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E+Z/D+C 2022/08 – now – Jacob Opara – Kenya – rising public debt

1. Juli 2022 - 12:10
Instead of shiny infrastructure projects, Kenyans would prefer to have more financial support from the government

Kenya’s public debt is said to have risen from $ 23.96 billion in 2013 to $ 70.17 billion in 2021. Large infrastructure projects are a big contributor to this. For instance, at a cost of $ 3.6 billion, a standard gauge railway (SGR) was constructed in 2017 covering 578.8 kilometre (km) from the coastal town of Mombasa to Nairobi. Three years later, a major road project, the Nairobi Expressway, which is 27 km long, was commissioned at a cost of $ 879 million to ease traffic congestion in the city.

In the wake of rising commodity prices, financial hardship and increasing poverty, various Kenyan “Jua kalis” have voiced their concerns about the debt situation and its impact on their livelihood. “Jua kali” is a Swahili term used to refer to those who  do their trade in the informal sector.

Civil-society organisations in Kenya under the umbrella body “Okoa Uchumi”, led by The Institute of Social Accountability (TISA) Kenya, gathered a group of Jua kalis from Nairobi to discuss public debt and the impact it is having on their lives. Participants also included residents from informal settlements in Nairobi as well as people running small informal businesses.

“Two or three years ago, I would sell a whole bale of clothes in one and a half weeks. These days, it takes sometimes even three months to sell just one bale”, said Simon Mburu, a vendor of second-hand clothes in Muthurwa, a popular second-hand clothes market in Nairobi. He notes, that people just don’t buy clothes as often as they used to. “I have been forced to relocate to a cheaper apartment and have had to take my children to a county school which is still very expensive. They are often sent home for lack of school fees. Life is hard!,” he complained.

Mburu and many other Jua kalis are facing hardship in business and are putting the blame on government. They feel that more investment should be channelled in other productive sectors. “Of what importance is that shiny railway to me when I do not have the capital to support my small business? Or to feed my family? And that we are pressed by the government to pay back these loans is not fair. Part of that money should come to support small businesses!,” Mburu added.

Diana Anyango, a single mother working with a grassroots group advocating for social justice also decried the increasing cost of living. “I must ration household goods to save on the cost of living – from basic things as toilet paper to water. We do not take a shower every day because a 20 litre can of water costs 50 Kenyan shilling ($ 0.5), and so I must decide whether to buy water or buy food. It is not easy; you lose your dignity if you are struggling on whether to take a shower or buy food,” Anyango said.

Kenyans such as Mburu and Anyango wish to be supported by the government instead of having shiny infrastructure projects.

Jacob Opara is a research and development consultant in Kenya.
skombucha@gmail.com

 

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Die strategische Bedeutung von ukrainischem Getreide

30. Juni 2022 - 9:16
Weshalb Verhandlungen über Transporte über das Schwarze Meer vermutlich nicht viel bringen werden

Schon vor dem Krieg war die Ernährungssicherheit vieler Millionen Menschen prekär – und die Inflation der Lebensmittelpreise macht die Lage noch schwieriger. Dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP – World Food Programme) zufolge droht 345 Millionen Menschen in 82 Ländern akuter Hunger.

Der Krieg ist nicht der einzige Grund für Knappheit. Die Coronapandemie hatte sich bereits negativ auf Agrarproduktion und Lieferketten ausgewirkt. Die Klimaerhitzung verursacht obendrein Ernteausfälle wegen extremer Wetterlagen.

Mit Blick auf den Eigenbedarf verhängen Länder zudem Exportstopps. Das treibt auf dem Weltmarkt die Preise weiter in die Höhe – was importabhängigen Ländern große Probleme bereitet.

Getreide auf Lager

Über 20 Millionen Tonnen Getreide lagern momentan in ukrainischen Silos und fehlen auf dem Weltmarkt. In der Ukraine kann die aktuelle Ernte nicht eingefahren und nicht gelagert werden. Das wirkt sich auf die künftige Versorgung weltweit aus, zumal der russische Angriff die landwirtschaftliche Tätigkeit in der Ukraine ohnehin schwer behindert (siehe Claudia Isabel Rittel auf www.dandc.eu).

Dass Dünger, der vor allem in Russland produziert wird, international teurer geworden ist, beeinträchtigt zudem die Produk­tion in Entwicklungs- und Schwellenländern. Das gilt ähnlich für steigende Energiepreise.

Den Weltmarkt würden die 20 Millionen Tonnen Getreide aus der Ukraine jetzt entlasten, auch wenn das Gesamtproblem damit nicht gelöst wäre. Die Türkei tritt derzeit als Vermittlerin bei Verhandlungen in Istanbul auf. Es geht darum, die Blockade des Schwarzen Meers zu beenden. Beteiligt sind die Kriegsparteien sowie die UN. Erfolg wäre ein gutes Signal für internationale Zusammenarbeit.

Keine Lösung?

Leider scheint eine Einigung unwahrscheinlich. Dafür gibt es politische und praktische Gründe. Es gibt Vorschläge – wie etwa Geleitschutz durch die britische Marine oder die Durchsuchung von Handelsschiffen durch die türkische Marine. Bislang lehnen entweder Russland oder die Ukraine sie aber ab. Moskau fordert zudem, die Ukraine solle die Häfen entminen. Kiew ist aber dagegen, weil das russische Seeangriffe erleichtern würde. Aus gutem Grund misstraut die Ukraine russischen Versprechen. Sie steht völkerrechtswidrig unter russischem Beschuss.

Eine Räumung würde auch zu lange dauern, um schnell Abhilfe zu schaffen. Außerdem sind es auch nicht die an den Verhandlungen beteiligten Länder, die Getreide ausliefern, sondern Transportunternehmen. Reedereien müssen das Risiko eingehen, in das Kriegsgebiet zu fahren – und ihre Versicherungsprämien steigen. Auch das ist ein Kostenfaktor.

In gewisser Weise ist das aktuelle Problem ein Logistikproblem. Es gibt keine realistische Alternative zur Handelsroute über das Meer. Zwar ist der Landweg zum Beispiel über Polen denkbar, aber die bestehende Infrastruktur reicht nicht, um so viel Getreide mit Lastwagen und Güterzügen zu transportieren. Es gibt zudem bürokratische Hürden an den Grenzen. Ohnehin würden die Wege länger und der Transport teurer.

Zu bezweifeln ist obendrein, dass Moskau überhaupt einen Verhandlungserfolg will. Das Regime von Wladimir Putin stützt sich auf das Narrativ, europäisches Abenteuertum habe zu Verknappung und Preisanstiegen auf dem Weltmarkt geführt. Es macht in seiner Propaganda NATO und die EU für die aktuelle Notlage verantwortlich. Es unterschlägt dabei mehrere Dinge – und zwar, dass es:

  • selbst, bislang ein wichtiger Getreideexporteur, solche Lieferungen gestoppt hat,
  • ukrainische Ausfuhren verhindert und
  • vom Anstieg der Energiepreise profitiert.

Richtig ist allerdings, dass westliche Sanktionen zum Anstieg der Düngerpreise beigetragen haben.

Westliche Regierungen können nicht verhindern, dass Putin Hunger nutzt, um die Weltordnung zu destabilisieren. Sie müssen aber ihr Möglichstes tun, um die Ernährungskrise einzudämmen. Dennis J. Snower vom Kiel Institut für Weltwirtschaft lobt den G7-Gipfel in Elmau für die klare Haltung zur Ukraine, fordert zu Recht aber auch, die Regierungen der größten westlichen Führungsmächte müssten aufmerksam auf Hunger und gefährdete Ernährungssicherheit weltweit reagieren.

Jane Escher ist Volontärin in der Öffentlichkeitsarbeit von Engagement Global.
jane.escher@engagement-global.de

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Unternehmen aus dem informellen Sektor holen

29. Juni 2022 - 16:10
Weltweit unternehmen Regierungen und Geberinstitutionen viel, um die formelle Wirtschaft zu stärken, doch nicht alles davon funktioniert

Die informelle Wirtschaft hat in westlichen Industrieländern wie Deutschland keinen guten Ruf. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass sie jenseits von Steuern und sozialen Sicherungssystemen stattfindet. Viele Kritiker setzen das gleich mit einer Schattenwirtschaft, die auf illegale Weise Steuern und Sozialabgaben umgeht. Umgekehrt sehen viele informell Beschäftigte gerade Regierungsinstitutionen und staatliche Strukturen skeptisch.

In den meisten Ländern mit geringen Einkommen sind staatliche Strukturen eher jung, außerdem gehen sie oft auf autoritäre Kolonialherrschaft zurück. Sie wirken deshalb auf viele künstlich – im Gegensatz zu gewachsenen soziokulturellen Gepflogenheiten und Normen. Tatsächlich macht der informelle Sektor laut Weltbank in den aufstrebenden Märkten und Entwicklungsländern etwa ein Drittel des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus – und stellt etwa 70 Prozent der Beschäftigten, von denen sehr viele selbstständig arbeiten (Weltbank 2021).

Intuitiv leuchtet es ein, dass sich die informelle Beschäftigung antizyklisch zur formellen verhält: Schwächelt die formelle Wirtschaft, verlieren Menschen ihre Arbeit. Daraufhin wenden sie sich dem informellen Sektor zu. Im wirtschaftlichen Aufschwung wechseln hingegen viele aus dem informellen in den formellen Sektor.

Allerdings ist der Zusammenhang vielschichtiger. So kann es vorkommen, dass der informelle Sektor in einem Wirtschaftsaufschwung zusätzliche Wachstums­impulse gibt. Das ist von Land zu Land unterschiedlich und hängt beispielsweise damit zusammen, wie flexibel formal geregelte Märkte sind oder wie groß der Bedarf an informellen Arbeitskräften ist. Die mit der Covid-Pandemie verbundenen wirtschaftlichen Flauten haben laut dem Internationalen Währungsfonds (IWF) jedenfalls informelle Unternehmen und Beschäftigte besonders hart getroffen.

Ausbeutung und magerer Lohn

Viele Beschäftigte im informellen Sektor leiden unter schlechten Arbeitsbedingungen. Teils werden sie sogar ausgebeutet oder leben in sklavenähnlichen Zuständen (zum Problem der sozialen Absicherung siehe Markus Loewe auf www.dandc.eu). Die Lohnlücke zwischen formellem und informellem Sektor ist beträchtlich. Ein wichtiger Grund für den Lohnunterschied ist, dass formelle Unternehmen bis zu zweimal so produktiv sind wie informelle. Das wiederum liegt maßgeblich an einem höheren Bildungsstand, was sowohl für die Beschäftigten als auch die Führungsebene gilt.

Subsahara-Afrika ist weltweit die Region, in der die informelle Wirtschaft den höchsten Anteil an der Wirtschaftsleistung hat – etwa 34 Prozent. (IMF 2020) (zum informellen Sektor in Benin siehe Karim Okanla auf www.dandc.eu). Selbst wer einer formellen Beschäftigung nachgeht, ist oft zugleich in informelle Aktivitäten involviert – sei es direkt oder über die Familie. Auch in Lateinamerika und Südasien macht die informelle Wirtschaft einen erheblichen Teil des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus. In allen genannten Regionen ging der informelle Sektor in den vergangenen Jahrzehnten zurück.

Südlich der Sahara besteht die informelle Wirtschaft vor allem aus Kleinst-, Klein- und mittelgroßen Unternehmen (KKMU). Die meisten Beschäftigten haben keinen Arbeitsvertrag, geschweige denn eine Stellenbeschreibung. Viele werden nicht rechtzeitig oder nicht regelmäßig bezahlt. Welche Aufgaben sie haben, hängt vor allem davon ab, in welcher Beziehung sie zu den Unternehmerinnen und Unternehmern stehen. Oft sind das Verwandte.

