Sie sind hier

SID Blog

Newsfeed SID Blog abonnieren
SID Hamburg bringt Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft und Praxis für globale Entwicklung zusammen
Aktualisiert: vor 46 Minuten 40 Sekunden

EWIK Newsletter Juli/August: Regenwald/Wälder weltweit

2. Juli 2022 - 23:37
Newsletter Portal Globales Lernen
www.globaleslernen.de Ausgabe Juli/August 2022: Regenwald / Wälder weltweit
Liebe Leser*innen, 

kaum ein Thema eignet sich so gut wie das Thema Regenwald, um zu vermitteln, was das sperrige Wort „Nachhaltigkeit" alles in sich birgt. Denn die tropischen Regenwälder faszinieren mit ihrer Artenvielfalt ganz besonders, sie machen Lust, mehr zu erfahren – und sie sind zudem von enormer Bedeutung für das Weltklima und den Klimaschutz.

Doch nicht nur das: Obwohl die Regenwälder so fern wachsen, eben in den Tropen, sind sie extrem alltagsnah: Viele unserer Alltagsprodukte enthalten „Regenwald". So findet sich zum Beispiel Palmöl in jedem zweiten Supermarktprodukt. Genauso benötigen Smartphones Rohstoffe, die in Regenwaldregionen abgebaut werden. Und das Papier, auf dem in Schulen geschrieben wird, wird aus Zellstoff hergestellt – ebenfalls ein Produkt, das einen negativen Impact auf Wälder weltweit haben kann. Globale Zusammenhänge rund um die SDG-Themen 13 (Klimaschutz) und 15 (Wälder) lassen sich also rund um das Thema Regenwald mit direktem Bezug zu Lebenswirklichkeiten von Kindern und Jugendlichen aufbereiten.

Zugleich birgt das Thema Regenwald viel Energie und Motivation. Die Begeisterung für den Lebensraum gekoppelt mit dem Verständnis von globalen Zusammenhängen führt zu dem Willen, etwas zu verändern. Das merken wir nicht nur in unseren Projekten mit Kindergärten, Schulen und Unis, sondern auch an den vielfältigen Einsendungen zum jährlich stattfindenden Aktions- und Plakat-Wettbewerb „Schüler*innen schützen Regenwälder". Klassen und Einzelpersonen schreiben uns, was sie im Rahmen von Projekten auf die Beine gestellt haben, nachdem sie mit dem Thema über den Unterricht in das Thema Regenwald eingetaucht sind: Infostände, Plakate, Theateraufführungen – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Das Tolle: Sachkunde, Geografie, Biologie, Deutsch/Englisch, Kunst/Werken, Kochen, Musik, Sport – in das Thema einsteigen lässt sich aus den unterschiedlichsten Richtungen! Um hier konkrete Anregungen zu nutzen, lohnt sich ein Blick auf die Internetplattform „Regenwald im Unterricht" von OroVerde. Aber auch viele weitere Organisationen bieten spannende Materialien, so dass ich jetzt einfach viel Spaß beim Lesen dieses Newsletters wünsche!

Birthe Hesebeck

Bereichsleitung Bildung für Nachhaltige Entwicklung 
Tropenwaldstiftung OroVerde
EWIK-Kooperationspartner Aktuelles Digitale Mündigkeit – Digitalisierung und Nachhaltigkeit im Unterricht zum Thema machen Diese Handreichung des EPIZ Berlin enthält Hinweise, wie sich Kompetenzen hinsichtlich eines fachübergreifenden Unterrichts, der Perspektivenübernahme, des Umgangs mit der Unsicherheit von Wissen und ein Bewusstsein der Standortgebundenheit von Wissensproduktion im Allgemeinen fördern lassen. Unterrichtsmaterial über Kinderarbeit Stellt euch vor, ihr müsstet tagtäglich für wenig Geld auf Kakao- oder Kaffeeplantagen arbeiten, um nicht zu verhungern. Auf dem afrikanischen Kontinent ist das die Realität von über 92 Millionen Mädchen und Jungen, das ist jedes fünfte Kind. Das Modul für die Grundschule oder für die Sekundarstufen gibt einen Überblick zum Thema Kinderarbeit in Afrika.  KiTA-GLOBAL.de – Die Ideenplattform für Globales Lernen in Kindertagesstätten Das zentrale Portal für Globales Lernen im Vorschulbereich KiTA-GLOBAL hat ein neues Design und einige neue Inhalte erhalten. So finden sich dort nun neben Materialien, Aktions- und Fortbildungshinweisen und dem Referent*innenservice auch Dossiers, nämlich Seiten, auf denen man Beiträge, Materialien, Praxistipps und Referierende zu verschiedenen Schwerpunkt-Themen finden kann. Aktuell gibt es Dossiers zu Globalem Lernen, Frieden und Frühstück. Ebenfalls neu: eine verbesserte Suchfunktion. Berliner Entwicklungspolitisches Bildungsprogramm (benbi) zum Thema MITEINANDER LEBEN Im November ist es wieder so weit: Nach den pandemiebedingten Turbulenzen der vergangenen beiden Jahre möchte das Berliner Entwicklungspolitische Bildungsprogramm (benbi) nun wieder Schüler*innen aus ganz Berlin zusammenbringen. Rund um das Jahresthema MITEINANDER LEBEN können Schüler*innen der 3.–13. Klasse zwischen dem 21. und dem 25. November 2022 im FEZ Berlin an entwicklungspolitischen Workshops sowie einem interaktiven Rahmenprogramm teilnehmen. KlimaPakete bringt Klimaschutz an Schulen Das Programm KlimaPakete bringt Klimaschutz an 1000 Schulen und Bildungseinrichtungen. Teilnehmende Schulen erhalten ab Herbst sechs Pakete, die sich thematisch an den Sektoren des Klimaschutzgesetzes orientieren (Startpaket, Energie, Gebäude, Verkehr, Land- & Forstwirtschaft, Industrie). Die Pakete enthalten aktivierende und handlungsorientierte Materialien für Schüler*innen ab Klassenstufe 5. Neue Erklärvideos zu Themen nachhaltiger Entwicklung Die Erklärvideos, herausgegeben von GES (Globale Entwicklung in der Schule) bei Engagement Global, greifen jeweils ein Thema der Nachhaltigen Entwicklung auf, setzen es in Beziehung zu den SDGs und geben einen Einblick in die komplexen Fragestellungen. Es wurden verschiedene Videos für die Grundschule, die Mittel- und die Oberstufe erstellt. Zum Schwerpunkt: Bildungsmaterialien
Bildungsbereichübergreifend Die Schul-Plattform zum Thema Regenwald Hier finden Lehrkräfte viele Informationen zum Thema Regenwald für Schule und Unterricht. Angeboten werden Unterrichtsmaterialien zum Bestellen oder als Download, Infos zu Schüler*innen-Wettbewerben und Aktionen. Lassen Sie sich von tollen Ideen inspirieren! Themendossier Wald Das Thema Wald eignet sich hervorragend, um sich mit Nachhaltiger Entwicklung auseinanderzusetzen. Das Dossier Wald bietet neben einer pädagogischen Einleitung eine stufenspezifische Auswahl von Lernmedien, Filmen, Praxisbeispielen und außerschulischen Angeboten. Diese vielfältigen Anregungen unterstützen Lehrpersonen dabei, ihren Unterricht innovativ, lebendig und fächerübergreifend zu gestalten. Bildungsserver Wald  Der Bildungserver Wald ist eine Plattform für kostenloses Bildungsmaterial rund um Wald und andere Themen. Interessierte können sowohl nach bestimmten Schlagwörtern suchen als auch die Filterfunktion nutzen, um sich passendes Material anzeigen zu lassen. Einige der verfügbaren Unterlagen sind auch in Druckform über den Shop der SDW Schutzgemeinschaft Deutscher Wald bestellbar. Kita und Grundschule
Hinterm Tellerrand beginnt die Welt Dieses Bildungsmaterial rund um den Lebensraum Regenwald richtet sich bereits an die Kleinsten und lädt zu Projekten in Kindergarten und Klasse 1 und 2 an. Spielerisch und mit vielen kreativen Bastelideen können anhand der Anleitungen lebendige Projekte durchgeführt werden.  Biodiversität weltweit: Der Zustand der Natur  Der Zustand der Natur verschlechtert sich dramatisch. Weltweit sind bis zu eine Million Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht. Schülerinnen  und Schüler im Grundschulbereich setzen sich spielerisch mit dem Einfluss des Menschen auf das Leben von Pflanzen und Tieren auseinander. Am Beispiel Regenwald lernen sie den Unterschied zwischen einem natürlichen Lebensraum und einer vom Menschen geprägten Landschaft kennen. Gleichzeitig beschäftigen sie sich mit den Grundzügen von Nahrungsketten und Nahrungsnetzen.  Paulina in Peru – Leben im Amazonas-Regenwald Die Lernenden erfahren mit Wassertropfen Paulina Interessantes zum Schutz des Amazonas und seiner Bewohner*innen. Das Modul enthält eine Anleitung zum Basteln eines Mobiles zur Erinnerung an Paulinas Abenteuer im Amazonas. Poster „Artenreichtum der tropischen Regenwälder" Das neue Poster „Artenreichtum der tropischen Regenwälder" der Tropenwaldstiftung OroVerde zeigt die bunte Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt. Es ist besonders für den Grundschulunterricht und die Bildung für nachhaltige Entwicklung geeignet. Kuriose Fakten zu Regenwald-Tieren, wertvolle Tipps zum Regenwaldschutz im Alltag und Erläuterungen zu den Begriffen Dschungel, Urwald, Tropen- und Regenwald runden das farbenfrohe Poster ab. Das Poster im A1-Format kann kostenlos bestellt werden. Unterrichtsmodule zu Wald und Klima Im Projekt "Fit für den Klimawandel" der NABU-Naturschutzstation Münsterland sind BNE-Unterrichtsmodule zum Thema "Wald und Klima" entstanden. Sie richten sich an dritte und vierte sowie achte bis zehnte Klassen und bestehen aus Unterrichtseinheiten und Waldexkursionen. Sekundarstufen
Von unseren heimischen Wäldern zum Amazonas-Regenwald Wälder sind neben den Weltmeeren die artenreichsten, produktivsten und wertvollsten Lebensräume der Erde. Sie erzeugen den Sauerstoff, den wir zum Atmen brauchen, sie binden das Treibhausgas CO2 und regulieren das Klima. Nicht zuletzt sind sie der letzte Rückzugsort vieler bedrohter Tierarten und die Lebensgrundlage zahlreicher indigener Gemeinschaften. Das Bildungsmaterial von Greenpeace zum Thema Wälder ist international angelegt und erklärt die vielfältigen Zusammenhänge zwischen Mensch und Tier, ihren Lebensräumen und der Wirtschaft. Der Regenwald auf unserem Teller: Bildungsmaterial zum Thema Sojaanbau in Paraguay Der flächendeckende Sojaanbau frisst die letzten Wälder von Paraguay. Mit ihnen verschwindet die Lebensgrundlage der indigenen Bevölkerung: Sie verlieren ihre Nahrungsquelle, ihre Kultur, ihre Identität. Aber die Menschen wehren sich und entwickeln klimafreundliche Alternativen. Das Material von Brot für die Welt bietet mit einem Actionbound einen spielerischen Einstieg in das Thema industrielle Landwirtschaft, hinterfragt eigene Ernährungsgewohnheiten und regt zur Auseinandersetzung mit Formen des gewaltfreien Widerstands an. Unsere Wälder: Bedeutung, Bedrohung, Schutz In diesem DW-Lernpaket dreht sich alles rund um "Unsere Wälder – Bedeutung, Bedrohung, Schutz" – und das weltweit mit einem Fokus auf Länder des Globalen Südens in den behandelten Beispielen. Das kostenfreie Material richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene, die verstehen wollen, warum Wälder weltweit verschwinden.  Massentierhaltung und Regenwaldvernichtung Das Futtermittel, um das es geht, ist Soja. Da weltweit immer mehr Fleisch gegessen wird, müssen immer mehr Tiere gefüttert werden. Soja eignet sich gut als Futtermittel, weil es sehr viel Eiweiß und Energie enthält. Um für die riesigen Soja-Felder Platz zu schaffen, wird die Artenvielfalt des Amazonasgebiets zerstört. Zu diesem Thema bietet der Verein Rettet den Regenwald e.V. didaktisches Material in Form von Arbeitsblättern für die Sekundarstufe (v.a. Klassen 7–8) an.  Leben auf Borneo (Indonesien) – Wald oder Palmöl Das Material gibt detaillierte Hintergrundinformationen sowie didaktisch detailliert aufgearbeitete und vorbereitete Arbeitsaufträge. Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 und 6 gewinnen Einblicke in die wirtschaftliche und soziale Situation und hinterfragen kritisch sogenannte ‚Nachhaltigkeitsaspekte' der Palmölindustrie. Sie reflektieren eigenes Kauf- und Konsumverhalten und beleuchten, wie das eigene Verhalten im Zusammenhang mit Prozessen und der Realität auf der Insel Borneo zusammenhängt. Orang-Utans in Not: Bildungsangebote zum Thema Palmöl Der Verein Orang-Utans in Not e.V. hat Unterrichtsmaterialien und weitere Bildungsangebote zum Thema Palmöl für die Sekundarstufe I und II entwickelt. Mithilfe eines Planspiels und einer Gruppenarbeit erhalten die Teilnehmer*innen einen abwechslungsreichen Einstieg in die komplexe Problematik des zunehmenden Einsatzes von Palmöl. Krimispiel "Tatort Tropenwald" Dieses Unterrichtsmaterial für die Klassen 7 bis 10 bietet ein besonderes Unterrichtsprojekt: Bei einem Krimispiel gehen die Jugendlichen in Teams auf Spurensuche im Regenwald. Bei ihren Ermittlungen erfahren sie viel über die Bedeutung und Bedrohung der Regenwälder sowie über die verschiedenen Interessengruppen, die im Themenfeld Regenwald agieren. Spielerisch erleben Schülerinnen und Schüler so ein komplexes und interessantes Thema. Planspiel Rohstoffabbau – Bergbau im Nebelwald?  Wie fühlt es sich an, mitten in einem Rohstoffkonflikt zu stecken? Das Planspiel „Rohstoffabbau – Bergbau im Nebelwald?" ermöglicht das direkte Erleben von Entscheidungsprozessen im Zusammenhang mit Rohstoffkonflikten. Lingo Global zum Thema "Der Wald im Klimawandel" Wälder sind wichtig für Menschen, Tiere und das Klima. Sie geben uns Holz und Nahrung, aber vor allem Sauerstoff. Bäume regulieren das Klima. Sie speichern Wasser und machen Böden fruchtbar. Wir brauchen Wälder im Kampf gegen die Erderwärmung. Wie können wir unsere Wälder schützen? Was müssen wir dafür tun? „Lingo Global" stellt viele Lösungen vor.
„Lingo Global" ist ein Medienangebot für junge Deutschlernende weltweit. Konzipiert ist es für den Unterricht in Deutsch als Fremd- und Zweitsprache (DaF und DaZ). Es erscheinen vier Magazine pro Jahr. Reli fürs Klima – Kirchenwälder in Äthiopien Was der Klimawandel für die Menschen weltweit bedeutet und wie sie ihm begegnen, zeigt das Unterrichtsmaterial „Reli fürs Klima" von Brot für die Welt am Beispiel der Kirchenwälder in Äthiopien. Dabei stehen die Bäume und ihre Bedeutung für den Klimaschutz im Vordergrund. Zahlreiche Tipps laden dazu ein, sich mit einer von 1.000 Aktionen an der Rallye fürs Klima zu beteiligen und sich für Klimagerechtigkeit zu engagieren. Das Projekt eignet sich für Schüler*innen der Klassen 5 bis 8 und ist fächerübergreifend konzipiert. Factsheet zu Waldabholzung für Tabak

Für die Trocknung von Tabak werden jährlich 8 Millionen Tonnen Feuerholz benötigt, für das häufig umliegende Wälder abgeholzt werden. Besonders betroffen its davon der Miombo-Trockenwald in Südostafrika, wo alle Menschen, nicht nur die Tabak anbauenden Familien, mit dem Wald auch ihre Lebensgrundlagen verlieren. Dies und andere Auswirkungen von Tabak auf Wälder zeigt das SDG-Factsheet Nr. 6 Tabak | Wälder von Unfairtobacco.

