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Aktualisiert: vor 9 Stunden 7 Minuten

Feministische Zusammenarbeit bei Oxfam

22. September 2022 - 11:29
Was braucht es dafür?Annalena Baerbock macht sich für eine „feministische Außenpolitik“ stark und auch der Begriff „feministische Entwicklungspolitik“ fällt seit dem Regierungswechsel öfter. Aber was ist damit eigentlich gemeint? Und was bedeutet das für Oxfams Arbeit? © SWEAT & Sisonke

Die Bundesregierung arbeitet derzeit einen Gender-Aktionsplan auf Basis der „3 R“ aus: Die Rechte, Ressourcen und Repräsentanz von Frauen, aber auch anderer an den Rand gedrängter Gruppen sollen bewusst gestärkt werden. Doch was bedeutet das konkret?

Frauen stellen über 50% der Weltbevölkerung dar. In vielen Ländern tragen sie durch körperliche Schwerstarbeit zum Einkommen bei, kümmern sich um Kinder und die ältere Generation und sorgen für die Ernährung der Familie. Gleichzeitig haben sie häufig nicht die gleichen Rechte wie Männer, keinen gleichberechtigten Zugang zu Bildung, sind im Erbrecht meist benachteiligt und erhalten nicht den gerechten Lohn für ihren Einsatz.

Die gezielte Förderung und Stärkung von Frauen sind deshalb nicht neu: Wir dürfen sie nicht einfach genauso behandeln wie (cis-)Männer, da ihre Lebenswelten und somit ihre Bedürfnisse andere sind. Sonst riskieren wir, dass unsere Unterstützung nicht bei Frauen und Mädchen ankommt. Ähnliches gilt für andere an den Rand gedrängte Gruppen, beispielsweise LGBTQIA+ -Personen, Menschen mit Behinderungen, Kinder und Jugendliche, Ältere, Geflüchtete, Schwarze, People of Colour und Indigene.

In der Humanitären Hilfe brauchen diese Personengruppen nicht nur Nahrung, eine Unterkunft und sanitäre Einrichtungen, sondern auch Schutz vor Übergriffen, Diskriminierung und Gewalt: Das kann die Beleuchtung auf dem Weg zur Toilette in einem Geflüchtetencamp sein, frauenspezifische Hygieneartikel oder der Zugang zu Gesundheitseinrichtungen, funktionierende Beschwerdemechanismen und Beratung.

Was bedeutet „feministisch“ für die Projektarbeit?

Langfristige feministische Projekte gehen über akute Notlagen hinaus. Ihr Ziel ist die gleiche politische, wirtschaftliche und soziale Teilhabe aller beteiligten Menschen, unabhängig von Geschlecht, geschlechtlicher Identität und sexueller Orientierung, ethnischer Zuschreibung und Herkunft, Religion, Nationalität, Alter, Behinderung oder Aufenthaltsstatus.

Es gilt, jene patriarchalen Strukturen zu verändern, die den gleichberechtigten Zugang zu Rechten und Ressourcen verhindern oder solche zu schaffen, die ihn ermöglichen. Dazu müssen wir genau auf die Geschlechterrollen und Machtverhältnisse schauen: Wer ist für was zuständig? Wer trägt die Verantwortung für die Familie und wie? Wer trifft Entscheidungen? Wie ist der Umgang mit Frauen? Wie sind Menschen mit Behinderungen integriert? Wie sieht die gesellschaftliche Haltung gegenüber LGBTQIA+ -Personen aus? Wer wird ausgegrenzt? Wer kann seine Rechte wie leben? Wie ist das Verhältnis verschiedener Ethnien? Welche nachteiligen und förderlichen Werte und Normen gibt es?

In manchen Regionen der Welt werden Werte verteidigt und geschützt, die schädlich für Frauen und die oben benannten Gruppen sind. Unser Ziel ist, gemeinsam mit der lokalen Zivilgesellschaft ein Umfeld zu schaffen, in dem eben diese Personengruppen ohne Diskriminierung gleichberechtigt leben können.

Wie können wir eine feministische Zusammenarbeit erreichen?

Gesellschaftliche Veränderung, die Änderung von Haltungen und Meinungen sowie von gängigen Praktiken geschieht nicht von heute auf morgen: Es braucht Zeit, langen Atem, den notwendigen politischen Einfluss auf regionaler und globaler Ebene und die nötige flexible Finanzierung.

Hürden innerhalb von Gesellschaften werden oftmals durch externe Faktoren verschärft. So stellt aktuell der Krieg in der Ukraine auch eine große Herausforderung dar – vor allen Dingen für wirtschaftlich benachteiligte Regionen: Getreidelieferungen kommen nicht an, Kraftstoff wird teurer, Dinge des täglichen Lebens sind unbezahlbar geworden. Auch Gelder für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe werden durch höhere Militärausgaben weniger priorisiert und Zahlungszusagen nicht eingehalten. In solchen Situationen werden gerade Frauen und an den Rand gedrängte Gruppen schnell noch weiter ins Abseits gedrängt. Das beweisen auch die verstärkten Ungleichheiten angesichts des Klimakrise und seit der Covid-19 Pandemie.

In unseren längerfristigen Projekten planen unsere Partnerorganisationen und wir Ressourcen und den Zugang zu ihnen so, dass Menschen das erhalten, was sie für eine gleichberechtigte Teilhabe benötigen. Meist fördern wir gezielt Frauen, um ihre Wirtschaftskraft und die Organisation von (Frauen-)Gruppen zu stärken, sie über ihre Rechte zu informieren und ihnen den Weg in ein selbstbestimmtes Leben zu erleichtern. Spaltungen zwischen den Geschlechtern gilt es dabei zu vermeiden: Männer und Jungen sind Teil der Projekte, so dass die Solidarität und der gesellschaftliche Zusammenhalt wachsen. Da sie oft mehr Rechte haben als Frauen, ist ihre Position gegenüber staatlichen Institutionen stärker und sie können bei der Umsetzung behilflich sein. Die negativen Folgen stereotyper und toxischer Männlichkeit können so bewältigt werden, um Diskriminierung, Konflikte, Kriege und Gewalt zu überwinden und friedlicher miteinander zu leben.

Auch wenn wir bei unseren Projekten oft von Frauen und Männern sprechen, gehen wir von Geschlechtsidentitäten aus, die über weibliche und männliche Zuschreibung hinausgehen. Was wir jedoch nicht wollen ist, Menschen als LGBTQIA+ -Personen zu identifizieren, zu kategorisieren und dann unsere Projektarbeit auf die Unterstützung ihrer Bedürfnisse abzustimmen. Vielmehr wollen wir, gemessen an ihren Bedürfnissen und Hindernissen, zu einem Umfeld beitragen, in dem sie ohne Diskriminierung leben können.

“Nothing about us without us”

Sisonke – die nationale Bewegung der Sexarbeiter*innen in Südafrika – formuliert das so in ihrem Slogan: „Nothing about us without us“ – Nichts über uns ohne uns. Dieser Slogan verdeutlicht, wie wichtig es ist, die eigene Perspektive nicht über die Perspektive der Menschen zu stellen, mit denen wir arbeiten. Gleichzeitig auch ein Slogan, der unterstützende Organisationen zur Selbstreflexion anregt: Zuhören und lernen statt ausschließlich aus der eigenen (wirtschaftlich privilegierten) Perspektive – zwar wohlmeinend, aber möglicherweise übergriffig – zu handeln. Denn hier ist der Grad schmal zwischen kolonialem Erbe, globalen Machtmissverhältnissen und Gleichberechtigung – zwischen Oxfam, den Partnerorganisationen und den Menschen, die durch die Projekte erreicht werden sollen.

„Feminismus“ und „Gender“ sind Begriffe, die auch in der Politik unterschiedliche Haltungen und polarisierende Diskussionen hervorrufen. Diese sind nicht immer zweckdienlich, denn oft werden die Begriffe dafür missbraucht, patriarchale Macht zu verfestigen. Dabei sollte es in der feministischen Zusammenarbeit darum gehen, diskriminierende Strukturen aufzubrechen und Frauen sowie an den Rand gedrängten Gruppen die Möglichkeit zu geben, gesellschaftliche Veränderungsprozesse anzuschieben.

Dafür müssen auch wir bei Oxfam uns mit den Begriffen Macht und Feminismus, dem kolonialen Fortschreiben von Verhalten und unserer eigenen Haltung immer wieder kritisch auseinandersetzen und unser Tun hinterfragen: Als Organisation, aber auch auf der persönlichen Ebene. Nur in der Anerkennung von Lebensweisen und im Teilen von Macht können wir voneinander lernen und dazu beitragen, dass die Welt gerechter, bunter und menschenfreundlicher wird.

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Nachhaltiger Wasserversorgung auf der Spur

21. September 2022 - 9:08
Wenn sich Krisen verstetigen, muss auch die Unterstützung stetig und nachhaltig werden. Wir haben die äthiopische Region Gambela besucht, wo Geflüchtete aus dem Südsudan nicht mehr an eine Rückkehr in ihr Land glauben. Hier haben wir uns ein Bild über den aktuellen Stand der Wasserversorgung gemacht. © Oxfam

In der Region Gambela im Südwesten Äthiopiens leben etwa 370.000 Geflüchtete aus dem Südsudan. Damit ist ihre Zahl größer als die der äthiopischen Bevölkerung in der Region. Sieben Camps für Geflüchtete existieren in Gambela. Die äthiopische Regierung hält die Grenzen für Geflüchtete offen. Sollte sich die Lage im Südsudan wieder verschlechtern, könnte diese Zahl daher noch weiter ansteigen.

