„Unser Feind ist nicht greifbar, unser Feind ist die Angst. Das Gefühl, nichts mehr tun zu können, die Zukunft zu formen.“ Diese Worte der Poetry-Künstlerin Alhanislam hingen noch im Raum, als das Podium begann, genau dagegen zu arbeiten.
Am Sonntagabend versammelten sich bei „Zukunft Formen – Forming Futures“ internationale und lokale Wegbereitende aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft in der St. Katharinenkirche Hamburg. Über ihnen schwebte die Kunstinstallation HELIOS im Kirchenschiff. Die Veranstaltung verknüpfte die Hamburg Sustainability Conference und die Hamburg Sustainability Week. Was der Abend deutlich machte: Transformation ist keine Technikfrage. Sie ist ein kulturelles und soziales Vorhaben.
Wer Kohle abbaut, finanziert Autokraten
Stefan Aykut, Soziologe an der Universität Hamburg, sagte es direkt: Staaten und Technologie allein werden das nicht lösen. Gesellschaftliche Bewegungen haben die größten Fortschritte der Geschichte erkämpft, nicht Regierungen im Alleingang.
Seine These geht weiter. Wer die Krisen dieser Zeit versteht, sieht: Autokratische Regime weltweit finanzieren sich über fossile Einnahmen. Wer sich aus fossilen Energien löst, entzieht diesen Strukturen die Grundlage. Daher Aykuts Schluss: „Klimapolitik ist auch Friedenspolitik.“
Und noch ein Schritt: Klimamaßnahmen scheitern nicht an fehlendem Wissen, sondern an fehlender Akzeptanz. Aykuts Befund aus der Forschung ist klar: „Sobald eine Maßnahme als gerecht empfunden wird, steigen die Zustimmungsraten. Das ist einer der größten Prädiktoren dafür, ob Menschen eine Maßnahme positiv oder negativ bewerten.“ Wer die Energiewende nur für einige wenige gestaltet, verliert die Mehrheit. Bürgerenergiegenossenschaften sind kein nettes Beiwerk, sondern politische Notwendigkeit.
Ideen ohne Begleitung verpuffen
Fatoumata Fofana vom Youth Ambassador Programm der HSC brachte den Blick junger Menschen ein: Innovationsideen gibt es. Was fehlt, ist verlässliches Mentoring. Finanzierung allein reicht nicht, wenn niemand zeigt, wie aus einer Idee ein tragfähiges Projekt wird.
Sabine Kunst, Vorstandsvorsitzende der Joachim Herz Stiftung, beschrieb, wo Stiftungen einspringen: Milliarden fließen weltweit in die Wissensproduktion. Für die Umsetzung, für die konkrete Anwendung nachhaltiger Materialien in marktfähige Produkte, fehlt das Geld. Genau dort fördern Stiftungen wie ihre junge Gründende, die sogenannten „Impossible Founders“.
Der Abend in der St. Katharinenkirche hat gezeigt, was möglich ist, wenn diese Kräfte zusammenkommen. Das Gedicht von Alhanislam hatte recht: Die Ohnmacht ist der eigentliche Feind. Und gegen sie lässt sich arbeiten.
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