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Aktualisiert: vor 9 Stunden 54 Minuten

Online-Seminar zu Süd-Perspektiven auf eine Rohstoffwende

24. September 2020 - 10:45
  • Was: Online-Workshop: Für eine Rohstoffwende - Perspektiven aus dem Globalen Süden
  • Wann: 14. Oktober 2020, 16-18:00 Uhr (in englischer Sprache & digital)
  • Wo: Zoom
Die Rohstoffe, die die Konsumgesellschaften des globalen Nordens verbrauchen, werden hauptsächlich im globalen Süden gewonnen. Abbau, Nutzung und Verbrauch von metallischen Rohstoffen stehen in direkter Verbindung mit vielfältigen Menschenrechts- und Umweltproblemen - von denen primär der globale Süden betroffen ist. Allein mit mehr Effizienz oder neuen Technologien sind diese Probleme nicht lösbar. Die Länder des globalen Nordens konsumieren am meisten Rohstoffe. Sie haben deshalb eine besondere Verantwortung ihre Nachfrage nach Rohstoffen in absoluten Zahlen zu verringern, sowie mit Sorgfalt die Menschenrechte in den internationalen Lieferketten zu achten. Doch wie geht das? Um diese Frage zu nähern, möchte der AK Rohstoffe sein Konzept der Rohstoffwende vorstellen und kritisch diskutieren. Darüber hinaus werden Expert*innen aus Argentinien, DR Kongo und Kolumbien ihre Perspektiven zum Thema teilen und über ihren Kampf für eine rohstoffgerechte Welt berichten. Denn an vielen Orten unserer Welt wehren sich die Menschen gegen diese Ausbeutung und verdeutlichen ihre Vorstellungen von zukunftsfähigem Leben. Mit:Pia Marchegiani (Farn, Argentinien), Direktorin für Umwelt Politik bei der „Fundacion Ambiente y Recursos Naturales“ (FARN) in Argentinien. Sie arbeitet mit zivilgesellschaftlichen Organisationen und Indigenen Gemeinschaften. – Jacques Nzumbu Mwanga (CARF, DR Kongo), Mitglied bei Arrupe Centre for Research and Training (CARF) in der Demokratischen Republik Kongo. Seine Forschungsbereiche sind Governance und verantwortungsvolle Lieferketten für Kobalt, Strategische Mineralien- und Energiewende, Kleinbergbau Zertifikation, Rückverfolgbarkeit und Unterstützung für Kooperativen sowie Corperate Social Environmental Responsibility. – Andrés Ángel (AIDA, Kolumbien), wissenschaftlicher Berater für das „Freshwater Preservation Program“. Er ist Forscher in verschiedenen sozio-ökologischen Konflikten und territorialen Verteidigungsprozessen, vor allem im Zusammenhang mit Neo-Extraktivismus. Anmeldung: Voraussetzung für eine Teilnahme ist eine formlose Anmeldung per E-Mail mit Name an nicole.baerthlein@power-shift.de. Diese sollte bis zum Vortag des Online-Seminars erfolgen. Die Zusendung des Online-Zugangs erfolgt nach der Anmeldung. Veranstalter*innen: INKOTA, BUND, Germanwatch, Heinrich-Böll-Stiftung, PowerShift Weitere Informationen: Erfahren Sie mehr zum Themenbereich Ressourcengerechtigkeit Mehr Infos zum Thema Rohstoffpolitik Lesen Sie die Broschüre "12 Argumente für eine Rohstoffwende"
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Zu gefährlich für Mensch und Natur

23. September 2020 - 12:33
Integrierte Schädlingsbekämpfung könnte im Kakaoanbau eine Alternative zu giftigen Pestiziden sein Von Daniel Baumert und Raymond Owusu-Achiaw Gefährliche Pestizide sind aus Ghanas Kakaoanbau kaum wegzudenken. Einige dieser Pestizide, die zumeist aus Europa importiert werden, dürfen dort längst nicht mehr verwendet werden. Dabei gibt es umweltfreundliche Methoden der Schädlingsbekämpfung. Diese bieten immense langfristige Vorteile. Noch aber werden sie kaum angewandt. Bis zu 40 Prozent der globalen Kakaoernte fallen jährlich Schädlingsbefall zum Opfer. Verfaulende Bohnen, vertrocknende Bäume und Maden bereiten den Kakaobäuerinnen und -bauern weltweit Kopfzerbrechen. Auch wenn es Alternativen gibt, stehen synthetische Pestizide bei ihnen hoch im Kurs. So auch in Ghana. Seit 2001 subventioniert der ghanaische Staat den flächendeckenden Einsatz von Pestiziden. Viele der hierbei zur Anwendung kommenden Pestizide sind in Europa mittlerweile verboten oder nur noch in Gewächshäusern erlaubt. Sie töten nämlich nicht nur Schädlinge, sondern auch wichtige Blütenbestäuber. Langfristig scheint so das Produktivitätsversprechen in Gefahr. Jetzt den Südlink 193 "Gefährliche Pestizide: Für eine Landwirtschaft ohne Agrargifte" bestellen Ghana, einst der weltweit größte Produzent von Kakaobohnen, verlor in den 70er Jahren diese Position an seinen Nachbarn die Côte d’Ivoire. Auch aufgrund von Insekten- und Pilzbefall. Das staatliche Cocoa Disease and Pest Control Programme hat nicht nur zu stetigen Erntesteigerungen der letzten zwanzig Jahren geführt sondern auch die großflächige Anwendung von chemischen Pestiziden enorm gefördert. Ungefähr 85 Prozent der ghanaischen Kakaobäuerinnen und -bauern halten Pestizide für die effektivste Methode zur Sicherung ihrer Ernte vor Schädlingsbefall. Sie nehmen hierfür auch Risiken für die Umwelt und die menschliche Gesundheit in Kauf. Übelkeit, Schwindel und Juckreiz sind häufig auftretende Symptome, die aus dem Gebrauch der Pestizide resultieren. Ob beim Anmischen, bei der Entsorgung leerer Behälter, bei der Lagerung oder bei der Ausbringung selbst, Sicherheitsanweisungen sind nur schwer einzuhalten. Auch Kinder sind den hochgefährlichen Pestiziden immer ausgesetzt. So fand eine Studie des US-Arbeitsministeriums heraus, dass ein Viertel der verbotenerweise im Kakaoanbau arbeitenden Kinder in Kontakt mit Pestiziden kommt. Die Langzeitfolgen für die Umwelt und Gesundheit sind kaum abschätzbar.  Kritische Stimmen sind noch rar Von wenigen Umweltschützer*innen abgesehen wird die flächendeckende Pestizidanwendung in Ghana weithin akzeptiert. Ertragssteigerung steht für viele im Vordergrund. Zunehmend wird aber die entstehende Abhängigkeit zum Thema gemacht. Keines der zur Anwendung kommenden Pestizide wird in Ghana selbst hergestellt, weshalb es zu großen Preisschwankungen kommt, die auf den internationalen Pestizidmärkten entstehen. Darüber hinaus beginnen Gesundheitsexperten die Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit – insbesondere für Schwangere und Neugeborene – öffentlich zu thematisieren. Gefragt nach Alternativen überraschen mehr als die Hälfte der Kakaobäuerinnen und -bauern mit fundiertem Wissen zu biologischer Landwirtschaft und integrierter Schädlingsbekämpfung. Letztere ist ein ganzheitlicher Ansatz, der im Kakaoanbau sich eine gute Luftzirkulation, Vermeidung von Staunässe, ausreichende Lichtdurchlässigkeit und eine regelmäßige Ernte zu Nutze macht. Gezielter Baumschnitt fördert die Widerstandsfähigkeit. So wird das Mikroklima innerhalb der Kakaoplantage maßgeblich beeinflusst. Ein umfassendes Konzept der integrierten Schädlingsbekämpfung beinhaltet auch das Züchten widerstandsfähiger Sorten und die Verwendung von Biopestiziden. Jetzt den Südlink abonnieren Doch nur eine absolute Minderheit wendet sie an. Die Umstellung birgt für viele Familien nicht kalkulierbare Risiken, erfordert wesentlich mehr Arbeitseinsatz und verlangt nach häufig auf lokalen Märkten nicht verfügbaren Biopestiziden. All dies ist allerdings eine Folge fehlender öffentlicher und privater Unterstützung. Während chemische Pestizide hochsubventioniert, von Entwicklungsorganisationen gefördert und fester Bestandteil privater Nachhaltigkeitsinitiativen sind, fristen alternative Methoden ein Nischendasein. Das muss sich ändern. Angefangen mit der Kakaopolitik vor Ort. Die Förderung chemischer Pestizide durch den Staat macht den Wechsel zu alternativen Schädlingsbekämpfungsmethoden fast unmöglich. Es fehlt an Anreizen, in neue, umweltverträgliche Methoden zu investieren. Auch die sogenannten Nachhaltigkeitsinitiativen der großen internationalen Kakao- und Schokoladenunternehmen müssen integrierte Schädlingsbekämpfung in ihre Trainingsprogramme mit aufnehmen. Denn auch sie tragen eine Verantwortung für die Umweltschäden und die gesundheitlichen Folgen der von ihnen bereitgestellten Pestizide. Anreize zum Wechsel von synthetischen Pestiziden zu integrierter Schädlingsbekämpfung könnten auch die Zertifizierungen schaffen. Die Listen der verbotenen Substanzen müssen an die Liste der hochgefährlichen Pestizide des Pestizid Aktions-Netzwerks angepasst werden und die Einhaltung regelmäßig überprüft werden. Als letztes müssen die Doppelstandards beseitigt werden, um zumindest die gefährlichsten Pestizide aus dem Verkehr zu ziehen. So kann ein schrittweiser Umstieg von synthetischen Pestiziden zu integrierter Schädlingsbekämpfung gelingen. Daniel Baumert arbeitet bei INKOTA als Referent an der Schnittstelle von Wirtschaft und Menschenrechten im Kakaosektor.
Raymond Owusu-Achiaw ist Experte für integrierte Schädlingsbekämpfung und Pestizide bei Conservation Alliance International in Ghana. Gefährliche Pestizide Die staatliche ghanaische Regulierungsbehörde COCOBOD veröffentlicht regelmäßig eine aktualisierte Liste der für den Kakaoanbau zugelassenen Wirkstoffe. Erst nach und nach wurden besonders giftige Wirkstoffe, wie DDT oder Lindan, entfernt. Neue Erkenntnisse in Bezug auf Umweltauswirkungen und Folgen für die menschliche Gesundheit hatten zu einem globalen Verbot geführt. Doch obwohl DDT bereits 2002 und Lindan 2007 in Ghana verboten wurden, finden sich die Rückstände der Giftstoffe bis heute. Glyphosat oder Neonikotinoide, die in Europa hoch umstritten beziehungsweise verboten sind, werden allerdings immer noch für die Anwendung im Kakaoanbau empfohlen. Auch schon längst verbotene Wirkstoffe kommen weiterhin zum Einsatz – mit enormen Risiken für alle, die im Kakaoanbau tätig sind. Jetzt weitere Artikel aus dem Südlink lesen Jetzt Südlink 193 "Gefährliche Pestizide: Für eine Landwirtschaft ohne Agrargifte" bestellen Jetzt den Südlink abonnieren
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Gift auf dem Acker