Vor sechs Jahren hat Oxfam in Gambela gemeinsam mit anderen humanitären Organisationen Wasserversorgungssysteme für die Camps aufgebaut. Wir sind vor kurzem nach Gambela gereist, um uns anzuschauen, was aus diesen Systemen geworden ist. Zudem wollten wir uns ein Bild von der aktuellen Situation der Menschen in der Region machen.

Wasserversorgung in beeindruckenden Dimensionen

Die Dimension der örtlichen Wasserinfrastruktur für die Geflüchteten ist beeindruckend: Allein im Camp Nguenyyiel, das wir besucht haben, leben mehr als 100.000 Menschen. In den benachbarten Camps Kule und Tierkidi leben weitere 110.000 Menschen. Die drei Camps teilen sich ein Zuleitungssystem, das Wasser aus Bohrlöchern entlang des nahegelegenen Flusses Baro abpumpt, aufbereitet und zu den Camps führt. Das System nennt sich Itang Water Scheme und versorgt auch Menschen im Umfeld der Camps. Riesige Generatoren treiben die Pumpen an, da die öffentliche Stromversorgung häufig ausfällt.

© Oxfam Geflüchtete bleiben dauerhaft

Die Camps gleichen mittelgroßen Städten: Provisorische Unterkünfte sind hier kaum noch zu sehen, stattdessen fest gebaute Häuser, zu denen häufig noch ein kleiner Gemüsegarten gehört. Nichts deutet darauf hin, dass die Menschen nur vorübergehend hier leben. Auch unsere Gesprächspartner*innen berichten uns, dass in der Camp-Bevölkerung von Rückkehr keine Rede ist. Viele der Menschen müssen dauerhaft hierbleiben, weil ihre Lebensgrundlagen im Südsudan zerstört sind.

Finanzierung bleibt provisorisch

Die Versorgung der Camps wird allerdings noch immer hauptsächlich über kurzfristig angelegte humanitäre Finanzierungen sichergestellt. Und diese Finanzierungen werden immer knapper: Angesichts der anderen großen Krisen, mit denen Äthiopien, Ostafrika und viele andere Weltregionen derzeit konfrontiert sind, gerät Gambela zunehmend in Vergessenheit. Das Welternährungsprogramm musste hier im Juni wegen Geldmangels die Nahrungsmittelrationen für die Geflüchteten auf 50 % der eigentlich vorgesehenen Menge reduzieren.

Geflüchtete in Äthiopien sollen besser integriert werden

Äthiopien ist bekannt für seine liberale Flüchtlingspolitik: Die Landesgrenzen sind offen, Geflüchtete erhalten Zugang zu humanitärer Hilfe und Schutz. Aber welche Perspektive gibt es für diese Menschen über die humanitäre Hilfe hinaus, wenn sie bleiben wollen oder müssen?

Die äthiopische Regierung hat neue Gesetze verabschiedet, die die Rechte von Geflüchteten stärken und ihnen Möglichkeiten der Integration in lokale Strukturen und Versorgungssysteme einräumen. Beispielsweise haben Geflüchtete in Äthiopien nun eine Arbeitserlaubnis und ein Recht auf Zugang zu Grundschulbildung. Zum Ziel der Integration gehört auch, dass Geflüchtete in Äthiopien perspektivisch Zugang zu staatlich organisierter Wasserversorgung erhalten und somit unabhängiger von humanitärer Hilfe werden sollen.

Pilotprojekt: Wasserversorgung in staatlicher Hand

Mit Unterstützung von Oxfam und in Zusammenarbeit mit der regionalen Regierung von Gambela engagiert sich UNICEF bereits seit einigen Jahren dafür, die Wasserversorgung der Camps in die Hände staatlich geleiteter Wasserbetriebe zu geben. Das Itang Water Scheme wurde bereits 2018 an einen solchen staatlichen Betrieb übergeben, der seit seiner Gründung 2017 intensiv von internationalen Partnern unterstützt wird. Das Projekt von Itang gilt als international viel beachtetes Pilotprojekt zur Erprobung einer nachhaltigen Versorgungslösung für Geflüchtete, die auch auf andere Länder übertragen werden könnte.

Ein ähnliches Modell ist nun für die Stadt Gambela und das nahegelegene Camp Jewi geplant. Die Idee ist einleuchtend: Ein staatliches Unternehmen erwirtschaftet Einnahmen aus der Bereitstellung von sauberem Wasser und ist damit in der Lage, die örtliche Infrastruktur nachhaltig zu betreiben. Dadurch soll das System mit der Zeit unabhängig von externer Hilfe betrieben werden – eine nachhaltige Lösung!

Abhängigkeit von humanitärer Hilfe noch nicht überwunden

Die Abhängigkeit von humanitärer Hilfe konnte im Fall des Itang Water Scheme jedoch bislang nicht beendet werden: Die Menschen in den Camps haben in aller Regel kein Einkommen und sind deshalb nicht in der Lage, selbst für das Wasser zu bezahlen. Ihr Wasser wird daher vom UNHCR finanziert. Da die Geflüchteten jedoch die mit Abstand größte Nutzer*innengruppe darstellen, hängt die Finanzierung des Systems maßgeblich von den Beiträgen des UNHCR ab.

Wir hören vom Leiter des Wasserbetriebs, dass aktuell nur wenige zahlende Kund*innen aus der lokalen Bevölkerung das Wasser aus dem Itang Water Scheme nutzen. Am Preis liegt das nicht: Trotz gestiegener Treibstoffpreise, die sich auch auf den Wasserpreis ausgewirkt haben, zahlt man für 20 Liter Wasser – dem UNHCR Standard pro Person und Tag – umgerechnet aktuell weniger als 1 Cent.

Die Menschen in der Region erwarten jedoch, dass das Wasser kostenlos bereitgestellt wird, weil sie wissen, dass auch die Geflüchteten dafür nichts bezahlen müssen. Oxfam arbeitet gemeinsam mit den anderen WASH-Akteuren vor Ort daran, die Menschen davon zu überzeugen, dass es ohne Bezahlung dauerhaft keine funktionierende Wasserversorgung geben kann.

Trotz dieser Herausforderungen ist die Übernahme der Wasserversorgung durch einen staatlichen Betrieb ein wichtiger Schritt in Richtung Nachhaltigkeit und Lokalisierung. Die Lage der südsudanesischen Geflüchteten in Äthiopien ist leider nur eins von vielen Beispielen, die zeigen, dass Krisen sich weltweit immer mehr verstetigen. Es ist deshalb erforderlich, in der humanitären Arbeit grundlegend umzudenken und von Beginn an eine längerfristige Perspektive, unabhängig vom humanitären System, mitzudenken.

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Extreme Dürren – Gewaltige Fluten

17. August 2022 - 10:34
Die Auswirkungen der Klimakrise zeigen sich in Ostafrika durch ausgetrocknete Landstriche und Überschwemmungen – zwei Extreme, die gleichermaßen Lebensgrundlagen zerstören. Jetzt braucht es langfristige Lösungen. © Petterik Wiggers/Oxfam

„Wir hatten mehr als 150 Ziegen“, berichtet Hafsa Abdikader Ahmed aus Somalia. „Jetzt sind es nur noch zwei. Alle anderen sind verdurstet oder verhungert in Folge der Dürre.“ Mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern floh die 20-Jährige in ein Camp in der Nähe von Garowe, doch die Lage ist hier kaum besser – Wasser ist Mangelware.

Die junge Frau ist eine von 14,3 Millionen Ostafrikaner*innen, die im vergangenen Jahr aufgrund extremer Wetterereignisse ihre Heimat verlassen mussten – 9,6 Millionen mussten sich innerhalb ihres Heimatlandes einen Ort suchen, der ein Weiterleben ermöglicht, und 4,7 Millionen Menschen sind ins Ausland geflüchtet. Ganze Landstriche veröden, anderswo reißen gewaltige Überschwemmungen alles mit sich. Für Hafsa Abdikader Ahmed und ihre Familie ist der Verlust ihrer Ziegen verheerend: „Sie sind unsere Lebensgrundlage. Sie geben uns Milch, Fleisch und Geld, wenn wir sie verkaufen.“

Interview mit Ahmed Mohamud Omar - Viehhirte in Kenia © Khadija Farah/Oxfam

Ahmed Mohamud Omar, wovon leben Sie?

Wir haben immer von den Tieren gelebt. Früher hatten wir Kamele, Kühe und Ziegen. Ich würde sagen, wir waren wohlhabend, wir hatten jede Menge Milch und Fleisch. Jetzt, wo die Dürre über uns hereingebrochen ist, sind die meisten Tiere gestorben. Früher hatten wir Esel, die Wasser von den Brunnen zu unseren Dörfern transportiert haben. Aber die einzigen, die noch da sind, sind zu schwach, um solche Lasten zu tragen. Ich habe einige Tiere verkauft, um eine Autorikscha zu kaufen, damit ich Wasser holen kann. Aber nun gibt es kein Benzin mehr. Das Leben ist so schwer geworden. Nicht nur für uns, für alle hier.

Was brauchen Sie gerade am dringendsten?

Wir brauchen Essen und Wasser. Ich habe Angst, dass die übrigen Tiere sterben. Ich habe sogar Angst, dass meine Kinder sterben. Jeden Morgen bete ich und zerbreche mir den Kopf darüber, wie ich an Lebensmittel und etwas Wasser kommen könnte – und wenn es nur 20 Liter sind. Ich wünsche mir so sehr, dass es meiner Familie wieder gut geht und dass wir Essen aus der Stadt kaufen können und wieder mehr Tiere haben.

