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Plastic Pirates go Europe – Wir machen mit: die Klassen M3, B3 und B4

21. Oktober 2021 - 11:53

Wir kommen von der Carl-Orff-Schule in Engers. Der Ort Engers ist ein Stadtteil von Neuwied. Die Stadt Neuwied liegt am Mittelrhein. Diese Region ist im Bundesland Rheinland-Pfalz. Wir haben an der Aktion „Plastic Pirates“ teilgenommen.

Was machen „Plastic Pirates“?

Piraten sammeln Schätze. „Plastic Pirates“ sammeln Müll.

Wie lief die Aktion ab?

Am Mittwoch, 29.9.2021 von 10:00 Uhr bis 11:45 Uhr waren wir mit 3 Klassen am Rheinufer. Wir haben drei Aufgaben durchgeführt:

Gruppe A (Müll am Flussufer)
Die Gruppe A untersucht das Verdriften von Müll. Dazu wird in 9 markierten Kreisen Müll gesucht.

Gruppe B (Müllvielfalt am Flussufer)
Die Gruppe B sammelt Müll am Ufer. Der Müll wird an einer Station sortiert.

Gruppe C (Treibender Müll)
Die Gruppe C untersucht den treibenden Müll an der Wasseroberfläche. Außerdem wird die Fließgeschwindigkeit gemessen.

Jede Klasse hat eine Gruppe übernommen. Alle Gruppen dokumentieren ihre Arbeit (Werte aufschreiben, fotografieren). Diese Daten werden auf der Homepage www.plastic-pirates.eu hochgeladen und stehen dann der Forschung zur Verfügung.

In drei Ländern Europas wird diese Aktion durchgeführt: Portugal, Slowenien und Deutschland.

Warum haben wir mitgemacht?

Wir haben bei der Plastic Pirates Aktion mitgemacht, weil das Thema sehr wichtig ist. Wir finden den Umweltschutz wichtig.

Was haben wir gelernt?

Müll gehört in die Mülltonne und nicht in die Natur, Müll im Gewässer verursacht große Umweltschäden. Plastik verrottet nicht, sondern wird zum Mikroplastik.

Wir haben 531 Zigarettenkippen gesammelt. Eine Zigarette vershmutzt bis zu 60 Liter Trinkwasser. Wir haben durch die Sammelaktion 31.860 Liter Wasser „gerettet“.

Was hat uns überrascht?

Dass kein Müll vorbei geschwommen ist. Die Strömung vom Rhein war stark. Uns hat die große Menge an gesammelten Müll überrascht. Wir haben 36,9 kg Müll gesammelt. Ein freundlicher Mitarbeiter der Stadt Neuwied hat den gesammelten Müll entsorgt.

Warum ist dieses Projekt wichtig?

Wir sammeln mit der Aktion Daten über Plastikmüll im Rhein. Unsere Daten helfen der Forschung.

Unsere Schule engagiert sich auch in anderen BNE-Bereichen. Besucht doch einmal unsere Homepage: www.cos-neuwied.de

-Viele Grüße von den Klassen M3, B3 und B4-

Die Fotos sind von Lehrkräften der Carl-Orff-Schule gemacht worden.

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Kategorien: Ticker

Unterdrückung, Landraub und Armut – die Proteste der Mapuche in Chile

19. Oktober 2021 - 13:17

Wie muss sich das anfühlen, in seinem Land als Volk nicht anerkannt zu sein? Wie ist das, von seinem eigenen Land vertrieben zu werden? Und wie fühlt es sich an, trotz Demonstrationen nicht gehört zu werden? All das erleben die Mapuche in Chile seit vielen Jahren. Unterdrückung, Landraub und Armut – das treibt die Mapuche auf die Straße. Doch am 12. Oktober 2021 verhängte der chilenische Präsident Sebastián Piñera den Ausnahmezustand im Süden des Landes. Ein nicht ganz unbedeutendes Datum: am 12. Oktober 1492 erreichte Christopher Kolumbus Amerika. Dieser Tag ist in Chile sogar als „Tag der Begegnung zwischen zwei Welten“ ein gesetzlicher Feiertag. Doch für die vielen indigenen Völker, die bereits vorher auf dem Kontinent lebten, ist dieser Tag alles andere als ein Grund zum Feiern. Welche Hintergründe gibt es zu den Demonstrationen der Mapuche und was bedeutet der Ausnahmezustand nun für die Menschen?

Die Mapuche

Die Mapuche leben in den zentralen und südlichen Teilen Chiles sowie im angrenzenden Argentinien. Schätzungen zufolge leben zwischen 800.000 und 1,4 Millionen Mapuche in Chile, die so einen Anteil von rund 9 Prozent an der Bevölkerung ausmachen. Sie sind damit die größte ethnische Minderheit des Landes. Der Name Mapuche bedeutet so viel wie „Menschen der Erde“. Sie pflegen eine enge Verbindung zu ihrem Land, was einen großen Teil ihrer kollektiven Identität ausmacht. Ihr Land hat für sie neben dem Lebensunterhalt auch eine große Bedeutung in Gedenken an ihre Ahnen.

Ihre Geschichte

Nach der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus konnten sich die Mapuche zu Beginn noch gegen die Inka und die Spanier wehren. Im Vertrag von Killin wurde den Mapuche 1641 sogar territoriale Autonomie zugesprochen. Doch zwischen 1879 und 1884 wurden die Mapuche von Chile bei der Rückeroberung der Wüste verfolgt, von ihrem Land vertrieben und getötet. Die Lage verschlimmerte sich zwischen 1973 und 1990 nochmal unter der Pinochet-Diktatur: Das Land der Mapuche wurde flächendeckend ausgebeutet und enteignet und die Mapuche in kleine Reservate zurückgedrängt. Heute leben viele Mapuche in Armut, sind stark unterrepräsentiert in Wirtschaft und Politik und haben schlechtere Bildungschancen. Gerade viele Kinder der Mapuche leiden unter den Armutsverhältnissen, die Zahl der Kinderarbeit ist im Zuge der Corona Pandemie wieder gestiegen.

Die Frage nach Besitzrecht

Auch wenn die Mapuche kein homogenes Volk sind, sind sich viele in ihrer Forderung nach Selbstbestimmung und das Recht auf ihr Land einig. Das treibt auch die aktuelle Protestbewegung an. Rechtlich berufen sich die Mapuche dabei auf die Konvention 169 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Darin sind die Rechte indigener Völker klar geregelt: Unter anderem ist die Regierung eines Landes verpflichtet, die Rechte der indigenen Bevölkerung zu schützen und sie auch in Entscheidungsprozesse über Land miteinzubeziehen. Chile hat diese Konvention sogar unterzeichnet, umsetzen tut sie sie jedoch nicht. In der Konvention ist auch das Recht auf „von Alters her besiedeltem Land“ festgeschrieben, Staat und betroffene Unternehmen beharren jedoch auf bestehende Besitzrechte und den damit verbundenen Zugriff auf natürliche Ressourcen, die essenziell für die Holz- und Zellulosewirtschaft in Chile sind.

Die aktuelle Protestbewegung

In den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu zahlreichen Demonstrationen. Es gibt viele friedliche Proteste, Straßenbarrikaden oder Landbesetzungen. Doch es werden auch Scheunen und Ernten angezündet oder Brandanschläge auf LKWs für den Transport von Holz verübt. Auch Schusswechsel können dabei vorkommen. Dabei geraten Demonstrierende immer wieder mit der Polizei und dem Militär aneinander, Tränengas und Gewalt werden eingesetzt, umstrittene Verhaftungen durchgeführt. Am 10. Oktober diesen Jahres kam eine Frau beim „Aufmarsch für den Mapuche-Widerstand und die Autonomie der Völker“ in Santiago de Chile durch einen Polizeieinsatz ums Leben.

Und dann, am 12. Oktober, verhängte der Präsident den Ausnahmezustand. Ob das Datum nun bewusst gewählt wurde oder einfach nur ein Zufall war, bleibt wohl offen für Spekulation. Anstatt auf den Konflikt einzugehen und den Ausnahmezustand so zu begründen, liefert Piñera eine andere Erklärung: „Der Ausnahmezustand dient dazu, Terrorismus, Drogenhandel und organisierte Kriminalität besser zu bekämpfen und ist in keinem Fall gegen ein Volk oder eine Gruppe friedlicher Bürger gerichtet“. Glauben tut das wohl keiner so wirklich. Der Ausnahmezustand hat dabei für die Regierung vor allem den Vorteil, dass die Polizei und das Militär gemeinsam agieren dürfen, außerdem ist die Versammlungsfreiheit stark eingeschränkt. Der Ausnahmezustand gilt vorerst für 15 Tage, kann nach Zustimmung des Kongresses aber für weitere 15 Tage verlängert werden. Dieser politische Zug lässt eine Zuspitzung des Konflikts in den kommenden Wochen befürchten.

Ihr wollt mehr erfahren?

Mehr zu den aktuellen Geschehnissen in Chile könnt ihr in diesem Artikel der taz oder hier von der Süddeutschen Zeitung erfahren. In einer Podcastfolge von Hörpunkt Lateinamerika von September 2020 wird der Mapuche-Konflikt genauer erklärt und mit Lateinamerika-Expertinnen und -Experten über die Hintergründe gesprochen. Viele Parallelen gibt es auch zu der Situation der Zapatistas aus Mexiko, von denen wir vor kurzem in einem Blogbeitrag berichtet haben. Wir sind in diesem Beitrag auch kurz auf Kinderarbeit in Chile eingegangen. Darüber wollen wir bald nochmal genauer berichten, also haltet die Augen offen.

Was sagt ihr zu dem Konflikt mit den Mapuche? Wusstet ihr davon oder kennt ihr ähnliche Vorkommnisse aus anderen Ländern?

-Leah-

Das Foto stammt von Vocería de Gobierno auf Flickr.com und zeigt Mapuche mit ihrer Flagge. (CC BY-SA 2.0) 

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Transformative Gerechtigkeit – ein weltweit anwendbarer Ansatz zur kollektiven Konfliktbearbeitung?

14. Oktober 2021 - 12:11

Was bedeutet Gerechtigkeit eigentlich? Und was passiert mit den Menschen, die Unrecht getan haben? In unserem heutigen Justizsystem gibt es dafür meist eine eindeutige Antwort: Halten sich Menschen nicht an Gesetze und Regeln, werden sie bestraft, meist mit einer Freiheitsstrafe im Gefängnis. Was Recht und Unrecht ist, ist dabei in unseren Gesetzesbüchern festgehalten. Wer sorgt dafür, dass Recht und Ordnung eingehalten werden? Die Polizei. Doch was passiert, wenn die Polizei nicht auf unserer Seite steht? Wenn sie Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe, Herkunft, Geschlecht oder sexuellen Orientierung unterschiedlich behandelt? Die Polizei macht zunehmend negative Schlagzeilen: Rechtsextreme Gruppenchats in der deutschen Polizei, willkürlich Gewalt gegen und Ermordung von People of Color in den USA, Misshandlungen und Vergewaltigungen in indischen Polizeiwachen. Das wirft die Frage auf: Gibt es keine Alternativen zum Polizeiapparat? Die Antwort lautet: Transformative Gerechtigkeit.

Was ist transformative Gerechtigkeit?

Transformative Gerechtigkeit (TG) ist aus einer Bewegung von Frauen, trans und nicht-binären People of Color in den USA entstanden. Dabei sind restaurative Praktiken von indigenen Communities weiterentwickelt worden, die Verbrechen als zwischenmenschliche Verletzungen verstehen, nicht als Verletzung des Gesetzes per se. Bei restaurativer Gerechtigkeit geht es vor allem darum, ein aus dem Gleichgewicht geratenes System wiederherzustellen.

Transformative Gerechtigkeit hingegen versucht nicht, das System wiederherzustellen, sondern eher zu einer grundlegenden Herstellung von Gerechtigkeit zu gelangen. Die Organisation „INCITE!“ hat vier Grundpfeiler von TG aufgestellt:

1. Die von Gewalt betroffenen Personen müssen selbstbestimmt und sicher am Gerechtigkeitsprozess teilnehmen können und dabei kollektive Unterstützung erfahren.
2. Die gewaltausübende Person muss Verantwortung übernehmen und das eigene Verhalten entsprechend anpassen oder ändern.
3. Die Gemeinschaft muss sich hin zu Werten und Praktiken entwickeln, die entschieden gegen Gewalt vorgehen und sie so vorbeugen.
4. Strukturelle Bedingungen, die Gewalt erst möglich machen, müssen transformiert werden.

Transformative Gerechtigkeit kann also als eine Art befreiender Ansatz verstanden werden, der sich entschieden von Bestrafung und staatlicher oder systemischer Gewalt distanziert und Sicherheit und Verantwortung in den Vordergrund stellt.

Wie soll transformative Gerechtigkeit Hilfe schaffen?

Die Idee von TG ist in erster Linie nicht, als alleiniges Gerechtigkeitsorgan dazustehen. Vielmehr geht es darum, von Gewalt betroffenen Personen alternative Handlungsoptionen aufzuzeigen, gerade wenn für diese die Polizei keine direkte Hilfe verspricht. So tritt an die Stelle der Polizei eher kollektive Verantwortungsübernahme und ein Versuch der Transformation der gewaltvollen Verhältnisse. Konkret kann dieses Modell vor allem bei Fällen von sexualisierter Gewalt Einsatz finden. Viele Betroffene scheuen sich, die Polizei zu informieren, auch weil das bloße Einsperren der gewaltausübenden Person keine Heilung schaffen kann. Dort möchte TG mit kollektiver Teilnahme beim Heilungsprozess unterstützen und die Strukturen, die zur Gewaltausübung geführt haben, verstehen und transformieren.

