahrungsmitteln zu beschaffen. 300 Millionen Schulkinder ohne Schulessen Besonders schlimm ist die Situation für viele Schulkinder im globalen Süden: Weltweit sind rund 300 Millionen Kinder darauf angewiesen, dass sie zumindest eine Mahlzeit am Tag in der Schule bekommen. Sind die Schulen geschlossen, fehlt ihnen diese zentrale Nahrungsquelle, die durch ihre Familien in vielen Fällen nicht ersetzt werden kann. Die Folgen dieses Versorgungseinbruchs könnten verheerend sein. Welthandel: Stark schwankende Lebensmittelpreise Ebenso drastisch sind die Einschnitte im weltweiten Handelssystem. Durch die Corona-Krise wird deutlich, wie stark unser Ernährungssystem von globalen Handelsströmen und Wertschöpfungsketten abhängt. Es wird deutlich, wie krisenanfällig dieses System ist, das nicht auf eine lokale Versorgung, sondern einen marktliberalen Ansatz setzt. Damit dieses System intakt bleibt, ist freier Warenverkehr über Grenzen und Kontinente hinweg, sind Transportwege und eine internationale Logistik notwendig. Bei geschlossenen Grenzen, abgesperrten Zufahrtswegen, eingeschränktem Schiff- und Flugverkehr steht dieses System vor großen Herausforderungen. Besonders schwierig ist das für Länder, die stark von Lebensmittelimporten abhängen und einen geringen Selbstversorgungsgrad haben. Erste Auswirkungen sind bereits jetzt erkennbar: Die Lebensmittelpreise schwanken extrem. Das betrifft den globalen Süden ebenso wie den Norden. Zum Beispiel sind die Reispreise deutlich gestiegen, seit einzelne südostasiatische Länder ihre Reisexporte ausgesetzt haben. Noch droht hier keine Versogrungsknappheit, denn die weltweiten Getreidespeicher sind gut gefüllt. Doch nutzen volle Speicher den Menschen nur, wenn das Getreide auch über Länder hinweg transportiert und verteilt werden kann. Gleichzeitig ist es verständlich, dass einzelne Staaten wie Vietnam oder Thailand derzeit    versuchen, ihre Vorräte weiter aufzustocken und vom Weltmarkt zu nehmen, um ihre eigene Bevölkerung zu versorgen. Auch deutsche Landwirt*innen spüren die Corona-Krise Auch in Deutschland stehen Bäuerinnen und Bauern vor Herausforderungen angesichts der Corona-Pandemien:  Jahrelang wurde die Milch-Produktion ausgeweitet und auf den Export ausgerichtet. Die Einschränkungen im Warenverkehrt durch COVID-19 schränken die Exportmöglichkeiten jetzt allerdings drastisch ein. Die Folge: Die Preise sinken, Bäuerinnen und Bauern kämpfen mit Verlusten – und sind die Leittragenden einer verfehlten europäischen Agrarpolitik. Wie sich die Corona-Krise auch auf den Anbau von Lebensmitteln auswirkt, wird sich wohl erst in der nächsten Saison zeigen. Doch damit es nicht zu Einbrüchen kommt, ist es vor allem wichtig, dass Bäuerinnen und Bauern ihre Saat ausbringen können, dass der Anbau weiterlaufen kann. Hier zeigt sich einmal mehr, dass die agrarökologische Landwirtschaft gegenüber der industriellen einen Vorteil hat. Anders als die industrielle Landwirtschaft sind agrarökologische Ansätze nicht auf den Zukauf von Industriesaatgut angewiesen, sondern das Saatgut ist immer im Betrieb selbst vorrätig. Durch gesperrte Zufahrtstraßen oder geschlossene Grenzen, kann es zu Lieferproblemen beim Saatgut kommen. Zudem fehlt besonders Kleinbäuerinnen und -bauern – wenn das Einkommen wegbricht – das Geld, um Saatgut zu kaufen. Was jetzt passieren muss, um die Hungerkrise zu verhindern Noch ist die Hungerkrise nicht eingetreten. Doch die UN Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO ist stark alarmiert und warnt eindrücklich vor den möglichen Folgen der COVID-19-Krise. Daher ruft die FAO dringend alle Regierungen weltweit auf, entsprechende Maßnahmen zu treffen, um eine Hungerkrise zu verhindern und sich vor allem auf die marginalisiertesten Bevölkerungsgruppen zu fokussieren. Zentral ist jetzt, dass
  • ausfallende Schulmahlzeiten dringend ersetzt werden. Z.B. indem die Mahlzeiten durch lokale Food Banks oder Gemeindeeinrichtungen ausgegeben oder direkt zu den Familien nach Hause gebracht werden.
  • soziale Sicherungssysteme in allen Ländern ausgebaut werden. In vielen Ländern sind sie massiv gefährdet, da die Ausgabe von staatlichen Zahlungen und Gütern in der Regel von physischen Treffen abhängt. Hier müssen besonders Staaten, in denen Menschen von Hunger und Armut bedroht sind,   dringend ihre Anstrengungen ausbauen, die sozialen Sicherungsprogramme – z.B. zur Gesundheitsvversorgung und für Arbeitsausfälle – funktionsfähig zu halten und sie mit mehr Geld auszustatten.
  • Kleinbäuerinnen und Kleinbauern unterstützt werden. Geschlossene Wochenmärkte und geschlossene Transportwege stellen eine große Herausforderung für sie dar, da sie ihre Produkte nicht verkaufen können. Das bedeutet: Bäuerinnen und Bauern haben weniger Einkommen, und die Versorgung mit gesundem, frischem Essen ist massiv eingeschränkt. Internationale Bauernorganisationen   fordernd daher: Lokale Märkte müssen unbedingt geöffnet bleiben. Dabei sollten natürlich strenge Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz gegen Corona – wie Hinweisschilder für Sicherheitsabstände, eine Flächenausweitung des Marktes auf umliegende Straßen – eingehalten werden.
  • auch Landarbeiter*innen versorgt werden: Laut FAO machen migrantische Saisonarbeiter*innen 27 Prozent der Arbeitskraft in der Landwirtschaft weltweit aus. Durch geschlossene Grenzen können diese in vielen Fällen nicht mehr an ihren Arbeitsplatz gelangen. Das führt zu Engpässen in der Ernte einerseits. Andererseits verlieren die Landarbeiter*innen so ihre Einkommensquelle und stellt auch sie vor die Herausforderung, ihre Ernährung und die ihrer Familienmitglieder zu sichern.
Zum INKOTA Corona News-Ticker Erfahren Sie mehr zum INKOTA-Arbeitsbereich Welternährung und Landwirtschaft Erfahren Sie mehr zu Agrarökologie
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Webinar: Zertifizierte Schokolade - Was steckt hinter den Siegeln?

30. März 2020 - 15:35
  • Was: Webinar mit INKOTA-Referent Johannes Schorling zum Thema Zertifizierung im Kakaoanbau
  • Wann: Mittwoch, 8. April, 18-19 Uhr
  • Wo: Überall, da es sich um ein Webinar handelt
Ob als Hase oder Ei – Ostern ohne Schokolade ist kaum vorstellbar. Kein Wunder also, dass zu dieser Jahreszeit so viel Schokolade gegessen wie sonst nie: Rund ein Kilogramm vertilgt jede*r Deutsche im Durchschnitt rund um die Osterfeiertage. Doch während wir uns dem süßen Genuss hingeben, lebt die Mehrheit der Kakaobauernfamilien in Ghana und der Côte d'Ivoire in extremer Armut. Eine Folge dieser Armut: Noch immer sind zwei Millionen Kinder gezwungen, unter ausbeuterischen Bedingungen auf Kakaoplantagen in Westafrika zu arbeiten. Durchblick im Schoko-Siegel-Dschungel Verschiedene Fairhandels- und Nachhaltigkeitssiegel versprechen dagegen einen Genuss mit gutem Wissen. Doch für Konsument*innen wird es immer schwieriger, bei der wachsenden Zahl von Siegeln, den Überblick zu behalten.
Im Webinar nimmt INKOTA-Referent Johannes Schorling deshalb die wichtigsten Siegel unter die Lupe: Welches Siegel hält tatsächlich, was es verspricht? Worin unterscheiden sich die Siegel von Fairtrade und der Rainforest Alliance? Welche anderen Siegel und Vorreiter-Unternehmen gibt es, die über die Standards der großen Zertifizierer hinausgehen? Und wie "fair" sind die Preise im Fairen Handel tatsächlich? Wenn Sie den Durchblick im Schoko-Siegel-Dschungel behalten wollen und erfahren möchten, was Sie tun können, um zu mehr Gerechtigkeit im Kakaoanbau beizutragen, dann melden Sie sich jetzt an. Schreiben Sie dafür einfach eine E-Mail an: rupp@inkota.de Erfahren Sie mehr über die Kampagne Make Chocolate Fair!
Unterzeichen Sie jetzt die Petition für ein Lieferkettengesetz

Gefördert durch Brot für die Welt aus Mitteln des Kirchlichen Entwicklungsdienstes, den Katholischen Fonds, die Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit des Landes Berlin sowie durch Engagement Global im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

        
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Coronavirus in Nicaragua: Regierung instrumentalisiert Krise