Wie war das Leben hier vor der Dürre?

In den Tagen des Wohlstands war das ganze Land grün. Alle Viehzüchter lebten in diesen Gebieten, den ganzen Tag hörte man die Rufe der Tiere. Eselskarren fuhren umher, um Wasser von den Brunnen in die Dörfer zu transportieren. Kamele, Kühe und Ziegen tranken davon. Es gab Milch, Fleisch und Tee. Das ist jetzt nicht mehr so. Die Tiere sind verschwunden. Der Besitzer von 100 Kamelen hat nur noch 40 oder 30, und der Besitzer von 100 Ziegen hat nur noch 20. Kühe gibt es gar nicht mehr.

Der afrikanische Kontinent ist mit am stärksten von den Folgen der Klimakrise betroffen. Dürren und Überflutungen zerstören besonders in Ostafrika lebenswichtige Ernten und Weideflächen und führen somit zum dramatischen Anstieg der Lebensmittelpreise. Hinzu kommen die Folgen des Krieges in der Ukraine: Der Preis für Weizen ist seit seinem Beginn um etwa ein Drittel gestiegen.

Mit Ihrer Unterstützung können wir Hunger durch langfristige Lösungen lindern:

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Kurzfristige Nothilfe reicht nicht mehr

Kenia, Somalia und Äthiopien gehören zu den afrikanischen Ländern, die besonders stark von Wasserknappheit betroffen sind. Auch die Lebensmittel werden knapp: Auf den vertrockneten Böden wächst nichts mehr, das Vieh hat weder Wasser noch Gras, um zu überleben. Somalia leidet aktuell unter der schlimmsten Dürre seit 40 Jahren, die Vereinten Nationen warnen vor tausenden Hungertoten.

„Wir brauchen Essen für die Kinder und Futter für das Vieh“, sagt Abdulahi Farah Isse, der mit seiner Familie im nordöstlichen Somalia lebt.

© Petterik Wiggers/Oxfam Novib

„Seit ich klein bin, gab es immer wieder Dürreperioden, aber diese ist die schlimmste, die ich je erlebt habe.“ Er ist erst 27 Jahre alt, aber die Sorgen und der Hunger der vergangenen Monate haben sein Gesicht gezeichnet. Für ihn, seine Frau und die drei Kinder gibt es schon jetzt nicht mehr genug Nahrung. „Diese Dürre wird auf jeden Fall Konsequenzen für uns haben“, sagt Abdulahi Farah Isse. Fast die Hälfte seiner Kamele hat er in den vergangenen Monaten verloren. „Meine Kinder brauchen die Milch der Kamele. Wenn die Tiere sterben, weiß ich nicht, was wir tun sollen.“

Mehr als 44 Millionen Menschen in Ostafrika sind derzeit auf humanitäre Hilfe angewiesen; 24 Millionen Menschen in der Region sind von schwerer Ernährungsunsicherheit betroffen und brauchen dringend Nahrungsmittelhilfen. Hier zeigt sich, dass kurzfristige Nothilfemaßnahmen gegen die Auswirkungen der Klimakrise nicht mehr ausreichen. Prognosen nach wird schon im Jahr 2025 die Hälfte der Weltbevölkerung in wasserarmen Gebieten leben. Organisationen wie Oxfam stehen vor der Herausforderung, ihre humanitären Hilfsmaßnahmen neu auszurichten – hin zu vorausschauenden, präventiven und nachhaltigen Lösungen.

© Samuel Turpin/Oxfam

„In Somalia konzentrieren wir uns aktuell darauf, gemeinsam mit lokalen Organisationen bestehende Wasserversorgungssysteme zu sanieren“, erklärt Lea Wende, Oxfam-Referentin für humanitäre Hilfe und Expertin auf dem Gebiet der nachhaltigen Wasser, Sanitär- und Hygiene (WASH)-Versorgung. Dies sind in erster Linie Brunnen und andere Wasserstellen, die rehabilitiert und so wieder nutzbar gemacht werden. „Weil das Grundwasser in weiten Teilen Somalilands, einer Region im Norden Somalias, zudem von Natur aus stark salzhaltig und deshalb zum Trinken ungeeignet ist, wurden hier vier solarbetriebene Entsalzungsanlagen installiert, die das Wasser durch Filtrierung von Salz und Sand befreien.“ So wird es für die Gemeinschaften vor Ort und für die Menschen, die vor der Dürre geflohen sind, aufbereitet.

Eine Hungersnot dramatischen Ausmasses

Während es hier an Wasser mangelt, kommt es andernorts zu verheerenden Fluten: Der Südsudan ist seit Jahren immer wieder von Überschwemmungen betroffen – im letzten Jahr aber war die Lage besonders dramatisch. Große Teile des Landes standen unter Wasser, UN-Expert*innen sprachen von den schlimmsten Überschwemmungen seit 60 Jahren. „Die Lage hier ist schlecht“, sagt Christine Lundambuyu, Oxfam-Koordinatorin für Geschlechtergerechtigkeit und Sicherheit im Südsudan. „Viele Menschen mussten vor den Wassermassen fliehen.“ Expert*innen gehen von weiteren Fluten in diesem und den kommenden Jahren aus.

© Lake Tesfaw/Oxfam

In dem von bewaffneten Konflikten betroffenen Land mangelte es auch vorher schon an Lebensmitteln und sauberem Wasser. Die Fluten haben die Lage noch einmal verschärft: „Die meisten Menschen hier haben nicht einmal mehr annähernd genug Lebensmittel im Haus, obwohl sie zwei oder mehr Mahlzeiten pro Tag ausfallen lassen und an manchen Tagen gar nichts essen“, berichtet Christine Lundambuyu. Nach Angaben von OCHA (United Nations Office for the Coordination of Humanitarian Affairs) gelten 1,3 Millionen Kinder im Südsudan als akut unterernährt. Eine Hungersnot entwickelt sich schleichend über Jahre, so Christine Lundambuyu: „Sie wird nicht überraschend kommen. Aktuell sehen wir, wie sie sich direkt vor unseren Augen abspielt.“

© Misozi Tembo/Oxfam

Aktuell leistet Oxfam in insgesamt drei betroffenen Regionen Nothilfe: Lakes State, Jonglei State und Pibor. Die Notmaßnahmen umfassen unter anderem die Verteilung von Nothilfesets zur Aufbereitung und sicheren Lagerung von Wasser, die Bereitstellung von Seife sowie Sets für die Menstruationshygiene für Frauen und junge Mädchen. Zudem werden Wasserlöcher gereinigt und wieder instandgesetzt. Um der weiteren Ausbreitung von infektiösen Krankheiten wie Cholera und COVID-19 entgegenzuwirken, informiert Oxfam außerdem die regionale Bevölkerung und bildet sogenannte Hygienepromotor*innen aus, die ihre Gemeinschaften über sichere Hygienepraktiken und COVID-19-Präventionsmaßnahmen unterrichten.

Drei Grundsätze nachhaltiger Wasser- und Hygieneversorgung

Langfristige Betriebsmodelle

Um auf die Klimakrise und ihre Auswirkungen zu reagieren, sollten Versorgungssysteme für Wasser und Sanitäranlagen sowie Hygienmaßnahmen (WASH) langfristig geplant werden – über die akute Notsituation hinaus. Camps für Geflüchtete bestehen durchschnittlich über 26 Jahre, was bedeutet, dass sie eine kontinuierliche Versorgungsinfrastruktur benötigen.

Innovation

Gemeinsam mit lokalen Partnern arbeitet Oxfam fortlaufend an der Entwicklung und Pilotierung innovativer Lösungsansätze und  -technologien, um eine nachhaltige WASH-Versorgung in humanitären Krisen gewährleisten zu können. So werden die Entsalzungsanlagen in Somaliland ausschließlich mit erneuerbaren Energien betrieben.

Feedback

Damit die WASH-Versorgung tatsächlich von der Bevölkerung angenommen und genutzt wird, entsteht sie im engen Dialog mit den Menschen, für die sie gedacht ist. Beispielsweise wird geprüft, welche Ansprüche Einwohner* innen in einer bestimmten Region an eine Latrine stellen; die Bedürfnisse von Frauen stehen hierbei besonders im Fokus.

Die Klimakrise verschärft globale Ungleichheiten

Die Ereignisse in Somalia und dem Südsudan sind nur die Vorboten einer globalen Klimakatastrophe, die in den kommenden Jahrzehnten noch viel mehr Menschen aus ihrer Heimat vertreiben  wird. Obwohl es in erster Linie die reichen Industrienationen sind, die die Klimakrise weiter anfachen, werden die wirtschaftlich benachteiligten Länder die schwersten Folgen tragen – sie tun es schon heute.

© Watipaso Kaliwo/Oxfam

Die Auswirkungen der Klimakatastrophe werden in den kommenden Jahrzehnten die Zahl der Menschen, die durch extreme Wetterereignisse vertrieben werden, drastisch erhöhen. Auch um die akuten Folgen dieser beispiellosen Krise abzumildern. Weltweit ist der Bedarf an humanitärer Hilfe so groß wie nie zuvor.

Extremwetterereignisse und langfristige Klimaveränderungen erfordern dabei eine Neuausrichtung; vorausschauendes, präventives und nachhaltiges Handeln werden zunehmend zu einer Grundvoraussetzung der humanitären Hilfe. Deshalb steht Nachhaltigkeit auch in Oxfams humanitärer Programmarbeit im Fokus – ganz besonders im Bereich der Wasser- und Hygieneversorgung.