Wie realistisch ist transformative Gerechtigkeit?

Auf den ersten Blick mögen einem die Ansätze von TG radikal und utopistisch erscheinen: Ist dieses System wirklich in der Lage, in jedem Fall von Gewaltausübung den Polizeiapparat zu ersetzen? Die Antwort lautet wohl nein. Aber es ist ein alternativer Ansatz, der vor allem für Menschen gedacht ist, die aufgrund ihrer Herkunft, Hautfarbe, sexuellen Orientierung oder ihres Geschlechts Diskriminierung oder Gewalt vom Polizeiapparat fürchten.

Die Ansätze von TG machen außerdem deutlich, dass unser Rechtssystem Menschen zwar bestrafen kann, niemals aber die Strukturen, die zur Gewaltausübung geführt haben, nachhaltig verändert. Darum brauchen wir Konzepte wie transformative Gerechtigkeit, die Träume von einer Gemeinschaft ohne Gewalt mit ihrer heutigen Arbeit vielleicht eines Tages wahr werden lassen. Diese Prozesse sind durch den Ansatz von TG individuell anpassbar und können die unterschiedlichen weltweiten Lebensrealitäten berücksichtigen.

-Leah-

Das Bild stammt von Clay Banks auf Unsplash.com.

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Global Stories: Nemonte Nenquimo

12. Oktober 2021 - 12:04
Eine indigene Aktivistin aus dem ecuadorianischen Amazonasgebiet kämpft für Menschen- und Umweltrechte

Nemonte Nenquimo ist zu einer der bekanntesten indigenen Stimmen Ecuadors geworden, wenn es darum geht, das Amazonasgebiet vor seiner wirtschaftlichen Ausbeutung zu schützen. Die heute 35-jährige Aktivistin ist in dem Ort Nemonpare, einem Teil des Territoriums der Waorani-Gemeinde im Amazonasgebiet aufgewachsen, wo ihre Familie bis heute lebt. Die Eltern schickten sie auf eine Missionsschule in die Hauptstadt Quito, um an einem College zu studieren. Sie fühlte sich jedoch von den Missionaren gezwungen, ihre Sprache und ihre indigene Identität aufzugeben. Deshalb brach sie die Schule ab und kehrte in ihr Dorf zurück.

Die Waorani-Gemeinde besteht aus fast 5.000 Menschen und lebt auf einem 800.000 Hektar großen Territorium. Doch das Leben der Gemeinde ist bedroht durch Ölausbeutung, Abholzung, Wasserverschmutzung und Brandstiftung. Als Nemonte 2011 feststellte, dass benachbarte indigene Gemeinschaften die gleichen Probleme hatten, begann sie mit Wasserprojekten zur Erhaltung von sauberem Trinkwasser. Sie gründete 2015 die Ceibo Alliance, in der sich vier indigene Völker aus dem ecuadorianischen Amazonasgebiet zusammenschlossen: A’i Kofan, Siekopai, Siona und Waorani. Gemeinsam machten sie sich auf den Weg, um den Regenwald und die Lebensgrundlagen der indigenen Bevölkerung zu schützen.

Klage gegen den Verkauf des tropischen Regenwaldes

Denn die ecuadorianische Regierung wollte mehr als 2.000 Quadratkilometer tropischen Regenwald an Ölkonzerne verkaufen, davon waren 180.000 Hektar Waorani-Territorium betroffen. Zusammen mit der Alianza Ceibo klagte Nemonte Nenquimo gegen die ecuadorianische Regierung. Vor Gericht ging es vor allem darum, dass sich die ecuadorianische Regierung nicht vollständig mit den dort lebenden Menschen abgestimmt hat, bevor sie versucht hat, das Land zu verkaufen. Im Jahr 2018 gewannen Nemonte Nenquimo und die Alianza Ceibo den Prozess.  Der ecuadorianischen Regierung wurde untersagt, das Land zu verkaufen. Damit hat Nemonte Nenquimo Geschichte geschrieben, denn sie hat nicht nur große Teile des Amazonas Regenwaldes vor Abholzung und Ölbohrungen gerettet, sondern auch ein Zeichen für die Rechte der indigenen Bevölkerung gesetzt.

Nach diesem Erfolg setzt sich Nemonte Nenquimo weiterhin für den Erhalt des Regenwaldes und die Rechte der indigenen Bevölkerung im Amazonasgebiet ein.

Weitere Infos und Geschichten des nachhaltigen Handelns auf: www.global-stories.de
…in zwei Wochen gibt es dann den 3. Teil der Reihe zu den Global Stories bei EineWeltBlaBla! Im 1. Teil ging es um die Schwestern Isabel und Melati Wijsen.

-Andrea Milcher; Eine Welt Forum Aachen e.V.-

Das Beitragsbild ist von Fernando Sandoval / Asamblea Nacional | Flickr | CC BY-SA 4.0.

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Reise für das Leben: Eine Delegation von Zapatistas aus Mexiko bereist Europa

8. Oktober 2021 - 13:29

Im Juni 2021 hat eine erste Delegation von Zapatistas aus dem mexikanischen Bundesstaat Chiapas nach wochenlanger Reise auf hoher See mit einem Boot in Spanien angelegt und eine Rundreise durch Europa begonnen. Damit kamen sie 500 Jahre nach der Eroberung Mexikos durch Spanien an. Die Zapatistas sind indigene Personen, die gegen Unterdrückung und Landraub und für selbstverwaltete basisdemokratische Strukturen kämpfen. Bei ihrer Reise geht es um einen politischen Austausch sowie die weltweite Vernetzung, in der sie ihre Erfahrungen weitergeben können. Auch möchten sie sich persönlich für die Unterstützung durch die Weltöffentlichkeit bedanken. Seit September sind auch in Deutschland Delegationen unterwegs.

Die zapatistische Bewegung: Ya Basta! – Es reicht!

Der Name Zapatistas bezieht sich auf den mexikanischen Bauernführers Emiliano Zapata. Er hat im mexikanischen Bürgerkrieg des vorherigen Jahrhunderts „Tierra y Libertad“ (Land und Freiheit) gefordert. In der von ihm geforderten Landreform sollten alle Bevölkerungsteile berücksichtigt werden, auch marginalisierte Personen wie die Indigenen Mexikos.

Die Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung (EZLN) wurde 1983 im mexikanischen Bundesstaat Chiapas gegründet, um Strukturen gegen ihre Vertreibung und strukturelle Diskriminierung seitens der Regierung aufzubauen. 1994 trat sie anlässlich des Inkrafttretens des Freihandelsabkommens NAFTA zwischen Kanada, den USA und Mexiko in Erscheinung. Mit der Aufhebung der Zölle für landwirtschaftliche Produkte wurde die Existenzgrundlage der Kleinbäuerinnen und Kleinbauern zerstört. Um ihrem Protest gegen NAFTA Ausdruck zu verleihen, besetzten sie bewaffnet Regierungs- und Verwaltungsgebäude in Chiapas, wogegen die mexikanische Armee mit Waffengewalt vorging. Dank breiter internationaler Aufmerksamkeit zog sich die Armee zurück und die Zapatistas bauten ihre eigenen Strukturen weiter aus. Sie konnten ihre Länder durch Enteignung der Großgrundbesitzer wieder selber nutzen und entwickelten eigene, basisdemokratische Strukturen. Diese müssen sie weiterhin verteidigen.

Die Reise für das Leben

Die Zapatistas beschreiben sich als Teil einer globalen Bewegung. Auch wenn sie viele lokale Kämpfe ausfechten mussten und müssen, sehen sie sich als Teil einer Revolution für eine bessere Welt:

Gegen die Internationale des Schreckens, die der Neoliberalismus darstellt, müssen wir die Internationale der Hoffnung aufstellen. Die Einheit, jenseits der Grenzen, Sprachen, Hautfarben, Kulturen, Geschlechter, Strategien und Gedanken, all derer, denen eine lebende Menschheit lieber ist.” (Aus der ersten Erklärung von La Realidad des CCRI der EZLN, 1996)

Bisher gibt es international viel Unterstützung und Solidarität mit den Bestrebungen der Zapatistas, ein selbstbestimmtes Leben im Einklang mit der Natur zu leben. Der Kampf soll kollektiv und horizontal stattfinden statt an einer Leitfigur ausgerichtet. Mit der Reise für das Leben durch fünf Kontinente wird die globale Vernetzung und der Austausch vorangetrieben und damit neue Chancen für die Kämpfe eröffnet. Zu der Reise und einzelnen Stationen könnt ihr auch auf www.ya-basta-netz.org informieren. Beim Nachrichtenpool Lateinamerika gibt es einen Radiobeitrag über eine Willkommensveranstaltung in Berlin.

-Marina-

Das Beitragsbild ist von Lorena Cassady auf flickr, CC BY-NC-SA 2.0.

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Lern Fair e.V. – (Bildungs-) Lektionen aus der Corona-Pandemie

6. Oktober 2021 - 13:13

Die Corona-Pandemie war in vielerlei Hinsicht ein Weckruf für die Menschheit – auch für das deutsche Bildungssystem. Schon lange vorher war bekannt, dass nicht jeder Mensch im gleichen Maße Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung hat. Aber was vor der Pandemie noch hauptsächlich als Problem des Globalen Südens abgetan wurde, ist mittlerweile auch eine viel debattierte Problematik des Globalen Nordens. Durch die Schließung der Schulen wurde der komplette schulische Alltag in den digitalen Raum verlegt. Eine Umstellung, die besonders Kinder benachteiligt, die Zuhause keinen Zugang zu Informations- und Kommunikationstechniken haben oder aus bildungsferneren Milieus stammen. Im SDG 4 „Recht auf Bildung“ haben die United Nations festgehalten, dass bis 2030 alle Menschen einen Zugang zu Bildung erhalten sollen. Um diesem Ziel ein Stück näherzukommen, wurden viele verschiedene Organisationen und Projekte gestartet – dazu gehört auch Lern Fair e.V.

Auf Wiedersehen Bildungsungleichheiten, Hallo Chancengleichheit!

Lern fair e.V. ist ein gemeinnütziger Zusammenschluss Studierender aus ganz Deutschland. Gegründet wurde das Projekt im März 2020 in Bonn unter dem Namen „Corona School“. Angeboten wird kostenlose 1:1 Nachhilfe, Workshops und Coachings von Studierenden für Schüler:innen.  Aktuell sind mehr als 15.000 Helfer:innen und 23.000 Schüler:innen registriert. Das Projekt hofft vor allem Kinder zu unterstützen, die durch die Umstellung auf virtuellen Unterricht benachteiligt sind. Anmelden kann sich jeder, der sein Wissen gerne teilt oder Unterstützung benötigt. Nach der Anmeldung erfolgt ein kurzes Vorstellungsgespräch, um zu überprüfen, ob die Lehrenden die benötigten Qualifikationen mitbringen. Jeder Lehrende kann die Fachrichtungen und Jahrgangsstufen, in denen man Unterstützung anbieten will, ganz individuell festlegen. Anschließend werden Lehrende mit Schüler:innen gepaart und es erfolgt ein erstes Kennlerngespräch. Die Schüler:innen kommen aus den verschiedensten Ecken Deutschlands mit ganz unterschiedlichen Hintergründen. Gemeinsamkeiten gibt es dennoch. Kinder, die mit den Aufgaben und dem Lernstoff überfordert sind oder einfach jemanden zum Reden brauchen und Eltern, die um jede Unterstützung und frei Minute dankbar sind. Der Beitrag einer Nachhilfesitzung pro Woche erscheint dabei klein, die Wirkung ist aber groß. Das wohl Schönste an dem Projekt ist aber, dass man den Kindern nicht nur beim Lernen hilft, sondern auch als private Bezugsperson zur Seiten stehen kann.

Neuer Name, gleiches Ziel

Die Namensänderung kam dieses Jahr im Mai. Aus Corona School wurde Lern Fair. Warum? Die Organisatoren wollen damit ein klares Zeichen setzen. Wir bleiben. Auch wenn die Pandemie irgendwann vorbei sein sollte, das Projekt bleibt und damit die Unterstützung. Das deutsche Bildungssystem hat noch einen weiten Weg vor sich, bis es gerecht und fair ist. Aber immerhin, jetzt können wir alle mithelfen!

-Charlotte Winkler-

Das Beitragsbild ist von Charlotte Winkler.

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Die Arbeit an den SDGs bei Peer-Leader-International e.V.

1. Oktober 2021 - 10:07

Seit mehreren Jahren beschäftigt sich der Verein Peer-Leader-International mit den Sustainable Development Goals (SDGs) und lehnt jedes Projekt an mindestens eines der 17 Ziele an. Während der Corona Pandemie wurden dazu neue digitale Formate (Workshops, Factsheets), die zum kritischen Reflektieren und Handeln anregen sollen, entwickelt, wodurch eine breitere Zielgruppe angesprochen wird.