Unternehmen oft erfolglos

Manche dieser informellen Unternehmen sind zwar erfolgreich – aber die meisten überleben nicht lange. Das statistisch zu erfassen, ist naturgemäß schwer. Überhaupt ist das Fehlen aussagekräftiger Daten und Statistiken ein Wesensmerkmal der informellen Wirtschaft. Dennoch lässt sich sagen, dass die meisten KKMU in Subsahara-Afrika keine fünf Jahre überdauern.

Vielen Regierungen in Afrika ist daran gelegen, informelle Unternehmen in den formellen Sektor zu überführen. Sie möchten beispielsweise:

  • diese Firmen effizienter unterstützen, um Wachstum und Arbeitsplätze zu schaffen,
  • von Steuereinnahmen profitieren und
  • die Produktion ökologischer und sozialer gestalten.

Dafür arbeiten die Regierungen mit Geberinstitutionen zusammen. Gemeinsam unterstützen sie die Unternehmen mit Kapitalzuschüssen, Krediten und Fortbildungsmaßnahmen. Dabei verlangen etwa die KfW Entwicklungsbank und die Europäische Investitionsbank immer häufiger von den Finanzinstitutionen, mit denen sie zusammenarbeiten, dass diese ein Managementsystem für ökologische und soziale Risiken einrichten beziehungsweise dass ein Teil der Unterstützungsmittel für die Einrichtung dieser Managementsysteme verwendet wird.

Die Fortbildungsmaßnahmen sprechen diverse Gebiete des Managements an, zum Beispiel Unternehmens- und Investi­tionsplanung, Finanz- und Personalmanagement sowie Marketing und Vertrieb. Solche Kompetenzen tragen zum Wachstum der Unternehmen bei. Wo sie dagegen fehlen, treten Firmen oft auf der Stelle.

Diese Kompetenzen sind auch gefordert, um Kredite zu erhalten. Denn anerkannte Finanzinstitutionen vergeben häufig nur dann Kredite an Unternehmen, wenn diese ihrerseits über ihre Finanzen berichten können. Die Finanzinstitutionen selbst müssen, wenn sie gegenüber einer Aufsichtsbehörde Rechenschaft ablegen, ihre Gläubiger formell angeben können.

Bessere Fortbildungen nötig

Eine Literaturauswertung zur Wirksamkeit solcher Trainings legt allerdings nahe, dass diese nicht viel bringen (McKenzie und Woodruff, 2014). Das liegt etwa daran, dass die Teilnehmenden zu unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen. De facto erschöpft sich dann das Bestreben nach mehr Formalisierung leider oft darin, ein Zertifikat zur Registrierung auszustellen. Manchen Finanzinstitutionen scheint es zudem ganz recht zu sein, wenn sie Unternehmen unter dem Vorwand der fehlenden Formalisierung Kredite verweigern können. Sie investieren oft lieber risikolos in Staatsanleihen.

Je größer die informelle Wirtschaft, desto geringer sind die Steuerquoten, also der Anteil der Steuereinnahmen am BIP. Um dagegen anzugehen, haben viele afrikanische Länder ihre Steuergesetze reformiert. Es fehlt aber an Anreizen, gerechte Besteuerung wirklich umzusetzen – unter anderem, weil es den Regierungen leichter fällt, Geberfinanzierung zu bekommen, als Steuern einzutreiben.

Bei aller Kritik spielen Geberorganisationen aber häufig auch eine positive Rolle, wenn es darum geht, Unternehmen passende Kredite zu ermöglichen. Beispielsweise schaffen sie für Finanzinstitutionen Anreize, sodass diese auch bewegliche Vermögenswerte als Sicherheiten akzeptieren. Zum anderen helfen sie Finanzinstitutionen dabei, ihr Angebot an Kreditprodukten zu erweitern. Oft handelt es sich dabei um Finanzierungsprodukte, die sich in anderen Märkten bewährt haben, um den KKMU die jeweils benötigten Kredite zur Verfügung zu stellen. Teils drängen sie allerdings auch Finanzinstitutionen zur Kreditvergabe, obwohl diese dazu nicht bereit sind, unter anderem aus den oben genannten Gründen.

Um das Verhältnis von informeller und formeller Wirtschaft positiv zu gestalten, braucht es unterm Strich eine solide makroökonomische Politik, die insbesondere Anreize für den Privatsektor schafft, um zu investieren – insbesondere in Kapitalgüter, in die Fortbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie eben in Formalisierung. Geberorganisationen sollten ihre Rolle in diesem Gefüge immer wieder aufs Neue reflektieren und gegebenenfalls anpassen.
 

Quellen

IMF, 2020: What is the informal economy?
https://www.imf.org/Publications/fandd/issues/2020/12/what-is-the-informal-economy-basics

World Bank, 2021: The long shadow of informality – challenges and policies. Edited by Ohnsorge, F., and Yu, S., Washington, DC.
https://www.worldbank.org/en/research/publication/informal-economy

McKenzie, D., Woodruff, C., 2014: What are we learning from business training and entrepreneurship evaluations around the developing world? The World Bank Research Observer, vol. 29, no. 1.

Oliver Schmidt ist Senior Project Manager und Berater in der Abteilung für Finanzsektorentwicklung bei Agriculture and Finance Consultants (AFC) mit Sitz in Bonn. AFC gehört zur GOPA-Gruppe für Projektmanagement und Beratung in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit.
oliver.schmidt@afci.de

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„Soziales Kapital darf nicht vernachlässigt werden“

28. Juni 2022 - 15:53
Der indonesische Ökonom Iwan J. Azis hält soziale Infrastruktur für wichtiger als harte Infrastruktur

Ihr neues Buch „Periphery and small ones matter“ handelt davon, wie die Ungleichheit in Indonesien zu überwinden ist. Was ist falsch an herkömmlicher Entwicklungsökonomie?
Wenn Weltbank, Internationaler Währungsfonds und andere sich mit Ungleichheit befassen, schauen sie insbesondere auf Einkommensungleichheit – aber sie beachten zu wenig die Gründe dafür. Damit übersehen sie zwei wichtige Arten von Ungleichheit: Erstens variieren Durchschnittseinkommen in verschiedenen Regionen enorm. Und zweitens unterscheiden sich die Einkommen in großen und kleinen Unternehmen wesentlich voneinander. Teils verstärken sich diese beiden Phänomene gegenseitig, denn große Unternehmen sitzen tendenziell in wohlhabenderen oder ressourcenreichen Regionen. Das bedeutet, die Ungleichheit wird weiter zunehmen, wenn die Politik nicht eingreift. Tatsächlich ist dieser Dualismus in Indonesien immer noch tief verwurzelt.

In der Entwicklungssoziologie bedeutet Dualismus, dass in einer Gesellschaft zwei unterschiedliche Normen nebeneinander bestehen: zum einen das formal kodifizierte Recht, zum anderen kulturell und religiös geprägte Traditionen. Typischerweise tendieren ärmere und weniger gebildete Menschen zu Letzterem, weil sie von gesetzlichen Normen oft nur vage Vorstellungen haben. Die Eliten hingegen können mit beiden Normen etwas anfangen. Nutzen Sie den Begriff Dualismus in diesem Sinne?
Ja. Genau das meinte Julius Herman Boeke, als er den Begriff prägte. Er war ein holländischer Gelehrter, der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Indonesien bei der Kolonialregierung angestellt war. Seine Idee von Dualismus half zu erklären, weshalb viele Politikansätze und Programme, die die Kolonialmacht einführen wollte, nicht funktionierten. Die Niederländer versuchten, vermeintlich moderne Werte zu etablieren, die offensichtlich ihren imperialistischen Interessen dienten – und die kolonialisierten Menschen hielten an ihren traditionellen Normen fest. Indonesien wurde 1949 unabhängig, aber der Einfluss dieses sozialen Dualismus ist noch immer spürbar. Die erwähnte Ungleichheit zwischen den Regionen sowie zwischen den verschiedenen Arten von Unternehmen geht auf die Kolonialzeit zurück. Heutzutage sind 95 Prozent der Unternehmen klein. Dennoch erzeugen die wenigen großen Unternehmen die größte Wertschöpfung.

Sind kleine Unternehmen gleichzusetzen mit informellen Unternehmen?
Das nicht, aber es gibt große Überschneidungen. Die meisten informellen Unternehmen sind klein, mit wenigen Ausnahmen. Umgekehrt existieren auch formelle Unternehmen mit nur wenigen Mitarbeitenden, etwa kleine Kanzleien oder IT-Start-ups.

Was können Politiker tun, um die wachsende Ungleichheit zu stoppen?
Sie sollten Verschiedenes berücksichtigen. Zum einen wäre da die Ökonomie der Agglomeration. Unternehmen profitieren davon, in der Nähe anderer Unternehmen ansässig zu sein. Auch soziales Kapital und Kultur spielen eine große Rolle in der Förderung kleiner und informeller Unternehmen.

Lassen Sie uns zunächst die Agglomeration betrachten. Sie ist ein wichtiger Grund dafür, dass sich in reichen Ländern spezielle Industrien auf bestimmte Städte konzentrieren. In Deutschland etwa ist Frankfurt das Finanzzentrum und Stuttgart ein wichtiger Automobil-Standort. Solche Cluster steigern die Produktivität einzelner Unternehmen, weil räumliche Nähe das Netzwerken erleichtert, der Pool an qualifizierten Arbeitskräften größer ist und die lokale Infrastruktur ihre Bedürfnisse erfüllt. Ist es das, woran Sie denken?
Im Grunde ja, aber auf eine noch grundlegendere Weise. Stellen Sie sich zehn kleine Unternehmen vor, die auf sich selbst gestellt sind, und vergleichen Sie diese mit zehn Unternehmen, die sich zusammengetan haben – die zweite Gruppe wird produktiver sein. Sie werden Informationen austauschen, gemeinsame Beschaffungen vornehmen und die Infrastruktur verbessern, von der sie abhängen.

Das klingt wie das Otigba Computer Vil­lage in Lagos, Nigeria (siehe Johannes Paha und Lydia Wolter auf www.dandc.eu). Das ist ein Cluster von informellen Unternehmen, die sich auf IT-Hardware und Software spezialisieren. Einer der großen Vorteile ist, dass geschultes Personal schnell den Arbeitgeber wechseln kann und dass Hardware- und Software-Unternehmen im Kundenservice kooperieren können.
Ich kenne dieses Beispiel nicht, aber ja, die Kraft der Agglomeration wirkt immer, und informelle Unternehmen können sehr davon profitieren. Ist der Markt sich selbst überlassen, erzeugen seine Dynamiken jedoch mehr Ungleichheit. Großunternehmen können sich auf bestimmte Cluster konzentrieren und die damit verbundenen Vorteile genießen, während viele Kleinunternehmen isoliert arbeiten. Das verstärkt die Ungleichheit – sowohl zwischen den Regionen als auch zwischen kleinen und großen Unternehmen. Daher sollten Regierungen ihr Bestes tun, um die positiven Auswirkungen der Agglomeration für kleine Unternehmen zu fördern und zugleich die schädlichen Folgen der regionalen Ungleichheiten abzufedern.

Konkret sollten Regierungen also für gute physische und soziale Infrastruktur sorgen?
Nun, unsere Forschung zeigt, dass gute soziale Infrastruktur tatsächlich deutlich wichtiger ist. Kleinunternehmen fehlt es insbesondere an Netzwerken, Wissen und Information. Machen wir ein kleines Gedankenexperiment: Firma A ist groß und urban; Firma B klein und ländlich. Ansonsten bewegen sich beide im gleichen Umfeld. Hat Firma A ein Problem, sucht ihr Management nach einer Lösung. Es könnte einen Berater anheuern, die Regierung beeinflussen oder es mit Bestechung versuchen. Firma B dagegen bleibt sich selbst überlassen und wird weiter mit dem Problem zu kämpfen haben. Soziales Kapital ist wirklich entscheidend. Es speist sich sowohl aus fachlicher Kompetenz als auch aus persönlichen Kontakten. So oder so ist Bildung der zentrale Faktor.