Unterstützen Sie unsere Arbeit, damit sich die Menschen in Ostafrika nachhaltig auf Krisen vorbereiten können:

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Queer Joy: Was ist das und warum brauchen wir mehr davon?

5. August 2022 - 17:18
Jedes Jahr im Juni wird die LGBTQIA+ -Community gefeiert. Als Gesellschaft machen wir uns die Anstrengungen der Community um gleiche Rechte und Gerechtigkeit bewusst. Doch wir brauchen mehr als einen Monat gesellschaftlicher Aufmerksamkeit im Jahr. © Henrik Dulin

In Berlin haben dieses Jahr am 23. Juli über 150.000 Menschen an der Parade zum Christopher Street Day teilgenommen. Queere Menschen konnten sich und ihre Errungenschaften hier öffentlich feiern.

Doch Events wie dieses und gelegentliche Aufmerksamkeit der Gesellschaft reichen nicht aus. Denn obwohl LGBTQIA+ -Menschen überall Teil religiöser, ethnischer und kultureller Gemeinschaften sind, sind ihre Existenz und ihre Rechte noch immer nicht allgemein anerkannt.

Übersetzung aus dem Englischen

In einer Welt, die von Kriegen, Hungersnöten und anderen Krisen heimgesucht wird, vergisst man schnell die Treiber von Gerechtigkeit und Gleichheit.

Als globale Bewegung, die sich für eine gleichberechtigte und gerechte Welt für alle einsetzt, ist uns Geschlechtergerechtigkeit sehr wichtig. Deshalb wollen wir unseren LGBTQIA+ -Partnerorganisationen und -Aktivist*innen für ihren Beitrag zu sozialem Fortschritt, zur Einhaltung von Menschenrechten und zur Gleichberechtigung danken. Hier ist unsere Meinung dazu, was Queer Joy („queere Freude/Jubel“) bedeutet und warum wir mehr davon brauchen.

Queer Joy ist ein positives Gefühl © Maanya Dhar

Queer Joy ist ein Gefühl, das alle verstehen können, auch Menschen, die sich nicht als LGBTQIA+ -Personen identifizieren. Vielleicht kennen Sie das Gefühl, weil Sie erleben durften, dass Ihre gleichgeschlechtlichen Freund*innen ihren Jahrestag feiern, Ihr*e Arbeitgeber*in eine*n Transgender-Kolleg*in eingestellt hat oder weil Sie ein Stück Torte auf einer gleichgeschlechtlichen Hochzeit gegessen haben.

Queer Joy zu verspüren, ist für LGBTQIA+ -Menschen sehr wichtig. Queer Joy bestärkt sie in ihren Anstrengungen um Anerkennung vor dem Gesetz und in der Gesellschaft. Und noch wertvoller ist dieses Gefühl für LGBTQIA+ -Menschen in Kontexten, in denen Entwicklungen hin zu Geschlechtergerechtigkeit nur begrenzt möglich sind.

Queer Joy ist ein positives Gefühl. Wir empfinden es, wenn wir Anzeichen dafür sehen, dass die Gleichstellung der Geschlechter und Geschlechtervielfalt denkbar werden.

Queer Joy ist kraftvoll

Untersuchungen haben ergeben, dass eine starke feministische Bewegung den größten Einfluss auf die Abschaffung von geschlechtsspezifischer Gewalt auf dem Weg zu Geschlechtergerechtigkeit hat. LGBTQIA+ -Bewegungen sind dabei ein großer und integraler Bestandteil.

Queerer Aktivismus und queere Wissenschaft tragen dazu bei, unser Verständnis von Geschlecht und Sexualität zu erweitern und die Botschaft von Vielfalt, Akzeptanz und Inklusion in unserer Gesellschaft zu verbreiten. Laut aktuellem Stand (2022) ist die „Ehe für alle“ in 30 Ländern rechtlich anerkannt, wobei Chile und die Schweiz die jüngsten Neuzugänge sind. Das lässt uns hoffen!

Queer Joy ist Stärke © Maanya Dhar

Queer Joy kann bestärkend und motivierend wirken, wenn man sich wie Oxfam für soziale Gerechtigkeit einsetzt. Sich mit Themen wie geschlechtsspezifischer Gewalt und „Konversionstherapie“ (Zwang zu Heterosexualität) zu befassen und ständig mit Gegenreaktionen und Hass konfrontiert zu sein, ist für alle Aktivist*innen anstrengend. Der Pride Month (Juni) bietet eine wohlverdiente Pause, in der alle queeren Menschen diese Anstrengungen beim gemeinsamen Feiern etwas ausblenden können.

Und trotzdem ist Queer Joy nicht nur während des Pride Monats spürbar. Die LGBTIQA+ -Community stärkt sich gegenseitig tagtäglich. Jetzt ist es an uns und unseren Regierungen, LGBTQIA+ -Menschen dabei zu unterstützen, dass unsere Gesellschaft zu einem sicheren Ort für alle wird – unabhängig von Geschlechtsidentitäten und sexueller Orientierung.

Queer Joy ist bittersüß

Trotz der Fortschritte, die in den letzten Jahrzehnten weltweit erzielt wurden, sind wir noch meilenweit von einer allumfassenden Gleichstellung der Geschlechter entfernt. LGBTQIA+ -Menschen sind unverhältnismäßig stark von allen globalen Krisen betroffen – von Klimakatastrophen bis hin zu Kriegen. Sie sind von den Auswirkungen der „ignorierten Pandemie“ besonders betroffen, sprich von geschlechtsspezifischer Gewalt sowie von den sozialen und wirtschaftlichen Folgen der COVID-19-Pandemie.

Queer Joy ist also definitiv auch bittersüß: Selbst inmitten der Freude über Veränderungen und Fortschritte sollten wir nie diejenigen vergessen, die aufgrund ihrer Geschlechtsidentität und damit verbundenen äußerlichen Selbstdarstellung oder ihrer sexuellen Orientierung in verstärktem Maße Diskriminierung und Menschenrechtsverletzungen erfahren.

Queer Joy ist unverwüstlich

Manchmal fühlt sich gesellschaftliche Veränderung so an, als würde man einen Schritt vorwärts und zwei zurück gehen. Doch trotz aller Herausforderungen führt der LGBTQIA+ -Aktivismus weiterhin zu positiven Veränderungen. Das Thema Geschlechtergerechtigkeit bewegt die Herzen der Menschen weltweit und sorgt für Denkanstöße.

Queer Joy wird spürbar, wenn ein*e queere*r Künstler*in einen angesehenen Preis erhält, der die Kunst entsprechend würdigt oder wenn ein Lied im Radio gespielt wird, das gleichgeschlechtliche Liebe feiert. Ebenso stellt sich das Gefühle ein, wenn man eine Wahlfamilie hat, auf die man sich verlassen kann, wenn einen die leibliche Familie im Stich lässt. Queer Joy bedeutet, trotz aller Schwierigkeiten einen Schritt nach vorne zu wagen, auch wenn er noch so klein ist.

Queer Joy ist für alle da

Jeder Mensch kann seinen Teil dazu beitragen, eine gerechte und gleichberechtigte Welt für alle mitzugestalten. Gemeinsam mit verschiedenen Teams, Partnerorganisationen und in Kampagnen, die sich für Geschlechtergerechtigkeit einsetzen, hat Oxfam ein Manifest für Queer Joy erarbeitet. Es soll ausdrücken, wie eine solche Welt für LGBTQIA+ -Menschen aussehen könnte:

Wir hoffen, dass diese Vision viele Menschen – egal ob queer oder nicht – dazu inspiriert, gemeinsam dafür zu sorgen, dieser Welt jeden Tag einen Schritt näher zu kommen!

Das englische Original wurde am 31. Mai 2022 zuerst bei Oxfam International veröffentlicht.

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Zur Kasse bitte!

13. Juli 2022 - 12:10
Die Preise für Lebensmittel schießen in Rekordhöhen. Warum wir endlich eine Übergewinnsteuer und ein verschärftes Kartellrecht im Lebensmittelhandel brauchen! © Pixabay

Seit Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine sind die Preise nicht nur für fossile Kraftstoffe, sondern auch für Lebensmittel in die Höhe geschossen. Im März 2022 verzeichneten die Vereinten Nationen den größten Nahrungsmittel-Preissprung seit Beginn der Aufzeichnungen 1990. Doch nur ein Teil der Preissteigerungen geht auf reale wirtschaftliche Auswirkungen des Krieges, wie den Rückgang russischer Rohstoff- oder ukrainischer Getreidelieferungen, zurück. Marktmächtige Konzerne und Investor*innen profitieren von allgemein steigenden Preisen und nutzen die unsichere Weltlage, um ihre Gewinne zu steigern. Völlig zurecht werden daher Maßnahmen wie eine Übergewinnsteuer und ein kartellrechtliches Entflechtungsinstrument diskutiert.

Rekordprofite im Lebensmittelsektor

Bereits 2021 stiegen die weltweiten Lebensmittelpreise um astronomische 33,6 Prozent, im März 2022 erreichte der FAO Food Price Index ein Rekordhoch von 159,7 Punkten. Während von dieser Entwicklung vor allem der Globale Süden und Menschen mit niedrigen Einkommen betroffen sind und sich mehrere Länder kurz vor einer Hungersnot befinden, machten andere Kasse: Milliardäre, die den Großteil ihres Vermögens im Nahrungsmittel- und Agrarbereich haben, konnten ihr Vermögen in den letzten zwei Jahren um 45% (383 Mrd. US-Dollar) steigern.