27. März 2020 - 16:06
Ein Aufruf für „Liebe in Zeiten von Covid-19“ zu demonstrieren und Hoffnung in den Tourismus während der Karwoche. Was wie ein schlechter Scherz klingt, ist die Antwort der nicaraguanischen Regierung auf die globale Corona-Pandemie. Oppositionelle, Gesundheitsorganisationen und die Interamerikanische Kommission für Menschenrechte kritisieren Desinformation durch das Ortega-Regime und befürchten Schlimmes für das Land. Regierung lässt demonstrieren, bleibt aber fern Um die Zehntausend Menschen schoben sich am 14. März durch die Straßen der Hauptstadt Managua. Sie folgten einem Aufruf der Regierung, unter dem Motto „Wir gehen mit der Kraft des Glaubens und der Hoffnung. Liebe in Zeiten von Covid-19“ zu demonstrieren. Während die mittelamerikanischen Nachbarländer Maßnahmen wie Quarantänen und Verbote größerer Versammlungen verhängt haben, leugnet die nicaraguanische Regierung nach wie vor die Gefahren des Coronavirus. Das Bezeichnende: Weder Präsident Daniel Ortega noch seine Ehefrau und Vizepräsidentin Rosario Murillo folgten ihrem eigenen Aufruf. Interamerikanische Kommission für Menschenrechte besorgt Auf den ersten Blick erscheint die Situation in Nicaragua noch wenig besorgniserregend: Nur zwei Corona-Fälle hat das Land bisher offiziell zu verzeichnen (Stand: 27.03.2020). Doch in den Krankenhäusern häufen sich Fälle von „Lungenentzündungen“ und Oppositionelle und zivilgesellschaftliche Gruppen sind überaus besorgt. Bislang hat die Regierung keinerlei Anstrengungen gezeigt, über Präventionsmöglichkeiten aufzuklären oder transparent über die Corona-Pandemie zu informieren. Um sich selbst zu schützen übernehmen dies nun Teile der Bevölkerung aus eigener Initiative. Die Interamerikanische Kommission für Menschenrechte zeigte sich in einem Tweet besorgt darüber, dass bislang keine „dringenden Maßnahmen in Übereinstimmung mit internationalen Standards der Gesundheit und Menschenrechte getroffen wurden“. Die Regierung ruft sogar in- und ausländische Tourist*innen aktiv dazu auf, während der bald anstehenden Karwoche im Land zu verreisen. Weiter Repression gegen Oppositionelle Während die Regierung also alle Ratschläge von Virolog*innen missachtet, schreckt sie nicht davor zurück, die Krise politisch für ihren Kampf gegen die Opposition zu instrumentalisieren. Oppositionelle Medien berichten davon, dass Plakate in öffentlichen Krankenhäusern aufgetaucht seien. Auf diesen werden oppositionelle Gruppen angegriffen, die über Gefahren des Coronavirus und Möglichkeiten seiner Vorbeugung informieren. Diese Informationskampagnen seien ein „mediales Spektakel der Putschist*innen“. Juan Carlos Ortega, der für seinen extravaganten Lebensstil bekannte Medienunternehmer und Sohn des Präsidentenpaares, twitterte: „Der gefährlichste Virus ist die Lüge.“ Seit dem Ausbruch der Massenproteste gegen die diktatorische Herrschaft Ortegas im April 2018, hat die Regierung die Opposition immer wieder des „Putschismus“ bezichtigt. Die Proteste seien das Resultat einer vom CIA gesteuerten Verschwörung und Lügenkampagne. Die Sicherheitskräfte reagierten mit brutaler Gewalt auf die Proteste, in deren Folge hunderte Menschen starben und tausende Nicaraguaner*innen das Land verlassen haben. Seitdem geht die Regierung noch drastischer gegen Oppositionelle und die Zivilgesellschaft vor. Auch die Arbeit unserer Partnerorganisationen hat darunter zu leiden.
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Osterhasen: Ab ins Netz!

27. März 2020 - 14:44
Viele von euch waren total motiviert, an unserer diesjährigen Osteraktion teilzunehmen: Als Osterhasen verkleidet wolltet ihr durch die Innenstädte ziehen, gegen unfaire Schokolade protestieren und Unterschriften für ein Lieferkettengesetz sammeln. Wegen der Corona-Pandemie ist es gerade nicht möglich, die Aktion so umzusetzen. Doch euer großes Interesse hat uns so gefreut, dass wir uns jetzt eine Online-Variante für den Osterhasen-Protest überlegt haben. Denn gerade durch die Corona-Krise wird einmal mehr deutlich, wie dringend wir ein Lieferkettengesetz brauchen! Nicht nur das Virus selbst, sondern auch die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie treiben viele Menschen im globalen Süden an den Rand ihrer Existenz. Denn sie sind häufig schlechter abgesichert als viele Menschen hier in Europa: Keine Sozialversicherung, informelle Arbeitsverhältnisse, schlechte Gesundheitsversorgung. Aus Indien wissen wir bereits, dass viele Arbeiter*innen in der Schuh- und Textilproduktion von heute auf morgen ihr Einkommen verloren haben, weil Unternehmen aus Deutschland, Italien und China ihre Aufträge stornieren. Auch im Kakaoanbau könnte sich die Pandemie in den kommenden Monaten negativ auswirken: Der Weltmarktpreis für Kakao ist infolge der Krise innerhalb weniger Wochen um 20 Prozent in den Keller gestürzt. Wenn dieser Trend weitergeht, könnte die Armut von Kakaobauernfamilien zunehmen – die schon jetzt eine der Hauptursachen für ausbeuterische Kinderarbeit ist. Für uns ist klar: Diese globale Krise können wir nur gemeinsam meistern. Dazu gehört auch, dass Unternehmen entlang ihrer gesamten Lieferkette Verantwortung übernehmen müssen – auch für Menschen im globalen Süden. Die Forderung nach einem Lieferkettengesetz ist also aktueller denn je. In der aktuellen Lage ist es wichtig, dass wir zusammenrücken und solidarisch miteinander sind. Diesen Gedanken wollen wir mit unserer Osteraktion aufgreifen: Wir zeigen uns solidarisch mit denjenigen Menschen, die in globalen Lieferketten gerade wegen der Corona-Krise besonders bedroht sind, und fordern ein Lieferkettengesetz!

Vieles spielt sich gerade im Internet ab, und genau dorthin tragen wir jetzt auch unseren Protest. Hier kommt unser Aktionsvorschlag:
  1. Bastelt euch für die Online-Aktion einen „gesetzlichen Rahmen“ und (wer Lust hat) Osterhasen-Ohren. Eine Vorlage dafür findet ihr hier
  2. Verabredet euch mit eurer Gruppe zu einer Video-Konferenz (z.B. per Skype oder Jitsi)
  3. Ladet eure Freund*innen, Bekannte, Oma, Opa, Tante, Onkel zu diesem Termin ein und sendet ihnen mit der Einladung den Link zu unserer Bastel-Vorlage: bit.ly/bastelvorlage-osteraktion
  4. Wenn alle im Video-Chat sind, macht einen Screenshot (ein Beispiel dafür seht ihr oben in der Meldung).
  5. Sendet euren Screenshot an rupp@inkota.de. Wir verbreiten euer Bild dann auf unserer Webseiten und in unseren Social Media-Kanälen, um den Protest für ein Lieferkettengesetz sichtbar zu machen!
  6. Teilt euer Aktionsfoto gerne auch auf eurer eigenen Webseite oder in euren Social-Media-Kanälen mit dem Hashtag #Lieferkettegesetz und dem Aufruf, die Petition für ein Lieferkettengesetz zu unterzeichnen: www.inkota.de/lieferkettengesetz
Tipp: Nicht alle haben einen Drucker zuhause, um sich den Rahmen oder die Ohren auszudrucken. Kein Problem: Bastelt euch einfach selbst ein Schild mit der Aufschrift „Lieferkettengesetz jetzt!“, nehmt eure Oster-Deko mit ins Bild oder Frühlingsblumen. Lasst eurer Kreativität und eurem Improvisationstalent freien Lauf! Für alle, die noch mehr wollen: Wir fordern euch heraus! Auf unserem INKOTA-Team-Foto (oben in der Meldung) haben wir immerhin sechs Leute zusammen bekommen. Schafft ihr mehr? Wer die meisten Menschen in einer Video-Konferenz versammelt, bekommt von uns ein schokofaires Überraschungspaket zugesendet! Was ihr noch tun könnt: Macht Pressearbeit zu eurer Aktion! Viele Lokalredaktionen suchen gerade händeringend nach Themen, weil das öffentliche Leben durch die Corona-Krise stillsteht. Daher sind die Chancen nicht schlecht, dass sie über eure Aktion berichten. Wir haben eine Muster-Pressemitteilung für euch erstellt, die ihr an eure lokalen Pressekontakte schicken und sie damit über die Online-Osteraktion informieren könnt. Bei Interesse stellen wir euch gerne die Muster-Pressemitteilung zur Verfügung. Schreibt dafür einfach eine Mail an rupp@inkota.de. So, jetzt sind wir gespannt, wie viele von euch sich auch an unserer Online-Aktion beteiligen. Seid dabei und sorgt so dafür, dass viele Menschen erfahren, wie wichtig ein Lieferkettengesetz ist und sich unserer Forderung anschließen. Wir zählen auf euch! Unterzeichnet die Petition für ein Lieferkettengesetz Erfahrt mehr über die Kampagne Make Chocolate Fair!
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Podcast: Chancen der digitalen Landwirtschaft