In dem Projekt „Future-Peers“ werden je zwei Schüler:innen aus 40 niedersachsenweiten Schulen dabei begleitet, eigene Projekte zu den SDGs hervorzubringen. Zuvor durchlaufen diese Schüler:innen eine „Ausbildung“ zum Future-Peer, die sieben Peerinare zu Themen der BNE, Projektplanung, etc. beinhaltet. Erst danach beginnen sie mit selbst gesuchten Teams an ihren Schulen die eigenen Projekte zu den SDGs zu entwickeln und durchzuführen.

Parallel dazu wurde mit unseren internationalen Partner:innen aus Südafrika, Malawi, Ukraine und Brasilien ein internationales Future-Peers-Netzwerk gegründet. So entsteht ein breiter Austausch über Themen der SDGs und lokale Umsetzungsformen.

Die Bedeutung der Arbeit an den SDGs: Warum sollte man überhaupt an den SDGs arbeiten?

Wir denken, dass es wichtig ist, an den SDGs zu arbeiten, um sich mehr seiner Umwelt bewusst zu werden, auf die weltweiten Probleme aufmerksam zu machen und zu verstehen, warum die Welt in Gefahr ist und man deshalb aktiv werden sollte.

Des Weiteren ist es wichtig, mehr über Menschenrechte, andere Kulturen und Mitmenschen zu lernen und zu begreifen, wie unterschiedlich die Lebensbedingungen in anderen Ländern sind. Durch diese nähere Verbindung zu anderen Menschen empfindet man mehr Empathie und bekommt mehr Motivation, aktiv zu werden. Auch kann es helfen, zu begreifen, dass wir in der Zukunft auch von diesen Problemen betroffen sein können und man sich deshalb auch als mögliche Betroffene versteht. Dies kann wiederum ein guter Denkanstoß für die Schüler:innen sein, sich den Problemen der Welt bewusster zu werden und sich zu überlegen, womit man sich (beruflich) in der Zukunft weiter mit befassen will.

Projekte wie Future-Peers sind von Vorteil, da Schüler:innen in Teams arbeiten und dadurch mehr Motivation und Ideen sammeln, sie sich untereinander vernetzen und sich gegenseitig ergänzen können. Außerdem ist die Arbeit mit jungen Menschen insofern von Vorteil, da sie die Informationen meist besser aufnehmen können und die Probleme bereits im jungen Alter verstehen. Dadurch wird es auch in der Zukunft einfacher, daran zu arbeiten und sich nicht erst über die SDGs informieren zu müssen.

Eines der wichtigsten Ziele ist es für uns, die Denkweise der Schüler:innen zu ändern, dass andere sich um Themen wie die SDGs kümmern werden und man somit selbst nichts machen müsse. Im Gegensatz dazu sollen die Schüler:innen von sich selbst aus aktiv werden und sich keine Ausreden überlegen, warum sie nicht aktiv werden sollten.

Unser Ansatz, Jugendliche zu motivieren, sich mit den SDGs zu befassen und dabei nicht stehen zu bleiben, sondern selbst im eigenen Lebensumfeld aktiv zu werden, führt immer wieder zu neuen Umsetzungsformen und ‚Erprobungsräumen‘.

Weitere Informationen und Kontakt

Mehr zu der Arbeit von Peer-Leader-International e.V., sowie aktuellen Projekten gibt es unter:

www.peerleader.org 
https://peerleader.org/materialien/
https://peerleader.org/tools/
https://peerleader.org/projekte/

Bei weiteren Fragen oder Interesse an anderen Projekten von Peer-Leader-International e.V. schreibt gerne eine E-Mail an folgende Adresse: info@peerleader.org

-Lara Thomes, Maryna Blyshchuk, Pietro Marongiu, Mareike Brunken-

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Global Stories: Isabel und Melati Wijsen

27. September 2021 - 10:10

2013 gründeten zwei junge Schwestern die Initiative „Bye Bye Plastic Bags“, die alle Plastiksäcke von Bali verbannen will. Ihr Ziel haben sie so gut wie erreicht.

„Lasst euch von niemandem einreden, dass ihr zu jung seid oder die Dinge nicht versteht! Wir Kinder sind vielleicht nur 25 % der Weltbevölkerung, aber gleichzeitig sind wir zu 100 % die Zukunft!”

Die Schwestern Isabel und Melati Wijsen waren 10 und 12 Jahre alt, als im Jahr 2013 alles begann. Sie lebten mit ihrer Familie auf Bali, eigentlich ein Paradies. Doch Isabel und Melati fiel auf, dass je nach Strömung der Strand und das Meer voller Plastik waren.

Bye Bye Plastic bags: Petitionen, Aktionen und Workshops

Dagegen wollten sie etwas tun und erreichen, dass auf Bali Plastiktüten abgeschafft werden. Als erste Aktion starteten sie eine Online-Petition, die innerhalb der ersten 24 Stunden von mehr als 6.000 Menschen unterschrieben wurde. Dann suchten sie sich Unterstützung und schlossen sich mit anderen Kindern und Jugendlichen zusammen: die Initiative „Bye Bye Plastic Bags“ war geboren.

Es folgten Online- und Offlinepetitionen, sie hielten Präsentationen in ihrer eigenen Schule und anderen Bildungseinrichtungen, sie gingen auf Märkte und Festivals, um dort ein Bewusstsein für das Müllproblem zu schaffen, sammelten Plastikmüll von Straßen und Stränden und verteilten alternative Einkaufstüten an die Menschen auf Bali (Tüten aus Zeitungspapier oder aus 100 % organischem Material, die auf der Insel hergestellt werden).

Vereinbarung mit Balis Regierung

Mit diesen Aktivitäten erreichten sie bereits eine große Öffentlichkeit. Doch die Politiker waren noch nicht bereit, das Plastikproblem anzugehen. 2014 beschlossen die Schwestern in einen Hungerstreik zu treten, bis der Gouverneur von Bali bereit war, ihnen zuzuhören. Nach nur zwei Tagen wurden sie zum Gouverneur gebeten. Weitere Treffen folgten und schließlich unterschrieb Balis Regierung im Jahr 2015 die Vereinbarung, Plastiktüten bis 2018 abzuschaffen.

Im Jahr 2017 organisierte „Bye Bye Plastic Bags“ mit mehr als 12.000 Freiwilligen die bisher größte Strandsäuberung von Bali. Sie organisierten öffentlichkeitswirksame Aktionen und boten Workshops in Schulen an.

Ihr Ziel haben die beiden Schwestern so gut wie erreicht: Seit Juni 2019 sind Einwegprodukte aus Plastik wie Tüten, Trinkhalme und Geschirr verboten. Bali ist der Lösung des Müllproblems ein Stück nähergekommen. Und inzwischen ist die Initiative „Bye Bye Plastic Bags“ zu einer internationalen Bewegung von Jugendlichen in vielen Ländern geworden.

-Andrea Milcher; Eine Welt Forum Aachen e.V.-

Weitere Infos und Geschichten des nachhaltigen Handelns auf: www.global-stories.de
und alle zwei Wochen gibt´s eine Geschichte hier beim Blog EineWeltBlaBla ????

Das Beitragsbild ist von UNEP/Shawn Heinrichs | Flickr | CC BY-SA 4.0.

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Globaler Bildungsdialog zu Demokratie und Nachhaltigkeit mit digitalen und analogen Bildungsformaten

17. September 2021 - 17:37

In dem Projekt OUR VOICES – OUR PLANET arbeiten wir mit Expert*innen aus der ganzen Welt daran, unsere Bildungsarbeit analog und digital so weiterzuentwickeln, dass sie Menschen zu demokratischer Teilhabe an der Gestaltung von Nachhaltigkeit ermutigt und ermächtigt – vor Ort und weltweit.

Hintergrund: Demokratische Teilhabe an Nachhaltigkeitsprozessen

Die Agenda 2030 mit den 17 Nachhaltigkeits-Entwicklungszielen (SDGs) hat einen Handlungsrahmen abgesteckt, der vom Schutz der Grundfreiheiten über die Beteiligung aller gesellschaftlicher Gruppen an politischen Entscheidungsprozessen, von der Schaffung menschenwürdiger Lebensbedingungen und sozialer Gerechtigkeit bis hin zum Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen reicht. In der Realität beobachten und erleben wir aber Kriege, Armut, Hunger, eine Zunahme von sozialen Ungleichheiten, von Umweltzerstörung und den Auswirkungen des Klimawandels. Fatale Lebensumstände zwingen unzählige Menschen zu Flucht und Migration.

Für die Überwindung dieser Herausforderungen und die Umsetzung der SDGs ist – neben guter Regierungsführung und Rechtsstaatlichkeit sowie einem förderlichen Umfeld auf nationaler und internationaler Ebene – die demokratische Teilhabe aller gesellschaftlichen Gruppen unabdingbar.

Zwar gibt es heute fast überall auf der Welt Demokratien, an denen Menschen zum Beispiel durch Wahlen teilhaben. Weltweit sind Einzelpersonen oder zivilgesellschaftliche Organisationen aktiv, um auf soziale, politische und ökologische Ungerechtigkeiten aufmerksam zu machen und globalen Wandel in Richtung Nachhaltigkeit zu initiieren. Doch rechtspopulistische und antidemokratische Bewegungen, nationalistische Abschottung und Menschenfeindlichkeit nehmen zu. Die Wahrung der Grundrechte und der politischen Teilhabe ist vielerorts bedroht – sowohl in Ländern des Globalen Südens, als auch bei uns in Europa. Besonders verletzliche Gruppen sind oftmals von der Beteiligung am politischen Geschehen ausgeschlossen. Weltweit lässt sich eine zunehmende Einschränkung der Handlungsspielräume der Zivilgesellschaft beobachten: Verbote von NGOs, Restriktionen gegen die Versammlungs-, Vereinigungs- und Meinungsäußerungsfreiheit, Aberkennung der Gemeinnützigkeit.

Nachhaltige Entwicklung kann aber nur in einer offenen Gesellschaft erreicht werden, in der Menschen überzeugt und mitgenommen werden, in der sie ihre Vorstellungen aktiv einbringen und in der sie Veränderungen vorantreiben können. Bildung stellt dabei eine Grundlage für die Demokratie und für die Beteiligung an und der Gestaltung von Nachhaltigkeit dar.

Welche Anforderungen stellen aber aktuelle globale Herausforderungen an Beteiligungsprozesse vor Ort und weltweit? Wie muss Demokratie (neu) definiert und gestaltet werden, um Veränderungsprozesse in Richtung globaler Nachhaltigkeit und die aktive Beteiligung aller daran zu ermöglichen?

Our Voices – Our planet – Das Projekt

In dem Projekt OUR VOICES – OUR PLANET diskutieren wir diese und andere Fragen rund um den Themenkomplex Demokratie und Nachhaltigkeit. Wir lernen Akteur*innen aus Demokratie- und Nachhaltigkeitsbewegungen aus aller Welt kennen. Expert*innen aus dem Globalen Süden und Norden entwickeln gemeinsam analoge und digitale Bildungsformate, durch die die Verbindungen von Demokratie und Nachhaltigkeit deutlich und Menschen zur Mitwirkung an Nachhaltigkeits- und Demokratieprozessen ermächtigt werden. Zielgruppen sind interessierte Erwachsene, Jugendliche/junge Erwachsene und Bildungsreferent*innen.

Das Besondere an OUR VOICES – OUR PLANET ist die konsequente Einbeziehung von Perspektiven aus dem Globalen Süden. Das Projekt wird von einer international besetzten Steuergruppe begleitet. In allen Bildungsangebote werden Perspektiven aus dem Globalen Süden einfließen.

Themen des Projekts sind u.a.

  • Teilhabe als Grundvoraussetzung für Demokratie, Nachhaltigkeit und globalen Wandel
  • Schutz und Stärkung demokratischer Handlungsspielräume von Zivilgesellschaft
  • Stärkung der Teilhabe aller und insbesondere von verletzlichen Gruppen
  • Schutz und Nutzung (globaler) Gemeingüter durch Stärkung demokratischer Prozesse
  • Neue Ökonomiemodelle als Voraussetzung für Demokratie und Nachhaltigkeit
  • Nachhaltige Gestaltung von Digitalisierung   

 

Die Umsetzung des Projekts über folgende Maßnahmen.

  1. Die Grundlage des Projekts bildet ein Methodenhandbuch mit Perspektiven und Beispielen aus verschiedenen Ländern und Regionen. Das Handbuch enthält Module zu mit einführenden Informationen, zeigt Herausforderungen und positive Ansätze sowie Beteiligungsmöglichkeiten und Aktionsformen auf. Außerdem stellt es bereits erprobte Bildungskonzepte und -formate vor. Die unterschiedlichen Module können zu inhaltlich und methodisch vielfältigen Workshops und Unterrichtseinheiten zusammengesetzt werden.
  2. Darüber hinaus entwickeln wir neue digitale Bildungsformate: Quizze, Videos von Interviews mit Aktivist*innen, eine digitale Schnitzeljagd sowie eine interaktive Präsentation sollen den Zusammenhang von Demokratie und Nachhaltigkeit verdeutlichen. Einsatzmöglichkeiten der digitalen Elemente werden im Methodenhandbuch beschrieben und in Workshopkonzepten mit analogen Elementen verbunden. Zur Darstellung des entwickelten Angebots wird eine interaktive Präsentation erstellt.
  3. Eine Vielzahl analoger und digitaler Tagesveranstaltungen und Workshops wird angeboten. Es finden thematische Bildungsangebote für interessierte Erwachsene, methodisch-didaktische Fortbildungen für Multiplikator*innen und Workshops für Jugendliche statt. Zusätzlich gibt es eine Online-Diskussionsreihe mit Podiumsdiskussionen und Länder- bzw. inhaltlichen Berichten von Partner*innen aus dem Globalen Süden. Die Diskussionsreihe ist offen für alle Interessierten.
  4. Ergänzend werden zwei größere Bildungsveranstaltungen durchgeführt. Im September 2022 wird eine dreitägige Sommerakademie stattfinden, die als Zwischen-Reflexionsraum dient und zu der auch Gäste aus dem Globalen Süden eingeladen werden. Die zweite größere Veranstaltung, ein dreitägiges Barcamp, wird Anfang 2023 online stattfinden.