23. September 2020 - 12:12
Wie der massive weltweite Pestizideinsatz vor allem den Menschen im globalen Süden schadet und was die Politik dagegen tun muss Von Lena Luig Millionen Menschen erleiden jedes Jahr eine Pestizidvergiftung, das Grundwasser wird verunreinigt, die Biodiversität immer weiter reduziert, resistente Unkräuter sprießen vielerorts aus dem Boden. All dies, weil bis heute gefährliche Pestizide auf den Äckern der Welt ausgebracht werden. Und weil große Agrarkonzerne nicht auf gute Geschäfte verzichten wollen, bleiben selbst hochgefährliche Agrargifte viel zu lange auf dem Markt. Dabei gibt es längst Alternativen. Seit Beginn der Coronakrise ist Gesundheit das politische Top-Thema. Durch Skandale wie die massenhafte Infizierung mit Covid-19 in Schlachtfabriken oder in Sammelunterkünften von migrantischen Erntehelfer*innen gibt es eine längst überfällige Debatte um das Thema Gesundheit am Arbeitsplatz in der Agrar- und Ernährungsindustrie. Einer der Hauptfaktoren, der die Gesundheit von Bauern, Bäuerinnen und Arbeiter*innen in der Landwirtschaft auch in „normalen“ Zeiten extrem gefährdet, ist der Einsatz von Pestiziden. Jedoch wird kaum registriert, wie viele Menschen – vor allem im globalen Süden – jährlich durch den Einsatz von Pestiziden teils schwere Vergiftungen oder langfristige Gesundheitsschäden wie eine Krebserkrankung erleiden und nicht selten sogar daran sterben. Diese Zahlen wurden in globalem Maßstab seit den 1990er Jahren nicht mehr erfasst – ein großes Versäumnis der Regierungen, die die zuständigen UN-Organisationen nicht ausreichend finanzieren und stattdessen immer mehr auf die Daten von Konzernen angewiesen sind, die an globalen Gesundheitsstatistiken jedoch wenig Interesse haben. Jetzt den Südlink 193 "Gefährliche Pestizide: Für eine Landwirtschaft ohne Agrargifte" bestellen In den 1980er und 1990er Jahren schätzten die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beziehungsweise die Internationale Arbeitsorganisation (ILO), dass jährlich drei Millionen Menschen weltweit wegen einer akuten Pestizidvergiftung behandelt wurden und 25 Millionen Menschen weniger akute Vergiftungen erlitten (beides einschließlich Suizidversuchen). Aktuellere Zahlen gibt es nur für einzelne Länder, etwa für Brasilien: Dort wurden im Jahr 2017 laut dem brasilianischen Gesundheitsministerium 7.200 Pestizidvergiftungen offiziell registriert, wobei die Dunkelziffer laut Expert*innen vermutlich um ein Vielfaches höher liegt (siehe den Artikel Alan Tygel auf den Seiten 10 bis 12). Pestizideinsatz weltweit steigt Während laut Statistiken der UN-Landwirtschafts- und Ernährungsorganisation (FAO) 1990 weltweit rund 2,3 Millionen Tonnen Pestizide in der Landwirtschaft eingesetzt wurden, waren es 2017 bereits 4,1 Millionen Tonnen, also beinahe die doppelte Menge. In Ländern wie Brasilien hat sich der Einsatz seit 1990 auf rund 377.000 Tonnen im Jahr 2017 sogar mehr als versiebenfacht. Auch in Deutschland hat sich die Menge der ausgebrachten Pestizide im gleichen Zeitraum von rund 31.000 auf 48.000 Tonnen erhöht. Besonders beim Anbau von Soja, Mais und Zuckerrohr werden immer mehr Herbizide wie Glyphosat eingesetzt, bei der industriellen Orangenproduktion kommen große Mengen Insektizide zum Einsatz und im Weinbau werden – auch in Südfrankreich – hektoliterweise Fungizide eingesetzt. Resistente Superunkräuter entstehen und führen dazu, dass immer neue Giftcocktails ausgebracht werden. Immerhin wurde der Einsatz einiger besonders gefährlicher Pestizide wie zum Beispiel das Unkrautvernichtungsmittel Paraquat inzwischen in vielen Ländern verboten. Doch während rund 50 Länder Paraquat mittlerweile die Genehmigung entzogen haben, ist der Wirkstoff in etwa 100 Ländern immer noch erlaubt, darunter in vielen Ländern des globalen Südens wie beispielsweise Südafrika oder auch El Salvador, wo das Mittel zusammen mit Glyphosat mit der massiven Häufung von Nierenerkrankungen in Verbindung gebracht wird (siehe den Artikel von Silvia Gloria Orellana auf den Seiten 16 bis 18). In Brasilien soll planmäßig Ende September 2020 endlich ein Verbot inkrafttreten. Und auch für das meistverkaufte Herbizid Glyphosat aus dem Hause Bayer-Monsanto, das die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) als „wahrscheinlich krebserregend beim Menschen“ einstufte, wurde der Import beziehungsweise der Einsatz in den letzten fünf Jahren in 14 Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas verboten oder zumindest eingeschränkt. Zwar hat etwa die EU in den letzten Jahren – vor allem nach der Verschärfung der Richtlinie über den Pestizideinsatz im Jahr 2009 – einige besonders gefährliche Mittel verboten. So ist das von Pestiziden ausgehende Risiko laut der EU-Kommission in den letzten fünf Jahren um 20 Prozent gesunken. Doch gleichzeitig sind die Zulassungsbehörden in vielen Ländern des globalen Südens weniger streng, personell unterbesetzt oder stehen – wie in den Agrobusiness-Hochburgen Brasilien und Argentinien – einer übermächtigen Agrarlobby gegenüber. Im globalen Süden verkaufen, was in der EU verboten ist So ist es keine Seltenheit, dass ein Wirkstoff, dessen Genehmigung in der EU nicht erteilt oder widerrufen wurde, in Afrika, Asien oder Lateinamerika noch in großem Umfang zum Einsatz kommt. Oft sind es sogar europäische Konzerne wie Bayer, BASF oder Syngenta, die im globalen Süden das verkaufen, was in der EU nicht (mehr) auf den Markt darf, und damit gigantische Umsätze machen. So ergaben Recherchen von Greenpeace Unearthed und Public Eye, dass Bayer, BASF, Corteva Agriscience (USA), FMC (USA) und Syngenta (Schweiz) 2018 mehr als ein Drittel ihrer Umsätze mit hochgefährlichen Pestiziden erwirtschaften – fast 60 Prozent davon in sogenannten Entwicklungs- und Schwellenländern. Als hochgefährlich gelten jene Pestizide, die in der regelmäßig aktualisierten Liste des global tätigen Pestizid Aktions-Netzwerks (PAN) erscheinen und sich an anerkannten Kriterien der akuten sowie langfristigen Toxizität für Mensch und Umwelt orientieren. Mit der neuen Studie „Gefährliche Pestizide von Bayer und BASF – ein globales Geschäft mit Doppelstandards“  hat INKOTA gemeinsam mit Misereor und der Rosa-Luxemburg-Stiftung sowie Partnerorganisationen aus Brasilien und Südafrika jüngst belegt, dass Bayer und BASF in Brasilien und Südafrika mindestens 28 Wirkstoffe vertreiben, die in der EU nicht genehmigt sind – ein Viertel davon ist sogar explizit verboten, darunter das Fungizid Propineb. Die aktive Substanz für das Bayer-Produkt Antracol ist laut der US-Umweltschutzbehörde wahrscheinlich krebserregend und seit 2018 in der EU verboten. Trotzdem wurden 2018 zwischen 1.000 und 2.500 Tonnen des Wirkstoffs aus Deutschland exportiert, und Bayer gab noch im Februar bekannt, massiv in die Produktionsanlage in Dormagen zu investieren, wo unter anderem Antracol hergestellt wird. Doch welche Folgen hat der Einsatz von teils hochgefährlichen Pestiziden für die Menschen im globalen Süden? Exemplarisch werden in der genannten Studie Auswirkungen auf indigene Gemeinschaften in Brasilien sowie Plantagenarbeiter*innen in Südafrika dokumentiert. So wurde etwa im Mai 2019 das Dorf Guyraroká der indigenen Gruppe der Guarani-Kaiowá im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso do Sul von einer Pestizidwolke vergiftet. In der Folge litten mehrere Kinder unter Asthma, trockenem Husten, Atemnot, Erbrechen, Schmerzen im Brustkorb sowie Magen- und Kopfschmerzen. Auf der anderen Seite des Atlantiks berichteten Arbeiter*innen einer südafrikanischen Zitrusfarm von einem Kollegen, der als Traktorfahrer durch eine Windböe die ausgebrachten Pestizide einatmete und aufgrund einer Lungenvergiftung wochenlang im Krankenhaus behandelt werden musste. Gerade in den Regionen des globalen Südens, wo im großen Maßstab Agrarprodukte industriell für den Weltmarkt angebaut werden, leiden die Arbeiter*innen und Landwirt*innen auf den Feldern sowie deren Familien und auch Anwohner*innen und indigene Gemeinschaften, die mit der landwirtschaftlichen Produktion eigentlich gar nichts zu tun haben. Das Risiko der Pestizidausbringung und -lagerung in Armutskontexten des globalen Südens ist in der Regel deutlich höher als für Menschen, die im globalen Norden in der Landwirtschaft arbeiten. Denn Bäuerinnen und Bauern in Afrika, Asien und Lateinamerika können sich die nötige Schutzausrüstung oft nicht leisten oder haben keinen Zugang dazu, und Arbeiter*innen wird das entsprechende Equipment häufig nicht vom Arbeitgeber gestellt. Auch kann das Tragen von Schutzkleidung im feucht-heißen Klima als zusätzliche Belastung empfunden werden. Zudem leben sowohl Landwirt*innen als auch Plantagenarbeiter*innen häufig so nah an den Feldern, dass Mindestabstände bei einem Sprüheinsatz gar nicht eingehalten werden können oder Pestizidkanister zum Teil – mangels eigener Lagerräume – in Wohnräumen aufbewahrt werden. Aus all diesen Gründen dürfen sich Pestizidhersteller wie Bayer und BASF nicht mit dem Argument aus der Affäre ziehen, ihre Produkte seien ungefährlich, solange eine „sichere Anwendung“ erfolgt. Diese „sichere Anwendung“ ist ein theoretisches Konstrukt der Agrarchemieindustrie und entspricht in vielen Ländern der Welt schlichtweg nicht der Realität. Zu der Problematik der direkten Ausbringung und Lagerung von Pestiziden kommt noch dazu, dass Pestizide häufig stark das Trinkwasser belasten: So wurde in einigen Regionen Brasiliens im Trinkwasser unter anderem der in der EU nicht genehmigte Bayer-Wirkstoff Carbendazim gefunden, der als erbgutverändernd und fruchtbarkeitsschädigend gilt. Studien argentinischer Ärzt*innen zeigen die langfristigen Folgen des Pestizideinsatzes für die Bevölkerung in den Anbaugebieten etwa von Soja: Dort besteht ein nachweislich höheres Risiko für Fehlgeburten, Kinder mit Gendefekten, Haut- und Atemwegserkrankungen, Schilddrüsenüberfunktion sowie – im Vergleich zum Landesdurchschnitt – eine 400 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu erkranken. Angesichts dieser dramatischen Erkenntnisse aus Ländern wie Brasilien, Argentinien und Südafrika erscheint die durchaus berechtigte Sorge westeuropäischer Verbraucher*innen vor den gesundheitlichen Schäden durch Pestizidrückstände in Lebensmitteln im Vergleich als Luxusproblem.

