Sie sind hier

E+Z

Newsfeed E+Z abonnieren
Aktualisiert: vor 44 Minuten 36 Sekunden

55 Länder werden bis 2050 einen Bevölkerungsrückgang erleben

30. April 2020 - 14:57
UN-Statistiken belegen die Bedeutung von Migration für die Bevölkerungsentwicklung einzelner Länder

Im Jahr 2050 wird die Lebenserwartung weltweit im Schnitt 77,1 Jahre betragen. Das wären 4,5 Jahre mehr als heute, wie die UN-Hauptabteilung Wirtschaftliche und Soziale Angelegenheiten (Department of Economic and Social Affairs – DESA) in dem Bericht ausführt. Allerdings liege die durchschnittliche Lebenserwartung in reichen Weltre­gionen auch heute schon mehr als sieben Jahre über der benachteiligter Länder.

Rund die Hälfte des Bevölkerungszuwachses wird sich auf neun Länder konzentrieren, wie die Wissenschaftler schreiben: die Demokratische Republik Kongo, Ägypten, Äthiopien, Indien, Indonesien, Nigeria, Pakistan, Tansania und die USA.

In 55 Ländern werde die Bevölkerungszahl bis 2050 hingegen um mindestens ein Prozent abnehmen, heißt es in dem Report. Rückgänge von 20 Prozent oder mehr erwarten die UN bis 2050 unter anderem für Bulgarien, Lettland, Litauen und die Ukraine.

Bevölkerungsschwund hat laut UN in der Regel zwei Ursachen: weniger Geburten und mehr Abwanderung. Zu den zehn Ländern, die am stärksten von Auswanderung betroffen sind, gehörten unter anderem Bangladesch und Nepal, weil Menschen im Ausland bessere Erwerbschancen sehen. Auch Flucht sei relevant – beispielsweise vor Gewaltkonflikten in Syrien und Myanmar.

36 Länder haben laut UN-Statistiken in den Jahren 2010 bis 2020 jeweils mehr als 200 000 Menschen aufgenommen. Relevant sei dabei auch temporäre Migration, um Geld zu verdienen.

In neun demografisch bereits stark gealterten Ländern habe die Zahl der Einwanderer die der Auswanderer übertroffen und dadurch den Bevölkerungsrückgang abgefedert. In Deutschland und Italien sei die Bevölkerung durch Zuwanderung sogar gewachsen.

Die UN-Experten sehen Migration grundsätzlich positiv. Sie könne Millionen von Menschen aus der Armut befreien. Um das Entwicklungspotenzial zu nutzen, sei es wichtig, sichere und geordnete Migration zu fördern.

Der Bericht hebt hervor, dass demografische Trends weltweit die Erreichung der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals – SDG) bis 2030 erschweren. Dort wo Gesellschaften noch relativ jung und viele Mädchen noch nicht im gebärfähigen Alter sind, werde die Zahl der Geburten noch bis 2050 weiter wachsen. Das seien auch die Länder mit der höchsten Müttersterblichkeit.

Dort bestehe auch der größte, bislang ungedeckte Bedarf an Wissen über Familienplanung und verfügbaren Verhütungsmitteln (siehe Mahwish Gul im Schwerpunkt von E+Z/D+C e-Paper 2020/04). Gesundheits- und Bildungswesen müssten in diesen Ländern weiterhin auf viele Kinder ausgerichtet werden.

Die Gruppe der über 65-Jährigen ist aber den Daten zufolge weltweit die am schnellsten wachsende Altersgruppe. 2018 sei sie erstmals größer als die der Kinder unter fünf Jahren gewesen, und 2050 werde es mehr als doppelt so viele Menschen über 65 wie Kinder unter fünf Jahre geben.

Um das Wohlbefinden der alten Menschen sicherzustellen, sollte ihre soziale Absicherung verbessert und der Zugang zu medizinischer Versorgung garantiert werden.

Link
World Population Prospects 2019, Highlights:
https://population.un.org/wpp/Publications/Files/WPP2019_Highlights.pdf

Kategorien: Ticker

E+Z/D+C 2020/06 – covid – Monika Hellstern – OECD – women

30. April 2020 - 9:44
Covid-19 hits women harder, warns OECD

The study identifies three main reasons why women are hit harder than men by the coronavirus pandemic:

  • They are often responsible for taking care of sick family members and children on top of unpaid housework. These duties go on during a lockdown, and actually get more burdensome.
  • Women are more likely to suffer economically as their incomes and employment are less secure. Moreover, industries that mostly employ women are likely to be affected more.
  • More women are likely to suffer domestic violence due to confinement measures.

The health care response to Covid-19 heavily relies on women. Worldwide, women make up almost 70 % of the health care workforce and about 85 % of nurses and midwives, according to the OECD. Hence, women are more likely to be infected while treating patients.

In addition, women work a “second shift” at home. According to the OECD, women spend about two hours per day more on unpaid work than men. As schools and childcare facilities close and people stay at home, women’s childcare and housework burdens will increase.

According to the study, women’s employment is often less secure than men’s. In developing economies, many women work in the informal sector where they lack social and legal protection. Much informal activities take place in the streets and are discontinued during a lockdown.

Moreover, some industries which employ mostly women will be hit harder. For example, three-quarters of workers in the garment industry are women – up to 85 % in Bangladesh. They lose their income when factories and retail stores close.

On average, women’s income and wealth are lower than men’s. Thus, crisis-induced income loss may increase female poverty.

Violence against women is likely to spike during the crisis. With public spaces closed and people asked or forced to stay home, women and children have limited options to escape dangerous situations. Women often lack access to legal support. Lockdown restrictions exacerbate this problem. 

The OECD recommends specific policies.

  • Governments should provide support to parents doing essential work. Options include public childcare, direct financial support or the promotion of flexible work schedules.  
  • Governments should support workers facing job loss. Access to unemployment benefits and other social transfers should be extended and made easier. People in need could also be given one-off payments. Evictions from homes and utility or mortgage payments should be suspended.
  • Governments should provide support to victims of gender-based violence. They should make sure protective services are available and raise awareness for abuse being unacceptable.

The OECD insists that gender-specific data and research are needed. It points out that official development assistance (ODA) is essential in the pandemic response, but aid in the health-sector normally does not address gender inequality adequately. The OECD wants donors to work with women’s rights organisations and movements that know the local context.

The OECD predicts that women’s poverty levels, maternal mortality as well as adolescent pregnancies and related school dropouts will rise. Covid-19 is thus putting in jeopardy the achievement of gender-related SDGs.

Monika Hellstern is social-media editor at D+C/E+Z.
euz.editor@dandc.eu

Link
OECD, 2020: Women at the core of the fight against COVID-19 crisis.
https://read.oecd-ilibrary.org/view/?ref=127_127000-awfnqj80me&title=Women-at-the-core-of-the-fight-against-COVID-19-crisis

Kategorien: Ticker

Zweimal täglich Getreidebrei

28. April 2020 - 15:29
Wie die die Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie die Armen in Uganda belastet

Rachel Namaganda ist eine arbeitslose Mutter mit fünf Kindern im Alter von vier bis 13 Jahren. Die Familie lebt im Wakiso Distrikt, der die Hauptstadt Kampala umgibt. Rachel sagt, sie tue sich mit der Ernährung ihrer Kinder schwer: „Wenn morgens die Sonne aufgeht, weiß ich nicht, was ich ihnen zu Essen geben kann.” Derzeit gibt es täglich zwei Mahlzeiten – und beide bestehen aus Getreidebrei. So ergeht es zurzeit vielen Menschen.

Hillary Onek, Ugandas Minister für Nothilfe und Flüchtlinge, schätzt, dass 30 Prozent der städtischen Bevölkerung aktuell humanitäre Unterstützung brauchen. Präsident Yoweri Museveni ließ zuerst Schulen und Gotteshäuser schließen. Versammlungen wurden auch verboten. Später wurden der öffentliche Nahverkehr sowie jegliche nichtessenzielle Arbeit eingestellt. Nachts herrscht Ausgangssperre. Diese Regeln gelten bis zum 5. Mai. Das Land wirkt wie gelähmt, und viele Ugander konnten sich keine Lebensmittelvorräte anlegen.

Die Preise steigen schnell. Mancherorts kostet ein Kilo Bohnen jetzt 6 000 Uganda Schilling – doppelt so viel wie im Februar. Die Regierung hat vor Preistreiberei gewarnt und einige Händler deshalb sogar festgenehmen lassen. Not und Verzweiflung treiben die Preise dennoch in die Höhe. Zu wenig Nahrung zu bekommen, ist für kranke Menschen besonders schlimm, denn es reduziert ihre Genesungschancen.

Positiv ist, dass die Regierung begonnen hat, Lebensmittel wie Maismehl, Bohnen und Salz an bedürftige Bevölkerungsgruppen in Kampala und den Vororten zu verteilen. Kranke bekommen zusätzliche Lebensmittel wie Zucker und Milchpulver. Das ist ein guter Anfang, aber viele Notleidende werden gar nicht erreicht.

Nahrungsknappheit ist nicht das einzige Problem. Eine Frau, die aus dem Kongo geflohen ist und sich im Wakisa District ein Zimmer gemietet hat, klagt darüber, dass sie sich mit zwölf Nachbarn ein Badezimmer teilt. Sie spricht von einem “Albtraum” und fürchtet, sie können sich durch Berühren einer kontaminierten Türklinke mit Covid-19 infizieren. Sie sagt: „Ich habe mehr Angst vor dem Coronavirus als vor Hunger.“

Die Nerven sind angespannt, und häusliche Gewalt nimmt zu. Der Verband der Anwältinnen (Federation of Women Lawyers) berichtet, es würden mehr Fälle gemeldet als sonst. Die Vorsitzende, Lillian Adriko, sagt, innerhalb von einer Woche hätten 29 Anrufer von häuslicher Gewalt berichtet. Das habe mit der angespannten Wirtschaftslage zu tun. Die Zahl ist hoch angesichts der Tatsache, dass häusliche Gewalt tabu ist und die meisten Fälle nicht gemeldet werden. Oft sind die Männer betrunken. Derzeit scheint es aber auch oft Streit darüber zu geben, wer wie viel zu essen bekommt. Die An

Medienberichten zufolge waren bis Montag, den 27 April, 79 Covid-19-Infektionen in Uganda gemeldet worden. Tote waren nicht zu beklagen.