 

Weitere Informationen und Kontakt

Wer mehr über das Projekt und das Learn2Change-Netzwerk kennenlernen möchte, ist herzlich am jeweils letzten Donnerstag des Monats zu unseren Learn2Change-Online-Talks eingeladen, bei denen Menschen aus Asien, Afrika, Europa und Lateinamerika über aktuelle Nachhaltigkeits- und Demokratisierungsprozesse in ihren Ländern berichten.

Gerne berichten wir auch darüber hinaus über das Projekt freuen uns über Kontaktaufnahme unter:

Sarah Laustroer: sarah.laustroer@vnb.de, Gabriele Janecki: gabriele.janecki@vnb.de
www.learn2change-network.org/our-voices-our-planet

Ein Projekt von

Verein Niedersächsischer Bildungsinitiativen VNB e. V. und
Learn2Change – Global Network of Educational Activists

Die Beitragsbilder stammen von VNB e.V.

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Ein Weltacker in Landshut, Bayern

14. September 2021 - 11:31

Seit diesem Sommer gibt es in Landshut, Bayern den fünften Weltacker Deutschlands. Beim Weltacker handelt es sich um eine Idee der Zukunftsstiftung Landwirtschaft . Im Jahr 2014 wurde der erste Weltacker in Berlin eröffnet, nun gibt es auch einen in Bayern. Dabei soll aufgezeigt werden, wie viel Ackerland jedem einzelnen Menschen pro Jahr zur Verfügung steht, wenn die globale Ackerfläche unter der Weltbevölkerung gerecht aufgeteilt würde.  Bei 1,4 Milliarden ha Ackerfläche weltweit und 7 Milliarden Menschen sind das 0,2 ha. Auf dieser Fläche, 2000 m² wächst alles, was ein Mensch zum Leben braucht: Lebensmittel, Futter für Schweine und Hühner, Baumwolle für Kleidung, Tabak und Energie. Auf dieser Fläche werden die zur Zeit wichtigsten Kulturpflanzen der Welt  – vor allem Getreide, Wurzel-, Hülsen-und Ölfrüchte und Gemüse im Maßstab zu ihrer Anbaufläche auf der Welt angebaut. Weltweit gibt es 15 Weltäcker, v.a. in Europa (Schweiz, Luxemburg, Frankreich, Liechtenstein, Österreich und Deutschland), aber auch in Afrika (Kenia und Kongo).

Über Konsumverhalten nachdenken – Der Weltacker als Lernort

Der Weltacker ist ein internationaler Lernort. Er soll Wissen über die globale Landwirtschaft  vermitteln und  über die Beziehung zwischen Ernährung, Konsum und Lebensstilen aufklären und  Interessierte anregen, über das eigene Konsumverhalten nachzudenken. Eine wichtige Fragestellung hierbei ist, ob die Qualität und Quantität des globalen Anbaus in der Lage ist, eine wachsende Weltbevölkerung zu ernähren. Es wird erläutert, welchen Einfluss der Konsum des Einzelnen, auf den globalen Ackerbau hat und wie die Ackerbewirtschaftung mit Ernährungssicherheit und -souveränität, Generationengerechtigkeit, aber auch Klimaerwärmung und Erhaltung der Biodiversität zusammenhängt. Diese Themen werden auf dem Weltacker Landshut mit Schautafeln  verständlich dargestellt. Zusätzlich werden Führungen für verschiedene Altersgruppen durchgeführt.

Was wächst denn da? Überraschende Erkenntnisse garantiert

Bei einem Besuch des Weltackers ist man erstaunt wie viel auf 2000m2 eigentlich wachsen kann. Weizen für 250kg Brot, Mais für 2000 Kolben Zuckermais, Hafer für 90 kg Haferflocken oder Soja für 57 kg Tofu usw. Viele Botschaften können bei einer Führung über den Weltacker transportiert werden. Zum Beispiel die : Baut man auf dem gesamten 2000m2 Raps an und macht daraus Biodiesel, kann man damit etwa 4000 km autofahren ( der Durchschnittsdeutsche fährt pro Jahr 14000 km mit dem Auto ) und hat dann noch den Presskuchen zum Verfüttern an Kühe, die dann etwa 100 l Milch im Jahr mehr geben, also 4000km autofahren und 100 l Milch, aber sonst nichts. Oder: Bis zwei Schweine ihr Schlachtgewicht erreichen, haben sie den ganzen Acker leergefressen. Für diesen Zweck wäre nur Mais, Soja und Getreide darauf angebaut worden. Die zwei Schweine decken nur knapp den jährlichen Schweinefleischverbrauch von fünf Deutschen. Oder: Mehr als ein Fünftel der Ackerfläche von Deutschland werden zur energetischen Nutzung angebaut. Oder: Wir Europäer leben über unsere Verhältnisse. Obwohl wir fruchtbare Böden, gutes Klima und genug Niederschläge haben, beanspruchen wir noch 700 zusätzliche Quadratmeter pro Kopf. Wer hat denn eigentlich all diese Quadratmeter nicht zur Verfügung, die wir zu viel verbrauchen? Solcherlei Fragen tauchen auf, wenn man sich mit dem Weltacker beschäftigt.

“ Der Acker soll etwas im Kopf bewegen “ sagt sein Erfinder Benedikt Haerlin von der Zukunftsstiftung Landwirtschaft „. Er hilft, mir klarzumachen, dass mehr als diese Fläche für mich eigentlich nicht zur Verfügung steht. Mit dieser Erkenntnis wird hoffentlich niemand mehr so unbekümmert Lebensmittel wegwerfen, denn etwa ein Drittel von allem was auf dem Acker wächst wird weggeschmissen. Nach einem Rundgang durch den Weltacker wird schnell klar: Wir essen zu viel Fleisch, kaufen zu viele Klamotten und verschwenden zu viele Ressourcen. Eine gute Nachricht für die Fleischesser können wir von einer Führung durch den Weltacker aber auch noch mitnehmen: Neben den 2000m2 Ackerflächen stehen jedem Menschen noch mehr als doppelt soviel Flächen, nämlich 4500m2 als Grünland zur Verfügung. Dieses Grünland können wir für den Menschen nur nutzbar machen wenn wir davon Wiederkäuer ( Rind, Schaf, Ziege, Büffel, Kamel, Lama oder Yaks ) ernähren. Allerdings sollten wir diese Tiere dann nur von Gras und Heu ernähren, wofür diese Tiere auch bestens geeignet sind und was diese Tiere auch gesund leben lässt und die Produkte dieser Tiere auch für uns Menschen wesentlich gesünder wären, als wenn wir die Tiere mit Hochleistungsfutter vom Acker ernähren. Zusätzlich würde noch Kohlenstoff im Humus des Grünlands aufgebaut und somit CO2 langfristig gespeichert. Weitere Informationen finden sich auch auf der Website.

-Klaus Karg, Weltacker Landshut e.V.-

Das Foto im Beitrag stammt von Heini Inkoferer

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Werde aktiv für fairen Handel! Die FairActivists

9. September 2021 - 10:41

Habt ihr Lust, nicht nur privat Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit zu leben, sondern euch darüber hinaus auch dafür einzusetzen? Wenn ja, hätte ich da was für euch: die FairActivists!Dazu erstmal die wichtigste Frage: Wer oder was ist das bitte?! Die FairActivists sind junge Menschen zwischen 18 und 27 Jahren, die sich für fairen Handel engagieren. Das Programm, das von Fairtrade Deutschland organisiert wird, hat dieses Jahr zum ersten Mal stattgefunden und damit ihr euch ein besseres Bild machen könnt, was „sich für fairen Handel engagieren“ in diesem Fall konkret heißt, erzähle ich euch jetzt einfach mal kurz, wie unsere letzten 5 Monate gemeinsam aussahen.  

Begonnen hat unser Engagement mit einem gemeinsamen digitalen Kennenlern-Wochenende. Dabei ging es darum uns untereinander, aber auch Fairtrade e.V. (ehemals TransFair e.V., die Umbenennung ist aber quasi schon offiziell) und das dazugehörige Fairtrade-Siegel kennenzulernen.

Lernen und Austausch mit Expert*innen zu Fairem Handel

Zu diesem Ziel haben weiterhin zunächst viele spannende Webinare beigetragen, an denen wir in den darauffolgenden Monaten teilnehmen durften. So haben wir mehr über die Lieferketten verschiedener fairer Produkte wie Baumwolle, Schokolade, Kaffee oder Bananen, die Relevanz von Klima- und Umweltschutz bei Fairtrade, die konkrete Kontrolle in fairen Lieferketten, die Vergabekriterien des Fairtrade-Siegels und viele andere spannende Themen gelernt.

Ein persönliches Highlight war für mich das Webinar zur Südarbeit, bei dem wir uns mit drei spannenden Menschen aus dem Fairtrade-Netzwerk des Globalen Südens austauschen konnten. Vicky Kadiga Aridi, die Jugendkoordinatorin von Fairtrade Africa, war eine davon. Der zweite Gast war Wreford Momanyi, der das Alumni-Programm von Fairtrade Africa leitet, bei dem junge Menschen, die von der Fairtrade-Prämie profitiert haben, die Idee von fairem Handel in ihrer Umgebung weitertragen. Und zu guter Letzt noch Ana Laura Sayago, das jüngste Mitglied des Supervisory-Board von Fairtrade Lateinamerika, die auch Mitglied in einer argentinischen Honigkooperative ist. All diese Gespräche haben einen tollen Einblick in das Engagement für Fairen Handel von Menschen in anderen Ländern gegeben.

Auch mit verschiedenen Personen von Fairtrade Deutschland konnten wir uns treffen. Dieter Overath z.B., der Vorsitzende und Gründer von Fairtrade, hat sich einmal zu einem Webinar zugeschaltet, bei dem wir aufgrund der intensiven Diskussion am Ende ein gutes Stück länger zusammensaßen als geplant. Wir haben von ihm und anderen spannenden Menschen mehr über die Kampagnenarbeit des Vereins gelernt, erfahren, welche Kampagnen es gibt und wie diese organisiert werden (dazu gehört zum Beispiel auch die Faire Woche, die ab Freitag beginnt. Schaut mal hier nach Veranstaltungen in eurer Nähe!) oder wie Fairtrade Advocacy-Arbeit macht, also seine Sichtweisen in die Politik einbringt.

Apropos einbringen in die Politik: Nachdem wir schon einiges an Wissen zu Fairem Handel gesammelt hatten, war es für uns an der Zeit, das Thema selbst in die Politik zu tragen und dort Nachfragen zu stellen. So haben wir uns z.B. mit Anton Hofreiter, Daniel Böhme vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und Sarah Harden vom Bundesvorstand der Jungen Union über ihre Vorstellungen von Fairem Handel in der Politik ausgetauscht. Auch Hannes Jaennicke, der seit Langem Fairtrade-Botschafter ist, konnten wir Fragen zu seinem Engagement für Fairen Handel stellen und haben intensiv über Themen wie den Zusammenhang von Klimaschutz und Fairem Handel diskutiert.

Nicht zuletzt haben wir auch eine Möglichkeit geschaffen, uns untereinander über Fairen Handel auszutauschen; Dazu gibt es unseren Lesekreis, in dem wir einmal im Monat zu selbst überlegten Themen ungezwungen treffen und voneinander lernen können.

Selbst aktiv werden

Wenn ihr jetzt denkt: Ui, das klingt nach ganz schön viel Reden und Austausch. Aber gab es auch noch mehr Action? Lautet die Antwort ganz klar: Und wie!

So gibt es beispielsweise schon fast seit Beginn unseres Programms einen eigens gepflegten Instagram-Kanal von uns, den ihr euch hier ansehen könnt. Es lohnt sich!

Außerdem haben wir in ein paar Folgen des Podcast „Besser Fair“ von Fairtrade Deutschland mitgewirkt, unter anderem, um uns und unser Motivation vorzustellen oder um zu beleuchten, wie junges Engagement für Fairen Handel im Globalen Süden aussieht. Hört gerne mal hier rein! Dort findet ihr auch bald ein Interview mit Jakob Blasel von Fridays For Future, das eine FairActivistin mit geführt hat.

Da wir alle recht verstreut in Deutschland leben, haben wir viele verschiedene lokale Aktionen in unseren Wohnorten organisiert. Dazu gehören faire Stadtrallyes, Workshops mit Grundschulkindern zu Fairen Bananen, faire Frühstücke mit Vereinen und/oder Freund*innen und vieles mehr. Geplant sind Stände an Weihnachtsmärkten, Gewinnspiele, Mitwirken bei weiteren Podcasts und vieles mehr. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt und man wird wirklich bei eigenen Ideen unterstützt!