Monsanto ist schon seit Jahren umstritten. 2016 fand in Den Haag ein zivilgesellschaftlich organisiertes Tribunal gegen den Biotech-Konzern statt. Foto: CC BY-NC 2.0

Bienensterben und schlechte Klimabilanz Doch die dramatischen Folgen für die menschliche Gesundheit sind nicht das einzige Problem beim Pestizideinsatz, hinzu kommen massive ökologische Schäden. Zum einen ist die Herstellung von Pestiziden nicht gerade klimaneutral. Die Produktion ist zwar bei weitem nicht so energieintensiv wie etwa die Düngemittelproduktion nach dem Haber-Bosch-Verfahren. Dennoch sah man etwa bei Bayer, wie sich dessen Klimabilanz nach der Übernahme des US-Unternehmens Monsanto deutlich verschlechtert hat. So ist der Ausstoß von Treibhausgasen durch Bayer im Jahr nach der Monsanto-Übernahme um 50 Prozent gestiegen: Vor allem die Saatgut- und Pestizidproduktionsstätten von Monsanto verbrauchen enorm viel Energie. Doch neben dem Energieverbrauch in der Herstellung sowie negativen Auswirkungen auf Böden und Gewässer steht seit einiger Zeit ein kleines, nützliches Tier als Pestizid-Opfer im Zentrum der öffentlichen Debatte: die Biene. Immer mehr Studien dokumentieren die negativen Folgen des Einsatzes von Insektiziden auf Bestäuber. Vor allem die Gruppe der Neonikotinoide ist hier in Verruf geraten: Sie schädigen das Nervensystem der Bienen, welche dadurch unter anderem ihre Orientierung verlieren und schließlich sterben. Eine wissenschaftliche Metastudie von 2019 hat errechnet, dass die pestizid- und düngemittelintensive Landwirtschaft für 46,6 Prozent des Insektensterbens verantwortlich ist und prognostiziert einen Rückgang der Insektenmasse um 40 Prozent in den nächsten Jahrzehnten. Gleichzeitig schätzt der Weltbiodiversitätsrat (IPBES), dass die Bestäubungsleistung durch Insekten einem weltweiten Marktwert für die Landwirtschaft zwischen 200 und über 500 Milliarden Euro entspricht. Zwar werden in China bereits einige Obstplantagen aufwändig durch Arbeiter*innen per Hand bestäubt und japanische Forscher*innen experimentieren bereits mit einer Bestäubung über Seifenblasen. Doch weitere Bienen zu verlieren, wäre im globalen Maßstab zweifelsohne fatal für die Landwirtschaft. Daher sah sich etwa die EU gezwungen, auf die Bedrohung des Bienensterbens zu reagieren und verbot bislang drei Neonikotinoide für den Einsatz im Freiland – Imidacloprid (von Bayer) sowie Chlothianidin und Thiamethoxam (beide von Syngenta). Sie dürfen nur noch im Gewächshaus eingesetzt werden. Doch auch mit Blick auf die bienenschädlichen Mittel agieren die Pestizidkonzerne in der globalen Vermarktung mit Doppelstandards. Sowohl Imidacloprid als auch Thiamethoxam werden – neben anderen bienengiftigen Insektiziden – üblicherweise im Kakaoanbau in Westafrika eingesetzt – selbstverständlich nicht in Gewächshäusern, sondern unter freiem Himmel. Und auch jenseits der Neonikotinoide bringen Agrarchemiekonzerne im globalen Süden einige für Bienen hochgiftige Insektizide auf den Markt, die in der EU nicht genehmigt sind: So exportierte etwa die deutsche BASF laut Greenpeace-Recherchen 2018 90 Tonnen Fipronil nach Brasilien. Von diesem reicht bereits ein Gramm, um etwa 84 Millionen Bienen zu töten. Inputintensive Landwirtschaft bedroht Ernährungssouveränität Doch nur die gesundheitlichen und ökologischen Folgen des massiven Pestizideinsatzes rund um den Globus zu betrachten, reicht noch nicht aus. Die enormen Absatzsteigerungen gehen Hand in Hand mit einer Industrialisierung der Landwirtschaft, die wenn überhaupt Arbeitsplätze unter ausbeuterischen Bedingungen schafft und zunehmend auf die Produktion von besonders lukrativen Ackerfrüchten für den Export oder zur Herstellung von Tierfutter (Soja) oder Agrarkraftstoffen (Mais, Zuckerrohr) in Monokulturen setzt. Das gefährdet die Versorgung der Weltbevölkerung mit gesunden, vielfältigen Lebensmitteln, wie die steigenden Hungerzahlen in den letzten fünf Jahren sowie die wachsende Zahl mangelernährter Menschen zeigen. Außerdem bedroht diese Entwicklung bäuerliche Existenzen. So verschwinden allein in der EU jährlich 400.000 Bauernhöfe, weil sie dem Wachstumszwang nicht länger standhalten können. Und auch in vielen afrikanischen Ländern verhindert die Förderung einer vermeintlich produktivitätssteigernden Landwirtschaft, die einseitig auf den vermehrten Einsatz von chemischen Pestiziden und Düngemitteln setzt, die Umsetzung von Ernährungssouveränität und führt in vielen Fällen zur Verschuldung von Bäuerinnen und Bauern, wie eine aktuelle Studie zeigt. Jetzt den Südlink abonnieren Was auf politischer Ebene geschehen muss Der wichtigste Schritt, um die schlimmsten Auswirkungen von Pestiziden auf Mensch und Umwelt zu verringern, ist ein weltweites Verkaufs- und Einsatzverbot von hochgefährlichen Pestiziden. Auf dem Weg hin zu einem solchen globalen Ausstieg müssen jedoch so schnell wie möglich Doppelstandards in der weltweiten Pestizidvermarktung gesetzlich abgebaut werden, um vor allem die Menschen im globalen Süden zu schützen (siehe den untenstehenden Kasten). Darüber hinaus sollten Regierungen und internationale Institutionen an einem breiteren Ausstieg aus chemisch-synthetischen Pestiziden arbeiten. In der neuen Strategie „Vom Hof zum Teller“ der EU-Kommission wird als Teil des „Green New Deals“ etwa eine Verringerung des Pestizideinsatzes bis 2030 um 50 Prozent angekündigt. Das ist ein wichtiger Schritt, entscheidend ist jetzt ein Fahrplan zur Umsetzung ohne Schlupflöcher. Während es beim Ausstieg aus (hochgefährlichen) Pestiziden nicht ohne Verbote geht, braucht es gleichzeitig eine massive Förderung von Alternativen. Hier sollte das ganzheitliche Konzept der Agrarökologie an erster Stelle stehen (siehe den Artikel von Lena Bassermann auf den Seiten 8 bis 9). Denn mit Agrarökologie wird nicht nur versucht, chemische Pestizide durch biologische zu ersetzen, sondern den Betrieb durch eine an natürlichen Stoffkreisläufen orientierte Praxis vielseitiger und widerstandsfähiger zu gestalten und gleichzeitig die ökonomische und politische Stellung der Erzeuger*innen zu stärken. Außerdem ist es wichtig, die Bäuerinnen und Bauern in Nord und Süd bei dieser Transformation als zentrale Akteure einzubinden. Denn es lässt sich nicht bestreiten, dass die Landwirtschaft in vielen Regionen der Welt enorm abhängig vom Pestizideinsatz (geworden) ist. Ein vorschneller Ausstieg aus sämtlichen chemischen Pestiziden kann Landwirt*innen vor große (ökonomische) Probleme stellen. In bestimmten Kontexten kann es auch sein, dass ein kompletter Verzicht auf chemische Pestizide nicht möglich sein wird. In diesen Fällen sollte die oberste Priorität darauf liegen, hochgefährliche Pestizide durch weniger schädliche Pestizide zu ersetzen. Dies gilt auch etwa für die Heuschreckenplage in Ostafrika und Südasien (siehe den Artikel auf den Seiten 14 bis 15), wobei es dort bereits vielversprechende Untersuchungen zum Einsatz botanischer Pestizide gibt. Um agrarökologische Ansätze weiterzuentwickeln und in der Breite nutzbar zu machen, braucht es gezielte Fördergelder – statt Subventionen für Industriebetriebe – für Forschung und Umstellung, sowohl im globalen Norden wie im globalen Süden. Dabei muss stets das gesamte Ernährungssystem – vom Acker über die Verarbeitung bis hin zur Vermarktung und zum Konsum – in den Blick genommen werden und die Bedürfnisse der besonders verletzlichen Erzeuger*innen und Verbraucher*innen müssen besondere Beachtung finden. Nur so kann eine sozial gerechte und ökologisch nachhaltige Transformation des Ernährungssystems funktionieren. 