Für die USA schätzt der Ökonom Matt Stoller, dass ganze 60% der jüngsten Preisanstiege darauf zurückzuführen sind, dass große Unternehmen ihre Profite erhöht haben. Gegenüber Investor*innen und in einer Umfrage gaben Handelsketten diese Geschäftspraxis zu: Sie erhöhten ihre Preise stärker als ihre Kosten gestiegen waren. Der Lebensmittelexperte Errol Schweizer begründet dies mit der hohen Marktkonzentration bei Produzenten- und Einzelhandelsfirmen in den USA, auch für Großbritannien liegt eine Studie dazu vor.

Sind deutsche Supermärkte Krisenprofiteure?

Zwar sind die Preiskalkulationen der Handelsketten selbst nicht einsehbar und erlauben so keine genaue Aussage, welcher Anteil der Inflation auf gestiegene Kosten zurückzuführen ist und welcher auf gestiegene Gewinne. Auch sind die deutschen Supermarktkonzerne nicht an der Börse notiert und legen keine Finanzberichte vor. Doch die Indizien mehren sich, dass die vier großen Ketten Aldi, Lidl, Rewe sowie die Schwarz-Gruppe aus Lidl und Kaufland, die 85 Prozent des Lebensmitteleinzelhandels beherrschen, von der Krise profitieren.

  • Im Mai 2022 waren Lebensmittel allgemein um 11,1 Prozent teurer als im Vorjahresmonat. Besonders Sonnenblumenöl wurde verstärkt nachgefragt, da aus den großen Produktionsländern Russland und Ukraine ein Einbruch der Lieferungen vorherzusehen war. Doch stieg der Weltmarktpreis seit Kriegsbeginn um etwa 60 Prozent an, während sich in deutschen Supermärkten Preissteigerungen um bis zu 270 Prozent fanden.
  • Eine Analyse für die Lebensmittelzeitung kommt zu dem Schluss, dass die großen Handelsketten zwischen Anfang März und Ende April zwar bei Markenprodukten die Preise relativ stabil hielten – also in Verhandlungen mit den Herstellern hart bleiben. Bei ihren Eigenmarken dagegen gab es deutliche Preissprünge um 10 bis 20 Prozent für einen Warenkorb. Das Eigenmarken-Mineralwasser der Supermärkte wurde sogar um durchschnittlich 32 Prozent teurer.
  • Die Verbraucherzentrale Hamburg führte das Beispiel Erdbeermarmelade an, die bereits Wochen vor der hiesigen Erntesaison innerhalb kurzer Zeit um 20 Prozent teurer geworden sei. Paradox dabei: Die Erdbeerpreise fielen in Folge zu geringer Nachfrage so stark, dass Erdbeerbauern ganze Felder ungeerntet ließen.

Diese Entwicklungen sind nicht allein mit dem Ukraine-Krieg oder Verwerfungen durch die andauernde COVID-19-Pandemie zu erklären. Vielmehr deuten sie auf „Mitnahmeeffekte“ hin: Die Supermärkte nutzen die Gunst der ohnehin steigenden Preise, um aus der Krise Profit zu schlagen. Oxfam fordert daher eine Übergewinnsteuer (engl. windfall tax) auf solche Krisengewinne, um die drastischen sozialen Folgen für Geringverdienende und wirtschaftlich benachteiligte Länder abzufedern. Während mehrere europäische Länder wie Großbritannien, Italien und Ungarn solche Steuern für den Energie- oder Bankensektor schnell auf den Weg brachten, scheitert diese dringend notwendige Umverteilungsmaßnahme bisher am Widerstand des Finanzministeriums.

Fehlender Wettbewerb

Der wichtigste Faktor für die übermäßigen Preissteigerungen ist in der Marktkonzentration zu finden. Unter Wettbewerbsbedingungen müssten Unternehmen Abstriche bei ihren Gewinnen machen, wenn ihre Kosten steigen. Dagegen können Monopolisten (marktmächtige Verkäufer) und Monopsonisten (marktmächtige Einkäufer, wie die Supermarktketten) einerseits härter gegenüber den Zulieferfirmen verhandeln und gleichzeitig ihre Preise nach oben treiben. Das heißt, Erzeuger*innen oder Arbeiter*innen dürften von den höheren Preisen kaum profitieren. Dies geschieht weniger durch (illegale) Preisabsprachen, vielmehr orientieren sich die Unternehmen in der Preissetzung aneinander. Deshalb ist es überfällig, dass sich die Bundesregierung mit der Einführung eines missbrauchsunabhängigen Entflechtungsinstruments beschäftigt. Damit würde das Bundeskartellamt ermächtigt, marktbeherrschende Konzerne in schwerwiegenden Fällen zu entflechten – das heißt, zu zerschlagen. Oxfam fordert bereits seit langem ein solches Instrument im Rahmen der Initiative „Konzernmacht beschränken“.

Im Lebensmitteleinzelhandel hat die Konzentration in den letzten Jahrzehnten rapide zugenommen, der Markt wird vom Bundeskartellamt als „hochkonzentriert“ bezeichnet. Keine der Übernahmen und Fusionen in diesem Sektor wurden verhindert, die Übernahme von Kaisers-Tengelmann durch Edeka sogar vom damaligen Wirtschaftsminister Gabriel forciert.

Gefahr für die Demokratie

Dabei sind zu hohe Preise lediglich eines von vielen Symptomen. Übermächtige Konzerne können über komplizierte Unternehmensgeflechte Steuern vermeiden und sich Regulierungen entziehen. Und: Die Machtstellung großer Konzerne gefährdet unsere Demokratie, da die dringend notwendigen Reformen hin zu einer sozial-ökologischen Wirtschaft gegen ihren Druck immer schwerer durchsetzbar sind.

Ein „Kartellrecht mit Klauen und Zähnen“, wie es Wirtschaftsminister Habeck im Zuge der Diskussion um den Tankrabatt ankündigte, ist daher notwendig, um der Übermacht der Großkonzerne etwas entgegenzusetzen und die Auswirkungen der Krise abzumildern.

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Petersberger Klimadialog: Chance für mehr Klimagerechtigkeit?

13. Juli 2022 - 10:00
Vor dem Hintergrund der sich verschlimmernden Klimakrise werden am nächsten Montag Vertreter*innen aus 40 Ländern in Berlin zum alljährlichen Petersberger Klimadialog zusammenkommen. Dort muss es um zentrale Themen der Klimagerechtigkeit gehen: Mehr Klimaschutz und mehr Unterstützung für wirtschaftlich benachteiligte Länder, insbesondere auch für die Bewältigung unvermeidlicher Klimafolgeschäden. © Mike Auerbach/Oxfam

Der gerade erst veröffentlichte sechste Sachstandsberichts des UN-Wissenschaftsrats zum Klimawandel (IPCC) hat – wenig überraschend – in aller Deutlichkeit noch einmal vor der sich verschlimmernden Klimakrise gewarnt. Die globale Durchschnittstemperatur ist seit Beginn der Industrialisierung um 1,1°C angestiegen; heftigere Stürme, häufigere Hitzewellen, stärkere Folgen von Dürren und der steigende Meeresspiegel bedrohen weltweit die Lebensgrundlagen, vor allem der Menschen in den von Armut geplagten Weltregionen. Die bisherigen Antworten der Politik sind nach wie vor viel zu schwach und zu sehr von kurzsichtigen Interessen geleitet, um den Klimawandel langfristig wenigstens halbwegs in den Griff zu bekommen.

An dieser Stelle muss der diesjährige Petersberger Klimadialog ansetzen. Auf Einladung der Bundesregierung und der ägyptischen Regierung, die in diesem Jahr den Vorsitz für die kommende UN-Weltklimakonferenz COP27 im November innehat, kommen Anfang nächster Woche Minister*innen aus aller Welt in Berlin zusammen, um die COP27 politisch vorzubereiten. Geleitet und moderiert wird die Veranstaltung von Außenministerin Annalena Baerbock, der also eine wichtige Rolle zukommt, damit der Petersberger Klimadialog für mehr Klimagerechtigkeit punkten kann – zum Beispiel auf den folgenden vier Feldern:

  1. Klimaziele verschärfen: Um die Erderhitzung auf maximal 1,5°C zu begrenzen, müssten die weltweiten Treibhausgasemissionen bis 2030 um knapp die Hälfte sinken. Davon sind wir weit entfernt. Die unter dem Pariser Abkommen eingereichten Klimaschutzziele der Länder deuten auf eine Erhitzung um 2,4°C hin, nach aktuellen Umsetzungsstand auf 2,7°C. Deswegen hat die letzte Weltklimakonferenz COP26 alle Staaten aufgerufen, ihre Ziele so zu verschärfen, dass sie mit der 1,5°C-Grenze kompatibel sind. Passiert ist fast nichts. Weder die G7, noch die EU, noch die großen Schwellenländer haben bisher Bereitschaft gezeigt, dem Aufruf der COP26 zu folgen, obwohl derzeit keines dieser Länder fair und ausreichend zum globalen Klimaschutz beiträgt. Diese Verweigerungshaltung muss der Petersberger Klimadialog thematisieren und zumindest einen Weg nach vorne aufzeigen.
     