Aber ist harte Infrastruktur im Sinne von Straßen, Stromversorgung und Ähnlichem nicht genauso wichtig?
Sie ist wichtig, wird aber oft überschätzt. Soziale Infrastruktur dagegen wird oft vernachlässigt. Regierungen in aller Welt haben immer wieder versucht, regionale Ungleichheiten zu reduzieren, indem sie die Infrastruktur in benachteiligten Gegenden ausbauen. Es hat sich aber gezeigt, dass die Unterschiede so nicht überwunden werden. Das auffälligste Beispiel ist wohl Italien, wo der Süden dank starker Investitionen in Infrastruktur mit dem Norden aufholen sollte, tatsächlich aber immer weiter zurückfiel. Ähnliches gilt für Deutschland, wo die östlichen Bundesländer seit der Wiedervereinigung noch nicht zu den westlichen aufgeschlossen haben.

Wie erklären Sie sich die wachsende Ungleichheit?
Zusätzliche harte Infrastruktur hilft einer betroffenen Region bis zu einem gewissen Maße. Aber sobald sie prosperiert, bezieht sie immer mehr Waren und Dienstleistungen aus weiter entwickelten Regionen, sodass diese letztlich noch mehr profitieren. Die Unterschiede werden größer. Den Menschen in benachteiligten Regionen fehlt es immer noch an Fachwissen und Netzwerken, um kleine Unternehmen produktiver und wettbewerbsfähiger zu machen. Soziales Kapital, das ist die Lehre, darf nicht vernachlässigt werden. Die Erfahrung zeigt zudem, dass bessere Bildung und Gesundheitsversorgung die Produktivität eines ganzen Landes steigern, ohne regionale Ungleichheiten zu vertiefen.

Und wie sieht es mit Finanzdienstleistungen aus (siehe Oliver Schmidt auf www.dandc.eu)?
Wir haben Kleinunternehmen in Indonesien befragt. Unter anderem wollten wir wissen, ob sie Zugang zu Bankkrediten hätten. Es zeigte sich, dass viele der sehr kleinen Unternehmen keine Kredite wollten: Sie hatten Angst, das Geld nicht mehr zurückzahlen zu können. Ein solches kulturelles Hindernis bleibt auch dort bestehen, wo es eine Bankfiliale gibt. Diese Geschäftsleute liehen sich eher Geld von Verwandten und Bekannten vor Ort. Das zeigt: Kulturelle Normen spielen eine große Rolle. Bildung und Informationsangebote können hier zur Veränderung beitragen.

Spielen digitale Technologien eine Rolle?
Das Internet kann schon helfen, regionale Klüfte zu überbrücken. Ein guter Internetzugang kann ein großer Gleichmacher sein.

Zugang zum Internet hängt aber von harter Infrastruktur ab, nicht von Bildung.
Wenn kleine Unternehmen von älteren Menschen geführt werden, die über wenig Online-Kenntnisse und Bildung verfügen, tun sie sich schwer, das Internet zu nutzen. Internetkompetenz ist deshalb oft wichtiger als die Qualität des Zugangs. Erstere breitet sich gerade dort schnell aus, wo es viele Unternehmen gibt und einige Menschen über ein Grundverständnis verfügen. Gut informierte Geschäftsleute werden deshalb das Internet auch dort zu nutzen wissen, wo die Internetverbindung schlecht ist.

Literatur
Azis, I., J., 2022: Periphery and small ones matter – Interplay of policy and social capital. SpringerLink (Open Access).
https://link.springer.com/book/10.1007/978-981-16-6831-9

Iwan J. Azis ist Professor für Emerging Markets an der Dyson School of Applied Economics and Management an der Cornell University in Ithaca, New York, und Visiting Professor an der University of Indonesia in Jakarta.
http://iwanazis.com/

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Allzu „schlanke“ Staaten sind ein Albtraum

28. Juni 2022 - 15:11
Weil Im informellen Sektor der Staat keine Rolle spielt, wird allen außer engvertrauten Menschen misstraut

Informelle Betriebe sind weder angemeldet noch Regulierungen unterworfen. Rechtssicherheit, was die Einhaltung von Verträgen angeht, gibt es nicht. Folglich werden wichtige Geschäftsbeziehungen gern auf eng vertraute Personen begrenzt. Informelle Arbeitgeber beschäftigen Angehörige und leihen sich Geld von Verwandten. Sie suchen weder die fähigsten Kräfte noch optimierte Finanzierungen. Investitionen fallen schwer, also bleiben die Unternehmen klein, arbeitsintensiv und wenig produktiv. Entsprechend mager sind Gewinne und Löhne.

Gesetze bieten keinen Schutz, weil sie entweder nicht oder nur selten angewendet werden. Arbeitsschutz, Umweltschutz, Urlaub? Fehlanzeige. Teils gelten lokale Traditionen und gemeinschaftliche Normen. Städte sind heute aber multikulturell – und zwar besonders in Entwicklungsländern. Die Menschen sprechen unterschiedliche Sprachen, folgen unterschiedlichen Religionen und gehören unterschiedlichen Stämmen oder Kasten an. Solidarität herrscht oft innerhalb solcher Gruppen, anderen gegenüber wird aber kaum Verpflichtung empfunden. Meist zahlen informelle Betriebe Schutzgelder an mafiaähnliche Organisationen.

Im ländlichen Raum sind die Dinge etwas anders, aber wo Behörden wenig Einfluss nehmen, dominieren häufig traditionelle Eliten. Die Lebensweise von Familien mit kleinen landwirtschaftlichen Höfen ist häufig auch informell. Andererseits gibt es selbst in Ländern mit hohen Einkommen Nischen informeller Tätigkeit. Migrantinnen ohne oder mit dubiosem Rechtsstatus putzen viele europäische Städte.

Ausgeprägter Dualismus

Wo der informelle Sektor groß ist, herrscht ausgeprägter Dualismus. Dieser Begriff beschreibt Verhältnisse, in denen traditionelles und formelles Recht nebeneinander bestehen und selektiv gelten. Von Rechtsstaat kann dann nicht sinnvoll die Rede sein, denn die Gesetzgebung passt auf wichtige Aspekte des gesellschaftlichen Lebens nicht.

Informelle Stadtviertel wachsen beispielsweise ungeplant und ohne Rücksicht auf Gesetze. Hunderte Millionen von Menschen leben in ihnen. Manchmal räumen Behörden solche Slums mit dem Hinweis, sie seien illegal. In solchen Situationen verletzt formales Recht grundlegende Menschenrechte. Der Staat ist dann immer noch das repressive Instrument der Kolonialzeit.

Vielfach zählt nur, was gezählt wird. Der informelle Sektor generiert aber kaum Daten. Ungenügendes Verständnis der Lebenswirklichkeit großer Bevölkerungsgruppen erschwert kluge Politikgestaltung erheblich.

Wo Dualismus ausgeprägt ist, ist der Staat schwach. Sein Repressionsapparat mag stark erscheinen, aber er kann wesentliche moderne Funktionen nicht erfüllen. Ausreichende, wirksame und faire Steuererhebung ist nicht möglich, und folglich fehlt es an Geld für solide Infrastruktur, gute Schulen und zuverlässige Gesundheitsversorgung. Eine moderne, funktional differenzierte Gesellschaft braucht dagegen einen kompetenten Staat, der Chancen schafft und auf Nöte reagiert (siehe meinen Beitrag auf www.dandc.eu). Fortschritt wird möglich, wenn das, wovon Menschen abhängen, rechtlich anerkannt wird und auf dieser Basis Reformen vorgenommen werden, um die Lebensverhältnisse zu verbessern.

Hans Dembowski ist Chefredakteur von E+Z Entwicklung und Zusammenarbeit /D+C Development and Cooperation.
euz.editor@dandc.eu

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DIE heißt jetzt IDOS

24. Juni 2022 - 14:13
IDOS (German Institute of Development and Sustainability ist der neue Name des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik (DIE)

Mit diesem Schritt verleiht die international hoch anerkannte Forschungseinrichtung ihrer gewachsenen Internationalisierung und der stärkeren Ausrichtung auf Nachhaltigkeit Ausdruck.

Das Akronym IDOS – gesprochen eîdos – ist ein Begriff der politischen Philosophie: Er steht bei Platon für „Idee“ und bei Aristoteles für „Form“. Das Akronym entspricht dem Anspruch, Politik, Praxis und Wirklichkeit mit empiriebasierter und theoriegeleiteter Wissenschaft aktiv mitzugestalten. 

Das Institut verzichtet künftig auf einen deutschen Namen und ein deutsches Akronym. Es wurde 1964 gegründet und gehört zu 75 Prozent dem Bund und zu 25 Prozent dem Land Nordrhein-Westfalen. Der Sitz von IDOS ist in Bonn.

Svenja Schulze, Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), äußerte sich so zur Rolle des IDOS: „Gute Entwicklungszusammenarbeit braucht eine wissenschaftliche Grundlage und Begleitung. Dafür steht das German Institute of Development and Sustainability bereits seit vielen Jahren. Gerade in der aktuellen Situation brauchen wir die Expertise des Instituts, um langfristige Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit zu finden.“

Isabel Pfeiffer-Poensgen, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, sagte anlässlich der Umbenennung: „Das IDOS zählt zu den weltweit führenden Forschungseinrichtungen, die Themen der globalen Entwicklungs- und Nachhaltigkeitspolitik untersuchen.“

IDOS-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler arbeiten an Antworten auf zentrale Zukunftsfragen. Dabei geht es unter anderem um Dinge wie:

  • die klimastabilisierende Umgestaltung der Wirtschafts- und Sozialsysteme,
  • globale Governance-Systeme für Klima, Biodiversität, Wasserressourcen und Meere,
  • Institutionenlandschaften und Instrumente externer Politikgestaltung auf deutscher, europäischer und internationaler Ebene und
  • transregionale Kooperationsformate für nachhaltige, friedensichernde und in demokratischen Werten verankerte Zukunftsgestaltung.   IDOS/E+Z      

Ein aktuelles Interview mit IDOS-Direktorin Anna-Katharina Hornidge über Global Governance in Kriegszeiten steht auf www.dandc.eu.

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E+Z/D+C 2022/07 – sw – Sundus Saleemi – time poverty

24. Juni 2022 - 12:05
Why men are closer to achieving a good work-life balance than women

People strive to satisfy various physical and psychological needs. Food, shelter and clothing are fundamental requirements, and so are rest, leisure and participation in social life. Entertainment and hobbies are important too. A good life requires an adequate balance between time spent in work and non-work activities.

Today, the eight-hour workday is considered to be normal for formally employed people, not only, but especially in high-income countries. Typically, they earn enough money to make ends meet. Things look different for those working in irregular employment or the informal sector. If working eight hours for five days per week does not suffice to fulfil their basic physical needs, they will have to work more and suffer what is called “time poverty”.

Time poverty in this sense must not be confused with opting to work hard to advance in a promising career. Achieving a position of leadership or substantial wealth may be desirable, but it is, by definition, not a basic need. Quite obviously, there can be enough food for everyone, but not everyone can be a team leader.

Time poverty is closely related to income poverty. Informal businesses, smallholder farms and subsistence agriculture are marked by both. Given that productivity is low, incomes tend to be very low too. Vacations and holidays are exceptions, not the norm. Labour legislation does not apply – or is not enforced.

It matters, of course, that many children do considerable work on family farms and family businesses. They too suffer time poverty – often with harsh impacts on their school careers. For reasons that will be spelled out below, girls are affected in particular. Education, however, is crucial for building skills and self-confidence. Graduating from school is thus indispensable for female empowerment (see my essay on www.dandc.eu).

Women’s plight

Like income poverty, time poverty is indeed gendered. Women are much more likely than men to experience it. An important reason is that traditional gender roles assign a disproportionate burden of domestic work to women. As work in the informal sector, it is not formally regulated and it is considered to be a personal affair of little public relevance.

Common terms for this work are “reproductive labour”, “home production” or “unpaid care and domestic work” (UCDW). The activities include:

  • procuring and preparing food,
  • taking care of children as well as elderly and ill relatives,
  • cleaning the home and washing clothes and
  • in poor households of developing countries and emerging markets, fetching water and firewood.