1 INKOTA/Misereor/Rosa-Luxemburg-Stiftung und andere (2020): Gefährliche Pestizide von Bayer und BASF – ein globales Geschäft mit Doppelstandards. Online unter: www.inkota.de/studie-bayer-basf 2 Brot für die Welt/FIAN Deutschland/Forum Umwelt und Entwicklung/INKOTA/Rosa-Luxemburg-Stiftung (2020): Falsche Versprechen: Die Allianz für eine Grüne Revolution in Afrika (AGRA). Online unter https://bit.ly/falsche-versprechen) Lena Luig ist Referentin für Landwirtschaft und Welternährung bei INKOTA. Die Kampagne Giftexporte stoppen! Doppelstandards im globalen Pestizidgeschäft und deren Folgen für Menschen im globalen Süden aufzuzeigen – diesem Ziel hat sich INKOTA seit der Bayer-Hauptversammlung 2019 verschrieben. Gemeinsam mit der brasilianischen Campanha Permanente Contra os Agrotóxicos haben wir bereits letztes Jahr diskutiert, was die deutsche und die brasilianische Regierung tun müssen, um diese Doppelstandards abzubauen und die Gesundheit der Menschen zu schützen. Im Juni dieses Jahres hat INKOTA schließlich gemeinsam mit PAN Germany einen Appell an die deutsche Bundesregierung gestartet, der ein gesetzliches Exportverbot für Pestizidwirkstoffe fordert, die in der EU aufgrund von Umwelt- und Gesundheitsrisiken nicht genehmigt sind. Die Bundesregierung soll sich dabei an der französischen Regierung ein Beispiel nehmen, die so ein Gesetz bereits verabschiedet hat. Gemeinsam wollen wir 10.000 Unterschriften sammeln, die wir im Frühsommer 2021 an die Bundesregierung übergeben wollen. In den kommenden Monaten werden wir mit Online-Seminaren mit spannenden Gästen über verschiedene Themen rund um den Pestizideinsatz und dessen Auswirkungen im globalen Süden informieren. Mit Lobbygesprächen und Protestaktionen werden wir den Druck auf die Bundesregierung erhöhen, damit sie sich neben einem Exportverbot auch für ein Aus für hochgefährliche Pestizide auf internationaler Ebene einsetzt. Helfen Sie uns dabei und unterschreiben Sie unter www.inkota.de/giftexporte-stoppen oder bestellen Sie im INKOTA-Shop (webshop.inkota.de) Unterschriftenlisten und weitere Kampagnenmaterialien. Jetzt weitere Artikel aus dem Südlink lesen Jetzt Südlink 193 "Gefährliche Pestizide: Für eine Landwirtschaft ohne Agrargifte" bestellen Jetzt den Südlink abonnieren
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Online-Seminar: Falsche Versprechen - Die Allianz für eine Grüne Revolution in Afrika

22. September 2020 - 22:57
Einladung zum Online-Seminar (Zoom) am 8. Oktober, 17-18:30 Uhr Vierzehn Jahre nachdem die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung die Allianz für eine Grüne Revolution in Afrika – kurz AGRA – gegründet hat, steht fest: Der AGRA-Ansatz ist an den eigenen Zielen gescheitert. 30 Prozent mehr Menschen hungern in den 13 AGRA-Schwerpunktländern und das Verschuldungsrisiko für Kleinbauern und -bäuerinnen hat sich erhöht. Zudem werden traditionelle klimaresistente und nährstoffreiche Nahrungsmittel verdrängt. Das belegt die Analyse eines deutsch-afrikanischen zivilgesellschaftlichen Bündnisses, die in dieser Online-Veranstaltung vorgestellt und diskutiert werden. Wir bitten um Anmeldung unter dem folgenden Link Eine Simultanübersetzung wird angeboten (Deutsch/Englisch/Französisch) Vorläufiges Programm
  • 17:00 Uhr Begrüßung
  • 17:10 Uhr Der AGRA-Ansatz und die Grüne Revolution
  • 17:15 Uhr Vorstellung der Ergebnisse der Studie auf Basis der Analysen von Timothy A. Wise (Wissenschaftler TUFTS University, Massachusetts)  
  • 17:25 Uhr Fallbeispiele: Interview mit Mutinta Nketani (PELUM) aus Sambia und Mamadou Goïta (IRPAD) aus Mali
  • 17:45 Uhr Schlussfolgerungen: Kritik an AGRA und politische Forderungen
  • 17:50 Uhr Kommentar des malaysischen Ökonomen Jomo Kwame Sundaram (tbc)
  • 17:55 Uhr Offene Diskussion mit den Teilnehmenden
  • 18:25 Uhr Zusammenfassung und Ausblick
Veranstaltet von: Biba (Kenia), Brot für die Welt, FIAN Deutschland, Forum Umwelt und Entwicklung, INKOTA, IRPAD (Mali), PELUM (Sambia), Rosa-Luxemburg-Stiftung, Tabio (Tansania) und TOAM (Tansania). Weitere Informationen: Bestellen Sie hier die Studie "Falsche Versprechen" Hören Sie hier den Podcast "Falsche Versprechen" auf Soundcloud Erfahren Sie mehr über unseren Arbeitsbereich Welternährung & Landwirtschaft Bestellen Sie hier den Südlink zum Thema Agrarökologie
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Veranstaltungsreihe "Immer auf dem Laufenden sein!"

22. September 2020 - 20:20
Missstände in der globalen Modeindustrie In den Schaufenstern strahlen die neuen Sneaker, Shirts und co. - in den Produktionsstätten hingegen sieht es düster aus. Arbeitsrechte werden verletzt, die Gesundheit der Arbeiter*innen gefährdet und die Umwelt zerstört. Unsere Veranstaltungsreihe “Immer auf dem Laufenden sein!” (online und offline) gibt Einblicke in die Produktionsstätten von Schuhen und Textilien, beleuchtet die Missstände der globalen Fashion-Industrie und zeigt Alternativen und Handlungsmöglichkeiten auf. In sieben digitalen Veranstaltungen bekommt ihr Einblicke in verschiedene Themen rund um die Fashion-Industrie. Expert*innen berichten mit Vorträgen, Lesungen oder Filmmaterial über die Bedingungen in den Produktionsstätten:
  • Wie wir das Leder gegerbt,
  • die Schuhe geklebt
  • und die Kleidung genäht?
Unsere indischen Partnerorganisationen berichten von ihrer täglichen Arbeit, für die Rechte der Arbeiter*innen in Indien zu kämpfen und beleuchten die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Arbeiter*innen. Vorherrschende Machtverhältnisse in globalen Lieferketten werden durch einen erfahrbaren, körperlichen Einsatz kritisch reflektiert. Außerdem diskutieren wir mit euch Möglichkeiten, wie Menschenrechte, Sozial- und Umweltstandards in der Modeindustrie umgesetzt werden können - zum Beispiel durch gesetzliche Rahmenbedingungen oder Siegel. Zum Abschluss unserer Veranstaltungsreihe möchten wir offline gemeinsam aktiv werden und unsere Botschaften für eine faire und nachhaltige Fashion-Industrie auf Bannern sichtbar werden lassen. Haben wir Ihr Interesse geweckt? Dann melden Sie sich jetzt an (bitte für jede Veranstaltung einzeln). Hier finden Sie das gesamte Programm und die Links zur Anmeldung (werden laufend aktualisiert und hinzugefügt). Dienstag, 6.10.2020, 18-19:30 Uhr, online
Was deine Schuhe der Welt antun

Gespräch mit Tansy Hoskins Tansy Hoskins berichtet über ihr neues Buch “Foot Work: What Your Shoes Are Doing To The World” und ihre Recherchen in der Schuhindustrie. Mehr Infos Bitte hier anmelden
Samstag, 10.10.2020, 13-14:30 Uhr, online
Arbeiter*innen in der indischen Schuh- und Lederindustrie stärken!