Gloria Laker Aciro Adiiki ist Journalistin in Uganda. Als Aktivistin engagiert sie sich zudem in der Unterstützung von Flüchtlingen.
Twitter: @GloriaLaker

Kategorien: Ticker

Kohleboom in Bangladesch

28. April 2020 - 14:48
Internationale Finanzinstitute fördern Kohlekraft in Bangladesch

13 dieser neuen Kraftwerke werden von chinesischen Staats- und Privatunternehmen getragen, davon sind momentan fünf im Bau. Alle diese Projekte gehen mit Landnahme und Bedrohung von Biodiversität einher. In eins der Kraftwerke investiert auch die durch China dominierte multilaterale Asiatische Infrastrukturinvestmentbank (Asian Infrastructure Investment Bank – AIIB), an der auch Deutschland beteiligt ist und die sich rühmt, „lean, clean and green“ zu investieren. Umweltauflagen sowie angemessene Entschädigungen für die Landbesitzer wurden jedoch missachtet.

Doch auch deutsche Unternehmen fördern die nicht nachhaltige Entwicklung: Die Firma Fichtner ist leitendes Ingenieurbüro beim Bau des Kohlekraftwerks in Rampal mit einer Leistung von 1300 Megawatt, wodurch die größten Mangrovenwälder der Welt dauerhaft zerstört werden könnten. Mangrovenwälder sind wichtige CO2-Speicher.

Bangladesch hat gleichzeitig ein riesiges Potenzial an Solar- und Windkapazität und könnte durch ein Zusammenspiel internationaler, supranationaler und nationaler Akteure eines der ersten Länder werden, die ein dezentrales, grünes Energiesystem aufbauen.

Kategorien: Ticker

China finanziert weiter weltweit Kohlekraft

28. April 2020 - 14:16
Chinas Energiepolitik ist voller Widersprüche

China ist ein widersprüchliches Land. ­Einerseits liegt es an der Weltspitze im Bereich erneuerbare Energien, andererseits liegen chinesische Unternehmen weltweit beim Ausbau neuer Kohlekraftwerke vorne: 54 Gigawatt (GW) in 20 Ländern (s. Global Coal Exit List der Umwelt- und Menschenrechtsorganisation urgewald). China ist allerdings kein Einzelfall: Die meisten Kredite für den Bau von Kohlekraftwerken weltweit stammen von japanischen und europäischen Banken.

Chinas Wirtschaftswunder basiert auf der Kohleförderung. Rund die Hälfte aller Kohle stammt aus dem bevölkerungsreichsten Land der Welt und wird auch dort verbrannt. Damit ist China der größte Kohleproduzent. Doch während China in der Steinkohleförderung Platz eins einnimmt, liegt Deutschland bei Braunkohleförderung und -verbrauch weltweit an der Spitze: 17 Prozent gegenüber 14 Prozent des Anteils am Weltverbrauch laut Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe. Auch ist Chinas Energiehunger nicht allein auf die chinesische Industrieproduktion zurückzuführen, denn Unternehmen aus aller Welt lassen in China produzieren und tragen so zum dortigen Rohstoffkonsum bei. Auch Deutschland führt natürlich mehr aus als es importiert.

2004 hat China begonnen, innen- und industriepolitisch umzusteuern. Mai Kai, damals Vorsitzender der obersten Planungsbehörde National Development and Reform Commission (NDRC), rief zu einer neuen Rohstoffpolitik auf, die das Land auf den Weg der Nachhaltigkeit führen sollte. Damit einher ging eine massive Förderung von Auslandsinvestitionen.

Begünstigt wurde diese Entwicklung durch nicht enden wollende Proteste gegen die enorme Luftverschmutzung und kritische Reportagen über das soziale Elend der Kohlebergarbeiter. Chinas Bergwerke werden seither modernisiert, 2014 erschienen Leitlinien für die soziale Verantwortung von Bergbauunternehmen, und die Braunkohleförderung ging erstmals seit 1970 zurück.

Nun soll Gas Kohle als Energieträger ersetzen – der entsprechende Transformationsprozess ist in vollem Gange. Die Regierung hat drastische Maßnahmen ergriffen, um den Kohleverbrauch zu senken: 2017 wurde das letzte Kohlekraftwerk in Peking vom Netz genommen, im September 2019 rief die Hauptregulierungsbehörde National Energy Administration (NEA) sogar alle Regionen und Provinzen auf, ihre Klein-Kohlekraftwerke (unter 50 000 Kilowatt) allesamt zu schließen. Außerdem sollen die Heizungen von mehr als 2 Millionen Haushalten in den Industriezentren mit starker Luftverschmutzung auf Flüssiggas (LNG) umgestellt werden. Dessen Import wird in den nächsten Jahren massiv ansteigen.

Doch in der Gesamtbetrachtung sind die Maßnahmen nur ein Tropfen im Ozean: Laut der Nachrichtenagentur Reuters machen die 8,7 GW vorgesehene Kohle-Einsparung nur etwas unter einem Prozent der Gesamtkapazität Chinas aus. Im Energiemix hat China zwar den Anteil der Kohle von 68 Prozent im Jahr 2012 auf 59 Prozent im Jahr 2019 abgesenkt, doch der absolute Verbrauch steigt weiter an. Zurzeit werden im Reich der Mitte Kohlekraftwerke mit einem Leistungsvolumen gebaut, das die gesamte Förderkapazität der Europäischen Union übersteigt. Übersehen wird bei der Kohle-zu-Gas-Strategie zudem, dass auch LNG zu den fossilen Energieträgern gehört.

Widersprüchliche Politik

China ist weltweit der größte Investor in erneuerbare Energien, 45 Prozent davon fließen ins eigene Land. Außerhalb der eigenen Grenzen investiert China aber kräftig in Kohle (siehe Beitrag von Katja Dombrowski in E+Z/D+C 2018/01, Monitor). Seit dem Eintritt des Landes in die Welthandelsorganisation und dem Start der sogenannten „Go Global“-Strategie im Jahr 2001 investieren chinesische Unternehmen – unterstützt durch die Außenhandelsförderung des Staates – massiv in ausländische Energie­infrastruktur. Der heimische Kohlemarkt war zu dieser Zeit gesättigt und Kohleunternehmen auf der Suche nach neuen Absatzmärkten, welche sie vor allem in Süd- und Südostasien fanden.

2010 erreichten die chinesischen Investitionen in Kohlekraftwerke ihren Höchststand. Allein in dem Jahr schlossen chinesische Unternehmen und Investoren Verträge über 50 GW an zusätzlicher Kohleverstromung mit anderen Ländern ab. Die Jahre 2010 bis 2013 waren dann von einer leichten Stagnation gekennzeichnet. Niedrige Wachstumsraten in Asien und Richtlinienänderungen in Indien – damals wie heute der größte Empfänger chinesischer Kohleinvestitionen – führten dazu, dass ­einige Projekte storniert wurden und Investoren zurückhaltender agierten.

2013 stellte die Regierung die Auslandsinvestitionen unter das Dach der One Belt One Road Initiative (siehe Beitrag von Katja Dombrowski in E+Z/D+C e-Paper 2017/10, Monitor). Im Rahmen einer neu formulierten Entwicklungsstrategie wurde die Förderung regenerativer Energien zur „Top-Priorität“ – und trotzdem landen drei Viertel der chinesischen Außenhandelsförderung im Energiebereich in fossilen Projekten. 221 GW Kohleverstromung sind geplant, fast das Doppelte der Vorhaben Indiens und mehr als die derzeitige Kapazität Deutschlands von 200 GW. Laut der Datenbank Global Coal Exist List 2019 sind 744 Kohlekraftwerke und -minen für 89 Prozent der weltweiten thermischen Kohleproduktion verantwortlich (die restlichen 11 Prozent erfasst die Liste nicht, weil es sich um Kleinkraftwerke handelt oder sie aus anderen Gründen nicht die Kriterien erfüllen). 400 dieser Unternehmen wollen expandieren, ein Viertel davon sind chinesisch.

Viele Zielländer chinesischer Investitionen stehen vor der Herausforderung einer rasant wachsenden Bevölkerung und eines steigenden Energiebedarfs, hervorgerufen vor allem durch voranschreitende Industrialisierung. Groß angelegte Investitionen in Kohle behindert diese Länder langfristig in ihrer Entwicklung. Die Kraftwerke haben eine durchschnittliche Lebensdauer von über 40 Jahren, viele werden aber früher außer Dienst gestellt werden müssen. Kohle ist die schmutzigste Art der Energiegewinnung überhaupt.

Laut einem Bericht des IEEFA (Institute for Energy Economics and Financial Analysis, 2019) mit Sitz in Ohio steigen chinesische Kreditgeber dort ein, wo andere Banken sich aus der Kohlefinanzierung zurückziehen. Der Bericht, der auf Daten des Global Coal Plant Trackers basiert, fand heraus, dass Entwicklungs- und Staatsbanken sowie Firmen aus China mehr als ein Viertel aller außerhalb von China geplanten Kohlekapazitäten (102 von 399 GW) finanzieren. Dazu gehören auch Investitionen in Kohleexport, Kohlekraftwerke sowie die dazugehörige Infrastruktur.