27. März 2020 - 10:40
Die Digitalisierung in der Landwirtschaft wird mit vielen Erwartungen verbunden. Der Pestizideinsatz soll verringert werden, die Digitalisierung könnte helfen, den negativen Folgen des Klimawandels zu begegnen. Neue digitale Pflanz-Roboter könnten mehr Vielfalt auf den Acker bringen. Und dem globalen Süden könnte geholfen werden, mit digitalen „Lösungen“ ihre Ernten zu steigern und damit den Welthunger zu verringern. Ernteverluste, Verschwendung und Überproduktion würden verringert werden, wenn man präziser für die Endverbraucher produziert, so die Heilsversprechen der Industrie. Was müsste politisch geschehen, damit die großen Erwartungen an die Digitalisierung der Landwirtschaft auch erfüllt werden? Gibt es bereits digitale Werkzeuge, die die zunehmenden Probleme der industrialisierten Landwirtschaft wirklich angehen könnten? Welche Rahmenbedingungen müssten also geschaffen werden, damit sich die Chancen auch einlösen könnten? Peter Kreysler hat sich im dritten Teil unserer Podcastserie auf die Spurensuche begeben. Sie können den folgenden Text auch hören. Einfach klicken und auf Soundcloud anhören. „Achtung los! Sicherheitsschalter einschalten... und wenn man dann drauf schießt, sieht man den Effekt! Es ist nur ein Impuls und – die Pflanze lässt den Kopf hängen, könnte man so sagen." In einem kleinen Kasten aus Sicherheitsglas ist ein Speziallaser auf einen Topf mit einem Unkrautsetzling gerichtet. Viel sehe ich allerdings nicht. Kein Blitz, kein blauer Laserstrahl wie bei einem „Science Fiction-Film“ zerstört spektakulär das Unkraut. Nein, das Licht dieses Lasers ist unsichtbar. Nichts sieht man, nichts hört man. Doch kurz nachdem der Forscher vom Laserzentrum Hannover den Kopf drückt, um den Laserstrahl abzuschießen, lässt die Pflanze plötzlich die Blätter hängen. Die Idee, die hier dahintersteckt: Der „Ackerlaser“ fährt über die Felder und bekämpft so Unkräuter. Hierfür scannt ein Roboter mit einer Kamera alle Pflanzen, eine Software identifiziert dann die Unkräuter, unterscheidet sie von den Nutzpflanzen und bestrahlt sie. Die Unkräuter werden von den Strahlen so stark geschädigt, dass sie sterben oder nicht weiterwachsen können. Forscher, Laserzentrum Hannover: „Dass sie die vier Blätter runterhängen, ist nicht wichtig... Wichtig ist, dass wir zwischen den Blättern das Wachstumszentrum treffen. Wir haben auch schon Versuche dazu gemacht, wo es tatsächlich so ist, dass die Blätter, die schon draußen sind, weiter stehen bleiben, aber die Pflanze sich nicht mehr weiter entwickelt. Das heißt: Sie ist da. Sie ist noch Biomasse, sie kann auch noch positive Effekte haben, aber sie wird nicht um Nahrung, Wasser und Licht mit den Nutzpflanzen konkurrieren.“ Der Pilotversuch der Uni-Hannover hat bereits viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen, denn die Methode bietet eine Alternative zum Einsatz von Herbiziden. Im nächsten Jahr soll der „Acker-Laser“ aus Hannover vom Labor ins Feld gebracht werden, um dort erprobt zu werden. Ja, vielleicht in 2 Jahren gebe es einen Prototypen, den man dann anwenden könnte, wie ich erfahre. Warum ist das Projekt so interessant?, frage ich den Forscher, als er einen neuen Unkrautsetzling hinter das Schutzglas zum Laser stellt. Forscher: „Interessant sind natürlich Systeme, wo ich keine chemischen Pflanzenschutzmittel einsetzen will - also im Ökolandbau beispielsweise. Für uns mit der Lasertechnologie spielen Resistenzen gar keine Rolle. Wenn die Pflanze schon gegen irgendwas resistent ist, ist das ja sowieso egal, weil es ja eine chemische Resistenz ist. Aber gegen Laserstrahlen kann die Pflanze auch nicht resistent werden. Das heißt Sie müssen da nicht befürchten, dass sich die Pflanze plötzlich irgendwann einmal einen „Laserschutzschild“ zugelegt hat - das ist nicht möglich! Deswegen ist es für diese besonderen Anwendungsfelder sehr interessant." Dass Pflanzen sich nicht einen „Laserschild“ zulegen können, wie der begeisterte Wissenschaftler vom Laserzentrum erklärt, stimmt natürlich. So sonderbar die Vorstellung, Unkräuter mit Laser zu beschießen, erscheinen mag, könnte sie eine sinnvolle digitale Anwendung bieten. Für die konventionelle Landwirtschaft ist diese Lösung besonders interessant: Denn in meinen Gesprächen mit den führenden Pestizid-Herstellern zeigt sich, dass gerade die Entwicklung von neuen wirksamen, nicht gesundheitsschädlichen und gleichzeitig umweltverträglichen Herbiziden extrem schwierig und teuer ist. Händeringend wird weltweit nach einem neuen Pestizid-Wirkstoff gegen Unkräuter gesucht. Denn Herbizid-Herstellern wie BASF, Syngenta oder BAYER gehen langsam die chemischen Wirkstoffe aus, wie ich immer wieder erfahren habe. Zunehmend greift man auf alte Substanzen zurück oder es werden immer die gleichen Unkraut-Vernichter mit steigender Dosis und in unterschiedlichen Gift-Cocktails mit anderen Wirk- und Hilfsstoffen versprüht. Die Gefahr dabei ist, dass die Unkräuter auf lange Sicht Resistenzen gegen die Gifte entwickeln: Sie werden zu „Super Weeds“ - zu „Superunkräutern“. Dann kann man so viel Pflanzengift sprühen, wie man will, die Unkräuter bleiben stehen. In den USA ist das Phänomen der „Superunkräuter“ zu einem veritablen Problem für die Farmer herangewachsen. Weltweit wird geschätzt, dass durch Superunkräuter ein Ernteverlust von bis zu 30 Prozent entsteht, wie mir Bayer-Mitarbeiter mitgeteilt haben. Doch auch in Deutschland nimmt das Problem zu: Hier tauchen zunehmend resistente Unkräuter besonders im Weizenanbau auf: Forscher: „Wir sind da im Land Niedersachsen sehr aktiv dran. Es gibt im Getreideanbau resistente Un-Gräser - so nennt man das -, wie Ackerfuchsschwanz und Windhalm beispielsweise. Die sind eben ein echtes Problem, da kann man über Jahre kein Getreide mehr anbauen. Und auch da werden wir versuchen, mit dem Laser dagegen vorzugehen.“ Nach den Forschern im Labor wollte ich auch mit einigen konventionellen Bauern ins Gespräch kommen. Wie sehen sie das Thema? Was wünschen sich die jungen Landwirte? Schließlich sind sie es, die bald für uns die Lebensmittel produzieren. Wo sehen sie digitale „Lösungen“ in der Landwirtschaft? Und werden die richtigen Werkzeuge für die kleinteiligen deutschen Betriebe entwickelt? Ich frage den Jungbauern Jan River, ob die Digitalisierung der Weg ist. Jan River, Jungbauer: „Ja, das ist der Weg und der soll auch eingeschlagen werden.“ Als ich den Landwirt Jan River treffe, steht er mit anderen Jungbauern vor einem gigantischen Traktor. Das Ungetüm hat kein Führerhaus mehr, es braucht niemanden, der es steuert; das übernimmt der Computer. Der Schlepper ist so groß, dass die Menschen davor winzig aussehen. River ist 19 Jahre alt und ist noch in der Ausbildung; auch sein Freund arbeitet auf einem konventionellen landwirtschaftlichen Betrieb. Beide sind sichtlich beeindruckt von dem Gerät und stehen staunend vor der neuen Technik, machen Fotos mit ihren Handys und diskutieren. Peter Kreysler: „Würden Sie so einen selbstfahrenden Traktor bei sich fahren lassen? Fänden Sie das gut?“ Zweiter Jungbauer: „Wir haben gar nicht die Flächen dafür, die sind viel zu klein, denke ich; das würde sich gar nicht lohnen. Und selber kaufen wahrscheinlich sowieso nicht.“ Peter Kreysler: „Wie groß müssten denn die Flächen sein, damit sich das lohnt?“ Jan River: „Wir haben einen Betrieb von 200 Hektar, aber der würde sich bei unser Hektaranzahl nicht lohnen.“ Peter Kreysler: „Würden Sie das denn gut finden? Oder sitzen Sie lieber selber hinter dem Lenkrad?“ Jan River: „Ich persönlich sitze lieber selber hinter dem Lenkrad. Das macht doch mehr Spaß. Aber wenn die Technik das hergibt und man sich dadurch auf andere Sachen auf dem Betrieb konzentrieren kann, wäre das eine schöne Sache.“ Peter Kreysler: „Hier sehe ich aber nur größere Teile?“ Jan River: „Genau das ist das Problem, denn die Digitalisierung, die fördert ja besonders große Maschinen, wo es sich eher anbietet als bei kleineren Maschinen. Aber ich glaube, es sollte auch kleinere Maschinen geben.“ Peter Kreysler: „Haben Sie das hier gesehen?“ Jan River: „Bisher noch nicht.“