Ein besonders großer Baustein dieses Jahr war der sogenannte „Faire Aufbruch“. Ziel dieser Kampagne ist es, mit lokalen Abgeordneten und andere Politiker*innen darüber zu reden, inwiefern sie das Thema Fairen Handel gedenken in ihrer möglichen Amtszeit umzusetzen. Im Idealfall unterschreiben diese dann das „Fairsprechen“, das besagt, dass sie dieses Thema auf der Agenda haben werden (stellt euch auf jeden Fall auf viele Fair-Wortwitze in eurem Engagement ein!). Dafür haben sich viele von uns in ihren Städten eingesetzt.

Sommercamp

Um uns über stattgefundene und anstehende Aktionen auszutauschen und zu besprechen, was als Nächstes ansteht, haben wir uns in den letzten Monaten alle 2 Wochen nachmittags getroffen und uns so besser kennengelernt. Was ich noch gar nicht erwähnt habe, ihr euch aber vermutlich denken konntet: Der Austausch untereinander fand in dieser Zeit online statt.

Der ganze Austausch? Oh nein! Ein Wochenende durchbrach erfolgreich diese Online-Zeit, nämlich unser Sommercamp, für das wir uns bis gestern in der Nähe von Köln mit einem großen Teil der Gruppe endlich mal in live sehen konnten. Das war ein tolles Gefühl, weil wir uns zwar noch nie in echt gesehen haben, aber dennoch schon ein bisschen kannten, weshalb von Anfang an ein besonderer vertrauter Umgang herrschte.

Unsere Themen waren dabei Möglichkeiten, sich in der erwähnten Fairen Woche einzubringen sowie in der Kampagne „Sweet Revolution“, die um die Weihnachtszeit auf den hohen Konsum von nicht fair gehandelter Schokolade mit dem Risiko schlechter Arbeitsbedingungen und Kinderarbeit verweist. Zudem möchten wir uns dafür einsetzen, dass mehr Stimmen von Menschen des Globalen Südens in der Berichterstattung über diesen Teil der Welt gehört werden. Dazu werden wir diverse Podcasts kontaktieren und zwischen Menschen, die wir kennen und diesen Podcasts vermitteln. Seid gespannt, was zu diesen Themen in der nächsten Zeit bei uns passieren wird- wir sind es auch! Neben produktiven Sessions zu unseren aktuellen Projekten wurde Volleyball und Tischtennis gespielt, sowie jede Menge cooler Gruppenspiele. Besonders schön waren auch die Abende am Lagerfeuer, bei denen bis in die frühen Morgenstunden geredet und gespielt wurde.  

Wenn ihr also jetzt Lust habt, euch intensiv mit dem Thema Fairer Handel auseinanderzusetzen und Neues dazuzulernen, mit spannenden Expert*innen zu diskutieren, coole Ideen zu bekommen und Wirklichkeit werden zu lassen und vor allem andere unglaublich engagierte und besondere Menschen mit allen möglichen verschiedenen Hintergründen kennenzulernen- bewerbt euch für die nächste Phase der FairActivists! Hier findet ihr bald die Möglichkeit dazu. Wir freuen uns auf euch!

-Laura-

Die Bilder stammen von verenafotografiert.

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Bildung für alle?

7. September 2021 - 12:03

Bereits 1948 wurde das Recht auf Bildung in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte niedergeschrieben. Bis zum Jahr 2015 solle jedes Kind weltweit die Möglichkeit haben, zur Schule zu gehen, so das gesetzte Ziel auf der Millenniumskonferenz der UN im September 2000. „Bildung für alle – inklusive, gerechte und hochwertige Bildung gewährleisten (…)“, das ist der Wortlaut des vierten der siebzehn Ziele der 2015 verabschiedeten Agenda 2030. All diese Zielsetzungen sollten zu mehr Bildung führen. Doch bis jetzt wurde Bildungsgerechtigkeit nicht erreicht. Wie sieht die Bildungssituation heute aus?

Die Bildungssituation weltweit

Bereits vor der Covid-Pandemie war Bildung weder gerecht verteilt noch für jede:n zugänglich. Nach Schätzungen der UNESCO konnten 2018 weltweit ca. 17 Prozent der Kinder und Jugendlichen keine Schule besuchen. 258 Millionen Kindern wurde nicht nur ihr Recht auf Bildung verwehrt, vielerorts bedeutet ein Schulbesuch auch bezahlbares Essen, eine sichere Umgebung und soziale Unterstützung. Die Coronakrise hat uns alle getroffen. Doch besonders Kinder und Jugendliche werden die Auswirkungen dieser Krise auch in vielen Jahrzehnten noch spüren. Denn viele Lebenswege werden jetzt entschieden. Zum Höhepunkt der Corona-Pandemie waren 1,5 Milliarden Heranwachsende von Schulschließungen betroffen. Bestehende Bildungsungleichheiten verschärfen sich weltweit massiv. Folgen der Schulschließungen äußern sich in Ausbeutung, erhöhter Gewalt, Zwangsehen und ungewollten Schwangerschaften. Jahrzehntelange Fortschritte wurden und werden zunichte gemacht. Deshalb ist es wichtig jetzt zu handeln. Die Folgen der Bildungskrise dürfen auch über die Coronakrise nicht vergessen werden.

Corona – ein hoher Preis auch für die Bildung

Doch für mehr Bildungsgerechtigkeit braucht es nicht nur politische Unterstützung – auch finanzielle ist gefragt. Bereits vor Covid betrug die jährliche Finanzierungslücke für Bildung in Ländern mit geringerem Einkommen 148 Milliarden US-Dollar. In Folge der Pandemie werden viele dieser Staaten Haushaltskürzungen vornehmen müssen, die insbesondere das Bildungssystem betreffen werden. Aufgrund dieser Entwicklung schätzt die UNESCO, dass die jährliche Finanzierungslücke für Bildung auf fast 200 Milliarden Dollar ansteigen wird. Im Weltbildungsbericht von 2011 ging die UNESCO noch von einer damaligen Finanzierungslücke von 16 Milliarden US-Dollar für die 46 einkommensschwächsten Länder aus. Hätten alleine die wohlhabenden Staaten den Gegenwert ihrer Militärausgaben von sechs Tagen in die Grundbildung  dieser Staaten investiert, hätte bis 2015 jedem Kind ein Schulbesuch ermöglicht werden können, so die damaligen Berechnungen.

Und was trägt Deutschland bei?

Deutschland hat sich bereits 1972 dazu verpflichtet, 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens in die internationale Entwicklungszusammenarbeit zu investieren. Bis 2019 wurde dieses Ziel lediglich ein Mal erreicht. Und auch in den Wahlprogrammen für die kommende Bundestagswahl ist das Ziel einer globalen Bildungsgerechtigkeit eher unscheinbar. Während SPD und CDU im Rahmen bilateraler Zusammenarbeit zumindest weiterhin 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens in die gesamte Entwicklungszusammenarbeit investieren wollen, planen die Grünen, diese Quote erst 2025 zu erreichen. Die FDP hingegen möchte auf eine Europäische Entwicklungsbank setzen, genaue Zahlen zu Deutschlands finanziellem Beitrag zur Entwicklungszusammenarbeit der nächsten Jahre sucht man jedoch vergeblich. Inhaltlich setzt auch die Linke auf eine „flächendeckende öffentliche, gebührenfreie und qualitativ hochwertige Grundbildung für alle Menschen“, doch auch sie gehen nicht genauer auf die ODA-Quote ein.Hier gibt es einen Link zu allen Wahlprogrammen der Bundestagswahl 2021. Doch wenn die Parteien dem globalen Recht auf Bildung, welchem sich auch die Bundesrepublik verpflichtet hat, maximal das Mindestmaß an Unterstützung zugestehen (welches bereits in der Vergangenheit nicht ausreichte), wie soll der Rückschritt der Pandemie dann aufgeholt werden?    

Wir brauchen mehr als das altbekannte „Weiter so!“

Um auch aktuelle Politiker:innen und zukünftige Mitglieder des Bundestages, daran zu erinnern, dass mit den bisherigen Anstrengungen auch 2030 noch zu vielen Kindern das Grundrecht auf Bildung verwehrt bleiben wird, haben wir, die Jugend-Task-Force der Globalen Bildungskampagne, deshalb einen Mail-Generator ins Leben gerufen.

Der Generator ermittelt durch die angegebene Postleitzahl die zugehörigen Wahlkreiskandidat:innen. Anschließend werden diese durch die Mail-Aktion aufgefordert, sich im Bundestag für globale Bildung einzusetzen. Indem sie die so genannte „Pledge“ (Versprechen) unterschreiben, verpflichten sie sich dazu, das Recht auf Bildung weltweit zu stärken.

Wir fordern die Auseinandersetzung und Bekämpfung der durch Corona verursachten weltweiten Bildungsnachteile. Die kommende Bundesregierung muss ihre Anstrengungen maßgeblich intensivieren, das Mindestmaß sollte jedoch die Erfüllung der 0,7 %- Quote sein. Denn aktuell ist Bildung ein Privileg, kein öffentliches Gut. Wir brauchen mehr als das altbekannte „Weiter so!“. Was es braucht, ist eine krisenfeste Bildung für alle.

-Die Jugend-Task-Force der globalen Bildungskampagne –

Das Beitragsbild stammt von kyo azuma auf Unsplash.com.

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Militarisierter Naturschutz

2. September 2021 - 10:54

Naturschutz und Gewalt? Das passt doch nicht zusammen! Was kann an dem Schutz von Artenvielfalt und Natur schon falsch sein? Oft wird Natur und Naturschutz automatisch mit etwas Positivem, Unpolitischem, gar Unschuldigem verbunden. Leider ist das nicht immer der Fall. Naturreservate im Globalen Süden sind oft auch Orte der Gewalt. Die Militarisierung der Reservate im sogenannten ‚Krieg gegen Wilderei‘ wird nicht selten von westlichen Geldern finanziert. Diese dunkle Seite des Naturschutzes sehen wir selten, am besten gar nicht. Denn Naturschutz lebt von seinem Image, vom Tourismus und von Spenden.

Affenbrotbäume, Elefanten, ein goldroter Sonnenuntergang – so erleben viele Touristen Naturschutz im Globalen Süden. Was sie nicht sehen (wollen), sind die Konflikte, die sozialen Ungleichheiten und das koloniale Erbe des Naturschutzes. Es wird höchste Zeit, diese Themen sichtbar zu machen und in den Fokus der Debatte zu rücken.

Exklusive Natur

Auch wenn das Image friedlich wirkt, gerade bei ‚klassischen‘ touristischen Naturschutzreservaten kommen viele Interessen zusammen. Interessen, die teilweise historisch verankert sind. Denn der Schutz und das Management dieser Orte geschieht nicht im machtfreien Raum. Warum? Reservate im globalen Süden, die charismatische Tiere schützen, bringen viel Geld. Nicht selten profitieren nur wenige davon, entweder finanziell oder indirekt durch das Privileg, Naturschutz in Form von Tourismus, zum Beispiel, Safaris zu genießen. Verlierer sind oft die vulnerablen Gruppen.

Ist es nicht paradox? Gerade Menschen aus Ländern, die durch ihren Konsum und ihr Wirtschaftswachstum die größte Verantwortung für die Zerstörung unserer Natur tragen, genießen den Besuch in Naturschutzreservaten im Globalen Süden. Ein bisschen heile Welt als Urlaubsziel.

Besonders bedenklich: Reservate sind Erfindungen der Kolonialzeit. Sie waren ein Mittel der Macht, dienten den Kolonialmächten zum Vergnügen und zur Kontrolle der afrikanischen Bevölkerung. Durch sie wurden Lebensweisen kriminalisiert und Menschengruppen in koloniale Abhängigkeit getrieben. Wer sich in die Geschichte verschiedener Reservate einliest, erfährt, wie Menschen vertrieben, Existenzen zerstört wurden. (Bei Interesse kann ich das Buch von Lynn Meskell über den Kruger Nationalpark empfehlen: The Nature of Heritage: The New South Afrika) Kritiker klagen den heutigen Naturschutz im Globalen Süden noch immer als ein Erbe dieser Geschichte an. Das Bild der ‚menschenleeren‘ Natur Afrikas ist ein koloniales Bild und es ist ein künstliches.

Die Militarisierung der Parks

Das Taz-Rechercheprojekt befasst sich mit der komplexen Problematik des militarisierten Naturschutzes in Afrika. Wer mehr über dieses Thema erfahren möchte und an einem kritischen Blick interessiert ist, sollte die Beiträge unbedingt lesen.

Denn auch heute gibt es noch Konflikte um Naturschutzreservate. Die Militarisierung nimmt immer weiter zu. Im Kontext des sogenannten ‚Krieg gegen Wilderei‘ wird das Training der Parkwächter intensiviert, aber auch in bessere Technik investiert. Um illegale Jäger vom Park fernzuhalten, werden mitunter Drohnen, Scharfschützengewehre und Nachtsichtgeräte benutzt. Naturschutz, eine ‚Festung‘, oft finanziert durch den Globalen Norden.

Das Konfliktpotential führt dazu, dass Naturschutzreservate auch immer wieder zu Orten von Menschenrechtsverbrechen werden. Oft leiden Minderheiten und die lokale Bevölkerung nicht nur unter den Land – und Ressourcenkonflikten durch Naturschutz, sondern auch unter den harten Strafen. Hierzu ein Beispiel.