Die Daten der Umwelt- und Menschenrechtsorganisation urgewald ergaben darüber hinaus, dass chinesische Banken weltweit die dominierende Rolle bei der Förderung von Kohlekraftwerken einnehmen, da sie 69 Prozent der weltweiten Underwritings, also Investment-Dienstleistungen für die Kohleinvestitionen, übernehmen. Kurz gesagt: Sie sorgen dafür, dass sich die Kohleinvestitionen auch lohnen. Die Bevölkerung der Zielländer profitiert hingegen weniger – im Gegenteil: Vielerorts fehlen dringend nötige Umweltschutzauflagen oder diese werden vor dem Hintergrund der chinesischen Investitionen aufgeweicht (siehe Kasten).

Auch wenn Chinas gegenwärtige Energie- und Industriepolitik nicht unerheblich zum Klimaschutz beiträgt, sind chinesische Banken und Unternehmen zugleich führend in der Ausweitung der Kohleinvestitionen. Weltweit ziehen sich Kapitalgeber zunehmend aus dem Kohlegeschäft zurück und UN-Generalsekretär António Guterres hat dazu aufgerufen, ab diesem Jahr keine neuen Kohlekraftwerke mehr zu bauen. Doch das ist nur zu schaffen, wenn China als einer der führenden Finanzierer von Kohlekraft aussteigt. Die chinesische Firma Ping An, eine der größten Kohleversicherungen der Welt, hat nun den ersten Schritt gewagt und eine Kohleausstiegsstrategie vorgelegt. Das ist ein Hoffnungsschimmer – denn Kohle darf sich nicht mehr lohnen.

Es kann jedoch auch ganz anders kommen: Wie ein neuer Report von Carbon Tracker zeigt, will China nach der Corona-krise die Wirtschaft mit dem Bau neuer Kohlekraftwerke ankurbeln. Allein zwischen dem 1. und 18. März wurden acht GW neue Kohlekapazität genehmigt, Lockerung der Kohleregulierung wird in Aussicht gestellt und es gibt Pläne, zusätzliche 158 Milliarden Euro in neue Kohlekapazität zu investieren.

Quellen

Global Coal Exit List von urgewald:
https://coalexit.org

IEEFA, 2019: China at a Crossroads. Continued Support for Coal Power Erodes Country’s Clean Energy Leadership.
https://ieefa.org/wp-content/uploads/2019/01/China-at-a-Crossroads_January-2019.pdf

Gobal Coal Plant Tracker:
https://endcoal.org/global-coal-plant-tracker/

Carbon Tracker, 2020: Political decisions, economic realities: The underlying operating cashflows of coal power during COVID-19.
https://carbontracker.org/reports/political-decisions-economic-realities/

Nora Sausmikat arbeitet seit 2019 bei der Umwelt- und Menschenrechtsorganisation urgewald mit dem Fokus auf China. Vorher leitete sie viele Jahre das China-Programm der Stiftung Asienhaus.
nora.sausmikat@urgewald.org

Quirin Jetschke studiert internationale Beziehungen und Entwicklungspolitik an der Universität Duisburg-Essen und ist Werkstudent bei urgewald.
quirin.jetschke@stud.uni-due.de

Kategorien: Ticker

Angespanntes Verhältnis

27. April 2020 - 10:36
Benzinschmuggel belastet die Beziehungen zwischen Benin und seinem großen Nachbarn Nigeria

Im August 2019 hat Nigerias Bundesregierung die Grenzübergänge nach Benin gesperrt. Sie wollte so den Schmuggel von Benzin, kleinkalibrigen Waffen und Nahrungsmitteln – insbesondere Reis aus Asien – unterbinden. Benins Behörden warf sie vor, gemeinsame Sache mit Kriminellen zu machen. Führende nigerianische Unternehmer wie der Milliardär Aliko Dangote befürworteten das Vorgehen ihrer Regierung. Gelegentlich drangen nigerianische Sicherheitskräfte sogar auf das Territorium Benins vor.

Der Benzinschmuggel hat eine lange Geschichte, und er geht – wenn auch in geringerem Umfang – weiter. Um die 700 Kilometer lange Grenze weniger durchlässig zu machen, setzt Nigeria zusätzliche Patrouillen ein. Tankstellen nahe der Grenze wurden geschlossen. Um den Diebstahl aus Lagern des staatseigenen Mineralölunternehmens NNPC (Nigerian National Petroleum Corporation) zu reduzieren, wurden Sicherheitskontrollen erhöht.

Vodounou ist ein energiegeladener 30-Jähriger, dessen Familie vom Schmuggel lebt. Selten verbringt er eine ganze Nacht zu Hause bei Frau und Kindern. Mit dem Moped überquert er im Buschland illegal die Grenze zu Nigeria und füllt dort seine Kanister mit Benzin auf. Seine Frau Sé verkauft den Treibstoff dann tagsüber entlang der Schnellstraße von Cotonou nach Porto Novo. Vodounou berichtet, Benzin sei im Nachbarland nicht mehr leicht zu bekommen, was sein Geschäft erschwere. Früher holte er pro Tour 400 Liter Kraftstoff, aber jetzt ist er froh, wenn er auf 100 Liter kommt.

Gerüchten zufolge wird der Schmuggel von einflussreichen Mafiabanden kontrolliert, die mit Politikern und Beamten vernetzt sind. Früher schauten Amtsträger meist einfach weg, und in Benin tun sie das immer noch.

Nigeria ist ein ölproduzierendes Land, das Treibstoff subventioniert. Das ist die Sozialleistung, von der die Nigerianer am meisten profitieren. An regulären Tankstellen kostet Benzin in Nigeria nur etwa halb so viel wie in anderen westafrikanischen Staaten. Die Schmuggelware findet deshalb in Benin reißenden Absatz, obwohl die Qualität wegen Panscherei oft schlecht ist.

NNPC zufolge kostete der illegale Benzinhandel Nigeria vor der Grenzschließung etwa zwei Milliarden Naira (rund 5 Millionen Dollar) täglich. Seit der Schwarzhandel erschwert wurde, ist der Preis für geschmuggeltes Benzin in Benin deutlich gestiegen. Ein Liter kostet nur noch ein Prozent weniger als an regulären Tankstellen.

Doch die Beziehungen zwischen den beiden Ländern haben sich erheblich verschlechtert. Benins Außenminister Aurélien Agbénonci behauptet zwar, die Kommunikation sei gut. Aber einflussreiche Nigerianer halten sich kaum mit scharfer Kritik an Benins Präsident Patrice Talon zurück. Es ist ein offenes Geheimnis, dass auch die nigerianische Regierung davon ausgeht, dass der Staatsapparat in Benin wissentlich und tatenlos die Beniner von den Subventionen des Nachbarlands profitieren ließ, die eigentlich dazu da sind, den sozialen Frieden und die politische Stabilität in Nigeria sicherzustellen.

Die Grenzschließung trifft allerdings nicht nur die Schmugglerringe, sondern behindert auch den offiziellen Handel. Das belastet Berufspendler und Firmen mit Geschäftsbeziehungen ins Nachbarland und kann keine Dauerlösung sein.

Beide Ländern gehören der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS (Economic Community of West African States) an. Die ECOWAS hat ein Krisenkomitee gebildet, dessen Vermittlungsversuche aber auch nach mehreren Sitzungen zu keiner Annäherung geführt haben. Ein Ziel der ECOWAS ist, den Handel zwischen den Mitgliedsstaaten zu fördern und Entwicklung voranzutreiben. Allerdings sind Wirtschaftsbeziehungen in Afrika oft informell, was die Durchsetzung staatlicher Politik erschwert. Das gilt auch für Benin und Nigeria.

Als dieser Artikel im April entstand, war Covid-19 das alles beherrschende Thema, das politische Entscheidungsträger in Anspruch nahm und alle anderen Probleme weniger wichtig erscheinen ließ. Dennoch fragen sich die Menschen auf beiden Seiten der Grenze, wann sie wieder geöffnet wird, und welche Regeln dann gelten werden.

Karim Okanla ist Mediendozent und freier Autor.
karimokanla@yahoo.com

Kategorien: Ticker

Ein Impuls für Frauen

24. April 2020 - 12:12
Eine neu gegründete Schule macht Frauen für den Arbeitsmarkt fit

Seit Februar 2020 gibt es eine neue Schule für Mädchen und Frauen namens Unidas Escuela de Liderazgo para Mujeres (Einheitsschule für Frauen in Führungspositionen). Dort werden ihnen Fähigkeiten beigebracht, mit denen sie persönlich, wirtschaftlich und beruflich vorankommen sollen. Die Schule konzentriert sich nicht so sehr auf traditionelle akademische Fächer, sondern mehr auf Kompetenzen, die im Leben gebraucht werden. Dazu gehören: persönliche Finanzen, Projektmanagement, Gestaltung des Lebenslaufs, Führung und Selbstwertgefühl.

Wenn die Schule voll in Betrieb ist, wird sie zwei Kurse und vier Workshops pro Monat anbieten. Jeder Kurs wird zwischen 25 und 30 Schülerinnen und jeder Workshop bis zu 50 Schülerinnen aufnehmen können. Die Schule verfügt über drei Klassenzimmer, eine Bibliothek, ein Computerlabor und eine Grünfläche.

Das Projekt wurde von der 27-jährigen María Alejandra Menaldo ins Leben gerufen. Sie stammt aus der Region und leitete das iberoamerikanische Jugendnetzwerk, das sich für Demokratisierung einsetzt. Menaldo gründete die Schule im relativ abgelegenen San Marcos, um Frauen und Mädchen außerhalb der großen Städte mehr Chancen zu bieten. „Ich habe mich schon immer für die Gleichstellung der Geschlechter und die Stärkung der Rolle der Frau eingesetzt“, sagt sie.

Während der Gründungsphase werden die Schülerinnen durch Anzeigen in den sozialen Medien rekrutiert.

Menaldo hat Dozenten von internatio­nalen Organisationen gewonnen und will auch Vertreter lokaler Organisationen bitten, den Unterricht zu übernehmen. Die Schülerinnen zahlen eine kleine Gebühr, aber der Großteil der Kosten wird durch Spenden, vor allem von Menschenrechtsgruppen und Einzelpersonen, gedeckt.