Vergeblich sucht man auf den Agrarmessen kleine kostengünstige Lösungen. Bei meinen Recherchen habe ich festgestellt, es ist gar nicht so einfach ist, gute digitale Anwendungen zu finden, die tatsächlich helfen, den Verlust von Lebensmitteln zu verringern, oder die wirklich helfen, Pestizide und den Rohstoffverbrauch zu reduzieren. Aber warum passiert da nicht mehr in diese Richtung? Schließlich reden wir seit 15 Jahren von der digitalen Landwirtschaft. Im Bundestag treffe ich MdB Harald Ebner: Harald Ebner, Bundestagsabgeordneter, Bündis 90/DIE GRÜNEN: „Es ist immer Frage der Rahmensetzungen. Wenn ich sage: lass mal machen, da kommt schon irgendwas bei raus, dann stehe ich als passiver Beobachter dabei. Dafür braucht es keine Politik." Aber wozu braucht es denn die Politik, frage ich den Agrarpolitiker der Grünen, Harald Ebner: Harald Ebner: „Um Rahmenbedingungen zu setzen, Leitplanken zu setzen. Um zu sagen: Wo wollen wir eigentlich hin? Und wo ein Marktversagen da ist, müssen wir als Staat auch reingehen. Im Saatgutbereich bin ich fest davon überzeugt, dass wir beispielsweise eine Züchtungsstrategie brauchen.“ Immer wieder betont er, dass es nicht ausreiche „weniger von dem Schlechten zu tun“, nur etwas weniger Pestizide oder weniger Monokulturen anzulegen. Harald Ebner: „Ich möchte das Richtige tun. Nehmen wir doch dann lieber gleich eine Mischkultur und beispielsweise einen einfachen Jät-Roboter. Der hat ja keine Eile, der braucht nicht die große Schlagkraft, also kann er auch etwas langsamer sein und ein bisschen einfacher gebaut sein. Ein Jät-Roboter, der ohne Einsatz von Chemie unliebsame Beikräuter auszupft oder in den Boden stopft, dem kann ich ja sogar einen Biodiversität-Faktor einstellen, der dann 10 Prozent der gefährdeten Arten übrig lässt. Und dann habe ich im Acker noch diese Vielfalt. Aber dafür müssen wir eben auch staatlich sorgen, dass wir sagen: Wir wollen auch Produkte entwickelt haben im ‚low cost‘-Bereich und das hilft dann auch im globalen Süden.“ Bisher habe ich aber noch kein Beispiel für einen Jät-Roboter gefunden, der schon einsatzbereit wäre, aber sehr viele selbstfahrende Feldspritzen. Warum ist das so? Harald Ebner: „Das Forschungsministerium gibt irre viel Geld - hunderte von Millionen - für Gentechnik aus, genauso könnte man ja auch in anderen Bereichen forschen. Wie kriegen wir einfach finanzierbare Geräte und Technologien für die Landwirtschaft hin? Nur wenn das Angebot da ist, kann es auch von den Landwirten genutzt werden. Und dafür, dass das Angebot da ist - dafür können wir die Weichen stellen.“ Ein Positivbeispiel der Digitalisierung zeigt mir Doreen Havenstein vom Verein NAHhaft. Sie entwickelt Apps für Verbraucher, Großküchen und Landwirte; es ärgert sie, dass zu viele Lebensmittel weggeschmissen werden, oder dass sie um die halbe Welt transportiert werden, obwohl doch vieles auch hier wächst. Zum Beispiel Äpfel – doch unser Apfelsaft in der EU stammt zu 80 Prozent aus Brasilien. Der Verein NAHhaft setzt sich für eine „sozial-ökologische Neuausrichtung von Landwirtschaft und Ernährung ein“ und möchte das mit Forschungsprojekten, Weiterbildungsangeboten, Beratungsdienstleistungen sowie Vernetzungsaktivitäten erreichen. „Die Sensibilisierung und der Wissenstransfer sollen konkrete Wirkungen erzielen“, wie der Verein NAHhaft auf seiner Webseite schreibt. Doreen Havenstein, NAHhaft: „Ich sage ja immer: Die Fridays for Future-Bewegung zeigt ja: Klimaschutz ist in aller Munde. Und leider sagt uns weder das Preisschild noch die Verpackung, welchen Einfluss die Lebensmittel aufs Klima haben. Um da etwas genauer hinzuschauen, macht es die ,Klima-Teller-App‘ möglich, die Rezepte zu bilanzieren.“ Peter Kreysler: Das heißt, ich gebe „Spaghetti-Bolognese“ ein? Doreen Havenstein: „Genau, die Herkunft, die Verpackung, die Verarbeitung, das kann alles angegeben werden; auch die Herstellungsweise, also ob ökologisch oder konventionell. Und dann rechnet die App aus, wie viel CO2-äquivalente Emissionen dieses Gericht pro Portion verursacht hat - vom Acker bis in die Küche natürlich.“ Das klingt nach einem spannenden Beispiel, wie ich die digitale Informationstechnologie gut nutzen kann, um Verbrauchern klarzumachen, wie viel CO2 ausgestoßen wurde für ihr Essen und wie man mit anderen Zutaten vielleicht klimafreundlicher kochen kann. Doreen Havenstein: „Aber das ist ganz interessant. Man kann so ein bisschen rumspielen und sieht dann: Wenn ich die TK-Pommes kaufe, dann ist die Klimabilanz gar nicht so gut. Da mach ich mir doch lieber meine Kartoffel-Wedges lieber selber. Ich lade immer jeden dazu ein, einmal sein Lieblingsgericht einzugeben und zu schauen, was ist jetzt, wenn meine Paprika nicht aus Israel kommt. Das ist ganz spannend zu sehen." Aber dabei bleibt es nicht: Denn Doreen Havenstein von NAHhaft entwickelt gerade eine neue App, wo Großverbraucher wie Kantinen, Mensen und Betriebsküchen einen leichteren Weg zu ihren Lebensmitteln aus nächster Nähe finden, also Lebensmittel direkt vom Erzeuger aus der Region. Die neue App mit dem Namen „nearbuy“ soll Transportwege reduzieren und die lokale Landwirtschaft stärken. Ich spreche mit Frieder Thomas vom Agrarbündnis, ein Zusammenschluss von vielen Verbänden und NGOs, denen die Landwirtschaft wichtig ist. Wo sehen sie, wo die Entwicklung falsch läuft und gibt es Lösungen dafür? Auf einer Agrartagung haben unterschiedliche Gruppen heute den ganzen Tag lang über die Digitalisierung der Landwirtschaft diskutiert: Frieder Thomas, Agrarbündnis: „Ja ja, die Gefahr sehen wir schon, dass sich verschiedene Unternehmen zusammentun, die derzeit in verschiedenen Branchen unterwegs sind, gemeinsam aber - aus verschiedenen Gründen - mit den Daten arbeiten. Also: Der Landmaschinen-Hersteller baut die Software ein, Pflanzenschutzmittel-Hersteller organisiert eine Software, die auf die Sensoren reagiert, die der Maschine sagt, wie viel sie an Pflanzenschutz ausbringen soll. Diese Hersteller tun sich zusammen, ob es dann am Ende ein Joint-Venture bleibt, oder am Ende ein gesonderter Konzern entsteht, das kann man nicht sagen, aber die Gefahren der Monopolisierung sind natürlich groß.“ Während die großen Landmaschinenhersteller wie John Deere auch mit Hilfe von Forschungsmitteln von Bund und Land neue Produkte entwickeln, tun sich kleinere Start-Ups schwerer, ihre Produkte zur Marktreife zu entwickeln und kommerziell erfolgreich zu vermarkten. Eine Gegenbewegung will sich gegen diesen Trend der großen Monopolisten stellen und eigene Digitale Werkzeuge entwickeln, wie Frieder Thomas vom Agrarbündnis mir erklärt. Frieder Thomas: „Wir haben heute in dem Workshop auch diskutiert, dass es Leute gibt, die versuchen, sich selbst zu organisieren, die unabhängige Unternehmen gründen, die nicht ihre Daten in die Clouds dieser Giganten einspeisen. Das sind Gegenbewegungen, die wir auch in anderen Bereichen immer wieder hatten. Wir haben auch im Bereich der Digitalisierung Menschen, die sagen: Wir können dieses Instrument auch auf eine sinnvollere Weise nutzen, ,Gegenmärkte‘ organisieren. Denn bei der Digitalisierung gibt es dieses ,Gut oder Böse‘ gar nicht. Es gibt die komplexe Diskussion darum, wie ich das nutze und was ich auch nicht nutze. Manchmal ist auch bäuerliches Wissen viel besser als das, was der Algorithmus da entwickelt hat. Aber diese Diskussion ist eben nicht ,Ja oder Nein‘, sondern: Wie gehe ich mit der neuen Technologie um?“