Zum Schwerpunkt: Multimediales Problem: Palmöl – Gespräche mit Betroffenen in Guatemala Für den Anbau von Ölpalmen-Monokulturen werden in Guatemala Wälder abgeholzt, Wasser und Böden vergiftet und Menschen enteignet. Die Christliche Initiative Romero (CIR) zeigt in Form einer Videoreportage die desaströsen Folgen industrieller Palmölproduktion: Betroffene berichten aus erster Hand von leeren Versprechungen der großen Agrarkonzerne, einer zerstörten Tier- und Pflanzenwelt, Menschenrechtsverletzungen und geraubten Existenzen.  Interaktive Tafelbilder zum tropischen Regenwald für den MINT-Unterricht Was sind die Besonderheiten des tropischen Regenwalds? Welche Gefahren verursacht der Mensch für ihn und was kann man selbst zum Schutz beitragen? Die Interaktiven Tafelbilder „Der tropische Regenwald" auf dem Medienportal der Siemens Stiftung, verfügbar für die Grundschule und weiterführende Schulen, unterstützen Lehrkräfte dabei, die vielfältigen Aspekte des Themas altersgerecht im Sach-, Geografie- oder Biologieunterricht zu vermitteln. 4 Wildlife – Vom Regenwald ins Klassenzimmer Mit 4Wildlife möchten die Herausgeber die Themen Regenwald und Artenschutz auf innovative Art und Weise in die Schule bringen. Unter dem Motto "Groß denken, lokal handeln, global wirken" sollen Schülerinnen und Schülern spielerisch die Bedeutung von Biodiversität, der Regenwald und Artenschutz nähergebracht werden. Durch das integrierte Augmented Reality (AR) Tool wird ein emotionaler Zugang geschaffen, indem der Kapokbaum Zentralamerikas und seine tierischen Bewohner hautnah in den Lebensraum der Schülerinnen und Schüler projiziert werden.  Artenvielfalt und Nachhaltige Entwicklung Das Video thematisiert den Einfluss von sinkender Artenvielfalt und den Einfluss auf vier Dimensionen der Nachhaltigen Entwicklung mit Bezug zu den SDGs in kindgerechter Art und Weise. Ziel ist es, Schülerinnen und Schüler zu selbstständigem Nachdenken und Reflexion anzuregen. Dabei steht besonders eine zukunftsorientierte Denkweise im Fokus. Das Video, produziert von GES – Globale Entwicklung in der Schule (engagement-global.de), ist besonders für den Einsatz in der Grundschule, aber auch für Selbstlernprozesse geeignet. Kinderwebsite Abenteuer Regenwald Abenteuer Regenwald klärt Kinder und Jugendliche über die Bedeutung der tropischen Regenwälder auf. Auf der Plattform gibt es verschiedene Angebote: Ein Wissensbereich rund um den Regenwald erklärt, warum er die grüne Lunge unseres Planeten ist, was ihn bedroht und was man zu seiner Rettung tun kann. Interaktive Angebote wie Spiele, Rezepte, Bastel- und Malvorlagen laden dazu ein, sich über die Website hinaus mit dem Thema zu beschäftigen. Rezepte, Videos und Einkaufsratgeber verbreiten die Themen spannend, ansprechend & realitätsnah. Außerdem können Flyer, Poster und Infos heruntergeladen und für Referate & Co. verwendet werden. Filme zum Thema Regenwald/Wälder weltweit Die Eine Welt Mediendatenbank hat eine Auswahl von Filmen zum Thema Regenwald/Wälder weltweit zusammengestellt, die sich für den Einsatz in der Bildungsarbeit besonders gut eignen. Die Schauplätze sind vielfältig: So geht es um die Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes, um Wiederbegrünung in Afrika, die Umweltaktivistin Wangari Maathai und um den Bayerischen Wald, der zusammen mit dem benachbarten tschechischen Nationalpark Sumova das größte zusammenhängende Waldgebiet Mitteleuropas bildet. Zum Schwerpunkt: Ausstellungen, Aktionen, Fortbildungen
Wanderausstellungen „Reichtum Regenwald" und „Konsum und Regenwald" Die Tropenwald-Ausstellung "Reichtum Regenwald" von OroVerde sensibilisiert den*die Betrachter*in für das Thema Regenwald und Umweltschutz. Die Wanderausstellung "Konsum und Regenwald" gibt Einblicke in die globalen Folgen des heutigen Konsums und geht dabei auf die größten Treiber der Entwaldung ein (Themenschwerpunkte sind Papier, Palmöl, Soja und Fleisch, Bodenschätze und Kakao). Beide Ausstellungen können gegen Versandkosten von Schulen, Museen, Institutionen, Behörden sowie Firmen und Universitäten ausgeliehen werden. Projekttag Regenwald des Ökohaus Rostock Obwohl der Regenwald eine unschätzbare Bedeutung für den Menschen hat, schreitet seine Vernichtung voran. Im Projekttag erfahren die Teilnehmenden mehr über dieses Ökosystem und welche Ursachen und Folgen die Übernutzung weltweit hat. Im Fokus stehen dabei der Globale Handel und ein genauer Blick in unseren Einkaufswagen. Wir erforschen die Gegenwart des Regenwaldes in unserem Alltag und lernen an den Beispielen Palmöl und Soja Handlungsalternativen kennen. Lehrkräftefortbildung zum Thema „Grüne Wüsten – Auswirkungen großflächiger Monokulturen auf Mensch, Natur und Klima am Beispiel von Palmöl und Soja" Die vom Verein Orang-Utans in Not e.V. entwickelte Fortbildung richtet sich an alle (angehenden) Lehrer*innen, die in ihren Einrichtungen Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) umsetzen möchten. Anhand der Beispiele Palmöl und Soja wird aufgezeigt, wie sich großflächige Monokulturen weltweit auswirken, welchen Einfluss wir als Konsument*innen darauf haben und welche alternativen Handlungsoptionen es gibt.  Ausstellung "Apfel, Ahorn, Avocado – Bäume und Menschen im Spannungsfeld von Klimakrise und Nachhaltigkeit" Was tragen Bäume und Wälder zur Erreichung der globalen nachhaltigen Entwicklungsziele bei? Warum ist es umgekehrt so wichtig, dass wir Menschen Bäume schützen? Diese und weitere Fragen werden im Zuge der neuen Südwind-Ausstellung – derzeit und bis 01.11.2022 zu sehen im Botanischen Garten in Linz – beantwortet. Ab Herbst kann die Ausstellung auch als Wanderausstellung gebucht werden. Mit Comic-Projekten tief in Themen einsteigen Wie lassen sich komplexe Regenwald-Themen wie globale Zusammenhänge vom Regenwald bis zur Wurst auf dem Brot ansprechend vermitteln? Zum Beispiel mit Comics! Die OroVerde-Materialien laden Kinder und Jugendliche ein, sich mit Lesespaß schlau zu machen oder auch selbst Comics zu entwickeln. Wie das gehen kann erfahren Sie hier. Aus unseren Fokusrubriken Fokusrubriken sind unsere thematischen Dossiers zu aktuellen Themen:
Krieg und Frieden, Wasser, Klima, SDGs, Digitalisierung, Postwachstum, Flucht, Lebensmittelverschwendung und Abfall/Müll.  Echte Menschen in virtuellen Welten – Handbuch und Ressourcensammlung für digitale Bildungsformate Dieses Handbuch richtet sich vor allem an Menschen, die bisher wenige Erfahrungen mit der Durchführung und Konzeption digitaler Bildungsformate sammeln konnten. Aber auch Erfahrenere werden darin den ein oder anderen praktischen Tipp finden können. Besonders im Bereich Moderation werden Aspekte aufgeführt, welche den Herausgebern in Online-Formaten als wichtig erscheinen und die auch für bereits Erfahrenere eine spannende Ergänzung sein können. Toolboxverleih und finanzielle Förderung für Aktionen rund um Wasser finep vergibt Fördermittel und Verleihmaterialien für Aktionen rund um das Thema Wasser. Im Rahmen der EU-weiten Kampagne „Water of the Future" kann eine Toolbox zum Thema virtuelles Wasser und Wasserfußabdruck kostenlos geliehen werden. Für die Gestaltung eines breitenwirksamen Rahmenprogramms werden außerdem bis zu 600 € Fördermittel vergeben. Die Hauptzielgruppe der Kampagne sind Menschen im Alter von 15–35 Jahren. Les origines du mouvement déchétarien. OER Material für den Französischunterricht In der EU werden jährlich 89 Millionen Tonnen Lebensmittel verschwendet. In der Unterrichtseinheit wird diese Problematik vor dem Hintergrund des „mouvement déchétarien" und der internationalen Konvention PIDESC der UN in Frankreich betrachtet. Die Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 10 und 11 beurteilen die Wahrung und Verletzung des Rechts auf angemessene Ernährung in Frankreich und setzen sich im fremdsprachlichen Dialog mit globalen, bedeutsamen Themen auseinander. BNE und Schuljournalismus. Ein Preis für CO2? OER Material für den Deutschunterricht Anhand des kontroversen Themas „CO2-Bepreisung" werden die Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 8 und 9 an die journalistische Arbeit und Textsorten herangeführt. Zielsetzung der Unterrichteinheit ist die Entwicklung einer individuellen Haltung und der aktiven Partizipation in der politischen Debatte durch das Verfassen von journalistischen Kommentaren. Neues vom Blog EineWeltBlaBla

EineWeltBlaBla im Juni

Im Juni ist auch auf dem Blog der Sommer eingekehrt und Leserinnen und Leser haben im Schatten der Bäume viele spannende Artikel lesen können. Wir haben im Vorfeld der Stichwahlen in Kolumbien über beide Kandidaten ausführlich berichtet und erklärt was der Wahlausgang für Lateinamerika bedeuten könnte. Für fotografie-enthusiastische Menschen haben wir den MISEREOR Fotowettbewerb vorgestellt und sind schon gespannt auf die Ergebnisse. Auch ein Veranstaltungstipp war dabei: Im Mittelpunkt der diesjährigen youcoN stehen Antirassismus und kritischen Perspektiven auf Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) und auf die 17 Nachhaltigkeitsziele (SDG). Zum Abschluss des Monats haben wir vom Fischereiproblem Kameruns berichtet und erklärt, welche Rolle die internationale Gemeinschaft dabei spielt.

Kennt ihr schon unseren Instagram und Facebook Account? Da werdet ihr regelmäßig über die Veröffentlichung unserer neuen Beiträge informiert. Wir freuen uns, wenn ihr mitredet!

Zum Blog Veranstaltungen Extremwetterereignisse und globale Gerechtigkeit
08.07.2022 – 09.07.2022 in Ingelheim Online-Fachtag & Praxis-Workshop „Transformative Bildung wirksam gestalten"
13.07.2022 online und  in Nürnberg Digital und Machtkritisch – Digitalisierung als Chance für den Einbezug von Südperspektiven im Globalen Lernen
14.07.2022 online Ökologie von rechts? Rechtsextreme Ideologien im Natur- und Umweltschutz
14.07.2022 in Lüneburg Gemeinsam die Welt bewegen – gemeinsam Zukunftsgeschichten gestalten. Werkstatt-Treffen „Globales Lernen für eine Nachhaltige Entwicklung in der KITA"
20.07.2022 in Heidelberg BNE-Festival NRW 2022
19.08.2022 – 20.08.2022 in Bielefeld BNE-Sommerakademie in Tirol
22.08.2022 – 24.08.2022 in Pfons/Matrei am Brenner (Österreich) Wir legen los – BNE-Zertifizierung NRW
25.08.2022 online Online-BNE-Sommerakademie
30.08.2022 online Chic aber schmutzig: Globale Wertschöpfung und soziale Kämpfe in der Bekleidungsindustrie
04.09.2022 – 09.09.2022 in Hattingen Sport handelt Fair Konferenz
05.09.2022 – 06.09.2022 in Leipzig Zukunftsressource Wasser: Menschenrecht, Handelsware, Konfliktursache
05.09.2022 – 09.09.2022 in Würzburg Faszination Wasser – Bildungsurlaub rund ums Wasser
05.09.2022 – 09.09.2022 in Havelsee Theaterlabor – Psychische Ressourcen – ein gutes Leben für alle
09.09.2022 – 11.09.2022 in Fürstenhagen Political Art Days 2022 – Das Gute Leben für Alle weltweit
09.09.2022 – 11.09.2022 in Dresden BNE als Leitbild für außerschulische Bildungseinrichtungen
13.09.2022 in Recklinghausen KISS – Klima in der Schule Symposium
16.09.2022 – 17.09.2022 in Berlin Vorschau Ausgabe September 2022
Die September-Ausgabe des Newsletter Portals Globales Lernen erscheint Anfang September 2022 zum Thema Geschlechtergleichstellung (SDG 5). Zusendungen sind bis zum 24. August 2022 willkommen. Das könnte Sie auch interessieren:
Publikationen der Informationsstelle Bildungsauftrag Nord-Süd Print-Rundbrief Juni 2022 Ziel 7 der Agenda 2030: Bezahlbare und saubere Energie Der Rundbrief erscheint viermal jährlich und berichtet über die entwicklungspolitische Bildungsarbeit in Bund und Ländern, Fortbildungsangebote, Veranstaltungen, neue Materialien, Kampagnen und Aktionen.
Weitere Informationen und Bestellung Jahresthema 2022: Wasser Die Informationsstelle Bildungsauftrag Nord-Süd stellt mit ihrem Jahresthema 2022 Initiativen und Projekte aus Welt, Bund und den Deutschen Ländern vor, die sich dem Thema Wasser widmen.

Weitere Informationen Wird diese Nachricht nicht richtig dargestellt, klicken Sie bitte hier. Gefördert durch ENGAGEMENT GLOBAL mit Mitteln des über den

. Wir informieren Sie in regelmäßigen Abständen zu Themen des Globalen Lernens und der Bildung für nachhaltige Entwicklung und möchten dies gerne auch weiterhin tun. Ihre Daten werden ausschließlich für diesen Zweck verwendet und nicht an Dritte weitergegeben. Um zu vermeiden, dass Sie unerwünscht Informationen vom uns erhalten, können Sie den Newsletter jederzeit  hier  abbestellen. 
Sie finden unsere Datenschutzrichtlinie hier.
Für den Inhalt dieser Publikation ist allein der World University Service e.V. verantwortlich; die hier dargestellten Positionen geben nicht den Standpunkt von Engagement Global gGmbH und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung wieder.
World University Service Deutsches Komitee e.V.
Portal Globales Lernen der Eine Welt Internet Konferenz (EWIK)
Goebenstraße 35
65195 Wiesbaden
Deutschland
+49 (0) 611 9446170
service@globaleslernen.de www.globaleslernen.de