  2. Weltweit Energiewende beschleunigen: Auch wenn die weltweiten Investitionen in erneuerbare Energien steigen, wollen die großen fossilen Konzerne bis 2030 über 800 Milliarden US-Dollar in die Erschließung neuer fossiler Lagerstätten investieren. Dabei helfen ihnen die rund 580 Milliarden US-Dollar, mit denen die Regierungen der G20 die Nutzung von Kohle, Öl und Gas jährlich subventionieren – Geld, das für den schnellen Ausbau der erneuerbaren Energien fehlt und die Abhängigkeit von fossilen Energien aufrechterhält. Neue Kooperationen zur Abkehr von den fossilen Energien sind dringend nötig. Als Beispiel könnten die Energiepartnerschaften dienen, die die G7-Staaten mit Indien, Indonesien, Senegal und Vietnam eingehen wollen – wenn diese Partnerschaften mit ausreichend Finanzzusagen unterfüttert werden und über partizipative, inklusive und geschlechtersensible Ansätze eine gerechte und sozial verträgliche Energiewende befördern, die insbesondere die Bedürfnisse der in Armut lebenden Menschen in diesen Ländern in den Fokus nimmt. Der Petersberger Klimadialog sollte hier neue Wege skizzieren, wie die Länder ergänzend zum Pariser Abkommen neue Wege der Kooperation eingehen können, um weltweit die Transformation weg von den fossilen Energien erheblich zu beschleunigen.
     
  3. Unterstützung für Verluste und Schäden sicherstellen: In seinem Sachstandsbericht hat der UN-Wissenschaftsrat zum Klimawandel (IPCC) deutlich gemacht, dass in vielen Ländern und für viele Menschen mehr und mehr die Grenzen der Anpassungsmöglichkeiten erreicht und deswegen Schäden und Verluste deutlich zunehmen werden – etwa wenn der Anbau von Nahrungsmitteln komplett unmöglich wird, Küstenstreifen dauerhaft unter den Fluten verschwinden, Grundwasserreservoirs versalzen oder Unwetterkatastrophen immer wieder die Lebensgrundlagen der Menschen zerstören. Für die Bewältigung solcher Schäden fordern die betroffenen Länder, insbesondere die kleinen Inselstaaten, zu Recht verlässliche finanzielle Unterstützung. Doch die Industrieländer verweigern ihnen diese Unterstützung aus Angst vor endlosen Kompensationsforderungen für von ihnen versursachte Klimaschäden. Hier könnte der Petersberger Klimadialog einen Brückenschlag zwischen den Industrieländern und den besonders gefährdeten Ländern unternehmen, damit auf der kommenden Klimakonferenz die Weichen für geeignete Mechanismen gestellt werden, um die notwendige Unterstützung in Zukunft bereitstellen zu können.
     
  4. Zusagen zur Klimafinanzierung einhalten: Vor inzwischen 12 Jahren hatten die reichen Industrieländer versprochen, die finanzielle Unterstützung für Klimaschutz und Anpassung an die Veränderungen in den Ländern des Globalen Südens bis 2020 auf jährlich 100 Milliarden US-Dollar zu steigern. Das Versprechen wurde nicht gehalten, stattdessen soll das Niveau nun erst 2023 erreicht werden. Die COP26 hatte 2021 zudem das Ziel gesetzt, die Hilfsgelder für den Bereich der Anpassung bis 2025 zu verdoppeln. Jetzt stehen die Industrieländer in der Pflicht, dieses Ziel mit einem konkreten Aufwuchsplan zu untermauern – und dies auf dem Petersberger Klimadialog auch verbindlich zuzusagen. Voraussetzung ist selbstverständlich, dass die Industrieländer auch ihre individuellen Zusagen einhalten, darunter die Zusage Deutschlands vom G7-Gipfel 2021, die Mittel für die Klimafinanzierung bis spätestens 2025 auf jährlich sechs Milliarden Euro anzuheben. Aber: Bisher plant die Bundesregierung keinerlei Steigerungen – und dies für eine Zusage, die Deutschlands Rolle nicht einmal gerecht wird. Angemessener wäre es, wenn Deutschland seine Unterstützung bis 2025 auf mindestens acht Milliarden Euro pro Jahr anheben würde. Der Petersberger Klimadialog wäre der Moment, solch eine Steigerung anzukündigen.

Als Gastgeberin steht die Bundesregierung unter besonderer Beobachtung. Umso ärgerlicher ist es, dass Bundeskanzler Olaf Scholz gerade erst auf dem G7-Gipfel unter der deutschen Präsidentschaft einen Passus in der Gipfelerklärung durchgesetzt hatte, der neue öffentliche Gelder für die Ausbeutung fossiler Ressourcen ermöglichen soll – ein halbes Jahr, nachdem Deutschland auf der letzten Weltklimakonferenz COP26 einer Allianz von Ländern beigetreten war, die sich zum Ende genau dieser öffentlichen Finanzierung für fossile Energieprojekte verpflichtet hatte. Gerechtfertigt wird das mit der Energiekrise infolge des Kriegs in der Ukraine – dabei dürften neue Investitionen in fossile Infrastruktur wohl kaum kurzfristig Erleichterungen bedeuten, gleichzeitig die Klimakrise aber langfristig weiter beschleunigen. Man darf gespannt sein, wie der Bundeskanzler das den Minister*innen in seiner für Montagmittag geplanten Rede auf dem Petersberger Klimadialog erklären wird.

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Ein gefährlicher Trend

7. Juli 2022 - 10:43
Um Armut und soziale Ungleichheit nachhaltig zurückzudrängen, braucht es funktionierende Zivilgesellschaften. Doch Menschenrechte und Demokratie sind weltweit zunehmend bedroht. © Mohamed Kalii/ Artriprod agency

Oxfam kämpft seit seiner Gründung vor rund 80 Jahren für das Recht von Menschen auf ein Leben in Würde und ohne Armut. Während bedeutende Erfolge insbesondere bei der Reduzierung von extremer Armut erzielt werden konnten, werden weltweit jedoch immer noch Millionen Menschen jeglichen Geschlechts und Alters grundlegende politische und soziale Rechte vorenthalten. Doch nur wenn sie selbst in der Lage sind, die Verantwortlichen für Misswirtschaft und Machtmissbrauch zur Rechenschaft zu ziehen, können sich Menschen dauerhaft aus Armut und sozialer Benachteiligung befreien. Deswegen ist es ein zentrales Anliegen von uns, die Kapazität und Souveränität unserer lokalen Partner und anderer Akteur*innen der Zivilgesellschaft zu stärken.  

Einschränkung von Grundrechten als weltweiter Trend

Viele Länder, in denen wir arbeiten, sind von staatlicher und gesellschaftlicher Fragilität, undemokratischen Verhältnissen und langanhaltenden gewaltsamen Konflikten gekennzeichnet. Die Tendenz ist dabei seit Jahren steigend. Immer häufiger unterdrücken Regierungen Menschenrechte, verwehren soziale Teilhabe und gehen gewaltsam gegen politische Gegner*innen vor. Weltweit leben etwa neun von zehn Menschen in Ländern, in denen der zivilgesellschaftliche Handlungsraum („Civic Space“) in unterschiedlichem Maß eingeschränkt oder geschlossen ist. Staaten, die gestern noch als demokratische Hoffnungsträger galten, können morgen schon autoritäre Züge aufweisen und zum Beispiel die Online-Überwachung verstärken, Parlamente entmachten, das Versammlungsrecht einschränken oder Nichtregierungsorganisationen (NRO) als feindliche „ausländische Agenten“ oder „Terrorunterstützer“ brandmarken. Gleichzeitig sind vielerorts militante menschenrechtsfeindliche Gruppen auf dem Vormarsch, die Menschenrechtsverteidiger*innen einschüchtern, misshandeln oder sie sogar ermorden und dabei oft straffrei bleiben.

Mächtige kontrollieren, Grundrechte einfordern

Unser Strategischer Plan 2020-2030 beinhaltet als eines der Kernziele „Accountable Governance“, also die Einforderung von demokratischen Grundstandards und Rechten sowie die Kontrolle der Mächtigen durch eine starke und lebendige Zivilgesellschaft.

Gemeinsam mit unseren lokalen Partnern treiben wir diese Agenda voran. Selbst dort, wo Kriege und Krisen primär kurzfristige Nothilfe erfordern, wollen wir so früh wie möglich tragfähige Strukturen aufbauen, die die Menschen widerstandsfähiger gegen künftige Bedrohungen machen. Der Aufbau und Schutz von zivilgesellschaftlichen Strukturen spielen dabei eine zentrale Rolle – von lokalen Initiativen bis hin zu international ausstrahlenden Netzwerken. Unsere Erfahrung zeigt, dass dieser Ansatz trotz aller Rückschläge durchaus erfolgreich sein kann, wie die folgenden zwei Beispiele zeigen.

In zwei mehrjährigen, durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) geförderten „Globalprogrammen“ in Indien, Südafrika, Tunesien und Ägypten steht die Stärkung der dortigen Zivilgesellschaft bzw. ihres Einsatzes für Arbeits-, Frauen- und politische Mitbestimmungsrechte im Zentrum.

 

Projektbeispiel 1: Globalprogramm in Indien und Südafrika

Ziel des Programms ist, die Rechte von Landarbeiter*innen in Indien und Südafrika zu stärken. In Südafrika hat zum Beispiel unsere Partnerorganisation „Women on Farms Project“ eine Kampagne zur Einführung einer Vermögenssteuer durchgeführt, damit Farmland neu verteilt und in die Hände von schwarzen Arbeiterinnen gegeben werden kann. Da in Südafrika vergleichsweise hohe Menschenrechtsstandards herrschen, kann dort Kritik an Regierung oder Unternehmen relativ gefahrlos erfolgen.