„Digitalisierung in der Landwirtschaft“ - Teil 3 ein INKOTA-Podcast von Peter Kreysler. Es sprachen: Barbara Becker, Wolfgang Glum und der Autor. Musik: Zoe Keating, Redaktion: Lena Luig Hören Sie jetzt auch Folge 1 und 2 der dreiteiligen INKOTA-Podcast-Reihe auf Soundcloud Erfahren Sie mehr zum Thema Digitalisierung in der Landwirtschaft Bestellen Sie Material zu Digitalisierung in der Landwirtschaft

Dieser Podcast wurde gefördert durch das Umweltbundesamt und das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit. Die Mittelbereitstellung erfolgt auf Beschluss des Deutschen Bundestages. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung liegt bei den Autorinnen und Autoren.

 
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Von der Kultfigur zum Freund - Ernesto Cardenal, die DDR und INKOTA

26. März 2020 - 13:05
Ernesto Cardenal war Revolutionär, Priester, Dichter und Kulturminister Nicaraguas. Willi Volks, ehemaliger Geschäftsführer von INKOTA, blickt auf vier Jahrzehnte der Begegnungen und Zusammenarbeit zurück. Ein Nachruf auf einen Freund und Wegbegleiter. Ernesto Cardenal war unter der DDR-Bevölkerung bestens bekannt: Seine Bücher wurden vom Aufbau-Verlag und dem Union-Verlag herausgegeben und die Solidarität mit Nicaragua gehörte nach dem Sieg der Sandinistischen Revolution über die Somoza-Diktatur 1979 zur Staatsräson. Dementsprechend präsent war das Land in den Medien. Ernesto Cardenal selbst besuchte die DDR mehrmals. Seine Anziehungskraft hielt noch lange an: Beispielsweise war noch fünfzehn Jahre nach der Wende eine Konzertlesung mit ihm in der Kulturbrauerei im Ostberliner Prenzlauer Berg völlig ausverkauft. Zusätzliche Stühle wurden in den Saal gestellt und Stehplätze vergeben. Erste Begegnung mit Cardenal: SED-Funktionäre überrumpelt Für uns als Mitglieder der kirchlichen „Initiativgruppe Hoffnung Nicaragua“ (IHN) in Leipzig, die sich als INKOTA-Mitgliedsgruppe verstand, hatte Ernesto Cardenal eine ganz besondere Bedeutung: Er war die Kultfigur der Sandinistischen Revolution, mit der wir die Hoffnung auf einen dritten Weg, einen demokratischen Sozialismus mit menschlichem Antlitz, verbanden. Bereits mit seinem ersten offiziellen Staatsbesuch in der DDR, als nicaraguanischer Kulturminister im Jahr 1982, verband sich für die IHN ein Ereignis der ganz besonderen Art. Mit einem kleinen Kreis von Mitgliedern der SED-Bezirksleitung besuchte Ernesto Cardenal die vorher abgeschlossene und scheinbar menschenleere Thomaskirche. Einige Mitglieder der Gruppe hatten sich jedoch zuvor hineingeschmuggelt, kamen hinter den Bänken hervor und Karim Saab, einer der Mitbegründer der IHN, überreichte Ernesto Cardenal ein sehr wertvolles antiquarisches Buch und berichtete über die Solidaritätsarbeit der erst seit etwa einem Jahr bestehenden Gruppe. Die SED-Funktionäre sollen recht sauertöpfisch geschaut und krampfhaft versucht haben, gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Ernesto Cardenal gefiel es offensichtlich. Jedenfalls sagte er später seinem deutschen Verleger Hermann Schulz vom Wuppertaler Peter Hammer Verlag, dass dies die interessanteste Begegnung währende seines DDR-Aufenthalts gewesen sei und schickte Karim Saab eine persönliche Dankeskarte. Zugleich schmückte die Klappkarte unserer Gruppe das Foto vom Papstbesuch 1983 in Nicaragua, als Johannes Paul II. Ernesto Cardenal den Segen verweigerte und stattdessen mit erhobenem Zeigefinger mahnte, er möge sein politisches Engagement sowie seine Nähe zur Befreiungskirche überdenken.                                                                                                            Bild: AP Photo/Barricada Repression gegen praktische Solidarität Ich stieß erst Ende 1983 zur IHN. Erzählungen über die für DDR-Verhältnisse schlicht unvorstellbare Begegnung in der Thomaskirche machten immer wieder die Runde und die Karte von Ernesto Cardenal wurde von uns behandelt wie ein Heiligtum. Auch im Alltag der Gruppe spielten vor allem die Werke Cardenals, die in seiner christlichen Kommune auf einer Insel im Solentiname-Archipel im Nicaraguasee entstanden waren, eine wichtige Rolle. So lasen und besprachen wir begeistert das „Evangelium der Bauern von Solentiname“ und führten zusammen mit nicaraguanischen Studenten (es waren ausschließlich Männer) in Kirchen die Bauernmesse (Misa Campesina) auf. Das Publikum war begeistert, nicht aber die Partei und die Staatsorgane: Unsere Gruppe wurde als verlängerter Arm des CIA diffamiert und den Nicaraguaner*innen wurde der Kontakt mit uns bei Strafe untersagt – ein Nicaraguaner wurde deswegen vom Studium suspendiert und nach Hause geschickt. Auch das war Teil der offiziellen Solidaritätspolitik der DDR. Eifersüchtige Wache vor Cardenals Büchern Auch eine meiner ersten Aktivitäten in der IHN war indirekt mit Ernesto Cardenal verbunden: Ich durfte seine Bücher „bewachen“. Bei der Buchmesse 1984 in Leipzig gab es einen Gemeinschaftsstand des Peter Hammer Verlags von Hermann Schulz und dem Lamuv Verlags von René Böll, dem Sohn Heinrich Bölls. Beide Verlage aus der BRD waren nicht sehr finanzkräftig, weshalb sie sich den täglichen Zwangsumtausch von West-Mark in DDR-Mark und die Aufenthaltskosten nicht leisten wollten. Darum übernahmen wir die Standbetreuung. Die Regale von westdeutschen Ständen waren am Ende der Messe normalerweise fast leergefegt, da das westdeutsche Personal an den letzten Tagen kulant darüber hinwegsah, wenn Bücher geklaut wurden. Unsere Regale hingegen waren noch gut gefüllt. Wir bewachten sie eifersüchtig, denn ein Teil von ihnen, vor allem Bücher von Ernesto Cardenal, gingen nach der Messe in den Bestand der IHN über. Sehnsuchtsort Monte Fresco Der Verleger Hermann Schulz war inzwischen ein guter Freund und Unterstützer unserer Arbeit geworden. Er versorgte uns mit Informationen, schenkte uns Bücher aus seinem Verlag, stellte Kontakte her und half uns, diese über die geschlossene Grenze hinweg am Laufen zu halten. Das betraf vor allem unsere direkten Kontakte nach Nicaragua, denn wir hatten inzwischen unseren konkreten Ort der Hoffnung und Sehnsucht ausgemacht: Das kleine Nest Monte Fresco, am Kilometer 28 der alten Straße von Managua nach León gelegen. Wir unterstützten die dortige Schule „Tania La Guerillera“, benannt nach der aus der DDR kommenden Tamara Bunke, die in Bolivien an der Seite von Che Guevara kämpfte und dort umkam. Schon die Entstehungsgeschichte der Partnerschaft mit der Schule in Monte Fresco war mühsam und kam vor allem durch die Unterstützung von Maria Eisenhuth vom Solidaritätskomitee Dietzenbach zustande. Sowohl sie als auch Hermann Schulz besuchten Monte Fresco, transportierten Briefe, machten Fotos und überbrachten uns die Grüße der Lehrer*innen und Wunschlisten und Zeichnungen von den Kindern. Unser „Bruder und Freund Ernesto Cardenal“ Hermann Schulz unterstützte uns auch beim Aufrechterhalten der Kontakte zu Ernesto Cardenal. Ich erinnere mich an zwei oder drei Briefe von ihm in dieser Zeit. Er nannte uns „Liebe Freunde der Gruppe Hoffnung Nikaragua“ (man beachte die Schreibweise mit „k“, die in der DDR üblich war) und bedankte sich für unsere Solidarität mit Monte Fresco. Wir wiederum schrieben an unseren „Bruder und Freund Ernesto Cardenal“. Das muss man sich mal vorstellen! Ernesto Cardenal, diese schillernde und faszinierende Persönlichkeit der Sandinistischen Revolution, war unser Bruder und Freund geworden. Etwas Schöneres und Größeres konnte es für uns in der eingemauerten DDR kaum geben! Der Alltag unserer Gruppe war dagegen eher bescheiden, mühsam und vor allem durch zwei Dinge bestimmt: Pakete mit Heften, Stiften, Radiergummis und anderem zu verschicken und auf Post aus Monte Fresco zu warten. Da half es sehr, wenn unser Alltag mal durch eine etwas andere Aktion unterbrochen wurde: Bei einer kirchlichen Veranstaltung in Berlin konnten wir Ernesto Cardenal ein Akkordeon übergeben, das sich ein kleines Mädchen aus der Schule in Monte Fresco gewünscht hatte. Cardenal: Gegenentwurf zum Sozialismus Marke DDR Eine Persönlichkeit wie Ernesto Cardenal als Kulturminister im „sozialistischen Bruderland“ Nicaragua wollte die DDR-Führung natürlich als einen der ihren vereinnahmen. Ich erinnere mich beispielsweise an eine Veranstaltung im Jahr 1985 in einer Berliner Kirche. Der Veranstalter war die Christliche Friedenskonferenz (CFK) der DDR, die sehr staatsnah agierte und selbst die gewaltsame Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 guthieß. Ernesto Cardenal hielt eine Rede über Christentum und Sozialismus. In der sich anschließenden Diskussion wurden einige vorsichtig-kritische Fragen gestellt. Das genügte Heinrich Fink, dem damaligen Vorsitzenden der CFK in der DDR, die Veranstaltung abrupt zu beenden. Fink erklärte den bis dahin sehr munter wirkenden Ernesto Cardenal kurzerhand für müde und erschöpft und geleitete ihn aus dem Altarbereich. Peinlich!
Der DDR-Führung gelang es nicht, Ernesto Cardenal zu vereinnahmen. Er war zu groß für sie und bewegte sich in anderen, höheren Dimensionen. Seine Sozialismus-Vorstellung war der Gegenentwurf zum Sozialismus Marke DDR.
Wenn die Führung der DDR von der Weltrevolution schwafelte, konnte das angesichts des verkrusteten und kleinbürgerlichen „real existierenden Sozialismus“ in der selbsternannten Diktatur des Proletariats nur noch ein müdes Lächeln hervorrufen. Sprach Cardenal von Revolution, dann tat sich ein Raum auf: visionär, befreiend, emanzipatorisch. Als ganzheitliche Persönlichkeit von Wort, Tat und Haltung war er glaubwürdig. Diese Glaubwürdigkeit war der DDR-Führung längst abhandengekommen. Cardenal vereinigte die drei Wirkungsbereiche als Priester und Befreiungstheologe, als Dichter und als Politiker auf beeindruckende Art und Weise. Seine mystische und wundervoll bildhafte Poesie verband sich mit der Vision einer gerechten Gesellschaft und der praktischen revolutionären Politik des Aufbaus von Kulturzentren und Dichterwerkstäten des Volkes im sandinistischen Nicaragua. „Wie kann ein wirklicher Christ Kapitalist sein?“ Er nannte sich mitunter Kommunist. Für ihn war Christ sein und Kommunist sein kein Widerspruch. Im Gegenteil: ihm war es wichtig, beides zu vereinen. Aus christlicher Nächstenliebe wollte er eine gerechte sozialistisch-kommunistische Gesellschaft schaffen. Für alle. Vor allem aber für die Ärmsten der Armen. Dies begriff er als Liebe und Befreiungsakt für alle Völker und es war ihm eine Verantwortung, die ihn in die Unendlichkeit des Lebens und des Universums führte – wie seine Poesie. „Kommunismus – das heißt das Reich Gottes auf Erden – was für mich dasselbe ist“, schrieb er. Wer diese Aussage heute belächelt oder gar abtut, möge den geschichtlichen Kontext bedenken: Es war die Zeit des Kalten Krieges zwischen dem sozialistischen und dem kapitalistischen Block. Für viele Menschen– auch in der DDR – war ein demokratischer Sozialismus ein erstrebenswertes Ziel.
Und wenn Ernesto Cardenal auf die Frage: „Wie kann ein Christ Marxist sein?“ antwortete: „Wie kann ein wirklicher Christ Kapitalist sein?“, so scheint mir das noch heute, angesichts der Politik von sich christlich nennenden Parteien, sehr bedenkenswert. Cardenal und INKOTA: vereint in der Opposition gegen Ortega Wie wir wissen, ist die Revolution in Nicaragua Vergangenheit. Cardenal hat sich vom einstigen Revolutionshelden und heutigen Präsidenten Daniel Ortega öffentlich distanziert und ihn einen Diktator genannt. Auch INKOTA ist schon lange auf Distanz zum Regime Ortegas gegangen. Heute unterstützen wir Projekte von Partnerorganisationen der Zivilgesellschaft, die sich mehrheitlich ebenfalls von den regierenden Sandinist*innen gelöst haben oder, wie die Stiftung Popol Na, Hilfe für die Opfer dieser neuen Diktatur leisten.

Als INKOTA im Jahr 2001 einen Beirat aus Prominenten zur Unterstützung seiner Arbeit bildete, fiel uns als einer der ersten Ernesto Cardenal ein, der ohne großes Zögern zusagte. In der Folgezeit unterstützte er mehrmals Kampagnen für unsere Projekte in Nicaragua. Ich erinnere mich diesbezüglich an eine sehr schöne Konzertlesung mit der Grupo Sal 2004 in der Dreikönigskirche in Dresden, mit deren Erlös ein Projekt vom Frauenzentrum Xochilt Acalt, einer INKOTA-Partnerorganisation im Landkreis Malpaisillo, gefördert wurde. Quicklebendig noch mit 85 Jahren In den folgenden Jahren traf ich Ernesto Cardenal noch mehrfach auf der (fast) jährlich stattfindenden Konzertlesungstournee durch Deutschland mit der Grupo Sal. Wegen seiner damals schon angeschlagenen Gesundheit, stand hinter jeder abgeschlossenen Tournee die bange Frage, ob dies nicht die letzte war. Ich erinnere mich noch gut an ein Abendessen nach der Konzertlesung 2010 in der Heilig-Kreuz-Kirche in Berlin-Kreuzberg. Im Gegensatz zu manchen Vorjahren schien er bei bester Gesundheit. Jedenfalls aß und trank er mit Genuss und erzählte. Die Zeit schritt erheblich voran und die Musiker, die am nächsten Morgen sehr früh aus den Federn mussten, um die Weiterfahrt nach Hamburg vorzubereiten, wurden langsam ungeduldig – doch es brauchte mehrere geschickte Anläufe, ehe Ernesto sich durchringen konnte, die Gaststätte zu verlassen. Am 1. März dieses Jahres ist Ernesto Cardenal im Alter von 95 Jahren gestorben.
Mir werden die Bilder von dem quicklebendigen Ernesto in der langen Kreuzberger Nacht wohl immer im Gedächtnis bleiben.

Für mich bleibt von dem Vielen, was er uns gegeben hat, vor allem eins:
Seine Sehnsucht nach einer gerechteren Welt lebt weiter, auch bei INKOTA!

Gracias, Padre* Ernesto!