Recent research (Charmes, 2019) showed that, around the world, over two-thirds of the unpaid care work is done by women. In many countries, especially in the global south, the share is considerably higher. The same study indicated that the more the hours a woman spends doing unpaid care work, the less time she has for earning money.

Poor infrastructure makes matters worse, for instance when a household is not connected to water pipes. The farther a woman must go to fetch water, the more time constrained she becomes. If her home lacks electric power and she cannot rely on gas cannisters either, she will need additional time to collect fuelwood. To live in an informal settlement, therefore, means more time poverty, especially for women.

There are important economic and development implications. Having to spend long hours on low-productivity tasks reduces a person’s overall productivity. If it takes a woman an hour to fetch water, for example, she has an hour less for engaging in income generating work. Both in rural areas and unplanned urban settlements, that work will most likely be in a labour-intensive informal business with low remuneration.

To some degree, growing prosperity allows households to purchase vacuum cleaners, washing machines, dish washers and other labour-reducing machines. Technologies of this kind have helped women in the prosperous nations to participate in paid formal work.

However, there are rebound effects too. The availability of helpful tools has raised expectations. For example, people change into clean clothes more often than they did before the advent of the washing machine. Rebound effects, of course, mean more household work.

Exploited maids

In developing countries, by contrast, prosperous households tend to rely more on paid domestic helpers than household machinery. The women concerned typically do not have formal employment contracts, but they are expected to work very long hours. It is not uncommon for them to be expected to prepare breakfast in the morning and not leave before they have cleaned the dinner dishes. Some underage girls do this kind of time-consuming work too.

The incomes of domestic servants are low and they have very little personal autonomy. They are typically uneducated, and some have migrated from rural areas to urban ones, or even gone abroad (see, for example, Mona Naggar on www.dandc.eu). Many of the women concerned are not in touch with their families and lack any kind of protection. Sexual abuse happens all too often. During the Covid-19 pandemic, however, many suddenly lost their jobs and fell into desperate financial poverty.

To a certain degree, this kind of informal work is actually quite common in high-income countries. In Germany for example, even middle-class households often hire undocumented immigrants from Eastern Europe, for example, to do the cleaning. The women concerned normally do not have a written contract, do not get paid vacations as most employees do and do not benefit from Germany’s various social-protection schemes. Many of them live in constant fear of being found out, so they do not dare to go to the police even when people cheat or otherwise abuse them.

Health, education, skills, nutrition

Time poverty is not only a matter of inadequate rest and relaxation. It affects families’ lives. Time-constrained women in developing countries often depend on the support of their children, especially the daughters, to fulfil their household chores. Adolescent girls are then expected to look after younger siblings. Masses of them drop out of school before graduating.

Boys and girls may similarly be tasked with the collection of water and fuelwood. That too affects the time they have for attending school and doing schoolwork.

In a more fundamental sense, children’s welfare and development depend on the attention they get from their parents. Due to traditional gender roles, mothers are expected to rise to these responsibilities. Women experiencing time poverty may be unable to prepare healthy, nutritious and diverse diets for their children. Financial poverty, of course, exacerbates the problem. Obviously, hygiene and especially the sanitation situation matter too. If women are unable to maintain an adequate standard, children may suffer from repeated incidences of diarrhoea, worms or other diseases that affect their nutrition and physical and cognitive development.

No data, no problem?

There is a dearth of robust empirical research quantifying the potential impacts of women’s time constraints on their children’s prospects. There are many reasons behind the scarcity of empirical evidence. A core problem is that unregulated and unregistered activities in general remain undocumented almost by definition. Even prosperous nations with highly-developed statistical systems have no trustworthy data on how many illegal immigrants do how much domestic work for what meagre pay in private households.

It is a fallacy to believe that there is no serious problem simply because the problem does not show up in statistics. There is a case for doing more research as well as for investing in technologies and services that reduce women’s time burdens in developing countries and emerging markets. Prudent regulation and law enforcement would help too – not least in terms of changing deeply entrenched attitudes regarding gender roles.

Reference
Charmes, J., 2019: The unpaid care work and the labour market. ILO, Geneva.

Sundus Saleemi is a senior researcher at the Center for Development Research (ZEF) of Bonn University.
sundus.saleemi@gmail.com

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E+Z/D+C 2022/07 – ma – Anna-Katharina Hornidge – global governance

23. Juni 2022 - 14:40
In global arena, irrational aspirations are pitted against reasoned deliberation

Humanity is facing global challenges that nation states on their own cannot rise to. Three examples are the climate crisis, disease control and ensuring a peaceful rule-based order. Has the concept of national sovereignty therefore become obsolete?
No, it has not. Russia’s brutal attack on Ukraine shows that we need a joint understanding of sacrosanct borders. Peace is a precondition for achieving each and every one of the Sustainable Development Goals (SDGs). They spell out a vision of the global common good that was adopted unanimously by all UN members.

However, the multilateral order is too weak to guarantee peace. When the aggressor is a permanent member of the UN Security Council (UNSC) and wields veto power, we see multilateral stalemate.
Yes, I think a reform of the UNSC is necessary, but hard to achieve. There probably should be no veto power at all. A good step in that direction is the decision that governments which use the veto right have to explain that step in the UN General Assembly. Moreover, it is important to make sure that the UNSC becomes more regionally representative. Africa and Latin America currently do not have permanent members at all, and the G7 are overrepresented. This imbalance reflects the state of global politics at the end of World War II, when decolonisation was only just beginning in Asia and had not started in Africa. This imbalance thwarts the legitimacy of the UNSC.

Even if the UNSC decided against Russia, sanctions would be hard to impose on a nuclear power.
Well, it would be wise not to try to stop the war by military means, but economic sanctions are evidently feasible. In this wider sense, the war is affecting the whole world. Western economic sanctions are biting, while Russia is using hunger strategically. In this setting, a UNSC decision against Russia would actually be useful in the information war, which is being fought not only, but especially in the digital sphere.

The implication is that sovereignty must go along with obligations today. It is no longer the same concept that helped to end the devastating Thirty Years War in Germany four centuries ago. The idea then was that whoever was the lord of a special area was free to do as he pleased – there was no she among them. Mustn’t global interests override national interests today?
Putting a check on global problems is actually in every nation’s properly understood self-interest. If humanity does not rise to the multitude of global challenges we are facing, every single country will fare worse. Opting out leads to disaster, so we need more cooperation. Only a stronger multilateral system will help us negotiate shared solutions and implement policies in a coherent manner.

Building such a system is obviously very difficult, but we cannot keep postponing action.
Yes indeed, and that is why we see various international alliances or clubs arising. They are supposed to deal with specific problems. At this point, there is no alternative to forming such alliances, but policymakers must pay attention to design them in an inclusive manner and not letting them undermine the existing multilateral system.

So what should policymakers do?
They should keep the alliances open and welcome new partners, including private-sector initiatives, civil-society organisations and subnational institutions. Alliances, moreover, must not define solutions in small circles and then try to impose their decisions on the rest of the world. In this sense, climate-justice partnerships like the one that was formed with South Africa at the Glasgow climate summit last year are quite promising. The partnership is in line with multilateral decision making in the context of the UN Framework Convention on Climate Change (UNFCCC), but much more specific than what global negotiations have spelt out so far.

What are we going to do about reckless politicians and media propagandists who build careers on claiming that global forces are suppressing their nation? Right-wing populists in many countries thrive on pretending they are protecting the people against vicious international powers. They are a threat to democracy, which is why I think we do not show the whole picture when we say that the war in Ukraine is a war waged by despotism on democracy. The conflict is taking place within many countries, including EU members and the USA.
Yes indeed. We were lucky that Emmanuel Macron was reelected in France and that Italy looks more stable than many expected. The situation in Hungary and Poland is difficult, to put it mildly, and recent developments in the Philippines, India and Brazil are worrying. It is important to point out that the conflict between despotism and democracy is not raging only in Ukraine. It is actually a conflict between narrow-minded egotism and the common good, or if you like, between ratio and irratio. Just consider Vladimir Putin’s claim that Ukraine does not really exist because of Russia’s historical roots in Kyiv many centuries ago. By that logic, the city of Rome could lay claim to half of Europe, North Africa and large parts of the Middle East.

What about Putin’s claim that NATO expansion hurts legitimate Russian interests?
Well, that claim only makes sense if one accepts that Russia is entitled to a sphere of influence which it controls and which, not coincidentally, largely coincides with the tsarist empire of the 19th century. NATO expansion was not the result of US imperialism. Because of their historical experiences with Russia, the acceding countries demanded to become members. We should bear in mind, moreover, that history shows that democratic states do not wage war on one another.

But elected governments do sometimes start wars. In 2003, the USA and Britain, for example, led a “coalition of the willing” to invade Iraq and overthrow Saddam Hussein…
This war was a big mistake and indeed illegal, and not only because there was no explicit UNSC mandate. But the war would have probably not happened had Iraq’s leader been accountable to Iraqis. An elected government would most likely have agreed to letting international inspectors look for weapons of mass destruction. It would have had to pay attention to what people think, and they do generally not want to die for a dictator’s military ambitions.

So why do so many governments in low and middle income countries hesitate to take sides against Russia today?
I think their ambivalence is more about not trusting western governments than having faith in Russia. There are many reasons. The western countries are – to a large part – the former colonial powers, and the Soviet Union supported liberation struggles in many places. Western countries’ track record of promising things they later only hesitantly and incompletely deliver may matter even more. Just consider official development assistance, climate finance or vaccine supplies. Western governments tend to emphasise cooperative global governance when it suits them, but act in pursuit of national interests when they can. They also keep stressing human rights, but, when it comes to refugees, all too often disregard those rights. Russia’s regime has a pattern of perpetual and blatant lies, but western governments’ hypocrisy has destroyed trust too. In many people’s eyes, it is equivalent.

But Russia’s disregard for human rights and welfare is glaring.
Indeed, and it is not only evident in terms of Ukrainian suffering. Equally appalling is how the Russian leadership carelessly sacrifices the lives of thousands and thousands of its own young men. That is typical of undemocratic governance. Putin’s nationalism has strong self-destructive tendencies.

What can western governments do to build trust, not least with an eye to forging the global alliances we need to rise to global challenges – and eventually reform the UN system?
First and foremost, they must keep their promises. Just one example: last year’s G7 summit in Cornwall promised to make $ 1 billion available for vaccine provision internationally, and by January only 30 % had been disbursed. That was in the midst of a global pandemic, as we spelled out in a joint paper prepared by several think tanks recently (Kickbusch et al, 2022). If you don’t live up to what you solemnly pledge, you can’t expect others to trust you. This challenge is probably greater than many western policymakers realise. Their counterparts in developing countries know that their peoples are increasingly suffering climate impacts, and that the prosperous nations, which have contributed most to the problem, did not reduce carbon emissions as rigorously as they should have in the 30 years since the ­UNFCCC was agreed in Rio de Janeiro. Policy coherence is crucial for building trust. Western governments must act convincingly in the global arena, and that includes policy implementation at home. They must accelerate their own transformation towards sustainability.

Link
Kickbusch, I., A.-K. Hornidge, Gitahi, G, and Kamradt-Scott, A., 2022: G7 Measures to enhance global health, equity and security
https://www.think7.org/wp-content/uploads/2022/05/issuepaper_Health_G7-Measures-to-enhance-Global-Health-Equity-and-Security_Kickbusch_Hornidge_Gitahi_Kamradt-Scott.pdf

Anna-Katharina Hornidge is the director of the German Institute of Development and Sustainability (IDOS), which was formerly called German Development Institute. She is also professor for global sustainable development at the University of Bonn.
Twitter: @AnnaK_Hornidge
www.idos-rearch.de

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E+Z/D+C 2022/07 – sw – Paolo Cernuschi – IRC Niger

21. Juni 2022 - 14:11
Climate change is making food insecurity worse in Niger

Niger is exposed to extreme burdens of global warming. Temperatures are rising 1.5 times faster here than on average at the global level. Niger contributes less than 0.1 % to the world’s carbon emissions, but that does not shield it from weather-related disasters such as drought and increasingly erratic rainfall. The Sahara desert is slowly expanding south. Currently, about 4.4 million people in Niger – about one fifth of the population – are suffering food insecurity. That is twice more than last year.