EPN Hessen Newsletter 02/2022

2. Juli 2022 - 23:36

  NEWSLETTER 02/2022     Liebe Leser:innen,   verschiedene Stellenausschreibungen und Veranstaltungshinweise unserer  Mitgliedsorganisationen sind in dieser Ausgabe zu finden. Zwei EPN Hessen-Publikationen sind neu erschienen: der Jahresbericht 2021 und die Dokumentation der Digitalen Netzwerkstatt. Diese finden Sie auch in einer barrierefreien Gestaltung.   Die Film- und Diskussionsreihe FERN:WELT:NAH findet ab Oktober wieder statt! Fünf Filmabende werden in der 12. Staffel im Haus am Dom angeboten. Unsere Eine Welt-Promotor:innen bieten alternative Stadtrundgänge, Workshops und Vorträg an. Diese finden Sie unter der Rubrik "Hessen entwickeln für die Eine Welt".   Mit besten Grüßen aus der Geschäftsstelle     Inhalt 1. Aktuelle EPN Hessen Veranstaltungen
2. Aus dem Netzwerk 3. Aus der Geschäftsstelle
4. „Hessen entwickeln für die Eine Welt" – Neues aus dem Promotor:innenprogramm 5. Weiterlesen, mitmachen, hingehen     Aktuelle EPN Hessen Veranstaltungen:   Entwicklungspolitische Film- und Diskussionsreihe: fern:welt:nah Staffel 12
(05.10-06.12.2022, Frankfurt am Main)
  Verschiedene Eine Welt-Akteur:innen laden wieder zu
der 12. Staffel der FERN:WELT:NAH-Reihe ein. Die fünf Filmvorführungen und Diskussionen werden dabei mit konkreter entwicklungspolitischer Arbeit und
Eine Welt-Engagement hier vor Ort verknüpft.
Beginn jeweils 19:00 Uhr, außer Film "Power to the Children", dieser beginnt um 18:30 Uhr.
Eintritt frei! Anmeldung nicht erforderlich.   FERN:WELT:NAH-Webseite
und Übersicht Staffel 12
  Aus dem Netzwerk   Was haben Pflanzen mit Politik zu tun?
(01.07.2022, 16 Uhr (Deutsch) und 08.07.2022,16 Uhr (Spanisch) / Frankfurt am Main)
  Die EPN Hessen Mitgliedsorganisation Abá e.V. – Arbeitskreis für Menschenrechte lädt uns ein zu der Veranstaltung "Was haben Pflanzen mit Politik zu tun? ein. Eine interaktive Führung im Wissenschaftsgarten am Campus Riedberg mit Dr. Marilú Huertas de Schneider einladen. Am 08.07 um 16 Uhr findet auch eine weitere Führung auf Spanisch statt. Diese Veranstaltung gehört zu der Veranstaltungsreihe 2022 des Projektes "Werde Teil des Wandels! Interkulturelle entwicklungs- und umweltpolitische Bildung", den Abá e.V. in Zusammenarbeit mit DLI Pro Amazonía, Aprender e.V., Colombia Viva e.V. und La Coordinadora e.V. organisiert hat.   Weiterlesen Weltladen Marburg: Stellenausschreibung Laden- und Vereinskoordinator:in   Der Weltladen Marburg und die Initiative Solidarische Welt e.V. (ISW) suchen sucht Verstärkung als Laden- und Vereinskoordinator:in (21 Wochenstunden, Entgeltgruppe 11 TVöD, unbefristet).  Die Initiative Solidarische Welt e.V. ist eine seit 1980 bestehende entwicklungspolitische Nichtregierungsorganisation mit Sitz in Marburg, die sich die Förderung des Fairen Handels und eine umfassende Bildungsarbeit zum Ziel gesetzt hat. Sie betreibt den Weltladen Marburg sowie das Infozentrum Eine Welt mit einer Präsenz- und Ausleihbibliothek und bietet vielfältige Bildungsaktivitäten für Kinder und Erwachsene.
Für Fragen und nähere Auskünfte zur Stelle wenden Sie sich gerne an das Team der Hauptamtlichen, 06421 / 686244, info@weltladen-marburg.de.   Stellenausschreibung pbi: Infoseminar in Darmstadt - 22. bis 24. Juli 2022   Das nächste pbi-Infoseminar findet vom 22. bis 24. Juli 2022 in Darmstadt statt. Das Infoseminar wird von der ehrenamtlichen Regionalgruppe zusammen mit Rückkehrer:innen aus den Projekten vorbereitet und richtet sich an all jene, die mehr über die EPN Hessen-Mitgliedsorganisation erfahren möchten, Interesse an einem Freiwilligeneinsatz im Ausland oder der Mitarbeit in Deutschland haben.   Weiterlesen Oikocredit Förderkreis Hessen-Pfalz: Stellenausschreibung Mitarbeiter:in Bildungsarbeit und Veranstaltungsorganisation   Zur Verstärkung des Teams in der Geschäftsstelle in Frankfurt am Main sucht die EPN Hessen-Mitgliedsorganisation eine Koordinator:in für die Vorträge, Aktionen und  Informations-stände, die überwiegend von unseren Ehrenamtlichen durchgeführt werden.   Die Ökumenische Entwicklungsgenossenschaft Oikocredit engagiert sich seit 1975 für weltweite Gerechtigkeit. Sie bietet eine sozial wirksame Geldanlage und vergibt Kredite als Hilfe zur Selbsthilfe an Mikrofinanzorganisationen, landwirt-schaftliche Genossenschaften, den Fairen Handel und für Erneuerbare Energien.   Die Stelle umfasst 20 Stunden pro Woche und ist sofort zu besetzen. Die Vergütung erfolgt nach Entgeltgruppe 7 des TV-Hessen. Ihre Bewerbung schicken Sie bitte per E-Mail an die Geschäftsführerin Silvia Winkler: swinkler@oikocredit.de.   Stellenausschreibung Ökumenische Initiative Eine Weilt e.V.: Stellenausschreibung Referent:in für Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit   Das EPN Hessen-Mitglied sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine:n Referent:in für Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit in Teilzeit (25 Wochenarbeitsstunden).  Die Ökumenische Initiative Eine Welt e.V. (ÖIEW) ist eine seit 1976 bestehende bundesweite Lernbewegung für eine mitweltfreundliche, gerechte und gesprächsbereite Lebensweise. Als unabhängige Nichtregierungsorganisation ist sie seit 2001 deutsche Koordinierungsstelle der internationalen Erd-Charta-Initiative. Die Erd-Charta formuliert als Ergebnis eines weltweiten, interkulturellen Beratungsprozesses grundlegende ethische Prinzipien für eine nachhaltige Weltgesellschaft.   Bewerbungen bitte nur per Email (Motivation unter Angabe des nächstmöglichen Stellenantritts, Lebenslauf und zwei Referenzen, nur die wichtigsten Zeugnisse) bis zum 22. Juli 2022, an die Adresse: bewerbung[at]oeiew.de.   Stellenausschreibung         Aus der Geschäftsstelle:   EPN Hessen-Mitgliederversammlung 2022   Am Samstag, 9. Juli heißt es wieder mitdiskutieren, entscheiden und die Zukunft des Netzwerks mitgestalten, denn an diesem Tag trifft sich das Entwicklungspolitische Netzwerk Hessen zur Mitgliederversammlung 2022.
Wir können uns diesmal im Juli wieder in Präsenz im Saalbau Gallus treffen.
Für weitere Information können Sie sich an info[at]epn-hessen.de wenden.   Weiterlesen Dokumentation: Digitale Netzwerkstatt   Wie können Digitalisierungsprozesse mit Blick auf die drei zentralen Transformationsprinzipien „Nachhaltigkeit,
Inklusion und Globale Gerechtigkeit" gestaltet werden, auch um das Inklusionsversprechen der Agenda 2030 „Niemanden zurücklassen" – leave no one behind – umzusetzen? Diesen und weiteren Fragen widmeten wir uns während unserer eintägigen digitalen Netzwerkstatt am 09.12.2021. Vielen Dank an alle, die teilgenommen haben!   Stichworte, Ergebnisse und offene Fragen für die Zukunft finden Sie in der Dokumentation unserer digitalen Netzwerkstatt. Wir haben diese barrierefrei gestaltet und sie ist für einen ScreenReader geeignet.   Dokumentation EPN Hessen Jahresbericht 2021:
Die Transformation beginnt mit uns!
  Als EPN Hessen folgen wir der Einsicht, dass globale Aufgaben nur gemeinsam gelöst werden können und sehen daher unsere Aufgabe mehr denn je darin, das Engagement all derjenigen in Hessen zu stärken, die sich für die Zukunftsfähigkeit unseres Planeten einsetzen.
Denn die notwendige Transformation zu einer global gerechten und nachhaltigen Lebens- und Wirtschaftsweise, ist nur mit einer engagierten und organisierten Zivilgesellschaft möglich. Es gilt eine Eine Welt-Arbeit zu intensivieren, die den erstarkenden nationalistischen Tendenzen und polarisierenden Diskursen entschieden mit ihrer solidarischen Haltung sowie dem Wissen um globale Verflechtungen und Abhängigkeiten entgegentritt.   Wir haben diesmal zwei Versionen des Jahresberichtes erstellt. Eine barrierefreie Version des Jahresberichtes, die für den Screenreader zugänglich ist, finden Sie hier. Die Version, für diejenigen, die kein Screenreader benutzen, finden Sie hier.   Eine anregende Lektüre wünschen Vorstand und  Geschäftsstelle des EPN Hessen!
Der Bericht kann von der EPN Hessen-Webseite in beiden Versionen heruntergeladen werden.   EPN Hessen-Jahresbericht 2021 (barrierefreie-PDF)     EPN Hessen-Jahresbericht 2021 (PDF)     "Hessen entwickeln für die Eine Welt" - Neues aus dem Promotor:innenprogramm:   Vier hessische Eine Welt-Promotor:innen tragen dazu bei, dass die entwicklungspolitisch Engagierten mehr voneinander wissen, sich austauschen und besser gegenseitig stärken können. Das Programm wird vom EPN Hessen koordiniert. Haben Sie Interesse an einem Fachaustausch oder einer Kooperation mit den Promotor:innen? Dann melden Sie sich bei ihnen.   www.hessen-entwickeln.de Citywalks – alternative Stadtrundgänge   Das Projekt ,,Ich zeig dir MAIN Frankfurt", mit dem der Fachpromotor Tzehaie Semere für Migration, Entwicklung und Partizipation, der zu dem Trägerkreis eines Organisationsbündnisses angehört, veröffentlicht ihr aktuelles Programm. An den Stadtspaziergängen „Afrika in Frankfurt am Main", „Das Frankfurter Westend: innerhalb und außerhalb der eigenen vier Wände" „Mein schönes altes Frankfurt", „Unser Frankfurter Tagebuch - die Ankunft" kann teilgenommen werden. In den Citywalks zeigen Menschen mit Migrations- und/oder Fluchtbiografie ihren ganz persönlichen Blick auf die für sie relevanten Orte in Frankfurt: Orte, die sie geprägt haben oder die sie selbst gestalten. Die Stadtrundgänge sind offen für alle Interessent:innen und sind als besonderes Angebot im Bildungsbereich gedacht. Die Citywalks können online gebucht werden.   Webseite Citywalks Vortrag: „Der Ball ist rund – FAIRE Ballproduktion in Pakistan"   Unsere Eine Welt- Regionalpromotorin in Kooperation mit der Bad Boyz Ballfabrik und dem Karibu e.V. Kassel bietet den Vortrag „Der Ball ist rund – FAIRE Ballproduktion in Pakistan" an. „Die BAD BOYZ BALLFABRIK e.K." – gegründet im Mai 2014, ist weltweit einer der wenigen Anbieter für FAIRTRADE-zertifizierte Sportbälle (Fußball, Handball, Volleyball). Firmengründer Robert Weber berichtet in seinem multimedialen Vortrag über die Produktion FAIRER Bälle im Vergleich mit konventionellen Anbietern, sowie den FAIRTRADE-spezifischen Leistungen hinsichtlich Bezahlung, Arbeitsbedingungen, Sozialleistungen, Geschlechter-Gerechtigkeit am Produktionsstandort Sialkot in Pakistan.   Die Eine Welt- Regionalpromotorin bietet im August und September auch weitere Workshops und einen Film- und Dikussionabend an. Die Veranstaltungshinweisen finden Sie unten bei der Rubrik "Terminlese".   Weiterlesen   Weiterlesen, mitmachen, hingehen:     Materialien:  
  • Hirschfeld-Eddy-Stiftung: Für eine postkoloniale Praxis in der Entwicklungszusammenarbeit
  • Sport handelt fair: Broschüre für nachhaltige Sportevents
  • Deutsches Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung: Studie „Alltägliche Bedrohung der Zivilgesellschaft"
  • Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Anti-Schwarzen Rassismus sichtbar machen und bekämpfen
  • welt-sichten: Afrika schaut auf Europa
  • VENRO: Stellungnahme "Erwartungen an eine feministische Entwicklungspolitik"
  • Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage: Themenheft Kolonialismus.
  • bezev: Die inklusive Umsetzung von SDG4 zwischen Anspruch und Realität – Schwerpunkt schulische Bildung
    Materialien     Mitmachen  
  • BNE-Jugendkonferenz youcoN (07.-10.07.2022)
  • Austauschprogramm kulturweit-Tandem: jetzt bewerben!
  • Konferenz: NachhaltigkeitsCamp Bonn (03.09.2022)
  • Sport handelt fair: Konferenz für Faire Beschaffung im Sport (05.-06.09.2022)
  • Faire Woche: Die größte Aktionswoche des Fairen Handels in Deutschland (16.-30.09.2022)
  • Kursangebot „Challenge Accepted! Dein Einsatz für einen nachhaltigen Wandel mit unseren Tipps und Tools" (ab 16.09.2022)
  • Aktionswoche: Global Education Week (14.-18.11.2022)
  • Save the Date: Strategiekonferenz für Bildungs- und Engagementarbeit in globalen Zusammenhängen (18.-19.11.2022)
  • Aktionsgruppenprogramm Förderung für kleine Projekte der entwicklungspolitischen Informations- und Bildungsarbeit: Jetzt bewerben!
  • Kampagne: Yes, EU can – Neue Kampagne zum EU-Lieferkettengesetz gestartet!
  • FEB-Seminare: Projektbeantragung (ab 07.09.2022)
    Mitmachen      Terminlese:   Seminar: „Inklusive Generationengerechtigkeit braucht translokale Zukunftsverantwortung – Zukunft ist kein Privileg für Wenige!" Fr., 01.07. - So., 03.07.22 | Warburg-Germete. Veranstalter:in: gewaltfrei handeln e.V.   Podiumsgespräch und Buchpräsentation: „Papst Franziskus und der Krieg". Mo., 04.07.2022 (18.30h - 20.30h) | Frankfurt am Main.Veranstalter:in: Katholische Akademie Rabanus Maurus, in Kooperation mit pax christi – deutsche Sektion, pax christi-Rhein–Main und Regionalstelle Limburg-Mainz.   Vortrag: „Das Nachhaltige Entwicklungsziel 3 der UN und die Arzneimittelversorgung im Globalen Süden". Di., 05.07.2022 (20.00h - 21.30h) | Marburg. Veranstalter:in: Weltladen Marburg in Kooperation mit Kulturelle Aktion Marburg – Strömungen e.V., Arbeit und Leben Hessen, Arbeit und Leben Marburg und vhs Marburg.   Webinar: „Berliner Brasiliendialoge – Diálogos Brasil-Berlim Panel 3: Öffentlichkeit, digitale Netzwerke und politische Kommunikation". Mi., 06.07.2022 (18.00h - 20.00h) |online. Veranstalter:innen: Lateinamerika-Institut der Freien Universität Berlin, in Kooperation mit: Heinrich-Böll-Stiftung (hbs), Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) (angefragt), Rosa-Luxemburg-Stiftung (RLS), Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika (FDCL), Brasilien Initiative Berlin (BIB), Kooperation Brasilien e.V. (KoBra), Lateinamerika-Forum (LAF), Merian Centre Conviviality-Inequality in Latin America (Mecila), Misereor und Brot für die Welt.   Fashion Quiz: „FAIR raten. Open Air Fashion Quiz über den Dächern Frankfurts". Do., 07.07.2022 (20.00h - 22.00h) | Frankfurt am Main. Veranstalter:in: Katholische Akademie Rabanus Maurus, in Kooperation mit: Engagement Global – Außenstelle Mainz.   Vortrag: „Chronik eines globalen Versagens: Lehren für eine solidarische Politik nach der Coronakrise". Di., 12.07.2022 (20.00h - 21.30h) | Marburg. Veranstalter:innen: Weltladen Marburg in Kooperation mit Kulturelle Aktion Marburg - Strömungen e.V., Arbeit und Leben Hessen, Arbeit und Leben Marburg und vhs Marburg. Mit Anne Jung (medico international).   Vortrag: „Der Krieg und das Klima". Mi., 13.07.2022 (19.00h - 21.00h) | Frankfurt am Main Veranstalter:in: Katholische Akademie Rabanus Maurus.   Seminar: „Das läuft wie geschmiert?! Von Öl und Kokospalmen und fetten Früchten". Fr., 15.07. - Sa., 16.07.22 | Witzenhausen. Veranstalter:innen: Universität Kassel – Gewächshaus für tropische Nutzpflanzen in Zusammenarbeit mit Weltläden in Hessen e.V. und WeltGarten Witzenhausen.   Workshop. Termin 1: „Welt-Sichten und Welt-Bilder in der Entwicklungszusammenarbeit". Mi., 03.08.2022 (15.00h - 17.00h) | Kassel. Veranstalter:innen: Eine Kooperationsveranstaltung des Sozialen Friedensdienstes Kassel e.V., Karibu Kassel e.V. und der Eine Welt-Regionalpromotorin für Nordhessen.   Workshop. Termin 2: „Welt-Sichten und Welt-Bilder in der Entwicklungszusammenarbeit". Mi., 17.08.2022 (15.00h - 17.00h) | Kassel. Veranstalter:innen: Eine Kooperationsveranstaltung des Sozialen Friedensdienstes Kassel e.V., Karibu Kassel e.V. und der Eine Welt-Regionalpromotorin für Nordhessen.   Vortrag/Rundgang/Verkostung: „Mais – das Gemüse des Jahres". So., 04.09.2022 (14.00h - 16.30h) | Witzenhausen. Veranstalter:in: Universität Kassel – Gewächshaus für tropische Nutzpflanzen.   Film und Diskussionsabend: „Climbing a good tree". Do., 22.09.2022 (18.00h - 20.00h) | Kassel. Veranstalter:innen: Karibu Kassel e.V., Miteinander für Menschen in Afrika e.V., baobab e.V., UNICEF - Arbeitsgruppe Kassel, Eine Welt Regionalpromotorin beim Sozialer Friedensdienst Kassel e.V.   Fest: „nachgeholtes Jubiläum der DIZ". Sa., 24.09.2022 | Frankfurt am Main. Veranstalter:in: Deutsch-Indische Zusammenarbeit e. V.   Konferenz: „CAIC22 – Die Internationale Jahreskonferenz des Klima-Bündnis 2022". Mi., 28.09. - Fr., 30.09.22 | Hesperingen. Veranstalter:in: Klima-Bündnis       Weitere entwicklungspolitische Veranstaltungen in Hessen finden sich in unserem      Terminkalender     Wenn Sie konkrete Veranstaltungshinweise haben, die Sie gerne mit uns teilen wollen, können Sie unser Social Media Team unter der Email-Adresse socialmedia[at]epn-hessen.de kontaktieren. Für Beiträge, die in den EPN Hessen-Newsletter aufgenommen werden sollten, kontaktieren Sie unsere Fachpromotorin für Kommunikation, Digitalisierung und Partizipation unter: cristina.valdivia[at]epn-hessen.de.     Der EPN Hessen-Newsletter wird finanziell unterstützt vom Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen (HMWEVW) sowie im Rahmen des Eine Welt-PromotorInnenprogramms vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ):     Finanzielle Unterstützung erhalten wir für den Newsletter auch von der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) und der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW).     Entwicklungspolitisches Netzwerk Hessen e.V.
Vilbeler Straße 36
60313 Frankfurt
Tel. +49 (0)69 - 913 951 70
www.epn-hessen.de     Link zum Impressum und Datenschutzerklärung von EPN Hessen e.V.     © 2022 Entwicklungspolitisches Netzwerk Hessen e.V.  

G7-Beschlüsse: Historisches Versagen angesichts multipler Krisen

28. Juni 2022 - 21:24
Gipfel-Beschlüsse sind Blendwerk und werden den Hunger nicht beenden

Garmisch-Partenkirchen, 28.06.2022. Trotz neuer Hilfszusagen sind die G7 ihrer Verantwortung angesichts multipler Krisen nicht gerecht geworden. Um die aktuellen Hungerkrisen zu bekämpfen, braucht es deutlich mehr Geld. Gegen die Klimakrise hätten sich die G7 auf stärkere Minderungsziele und Unterstützung einkommensschwacher Länder verständigen müssen. Zudem war der Kampf gegen die COVID-19-Pandemie auf dem Gipfel nur ein Randthema. Die Gipfel-Beschlüsse sind deshalb ein „Blendwerk", meint Charlotte Becker, Leiterin Politik und Kampagnen von Oxfam Deutschland, das von dem „historischen Versagen" der G7 ablenken soll.

Charlotte Becker, Leiterin Politik und Kampagnen der Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam Deutschland, kommentiert die Beschlüsse des G7-Gipfels in Elmau:

„Die Beschlüsse des Gipfels von Elmau sind Blendwerk, das vom historischen Versagen der G7 ablenken soll. Die zugesagten 4,5 Milliarden US-Dollar sind viel zu wenig, um die globale Nahrungsmittelkrise zu beenden und zu verhindern, dass Menschen weiter hungern. Um den Hunger zu beenden und die Hilfsaufrufe der Vereinten Nationen zu finanzieren, sind mindestens 28 Milliarden US-Dollar zusätzlich erforderlich.

Zudem greifen die Beschlüsse viel zu kurz: Auf jeden Dollar an Hilfsgeldern kommen zwei Dollar, die einkommensschwache Länder an ihre Gläubiger zahlen müssen, oft Banken in New York oder London, die riesige Gewinne machen. Die G7 hätten sich darauf verständigen müssen, dass diese Schulden gestrichen werden sollen. Doch nichts dergleichen ist passiert.

Geschichte droht sich zu wiederholen: Beim letzten G7-Gipfel in Elmau hatten sich die Staats- und Regierungschefs verpflichtet, die Zahl der Hungernden um 500 Millionen Menschen zu verringern. Doch passiert ist nichts. Stattdessen gibt es sieben Jahre später 335 Millionen mehr Hungernde auf der Welt, verbunden mit unermesslichem Leid. Wir brauchen jetzt dringend neue Ansätze, um die zugrunde liegenden Ursachen von Hunger wie wirtschaftliche Ungleichheit und die Klimakrise zu bekämpfen.

Bei vielen Unternehmen sind die Gewinne während der COVID-19-Pandemie in die Höhe geschnellt und die Zahl der Milliardäre ist in 24 Monaten stärker gestiegen als in 23 Jahren. Es gibt jetzt 62 neue Milliardäre in der Nahrungsmittelindustrie.

Die G7 müssen deshalb die großen Gewinner der Krise besteuern. Die Energie- und Lebensmittelkonzerne machen riesige Gewinne und schaffen neue Milliardäre. Nötig ist deshalb eine Übergewinnsteuer auf Extraprofite während der Corona-Pandemie."

G7-Maßnahmen gegen Klimakrise unzureichend

"Auch bei der Bekämpfung der Klimakrise springen die G7 deutlich zu kurz. Die Weigerung der G7-Staaten, dem Beschluss des UN-Klimagipfels 2021 klar nachzukommen und jetzt ihre schwachen Klimaziele zu verschärfen, sendet ein schwieriges Signal an den Rest der Welt, insbesondere an einkommensschwache Länder, die bereits massiv unter den Auswirkungen der sich verschärfenden Klimakrise leiden.

Die Verwässerung der im letzten Jahr eingegangenen Verpflichtung, die öffentliche Finanzierung von klimaschädlichen fossilen Energieprojekten zu beenden, ist unverantwortlich und wird die Klimakrise weiter verschärfen. Das wird noch verstärkt durch die mangelnden Fortschritte hinsichtlich gemachter Zusagen über versprochene finanzielle Hilfen gegen die Klimakrise in einkommensschwachen Ländern.

Die eingegangenen bzw. bekräftigten Verpflichtungen, den Stromsektor bis 2035 und den Straßenverkehr bis 2030 stark zu dekarbonisieren, deuten zwar in die richtige Richtung, hätten aber stärker ausfallen müssen. Was nach wie vor fehlt, ist ein Ausstiegsdatum 2030 für die klimaschädliche Kohle.

Für hilfreich halten wir die ersten Schritte hin zu den angekündigten Just Energy Partnerships mit Indonesien, Indien, Senegal und Vietnam. Solche Partnerschaften können für die beteiligten Länder mehr Verlässlichkeit hinsichtlich der notwendigen Unterstützung bedeuten. Allerdings braucht es für wirksame Partnerschaften auch ausreichend finanzielle Zusagen, und die Umsetzung dieser Partnerschaften vor Ort mit den Menschen partizipativ, inklusiv und gendergerecht gestaltet werden und insbesondere auch bestehende Ungleichheiten angehen."

Pandemie auf dem Gipfel sträflich abwesend

"Die COVID-19-Pandemie war zudem sträflich abwesend auf diesem Gipfel, als gebe es keine globale Gesundheitskrise mehr. Doch davon sind wir weit entfernt. Es drohen neue Virus-Varianten, denen Millionen Menschen vor allem in einkommensschwachen Ländern schutzlos ausgeliefert sind, weil sie keinen Zugang zu Impfstoffen haben. Nur 18 Prozent der dortigen Bevölkerung sind geimpft. Dafür sind vor allem die G7 verantwortlich. Sie haben nicht einmal die Hälfte der vor einem Jahr versprochenen Impfdosen geliefert. Und sie widersetzen sich einer Freigabe des Patentschutzes auf COVID-19-Impfstoffe, Medikamente und Tests und verhindern dadurch, dass einkommensschwache Länder selbst in die Produktion dieser lebensrettenden Technologien einsteigen können."