Für die verarmte Stadt an der Südgrenze Mexikos, die Ende der 1990er Jahre als Zentrum des Drogenhandels bekannt wurde, ist ein Projekt, das die Stärkung der Frauen durch eine Berufsausbildung zum Ziel hat, geradezu revolutionär. „In den meisten Maya-Gebieten gibt es keine öffentlichen Dienstleistungen“, sagt Dorotea Gómez Grijalva, eine Aktivistin für die Rechte der Maya und Autorin von „Mi Cuerpo es un territorio politico“ („Mein Körper ist ein politisches Terrain“). „Bildungsangebote sind überfällig, insbesondere für arme Frauen, Mayas und Frauen auf dem Land.“

Statistiken über den Bildungsgrad belegen dies. Die Volkszählung von Guatemala im Jahr 2018 zeigt, dass 58 Prozent der Frauen landesweit null Jahre zu Schule gingen, im Vergleich zu 42 Prozent der Männer. Im ganzen Land ist der Anteil der Frauen, die Analphabetinnen sind, höher als der Anteil der Männer. Die Analyse der Volkszählung ergibt, dass Mädchen und Frauen oft die Schule verlassen (oder nie die Schule besuchen), um Hausarbeit und Kinderbetreuung zu erledigen. Der schlechte Bildungsgrad der Frauen führt zu geringeren Verdienstmöglichkeiten. Laut dem Global Gender Gap Index 2018 des Weltwirtschafts­forums rangiert Guatemala auf Platz 107 von 149 Ländern.

Gildaneliz Barrientos ist eine Journalistin in Guatemala.
gildacol54@gmail.com

Kategorien: Ticker

Zu langsam

24. April 2020 - 11:44
Im aktuellen Tempo kann Indien wichtige Klimaziele nicht erreichen

Covid-19 war im März und April das beherrschende Thema. Aber schon davor lief es nicht rund. Einer der vielversprechendsten Hersteller von Solarprodukten im Land schnappte schon nach Luft. Das Management klagte über „Konjunkturabschwung, inkonsistente Politik, ungünstige Handelsbeschränkungen und eine Liquiditätskrise“.

Tatsächlich scheinen die Transformationsziele in weiter Ferne. Das Institute for Energy Economics and Financial Analysis (IEEFA) aus den USA spricht von „nichtlinearem“ Fortschritt mit „zwei Schritten voran und einem zurück“.

Ein berechenbares Investitionsklima wäre aber nötig, um nachhaltige Infrastruktur zu schaffen, die menschliche Gesundheit schützt, ökologisch verträglich ist und das Wachstum antreibt. Denn Anleger wollen Risiken kalkulieren.

Kohle ist bislang der wichtigste Energieträger in Indien. 60 Prozent der Stromerzeugung beruhen darauf, und auf andere fossile Brennstoffe entfallen weitere 20 Prozent. Richtig ist aber auch, dass der Energieverbrauch in Indien recht gering ist. Pro Kopf entstehen etwa 80 Prozent weniger CO2-Emissionen als in Deutschland.

Solarstrom sollte eigentlich den Weg zu sauberer Selbstversorgung bahnen. Bis 2022 wurde eine Erzeugungskapazität von 100 Gigawatt (GW) versprochen, wofür Investitionen im Wert von 100 Milliarden Dollar nötig gewesen wären. So viel Geld ist aber nicht geflossen, und die aktuelle Solarkapazität beträgt nur 32 GW. Eine Verdreifachung in zwei Jahren ist kaum zu schaffen.

Selbstverständlich ist das Solarpotenzial in Indien riesig. Es ist aber leichter, große Versprechen zu machen, als sie zu halten. Es gibt ernsthafte administrative und finanzielle Probleme. Neue Zölle, die auf chinesische Solarpanele erhoben werden, haben den Wandel gebremst, aber die heimische Industrie nicht wirksam geschützt. Die Einführung der neuen Mehrwertsteuer hat sich ebenfalls störend ausgewirkt. Sie hat sechs verschiedene Sätze, die für unterschiedliche Sektoren gelten, von denen mehrere für erneuerbare Energie relevant sind. Schwierigkeiten machen auch der Patentschutz und der Zugang zu Technologie.

Diverse Verzögerungen haben nun zu einer Abwärtsspirale geführt. IEEFA-Experte Tim Buckley sagt, die Ziele für 2022 seien nicht mehr in Reichweite. Neben 100 GW Solarkapazität gehörten dazu auch 60 GW Windkraft, zehn GW auf Basis von Biomasse und fünf GW Wasserkraft aus Kleinanlagen.

Für das Finanzjahr 2029/30 sind für das landesweite Versorgungsnetz 450 GW erneuerbare Stromerzeugung geplant. Das wäre grundsätzlich zu schaffen. Allein für Windkraft in 100 Metern Höhe schätzen die Experten das Potenzial auf 300 GW. Ende letzten Jahres waren davon nicht einmal 37 GW verfügbar.

Das IEEFA beanstandet, dass Prodzenten, die erneuerbaren Strom in das Netz eingespeisen, nur 2,43 Rupien pro Kilowattstunde bekommt – ein Viertel bis ein Drittel weniger, als die Erzeuger von Kohlestrom einstreichen. Der finanzielle Anreiz stimmt nicht, auch wenn billiger Ökostrom im Stromversorgungssystem  sicherlich willkommen ist.

Energiespeicherung ist ein weiteres Problem. Die Sonne scheint nicht immer. Manchmal herrscht Windstille. Ohne Speicherkapazitäten kann die Versorgung der Nation nicht mit Erneuerbaren geleistet werden. Es gibt neue Lösungsmöglichkeiten und die Kosten sinken. Nötig wären jetzt ambitionierte politische Vorgaben. Stattdessen erleben wir Zögern bis hin zur Lethargie. Selbst der Energieausschuss des nationalen Parlaments hat Sorgen wegen der langsamen Umsetzung geäußert. Covid-19 dürfte zusätzlich bremsen.

Indien darf den Wandel aber nicht vermasseln. In Kaufkraft gemessen hat das Land die größte Volkswirtschaft der Welt und die Bevölkerung wird bald 1,4 Milliarden erreichen. Laut dem BP Energy Outlook 2018 wird Indien bis zum Ende dieses Jahrzehnts China als größten Wachstumsmarkt für Energie überholen. Indien braucht Energie, und die Lösungen müssen nachhaltig sein.

Aditi Roy Ghatak ist eine Wirtschaftsjournalistin aus Kalkutta.
aroyghatak1956@gmail.com

Kategorien: Ticker

E+Z/D+C 2020/05 – covid – mo – now – Raphael Mweninguwe – Malawi

23. April 2020 - 13:51
Court order has put in question Malawi’s Covid-19 lockdown

The government wanted to close all markets where people usually buy their daily food as well as all fast food stalls and restaurants. Nobody would have been allowed to go out without a permission from the responsible district council. During the lockdown, the police and the army were expected to enforce the rules. The duration was planned to be 21 days.

Most people in Malawi found the lockdown outlook more terrifying than the disease, though they acknowledged that Covid-19 is a serious challenge. Mary Nabanda, a 32-year old vegetable seller in Lilongwe, says: “The majority of Malawians are living from hand to mouth, and with this lockdown, life will be worse than the virus itself.”

In some places, vendors organised rallies against the lockdown. They normally survive on selling small merchandise on the streets and in the markets. They were joined by labourers from bus depots who also fear to lose their income. An estimated 53 % of the 17.6 million people in Malawi live in abject poverty, according to official statistics. Millions of people suffer hunger already due to the drought that hit the country hard in the past growing season.

In view of this reality, the Human Rights Defenders Coalition, a civil-society group, turned to the High Court. It insisted that appropriate measures be taken to ensure people’s food security was not put at risk, but also pointed out it did not oppose containing the disease.  

The High Court suspended the lockdown for seven days in order to hear parties and thoroughly assess the matter. On 23 April, however, the attorney general indicated that the government would not challenge the court’s injunction.

At the time of the court decision, Malawi had recorded 17 cases of Covid-19 infections and two related deaths, according to media reports. Another death has occurred since.  

Saulos Chilima, Malawi’s vice president, has criticised President Peter Mathurika’s administration for  planning a lockdown without properly considering the impacts on the poor. The vice president belongs to an opposition party and was reinstalled in office by the Supreme Court when, in a spectacular decision in May, it also annulled last year’s election (see my comment in Opinion section of D+C/E+Z e-Paper 2020/03). That judgment made clear for all to see that Malawi’s judiciary is a force to be reckoned with. 

Raphael Mweninguwe is a journalist who lives in Malawi.
raphael.mweninguwe@hotmail.com

Kategorien: Ticker

Chancen in der Krise

23. April 2020 - 10:42
Die Coronavirus-Pandemie lässt den globalen Energieverbrauch sinken und animiert zum Umdenken

Die Pandemie ist eine Zäsur. Viele Menschen in reichen Ländern sind gezwungen, ihren Alltag herunterzufahren – und stellen fest: Es geht auch anders. Wenn weniger reisen, digitaler arbeiten und eine gewisse Beschränkung auf das Notwendige zu Trends würden, die nach Corona weiterbestehen, würde der Energiebedarf nachhaltig sinken und das Klima profitieren. Ein wesentlicher Faktor ist auch die Produktion von Gütern nah am Verbraucher. Die Krise hat die Globalisierung neu auf den Prüfstand gestellt. Dramatische Engpässe werfen die Frage auf, ob es klug ist, Medikamente, Schutzkleidung oder medizinische Ausrüstung am anderen Ende der Welt produzieren zu lassen, damit sie bei uns ein bisschen weniger kosten. Die gleiche Frage lässt sich auf viele andere Güter übertragen. Zumal der Preisvorteil nur dadurch entsteht, dass der Transport nicht adäquat – also inklusive aller Kosten, zu denen auch Umweltkosten gehören – in den Produktpreisen enthalten ist, und dass fossile Energien nach wie vor stark subventioniert werden, siehe zum Beispiel Steuerbefreiungen für Kraftstoffe in der Luft- und Seefahrt.