The Russian invasion of Ukraine has made matters worse because food and fuel prices are rising fast. It also matters that Niger’s population growth rate is one of the world’s highest. The agricultural sector in Niger must become more efficient to keep pace with increased demand for food. However, due to rising instability, Niger finds itself producing less food, not more.

Subsistence agriculture

The underlying problem, however, is that global heating is making the largely informal subsistence agriculture most people in Niger depend on gradually unviable. That applies to pastoralism as well as to traditional farming. Not quite 90 % of the people live in rural areas and rely on rain-fed pastures and crops.

Resource conflicts are escalating. Access to potable water and arable land is becoming increasingly scarce. At the same time, demand is growing. Conflicts over natural resources are exacerbated by climate change and fast demographic growth. Local tensions can trigger intercommunal conflicts. This feeds into armed conflicts and population displacement, as well as less access to arable land, disruption of farming cycles and potentially reduced productivity of future cycles. The effects of one bad season easily outlast the season itself, prompting prolonged food insecurity, which can be amplified by further climate shocks. The situation is similar in other places – including, for example, the Horn of Africa (see Christoph Schneider Yattara on www.dandc.eu).

In the past 50 years, the surface of Lake Chad, which connects Niger, Nigeria, Chad and Cameroon, has shrunk by 90 %. The surrounding areas are haunted by violence. Observers now speak of the Lake Chad Basin conflict. Niger alone has 313,000 internally displaced persons (IDPs), and another 234,000 refugees have come to the country. Feeding all of these people puts extra pressure on Niger’s polity, economy and infrastructure.

Scientists expect that, by 2030, Niger’s temperatures will increase by another 1 °C, and by 2050, they may even rise by 3 °C. Access to natural resources will thus become yet more difficult, further propelling conflict dynamics.

Scaling up assistance

This summer, food insecurity is expected to affect almost 41 million west Africans, and 4.4 million of them – more than ten percent – are in Niger. Unless additional resources are made available, massive displacement looks likely. International humanitarian agencies such as the International Rescue Committee (IRC) are scaling up assistance. However, high-income countries must step in too.

Public safety nets in Niger hardly exist (see Stefan Beierl on www.dandc.eu). The Government of Niger and the international community have so far mobilised resources to assist only 3.3 million people, leaving over 1 million without support. Without the allocation of significant additional resources to the response, this food insecurity could easily lead to massive displacement in the very near future.

Poor village communities must depend on their own resources. Long-term investments in health and women’s empowerment are needed. A recent study prepared by the IRC showed that related measures could drastically reduce malnutrition and undernourishment. Even simple things like telling expectant mothers how to breastfeed make a difference, as the IRC is for instance doing so in the Tillabéri region with support of the Deutsche Postcode Lotterie.

Much more needs to happen, however. It is important to diversify the economy and build climate-resilient infrastructure, preparing communities to confront the impacts of climate change. This includes investing in productive infrastructure to reduce dependence on rain-fed agriculture and promoting sustainable crop, livestock and land management.

On its own, Niger has neither the capacities nor the funding to escape the vicious cycle of worsening resource conflicts and food insecurity. Nations with huge carbon footprints must fulfil the responsibilities they have to those with tiny ones in the Sahel region. The European Green Deal points in the right directions – and implementation must now follow fast.

Paolo Cernuschi is Country Director for the International Rescue Committee (IRC) in Niger.
IRCDeutschland@rescue.org

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E+Z/D+C 2022/07 – now – Pamela Cruz – Cleaning up Mexico’s water bodies

21. Juni 2022 - 13:50
A NGO hopes to raise awareness for pollution with clean-ups of plastic waste from coastal areas and water bodies across Mexico

In a country of over 128 million people, the pressure on the environment is immense. There is increasing discharge of plastics into water bodies, sewerage runoff, as well as mega infrastructure projects coming up near protected areas and reserves. Climate change is already impacting food security and endangering aquatic life.

Civil society and environmental activists are rallying communities and other actors in Mexico to do something about the increasing pollution. “MY World Mexico” is a hybrid initiative that combines social mobilisation and advocacy. It has launched a campaign called “Revitalise Oceans”.

Change is needed

The campaign kicked off on World Oceans Day 2022 and involves conducting clean-up of plastic waste and other pollutants from coastal areas, riversides and other water bodies across the country. “Beach clean-ups are a useful tool to raise awareness and achieve a reduction in the consumption of single-use plastics, but that is only the tip of the iceberg,” says Melania Lopez, a marine biologist and environmental activist. In her eyes, a change is really needed from those who generate these products to those who oversee waste management.

Erika Montes de Oca, an environmental consultant from Mexico City, who organised a clean-up in a natural reserve in northern Mexico, says: “The sites of final disposal of solid urban waste do not comply with the environmental standards of the Ministry of Environment and Natural Resources to be considered as sanitary landfills. How can we ask the citizens and companies to carry out an adequate disposal of their waste?”

The clean-up in San José del Cabo had 105 volunteers, among them were labour union members, municipality departments, local civil-society organisations, hotels and a public high school. Montes de Oca argues that more initiatives and actions at all levels remain urgent to address the problem.

Health impacts

Gema Yuridia, a geologist and engineer from the south-central region of Mexico, is leading a clean-up of the Moctezuma River, an important hydrological system that flows through four states and into the Gulf of Mexico. The river is polluted by sewage discharged from Mexico City, State of Mexico and Hidalgo. Moreover, the disruption to the river flow has resulted in flooding especially during periods of excessive rainfall. Residents around it face a potential risk to their health and being cut off from access to basic services.

Since March, MY World Mexico has mobilised volunteers across 10 different states. They have conducted two workshops in which the volunteers are taught about pollution and how they can help counter it. The United Nations Environment Programme (UNEP) has joined MY World Mexico to conduct this sensitisation. The organisation hopes that the clean-ups will boost further action and funding for environmental programmes.

Pamela Cruz is the Special Projects Coordinator at Comunalia, a network of community foundations in Mexico and Strategic Advisor at MY World Mexico.
pamela.cruzm@gmail.com

 

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Positive Beispiele für Klimarisikoversicherungen

17. Juni 2022 - 16:19
Es gibt viele nennenswerte Initiativen, die dazu dienen, Menschen gegen die Folgen der Klimaerwärmung abzusichern – hier sind einige Beispiele

Sie sind ein wesentlicher Baustein, um vulnerable Bevölkerungsgruppen abzusichern, auch wenn immer noch zu viele Menschen nicht versichert sind (siehe Dirk Reinhard auf www.dandc.eu). Nennenswerte Initiativen gibt es viele. Eine der größten ist die InsuResilience Global Partnership, initiiert im Jahr 2017 von G20 und V20 (Vulnerable Twenty – eine Gruppe besonders von der Klimaerwärmung betroffener Staaten). Sie dient dazu, für die vulnerabelsten Menschen weltweit passende Finanz- und Versicherungslösungen gegen Klima- und Katastrophenrisiken zu entwickeln. Im Jahr 2021 profitierten davon mehr als 150 Millionen Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern, darunter mehr als 60 Millionen per Mikroversicherung. Ziel ist es, bis 2025 zusätzlich 500 Millionen Menschen abzusichern. Auf dieses Ziel einzahlen soll auch die Insurance and Risk Finance Facility (IRFF), kürzlich initiiert vom UN-Entwicklungsprogramm (UNDP – United Nations Development Programme). Sie soll in 50 Schwellen- und Entwicklungsländern die Entwicklung von Versicherungen und Risikofinanzierungen vorantreiben. Die Bundesregierung unterstützt dies mit 35 Millionen Euro.

Der Privatsektor engagiert sich zum Beispiel im Insurance Development Forum (IDF), einer Public-private-Partnership unter Führung der Versicherungsindustrie. Sie nutzt Risikomanagement und Versicherungen, um vulnerable Länder und Bevölkerungsgruppen widerstandsfähiger gegen Klimarisiken und Katastrophen zu machen.

Weitere erwähnenswerte Projekte sind:

  • das indische Pradhan Mantri Fasal Bima Yojana (PMFBY), das weltweit größte nationale Agrarversicherungssystem. Es ist staatlich subventioniert und versichert derzeit rund 25 Millionen Bauern, vor allem Kleinbauern.
  • die Caribbean Catas­trophe Risk Insurance Facility (CCRIF), ein regionaler Risikopool auf staatlicher Ebene, der Versicherungen gegen Wirbelstürme, Starkregen und Erdbeben zur Verfügung stellt. Mitglieder sind 19 karibische und drei mittelamerikanische Staaten.
  • die African Risk Capacity (ARC), gegründet 2012. Sie hilft ihren 35 Mitgliedstaaten, sich auf extreme Wetterereignisse sowie Ausbrüche von Krankheiten und Epidemien vorzubereiten. Dazu zählen etwa Frühwarnung, Versicherungslösungen und die Entwicklung von Notfallplänen, insbesondere für Dürren.RB, DR, CB
  • die R4 Rural Resilience Initiative, 2011 vom UN-Welternährungsprogramm und von Oxfam America ins Leben gerufen, um die Ernährungs- und Einkommenssituation gerade in ländlichen Regionen zu sichern. Sie erreichte 2021 rund 395 000 Haushalte in 14 Ländern in Afrika, Asien, Lateinamerika und Ozeanien.

Renate Bleich ist Geschäftsführerin der Münchener Rück Stiftung.
rbleich@munichre-foundation.org

Dirk Reinhard ist stellvertretender Geschäftsführer der Münchener Rück Stiftung.

Christian Barthelt ist Senior Projektmanager bei der Münchener Rück Stiftung.

 

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Versicherungen gegen Klimarisiken voranbringen

17. Juni 2022 - 15:14
Um in Ländern mit niedrigen Einkommen deutlich mehr Menschen gegen Klimafolgen zu versichern, gilt es weit verbreitete Hemmnisse zu beseitigen

Mehr als eine Million Menschen kamen Schätzungen zufolge zwischen 2000 und 2018 aufgrund von Wetterkatastrophen ums Leben. Der finanzielle Schaden betrug in diesem Zeitraum etwa 4210 Milliarden US-Dollar (Aon 2018). Seit der Jahrtausendwende stiegen die wirtschaftlichen Verluste und Schäden durch Naturkatastrophen und Wettergefahren deutlich an. Allerdings war seit 1980 global nur ein Drittel solcher Schäden versichert.

In Entwicklungs- und Schwellenländern ist das Problem besonders groß: Zum einen sind sie häufig stark betroffen von den Folgen der Klimaerwärmung, die sowohl die Intensität als auch die Häufigkeit von Extremwetterereignissen erhöht. Zum anderen mangelt es an Versicherungen (siehe Dirk Reinhard auf www.dandc.eu).

Beispielsweise waren in Asien – ohne Japan – seit 1980 weniger als fünf Prozent der Schäden aus Wetterkatastrophen versichert. In den 77 ärmsten Ländern sind laut Schätzungen des UN-Entwicklungsprogramms (UNDP – United Nations Development Programme) sogar nur drei Prozent der Katastrophenschäden versichert. Im Katastrophenfall müssen die Länder und Menschen die Kosten für Nothilfe und Wiederaufbau selbst tragen, oder sie müssen internationale Hilfe in Anspruch nehmen.

Nötig ist daher ein umfassendes Risikomanagement. Neben Maßnahmen zur Anpassung an die Klimaerwärmung und zur Vorbeugung von Katastrophen gehören dazu als zentraler Baustein auch Versicherungen gegen Klimarisiken, sogenannte Klimarisikoversicherungen.