Deutlich ungünstiger ist die Situation in Indien, wo die Regierung in den vergangenen Jahren demokratische Freiheiten beschnitten und politisch missliebigen zivilgesellschaftlichen Organisationen die Arbeit erheblich erschwert hat. Ein Beispiel ist die Ende September 2020 in Kraft getretene Verschärfung des Gesetzes zur Auslandsfinanzierung von indischen Nichtregierungsorganisationen (FCRA), in deren Folge hunderte NRO, darunter auch Oxfam Indien, die Lizenz zum Empfang von ausländischen Fördermitteln untersagt wurde. Um im legalen Rahmen zu bleiben und überhaupt noch arbeiten zu können, musste Oxfam Indien seine Organisationsstruktur grundlegend verändern. Büros mussten geschlossen, Personal entlassen und der Arbeitsmodus angepasst werden.

Aufgrund dieser Einschränkungen musste u.a. ein im Globalprogramm vorgesehenes Austauschtreffen zwischen den Oxfam-Partnern aus Indien und Südafrika in einen benachbarten indischen Bundesstaat verlegt werden, um weniger Aufmerksamkeit zu erregen.

 

Projektbeispiel 2: Globalprogramm in Tunesien und Ägypten

Der Mittlere und Nahe Osten gehören zu den Weltregionen, in denen Menschenrechte und zivilgesellschaftliche Handlungsräume am meisten eingeschränkt werden. Menschenrechtsverteidiger*innen und politisch unliebsame Personen sehen sich in vielen Ländern willkürlichen Anklagen, Inhaftierungen oder Reisebeschränkungen ausgesetzt. Während Ägypten seit langem zu den Ländern mit den größten Einschränkungen der Menschenrechte weltweit zählt, herrscht in Tunesien seit dem sogenannten Arabischen Frühling 2011 ein vergleichsweises offenes politisches Klima. In jüngster Zeit sieht sich die dort sehr lebendige Zivilgesellschaft jedoch verstärktem Druck durch die Regierung ausgesetzt.

Um dieser Entwicklung hin zu politischer Bevormundung und Überwachung entgegenzuwirken, unterstützen wir im Rahmen des zweiten Globalprogramms tunesische und ägyptische NRO, Bewegungen und Aktivist*innen bei ihrem Einsatz für die bessere Achtung der Menschenrechte in den beiden Ländern und in der Region. Der Schwerpunkt liegt dabei auf positiver Beeinflussung von politischen Prozessen auf nationaler, regionaler und internationaler Ebene. Jeweils vier lokale Partner in beiden Ländern arbeiten u.a. zur Rechtsberatung von NRO, Erfassung von Verstößen gegen die Meinungs- und Pressefreiheit, Wissensaustausch und Vernetzung mit anderen Aktivist*innen, Förderung von Frauen in der politischen Mitgestaltung sowie zu psychosozialer Unterstützung für NRO-Mitarbeitende. Um diese Arbeit noch effektiver und sicherer zu machen, können die Partner im Rahmen des Projekts dafür notwendige Kenntnisse erwerben und sich in sicherer Umgebung digital oder in Präsenz treffen und untereinander Erfahrungen austauschen.

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Kann man Macht und Geld trennen?

6. Juli 2022 - 14:46
Die Stärkung lokaler Akteure erfordert ein Umdenken in der Humanitären Hilfe © JAGO NARI

Letzte Woche haben sich Geldgeber, UN-Organisationen, Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung sowie humanitäre Organisationen der Zivilgesellschaft getroffen und auf dem Grand Bargain Jahrestreffen über die Rolle der so genannten Intermediäre gesprochen. Intermediäre sind Mittler, die zwischen Gebern und lokalen Helfer*innen in Kriseneinsätzen vermitteln, weil es zwischen diesen beiden Ebenen meistens keine direkte Verbindung gibt. Intermediäre spielen in der humanitären Hilfe eine wichtige Rolle: Ein großer Teil der Gelder, die Geber wie Deutschland für humanitäre Einsätze zur Verfügung stellen, wird von internationalen Hilfsorganisationen an lokale Akteure weitergegeben.

Amy Croome, Humanitarian Policy Advisor bei Oxfam International, schreibt dazu:

Die Intermediäre stehen im Zentrum eines politischen Ausschusses des Grand Bargain, in dem verhandelt wird, wie ihre Rolle künftig so gestaltet werden kann, dass sie lokale Helfer*innen bestmöglich unterstützen und stärken. Dieses Ziel der Lokalisierung erfordert ein Umdenken in der Arbeitsweise vieler internationaler humanitärer Organisationen – darunter auch Oxfam.

Ist Oxfam "nur" ein Geber?

Die Befürworter der Lokalisierung drängen seit Jahren darauf, dass die Finanzmittel für die humanitäre Hilfe direkt an die Akteure fließen, die der jeweiligen Krise am nächsten sind: von Geflüchteten geleitete Organisationen, Frauenrechtsorganisationen, nationale und lokale zivilgesellschaftliche Strukturen. Bislang läuft dies üblicherweise über internationale NGOs und UN-Organisationen, die dann oft Unteraufträge an Organisationen im globalen Süden vergeben, um die eigentliche Arbeit zu leisten.

Ziel des Grand Bargain ist es, 25 % der gesamten humanitären Finanzmittel so direkt wie möglich an lokale Akteure zu vergeben. Doch der Teufel steckt im Detail, denn "so direkt wie möglich" heißt in der Regel, dass das Geld eben nicht direkt, sondern vermittelt über Intermediäre fließt. Im Jahr 2020 betrug der Anteil der direkten Finanzierung lokaler Akteure an den gesamten humanitären Finanzmitteln gerade einmal 3%. Der Anteil indirekter Finanzierung, die lokale Akteure über Intermediäre wie Oxfam erhalten, ist deutlich höher, wodurch zwangsläufig eine Art Geber-Empfänger-Beziehung entsteht.

Wie sieht Oxfams Rolle als Intermediär aus?

Das hängt von den jeweiligen Partnern vor Ort, dem lokalen humanitären System und der Art der Krise ab. In jedem Kontext bemühen wir uns darum, unseren Mehrwert zu bestimmen und unser Programm danach auszurichten: Wie können wir das bestehende lokale humanitäre System ergänzen? Was können wir unseren Partnern bieten? Die Antworten sind sehr unterschiedlich und es gelingt uns auch nicht immer perfekt - hier sind einige Beispiele:

  • Türen öffnen: Wenn es Finanzierungsmöglichkeiten gibt, die von Akteuren vor Ort direkt in Anspruch genommen werden können, und sie diese Möglichkeiten wahrnehmen wollen, unterstützen wir sie, indem wir sie den Gebern vorstellen und ihnen bei der Ausarbeitung ihrer Projektvorschläge helfen. In Somalia zum Beispiel haben wir Partner in der Entwicklung von Finanzierungsanträgen an bestimmte Geber beraten. Unser Mehrwert ist hier, den Partnern unsere Verbindung zu den Geldgebern und unser Fachwissen im Bereich Fundraising und anderen technischen Bereichen zur Verfügung zu stellen. Wir versuchen auch, Türen für Advocacy-Arbeit der Partner zu öffnen.
     
  • Als gleichberechtigtes Mitglied von Konsortien: In vielen Länderbüros, insbesondere dort, wo es eine starke und lebendige Zivilgesellschaft gibt und die humanitäre Krise langfristig ist oder immer wieder auftritt, hat Oxfam in das Entstehen von Konsortien lokaler Akteure investiert und diese unterstützt. In diesen Kontexten erhält Oxfam zwar die Gelder von institutionellen Gebern, aber Oxfam bestimmt die Arbeit nicht allein: Welche Finanzierungsmöglichkeiten in Anspruch genommen werden sollen, wie die Arbeit unter den Partnern aufgeteilt werden soll und welche Schwerpunkte gesetzt werden, wird gemeinsam entschieden. Dies ist beispielsweise in Kenia der Fall, wo die Mitglieder des ASAL Humanitarian Network die Mittel untereinander aufteilen und Oxfam das allgemeine Governance-System des Netzwerks stärkt. Oder in Myanmar, wo Oxfam manchmal von unseren Kollegen des Durable Peace Programms überstimmt wird.
     
  • Qualitativ hochwertige Partnerschaften als Standard: In vielen humanitären Kontexten ist die Zusammenarbeit mit Partnern unsere Standard-Arbeitsweise. Durch Investitionen in unsere eigenen Betriebsmodelle, Finanzierungsmechanismen und -kapazitäten, unser Personal und unsere Arbeitsweise haben wir Beziehungen zu lokalen Partnern aufgebaut, darunter viele Frauenrechtsorganisationen und von Geflüchteten geleitete Organisationen. Unsere Partner sind an der Konzeption von Projekten und der Entwicklung von Vorschlägen beteiligt oder leiten diese. Sie sind auch an der Entscheidungsfindung während der Umsetzung und an Evaluierungen beteiligt. Darüber hinaus legen wir gemeinsam fest, wie wir die Arbeit auf der Grundlage unserer komparativen Vorteile aufteilen und wie Oxfam die Kapazitäten der Partnerorganisationen in einer Weise unterstützen kann, die ihnen nützt. Im Südsudan gestalten die lokalen Akteure nun gemeinsam mit Oxfam die Programme. In Kolumbien beispielsweise werden 80 % unserer humanitären Mittel mit Partnern geteilt, von denen viele Frauenrechtsorganisationen sind, und wir ergänzen ihre Aktivitäten durch Maßnahmen, die Oxfam nach unserer gemeinsamen Auffassung unterstützen sollte, z. B. in der Advocacy-Arbeit und bei Themen wie den humanitären Prinzipien, da viele der Organisationen relativ neu in der humanitären Arbeit sind.
     