Diese fehlgeleitete Förderung blockiert die Energiewende und muss spätestens jetzt überdacht werden. Das ist eine der Chancen, die in der Krise liegen. Eine andere besteht darin, die nun mobilisierten staatlichen Milliardenhilfen für die nötige Dekarbonisierung der Wirtschaft zu nutzen. Laut Fatih Birol, Chef der Internationalen Energieagentur IEA, hätte das den „doppelten Effekt, die Wirtschaft zu stimulieren und den Umbau der Energiewirtschaft zu beschleunigen“. Auch Entwicklungsländer müssen handeln. Sie brauchen dafür finanzielle Unterstützung – wenn auch nur einen Bruchteil der Billionenprogramme, die Europa und Nordamerika beschlossen haben.

Im besten Fall beschleunigt die Krise den europäischen Green Deal. Es besteht aber auch die Gefahr von Rückschritten. Öl ist momentan so billig wie lange nicht mehr, das schafft nicht gerade einen Anreiz für Abkehr oder sparsamen Verbrauch. Die europäische Autoindustrie ruft nach lockereren Emissionsgrenzwerten; die US-Regierung hat sie gerade beschlossen. Experten halten die Neuregelung für den größten Rückschritt in der US-Klimapolitik, denn im Verkehrssektor entstehen die meisten CO2-Emissionen überhaupt.

Eine weitere Gefahr besteht darin, dass die Bewältigung der Pandemie die Politik derartig dominiert, dass andere Entscheidungen lange vertagt werden. Klimapolitik hat bei einer drohenden epochalen Rezession der Weltwirtschaft einen schweren Stand. Sie zu vernachlässigen, wäre jedoch ein großer Fehler: Die Klimakrise ist nicht weg, im Gegenteil, sie spitzt sich weiter zu.

In der Coronakrise haben Regierungen bewiesen, dass sie weitgehend in das Wirtschafts- und Alltagsleben eingreifen können, dass sie bereit sind, dem Rat von Wissenschaftlern zu folgen und dass sie Milliarden mobilisieren können, wenn es gilt, großen Schaden abzuwenden. Nach der Pandemie wird es schwieriger sein als vorher, angesichts des Klimawandels die Achseln zu zucken. Am Ende steht also wieder eine Chance.

Katja Dombrowski ist Redakteurin von E+Z Entwicklung und Zusammenarbeit / D+C Development and Cooperation.
euz.editor@dandc.eu

Kategorien: Ticker

Sinnvolle Schuldenumwandlungen

22. April 2020 - 14:46
Geberregierungen dürfen nicht zulassen, dass Covid-19 Entwicklungserfolge der vergangenen Jahrzehnte zunichtemacht

Die Globalisierung hat der Weltbevölkerung steigenden Wohlstand und damit eine höhere Lebenserwartung beschert. Dies lässt sich den Berichten der UN entnehmen, laut denen sich die Lebenserwartung weltweit seit Anfang des 19. Jahrhunderts verdoppelt hat. Selbst in den ärmsten Staaten der Welt näherte sich die Lebenserwartung bis 2019 stetig an den globalen Durchschnitt von 73 Jahren an.

Global betrachtet, hat sich die Schere zwischen den armen und reichen Ländern in Bezug auf die Lebenserwartung weiter geschlossen – ein Erfolg der wirtschaftlichen Entwicklung. Die Politik der UN sowie der Gebernationen wie etwa Deutschland und Frankreich haben dazu beigetragen.

In Entwicklungsländern ist das Wachstum der Volkswirtschaft aber nicht die einzige Determinante, um die längeren Lebensdauern zu erklären. Den mit Abstand größten Beitrag zu weltweit höhere Lebenserwartung leisten der Ausbau und die Sicherung der Gesundheitsversorgung. Die Statistiken zeigen für die betreffenden Länder eine besonders enge Korrelation zwischen der Entwicklung der Gesundheitsausgaben und der Lebenserwartung.

Der pandemiebedingte Shutdown der globalen Lieferketten gefährdet diese Erfolge; wenn er sie nicht gar ganz vernichtet. Daraus folgt die zugegebenermaßen provokante These: die derzeitige Weltwirtschaftskrise ist eine noch viel größere Katastrophe, als die unmittelbare Covid-19-Pandemie – mit Millionen Tote am anderen Ende der Kette!

Denn in Ländern wie Indien und Brasilien wird das Prinzip des Social Distancing nur dort möglich sein, wo arbeitsteilig produziert und individualisiert gelebt wird. Unter den Millionen Tagelöhnern im informellen Sektor, in den Slums von Mumbai, den Favelas von Rio de Janeiro oder den Hüttensiedlungen in Afrika ist Abstandhalten nicht möglich. Das Virus wird sich ungebremst exponentiell ausbreiten, Schwache und Kranke tödlich treffen, gleichzeitig fällt Einkommen für den Erwerb von Nahrung weg.

Ohne zeitnahe Liquidität werden die Wirtschafts- und Gesundheitssysteme der Entwicklungs- und Schwellenländer sehr bald zusammenbrechen – mit der Folge von Abertausenden Toten. Diese Länder brauchen umgehend Finanzmittel, um die Ausbreitung des Coronavirus zu bekämpfen. Alle Mittel, die jetzt als internationale Unterstützung fließen, sollten verlorene Zuschüsse sein, um den Schuldenstand der schwächsten Länder nicht zusätzlich in die Höhe zu treiben. Ergänzend sollte die Bundesregierung schnell die von den G20 versprochene Aussetzung des Schuldendienstes von Entwicklungsländern umsetzen. So werden in Partnerländern Finanzmittel für die Pandemiebekämpfung und eine nachhaltige Stärkung der Gesundheitssysteme frei.

Die Bundesregierung muss auch künftig verstärkt auf Schuldenumwandlungen zurückgreifen und die dafür vorhandenen Haushaltsmittel vollständig ausnutzen. Bundesminister Gerd Müller hat gesagt:  „Jetzt hat die Stunde der Vereinten Nationen geschlagen.“ Diesem Versprechen müssen nun Taten folgen. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) kann entsprechende Haushaltsposten nutzen und den UN mindestens weitere 500 Millionen Euro zur Stabilisierung der Gesundheitssysteme zur Verfügung zu stellen.

Deutsche Politik kann nicht nur auf Infektions- und Sterbefälle im Heimatland schauen, sondern muss die Auswirkungen eines Shutdowns langfristig und weltweit bedenken. Je länger er anhält und je mehr die Wirtschaftskraft nachlässt, desto stärker wird die Lebenserwartung weltweit, auch bei uns, sinken. Wir müssen alle Möglichkeiten verantwortungsvoll nutzen, um den Wirtschaftsmotor wieder anzuwerfen – und zwar weltweit.

 

Christoph Hoffmann ist Mitglied des Deutschen Bundestages und entwicklungspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion. Die im Text gemachten Aussagen spiegeln allein seine persönliche Meinung wider.
christoph.hoffmann@bundestag.de

Kategorien: Ticker

Zerstörerischer Bedarf an Brennholz

21. April 2020 - 10:52
Viele Menschen in Uganda sind auf traditionelle Biomasse als Energieträger angewiesen

Etwa 90 Prozent des Energieverbrauchs in Uganda wird offiziellen Zahlen zufolge durch Biomasse gedeckt. Feuerholz macht knapp 80 Prozent davon aus, 10 Prozent entfallen auf Holzkohle und Erntereste. Elektrische Energie trägt nur 1,4 Prozent zur Energiebilanz bei. Das 7. UN-Ziel für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goal – SDG) ist die zuverlässige Versorgung aller Menschen mit günstiger und sauberer Energie. Davon ist Uganda noch weit entfernt.

Traditionellerweise sammeln Frauen und Mädchen auf dem Land Feuerholz, um es zu trocknen und zu nutzen. Doch inzwischen werden auch Bäume abgeholzt, um Brennholz zu gewinnen. Ein beachtlicher Teil davon wird auf städtischen Märkten verkauft. Außerdem steigt der Bedarf an Ackerland in ländlichen Gebieten, denn die Bevölkerung wächst. Die Abholzung gefährdet die Wälder und verursacht erhebliche Umweltschäden. Laut staatlichen Angaben sind Ugandas Wälder in nur zwei Jahrzehnten von 1990 bis 2010 von fast 50 000 km² auf nicht einmal mehr 30 000 km² geschrumpft. Der Trend hält an. Die Regierung schätzt, dass jährlich eine Fläche von 900 km² Wald verschwindet.

Das hat Folgen. Feuerholz wird knapp, sodass der Preis steigt und noch mehr Holz geschlagen wird. Der Wald schrumpft weiter, sodass Frauen und Mädchen beim Holzsammeln immer weiter laufen müssen. Erwachsene Frauen haben dadurch weniger Zeit für die Feldarbeit oder ein kleines Gewerbe, und Mädchen versäumen die Schule (siehe hierzu auch Dagmar Wolf im Monitor des E+Z/D+C e-Paper 2020/04).

In den meisten Dörfern gibt es keinen elektrischen Strom. Offene Feuerstellen im Haus – sei es Holzfeuer oder Kerosinöfen – sind ein großes Gesundheitsrisiko, aber vielen Menschen bleibt keine Wahl. Nur etwas mehr als 20 Prozent der Haushalte sind an das Stromnetz angeschlossen. Allerdings sind Stromausfälle häufig. Trotz der geringen Abnehmerzahl wird nicht ausreichend Strom bereitgestellt, um den Bedarf zu decken. Hebammen behelfen sich regelmäßig während Geburten mit dem Schein ihres Smartphone. Mangelhafte Energieversorgung behindert nicht nur soziale Dienste, sondern auch die ökonomische Entwicklung (siehe Derrick Silima im Schwerpunkt des E+Z/D+C e-Paper 2020/05).