Regional, national, international

Bei Klimarisikoversicherungen kann es sich sowohl um Lösungen auf Individualebene handeln, etwa Mikroversicherungen, als auch um regionale, staatliche oder internationale Sicherungssysteme (zum Unterschied zwischen staatlichen Sozialsystemen und privaten Versicherungen siehe Markus Loewe auf www.dandc.eu). Die Auszahlungen erfolgen entweder:

  • schadenbasiert, wobei die Auszahlung auf dem tatsächlich ermittelten Schaden beruht, oder
  • indexbasiert, das heißt, der Auszahlung liegt ein Index zugrunde, der Wetterdaten mit erwartbaren Schäden verknüpft. Wird beispielsweise eine bestimmte Windstärke überschritten oder eine gewisse Anzahl von Tagen ohne Regen in einem definierten Zeitraum in einer Region, löst dies eine Auszahlung aus. Deren Höhe steht im Voraus fest.

Klimarisikoversicherungen haben in den vergangenen Jahren an Aufmerksamkeit gewonnen. An positiven Beispielen mangelt es nicht (siehe Kasten). Dennoch stehen insbesondere in Ländern mit niedrigen Einkommen zahlreiche Gründe einer flächendeckenden Versorgung mit Versicherungen im Weg. Viele dieser Hemmnisse gelten generell, wenn es darum geht, in Märkten mit niedrigen Einkommen den Zugang zu Versicherungen zu verbessern (Reinhard 2019).

Viele Hürden

Eine zentrale Herausforderung ist das geringe Interesse von „klassischen“ Versicherern, untere Einkommensschichten zu erschließen – aus Kostengründen: Je geringer die Beiträge und Prämien sind, desto mehr fallen Transaktionskosten ins Gewicht. Auch fehlen häufig effiziente Vertriebswege und Systeme für das Kundenmanagement, vor allem auf dem Land. Oft ist die Versorgung mit Strom und Internet unzuverlässig oder nicht vorhanden. Das erschwert es Versicherern, nach Extremwettern die Schäden schnell zu bewerten und Schadenszahlungen zu leisten. Bei den oben erwähnten indexbasierten Versicherungen entfällt zwar der Aufwand für die Schadenanalyse und Geld kann schneller fließen, allerdings bildet der Index die Schäden häufig nur ungenau ab, sodass Betroffene im Ernstfall manchmal keine oder eine zu geringe Auszahlung erhalten können.

Zudem müssen Versicherer für gute Lösungen in Vorleistung gehen: Sie müssen detaillierte Marktforschung betreiben und ein tiefes Verständnis der Lebens- und Einkommensbedingungen der Menschen entwickeln. Zentrale Fragen sind: Wie werden die wichtigsten Risiken derzeit gemanagt? Wie lässt sich dies mit Versicherungen erfolgreich ergänzen? Nicht zuletzt müssen die Kunden verstehen, wie Versicherungen funktionieren. Das kann schwierig sein, vor allem wenn sie zum ersten Mal eine Versicherung abschließen.

Ein besseres Verständnis ist auch dort notwendig, wo sich Staaten gegen Klimarisiken versichern. Politische Entscheidungsträger müssen die Risiken und Versicherungen besser verstehen als bisher, damit sie geeignete Rahmenbedingungen für das Risikomanagement schaffen können. Hier kann die Versicherungsindustrie einen Beitrag leisten, etwa indem sie Modelle und Daten bereitstellt.

Weitere Hemmnisse sind fehlende Wetter- und Schadendaten – sowohl aktuell als auch historisch – und erschwerte Prognosen durch das Voranschreiten der Klimakrise. Beispielsweise wiederholen sich wetterbedingte Katastrophen in kürzeren Abständen.

All diese Herausforderungen machen Klimarisikoversicherungen sehr teuer. Subventionen sind häufig notwendig, sowohl für betroffene Staaten als auch für die unteren Einkommensschichten in diesen Ländern.

Digitalisierung kann helfen

Enormes Potenzial bietet allerdings die Digitalisierung, die sich durch die Pandemie noch beschleunigt hat. Insbesondere die rapide Verbreitung von Mobilfunk und mobilen Zahlungssystemen kann die Datenlage und den Informationsfluss verbessern sowie Kosten reduzieren. In diesem Bereich sollten Regulierungen angepasst werden, um Innovationen zu ermöglichen und Genehmigungsbarrieren abzubauen.

Angesichts der gravierenden Auswirkungen der Klimaerwärmung – laut Weltklimarat sind 3,3 bis 3,6 Milliarden Menschen vulnerabel – gilt es, die Absicherung von Klimarisiken durch Versicherungen zügig zu verbessern. Hierzu müssen Regierungen, der Versicherungssektor sowie internationale Organisationen und Initiativen verstärkt kooperieren. So kann die Versicherung von Klima- und Katastrophenrisiken zu einem wesentlichen Element von Strategien zur Anpassung an die Klimaerwärmung werden.

Quellen

Aon Weather, Climate & Catastrophe Insight 2018 Annual Report:
http://thoughtleadership.aon.com/Documents/20190122-ab-if-annual-weather-climate-report-2018.pdf

Reinhard, D., 2019: Making insurance work for emerging economies. South African Actuary, April 2019.

Renate Bleich ist Geschäftsführerin der Münchener Rück Stiftung.
rbleich@munichre-foundation.org

Dirk Reinhard ist stellvertretender Geschäftsführer der Münchener Rück Stiftung.

Christian Barthelt ist Senior Projektmanager bei der Münchener Rück Stiftung.

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E+Z/D+C 2022/07 – sw – Ron Ssegujja Ssekandi

17. Juni 2022 - 14:27
A sustainable rural city creates employment opportunities for rural dwellers in Uganda

Okere Parish has a population of about 5000 people, over 65 % being women. Most men migrate to urban areas in search of better economic opportunities. Some 98 % of the rural community in Okere are small-scale subsistence farmers. They rely on rain-fed agriculture as their major economic activity. The parish has been ravaged by a 20-year long rebel war, which the region of northern Uganda suffered.

Most Okere dwellers traditionally grow shea trees, some of which have been passed on from generation to generation. These trees are scientifically known as “Vitellaria paradoxa” and are indigenous to Africa. The International Union for Conservation of Nature lists the shea tree among the species that are at risk of becoming extinct soon. However, shea butter has an estimated global market of over $ 1 billion. There is thus scope for prosperous business.

A shea tree needs between eight and 15 years until it first can be harvested. A tree can yield 15 to 20 kilogramme (kg) of fresh fruit that will produce three to four kg of dry kernels. The kernels consist of almost 50 % fat, of which shea butter is made. In the west it is most commonly used in cosmetics, in Africa it is also eaten.

Socio-economic transformation

Understanding the importance and attachment of Okere’s people to the shea tree, Ojok Okello, the founder and vision bearer for Okere City has crafted the idea’s vision around the product. “When the season for shea fruits harvesting comes, households are involved in the collection of shea nuts and production of shea butter as a secondary economic activity,” Okello says.

He thinks that the shea tree is the “engine that will spark socio-economic transformation”. He has therefore built a business around value addition and processing of the shea nut. Apart from shea butter, other goods can be made too. Starting in 2019, Okello has invested some of his own money in the project. Now significant progress has been made. Okere clearly generates revenue.

To organise local people better, Okere City has set up a cooperative society for shea-tree growers. Currently, the cooperative society has 100 members – most of them women – who gather savings and take credit from the common pool. This gives the farmers access to the finance they need to advance their business, for example by purchasing fertilisers or improving storage facilities.

Education, health and culture

On top of prioritising agriculture, the Okere City model has also focused on other activities. Before the project started, up to 72 % of the adult population in Okere had not had primary education. Thanks to an ongoing adult education programme, things are improving. The project is also paying attention to all children attending primary school. “Okere City is giving our children the best quality education here in the village without us taking our children to the city. This gives me confidence that the future of our children shall be brighter,” Eunice Apio, a chief of a local tribe says.

Furthermore, a health facility has been set up to extend medical services to the local community. It operates on a flexible basis where locals can clear their medical bills during the harvest season. Okello reports it has an average 25 patients visiting per day.

There is also a boxing club that targets youth. The boxing club offers them an opportunity to channel their energy in sports.

Okere community prides itself in its rich cultural heritage. The Okere City project has established commercial traditional dancing activities for visitors and tourists. In this way, local musicians and artists can gain an income from the increasing number of visitors going into the area.

“Since 2019, our ecosystem of 20 social businesses and community projects now serves 5000 clients through targeted provision of services or products across the education, health, agriculture, tourism and finance sectors,” Okello says.

Satisfied customer

Customers like Shamim Nirere, an ardent buyer of the cosmetic product, are excited about the quality of the shea butter from Okere. “It is by far the best moisturiser I have ever used. Additionally, the story behind the women who collect the nuts is inspiring. To think that when I buy a tin of Okere shea butter, at least some money finds its way to these women and the community is amazing,” she says.

Okere City’s grand vision is to create a poverty free village where everyone lives in dignity. Founder Okello aspires to achieve simultaneously all the 17 UN Sustainable Development Goals (SDGs) by 2030, and Okere shall emerge as a sustainable village.

Link
Okere City:
https://www.okerecity.org/

Ronald Ssegujja Ssekandi is a Ugandan author and edits D+C/E+Z’s Nowadays column.
sekandiron@gmail.com

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E+Z/D+C 2022/07 – op – Katie Cashman – extreme weather – USA

15. Juni 2022 - 9:45
North America’s wildfires, heatwaves, storms and floods are becoming more frequent, more dangerous and more costly

This year’s wildfire season started early. Normally, the American West and Southwest have blazes from May on, but in April 2022, about 200 homes were lost to wildfires in New Mexico. Last year’s wildfire season had ended late, with flames destroying homes in the Denver-Boulder area of Colorado in late December. Only three winter months were conflagration-free.

In 2021, over 8000 fires burnt millions of acres. The background is that most of the American West is experiencing a long lasting drought, which makes wildfires more likely. The impacts also include crop failure and ecosystem collapse. Cities in California and Arizona are grappling with the ways to conserve dwindling water supplies. The normally cool Pacific Northwest, moreover, was hit by an unprecedented heatwave with temperatures rising to almost 50 degrees Celsius, which is considered hot even in Pakistan. In Canada and the USA, an estimated 1400 more people died than would normally have happened.

Even though western states are hit hardest by wildfires, the impacts are felt from coast to coast. The whole North-American continent can expect another summer of apocalyptic hazy skies and toxic air pollution from the smoke.

Hurricanes and floods are extremely costly

In 2021, 47 global disasters cost more than $ 1 billion. Almost half of them affected the USA, even though this country is not especially climate vulnerable. Hurricane Ida hit Louisiana in August. It was the world’s most expensive natural disaster in 2021, costing $ 65 billion in recovery. It claimed more than 100 lives in the USA and Venezuela. This year’s hurricane season is again expected to be “above average”.

Floods are getting worse too. Not all are caused by hurricanes, which tend to bring more rain than they did in the past. New flood-risk mapping shows a 26 % increase in flood risk across the USA. Black communities along the southern coasts of the Atlantic and Gulf of Mexico are exposed most. Wealth disparity and segregation matter very much. Poor and marginalised neighbourhoods have less adaptive infrastructure, are more likely to be located in unsafe places and generally get less government funding.

The federal budgeting office expects extreme weather to cost the US an annual $ 120 billion for coastal disaster relief, flood insurance, crop insurance, health-care insurance and wildfire suppression. To keep costs from rising, all government agencies should prioritise climate mitigation and adaptation. It is a matter of self-interest. At the same time, the USA bears global responsibility given its outsized contribution to humanity’s greenhouse-gas emissions.

Depressingly, federal-level action at the scale required seems unlikely to happen anytime soon. President Joe Biden’s sensible policy proposals are stuck in the Senate (see my essay on www. dandc.eu). Biden wants $ 44.9 billion in federal climate funding next year, but that would not be enough. State and local governments must act too.

Reactionary policymakers and their allies in conservative media want everyone to believe the disasters are nothing special. To some extent, they are successfully making them appear to be normal.