 

Hinweise:

  • In Westafrika herrscht derzeit die schlimmste Nahrungsmittelkrise seit einem Jahrzehnt: 27 Millionen Menschen leiden Hunger. Diese Zahl könnte auf 38 Millionen ansteigen, wenn nicht dringend etwas unternommen wird. Das wäre ein noch nie dagewesenes Ausmaß.
  • In Ostafrika stirbt in den von der Dürre heimgesuchten Ländern Äthiopien, Kenia und Somalia schätzungsweise alle 48 Sekunden ein Mensch an Hunger, da die Maßnahmen zu langsam und zu begrenzt waren, um eine Eskalation der Hungerkrise zu verhindern. Das Niederschlagsdefizit in der letzten Regenzeit war in diesen drei Ländern das größte seit mindestens 70 Jahren.
  • Im Jemen und in Syrien haben die langwierigen Konflikte die Lebensgrundlage der Menschen entzogen. Im Jemen haben mehr als 17 Millionen Menschen - über die Hälfte der Bevölkerung - nicht genug zu essen, und in Teilen des Landes herrschen hungerähnliche Bedingungen. In Syrien haben sechs von zehn Menschen (12,4 Millionen) Mühe, genug zu essen auf den Tisch zu bringen. Das bedeutet, dass viele Familien zu extremen Maßnahmen greifen, um zurechtzukommen: Sie verschulden sich, um Lebensmittel zu kaufen, nehmen ihre Kinder aus der Schule, um zu arbeiten, und reduzieren die Anzahl der täglichen Mahlzeiten. Verbreitet ist auch die Verheiratung junger Töchter, damit eine Person weniger ernährt werden muss.
  • Aus dem FAO-Bericht über den Stand der Welternährung 2021 (Seite 10) geht hervor, dass im Jahr 2015 615 Millionen Menschen hungerten. Das Welternährungsprogramm (WFP) spricht nun von 950 Millionen Hungernden in diesem Jahr (2022).  Die Differenz zwischen diesen beiden Zahlen beträgt 335 Millionen.  Bei ihrem letzten Treffen in Deutschland im Jahr 2015 gaben die G7 in ihrem Kommuniqué folgende Erklärung ab:
  • „Als Teil eines breit angelegten Engagements mit unseren Partnerländern und internationalen Akteuren sowie als bedeutender Beitrag zur Post-2015-Agenda für nachhaltige Entwicklung streben wir an, 500 Millionen Menschen in Entwicklungsländern bis 2030 von Hunger und Mangelernährung zu befreien."
  • Nach Angaben des OCHA Financial Tracking Service der Vereinten Nationen fehlen 37 Milliarden US-Dollar für die Finanzierung humanitärer Hilfe. Laut dem Bericht Ceres2030: Sustainable Solutions to End Hunger, der einen Zehnjahresplan zur Beseitigung des Hungers enthält, werden in den nächsten zehn Jahren weitere 330 Milliarden US-Dollar benötigt, und die Finanzierungslücke der Geber beträgt in diesem Zeitraum 140 Milliarden US-Dollar, also 14 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Addiert man 37 Milliarden US-Dollar und 14 Milliarden US-Dollar, so ergibt sich ein Gesamtbetrag von 51 Milliarden US-Dollar pro Jahr.
  • Der Anteil der G7 an der Gesamtunterstützung beträgt rund 65 Prozent, so dass der Anteil der G7 an dieser Zahl 33 Milliarden US-Dollar beträgt.  Sie haben 4,5 Milliarden US-Dollar versprochen, so dass eine Lücke von 28,5 Milliarden US-Dollar bleibt.


 

BMZ-Terminhinweis: „Tag der Zivilgesellschaft“

28. Juni 2022 - 11:43
„Tag der Zivilgesellschaft" im Berliner BMZ mit rund 250 Afrika-Expert*innen aus entwicklungspolitischen Nichtregierungsorganisationen im Rahmen der Konsultationen für eine neue Afrika-Strategie.

 

Montag, 04.07.2022, 10:30 – 16:30 Uhr

 

Das Bundesentwicklungsministerium (BMZ) richtet seine Afrika-Politik neu aus. Zu diesem Zweck erarbeitet das Ministerium zurzeit eine neue Afrika-Strategie zusammen mit allen wichtigen Akteur*innen aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Im Rahmen der Konsultationen findet am kommenden Montag, 4. Juli 2022, ein „Zivilgesellschaftstag" im Berliner Dienstsitz des BMZ statt. Rund 250 Vertreter*innen afrikanischer und europäischer Nichtregierungsorganisationen (NROs) werden in einem breit angelegten Dialog ihre Ideen, Vorstellungen und Anforderungen an die neue Afrika-Strategie einbringen und diskutieren.

 

Auf dem Programm des Zivilgesellschaftstags stehen zentrale entwicklungspolitische Themen wie eine ökologische und sozial gerechte Transformation, soziale Sicherung in den Ländern Afrikas, feministische Entwicklungspolitik und die zunehmenden Einschränkungen von NROs in vielen afrikanischen Staaten. Das BMZ hat den als hybride Veranstaltung angelegten Dialog in enger Zusammenarbeit mit Angehörigen der Zivilgesellschaft vorbereitet, darunter auch Organisationen der afrikanischen Diaspora.


BMZ-Staatssekretär Jochen Flasbarth wird die Impulse entgegennehmen und darüber mit Maina Kiai, ehemaliger Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen zu Versammlungs- und Organisationsfreiheit, und Mathias Mogge, Vorsitzender des Verbands Entwicklungspolitik und humanitäre Hilfe (VENRO), ins Gespräch kommen.

 

Konferenzsprache ist Englisch mit Simultanübersetzung ins Französische. Presseteilnahme ist in Präsenz (BMZ, Stresemannstr. 94, 10963 Berlin) oder virtuell möglich.

 

Um Anmeldung wird gebeten unter

Registration | Civil Society Day: Consultation Event for the New BMZ Africa Strategy with State Secretary Jochen Flasbarth (events-mc.com)

 

Das Programm und weiterführende Informationen finden Sie unter

https://ddei5-0-ctp.trendmicro.com:443/wis/clicktime/v1/query?url=https%3a%2f%2flive.invitario.com%2fdata%2fuploads%2ffiles%2f14983%2fioUpdate%5fioUpdate%5f200%5fzivilgesellschaftstag%5feinladung%5fen%5fabgenommen%5fvirtual%5fparticipation%5faktualisiert%5f15062022.pdf&umid=A063065C-E27D-9705-B2EB-9667F1CBEC7B&auth=1824c2ca54f30a2ab9d2f620df0b44a2cf6ee41b-fb9ddcd8b3e0f5fd88fe0ba8e0c0f5d13083d991



Ausgebliebene Impfstoffspenden der G7 tragen zu fast 600.000 Coronatoten in einkommensschwachen Ländern bei

25. Juni 2022 - 10:00
Ausgebliebene Impfstoffspenden der G7 tragen zu fast 600.000 Coronatoten in einkommensschwachen Ländern bei Wohlhabende Staaten könnten schon jetzt das Gros der Omikron-spezifischen Impfstoffe aufgekauft haben

Berlin, 25.06.2022. Hätten die G7 die für 2022 zugesagten Impfstoffspenden bereits 2021 geliefert, könnten fast 600.000 Menschen noch am Leben sein, die an COVID-19 gestorben sind. Außerdem haben mehrere G7-Staaten ihre Zusagen nicht eingehalten. Das zeigt eine Analyse, die Oxfam und die People's Vaccine Alliance (PVA) heute im Vorfeld des G7-Gipfels in Elmau veröffentlichen.

Die Analyse beruht auf einer gestern veröffentlichten Studie des Imperial College London, die belegt, dass es 599.300 Menschen das Leben gerettet hätte, wenn 40 Prozent der Bevölkerung in allen Ländern doppelt geimpft worden wären. Hätten die G7 die versprochenen Impfstoffspenden früher geliefert, wäre dieses Ziel erreichbar gewesen. Fast alle vermeidbaren Todesfälle traten in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen auf.

Laut der PVA hat das Vereinigte Königreich seine Zusagen am deutlichsten verfehlt und nicht annähernd die versprochene Menge an Impfstoffen geliefert,  nur 39 Prozent der versprochenen 100 Millionen Dosen sind tatsächlich angekommen. Das so genannte Team Europe hat nur 56 Prozent der zugesagten Dosen geliefert. Kanada hat nur 30 Prozent der bis Ende 2022 versprochenen 50,7 Millionen Dosen geliefert, die USA nur 46 Prozent der bis Anfang 2023 zugesagten 1,2 Milliarden Dosen.

Außerdem deckt die Analyse von Oxfam und der PVA auf, dass die wohlhabenden Länder bereits damit begonnen haben, die nächste Generation von COVID-19-Impfstoffen zu horten. Daten von Airfinity zu Lieferverträgen mit Moderna und Pfizer/Biontech legen nahe, dass schon über die Hälfte (55 Prozent) der für 2022 veranschlagten Produktion von Ländern mit hohem Einkommen aufgekauft wurde. Wirtschaftlich benachteiligte Länder dagegen werden vermutlich – wie bereits vergangenes Jahr – kaum Impfstoffe abbekommen.

Mittlerweile haben die wohlhabenden Länder, angeführt von der EU und Großbritannien, den 2020 von Südafrika und Indien bei der WTO eingebrachten Antrag auf Freigabe der geistigen Eigentumsrechte für COVID-19-Technologien blockiert. Stattdessen wurde ein Alternativantrag durchgesetzt, der Medikamente, Tests und Technologien außen vorlässt und der es wirtschaftlich benachteiligten Ländern weiter unmöglich macht, eine lokale Produktion aufzubauen. Oxfam und die PVA halten es für einen systemischen Fehler, wenn einkommensschwache Länder auf Spenden angewiesen sind, um ihre Bevölkerung zu impfen. Dieses Modell führt zu Vertrauensverlust und Frustration.

Max Lawson, Leiter Soziale Ungleichheit bei Oxfam International und Co-Vorsitzender der PVA, erklärt: „Die wohlhabenden Länder haben den Globalen Süden in Sachen COVID-19-Impfstoffe vollständig hintergangen. Zuerst haben sie den kompletten Bestand aufgekauft, dann haben sie versprochen zu spenden, was sie nicht mehr brauchen, und schließlich haben sie nicht einmal diese Zusagen eingehalten."

„Jetzt sind die wohlhabenden Staaten schon wieder dabei, auch die Omikron-spezifischen Impfstoffe zu horten, während die Menschen in einkommensschwachen Ländern neuen Varianten mit den alten, weniger effektiven Impfstoffen begegnen müssen. Der einzige Weg, das zu verändern, besteht darin, die Länder zu berechtigen, ihre eigene Produktion aufzubauen und ihnen die dafür nötigen Technologien bereitzustellen."

Julia Kosgei, Gesundheitsreferentin der PVA, erklärt: „Hundertausende Menschen in Afrika wurden durch die Impfstoffe gerettet, aber es hätten noch viel mehr Todesfälle verhindert werden können. Viele Länder haben ein Jahr auf die ersten Dosen gewartet, dann alle auf einmal bekommen, oft kurz vor dem Verfallsdatum. So lässt sich keine sinnvolle Impfkampagne durchführen, zumal in Ländern mit Gesundheitssystemen, die ohnehin schon jenseits der Belastungsgrenze arbeiten."

Oxfam ist Teil der People's Vaccine Alliance, einem Bündnis von fast 100 Organisationen, das sich für die Aussetzung der Patentrechte auf COVID‑19-Impfstoffe einsetzt.

 

 

Impfstoffspenden der G7-Staaten

Die Daten der gelieferten Impfstoffspenden stammen aus einem nicht-öffentlichen Datensatz des Unternehmens Airfinity, erhoben am 9. Juni 2022. Die Quellen der Spendenzusagen finden sich unten. Es handelt sich sowohl um Zusagen, die auf dem G7 Gipfel 2021 gemacht wurden, als auch um nachfolgende Versprechen. Dabei wurden nur Spenden in Form von Impfstoffdosen miteinbezogen. 1.071.932.390 Dosen sollen laut der Zusagen noch geliefert werden.

Land

Gesamtzahl Lieferungen Impfstoffdosen bis zum 9. Juni 2022

Zugesagt insgesamt

Zugesagt bis

Zusage / Lieferung

Quelle der Zusage

Kanada

 15.441.410

 50.700.000

Ende 2022

30 %

i

Japan

 38.477.570

 60.000.000

Keine Angabe

64 %

ii

Großbritannien

 39.090.930

 100.000.000

Juni 2022

39 %

iii

USA

 550.668.340

 1.200.000.000

Vor 2023

46 %

iv

„Team Europe"*

 395.089.360

 700.000.000

Mitte 2022

56 %

v

Gesamt

 1.038.767.610

 2.110.700.000

 

49 %

 

 

 

Land

Geliefert

Zugesagt

Zugesagt bis

Zusage / Lieferung

Quelle der Zusage

Frankreich

 67.943.110

 120.000.000

Mitte 2022

57%

vi

Deutschland

 116.316.360

 175.000.000

Ende 2022

66%

vii

Italien

 56.112.160

100.700.000

Keine Angabe

56%

viii

 

*„Team Europe" ist eine Impfstoffinitiative, die alle EU-Staaten umfasst und außerdem Island, Liechtenstein und Norwegen. Einzelne EU-Staaten haben eigene Zusagen gemacht, die bei dem Ziel von 700 Millionen Dosen eingerechnet sind.

 

Vermeidbare Todesfälle

Die Studie des Imperial College London vom 23.06.2022 zeigt auf, dass 599.300 zusätzliche Todesfälle, die zwischen dem achten Dezember 2020 und dem achten Dezember 2021 auftraten, vermeidbar gewesen wären, wenn das WHO-Ziel von 40 Prozent doppelt geimpfter Bevölkerung in jedem Land erreicht worden wäre. 

 

Einkommensgruppe

Todesfälle, die durch Erreichen der 40 Prozent-Impfquote zu vermeiden gewesen wären

Hohes Einkommen

20

Oberes mittleres Einkommen

51.110

Unteres mittleres Einkommen

347.500

Niedriges Einkommen

200.000

 

Oxfam und die PVA haben anhand von Daten von Our World in Data berechnet, dass 961.963.161 Dosen notwendig sind, um das 40-Prozent-Ziel in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen bis Ende 2022 zu erreichen – vorausgesetzt der Annahme, dass zwei Dosen verimpft werden. Die G7-Staaten haben 1.071.932.390 Dosen noch nicht geliefert. Die Annahme, dass die Todesfälle vermeidbar wären, setzt voraus, dass die G7 ihre Zusagen schon 2021 erfüllt hätten – viele laufen bis 2022.

 

Omikron-spezifische Impfstoffe

Die Analyse der Impfstoffbestellungen und des geplanten Produktionsumfangs der Omikron-spezifischen mRNA-Impfstoffe für 2022 anhand von Airfinity-Daten zeigt, dass schätzungsweise 61 Prozent der von Pfizer/Biontech veranschlagten 409 Millionen Omikron-Impfstoffdosen und 36 Prozent der 113 Millionen von Moderna veranschlagten neuen Impfstoffdosen in Länder mit hohem Einkommen geliefert werden sollen. Dabei wird vorausgesetzt, dass die Verteilung der neuen Impfstoffe in denselben Verhältnissen erfolgt wie die Impfstoffverteilung seit Beginn dieses Jahres. Insgesamt hätten sich Länder mit hohem Einkommen damit 55 Prozent des in diesem Jahr voraussichtlich verfügbaren Angebots an neuen Impfstoffen bereits gesichert.

 

Die Kosten der Impfstoffmonopole

Die Studie The Great Vaccine Robbery untersucht die extrem überhöhten Preise, die von einigen Pharmakonzernen für COVID-19-Impfstoffe erhoben werden.



 

Internationale Konferenz in Berlin: Gemeinsam für globale Ernährungssicherheit

24. Juni 2022 - 13:29
Gemeinsame Pressemitteilung von Auswärtigem Amt, Entwicklungs- und Landwirtschaftsministerium

Berlin - Außenministerin Annalena Baerbock, Entwicklungsministerin Svenja Schulze und Landwirtschaftsminister Cem Özdemir laden heute zu einer internationalen Konferenz für globale Ernährungssicherheit nach Berlin ein. Über 50 Vertreterinnen und Vertreter von Regierungen, internationalen Organisationen und Zivilgesellschaft beraten dort über eine koordinierte und wirksame Antwort auf die von Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine dramatisch verschärfte globale Hungerkrise. Zu den teilnehmenden Staaten gehören die G7 und andere Geber, aber auch Länder und Organisationen weltweit. Im Fokus stehen besonders von der Ernährungskrise betroffene Regionen wie die Afrikanische Union. Die Konferenz ist Teil einer diplomatischen, entwicklungs- und agrarpolitischen Initiative Deutschlands. Kurz vor dem G7-Gipfel in Elmau hebt sie das Thema Ernährungssicherheit ganz nach oben auf die internationale Agenda.

Nach neuesten Zahlen des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen (WFP) leiden 345 Millionen Menschen in 82 Ländern akut Hunger – 200 Millionen Menschen mehr als noch vor zwei Jahren. Zusätzlich zu Klimakrise, Artensterben und Covid-19-Pandemie kommt als größter Treiber dieses rapiden Anstiegs nun der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hinzu. Die Folgen des russischen Kriegs in der Kornkammer Ukraine sind unmittelbar spürbar: Vor dem Krieg bezog das WFP die Hälfte seines Weizen aus der Ukraine. Einige nordafrikanische Staaten deckten ihren Weizenbedarf fast ausschließlich durch ukrainische Importe. Seit Kriegsbeginn sind die Häfen blockiert, zahlreiche Silos sind überfüllt und nur ein Teil des eingelagerten Weizens kann exportiert werden. Auch Teile der diesjährigen Ernte fallen aus.

Neben den ausbleibenden direkten Weizenlieferungen aus der Ukraine, die vor allem den Mittelmeerraum betreffen, treiben steigende Preise weltweit Menschen in den Hunger. Der Lebensmittelpreisindex der FAO erreichte 2022 ein neues Allzeithoch. Zu den strukturellen Problemen zählt, dass viele Länder von Importen weniger Agrargüter wie Weizen oder Mais abhängig sind.

Deutschland engagiert sich bereits stark für globale Ernährungssicherheit und die Umsetzung des Menschenrechts auf angemessene Nahrung. Die Bundesregierung ist hier seit Jahren hinter den USA der zweitgrößte Geber weltweit. Um speziell die Folgen des russischen Angriffskriegs für die globale Ernährungssicherheit zu mildern, hat Deutschland als G7-Vorsitz bereits im März 430 Millionen Euro zusätzlich zugesagt. Insgesamt wird Deutschland dieses Jahr rund 4 Milliarden Euro in humanitäre Nahrungsmittelhilfe und krisenfeste Ernährungssysteme investieren. Bei der heutigen Konferenz wird die Bundesregierung sich dafür einsetzen, dass auch andere Geber in den nächsten Wochen verbindliche Zusagen machen.

Die Konferenz versteht sich als Beitrag zur Vorbereitung des G7-Gipfels in Elmau. Sie ist Ausdruck der Solidarität mit den Menschen vor allem im globalen Süden, die in dramatischer Weise unter den Folgen des Krieges in der Ukraine leiden. Ziel ist, die diplomatische Arbeit für Getreideausfuhren aus der Ukraine zu unterstützen, humanitäre Hilfe zu stärken und einen langfristigen Ansatz zur Überwindung der Krise zu entwickeln. Es geht um einen abgestimmten, wirksamen Einsatz und eine nachhaltige Ausrichtung der Hilfen. Deutschland hat darum zusammen mit der Weltbank das Bündnis für globale Ernährungssicherheit initiiert, das alle Akteure (Stand heute: rund 100) verbindet, die an einer schnellen und zugleich nachhaltigen Antwort auf die aktuelle Krise mitarbeiten wollen.