Gespräch und Diskussion mit Sonia Wazed, Society for Labour and Development (SLD) und Pradeepan Ravi, Cividep Indische Arbeitsrechtsaktivist*innen berichten über die aktuellen Auswirkungen der Corona-Krise auf die Arbeiter*innen, die Missstände in den Fabriken und von ihrer täglichen Arbeit für die Rechte der Arbeiter*innen zu kämpfen. Bitte hier anmelden Dienstag, 20.10.2020, 18-19:30 Uhr, online
Gegen Moral Distancing hilft nur noch ein Lieferkettengesetz

Vortrag und Diskussion mit Johannes Schorling, INKOTA-netzwerk Wo stehen wir aktuell in Deutschland auf dem Weg zu einem Lieferkettengesetz und wie muss ein Lieferkettengesetz aussehen, um tatsächlich Wirkung zu entfalten? Bitte hier anmelden Dienstag, 27.10.2020, 18-19:30, online
Welche Schuhe soll ich kaufen? Möglichkeiten und Grenzen von Siegeln und Zertifizierungen

Gespräch und Diskussion mit Rolf Heimann, hessnatur Stiftung Dienstag, 03.11.2020, 18-20 Uhr, online
Self-As-Other-Trainings: Textiles - Aktivismus durch Verkörperung und Bewegung?

Workshop mit Vivien Tauchmann, www.vivientauchmann.com/ Der Workshop lädt ein, Machtverhältnisse durch einen erfahrbaren, körperlichen Einsatz zu praktizieren und kritisch zu reflektieren, sowie performative Aktionsformen zu erproben. Bitte hier anmelden Dienstag, 17.11.2020, 18-19:30 Uhr, online
Was steckt in unseren Schuhen? Investigative Recherchen in den Produktionsstätten von Schuhen

Gespräch mit Christian Jentzsch, www.factsandpictures.com/ Christian Jentzsch begibt sich auf seinen Recherchereisen hinter die schönen Fassaden der Fashion-Industrie. Er berichtet über seine aktuelle Recherche in der indischen Schuh- und Lederindustrie und beschreibt die Herausforderungen seiner Arbeit vor Ort. Samstag, 21.11.2020, 11-18 Uhr, offline
Politische Textilkunst

Workshop mit Sigrid Ellen Münzberg, www.sekundär-schick.de Wir designen und produzieren Banner aus gebrauchten Textilien mit denen ihr bei Demos oder Veranstaltungen eure Botschaften für eine faire und nachhaltige Fashion-Industrie verbreiten könnt. Mehr Informationen: Erfahren Sie mehr über die Kampagne "Change your Shoes" Erfahren Sie mehr über die Kampagne für Saubere Kleidung Mehr Informationen zum Thema Lieferkettengesetz
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Stehen Sie diesen Menschen in der Krise zur Seite!

14. September 2020 - 11:00
Job und Einkommen plötzlich weg, die Lebensmittel gehen aus, die Gesundheitsversorgung ist katastrophal: Die Folgen der Corona-Pandemie im globalen Süden zeigen sich immer deutlicher. Lassen Sie die Menschen in der Krise nicht allein! Spenden Sie jetzt! Schulen werden geschlossen, große Menschenansammlungen und Reisen verboten und die Grenzen zu den Nachbarländern dicht gemacht: Der Lockdown sieht in vielen Ländern ähnlich aus. Doch die Folgen sind in unseren Partnerländern schnell existenziell: „Die Einschränkungen wirken sich besonders auf das Leben derjenigen aus, die kein geregeltes Einkommen und keine soziale Absicherung haben“, sagt Belmira Mondlane von unserer Partnerorganisation Adecru in Mosambik. Grundnahrungsmittel etwa wie Kartoffeln oder Tomaten, die sonst von informellen Händler*innen über die Grenze und bis in die Hauptstadt gebracht werden, bleiben im Nachbarland Südafrika. „Dabei ist der informelle Grenzhandel eine wichtige Einkommensquelle, insbesondere für Frauen“, sagt Belmira Mondlane. Rund 88 Prozent der Beschäftigten in Mosambik arbeiten im informellen Sektor und sind darauf angewiesen, ihre Waren auf der Straße zu verkaufen oder dort ihre Dienstleistungen anzubieten. „Nun sollen diese Menschen zu Hause bleiben – aber wie soll das gehen?“ Erst der Zyklon, jetzt die Pandemie Auch Kleinbäuerinnen und Kleinbauern müssen raus aufs Feld, um sich und ihre Familien mit wenigstens einer Mahlzeit am Tag versorgen zu können. „Erst im vergangenen Jahr waren viele von ihnen vom Zyklon Idai betroffen und haben ihre gesamte Ernte verloren“, sagt Belmira Mondlane. „Nun droht der nächste Rückschlag!“ Und sie macht sich weitere Sorgen: „Wir fürchten, dass einige der großen Investoren die Notsituation ausnutzen, um sich Zugänge zum Land der Bauern und Bäuerinnen zu verschaffen. Einige Gemeinden haben uns bereits berichtet, dass Großkonzerne sie kontaktiert haben. Wir raten ihnen, vorsichtig zu sein – viele Menschen sind in einer verzweifelten Lage, und die Aussicht auf kurzfristige Gewinne kann sie dazu bringen, auf unvorteilhafte Geschäfte einzugehen.“ Warum Ihre Hilfe jetzt so wichtig ist! Was die Situation noch brisanter macht: Mitten in der Corona-Pandemie soll die Gesetzgebung für Land in Mosambik überarbeitet werden. Wer Land besitzen darf oder erwerben kann – all das könnte neu geregelt werden. Die großen Konzerne wollen sich dabei den Zugriff auf lukrative Flächen sichern. Die Kleinbauern-Familien haben das Nachsehen: Der Kampf ums Überleben bestimmt in der Krise jeden Tag – wie sollen sie sich da um künftige Gesetze kümmern? Zum Glück gibt es Kleinbauernorganisationen wie Adecru: Sie behalten Gefahren wie bei der Überarbeitung der Landgesetzgebung auch in der Krise im Blick – und wissen, wie sie diese bekämpfen können. Gleichzeitig helfen sie den Familien auch unmittelbar – wenn Krankheit, Hunger oder Armut drohen. Somit zeigen die Schilderungen aus Mosambik beispielhaft: In der Krise kommt es auf eine Kombination aus schneller Soforthilfe und mittelfristiger struktureller Unterstützung an. Berichte unserer Partnerorganisationen aus El Salvador, Ghana, Guatemala, Indien, Nicaragua oder Vietnam bestätigen das. Jetzt kommt es auf Sie an: Stehen Sie den Menschen in der Krise zur Seite – und spenden Sie jetzt! Stark auch in der Krise: Mehr Informationen zum Corona-Hilfsfonds von INKOTA
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Der neue Südlink ist da