Die Regierung befürwortet Solarenergie. Solarpanels werden genutzt, um Handys aufzuladen oder Wohnräume zu beleuchten. Das können sich selbst Menschen mit geringem Einkommen leisten, und schätzungsweise 20 Prozent der Haushalte nutzen diese Technik.

Der Energiesektor hat große wirtschaftliche Bedeutung. Brennstoffabgaben, die Mehrwertsteuer auf Strom und der Export von Elektrizität generieren Staatseinnahmen. Zudem zieht diese Branche Privat-investitionen an. Der Energiesektor ist eine Grundlage für andere Wirtschaftszweige und beschäftigt selbst Mitarbeiter. Die Regierung hofft, dass das kürzlich entdeckte Ölvorkommen Ugandas Perspektiven auf lange Sicht verbessern wird. Bisher ist davon nichts zu spüren.

Der Ölpreis auf dem Weltmarkt schwankt zur Zeit stark (siehe Hans Dembowski im Schwerpunkt des E+Z/D+C e-Paper 2020/05). Niedrige Preise nützen Uganda; aber hohe Preise treiben sofort Inflation an. Uganda ist Nettoimporteur von Erdölprodukten wie Diesel, Benzin und Kerosin. Die amtliche Statistik schätzt den Wert der erwarteten Brennstoffimporte im kommenden Jahr auf 1,2 Milliarden Dollar. Wegen der aktuellen Preisschwankungen sind solche Prognosen allerdings sehr unsicher.

Umweltaktivisten mahnen, dass fossile Energieträger aufgrund des Klimawandels keine Zukunft haben. Doch die Regierung hofft, mit der Förderung im Inland die Ölimporte zu drosseln. Im Prinzip ist Uganda ist mit zahlreichen Energiequellen gesegnet. Um die Ziele für nachhaltige Entwicklung zu erreichen, müssen alle Optionen ausgelotet werden. Davon hängt die Entwicklung des Landes ab. Das Potenzial erneuerbarer Energieträger – insbesondere Solarenergie – ist riesig. Dies sollte in erster Linie genutzt werden.

Gloria Laker Aciro Adiiki ist Journalistin in Uganda. Als Aktivistin engagiert sie sich zudem in der Unterstützung von Flüchtlingen.
Twitter: @GloriaLaker

Kategorien: Ticker

Beschäftigungsprogramme

20. April 2020 - 15:17
Beschäftigungsprogramme bauen wichtige Infrastruktur und lindern gleichzeitig Armut

Afrika braucht jährlich rund 20 Millionen zusätzliche Arbeitsplätze. Selbst eine erfolgreiche wachstumsorientierte Politik kann das kaum leisten. Ohne Jobs wachsen in der jungen Bevölkerung Gefühle von Frustration und Entfremdung. Staaten müssen sich der Herausforderung stellen (siehe Hans Dembowski im Schwerpunkt des E+Z/D+C e-Paper 2020/04). Zur Wiederbelebung afrikanischer Volkswirtschaften nach der Corona-Krise werden Jobs noch wichtiger sein.

Die ländliche Entwicklung Chinas in den 1980ern wurde durch arbeitsintensive PWPs erheblich unterstützt. Die Programme bauten die lokale Infrastruktur auf und brachten viele Menschen in Arbeit. Ein ähnlicher Ansatz ist seit über zehn Jahren in Indien nützlich. 2005 wurde eine nationale Beschäftigungsgarantie für den ländlichen Raum eingeführt. Jeweils einer Person aus jedem armen ländlichen Haushalt stehen 100 Arbeitstage zum gesetzlichen Mindestlohn im Infrastrukturaufbau zu. Millionen partizipieren und viele Teilnehmende sind Frauen.

Afrikanische Politiker haben das zur Kenntnis genommen. PWPs lindern nicht nur die Armut benachteiligter Gemeinschaften, sie fördern Produktivität und treiben Wirtschaftswachstum an – und zwar besonders im ländlichen Raum. Daher setzt Afrika wieder vermehrt auf PWPs. Ihre Zahl stieg laut Weltbank von nur einer Handvoll im Jahr 2005 auf etwa 50 im Jahr 2015. Kein anderes sozialpolitisches Instrument wurde stärker ausgeweitet.

Trotzdem investieren Regierungen bisher nur wenig Geld in PWPs. Es wäre sinnvoll, die Mittel aufzustocken und die Programmqualität zu verbessern. Bisher konzentrieren sich afrikanische PWPs auf den Aufbau der ländlichen Infrastruktur, etwa auf Bewässerung, Wiederaufforstung, Bodenschutz sowie den Bau und die Instandhaltung ländlicher Straßen. Neuere PWPs unterstützen aber auch junge Menschen und informelle Betriebe in Städten. Die Programme sollen Benachteiligte nicht nur schnell in Arbeit bringen, sondern ihre Chancen langfristig verbessern.

PWPs haben potenziell eine dreifache Wirkung:

  • sie kommen direkt den Menschen zugute, die sie beschäftigen,
  • sie verändern die Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt und können das Lohnniveau insgesamt steigern, und
  • die öffentlichen Güter, die sie produzieren, verbessern das Geschäftsumfeld.

Natürlich sind die Auswirkungen je nach Land und Kontext unterschiedlich. Klar ist jedoch, dass PWPs das Leben armer Menschen verbessern. Besonders Frauen und Jugendliche profitieren.

Der Erfolg der PWPs hängt von umsichtiger Planung und guter Umsetzung ab. Ziele müssen klar definiert werden. Das Lohnniveau sollte andere Unternehmen nicht beeinträchtigen. Bauarbeiten müssen in Saisons geplant werden, in denen viel Unterbeschäftigung herrscht.

Die Kapazitäten afrikanischer Staaten sind eher schwach. Gut geplante PWPs können diese stärken und Regierungen helfen, ihre Entwicklungsziele zu erreichen. Es ist wichtig, aus Erfahrungen in Afrika zu lernen und die Erfolge Chinas oder Indiens zu berücksichtigen.

Vielerorts zeigen sich bereits Erfolge. Im ländlichen Äthiopien beispielsweise kombiniert das Productive Safety Net Programme (PSNP) ein PWP-Elemente mit der Förderung von Landwirtschaft und Ernährungssicherheit. Studien zeigen, dass die Viehbestände in der Folge zugenommen haben und die Hungerphasen verkürzt wurde. Private Investitionen und Transfers wurden nicht erschwert.

Politische Entscheidungsträger sollten folgende Dinge bedenken:

  • PWPs sind wichtig, um Armut und Arbeitslosigkeit von gering qualifizierten Menschen in Afrika zu bekämpfen. Jetzt ist die Zeit zu handeln.
  • PWPs erfordern ergänzende Maßnahmen, wobei besonders ländliche Entwicklung gefördert werden sollte.
  • PWP-Wirkungen verbessern sich, wenn Geschlechteraspekte berücksichtigt werden.
  • Monitoring und Evaluierung sind nötig, um aus PWPs Lehren zu ziehen.

Wie immer muss Politik gut konzipiert und umgesetzt werden. PWPs bieten Regierungen eine gute Chance, sich zu beweisen.

Link
Sakketa, T. G., and von Braun, J., 2019: Labour-intensive public works programs in sub-Saharan Africa: Experiences and implications for employment policies. ZEF Working Paper 180.
https://www.zef.de/fileadmin/user_upload/ZEF_WP_180.pdf

Joachim von Braun ist Direktor des Center for Development Research (ZEF) der Universität Bonn.
jvonbraun@uni-bonn.de

Tekalign Sakketa ist Wissenschaftler am ZEF.

Kategorien: Ticker

E+Z/D+C 2020/05 – covid – op – Axel und Katharina Michaelowa

17. April 2020 - 14:37
Neglect of how the urban poor live, is making Covid-19 responses dangerous in many low-income countries

Normal
0

21

false
false
false

DE-CH
X-NONE
X-NONE

/* Style Definitions */
table.MsoNormalTable
{mso-style-name:"Normale Tabelle";
mso-tstyle-rowband-size:0;
mso-tstyle-colband-size:0;
mso-style-noshow:yes;
mso-style-priority:99;
mso-style-parent:"";
mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt;
mso-para-margin-top:0cm;
mso-para-margin-right:0cm;
mso-para-margin-bottom:10.0pt;
mso-para-margin-left:0cm;
line-height:115%;
mso-pagination:widow-orphan;
font-size:11.0pt;
font-family:"Calibri",sans-serif;
mso-ascii-font-family:Calibri;
mso-ascii-theme-font:minor-latin;
mso-hansi-font-family:Calibri;
mso-hansi-theme-font:minor-latin;
mso-ansi-language:DE-CH;
mso-fareast-language:EN-US;}

To slow down the spread of coronavirus, many developing countries are following the example set by industrialised countries by imposing strict lockdowns. They require people to stay at home and refrain from economic activities. However, governments tend to severely underestimate the impact on the poor.  

On 12 April, Tedros Adhanom Ghebreyesus, the director general of the WHO stated clearly: “In countries with large poor populations, the stay-at-home orders and other restrictions used in some high-income countries may not be practical. Many poor people, migrants and refugees are already living in overcrowded conditions with few resources and little access to health care. How do you survive a lockdown when you depend on your daily labor to eat?”

While governments claim they will be able to feed the poor masses, information emerging from key countries like India suggests that such assistance is patchy and does not replace the daily earnings. Moreover, in cramped urban slum conditions, any social distancing is illusory.

Coronavirus is deadly mostly in age groups beyond 60 years. Thus, the impacts of a coronavirus epidemic on a predominantly young population – as is typical of developing countries – are likely to be relatively limited. Furthermore, lockdown policies themselves cost lives in poor countries. This is not just due to brutality exerted by police officers enforcing the rules. In Nigeria, the police have reportedly already killed more violators of the lockdown than people have died from the virus. The main impact on lives is indirect: poor people cannot eat unless they earn money. Therefore, one does not even need to recur to a potentially morally questionable balancing between economic cost and the value of lives to get to the conclusion that a strict lockdown may be the wrong policy in poor countries. More, rather than less people may die.