Willi Volks

*Ernesto Cardenal wurde 1985 durch den Vatikan das Priesteramt entzogen, Papst Franziskus hat Anfang 2019 alle Sanktionen gegen ihn aufgehoben. Darüber war er sehr glücklich.

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Coronavirus in Vietnam: INKOTA-Projektregion betroffen

25. März 2020 - 16:31
Auch die Projektarbeit von INKOTA in Vietnam ist vom neuen Coronavirus betroffen. Nachdem Ende Januar die ersten Fälle im Land bekannt wurden, ergriff die vietnamesische Regierung sofort weitreichende Maßnahmen: Schulen und Universitäten wurden geschlossen, größere Versammlungen und Veranstaltungen wurden abgesagt, Kontrollen erhöht und Grenzübergänge geschlossen. Zudem wurden immer wieder ganze Ortschaften unter Quarantäne gestellt, sobald der Verdacht aufkam, dass ein*e Bewohner*in Kontakt zu einer infizierten Person gehabt haben könnte - so auch zunächst eine Gemeinde, in der auch Projektpartner von INKOTA aktiv sind. Hierdurch ließ sich ein großflächiger Ausbruch zunächst verhindern. Ende Februar wagte man bereits aufzuatmen, als alle 16 bis dahin erkrankten Personen wieder genesen waren und es über Wochen zu keinen Neuinfektionen kam. Die rigorosen Ausgangsbeschränkungen wurden allmählich aufgehoben und das öffentliche Leben wiederaufgenommen. Dann kam das Virus zurück Doch Anfang März kam das Virus zurück. Eine Flugreisende wurde positiv getestet, nachdem sie bereits weitere Passagiere angesteckt hatte. Zwar wurden die Vorsichtsmaßnahmen der Regierung umgehend nochmal drastisch verschärft und zum Beispiel ein komplettes Einreiseverbot für Europäer*innen erlassen. Mittlerweile grassiert das Virus jedoch in mehreren Provinzen und die Sorge ist groß, dass das lokale Gesundheitssystem einem großflächigen Ausbruch des Virus über kurz oder lang nicht gewachsen sein wird - auch wenn bislang (Stand 24.3.2020) in Vietnam noch keine Todesopfer zu verzeichnen sind. INKOTA-Projektarbeit zu Corona-Zeiten Für unsere Partnerorganisationen bedeutet die Situation, dass sie seit Beginn des Ausbruchs ihre Projektaktivitäten stark einschränken und schließlich komplett einstellen mussten. Feldbesuche sind nicht mehr möglich, Trainings, Workshops und Versammlungen von Projektteilnehmenden unterbunden. Die Mitarbeitenden unserer Partnerorganisationen dürfen nur noch aus dem Home-Office heraus arbeiten - ähnlich wie auch wir hier in Deutschland. Und es weiß niemand so genau wie es weitergeht. INKOTA unterstützt seit den 90er Jahren Projekte in Vietnam. Aktuell arbeiten wir mit zivilgesellschaftlichen Organisationen zusammen, die ethnische Minderheiten im nördlichen und zentralen Hochland unterstützen. Zurzeit fördern wir drei Projekte:
  • In der Gemeinde Tan Loi, 90 Kilometer nördlich von Hanoi, unterstützen wir ein Projekt unserer Partnerorganisation DWC – The Center for Promoting Development for Women and Children. sie arbeiten daran, durch mehr Partizipation, den Menschen vor Ort ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.
    Erfahren Sie mehr zu diesem Projekt in Vietnam

  • Im nördlichen Zentralvietnam, in der Gemeinde Ngoc Lam, fördern wir ein Projekt unserer Partnerorganisation CHIASE – The Center of Help for Indigenous value promotion And Sustainable Environment. Hier leben zwangsumgesiedelte Angehörige der Thai-Minderheit in bitterer Armut. Sie wurden aus ihrem 200 Kilometer entfernten Heimatort vertrieben, weil dort ein Wasserkraftwerk gebaut wurde. CHIASE unterstütz die Menschen dabei, kleine Erzeugergemeinschaften zu gründen und lokal angepasste Anbau- und Viehzuchtmethoden zu entwickeln.
    Erfahren Sie mehr zu diesem Projekt in Vietnam
Corona-Virus-Song geht viral Das vietnamesische Gesundheitsministerium hat sich im Kampf gegen das Virus etwas Besonderes einfallen lassen: Mit einem animierten Popsong-Video klärt es darüber auf, wie man sich vor einer Infektion schützen kann. Das Video wurde bereits millionenfach auf YouTube geklickt. In den sozialen Medien tragen Vietnames*innen nun einen Wettbewerb aus: Sie stellen Videos von sich mit den besten Tanzperformances zum Anti-Corona-Song ins Internet. Jetzt das Video des vietnamesischen Gesundheitsministeriums ansehen Jetzt TikTok-Tanzperformance der Tänzer Quang Đăng ansehen
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Corona-Pandemie: Warum wir jetzt ein Lieferkettengesetz brauchen

20. März 2020 - 8:24
Mit der Corona-Krise ist auch das Wort „Lieferkette“ in aller Munde. Es geht um Störungen, neue Lieferländer, um die Verlagerung der Produktion zurück nach Europa – aber viel zu selten geht es um die Verantwortung der Unternehmen gegenüber ihren Arbeiter*innen in der globalen Lieferkette. Die INKOTA-Mitarbeitenden Berndt Hinzmann und Anne Neumann waren im Februar in Indien und haben sich ein Bild von der dortigen Schuhindustrie gemacht. In diesem Text erklären sie, warum menschenrechtliche Verantwortung in Lieferketten immer und gerade auch in Wirtschaftskrisen so wichtig ist. Arbeiter*innen aus Gerbereien und Schuhfabriken berichteten uns von ihrem größten Problem: Sie haben häufig gar keinen Nachweis darüber, dass sie in der Fabrik arbeiten, in die sie täglich gehen. Zwar sitzen sie jeden Morgen pünktlich an ihrem Platz, falten Leder, nähen Schuhschäfte, verpacken fertige Schuhe. Doch ein Arbeitsvertrag, Lohnzettel oder wenigstens Fabrikausweis? Fehlanzeige! Sie sind jederzeit von willkürlicher Entlassung bedroht. Das zeigt sich auch jetzt in der durch die Corona-Pandemie einsetzende Wirtschaftskrise: Käufer aus Ländern wie Deutschland, Italien, den USA aber auch China stornieren ihre Aufträge und wollen, dass die Auslieferung bereits fertiger Waren zurückgehalten wird. Es ist auch ein Spekulieren mit dem Preisverfall aufgrund der schlechte Marktstimmung. Die Produktion wird außerdem insgesamt runtergefahren, da für das Gerben wichtigen Chemikalien wie Natriumsulfid aus China fehlen. Die zahlreichen Tagelöhner*innen der Gerbereien haben somit kein Einkommen. Schon vor der Krise lebten deren Familien an der Existenzgrenze, an Ersparnisse für schlechte Zeit war nicht zu denken. Jetzt fallen sie ins Bodenlose. Heimarbeiterinnen warten vergeblich auf Zwischenhändler Von der Krise sind auch die angrenzenden informellen Bereiche drastisch betroffen: Die Heimarbeit - die überwiegend von Frauen erledigt wird - ist von den Hochs und Tiefs der Auftragslage extrem beeinflusst. In guten Zeiten, wenn die Fabrik viel Arbeit hat, bekommen sie Schuhteile nach Hause geliefert. Sie nähen von Hand, je nach Aufwand zwei bis drei Paar Schuhe in der Stunde und verdienen gerade einmal bis zu acht Eurocent pro Schuh. Je nachdem, wie gut die Augen im schummrigen Licht sehen und die Gelenke mitmachen, fällt dann entsprechend der Tageslohn aus. Die Arbeit wird über Zwischenhändler organisiert: Sie bringen die Schuhteile, holen die fertigen Paare, zahlen den Stücklohn des jeweiligen Tages. Die Frauen und die Besitzer der Fabriken kennen sich allerdings nicht. Jetzt in der Wirtschaftskrise kommen die Zwischenhändler einfach nicht mehr. Die Frauen werden ihrem Schicksal überlassen. Ansprüche auf Arbeit und Lohn haben sie nicht. Und sie haben keine Absicherung, wenn die Arbeit ausbleibt. Kündigungsfristen, Arbeitslosenunterstützung, Anspruch auf die Zahlung ausstehender Löhne aus dem Vermögen und Konkurs eines Unternehmens - prinzipiell gibt es all das auch in Indien. Aber wie soll irgendwer diese Rechte durchsetzen, wenn das Grundlegendste fehlt: der Nachweis für das Arbeitsverhältnis. Wie einen Nachweis bekommen, wenn Gewerkschaften fehlen, die den Arbeiter*innen den Rücken gegenüber dem Unternehmen oder Gerichten stärken ? Wie Recht bekommen: Wenn Gewerkschaften in der Fabrik nicht aktiv sein dürfen? Wenn noch nicht einmal gestattet wird, mit den eigenen Kolleg*innen zu sprechen? Und dennoch: Die Frauen und Männer, die in den Schuhfabriken Indiens arbeiten, sind so stolz auf ihren Beruf. Mit ihrer Kraft und ihrem Einsatz wird aus Tierhäuten Leder. Mit ihrem Geschick und ihrer Ausdauer wird aus Einzelteilen ein Mokassin. Die Heimarbeiterinnen tragen wesentlich zum Familieneinkommen bei und sorgen so dafür, dass ihre Kinder einmal eine bessere Zukunft haben. Deutsche Schuhunternehmen: Wo bleibt die Hilfe für Arbeiter*innen in Indien Deutsche Schuhfirmen dürfen jetzt keine Unternehmensentscheidung treffen, ohne abzuwägen: Was bedeutet das für die Arbeiter*innen in meinen Zulieferbetrieben? Sie müssen ihren menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten nachkommen und zwar entlang der gesamten Lieferkette. Genau deshalb brauchen wir ein Lieferkettengesetz! So würde auch das Risiko für Arbeiter*innen im globalen Süden geringer, in der Krise leer auszugehen. Gerade wird von politischer Seiten viel über solidarisches Handel gesprochen, und dass wir nur gemeinsam die globale Pandemie besiegen können. Der Einzelhandel fordert finanzielle Hilfspakete. Doch wo bleibt die Hilfe für die Arbeiter*innen in Indien? Globale Verantwortung und Sorgfalt ist hier ebenso von den Handelshäusern gefragt, wie für die Beschäftigten in Deutschland. Die Corona-Krise zeigt einmal mehr: Ein Lieferkettengesetz zum Schutz der Menschen und ihrer Rechte sowie der Umwelt bleibt weiterhin dringend notwendig! Unterzeichnen Sie jetzt die Petition für ein Lieferkettengesetz Spenden Sie für unsere indischen Partnerorganisationen Lesen Sie unser Factsheet "Zeigt her eure Schuhe" über Menschenrechtsverletzungen in der Schuh- und Lederindustrie
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Mit zweierlei Maß