9. September 2020 - 15:00
Liebe Leser*innen, mehr als 65 Milliarden US-Dollar ließ sich der Bayer-Konzern den US-amerikanischen Agrar- und Gentechnikriesen Monsanto bei dessen Übernahme im Jahr 2016 kosten. Ein wichtiger Anreiz für den Megadeal war das von Monsanto entwickelte Glyphosat, das weltweit am meisten verkaufte Pestizid. Jetzt den Südlink 193 "Gefährliche Pestizide: Für eine Landwirtschaft ohne Agrargifte" bestellen Wie wenige andere steht Monsanto als Symbol für eine fehlgeleitete Agrarindustrie und leistet einen entscheidenden Beitrag zur Vergiftung von Mensch und Umwelt, der Beschleunigung des Klimawandels und zum Verlust an Biodiversität. Doch auch von der weit verbreiteten Kritik, mit Monsanto einen wegen seiner Geschäftspraktiken in vielen Regionen der Welt verhassten Konzern zu erwerben, ließ sich Bayer nicht beirren. Zu attraktiv erschien Glyphosat angesichts eines Weltmarkts für Pestizide, auf dem bereits im Jahr 2018 rund 58 Milliarden US-Dollar umgesetzt wurden, Tendenz steigend. Noch erscheint der Kauf von Monsanto als Fehlinvestition: Zu groß sind die Kosten für bereits bezahlte und noch ausstehende Strafen in zehntausenden Verfahren allein in den USA, in denen Menschen, die Glyphosat nutzten, schwer, zumeist an Krebs erkrankten. Die Klagewelle gegen Bayer-Monsanto ist allerdings nur das prominenteste Beispiel für die großen Gefahren, die weltweit von hochgefährlichen Pestiziden ausgehen. Über 300 Produkte umfasst die Liste hochgefährlicher Pestizide, die das Pestizid Aktions-Netzwerk (PAN) seit 2009 erstellt und laufend aktualisiert. Vehement kritisiert die Agrar- und Chemieindustrie diese Liste, die auch die Kriterien der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) sowie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) einbezieht. Und doch konnten Umwelt-, Entwicklungs- und viele andere Organisationen in den letzten Jahren Erfolge beim Verbot einiger Pestizide erzielen. Zum Beispiel in Europa, wo besonders gefährliche Pestizide, die hormonell wirksam, erbgutschädigend oder krebserregend sind, nicht mehr zugelassen werden. Auch wurde einer ganzen Reihe gefährlicher Pestizide oder Wirkstoffe, wie zum Beispiel dem hoch toxischen Paraquat, in der EU bereits die Genehmigung entzogen – oder ist eben diese Genehmigung schwer umkämpft wie bei Glyphosat, das mit tausenden Todesfällen weltweit in Verbindung gebracht wird. Jetzt den Südlink abonnieren Gemeinsam mit dem Pestizid Aktions-Netzwerk hat INKOTA nun die Kampagne „Giftexporte stoppen!“ gestartet. Noch immer dürfen europäische Konzerne wie Bayer oder BASF Wirkstoffe und Pestizidprodukte, die in der EU als zu gefährlich gelten und daher verboten sind, ins Ausland exportieren oder sie dort produzieren. Ein gefährlicher Doppelstandard, der auf Kosten der Gesundheit der Menschen und der Umwelt im globalen Süden geht. Dieser Skandal muss ein Ende haben! Auch Sie können uns dabei unterstützen und zum Beispiel unseren Appell an die Bundesregierung zum Verbot dieser Giftexporte unterschreiben. Machen Sie mit – am besten nachdem Sie sich in diesem Dossier gut informiert haben. Eine anregende und motivierende Lektüre wünscht Ihnen Michael Krämer Michael Krämer arbeitet bei INKOTA und ist Redakteur des Südlink-Magazins. Lesen Sie hier einige Artikel aus dem Südlink 193 Lena Luig: Gift auf dem Acker Zum vollständigen Inhaltsverzeichnis Jetzt Südlink 193 "Gefährliche Pestizide: Für eine Landwirtschaft ohne Agrargifte" bestellen Jetzt den Südlink abonnieren
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Schluss mit der Blockade, Herr Altmaier!

9. September 2020 - 10:11
Über 222.222 Unterschriften und eine klare Forderung: „Menschenrechte und Umweltschutz brauchen endlich einen gesetzlichen Rahmen!“. So haben wir heute früh mit über 100 Aktivist*innen vor dem Bundeskanzleramt dagegen protestiert, dass die Einigung auf Eckpunkte für ein Lieferkettengesetz erneut verschoben wurde. Wir haben lautstark klargemacht: Noch in dieser Legislaturperiode braucht es ein Lieferkettengesetz! Ohne Verwässerung, ohne Wenn und Aber!

Dass so viele Menschen die Petition unterschrieben haben, macht deutlich: Ein Lieferkettengesetz ist längst überfällig. Zusammen haben wir es in den letzten Monaten geschafft, das Gesetz in Deutschland auf die politische Agenda zu setzen. Dass ein Teil der Bundesregierung unsere Forderung mittlerweile unterstützt, ist ein riesiger, ist unser Erfolg! Die unzähligen Aktionen, Veranstaltungen und Gespräche, und nicht zuletzt die beeindruckende Zahl von über 200.000 Unterschriften, haben diesen Erfolg möglich gemacht.

Doch nun droht das Lieferkettengesetz zur Farce zu werden. Denn Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) macht sich zum Sprachrohr der Wirtschaftsverbände und verwässert die Pläne für ein Gesetz mit immer neuen Vorschlägen. Anders als in den Eckpunkten von Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) und Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) vorgesehen, will Altmaier ein Lieferkettengesetz, das nur für Unternehmen mit mehr als 5.000 Mitarbeitenden gilt. Zudem soll die zivilrechtliche Haftung entfallen.

Jetzt E-Mail an Peter Altmaier senden Wenn der Wirtschaftsminister damit durchkommt, bleiben Menschenrechte und Umweltschutz in globalen Lieferketten weiter auf der Strecke: Altmaiers Lieferkettengesetz würde nur für einen Bruchteil der Unternehmen gelten, die in Deutschland Geschäfte machen. Viele Unternehmen aus der Schokoladenindustrie, dem Rohstoffsektor oder der Bekleidungsindustrie würden durchs Raster fallen, obwohl es dort häufig zu Menschenrechtsverletzungen kommt. Ein Lieferkettengesetz ohne Haftung wäre außerdem wirkungslos. Das wichtigste Druckmittel, um Unternehmen zur Einhaltung von Menschenrechten und Umweltstandards zu verpflichten, würde entfallen.

Deshalb kann die Kampagne für ein Lieferkettengesetz nicht mit der Unterschriftenübergabe enden. Wir brauchen Ihren Druck, damit das Lieferkettengesetz nicht scheitert. Schreiben Sie deshalb jetzt eine E-Mail an Wirtschaftsminister Peter Altmaier und fordern Sie ihn auf: Beenden Sie Ihre Blockadehaltung!

Schreiben Sie dem Wirtschaftsminister Genau jetzt wird über das Lieferkettengesetz verhandelt. Nur wenn wir jetzt den Druck aufrechterhalten, können wir es schaffen, am Ende ein tatsächlich wirksames Gesetz zu erstreiten. Machen Sie mit: Schreiben Sie Wirtschaftsminister Altmaier und fordern Sie ein starkes Lieferkettengesetz.

Versenden Sie jetzt eine Mail an Herrn Altmaier Vielen Dank für Ihre Unterstützung! Mehr Informationen zum Thema Lieferkettengesetz
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Stellenausschreibungen bei INKOTA!

1. September 2020 - 16:06
Das INKOTA-netzwerk ist eine entwicklungspolitische Nichtregierungsorganisation, die sich für eine Welt ohne Hunger und Armut stark macht. Mit politischen Kampagnen, Aktionen sowie Bildungsangeboten und in Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen im globalen Süden treten wir für eine gerechte Globalisierung ein. INKOTA stärkt Menschen im globalen Süden, damit sie sich selbstbestimmt von Hunger und Armut befreien können. Für unsere Geschäftsstelle in Berlin suchen wir nun als Verstärkung unserer Geschäftsführung eine*n Geschäftsführer*in (m/w/d) mit Schwerpunkt administrative Geschäftsführung und für unseren Arbeitsberich Welternährung und globale Landwirtschaft eine*n Projektmitarbeiter*in. Zu den Stellenangeboten: Geschäftsführer*in (m/w/d) mit Schwerpunkt administrative Geschäftsführung (40 Stunden/Woche, Teilzeit u.U. möglich) Projektmitarbeiter*in für Welternährung und globale Landwirtschaft (m/w/d) (30 Stunden/Woche) Mehr über INKOTA Corona-Hilfe: Stärken Sie die Schwächsten!
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2. Aktionswerkstatt der Initiative Lieferkettengesetz in Berlin

25. August 2020 - 9:43
  • Was? Aktionswerkstatt der Initiative Lieferkettengesetz für alle Interessierten aus der Zivilgesellschaft
  • Wann? Mittwoch, 23. September, 18:00-21:00
  • Wo? Braustube im Berlin Global Village, Am Sudhaus 2, 12053 Berlin
  • Verpflegung? Es gibt Getränke und einen kleinen Snack für die Pause!
  • Anmeldung: Per Email bei Johannes Schorling oder Steffen Vogel
Am 9. September übergibt die Initiative Lieferkettengesetz mit einer Aktion auf der Reichstagswiese über 222.222 Unterschriften an Bundeskanzlerin Angela Merkel. Genau ein Jahr ist dann seit dem Start der Initiative vergangen – und in dieser Zeit hat sich politisch viel bewegt: Arbeitsminister Heil und Entwicklungsminister Müller haben ein Lieferkettengesetz noch in dieser Wahlperiode versprochen, und auch Kanzlerin Merkel hat sich vor kurzem erstmals hinter das Gesetz gestellt. Doch die Arbeitgeberverbände versuchen mit Unterstützung von Wirtschaftsminister Altmaier alles, um ein Lieferkettengesetz zu verhindern oder so weit wie möglich zu verwässern. Bis Anfang 2021 entscheidet sich, ob ein Gesetz noch in dieser Wahlperiode kommt. Die Initiative Lieferkettengesetz geht nun also in die heiße Phase, und der Druck der Zivilgesellschaft wird in den nächsten Monaten entscheidend sein… Aus diesem Anlass laden wir alle Interessierten aus der Zivilgesellschaft, egal ob ehrenamtlich oder hauptamtlich, zu einem erneuten Vernetzungstreffen der Berliner Akteure in der Initiative ein. Wir wollen euch einerseits auf den aktuellen Stand bringen: Was passiert gerade politisch? Wie sieht der Prozess zu einem Lieferkettengesetz in den nächsten Monaten aus? Wie bewerten wir die Eckpunkte, die vor wenigen Wochen geleaked wurden? Wie argumentieren die Gegner*innen eines Gesetzes, und wie gehen wir damit um? Andererseits wollen wir Raum für Vernetzung und Planung von Aktivitäten bieten: Wie können wir mit Veranstaltungen und Aktionen bis zum Jahresende den Druck für ein Lieferkettengesetz erhöhen? Wollen wir vielleicht sogar eine gemeinsame Aktion zum Tag der deutschen Industrie (5./6.10.), zum „Black Friday“ (27.11.) oder in der Adventszeit planen? Das Treffen findet in der Braustube im Berlin Global Village statt. Um vor Ort die Abstandsregeln wegen Corona einhalten zu können, ist die Teilnehmer*innen-Zahl begrenzt. Daher meldet euch bitte möglichst zeitnah, spätestens aber bis zum 9. September, bei Johannes Schorling oder Steffen Vogel für das Treffen an, wenn ihr teilnehmen wollt. Zum vollständigen Programm. Corona-Hilfe: Stärken Sie die Schwächsten Mehr zum Thema Lieferkettengesetz
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Webseminar: Lieferkettengesetz. Perspektiven aus dem globalen Süden