Online-Gewalt und der rassistische Diskurs

Gewalt geschieht jedoch nicht nur innerhalb der Reservate. Das vereinfachte Bild von Naturschutz im Globalen Süden wird oft durch die Sozialen Medien verstärkt. NGOs und andere Organisationen sind außerdem auf ein gutes Image von Naturschutz angewiesen und reproduzieren die Vorstellung einer friedlichen, unberührten ‚Natur‘. Sie nutzen ihre Plattformen, um für ihre Projekte zu werben. Hier wird schnell vereinfacht in ‚Gut‘ und ‚Böse‘ kategorisiert.

Nicht selten (re)produzieren Nutzer und Nutzerinnen der Sozialen Medien diese Gewalt. Das hat auch damit zu tun, dass Diskurse um Themen wie ‚Wilderei‘ stark emotional aufgeladen sind. Teilweise werden hierbei illegale Jäger dämonisiert und entmenschlicht, was manchmal auch im Einklang mit rassistischen Äußerungen geschieht. Der Tod eines solchen Jägers wird nicht selten im Internet gefeiert. Oft werden Gewaltfantasien zum Ausdruck gebracht. Dies befeuert die Stimmung um Wilderei zusätzlich. (Ein tolles wissenschaftliches Paper dazu findet ihr hier.)

Es braucht Stimmen, die sich für ein komplexes Verständnis der Situation aussprechen. Dieser Beitrag hat nicht den Anspruch, alle Seiten des Konflikts zu beleuchten. Vielmehr soll er die Aspekte aufgreifen, die im Diskurs viel zu selten Beachtung findet. Nur durch einen holistischen Blick kann die Gewalt, die in dem Park und im Kontext des Parks geschieht, besser verstanden werden. 

-Jules-

Das Beitragsbild stammt von Patrick Hendry auf Unsplash.com.

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Ignoranz und das Afrikabild: ‚Sprichst du Afrikanisch?‘

26. August 2021 - 10:14

Sprichst du Afrikanisch? Ich habe diese Frage tatsächlich schon so gehört. Aber Hand aufs Herz, wusstest du, wie viele Sprachen in Afrika eigentlich gesprochen werden? Es sind über 2000. Vielen Menschen ist das gar nicht bewusst. Teilweise wissen sie auch nicht, dass Afrika der zweitgrößte Kontinent ist und aus 54 anerkannten Staaten besteht.

Stereotype und gefährliches Halbwissen

Wie kommt es aber dazu, dass wir häufig so wenig wissen und doch meinen, wir kennen uns aus? Oft werden gerade dort, wo wir angeblich etwas über die Welt erfahren, Stereotype reproduziert. Was ich damit meine? Schulen, Medien, Filme, sogar Universitäten tragen (oft unbewusst) dazu bei, bestimmte Klischees in unseren Köpfen zu verfestigen.

Das fängt schon bei der Weltkarte im Schulatlas an, die unsere Welt ganz und gar nicht neutral abbildet. Durch verzerrte Größenverhältnisse scheint Afrika oft viel kleiner als es eigentlich ist. (Kennst du die ‚Perspektivenwechsel‘ Weltkarte, die Bildung trifft Entwicklung unterstützt von Engagement Global als Bildungsmaterial anbietet? Die ‚auf dem Kopf‘ hängende Karte nutzt die PetersProjektion um die Größenverhältnisse realistisch darzustellen.) Und es reicht über Filme, die leider noch immer rassistische Bilder produzieren, bis hin zu den Nachrichten, die immer wieder über dieselben Themen berichten. All das verhindert, dass die Vielfalt des Kontinents und die vielfältigen globalen Zusammenhänge angemessen widergespiegelt werden.

Das Resultat: wir gehen mit dem Gefühl durch die Welt, mehr zu wissen als wir es tatsächlich tun. Außerdem kann es sich gut anfühlen, die eigenen Vorurteile scheinbar bestätigt zu sehen. Es gibt sogar ein psychologisches Phänomen, das es unglaublich schwer macht, die eigene Wahrnehmung der Welt zu verändern und dadurch auch Vorurteile abzulegen. Das Phänomen heißt Confirmation Bias (Bestätigungsfehler auf Deutsch) und es führt dazu, dass wir Informationen suchen und auf eine Weise interpretieren, die unsere Weltsichten bestätigen. In einem Video des YouTube Channels von PsyCuriosity wird das Phänomen ausführlicher erklärt. Willst du mehr über den Zusammenhang zwischen dem Confirmation Bias und Vorurteilen lesen und erfahren, was man dagegen tun kann? Dann kann ich dir diesen Artikel empfehlen.

Welche Bilder siehst du, wenn du an Afrika denkst?

Viele Menschen verbinden Afrika (noch immer) mit Krisen, Krieg, Wüste und Wildnis. Denn das sind die wenigen Geschichten, die erzählt werden. Natürlich gibt es aber viel mehr! Die gute Nachricht: Das Afrikabild hat sich inzwischen etwas verbessert, es ist zum Glück diverser geworden, und es gibt viele Aktionen und sogar Organisationen, die sich dafür einsetzen, ein realistischeres Bild des Kontinents und unserer Welt zu vermitteln.

Das Institut ‚Africa Policy Research’

Olumide Abimbola hat zum Beispiel Anfang des Jahres das Institut ‚Africa Policy Research‘ in Berlin neu gegründet.

In einem Interview in Weltsichten erzählt er über das Institut. Es sollen vielfältige Themen aus afrikanischen Ländern untersucht und dabei gemeinsam mit Partnern in Afrika gearbeitet werden. Dabei richten sie sich nicht nur an politische Entscheidungsträger, sondern wollen durch Podcasts, Veranstaltungen und mehr die öffentlichen Debatten und Medienarbeit über Afrika verändern. Es geht auch darum, Fragen zu stellen, die ein realistisches Afrikabild widerspiegeln. Afrika sollte nicht nur auf Themen wie Sicherheit und Migration reduziert werden, findet Olumide Abimbola, denn es gibt noch viel mehr auf dem Kontinent. „[…] die Menschen leben dort wie überall: Sie wachen morgens auf, sie gehen zur Arbeit, sie haben Kinder, sie heiraten. Was ist damit? Ich bin nicht auf der Suche nach guten Geschichten, sondern nach realistischen Geschichten.“ so Olumide Abimbola.

Die Kunst des Zuhörens

Doch was kann für eine vielfältige und realistische Darstellung Afrikas getan werden? Es ist zum einen wichtig, dass Menschen mit Migrationsgeschichte in sämtlichen gesellschaftlichen Bereichen vertreten sind. Das gilt zum Beispiel in den Medien und der Politik, aber auch in der Wissenschaft. Zum anderen müssen wir unsere Komfortzone der Ignoranz verlassen und unsere Ohren für vielfältige Geschichten öffnen. Eines steht fest: Wir müssen Menschen zu Wort kommen lassen, die ansonsten nicht gehört werden. Wir müssen dafür sorgen, dass keine einseitige, klischeebehaftete Geschichte über Länder und Kontinente geschrieben wird. Wenn ihr dazu eine Anregung sucht, solltet ihr euch unbedingt den berühmten TED Talk von Chimamanda Adichie „die Gefahr einer einzigen Geschichte“ anhören.  

‚Ignorance is bliss‘ sagt man im Englischen. Auf Deutsch würde das ‚Unwissenheit ist Glück‘ heißen. Aber das stimmt so nicht. Zumindest ist das vermeintliche Glück von kurzer Dauer und existiert auf Kosten anderer. Ignoranz ist vielleicht im ersten Moment bequemer, aber ist ganz und gar nicht harmlos. Im Gegenteil, sie schadet anderen und uns selbst. Halbwissen ist gefährlich, denn es gibt uns das Gefühl Ahnung zu haben und Situationen richtig einschätzen zu können. Und es führt zu Entscheidungen, beeinflusst, wie wir die Welt verstehen und wie wir auf sie reagieren. Davon bleiben auch politische Entscheidungsträger nicht verschont. 

Ein realistisches Afrikabild ist auch ein realistisches Selbstbild, denn genauso vielfältig und komplex wie der afrikanische Kontinent sind seine Beziehungen zu Europa und Deutschland. Wir müssen lernen die richtigen Fragen zu stellen, anstatt vorschnell Antworten zu präsentieren. Das bedeutet auch manchmal zuzuhören, anstatt die Experten und Expertinnen immer im ‚Globalen Norden‘ zu vermuten. Erst wenn wir unsere vielfältigen geschichtlichen Verbindungen, die komplexen wirtschaftlichen Zusammenhänge und weltweiten Machtbeziehungen erkennen, können wir globale Probleme tatsächlich verstehen.

-Jules-

Das Beitragsbild stammt von Ante Hamersmit auf Unsplash.com.

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Die EU und Libyen: Ist die restriktive Migrationspolitik der EU mit ihrem außenpolitischen Ziel der Demokratieförderung vereinbar?

24. August 2021 - 10:28
Außenpolitische Ziele der EU

Die Europäische Union gilt als normative Zivilmacht, die sich aus Ländern mit Demokratie und liberaler Marktwirtschaft zusammensetzt. Seit dem Ende des Kalten Krieges ist auch die externe Demokratieförderung ein wichtiges außenpolitisches Ziel der EU. Dafür knüpft sie Beziehungen mit anderen Ländern an bestimmte Konditionen wie die Achtung von Menschenrechten, die Förderung von Rechtsstaatlichkeit und demokratischen Institutionen. Gleichzeitig hat die EU andere außenpolitische Ziele wie den Kampf gegen den internationalen Terrorismus und irreguläre Migration. Die EU knüpft Unterstützung daher an potenzielle Hilfe beim „Migrationsmanagement“. Man fokussiert sich auf Staaten, die als Hauptherkunft- oder -transitländer von Migrant*innen und Geflüchteten gelten und stattet dabei auch solche Staaten finanziell und mit Ressourcen aus, die über keine stabilen staatlichen Strukturen verfügen. Es scheint, als sei die Sicherung der außereuropäischen Grenzen, die Abschottung der „Festung Europa“ wichtiger als Stabilisierung und Unterstützung von Demokratie vor Ort. Stimmt das?

Situation in Libyen

Libyen gilt als gescheiterter Staat, in dem weder die Regierung noch politische Institutionen einen legitimen Anspruch auf das Gewaltmonopol haben. Stattdessen stehen sich Milizen gegenüber, die sich seit 2011 in bereits drei Bürgerkriegen bekämpft haben. Im Zuge des Arabischen Frühlings ist das diktatorische Gaddafi-Regime gestürzt worden, jedoch hat sich die Hoffnung auf eine sich einstellende Demokratie nicht erfüllt. 2014 ist die vorübergehende Einheitsregierung zerbrochen und führt seitdem zu einer gewaltigen Spaltung des Landes: in die Region Tripolis im Westen, in der die international anerkannte Übergangs-Einheitsregierung die Macht beansprucht und den Osten um Bengasi und Tobruk, in der die Armee unter Khalifa Haftar herrscht. 2019 kam es durch einen Angriff Haftars auf Tripolis zum Ausbruch eines dritten Bürgerkrieges. Seit Oktober 2020 herrscht zwar ein Waffenstillstand und für Dezember 2021 sind Wahlen geplant, doch die Lage ist weiterhin sehr instabil. Dies führt auch dazu, dass in Libyen mehrere Fluchtrouten zusammenlaufen, denn die staatlichen Institutionen sind nicht in der Lage, ihre Grenzen zu sichern.

EU und Libyen

Hier kommt die EU ins Spiel: Die EU unterstützt zwar das Libysche Politische Dialogforum (LPDF) der VN, das sich auf die Einheits-Übergangsregierung und die Wahlen im Dezember geeinigt hat. Auch Deutschland trägt mit dem Austragen der VN-Berliner Prozesse (Januar 2020, Juni 2021) einen Teil zur Wiederherstellung von Frieden und Stabilität bei. Gleichzeitig verwendet die EU den relativ größten Anteil ihres „Nothilfe-Treuhandfonds für Afrika“ (EUTF) für Libyen, um damit auch die Kapazitäten des libyschen Grenzschutzes zu stärken. In der Malta-Erklärung von 2017, mit der die EU das zuvor abgeschlossene italienisch-libysche Memorandum of Understanding bestätigte, steht, dass die libysche Küstenwache insofern ausgebildet werden soll, dass sie Migrant*innen noch vor Erreichen von europäischem Gewässer oder Territorial zurückholt. Das Ziel ist, die Zentrale Mittelmeerroute, die seit dem EU-Türkei-Deal von 2016 zur wichtigsten – und gefährlichsten – Fluchtroute nach Europa geworden ist, zu schließen.

Externalisierung von europäischer Verantwortung

Doch Menschenrechtsorganisationen berichten immer wieder, dass Geflüchtete in Libyen willkürlich inhaftiert, gefoltert oder sogar getötet werden. Das Geschäft mit Menschenhandel und -schmuggel ist lukrativ und so werden Menschen, wenn sie nicht selbst versuchen, so schnell wie möglich das Land zu verlassen, teilweise auf Boote gezwungen, um in Auffanglagern und Gefängnissen neuen Platz zu schaffen, aus denen man sich für viel Geld freikaufen muss. Die EU externalisiert auf diese Weise ihre Verantwortung, sich an die Genfer Flüchtlingskonvention (GFK) von 1951 zu halten, die besagt, dass Menschen nicht in ein Land zurückgeführt werden dürfen, in dem ihr Leib oder Leben bedroht wäre oder sie Verfolgung befürchten müssen. Libyen hat die GFK nie ratifiziert. Auch das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) von 2012, das italienische Rückführungen nach Libyen von Migrant*innen ohne Prüfung auf einen eventuellen Schutzanspruch als illegal einstufte, kann so umgangen werden.