16. März 2020 - 15:12
El Salvadors Präsident Nayib Bukele ist ein Phänomen. Obwohl er auch mehr als ein halbes Jahr nach seiner Amtsübernahme am 1. Juni 2019 kein Regierungsprogramm vorgelegt hat, ist er so beliebt wie lange kein Präsident vor ihm. Auf bis zu 90 Prozent Zustimmung brachte es der 39-jährige Unternehmer in den letzten Monaten. Das Unbestimmte und Unkonkrete ist allerdings Teil seines Erfolgsrezepts. Pausenlos präsentiert er sich als Gegenstück zu den Politiker*innen der linken FMLN und der ultrarechten ARENA, die zuvor zehn beziehungsweise zwanzig Jahre lang das Land regiert hatten. Ganz anders würde er Politik machen, so das Mantra des Möchtegern-Antipolitikers Bukele, der so wie sein US-amerikanischer Amtskollege vor allem über Twitter regiert. Beiden gemeinsam ist ein hohes Maß an Eitelkeit und die Verachtung demokratischer Verfahren. Nun hat Bukele allerdings Donald Trump an Skrupellosigkeit noch übertroffen. Weil der salvadorianische Präsident über keine Mehrheit im Parlament verfügt, hat er seit seiner Amtsübernahme dessen Abgeordnete unter medialen Dauerbeschuss genommen, damit sie seine verschiedenen Projekte absegnen. Immer wieder mit Erfolg. Als die Mehrheit aus ARENA- und FMLN-Abgeordneten Anfang Februar einem Antrag auf einen 109-Millionen-US-Dollar-Kredit für ein „Sicherheitspaket“ zur Bekämpfung der Kriminalität jedoch nicht einfach so durchwinken wollte, zeigte der Präsident, was er von Gewaltenteilung hält: gar nichts. Ohne dazu befugt zu sein, berief er an einem Sonntag eine Sondersitzung des Parlaments ein. Um den nötigen Druck aufzubauen, entzog er den Abgeordneten den polizeilichen Personenschutz und ließ das Parlament von schwerbewaffneten Militärs besetzen. Mit Verweis auf einen Auftrag Gottes eröffnete er am 9. Februar die spärlich besuchte Sondersitzung. Als das Verfassungsgericht sein Vorgehen am nächsten Tag klar missbilligte, musste er seinen versuchten autogolpe (Selbstputsch) erst einmal wieder abblasen. Auffällig ist, wie moderat die Kritik an Bukeles Vorgehen ausfällt. Der US-Botschafter in El Salvador hat nach anfänglichem Schweigen zumindest die militärische Besetzung des Parlaments kritisiert. OAS-Generalsekretär Luis Almagro jedoch hatte überhaupt keine Kritik, wie schon des Öfteren wenn das antidemokratische Handeln von einem rechten Politiker kam. Wie groß wäre der Aufschrei gewesen, wenn die FMLN sich so verhalten hätte! Sie musste zehn Jahre ohne Parlamentsmehrheit regieren und konnte daher viele ihrer sozialen und ökonomischen Reformen nicht umsetzen. Die Entscheidungen der Abgeordneten respektierte sie jedoch stets. Und doch stand sie immer wieder unter Verdacht, sich undemokratisch zu verhalten. Wieder einmal wird mit zweierlei Maß gemessen. Keine gute Perspektive für die Demokratie in El Salvador. Dieser Artikel ist im Südlink 191 erschienen. Die komplette Ausgabe kann hier bestellt werden. Erfahren Sie mehr über die Arbeit von INKOTA in El Salvador
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Mosambik: Ein Jahr nach dem Zyklon

16. März 2020 - 12:59
Kratergroße Schlammlöcher, eingestürzte Betonmauern, weggespülte Sandwälle – als ich Anfang Februar unsere Projektpartner*innen in Mosambik besucht habe, konnte ich das Ausmaß der Katastrophe noch immer sehen. Zyklon Idai und die anschließenden Überschwemmungen haben im März und April 2019 die Menschen im Land schwer getroffen. „Der Sturm war extrem", hat mir Berta Cipriano erzählt. „Ich bin mit meiner Tochter gerade noch rechtzeitig rausgerannt – Minuten später wurde unser ganzes Haus weggerissen. Wir haben alles im Sturm verloren." Berta Cipriano lebt in der Gemeinde Mudima im Zentrum von Mosambik. Der Ort liegt 200 Kilometer westlich von Beira. Die Hafenstadt wurde besonders hart vom Zyklon getroffen. Um Beira herum sind die Menschen noch immer in großer Sorge: Die Böden sind verschlammt, versalzen und unfruchtbar – in diesem Jahr wächst dort wenig. Eine akute Hungersnot droht. Spenden Sie jetzt! Und doch gibt es Hoffnung Auch in Mudima haben Sturm und Flut viele tiefer liegende Felder zerstört und weggeschwemmt oder überflutet. Und dennoch sieht die Situation dort etwas besser aus: Mit den Spenden, die wir als Not- und Soforthilfe an unsere Partnerorganisation UNAC überwiesen haben, konnten sich die Menschen Wellblech und Holz, Hämmer und Nägel besorgen, um den Wiederaufbau zu starten. Berta Cipriano konnte nur so ihr Haus wieder aufbauen. „Diese Hilfe war sehr wichtig für mich", sagt sie. Auch Hacken und Sensen, Gießkannen und Schläuche haben unsere Partner*innen gekauft und verteilt. So konnten die Kleinbauern-Familien rechtzeitig ihre Felder wieder bestellen. Das hat sich ausgezahlt: Der Mais wächst bislang gut, auch der Regen ist regelmäßig und nicht zu heftig gefallen. Berta Cipriano und die anderen sind vorsichtig optimistisch, dass die Ernte in diesem Jahr endlich wieder gut ausfällt. Gut funktioniert haben auch die lokalen Saatgutbanken und die Tauschbörsen für lokales Saatgut. Unsere Partnerorganisation UNAC hat beides in den vergangenen Jahren mit Hilfe Ihrer Spenden aufgebaut. Nur so war trotz Zyklon und Überschwemmungen jetzt lokales Saatgut für Mais, Bohnen, Zwiebeln oder Tomaten vorhanden und konnte nun neu ausgesät werden. Wer kein Saatgut mehr hatte, konnte über die Tauschbörsen von UNAC auch neues Saatgut erhalten.

Berta Cipriano hofft auf eine gute Maisernte in Mudima – dank der lokalen Saatgutinseln, die der Kleinbauernverband UNAC nun weiter im Land verbreiten will.  Foto: Christine Wiid/INKOTA

Warum die Menschen weiter Ihre Unterstützung brauchen Mut und Hoffnung, der Blick nach vorne, sogar vorsichtiger Optimismus – das waren die dominierenden Gefühle und Stimmungen, die mir auf meiner Projektreise begegnet sind. Ich finde das beeindruckend! Denn auch wenn die Menschen in unseren Projektgemeinden auf einem guten Weg sind: Die Herausforderungen nach den Katastrophen bleiben gewaltig. Allein das große Staubecken wieder instand zu setzen, kostet 37.000 Euro. Es versorgt die Felder von Berta Cipriano und den anderen Menschen in der Gemeinde Mudima mit Wasser. Auch eine neue Pumpe müssen unsere Partner*innen kaufen. Hinzu kommen die wichtigen Saatgutbanken und -projekte von UNAC: Sie sollen nach den herausragenden Erfahrungen nach dem Zyklon nun auch in anderen Regionen Mosambiks verbreitet werden. Es ist also ganz klar: Der Wiederaufbau braucht Zeit und deshalb langfristige und kontinuierliche Unterstützung. Ich bitte Sie deshalb heute von Herzen: Bitte schließen Sie jetzt Ihre regelmäßige Spende ab. Schon mit zwei Euro pro Woche können Sie eine Menge bewegen! Spenden Sie jetzt Ich danke Ihnen für Ihre wichtige Unterstützung! Ihre Christine Wiid
Referentin für Projekte in Mosambik Erfahren Sie mehr über die Arbeit von INKOTA in Ghana
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ABGESAGT: Auf den kolonialen Spuren der Schokolade

15. März 2020 - 15:19
Leider müssen wir aufgrund der aktuellen Corona-Pandemie die für Samstag geplante Veranstaltung "Kolo(ge)nialer Kakao" im Botanischen Garten Potsdam absagen.
Wir hoffen jedoch, die Veranstaltung in Zukunft erneut ausrichten zu können und möchten Sie deshalb bitten, den nächsten geplanten Termin am Samstag, den 14.11.2020 vorzumerken.
Vielen Dank für Ihr Verständnis und bleiben Sie gesund! Führung, Gespräch und Verkostung: Am 21.03.2020 können Gäste der Veranstaltung "Auf den kolonialen Spuren der Schokolade" im Botanischen Garten Potsdam mehr über die koloniale Geschichte der Schokolade erfahren, die Botanik der Kakaopflanze kennenlernen und Ihr eigenes Kakaogetränk herstellen.
  • Was? Führung, Gespräch und Verkostung mit Johannes Schorling & Leonard Rupp (INKOTA) und Steffen Ramm (Botanischer Garten Potsdam), Moderation und Einleitung: Karl Hildebrandt (Oikocredit)
  • Wann? Samstag, 21. März 2020, 14:00 bis 16:30 Uhr
  • Wo? Gewächshäuser im Botanischen Garten Potsdam, Maulbeerallee 2, 14469 Potsdam
Schokolade gehört zu den beliebtesten Süßigkeiten in Deutschland. Doch nur wenigen ist bewusst, dass mit der Schokolade auch eine lange Geschichte von Ausbeutung und Leid verbunden ist. Mit der Veranstaltung "Kolo(ge)nial Kakao" begeben wir uns auf die kolonialen Spuren der Schokolade: Wie kam der Kakao von Lateinamerika nach Afrika? Welche Auswirkungen des Kolonialismus sind noch heute spürbar? Und welche Möglichkeit bietet ein Lieferkettengesetz, um die globale Ungerechtigkeit in der Schokoladenherstellung zu überwinden? Im Rahmen der Führung stellt Steffen Ramm die Botanik der Kakaopflanze vor, während Johannes Schorling und Leonard Rupp die Auswirkungen des Kolonialismus auf Kakaoanbauländern wie Ghana oder die Elfenbeinküste diskutieren. Im Anschluss sind alle Teilnehmenden eingeladen ihr eigenes Kakaogetränk herzustellen. Eintritt: 2,50 € pro Person. Wir bitten um Anmeldung per E-Mail an rupp[at]inkota.de Eine Veranstaltung des INKOTA-netzwerk in Kooperation mit dem Botanischen Garten Potsdam, dem Aktionsladen Eine Welt Potsdam und dem Oikocredit Förderkreis Nordost e.V. (Oikocredit Deutschland)

Gefördert durch Brot für die Welt aus Mitteln des evangelischen Kirchlichen Entwicklungsdienstes, die Landestelle für Entwicklungszusammenarbeit des Landes Berlin, die Stiftung Nord-Süd-Brücken, Engagement Global im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sowie durch die Deutsche Postcode Lotterie. Für den Inhalt dieser Veranstaltung ist allein das INKOTA-netzwerk verantwortlich; die hier dargestellten Positionen geben nicht den Standpunkt der Zuwendungsgeber wieder.