  • Mit lokalen Akteuren zusammenarbeiten: Obwohl Oxfams humanitärer Gesamtansatz zunehmend von Partnerschaften und der Unterstützung lokal geleiteter Maßnahmen geprägt ist, wird ein erheblicher Teil unserer Arbeit nach wie vor direkt von Oxfam-Teams in Krisengebieten umgesetzt. Dies geschieht oft als Ergänzung von Partnerschaftsarbeit. Oxfam ist aufgrund seiner Größe und globalen Struktur in der Lage, große Programme umzusetzen und verfügt über Expert*innenwissen in den Bereichen WASH, Schutz, Bargeldprogramme, Ernährungssicherheit und Gender. Das ist unser Mehrwert, aber wir versuchen, diese Stärken und Kompetenzen auf eine Weise zu nutzen, die das humanitäre System insgesamt ergänzt. Zum Beispiel durch den Kapazitätsaustausch, durch die aktive Beteiligung an humanitären Koordinierungsstrukturen und die Schaffung von mehr Raum für die Beteiligung und Führung lokaler Akteure innerhalb dieser Strukturen.

 

Wie machen wir uns in der „Mittler-Rolle“?

Jedes Länderprogramm verfügt über unterschiedliche Methoden, um von Partnern und den lokalen Akteuren im Allgemeinen zu erfahren, wie gut oder schlecht wir die Mittler-Rolle ausfüllen. In einigen Ländern werden die Partnerschaften regelmäßig überprüft – zum Teil durch Außenstehende –, in anderen werden die Partner gebeten, direkt mit den Gebern über Oxfam zu sprechen. In vielen Ländern und Kontexten haben wir den Eindruck, dass die lokalen Akteure in der Lage sind, uns konstruktives Feedback zu geben, sowohl negatives als auch positives. In Myanmar zum Beispiel sagen uns die Partner, dass unsere Due-Diligence-Verfahren zu mühsam sind.

Verlernen und Wiedererlernen

Viele der Systeme, Strategien und Praktiken von Oxfam haben sich im Laufe der Jahre verändert, um ein besserer Mittler zu werden. Wir sind dabei nicht allein, wie hier dokumentiert wurde, und wir sind noch nicht am Ziel.

Wir müssen bereit sein, vieles an unserem Verhalten als Organisation und als Mitarbeiter*innen zu verlernen, um unseren lokalen Partnern als führende und potenziell führende Akteure der humanitären Arbeit gerecht zu werden. Es bedarf eines anderen Ansatzes: Wir müssen unseren Mehrwert für ein bestehendes Ökosystem von lokalen und nationalen humanitären Akteuren verstehen. Oft werden wir durch falsche äußere Anreize von diesem Ansatz abgebracht, und neue Mitarbeiter*innen und neue Partner kommen mit einem eingefahrenen hierarchischen Ansatz, den es zu verlernen gilt.

Machen wir alles richtig?

Nein, natürlich nicht. Wir haben noch einen langen Weg vor uns, aber wir bewegen uns. Wir hoffen, dass die Einblicke in unsere Reise anderen Mittlern auf ihrem Weg helfen und Spender*innen ermutigen können, uns alle zu diesem gemeinsamen Ziel zu motivieren. Demnächst werden wir mehr über unsere Überlegungen und Erfahrungen als Mittler veröffentlichen.

 

Der Text ist im Original unter dem Titel "Can INGOs really separate power from money?" erschienen.

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Würden Sie einfach beten, dass der Regen kommt? Es ist Zeit zu handeln!

14. Juni 2022 - 15:05
Die kenianische Klimaaktivistin Elizabeth Wathuti appelliert an Alok Sharma, Präsident der UN-Klimakonferenz COP, und Sameh Shoukry, Außenminister Ägyptens: Die von der Klimakrise am schlimmsten getroffenen Menschen dürfen nicht ihrem Schicksal überlassen werden! Unterstützen Sie ihren offenen Brief. © Armstrong Too/Oxfam

Übersetzt aus dem Englischen.

Bitte unterstützen Sie mich für gerechten Klimaschutz

Wir brauchen Vertrauen und Solidarität, um die Natur- und Klimakrise gemeinsam zu lösen.

Die Menschen, die am wenigsten zur Klimakrise beigetragen haben, leiden gerade unter ihren schlimmsten Auswirkungen. Das ist schrecklich ungerecht!

Ich fordere die Staats- und Regierungschef*innen auf, jetzt zu handeln – und den Menschen, die von den Folgen der Klimakrise betroffen sind, eine Finanzierung für Verluste und Schäden bereitzustellen.

Sie möchten diese Forderung unterstützen? Dann unterzeichnen Sie diesen Brief und schließen Sie sich mir an.

Sehr geehrter Herr Minister Sharma und Herr Minister Shoukry,

Sie sind mitverantwortlich für die Leitung der UN-Klimaverhandlungen an einem Wendepunkt in der Geschichte der Menschheit.

Ich fordere Sie auf, sich dieser Herausforderung mit Mitgefühl und mutiger Führung zu stellen, denn nur so kann das im Pariser Abkommen festgelegte Temperaturziel von 1,5 °C eingehalten werden.

Zu den Verlusten und Schäden, die die Menschen in wirtschaftlich benachteiligten Ländern durch die Klimakrise erleiden, kommen die Auswirkungen eines Krieges und einer globalen Pandemie hinzu.

Die Menschen, die am wenigsten zur Klimakrise beigetragen haben, leiden gerade jetzt unter den schlimmsten Auswirkungen. Der Anstand gebietet es, dass dringend Finanzmittel für Verluste und Schäden mobilisiert werden, um ihnen zu helfen.

In diesem Jahr habe ich viel Zeit damit verbracht, mir ein Bild von den Erfahrungen dieser Menschen vor Ort zu machen.

Kürzlich besuchte ich die Region Wajir, die etwa eine Tagesreise nordöstlich von meinem Wohnort Nairobi in Kenia liegt. Was ich dort erlebte, war ein erschütterndes Beispiel für das Leid, das die miteinander verknüpften Klima-, Natur- und Ernährungskrisen derzeit auf dem gesamten afrikanischen Kontinent hervorrufen:

  • Vier ausgefallene Regenzeiten in Folge haben in der gesamten Region zu einem erschreckenden Ausmaß an Ernährungsunsicherheit sowie Wasserversorgungsunsicherheit geführt.
  • Ich habe das furchtbare Leid der Menschen in Wajir mit eigenen Augen gesehen, und die Geschichten, die die Menschen vor Ort zu erzählen hatten, werde ich nie vergessen.
  • Die meisten Menschen in Wajir leben von der Viehzucht, aber Tausende ihrer Tiere verenden jetzt aufgrund von Durst und Hunger.
  • Junge Mädchen werden aus der Schule gerissen, weil ihre Familien das Schulgeld nicht mehr bezahlen können.
  • Babys können sich nicht normal entwickeln, weil ihre hungernden Mütter sie nicht ausreichen stillen können.
  • Die unerbittliche Dürre hat die lokalen Wildtierpopulationen vernichtet.
  • Die natürlichen Ökosysteme, die eine Lebensquelle für alle sein sollten, haben ihre Belastungsgrenzen überschritten.

Was mich jedoch am meisten getroffen hat, war zu hören, dass einige der Menschen, die ich getroffen habe, ihre Situation als hoffnungslos empfinden – dass nur noch ihr Glaube sie aufrechterhält, während sie beten, dass der Regen kommen möge.

Die meisten Menschen, die ich in Wajir getroffen habe, wissen nicht, dass Entscheidungen, die an weit entfernten Orten getroffen wurden, etwas mit der Situation zu tun haben könnten, in der sie sich befinden.

Was würden sie tun, wenn sie wüssten, dass die Handlungen anderer – reicher, hoch emittierender Nationen im „Globalen Norden“ – etwas mit ihrer Notlage zu tun haben?

Würden sie einfach beten, dass der Regen kommt? Oder hätten sie den führenden Politiker*innen der Welt und den großen Unternehmen etwas zu sagen, die die Wahrscheinlichkeit und Intensität dieser Art von Katastrophen erhöhen?

Menschen, die am stärksten von der Klimakrise getroffen werden – wie die, die ich in Wajir getroffen habe – sind nicht für die Klimakrise verantwortlich. Sie leiden aber bereits jetzt unter den Auswirkungen, die weit über das hinaus gehen, woran sie sich anpassen können.

Die Weltgemeinschaft darf sie nicht einfach ihrem Schicksal überlassen.

Deshalb ist es von entscheidender Bedeutung, dass die COP27-Klimakonferenz, die später in diesem Jahr in Ägypten stattfinden wird, einen neuen Mechanismus einrichtet, um die lokalen Gemeinschaften finanziell bei der Bewältigung der Verluste und Schäden zu unterstützen, die sie bereits jetzt erleiden – und von denen wir wissen, dass sie nur noch schlimmer werden.

Hier geht es nicht nur um Geld. Geld kann niemals ersetzen, was die Menschen, die ich in Wajir getroffen habe, bereits verloren haben.

Es geht um Gerechtigkeit.

Es geht um den Aufbau von Vertrauen und Solidarität.

Das ist es, was die Weltgemeinschaft braucht, wenn wir die Natur- und Klimakrise gemeinsam lösen wollen.

Elizabeth Wathuti

Unterschreiben auch Sie den Brief!

 

Gemeinsam mit Klimaaktivist*innen weltweit unterstützt Oxfam den offenen Brief von Elizabeth Wathutis an Alok Sharma, Präsident der UN-Klimakonferenz COP, und Sameh Shoukry, Außenminister Ägyptens. Die nächste Weltklimakonferenz COP27 wird im November in Ägypten stattfinden.

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