Ein weiteres Thema der Konferenz ist die Unterstützung der Ukraine beim Export des eingelagerten Getreides. Die Getreideausfuhren sind von rund fünf Millionen Tonnen pro Monat in Friedenszeiten auf 350.000 Tonnen zu Kriegsbeginn eingebrochen. Durch einen internationalen Kraftakt ist es gelungen, im Mai 1,7 Millionen Tonnen Getreide aus der Ukraine über Alternativwege an den Weltmarkt zu bringen. Ziel muss sein, die Exportmengen weiter signifikant zu erhöhen. Um alternative Exportrouten auch dauerhaft zu etablieren, unterstützt die Bundesregierung mit 500.000 Euro ein FAO-Projekt zum Ausbau von Laborkapazitäten an der Grenze zu Rumänien in Ismajil. Durch mehr Laborkontrollen sollen Exporte über die Donau schneller abgefertigt und die Exportmenge erhöht werden.

Die Konferenz „Uniting for Global Food Security" wird über UN Web TV unter https://media.un.org/en/asset/k1v/k1vc0q6s23 übertragen.

 

 

 


G7-Gipfel: Oxfam fordert Übergewinnsteuer, um Hunger- und Klimakrise zu bekämpfen

24. Juni 2022 - 5:30

Vor G7-Gipfel

Oxfam fordert Übergewinnsteuer, um Hunger- und Klimakrise zu bekämpfen

Sondersteuer auf Extraprofite der größten Unternehmen könnte über 430 Milliarden US-Dollar mobilisieren

Berlin, 24.6.2022. Eine Übergewinnsteuer auf Extraprofite, Schuldenerlasse und mehr Unterstützung für einkommensschwache Länder gegen die Klimakrise fordert die Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam im Vorfeld des G7-Gipfels. Zudem müssen die Staats- und Regierungschefs, die sich ab Sonntag auf Schloss Elmau treffen, für einen weltweit gerechten Zugang zu COVID-19-Impfstoffen, -Medikamenten und -Tests sorgen. Oxfam hat kalkuliert, dass sich mit einer Sondersteuer auf Extraprofite allein bei den größten Unternehmen der G7-Länder über 430 Milliarden US-Dollar mobilisieren ließen. Geld, das dringend benötigt wird, um Armut zu bekämpfen und die drohende Hungerkatastrophe in Ost- und Westafrika abzuwenden.

Klimakrise, Corona-Pandemie, Konflikte und Armut sorgen dafür, dass Millionen Menschen Hunger leiden. Die weltweiten Lebensmittelpreise sind durch den Krieg in der Ukraine auf einem Rekordhoch, einige Länder stehen offiziell kurz vor einer Hungersnot. In Ostafrika stirbt aktuell alle 48 Sekunden ein Mensch an den Folgen von Unterernährung. Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie haben zudem weltweit Ungleichheit und Armut verschärft. Besonders betroffen sind Frauen sowie Menschen, die wegen ihrer Herkunft, Geschlechtsidentität oder sexuellen Orientierung diskriminiert werden.

„Hunger und Armut sind die Folge von Ungleichheit und politischer Untätigkeit. In allen Ländern sind es Menschen mit geringem Einkommen, die angesichts steigender Lebenshaltungskosten nicht mehr wissen, wie sie über die Runden kommen sollen. Für viele geht es inzwischen um Leben und Tod. Genug der warmen Worte, jetzt ist Handeln gefragt. Die G7 müssen sich auf einen Aktionsplan gegen den Hunger und Armut verständigen und dafür eine Übergewinnsteuer und Schuldenerlasse auf den Weg bringen", erklärt Tobias Hauschild, Leiter Soziale Gerechtigkeit bei Oxfam Deutschland.

Mehr Geld für Nothilfe und Schuldenerlass

Für die Entwicklungszusammenarbeit in den Bereichen Landwirtschaft, Ernährungssicherheit und Ernährung müssen die G7-Staaten ihrer bisherigen Beiträge verdoppeln und 14 Milliarden US-Dollar zusätzlich bereitstellen. Darüber hinaus müssen die G7 den globalen Nothilfeaufruf der Vereinten Nationen vollständig finanzieren, der für dieses Jahr einen Bedarf von 46 Milliarden US-Dollar ausweist, wovon aber nur weniger als 20 Prozent gedeckt sind.

Dabei ist Geld genug da: Eine einmalige Sondersteuer von 90 Prozent auf Extraprofite allein bei den größten Unternehmen der G7-Länder würde über 430 Milliarden US-Dollar einbringen. Das ist genug Geld, um die Finanzierungslücken aller humanitären Hilfsaufrufe der Vereinten Nationen zu schließen, einen 10-Jahres-Plan zur Beendigung des Hungers zu finanzieren und den ärmsten zehn Prozent der Bevölkerungen der G7-Staaten einen einmaligen Zuschuss von über 3.000 US-Dollar zu zahlen, um die steigenden Lebenshaltungskosten zu decken. Laut einer aktuellen von Oxfam beauftragten Umfrage des Instituts Kantar sind drei Viertel der Bundesbürger*innen dafür, Extraprofite von Unternehmen stärker zu besteuern. 

Zudem fordert Oxfam einen spürbaren Schuldenerlass für einkommensschwache Länder. Deren Schuldendienst wird dieses Jahr auf 43 Milliarden US-Dollar geschätzt, die bisherigen Initiativen waren unzureichend. Gläubiger müssen Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen in den kommenden zwei Jahren ihre Schuldenzahlungen erlassen. Auch müssen die G7 dazu beitragen, dass Menschen in einkommensschwachen Ländern besseren Zugang zu sozialer Sicherung erhalten, insbesondere Frauen und Menschen mit nicht-binärer Geschlechtsidentität. Leistungen sollten sich am Bedarf, nicht am Einkommen orientieren.

Mehr Klimaschutz und Freigabe des Patentschutzes

Der grassierende Hunger ist auch eine Folge der sich zuspitzenden Klimakrise. Die Emissionen steigen, doch die von den Staaten formulierten Klimaschutzziele sind unzureichend, um die Erwärmung unter der kritischen 1,5 Grad-Grenze zu halten. Trotz der Aufforderung des UN-Klimagipfels im vergangenen Jahr, die Emissionsziele zu erhöhen, haben die G7-Staaten dazu bislang keine Bereitschaft gezeigt. Zudem verfehlen die Industriestaaten weiterhin ihr Ziel, jährlich 100 Milliarden US-Dollar für Klimaschutz und Anpassung für einkommensschwache Länder bereitzustellen. Auch die Bundesregierung will derzeit die Klima-Hilfen entgegen der deutschen Zusage nicht steigern.

Vor diesem Hintergrund fordert Oxfam mehr Anstrengungen der G7 im Klimaschutz und bei der Bewältigung der Klimakrise. Die Mitgliedsstaaten müssen ihre Minderungsziele deutlich verstärken, sich zum frühen Ausstieg aus der Kohleverstromung verpflichten und ihre im vergangenen Jahr gemachten Zusagen zur Unterstützung einkommensschwacher Länder ausweiten.

Zugleich stehen die G7-Staaten in der Pflicht, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass auch Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen ihre Bevölkerungen vor COVID-19 schützen können. Hierfür ist ein deutlich besserer Zugang zu Impfstoffen, Tests und Medikamenten nötig. Dafür braucht es eine umfassende Freigabe des Patentschutzes auf diese Technologien, den Transfer von Wissen und Knowhow sowie Investitionen in die lokale Produktion. Erst 18 Prozent der Menschen in einkommensschwachen Ländern haben zumindest eine Impfstoffdosis erhalten. Das zeigt, wie krachend die G7 mit ihrem selbst gesteckten Ziel gescheitert sind, die Verteilung gerecht zu gestalten.

 

Methodologie der Berechnungen:
  • Zur Berechnung der Einnahmen aus einer Übergewinnsteuer untersuchte Oxfam die Gewinne der Unternehmen, die auf der Forbes 2000-Liste aufgeführt sind, basierend auf Umsatz, Gewinn, Vermögen und Marktwert. Für die Modellrechnung ausgewählt wurden die Unternehmen mit Sitz in den G7-Ländern, die von 2017 bis 2022 auf der Liste standen und in jedem dieser Jahre einen Gewinn erwirtschaftet haben. Der durchschnittliche Gewinn zwischen 2017 und 2020 wurde von den durchschnittlichen Gewinnen zwischen 2021 und 2022 abgezogen, um einen Gesamtgewinnüberschuss zu ermitteln. Es wurden nur die Unternehmen berücksichtigt, die ihren Gewinn um mehr als 10 Prozent gegenüber dem Durchschnitt vor der Pandemie gesteigert haben. Insgesamt sind dies 360 Unternehmen.
  • Der Gesamtgewinnüberschuss beläuft sich auf 477.226.450.000 US-Dollar, was bei einem Steuersatz von 90 Prozent zu Einnahmen in Höhe von 429.503.805.000 US-Dollar führen würde. Nach Angaben des OCHA Financial Tracking Service der Vereinten Nationen fehlen 37 Milliarden US-Dollar für die Finanzierung aktueller Nothilfe-Aufrufe der VN. Laut dem Bericht „Cers2030: Sustainable Solutions to End Hunger", der einen 10-Jahres-Plan zur Beseitigung des Hungers entwirft, besteht dafür eine Finanzierungslücke von 140 Milliarden US-Dollar über zehn Jahre. In den G7-Ländern leben nach Angaben der Vereinten Nationen 770 Millionen Menschen. Eine einmalige Zahlung von 2.253 US-Dollar an die ärmsten 10 Prozent würde 253 Milliarden US-Dollar kosten.

 

VENRO informiert! G7-Gipfel in Elmau

23. Juni 2022 - 16:32

 

Juni 2022

THEMENSCHWERPUNKT

G7-Gipfel in Elmau
 

Liebe Leser_innen,

 

am kommenden Sonntag beginnt der G7-Gipfel in Elmau. Angesichts des Kriegs gegen die Ukraine, der drohenden Ernährungskrise und des Klimawandels sind die Erwartungen an die Staats- und Regierungschefs der G7 hoch.

 

VENRO hat zusammen mit dem Forum Umwelt und Entwicklung die Civil7, ein Zusammenschluss internationaler zivilgesellschaftlicher Organisationen, koordiniert. Sie rufen die G7 dazu auf, klare Zusagen zu machen, um den Klimawandel, Armut und Ungleichheit konsequent zu bekämpfen ─ denn Fortschritt hin zu einer gerechten Welt muss mehr als ein Versprechen sein.

 

Im Interview spricht Patricia Miranda, Mitglied des Civil7-Steuerungskreises, über die Positionen der Civil7 und die Sorge, dass langfristige entwicklungspolitische Herausforderungen angesichts des Kriegs in der Ukraine in den Hintergrund geraten könnten.

 

Die Empfehlungen der Civil7 übergaben wir im Rahmen des C7-Gipfels an Bundeskanzler Olaf Scholz. Das Civil7-Communiqué und weitere Informationen finden Sie in diesem Newsletter und unter www.civil7.org.

 

Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre!

 

Herzliche Grüße

 

Heike Spielmans
Geschäftsführerin

 

Rubriken dieses Newsletters

„We call on the G7 leaders to take and implement the proposals from the Civil7"

 

Im Interview erklärt Patricia Miranda, Mitglied des Civil7-Steuerungkreises und Koordinatorin der Arbeitsgruppe „Ökonomische Gerechtigkeit", was sie vom diesjährigen G7-Gipfel erwartet und warum eine lebendige Zivilgesellschaft so wichtig für die Demokratie ist.

  Zum Interview (EN)

„Fortschritt für eine gerechte Welt" muss mehr als ein Versprechen sein!

 

Am 5. Mai 2022 hat die als Civil7 organisierte internationale Zivilgesellschaft ihre politischen Empfehlungen an Bundeskanzler Olaf Scholz übergeben.

 

Die Civil7 rufen die G7 dazu auf, Verantwortung zu übernehmen und die Frage nach globaler Gerechtigkeit in den Fokus ihrer Politik zu stellen. Sie erwarten von den Staats- und Regierungschefs, dass sie nicht im aktuellen Krisenmanagement stecken bleiben, sondern Weichenstellungen für eine Lösung der strukturellen globalen Probleme vornehmen.

 

Zu ihren Forderungen gehören unter anderem:

  • die Aussetzung von Patenten auf Covid19-Impfstoffe und Medikamente,
  • die Erhöhung der internationalen Klimafinanzierung,
  • die Einrichtung einer Civic Space Taskforce zum Schutz von zivilgesellschaftlichen Akteur_innen,
  • die Stärkung der humanitären Hilfe sowie
  • ein klares Bekenntnis zum 0,7-Prozent-Ziel und dessen Einhaltung.

Alle Forderungen der Civil7 sind im Communiqué nachzulesen.

  Zum Communiqué (PDF, EN)
  Zum Blogbeitrag

G7-Entwicklungsminister_innen müssen Geschlechtergerechtigkeit stärker ins Zentrum rücken

 

Im Vorfeld des G7-Gipfels haben VENRO und die Civil7 eine feministische Entwicklungspolitik eingefordert. Unsere Vorstandsvorsitzende Martina Schaub war zum Treffen der G7-Entwicklungsminister_innen eingeladen worden, um einen Input zu diesem Thema zu geben. In der Entwicklungszusammenarbeit werden Frauen noch zu wenig als handelnde Akteurinnen gesehen und nur unzureichend in Entscheidungsprozesse eingebunden. Daher braucht es in der Entwicklungspolitik ebenso wie in der Sicherheits- und Außenpolitik einen systematischen Fokus auf Geschlechtergerechtigkeit.

  Zur Pressemitteilung

Appell an die G7 für eine globale Energiewende

 

Anlässlich des Treffens der Energie-, Umwelt- und Klimaminister_innen der G7 haben wir die Regierungen aufgefordert, schnellstmöglich aus fossilen Energieträgern auszusteigen. Wie wichtig der Ausbau erneuerbarer Energien weltweit zur Lösung der Klimakrise ist, unterstrich Kayu Orellana, Mitglied des VENRO-Vorstandes, der im Rahmen des Treffens einen Input zum Thema geben konnte.

  Zur Pressemitteilung
 

Zivilgesellschaftliche Handlungsräume weltweit stärken

 

Zivilgesellschaftliche Organisationen kämpfen weltweit dafür, dass ihre Gesellschaften nachhaltiger, demokratischer und gerechter werden. Doch ihr Engagement ist in der Mehrzahl der Länder unter Druck, Tendenz steigend. Nicht einmal zwölf Prozent der Weltbevölkerung lebt in Staaten, in denen Menschen ungehindert ihre Meinung sagen können. In unserer Stellungnahme zeigen wir vier zentrale Handlungsfelder für die Bundesregierung und den Bundestag auf, um die im Koalitionsvertrag genannten Ziele zur Stärkung der Zivilgesellschaft bis 2025 zu erreichen.

  Zur Stellungnahme (PDF)

Bundeshaushalt 2022 – Etat für Entwicklungszusammenarbeit stagniert

 

Der Bundestag hat den Haushalt für das Jahr 2022 beschlossen. Im Laufe der Verhandlungen wurden die Ausgaben für Entwicklungszusammenarbeit erhöht und liegen nun wieder auf dem Niveau des Vorjahres. Auch die humanitäre Hilfe wurde um rund 700 Millionen Euro auf 2,7 Milliarden Euro aufgestockt. Insgesamt bleibt das Ergebnis jedoch hinter unseren Erwartungen zurück. In der mittelfristigen Finanzplanung sind zudem deutliche Kürzungen für den BMZ-Etat vorgesehen. Eine Übersicht der Ergebnisse der Haushaltsverhandlungen haben wir für Sie bereitgestellt.

  Zur Analyse (PDF)

Nur mit einem inklusiven Multilateralismus lässt sich nachhaltige Entwicklung finanzieren

 

Der Bericht des UN-Generalsekretärs „Unsere Gemeinsame Agenda" aus dem Jahr 2021 gilt als Weckruf für mehr globale Solidarität und die Stärkung der internationalen Zusammenarbeit. Die darin aufgeführten Maßnahmen sind als ein Beitrag gedacht, um die Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030 zu erreichen. Aus unserer Sicht werden diese allerdings nicht dazu beitragen, die Führungsrolle der Vereinten Nationen in der Sozial-, Finanz- und Wirtschaftspolitik zu stärken. Wir schlagen alternative Maßnahmen vor.

  Zur Stellungnahme (PDF)

Wenn Ihnen unser Newsletter gefällt, leiten Sie ihn gerne weiter!

  Zur Anmeldung
 

14.07.2022, Online-Seminar, VENRO, Online

 

Digital und Machtkritisch

 

Der Digitalisierungsschub durch Corona hat Bildungspraktiker_innen vor viele Herausforderungen gestellt, bietet aber auch neue Möglichkeiten: Insbesondere für den internationalen Austausch und den Einbezug von Perspektiven aus dem globalen Süden in die Bildungsarbeit kann Digitalisierung eine große Chance darstellen. Welche neuen Möglichkeiten und Zugänge bieten digitale Angebote? Wie können wir Digitalisierung nutzen, um verschiedene Perspektiven sichtbar zu machen und insbesondere Stimmen aus dem globalen Süden in unsere Bildungsarbeit einzubeziehen? Diesen Fragen möchten wir gemeinsam mit Ihnen auf den Grund gehen.

  Zur Veranstaltung
16.09.2022 - 17.09.2022, Seminar, Schmitz Stiftungen, Münster
 

Was ist ein gutes Auslandsprojekt? Qualifizierungsseminar zu Auslandsprojekten im Rahmen des EZ-Kleinprojektefonds

 

Das Seminar richtet sich an gemeinnützige Organisationen in Deutschland, die Kontakte in Länder des globalen Südens haben und ein Partnerschaftsprojekt planen und durchführen möchten.

Methoden und Instrumente der Projektentwicklung und -begleitung werden vorgestellt und praktisch eingeübt. Darüber hinaus geben wir in dem Seminar Hinweise zu Fördermöglichkeiten für Auslandsprojekte aus dem Titel Private Träger des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

  Zur Veranstaltung
21.09.2022 - 05.10.2022, Online-Seminar, VENRO, Online
  Grundlagen MEAL in der humanitären Hilfe
 

Monitoring, Evaluation, Accountability & Learning (MEAL) sind zentrale Bestandteile eines jeden humanitären Projekts. MEAL umfasst die Entwicklung wirkungsorientierter Indikatoren, die Überprüfung der Projektziele und Aktivitäten, die Berichterstattung an Zuwendungsgeber, Öffentlichkeit oder Menschen vor Ort sowie die Nutzung der Erkenntnisse für weitere Projekte oder organisationsübergreifendes Lernen.

Die Teilnehmenden erhalten einen Überblick über die Grundlagen von MEAL und deren Umsetzung in humanitären Projekten. Sie arbeiten während der Fortbildung an eigenen Beispielprojekten und lernen dabei konkrete Schritte kennen.