Public opinion surveys conducted by scholars from Yale University show that not even two thirds of Americans say that global warming is affecting the weather. Indeed, people who are especially exposed to extreme-weather events in the Southeast states are less likely to talk about global warming than the rest of the country. Part of the problem is that we still call extreme-weather events “natural disasters”, even though they are actually caused by our unsustainable habits (see Hans Dembowski on www.dandc.eu), and that is why environmentalists, for quite some time, have been demanding a change of wording.

Katie Cashman is a project coordinator and climate policy associate with the Minnesota Center for Environmental Advocacy (MCEA). The views she expresses in D+C/E+Z are hers, not those of the MCEA.
kcashman23@gmail.com

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Informelle Landwirtschaft in der Stadt

14. Juni 2022 - 16:52
In Abidjan in Côte d’Ivoire blicken viele landwirtschaftliche Betriebe in eine ungewisse Zukunft

Im Süden Abidjans, zwischen der Ebrié-Lagune und dem Atlantischen Ozean, liegen Sumpfgebiete. Deren Böden sind nicht sehr fruchtbar. Sie werden dennoch seit den 1950er-Jahren für den Anbau von Gemüse und zum Gartenbau genutzt, weil sie sich aufgrund des hohen Grundwasserspiegels gut bewässern lassen.

Ein großer Teil der so genutzten Flächen ist seit den 1970er-Jahren von der Stadtplanung ausgenommen. Die ivorische Regierung hält sie als öffentliches Land für eine Erweiterung des internationalen Flughafens von Abidjan vor. Es ist nicht möglich, dort auf rechtlich gesichertem Weg Grundstücke zu erwerben. Der Flughafenbetreiber toleriert die landwirtschaftliche Nutzung auf dem designierten Flughafenland.

Es sind vor allem junge Männer mit geringem Bildungsstand, die als Selbstständige auf den Gemüsefeldern und als Familienmitglieder in den Gartenbaubetrieben arbeiten. Die Frauen kümmern sich vor allem um den Verkauf der Produkte. Von den jungen Männern sind viele in Abidjan aufgewachsen, nachdem ihre Familien vor mehreren Jahrzehnten aus den Nachbarländern der Côte d´Ivoire einwanderten. Oft finden sie auf dem formellen Arbeitsmarkt keine Anstellung.

In der urbanen Landwirtschaft dagegen sind die Zugangshürden niedrig, und es besteht die Möglichkeit, sich ein Stück Land informell anzueignen oder sich für eine Anbausaison eine Parzelle informell zu pachten. Gemüsebauern und -bäuerinnen können die eigene Arbeit selbstbestimmt organisieren und erwerben im Lauf der Zeit gärtnerische Erfahrung und Fachwissen. Sie leisten wichtige Arbeit, indem sie die Stadt mit frischen, lokalen Nahrungsmitteln versorgen.

Ihre Arbeitssituation ist allerdings prekär. Erstens fehlt es an sozialer Absicherung, etwa gegen Einkommensverluste im Krankheitsfall. Zweitens hängt ihr Einkommen direkt von der Produktivität ihrer Parzellen ab, sodass sie Ernteverluste hart treffen können. Drittens müssen sie um die Grundlage ihrer Arbeit fürchten, den Boden: Er kann ihnen zum einen durch die Ausbreitung spontaner Siedlungen geraubt werden. Zum anderen können der Flughafenbetreiber und der Staat die landwirtschaftlichen Flächen jederzeit zurückfordern.

Aus diesen Gründen bauen die jungen Gemüsebauern vor allem Sorten mit kurzen Wachstumszyklen an, die sie mehrmals pro Saison ernten können. Sie setzen dazu reichlich Kunstdünger und Pestizide ein. Unter diesen Umständen ist es kaum möglich, die Flächen nachhaltig zu bewirtschaften und gesündere Lebensmittel zu produzieren. Die prekäre Lage der Flächen hat auch verhindert, dass sich Kooperativen bilden. Diese fungieren in anderen Teilen der Stadt als Ansprechpartner für landwirtschaftliche Unterstützungs- oder Weiterbildungsprogramme.

Auf dem öffentlichen Land in der Nähe des Flughafens befinden sich auch mehr als 100 Gartenbaubetriebe, gegründet vor 40 bis 50 Jahren von Einwanderinnen und Einwandern aus den Nachbarländern der Côte d'Ivoire. Sie produzieren Zierpflanzen für private Gärten, öffentliche Grünflächen und Gewerbeflächen und bieten hunderten Menschen Arbeit, ebenfalls meist Männern. Wie viele dieser Arbeitsverhältnisse informell sind, ist schwer zu sagen, da dies jeder Familienbetrieb auf seine Art geregelt hat. Es ist aber davon auszugehen, dass bei weitem nicht alle Gärtnerinnen und Gärtner formell beschäftigt sind.

Die Eigentümerinnen und Eigentümer der Gartenbaubetriebe sorgen sich um ihre Zukunft: Auch ihre Grundstücke könnten eines Tages geräumt werden, um den Flughafen zu erweitern. Auf Ausgleichsflächen in der Stadt können sie kaum hoffen, da sich Abidjan räumlich immer weiter verdichtet. Um sich Gehör zu verschaffen, haben sich die Eigentümer der Gartenbaubetriebe organisiert und einen Rat ins Leben gerufen, der ihre Interessen nach außen vertritt – insbesondere auch gegenüber dem Flughafenbetreiber und der Stadt.

Unterm Strich nimmt durch die fortschreitende Urbanisierung der Druck auf die Räume in afrikanischen Städten zu – und damit auch das Konfliktpotenzial. Verwaltung und Behörden sind gefordert, informellen Gewerbetreibenden zumindest verlässliche Übergangslösungen vorzuschlagen. Sie sollten ihnen den Weg in formelle und sozial besser abgesicherte Arbeitsverhältnisse erleichtern. Allerdings ist formelle Arbeit vielerorts rar, und zu viele Menschen erfüllen nicht die Voraussetzungen, eingestellt zu werden. So lange sich das Ausbildungsniveau insgesamt nicht hebt, bleibt ihnen weiterhin nur die informelle Beschäftigung.
 

Irit Eguavoen arbeitet am Geographischen Institut der Universität Bonn sowie am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik. Sie forscht seit 2017 in Abidjan. Ihre Studie wurde von der Fritz Thyssen Stiftung finanziert (10.20.2.003EL).
irit.eguavoen@die-gdi.de
 

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Informelle Märkte in Afrika unter Druck

14. Juni 2022 - 16:34
In Metropolen wie Abidjan in Côte d’Ivoire sind viele Menschen auf informelle Arbeit angewiesen, doch die Beschäftigungsverhältnisse sind prekär

Informelle Arbeit trägt maßgeblich zum Einkommen der Menschen in afrikanischen Städten bei. Das liegt zum einen am Mangel an formellen Arbeitsplätzen und zum anderen daran, dass viele die Einstellungsvoraussetzungen für reguläre Stellen nicht erfüllen. Die soziale Ausgangsposition spielt eine wesentliche Rolle: Menschen ohne Bildungsabschluss oder Meldepapiere haben kaum Chancen auf einen rechtlich gesicherten Arbeitsvertrag.

Sie gehen deshalb oft unfreiwillig informelle Arbeitsverhältnisse ein, indem sie etwa mündliche Verträge abschließen oder sich als Tagelöhner verdingen. Teils sind sie bei offiziell gemeldeten Unternehmen informell beschäftigt. Teils handelt es sich aber auch um informelle Unternehmen, etwa weil zu wenig Kapital vorhanden ist, um gesetzliche Auflagen für eine Registrierung erfüllen zu können.

Nicht sozial abgesichert

Der informelle Sektor ermöglicht Beschäftigten einen relativ leichten Zugang zu Arbeit und hohe Flexibilität. Allerdings fehlt ihnen der Zugang zu sozialer Absicherung, Zusatzleistungen, Gewerkschaften und anderen arbeitspolitischen Errungenschaften. Viele informell Angestellte hoffen deshalb, mit der Zeit den Sprung in den formellen Arbeitsmarkt zu schaffen, der ihnen mehr Sicherheit und auch höhere Einkommen verspricht. Gleiches gilt für informelle Unternehmerinnen und Unternehmer.

In afrikanischen Städten lassen sich Aktivitäten im öffentlichen Raum oft nicht eindeutig dem formellen oder informellen Sektor zuordnen. Das gilt beispielsweise auch für den Wohnungsmarkt (siehe meinen Beitrag auf www.dadc.eu). Klar ist: Obgleich informell Beschäftigte oft wichtige Leistungen für die Gesellschaft erbringen, leiden sie unter den negativen Auswirkungen ihres Status. Das zeigt sich beispielsweise in Abidjan, der Küstenmetropole der Côte d’Ivoire.

„Städtische Unordnung“

In Abidjan gehen Teile der Stadtverwaltung und der Distriktregierung seit mehreren Jahren verstärkt gegen spontan entstandene Märkte und nicht gemeldeten Straßenhandel vor. Sie ließen bereits informelle Geschäfte entlang ganzer Straßenzüge abreißen. Auch in vielen anderen westafrikanischen Städten sanktionieren Behörden das, was sie als „städtische Unordnung“ oder „Verstopfung“ bezeichnen. Sie interpretieren die Aneignung öffentlicher Grünanlagen, Plätze und Brachen durch informelle Kleingewerbe als anarchische Bedrohung der staatlichen Obrigkeit und als Angriff auf die öffentliche Ordnung.

Die Gewerbetreibenden sehen das anders. Aus ihrer Sicht nutzen sie öffentliche oder brachliegende Räume in der Stadt, um auf ehrliche Weise ihr Einkommen zu verdienen, etwa mit Straßenhandel oder Handwerk. Ihre Kleingewerbe sind zwar nicht angemeldet, sie zahlen aber häufig Marktsteuern oder Gebühren, die das Personal der Stadtverwaltung vor Ort eintreibt.

Auf informellen Märkten kommt es häufig zu Bränden. Manche Gewerbetreibende vermuten, dies geschehe, um ihre Arbeitsorte zu zerstören oder einen Anlass für eine Räumung zu schaffen. In neue, offiziell gebaute Markthallen oder Ladenzeilen umziehen können nur wenige von ihnen, weil die finanziellen Zugangshürden hoch sind.

Übergangsregelungen könnten helfen

Ist ein informeller Markt erst einmal geräumt, wird die Stelle teils im Rahmen der offiziellen Stadtentwicklung bebaut, teils auch abgesperrt oder zu umzäunten Grünanlagen umfunktioniert. Damit sind diese Orte für die gewerbliche Nutzung verloren.

Trotz besseren Wissens und langer Erfahrung geht die Stadtplanung nicht auf die Bedürfnisse der Gewerbetreibenden ein und richtet keine geeigneten Orte für deren Aktivitäten im öffentlichen Raum ein. Dabei würde es den Gewerbetreibenden und ihren Beschäftigten oft schon helfen, wenn repressive Maßnahmen gegen sie unterblieben und wenn die Verantwortlichen verlässliche Übergangsregelungen zur Nutzung von öffentlichen Räumen schaffen würden.

In Abidjan und anderswo zeigt sich, dass Arbeitsverhältnisse nicht nur durch ihren rechtlichen Status und den Grad der sozialen Absicherung bestimmt werden – auch wenn beide Faktoren wesentlich zu besseren Arbeitsbedingungen beitragen können. Solange mangels Alternativen weiterhin viele Menschen im informellen Sektor beschäftigt sind, spielen geeignete Orte für das informelle Gewerbe in der Stadt eine wichtige Rolle. Der Handlungsbedarf ist groß: Die Urbanisierung auf dem afrikanischen Kontinent nimmt zu, sodass die knappe Ressource Raum auch in Zukunft ein hohes Konfliktpotenzial bergen wird.