There is one major caveat: no robust information is available regarding how coronavirus strikes in malnourished populations, especially if they also suffer indoor and outdoor air pollution. First quantitative research from the US suggests a significant link between air pollution and coronavirus mortality. Given the high incidence of indoor and outdoor air pollution in poor developing countries, this is alarming. We lack robust knowledge, so a dedicated research effort on coronavirus mortality given the multiple potentially relevant and reinforcing vulnerabilities of the poor (malnutrition, air pollution, other morbidities) is needed. To target policy responses effectively, we must urgently understand how the “cocktail” of mortality risks works.

Any lockdown lifting, moreover, should go along with systematic protection and isolation of highly vulnerable groups as far as possible. For example, the elderly and their caregivers would ideally be quarantined until a vaccine or a good treatment becomes available.

This is a huge challenge of course. No country so far has undertaken such an isolation strategy successfully. Historical experience from the 1918 influenza pandemics shows, however, that creating such “escape communities” can work. National governments in the global south must consider the related questions seriously, and they deserve massive support from bilateral and multilateral agencies. 

Axel Michaelowa is senior researcher at the University of Zurich and senior founding partner of the consultancy Perspectives.
axel.michaelowa@pw.uzh.ch

Katharina Michaelowa is Professor of Political Economy and Development at the University of Zurich.
katja.michaelowa@pw.uzh.ch

Kategorien: Ticker

E+Z/D+C 2020/05 – covid – mo – Bruno Wenn – EDFI study

17. April 2020 - 8:51
In Covid-19 crisis, EDFI members can ease the plight of private-sector companies in low-income countries

The research paper was prepared by scholars from leading think tanks as well as the UN Economic Commission for Africa on behalf of the Association of European Development Finance Institutions (EDFI). Among other things, EDFI wanted to know how its member organisations can – and should – support recovery. Put simply, the development finance institutions (DFIs) are government agencies that function like investment funds and have the mandate of supporting the private sector.

The report finds that the pandemic impacts already are profound and will get worse. A core problem is that African governments lack the financial resources to respond effectively. To date, international donors are focusing primarily on supporting the public sector. The authors insist that the private sector will require aid too. Job losses must be minimised, and livelihoods must be preserved. According to the research paper, EDFI members are well positioned to channel relevant support to businesses in crises, provided they are themselves supported generously by their governments and donors.

The report points out that European governments have made large-scale financial commitments to support their own markets, but that many African governments lack the resources necessary to do anything similar. The international community has begun to respond to that need, but it has not been paying attention to the private sector.

On Wednesday this week, for example, the G20 decided to allow low-income countries to suspend the servicing of bilateral debts from May to the end of this year. That was a good step, but more will be necessary. Moreover, it will not really ease the plight of private-sector companies in least-developed countries.     

Development finance institutions have a history of acting as economic first responders. Their established presence in Africa means that they can act fast. According to the report, EDFI members directly and indirectly employ 5.4 million people in the poorest economies. They are ready to channel liquidity into African businesses.

Because the scale of the crisis is so great, however, DFIs will need considerable financial support themselves to intervene effectively. The research paper therefore recommends that some existing aid financing be redirected to DFIs. Moreover, the authors want credit criteria to be loosened for DFIs to take on more risk and commit more funding. The hope is that steps of this kind, if taken quickly, will prevent the economic contraction from becoming a major development failure.

The economic impacts of Covid-19 will persist beyond the immediate lockdowns. We must not only address the public health crisis, but also have to support private businesses. And we must act now.

Link

Bilal, S., Griffith-Jones, S., Kapoor, S., Karingi, S., Songwe, V., and te Velde, D. W., 2020: Saving Africa’s private sector jobs during the coronavirus pandemic. EDFI.
https://www.edfi.eu/wp/wp-content/uploads/2020/04/Saving-Jobs-During-Pandemic_te-Velde-et-al_15-April-2020.pdf

Bruno Wenn is chairman of EDFI, the association of European Development Finance Institutions.

 

Kategorien: Ticker

E+Z/D+C 2020/05 – covid – op – Arfa Khanum – pandemic apartheid

16. April 2020 - 14:24
In India, Hindu-supremacists are now blaming Muslims for Covid-19

“Covid Jihad” is a slogan that has become popular among India’s right-wing populists. They blame the novel coronavirus epidemic on Muslims. They do so on private TV networks and social-media platforms. 

Muslims are regularly made scapegoats in today’s India (see my essay in Tribune of D+C/E+Z e-Paper 2020/03). According to the hate mongers most recent poisonous narrative, Muslims are intentionally spreading the disease. As a result, Muslim vegetable vendors or cabdrivers have been attacked. In view of the pogrom that rocked Delhi in February (see Blog post by Hans Dembowski on our D+C/E+Z website), many Muslims fear the ongoing hate campaign may lead to violence against them. As they tend to belong to the poorest sections of society, many feel helpless.

The hate rhetoric escalated in March after the Tablighi Jamat, an Islamic missionary outfit based in Delhi, held a meeting with few thousand people at its headquarters. It is an orthodox Sunni organisation, but certainly not extremist. Its network has a presence in more than 100 countries around the world.  

Many infections in India can indeed be tracked to this meeting, which began before Prime Minister Narendra Modi’s national lockdown started on 25 March. The Tablighi Jamat claims that it did not organise any congregation, and that it functions as a residential complex for Indian and international Jamatis all around the year. While it certainly should have acted more responsibly, the accusation that it intended to infect participants in order to spread the disease is obviously absurd. Hindu-supremacists want people to believe that, what obviously was a tragedy, was an evil conspiracy.

At the same time, many Hindu festivities went on, all too often with the involvement of politicians from the ruling party, the BJP. It often turns a blind eye when its members breach rules, but its spokespersons on TV and trolls on social media hold every Muslim in the country accountable for any failing by any Muslim. If this anti-Muslim hate propaganda is not contained fast, we may soon face nothing short of “pandemic apartheid” - at least in some pockets of Indian society.

Since Modi’s re-election in May last year, there has been an increasing tendency for anyone who challenges the dominant narrative to be attacked. One example is Siddharth Varadarajan, founding editor of the website The Wire, which I work for. He published a fact-based account of a Hindu religious event in which Yogi Adityanath, one of the most aggressive BJP leaders, participated in – in contravention of the national lockdown. He publicly corrected an irrelevant inaccuracy in the original story, but it became the pretext for police action.

Adityanath is the chief minister of Uttar Pradesh (UP), India’s most populous state. Because of the article, the UP police registered two criminal cases against the editor. The police also demanded that he travel 690 km to eastern UP to answer questions during the lockdown. Following a public outcry, the police back-tracked a little and said he could testify via email. Nonetheless, the action against him is an attack on press freedom. It is designed to intimidate not just media workers, but anyone who dares to speak up against Hindu-supremacism.

Link
“Editors Guild criticises U.P. govt.”, report in The Hindu, a daily newspaper:
https://www.thehindu.com/news/national/editors-guild-criticises-up-govt/article31322888.ece

Arfa Khanum Sherwani is senior editor with the independent Indian news website TheWire.
Twitter: @khanumarfa
TheWire: https://thewire.in/

 

Kategorien: Ticker

E+Z/D+C 2020/05 – bl – dem – Zattler – covid

15. April 2020 - 10:52
Covid-19 crisis provides clues on how global governance must improve

The global Covid-19 crisis teaches us several lessons. According to Zattler, they include that “human and animal health are interdependent and bound to the health of the ecosystems in which they exist” and that “a weak health system in one country can threaten the entire world, and pockets of poverty can foster the uncontrolled spread – even in high-income countries’.”  That means that “we are all in this together” and that “strong public institutions” are essential,  both at national and supranational levels.

Most economists expect the global downturn now to prove more devastating than the one that started in 2008 after the collapse of Lehman Brothers, the investment bank. The impacts on developing countries will most likely be particularly hard, with remittances falling, commodity prices dropping and capital outflows reaching record levels. Zattler warns of “looming food crisis”. Governments’ emergency programmes to reduce the economic impact and stimulate business are important, but they should also serve the achievement of long-term goals, he demands:

“If companies are not liquidated, workers not fired and business relationships not cut off, the recovery will be stronger after a period of forced “hibernation”. But this should not be an unconditional life-line. It is important to ensure that this stimulus is “future-fit” and supports the structural transformation of our economies. As the UN secretary-general put it: ‘recover better’ – with more inclusive and sustainable models of development, such as tax incentives for green investments (e.g. in energy efficiency) or extending public ‘green’ infrastructure, as well as supporting local entrepreneurs to pilot innovative ideas.”

The World Bank’s current action, according to Zattler, is organised along “three lines of defence”:

  • The first is to boost health care in partner countries.
  • The second is economic stabilisation, expanding partner countries’ fiscal space, including for social-protection transfers without which the development gains of recent decades may be lost.
  • The third is to keep private-sector businesses viable.

The board member acknowledges in passing that debt problems are making it harder for many governments to respond to the crisis.

Zattler regrets that an internationally-coordinated global response to the global Covid-19 crisis is made more difficult by weaknesses of the multilateral system: “Unlike in the security sector with the UN Security Council on top, there is no overarching international governance structure that deals with economic risks.”

A global panel assessing risks the way the Intergovernmental Panel on Climate Change does, would be helpful, Zattler writes. It would also make sense to establish something like a World Crisis Committee led by the UN secretary-general. That proposal was made by Gerd Müller, Germany’s Federal Minister for Economic Cooperation and Development, to whom Zattler reports.

A core challenge is that national governments  show inadequate interest in making efforts related to global public goods (GPG). For obvious reasons, they want others to take care of these issues. However, the current multilateral system also has only limited incentives to invest in GPG and crisis prevention, Zattler laments. That is true even of the World Bank.

“The World Bank’s business model is based on country programmes and demand from member countries. This is a big strength and should not be changed. However, when crises, as the current one, have spill-over effects – the model of GPG, including crises prevention and reaction, gets challenged.”