  Zur Veranstaltung
  Alle Veranstaltungen

Germanwatch sucht eine_n Referent_in für Kommunikationsdesign (w/m/d)

 

Ärzte der Welt sucht eine Assistenz im Projekt Neustart Gesundheit (m/w/d)

 

medicale mondiale sucht eine_n Referent_in Evaluation (m/w/d)

 

Aktion gegen den Hunger sucht eine_n Referent_in Kooperationen und Fundraising (m/w/d)

 

arche noVa sucht eine_n Global Security Advisor (m/w/d)

 

AGIAMONDO sucht eine_n Referent_in für Finanzmanagement (m/w/d)

 

SOS Humanity sucht eine Geschäftsführung (m/w/d)

 

Malteser International sucht eine Projektassistenz Afrika (m/w/d)

  Alle Stellenangebote
  Besuchen Sie uns auf    

sekretariat@venro.org

www.venro.org

Tel.: 030 2639299-10

 

Über Venro

Impressum

Datenschutz

 

VENRO – Verband Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe

Stresemannstraße 72

10963 Berlin

 

Redaktion: Anna Raulf, Janna Völker

Fotos: Jan Kulke

© 2022 VENRO

   

Erdbeben in Afghanistan: Aktuelle Infos zur Nothilfe

23. Juni 2022 - 16:32
UNICEF ist vor Ort im Einsatz. Hier fassen wir die aktuelle Lage für Sie zusammen. Liebe*r UNICEF-Freund*in, 

nach dem schweren Erdbeben im Osten Afghanistans geht der Einsatz im Katastrophengebiet unermüdlich weiter. UNICEF-Teams sind vor Ort und leisten Nothilfe. Hier fassen wir die aktuelle Lage für Sie zusammen.

Das Beben hatte in der Nacht zu Mittwoch die Regionen Paktika und Chost erschüttert. Wohnhäuser liegen in Trümmern, es gibt Hunderte Tote und Verletzte. Die Bergungsarbeiten dauern zur Stunde an. Wir müssen davon ausgehen, dass sich die Zahlen noch erhöhen werden.

UNICEF hat gleich am Mittwoch Gesundheits- und Ernährungsteams in die betroffenen Regionen entsandt. Die Helfer*innen unterstützen die Versorgung der Verletzten. Zugleich verteilen wir dringend benötigte Hilfsgüter. Die Kinder und ihre Familien brauchen jetzt sauberes Wasser, Hygieneartikel, Kleidung, Decken und Zelte. Viele haben mit ihrem Zuhause auch ihr Hab und Gut verloren.
Katastrophe verschärft die Not In der Erdbeben-Region verschärft sich nun die ohnehin schon bestehende Not. Im ganzen Land sind rund 13 Millionen Kinder auf humanitäre Hilfe angewiesen. Armut und Hunger sind allgegenwärtig. Gemeinsam mit Partnern leistet UNICEF in Afghanistan u.a. medizinische Hilfe, behandelt mangelernährte Kinder und versorgt Familien mit Trinkwasser.

Zusammen mit anderen UN-Organisationen und lokalen Partnern bewerten unsere Expert*innen jetzt die Lage in der Katastrophenregion, damit wir unsere Hilfe zügig ausweiten können. So können Sie helfen Wenn Sie unsere Nothilfe für Kinder und Familien im Erdbeben-Gebiet unterstützen möchten, helfen Sie bitte mit einer Spende. Jeder Beitrag ist jetzt wichtig. Ein Erste-Hilfe-Paket mit Verbandszeug und Medikamenten kostet beispielsweise 37 Euro. 

Vielen Dank! Spenden & helfen Ihr
Klas Libuda
UNICEF Deutschland Über uns |Spenden |UNICEF-Pate werden |Grußkartenshop Deutsches Komitee für UNICEF e.V. | Höninger Weg 104 | 509 69 Köln, Vereinsregisternummer: VR 50 68 | USt-Id-Nr.: DE 123 049 237 Zuständiges Gericht: Amtsgericht Köln | Vorstandsvorsitzender: Georg Graf Waldersee Geschäftsführer: Christian Schneider Spendenkonto: Bank für Sozialwirtschaft Köln
IBAN DE57 3702 0500 0000 3000 00 | BIC BFSWDE33XXX Telefon 0221-93650-0 Fax 0221-93650-279 Website www.unicef.de E-Mail mail@unicef.de
                                                           

Welternährungskonferenz: Bündnis fordert konsequentes Umsteuern

23. Juni 2022 - 16:31
FIAN Pressemitteilung vom 23. Juni 2022 Welternährungskonferenz in Berlin: Zivilgesellschaft fordert politisches Handeln gegen die globale Ernährungskrise

Anlässlich der Welternährungskonferenz „Uniting for Global Food Security" am 24.6.2022 in Berlin, zu der die Bundesministerien des Auswärtigen, für wirtschaftliche Zusammenarbeit und für Landwirtschaft und Ernährung geladen haben, fordert ein breites Bündnis* von entwicklungspolitischen, bäuerlichen, Umwelt- und Menschenrechts-Organisationen die Beendigung der Spekulation mit Nahrungsmitteln.

Nötig sei ein konsequentes Umsteuern: Das Primat des Handelns müsse die Sicherung der Ernährung sein und nicht ökonomische Interessen. Darum müssten Agrarrohstoffmärkte effektiv überwacht und reguliert werden.

„Die Welt steckte schon vor dem Krieg in der Ukraine in einer globalen Ernährungskrise. Die Antworten zur Eindämmung von Freihandel und Importabhängigkeiten als einer der strukturellen Ursachen von Hunger sind seit Jahren unzureichend", sagt Fiona Faye von afrique-europe-interact. Konkret sollten Agrarfinanzgeschäfte in Krisenzeiten ausgesetzt sowie Handelslimits eingeführt werden, um negative Auswirkungen von Spekulation zügig entgegenwirken zu können. Das Bündnis erwartet von den Konferenzvertreter*innen daher ein klares Bekenntnis zum Menschenrecht auf Nahrung sowie Unterstützung bei der Erarbeitung von Lösungen für die Ernährungskrise im Welternährungsrat der Vereinten Nationen (CFS).

Im Koalitionsvertrag der Bundesregierung wurde die Stärkung der UNO angekündigt. „Dem Sonderberichterstatter zum Recht auf Nahrung muss daher eine prominente Rolle zukommen. Maßstab für die Sicherung der Welternährung muss die Verwirklichung des Rechts auf Nahrung sein, daher müssen auch Handelsfragen beim CFS besprochen werden", sagt Roman Herre, Agrarreferent von FIAN Deutschland.  Die Einladung des UN-Sonderberichterstatters sowie des Vorsitzenden des Welternährungsrates sei ein erstes Signal in diese Richtung. Der CFS ist mit der globalen Koordinierung von Politiken zum Thema Welternährung mandatiert. „Dort müssen sich die G7-Staaten konstruktiv einbringen und ihre Partikularinteressen zugunsten globaler Lösungen unterordnen", fordert Anne Jung von medico international.

„Die aktuelle Ernährungskrise zeigt einmal mehr den Bedarf für eine rasche und konsequente Transformationen, hin zur Umsetzung der Rechte der Bäuer:innen und zur Verwirklichung von Ernährungssouveränität lokal und global", sagt Paula Gioia von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft und Europäische Koordination Via Campesina.  Politikempfehlungen des Welternährungsrates müssen effektiv umgesetzt werden. Es sei jedoch zu befürchten, dass die neue G7-Initiative „Globale Allianz für Ernährungssicherung", initiiert von der deutschen G7-Präsidentschaft und der Weltbank, den Welternährungsrat schwächen und wichtige Themen der Hungerbekämpfung ausblendeten.

„Dringend gebraucht wird eine Aussetzung der Beimischungsquoten von Agrarkraftstoffen und eine Reduktion des Anbaus und Verbrauchs von Futtermitteln" sagt Mireille Remesch von der Agrar Koordination. Die aktuelle Krise werde durch Abhängigkeiten der Importe von Energie, Grundnahrungsmitteln und Kunstdünger ausgelöst. Das Bündnis warnt davor, dass diese Abhängigkeiten durch die G7-Initiative eher verstärkt werden könnten, wenn nicht umgehend umgesteuert werde. „Stattdessen müssen Abhängigkeiten dringend reduziert werden, um nachhaltig Hunger zu bekämpfen und der Klimakrise entgegenzuwirken, etwa durch eine vielfältige, agrarökologische Produktion in den Ländern des globalen Südens", sagt Lena Bassermann vom INKOTA-Netzwerk.

Angesichts der Welternährungskrisen müssten auch Sofortmaßnahmen ergriffen werden: „Finanzielle Mittel für soziale Sicherungssysteme müssen mit Hilfe von Deutschland und internationalen Gebern gestockt werden, um armen Menschen den Kauf von Grundnahrungsmitteln auch bei starken Preisanstiegen zu ermöglichen", sagt Josephine Koch vom Forum Umwelt und Entwicklung.
* afrique-europe-interact, Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V., ADRA, AGRAR Koordination, FIAN, Forum Umwelt und Entwicklung, medico international, Weltfriedensdienst, World Vision Deutschland e.V.

Niederlande: Umfrage zur neuen Politik für Außenhandel und Entwicklungszusammenarbeit

23. Juni 2022 - 11:23
Auf dem Weg zu einer neuen niederländischen Politik für Außenhandel und Entwicklungszusammenarbeit

Anfang dieses Jahres initiierte die niederländische Ministerin für Außenhandel und Entwicklungszusammenarbeit, Liesje Schreinemacher, eine Online-Konsultation zu ihrer neuen Politik. Alle Interessierten konnten ihren Input liefern und über 230 Organisationen aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Privatwirtschaft und Politik stellten sich der Herausforderung. Nach Abschluss der Konsultation wurde The Broker beauftragt, all diese reichhaltigen Beiträge in einem zugänglichen Synthesebericht zusammenzuführen. Dieser Bericht steht jetzt auf TheBrokerOnline.eu zum Download bereit.

Kernaussagen der Beratung:

  • Der vergleichsweise stärkere Fokus auf Außenwirtschaft und Privatwirtschaft gegenüber der Entwicklungszusammenarbeit bereitet den Befragten Sorgen. Sie fordern den Minister auf, eine ausgewogene Politik zu formulieren und nach Synergien zwischen den beiden Elementen zu suchen.
  • Wissensaustausch, Co-Creation und Lernpfade, insbesondere unter globalen Akteuren aus Nord und Süd, sind unerlässlich, um sicherzustellen, dass Interventionen evidenzbasiert sind, erfolgreiche Ansätze ausgeweitet werden und Fehler nicht wiederholt werden.
  • Die Schaffung förderlicher Rahmenbedingungen – gekennzeichnet durch Rechtsstaatlichkeit, gute Regierungsführung und sozialen Zusammenhalt – wird als Voraussetzung für die Verwirklichung nachhaltiger Entwicklung insbesondere in fragilen, von Konflikten betroffenen Staaten identifiziert.
  • Die Gleichstellung der Geschlechter und SRGR werden als wichtige Querschnittsthemen hervorgehoben: Fortschritte in diesen Themenbereichen können dazu beitragen, alle SDGs zu erreichen und dringende soziale und ökologische Probleme anzugehen.
  • Der Handel gilt als vielversprechender Katalysator für inklusive und nachhaltige Entwicklung, wenn umfassende CSR- und Sorgfaltspflichtgesetze angewendet werden. Dann kann Handel (Vereinbarungen) eine „Kraft des Guten" sein.
  • Lokalisierung und „Machtverschiebung" werden als wesentlich angesehen, um systemischen Wandel und nachhaltige Wirkung zu erzielen. Die Operationalisierung dieser Konzepte hinkt jedoch hinterher und verdient große Aufmerksamkeit in der kommenden Politik.
  • Das Erreichen eines systemischen Wandels ist ein langfristiger Prozess, der folglich einen langfristigen Ansatz erfordert. Die neue Politik sollte einen integrierten Nachhaltigkeitsansatz und eine verantwortungsbewusste Ausstiegsstrategie haben, die sicherstellt, dass die Gewinne nicht so leicht untergraben werden.
  • Politikkohärenz ist der Schlüssel zur Verwirklichung einer nachhaltigen Entwicklung. Zu den Strategien zur Verwirklichung einer solchen Kohärenz gehören 1) die Anwendung von Nexus-Ansätzen; 2) die SDGs in den Mittelpunkt stellen und den SDG-Test konsequent anwenden; 3) der Rolle der Botschaften auf Länderebene bei der Stärkung der Kohärenz mehr Aufmerksamkeit schenken; 4) Umsetzung einer umfassenden Agenda für verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln.

The Broker
https://www.thebrokeronline.eu/

UNICEF-Appell vor dem G7-Gipfel: Jede Minute ein weiteres Kind schwer mangelernährt

23. Juni 2022 - 11:15
p {padding-bottom: 1em; margin-top: 0;} body {margin: 0; padding: 0; font-family: Arial, sans-serif; background-color: rgb(245,245,245);} a:link {color: black;} a:visited {color: black;} a:hover {color: black;} a:active {color: black;} ul, ol {list-style-position: outside;}

UNICEF-Appell vor dem G7-Gipfel

Jede Minute ein weiteres Kind schwer mangelernährt 

Laut UNICEF sind dringend zusätzliche finanzielle Mittel notwendig, um acht Millionen Kinder zu versorgen, deren Leben durch schwere akute Mangelernährung bedroht ist.

© UNICEF/UN0640824/Dejongh

Köln/ New York, den 23. Juni 2022// Fast acht Millionen Kinder unter fünf Jahren in 15 Krisenländern sind vom Tod durch schwere akute Mangelernährung bedroht, wenn sie nicht sofort therapeutische Nahrung und medizinische Hilfe erhalten. UNICEF warnt im Vorfeld des G7-Gipfels, dass die Zahl der gefährdeten Kinder von Minute zu Minute steigt.  

Seit Anfang des Jahres hat die sich weltweit zuspitzende Ernährungskrise dazu geführt, dass in 15 besonders gefährdeten Ländern zusätzlich 260.000 Kinder an schwerer akuter Mangelernährung leiden. Darunter sind unter anderem die Staaten am Horn von Afrika und der zentralen Sahelzone. Jede Minute kämpft damit ein weiteres Kind um sein Überleben. Bereits im vergangenen Monat hatte UNICEF davor gewarnt, dass weltweit der Anstieg schwerer Mangelernährung in den zurückliegenden Jahren zu einem unkontrollierbaren Risiko geworden ist.

„Die Voraussetzungen für die extremste Form der Mangelernährung bei Kindern sind da.  Wir erleben gerade, wie ein Pulverfass Feuer fängt", sagte UNICEF-Exekutivdirektorin Catherine Russell, die am Freitag in Berlin an der internationalen Konferenz der Bundesregierung für globale Ernährungssicherheit in Berlin teilnimmt. „Nahrungsmittelhilfe ist wichtig, aber wir können hungernde Kinder nicht mit Säcken voller Weizen retten. Wir müssen diese Kinder jetzt therapeutisch behandeln, bevor es zu spät ist."

„Es bedarf jetzt einer globalen politischen und finanziellen Kraftanstrengung, um Leben zu retten", erklärte Georg Graf Waldersee, Vorsitzender von UNICEF Deutschland. „Um zukünftig derartige Krisen zu verhindern, reicht es nicht aus, allein deren Symptome zu behandeln. Die G7 müssen zugleich vorausschauend handeln und Ernährungssysteme sowie die gesundheitliche Versorgung von Kindern weltweit nachhaltig sichern und stärken."

Steigende Lebensmittelpreise aufgrund des Kriegs in der Ukraine, anhaltende Dürreperioden aufgrund des Klimawandels in einigen Ländern, zum Teil in Verbindung mit Konflikten, und die anhaltenden wirtschaftlichen Auswirkungen von Covid-19 verschärfen die Nahrungsmittel- und Ernährungsunsicherheit bei Kindern weltweit. Sie haben ein katastrophales Ausmaß schwerer Unterernährung bei Kindern unter fünf Jahren zur Folge.

Als Reaktion darauf weitet UNICEF seine Arbeit in den 15 am stärksten betroffenen Ländern aus. Afghanistan, Burkina Faso, Tschad, die Demokratische Republik Kongo, Äthiopien, Haiti, Kenia, Madagaskar, Mali, Niger, Nigeria, Somalia, Südsudan, Sudan und Jemen sind Teil eines Notfallplans, mit dem eine drastische Zunahme der Kindersterblichkeit verhindert und die langfristigen Schäden durch schwere akute Mangelernährung vermindert werden sollen.

Wenn ein Kind im Verhältnis zu seiner Größe zu dünn ist, spricht man von schwerer akuter Mangelernährung. Dies ist die unmittelbarste, sichtbarste und lebensbedrohlichste Form der Mangelernährung. Ein geschwächtes Immunsystem führt zudem dazu, dass das Risiko, dass ein schwer akut mangelernährtes Kind stirbt, elfmal so hoch ist wie bei einem gesunden Kind.

UNICEF schätzt, dass in den 15 Ländern mindestens 40 Millionen Kinder nicht das Mindestmaß an abwechslungsreicher Nahrung erhalten, welches sie für ihr Wachstum und ihre Entwicklung in der frühen Kindheit benötigen. Darüber hinaus sind 21 Millionen Kinder von schwerer Nahrungsmittelunsicherheit betroffen, d. h. sie haben keinen Zugang zu ausreichender Nahrung, um ihren Mindestbedarf zu decken, so dass für sie ein hohes Risiko für schwere akute Mangelernährung besteht. 

Zudem ist der Preis für gebrauchsfertige therapeutische Zusatznahrung zur Behandlung von schwerer akuter Mangelernährung in den vergangenen Wochen um 16 Prozent gestiegen, da die Kosten für die Rohstoffe stark zugenommen haben. Hierdurch wird weiteren 600.000 Kindern pro Jahr der Zugang zu einer lebensrettenden Behandlung verwehrt bleiben.

Im Vorfeld des G7-Gipfels weist UNICEF darauf hin, dass ein Maßnahmen- und Finanzpaket nötig ist, das Gesundheitssysteme in den betroffenen Ländern und UN- und zivilgesellschaftliche Organisationen über etablierte Mechanismen in die Lage versetzt, jetzt schnell und wirkungsvoll zu handeln. UNICEF benötigt beispielsweise 1,2 Milliarden US-Dollar, um 

  • ein Grundpaket von Ernährungsdiensten und zur Ernährungsversorgung bereitzustellen und damit den Tod von Millionen von Kindern in den 15 am stärksten belasteten Ländern zu verhindern. Dazu gehören präventive Programme zur Unterstützung der Ernährung bei Schwangeren und Kleinkindern, Früherkennungs- und Behandlungsprogramme für Kinder mit schwerer akuter Mangelernährung sowie die Beschaffung und Verteilung von gebrauchsfertiger therapeutischer Nahrung. 
  • die Prävention und Behandlung von schwerer akuter Mangelernährung in allen globalen Plänen zur Bewältigung der Ernährungskrise vorrangig zu berücksichtigen. Die Mittel müssen sowohl präventive Ernährungsmaßnahmen als auch therapeutische Nahrungsmittel zur Deckung des unmittelbaren Bedarfs von Kindern mit schwerer akuter Mangelernährung umfassen.

„Es ist schwer zu beschreiben, was es für ein Kind bedeutet, 'stark ausgezehrt' zu sein, aber wenn man ein Kind trifft, das an dieser tödlichsten Form der Mangelernährung leidet, versteht man es – und man vergisst es nie", sagte Russell. „Wir dürfen keine Zeit verlieren. Wer darauf wartet, dass eine Hungersnot ausgerufen wird, wartet darauf, dass Kinder sterben."