        
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Südlink 191 erschienen

10. März 2020 - 11:40
Vor der Klimakatastrophe: Dem globalen Süden bleibt keine Zeit mehr Dürren, Überschwemmungen, immer zerstörerische Wirbelstürme – der Klimawandel hat längst begonnen. Und trifft die Menschen im globalen Süden besonders stark. Ein „Weiter so“ führt direkt in eine Katastrophe nie gekannten Ausmaßes. Millionen vor allem junge Menschen sind im vergangenen Jahr auf die Straße gegangen und haben eine radikale Umkehr gefordert. Sie sind nicht mehr bereit, die Beschwichtigungen und Ausreden von Politiker*innen und Unternehmen noch länger zu akzeptieren. Sie fordern einen klimafreundlicheren individuellen Lebensstil, vor allem aber eine Abkehr von fossilen Energieträgern und strukturelle Reformen in Wirtschaft und Politik. So wie Klimaaktivist*innen im globalen Süden eine klimagerechte Politik fordern. Es sind vor allem die Länder des globalen Nordens, die für den Klimawandel verantwortlich sind. Sie müssen endlich ihrer Verantwortung gerecht werden. Viel Zeit bleibt nicht mehr! Lesen mehr darüber im Südlink 191 „Vor der Klimakatastrophe: Dem globalen Süden bleibt keine Zeit mehr“. Er hat 44 Seiten und kann für 4,20 Euro (zzgl. Versandkosten) bestellt werden.

Gefördert durch Brot für die Welt aus Mitteln des Kirchlichen Entwicklungsdienstes, der Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit des Landes Berlin, der Stiftung Nord-Süd-Brücken, durch Engagement Global im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), sowie der Deutschen Postcode Lotterie. Für den Inhalt dieser Publikation ist alleine INKOTA verantwortlich; die hier dargestellten Positionen geben nicht den Standpunkt der Zuwendungsgeber wieder.

    
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Aufstand der Osterhasen

6. März 2020 - 15:18
Großer Unfug, nicht praktikabel, schädliches Gesetz – auf Ingo Kramer und Steffen Kampeter von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) wirkt das Lieferkettengesetz wie ein rotes Tuch. Seit Gerd Müller (CSU) und Hubertus Heil (SPD) im Dezember angekündigt haben, ein Lieferkettengesetz auf den Weg zu bringen, lässt der BDA keine Gelegenheit aus, gegen eine verbindliche Regulierung für die Wirtschaft zu wettern. Zusammen mit dem CDU-Wirtschaftsrat und weiteren Gegner*innen werden sie in den kommenden Monaten nichts unversucht lassen, das Lieferkettengesetz gänzlich zu verhindern oder es so weit wie möglich zu verwässern. Das dürfen wir nicht zulassen! Entwicklungsminister Müller und Arbeitsminister Heil lassen sich von dem Säbelrasseln ihrer Gegner*innen bis jetzt nicht beirren: Schon in wenigen Wochen wollen sie Eckpunkte für ein Lieferkettengesetz vorstellen, mit dem Unternehmen zur weltweiten Einhaltung der Menschenrechte verpflichtet werden sollen. Das ist unsere Chance: Tragen Sie mit uns die Forderung nach einem Lieferkettengesetz auf die Straße und sammeln Sie so viele Unterschriften wie möglich für unsere Petition! Mit zahlreichen Aktionen in ganz Deutschland machen wir BDA, CDU und Co. deutlich: Die Zeit der freiwilligen Selbstverpflichtung ist vorbei. Wir sind viele und wir stehen hinter der Forderung nach einem starken Lieferkettengesetz! Ja ich möchte mitmachen! Straßenaktionen sind nicht so meins, ich möchte aber trotzdem unterstützen! So könnte es kurz vor Ostern auch in Ihrer Stadt zugehen: “Schokolade ohne Kinderarbeit!”, “Menschenrechte im Kakaoanbau schützen!”, “Lieferkettengesetz jetzt!”, schallt es durch die Einkaufsstraße der Stadt. Osterhasen, mit Protestschildern und Unterschriftenlisten bestückt, machen ihrem Ärger lauthals Luft. Sie streiken dieses Jahr und weigern sich, die süßen Schokoladenleckereien in die Osternester zu legen. Denn noch immer schuften mehr als 2 Millionen Kinder auf Kakaoplantagen in Westafrika unter ausbeuterischen Bedingungen für diese Schokolade. Das muss aufhören, finden die Osterhasen und fordern deshalb ein Lieferkettengesetz! Mit den streikenden Osterhasen wollen wir den Protest für ein starkes Lieferkettengesetz bis in den hintersten Winkel Deutschlands tragen - doch das gelingt nur mit Ihnen! Ferrero, Nestlé, Mars – keiner der Schokoladenriesen kann sicher sagen, dass in seinen Produkten keine Kinderarbeit steckt. Das Beispiel Schokolade eignet sich also besonders gut, um Menschen zu vermitteln, warum wir endlich ein Lieferkettengesetz brauchen. Jetzt kommt es auf Sie an: Gehen Sie mit Ihren Freund*innen als Osterhasen verkleidet in die Fußgängerzone oder auf einen öffentlichen Platz in Ihrer Stadt und sammeln Sie Unterschriften für ein Lieferkettengesetz! Sie haben Lust, sich mit Ihrer Weltladengruppe, Studi-Initiative, Jugendgruppe, Kirchengemeinde oder auch als Einzelperson zu beteiligen? Gerne unterstützen wir Sie bei der Vorbereitung und Bekanntmachung Ihrer lokalen Akti
  • Wir stellen Ihnen Aktionsmaterialien zur Verfügung (Osterhasen-Kostüme, Protest-Schilder, Unterschriftenlisten, Gesprächs-Leitfaden, Infoblätter und Flyer).
  • Wir geben Ihnen praktische Tipps bei der Aktionsplanung und beraten Sie gerne mit weiteren kreativen Ideen.
  • Wir helfen Ihnen auch gerne bei Ihrer Öffentlichkeits- und Pressearbeit.
Sind Sie bei der Osteraktion dabei? Wir sind gespannt, wie viele streikende Osterhasen wir in diesem Jahr mit Ihrer Hilfe in Deutschland auf die Straße bekommen! Wenn Sie Fragen haben oder bei der Vorbereitung Unterstützung brauchen, melden Sie sich bei uns. Wir stehen Ihnen gerne mit Rat und Tat zur Seite: Tel.: 030 – 420 820 255, E-Mail: makechocolatefair@inkota.de.
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"Ready to go! Schuhe bewegen" - Schuhausstellung in München

6. März 2020 - 10:19
INKOTA wirft Licht auf die Schattenseiten der Schuhproduktion. Die Sonderausstellung „Ready to go! Schuhe bewegen“ im Münchner Stadtmuseum zeigt, dass Schuhe mehr können als uns von A nach B transportieren. Unsere Fußbekleidung bietet interessante kulturhistorische und soziologische Perspektiven. Das zeigen die ca. 500 Paar Schuhe, die in der Ausstellung präsentiert werden. Absatzschuhe des Barock und Rokoko erhöhten ihre Träger demonstrativ über das einfache Volk – Schuhe als Statussymbol. Boots aus der Raver-Gothic-Szene symbolisieren Gruppenzugehörigkeiten. Schuhe sind Fetisch, Lustobjekte und Gebrauchsgegenstände. Neben der vielfältigen hauseigenen Schuh-Sammlung des Stadtmuseums werden als Kontrast 35 herausragende und zum Teil bizarre Schuhobjekte internationaler Künstlerinnen und Künstler präsentiert.
  • Was? Sonderausstellung "Ready to go! Schuhe bewegen"
  • Wann? 15. November 2019 bis 21. Juni 2020
  • Wo? Stadtmuseum München, St.-Jakobs-Platz 1, 80331 München
Doch Schuhe fallen nicht vom Himmel – sie werden von Menschen hergestellt. Im sogenannten Globalen Süden stehen Schuhe heute auch für Arbeit: Harte Arbeit mit Rechtsverletzungen und Umweltzerstörung. Das bleibt im Alltag und an der Ladenkasse viel zu oft unsichtbar. Für die Ausstellung „Ready to go!“ haben INKOTA und das Münchner Stadtmuseum kooperiert und machen die Hintergründe der heutigen Schuhproduktion durchschaubar. Wie hoch ist der Tageslohn einer Schuhnäherin in Indien? Welche hochgiftige Chemikalien können beim Ledergerben entstehen? Wie kann die Schuhindustrie gerechter werden? Diesen Fragen gehen wir in eigenen Ausstellungstafeln und einem Katalogtext nach. Die Kostümgestalterin, Puppenspielerin und Maßschneiderin Carlotta Dering engagiert sich bei INKOTA für die Kampagne Change Your Shoes. Sie hat die Zusammenarbeit zwischen INKOTA und dem Stadtmuseum München ins Leben gerufen und geleitet. Die Ausstellung „Ready to go! Schuhe bewegen“ kann noch bis zum 21. Juni 2020 besucht werden. Weiterführende Informationen finden Sie hier. Sie wohnen nicht in München, wollen Menschenrechte in der Schuhproduktion jedoch auch bei sich vor Ort zum Thema machen? Holen Sie unsere Wanderausstellung „Change Your Shoes“ in Ihre Stadt.
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