Zattler insists that humanity needs a stronger multilateral architecture:

“We can be certain that this will not be the last global crisis – with other pandemics looming, climate change accelerating, and biodiversity vanishing; not to speak about local and regional crises such as expanding bushfires and the current locust invasion in East Africa. Just as with coronavirus – there are several other, potentially more disastrous ‘curves'’ that ought to be ‘flattened’ – in and beyond our lifetime.”

Link
Zattler, J., 2020: “Never let a crisis go to waste!”
https://www.cgdev.org/blog/never-let-crisis-go-waste

Kategorien: Ticker

E+Z/D+C 2020/05– mo – nowadays – Moutaz Ali – Libya – journalist

14. April 2020 - 11:25
Journalists in Libya work in an atmosphere of fear and lawlessness

According to the Committee to Protect Journalists, 14 journalists have been killed in Libya since 1992, half of them in the past six years. Many more are missing. Another organisation, Reporters Without Borders (also known as Reporters Sans Frontières, or RSF) says many news organisations have left the country due to safety fears, leaving an “information black hole”.

It says that 20 journalists have been killed there since 2011 and scores more imprisoned, in an atmosphere of “complete impunity” for perpetrators. It gives Libya a ranking of 162 out of 180 countries in its 2019 World Press Freedom Index. In December, several incidents confirmed that 2019 was among the worst years for journalism in Libya. Among other incidents, two journalists were arrested in Tripoli for simply doing their jobs.

A month earlier, a journalist I will call J.* was snatched from the street and beaten over several days by armed militiamen. They were angry that he had posted a video on social media showing the immediate effects of an aerial bombardment of Misrata, a coastal town about 200 km east of Tripoli.

The journalist reported that the bombardment was carried out on the orders of Field Marshal Khalifa Haftar, commander of the Libyan National Army. Mr. Haftar supports Libya’s “House of Representatives” government, which controls the eastern and central parts of the country.

J., who has since managed to leave Libya, says the thugs who beat him objected in particular to his instant commentary during the bombardment. His report, accompanying live images he posted on Snapchat, said that “Mr. Haftar is bombing Misrata heavily. People are out running in the streets and don’t know what to do.”

Although there is no “share” feature in Snapchat and posted videos disappear after 24 hours, someone recorded J.’s post and circulated it via Facebook. Armed militias took offence.

“A friend called me early the next day and told me armed militia are searching for me,” J. told me. “I checked my Facebook messenger and found many messages saying the same thing. I went to a police station with a friend but it was closed. While my friend get out to check on a way to get into the police station, another car– a large vehicle with tinted windows – pulled up and a burly masked man carrying a gun got out. He dragged me roughly from my car saying, ‘So you gloat about Misrata, you dog.’“

There followed days of beatings as well as a trashing of his apartment, J. says. “They took turns beating me and each time I fainted they woke me up by pouring icy water over my head.”

Press-freedom advocates say this is not an isolated incident. “Fears for the safety of journalists in Libya increase daily,” says Najla Almsallati, a journalist and teacher at Benghazi University. “No one can depend on laws or human rights to protect them in the security chaos we are living through.” Fears of violence have become part of daily life for journalists, says Mourad Blal, a journalist and blogger. “When we write a text, immediately the anxiety comes.”

Sources
https://cpj.org/mideast/libya/
https://rsf.org/en/libya

Moutaz Ali is a journalist and lives in Tripoli, Libya.
ali.moutaz77@gmail.com

*Editors’ note: Because Development + Cooperation cannot independently verify the incidents described in this article, and because the journalist might be at risk, this article omits his name.

 

Kategorien: Ticker

Wenn die Lichter ausgehen

14. April 2020 - 10:49
Stromausfälle schaden Sambias Wirtschaft schwer

Teddy Mugala, Metzger auf dem Soweto-Markt in Lusaka, kann die Auswirkungen in seinen Kühlschränken sehen. „Meine Fleischprodukte werden jedes Mal schlecht, wenn der Strom abgeschaltet wird“, beklagt er.

Das quasi-monopolistische staatliche Energieunternehmen Zesco informiert seine Kunden in Mitteilungen, wann und wo mit Stromausfällen zu rechnen ist. In einigen Gebieten wird der Strom von früh morgens bis spät abends unterbrochen. Um die Situation zu entschärfen, versucht die Regierung, 330 Megawatt aus Südafrika zu importieren, was 27 Millionen Dollar kostet.

Aber die Unternehmer wollen schnellere Lösungen. „Mein Geschäft hängt von einer konstanten Stromversorgung ab“, sagt David Munyinda, ein Metallverarbeiter im Township Kalingalinga bei Lusaka. „Der Strom wird um fünf Uhr morgens für nur zwei Stunden eingeschaltet und geht dann wieder aus. Wie soll ich so arbeiten?“

Kategorien: Ticker

Jenseits von Wasserkraft

14. April 2020 - 10:38
Sambias Abhängigkeit von der Wasserkraft wird zum Problem

Eigentlich ist Sambia wie geschaffen für die Wasserkraft. Die Wasserströme der gewal­tigen Flüsse Sambesi und Kafue sind eine natürliche, saubere und erneuerbare Energiequelle. Große Wasserkraftwerke decken fast den gesamten Strombedarf Sambias.

Aber sie stoßen immer mehr an ihre Grenzen: Durch chronische Dürren sinken die Wasserstände in den Flüssen so sehr, dass die Stromerzeugung beeinträchtigt wird. Es kam in den vergangenen Jahren zu Engpässen, die fast einem Drittel der Erzeugungskapazität aus Wasserkraft von insgesamt 2 380 Megawatt entsprachen.

Durch die extreme Dürre 2019 sank der Wasserstand im Kariba-Staudamm auf den niedrigsten Pegel seit 1996 und fiel auf zehn Prozent der nutzbaren Speicherkapazität. „Das ist wahrscheinlich die schlimmste Dürre in Sambia seit der Unabhängigkeit“ 1964, sagte Energieminister Matthew Nkhuwa vor dem Parlament.

Laut der US-Entwicklungsbehörde USAID bezieht Sambia 85 Prozent seiner Energie aus Wasserkraft. Damit hängt das Land von einer Energieform ab, die der Unberechenbarkeit des Wetters unterliegt. Die durch den Klimawandel verursachte Dürre ist jedoch nicht das einzige Problem: Sambia spürt jetzt die Konsequenzen aus fehlenden Investitionen in die Wasserkraftanlagen. Selbst bei ausreichend Regen kann der Strombedarf von Bergbau, verarbeitender Industrie und Landwirtschaft mit der bestehenden Infrastruktur nicht gedeckt werden.

Immer wieder kommt es daher zu langanhaltenden Stromausfällen. Die Hinwendung zu alternativen Energiequellen, vor allem Sonne und Wind, soll Abhilfe schaffen. Solar- und Windkraftprojekte haben noch einen weiteren Vorteil: Sie können kleiner und dezentraler errichtet werden als die meisten Staudämme – und sie können an Mikronetze angeschlossen werden, die Strom in unterversorgte Gegenden bringen. Das ist in Sambia besonders wichtig: Nach Angaben von USAID haben nur vier Prozent der ländlichen Bevölkerung Zugang zu Elektrizität.

Einstieg privater Investoren

Der Großteil des sambischen Stroms wird vom staatlichen Versorgungsunternehmen Zesco produziert und verteilt. Um nicht nur die Vielfalt der Energiequellen, sondern auch die der Finanzmittel zu erhöhen, hat Sambia seinen Energiesektor inzwischen für private Investoren geöffnet.

Die Sambesi-Flussbehörde vergab 2019 einen Auftrag an ein Konsortium unter der Führung von General Electric und Power China zum Bau eines Wasserkraftwerks im Wert von 4 Milliarden Dollar in der Batoka-Schlucht. Mit der Internatio­nalen Finanz-Corporation (IFC) der Weltbank unterzeichnete Sambia eine Vereinbarung zur Entwicklung von zwei großen Solarprojekten. Auf eine Ausschreibung im Rahmen des „Scaling Solar“-Programms der IFC gab es mehrere Bewerbungen. Beide Anlagen gingen 2019 in Betrieb; laut IFC bieten sie die bisher niedrigsten Solarstrompreise in Afrika.

Auch im Bereich Windenergie gibt es vielversprechende Pläne. Im November 2019 initiierte der Energieminister ein 200-Megawatt-Windkraftprojekt in Katete in der Ostprovinz, der Baubeginn ist für 2021 geplant. Es ist die erste Phase des größeren Windprojekts Unika 1, das von privaten Investoren finanziert werden soll.

Diese Projekte werden dringend benötigt. Stromausfälle machen Sambias ohnehin schwacher Wirtschaft zu schaffen. Die chronische Stromknappheit betrifft jeden, von Privatpersonen über Kleinbetriebe bis hin zu den großen Bergbauunternehmen (siehe Kasten unten). Die Energiegewinnung aus diversifizierten Quellen könnte auch zu einem Sinken der Strompreise für die Verbraucher führen. Das kriselnde Unternehmen Zesco musste Ende 2019 die Preise um bis zu 200 Prozent erhöhen – auch, um importierten Strom aus Südafrika zu bezahlen.

Die Stromkunden sind verärgert, weil sie trotz der Probleme draufzahlen müssen. „Mein Geschäft ist wegen der Stromausfälle am Ende“, sagt die 32-jährige Lucy Mbewe, die einen Friseursalon in der Hauptstadt Lusaka betreibt. „Die Regierung sollte in andere erneuerbare Energien investieren, anstatt immer vom Kariba-Staudamm abhängig zu sein.“

Quelle
Faktenblatt von USAID:
https://www.usaid.gov/powerafrica/zambia

Derrick Silimina ist freier Journalist in Lusaka, Sambia. Seine Themenschwerpunkte sind die sambische Landwirtschaft und Nachhaltigkeitsfragen.
derricksilimina@gmail.com

Kategorien: Ticker

Seiten