Service für Redaktionen

Die Steigerungsrate der Auszehrung bei Kindern basiert auf öffentlich zugänglichen Schätzungen für Januar und Juni 2022, wie den Schätzungen der nationalen Ernährungscluster (Burkina Faso, Tschad, Mali, Niger, Nigeria und Demokratische Republik Kongo), den Analysen zur integrierten Klassifizierung akuter Mangelernährung (Kenia, Somalia, Südsudan, Jemen, Madagaskar und Haiti), den humanitären Appellen für Kinder (Äthiopien, Afghanistan) und den Übersichten über den humanitären Bedarf (Sudan). Die Gesamtzahl der Kinder, die im Januar und Juni 2022 voraussichtlich an schwerer Auszehrung leiden werden, wurde auf 7.674.098 bzw. 7.934.357 geschätzt, was einem Anstieg von 260.259 zusätzlichen Kindern entspricht.

» Aktuelle Bild- und Videomaterialien können hier heruntergeladen werden.

» Die Forderungen von UNICEF zum G7-Gipfel finden Sie hier.

» Alle aktuellen Informationen zur globalen Ernährungskrise finden Sie hier.  


Wie das Besteuern der Reichen tatsächlich allen helfen kann

23. Juni 2022 - 11:13
Pressemitteilung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK)
  • Die Besteuerung der Kapitalerträge reicher Menschen kann Ungleichheit verringern und gleichzeitig den allgemeinen Wohlstand erhalten.
  • Einnahmen aus Besteuerung müssen dabei aber in öffentliche Infrastruktur investiert werden.
  • In Zeiten vielfältiger Krisen, vom Klima bis zur Konfrontation mit Russland, mit schwankenden Energie- und Lebensmittelpreisen, kann Wohlstandsgefälle ein Risiko für gesellschaftlichen Zusammenhalt sein.

23.06.2022

Wie das Besteuern der Reichen tatsächlich allen helfen kann

Die Besteuerung der Kapitalerträge reicher Menschen kann Ungleichheit verringern und gleichzeitig den allgemeinen Wohlstand erhalten – allerdings nur unter zwei Bedingungen. Erstens müssen die Steuereinnahmen in die öffentliche Infrastruktur wie Schulen, öffentliche Verkehrsmittel oder nachhaltige Energieversorgung investiert werden. Zweitens muss es  möglich sein, Maschinen einigermaßen gut durch Arbeit zu ersetzen. Dies ist das Ergebnis einer mathematischen Modellierung eines Teams von Ökonomen, zu dem auch der US-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz gehört, und das vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung geleitet wurde.

"Es wird viel darüber geredet, große persönliche Vermögen zu besteuern, um Ungleichheit zu verringern. Viele politische Entscheiderinnen und Entscheider bleiben aber skeptisch, denn sie vermuten, dass dies der Wirtschaft schaden könnte", sagt der Hauptautor Linus Mattauch vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, dem Institute for New Economic Thinking der Universität Oxford und der Technischen Universität Berlin. "In der Tat dient in Maschinen investiertes Kapital der wirtschaftlichen Produktivität und damit dem allgemeinen Wohlstand. Außerdem könnten die Reichen die Steuerlast auf die Armen abwälzen, indem sie die Löhne senken. Daher könnte die Besteuerung von Kapital dem Wohlstand der Arbeitnehmer schaden. Wir haben daher eine Vielzahl von Annahmen getestet, aber unser theoretisches Ergebnis gilt für alle."

Einnahmen aus Besteuerung müssen in öffentliche Infrastruktur investiert werden

"Die ökonomische Theorie dahinter ist zugegebenermaßen kompliziert, aber die Ergebnisse unserer Studie sind ziemlich klar", so Mattauch. "Interessanterweise stellt sich heraus, dass die Besteuerung von Kapitalerträgen tatsächlich dem sozialen Wohlstand insgesamt dienen kann; aber nur, wenn sie richtig gemacht wird."

Am wichtigsten ist, dass die Einnahmen aus der Besteuerung von Kapital in die öffentliche Infrastruktur investiert werden müssen, was dem gesamtwirtschaftlichen Wohlstand zugute kommt. "Wenn die Einnahmen aus der Besteuerung der Reichen für bessere Bildung oder besseren Klimaschutz verwendet werden, profitiert die gesamte Wirtschaft", sagt Koautor und Nobelpreisträger Joseph Stiglitz von der Columbia University in New York. "Wenn die Regierungen die Einnahmen jedoch nicht für diese Art von Investitionen verwenden, kann die Besteuerung von Kapital der Wirtschaft auf lange Sicht sogar schaden und die Ungleichheit erhöhen."

„Keine Angst haben, sehr reiche Menschen stärker zu besteuern"

Die Höhe der Besteuerung muss an die Wirtschaft des jeweiligen Landes angepasst werden. "Ganz allgemein brauchen die Regierungen aber keine Angst haben, sehr reichen Menschen eine höhere Kapitalbesteuerung aufzuerlegen", sagt Hauptautor Mattauch. "Der Grund dafür ist, dass sich das Sparverhalten der Reichen stark von dem der Mittelschicht unterscheidet – wer viel Geld hat, spart für die Nachwelt, nicht für den eigenen Ruhestand. Das Sparverhalten der Reichen ist der eigentliche Grund für die Vermögensunterschiede."

Die Ökonomen testeten in ihren Modellen eine Reihe von realistischen Steuersätzen. "Zu hohe Steuern würden die Anreize für Kapitalinvestitionen, beispielsweise in Fabriken, zu stark verringern, wenn maschinelle Leistung nicht gut durch menschliche Arbeit ersetzt werden kann", erklärt Mattauch. "Populistische Vorschläge, privates Kapital extrem zu besteuern, würden der Wirtschaft und damit dem Gemeinwohl schaden. Es bleibt eine Gratwanderung." Die Untersuchung zeigt daher eine wichtige politische Folgerung für die Verringerung der Ungleichheit auf, die in Thomas Pikettys "Das Kapital im 21. Jahrhundert" zwar vorkommt – aber nicht belegt wird.

Menschen und Maschinen – und sozialer Zusammenhalt

Die Erkenntnisse sind nur in Gesellschaften gültig, in denen im Großen und Ganzen Menschen für Maschinen einspringen können. In entwickelten Volkswirtschaften kann eine Selbstbedienungskasse im Supermarkt einen Menschen ersetzen, oder ein Roboter im Gesundheitswesen kann eines Tages eine Pflegekraft teilweise ersetzen. Die Automatisierung ist wichtig, weil in diese Maschinen Kapital investiert wird. Wenn diese Investitionen aufgrund der Kapitalbesteuerung schrumpfen, muss die Produktivität durch Arbeit aufrechterhalten werden. Dies ist ein empirischer Unsicherheitsfaktor, zumal die künstliche Intelligenz wirtschaftlich immer wichtiger wird und nur schwer zu ersetzen ist.

"Die Kluft zwischen Arm und Reich hat sich in großen Volkswirtschaften wie den USA oder China deutlich vergrößert, zuletzt auch durch die Corona-Krise", sagt Ottmar Edenhofer, Mitautor der Studie und Direktor des Potsdam-Instituts sowie des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change. "Es sind vor allem die Reichen, die reicher werden, nicht die Armen, die ärmer werden. Doch in Zeiten vielfältiger Krisen, vom Klima bis zur Konfrontation mit Russland, mit stärker schwankenden Energie- und Lebensmittelpreisen, sind die Bindekräfte der Gesellschaft wichtig. Die Menschen müssen zusammenstehen, und in dieser Hinsicht ist das wachsende Wohlstandsgefälle ein Risiko, das es zu verringern gilt."


Link zum Artikel: https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0954349X22000753

Artikel: Linus Mattauch, David Klenert, Joseph E.Stiglitz, Ottmar Edenhofer (2022): Overcoming wealth inequality by capital taxes that finance public investment. Structural Change and Economic Dynamics. (online first) [DOI:10.1016/j.strueco.2022.05.009]




Weltflüchtlingstag - Entwicklungspolitische Bildung

21. Juni 2022 - 11:45

Mehr als 100 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht vor Krieg und Gewalt. Darauf hat kurz vorm Weltflüchtlingstag am 20. Juni das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen hingewiesen. In der Entwicklungszusammenarbeit gibt es zahlreiche Maßnahmen, um Fluchtursachen zu bekämpfen und die Lebenssituation von Geflüchteten zu verbessern. In der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit werden Flucht und Vertreibung ebenfalls thematisiert, indem Wissen vermittelt wird über globale Zusammenhänge, die zu Konflikten und Kriegen führen können.



Bonn, 21. Juni 2021. Mehr als 100 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht vor Krieg und Gewalt. Darauf hat kurz vorm Weltflüchtlingstag am 20. Juni das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen hingewiesen. In der Entwicklungszusammenarbeit gibt es zahlreiche Maßnahmen, um Fluchtursachen zu bekämpfen und die Lebenssituation von Geflüchteten zu verbessern. In der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit werden Flucht und Vertreibung ebenfalls thematisiert, indem Wissen vermittelt wird über globale Zusammenhänge, die zu Konflikten und Kriegen führen können.
Verständnis und Empathie zu wecken für Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, ist ein Ansatz der Fellbacher Friedenskonferenz, die seit mehreren Jahren von dem Verein Ndwenga e.V. ausgerichtet wird. Die Konferenz lässt Betroffene zu Wort kommen und will Impulse setzen, wie Frieden geschaffen und bewahrt werden kann. Auf der 5. Friedenskonferenz im Oktober 2021 referierten Gäste aus Gambia, Guatemala, Indien und dem Kosovo. Zugehört haben ihnen auch Gemeinderatsmitglieder und das Eröffnungsgrußwort sprach der Erste Bürgermeister der baden-württembergischen Gemeinde. Die jetzt anstehende 6. Fellbacher Friedenskonferenz findet übrigens am 22. Juni 2022 statt.
Möglich ist diese entwicklungspolitische Bildungsarbeit an der Basis durch Förderinstrumente wie das Aktionsgruppenprogramm (AGP). Es bietet eine finanzielle Förderung, die gerade kleinere Vorhaben ohne großen bürokratischen Aufwand ermöglicht.


Ndwenga e.V. wurde 1996 von drei Frauen gegründet, Vorsitzende ist aktuell Cathy Nzimbu Mpanu-Mapanu-Plato. Mit seinen Projekten will der Verein beitragen zur Umsetzung der nachhaltigen Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals, SDG). Insbesondere diese Ziele hat sich Ndwenga e.V. auf die Fahne geschrieben: Armut bekämpfen (SDG 1), Hunger beenden (SDG 2), Bildung gewährleisten (SDG 4), Ungleichheit in und zwischen Ländern verringern (SDG 10), Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen schaffen (SDG 16 ) und Partnerschaften zur Erreichung der Ziele bilden (SDG 17). Denn neben der Bildungsarbeit in Deutschland, etwa mit der Friedenskonferenz, unterstützt der Verein auch Bildungsprojekte im Kongo, die den Menschen dabei helfen sollen, ihre Lebensumstände zu verbessern.  

Mehr zu Ndwenga e.V. http://www.ndwenga-kinshasa.de

Engagement Global fördert nicht nur entwicklungspolitische Bildungsarbeit: Engagement Global unterstützt geflüchtete Menschen beispielsweise seit 2018 mit einem Projekt, entstanden aus der Inititative Kommunales Know-how für Nahost, das Syrerinnen und Syrer in deutsche Kommunalverwaltungen vermittelt. Dort können sie während einer Hospitanz Kompetenzen erwerben, die beim Wiederaufbau in Syrien von Nutzen sind.
Das Sonderprogramm Fluchtursachen bekämpfen – Flüchtlinge reintegrieren, wird von bengo bei Engagement Global umgesetzt.

Mehr zu Programmen von Engagement Global: www.engagement-global.de

Engagement Global



ENGAGEMENT GLOBAL gGmbH – Service für Entwicklungsinitiativen informiert und berät Einzelpersonen, Zivilgesellschaft, Kommunen, Schulen, Wirtschaft und Stiftungen zu entwicklungspolitischen Vorhaben und fördert diese finanziell. Wir qualifizieren bedarfsgerecht, verbinden Menschen und Institutionen miteinander, unterstützen zivilgesellschaftliches und kommunales Engagement.


Ungleichheit, Klimakrise, Hunger: Mehrheit sieht G7 in der Pflicht

21. Juni 2022 - 11:44
Umfrage ergibt klare Unterstützung für Entwicklungszusammenarbeit, mehr Klimafinanzierung und Übergewinnsteuer Berlin, 21. Juni 2022. Neun von zehn Menschen in Deutschland wünschen sich von den G7-Staaten konkrete Maßnahmen zur Eindämmung von Armut, Hunger und Ungleichheit. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage hervor, die das Meinungsforschungsinstitut Kantar im Auftrag der Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam erstellt hat. Kurz vor dem G7-Gipfel in Elmau und der Großdemonstration „Klimakrise, Artensterben, Ungleichheit gerecht geht anders!" in München gibt die Umfrage der deutschen G7-Präsidentschaft einen klaren Aufgabenzettel mit.

In der Umfrage wurde die Zustimmung zu Aussagen aus drei Themenblöcken abgefragt:

  • Beim Thema „Entwicklungszusammenarbeit und Unterstützung für einkommensschwache Länder" stimmten 84 Prozent der Befragten der Aussage zu, die G7-Staaten sollten sich zur Einhaltung ihres Versprechens bekennen, 0,7 Prozent ihres Nationaleinkommens für Entwicklungszusammenarbeit auszugeben. Die Aussage, die G7-Staaten sollten mehr dafür tun, Gesundheitssysteme in einkommensschwachen Ländern zu stärken, traf bei 85 Prozent der Befragten auf Zustimmung, die Aussage, die G7-Staaten sollten mehr für die soziale Absicherung von Menschen in einkommensschwachen Ländern tun, auf 72 Prozent. Und die Forderung nach Schuldenerleichterungen für besonders von den derzeitigen Krisen betroffene einkommensschwache Länder unterstützten mit 70 Prozent mehr als zwei Drittel der Befragten.
  • Auch steuerliche Maßnahmen gegen soziale Ungleichheit werden von einer breiten Mehrheit unterstützt: 85 Prozent der Befragten schlossen sich der Forderung an, Konzerne und sehr vermögende Einzelpersonen sollten stärker zum Allgemeinwohl beitragen. Drei Viertel der Befragten (76 Prozent) drückten Unterstützung für eine Übergewinnsteuer aus, indem sie der Aussage zustimmten, Unternehmen, die in der gegenwärtigen Krise übermäßige Gewinne machen, sollten zusätzlich besteuert werden.
  • Klare Mehrheiten gibt es auch beim Thema Bewältigung der Klimakrise: 85 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu, alle Länder sollten in dem Maße zum Klimaschutz beitragen, wie sie zur Klimakrise beigetragen haben. Die Hauptlast liegt dann bei den G7-Staaten. Dass die G7-Staaten einkommensschwache Länder bei der Bewältigung der Klimakrise stärker als bisher finanziell unterstützen sollen, fordern 72 Prozent.

Tobias Hauschild, Leiter Soziale Gerechtigkeit bei Oxfam Deutschland, kommentiert: „Die Befragten erkennen die Dimension und die Dringlichkeit der aktuellen Probleme offenbar besser als die Regierungen der G7-Staaten. Für die Staats- und Regierungschefs sollten diese Ergebnisse ein Weckruf sein. Bei dem G7-Gipfel in Elmau muss mehr herauskommen als ein Kuhhandel und faule Kompromisse auf Kosten einkommensschwacher Länder und künftiger Generationen. Es ist Zeit für echten politischen Wandel. Die Umfrage zeigt, dass die notwendigen Maßnahmen auf breite Zustimmung stoßen."



Riesiger Wärmepool im Pazifik durch Klimawandel verursacht

21. Juni 2022 - 11:43
Studie des Exzellenzclusters CLICCS

Ein langfristiger, sich weiter erwärmender Warmwasserkörper wurde jetzt von einem Team des Exzellenzclusters CLICCS der Universität Hamburg entdeckt. Er ist drei Millionen Quadratkilometer groß, auf den vom Menschen verursachten Anstieg von Treibhausgasen zurückzuführen und begünstigt extreme Hitzewellen im Nordost-Pazifik.

Dr. Armineh Barkhordarian weist im Fachjournal Nature Communications Earth and Environment jetzt nach, dass dieser Pool sich nicht durch natürliche Klimaschwankungen erklären lässt – er ist durch menschlichen Einfluss entstanden. „Dieser Wärmepool wird die Wassertemperatur auch in Zukunft ansteigen lassen und so zu häufigeren und stärkeren lokalen Hitzewellen im Ozean führen. Das bringt die Ökosysteme an ihre Grenzen", erklärt Barkhordarian, Expertin für Atmosphärische Wissenschaften. Barkhordarian ist Mitglied des Exzellenzclusters „Climate, Climatic Change, and Society" (CLICCS) der Universität Hamburg.

Das Team um Barkhordarian zeigt, dass der Pool in der Vergangenheit immer wieder lokale Hitzewellen im Ozean befördert hat. Eines dieser Phänomene ist als tödlicher „Pacific Ocean Blob" mit verheerenden Auswirkungen in den Jahren 2014 und 2015 bekannt geworden. Die Produktivität der Ozeane brach ein, giftige Algenblüten traten auf, eine hohe Zahl von Seevögeln und Meeressäugern starb. Zusätzlich beförderte das Ereignis schwere Dürren an der Westküste der USA.

Die jüngste Hitzewelle dauerte ganze drei Jahre an, von 2019 bis 2021, mit einer Wassertemperatur von sechs Grad Celsius über dem Normalwert. Das Team um Barkhordarian konnte jetzt belegen, dass dieses Extremereignis direkt auf den vom Menschen verursachten Anstieg der globalen Treibhausgase zurückgeht. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine solche Hitzewelle auch ohne den Einfluss des Menschen stattgefunden hätte, beträgt weniger als ein Prozent, mit 99-prozentiger Wahrscheinlichkeit ist ein Treibhausgasantrieb erforderlich.

Die Studie zeigt, dass die Temperatur im Nordost-Pazifik in den letzten 25 Jahren durchschnittlich um 0,05 Grad Celsius pro Jahr gestiegen ist. Die Region kühlte im Winter insgesamt weniger ab und der Sommer dauerte in Schnitt 37 Tage länger. Dies führte dazu, dass dort allein in den letzten 20 Jahren 31 marine Hitzewellen auftraten, während von 1982 bis 1999 nur neun auftraten.

„Häufigere und extremere Hitzewellen im Ozean belasten die Ökosysteme dramatisch. Das birgt nicht nur enorme Gefahren für die Biodiversität. Es kann auch dazu führen, dass in marinen Ökosystemen eine Schwelle überschritten wird, nach der eine Erholung nicht mehr möglich ist", sagt Armineh Barkhordarian. „Durch die Entdeckung des Wärmepools bekommen wir jetzt entscheidende Informationen über die Wahrscheinlichkeit solcher Ereignisse in der Zukunft."

Inwieweit ist der Mensch verantwortlich? Mit der so genannten Attributionsforschung vergleichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, wie sich die Welt mit und ohne den Einfluss des Menschen entwickelt hätte. So wurde in der vorliegenden Studie der Anteil an Hitzewellen im Meer berechnet, der auf die vom Menschen zusätzlich emittierten Treibhausgase nach 1982 zurückzuführen ist. Dadurch werden auch statistische Aussagen für die Zukunft möglich.