24. August 2020 - 18:04
  • Was: Webseminar: Was ändert ein Lieferkettengesetz? Perspektiven aus dem globalen Süden
  • Wann: Dienstag, 22. September 2020 von 15:00 bis 16:30
  • Wo: Überall, denn es ist ein Webseminar; jetzt anmelden
Das Lieferkettengesetz wird in Deutschland aktuell heiß diskutiert. Ein solches Gesetz, so die Hoffnung der Zivilgesellschaft hierzulande, würde die Chancen verbessern, Unternehmen für Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung zur Verantwortung zu ziehen. Aber wie denken eigentlich unsere Partnerorganisationen im globalen Süden darüber? Welche Hoffnungen setzen sie in gesetzliche Regulierungen im globalen Norden? Was würde sich durch ein Lieferkettengesetz aus ihrer Sicht konkret verändern – und was nicht? Welche Gefahren und möglichen negativen Auswirkungen sehen sie? Und was muss sich sonst noch verändern, um das Machtungleichgewicht in globalen Lieferketten zu beenden? Diskussionsteilnehmer*innen:
  • Kalpona Akter (Geschäftsführerin beim Bangladesh Center for Worker Solidarity, BCWS)
  • Jacques Nzumbu Mwanga (Bergbau-Experte beim Centre Arrupe pour la Recherche et la Formation, DR Kongo)
Moderation: Gertrud Falk (FIAN) & Johannes Schorling (INKOTA)

**Das Webseminar findet auf Englisch statt, Rückfragen an die Referent*innen können aber auch auf Deutsch gestellt werden** Eine Anmeldung über das Anmeldeformular ist erforderlich.

Hier geht es zur Veranstaltung bei Facebook.

Das Webseminar wird organisiert durch Inkota, FIAN, Germanwatch, SÜDWIND und Femnet. Corona-Hilfe: Stärken Sie die Schwächsten Mehr zum Thema Lieferkettengesetz

Gefördert durch Brot für die Welt aus Mitteln des Kirchlichen Entwicklungsdienstes, den Katholischen Fonds, die Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit des Landes Berlin sowie durch Engagement Global im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

       

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INKOTA-Jahresbericht 2019

13. August 2020 - 13:24
Der Start der Initiative Lieferkettengesetz, eine Spendenaktion für Mosambik, nach den verheerenden Zerstörungen durch den Zyklon Idai, eine innovative Crowdfunding-Kampagne zur Produktion nachhaltiger T-Shirts, das Veranstalten einer Konferenz zur Situation in Nicaragua mit zahlreichen oppositionellen Nicaraguaner*innen als Gästen oder die Ausweitung unserer Projektarbeit auf die Côte d’Ivoire. Dies waren nur einige der Highlights der Arbeit von INKOTA im Jahr 2019.

In unserem Jahresbericht 2019 berichten wir über die Kampagnen- und Bildungsarbeit im globalen Norden und die Unterstützung der Projekte unserer Partnerorganisationen in mittlerweile acht Ländern des globalen Südens. Da Transparenz ein zentrales Kriterium unserer Arbeit ist, legen wir die Entwicklung unserer Erträge und Aufwendungen im Haushalt 2019 offen. Auch über Geschichte, Prinzipien und Struktur unseres Vereins berichten wir im Jahresbericht.

Wer einen Überblick über die Arbeit von INKOTA gewinnen möchte, laden wir herzlich dazu ein, einen Blick in den Jahresbericht 2019 zu werfen! Lesen Sie den ganzen INKOTA Jahresbericht 2019 Lesen Sie jetzt folgende Beiträge aus dem Jahresbericht 2019: Initiative Lieferkettengesetz: Keine Gewinne ohne Gewissen Länderbericht Mosambik: Nothilfe nach Zyklon und langfristige Unterstützung
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Keine Gewinne ohne Gewissen

13. August 2020 - 13:00
10. September 2019: Rund 100 Aktivist*innen haben sich vor dem Bundestag versammelt. Sie gedenken der mehr als 250 Arbeiter*innen, die vor genau sieben Jahren in Pakistan ums Leben kamen, als in Karachi eine Fabrik des Textilherstellers Ali Enterprises niederbrannte. Der damals wichtigste Auftragnehmer der Fabrik: der deutsche Textil-Discounter KiK. Mit großen Grabsteinen erinnern die Anwesenden auch an andere Menschenrechtskatastrophen: Dammbruch von Brumadinho in Brasilien – 246 Tote. Massaker von Marikana in Südafrika – 34 Tote. Fabrikeinsturz von Rana Plaza in Bangladesch – 1.134 Tote. Der Protest vor dem Bundestag war die Auftaktaktion der Initiative Lieferkettengesetz, die INKOTA mit zahlreichen zivilgesellschaftlichen Organisationen gestartet hat. Denn es ist egal, ob es sich um Tote bei Fabrikbränden, ausbeuterische Kinderarbeit oder zerstörte Regenwälder handelt: Deutsche Unternehmen sind weltweit immer wieder für Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung verantwortlich. Bisher werden sie dafür jedoch selten juristisch zur Verantwortung gezogen. Breite Unterstützung für Kampagne Das möchte die Initiative Lieferkettengesetz ändern und fordert deshalb von der Bundesregierung, Unternehmen gesetzlich zur weltweiten Achtung von Menschenrechten und Umweltstandards zu verpflichten. Unternehmen, die für Schäden an Mensch und Umwelt in ihren Lieferketten eine Mitverantwortung tragen, sollen dafür haftbar gemacht werden. Wichtig für Betroffene von Menschenrechtsverletzungen: Sie sollen künftig vor deutschen Gerichten ihre Rechte einklagen können. Seit ihrem Start hat die Initiative eine erfreuliche Dynamik entfaltet. Durch zahlreiche Veranstaltungen und Aktionen in ganz Deutschland, durch Publikationen und Gespräche mit Politiker*innen konnten wir das Lieferkettengesetz auf die Tagesordnung setzen. Über 110.000 Menschen haben die Kampagnen-Petition an Bundeskanzlerin Merkel bis Ende 2019 unterzeichnet – inzwischen sind es 190.000 (Stand: Juni 2020). Über 90 Organisationen, darunter Menschenrechts-, Entwicklungs- und Umweltorganisationen sowie Gewerkschaften und kirchliche Akteur*innen, haben sich mittlerweile in der Initiative zusammengeschlossen. Damit ist die Initiative die größte zivilgesellschaftliche Allianz, die von der Bundesregierung einen gesetzlichen Rahmen für den weltweiten Schutz der Menschenrechte fordert. Unser Engagement: lautstark und informiert INKOTA hat die Arbeit für ein Lieferkettengesetz zu einem Schwerpunktthema gemacht und ist deshalb auch im Steuerungskreis der Initiative aktiv. Im September 2019 haben wir eine Studie veröffentlicht, die am Beispiel des Kakaosektors belegt, dass Unternehmen ihren menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten bisher nur unzureichend nachkommen. Zwei Monate später kam der Rohstoffexperte Jacques Nzumbu Mwanga aus der DR Kongo für eine Rundreise nach Deutschland. In Berlin sprach er über die Mitverantwortung der deutschen Autoindustrie für Menschenrechtsverletzungen beim Kobalt-Abbau in der DR Kongo und erklärte, wie ein Lieferkettengesetz dazu beitragen könnte, die Situation in seinem Land zu verbessern. Mit einer Aktion anlässlich des Deutschen Arbeitgebertags am 12. November in Berlin kritisierten INKOTA und Partner*innen die engen Lobby-Verflechtungen zwischen den Arbeitgeberverbänden und dem Bundeswirtschaftsministerium. Beide hatten sich als die stärksten Blockierer eines Lieferkettengesetzes erwiesen. Zum sogenannten „Black Friday“, dem Beginn des Weihnachtsgeschäfts, gingen am 29. November ein Dutzend Aktionsgruppen der Kampagne für Saubere Kleidung quer durch Deutschland auf die Straße. Mit Flashmob-Aktionen wiesen sie auf die untragbaren Zustände in der Textilindustrie hin und forderten ein Lieferkettengesetz, um Unternehmen für Menschenrechtsverletzungen zur Verantwortung zu ziehen. Doch Druck kam nicht nur aus der Zivilgesellschaft: Zum Tag der Menschenrechte am 10. Dezember stellten sich auch 42 Unternehmen öffentlich hinter die Forderung nach einem Lieferkettengesetz. Mit Ritter Sport, Nestlé, Tchibo, KiK und Vaude, befanden sich Unternehmen darunter, auf die INKOTA seit Jahren im kritisch-konstruktiven Dialog einwirkt. Auf europäischer Ebene hatten sich zuvor Schokoladenhersteller wie Mars und Mondelez für eine gesetzliche Regelung zu menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten von Unternehmen ausgesprochen – ebenfalls ein Ergebnis der langjährigen intensiven Arbeit von INKOTA. Druck erhöhen: gegen Bremser in der Politik Kurz vor Jahresende 2019 kündigten Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) und Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) an, in den kommenden Monaten ein Lieferkettengesetz auf den Weg zu bringen. Zuvor hatte das katastrophale Abschneiden deutscher Unternehmen beim Menschenrechtstest der Bundesregierung für einen Paukenschlag gesorgt: Nicht einmal jedes fünfte deutsche Unternehmen erfüllt die menschenrechtlichen Mindestanforderungen der Bundesregierung – so das Ergebnis einer Befragung im Rahmen des Nationalen Aktionsplans für Wirtschaft und Menschenrechte (NAP). Damit ist aus unserer Sicht der letzte Beweis erbracht: Freiwillig tun Unternehmen nicht genug für den Schutz der Menschenrechte. Deshalb wird es endlich Zeit für einen gesetzlichen Rahmen! Die Entwicklung der Initiative Lieferkettengesetz zeigt: Unsere hartnäckige Arbeit zahlt sich aus! Wenn die Zivilgesellschaft vereint mit einer Stimme spricht, kann sie gesellschaftliche Veränderung bewirken. Nun kommt es darauf an, dass wir nicht lockerlassen. Denn die Gegner einer gesetzlichen Regelung, von den Arbeitgeberverbänden über das Wirtschaftsministerium bis zum CDU-Wirtschaftsrat, versuchen weiterhin, ein Lieferkettengesetz zu blockieren. INKOTA setzt sich deshalb auch im Jahr 2020 weiter dafür ein, dass noch in dieser Legislaturperiode ein Lieferkettengesetz in Deutschland verabschiedet wird. Dieser Text ist im Jahresbericht 2019 erschienen Lesen Sie den ganzen INKOTA Jahresbericht 2019 Weitere Informationen: Jetzt spenden für die INKOTA Corona-Hilfe! Corona-Hilfe: Stärken Sie die Schwächsten! Erfahren Sie mehr zur Initiative Lieferkettengesetz
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Nothilfe nach Zyklon und langfristige Unterstützung