Was sollte die EU stattdessen tun?

Die EU muss anerkennen, dass Migration nicht gestoppt werden kann – und sollte. Mit ihrer Abschottungspolitik fördert die EU irreguläre Migration und Menschenschmuggel, statt es zu bekämpfen. Dabei erklären sich immer mehr Kommunen, v. a. in Deutschland, als sichere Häfen, die bereit sind, mehr Menschen aufzunehmen. Die EU sollte sich für einen veränderten gesellschaftlichen Diskurs zum Thema einsetzen, der die Potenziale von Migration aufzeigt: Die Schaffung legaler Migrationswege kann die Entwicklung vor Ort durch Heimatüberweisungen und Distribution von in einer liberalen Demokratie erlernten Werten vorantreiben. Migrantische Arbeitskräfte wirken auch dem Arbeitskräftemangel und demografischen Wandel hierzulande entgegen. Die meisten Geflüchteten, die nach Libyen kommen, sind auf der Suche nach Arbeit und haben gleichzeitig eine hohe Wahrscheinlichkeit, die Flüchtlings- oder sogar Asylanerkennung auf europäischem Boden zu erhalten. Durch ihre derzeitige Migrationspolitik setzt die EU stattdessen die eigene Sicherheit über Menschenrechte und ihren Anspruch, Demokratie zu fördern. Durch das Zulassen von Migration bei gleichzeitig verstärkter Unterstützung von Einigungsprozessen in Libyen schützt die EU auch ihr Ansehen als normative Zivilmacht sowie die Legitimität ihres Anspruchs auf Demokratieförderung in anderen Ländern.

-Mara Schaffer-

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Ein Blick über den Tellerrand

12. August 2021 - 10:35

Einen leckeren Burger zum Mittagessen, dazu ein Glas Orangensaft, zum Nachtisch etwas Schokolade? Es fällt so leicht nicht darüber nachzudenken woher unser Essen kommt. Blickt man über den Tellerrand, sieht man nicht selten Folgendes: Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen. Das vermiest einem zwar den Appetit, ist aber wichtig, damit sich etwas ändern kann.

In unserem Beitrag über den Wettbewerb (B)eat the system, haben wir euch bereits davon erzählt, dass unser Lebensmittelkonsum oft mit Menschenrechtsverletzungen und Umweltschäden verbunden ist. Heute wollen wir euch anhand von drei Lebensmittelbeispielen zeigen, wie wichtig es ist, zu handeln. Vielleicht motiviert euch das bei der Kampagne mitzuwirken! In einer aktuellen Studie wurden landwirtschaftliche Lieferketten zwischen Brasilien und der Europäischen Union unter die Lupe genommen. Dabei wurde der Fokus auf Rindfleisch, Orangen und Kaffee bzw. Kakao gelegt. Ein Artikel des DBG Bildungswerks hält die Ergebnisse fest.

Rindfleisch

Fleisch ist in den letzten Jahren mehr und mehr in den Verruf geraten. Neben tierschutzrechtlichen Anklagen steht es auch aufgrund seiner Auswirkung auf das Klima in der Kritik. Und das zurecht. Allgemein richtet der massive Fleischkonsum viel Schaden an. Kühe und andere Wiederkäuer stoßen zum Beispiel Methan aus. Dieses Gas treibt den Klimawandel voran und ist sogar noch schädlicher als CO2. Bei Rindern aus Brasilien kommt noch hinzu, dass für die Haltung der Tiere Regenwaldflächen gerodet werden müssen. Auf den Flächen, auf denen zuvor unzählige Bäume und wilde Tiere lebten, grasen heute Rinder, damit der steigende Fleischkonsum gestillt werden kann. Und dieser ist gewaltig gestiegen! Mehr Wohlstand führt nämlich dazu, dass Menschen mehr Fleisch kaufen. Die Folgen sind enorm. Zwischen 1975 und 2017 stieg Brasiliens Fleischproduktion um 642 Prozent. Allein der Rinderbestand verzehnfachte sich! Doch was haben wir damit zu tun?

In dem Bericht des DGB Bildungswerks heißt es „Rund 17 Prozent aller in Deutschland erhältlichen Rindersteaks, stammen von Weideland, für das Urwälder gerodet wurden. Fast jedes zweite Steak stammt von Flächen, deren Ursprung nicht eindeutig geklärt ist.“ Das ist ganz schön viel, oder?

Während einigen die Umweltfolgen vielleicht noch bewusst sind, wissen wenige von den Menschenrechtsverletzungen, die mit diesen Rindersteaks in Verbindung stehen. Große Fleischkonzerne beziehen Fleisch von Lieferanten, die Menschen unter unwürdigen Bedingungen anstellen. Mehr als die Hälfte aller aufgedeckter Fälle von moderner Sklavenarbeit in Brasilien spielen sich in der Rinderzucht ab. Die Dunkelziffer ist viel höher, denn durch unzureichende Kontrolle und mangelnde strafrechtliche Verfolgung kommen viele der Verbrecher mit ihrem ausbeuterischen Geschäftsmodell davon. Wie kompliziert die Situation vor Ort ist, kannst du in diesem Bericht nachlesen.

Orangensaft

Orangensaft gewinnt das Ranking der beliebtesten Fruchtsäfte weltweit! 3 von 5 Gläsern Orangensaft haben ihren Ursprung in Brasilien. Da ist es doch an der Zeit einmal zu schauen, wer an dem Saft eigentlich verdient!

Nur drei Unternehmen profitieren nämlich davon, während andere unter harten und unfairen Bedingungen für das gelbe Lieblingsgetränk arbeiten müssen. Auch bei diesen Unternehmen kam es zu Fällen von sklavenartiger Ausbeutung. Wenn du dir also einen Orangensaft im Supermarkt kaufst, verdienen Orangenpflücker und -pflückerinnen im Schnitt gerade einmal 7 Prozent des Kaufpreises! Kostet das Getränk 1,95 sind das knappe 14 Cent. Diese Prozentzahl ist meist aber noch viel geringer, denn allein durch Fairtrade Säfte wird der Wert auf im Schnitt 7 Prozent gehoben. 20 Prozent des Preises verdient dabei der Supermarkt. Viele Menschen, die an der Produktion unseres Orangensafts arbeiten, werden viel zu gering bezahlt. Sie bekommen nicht einmal den brasilianischen Mindestlohn. Das muss sich endlich ändern!

Kaffee und Kakao

Der nach Europa importierte Kaffee stammt hauptsächlich aus Brasilien. Nach der USA ist Deutschland der zweitwichtigste Abnehmer von brasilianischem Kaffee! Sollten uns die Bedingungen vor Ort also nicht etwas angehen? Anscheinend gilt eher das Motto: ‚Aus den Augen, aus dem Sinn!‘. Denn auch hier zeichnet sich ein ähnliches Bild ab: Umweltbelastung und sklavenähnliche Arbeit.

Während große Konzerne verdienen, gehen die schlechter gestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fast leer aus, denn der Wohlstand der Konzerne ist auf deren Ausbeutung aufgebaut. Auch auf den Kakaoplantagen gibt es diese Probleme. Die Regierungen kontrollieren zu wenig, obwohl es dringend nötig wäre. Das führt zu einer hohen Dunkelziffer und ungesehenem Leid. Trotz der mangelnden Kontrollen konnten bereits viele Menschenrechtsverletzungen aufgedeckt werden. Unternehmen, die von sklavenartigen Arbeitsbedingungen oder Kinderarbeit profitieren und Genuss, der auf Ausbeutung und Ungerechtigkeit fußt. Das darf so nicht weitergehen!

Aber was kann getan werden? Und wie könnte eine faire Agrarlieferkette aussehen? Hast du eine Idee?

Den ausführlichen Bericht und Links zu weiteren Informationen findest du hier.

-Jules-

Das Beitragsbild stammt von Prudence Earl auf Unsplash.com.

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Togo: Sind Mikrokredite eine Lösung für das SDG1 (keine Armut)?

10. August 2021 - 12:20

In Togo wurde kürzlich der Tiefseehafen und der Flughafen der Hauptstadt in Lomé mo­dernisiert, um besser mit Europa und Asien zu handeln. Der togoischen Wirtschaft geht es also gut. Trotzdem lebt laut dem BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) je­de zweite Person in Togo in extre­mer Armut. Welche Projekte wirken gegen diese Armut? Welche Bedürfnisse hat die togoische Bevölkerung?

Das Land Togo

Togo ist ein kleines Land in Westafrika direkt am Äquator und liegt zwischen Ghana und Benin. Das ganze Jahr über ist es dort tropisch-feucht mit Temperaturen von durchschnittlich 27-30°C. Togo war zuerst eine deutsche Kolonie und wurde später von Frankreich besetzt. Seit dem Jahr 1960 ist Togo ein unabhängiger Staat. In der Hauptstadt Lomé wohnen aktuell ca. 1,2 Millionen Ein­wohner. Das sind ungefähr so viele Menschen wie in München oder Köln.

Mikrofinanzprojekte

Geldsummen, die die Bank an einzelne Menschen oder Organisationen vergibt, werden Kredite genannt. Dieses geliehene Geld muss nach und nach vollständig zuzüglich von Zinsen zurückgezahlt werden. Wenn jemand kein regelmäßi­ges Einkommen oder großen Besitz hat, bekommt diese Person keinen Kredit.

Weltweit haben Menschen, die in der Selbstständigkeit arbeiten, ein unregelmäßiges und nicht planbares Einkommen. Vor allem in vielen afrikanischen Ländern werden daher andere Lösungen und Angebote von Banken als in Europa benötigt. Togoische Unternehmende sind auf Angebote von Banken angewiesen, die ihnen die Selbständigkeit erleichtern. Am wichtigsten für die togoische Bevölkerung ist demzufolge auch der richtige Umgang mit Geld. Wie spare ich richtig? Wie viel Geld muss ich in mein Unternehmen investieren?

Mikrokredite für die Selbstständigkeit

Mikrokredite sind für junge Menschen in Togo sehr wichtig, denn sie bieten die Mögl­­ichkeit, ein Unternehmen aufzubauen und eine bezahlte Arbeit auszuüben. Ihre Familien haben oft kein Geld, um sie bei der Ausbildung, Arbeitssuche oder dem Beginn der Selbstständigkeit zu unterstützen.

In Togo gibt es auch die Möglichkeit, sich bei der Bank für ein Sammelheft zu entscheiden. Die Menschen legen selbstständig eine Zeitspanne und eine bestimmte Geldsumme fest, die sie an einem Tag mindestens erarbeiten können. Täglich wird der Betrag dann in dem Sammelheft dokumentiert. Ist das Sammelheft voll, wird der gesamte Betrag ausgezahlt. Das Sammelheft bei der Bank ist also sowas wie ein sehr sicheres Sparschwein.

Stellt euch vor, ihr hättet keine Chancen auf einen Arbeitsvertrag. Welche Ideen hättet ihr, um Geld zu verdienen?

Du findest das Thema total spannend und möchtest noch mehr über die Situation von Mikrokredit-Empfangenden und Menschen in Armut erfahren? Dann empfehle ich dir das Buch von dem Wirtschaftsnobelpreisehepaar Banerjee und Duflo: Poor economics. Plädoyer für ein neues Verständnis von Armut.

-Katharina Stein-

Das Beitragsbild wurde uns mit freundlicher Genehmigung von Katharina Stein zur Verfügung gestellt.

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Globale Impfsolidarität statt Wohltätigkeit

5. August 2021 - 12:25

Eis essen gehen. Freunde treffen. Restaurants besuchen. Seit einigen Wochen ist in Deutschland ein bisschen Normalität zurückgekehrt. Nicht zuletzt wegen fortschreitenden Impfungen waren die letzten Wochen nach dem langen Lockdown ein kleiner Lichtblick. Leider ist das nicht überall der Fall. Gerade in vielen Ländern des Globalen Südens sieht die Situation ganz anders aus. Neue Corona Wellen treffen zum Beispiel viele afrikanische Länder heftig. Die Prognosen sind beängstigend, denn durch die hochansteckende Deltavariante genügen Lockdown Regelungen nicht. Wichtig wären nun globale Impfungen, um die Ausbreitung in den Griff zu bekommen.

Eine traurige Wahrheit

Es ist schon etwas verrückt, an manchen Orten der Welt werden Impfstoffe weggeschmissen oder gehortet, während es in vielen Ländern noch nicht einmal genug Impfdosen gibt, um die Menschen mit besonders hohem Risiko für einen schweren Verlauf zu versorgen. Bisher wurden zwei Drittel aller Dosen in nur zehn Länder verteilt! Deutschland ist eines davon, heißt es in diesem Bericht der TAZ.

Manche Länder konnten sich die Impfstoffe leisten. Da diese knapp sind, müssen sich andere derweilen mit Spenden begnügen. Diese reichen jedoch bei weitem nicht, um die Pandemie einzudämmen. Viele sind über leere Versprechen der EU verärgert. Zum Beispiel wurden weniger Impfdosen gespendet als angekündigt. Bürokratische Verwirrungen machen die Situation zusätzlich schwieriger. Der Impfstoff Covishield ist nicht von der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) zugelassen, wird aber im Serum Institute von Indien hergestellt, von der EU gekauft und nach Afrika gespendet.