Originalpublikation:

Barkhordarian A, Nielsen DM, Baehr J (2022): Recent marine heatwaves in the North Pacific warming pool can be attributed to rising atmospheric levels of greenhouse gases; Nature Communications Earth and Environment, DOI: 10.1038/s43247-022-00461-2

Pressedienst der Universität Hamburg, 21. Juni 2022

PVA und Oxfam verurteilen Blockade der wohlhabenden Staaten beim WTO-Abkommen zu Impfstoffpatenten

17. Juni 2022 - 22:56
Berlin, 16.06.2022 (Oxfam). Die Welthandelsorganisation (WTO) hat heute statt des von Südafrika und Indien eingebrachten Antrags auf Aussetzung der geistigen Eigentumsrechte für Mittel gegen COVID-19 einen Alternativvorschlag verabschiedet. Die People's Vaccine Alliance und Oxfam urteilen, dass dieser weitgehend wirkungslos sein und nicht die lokale Eigenversorgung einkommensschwacher Länder stärken wird, die zur Beendung der Pandemie notwendig ist.

Oxfam ist Teil der People's Vaccine Alliance, einem Bündnis von fast 100 Organisationen, das sich für die Aussetzung der Patentrechte auf COVID‑19-Impfstoffe einsetzt.

Nachstehend die vollständige Pressemitteilung auf Englisch:

Responding to news that governments at the World Trade Organization (WTO) have agreed a deal on patents for COVID-19 vaccines in developing countries, Max Lawson, Co-Chair of the People's Vaccine Alliance and Head of Inequality Policy at Oxfam, said:

"This is absolutely not the broad intellectual property waiver the world desperately needs to ensure access to vaccines and treatments for everyone, everywhere. The EU, UK, US, and Switzerland blocked that text. This so-called compromise largely reiterates developing countries' existing rights to override patents in certain circumstances. And it tries to restrict even that limited right to countries which do not already have capacity to produce COVID-19 vaccines. Put simply, it is a technocratic fudge aimed at saving reputations, not lives."

"The conduct of rich countries at the WTO has been utterly shameful. The EU has blocked anything that resembles a meaningful intellectual property waiver. The UK and Switzerland have used negotiations to twist the knife and make any text even worse. And the US has sat silently in negotiations with red lines designed to limit the impact of any agreement."

"South Africa and India have led a twenty month fight for the rights of developing countries to manufacture and access vaccines, tests, and treatments. It is disgraceful that rich countries have prevented the WTO from delivering a meaningful agreement on vaccines and have dodged their responsibility to take action on treatments while people die without them."

"There are some worrying new obligations in this text that could actually make it harder for countries to access vaccines in a pandemic. We hope that developing countries will now take bolder action to exercise their rights to override vaccine intellectual property rules and, if necessary, circumvent them to save lives."





 

Trauriger Rekord: Mehr Menschen auf der Flucht als jemals zuvor

17. Juni 2022 - 10:51
Berlin - Heute stellt das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) den jährlichen Weltflüchtlingsberichts „Global Trends" vor. Demnach flüchten weltweit mehr Menschen vor Verfolgung, Konflikten, Gewalt und Menschenrechtsverletzungen als je zuvor. Damit hat sich die Zahl der Menschen auf der Flucht in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. Entwicklungsministerin Svenja Schulze betont aus diesem Anlass die solidarische Verpflichtung der Weltgemeinschaft, gerade jetzt Menschen auf der Flucht und ihre Aufnahmeländer vor einer Hungerkatastrophe zu bewahren

 Laut UNHCR waren bereits Ende 2021 89,3 Millionen Menschen auf der Flucht. Seitdem hat vor allem der russische Krieg gegen die Ukraine ihre Zahl nochmals signifikant erhöht auf mehr als 100 Millionen Menschen - ein erschreckender Rekord.

Mehr als die Hälfte aller Flüchtenden fliehen innerhalb des eigenen Landes und zählt damit zur Gruppe der Binnenvertriebenen. Über 70 Prozent der Menschen auf der Flucht bleiben in den Nachbarländern. Somit nehmen Entwicklungsländer 83 Prozent der Flüchtlinge weltweit auf. Bereits Ende 2021 wurden 40 Prozent der Menschen auf der Flucht von Ländern aufgenommen, die selbst von Nahrungsmittelkrisen betroffen sind.

 

Entwicklungsministerin Svenja Schulze: „Neben dem Verlust ihrer Heimat sind viele Flüchtlinge und Binnenvertriebene nun zusätzlich vom Hunger bedroht. Die durch den russischen Angriffskrieg verursachten steigenden Nahrungsmittelpreise sind eine Katastrophe für Entwicklungsländer, die von Armut, Trockenheit und Hunger betroffen sind und zudem als Aufnahmeländer für Millionen geflüchteter Menschen zu sorgen haben. Wir sind als Weltgemeinschaft gefragt, in gemeinsamer Verantwortung und Solidarität diese Länder zu unterstützen".

 

Das Entwicklungsministerium unterstützt Geflüchtete und Binnenvertriebene, sowie Aufnahmeländer und –gemeinden in Entwicklungsländern weltweit. Die Maßnahmen zur Unterstützung von Flüchtlingen und aufnehmenden Gemeinden umfassen alle Lebensbereiche: Bildung, Energie, Gesundheitsversorgung, psychosoziale Unterstützung, Wasser- und Sanitärversorgung, Beschäftigung und einkommensschaffende Maßnahmen. Dabei spielt die Sonderinitiative Flucht eine zentrale Rolle. Sie konnte zwischen 2014 und 2021 in 299 Projekten rund 17,5 Mio. Menschen erreichen.

 

Darüber hinaus unterstützt das Entwicklungsministerium Länder des Globalen Südens bei der Bewältigung der Folgen des russischen Angriffskrieges in der Ukraine. Der Angriff Russlands auf die Ukraine hat die Weltmarktpreise für Getreide um ein Drittel steigen lassen, die ohnehin hohen Preise für Düngemittel noch stärker. Besonders groß ist die Not in Ländern, die selbst kein Getreide anbauen und daher auf den Import von Weizen und Mais angewiesen sind.


Entwicklungsministerin Svenja Schulze: „Durch Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine hat sich die weltweite Ernährungslage dramatisch verschärft. Es droht die schwerste Hungersnot seit dem Zweiten Weltkrieg. Wir müssen entschlossen und gemeinsam handeln. Deshalb setze ich mich für eine starke internationale Antwort im Rahmen des Bündnisses für globale Ernährungssicherheit ein."

Beispiel Südsudan: In den ohnehin strukturschwachen Regionen Yambio, Maridi und Ibba nahe der Grenze zum Kongo leben besonders viele Binnenvertriebene und Rückkehrende. Ihre wirtschaftliche und soziale Integration ist herausfordernd, da die Ressourcen sehr knapp sind. Auch die ansässige Bevölkerung leidet unter dem Mangel an Lebensmitteln. Um die Versorgung aller dort lebenden Menschen zu verbessern, fördert das Projekt die landwirtschaftliche Produktion und lokale Wertschöpfungsketten durch Infrastrukturmaßnahmen wie den Bau von Märkten, Lagerhäusern sowie Obst- und Honigverarbeitungsanlagen. Die Unterstützung kleinbäuerlicher Nahrungsmittelproduktion und lokaler Anbaumethoden wie Baumschulen oder Regenwassersammlung ergänzen Schritt für Schritt die Selbstversorgungsmöglichkeiten der Menschen in der Region.

Beispiel Sudan: Im Sudan, einem der ärmsten Länder Afrikas, ist rund die Hälfte der Bevölkerung akut von Ernährungsunsicherheit bedroht. Unter den mehr als 3 Millionen Binnenvertriebenen, Migranten und Flüchtlingen ist dieser Anteil noch höher. Das BMZ stellt gemeinsam mit der EU und weiteren Gebern dringend benötigte Gelder für Ernährungssicherung bereit. So wurden 100 Millionen Euro aus einem Weltbank-Fonds kurzfristig für Nahrungsmittel und Sozialtransfers umgewidmet, durch die auch Binnenvertriebene, Migranten und Flüchtlinge erreicht werden. Durch die Aufstockung laufender Maßnahmen erhalten besonders betroffene Bevölkerungsgruppen zusätzliche Unterstützung: In Ostsudan etwa werden Flüchtlinge und Migranten beim Anbau von Obst und Gemüse für den eigenen Gebrauch und für den Verkauf auf lokalen Märkten unterstützt. Auch im Darfur, wo die meisten Binnenvertriebenen leben, bauen wir unser Engagement zur Unterstützung der lokalen Bevölkerung aus. 




UNICEF zum Welttag gegen Kinderarbeit: 160 Millionen Mädchen und Jungen arbeiten statt zur Schule zu gehen

11. Juni 2022 - 1:01
p {padding-bottom: 1em; margin-top: 0;} body {margin: 0; padding: 0; font-family: Arial, sans-serif; background-color: rgb(245,245,245);} a:link {color: black;} a:visited {color: black;} a:hover {color: black;} a:active {color: black;} ul, ol {list-style-position: outside;}

UNICEF zum Welttag gegen Kinderarbeit am 12.6.2022

Kinderarbeit: 160 Millionen Mädchen und Jungen arbeiten statt zur Schule zu gehen

Zusätzliche neun Millionen Kinder könnten durch die COVID-19-Pandemie in Kinderarbeit gedrängt werden

© UNICEF/UNI394756/Dejongh

Köln, den 10. Juni 2022//  Weltweit werden laut UNICEF 160 Millionen Mädchen und Jungen durch Kinderarbeit grundlegende Rechte vorenthalten und ihre Chance auf eine bessere Zukunft zerstört. Fast die Hälfte der betroffenen Kinder arbeitet unter gefährlichen Bedingungen. Bereits vor der Covid-Pandemie waren die Fortschritte beim Kampf gegen Kinderarbeit ins Stocken geraten. Durch die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie könnten nach Schätzungen von UNICEF und der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) neun Millionen weitere Mädchen und Jungen bis Ende dieses Jahres in Kinderarbeit gedrängt werden. 

„Die Zeit drängt: Das Ziel der Weltgemeinschaft, Kinderarbeit bis 2025 zu beseitigen, rückt in weite Ferne, wenn wir jetzt nicht massiv gegensteuern", erklärte der Geschäftsführer von UNICEF Deutschland, Christian Schneider, anlässlich des Welttags gegen Kinderarbeit am 12. Juni. „Regierungen müssen Kindern Schutz und Chancen geben. Unternehmen müssen Kinder- und Menschenrechte einhalten. Wir alle können durch unser Konsumverhalten dazu beitragen, die Ausbeutung von Kindern zu verhindern."

Mit den Nachhaltigen Entwicklungszielen (Ziel 8.7) hatte die Weltgemeinschaft vereinbart, Kinderarbeit bis zum Jahr 2025 zu beenden. Während die Zahl der arbeitenden Mädchen und Jungen zwischen in den Jahren 2000 bis 2016 deutlich (um 94 Millionen Kinder) gesunken war, gab es laut den letzten Schätzungen von ILO und UNICEF zwischen 2016 und 2020 erstmals wieder einen Anstieg (um 8,4 Millionen).  

Bei der fünften Globalen Konferenz zur Beseitigung von Kinderarbeit im Mai in Südafrika haben die Delegierten von Regierungen, Gewerkschaften, Arbeitgeberorganisationen, UN-Organisationen und zivilgesellschaftlichen Gruppen mit dem „Durban Call to Action" das Bekenntnis zu dem Ziel, Kinderarbeit in allen Formen zu unterbinden, erneuert und eindringlich konkrete Schritte zur Umsetzung gefordert. Dazu gehört unter anderem, ambitionierter an den zugrundeliegenden Ursachen zu arbeiten und faire Arbeit und Löhne für Erwachsene und Heranwachsende oberhalb des Mindestalters sicher zu stellen, für flächendeckende soziale Schutzsysteme zu sorgen und allen Kindern Zugang zu kostenfreier, verpflichtender und qualitativ hochwertiger Bildung zu ermöglichen. 

Ein aktueller UNICEF-Bericht, der in den nächsten Tagen veröffentlicht wird und vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gefördert wurde, unterstreicht die wichtige Rolle von Unternehmen bei der Überwindung von Kinderarbeit. Unternehmen haben durch ihr Handeln großen Einfluss – im guten wie im schlechten Sinn. Um Kinderarbeit wirksam zu bekämpfen reicht es nicht, sie in Lieferketten zu verbieten. Vielmehr müssen Unternehmen berücksichtigen, dass ihr gesamtes Handeln Auswirkungen auf Kinder und Familien hat. Zum Beispiel treiben niedrige Löhne oder die Praxis, Preise für Rohstoffe teilweise unter die Produktionskosten zu drücken, Familien in wirtschaftliche Not. Ein niedriges Familieneinkommen wiederum führt dazu, dass Kinder häufig gezwungen sind, mitzuverdienen, damit die Familie überleben kann. Gute Arbeitsbedingungen für Eltern, ausreichende Bezahlung und Gesundheits- sowie Sicherheitsmaßnahmen in den Unternehmen tragen hingegen dazu bei, die Kinderarbeit zu verringern.

UNICEF ruft deshalb Unternehmen dazu auf, Kinderrechte einschließlich der Prävention von Kinderarbeit in ihr gesamtes unternehmerisches Handeln zu integrieren – von Arbeitsverträgen und Löhnen über Einkaufsverhalten bis hin zu familienfreundlichen Strukturen. Darüber hinaus sollten Unternehmen in Programme investieren, die zum Beispiel die Schul- und Ausbildung von Kindern fördern sowie Familien und Gemeinden stärken. Nicht zuletzt können Unternehmen eine Vorbildfunktion einnehmen, indem sie sich gegen Kinderarbeit positionieren, faire Geschäftspraktiken haben und Kinderrechte in ihrem Bereich umsetzen.

Seit zehn Jahren geben die „Grundsätze zum Schutz und zur Förderung von Kinderrechten durch Unternehmen" Orientierung, wie sie Kinderrechte in ihren Sorgfaltsprozessen umsetzen können.

Service: 

» Aktuelle Bild- und Videomaterialien stehen hier zur Verfügung.

» Die Schätzungen zur weltweiten Kinderarbeit werden alle vier Jahre erstellt. Die letzten verfügbaren Schätzungen wurden im Juni 2021 von ILO und UNICEF veröffentlicht („Child Labour: 2020 Global Estimates, trends and the road forward") und beziehen sich auf den Zeitraum 2016 bis 2020. 

» Im Blogbeitrag finden Sie weitere Informationen zum Thema.

Fast 30.000 Coronatote pro Tag seit die WTO über Freigabe von Impfstoff-Patenten verhandelt

9. Juni 2022 - 3:00

Blockade des TRIPS-Waivers durch EU, GB und Schweiz kostet Leben und setzt Glaubwürdigkeit und Zukunft der WTO aufs Spiel

Berlin, 09.06.2022. 17,5 Millionen Menschen sind im Zusammenhang mit COVID-19 gestorben, seit die Welthandelsorganisation (WTO) vor 20 Monaten damit begonnen hat, über die Freigabe geistiger Eigentumsrechte auf Mittel der Pandemiebekämpfung zu verhandeln. Das zeigt eine Berechnung, die Oxfam und die People's Vaccine Alliance (PVA) zwei Tage vor dem WTO-Ministerial-Treffen veröffentlichen. Die Patentfreigabe ist unerlässlich, damit einkommensschwache Länder der Pandemie durch eigene Produktion von Impfstoffen und Medikamenten begegnen können.

Statt sich auf den ursprünglichen Antrag auf einen sogenannten TRIPS-Waiver zu fokussieren, der von Südafrika und Indien im Oktober 2020 eingereicht wurde, verhandelt die WTO derzeit einen stark eingeschränkten Alternativentwurf. Dieser bezieht sich lediglich auf Impfstoffe, lässt Tests und Medikamente außen vor und würde nur für eine stark eingeschränkte Anzahl von Ländern gelten. Außerdem umfasst er nicht alle geistigen Eigentumsrechte oder einen Technologietransfer, sondern beschränkt sich auf Patente im engsten Sinn und lässt Industriestandards, Copyrights, Firmengeheimnisse und Verschwiegenheitsverpflichtungen außen vor. Oxfam und die PVA warnen, dass dieser Entwurf für Hersteller in einkommensschwachen Ländern zusätzliche Hürden errichten und die lokale Produktion von Impfstoffen weiter verhindern würde.

Auf dem afrikanischen Kontinent ist aktuell weniger als ein Fünftel der Bevölkerung doppelt geimpft. Über ein Jahr lang waren kaum Impfstoffe verfügbar, wurden dann nur sporadisch und oft erst kurz vor dem Verfallsdatum geliefert, sodass die Empfängerstaaten kaum wirkungsvolle Impfkampagnen durchführen konnten. Trotz dieser gravierenden Probleme haben es die afrikanischen Länder geschafft, 70 Prozent der Impfstoffe zu verabreichen, die sie geliefert bekommen haben. Das ist nah am europäischen Durchschnitt (73 Prozent) und mehr als in vielen europäischen Ländern, etwa Österreich (58 Prozent), Portugal (68 Prozent) oder Zypern (69 Prozent). Dies ist umso bemerkenswerter, als afrikanische Länder über weitaus begrenztere Gesundheitsbudgets verfügen – pro Kopf sind die Gesundheitsausgaben dort durchschnittlich 33-mal niedriger als in wohlhabenden Ländern.

Oxfam und die PVA betonen, dass die Blockade des Waivers laufende Handelsabkommen ebenso wie die Glaubwürdigkeit der WTO gefährdet, insbesondere in Anbetracht der Gefahr einer globalen Rezession in Verbindung mit steigenden Ernährungs- und Energiekosten.

Anna Marriott, leitende Gesundheitsexpertin von Oxfam, erklärt:

„Fast 30.000 Menschen sind jeden Tag gestorben seit Oktober 2020, als Südafrika und Indien die Freigabe des geistigen Eigentums beantragt haben. Wenn die Welt die Freigabe sofort umgesetzt hätte, könnten viele dieser Menschen noch am Leben sein."

„Die Regierungen der wohlhabenden Länder haben sich dazu bekannt, dass Impfstoffe ein globales öffentliches Gut sein sollen. Dann haben sie 20 Monate damit verbracht, genau jenen Prozess zu sabotieren, der dieses Versprechen in die Tat umgesetzt hätte. Das ist an Heuchelei kaum zu überbieten."

„Müssen wir wirklich in dieser Weltlage weiter darüber verhandeln, ob einkommensschwache Länder ihre eigenen Impfstoffe, Tests und Medikamenten produzieren dürfen, die sie für diese und zukünftige Gesundheitskrisen brauchen?"

Julia Kosgei, Gesundheitsreferentin der PVA, erklärt:

„Warum müssen Menschen in einkommensschwachen Ländern den heutigen COVID-Varianten mit Impfstoffen von gestern begegnen? Die EU-Länder müssen endlich eine echte Freigabe von Impfpatenten zulassen, um in dieser kritischen Lage verloren gegangenes Vertrauen wieder zu gewinnen."

„Wir wollen keine Almosen, wir wollen Solidarität und unsere Menschenrechte gewahrt sehen. Wir rufen alle Regierungen auf, endlich die geistigen Eigentumsrechte für Mittel zur Pandemiebekämpfung freizugeben, für diese und für zukünftige Gesundheitskrisen!"

Oxfam ist Teil der People's Vaccine Alliance, einem Bündnis von fast 100 Organisationen, das sich für die Aussetzung der Patentrechte auf COVID‑19-Impfstoffe einsetzt.



 

Seiten