Zufriedene Teilnehmende bei der Preisvergabe im Dome auf dem Rathausmarkt. Alle haben gewonnen. Bild: Karsten Weitzenegger.

Am 1. Juli 2026 verwandelte sich Hamburg in ein lebendiges Labor für die Zukunft. Im Rahmen der Hamburg Sustainability Week kamen bei der großartigen Nachhaltigkeits-Werkstatt engagierte Bürger:innen, visionäre Unternehmen, kluge Köpfe aus der Wissenschaft und Vertreter:innen der Verwaltung zusammen. Der zentrale Leitgedanke des Tages, der bereits morgens von Bürgermeisterin Katharina Fegebank und Vordenker:innen wie Dr. Auma Obama diskutiert wurde, war „Ko-Kreation“ – die Überzeugung, dass echtes Umdenken nur gemeinsam gelingen kann.

In elf intensiven Workshops wurden den ganzen Tag über Ideen geschmiedet, die abends im eindrucksvollen Dome auf dem Zukunftsgarten Rathausmarkt vor einer Jury präsentiert wurden. Zwar wurden am Ende des Abends bestimmte Lösungsansätze von der Jury besonders hervorgehoben, doch die wahre Auszeichnung gebührt der kollektiven Innovationskraft: Jedes einzelne Projekt liefert einen unverzichtbaren Baustein, um Hamburgs Ziel der Klimaneutralität bis 2040 zu erreichen.

Hier sind ausgewählte beeindruckende Ergebnisse und Ansätze, die unsere Stadt nachhaltig prägen werden:

  1. Bauen, Wohnen und der urbane Raum

Wie wir zukünftig leben und bauen, war eines der drängendsten Themen. Im Workshop Bauwende einfach machen bewiesen die HCU und der Zinnwerke e.V., dass nachhaltige Baumaterialien keine Utopie sind: Die Teilnehmenden experimentierten hands-on mit Myzel (Pilzgeflecht) als ressourcenschonendem Baustoff. Ebenso zentral ist die Nutzung des bestehenden Raums: Das Projekt Raus aus dem Lock-in adressierte das Problem, dass Haushalte nach dem Auszug der Kinder oft in zu großen Wohnungen verbleiben, weil passender Wohnraum im gleichen Quartier fehlt. Hier wurden Strategien entwickelt, um diese Ineffizienz aufzulösen und Neubau zu vermeiden. Gleichzeitig zeigte der Austausch zu fairem Klimaschutz in Mehrfamilienhäusern, dass Solarstrom, Geothermie und energetische Sanierungen Hand in Hand mit bezahlbaren Mieten gehen können.

  1. Kreislaufwirtschaft, Fachkräfte und zukunftsfähige Wirtschaft

Um diese Transformationen umzusetzen, braucht es kluge Systeme und die richtigen Menschen. Die Initiative für ein Zirkuläres Möbelsystem Hamburg der Fab City Hamburg e.V. präsentierte eine beeindruckende Lösung für ausgemusterte Schul- und Büromöbel: Durch KI-gestützte Zustandserkennung und verteilte Werkstätten können Möbelströme digital gematcht und lokal wiederaufbereitet werden, anstatt im Müll zu landen. Dafür benötigen wir jedoch qualifizierte Hände. Die nachhaltige Fachkräftestrategie erarbeitete daher in einer Zukunftswerkstatt konkrete Qualifizierungsoffensiven für neue „Klimaberufe“. Auch die Zukunft der Medienlandschaft wurde durchleuchtet: Das IU Research Center betonte, dass nachhaltiges Medienmanagement und der Kampf gegen Desinformation entscheidend für das gesellschaftliche Vertrauen sind.

  1. Stadtgesellschaft, Jugendbeteiligung und Quartiersentwicklung

Nachhaltigkeit muss sozial verankert sein. Der FC St. Pauli diskutierte beim Thema Wachstumskonflikt im Quartier offen, wie große Sport- und Kulturorganisationen florieren können, ohne die Mieten zu treiben oder das soziale Gefüge des Kiezes zu gefährden. Besonders inspirierend war das Format Von Wetten zu Taten, bei dem junge Hamburger:innen Politiker:innen auf Augenhöhe begegneten, um Jugendbeteiligung in der Politik messbar und verbindlich zu machen. Um solche Teilhabe für alle zu erleichtern, zeigte das Projekt Digital und Nachhaltig, wie Bürger:innen digitale VR-Tools und offene Daten nutzen können, um Stadtplanung faktenbasiert selbst mitzugestalten.

  1. Die Natur in und um Hamburg neu entdecken

Nicht zuletzt stand unsere Mitwelt im Fokus. Ein poetischer Audioguide-Spaziergang zu Großstadtpflanzen lud dazu ein, das Bewusstsein für städtische Biodiversität durch „Nature Writing“ zu schärfen und ein partizipatives Gedächtnis der Hamburger Wildpflanzen anzulegen. Etwas weiter vor den Toren der Stadt widmete sich ein Workshop der Landwirtschaft im Alten Land und suchte nach Wegen, den traditionellen Obstanbau ökologisch und ökonomisch krisenfest für die Zukunft aufzustellen.

Wie geht es nun an die Realisierung?

Alle Initiativen gewinnen. Die Werkstatt hat bewiesen: Hamburg hat kein Erkenntnisproblem, sondern ist bereit für die Umsetzung. Die Realisierung dieser diversen Projekte erfordert nun genau die Allianzen, die am 1. Juli geschmiedet wurden. Das ist typisch Hamburg: Die Stadt geht voran, der Senat folgt, lange Geschichte, andermal mehr dazu. Konzepte wie die zirkuläre Möbelbeschaffung oder die neuen Bauweisen mit Myzel bieten sich hervorragend für Pilotprojekte in öffentlichen Einrichtungen an. Die Forderungen der Jugendbeteiligung und die Fachkräftestrategie fließen womöglich in die Nachhaltigkeitsstrategie der Freien und Hansestadt Hamburg ein. Egal ob ausgezeichnet oder nicht – jedes dieser elf Projekte hat das Potenzial, skalierbare Blaupausen für ganz Hamburg und darüber hinaus zu werden.

 


Entdecke mehr von SID Hamburg

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Von Karsten