13. August 2020 - 11:09
Im Frühjahr 2019 wollten wir unser neues Projekt mit ADECRU in Mosambik starten. Unsere Partnerorganisation hatte uns um Unterstützung gebeten, um Land- und Forstrechte für die Menschen in Mosambik zu sichern und Bauern und Bäuerinnen gegenüber den großen Eukalyptusproduzenten zu stärken. Denn in einigen Provinzen Mosambiks beanspruchen diese große Flächen und schränken den Zugang der Menschen zu Land drastisch ein. Doch dann kam alles anders: Zyklon Idai machte einen großen Strich durch die Rechnung. Mitte März hat der tropische Wirbelsturm in Zentralmosambik schwere Verwüstungen angerichtet. Idai traf nahe der Großstadt Beira auf Land. Er zog von dort landeinwärts weiter nach Simbabwe. Fast tausend Mosambikaner*innen verloren ihr Leben, Hunderttausende ihr Zuhause. Mitten in der Erntezeit wurden mehr als 700.000 Hektar Ackerland zerstört – eine Fläche ungefähr dreimal so groß wie das Saarland. Ganze Regionen waren tagelang von der Außenwelt abgeschnitten. Auch Dörfer und Gemeinden aus der Projektregion von ADECRU waren stark betroffen. Für ADECRU stand sofort fest, dass schnelle Nothilfe geleistet werden muss. „Es gab keinen Strom und deshalb auch keine Kommunikation. Zeitweise war es auf dem Landweg nur über kleine Kanus möglich, Beira zu verlassen oder zu erreichen“, berichtete uns Jeremias Vunhanje, der Geschäftsführer von ADECRU. „Aus den Projektgemeinden in den Provinzen Manica und Sofala haben wir schnell erfahren, dass hunderte Menschen alles verloren haben – ihre Felder, ihre Vorräte, sogar ihre Kleidung. Sie konnten nur ihr Leben retten.“ Um die Menschen wenigstens mit dem Überlebensnotwendigsten auszustatten, organisierte ADECRU die Verteilung von Nothilfepaketen in einigen besonders betroffenen Dörfern in der Provinz Sofala. Hierbei konnte ADECRU auf Unterstützung aus Deutschland zählen: Ein Nothilfeaufruf von INKOTA erzielte eine enorme Resonanz bei unseren Unterstützer*innen. ADECRU konnte die Nothilfepakete auch dank der Spendenaktion unter anderem mit Reis, Mehl, Zucker, Bohnen, Speiseöl, Seife und Kerzen für jeweils eine Familie ausstatten. „Der Transport in die notleidenden Dörfer war schwierig: Die Straßen waren in einem sehr schlechten Zustand“, berichtete Jeremias Vunhanje uns. Aber mit der Aktion ist es ADECRU gelungen, zumindest die akute Not zu lindern und Engpässe zu überwinden. Klimawandel verstärkt Extremwetter Zyklone kommen in Mosambik regelmäßig vor und sind an sich kein Ausdruck des Klimawandels. Allerdings steht zu befürchten, dass solche Extremwetterereignisse in Mosambik wegen der Erderwärmung häufiger vorkommen werden als bisher. Wenn sich die Meere aufheizen, beeinflusst das die Stärke der Stürme. Mosambik grenzt in seiner ganzen Länge ans Meer. Es gehört weltweit zu den Ländern, die schon jetzt am stärksten vom Klimawandel betroffen sind. Auch die INKOTA-Partnerorganisation UNAC entwickelt Strategien, damit Kleinbauern und Kleinbäuerinnen in Mosambik besser mit den gravierenden Folgen des Klimawandels leben können. Unsere Partner*innen haben die Menschen aus dem Projektgebiet aber auch beim Wiederaufbau nach dem Zyklon unterstützt. Idai hatte einen Großteil der Getreideernte zerstört, vielen Menschen droht noch immer der Hunger. Mit Spenden aus der INKOTA-Wiederaufbauhilfe bekamen die Menschen zudem Wellblech und Holz sowie Hämmer und Nägel, um auch den Wiederaufbau ihrer Häuser zu starten. „Ich bin mit meiner Tochter gerade noch rechtzeitig rausgerannt – Minuten später wurde unser ganzes Haus weggerissen. Wir haben alles im Sturm verloren“, erzählte uns Berta Cipriano, die in der Provinz Manica am UNAC-Projekt teilnimmt. Auch Hacken und Sensen, Gießkannen und Schläuche haben unsere Partnerorganisationen gekauft und verteilt. So konnten die Familien rechtzeitig zur nächsten Aussaat wieder ihre Felder bestellen. Mit lokalem Saatgut zu Ernährungssicherheit Auch die lokalen Saatgutbanken und Tauschbörsen für lokales Saatgut, die Teil des Projekts mit UNAC sind, haben sich in der Krise als sehr hilfreich erwiesen. Nur so war trotz Zyklon und Überschwemmungen lokales Saatgut für Mais, Bohnen, Zwiebeln oder Tomaten vorhanden und konnte neu ausgesät werden. Wer kein Saatgut mehr hatte, konnte über die Tauschbörsen von UNAC neues Saatgut erhalten. Gerade der Nachbau von robusten lokalen Saatgut-Sorten ist eine wichtige Maßnahme von UNAC, um auf den Klimawandel zu reagieren: Dieses Saatgut ist an das sich verändernde Klima angepasst – wie etwa lokale Maissorten, die dürreresistenter sind als das Hybrid-Saatgut der großen Agrarkonzerne. Jimi Sete, ein Bauer aus Manica, spürt den Klimawandel bereits: „Der Regen wird weniger. Früher wussten wir, wann wir aussäen müssen, heute können wir nicht mehr sagen, wann der beste Zeitpunkt für die Aussaat ist.“ UNAC setzt deshalb auch darauf, dass die kleinbäuerlichen Familien nicht nur Mais sondern auch anderes Getreide und unterschiedliches Obst und Gemüse anbauen. Denn Mais ist sehr anfällig, braucht viel Regen zur richtigen Zeit und reift langsam. Ganz darauf zu verzichten, ist in Mosambik kaum denkbar: Für viele Menschen ist er noch immer Hauptnahrungsmittel. UNAC versucht allerdings, den Anbau traditioneller Feldfrüchte wie Maniok, Süßkartoffeln oder Hirse wieder anzuregen. Diese brauchen weniger Wasser und sind dürretoleranter. Außerdem sensibilisieren unsere Partnerorganisationen die Menschen für Klimafragen. Im vielen Gegenden ist beispielsweise die Brandrodung zur Herstellung von Holzkohle noch weit verbreitet. Um eine Wiederaufforstung anzuregen, gehört eine kleine Baumschule zum Projekt, in der die Menschen Setzlinge für Obstbäume ziehen. Dank der Unterstützung von UNAC und ADECRU haben die Menschen trotz der großen Katastrophe, die der Zyklon bedeutet hat, den Mut nicht verloren. Und auch das wichtige ADECRU-Projekt, das die kleinbäuerlichen Familien gegenüber den Eukalyptusproduzenten stärkt, konnte erfolgreich starten. Dieser Text ist im Jahresbericht 2019 erschienen Lesen Sie den ganzen INKOTA Jahresbericht 2019 Weitere Informationen: Jetzt spenden für die INKOTA Corona-Hilfe! Corona-Hilfe: Stärken Sie die Schwächsten! Erfahren Sie mehr zur INKOTA-Arbeit in Mosambik
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