Dadurch fühlen sich manche Menschen nicht nur wie Geimpfte ‚zweiter Klasse‘, sondern dürfen zum Beispiel nach der Impfung auch nicht in bestimmte Länder einreisen. Das führt zu Verwirrung und Verärgerung. Dieser Unmut wird in einem Bericht der Tagesschau thematisiert, in dem auch der Corona- Sonderbeauftragte der Afrikanischen Union (AU) Strive Masiyiwa seinen Frust an Europa äußert: „Sie haben so viele Leute geimpft, dass sie nun Fußball ohne Masken schauen können. Bei uns sind nicht mal ein Prozent der Menschen geimpft. Das sind die Fakten.“ Doch was kann getan werden?

Streit um Patente

Ein Patent ist das Recht auf die alleinige Verfügung über eine bestimmte Erfindung. Wenn ein Pharmaunternehmen einen Impfstoff auf den Markt bringt, wird durch ein Patent sichergestellt, dass das Unternehmen entscheiden kann, an wen der Impfstoff verkauft wird. Das Wissen darüber, wie der Impfstoff hergestellt wird, bleibt dabei Eigentum des Unternehmens. Allerdings werden dadurch der Allgemeinheit wichtige Kenntnisse vorenthalten. Viele Kritiker sehen das in Zeiten der Pandemie als moralisch stark fragwürdig. Durch das Aufheben von Patenten könnten andere Unternehmen Impfstoffe herstellen und der Bedarf könnte leichter gedeckt werden. Warum also nicht teilen?

Manche Länder, auch Deutschland, sträuben sich gegen das Aufheben von Patenten, unter anderem, weil es die zukünftige Investition in Forschung behindern könnte. Sie befürchten nämlich, dass der Anreiz, Impfstoffe in zukünftigen Pandemien herzustellen, geringer sein wird, wenn die Unternehmen wissen, dass sie ihre Erkenntnisse später teilen müssen. Doch wem gehören Impfstoffe tatsächlich? Die Sache wird noch komplizierter, wenn man sich, wie in dem Bericht der TAZ, damit beschäftigt, wem der Impfstoff eigentlich gehört. Offiziell sind das die Pharmaunternehmen. Doch auch deren Forschung und Produktion bauen auf jahrelanger öffentlicher Wissenschaft auf, manche Impfstoffe wurden sogar im Globalen Süden getestet.

Ein Vorschlag wird in dem Bericht der ARD angesprochen. Unternehmen, die die Rezeptur ihrer Impfstoffe offenlegen, sollen weiterhin am Umsatz beteiligt werden. Weitere Anreize sollen in Form von Prämien geschaffen werden.

Impfsolidarität, so kann es gehen!

Was Impfsolidarität bedeuten kann, erklärt die indische Aktivistin Varsha Gandikota-Nellutla in einem Beitrag von Weltsichten. Sie kritisiert den Westen, denn es besteht keine Strategie, um Impfproduktion globaler zu gestalten, damit in Zukunft auch im Globalen Süden produziert werden kann. Doch genau das ist wichtig. Zum einen können dadurch Abhängigkeiten gemindert werden, zum anderen wäre es bedeutend für die globale Gesundheit. Auch im Hinblick auf zukünftige Pandemien wäre das ein entscheidender Schritt. Ihr fehlt es an echter Solidarität, deshalb organisierte sie einen alternativen Impfgipfel, an dem unter anderem einige Vertreter nationaler und regionaler Regierungen von Ländern des globalen Südens teilnahmen. Mexiko und Kuba möchten übergreifend mit Ländern zusammenarbeiten. Ihre Impfstoffe und das Wissen zur Herstellung wollen sie mit allen teilen. Sie verstehen Impfstoff als öffentliches Gut!

Obwohl die zügige Lieferung akuter Impfspenden in den Globalen Süden gerade extrem wichtig ist, Wohltätigkeitsdenken wird uns nicht weiterbringen, und höchstens die Abhängigkeit der ärmeren Länder verstärken. Wir müssen die Pandemie als globales Problem begreifen. Denn die globale Ungleichheit ist nicht nur moralisch katastrophal, sie ist auch für die Länder des Globalen Nordens eine große Gefahr. Das Risiko neuer Mutationen ist hoch. Die Pandemie dadurch noch lange nicht beendet. Nur gemeinsam können wir das Virus nachhaltig bekämpfen.

Die Pandemie zu beenden: eine globale Aufgabe, die moralische Fragen provoziert. COVID-19 stellt uns zwar vor neue Herausforderungen, die sind aber historisch tief verwurzelt. Denn globale Ungerechtigkeit und ungleiche Machtbeziehungen sind keine Neuigkeit. Dies zu erkennen hat nichts mit Wohltätigkeit zu tun. Das Virus kennt keine Landesgrenzen. Wir sind alle verbunden, auf dieser einen Welt. Wenn wir nur eines aus der Pandemie lernen, dann sollte es das sein.

 

-Jules-

Das Beitragsbild stammt von Hakan Nural auf Unsplash.com.

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(B)eat the system – Ideenwettbewerb im Rahmen der Kampagne „Our Food. Our Future“

3. August 2021 - 10:04

Wer im Supermarkt einkaufen geht, hat eine Fülle an Lebensmitteln zur Verfügung. Die meisten Obst- und Gemüsesorten gibt es nicht nur saisonal, sondern das ganze Jahr über zu kaufen. Viele Obstsorten wie Bananen oder Mangos wachsen nicht mal in Deutschland, sondern haben einen langen Weg hinter sich gebracht, damit wir sie genießen können. Doch zu welchem Preis? Entlang der Lieferketten unserer Lebensmittel kommt es immer wieder zu schweren Menschenrechtsverletzungen und schädlichen Auswirkungen auf Umwelt und Klima.

An diesem Punkt setzt der Ideenwettbewerb „(B)eat the system“ der Kampagne „Our Food. Our Future“ an. Junge Erwachsene zwischen 15 und 35 Jahren suchen Antworten auf Fragen wie: Was kann ich als Individuum tun, um Politik und Wirtschaft von dem ganzheitlichen „Gewinn“ fairer und nachhaltiger Wirtschaftsweisen zu überzeugen? Wie lassen sich konstruktiv-progressive Visionen entwickeln und Mitmenschen begeistern? Wie lässt sich Aufmerksamkeit für ungerechte Lieferketten schaffen? Bis zum 31. August 2021 können Wettbewerbsteilnehmende ihre kreativen Maßnahmen auf diese Fragen einreichen. Alles Wichtige rund um den Wettbewerb erfahrt hier in diesem Blogbeitrag.

Hintergrund

Oftmals ist vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern gar nicht bewusst, wie stark Klimawandel oder Migration mit unserem Lebensmittelsystem verbunden sind. Im Supermarkt ist wohl kaum ein Produkt zu finden, das als „unproblematisch“ bezeichnet werden könnte. Trotz des Wissens um die Missstände in unserem Lebensmittelsystem gibt es seitens der EU und vieler nationaler Regierungen keine Gesetze, die diese Missstände aktiv verhindern.

Die Kampagne „Our Food. Our Future“

Deswegen wurde die Kampagne „Our Food. Our Future“ ins Leben gerufen. Das große Ziel ist, faire Lieferketten in unserem Lebensmittelsystem zu etablieren. Das neue System soll menschenrechtsbasiert, agrarökologisch, sozial gerecht und nachhaltig gestaltet sein. Um dieses visionäre System umzusetzen, müssen jetzt grundlegende Änderungen eingeleitet werden. Dabei ist die Kampagne „Our Food. Our Future“ als Graswurzelbewegung zu verstehen, die von der Jugend weitergetragen werden soll. Die Kampagne wurde von einem internationalen Zusammenschluss verschiedener zivilgesellschaftlicher Organisationen initiiert. Einer der Hauptverantwortlichen ist die Christliche Initiative Romero (CIR). Co-finanziert wird die Kampagne von der Europäischen Union. Hier kannst du das Manifesto der Kampagne nachlesen.

Ideenwettbewerb „(B)eat the system“

Im Rahmen des Ideenwettbewerbs sind Jugendliche dazu aufgerufen, konkrete Ideen und Handlungsoptionen für faire Lieferketten in unserem Lebensmittelsystem zu entwickeln. Ein riesiger Flashmob auf Social Media-Kanälen, eine Kundgebung vor dem Parlament oder ein Online-Spiel, dass das Leben von Bäuerinnen und Bauern erfahrbar macht – deiner Kreativität sind keine Grenzen gesetzt! Die tragfähigsten Ideen werden prämiert und in der Kampagne umgesetzt. Du kannst beispielsweise eine nachhaltige Reise durch Europa oder regionale Essensboxen gewinnen! Mitmachen lohnt sich also! Einsendeschluss ist der 31. August 2021.

Auf der offiziellen Website kannst du dich über die Kampagne und den Ideenwettbewerb informieren. Dieser Informationsflyer hat nochmal alle wichtigen Informationen für dich zusammengefasst. Und hier kannst du deine Idee einreichen.

Du hast am Ideenwettbewerb teilgenommen und möchtest deine Idee mit noch mehr Menschen teilen? Dann schreib doch für uns einen Gastbeitrag! Wir freuen uns schon!

-Leah-

Das Beitragsbild stammt von Artur Rutkowski auf Unsplash.com.

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Heute ist Earth Overshoot Day! #moveTheDate

29. Juli 2021 - 9:33

Heute, am 29. Juli ist Earth Overshoot Day. Das ist kein Grund zur Freude, denn der Earth Overshoot Day markiert die Ausbeutung unserer Erde. Overshoot, das bedeutet Überschreitung und bezieht sich auf unseren Umgang mit ökologischen Ressourcen und Leistungen.  Am Earth Overshoot Day haben wir bereits alle Ressourcen aufgebraucht, die die Erde in diesem Jahr regenerieren könnte. Das ist ein bisschen wie bei einem Konto, das bereits Mitte des Monats leer ist. Die ökologischen Ressourcen, die von unserem Planeten in diesem Jahr hervorgebracht werden können, reichen nicht, um den globalen ökologischen Fußabdruck zu decken. Wir leben also weit über unseren Verhältnissen und schaden damit dem Planeten und uns selbst. Berechnet wird das Ganze von der internationalen Organisation „Global Footprint Network“. 

Globale Ungerechtigkeit

Dass wir nicht nachhaltig Konsumieren ist nicht nur für uns selbst gefährlich, sondern auch auf mehreren Ebenen unfair. Viele denken vielleicht zunächst an den Planeten, die Tiere und Pflanzen, die schon vor uns hier waren und den Lebensraum mit uns teilen. Lebewesen, die darauf angewiesen sind, dass wir unser Verhalten ändern. Weniger denken wahrscheinlich an die ungleiche Verteilung der Verantwortung auf globaler Ebene. Denn nicht jeder Mensch trägt gleichermaßen zum globalen Fußabdruck bei. Das sieht man besonders, wenn man sich die Country Overshoot Days, also die Overshoot Days der einzelnen Länder genauer anschaut. Während Deutschlands Overshoot Day dieses Jahr schon am 5. Mai war, gibt es einige Länder die gar keinen Overshoot Day haben, zum Beispiel Indien. Ratet mal wie viele Erden wir brauchen würden, wenn alle wie die Bewohner Deutschlands leben würden.  Die traurige Antwort: 2,9 Erden!

Verglichen mit einem Land wie Indien ist das ganz schön unfair. Würden alle Menschen wie die Bewohner Indiens leben, bräuchten wir nämlich nur 0,7 Erden. Besonders ungerecht ist es, dass die Menschen, die am wenigsten zum globalen Fußabdruck beitragen, oft die sind, die am meisten unter den Folgen des Konsums leiden. Klimawandel und Umweltzerstörung trifft sie meist besonders. Während Menschen in manchen Regionen der Welt viel zu viel konsumieren und von den Folgen (noch) nichts mitbekommen, müssen viele bereits unter dem Verhalten der anderen leiden. Darüber haben wir auch erst kürzlich in einem Bericht über Bangladesh und den Klimawandel berichtet.

#MoveTheDate

Seit 1970 überschreitet die Menschheit die planetare ökologische Grenze. Leider ist seit dem der Earth Overshoot Day im Schnitt immer weiter nach vorne gerutscht! #MoveTheDate bedeutet also: „Lasst uns versuchen, den Earth Overshoot Day weiter nach hinten zu verschieben!“ Oder noch idealistischer: Stellt euch mal eine Welt vor in der wir gar keinen Overshoot Day haben! In der unser Konsum in einer Balance mit der Gesundheit unseres Planeten steht. In der wir gerecht konsumieren. Dass wir davon weit entfernt sind muss ich euch wahrscheinlich gar nicht erzählen. Das bedeutet aber nicht, dass es unmöglich ist, oder? Den Kopf in den Sand stecken können wir sowieso nicht, denn die Folgen unseres Verhaltens holen uns schon heute ein.

Also, was muss getan werden? Es gibt in Deutschland bereits einige Initiativen um den Earth Overshoot Day zu verschieben. Verschiedene Projekte, die in Deutschland bereits agieren, kannst du dir hier anschauen. Dort gibt es auch weiteres Wissenswertes rund um den Earth Overshoot Day. Auf der Website des Earth Overshoot Days findest du noch mehr Informationen auf Englisch! Falls du dich insbesondere für die Situation Deutschlands interessierst, kannst du dich hier informieren.

-Jules-

Das Beitragsbild stammt von Markus Spiske auf unsplash.com.

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