Irit Eguavoen arbeitet am Geographischen Institut der Universität Bonn sowie am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik. Sie forscht seit 2017 in Abidjan. Ihre Studie wurde von der Fritz Thyssen Stiftung finanziert (10.20.2.003EL).
irit.eguavoen@die-gdi.de

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E+Z/D+C 2022/07 – now – Karim Okanla – Benin – Witchcraft

14. Juni 2022 - 16:10
In Benin, faith-based entrepreneurs are misusing poor people’s situation

In many African communities, several people still live by old traditional religious practices. Often branded as witchcraft or “voodoo”, these occult practices remain a developmental challenge. The leaders of these practices have large followings and influence how people live their daily lives.

Benin, a country on the West African coast, is one of the hotspots for these occult practices. Here, many fortune tellers, exorcists and traditional healers earn their livelihood by practicing witchcraft and voodoo. However, their business has negative consequences on the country’s development.

The situation is worse in the rural areas. There is inadequate access to electricity and lighting which is a perfect disguise for the traditional healers and faith-based entrepreneurs. They abuse the desperation of poor people in the rural areas for their business.

Both traditional practitioners and Christian faith-based clerics in temples, convents, mosques and churches actively advertise their services on media channels like radio and television. They offer 24-hour service for deliverance from poverty, health challenges, family- and relationship-based problems and almost any other imaginable issue. They broadcast testimonies from people who claim to have been freed from their challenges by the faith healers.

A young man in Cotonou, who prefers anonymity, says that “witchcraft is really a gangrene that is eating up Benin’s social fabric”. He says it stands in the way of development too. Individuals seeking to introduce developmental projects receive attacks and are sabotaged by people who practice witchcraft and believe in the supernatural.

One of the most affected areas is health care. People in rural areas prefer to deal with traditional healers as opposed to mainstream medical service providers. Stories such as one of a freshly married woman in a nearby village who thought she was going to give birth to a strong healthy baby, only to deliver a calabash (a kind of melon) containing all kinds of weird objects, are famously told and push many to run to traditional healers for deliverance.

There is also talk of “tchakatu”, a type of witchcraft in Southern Benin where pregnant women end up with objects such as kola nuts, sharp nails or padlocks instead of living foetuses. It is claimed that the victim suffers excruciating pain, and X-rays do not help, so doctors can’t prescribe any drugs. Other regions of Benin like the Aguégués near Porto-Novo, or Ganvié village-on-stilts near Cotonou are also ripe with tales of witchcraft and traditional healing.

To shed light on the situation, a catholic priest, Father Pamphile Fanou, of Saint Rita catholic church in Cotonou has published a book. It lays bare the nonsense of witchcraft and warns of the continued damage that the practice is bringing on the lives of people.

Fanou claims to have interfaced with witchcraft while still a teenager growing up in Benin. One day, he writes, an old owl looking terribly scary landed on their rooftop and began to howl. Expectedly, Fanou and his brothers were all terrified, but not his dad, who immediately grabbed his hunting rifle and shot it. Suddenly, an old woman came, wailing and begging Fanou’s dad to hand over the dead animal. “You’ve just shot my husband”, she said.

Karim Okanla is a freelance author based in Benin.
karimokanla@yahoo.com

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Mexiko will eine “feministische” Außenpolitik betreiben

13. Juni 2022 - 12:42
Was Frauenrechte angeht, ist in Mexiko die Regierungsrhetorik besser als das Leben im Alltag

Im internationalen Vergleich sticht Mexiko durch seine vielen Femizide hervor (siehe Beitrag von mir und Sheila Mysorekar auf www.dandc.eu). 948 Frauen wurden 2020 ermordet – 2,7 Prozent mehr als im Vorjahr.

Seit Jahren steigt die Zahl der Anzeigen wegen häuslicher Gewalt. Letzteres mag zwar auch darauf hinweisen, dass immer mehr Frauen das Selbstbewusstsein haben, ihr Leid nicht mehr schweigend zu akzeptieren, sondern vor Gericht zu ziehen. Gewalt­opfer klagen aber auch, der Staat schütze sie nicht ausreichend. Feministinnen ärgern sich jedenfalls darüber, dass Präsident Andrés Manuel López Obrador sich über Frauenrechtsdemonstrationen zum 8. März abfällig geäußert hat.

Derweil beansprucht seine Regierung, eine „feministische Außenpolitik“ zu betreiben, die Geschlechtergerechtigkeit und Menschenrechte fördere. Sie ist stolz auf eine Reform zur Geschlechterparität und die Tatsache, dass mehr Frauen politische Führungspositionen innehaben. Im Bundeskabinett besetzen Frauen acht von 19 Plätzen. Acht von 31 Bundesstaaten werden von Gouverneurinnen regiert. Laut nationalem Statistikinstitut INEGI hat jede vierte Kommune eine Bürgermeisterin. Geschlechterparität ist das nicht, Frauen sind aber auch keine Ausnahmen mehr.

2020 sagte Außenminister Marcelo Ebrard, die Regierung sei feministisch, also gelte das auch für die Außenpolitik. Frauenrechtsaktivistinnen finden das grundsätzlich gut, fragen sich aber, was das konkret bedeutet. Relevante Stichworte gibt dazu die Website der Bundesregierung:

  • Außenpolitik mit Geschlechterper­spektive,
  • ein paritätisch besetztes Ministerium,
  • ein Außenministerium frei von Gewalt,
  • sichtbare Gleichheit und
  • intersektionale Politik.

Gut ist, dass Mexiko als erstes lateinamerikanisches Land in der Außenpolitik Geschlechterperspektiven formuliert. Fraglich bleibt jedoch, ob ein Staat im Ausland fördern kann, was daheim noch aussteht. Gleichstellung ist nicht erreicht, und um die Achtung der Menschenrechte von Frauen – besonders das Recht auf ein Leben ohne Gewalt – steht es schlecht.

Bei anderen Punkten geht es dem Ministerium offensichtlich um sich selbst – und auch da gibt es noch viel zu tun. Der Anteil der Frauen in Führungspositionen (Botschafterinnen und Konsularinnen) ist mit knapp 30 Prozent praktisch unverändert, seit die feministische Außenpolitik proklamiert wurde. Die Aufstiegschancen von Frauen haben sich also wohl nicht verbessert.

Anfang des Jahres musste das Außenministerium die Ernennung des mexikanischen Botschafters in Panama zurückziehen. Es hatte Belästigungsvorwürfe gegen ihn gegeben und eine wirksame Kampagne in sozialen Medien nutzte das Motto „Ein Belästiger wird nicht Botschafter“. Pikant war allerdings, dass Panama den Mann ablehnte, die Entscheidung also nicht von Mexikos feministischer Politik inspiriert war.

Andererseits bemüht sich das Ministerium darum, Leistungen von Frauen im Auswärtigen Dienst bekannt zu machen. Es veröffentlicht entsprechend Biografien und Profile. Es finden auch Schulungen statt, um Personal auf geschlechtsspezifische Themen aufmerksam zu machen. Unter anderem soll es effizienter auf Fälle von Gewalt und Belästigung reagieren können – und zwar nicht nur in den eigenen Reihen, sondern auch, wenn sich Menschen an eine mexikanische Auslandsvertretung wenden. Interessant war der Fall einer Mitarbeiterin, die in Katar Missbrauchsopfer wurde. Ihr Minister wurde darauf erst aufmerksam, als ein Medienwirbel entstand, unterstützte sie dann aber juristisch.

„Intersektionalität“ bedeutet, dass Geschlechterthemen im Zusammenhang mit anderen Diskriminierungsformen wie etwa Rassismus behandelt werden. Relevante Fragen sind also, wie Mexiko mit Migrantinnen mit unterschiedlichen ethnischen Hintergründen umgeht, und ob sie beispielsweise auf der Durchreise durch Mexiko von Kindern getrennt werden. Nicht nur was Migration angeht, gibt es im mexikanischen Alltag klare Defizite.

Virginia Mercado ist Wissenschaftlerin an der Universidad Autónoma del Estado de México (UNAM) und Lehrkraft für Friedens- und Entwicklungsstudien.
virmercado@yahoo.com.mx

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E+Z/D+C 2022/07 – now – Kilasa Mtambalike – Tanzania – female bus drivers

3. Juni 2022 - 11:49
Tanzanian women are defying the gender stereotype and working as bus conductors

Women still face multiple challenges in the workplace despite this recent development. Female bus conductors must adjust to work schedules which contradict with their social lives and even put up with rejection from hardline traditionalists who resent their choice of career.

“My day at work starts at 5 o’clock in the morning and ends at 8 o’clock in the evening. It is not the hours that are stressful but rather the challenges I face as a female bus conductor because people are not used to us. Sometimes, I come across rude male passengers who want to take advantage of the fact that I am woman,” Rachel says.

She recalls an incident where one passenger refused to pay her the bus fare, claiming that he had already paid. He did not produce a ticket to prove his claims, rather, he bullied her simply because she was a woman. Such male bus passengers use their masculinity to psychologically and sometimes—physically intimidate women.

The challenges notwithstanding, female bus conductors receive support from family and friends, as well as professional bodies advocating for gender equality. The bus conductor’s job is largely informal, attracting mainly uneducated and poor people who are willing to work for a minimal wage. They have no job security and often hop from one employer to another depending on the availability of work shifts.

Rachel only managed to complete primary school education, and although she has always wanted to be a bus conductor. She also admits that she never had too many options in the job market. “Before I became a bus conductor, I ran various small businesses and prior I had worked as farmhand for a Unilever tea plantation in Mufindi, Iringa region (Southern highlands of Tanzania) where I hail from. I also worked as a cook and waitress in several small hotels back home,” she says.

Bus drivers and conductors in Tanzania rarely have a monthly salary. They must accept what remains off the bus owner’s daily allocated quota. With the current unprecedented rise in fuel prices, Rachel takes home between 8,000 and 15,000 Tanzanian shillings a day (between 3 and 6 Euros). “It is not as good as it was before hikes in fuel prices but still, I love what I do,” she adds.

She has one day off in a week and since her daily schedule is demanding, she has had to send her children to a boarding school. “Both my parents are dead, I have some relatives, but we are not that close, and I didn’t want to burden them with the care of my children while I am at work,” she says.

The deputy chairman of the Bus Drivers and Conductors Association at the Mbezi Luis bus stand on the outskirts of Dar es Salaam, Abdulrahman Mpanda, says that more female food vendors at the terminal are joining public transport to work as conductors, drawing inspiration from those already working in sector. Their bus stand now has five female conductors.

Kilasa Mtambalike is freelance journalist, media and PR consultant in Dar es Salaam.
kmtambalike@yahoo.com

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Uber für Lastwagen

31. Mai 2022 - 11:34
Amitruck funktioniert wie Uber für Lkw und ist ein vielversprechendes junges Unternehmen in Kenia

Sie funktioniert wie Uber mit Lastwägen. Die Plattform bringt also Lkw-Fahrer mit ihren Fahrzeugen und Kunden zusammen, und die Plattform optimiert auch die Strecken. Die Fahrer transportieren Waren aller Art zu den Kunden.

Der Gütertransport in Afrika ist sehr teuer und kostet laut Amitruck schätzungsweise fünf Mal mehr als in ­Industrieländern. Waren werden überwiegend auf der Straße transportiert, da viele Regionen über keine Infrastruktur für den Schienen- oder Luftverkehr verfügen. Die Plattform will zur Verbesserung der Logistik und Transportinfrastruktur in Kenia beitragen.

GreenTec Capital Partners hat gleich bei Gründung in das Start-up investiert. In diesem Jahr hat Amitruck bereits mehr als 4 Millionen US-Dollar an Investorengeldern eingesammelt. Das ist für ein Unternehmen, das erst zwei Jahre auf dem Markt ist, ein beachtlicher Erfolg, und Amitruck verbucht zweistellige Wachstumsraten im Monat. Das ermöglicht dem Unternehmen, nun auch nach Uganda, Ruanda und Tansania zu expandieren. Amitruck besteht aus einem Team von über 50 Angestellten, die die App technisch betreuen und vermarkten. Die Plattform hat mittlerweile über 4000 Fahrer unter Vertrag, die so vom informellen in den formellen Sektor überführt wurden und ein geregeltes Einkommen haben. SB

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